Die Weihnachtsmaus (James Krüss)

Tom Sawyer

Die Bibel für Kinder

Summer and the City

Letzter Mann im Turm

Ruht das Licht

Sams im Glück

Arthur – 3. und die Stadt ohne Namen

Der kleine Lord

Der Mondscheindrache und Dachbodengeschichten

Gestatten, Mr Stink

Firelight – 1. Brennender Kuss

Geopfert

Erlösung

Pssst, ich weiß was!

Der Sommerfänger

Chroniken der Schattenjäger - Clockwork Angel

Familie Pompadauz – 2. Eine unfassbar fiese Falle

Familie Pompadauz – 1. Das pupsende Hängebauchschwein

Fluch der Karibik - Jack Sparrow - 4.Das Erbe von Cortez

Fluch der Karibik - Jack Sparrow - 3.Die Piratenjagd

Fluch der Karibik - Jack Sparrow - 2.Der Gesang der Sirene

Fluch der Karibik - Jack Sparrow - 1. Auf der Suche nach dem magischen Schwert

Geisterritter

Herr der Diebe

Nemesis - 1. Die Zeit vor Mitternacht / Geisterstunde

Percy Jackson - Die Schlacht um das Labyrinth

Percy Jackson - Im Bann des Zyklopen

Percy Jackson - Diebe im Olymp

Prince of Persia

Die Radleys

Reckless - Steinernes Fleisch

Verrat in Skogland

Skogland

Träumereien an französischen Kaminen

Wildernacht - Die verlorenen Tagebücher

Eine Weihnachtsgeschichte

Pinocchio

Der Zauberer von Oz

Alice im Wunderland


Die Weihnachtsmaus (James Krüss)



Erster Eindruck: Weihnachtsgedichte a la James Krüss

Zahlreiche Leckereien gibt es zu Weihnachten, Plätzchen, Schokolade und viele andere Köstlichkeiten. Doch was, wenn diese plötzlich alle aus ihren Verstecken verschwunden sind? Dann kann es eigentlich nur die Weihnachtsmaus gewesen sein, die das Naschwerk geklaut und in ihr Loch getragen hat...

Neben zahlreichen Hörspielen veröffentlicht der Audio Verlag in seiner Kinderserie mit in sich abgeschlossenen Geschichten auch so manches Hörbuch – und manchmal auch ganz besondere Hörstücke. „Die Weihnachtsmaus“ ist ein solches und fasst Gedichte und Verse des bekannten Autors James Krüss zusammen, die aneinandergereiht ein Feuerwerk aus guten Ideen geben. Die Länge der Gedichte ist völlig unterschiedlich, manche erzählen kleine Geschichten, manche sind eher stimmungsvoll, das Thema haben sie allerdings alle gemeinsam: Weihnachten. Mal witzig, mal nachdenklich wird immer weihnachtliches Flair versprüht und die Vorfreude auf das Fest der Liebe geweckt. Eine wunderbare Sammlung an einfallsreichen Gedichten, die gerade in der vorweihnachtlichen Zeit einen kleinen Schatz bilden, dem Kinder wie Erwachsene gleichermaßen lauschen werden. Die Umsetzung ist dabei mehr als gelungen, sodass „Die Weihnachtsmaus“ zu einem wunderbaren Titel der Serie mit dem weißen Rücken werden lässt.

Sprecher des Hörbuchs ist Friedhelm Ptok, dessen markante Stimme völlig unterschiedliche Facetten annimmt und so den einzelnen Gedichten ein eigenes Gesicht verpasst. Doch immer ist er auf die Zielgruppe der jüngeren Kinder fixiert und geht mit einem Augenzwinkern in der Stimme auf deren Bedürfnisse ein. Entstanden ist so ein sehr lebendiger und dynamischer Eindruck, der insbesondere auf Ptoks Vielseitigkeit beruht.

Auf dem Cover zu sehen ist die Weihnachtsmaus, die einen riesigen Stapel an Leckereien davon trägt. Die charmante Zeichnung ist hübsch anzusehen und überzeugt auch durch ihren schlichten Hintergrund. Wie immer ist die Aufteilung der restlichen Gestaltung streng gegliedert, hier aber immer wieder durch kleine grafische Elemente aufgelockert.

Fazit: Kleine Verse und Gedichte, die nicht nur stimmungsvoll sind, sondern auch erheiternd und witzig. Nicht nur wegen der sehr guten Sprecherleistung eine gute Einstimmung auf das Fest der Liebe.

VÖ: 16.September 2011
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-095-1


Tom Sawyer



Erster Eindruck: Abenteuer eines frechen Jungen

Tom Sawyer ist eine wahrer Lausebengel, und seine Tante Polly hat ihre liebe Not damit, ihn in die rechten Bahnen zu lenken. Zusammen mit seinem besten Freund Huckleberry Finn beobachtet er eines nachts den Mord auf einem Friedhof, und schon ist es mit dem beschaulichen Leben vorbei – denn andere Zeigen gibt es nicht...

Oetinger Audio veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur als hübsch Hörbuchausgabe in einer Geschenkbox. Die neueste Ausgabe dieser Reihe ist „Tom Sawyer“ und ist eine typische Lausbubengeschichte. Zu Anfang werden einige erheiternde Episoden erzählt, die Tom zusammen mit seinem Freund Huckleberry oder auch allein erlebt. Es macht Spaß, dem gewitzten Jungen zuzuhören und seine Ideen mitzuerleben. Die Erzählung kommt trotz ihres Alters in überraschend moderner Sprache herüber, alles ist auch für Kinder gut verständlich und nachvollziehbar. Den letzten Schliff bekommt die Handlung dann aber mit dem Mord, der von den beiden Jungen durch Zufall beobachtet wird, ab diesem Zeitpunkt wird die Geschichte kontinuierlicher und bekommt einen roten Faden.Mit der Zeit kommt ein großes Geheimnis zu Tage, das einen spannenden Abschluss der Handlung bildet. Auch während dieses zweiten Teils kommt der Charakter von Tom Sawyer sehr gut zur Geltung und gibt dem Geschehen die richtige Würze. Die Umsetzung hält sich sehr nah am originalen Roman von Mark Twain und ist hier unterhaltsam erzählt. Kombiniert mit der hübschen Verpackung ein tolles Geschenk für Familien.

Jona Mues ist der Sprecher dieses Hörbuchs und kann die Geschichte sehr lebendig und kurzweilig erzählen. Er versetzt sich sehr gut in die einzelnen Charaktere hinein und kann besonders die beiden Jungen Tom Sawyer und Huckleberry Finn sehr genau wiedergeben, das verschmitzte der beiden kommt sehr gut zur Geltung. Doch auch den Verlauf der Handlung kann er dynamisch und sehr lebendig herüber bringen und sorgt so für kurzweilige Unterhaltung.

Die 4 CDs sind in einer stabilen Klappbox untergebracht, das ein hübsches Motiv von Tom Sawyer auf dem Cover zeigt. Jede der CDs hat eine eigene Papphülle mit ruhigen, erdigen Titelbildern bekommen, die zum Träumen einladen und der Geschichte ein Gesicht geben. Zusätzlich findet man ein Booklet mit ausführlichen Informationen zum Roman.

Fazit: Ein Kinderbuchklassiker in einer gelungenen und lebendigen Lesung, nahe am Original und zudem äußerst hübsch gestaltet.

VÖ: August 2011
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0583-8


Die Bibel für Kinder



Erster Eindruck: Das Buch der Bücher „übersetzt“

Zahllose Geschichten beinhaltet die Bibel – zu viele, um die gerade Kindern alle nahe zu bringen. Die bekannte Protestantin Margot Käßmann hat 100 dieser Geschichten ausgesucht, bearbeitet und in kindgerechte Sprache übersetzt, sodass man nun auch der jüngeren Generation die Bibel und ihre Aussage näher bringen kann.

Die Bibel ist das meist publizierte Werk der Welt, verschiedene Übersetzungen erlauben unterschiedliche Blickwinkel auf den Ursprung des Christentum. Margot Käßmann hat nun eine Bearbeitung hinzugefügt, die sich auf das Wesentliche, die Kernaussage beschränkt und insbesondere für Kinder gedacht ist. Die Hörversion dieses Werkes, das schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, ist nun beim Audio Verlag erschienen und ist Teil der Reihe mit dem weißen Rücken. Die Geschichten sind mit großer Sorgfalt ausgewählt und beinhalten vor allem die bekanntesten Erzählungen, die Käßmann ohne Schnörkel und in klaren, einfachen Bildern schildert. Dadurch sind sie in wenigen Minuten erzählt und eignen sich sowohl als Gute-Nacht-Geschichte wie für einen entspannten Nachmittag, der einiges besinnliches an sich haben dürfte. Es gelingt, die Kinder mit den Geschichten zu faszinieren und ihnen so einen Grundpfeiler unserer Kultur nahe zu bringen. Moralische Werte werden vermittelt, die Grundzüge des Christentum aufgenommen. Doch das eigentlich erstaunliche an dieser Bearbeitung ist, dass auch Erwachsene gerne lauschen und die bereits bekannten Geschichten in sich aufsaugen. Natürlich sind die vielen gewalttätigen Teile der Bibel herausgelassen oder verharmlost worden, dennoch wirken die Erzählungen sehr intensiv. Weit mehr als eine Sammlung, sondern eine neue und gelungene Herangehensweise an die Schrift der Christen, ebenso schlicht wie prägnant.

Jürgen von der Lippe scheint auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Wahl, um die Kinderbibel zu vertonen. Doch schon nach den ersten Worten merkt man, dass der bekannte Entertainer diese Aufgabe sehr ernst nimmt. Er liest sehr flüssig und lebendig, lässt die Geschichten noch näher an die zuhörenden Kinder (und Erwachsenen) herantreten und bringt eine angenehme Ruhe herein. Seine Stimme und die Erzählungen passen so gut zueinander, dass kaum ein anderer besser für diese Aufgabe geeignet wäre.

Während der Geschichten ist keinerlei akustische Untermalung zu hören, sodass der Fluss der Erzählung nicht auseinandergerissen wird und die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Passagen bestehen bleiben. Nur ganz am Anfang und am Ende erklingen kleine Klaviermelodien, die ein wenig nachdenklich wirken und gut zu der Stimmung der Lesung passen.

Ein wunderschönes, phantasievolles Titelbild ziert das Cover zu dem Hörbuch, das auch schon auf der Vorlage zu sehen war. Der ebenso schlichte wie ansprechende Zeichenstil ist nicht nur für Kinder hübsch anzusehen. Im kleinen Booklet ist nicht nur ein an die Eltern gerichtetes Vorwort zu lesen, sondern auch eine ausführliche Auflistung der Tracks, dem auch die entsprechenden Bibelpassagen zu entnehmen sind.

Fazit: In wenigen Worten wird hier die Bibel einfühlsam und ausdrucksstark wiedergegeben, die Essenz herausgefiltert und zum Nachdenken und Diskutieren angeregt, wunderbar vorgetragen.

VÖ: 14.Oktober 2011
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-087-6


Summer and the City



Erster Eindruck: Carries Leben vor Mr. Big

Carrie Bradshaw, eine junge Frau, aufgewachsen auf dem Land, will in New York Fuß als Schriftstellerin fassen. Schnell kommt sie bei der netten Samatha unter, und auch ein Mann für eine Romanze ist schnell gefunden. Doch so einfach, wie es anfangs aussieht, ist das Leben im Big Apple gar nicht...

Kaum eine TV-Serie hat in letzter Zeit für so viel Aufregung gesorgt und einen solchen Kultstatus erreicht wie „Sex and the City“ - in dessen Heimatland Genauso wie bei uns in Deutschland. Kein Wunder also, dass immer neue Geschichten aus der Welt der Carrie Bradshaw auftauchen. Eine von diesen ist „Summer in the City“ und ist nun auch als Hörbuch beim Audio Verlag erhältlich. Erzählt wird eine Vorgeschichte zur Serie, in der Carrie vom Land nach New York zieht und im Laufe der Handlung auch ihre Freundinnen trifft. Allerdings sollte man wissen, dass sich diese Geschichte eher an den Büchern orientiert als an der Fernsehserie, einige Details sind deshalb gewöhnungsbedürftig und nicht gleich in Einklang mit der bisherigen Sicht auf die Frauen zu bringen. Die Handlung macht einfach Spaß, nicht mehr und nicht weniger. Carrie ist noch ziemlich unbedarft, große Gefühle oder tiefgreifende Probleme darf man also nicht erwarten. Eine kleine Romanze, zahlreiche heitere Momente, ein pfiffiger Humor – das alles darf man zu Recht erwarten. Schön wird das Lebensgefühl in New York beschrieben, und auch die Modewelt der Carrie Bradschaw wird hier geprägt. „Summer in the City“ ist kurzweilig, locker leicht und witzig, interessant für Fans der Reihe, aber kein absolutes Muss – dazu fehlt der letzte Kick.

Gelesen wird dieser Roman von niemand anderem als Irina von Bentheim, der deutschen Synchronstimme von Sarah Jessica Parker. Ihr Klang hat das Bild von Carrie Bradshaw stark geprägt, und trotz aller Unterschiede zur TV-Serie kommt hier ein starkes Wiedererkennen und Zusammengehörigkeitsgefühl auf.Sie greift die lockeren und heiteren wie die etwas ernsteren Szenen gekonnt auf und setzt sie mit ihrer markanten Stimme sehr gut um. Besonders die wörtliche Rede liegt ihr, hier spielt sie ihr ganzes Potenzial aus.

Ein pinker Apfel in Schlangenlederoptik, umgeben von einem schlichten Hintergrund in einem kräftigen Rosa – das Titelbild ist ein echter Hingucker. Der schlichte Schriftzug in Gold und ebenfalls Pink passt sehr gut dazu. Die vier CDs befinden sich in Laschen der aufklappbaren Papphülle, die mit Bildern der New Yorker Skyline geziert werden. Kurzinfos zu Autorin und Sprecherin lassen sich natürlich auch finden.

Fazit: Eine nette Geschichte aus dem früheren Leben der Carrie Bradshaw, allerdings ohne den punktierten Biss der Serie. Für Fans ein kurzweiliger Zeitvertreib.

VÖ: 16.September 2011
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-135-4


Letzter Mann im Turm



Erster Eindruck: Wie weit gehen Menschen für Geld?

Am Rande eines Slums im Norden von Mumbai ragt ein Wohnturm in die Höhe, dessen Bewohner der Mittelklasse angehören und ein beschauliches und ruhiges Leben inmitten des krassen Gegensatzes aus arm und reich führen. Bis ein windiger Immobilienmakler alles ein unmoralisches Angebot macht: Für einen hohen Betrag will er ihnen die Wohnungen abkaufen, um dort eine luxuriöse Wohnanlage zu bauen. Alle stimmen zu – bis auf einen alten Mann...

Aravind Adiga ist ein indischer Schriftsteller, und die für uns ebenso fremde wie faszinierende Kultur bringt er der westlichen Welt in seinen preisgekrönten Romanen näher. Sein neuestes Werk heißt „Letzter Mann im Turm“ und ist als Hörbuch beim Audio Verlag erschienen. Auch hier stellt er in lebendigen Worten die Situation der Mega-City Mumbai dar, die geprägt von ärmlichsten Slums und reichen, machtgierigen Männern ist. Diese intensiven Beschreibungen bilden den Grundstock, den Hintergrund der Geschichte, doch die Handlung an sich könnte ohne Probleme auch in jeder anderen Stadt passieren, denn es geht um die Frage, wie weit man in Geldgier gehen würde. Der Mikrokosmos des Hochhauses mit seinen Bewohnern teilt sich aufgrund des Angebotes des Maklers langsam in zwei Teile, diejenigen, die das Geld annehmen wollen und diejenigen, die ablehnen – nur, dass dieser zweite Teil nur aus einem moralisch integeren Mann besteht. Er ist keinesfalls der strahlende Held, sondern wird in seinem Starrsinn sehr menschlich dargestellt, und gerade das macht die Handlung so glaubwürdig und erlebbar. Die Entwicklung der restlichen Hausbewohner, die von verstecktem Ärger zu offenem Hass wechseln, ist der interessante Knackpunkt der Geschichte und stellt jeden Hörer vor die Frage, wie er selbst handeln würde. Die bildhafte und sehr schlichte Sprache transportiert dabei ganze Gefühlswelten und geht sehr genau auf das soziale Umfeld und die Charakterstrukturen der einzelnen Rollen ein. Ein wahres Ausnahmebuch, das gerade wegen seiner Außergewöhnlichkeit punkten kann.

Sprecher Sebastian Kowski bleibt überraschend neutral und stellt sich keineswegs auf die Seite des alten Maestrijs, sondern schildert teilweise fast schon nüchtern die Ereignisse – die so noch mehr für sich sprechen. So gibt er dem Hörer die Möglichkeit, selbst zu urteilen und zwingt sie geradezu, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Seine etwas knarzige Stimme ist dabei sehr lebendig und einprägsam, stellt die Ereignisse eindringlich dar und greift auch die Zunahme der Brisanz auf.

Selbstverständlich ist das Cover der Buchvorlage übernommen, der orangefarbene Hintergrund, der zur Mitte hin immer heller wird, lässt dem abstrakten Motiv Raum zum Wirken. Zu sehen ist der Schriftzug von Autor und Titel, einzelne Buchstaben bilden dabei einen Turm. Ebenso schlicht ist die restliche Aufmachung, ein einzelnes Foto lockert das Orange auf und findet seinen Platz hinter einer der CDs. Als Bonustrack ist auf der letzten CD ein interessantes Interview mit Übersetzer Ilja Trojanow zu hören.

Fazit: Ein intensiver und ebenso gesellschaftskritischer wie unterhaltsamer Roman, außergewöhnlich vorgetragen und ein rundum gelungenes Werk.

VÖ: 16.September 2011
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-132-3


Ruht das Licht



Erster Eindruck: Werwölfe und die ganz große Liebe

Grace und Sam haben endlich zusammengefunden und planen ihr Leben in menschlichen Körpern. Doch eine merkwürdige Veränderung vollzieht sich mit Grace, plötzlich hört sie den Ruf des Rudels und wird selbst zu einer Werwölfin. War Sams Kampf vergebens? Und auch Cole und Isabel werden in das Geschehen mit hineingezogen...

Romantasy – endlich ist ein Begriff gefunden, der all diese romantischen Bücher für meist junge Mädchen meint, die von Vampiren, Werwölfen und anderen fantastischen Wesen besiedelt werden. Auch „Ruht das Licht“ von Maggie Stiefvater ist eines dieser Romantasy-Bücher, wie auch schon der erste Band der Reihe mit dem Titel „Nach dem Sommer“, in der sich Grace und der Werwolf Sam gefunden haben und nun ein gemeinsames Leben führen wollen. Vorkenntnisse aus dem ersten Band sind erforderlich, gerade um die vielen Nebenfiguren richtig einordnen zu können. Schnell kommen die Erinnerungen wieder, da kleine Gedächtnisstützen eingebaut sind und Stiefvaters Schreibstil wieder sehr eingängig ist. Der Hörer fühlt sich schnell in ihrer Welt zuhause, lebt mit den Charakteren und ist über die neuen Entwicklungen gespannt – und diese sind hier zahlreich vertreten. Mit noch höherem Tempo als im ersten Band überschlagen sich die Ereignisse beinahe, besonders gegen Ende kommt man kaum hinterher. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Hauptgeschichte um Grace und Sam auf zwei weitere Charaktere ausgeweitet wurde: Cole, ein depressiver junger Mann, der unbedingt in seiner Wolfgestalt bleiben will, sowie die Isabel, ein verletzliches Mädchen, das von Cole immer mehr beeinflusst wird. Beide bereichern die Handlung sehr und geben der Handlung ihre dunkle Seite, sind der Gegenpol zur harmonischen Liebe von Sam und Grace. Denn diese – und das ist bei allen Nebenschauplätzen immer klar – steht unumstößlich im Mittelpunkt, wird bis aufs letzte ausgelotet und ist in allen Aufs und Abs dargestellt, alles kreist um die beiden, formiert sich um diese Konstellation. Typisch für das Genre, hier aber einfach schön und nicht übertrieben kitschig zelebriert – und natürlich ein Muss für jene, die den ersten Teil mochten.

Annina Braunmiller und Max Felder, die schon im ersten Teil in die Rollen von Grace und Sam geschlüpft sind, haben auch dieses Werk eingelesen. Ihre ebenso bekannten wie einfühlsamen Stimmen setzen sie auch hier wieder ein, um jede Gefühlsregung des Paares auszudrücken. Neu hinzu gekommen ist Johannes Raspe als Cole. Er verleiht dem Vergessenwollen, der tiefen Traurigkeit seines Charakters Ausdruck und passt sich trotz all der Düsternis seiner Rolle an das Genre an. Auch Gabrielle Pietermann, die die Passagen von Isabel übernimmt, ist eine hervorragende Wahl und bringt Leben in das Hörbuch. Die Aufteilung auf verschiedene Sprecher zahlt sich aus, alles wirkt strukturierter und auch eindringlicher.

Sehr gut gelungen ist das hübsche Cover, das in seinen zarten Blau- und Grautönen mit schlichter Verspieltheit überzeugt. Scherenschnittartig sind eine junge Frau mit einem Wolf zu sehen, geschmückt mit Ästen und Schneeflocken. Neu ist auf der Rückseite ein Code zum Einscannen ins Smartphone, wodurch weitere Informationen zum Titel erscheinen.

Fazit: Eine gelungene Fortsetzung mit neuen Elementen, aber der Liebe zwischen Mensch und Werwolf immer noch im Vordergrund.

VÖ: 16.September 2011
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-089-0


Sams im Glück



Erster Eindruck: Ein samsiger Herr Taschenbier

Auch wenn das Sams seit mittlerweile 15 Jahren bei der Familie Taschenbier wohnt und Freude in das Leben bringt, ist Herr Taschenbier momentan alles andere als glücklich mit seinem Leben. Ob es daran liegt, dass er sich in letzter Zeit so seltsam benimmt und schließlich sogar im Gefängnis landet, weil er einen Bus entführt hat. Doch das Sams hat da so eine ganz andere Idee für den Grund. Muss es etwa die Familie verlassen?

Das Sams hat es mittlerweile zu einer der populärsten Figuren der deutschen Kinderliteratur gebracht. Und in regelmäßigen Abständen erscheinen neue Geschichte rund um das kleine, freche Wesen mit der Rüsselnase. Der neueste Streich hat den Titel „Sams im Glück“ und dringt noch weiter in die Geschichte der Samse ein, erzählt weitere Hintergründe und befriedigt so das Bedürfnis, mehr über das so liebgewonnene Wesen zu erfahren. Verpackt ist dies in eine Geschichte, die nicht besser in die Serie passen könnte und zur alten Stärke der ersten Bände zurückfindet. Papa Taschenbier und seine neuen seltsamen Angewohnheiten sind wirklich humorvoll dargestellt, auch der weitere Verlauf unterhält bestens. Ein wenig Trauer schwenkt ab und an mit, prinzipiell steckt aber alles voller Lebensfreude und zeigt, dass es sich lohnt, Sachen anzugehen anstatt im Trübsal zu versinken. Das Ende ist dann sehr überzeugend und findet einen mehr als gelungenen, etwas rührseligen Abschluss. Die Dialoge mögen am Anfang noch etwas sperrig sein, im Laufe der Zeit lockern sie sich zunehmend, und nach etwa einem Drittel sind sie spritzig und voller Wortwitz wie eh und je. Und das tolle Gespann aus Sams und dem leicht verklemmten Herrn Taschenbier weiß auch hier wieder zu überzeugen. Eine mehr als nur gelungene Fortsetzung der Buchreihe voller innovativer und spaßiger Ideen, einer der stärksten Sams-Titel.

Ulrich Noethen ist Sprecher des Hörbuches und macht seine Sache ganz vorzüglich. Man hört richtig, wie er sich in die Geschichte vertieft und wie viel Freude sie ihm bereitet. So kann er besonders die Szenen, in denen Herr Taschenbier immer „samsiger“ wird, mit viel Leben füllen, sodass man die Bilder direkt vor Augen hat. Doch auch die emotionalen Momente kann er mit viel Einfühlungsvermögen in die Charaktere wunderbar darstellen.

Natürlich ist das Cover des Hörbuches von der Buchvorlage übernommen worden, in blau eingerahmten Kästen sind verschiedene kleine Zeichnungen aus der Geschichte zu sehen. Ansonsten ist die Aufmachung eher schlicht, neben kurzen Informationen zu Autor und Sprecher ist eine ausführliche Trackauflistung im kleinen Booklet zu finden.

Fazit: Eine sehr witzige Geschichte voller kleiner Höhepunkte, mit einem einfallsreichen Sprachgebrauch. Und das Sams ist sowieso immer eine Empfehlung wert.

VÖ: September 2011
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0577-7


Arthur – 3. und die Stadt ohne Namen



Erster Eindruck: Großes Finale der Trilogie

Der Kampf von Arthur und Larissa gegen die Schatten geht in die entscheidende Phase. Das Buch der Leere soll ihnen nicht nur helfen, Larissas Eltern zu befreien, sondern ihre mächtigen Gegenspieler vollends zu vernichten. Zusammen reisen sie in einen abgelegenen Ort mitten in der Wüste, und der entscheidende Kampf steht kurz bevor...

Die Geschichte um Arthur und die vergessenen Bücher war von Anfang an als Trilogie ausgelegt, sodass das nun vorliegende Hörbuch „Arthur und die Stadt ohne Namen“ das letzte der Reihe ist. So findet man sich auch schnell wieder in die erschaffene mystische Welt wieder, die sich um die Realität gelegt hat und reale Schauplätze benutzt, um dem Hörer einen glaubhaften Eindruck zu vermitteln. Und auch den Charakteren wird ein Entwicklungsspielraum gelassen, sie sind nicht starr, sondern lernen hinzu, legen neue Eigenschaften an den Tag und wachsen einem genau durch diese realitätsnahe Beschreibung sehr ans Herz. Dabei wird auch viel auf die Gefühlswelt von Arthur und Larissa eingegangen. Die Handlung legt im Vergleich zu den Vorgängern noch einmal zu, alles wirkt dramatischer, ernster und bedrohlicher. Schnell merkt man, dass die Geschichte wirklich ihrem Ende entgegensteuert. Die kurzweiligen Wechsel, die Autor Gerd Ruebenstrunk seit Beginn eingebaut hat, sorgen auch wieder für eine gewisse Dynamik und Kurzweil. Alles spitzt sich auf den entscheidenden Kampf zu, und dieser hat es gewaltig in sich und krönt die gesamte Trilogie, wird einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen. Eine sehr runde und spannende Handlung, und von den drei Büchern der Reihe der wohl gelungenste.

Natürlich ist Jacob Weigert auch hier wieder als Sprecher eingesetzt, der sich dafür schon bei den beiden vorigen Bänden empfohlen hat. Mit seiner eingängigen Sprechweise kann er zwischen lockeren und actionreichen Szenen gekonnt hin und her wechseln, trägt sowohl den Witz als auch die Dramatik der Vorlage näher an den Hörer heran. Dabei kann er auch die einzelnen Figuren gut darstellen, besonders gelingt ihm dies natürlich bei Arthur und Larissa, deren Gefühlswelt er gekonnt einfangen kann. Bei den restlichen Personen kann er aus einem Fundus glaubwürdiger Stimmlagen und Dialekte schöpfen.

Die eingefügte Musik ist bereits aus den vorigen beiden Teilen bekannt, und sie ist ebenso ungewöhnlich wie passend. Eingesetzt zwischen den einzelnen Kapiteln setzt sie nicht nur klare Trennungen, sondern gibt dem Hörer auch Zeit, das Gehörte zu reflektieren. Zudem lockert die Geschichte durch die exotischen Klänge auf.

Ein einheitlicher Look wurde für alle Bände der Buchreihe geschaffen, und natürlich wird dieser auch für die jeweilige Umsetzung als Hörbuch verwendet. Neben dem gemusterten roten Hintergrund und den metallenen Ecken zeigt die Bleistiftzeichnung in der Mitte wieder das eigentliche Motiv, das trotz seiner eher geringen Größe völlig im Mittelpunkt steht. Das Booklet enthält wieder einige zusätzliche Informationen, beispielsweise zwei Stadtkarten.

Fazit: Spannend, temporeich, dramatisch – der letzte Teil der Hörbuchreihe hat es in sich und wird von Jacob Weigert eingängig vertont.

VÖ: 25.August 2011
Label: Jumbo
Bestellnummer: 978-3-8337-2797-9


 

Der kleine Lord



Erster Eindruck: Klassiker in schlichter Umsetzung

Der kleine Cedric Errol wächst bei seiner Mutter in New York behütet auf, hat unter den armen Bewohnern der Stadt viele Freunde gefunden. Umso überraschender kommt der unbekannte Besuch aus England, der ihm mitteilt, dass er der einzige Nachkomme eines echten Grafen ist. Zusammen mit seiner Mutter reist er nach Europa, um bei seinem Großvater zu leben. Doch der griesgrämige alte Mann weigert sich, mit Cedrics Mutter zu reden…

„Der kleine Lord“ ist längst zu einem Klassiker der Kinderliteratur avanciert und bekommt immer noch Audioumsetzungen, trotz seines Alters von über 120 Jahren. Die neueste stammt von Oetinger Audio und enthält eine leicht gekürzte Lesung des originalen Romans. Die anrührende Geschichte kommt hier sehr gut zur Geltung, die vielen kleinen, liebevollen Details lassen einem auch bei dieser Umsetzung das Herz aufgehen. Im Mittelpunkt steht natürlich die Figur des Cedric, eines besonnenen und herzensguten Jungen, der in seiner kindlichen Naivität das harte Herz seines Großvaters zum Schmelzen bringt. Das geht nicht von einem Moment auf den anderen, sondern ist ein längerer Prozess, auf dem der Fokus dieser Umsetzung liegt. Das ist dann auch sehr glaubhaft dargestellt und vollzieht sich in vielen kleinen Schritten, beinhaltet auch viele heitere Momente. So entsteht lockere Unterhaltung für die ganze Familie, ist tiefgründig ohne schwerfällig zu wirken und kann in dieser Umsetzung noch einmal andere Facetten der Geschichte betonen. Die Schlichtheit, die durch das Medium Hörbuch ohne verteilte Rollen entsteht, tut der Handlung gut und bringt eine Ruhe herein, die die Herzlichkeit der Figuren noch weiter nach außen kehrt. Die kleine Serie mit berühmten Kindergeschichten, die Oetinger Audio in einer hübschen Aufmachung präsentiert, hat hier einen würdigen und in seiner Einfachheit überzeugenden Nachfolger gefunden.

Ursula Illert ist Erzählerin der Geschichte und liest sich schnell in die Handlung ein. Sie erfasst das Rührende sehr schnell und genau, lässt alles harmonisch und heimelig wirken, ohne kitschig zu werden. Genau diese Gradwanderung ist die Herausforderung bei dieser Vorlage, und glücklicherweise wird hier tatsächlich nicht allzu dick aufgetragen. Besonders gelungen ist Illerts Darstellung der Wandlung des hartherzigen Grafen zum liebevollen Großvater. Auch Cedric bekommt bei ihr einen herzlichen und in seiner Naivität liebenswerten Eindruck.

Zwischen den einzelnen Kapiteln ist ein wenig Musik eingefügt, während bei den gesprochenen Passagen allein die Stimme zu hören ist. Die kleinen Melodien stammen von Jan-Peter Pflug, der auch hier wieder die Stimmung des Werkes einfangen kann und zusätzliche Atmosphäre schafft. Auch hier wird keine dramatische oder kitschige Wirkung erzeugt, alles ist auf einem angenehmen, leicht romantischen Level.

Die Aufmachung der Serie ist bisher immer mehr als nur gelungen, auch hier finden sich im Booklet viele zusätzliche Informationen, beispielsweise zur Autorin, deren Leben man gut nachvollziehen kann. Die Pappbox ist wieder stabil und enthält für jede der 4 CDs eine eigens gestaltete Hülle mit eigenem Motiv. Nur das Titelbild fällt etwas aus dem Rahmen, das Foto aus dem bekannten Film fällt im Vergleich zu den wunderschönen Zeichnungen der anderen Teile zurück.

Fazit: Die wunderschöne und rührende Geschichte kann hier mit der einfachen Umsetzung überzeugen und kann die Handlung sehr gut und getreu dem Original abbilden.

VÖ: August 2011
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0562-3


Der Mondscheindrache und Dachbodengeschichten



Erster Eindruck: Lebendige Kindergeschichten

Als der kleine Phillip eines abends in seinem Bett liest, kommt plötzlich ein weißer Drache aus dem Buch gekrochen, der von einem Ritter gejagt wird. Natürlich möchte er dem Fabelwesen helfen, doch dann wird er selbst nur daumengroß und muss nicht nur den Ritter bekämpfen, sondern sich auch in seinem nun viel zu großen Zimmer zurecht finden...

Für phantasievolle Geschichten ist Cornelia Funke mittlerweile bekannt, doch auch vor ihrem ganz großen Durchbruch hat die Autorin schon etliche Geschichten erdacht, die damals noch an ein eher jüngeres Publikum gerichtet waren. Einige von ihnen sind nun als kleine Sammlung erschienen, im Mittelpunkt steht die Titel gebende Geschichte „Der Mondscheindrache“. Da diese ursprünglich an Leseanfänger gerichtet ist, ist diese nicht so komplex und vielschichtig wie ihre heutigen Werke, und auch die Charakterbeschreibung fällt sehr gering aus – eine Tatsache, die auch auf die Kürze der Handlung zurückzuführen ist. Trotzdem sprüht die Magie der Worte auch hier aus allen Enden und versetzt einen in eine neue, spannende Welt. Dabei zählen keine hintergründigen Gedanken, sondern das pure Erlebnis eines Abenteuers und die Vermittlung von einer spannungsgeladenen Atmosphäre. Die kleine Geschichte setzt sich schnell fest, ist eingängig und eine Freude für Fans von phantasievollen Kurzgeschichten. Auch die drei anderen Geschichten, „Der Bücherfresser“, „Mäuserettung“ und „Wovon leben Gespenster?“ sind an ein jungen Publikum gerichtet und auf deren Bedürfnisse ausgerichtet, sind aber ebenso wunderschön, witzig und unterhaltsam. Gerade für die ganz jungen Zuhörer, die vielleicht gerade erst mit dem Medium Hörbuch in Kontakt kommen, ist diese Sammlung empfehlenswert, da die kurzen Episoden kurz und einprägsam sind, aber den typischen Zauber Funkes in sich tragen.

Wie sollte es anders sein – auch diese Geschichten wurden von Rainer Strecker vertont, der wie so oft den Kern der Vorlage einfangen kann und unglaublich lebendig und vielseitig spricht. So kann er allen Charakteren einen eigenen Klang verleihen, kleine Details herausarbeiten und alles sehr phantastisch wirken lassen. Gerade durch diese sehr gute Leistung gewinnen die kleinen Handlungen an Substanz und werden so dem Hörer sehr nahe gebracht.

Während der einzelnen Episoden ist Strecker auf sich allein gestellt, während zwischen ihnen jeweils ein einzelnes, kleines Musikstück erklingt. Diese fangen die Stimmungen sehr gut ein und geben sie wieder, sind fröhlich kindlich, aber auch für Erwachsene keineswegs nervig. Neben der vermittelten Atmosphäre dienen sie natürlich auch der Abtrennung, sodass die Geschichten auch allein gehört werden können.

Natürlich ist auf dem Cover der Mondscheindrache zu sehen, der hier recht melancholisch dreinblickt. Der Hintergrund ist wunderschön dargestellt, ein voller und runder Mond geht gerade am Horizont auf und erleuchtet den dunklen Sternenhimmel. Das Innere des kleinen Booklets enthält ausschließlich Werbung, auf der Rückseite ist aber eine sinnvolle Trackauflistung über die einzelnen Geschichten zu finden.

Fazit: Kleine, aber durchaus faszinierende Geschichten, die ohne langen Aufbau ihre volle Wirkung entfalten können. Besonders der Mondscheindrache ist ein wunderbares Werk voller Herz.

VÖ: 28.Juli 2011
Label: Jumbo
Bestellnummer: 978-3-8337-2789-4


Gestatten, Mr Stink



Erster Eindruck: Ernstes Thema behutsam umgesetzt

Mr Stink wohnt nun schon einige Zeit in der Stadt, aber niemand will sich um den Obdachlosen kümmern. Doch eines Tages fasst sich die kleine Chloe ein Herz und spricht den Mann, der so unglaublich stinkt, einfach an. Sie ist überrascht, wie vornehm sich der Mann ausdrücken kann und freundet sich langsam mit ihm an – ganz zum Missfallen ihrer Eltern...

Obdachlosigkeit ist immer ein schwieriges Thema, nur wenige Leute wollen mit ihnen zu tun haben. Genau das greift das Buch „Gestatten, Mr Stink“ von David Walliams auf, das auch als gelesene Version beim Audio Verlag in der wunderbaren Kinderreihe mit dem weißen Rücken erhältlich ist. Und wie so oft ist es eine einfache, warmherzige Geschichte, die zeigt, wie man die Welt zumindest ein Stückchen besser machen kann. Sie erklärt, wie schnell man in die Situation von Mr Stink geraten kann, hinterfragt den Umgang mit obdachlosen Menschen und zeigt Wege auf, wie man ihnen wenigstens ein bisschen helfen kann. Verpackt ist dies in eine sehr liebevolle Handlung voller netter Details und auch komischen Situationen, die immer wieder Freude bereitet und das Herz aufgehen lässt. Im Gegensatz dazu immer wieder traurige Gedanken, die das Thema wunderbar aufgreifen und zum Nachdenken anregen. Sehr schön ist die Charakterisierung der verschiedenen Personen. Die eigensinnige Chloe, die sich nirgends wirklich zugehörig fühlt, ihre etwas hochnäsige Mutter, die aber auch zum Umdenken bewegt wird, und natürlich Mr Stink, der freundliche und liebenswerte Mann, der unverschuldet in eine Notlage gekommen ist. All dies zusammen kann das ernste und schwierige Thema sehr gut aufgreifen, erklären und zudem noch gut unterhalten – eine wirklich wunderbare Produktion voller Wärme.

Sprecher des Hörbuchs ist der grandiose Andreas Fröhlich, der mit seiner lebendigen und vielfältigen Stimme die Geschichte zum Leben erwecken kann. Dazu gehört seine heitere und lockere Art während der witzigen Passagen, seine Warmherzigkeit und eine kleine Melancholie bei nachdenklichen Sätzen und seine Wandlungsfähigkeit bei der wörtlichen Rede der Charaktere. Jeder bekommt einen individuellen Stempel aufgedrückt, und er kann den freundlichen Mr Stink genau so lebendig und glaubwürdig darstellen wie die lebhafte Chloe. Eine hervorragende Leistung.

Das Cover, natürlich der Buchvorlage entliehen, besticht durch seine effektvolle Schlichtheit. Der Hintergrund ist schlicht gelb, zu sehen sind der Obdachlose Mr Stink und Chloe. Die charmante, etwas wirre Zeichnung passt sehr gut zu der Geschichte. Die typische Aufmachung dieser Reihe mit dem weißen Rücken unterteilt die restliche Gestaltung sinnvoll und übersichtlich.

Fazit: Warmherzig, nachdenklich, witzig – die herzliche Freundschaft zwischen einem kleinen Mädchen und einem Obdachlosen wird voller versteckter Magie erzählt.

VÖ: 19.August 2011
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1098-2


Firelight – 1. Brennender Kuss



Erster Eindruck: Majestätische Drachen sind unter uns

Jacinda ist eine Draki, einer Gruppe von Drachen, die sich in Menschen verwandeln können. Doch mit dem behüteten Leben bei ihrem Stamm ist es bald vorbei, sie flieht in die Menschenwelt und versucht dort fernab von ihrer Heimat zu überleben. Will, ein Mensch, fasziniert und ängstigt sie gleichermaßen, denn er ist ein Drachenjäger...

Romantische Liebesgeschichten, in denen Fabelwesen die Hauptrolle spielen und die sich vornehmlich an die junge, weibliche Leserschaft richten, haben momentan Hochkonjunktur. Ein weiterer Vertreter dieses Genres ist „Firelight“, dessen erster Teil „Brennender Kuss“ nun auch als Hörbuchumsetzung beim Audio Verlag vorliegt. Erzählt wird in der Ich-Form aus der Sicht von Jacinda in der Gegenwart. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen, im Laufe der Zeit wirkt der Erzählstil aber glaubwürdig und organisch. Der Roman beginnt mit einer dynamischen Schilderung der Drachenwesen, ihre Kultur und ihr gesamtes Leben sind sehr interessant geschildert und wecken sofort die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Gerne hätte ich mehr davon gehört, doch die eigentliche Geschichte ist eine andere, und deswegen steht recht kurz nach dem Start die Flucht in die Menschenwelt an. Auch danach geht der Roman kurzweilig und unterhaltsam weiter, kann aber nicht sein volles Potenzial ausschöpfen. Etwas zu plakativ sind die Charaktere dargestellt, lassen wirklichen Tiefgang leider vermissen - lediglich Jacinda kann mit vielen verschiedenen Facetten überzeugen und ihren Schmerz über den Verlust ihrer Heimat glaubwürdig erscheinen lassen. Die Liebe zwischen ihr und Will wirkt zu eindimensional und kann trotz aller Romantik nicht so recht erklärt werden, sie wird wie vom Schicksal hingenommen. Der Handlungsverlauf ist jedoch spannend erzählt, die vielen Situationen, in denen Jacinda mit ihrem Schicksal hadert und ihre Liebe zu Will in Frage stellt wechseln sich mit dynamischen Szenen ab. Ein heftiger Cliffhanger schreit geradezu nach der Fortsetzung und lässt auf weitere Schilderungen des Drachenlebens hoffen. Firelight kann durchaus unterhalten und bietet Kurzweil, emotionale Tiefe ist hier aber leider nicht gegeben.

Stephanie Kellner ist die Sprecherin des Hörbuches und kann besonders gut auf Jacindas verworrene Gefühlswelt eingehen, ihren Schmerz, ihre Liebe, ihr Heimweh, ihre Zweifel, aber auch ihre Freude kann sie intensiv darlegen. Mit ihrer flüssigen Sprechweise und dynamischen Wechseln schafft sie zusätzliche Spannung, könnte an einigen Stellen aber noch eindringlicher sprechen. In der Darstellung der anderen Charaktere setzt sie eher auf kleine Nuancen denn auf eine stark verstellte Stimme, was ihrer Glaubwürdigkeit sehr zuträglich ist.

Selbstverständlich ist das Motiv der Buchvorlage auch als Cover für diese gelesene Fassung verwendet worden. Wie beim momentan so populären Genre üblich ist die Nahaufnahme eines weiblichen Gesichts zu sehen, Teile davon liegen im Schatten. Hier sind Teile der Haut passenderweise als Schuppen dargestellt, die Pupille im gelben Auge ist geschlizt. Sämtliche relevanten Informationen finden Platz hinter einer der CDs.

Fazit: Auch wenn die Geschichte zu oberflächlich bleibt, das faszinierende Szenario und die spannende Handlung sorgen für einen kurzweiligen Verlauf und zahlreiche schöne Momente.

VÖ: 19.August 2011
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1094-4


Geopfert



Erster Eindruck: Alkoholsucht und Sprüche unter der Gürtellinie

Gus Dury, im früheren Leben Journalist, nun der Alkoholsucht verfallen, wird von einem Freund um seine Mithilfe gebeten. Die Polizei tut den Tod seines Sohnes als Selbstmord ab, doch die brutale Vorgehensweise legt ein Verbrechen nahe. Gus beginnt zu ermitteln und stößt auf eine organisierte Bande, der der Tote anscheinend angehört hat...

Dass Ermittler in Thrillern nicht unbedingt die perfekten Menschen sein müssen, wurde in vielen grandiosen Romanen belegt. Was allerdings Tony Black in seinem „Geopfert“ mit Gus Dury so alles anstellt, ist schon etwas fragwürdig. Er schleppt immer Whiskey mit sich, trinkt alle paar Momente und ist in seiner Sucht schon ziemlich selbstzerstörerisch – was auch ein interessanter Charakterzug wäre, könnte man dies auch nur etwas nachvollziehen. Einerseits ist die Schilderung seiner Sucht krass, sein übriger Charakter bleibt aber blass und seltsam ausdruckslos, was einen seltsamen Eindruck hinterlässt. Auch die ständigen Prügeleien tun der Geschichte nicht gut, sondern wirken erzwungen und gewollt. Auch die Geschichte will nicht wirklich in Fahrt kommen, obwohl es um ein heikles und interessantes Thema geht: Menschenhandel. Aber Tony Black verliert sich zu sehr in der recht oberflächlichen Beschreibung seines Helden, sodass erst gegen Ende ein wenig Spannung aufkommen kann. Schade, denn die düstere Milieubeschreibungen sind durchaus gelungen und lassen Atmosphäre aufkommen. Aber mir fehlt der letzte Pfiff in der Story, um mich fesseln zu können. Der eingebaute Humor bewegt sich oft an der Grenze des Geschmacklosen und hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck, mal wirklich komisch, mal steht man eher peinlich berührt da. Das Hörbuch zu der Geschichte mit dem Anti-Helden ist bei GoyaLit erschienen.

Bernd Stephan ist Sprecher des Hörbuchs und kann besonders den düsteren Humor der Geschichte einfangen. Seine trockenen Kommentare werten diesen noch einmal auf, lassen ihn glaubhaft wirken. Ansonsten geht er gut auf die Gleichgültigkeit von Gus Dury ein, der die Geschichte in Ich-Form schildert. Insgesamt kommt dies gut herüber, doch da der Ermittler auch in spannenden Situationen ruhig bleibt, kann Stephan hier auch nicht wirklich viel herausholen und zu dramatischen Sequenzen einleiten, was aber der Figur und dem Schreibstil geschuldet ist. So verpufft eine Menge Wirkung und lässt alles zu gleichförmig wirken.

Das Titelbild ist nun nicht gerade das, was man als Aufsehen erregend bezeichnen würde. In großen Lettern prangen Autorenname und Titel darauf, die Buchstaben sind in knalligen, marmorierten Farben abgebildet. Erst beim zweiten Hinsehen fällt das kleine Motiv hinter den Lettern auf. Das kleine Booklet umfasst eine Auflistung der Tracks der 4 CDs.

Fazit: Ein zu blasser Ermittler, dessen Fehler aufgesetzt wirken, zu viel Potenzial wird hier nicht genutzt. Schade, denn im Grunde ist die erzählte Geschichte keine schlechte.

VÖ: 25.August 2011
Label: GoyaLit
Bestellnummer: 978-3-8337-2814-3


Erlösung



Erster Eindruck: Unmelancholisches aus Skandinavien

Eine alte Flaschenpost ist es, die nun die Aufmerksamkeit des Sonderdezernats Q der dänischen Polizei auf sich zieht. Denn die Zeilen enthalten einen Hilfeschrei zweier entführter Kinder und sind mit menschlichem Blut geschrieben worden. Doch Carl Morck hat sich auch noch mit den Geheimnissen seiner Kollegen Assad und Rose herumzuschlagen...

Es gibt ein vorherrschenden Klischee, dass Krimikost aus Skandinavien immer gleich düster und schwermütig sein muss. Damit bricht zumindest der dänische Autor Jussi Adler-Olsen, der „Erlösung“ immer wieder eine ordentliche Portion Humor zuschießt. Es ist der dritte Fall für Carl Morck und sein Sonderdezernat, dennoch sind Vorkenntnisse nicht zwingend notwendig, auch ohne diese kann man selbst Einzelheiten gut verstehen. Die Charaktere werden mit erstaunlich wenigen Worten sehr genau gezeichnet und enthalten so eine Tiefe, die im Gegensatz zu anderen Krimis völlig natürlich und nicht übertrieben konstruiert wirkt. Es sind die kleinen menschlichen Feinheiten, die Weichheit, die der schroffe Morck zeigt, die Aufdringlichkeit von Rose, die Geheimnisse um Assad. Und auch die vielen Nebenrollen tragen ihren Teil dazu bei und scheinen alle wie aus dem Leben gegriffen. Die Story entwickelt mit der Zeit ein erstaunliches Tempo, nach der recht langen Introphase geht es vorerst immer noch eher gemächlich zu, bis sich gegen Ende die Ereignisse zu überschlagen scheinen – Spannung kommt aber schon recht früh auf. Der Täter ist dem Hörer früh bekannt, der Knackpunkt liegt darin, seine gestörte Psyche zu erkunden und seine nächsten, grausamen Schritte abzuwarten, der Kampf der Ermittler gegen die Zeit. So entwickelt sich eine Atmosphäre des ständig drohenden Unheils, in dem man kaum die nächsten Entwicklungen abwarten kann. Interessanterweise wird hier auch eine große Portion Humors mit eingebracht, der insbesondere von den skurrilen Charakteren ausgeht und dem man sich nicht entziehen kann. Erlösung ist ein lupenreines Gemisch aus Krimi und Thriller, weiß früh zu fesseln und überzeugt mit vielen gut durchdachten Details.

Erzähler der Geschichte ist Wolfram Koch, der hier hervorragende Arbeit leistet. Er schafft es die verschiedenen Sichtweisen der Charaktere gut darzustellen und sie so glaubhaft wirken zu lassen. Insbesondere gilt dies für für den Täter, den man wegen der realitätsnahen Beschreibungen nachvollziehen kann. Mir gefällt die sehr betonte Sprechweise, die Akzente auf wichtigen Stellen setzt und mit kleinen Kunstpausen die Spannung bis ins Unermessliche steigern kann. Insgesamt eine wirklich lobenswerte Leistung.

Wie bei vielen Büchern dieser Art zu beobachten, ist auch hier das Titelbild recht schlicht gehalten und wurde natürlich auch für die Hörbuchumsetzung verwendet. Zu sehen ist lediglich ein Stück Stacheldraht vor einem düster wirkenden, in mehreren Farben gehaltenen Hintergrund. Die Nennung des Titels und des Autors nimmt zudem hier einen sehr großen Platz ein. Die Hülle ist übersichtlich und hübsch gestaltet, bietet aber keine weiteren Informationen.

Fazit: Ein sehr gut vorgetragener Krimi, der immer wieder zu überraschen weiß und neben der spannenden Handlung mit den wunderbaren Hauptfiguren zu überzeugen weiß.

VÖ: 22.Juli 2011
Label: Der AudioVerlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1062-3


Pssst, ich weiß was!



Erster Eindruck: Große Autoren mit kleinen Geschichten

Kleine Gedichte, Geschichten, Reime, die vielen aus der Kindheit bekannt sind. Ganz unterschiedliche Themen, ganz unterschiedliche Autoren, deren Erzählungen sich einprägen und auch Kindern von heute, die diese CD hören, irgendwann bekannt vorkommen werden...

„Pssst, ich weiß was!“ ist kein gewöhnliches Hörspiel oder Hörbuch für Kinder, sondern geht seine ganz eigenen Wege. So wird hier keine zusammenhängende Geschichte erzählt, sondern viele kleine Texte aneinandergereiht. Eines der bekanntesten dürfte „Herr Ribbeck von Ribbeck im Havelland“ von Theodor Fontane sein, aber auch Autoren wie Erich Kästner und Joachim Ringelnatz sind vertreten. Manche Texte kommen einem stark bekannt vor, beispielsweise vom Zauberer und seinem Tintenfass, aber nicht jeder wird alle kennen und kann sich so über „Ameisenkinder“ von James Krüss neu amüsieren. Kinder werden hier in den kurzen Texten fantasievoll angeregt und schließlich auch mit bedeutender Kinderliteratur vertraut gemacht. Es ist ein großer Spaß, den Sprachspielereien zu lauschen, in der Silben mit anderen Vokalen wiederholt oder Wortneuschöpfungen erfunden werden. Die Geschichten sind für Kinder durchaus anspruchsvoll, überfordern aber auch die kleinsten Hörer aufgrund ihrer Kürze nicht – zwischen 14 Sekunden und guten 3 Minuten ist ein Track lang, der ganze Text erzählt. Es ist in Sammelsurium an wunderbaren Einfällen, dazu noch mehr als überzeugend vorgetragen und eine absolute Empfehlung wert.

Kai Spitzl ist der Sprecher der vielen Geschichten und legt teilweise ein atemberaubendes Tempo an den Tag, wenn ein Gedicht so besser zur Geltung kommt. Er spielt mit den Wörtern, macht die Geschichten zu seinen eigenen, setzt durch verschiedene Tönhöhen immer wieder Akzente. Besonders gefällt eine Stele, in der er die zuhörenden Kinder zum mitmachen auffordert und einzelne Wörter ergänzen lässt. Es macht riesigen Spaß, ihm zu lauschen, er lässt die Zeit wie im Fluge vergehen – eine hervorragende Leistung!

Die Musik stammt von klassischen Komponisten und wird vorrangig auf dem Klavier eingespielt, aber auch Geigen und andere klassische Instrumente kommen zum Einsatz. Während der gesamten Laufzeit wird sie eingesetzt und ergänzt Spitzl in seinem wirken, ist ähnlich spritzig und kurzweilig wie der Sprecher und die Geschichten, sodass ein einheitliches Gesamtkunstwerk entsteht.

Das Cover ist witzig und bunt, ohne übertrieben grell zu wirken. Viele seltsame Gestalten tummeln sich hierauf, und auch die restliche Gestaltung ist mit vielen bunten Zeichnungen aufgelockert. Hinter der CD ist eine sehr ausführliche Auflistung der Tracks zu finden, in der auch die Autoren nachzulesen sind.

Fazit: Eine ganz und gar außergewöhnliche Produktion mit vielen kleinen Absurditäten. Nicht nur für Kinder äußert empfehlenswert!

VÖ: 18.März 2011
Label: Der Audioverlag
Bestellnummer: 978-3-86231-060-9


Der Sommerfänger



Erster Eindruck: Suche nach dem Freund

Trotz einiger Schwierigkeiten ist Jette froh darüber, wieder mit Luke eine Beziehung zu führen. Doch als sein Mitbewohner tot aufgefunden wird, verschwindet der junge Mann spurlos. Kann er wirklich etwas mit dem Mord zu tun haben? Jette beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln, doch sie hat unterschätzt, mit wem sie es zu tun bekommt...

„Der Sommerfänger“ ist der fünfte Teil einer Buchreihe von Monika Feth, der sich mit dem selben Freundeskreis beschäftigt und in deren Mittelpunkt Jette steht, eine selbstbewusste junge Frau, die wieder mit in einem Verbrechen zu tun bekommt. Zwar sind die Kenntnisse der vorigen Romane nicht zwingend notwendig, da sie in sich abgeschlossen sind und ihre ganz eigene Geschichte erzählen, allerdings ist es schon von Vorteil, die Charaktere und ihre Vergangenheit zu kennen, um einige Ereignisse richtig einordnen zu können – und auch schlicht zur Orientierung, denn die kurze anfängliche Einführung Feths ist recht knapp bemessen. Der Erzählstil ist flüssig und detailreich, insbesondere was die Gefühlswelt der Charaktere angeht. Aber auch die Orte sind gut beschrieben, sodass man der Reise gut folgen kann. Überhaupt sind die Personen sehr lebendig gestaltet, wirken glaubwürdig und jeder hat seine Eigenheiten verpasst bekommen, der sie auszeichnet und zu Individuen werden lassen. Neben Jette kann besonders ihre Freundin Merle überzeugen, die frischen Wind in die Handlung bringen kann. Feth wählt hier einen interessanten Ansatz und lässt gleich zu Beginn die Identität des Entführers bekannt werden, ebenso seine Absichten und seinen Hintergrund. So wird natürlich einiges an Spannung genommen, die sich erst so recht einstellen will, als Jette in unmittelbarer Gefahr ist – und das ist erst weit am Schluss der Fall. Schade, denn alles ist sehr gut durchdacht und bietet das Potenzial für einen wirklich Nerven zerfetzenden Thriller. So bleibt „Der Sommerfänger“ immer noch unterhaltsam und kurzweilig, mit vielen überraschenden Wendungen und einem guten Erzählstil.

Das Hörbuch ist hier untypischerweise auf verschiedene Sprecher aufgeteilt worden, anstatt einer Stimme alles zu überlassen. So sind die Passagen, die sich um Jette drehen, von Julia Nachtmann gesprochen, die der Gefühlswelt der jungen Dame Nachdruck verleiht und sich einfühlsam in die Figur hineinversetzt. Dennoch vernachlässigt sie auch die Ansichten der anderen Personen nicht, widmet jedem die ihm gebührende Aufmerksamkeit. Kai Schumann ist für die Sichtweise von Luke verantwortlich, meist mit leicht gebrochener bringt er die Grundstimmung des leidenden Mannes gut herüber, schafft zusätzliche Atmosphäre. Auch Regina Lemnitz und Aleksander Radenvoik sind zu hören.

Natürlich ist auch das Titelbild dieses Hörbuchs von der Coverillustration seiner Buchvorlage abgeleitet – die Zusammengehörigkeit soll im Handel schließlich nicht untergehen. Der Hintergrund ist in reinem weiß gehalten, darauf tummeln sich zahlreiche, vorwiegend rote Schmetterlinge. Der Schriftzug ist dann etwas mächtig geraten und dominiert das Bild zu stark.

Fazit: Eine kurzweilige und interessante Geschichte, die mit ihren tiefen Einblicken in die Gefühlswelt der Charaktere zwar überzeugen kann, dem es streckenweise aber etwas an Spannung fehlt.

VÖ: 28. April 2011
Label: Jumbo
Bestellnummer: 978-3-8337-2740-5


Chroniken der Schattenjäger - Clockwork Angel



Erster Eindruck: Plötzlich in der Unerwelt

Schon kurz nach ihrer Ankunft in London, wo sie bei ihrem älteren Bruder leben sollte, wird Tessa in einen Kampf verwickelt und erstmals mit dem Übernatürlichen konfrontiert. Gerettet wird sie von einer Organisation, die sich „Schattenjäger“ nennt und sich dem Kampf gegen dämonische Wesen gewidmet hat. Doch auch Tessa ist eine Schatttenweltlerin, was sie nicht nur vor Will und James verbergen muss, die in der Organisation tätig sind...

Nach „Die Chroniken der Unterwelt“ lässt Autorin Cassandra Clare eine weitere Buchreihe in dem von ihr geschaffenen Universum spielen, in der im London des 19. Jahrhunderts die Schattenjäger das Übernatürliche bekämpfen. Doch auch, wer die Vorgängerserie nicht kennt, findet hier einen guten Einstieg in die Welt und wird mit einem atmosphärisch dichten Werk belohnt - „Die Chroniken der Schattenjäger“ haben im Erstling „Clockwork Angel“ einen spannenden ersten Teil verpasst bekommen. Kurze Zeit nach dem Prolog, der auf geheimnisvolle Ereignisse hinweist, ist man auch schon mitten in der Handlung, Clare verschwendet hier nicht viel Zeit, erst einmal gemächlich die Personen vorzustellen und nimmt dies bei Bedarf im Laufe der Handlung vor. Eine gelungene Vorgehensweise, die den Hörer sofort in ihren Bann ziehen kann. Hier überschlagen sich die Ereignisse zu Anfang ein wenig, trotzdem kann man noch gut folgen und verpasst keine wichtige Information. Überhaupt ist der Schreibstil Dares sehr flüssig und kurzweilig, ihre lockere Art gepaart und die stets vorhandene geheimnisvolle Stimmung greifen nahtlos ineinander. Das kann dann auch über leichte Längen im Mittelteil hinweg täuschen, auch hier will man immer wissen, wie es weiter geht. Gelungen sind die vielen kleinen Spannungsbögen, die stets in einem Cliffhanger am Ende eines Kapitels enden. Trotzdem wurde hier der große Handlungsbogen nicht vernachlässigt, der immer weitere Geheimnisse aufdeckt und über das Schicksal Tessas entscheidet. Da fügt sich dann auch die Liebesgeschichte organisch ein, in der sich die Hauptperson zwischen dem kühlen und unnahbaren Will und dem warmherzigen und hilfsbereiten James entscheiden muss. Ich mag die Stimmung, die hier in der mysteriösen Welt entsteht, die ständige Gefahr für Tessa, die zudem langsam ihre wahre Natur erkundet. Ein unterhaltsames Werk voller mysteriöser Ereignisse, das mir gut gefallen hat.

Sprecherin des Hörbuchs ist Katja Danowski, die mir bis dato unbekannt war – schade eigentlich, denn ihre helle, klare Stimme ist angenehm zu hören. Meist in sanften, an den richtigen Stellen aber auch mal in etwas härterem Tonfall kann sie einen dynamischen Eindruck erwecken, formt die wellenförmige Spannung der Vorlage mit ihrer Stimme nach. Besonders das Einfühlen in die Figur der Tessa ist ihr gut gelungen, hier legt sie viel Emotionen in ihre Interpretation und kann die schwankende Gefühlslage der jungen Frau so genau treffen. Eine wirklich lebendige Leistung, die den Reiz des Hörbuches zusätzlich zur Geschichte noch einmal steigert.

Wie bei Hörbüchern zu aktuellen Romanen üblich wurde hier das Buchcover verwendet, um auch das Titelbild der CD-Box zu gestalten. In einem roten Rahmen, der mit allerlei düsteren Figuren und Schnörkeln verziert ist, sieht man ein Bild in tristen Schwarz-Weiß, dass eine mysteriöse und erhabene Gestalt in London zeigt, worauf einige Wahrzeichen im Hintergrund schließen lassen. Den einzelnen CDs wurde eine stabile Papphülle spendiert, während das Booklet eine ausführliche Auflistung der Tracks bereit hält.

Fazit: Eine herrlich düstere und geheimnisvolle Stimmung herrscht in diesem feinen Fantasy-Roman, der mit der Vielfalt an interessanten Charakteren und Wesen den Spannungsbogen weiter steigern kann.

VÖ: 15.Juli 2011
Label: Jumbo
Bestellnummer: 978-3-8337-2804-4


Familie Pompadauz – 2. Eine unfassbar fiese Falle



Erster Eindruck: Der schwere Weg in die Vergangenheit

Immer noch sitzen die unfreiwilligen Zeitreisenden des Hotels aus dem frühen 20. Jahrhundert im Jahr 2011 fest. Um zurück in ihre Zeit zu kommen, benötigen sie die zweite Hälfte eines Amuletts, der beim Zeitsprung verloren gegangen ist. Mittlerweile ist er in den Besitz einer älteren Dame gelangt, und viele Versuche gehen erst einmal daneben...

Geschichten, in denen Personen unverhofft in die Zukunft gelangen und sich mit der dortigen Technologie erst einmal auseinandersetzen müssen, erfreuen sich schon seit langem großer Beliebtheit und bieten immer wieder das Potenzial für urkomische Situationen. Franziska Gehm hat dieses Genre für ihre Buchreihe „Familie Pompadauz“ mit ziemlich skurrilen Figuren angereichert, die oft einer morbide Stimmung verbreiten. Die zweite Folge ist nun auch in der Hörversion erschienen und kann die anfängliche Erläuterung der Situation sowie die Vorstellung der Charaktere auf ein recht geringes Maß zurückschrauben, sodass man sich schon nach kurzer Zeit mitten in der spannenden Geschichte befindet. Und diese ist insgesamt etwas flüssiger erzählt als der erste Teil und kann auch besser die Komik der einzelnen Momente einfangen, die noch besser auskosten. Die Handlung kann durch einen gelungenen Aufbau Spannung erzeugen, die die gesamte Laufzeit über gehalten wird sich gegen Ende noch einmal steigern kann. Besonders viel Spaß machen jedoch wieder die wunderbaren Charaktere, die mit viel Pfiff für ordentlich Trubel sorgen. Besonders Kasmiranda sticht wieder hervor und wird schnell zum Liebling der Handlung. Mir hat dieser Teil der Serie insgesamt noch besser gefallen als der erste, da alles noch besser ineinander greift und direkt mit dem Abenteuer begonnen werden kann.

Robert Missler ist auch hier wieder die erste Wahl gewesen, als es um das Einsprechen der Vorlage ging. Schon in der ersten Folge konnte er einen sehr positiven Eindruck hinterlassen, hier spielt er seine Stärken noch besser aus und verleiht jedem Charakter einen ganz unverwechselbaren Klang, der gut zu seinem Wesen passt. Dabei geht er bei Hauptrollen wie Jonni genauso sorgfältig und engagiert vor wie bei kleineren Passagen. Auch in Sachen Spannung und Atmosphäre überzeugt er mit seiner dynamischen und abwechslungsreichen Sprechweise.

Die Buchvorlagen sind immer mit viel Aufwand gestaltet, diese Hörversion auf 2 CDs geht da etwas einfachere Wege. Das Titelbild kommt zumindest auch ohne Glanzdruck gut herüber und zeigt schon auf den ersten Blick, dass alles etwas morbider zugeht. Das kleine Booklet enthält neben kurzen Informationen zur Autorin und dem Sprecher eine ausführliche Auflistung der Tracks.

Fazit: Viele lustige Situationen und die leicht düstere Stimmung lassen dieses Hörbuch zu einer abwechslungsreichen und sehr unterhaltsamen Angelegenheit werden.

VÖ: 28.Juli 2011
Label: Jumbo
Bestellnummer: 978-3-8337-2791-7


Familie Pompadauz – 1. Das pupsende Hängebauchschwein



Erster Eindruck: Abenteuer in der Gegenwart

Kasmiranda Pompadauz, das Mädchen ganz in schwarz, Jonni und Melusine landen in dem Hotel, in dem sie wohnen, 99 Jahre in der Zukunft. Und da ist es reichlich merkwürdig: Gläserne Türen öffnen sich wie von Zauberhand, Leute haben weiße Fäden aus den Ohren hängen und führen Selbstgespräche mit kleinen Kästen, die sie sich ans Ohr halten. Eine turbulente Zeit beginnt...

„Familie Pompadauz“ ist eine neue Buchreihe von Autorin Franziska Gehm, die Hörbuchumsetzung erfolgt bei Jumbo. Die Idee dahinter klingt zwar spannend, aber um ehrlich zu sein nicht sonderlich innovativ: Bewohner aus der Vergangenheit landen in der Gegenwart und sind mit der neuen Technologie alles andere als vertraut. Der erste Band der Reihe mit dem Titel „Das pupsende Hängebauchschwein“ zeigt dann aber, dass noch wesentlich mehr hinter der Geschichte steckt, denn Gehm hat eine ganze Reihe von skurrilen Figuren und lustigen Situationen geschaffen. So beginnt die Geschichte noch im Jahr 1912, die Charaktere werden in einer Szene vorgestellt, in der Kasmiranda eine Hinrichtung an einer ihrer Puppen durchführt und einen Käfer zwischen zwei Buchseiten zerquetscht. Schnell gewöhnt man sich an diese außergewöhnliche Atmosphäre und kann die merkwürdigen Kinder mit ihren Eigenschaften genießen. Immer wieder kommen neue Eigenheiten auf, immer schräger wirken die Charaktere vor dem Hintergrund der Geschichte. Und auch diese hat es in sich und kann an vielen Stellen glänzen, denn neben etlichen wirklich komischen Situationen und Gedankengängen sorgt auch die Handlung um das Geheimnis in einer Wurstfabrik für kurzweilige Unterhaltung. Franziska Gehm hat es also tatsächlich geschafft, der etwas abgegriffenen Grundidee ganz neue Facetten abzugewinnen und einen modernen und unterhaltsamen Jugendroman geschrieben, der sich deutlich von anderen abhebt.

Gesprochen wird die Geschichte, die aufgrund ihrer angenehmen Kürze auf 2 CDs passt, von Robert Missler, dem diese Aufgabe wie auf den Leib geschneidert scheint. Er hat hörbaren Spaß daran, die skurrilen Figuren zu interpretieren und wirkt bei der morbiden Kasmiranda ebenso glaubhaft wie bei dem lustigen Inder in einem Laden – verschiedene Akzente und Stimmfarben setzt er sicher ein. Dabei verliert er den Spannungsbogen nicht aus den Augen und kann ihn gut transportieren. Eine sehr gelungene Leistung!

Ein wenig Musik ist hier zwar eingebaut, und diese ist auch beschwingt und dem etwas jüngeren Publikum durchaus angemessen, wirklich oft ist sie aber nicht zu hören, sodass die atmosphärische Gestaltung zum großen Teil auf Missler haften bleibt. Die kurzen Melodien wirken indes auflockernd und trennen einzelne Abschnitte akustisch voneinander ab.

Wie bei Hörbüchern üblich wird auch hier das Buchcover verwendet und ziert auch das Titelbild der CD. Dargestellt sind Kasmiranda und Jonni, sie wirken frech und sind in einem interessanten Stil gehalten – natürlich darf auch das Titel gebende Hängebauchschwein nicht fehlen, obwohl es keine sonderlich große Rolle spielt. Das alte Hotel sowie ein hübscher Rahmen runden das ganze ab, während das Booklet nebst den obligatorischen Kurzinfos und der Trackliste keine weiteren Infos enthält.

Fazit: Eine ziemlich abgedrehte Geschichte mit zahlreichen Charakteren, die ebenso liebevoll wie eigenartig sind. Sehr einfallsreich und unterhaltsam!

VÖ: 24. Februar 2011
Label: Jumbo
Bestellnummer: 978-3-8337-2736-8


Fluch der Karibik – Jack Sparrow – 4. Das Erbe von Cortez



Erster Eindruck: Jack allein auf hoher See

Zwar ist Jack Sparrow in den Besitz des mächtigen Schwertes gelangt, doch seine ganze Kraft kann er noch nicht entfalten. Er begegnet dem Geist des früheren Besitzers Cortez und lernt viel von ihm - gegen den Wunsch der Crew. Als Cortez eine Gegenleistung für seine Dienste verlangt, segelt Jack allein los und begibt sich zu alten Bekannten: Den Meerjungfrauen, die ihn einst gefangen nahmen...

Vier Teile der Hörbuchserie „Fluch der Karibik – Jack Sparrow“ nun auf einen Schwung erschienen, und gemeinsam bilden sie ein großes Abenteuer, in dem Jack an ein sagenhaften Schwert gelangt. „Das Erbe von Cortez“ schließt mit der Geschichte ab und bildet das spannende Finale der Serie. Schwerpunkt dieser Folge liegt darin, wie Jack es lernt, mit dem Schwert richtig umzugehen, der Geist von Cortez taucht so schon ganz am Anfang auf und sorgt für eine etwas bedrückende Stimmung. Jack sieht sich immer wieder mit der Entscheidung konfrontiert, ob der Verzicht auf die volle Macht des Schwertes nicht besser sei und bekommt auch einige Warnungen oder Ereignisse, die ihm die Augen öffnen sollten – sein Entschluss, trotzdem weiter zu machen ist aber verständlich dargestellt. Die Handlung konzentriert sich hier stark auf den jungen Piraten, da er irgendwann allein auf seinem Schiff unterwegs ist. Er begegnet dabei einigen Gefahren, die die Handlung wieder sehr abwechslungsreich wirken lassen. Dabei wird auch auf Ereignisse aus den vorigen Teilen zurückgegriffen. „Das Erbe von Cortez“ ist insgesamt düsterer als seine Vorgänger, da es viel um die Verlockung der Macht geht. Aber gerade das gefällt und führt neue Aspekte in die Serie ein. Wunderbar gelungen ist neben dem kurzweiligen und spannenden Verlauf das spektakuläre Finale, dass den vorigen Folgen völlig angemessen ist und wunderbar erzählt wurde – ein krönender Abschluss dieses Teil und der ganzen Serie.

Martin Balscheid liest auch den letzten Teil der Geschichte, und auch hier leistet er wieder Großartiges. Er verleiht der Handlung seine ganz eigene Note, lässt sich von dem Spannungsbogen treiben, spielt mit Tempo und Tonhöhe, gibt zusätzlichen Druck und nimmt sich zurück. Doch neben den erzählten Teilen kann er auch die wörtliche Rede der Charaktere gut umsetzen, hier konzentriert sich dies zu großen Teilen auf Jack Sparrow, dem er viel Charisma und Witz verleiht. Eine sehr gelungene und vielseitige Interpretation.

Während der meisten Zeit wird Balscheit von Musik und Geräuschen begleitet, an einigen Stellen steht er jedoch allein. In einer Szene seine Stimme leicht verzerrt, was einen gruseligen Effekt hinterlässt. Ansonsten ist viel stimmungsvolle Musik eingesetzt, die die einzelnen Situationen stimmiger wirken lässt, sowie zahlreiche glaubhafte Geräusche, die die Szenen intensiver gestalten.

Cortez ist erstmals auch auf dem Cover zu sehen – seine geisterhafte Erscheinung wird hier gut dargestellt, besonders die fahle Haut und die roten Augen hinterlassen einen unheimlichen Eindruck. Auch Jack Sparrow ist natürlich wieder zu sehen. Er betrachtet das magische Schwert und hat einen entschlossenen Gesichtsausdruck. Die restliche Aufmachung ist übersichtlich, besitzt aber keinerlei zusätzliche Informationen.

Fazit: Temporeich, spektakulär, vielseitig. Der düstere vierte Teil kann mit einem wunderbaren Finale glänzen und die Serie gekonnt abschließen.

VÖ: 15.Juli 2011
Label: EMI Happy Kids
Bestellnummer: 5099908208729


Fluch der Karibik – Jack Sparrow – 3. Die Piratenjagd



Erster Eindruck: Auf der Jagd nach Left-Food-Louis

Um an das mächtige Schwert des Cortez zu kommen, jagen Jack Sparrow und seine Crew den berüchtigten Piraten Left-Food-Louis quer durch die Karibik. Schließlich spüren sie ihn auf einer Insel auf, wo er mit seinem Schiff Halt gemacht hat. Sofort werden sie in wilde Kämpfe verwickelt, und Arabella steht vor einer sehr schweren Entscheidung...

Auf vier Folgen ist der Handlungsbogen um das sagenumwobene Schwert des Cortez ausgelegt, der die Grundlage für die „Fluch der Karibik“-Hörbuchserie bildet. Erzählt werden Abenteuer des jungen Jack Sparrow, der mit seinen Kumpanen unterwegs ist – und diese sind einem mittlerweile auch ans Herz gewachsen. Und so ist der emotionale Höhepunkt dieser dritten Folge mit dem passenden Titel „Die Piratenjagd“ auch eine Zwickmühle, in der sich Arabella befinden – Rache an Left-Foot-Louis oder moralische Beständigkeit. Da die Serie auch für Kinder konzipiert ist, kann man den Ausgang ihres Gewissenskonflikts schon vorausahnen, doch danach geht es überraschend mit einem ungewöhnlichen Ereignis weiter, der für weitere nachdenkliche Momente sorgt. Das ist alles sehr gut gelöst und stimmig in die Welt mit den phantastischen Elementen eingefügt, zeigt die andere Seite der Geschichte und dringt nicht zuletzt weiter in die Charaktere vor. Davor erleben wir ein sehr kurzweiliges und unterhaltsames Abenteuer, das dynamisch mal Jack und seine Freunde, mal Left-Food-Louis die Oberhand gewinnen lässt. Doch auch nach der oben beschriebenen Situation geht es interessant und spannend weiter, denn das ganze Geheimnis um das machtvolle Schwert ist immer noch nicht gelöst. Die Verknüpfung von Piratenabenteuer und einem Hauch Phantastik ist wieder sehr gut gelungen, die charismatische Hauptfigur kommt gut zur Geltung, ohne sich allzu sehr in den Vordergrund zu drängen. Ziemlich gelungen also wieder, diese Produktion, die den hohen Standard der ersten beiden Teile sogar noch etwas anheben kann.

Martin Balscheit ist wieder für die Vertonung der Geschichte zuständig und kann die mmit ordentlich Leben füllen. Beachtlich ist insbesondere die Darstellung des Left-Foot-Louis, bei dem er mit grölendem Unterton den gemeinen Piarten mit Inbrunst darstellt. Doch auch die anderen Charaktere kann er gut einfangen, sei es der etwas hochmütige, aber sehr gewitzte Jack oder Arabella, die zwischen Nachdenklichkeit und Kampfgeist viele Facetten aufweist. Er kann mit seiner Stimme Spannung erzeugen und die Kämpfe dynamisch und temporeich wirken lassen, ohne die Übersichtlichkeit zu vernachlässigen.

Eingebettet ist die Erzählung in eine Vielzahl von passenden Geräuschen und jeder Menge passender Musik, die sich vornehmlich aus flotten Geigenmelodien zusammensetzt. Die Geräusche sind glaubhaft in der karibischen Welt angesiedelt und vermitteln die Stimmungen der einzelnen Situationen, während bei den actionreichen Szenen eher auf die Musik zurückgegriffen wird.

Ein sehr kämpferischer Jack Sparrow ist auf dem Cover zu sehen, seine Figur steht im Vordergrund und macht für viele schließlich auch den Reiz der Serie aus. Doch auch der Hintergrund, der die Situation auf einem Schiff zeigt und in hübschen Zeichenstil gehalten ist, kann überzeugen und ergänzt das Cover optisch ansprechend. Im Inneren ist insbesondere Werbung zu finden.

Fazit: Die spannende Geschichte wird durch die tiefgreifende Entscheidung Arabellas gekrönt, ist eine sehr dynamische Angelegenheit und sehr kurzweilig erzählt.

VÖ: 15.Juli 2011
Label: EMI Happy Kids
Bestellnummer: 5099908208125


Fluch der Karibik - Jack Sparrow - 2. Der Gesang der Sirenen



Erster Eindruck: Gefahr für Jacks Crew

Das Schwert von Cortez, das Objekt der Begierde von Jack Sparrow, ist weiterhin verschollen, und die Suche auf hoher See geht weiter. Eine merkwürdige Insel taucht immer vor den Abenteurern auf, und auch ein geheimnisvoller Gesang macht der Crew Probleme. Nur Jack Sparrow scheint vor dessen anziehender Wirkung gefeit...

In den Filmen zu „Fluch der Karibik“ erlebt der erwachsene Jack Sparrow aufregende Abenteuer und hat damit ganze Generationen von Cineasten begeistert. Seine Vorgeschichte wurde dann – dank des Mega-Erfolges des ersten drei Filme – in einer Buchreihe erzählt, die sich vornehmlich an Jugendliche Leser richtet, aber auch von vielen Erwachsenen begeistert aufgenommen wurde. Genau diese Geschichten hat EMI nun als vierteilige Hörbuchreihe umgesetzt, und schon die erste Folge hat gezeigt, was alles darin steckt. Genauso spannend geht es in der zweiten Geschichte weiter, betitelt mit „Der Gesang der Sirenen“. Positiv fällt auf, dass hier direkt mit der eigentlichen Geschichte gestartet werden kann. Zwar werden die Ereignisse des ersten Teil kurz zusammengefasst, dies nimmt aber keinesfalls so viel Raum in Anspruch wie die Vorstellung der Charaktere im ersten Band. Die Entdeckung der Insel und das erste Ertönen der merkwürdigen Gesänge finden so schon nach wenigen Minuten statt, sodass die Handlung wesentlich mehr Raum hat, sich zu entfalten. Die Geschichte weist einen stetig steigenden Spannungspegel auf, beginnt eher ruhig und steigert sich dann immer weiter bis zu einem spektakulären Finale. Gut eingebunden sind die mysteriösen Elemente, die hier schon früh eingeführt werden und einen Schuss Übersinnliches in die abenteuerliche Geschichte bringt. Man wird immer weiter in die Handlung verstrickt, fiebert mit und kann kaum die weiteren Ereignisse abwarten. Wirklich gut erzählt, und auch die Charaktere kommen hier gut herüber. Besonders Jack Sparrow, der unbestrittene Star der Filme, bringt ordentlich Schwung. Ein Hörbuch, das wirklich Spaß macht, die Kenntnisse über die fantastische Piratenwelt erweitert und bestens unterhalten kann.

Martin Balscheit verleiht der Geschichte Leben und liest den Roman mit viel Enthusiasmus. Er bildet mit seiner Stimme den Spannungsbogen nach, beginnt mit einer eher ruhigen Interpretation und steigert sich dann immer weiter. Doch auch an den temporeichsten und impulsivsten Stellen ist er noch sehr gut verständlich. Er bringt viel zusätzliche Stimmung mit ein, kann besonders die Charaktere sehr lebendig und glaubwürdig darstellen. Eine sehr gute Leistung, die einen großen Teil zum Gelingen des Projektes beisteuert.

Unterstützt wird Balscheit durch eine Vielzahl an Geräuschen und Musikstücke, die ihn während der gesamten Laufzeit begleiten. Nach dem kurzen Musikintro, das an den berühmten Song aus den Filmen erinnert, taucht diese an einigen anderen Stellen wieder auf und bringt viel Flair ein. Auch die Geräusche fügen sich gut ein und erschaffen eine spannungsgeladene und vielfältige Atmosphäre.

Richtig gut gefällt mir da Cover zu dieser Folge, das die mysteriöse Komponente der Geschichte unterstreicht. Eine der im Titel benannten Sirenen zieht Jack Sparrow in die Tiefe, ihre langen Haare wehen im Wasser, was den mystischen Eindruck unterstützt. Der grün-blaue Hintergrund mit den aufsteigenden Luftblasen ist ansprechend gestaltet.

Fazit: Der zweite Teil der Reihe kehrt die phantastischen Elemente der Geschichte weiter hervor und begeistert mit einem gelungenen Spannungsbogen.

VÖ: 15.Juli 2011
Label: EMI Happy Kids
Bestellnummer: 5099908207524


Fluch der Karibik - Jack Sparrow - 1. Auf Der Suche nach dem magischen Schwert



Erster Eindruck: Der Pirat in jungen Jahren

Jack Sparrow taucht eines abends in einer schäbigen Hafenkneipe auf, in der es nur so von grimmigen Piraten wimmelt. Doch er lässt sich nicht einschüchtern und bestiehlt er einen der Anwesenden. In dem Seesack ist neben allerlei Plunder auch die Scheide eines geheimnisumwitterten Schwertes. Zusammen mit der Tochter des Wirtes, Annabell, und dem jungen Adeligen Fitzwilliam versuchen sie, das Rätsel zu lösen und machen sich auf eine Seereise voller Gefahren...

Die Trilogie von Fluch der Karibik um den exzentrischen Piraten Jack Sparrow gehört zu den erfolgreichsten und bekanntesten Filmen der letzten Jahre und erfreut sich ungebrochener Popularität. Natürlich gibt es noch viele weitere Geschichten aus dem Leben des Piratenkapitäns, und eine davon wird in einer Mini-Reihe von inszenierten Lesungen erzählt, die vorerst vier Teile umfasst und zusammen einen abgeschlossenen Handlungsbogen bilden. Den Start macht „Auf der Suche nach dem magischen Schwert“, hier werden die Anfänge der Handlung auf 2 CDs erzählt. Am Anfang geht dies zwar unterhaltsam los, der Vorstellung der Charaktere wird aber viel Raum gegeben. Die anfängliche Szene in der Hafenkneipe endet in einer gestandenen Prügelei und ist dementsprechend actionbetont, doch danach vergeht lange Zeit, in der für die Geschichte nichts Wesentliches passiert. Am Ende der ersten CD hat man es dann zwar schon auf das Schiff geschafft und ist unterwegs zu einer sagenumwobenen Insel, doch die mystischen Elemente, die einen großen Teil des Reizes der Filme ausmachen, lassen noch auf sich warten und sind höchstens in wenigen Andeutungen vorhanden. Ab der Hälfte legt die Handlung dann merklich zu und wird zu einem spannenden und energiegeladenen Spektakel, dass mit hohem Tempo garantiert keine Langeweile aufkommen lässt. Ein gewaltige Sturm bringt die Dreimanncrew in Bedrängnis, neue Personen tauchen auf, die Ereignisse auf der Insel sind sehr kurzweilig und voller toller Momente. Das Ende lässt einem dann das Wasser im Mund zusammenlaufen, man will unbedingt erfahren wie es weitergeht. Diese Lesung ist zwar schon für Kinder konzipiert, ist aber auch für Erwachsene eine unterhaltsame Sache und genau das richtige für Fans der Filme, aber auch alle anderen, die sich von den wilden Abenteuern von Piraten angezogen fühlen – gute Unterhaltung!

Als Sprecher der Geschichte wurde Martin Balscheit ausgewählt, der sich in der Vergangenheit mit beschwingter Stimmung in anderen Produktionen empfehlen konnte. Auch hier leistet er Ordentliches, kann die Spannung der Geschichte einfangen und mit dynamischer Stimme unterstreichen. Er schafft Atmosphäre und hält das Interesse des Publikums aufrecht. Auch bei der Gestaltung der Charaktere gelingt ihm eine überzeugende Leistung, jeder bekommt eine eigene Sprechweise. Die durchaus anspruchsvolle Rolle des Jack Sparrow, der durch die markante Darstellungsweise von Jonny Depp beknnt geworden ist, löst er nicht ganz so eindringlich, die grundsätzlichen Züge des hier noch jungen Mannes nimmt er jedoch gut an.

Hier wurde kein reines Hörbuch vorgelegt, sondern eine inszenierte Lesung, was bedeutet, dass auch Musik und Geräusche eingefügt wurden. Hier wird Balscheit gut unterstützt und bekommt eine ansprechende Kulisse für die Geschichte vorgelegt. Besonders die vielen Geräusche im Hafen und auf See sind gut eingefangen, die Musik ist an das bekannte Thema der Filme angelehnt und kann ebenso überzeugen.

Auf dem Cover der CD ist der junge Jack Sparrow zu sehen, und tatsächlich erinnert die Figur mit dem roten Haarband und dem wilden, schwarzen Haarschopf an die Figur aus den Filmen. Mit dem ansprechenden Hintergrund ist ein gelungenes Cover gelungen. Recht viel Platz der restlichen Gestaltung geht für die Klärung der Rechte drauf, und im Inneren des Booklets ist insbesondere Werbung zu finden.

Fazit: Die Stimmung von Fluch der Karibik wurde hier sehr gut eingefangen, und nach dem Vorstellen der Charaktere entsteht eine spannende und abwechslungsreiche Geschichte mit viel Flair.

VÖ: 15.Juli 2011
Label: EMI Happy Kids
Bestellnummer: 5099908207029

 


 

Geisterritter



Erster Eindruck: Spuk im alten Internat

John Whitcroft ist alles andere als begeistert, als er von seiner Mutter und deren neuen Freund auf ein Internat geschickt wird. Schon das Eingewöhnen in den alten Gemäuern fällt ihm schwer, doch als er eines nachts drei Geister vor seinem Fenster beobachtet, ahnt er, dass Schreckliches passieren wird. Gut, dass er in Ella eine treue Freundin hat, die ihm bei seine Kampf gegen die Geister hilft...

Cornelia Funke ist Deutschlands momentan wohl populärste Autorin von Kinder- und Jugendromanen. Mit Titeln wie Tintenblut und Herr der Diebe hat sie sich längst einen Platz im Herzen vieler Leser ergattert. Mit „Geisterritter“ ist nun ein weiterer Roman erschienen, der sich eher an jüngere Leser richtet. Die Audioumsetzung liest natürlich wieder Rainer Strecker. Angenehm fällt erst einmal die Länge des Hörbuchs auf – 325 Minuten auf 5 CDs sind mal kein schwerer Klotz, sondern lassen sich in recht kurzer Zeit hören, was eine positive Abwechslung darstellt. Durch die einfache Sprache wird auch Kindern ermöglicht, der Geschichte problemlos zu folgen – und das lohnt sich auch. In ihrem unvergleichlich eingängigen Stil erschafft Funke wieder eine sehr spannende Geschichte, an der es an einigen Stellen wirklich hoch her geht. Die Begegnungen mit den Geistern sind stets gruselig und sehr stimmungsvoll beschrieben. Hier schöpft Funke das komplette Potenzial ihrer Idee aus, schnell ist man wie gefangen von den Ereignissen. Doch wie immer gibt es auch hier einen lustigen Teil, der neben einigen Kommentaren besonders durch Zelda, die Großmutter von Ella, geprägt wird. Ihre skurriler, aber herzlicher Charakter ist wunderbar gelungen und bringt etwas Lockerheit in die ansonsten kompakte und düstere Geschichte. Mir hat Geisterritter sehr gut gefallen, was an der tollen Atmosphäre des Buches sowie am fesselnden Schreibstil Funkes gelegen hat, und so werden sicherlich nicht nur die jüngeren Hörer ihre Freude hieran haben, sondern ebenso viele Erwachsene.

Der wunderbare Rainer Strecker, die die meisten Bücher von Cornelia Funke einliest, hat sich auch für diese Produktion vor das Mikrofon begeben. Mit seiner Stimme erweckt er die Handlung zum Leben, findet schnell in seinen intensiven Rhythmus, der den Hörer an seinen Lippen kleben lässt. Dabei setzt er kleinere Kunstpausen ein oder steigert das Tempo, um die Dynamik der Handlung zu folgen. Auch in der Gestaltung der Charaktere beweist er sein Können, indem er jeden mit leicht veränderten, unverkennbaren Nuancen darstellt.

Hier wurde ein wenig Musik eingesetzt, jedoch nur in den Pausen zwischen den einzelnen Kapiteln, nie während der gesprochenen Passagen. Sie stammt von Jan-Peter Pflug, der ebenfalls schon bei einigen Hörbüchern von Funke mitgewirkt hat. Und wieder schafft er einzigartige und ungewöhnliche Klangbilder, die sehr gut zu der Geschichte passen und dem Hörer trotz ihrer interessanten Andersartigkeit die Möglichkeit geben, über das Gehörte nachzudenken.

Sehr gelungen ist die Aufmachung des Hörbuchs. Das Titelbild zeigt eine Szene, in der John eine Geistererscheinung hat, die kühlen Blautöne stellen die Stimmung des Buches gut dar. Doch auch jede CD hat ihre eigene Illustration, an denen man sich kaum satt sehen kann. Das umfangreiche Booklet enthält neben Kurzinfos zu den Mitwirkenden ein Glossar mit einigen Begriffserklärungen sowie einen ausführlichen Text von Funke zur Entstehung des Romans.

Fazit: Viele gruselige Szenen, ein wenig Humor und eine spannende Geschichte – Funke hat wieder ein Werk voller Zauber abgeliefert, das nicht nur Kinder in seinen Bann ziehen kann.

VÖ: August 2011
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0517-3


 

Herr der Diebe

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Erster Eindruck: Geheimnisse in Venedig

Nach dem Tod ihrer Eltern sollen Bo und Prosper voneinander getrennt werden. Um dies zu verhindern fliehen die Brüder nach Venedig, wo sie auf eine Bande von jugendlichen Dieben treffen, die sie schnell in ihrer Mitte aufnehmen. Die Bande, die von Scipio angeführt wird, der sich Herr der Diebe nennt, bekommt von einem geheimnisvollen Auftraggeber die Aufgabe, ein ganz bestimmtes, wertvolles Stück zu stehlen. Doch noch einige Geheimnisse müssen aufgedeckt werden...

Immer wieder schafft Autorin Cornelia Funke, ihre Helden in fast schon träumerische Kulissen zu versetzen. Äußerst gelungen ist ihr dies auch bei „Herr der Diebe“, das in einem sehr intensiv und atmosphärisch beschriebenen Venedig spielt. Vor den Augen den Lesers – oder wie hier in der Hörbuchfassung vor den Augen des Hörers – entsteht eine wahre Bilderflut, heraufbeschworen durch Funkes Worte, und das obwohl sie den Schwerpunkt wie immer auf die Entwicklung der Figuren und der Geschichte gelegt hat. Auch hier tummeln sich etliche faszinierende, interessante oder spannende Personen und bereichern die Handlung mit ihrem sprühenden Charme. Zusammen mit teilweise recht undurchsichtigen Geheimnissen und immer neuen, spannenden Elementen entsteht eine Geschichte, der man sich kaum entziehen kann, die zum immer weiter Hören anregt und die einen in eine fremde und zugleich vertraute Welt zieht. Nicht nur Kinder werden ihre wahre Freude an diesem Hörbuch haben, vielmehr wird die komplette Familie dem Abenteuer von Bo, Prosper, Scipio und den anderen lauschen.

Wie sollte es anders sein bei einem Werk von Cornelia Funke – auch hier ist Rainer Strecker der Erzähler. Mit seiner feinfühligen Art und einer exakten Wachsamkeit für die richtigen Momente kann er die Geschichte mit viel Leben füllen, die Charaktere greifbar zu machen, Spannung zu erhöhen und Gefühle zum Ausdruck bringen, alles kleinen Akzenten, die er seiner Stimme verleiht.

Natürlich ist das Cover der Hörausgabe dem des Buches entnommen, sodass man Scipio mit seiner venezianischen Maske zu Gesicht bekommt. Das Bild hat trotz seines einfachen Stils viel Atmosphäre eingefangen und gibt diese an den Betrachter weiter. Auch die restliche Aufmachung ist insgesamt gut gelungen ist schön anzusehen.

Fazit: Eine einfühlsame und spannende Geschichte in wunderschöner Kulisse und mit vielfältigen Charakteren, sehr angenehm vorgetragen – ein Hörbuch für die Familie.

VÖ: 1. Januar 2002
Label: Jumbo
Bestellnummer: 978-3-8959-2780-5


Nemesis - 1. Die Zeit vor Mitternacht / Geisterstunde



Erster Eindruck: Burg des Schreckens

Frank Gorresberg wird zu einem Treffen mit einem Notar nach Crailsfelden, einer kleinen Stadt, gerufen. Dort soll er mehr über eine millionenschwere Erbschaft erfahren. Er begegnet fünf weiteren Menschen, deren Eltern ebenfalls mit dem exzentrischen Thun ein Internat besucht haben. Schnell merken die sechs, dass etwas nicht stimmen kann, und schon die erste Nacht fordert ein Todesopfer...

"Nemesis" ist der Titel einer sechsteiligen Buchreihe von einem der erfolgreichsten deutschen Autoren: Wolfgang Hohlbein, der für viele als deutscher Meister des Horrors gilt. Jeweils zwei Teile zusammengefasst sind als Hörbücher erschienen, sodass insgesamt eine dreiteilige Mini-Serie entstanden ist. Den Anfang machen die beiden Bände "Die Zeit vor Mitternacht" und "Geisterstunde", in denen anfangs recht viel Zeit für die Charakterisierung der sechsköpfigen Gruppe aufgewendet wird. Nicht nur ihr Äußeres, sondern auch ihr Verhalten wird detailliert beschrieben, sodass man einen sehr plastischen Eindruck der Figuren bekommt. Die Geschichte ist typisch für Hohlbein und stürzt die Protagonisten in einen Strudel aus Horror und Angst, der aus der Sicht von Frank erzählt wird. Schön ist, dass sich der Grusel auch auf den Hörer überträgt. Teile der Handlung lassen sich zwar schon vorher erahnen, durch neue Wendungen und Winkelzüge wird aber ein dynamisches und unterhaltsames Werk geboten. Der Übergang zwischen den beiden Bänden verläuft fließend, und am Ende ist die Geschichte logischerweise noch offen. Bis dahin wird ein spannendes Horror-Werk geboten, dass einem unterhaltsame Stunden bietet.

Sprecher des Hörbuches ist Johannes Steck, der unter anderem auch aus "Die drei ??? Kids" bekannt ist. Er verleiht den Charakteren ihre eigene Sprechweise, ohne seine Stimmlage zu verstellen. So bekommen sowohl gestandene Männer als auch zickige Frauen ihren eigenen Klang, ohne dass es befremdlich oder unglaubwürdig wirken würde. Auch in den spannenden Szenen setzt Steck die Dynamik punktgenau um, spielt mit der Lautstärke und setzt gekonnt Pausen.

Das Cover halte ich für sehr gelungen. Die finstere Burg, in der die Gruppe unterkommt, steht im Mittelpunkt und wird mit den hellen Lichtstrahlen gut in Szene gesetzt. Von zwei riesigen Händen gehalten und dämonischen Augen im Hintergrund entfaltet sich eine unheimliche Wirkung. Die vier CDs befinden sich in einem Digipack, das einige Zitate aus der Handlung enthält.

Fazit: Eine düstere Stimmung, interessante Charaktere und viel Gelegenheit zum Gruseln - Hohlbeins Nemesis kann sich sehr gut hören lassen.

VÖ: März 2008
Label: Silberfisch
Bestellnummer: 978-386742813-2


Percy Jackson – 4. Die Schlacht um das Labyrinth



Erster Eindruck: Auferstehung und Niedergang

Im Camp Half-Blood wird ein Eingang zum Labyrinth des Dädalus entdeckt, und anscheinend sucht Kronos nach einem Weg, so den magischen Schutz zu umgehen. Percy Jackson macht sich gemeinsam mit Anabelle, Tyson und Grover auf den gefährlichen Abstieg, um den Herrn des Labyrinths um Hilfe zu bitten – und geraten in so manches haarsträubenden Abenteuer, bei dem neue Freunde und Feinde auf die warten…

Halbgötter, Monster, mächtige Sagenwesen – all das tummelt sich in den Büchern um Percy Jackson, in denen Autor Rick Riordan die griechische Mythologie in die heutige Zeit transportiert. In den ersten drei Teilen wurde die Bedrohung durch Kronos, den grausamen Titanen, schon genau ausgelotet. Der vierte Teil mit dem Titel „Die Schlacht um das Labyrinth“ legt hier noch einmal ordentlich zu, die Geschichte ist wesentlich düsterer und geht auch intensiver auf menschliche Abgründe ein. Und das nicht nur wie vorher bei unseren Helden und vielleicht noch bei ihrem Erzfeind Luke, an vielen Stellen wird auch Nico mit seinen Problemen, Schuldgefühlen und seinem Hass auf Percy gezeigt. Der Tod ist wesentlich präsenter als in vorangegangenen Teilen, gerade in den letzten Kapiteln sterben auch Percy nahe stehende Personen. Dem Hörer wird so wesentlich bewusster, wie gefährlich der Kampf zwischen Titanen und Göttern ist. Sogar ein Gott ist nicht davor gefeit und geht in einer sehr nahegehenden und nachdenklich stimmenden Szene von dieser Welt – einer der Höhepunkte des Buchs. Doch neben der mysteriösen und abenteuerlichen Geschichte kommt natürlich auch der Humor nicht zu kurz. An einigen Stellen muss man doch herzhaft lachen, der lockere Schreibstil mit den vielen skurrilen Anmerkungen macht einfach Spaß. Genau diese Mischung aus witzigen Momenten, abenteuerlichen Episoden, tiefgreifenden emotionalen Beschreibungen und der Einflechtung mythologischer Gestalten ist es, das die Serie so besonders macht. Hier überzeugt die noch dunklere Grundstimmung, sowie die stets wachsende Bedrohung durch Kronos. Ein sehr gelungener Band der Serie mit vielen turbulenten Entwicklungen.

Wie in den vorangegangenen drei Teilen ist auch hier der Berliner Marius Claren der Sprecher der Geschichte. Er fängt mit seiner Stimme die gestiegene Spannung und die wachsende Düsternis ein, legt ein wenig in Sachen Dramatik zu. Kleine Kunstpausen steigern die Aufmerksamkeit und sorgen für ein zusätzliches Kribbeln beim Hörer. Wie immer kann er aber auch die witzigen Szenen und die sarkastischen Stellen sehr gut herüberbringen. In der Charakterdarstellung ist er solide, die jungen Charaktere kann er in ihren vielen Facetten gut erfassen.

Das Cover ist selbstverständlich der Buchvorlage des Romans entnommen. Ein riesenhaftes Gesicht dominiert das Bild, das ist gelb-goldenen Tönen gehalten ist. Percy samt seinem Schwert und den für die Geschichte bedeutsamen Flügeln ist natürlich auch zu sehen, während sich das Labyrinth zu seinen Füßen ausbreitet. Wie immer ansehnlich und eindrucksvoll in Szene gesetzt. Die restliche Aufmachung ist eher sparsam und enthält kurze Informationen und Fotos zu Autor und Sprecher.

Fazit: Die Saga nimmt hier noch einmal an Schärfe zu, steigert die Dramatik, reiht viele spannende Szenen aneinander, lässt aber auch den typischen Humor nicht vermissen. Wunderbare Unterhaltung!

VÖ: 22.Juli 2011
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-4532-8


Percy Jackson - 2. Im Bann des Zyklopen



Erster Eindruck: Wilde Jagd durch die See

Das Halfblood Camp ist in Gefahr, der wichtige für die Verteidigung wichtige Baum wurde vergiftet. Doch für Percy Jackson kommt es noch schlimmer: Sein Freund Grover, der Satyr, befindet sich in der Gewalt eines Zyklopen. Natürlich machen Percy und Annabeth sich sofort zu seiner Rettung auf, und auch Ares' Tochter Clarissa begleitet sie. Und schließlich bekommen sie noch Hilfe von unerwarteter Seite...

Nach dem aufregenden ersten Teil "Diebe im Olymp" geht es bei Percy Jackson weiter, die Mischung aus griechischer Mythologie und der heutigen Zeit ist auch Grundlage für den zweiten Teil. Kennt man die erste Geschichte, ist man schnell in der Handlung drin und muss sich nicht lange an die außergewöhnliche Szenerie gewöhnen. Die eigentliche Handlung kann dann auch recht schnell starten, viel Zeit wird nicht für Charakterdarstellungen verwendet. Stattdessen ist man schon nach wenigen Minuten von den neuesten Entwicklungen gefesselt, die die gesamte Spielzeit über anhalten. Und das ist vielleicht der einzige kleine Kritikpunkt: Man rast geradezu durch die verschiedenen Ereignisse, man bekommt kaum Zeit, das Gehörte zu verdauen. Das bestätigt sich auch durch die im Vergleich recht kurze Laufzeit des Hörbuches. Das Geschehen ist vielfältig und mit dem wunderbaren Humor des ersten Teiles erzählt, Kennern der Odysseussage werden viele der angesprochenen Themen bekannt vorkommen. Diese sind jedoch so modernisiert worden und mit neuen Wendungen versehen, dass es trotzdem sehr unterhaltsam und kurzweilig von statten geht. Dieser Band führt die Reihe sehr positiv weiter, alte Bekannte wie neue Charaktere werden vor der Kulisse des actiongeladenen Szenarios gut dargestellt, eine Feuerwerk an guten Ideen.

Natürlich ist auch hier wieder Marius Clarén an Sprecher verpflichtet worden. Er gestaltet die Handlung sehr lebendig, die Szenen entstehen quasi vor dem Auge des Hörers und sind sehr präsent. Seine betonte Aussprache lässt zusätzliche Spannung aufkommen, dynamische Wechsel halten das Interesse aufrecht. Besonders gefällt mir der offensichtlich leicht schwarze Humor, an dem Clarén viel Spaß zu haben scheint.

Wieder ist die Papphülle etwas unstabil geraten, ansonsten ist die Gestaltung der Verpackung aber gut gelungen. Das Titelbild ist in anderen Farbtönen gehalten und zeigt ein anderes Motiv, weist aber klare Parallellen zum ersten Teil auf und bildet so einen Wiedererkennungswert. Die kleinen Infos im Inneren sind eine nette Beigabe.

Fazit: Auch Teil zwei der Reihe ist gespickt mit tollen Ideen und einer sehr dynamischen, spannenden Geschichte, sodass auch hier eine Empfehlung ausgesprochen werden kann.

VÖ: 25. September 2010
Label: Lübe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-4404-8


Percy Jackson - 1. Diebe im Olymp



Erster Eindruck: Götter, Furien und Wolkenkratzer

Schon immer haben sich in Percys Leben merkwürdige Ereignisse abgespielt, doch als sich seine Lehrerin in ein Fabelwesen verwandelt steht für Percy fest, dass etwas nicht stimmt. Bald erfährt er auch den Grund: Er ist der Sohn des Poseidon und damit ein waschechter Halbgott. Und natürlich wird er mit einer Aufgabe betraut, die die Welt verändern kann...

Spätestens seit dem erfolgreichen Kinofilm des ersten Bandes ist Percy Jackson auch in Deutschland in aller Munde, wer eher auf die gelesene Version des tollen Kinderbuches steht, wird bei Lübbe Audio fündig. "Diebe im Olymp" ist dort erhältlich, gelesen von Marius Clarén. Die Geschichte basiert auf den alten griechischen Mythologien, in die Percy schließlich auch eingebunden ist. Dabei behält es ein erstaunliches Maß an Lockerheit und viel sarkastischem Humor (meist von der Hauptperson selbst), dass nichts mehr an die Schwere der alten Göttersagen erinnert. Die Geschichte ist gespickt mit sehr vielen kreativen Einfällen, sodass Autor Rick Riordan eine ganz neue Welt geschaffen hat, in der die Götter sich in die heutige Zeit nahtlos integriert haben. Dieser Gedanke fasziniert und bildet einen tollen Hintergrund für die erzählte Geschichte. Diese beginnt mit einer ausführlichen Charakterisierung von Percy mit den ersten merkwürdigen Zwischenfällen, doch spätestens mit der Ankunft in einem Camp steht man mitten in der Geschichte, lernt die Figuren immer besser kennen und lässt sich von der tollen Atmosphäre einfangen. Spannend geht es zu, gefährlich, aber auch immer mit einem kleinen Augenzwinkern. Ein toller Roman, der mich wirklich gepackt hat, zudem in der Hörumsetzung wunderbar vorgetragen.

Als Sprecher wurde Marius Clarén ausgewählt, der hier sein gesamten Potenzial ausspielt und die Geschichte sehr mitreißend erzählt. Dabei kann er bei den temporeichen Stellen mit angemessener Sprechgeschwindigkeit punkten, doch auch der sarkastische Humor des Buches kommt bei ihm voll zur Geltung. Er spielt mit seiner Stimme und kann so jedem Charakter einen eigenen Klang verleihen, ohne zu gekünstelt zu wirken. Eine tolle Leistung, die mich beeindruckt hat.

Auf dem Cover ist selbstverständlich das Titelbild der Buchausgabe zu sehen, mit dem großen Kopf und dem kleinen Percy ist ein reizvoller Kontrast geschaffen worden, während die Blitze für Dynamik sorgen. Allerdings hätte die Papphülle etwas stabiler ausfallen können, der Innenteil ist jedoch wieder ansprechend gestaltet und enthält kleine Zusatzinformationen.

Fazit: Die Geschichte ist mitreißend, einfallsreich, spannend und witzig, die Vortragsweise sehr gelungen. Ein wirklich gutes Hörbuch.

VÖ: 19. März 2010
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-4005-7


Prince of Persia



Erster Eindruck: Abenteuer in fremder Welt

Das Straßenkind Dastan wird als Kind vom König von Persien selbst adoptiert und fortan auf seine Aufgabe als zukünftiger Regent ausgebildet. Zusammen mit seinen Brüdern schlägt er sich tapfer in vielen Situationen. Doch als ein mächtiger Feind nach dem "Sand der Zeit" trachtet, muss er sich mit der resoluten Tamina verbünden...

"Prince of Persia" heißt ein neuer Film von Disney, der die Kinokassen im Sturm erobern soll. Auch ein Hörbuch wurde produziert, welches bei Lübbe Audio erschienen ist und an den Erfolg des Filmes anschließen soll. Als Sprecher wurde Simon Jäger gewonnen, der schon bei anderen Produktionen geglänzt hat. Das Hörbuch startet gemächlich mit einigen Vorabinformationen und Prologen, beispielsweise über das Land Persiens und Dastans Kindheit. Doch auch danach erleben Dastan und seine Brüder erst ein kleineres Abenteuer, bis endlich die eigentliche Geschichte startet. Sicherlich sind viele der Informationen wichtig für die zukünftige Handlung, doch leider zieht sich der Start doch etwas in die Länge. Danach nimmt die Geschichte an Fahrt auf und behält trotzdem seine ruhige Wirkung bei, was einen interessanten Kontrast ergibt. Die Geschichte an sich ist erzählenswert und die Charaktere gut beschrieben und vielschichtig, aber der letzte Funke will einfach nicht überspringen, sodass "Prince of Persia" ein gutes Hörbuch bleibt, die Grenze zum sehr guten aber nicht überschreiten kann. Für Fans des Filmes ist es aber durchaus eine gute Maßnahme, um die Zeit bis zur DVD-Veröffentlichung zu überbrücken.

Simon Jäger ist wie oben bereits erwähnt der Sprecher des Hörbuches. Seine sanfte, warme Stimme hat viel Flair und Anziehungskraft, besonders in der Charakterbeschreibung kann er überzeugen und seine eigene Note mit einbringen, ohne sich von den Vorgaben zu entfernen. Lediglich an den spannenden Stellen hätte er etwas mehr aus sich heraus gehen können.

Wie sollte es anders sein - das Filmplakat ziert auch das Cover zu der Doppel-CD. So wird gleich der Zusammenhang deutlich, der Werbeeffekt ist dank großflächiger Plakatierung sicherlich auch nicht zu verachten. Im kleinen Booklet ist noch die anfängliche Beschreibung sowie Infos zu Simon Jäger zu finden.

Fazit: Der Stoff kann als Hörbuchumsetzung nicht die volle Wirkung entfalten wie es auf der Leinwand möglich war, kann aber trotzdem 153 Minuten lang unterhalten.

VÖ: 1. Juni 2010
Label: Lübbe
Bestellnummer: 978-3-7857-4114-6


Die Radleys



Erster Eindruck: Bis(s) einer beißt...

Die Radleys leben ein ganz gewöhnliche Familie und unterscheiden sich nur minimal von jeder anderen Durschnittsfamilie: Sie sind Vampire. Allerdings trinken sie kein Blut und haben andere Nahrungsquellen gefunden. Doch eines Tages beißt Tochter Clara doch zu, um sich zu verteidigen, und die Radleys müssen erst einmal die Leiche wegschaffen...

Vampirromane gibt es momentan zu Hauf, den Twighlight-Büchern von Stephanie Meyer sei dank. Doch trotzdem lassen sich inmitten all der oft vor Kitsch triefenden und grundsätzlich gleich gestrickten Billig-Romane noch echte Perlen finden - und eine solche Perle ist die Radleys, die in der Hörfassung von Lübbe Audio vorliegt. Fernab vom üblichen "Mädchen verliebt sich in Vampir" wird wirklich eine gewöhnliche Familie beschrieben, mit all ihren kleinen Problemchen und Streitigkeiten. Dabei ist immer ein Hauch von schwarzem Humor vorhanden, der mich ein ums andere mal schmunzeln ließ, herrlich trocken und immer wieder überraschend. Auch die Stimmung ist so gänzlich anders, etwas distanzierter, die Charaktere werden mit ihren Fehlern und Macken betrachtet, ohne sie zu idealisieren. Vielmehr bekommt man einen sehr umfassenden Eindruck der Radleys, und so gewinnt man sie schnell lieb. Dabei ist die Geschichte an sich auch wunderbar, der versehentliche Mord Claras startet eine spannende Handlung, die sich eher langsam entwickelt und ziemlich viel Stil hat. "Die Radleys" ist eine Entdeckung wert, macht viel Spaß und kann gerade wegen des außergewöhnlichen Blicks auf das Thema begeistern.

Sprecher des Hörbuches ist Sascha Rotermund. Seine eindringliche Stimme schafft schon einmal die Grundvoraussetzung für einen guten Erzähler, seine ruhige Art und seine gekonnte Betonung ziehen schnell den Hörer in seinen Bann. Auch die von Personen gesprochenen Worte meistert er gekonnt, bleibt aber in seiner eigene Stimmlage und verlieht lediglich neue Sprechrhythmen oder und leichte Nuancen.

Die Szenenübergänge sind teilweise mit Musik unterlegt, die sehr cool und stilvoll wirkt und so wunderbar zu der im Buch vorherrschenden Atmosphäre passt. Dabei ist verschreckt sie niemanden mit merkwürdigen Klängen, ist aber außergewöhnlich genug, um aufzufallen und einen positiven Eindruck zu machen.

Natürlich wurde das Buchcover auch hier als Vorlage genommen - und das ist schlicht genial. Ein rein schwarzer Hintergrund, darauf eine weiße Porzellantasse mit herablaufenden Blutschlieren sowie der verschlungen Schriftzug - wunderbar und auffällig! Im Inneren sind noch einige Infos sowie Begriffserklärungen zu finden.

Fazit: Eine wahrhaft außergewöhnliche Vampirgeschichte mit wunderbarem Humor, tollen Charakteren, gekonnt inszeniert. Meine Empfehlung!

VÖ: 28. August 2010
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-4401-7


Reckless - Steinernes Fleisch



Erster Eindruck: Märchenhafte neue Welt

Hinter den Spiegeln existiert eine Welt, in der Märchen Wirklichkeit sind. Jacob Reckless kennt diese Welt, denn sein Bruder droht in ihr zu Stein zu werden. Er begibt sich auf eine abenteuerliche Reise, und lange Zeit ist ihm nicht klar, welche Rolle die steinernen Goyl spielen, die seinen Weg immer wieder kreuzen...

Sie hat es wieder getan! Nach der aboslut genialen Tintenwelt-Trilogie hat sich Cornelia Funke, Deutschlands momentan erfolgreichste Kinderbuchautorin, wieder eine völlig eigene Welt erdacht, die einen ähnlich starken Zauber versprüht. Ihr Roman "Reckless" erscheint gleichzeitig als Buch wie auch als Hörbuch und soll ebenfalls zur Trilogie ausgebaut werden. Wohl jeder kennt die Grimm'schen Märchen, und schon gleich zu Beginn setzt Funke immer wieder Symboliken aus den bekannten Geschichten ein und schafft so gleich ein Gefühl der Vertrautheit, was aber gleichzeitig völlig neu und unverbraucht wirkt. Schnell ist man so in der Welt hinter den Spiegeln verankert, während die Geschichte fortläuft und ein immer genaueres Bild mit noch mehr Details zeichnet, dem Ideenreichtum sind hier keine Grenzen gesetzt. Vor diesem Hintergrund spielt ein ebenso bewegendes wie spannendes Abenteuer, das von der Erzählkunst Cornelia Funkes sprüht. Die Charaktere wirken sehr lebendig und agieren in jeder Situation glaubhaft, das Szenario ist ansprechend und fesselnd, der Verlauf immer wieder überraschend und von vielen Wendungen geprägt. Das alles versprüht einen Charme und einen Zauber, der einen völlig gefangen nimmt und die Zeit um einen vergessen lässt. Ein wirklich wunderbares Hörbuch, das für die ganze Familie ein echter Schatz werden dürfte.

Wie auch schon die Tintenwelt-Trilogie wird Reckless von Rainer Strecker gelesen, der wie kaum ein anderer ganze Welten erschaffen kann. Mit seiner intensiven Stimme schafft er nicht nur eine angenehme Atmosphäre, sondern lässt auch die Figuren äußerst lebendig wirken. Mit seiner gekonnten Betonung kann er feine Nuancen ausarbeiten und lässt so das Geschehen vielfältig und präsent erscheinen. Eine absolute Top-Leistung!

Kleine Melodien sind immer wieder eingesetzt, um das Gelesene zwischen den einzelnen Kapiteln aufzulockern. Zudem werden so sinnvolle Pausen aufgezeigt, das Hören zu unterbrechen. Auch diese Musik versprüht ihren ganz eigenen Zauber und setzt auf klassische Instrumente, ab und an aber auch auf Gesang. Sehr abwechslungsreich und gelungen.

Das steinerne Gesicht im Spiegel, welches auf dem Cover zu sehen ist, spielt auch in der Handlung eine entscheidende Rolle - eine gute Wahl als Illustration also, zumal es sehr ansprechend und magisch wirkt. Ein stabiler Pappschuber umgibt die Hüllen, auf denen jeweils die Kapitel aufgelistet sind. Das beiliegende Booklet stellt nicht nur Autorin und Sprecher vor, sondern enthält zudem einige Begriffserklärungen.

Fazit: Mit Spannung erwartet, und alle Ansprüche voll erfüllt. "Reckless" hat Zauber, Spannung, kreative Einfälle, wunderbare Figuren und ist auch gelesen ein voller Genuss - dank Rainer Strecker.

VÖ: 14. September 2010
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0518-0


Verrat in Skogland



Erster Eindruck: Prinzessin in Nöten

Jarven hadert mit der Erkenntnis, dass sie die Prinzessin von Skogland ist. Denn nicht nur die Presse setzt sie unter Druck, auch ihre Mitschüler im Internat und selbst ihre Mutter haben keine guten Worte für sie. Sie sieht ihren einzigen Weg in der Flucht, doch kurze Zeit später wird die entführt und gerät somit in die Fänge von skrupellosen Rebellen...

„Verrat in Skogland“ ist der zweite Teil der Buchreihe von Kirsten Boie – seine Hörbuchumsetzung erscheint bei Jumbo – und das sollte man auch wissen, denn ohne Vorkenntnisse findet man nur schwer in die Geschichte und wird einige Feinheiten nur schwer miteinander in Verbindung bringen können. Gut, dass hier ein hilfreicher Text im Booklet vorhanden ist, Kenntnisse des ersten Teils sind aber dennoch erforderlich. Dabei wird ein großer Teil des Romans auf die Vorstellung der Charaktere und der Situation verwendet, sodass gerade zu Anfang ein wenig Eintönigkeit Einzug hat. Positiv an diesem Teil ist jedoch die genaue Beschreibung von Jarvens Gefühlswelt, die geprägt von Verzweiflung ist, hier schöpft die Autorin aus dem Vollen und trifft immer genau die richtigen Formulierungen. Setzt dann der Spannungsbogen ein, ist man auch schnell gefesselt von den weiteren Entwicklungen, die aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden. Dabei steht Jarvens Entführung natürlich klar im Vordergrund, an ihr werden auf simple Weise politische Mechanismen auch Kindern und Jugendlichen näher gebracht, verständlich gemacht. Interessant, wie viel davon in ein immer noch sehr unterhaltsames und Jugendhörbuch einfließen kann, ohne dass es trocken wirken würde. Am Ende geht dann nach etlichen Querelen doch noch alles gut aus, wobei hier kein typisches „Alles ist gut“-Ende heraufbeschworen wird, sondern durchaus noch Platz für weitere Bände gelassen wird – wenn diese so gut sind wie „Verrat in Skogland“ sind sie immer herzlich willkommen!

Bernd Stephan ist Sprecher dieses Hörbuches. Er schafft eine sehr eingängige Atmosphäre, steigert seine Stimme an den spannenden Stellen, verliert aber auch in ruhigeren Passagen nicht den Bezug zum Hörer. Zudem kann er auch die verschieden Gefühlswelten der Charaktere gut aufgreifen, wirkt bei der wörtlichen Rede Jarvens ebenso glaubwürdig wie bei der eines erwachsenen Mannes. Eine wirklich überzeugende Leistung.

Ein wenig Musik lockert das Geschehen auf, passt sich immer gut an die jeweilige Stimmung an und verschafft dem Hörer Gelegenheit, das Gehörte zu reflektieren oder steigert zusätzlich die Spannung. Passend zu dem etwas skandinavischen Ambiente des Buches erinnern auch die Stücke von Ulrich Maske oft an nordische Klänge, fügen sich so sehr gut in das Gesamtbild ein.

Hübsch ist die Aufmachung des Hörbuches gelungen: Die aus matten Karton gefertigte Box trägt das Buchcover auf seiner Front, das die nächtliche Fahrt zweier LKW vor einem düsteren Fluss zeigt. Auch das Innere kann überzeugen: Jede CD hat eine stabile Papphülle erhalten, das Booklet liefert neben einigen Informationen eine ausführliche Trackübersicht aller acht CDs.

Fazit: Hier greifen die verschiedenen Elemente aus Politik und Jugendroman sehr gut ineinander und schaffen eine spannende Atmsophäre – allerdings sollte man den ersten Teil der Reihe kennen.

VÖ: 29.September 2008
Label: Jumbo
Bestellnummer: 978-3-8337-220-4


Skogland



Erster Eindruck: Politthriller, Prinzessinnengeschichte, Jugendbuch

Jarven ist gleichermaßen erstaunt und begeistert, als sie in die Endrunde des Casting für einen Film kommt, denn wie ein typischer Filmstar sieht sie nun wahrlich nicht aus. Doch es kommt alles ganz anders, denn die junge Frau wird als Geisel gefangen genommen und von ihren Entführern für politische Ziele eingesetzt, die das Schicksal von ganz Skogland verändern sollen...

Hörbücher werden gern wie fast alle Medien in Kategorien eingeteilt. Bei Skogland fällt dieses jedoch schwer, die Geschichte um das fiktive skandinavische Königreich ist eine rasante Mischung aus vielen Genres. Inmitten all dem steht allerdings eine Sache fest im Vordergrund: Jarven, die sich im Laufe der Zeit vom durchschnittlichen, eher unscheinbaren Teenager zur selbstbewussten jungen Frau entwickelt, und das in nachvollziehbaren und glaubwürdigen Schritten. Schnell erobert sie das Herz des Hörers und weckt immer mehr Sympathien – eine gelungene und realitätsnahe Heldin, die der Geschichte etwas Bodenständiges verleiht. Um sie herum wird ein Netz aus Intrige gesponnen, das weitreichende Konsequenzen hat. Hier werden beispielsweise politische Mechanismen aufgedeckt und dem (wohl nicht nur) jugendlichen Publikum näher gebracht. Die gesamte Gesellschaftsstruktur des fiktiven Skogland wird durchleuchtet, Hintergründe erklärt, Machtgefüge abgewogen. Auch der Einfluss der Presse wird wunderbar eingeflochten, woraus sich ein erschreckendes Bild ergibt – eine zentrale Frage ist, wie weit sie wirklich gehen darf. Skogland hat auch Elemente eines Thrillers in sich vereint, die Entführung und die Forderungen, die an Jarven gestellt werden, machen den Verlauf sehr spannend und kurzweilig, langatmige Passagen kommen nicht vor, obwohl das Tempo nun nicht gerade sonderlich schnell ist. Immer wieder wird der Hörer von neuen Entwicklungen überrascht, am Ende ist nichts so, wie es am Anfang den Anschein hatte. Doch auch etwas sehr Märchenhaftes prägt die Handlung, der Erzählstil geht stark in diese Richtung. Eine kreative und sehr gelungene Mischung, die in sich unglaublich stimmig ist und eine ganz klare Empfehlung verdient hat.

Sprecher des Hörbuchs ist Bernd Stephan, dessen variationsreiche Stimme die vielen unterschiedlichen Themen glaubhaft herüber bringen kann. Sowohl in den anfänglichen, eher ruhigen Szenen, in denen Jarven vorgestellt wird, als auch später, wenn es spannend oder bedeutend wird, trifft er den richtigen Ton und kann eine abwechslungsreiche Dynamik an den Tag legen. Die Darstellung der einzelnen Charaktere löst er gekonnt mit leicht veränderter Stimme, wobei jeder einen eigenen, unverwechselbaren Klang bekommt. Eine insgesamt sehr gute Leistung, die keinerlei Schwachpunkte offenbart.

Zwischen den einzelnen Tracks sind kleine Melodien zu hören, die eine klare Trennung abgeben und zudem auflockernd wirken. Mal sind sie verspielt und vermitteln gute Stimmung, mal haben sie einen eher dramatischen und eindrucksvollen Klang, sodass jede Situation gut eingefangen wird. Überzeugend, vielfältig und immer am Puls des Buches.

Grün ist die dominierende Farbe des Covers, das von der Buchausgabe übernommen wurde. Eine Krone liegt im Wasser eines Sandstrandes und macht einen verlorenen Eindruck – ein passendes und zugleich angenehm schlichtes Motiv. Neben einem Vorwort der Autorin findet sich im beiliegenden Booklet eine ausführliche Auflistung der einzelnen Tracks.

Fazit: Ein unglaubliches Werk voller Leben, das politische Vorgänge darstellt und verzaubern kann.

VÖ: 28.Juli 2011
Label: Jumbo
Bestellnummer: 978-3-8337-2785-6


Träumereien an französischen Kaminen



Erster Eindruck: Atmosphärischen zum Träumen…

Ein meisterlicher Orgelbauer schafft sein Meisterwerk, eine Orgel, die von allein spielt, wenn ein von Gott gesegnetes Brautpaar die Kirche betritt. Doch als er selbst in dieser Kirche heiraten will, bleibt die Orgel stumm… (Die künstliche Orgel)

Ein König wünscht sich nicht sehnlicher als eine Frau, die wunderbare Pfeffernüsse backen kann. Im ganzen Land ist keine zu finden, und so muss er eine Prinzessin heiraten, die diese Fähigkeit nicht hat. Doch auch diese hat ihre Ansprüche… (Von der Königin, die keine Pfeffernüsse backen konnte)

Ein Mann, der bisher vom Pech verfolgt wurde, macht unter einer alten Buche Rast und erfährt am nächsten Tag, dass Träume, die Menschen unter ihr hatten, erfüllt werden. Er glaubt nicht an die Geschichte und neckt die Wirtshaustochter… mit weit reichenden Folgen. (Die Traumbuche)

Die Eltern eines kleinen Mohrs schämen sich sehr für ihren Sohn und schicken ihn zur Lehre zu einem Schornsteinfeger. Doch auch da ist er nicht beliebt, und so zieht er hin, um sein Glück zu finden. Da hört er von einer Prinzessin, die ganz aus Gold gemacht ist… (Der kleine Mohr und die Goldprinzessin)

Träumereien an französischen Kaminen ist eine Sammlung von Märchen fernab von den Gebrüdern Grimm oder Hans Christian Anderson, sondern mit den eher unbekannten Märchen von Richard von Volkmann-Leander. Stephan Bosenius und Marc Gruppe von Titania Medien haben sich den 22 Stücken angenommen und in der bekannt liebevollen, atmosphärischen Art umgesetzt. Mal sind sie heiter, mal ernst, aber immer eins: anrührend und stimmungsvoll. Oft spielen religiöse Motive eine Rolle, aber wir begegnen auch Figuren aus klassischeren Märchen, wie Königinnen oder Glückskindern. Doch die Geschichten unterscheiden sich stark von denen, die man als Kind vorgelesen bekommen hat, und so fühlt man sich beim Hören wieder als Kind, als man noch ganz und gar von den Märchen aus den dicken Büchern überrascht wurde. Das kleine bucklige Mädchen ist die wohl traurigste und trotzdem schönste Geschichte, die voller Ungerechtigkeiten ist und doch ein wunderbares Ende hat. Von Himmel und Hölle regt zum Nachdenken an, seine eigenen Ideale zu überprüfen. Goldtöcherchen ist hingegen heiterer und geradezu beschwingt. Gerade für die kalten Wintertage, die uns nun bevorstehen, ist diese Sammlung auf 4 CDs also die perfekte Abendunterhaltung, egal ob man nun vor einem Kamin sitzt oder nicht.

Elf Sprecher haben sich der Vertonung gewidmet, einer besser als der andere. Jörg Löw zum Beispiel gibt gleich zu Anfang in Die künstliche Orgel mit seiner wohlklingenden Stimme der Geschichte Substanz und gerade gegen Ende viel Gefühl. Dagmar von Kurmin erinnert mit ihrer leicht kratzigen Stimme wohl am meisten an eine Märchen-Oma und löst mit ihrer feinsinnigen Interpretation starke Gefühle aus. Doch auch die wesentlich jüngere Arianne Borbach weiß ihre, ihre beiden Märchen gekonnt und mit wunderbarer Betonung zum Leben zu erwecken. Auch sämtliche anderen Sprecher leisten Phantastisches, so unter anderem Christian Rode, Monica Bielenstein und Heinz Ostermann, der auch das tolle Intro spricht.

Was wäre Titania Medien ohne eine atmosphärische Umsetzung? Auch hier wurde großartiges geschaffen und für jedes Märchen ein eigener und intensiver Klangteppich geschaffen, der sich eng an die Geschichte schmiegt und diese Produktionen den endgültigen Feinschliff verleihen.

Die vier CDs mit über 250 Minuten Laufzeit befinden sind in einem hochwertigen Digipack, welches liebevoll von Titania-Stammzeicher Firuz Askin illustriert wurde. Die verschiedenen Figuren, die dem brennenden Kamin entsteigen, könnten das Gefühl der Märchen kaum besser widerspiegeln. Ein wahres Prachtstück in jedem Hörspielregal.

Fazit: Jeder, der sich auch nur annähernd für Märchen interessiert, sollte unbedingt zugreifen, denn eine solch rührende und wunderbar produzierte Märchensammlung gab es bisher wohl noch nie.


Wildernacht - Die verlorenen Tagebücher



Erster Eindruck: Von Drachen, Zauberern und Schriftstellern

Die Welt wurde verlassen von den Drachen und anderen magischen Wesen, um den Menschen die Herrschaft über den Planeten zu überlassen. Doch selbstsüchtig wie er nun einmal ist zerstört der Mensch die Welt. Der junge Schriftsteller Klondeik schreibt in seinen Tagebüchern nieder, was er in Zusammenhang mit dieser alten Welt erlebt...

Mit "Wildernacht" hat der Hörverlag ein recht ungewöhnliches Hörspiel im Programm, welches die Bücher von Joachim Masannek zum Vorbild hat. Unter anderem wird die Artussage in die heutige Zeit transportiert, viele fantastische Gestalten tummeln sich in der Geschichte. Aufgebaut ist sie wie das Tagebuch des Protagonisten Klondeik, der die seltsamen Geschehnisse schildert - ein durchaus spannender und interessanter Ansatz. Leider kann das Hörspiel an sich dann nicht so ganz überzeugen, an einigen Stellen ist die Handlung nur sehr schwer nachvollziehbar. Die kryptischen Andeutungen sind zwar unglaublich atmosphärisch, aber stellenweise schwer nachvollziehbar. In sehr stimmungsvollen Passagen ist allein Klondeik zu hören, hier erinnert das Hörspiel eher an eine inszenierte Lesung, während an anderen Stellen gelungene Dialoge zu hören sind, die mit den interessanten Charakteren überzeugen können. Ca. die letzte halbe Stunde werden dann in Kurzform weitere Ereignisse erzählt, die nicht recht zum gut produzierten Rest passen wollen. In Sachen Atmosphäre ist "Wildernacht" also wirklich ein klasse Hörspiel, nur leider ist die Geschichte nicht immer ideal erzählt worden.

Die Sprecher sind sehr gut ausgewählt und bringen zusätzliche Atmosphäre mit ein. Allen voran natürlich Erik Borner als Michael Klondeik, der mit seiner festen Stimme und variationsreichen Interpretation eine sehr gute Darstellung abliefert. Nora Jokosha spricht die zweite Hauptfigur, die 2000 Jahre alt Sally, mit ihrer einprägsamen Stimme und einer gelungenen Betonung kann sie ebenfalls vollkommen überzeugen. Bodo Henkel spricht gleich zwei Charaktere, kann aber deutliche Unterschiede setzen und besonders den Galahad überzeugend vermitteln. Weitere Sprecher sind Peter Wenke, Martina Römert und Marius Clarén.

Wie bereits oben erwähnt ist die atmosphärische Gestaltung von Wildernacht sehr gut gelungen. Das fängt beim Titelsong der Band Hassliebe an und setzt sich mit düsteren und sehr stimmungsgeladenen Musikstücken während der Handlung fort. Dabei scheut man sich nicht vor ungewöhnlichen Klängen, die einen einzigartigen Eindruck machen.

Das Cover ist ebenso ungewöhnlich, der Drache wirkt teilweise wie hinskizziert, der Schrift sieht wie handgeschrieben aus. Einen besonders positiven Eindruck hinterlässt das Booklet, in dem neben dem Produzententeam auch viele der Charaktere aus Wildernach samt Zeichnungen vorgestellt werden. Vorbildlich!

Fazit: Ein spannender und interessanter Ansatz, oftmals leider schwer verständlich formuliert. Die Atmosphäre hingegen ist phänomenal.

VÖ: 18. September 2009
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-511-1


 Eine Weihnachtsgeschichte

Erster Eindruck: Die Geister, die ich rief...

Scrooge ist ein ungemütlicher Zeitgenosse: Immer auf seinen Gewinn bedacht hält er nicht viel von Weihnachten, worunter nicht nur sein Angestellter zu leiden hat. Doch kurz vorm Fest bekommt er Besuch von dem Geist seines verstorbenen engen Freundes Marley, der ihn vor seinem Geiz warnt und die Ankunft von drei Geistern ankündigt...

Charles Dickens Weihnachtsgeschichte gehört zu seinen wohl bekanntesten Werken und wurde schon zahlreiche Male verfilmt. Oetinger Audio hat sich nun an eine Hörbuchversion gemacht und in der selben Optik wie "Alice im Wunderland" und "Der Zauberer von Oz" veröffentlicht. Die Geschichte ist ebenso anrührend wie unterhaltsam, im Prinzip erfährt man, wie Scrooge zu dem alten Geizhals geworden ist. Die drei Geister der Weihnacht führen ihm verschiedene Episoden aus seinem Leben vor Augen, aus seiner Vergangenheit, der Gegenwart und schließlich der Zukunft - eine brillante Idee, und auch die innerliche Wandlung Scrooges wird glaubhaft und sensibel dargestellt. Die Geschichte sprüht nur so vor einem ganz bestimmten Zauber und ist in wunderschönen Worten erzählt. Schön ist auch, dass man sich hier an das Original gehalten und nichts herausgekürzt hat. So ist die Reise, die der Zuhörer mit dem alten Scrooge macht, voller Emotionen, voller Witz und vor allem voller Charme, und auch aufgrund der wunderschönen Umsetzung ist dieses Hörbuch eine Empfehlung wert - nicht nur vor Weihnachten!

Felix von Manteuffel ist Sprecher dieses Hörbuches und kann seine tiefe, sonore Stimme wunderbar einsetzen und akzentuieren, um die Charaktere eigenständig wirken zu lassen. Gerade bei Scrooge ist ihn dies gelungen, es ist ein raues Krächzen, mit dem er den Geizhals charakterisiert, das sich im Laufe des Hörspiels aber immer weiter zurückbildet und so die Wandlung greifbar macht. Doch auch in den Erzählpassagen und bei den anderen Charakteren sorgt Manteuffel für eine warme Stimmung.

Zwischen den einzelnen Abschnitten wurden einige Musikstücke platziert, die eigens für dieses Hörbuch von Jan-Peter Pflug komponiert wurde. Sie schafft zusätzlich Atmosphäre und nimmt glücklicherweise Abstand von kitschigen Weihnachtsmelodien. Vielmehr verbreiten sie einen ganz leisen Zauber und schafft sehr weiche Übergänge.

Wunderschön ist die Aufmachung des Hörbuches. Auf der hochwertigen Pappbox, die in erdigen Tönen gehalten ist, ist ein Bild des verschneiten Londons zu sehen, eine sehr atmosphärische Illustration. Auch die drei CD-Hüllen im Inneren sind mit tollen Zeichnungen versehen. Ein ausführliches Booklet aus dickem Papier enthält neben Wissenswerten Informationen ebenfalls schöne Bilder.

Fazit: Ein wunderschöner Klassiker, brillant von Manteuffel gelesen und atmosphärisch inszeniert - meine absolute Empfehlung!

VÖ: September 2010
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0531-9


Pinocchio



Erster Eindruck: Die wunderschöne Hörbuchserie wird erweitert

Meister Gepetto schnitzt eines Tages aus einem Stück Holz eine Puppe und nennt diese fortan Pinocchio. Doch Pinocchio fängt zu sprechen an und benimmt sich bald wie ein gewöhnlicher Junge. Doch er macht Gepetto immer wieder große Sorgen, schwänzt die Schule und reißt von zu Hause aus. Dabei hat er auch nur einen ganz verständlichen Wunsch: Er will selbst ein richtiger Junge sein...

Oetinger Audio hat mit einer neuen Reihe an Hörbüchern begonnen, in der wunderschöne Umsetzungen von Kinderbuchklassikern von einfühlsamen Sprechern vorgetragen werden. Alice im Wunderland, Der Zauberer von Oz und die Weihnachtsgeschichte konnten hier schon überzeugen, nun ist der italienische Klassiker Pinocchio von Stefan Kaminski eingelesen worden. Dass die kleine hölzerne Puppe ein richtiger Junge werden will, ist den meisten ein Begriff, ansonsten einem fällt auf Anhieb die sich bei Lügen verlängernde Nase ein. Diesem Teil wird in der Vorlage aber nur ein kleiner Teil gewidmet, dahinter stecken noch zahlreiche andere, teils verstörende kurze Episoden voller Abenteuer und fantastischer Erlebnisse. Während dieser Zeit wird aus der frechen und ungehorsamen Puppe nach langer Zeit ein artiger Junge, doch immer wieder erliegt er den Verlockungen, die andere Menschen ihm anbieten und denen er gutgläubig vertraut – ein lehrsames Element für Kinder, da Pinocchio danach immer wieder schreckliche Erlebnisse hat. Seine abenteuerliche Reise und Gepettos Versuche, ihn zu finden, sind sehr abenteuerlich und haben immer wieder spannende Momente, während ein richtiger Spannungsbogen wegen der Episodenhaftigkeit der Geschichte kaum entstehen kann. So ist es problemlos möglich, an vielen Stellen zu stoppen und später wieder einzusteigen. Die Geschichte ist nicht zu unrecht so bekannt und beliebt, wer sich einmal die vollständige Geschichte mit all ihren Facetten anhören möchte, dem sei zu diesem sehr feinfühlig inszenierten Werk geraten.

Sprecher ist Stefan Kaminski, der das Werk mit hörbarer Hingabe zur Vorlage interpretiert. So erhält jeder Charakter seine eigene, unverwechselbare Stimme, ohne das es lächerlich oder gekünstelt wirken würde. Besonders Pinocchio hat eine erfrischende Jugendlichkeit, aber auch eine Menge hörbarer Schlitzohrigkeit. Meister Gepotto klingt glaubhaft alt und wird in seinen verschiedenen Stimmungen treffsicher dargestellt. Doch auch die Erzähltexte gestaltet Kaminski derart lebendig und dynamisch, dass mans ehr gerne lauscht, die Geschichte gewinnt durch ihn eindeutig.

Wie auch bei den andren Teilen der Serie wurde hier viel Wert auf eine ansprechende Optik gesetzt. So befinden sich die vier CDs in einer hübschen, matten Pappbox, die eine liebevolle Zeichnung trägt. Auch die Hüllen der einzelnen tragen einzigartige Zeichnungen und eine ausführliche Tracklist. Besonders gelungen ist allerdings das umfangreiche Booklet mit ausführlichen Informationen zu dem Roman.

Fazit: Die Reihe wird mit einem weiteren Klassiker fortgeführt, der familientaugliche Unterhaltung mit viel Witz, Charme und Fantasie bietet. Besonders die Leistung von Stefan Kaminski sorgt für das Gelingen.

VÖ: Februar 2011
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0547-0


Der Zauberer von Oz



Erster Eindruck: Von Wünschen in einem fernen Land

Von einem Wirbelsturm getragen gerät Dorothy aus der Einöde in Kansas in die magische und bunte Welt von Oz, die von einem Zauberer und vier Hexen regiert wird. Und nur eben jener Zauberer kann ihr helfen, wieder nach Hause zurück zu kommen. Auf ihrer Reise trifft sie eine Vogelscheuche, einen blechernen Holzfäller und einen ängstlichen Löwen, die sie zur Hauptstadt von Oz begleiten. Doch dort erleben sie eine böse Überraschung...

Seit Generationen weiß der Roman "Der Zauberer von Oz" insbesondere die US-amerikanische Gesellschaft zu verzaubern, und auch bei uns gehört das Buch mittlerweile zu den bekanntesten Klassikern. Nicht zuletzt durch ein erfolgreiches Musical ist die Geschichte von Dorothy wieder in aller Munde, sodass bei Oetinger Audio nun auch eine Hörbuchfassung mit Andrea Sawatzki erhältlich ist. Viele lustige, skurille und kreative Einfälle bestimmen die Handlung des Buches, schon allein die anfängliche Reise mit dem Wirbelsturm ist äußerst ideenreich. Verzaubern können insbesondere die liebevollen Figuren, die sich nach Sachen sehnen, die ihnen eigentlich schon längst gegeben sind: Der Vogelscheuch mit Stroh im Kopf, der herzlose Blech-Holzfäller und die ängstliche Löwe sind interessante Figuren und begleiten Dorothy auf ihrem Weg. Schnell gewinnt man sie lieb und lässt sich von ihnen in die zauberhafte Welt entführen. Voller Magie und merkwürdigen Gestalten kann man die Seele baumeln lassen und sich vollends in die Geschichte begeben, ein kleiner Urlaub vom Alltag. Und wer die Geschichte mag oder neu entdecken möchte, der sollte sich diesem Hörbuch zuwenden.

Andrea Sawatzki erweist sich neben ihrem unabsprechbaren schauspielerischen Können auch als wunderbare Hörbuch-Sprecherin. Mit Sinn fürs Detail erfüllt sie die Figuren zum Leben, eignet sich ungewöhnliche Sprechweisen an und kann so jeden Charakter zu ihrer eigenen machen. Dabei verstellt sie ihre Stimme nicht sonderlich, sondern spielt mit ihrer natürlichen Klangfarbe. Doch auch die Erzähltexte kann sie mit Spannung erfüllen und lässt so eine ganze Welt zum Leben erwecken.

Natürlicherweise wird bei einem Hörbuch kein großer Augenmerk auf die Musik gelegt, während der Handlung ist allein Andrea Samatzkis Stimme zu hören. Im Intro wird aber eine ebenso wundervolle kleine Melodie gespielt, die auf das Kommende perfekt einstimmt und voller Zauber ist.

Die vier CDs sind in einer stabilen Pappbox aufbewahrt, das als Titelbild die Szene im Mohnfeld zeigt. Der ungewöhnliche Zeichenstil ist ein Blickfang und lässt Raum, immer neue Details zu entdecken. Auch die vier einzelnen Papphüllen haben eigene Zeichnungen verpasst bekommen, während im Booklet etliche informative Texte zu finden sind.

Fazit: Mit der grandiosen Andrea Sawatzki und der wundervollen und spannenden Geschichte ist dieses Hörbuch absolut gelungen.

VÖ: März 2010
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0435-0


Alice im Wunderland



Erster Eindruck: Reise in eine phantastische Welt

Als Alice eines schönen Nachmittages ein hastiges Kaninchen mit Taschenuhr und Weste entdeckt, folgt sie dem Tier und gerät über einige Umwege ins Wunderland. Dort begegnet sie merkwürdigen Gestalten wie der Grinsekatze und der blauen Raupe, doch auch die Herzkönigin wird sie beschäftigen...

Mit zwei Kinderbuchklassikern will Oetinger Audio gezielt nicht nur junge Zuhörer, sondern auch viele Erwachsene erreichen, indem sie sich wirklich ansprechende und zeitlose Werke angenommen haben. Eines davon ist "Alice im Wunderland" von Lewis Carroll, das auch bei anderen Verlagen aufgrund des äußerst erfolgreichen Kinofilms wieder stark gefragt ist. Oetinger jedoch kümmert sich um eine ungekürzte Lesung und widmet sich dabei auch Episoden aus dem Buch, die ansonsten in Vergessenheit geraten würden - löblich, da sie nicht minder unterhaltsam als der Rest des Buches sind. Die liebevoll-skurrilen Einfälle des Autors Lewis Carroll und die phantasievollen und liebenswerten Charaktere prägen das Gefühl beim Hören der drei CDs, und schnell wird man so selbst in das Wunderland versetzt. Obwohl "Alice im Wunderland" eindeutig ein Kinderbuch ist, hat es einen unabsprechbaren Anspruch, der fernab von der heutigen Auffassung von Medien für Kinder ist. Auch hier ist vieles bunt und lustig, aber niemals lächerlich oder gar anspruchslos. Vielmehr sorgen teilweise verzwickte Gedankengänge von Alice und der unwiederstehliche Gebrauch der Sprache für Faktoren, die dieses Werk in seinem Wirken einzigartig und auch dieses Hörbuch außergewöhnlich machen. Eine schöne Umsetzung!

Sprecher des Hörbuches ist David Nathan, sonst meist bekannt aus ernsthafteren Rollen in vielen Hörspielen. Seine dunkle, angenehm warme Stimme verführt zum Lauschen und zum Mitverfolgen von Alice' Erlebnissen. Mit immer leisem Witz erweckt er die merkwürdige Welt des Wunderlandes zum Leben, hat für jede noch so außergewöhnliche Figur ihre eigene, sehr passende Sprechweise parat und hält mit seiner Dynamik die Spannung aufrecht.

Während der Erzählpassagen wurde keinerlei Musik oder Geräusch eingefügt, allein Nathans Stimme steht im Vordergrund. Am Anfang und zwischen den einzelnen Kapiteln sind aber kleine, beschwingte Musikstücke zu hören, die das Gelesene auflockern und sanfter gestalten, aber auch die Spannung erhöhen können.

Auch bei der Covergestaltung zeigt sich, dass diese Produktion nicht allein auf Kinder, sondern auf eine breitere Zielgruppe angelegt ist. Die Zeichnungen von Antje David, die auch die Cardsleeves der CD zieren, sind sehr schön anzusehen und eben nicht schreiend bunt, sondern in eher gedeckten Farben gehalten. Das umfangreiche Booklet mit vielen Hintergrundinformationen zum Werk ergänzt den sehr positiven Eindruck.

Fazit: Die wunderbare Reise von Alice wird von David Nathan liebevoll zum Leben erweckt, ideal für ein Wiederhören mit den skurrilen Figuren.

VÖ: März 2010
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0516-6