Sartana - Noch warm und schon Sand drauf

Krieg und Frieden

Der Name der Rose

Winnetou

König der Piraten

Eine Billion Dollar

Der Herr der Ringe – Das Hörspiel

Drachenreiter – Das Hörspiel

Tom Sawyers Abenteuer

Ein Weihnachtslied

Krieg und Frieden

Otherland – Das Hörspiel

Papa, Kevin hat gesagt...

Terror

Chicken Highway und drei weitere Krimi-Hörspiele

Tintenwelt – Die große Hörspielbox

Siddhartha

Die große Kommissar-Beck-Box

Die Kinder der verlorenen Bucht

Doktor Proktors Pupspulver – Das Hörspiel

Schneewittchen

Der kleine Prinz

Sophiechen und der Riese

November 1918 – Eine deutsche Revolution: Karl und Rosa

Alice im Wunderland (SWF 1958)

Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika

Jane Eyre

The Cruise – Staffel 2

Das kleine Gespenst – Tohuwabohu auf Burg Eulenstein

Igraine Ohnefurcht - Das Hörspiel

Pippi Langstrumpf – Die große Hörspielbox

Robinson Crusoe

Metamorphosen – erzählt nach den Geschichten des Ovid

Der Orientzyklus

Die vierzig Tage des Musa Dagh

Die grosse Abenteuer-Hörspiel-Kiste

Tintentod – Das Hörspiel

Königsallee

Der Hobbit – Das Hörspiel als Vinyl-Edition

Die Theogonie des Hesiod

Vier Fälle für Sherlock Holmes

Vier Fälle für das Triumvirat

Hände weg von Mississippi

Pater Brown: Der Marquis von Marne

Elser

Jugend ohne Gott

Arthur Miller – Die Hörspiel-Edition

Krimi-Kult-Kiste 4

Die Zeit – Der große Hörspaß

The War of Worlds (H.G. Wells)

Peterchens Mondfahrt (SWR 1963)

Der Mentor

Ida, Paul und Frankensteins Katze

Doktor Schiwago

Die unendliche Geschichte

Paul Tempel und der Fall Gregory

Die Schatzinsel

Der Räuber Hotzenplotz - Live

Sultan und Kotzbrocken in einer Welt ohne Kissen

November 1918. Eine deutsche Revolution

Krimi Kult Kiste – Die fünfte Staffel

Unter dem Milchwald – Drei legendäre Hörspielinszenierungen

Orlando

Der kleine Wassermann – Sommerfest im Mühlenweiher

Porterville – Staffel 2 (Folge 7-12)

Beim Leben deines Bruders (Peter May)

Tintenblut – Das Hörspiel

Der Gott des Gemetzels

Krimi Kult Kiste – Die sechste Staffel

Die Verwirrungen des Zöglings Törleß

Die Reise nach Sundevit / Lütt Matten und die weiße Muschel

Das Beste von Erich Kästner

1001 Nacht – Scheherzad und der Brunnen der Geschichten

Das Phantom des Alexander Wolf

Raskolnikow - Schuld und Sühne

Othello

Die Otfried Preußler Hörspiel-Box

Pinocchio

Der Hund der Baskervilles

Die Blendung

Das Decamerone

Der geheimnisvolle Fremde

Die seltsame Gräfin (Edgar Wallace)

Hilfe, die Herdmanns komme

Starke Stücke – Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem

Starke Stücke – Richard Wagner: Der fliegende Holländer

Immer lustig in Bullerbü

Drachenreiter – Das Hörspiel

Pu der Bär – Das Hörspiel

Geschichten von Rittern und Helden

Die neue Schatztruhe der Abenteuer

Eine Weihnachtsgeschichte

Aladin und die Wunderlampe

Die kleine Seejungfrau

Die verschollenen Fälle - Neue Abenteuer von Sherlock Holmes & Dr. Watson

Meta Morfoß / Armer Ritter

Jacobs Zimmer (Virginia Woolf)

Leonce & Lena

Tintenherz – Das Hörspiel

Rosalie und Trüffel – Vom Glück zu zweit

Till Wiesentroll

Nullzeit (Juli Zeh)

Unterm Birnbaum

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Die Schläfer – Unheimliches Erwachen in der Antarktis

Söhne und Liebhaber

Olivia - Manchmal kommt das Glück von ganz allein

Gespensterjäger – 4 Hörspiele

Georg Büchner – Die Hörspiel-Edition

Wenn die Gondeln Trauer tragen

Der Zauberer von Oz

Kaminski ON AIR - Der Ring des Nibelungen

Der kleine Wassermann – Frühling im Mühlenweiher

Warum ist Schnodder grün?

Prometheus – Griechische Sagen

Der große Kinderhörspielschatz

Klassische Erzählungen für Kinder

Der Zauberer von Oz

Nimmerklug im Knirpsenland

Prinzessin Sara (Frances H. Burnett)

Sturmhöhe

Wir Kinder aus Bullerbü

Astrid Lindgren – Die schönsten Abenteuer

Herr der Fliegen

Hermann Hesse – Die großen Romane

Grabeskalt – Klassische Horror- und Schauergeschichten

Gerhart Hauptmann – Die große Hörspiel-Edition

Geisterritter - Das Hörspiel

Farm der Tiere

Die Welle

Das Mal – Das Geheimnis vom Totenkopfstein

Die Island Saga vom weissen Njal

Die Füchse von Andorra

Das Pferdemädchen

Dracula

Dracula

Die Wolke

Die Schatzinsel

Die schönsten Hörspielklassiker für Kinder

Die grosse Dramenbox (Heinrich von Kleist)

Die Nacht des Zorns (Fred Vargas)

Die Biene Maja

Charles Dickens – Die große Hörspieledition

Clockwork Orange

Böses Ende

Bullerbü - Die große Hörspielbox

Bulle und Pelle

Bertolt Brecht Dramen

Baudolino

Agatha Christie – Drei Hörspiele

Anton taucht ab

Die dumme Augustine

Fennymores Reise

Rheinsberg

Plan B

Der Prinzessin

Die Pest

Potilla

Road to Hell

Das Spiel der Könige

Thomas Mann – Die großen Hörspiele

Tom Sawyer und Huckleberry Finn

Tödliche Intrige

Von Opfern und Tätern

Wie Kater Zorbas der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte

Wie man unsterblich wird

Das Wunder von Björn

Das zweite Königreich

Schatztruhe der Märchen

Schatztruhe der Abenteuer

Märchenmond – Das Musical

Jeder stirbt für sich allein

Frau Jenny Treibel

Krimi Kult Kiste – 7. Neues von Dickie Dick Dickens / Die vielgeliebte Dame / Die Dame ist leichtfertig

Ungeduld des Herzens

Melissa

Mr. Shady – 1. auf der Suche nach den neuen Wundern dieser Welt

Die geheime Asservatenkammer - 1. Permuto, Laptop des Todes

Agatha Christie – Vier Hörspiele

Adams Pech, die Welt zu retten

Osman – Der Dschinn in der Klemme

Öland

Mutig, mutig

Moby Dick (Audio Verlag Version)

Moby Dick (Hörverlag Version)

Lok 1414 geht auf Urlaub

Leo Kaplan

Kurze Interviews mit fiesen Männern

Krabat

Die Konferenz der Tiere

35 Kilo Hoffnung / 35 kilos d'espoir

Kalt wie der Tod - Skandinavische Krimihörspiele von Henning Mankell & Co

Jim Knopf und die Wilde 13

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

Jesus und die Mühlen von Cölln

Das Halstuch

Hallo, ist da jemand?

Gestatten - mein Name ist Cox

Das Gesetz der Straße

Die Gentleman bitten zur Kasse

Das Geisterhaus

Fetzer

Als Oma seltsam wurde

Die Vögel

Die Tore der Welt

Der Sandelf

Des Kaisers Nachtigall

Der Spieler

Die grosse Sams Hörspielbox

Das Haus

Das Angstmacherchen

Der verbotene Ort

Der kleine Lord

Don Quijote von der Mancha

Acht Hercule Poirot Krimis

Arsène Lupin - Die hohle Nadel oder Der Schatz der Könige Frankreichs


Sartana - Noch warm und schon Sand drauf



Erster Eindruck: Ein Haudegen ohne Halleluja

Ein kleines, aber wertvolles Stückchen Land gerät in das Interesse einer Bande aus Schurken, die sich zusammentun, um die Nichte des ermordeten Landbesitzers um ihren Besitz zu bringen. Doch dabei haben sie ihre Rechnung ohne Sartana gemacht, der zwar ein ziemlich derber Revolverheld ist, aber auch unerschrocken für Gerechtigkeit kämpft...

Bela B., Gründungsmitglied der Punk-Band Die Ärtze in einem Hörspiel, das auch noch dem fast ausgestorben scheinenden Genre Western zugeordnet ist – der Hörverlag kann mit seiner Veröffentlichung von „Sartana – Noch warm und schon Sand drauf“ sein Programm um eine ziemlich ungewöhnliche Produktion erweitern. Dass dann noch Hörspielgrößen wie Stefan Kaminski und Oliver Rohrbeck oder Synchronsprecher Rainer Brandt mitwirken, macht die Sache nur noch interessanter. Und schon nach einigen Momenten wird klar: Hier geht es sogar noch schräger zu als erwartet, denn die Sprecher agieren nicht nur in der Geschichte, sondern auch als sie selbst in Dialogen über das Hörspiel. Das hat natürlich viel Witz und Charme, da Rohrbeck beispielsweise den Stempel eines leicht schnöseligen Sprecher-Stars aufgedrückt bekommt, den die Handlung nur mäßig interessiert, und auch die restlichen Rollen sind humorvoll und überspitzt dargestellt. Das macht richtig Spaß, und auch die eigentliche Handlung bietet viele witzige Momente. Da wird mit Klischees nur so um sich geschmissen, natürlich wird gepoket, geflucht, und gerade die Hauptfigur ist auch nie um einen flotten Spruch verlegen. Das gibt dann natürlich keine tiefgreifenden Erkenntnisse preis (was es auch gar nicht will), sondern sorgt für lockere Unterhaltung im Italowestern-Stil. Eine kleine Steigerung des Tempos wäre allerdings wünschenswert gewesen, da einige Szenen einfach zu langatmig wirken und die Gesamtwirkung etwas trüben.

Man merkt den Beteiligten an diesem ungewöhnlichen Projekt sofort die Begeisterung und das Herzblut an. Besonders Bela B. ist mit seiner tiefen Stimme, dem smarten und coolen Auftreten eine sehr gelungene Hauptfigur, fehlende Routine in dem Sprechen von Hörspielen macht er mit Witz und Charme wieder wett. Peta Devlin versetzt sich in den klassischen Hörspielszenen vollkommen in ihre Rolle, in den Szenen im Gespräch zwischen den Sprechern legt sie aber eine ganz andere Facette an den Tag und überzeugt dabei vor allem mit ihrer Wandlungsfähigkeit. Oliver Rohrbecks unverkennbare Stimme kommt auch hier sehr gut zur Geltung, er lässt sich vollkommen auf die ungewöhnliche Materie ein. Ach Stefan Kaminski und Rainer Brandt machen ihre Sache sehr gut.

Wenn ein Bela B. schon an einem Hörspiel mitwirkt, steuert er natürlich auch etwas Musik bei. Das ist mitten in die Handlung eingebettet, was für mehr Dynamik sorgt und bestens in die Stimmung passt. Zudem sind zahlreiche Geräusche eingefügt, die das Geschehen lebendig halten, und auch hier merkt man jeder Szene die Hingabe für das Projekt an – alles ist perfekt aufeinander abgestimmt und harmonisiert miteinander.

Dieser Eindruck setzt sich auch in der Gestaltung fort. Denn für die beiden CDs wurde keine einfahe Plastikhülle gewählt, sondern eine kleine Pappbox, die nicht nur witzig im Comicstil gestaltet ist, sondern auch ein ebenso ansehnliches und umfangreiches Booklet mit weiteren Illustrationen im gleichen Stil und einigen Hintergrundinformationen zur Produktion.

Fazit: „Sartana – Noch warm und schon Sand drauf“ haucht Hörspielen neues Leben ein und zeigt, wie anders dieses Medium angegangen werden kann: Mit einem ungewöhnlichen Thema, einer Meta-Ebene und viel Witz und Charme. Darauf muss man sich einlassen können, dann verzeiht man aber auch die kleinen aufkommenden Längen.

VÖ: 14. November 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2475-8


Krieg und Frieden



Erster Eindruck: Irrungen in Zeiten des Krieges

Nach einigen Jahren in Frankreich, wo er in adeligen Kreisen erzogen wurde, kehrt Pierre nach Sankt Petersburg zurück. Doch er findet in der dortigen Oberschicht keinen Anschluss, sodass er schon bald nach Moskau zieht und dort endlich Anschluss findet. Doch während der Querelen des Krieges nimmt sein Leben noch einmal eine dramatische Wendung...

„Krieg und Frieden“ von Lew Tolstoi gehört zu den bedeutendsten Werken der Weltliteratur, nach der Veröffentlichung folgen zahlreiche Umsetzungen als Oper, Film und Theaterstück – und natürlich auch als Hörspiel. Die erste deutsche Hörspielfassung des WDR stammt aus dem Jahr 1965 und wurde nund vom Hörverlag auf 10 CDs veröffentlicht, die jeweils den einzelnen Folgen entsprechen. Und so gibt es zu Anfang jeder CD eine kurze Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse, sodass man immer wieder gut in die Handlung findet – und die Übersicht nicht verliert, denn das Werk ist ziemlich komplex. Mehrere Adelsfamilien mit zahlreichen Vertretern werden über einen Zeitraum von vielen Jahren begleitet, wobei auch geschichtliche Ereignisse mit einbezogen werden. Doch die gute Strukturierung und die sinnvolle Kürzung des Stoffes erleichtern hier das Verständnis. Die Handlung ist atmosphärisch sehr dicht erzählt und entführt in die Welt des russischen Adels, mit Intrigen, Animositäten, Liebeleien, aber eben auch mit schrecklichem Krieg und Verlusten. Das ist sehr dramatisch und eingängig erzählt und begeistert mit lebensnahen, sehr präsenten Charakteren, an deren Schicksal man immer wieder hängt.

Die Umsetzung punktet dabei insbesondere mit den starken Sprechern, die ihre Sache ganz hervorragend machen. Klausjürgen Wussow ist beispielsweise als Fürst Andrej Bolkonskij zu hören, mit seinem markanten Klang und der sehr betonten Sprechweise schafft er eine lebendige Figur, dessen Tun man gern folgt. Irmgard Först ist als Gräfin Natalie Rostowa zu hören, auch sie setzt ihre Stimme seh geschickt ein, um alle Facetten ihres Charakters hervorzukitzeln. Volker Brandt überzeugt als NikolajRostow mit viel Ausdruck und einer sehr punktierten Aussprache. Weitere Sprecher sind Marus Müller-Westernhagen, Peter Oehme und Roswitha Krämer.

Die Musik stammt von Bernd Stolz und wurde eigens für diese Produktion erschaffen, sodass sie sehr gut an die verschiedenen Stimmungen angepasst ist. Dabei wurde auf klassische Instrumente zurückgegriffen, die die Atmosphäre der Handlung weiter verdichten. Geräusche sind eher weniger im Einsatz und kommen nur an wenigen Stellen zur Geltung.

Die dicke Pappbox dieser Veröffentlichung ist mit einem hübschen Motiv versehen: Ein schaukelnder Kronleuchter, der vor schwarzem Hintergrund sehr edel wirkt. Die CDs sind in schlichten Plastikhüllen verpackt, aber das beiliegende dicke Booklet ist sehr lobenswert: Es enthält zahrleiche zusätzliche Informationen zu den Mitwirkenden, den handelnden Personen und dem geschichtlichen Hintergrund.

Fazit: Die umfangreiche Geschichte wird geschickt gekürzt erzählt, sodass sie gut zugänglich ist und dennoch die Essenz des Originals enthält. Dafür sorgen vor allem die herausragenden Sprecher, die die Charaktere sehr zugänglich darstellen. Die dramatischen Wendungen und die komplexe Handlung sorgen für eine anspruchsvolle und sehr hörenswerte Produktion.

VÖ: 28. November 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2050-7


Der Name der Rose



Erster Eindruck: Morde in düsterem Kloster

William von Baskerville, ein Fransiskanermönch und ehemaliger Inquisitor, besucht gemeinsam mit seinem Novizen Adson von Melk eine Benedektinerabtei, in der ein Treffen hochrangiger Kirchemitglieder stattfinden soll. Doch vor kurzem hat sich ein Mord in den Mauern des Klosters ereignet, und auf Bitten des Abtes widmet sich William des Falles. Doch schon bald wird ein weiterer Toter aufgefunden...

Umberto Eco hat mit „Der Name der Rose“ einen äußerst bekannten Vertreter der Weltliteratur erschaffen, auch heute noch ist der Roman sehr populär. Das aufwändige Radiohörspiel, das in Kooperation verschiedener Sender im Jahr 1986 entstanden ist, ist zudem fester Bestandteil des Programms des Hörverlages und auch heute noch sehr hörenswert. Denn schnell wird der Hörer in die düsteren Gemäuer des Klosters entführt, streift mit William und Adson durch die unterirdischen Gänge, die riesige Bibliothek oder den Klostergarten, befragt die Mönche und kommt dem Mörder dabei immer ein Stückchen näher. Der Plot an sich ist schon sehr unterhaltsam, doch seinen vollen Reiz entfaltet das Werk durch die vielen Nebenarme, die in dieser Umsetzung zwar deutlich gekürzt wurden, aber immer noch eine sehr intensive Atmosphäre erzeugen. Es ist ein Hörspiel voller Düsternis geworden, voller Geheimnisse und Intrigen, voller Rätsel, dabei ist der theologische Aspekt sehr gelungen eingeflossen. Regisseur Otto Düben hat einen zeitlosen Klassiker geschaffen, der auch 30 Jahre nach seiner Produktion noch fesseln kann.

Das liegt auch an den sehr guten Sprechern, die ihre Charaktere sehr intensiv verkörpern. Heinz Moog ist als Erzähler zu hören, wobei er die alte Version des Adson verkörpert. Mit seiner warmen, angenehmen Stimme kann er gekonnzte Akzente setzen und die Stimmung des Hörspiels sehr genau einfangen. Sein jüngeres Ich wird von Christian Schulz verkörpert, der energiegeladen seine Passagen facettenreich umsetzt und ein genaues Bild seines Charaters zeichnet. Pinkas Braun spricht William von Baskerville mit dunkler, eindringlicher Stimme, er verstärkt die Spannung noch weiter, bringt aber auch eine gewisse Ruhe mit ein. Weitere Sprecher sind Helmut Stange, Manfred Steffen und Ernst Jacobi.

Bei diesem Hörspiel wird besonderer Wert auf die Geräuschkulisse gelegt, sodass man oft das Schlurfen durch die weiten Gänge hört, aber auch mit Halleffekten oder hintergründigem Stimmgewirr wird hier gearbeitet. Musik ist ebenfalls ein gut inszeniertes Stilmittel, um die düstere Abtei gekonnt wiederzuegeben. Etwas störend ist allerdings die sehr differierende Lautstärke, mal sind dabei einzelne Sätze sehr leise geflüstert, sodass man sie auch bei ruhiger Umgebung kaum verstehen kann, mal wird in heller Panik geschrien, sodass man versucht ist, den Lautstärkeregler nach unten zu korrigieren.

Verpackt sind die sechs CDs dieser Veröffentlichung in einer dicken Plastikhülle, die sich mehrfach aufklappen lässt. Im Inneren findet sich zudem ein dünnes Booklet, das neben einer kurzen Biographie zu Umberto Eco und den üblichen Produktionsinformationen leider keine weiteren Informationen bereit hält. Das Cover ist hübsch gestaltet und zeigt eine Szene aus dem bekannten Folm zum Buch, sodass durchaus eine Verwechslungsgefahr zu einem Filmhörspiel besteht.

Fazit: Dieses Hörspiel schafft es, die Stimmung des Romans sehr gekonnt einzufangen und trotz einiger Kürzungen dessen Geist zu transpotieren. Dabei fühlt man sich aufgrund der atmosphärischen Gestaltung schnell in das düstere Gemäuer versetzt. Die starken Charaktere und die vielen eingestreuten Nebenarme lassen diese Umsetzung zu einer sehr lobenswerten Produktion werden.

VÖ: 11. Oktober 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-792-4


Winnetou



Erster Eindruck: Klassiker in modernem Gewand

Als junger Mann wird Karl als Landvermesser für eine Eisenbahngesellschaft aus Deutschland in die USA versetzt. Zunächst macht er sich keine Gedanken über die Indianer, denen ihr Terretorium weggenommen wird, doch als er einige der Ureinwohner kennen lernt, beginnt sich sein Denken zu wandeln. Besonders die Freundschaft zu Winnetou, dem Sohn des Stammeshäuptlings, prägt ihn, und schon bald bekommt er den Spitznamen Old Shatterhand verpasst...

Karl Mays Geschichten erfreuen sich auch heute noch großer Beliebtheit, besonders seine berühmteste Figur Winnetou ist nachwievor in aller Munde. 2010 wurde eine neue Hörspielumsetzung des bekannten Stoffes vom rbb und Radio Bremen in Auftrag gegeben, eine Kaufversion ist beim Hörverlag erschienen – und diese lohnt sich. Denn wo andere Umsetzungen manchmal etwas verstaubt wirken, wurde hier behutsam modernisiert und bekam so einen frischen Anstrich. Dabei hält sich das Hörspiel enger an die Vorlage, sodass besonders die Charaktere eine andere Wirkung entfalten als in den bekannten Filmen. Das ist zunächst noch etwas überraschend, stellt sich im Nachhinein aber als sehr gekonnter Schachzug dar: Man lernt so einige neue Facetten kennen, zumal auch der feine Humor der Geschichte mit weniger Pathos besser zur Geltung kommt. Dabei werden natürlich auch Fans des Genres nicht enttäuscht, die große Freiheit der Prärie ist immer noch genauso gut zu spüren wie der abenteuerliche Charakter des Romans. Besonders gefällt mir die Reduziertheit der Umsetzung, die sich voll auf die Dialoge konzentriert und gerade damit die Fantasie des Hörers.

Konstantin Graudus ist in dieser Umsetzung als Old Shatterhand zu hören, mit seiner markanten Stimme setzt er die Figur sehr präsent um und unterstützt gekonnt den Spannungsbogen der Handlung. Auch Max Hopp hat mir als Winnetou sehr gut gefallen, er wirkt sehr frisch und entlockt dem Charakter so einige sehr interessante Facetten. Auch Effi Rabsilber kann als Nscho-tschi überzeugen, ihre helle Stimme sticht immer etwas heraus und bringt so diese ganz besondere Figur gut zur Geltung. Weitere Sprecher sind Wolfgang Väöz, Joachim Bliese und Reiner Schöne als Erzähler.

Wie bereits erwähnt ist die Umsetzung eher reduziert, sodass der Fokus immer auf den Sprechern und den Dialogen liegt. Dennoch sind einige Geräusche eingefügt, die das Geschehen lebendiger und realistischer wirken lassen und die Sprecher in ihrer Wirkung unterstützen. Und auch einige Melodien sorgen für einen angenehmen akustischen Background, und natürlich darf dabei eine Neuinterpretation der bekannten Titelmelodie nicht fehlen.

Das Cover wird durch eine klassische Zeichnung geziert, die Winnetou und Old Shatterhand auf ihren Pferden durch die weite Prärie reitend zeigt, wobei alles sehr detailreich anzusehen ist. Verpackt sind die beiden CDs in einem hübschen Digipack, das größtenteils in dunklem Grün gehalten ist. Alle produktionstechnischen Details sowie eine Kurzbiographie über Karl May sind im Inneren abgedruckt.

Fazit: Eine Umsetzung, die behutsam gekürzt wurde, aber dennoch sehr nah an der Originalvorlage umgesetzt ist. Die Sprecher machen ihre Sache sehr gut und lassen die Charaktere bestens zur Geltung kommen, wobei sie nicht in bekannte Klischees verfallen, sondern eigene Wege suchen. Auch die Handlung ist sehr hörenswert umgesetzt, sodass eine rundum gelungene Neuinterpretation entstanden ist.

VÖ: 11. Oktober 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-774-0


König der Piraten



Erster Eindruck: Ein Abenteuer mit musikalischer Untermalung

Seitdem Freddys Vater vor Jahren auf hoher See verschollen ist, hat der Junge den sehnlichen Wunsch, ihn auf den Weltmeeren zu suchen. Diese Chance bietet sich ihm, als er den alten Kapitän Kork trifft und ihm von einem Schatz berichtet, zu dem er den Weg kennt. Und so machen die beiden sich auf den Weg und treffen bald auf den alten Seemann Wutz, die mutige Tiah und den finsteren Schwarzen Kosar...

Santiano ist einer der erfolgreichsten deutschen Acts der letzten Zeit und mischen die Musikszene mit ihren Seemannsliedern auf. Dass sie auch ein Herz für ihre kleinen Fans haben, beweisen sie mit „König der Piraten“, einem Hörspiel, für das sie zwölf neue Songs geschrieben und mit einer abenteuerlichen Piratengeschichte verknüpft haben. Als Identifikationsfigur für die kleinen Zuhörer dienst dabei Freddy, ein pfiffiger und mutiger Junge, der mit einer kleinen Hintergrundgeschichte ausgestattet in sein Abenteuer startet und dabei schnell neue Freunde findet. Und dass bei einer richtigen Piratengeschichte auch ein Bösewicht eingebaut wird, versteht sich von selbst. Durch die immer wieder eingebauten Songs wird natürlich besonders die Atmosphäre unterstützt, die schwungvoll umgesetzt ist und wahres Seefahrerflair verbreitet, die Themenwahl von Freundschaft, Zusammenhalt und Abenteuerlust ist ebenfalls gesetzt. Das hilft dann auch darüber hinweg, dass die Entwicklung der Handlung anfangs ziemlich langsam vorangeht und eine recht eindimensionale Geschichte präsentiert. Erst im letzten Drittel nimmt die Handlung richtig an Fahrt auf und wird dann auch mit einigen reizvollen Elementen angereichert. Dies ist sicherlich dem Aufbau geschuldet, der anfangs die Charaktere ausführlich vorstellt und viel auf die Musik und die Atmosphäre setzt.

Neben den musikalischen Parts haben die Mitglieder von Santiano auch Sprecherrollen übernommen, beispielsweise ist Björn Both in einer der Hauptrollen als Käpt'n Kork zu hören. Seine raue Stimme passt wirklich gut zu dem Charakter, den er mit Leidenschaft interpretiert und auch in dieser Aufgabe überzeugt. Leon Mancilla ist als Freddy zu hören und bringt sehr viel Schwung mit ein, er bringt die abenteuerliche Stimmung gut zur Geltung, auch seine gesanglichen Anteile setzt er gekonnt um. Senta-Sophia Delliponti, die als Musikact Oonagh gut mit Santiano befreundet ist, trägt ebenfalls als Sängerin und Sprecherin der Tiah ihren Teil zum Gelingen bei, sie ist mit viel Herzblut bei der Sache und kann sowohl die sanfte als auch die wilde Seite des Piratenmädchens zur Geltung bringen. Weitere Sprecher sind Jan Dreyer, Benjamin Eberling und Joachim Kerzel als Erzähler.

Im Mittelpunkt der akustischen Umsetzung stehen natürlich die zwölf Santiano-Songs, die im typischen Stil der Band mit vielen Geigen, Gitarren, Chören und Akkordeon sehr viel Piratenflair verbreiten. Doch auch während die Dialoge ist alles stimmig umgesetzt, leise Melodien und viele Geräusche sorgen auch hier für einen lebendigen Ausdruck, sodass man sich völlig in die Geschichte fallen lassen kann.

Richtig viel Mühe hat man sich auch bei der Getaltung gegeben, was schon das Titelbild ansehnlich macht: Die drei Hauptfiguren im Adlernest des Segelschiffs im CGI-Look und mit vielen niedlichen Details. Im Inneren des dicken Booklets gibt es dann nicht nur eine sehr ausführliche Trackliste, sondern auch zahlreiche weitere Zeichnungen mit viel Flair, die mit ihren ganz unterschiedlichen Stimmungen zum Stöbern sorgen – und natürlich sind auch alle Songtexte vorhanden. Wer sich nur die Musik der Band ohne die Geschichte anhören will, kann auch auf die zweite CD ausweichen, die hier noch einmal in voller Länge vorhanden sind.

Fazit: Auch wenn die Geschichte etwas benötigt, um richtig in Schwung zu kommen, dafür werden die Charaktere sehr genau vorgestellt und mit liebenswerten Eigenschaften versehen. Und im letzten Drittel wird dann auch mehr Spannung in einer kurzweiligen Handlung präsentiert. Die vielen eingebauten Musikstücke sind aber dabei natürlich im Mittelpunkt und bringen ihre ganz eigene Stimmung mit ein.

VÖ: 4.November 2016
Label: Universal Music
Bestellnummer: 0602557039368


Eine Billion Dollar



Erster Eindruck: Ein unglaubliches Erbe

John Fontanelli schhlägt sich so durchs Leben und lebt oft von der Hand in den Mund, bis ihm der Notar McCaine eine Erbschaft anbietet, in der es um Unsummen von Geld geht – eine Billionen Dollar. Diese wurden vor etlichen Generationen von seinem Vorfahren angelegt und sind für den jüngsten männlichen Erben der Familie gedacht, der damit die Geschicke der Menschheit in die richtige Bahn lenken soll. Doch je mehr John in die politische Welt eintaucht, desto gefährlicher wird es für ihn...

Andreas Eschbach hat mit einigen seiner Romane für Aufsehen gesorgt, viele von ihnen wurden auch in Verfilmungen oder Hörspielen umgesetzt. 2003 hat der SWR beispielsweise „Eine Billion Dollar“ als Hörspiel umgesetzt, die Produktion ist bei Lübbe Audio auf CD erhältlich. Der Anfang ist noch recht beschaulich, auf die Umstände des ungewöhnlichen Erbes wird in den ersten Szenen sehr genau eingegangen, wobei auch die wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahrhunderte eingebaut wurden. Doch der Fokus liegt natürlich auf den nachfolgenden Ereignissen, die einige reale Entwicklungen beinhalten, was die Glaubwürdigkeit des Ganzen noch steigert und einige interessante Bögen schlägt. Nachdem John einige ganz private Bedürfnisse gestillt hat, beeinflusst er doch noch das Weltgeschehen in der von seinem Vorfahren erdachten Weise. Ohne zu viel verraten zu wollen, erlebt er dabei Erfolge wie Enttäuschungen, gewinnt einige gewichtige Erkenntnisse und beginnt mit interessanten Ansätzen. Er erfährt noch mehr über seinen geheimnisvollen Vorfahren und trifft auch harte, unbarmherzige Entscheidungen – eine sehr umfangreiche Erzählung, die trotz einiger Kürzungen des Romans eine sehr interessante Vision aufbaut und dabei stets seinem Hauptcharakter in den Mittelpunkt stellt. Das ist sehr hörenswert, anspruchsvoll und konnte mich über die gesamte Laufzeit von vier Stunden sehr gut unterhalten.

Andreas Pietschmann übernimmt in der Hauptrolle gleichzeitig auch einige Erzähltexte, beides wirkt sehr organisch und kann mit einer sehr glaubhaften Sprechweise überzeugen. Auch die Entwicklung des Mannes zeichnet er sehr gekonnt durch seine intensive Art nach. Felix von Manteuffel ist als McCaine zu hören, den er mit seiner markanten Stimme sehr ausdrucksstark wirken lässt und eine ganz eigene Note in die Handlung einfließen. Auch Maria Schrader konnte mich als Ursula Valen vollkommen überzeugen, sie wirkt sehr authentisch und setzt ihre Szenen gekonnt um. Weitere Sprecher sind Ingo Hülsmann, Hansi Jochmann und Hans-Peter Hallwachs.

Der Roman ist sehr modern umgesetzt worden, wobei viele Geräusche im Einsatz sind. Diese sind nicht immer nur zur Versinnbildlichung der Handlungen eingefügt, sondern sind auch manchmal passend zum Thema eingebaut, um gekonnte Akzentpunkte zu setzen. Die Musik ist stimmig eingefügt und sorgt für eine eingängige Atmosphäre.

Das Digipack, in dem die vier CDs in Papplaschen eingesteckt werden, ist in einem knalligen Orange gehalten und wird nur von einigen schwarzen Elementen durchbrochen – auf dem Cover ist dies neben den Schriftzügen, die an Dollar-Scheine erinnern, auch das Gesicht eines jungen Mannes, der dem Betrachter ernst entgegenblickt. Das Innere enthält neben den üblichen Produktionsangaben noch Informationen zu Andreas Eschbach samt einem Bild des Autors.

Fazit: „Eine Billion Dollar“ ist nicht nur ein sehr hörenswertes Hörspiel, sondern auch ein sehr interessantes Gedankenexperiment, das nach einem spannenden Ansatz ebenso unterhaltsam und spannend weitergeführt wird. Neue, packende Erkenntnisse und heftige Entwicklungen sorgen für vier Stunden anspruchsvolle Hörspielunterhaltung.

VÖ: 21.April 2015
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-5207-4


Der Herr der Ringe – Das Hörspiel



Erster Eindruck: Hörspiel erstmals im MP3-Format

Seit Jahren hat der Hobbit Bilbe Beutlin einen machtvollen Ring aufbewahrt, den er einst auf einer abenteuerlichen Reise von dem Geschöpf Gollum erhalten hat. Doch an seinem 111. Geburtstag verschwindet er unerwartet vor den Augen seiner zahlreichen Gäste, den Ring erhält sein Neffe Frodo. Als dieser vom weisen Zauberer Gandalf erfährt, was es mit diesem auf sich hat, ist ihm noch nicht klar, wie tief er in die Geschehnisse eingebunden ist, denn der finstere Herrscher Sauron greift wieder nach den Macht – und dem Ring...

J.R.R. Tolkiens Herr der Ringe gilt auch heute noch als Urahn des heutigen Fantasyromans, seine Faszination auf Leser, Hörer und Zuschauer ist ungebrochen. Und obwohl der ganz große Hype abgebrochen ist, sind die Abenteuer von Frogo, Gilmi und Legolas noch in aller Munde. Der Hörverlag hat deswegen die opulente Hörspielversion aus dem Jahr 1991/1992 (die mein Vater damals noch auf Kassette aus dem Radio aufgenommen hat – wie sehr sich die Zeiten doch ändern...), nun als MP3-Version auf den Markt gebracht, die sich deutlich platzsparender im Regal aufbewahren lässt als bisher, denn deutlich über 11 Stunden Laufzeit wollen hier gepresst werden. Es ist kein Geheimnis, dass das Werk sehr komplex ist, dass es unzählige Charaktere und ebensoviele Querverbindungen gibt, dass eine ganze Mythologie aufgebaut wird, dass viele Handlungsstränge einander bedingen, wieder auseinandergleiten und erst deutlich später wieder zusammenfinden, sodass beim Hören durchaus Konzentration verlangt wird, dass man sich auf die Geschichte völlig einlassen muss, um ihren ganzen Reiz zu ergreifen. Das wird einem hier jedoch sehr einfach gemacht, da die Umsetzung so lebendig, eindringlich und präsent ist, dass man kaum weghören kann, dass man immer noch ein paar Kapitel weiter hören möchte. Der düstere, abenteuerliche und vielschichtige Verlauf kommt dabei sehr gut zur Geltung. Dabei wurde zu Beginn eine eher langsame Erzählweise gewählt, die alles sehr deutlich und greifbar werden lässt, später wird dann deutlich schneller durch die Ereignisse geführt, dennoch sind auch diese sehr atmosphärisch erzählt und haben ihren festen Platz im Gefüge des Hörspiels. Und ja, natürlich musste hier auch gekürzt werden, das ist aber nicht sinnentfremdend, sondern sehr behutsam geschehen. Der Einsatz des Erzählers ist dabei unverzichtbar, aber in genau dem richtigen Maß gehalten, vieles wird eher über die Dialoge vermittelt. Dies gilt insbesondere für die anfänglichen Szenen bei den Hobbits, in denen das Getuschel sehr lebendig umgesetzt wurde. Eine sehr runde, stimmige Produktion des Meisterwerkes, das diesem noch einen ganz neuen Reiz abgewinnt.

Die Auswahl der Sprecher ist vielfältig und sehr treffend, für jeden einzelnen Charakter wurde eine passende Stimme gefunden. Gandalf beispielsweise wird von Manfred Steffen gesprochen, sein leicht kratziger Klang und die sehr präsente Sprechweise, mal gütig und ruhig, mal donnernd, mal energetisch aufgeladen, sind sehr vielfältig und begleiten den Hörer so durch alle Teile der Handlung. Matthias Haase ist als Frodo im Einsatz, der aufgeweckt, gradlinig und ernst wirkt, die Veränderung des Hobbits mit seiner Stimme erlebbar macht und in jeder einzelnen Szene einen sehr positiven Eindruck hinterlässt. Eine der prägnantesten Figuren des Romans ist Gollum, der hier von Dietmar Mues sehr düster und mit volltönender Stimme unheimlich und bedrohlich umgesetzt wird. Weitere Sprecher sind Rufus Beck, Gustl Halenke und Ernst Schröder als Erzähler.

Auch die akustische Umsetzung ist hervorragend und sehr treffend. Sie hält sich oft eher zurück, ist während der Dialoge nur teilweise eingebaut, sodass der Fokus immer klar auf den Sprechern liegt. Doch die orchestrale, extra angefertigte Musik ist magisch und düster, die Geräukulisse passend und vielfältig, sodass immer genau die richtige Stimmung getroffen wird – herausragend!

Ein stabiles und merhfach aufklappbares Digipack wurde als Verpackung ausgewählt, dieses ist noch einmal von einem hübschen Pappschuber umgeben. Zahlreiche unterschiedliche Zeichnungen wurden verwendet, es gibt Informationen zu Autor und Sprechern, eine ausführliche Trackliste und alle wesentlichen Produktionsinformationen übersichtlich zusammengefasst – sehr ansehnlich und gelungen!

Fazit: Eine herausragende Produktion, die den Weg Frodos, die Welt Mittelerdes, den erbitterten Kampf um den Ring perfekt in Szene setzt. Besonderes Lob verdienen dabei die herausragenden Sprecher, die mit Leidenschaft und Spielfreude dabei sind und jedem Charakter eine individuelle Ausstrahlung verleihen. Sehr hörenswert!

VÖ: 14.November 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2476-5


Drachenreiter – Das Hörspiel



Erster Eindruck: Neuauflage des wunderbaren Hörspiels

Für die Drachen ist kein Platz mehr in ihrer Heimat, die Menschen breiten sich immer mehr aus und vertreiben die Fabelwesen zusehends. Nur die alte Legende vom „Saum des Himmels“, die ursprüngliche Heimat der Drachen, gibt noch Hoffnung. Und so macht sich der Silberdrache Lung auf, um den wundervollen Ort zu finden. Mit dem Koboldmädchen Schwefelfell und dem Menschen Ben findet er zwar tapfere Gefährten, doch auch eine große Gefahr droht ihnen…

Cornelia Funke ist bekannt für ihre fantasievollen Romane, die sie seit Jahrzehnten verfasst. Immer wieder werden ihre Werke auch für den Hörbuchmarkt umgesetzt, 1997 entstand beispielsweise eine Hörspielfassung der „Drachenreiter“, die 2016 in einer neuen Auflage bei Oetinger Audio erneut veröffentlicht wurde. Die Umsetzung ist dabei sehr gut gelungen, die ruhige, oft recht ernsthafte Ausstrahlung des Hörspiels wird nicht nur der Stimmung des Buches gerecht, sondern unterstreicht auch den Charakter eines modernen Märchens. Zudem ist der Anteil des Erzählers sehr stark zurückgefahren, die Dialoge stehen hier im Vordergrund und werden nur durch die notwendigsten Informationen ergänzt. Das führt zwar anfangs dazu, dass das Hereinfinden in die Geschichte seine Zeit dauert, lässt aber auch eine sehr lebhafte und handlungsbetonte Stimmung aufkommen. So kommt die Geschichte von Funke sehr gut herüber, zumal sich nahe ans Buch gehalten wurde. Die verzweifelte Lage der Drachen, der Aufbruch von Lung, die Begegnung mit seinen neuen Gefährten und deren abenteuerliche Reise, gespickt vor Gefahren, aber auch der Begegnung mit sehr interessanten Figuren, ist sehr unterhaltsam geschildert und kann über die gesamte Laufzeit von immerhin fast 160 Minuten tragen und dabei eine interessante Entwicklung darstellen. Sehr zu empfehlen!

Michael Tregor spricht die Hauptrolle des Lung und verleiht der ganzen Geschichte etwas Nachdenkliches, Melancholisches und kann die Gefühle des Drachen stets sehr genau und umfassend zur Geltung bringen. Sehr gut gefallen hat mir auch Sascha Icks als freches und motziges Koboldmädchen Schwefelfell, die mit ihrer unkomplizierten und spontanen Art positiv auffällt. Jens Wawrczek hat ebenfalls einen gelungenen Auftritt als Fliegenbein, den er mit seiner einzigartigen Stimme gut ausstatten kann. Weitere Sprecher sind unter anderem Gerd Wameling, David Weyl und Helmut Krauss.

Auch die akustische Umsetzung ist äußerst gut gelungen, die Dialoge, die Geschichte und die Geräuschkulisse sind eng miteinander verwoben und wirken wie eine untrennbare Einheit. Dazu tragen besonders die etwas düsteren, melancholischen Melodien bei, die immer wieder eingefügt sind und stets präsent wirken, sie beeinflussen die Stimmung stark und lassen die einzelnen Szenen so sehr stark wirken. Auch die Geräusche sind bestens eingefügt und lassen die Handlung lebendiger wirken, ohne von den Dialogen zu sehr abzulenken.

Die Neuauflage hat eigens ein neues Titelbild bekommen, das sich mit der Neuveröffentlichung des Buches deckt und sich auf die Darstellung von Lung als mächtigen Drachen konzentriert. In dunklen, tiefblauen Farben ist dieser sehr detailreich gestaltet, und auch Schwefelfell und Ben haben auf seinem Rücken Platz gefunden. Diese Darstellung wirkt moderner, passt aber ebenso gut zum Hörspiel und fängt viel von dessen Atmosphäre ein. Im Inneren sind neben den üblichen Angaben noch eine ausführliche Trackliste zu sehen, in der jeweils die ersten Worte des Tracks als Titel benannt werden.

Fazit: Eine wundervolle Geschichte voller Abenteuer, Mut, aber auch Melancholie, Missverständnissen und Vorurteilen. Durch die spannende Handlung merkt man kaum, wie sehr man zum Nachdenken angeregt wird. Hinzu kommt, dass die Umsetzung mit dem reduzierten Erzähleranteil und der dichten Atmosphäre äußerst gelungen ist.

VÖ: 22.August 2016
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0964-5


Tom Sawyers Abenteuer



Erster Eindruck: Gelungene Umsetzung des Klassikers

Tom Sawyer wächst bei seiner Tante Polly auf, die sich nach dem Tod seiner Eltern um ihren Neffen kümmert. Doch immer wieder schwänzt der Junge die Schule und trifft sich mit Huckleberry Finn, einem Herumtreiber, der Tom immer wieder auf dumme Gedanken bringt. Doch die Lage wird deutlich ernster, als die beiden durch Zufall einen Mord beobachten...

Die Abenteuer von Tom Sawyer gehören zu den Klassikern der Jugendliteratur, ganze Generationen sind mit den Geschichten über den Lausbuben groß geworden. Und auch Hörspielumsetzungen gibt es mittlerweile einige, wobei der Audio Verlag eine ziemlich gelungene Produktion des Rundfunks der DDR aus dem Jahr 1990 in seine Serie mit dem weißen Rücken auf den Markt gebracht hat – ein Blick in diese wunderbare Reihe lohnt sich eigentlich immer. So auch hier, denn die Geschichte wird sehr flüssig erzählt und gibt das Original gekonnt wieder, die Handlung wurde sanft gekürzt. Gut gefällt mir, dass der genaue Blick auf die Charaktere erhalten geblieben ist, alle Figuren sind mit viel Liebe dargestellt und bekommen einen einzigartigen Ausdruck verliehen. Sei es die mütterlich-besorgte Polly, der wilde Huckleberry Finn oder der zwielichtige Indianer-Joe, das wirkt sehr stimmig und wertet die spannend erzählte Handlung noch einmal auf. Besonders der Mordfall bringt viel Schwung in die Handlung und festigt die ganz eigene Stimmung des Buches von Mark Twain. Eine stimmige und hörenswerte Umsetzung, die mit fast 80 Minuten genau die richtige Länge hat.

Robert Mende ist in der Rolle des Tom Sawyer zu hören, der viel Charme in die Handlung mit einbringt. Durch seine liebenswerte und unbedarfte Art ist er ein wunderbarer Hauptcharakter, der sowohl die verträumte als auch die ernste Seite des Jungen zur Geltung bringen kann. Timo Tolkmitt spricht Huckleberry Finn mit einer sehr spröden Art, was die halsstarrige und dennoch warme Art des Herumtreibers sehr gut unterstützt. Ursula Werner ist eine sehr gute Besetzung für die Tante Polly, deren resolute und mütterliche Art gleichsam umsetzt. Weitere Sprecher sind Kaspar Eichel, Gunter Schoss und Stefanie Sende.

Akustisch wird eine sehr sanfte Umsetzung des Stoffes geboten, die sich sehr auf die Dialoge konzentriert und den Sprechern eine gelungene Kulisse bietet. Das Intro ist mit etwas stimmungsvoller Musik untermalt, ansonsten gibt es vor allem eine runde Geräuschkulisse, die alle Szenen passend untermalt und eher unauffälig bleibt.

Das Cover wirkt im Gegensatz zu der Vorlage und der Umsetzung sehr modern und zeigt Tom Sawyer und Huckleberry Finn in einer sehr entspannt wirkenden Zeichnung, mit einem Getreidehalm im Mund oder der Angel am Fluss. Das wirkt sehr detailreich und ist hübsch anzusehen, dabei wird sogar die ansonsten so strenge Aufteilung des Covers aufgebrochen.

Fazit: Die wundervolle Vorlage wird sehr gelungen umgesetzt, die Stimmung kommt dabei sehr gut zur Geltung und wird mit sehr passenden Sprechern umgesetzt. Das ist mal herzergreifend, mal spannend, mal düster umgesetzt und kann so nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene sehr gut unterhalten.

VÖ: 23.September 2016
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-839-1


Ein Weihnachtslied



Erster Eindruck: Drei Geister werden dich heimsuchen

Ebenezer Scrooge ist ein ebenso reicher wie hartherziger Geschäftsmann, der auch am Heiligen Abend keine Gnade mit seinen Kunden oder seinem treuen Mitarbeiter Bob Cratchett kennt. Doch des abends, als sich alle anderen auf das Weihnachtsfest vorbereiten, begegnet ihm der Geist seines verstorbenen Geschäftspartners und warnt ihn vor den Folgen seiner Hartherzigkeit...

Charles Dickens hat mit seiner Geschichte um Ebenezer Scrooge einen absoluten Klassiker geschaffen, der auch in zahlreichen Umsetzungen seine Popularität unterstreicht. Eine davon wurde nun vom Hörverlag auf CD veröffentlicht, welches ursprünglich vom Bayrischen Rundfunk im Jahr 1953 umgesetzt wurde. Dabei hält sich die Handlung sehr nah am Original und setzt die Szenen sehr detailliert um. So ist auch das Intro, in denen Scrooge als verhärmter alter Mann gezeigt wird, recht ausführlich geraten, was aber in sehr unterhaltsamer und plastischer Weise geschehen ist. Die nachfolgenden Begegnungen mit den Geistern – von Scrooges ehemaligem Geschäftspartner sowie den Geistern der Weihnacht – sind nicht allzu unheimlich umgesetzt, dafür gehen diese Szenen sehr gut auf die Persönlichkeit der Hauptfigur ein. Sie zeichnen seinen Lebensweg nach, zeigen, wie er zu dem hartherzigen Mann geworden ist, wie ihn die Leute jetzt sehen und wie es nach seinem Tod weitergehen könnte. Clever dabei, wie Scrooge und der jeweilige Geist als Erzähler kommentieren und das Geschehen kommentieren, wie gleichsam die Wandlung Scrooges nachvollzogen kann. Das ist sehr stimmig umgesetzt und funktioniert auch heute noch, über 60 Jahre nach der Produktion noch genau so wie damals.

Paul Bildt ist als Ebenezer Scrooge zu hören, der seine deutlich gealterte Stimme sehr gekonnt und zielgerichtet einsetzt, um ihn habgierig und kalt wirken zu lassen, kann aber auch die spätere Wandlung zum gutmütigen und großzügigen Gönner glaubhaft umsetzen. Seine jüngere Version wird vom wunderbaren Hans Clarin gesprochen, der mit viel Ausdruck spricht und seine Szenen sehr intensiv wirken lässt. Bobby Todd ist als Bob Cratchett zu hören, der sich sehr gut in die Stimmung der Szenerie einfügt und eine überzeugende Leistung abliefert. Weitere Sprecher sind Gertrud Kückelmann, Edith Teichmann und Max Eckard.

Die Produktionstechnik war 1953 natürlich noch nicht so weit fortgeschritten wie heutzutage, dennoch ist die Klangqualität hier sehr überzeugen. Die Aufnahme klingt frisch und hat nicht diesen dumpfen Unterton wie andere Hörspiele aus dieser Zeit. Zudem ist auch die akustische Umsetzung sehr gelungen, einige harmonische Melodien fügen sich sehr stimmig ein und sorgen auch schon einmal für festliche Weihnachtsstimmung, während die Geräusche präzise und effektvoll die Dialoge bereichern.

Der Hörverlag hat sich eine sehr schöne Verpackung für diese Produktion ausgedacht und mit einem hübschen Cover geziert, in denen im Comicstil Ebenezer Scgrooge durch die winterkalte Stadt läuft. Die kühle Fargebung passt bestens zu der Stimmung der Handlung. Das Digipack lässt sich gleich mehrfach aufklappen und enthält im Inneren einige weitere Zeichnungen sowie zusätzliche Informationen zu den Mitwirkenden.

Fazit: In 85 Minuten wird die bekannte Geschichte von Charles Dickens sehr eingängig und stimmungsvoll erzählt, wobei die Figur des Ebenezer Scrooge noch intensiver und greifbarer dargestellt wird als in anderen Produktionen. Besonders seine Wandlung während der geisterhaften Begegnungen kommt sehr gut zur Geltung.

VÖ: 11.Oktober 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2081-1


Krieg und Frieden



Erster Eindruck: Klassische Umsetzung des bekannten Werkes

Pierre, der Sohn einen wohlhabenden russischen Adeligen, kommt nach seiner Erziehungszeit in Paris nach St. Petersburg zu seinem im Sterben liegenden Vater zurück. Doch er kann sich in den gesellschaftlichen Kreisen nicht etablieren und wird von den anderen Adeligen belächelt. In Moskau lernt er dann auch den Fürsten Andrej kennen, der sich in seiner Ehe eingeengt fühlt und deswegen in den dritten Koalitionskrieg nach Frankreich ziehen will...

„Krieg und Frieden“ ist eines der bedeutendsten Werke der russischen Literatur, zahlreiche Verfilmungen sind bereits aus dem bekannten Stoff entstanden. Doch auch eine fast vergessene Hörspielumsetzung des DDR-Rundfunks aus dem Jahr 1967 existiert, die nun eine CD-Veröffentlichung erhalten hat. Was sehr begrüßenswert ist, denn die Umsetzung ist sehr treffend und setzt die Geschichte mit sehr guten Sprechern in Szene. Und so kommen gerade die Charaktere sehr gut zur Geltung, es ist sehr interessant, ihre Entwicklung zu verfolgen – was allerdings auch ziemlich viel Aufmerksamkeit benötigt, sofern man den Stoff noch nicht gut kennt. Denn die Beziehungen untereinander sind vielfältig und komplex, handelnde und für die Geschichte bedeutende Personen gibt es zu Hauf, sie alle richtig einzuordnen fällt nicht immer einfach. Doch es lohnt sich, auch weil ein sehr umfassendes Bild der russischen Gesellschaft zeichnet und die Welt der Adeligen mit ihrer ganz eigenen Ausstrahlung gekonnt nachzeichnet. Auch die starke Orientierung an geschichtlichen Fakten ist sehr passend, sodass ein sehr genaues und eindringliches Bild gezeichnet wird, das insbesondere durch ihre ausdrucksstarken Charaktere überzeugt.

Hans-Peter Minetti ist in der Rolle des Pierre zu hören, den er mit sehr eindringlicher Stimme spricht und den sehr speziellen Charme des Charakters mit seiner facettenreichen Umsetzung herauskitzelt. Auch Andrej ist mit Fred Düren sehr gut besetzt worden, mit seinem markanten Klang nimmt er den Hörer sofort gefangen und kann seine Entwicklung über die gesamte Laufzeit gelungen nachzeichnen. Jutta Wachowiak spricht Natascha mit sehnsuchtsvoller Stimme, ihr bewegtes Leben kommt durch ihre lebendige Sprechweise gut zur Geltung. Weitere der zahlreichen Sprecher sind Annegret Golding, Waltraud Kramm und Klaus Manchen.

Die Musik zu der zehnstündigen Produktion stammt von Dimitrij Schostakowitsch, der einen klassischen und eingängigen Weg gewählt hat, um der umfangreichen Geschichte die passende Atmosphäre zu verpassen. Während der Szenenübergänge, aber auch dialogbegleitend sind stimmungsvolle Melodien eingeflossen, die die Stimmung des Moments aufgreifen. Geräusche spielen dabei einer eher untergeordnete Rolle, der Fokus liegt stetig auf den Dialogen und ihren Sprechern.

Als Verpackung wurde eine dicke Pappbox ausgewählt, die mit einer glänzenden Lackschicht überzogen wurde und sehr stabil ist. Das Cover wird von der Kriegsszenerie eines alten Gemäldes geziert wird, die rote Gestaltung passt sehr zut dazu. Im Inneren sind die zwölf CDs in dünnen Papphüllen untergebracht, die auf den Rückseiten umfangreiche Informationen zum Autoren, dem Werk und einigen Mitwirkenden bereit hält.

Fazit: Auch wenn die ursprüngliche Geschichte aus verständlichen Gründen gekürzt werden musste, verliert die komplexe Handlung mit den ausdrucksstarken Charakteren keinesfalls an Reiz. Im Gegenteil: Durch die sehr eingängige Umsetzung mit den hervorragenden Sprechern kommt die Stimmung des Romans sehr gut zur Geltung.

VÖ: 15.Februar 2016
Label: Icestorm Audiobooks
Bestellnummer: 4028951804429


Otherland – Das Hörspiel



Erster Eindruck: Ein Meisterwerk

Ende des 21. Jahrhunderts hat sich Otherland, eine virtuelle Welt voller unterschiedlicher Orte, als Paralleluniversum etabliert. Eine Gruppierung aus Reichen und Industriellen hat sich zur Gralsbruderschaft zusammengeschlossen, um dort ewiges Leben zu erlangen. Nur eine Gruppe von Rebellen bietet ihnen die Stirn und versucht, den Plan zu vereiteln...

Tad Williams gehört zu den ganz großen Namen der Fantasy-Literatur, wozu neben den zahlreichen klassischen Vertretern des Genres auch sein Meisterwerk „Otherland“ beigetragen hat. Das komplexe Werk wurde von hr2 als Hörspiel umgesetzt, was mit über 200 Sprechern und einem enormen Aufwand zu einem wahren Mammuth-Projekt geworden ist. Der Hörverlag hat die Produktion, die am Stück fast einen ganzen Tag laufen würde, nun in einer schicken MP3-Version auf den Markt gebracht. Das Hörspiel ist nichts zum Nebenbei-Hören, keine lockere Unterhaltung, sondern ein anspruchsvolles Gesamtkonzept, in dem alles seinen festen Platz hat und zur Entwicklung der Handlung beiträgt. Es ist herausfordernd, alle Zusammenhänge zu durchschauen und über einen so langen Zeitraum parat zu halten, dafür wird man auch mit einem hervorragenden Spannungsbogen belohnt, und auch der skurrile Ausdruck der verschiedenen Welten ist beeindruckend und unterhaltsam. Da gibt es zahllose Anspielungen auf die andere Geschichten, da werden verschiedene Geschichten miteinander verknüpft, da schlüpfen die Protagonisten in ganz unterschiedliche Rollen – und alles beeinflusst sich gegenseitig. Da geht natürlich viel Leichtigkeit verloren, ist aber ein ganz eigenes Hörerlebnis, durch immer neue Elemente und eine eindringliche, bedrohliche und gänzlich unverwechselbare Atmosphäre bekommt der Hörer einen Eindruck, was man aus dem Medium Hörspiel noch alles herausholen kann.

Die Vielzahl an Sprechern ist erschlagend, es gibt allein zwölf Erzähler, die verschiedene Handlungsstränge erzählen und so für etwas Orientierung sorgen, unter ihnen finden sich auch prominente Namen wie Nina Hoss, Wolfgang Condrus und Hans Peter Hallwachs. Und auch die restlichen Stimmen sind hervorragend besetzt. Sylvester Groth ist als Paul Jonas zu hören, mit seiner intensiven und ausdrucksstarken Stimme viel Aufmerksamkeit auf seine Figur zieht und in jedem Momente sehr glaubhaft wirkt. Ingrid Andree ist als Quan Li zu hören, ihre reifer und markanter Klang setzt noch einmal neue Akzente, zumal auch sie sehr intensiv spricht. Matthias Habich ist als Felix Jongleur zu hören, er bietet immer wieder neue Facetten an und sorgt für einen beeindruckenden Ausdruck der Figur.

Auch die akustische Umsetzung ist ein Hochgenuss, die Klangvielfalt, die hier an den Tag gelegt wird, sucht seinesgleichen und wirkt dennoch sehr kompakt, sehr stimmig und wie aus einem Guss. Dabei unterstützt der Klang auch das Verständnis der Handlung, indem einzelne Szenen eine völlig eigenständige Klangwelt bekommen haben. Sowohl Musik, Geräusche und Sounds sind perfekt aufeinander abgestimmt.

Die Aufmachung des Hörspiel ist hochwertig. Der kühle Blauton des Covers zieht sich durch die gesamte Gestaltung, auch die stilisierte Computerplatine wird als Motiv immer wieder aufgegriffen. In dem Pappschuber befindet sich ein stabiles Digipack, das die vier MP3-CDs fasst und zusätzliche Informationen zu einigen Mitwirkenden parat hält. Lobenswert ist auch das Booklet, das vorrangig die Sprecher auflistet – allerdings nach Gruppierungen oder Welten sortiert, sodass man schnell die richtige Person findet.

Fazit: Mit „Otherland“ liegt keine Massenware vor, sondern eine perfekte Umsetzung einer phantastischen Vorlage. Die Geschichte ist spannend, ausdrucksstark und düster, die Szenerie eindringlich in Szene gesetzt, die Sprecher leben für ihre Rollen. Das erfordert ungeteilte Aufmerksamkeit, aber weniger hat dieses Meisterwerk auch nicht verdient.

VÖ: 7.November 2015
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-819-8


Terror



Erster Eindruck: Der Zuhörer entscheidet

Ein Terrorist hat eine Passagiermaschiene gekapert und lenkt diese auf ein voll besetztes Fußballstadion zu. Ein Kampfpilot der Luftwaffe hat sich über den Befehl seiner Vorgesetzten hinweg gesetzt und die Maschine im letzten Moment abgeschossen, alle Insassen sind ums Leben gekommen. Nun muss sich der Soldat vor Gericht verantworten, es wird über schuldig oder nicht schuldig entschieden...

Mit „Terror“ hat Ferdinand von Schirach ein ungewöhnliches Theaterstück geschaffen, in dem die Zuschauer selbst Schöffen des Gerichs sind und über den Ausgang des Prozesses entscheiden. Von der ARD verfilmt gibt es das Stück nun auch als Filmhörspiel mit der Originaltonspur beim Hörverlag, welches sogar kurz vor der TV-Ausstrahlung im Handel erhältlich ist. Normalerweise bin ich kein großer Fan von Filmhörspielen, doch hier ist dies anders: Es kommt bei der Verfilmung nicht auf eine bildgewaltige Umsetzung an, im Gegenteil: Diese ist sehr reduziert gehalten und spielt lediglich im Gerichtssaal, alles Wesentliche wird über die Stimmen der Schauspieler transportiert. Dennoch wurde ein Erzähler eingefügt, der einige Dinge kommentiert – für meinen Geschmack schon etwas zu viel, denn die Sprecher leisten hervorragendes und lassen jede noch so kleine Gefühlsregung in ihrer Stimme erklingen. Und auch der Prozess ist äußerst interessant und stützt sich im Wesentlichen auf drei Aussagen: Dem Vorgesetzten des Kampfpiloten, seine eigene Aussage sowie die einer Nebenklägerin, die ihren Mann bei dem Absturz verloren hat. Die Vorgänge am betreffenden Tag werden dabei sehr ausführlich beschrieben, viele Details hinzugefügt, Argumente ausgetauscht, der Hintergrund des Piloten und seine Gedankenwelt dargestellt. Und auch, wer eine vorgefertigte Meinung hat, kommt sicherlich einige Male ins Wanken, spätestens bei den Schlussplädoyers von Staatsanwältin und Verteidiger. Beide tragen stichhaltige Argumente vor, begründen mit Beispielen aus der Rechtswissenschaft, nehmen eine moralische Beurteilung der Handlungsweise vor. Und danach wird auch hier der Zuhörer selbst aufgefordert, sein Urteil zu fällen, zu entscheiden, ob er dem Piloten für schuldig oder unschuldig hält. Für beide Versionen findet sich im Nachgang ein Urteil mit einer entsprechenden Begründung wieder, die beide ebenfalls sehr hörenswert sind.

Es sind gerade einmal sechs Schauspieler am Werk, ergänzt durch die Erzählerstimme von Micheal Bideller, der sich sehr zurückhält und wertneutral die Informationen zu Handlungen im Gerichtssaal darbeitet. Burghart Klaußner ist als Richter zu hören, der ebenso neutral an den Fall herangeht, ale Zeugen in viele Richtungen befragt und dabei gerade bei der Aussage der Nebenklägerin ein wenig Emotion einfließen lässt. Martina Gedeck ist als streitbare Staatsanwältin zu hören, die mit harten Nachfragen den Vorgängen auf den Grund geht und dabei auch überraschend Pfeile in andere Richtungen verschießt – eine sehr gute und packende Leistung. Florian David Fitz ist als Angeklagter zu hören und bringt die Emotionen des jungen Mannes sehr gekonnt auf den Punkt, setzt mal mit Abgeklärtheit, mal mit Wut und Engagement seine Rolle um. Auch Lars Eidinger als Verteidiger, Rainer Bock als Zeuge und Jördis Triebel als Nebenklägerin machen ihre Sache ausgezeichnet.

Die Geräuschkulisse ist sehr reduziert gehalten, man hört mal ein aufgeregtes Murmeln aus dem Zuschauerraum, Schritte beim Eintreten der Zeugen, ein leises Husten – doch genau das braucht das Stück auch, um zur Wirkung zu kommen. Die volle Konzentration auf die Dialoge sorgt für die Konzentration auf das Wesentliche und destilliert den Kern der Aussagen heraus.

Das Cover ist in reinem Weiß zu halten, unterbrochen von einer geschwungenen roten Linie und der stilisierten Silhouette eines Mannes, der zu Boden zu fallen scheint. In schlichten Lettern steht aber der Titel des Stücks im Mittelpunkt. Das stabile Digipack enthält einige Szenenfotos und Aufnahmen von der Produktion, zudem auch einige Informationen zum Autor – eine stimmige Umsetzung!

Fazit: „Terror“ ist ein fesselndes und packendes Experiment, denn die eigenen Moralvorstellungen werden hinterfragt und auf die Probe gestellt. Dadurch dass der Zuschauer gezwungen wird, selbst ein Urteil zu fällen, ist er selbst Teil der Erzählung, die durch diese reduzierte und prägnante Umsetzung bestens zur Geltung kommt.

VÖ: 10.Oktober 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2447-5


Chicken Highway und drei weitere Krimi-Hörspiele



Erster Eindruck: Ein Duo für alle Fälle

Bettina Breuer ermittelt für das LKA gleich in vier Bundesländern, ihr zur Seite steht der Pianist und leidenschaftliche Hobbydetektiv Jac Garthmann, der sich immer wieder mit ungewöhnlichen Methoden in ihre Fälle einmischt. Dabei geht es auch schon einmal gefährlich zu, wenn ein Lebensmittelskandal aufgedeckt wird oder in einem Schmuggelfall ermittelt werden muss...

Gleich vier Hörspiele von Elisabeth Herrmann enthält die Box „Chicken Highway“, die sich allesamt um die von Herrmann erdachte Kommissarin Bettina Breuer drehen. Der Hörverlag hat die Produktionen des NDR aus den Jahren 2010 bis 2015 erstmals auf CD gepresst, und hier sollten Krimifans durchaus mal einen Blick riskieren. Denn die Geschichten sind sehr aktuell und beschäftigen sich mit modernen Themen, wobei auch schon einmal ein Blick in die Vergangenheit gewagt wird. „Schlick“, ein Krimi um das Verschwinden eines Schiffoffiziers, punktet mit den dynamischen Wechseln zwischen den beiden Hauptfiguren, die an unterschiedlichen Stellen ermitteln und gut zusammenarbeiten. Dennoch ist dies für mich der schwächste Fall der Box, die anderen Geschichten sind deutlich spannnender. „Versunkene Gräber“ beispielsweise, denn hier ist lange nicht klar, was hinter dem Mord an einem Schmuggler steckt, die kurzweilige Handlung hält verschiedene Theorien bereit und klärt in einem spannenden Finale gekonnt auf. „Chicken Highway“ hat mit allein wegen des Themas am besten gefallen, es geht um die schreckichen Zustände in Hühnerfarmen und hangelt sich am Mord eines Tierarztes entlang, was mit einigen Wendungen und immer neuen Informationen für viel Abwechslung gesorgt hat. „Das Grab der kleinen Vögel“ ist ein Fall um eine Gruppe älterer Damen, die Jac bei einer Kur kennenlernt. Der charmente Einstieg gefällt mit sehr gut, auch die spätere langsame Aufklärung mit den vielen Verstrickungen ist sehr kurzweilig gelungen.

Sandra Borgmann ist in der Hauptrolle der Bettina Breuer zu hören und setzt ihre angenehme, sanfte Stimme sehr gekonnt ein, verleiht ihr auch einmal einen schärferen Klang und kann in allen Szenen glaubhaft agieren. Martin Reince spricht ihren Freund und Hobbydetektiv Jac Garthmann, der sehr charmant wirkt und eine ganz eigene, unkonventionelle Note in die Handlung einbringt. Auch Sven Stricker, der Regie geführt hat, ist als Sprecher zu hören und bewegt sich auch auf diesem Terrain sicher und mit geschliffenem Ausdruck. Weitere Sprecher sind Celine Fontages, Michael Prelle und Isabelle Grothe.

Die akustische Umestzung ist – typisch für die Hörspiele von Stricker – sehr stimmig und kann mit vielen passenden Geräuschen für eine runde Atmosphäre sorgen. Doch dabei liegt die Konzentration immer auf den Sprechern und ihren Dialogen, diese werden auch nicht von den stimmungsvollen und lebendigen Melodien überdeckt, die die Stimmungen der Szenen unterstreichen.

Die vier CDs haben jeweils eine eigene Hülle bekommen, die gemeinsam in einem Pappschuber untergbracht wurden. Das Cover zeigt vier Hühner auf einer Stange vor einem rötlichen Nachthimmel, auf der Rückseite sind bereits Fotos der beiden Hauptsprecher abgedruckt. Die Cover der einzelnen Folgen zeigen den jeweiligen Titel auf schwarzem Hintergrund, die schlichten weißen Letter werden durch farbige Absetzungen verziert. Im Inneren gibt es jeweils zusätzliche Informationen samt Foto von einigen Mitwirkenden.

Fazit: Gleich vier Hörspiele um Bettina Breuer und Jac Garthmann, die sich als ebenso eingespieltes wie dynamisches Duo präsentieren und schnell ihre eigene Identität entwickeln. Die Fälle sind rehct knackig erzählt, bieten jedoch auch einige Fallstricke und Wendungen, sodass die jeweilige Themenwahl kuzweilig umgesetzt wurde.

VÖ: 1.Juli 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2102-3


Tintenwelt – Die große Hörspielbox



Erster Eindruck: Die komplette Trilogie als stimmige Hörspielproduktion

Maggie, die nach dem Verschwinden ihrer Mutter allein bei Mo, ihrem Vater, aufwächst, fährt mit diesem zu ihrer Tante Elinor, wo der Buchbinder einige wertvolle Schätze vor dem Verfall retten will. Doch unheimliche Gestalten tauchen auf, und nur langsam erfährt Maggie, warum das so ist: Der finstere Capricorn will Mo in seine Gewalt bringen, denn er hat eine seltene Fähigkeit...

Cornelia Funke hat mit ihrer Tintenwelt-Trilogie einen modernen Klassiker geschaffen, der für allerlei Wirbel gesorgt und die Vorreiter-Stellung der deutschen Kinderbuchautorin noch weiter ausgeprägt hat. Oetinger Audio hat die drei Romane Tintenherz, Tintenblut und Tintentod jeweils als Hörspiel umgesetzt, erstmals sind nun alle drei Teile zusammen in einer Box erschienen. Und es lohnt sich, denn die Produzenten entführen den Hörer schnell in die von Funke erdachte Welt, die phantastisch und poetisch ist, aber auch vielerlei Gefahren birgt. Da werden Elemente aus so einigen Geschichten vermischt, doch im Mittelpunkt steht die Tintenwelt, ein mittelalterlich angehauchter Ort voller Magie und insbesondere voller lebendiger Rollen. Jeder einzelne von ihnen hat eine sehr eigene Ausprägung, einen unverkennbaren Charakter, eine ausdrucksstarke Aura bekommen, sei es auf der guten wie auf der bösen Seite – und ebenso all die Grautöne, die ebenso ihre Rolle spielen. Zudem ist auch die Handlung packend, wobei jeder Band seine eigene Note bekommt. Über etliche abenteuerliche Szenen entwickelt sie sich und führt zu einem Ende, das man anfangs nicht erahnen konnte. Die Kürzung, die trotz einer über siebenstündigen Laufzeit vorgenommen werden musste, ist sanft geschehen und verfälscht die Aussage und die Stimmung der Romane nicht, auch wenn jeder Leser natürlich auf die eine oder andere Lieblingsszene verzichten muss.

Die Sprecher sind herausragend und setzen ihre Rollen mit viel Energie um, von der Hauptrolle bis zum kleinsten Nebencharakter ist dabei auf eine stimmige Besetzung geachtet worden. Alle die tollen Stimmen auszuzählen würde den Rahmen sprengen, aber jeder einzelne hat großes Lob verdient. Leonie Landa ist als Maggie zu hören, sie spricht die Rolle sehr vielschichtig und kann auch die Entwicklung des Mädchens zur jungen Frau kann sie sehr genau nachzeichnen. Robin Brosch hat die Rolle des Mo übernommen, dessen Stimme eine so entscheidende Rolle in der Handlung spielt – Brosch nimmt man dies sofort ab. Er spricht sehr intensiv, betont und schafft so Szenen voller Leben, voller Inbrunst. Besonders gut gefallen hat mir auch Barbara Nüsse als Mortola, die sich mit herrischer und stets herausfordernder Stimme Gehör verschafft. Weitere Sprecher sind Rainer Strecker, Gerlinde Dillge und Stephan Schad als Erzähler.

Die Musik wurde extra für diese Mini-Serie angefertigt, sodass sie perfekt auf die verschiedenen Stimmungen angepasst wurden. Die orchestralen Klänge sind mal sanft und verspielt, mal bedrohlich und düster, sodass dynamische Wechsel entstehen. So wird der Spannungsbogen gekonnt unterstützt, während leise Hintergrundgeräusche und präzise Sounds für eine lebendige Stimmung sorgen.

Ein hübscher Pappschuber fasst die sechs CDs, dieser ist im Stile der Buchvorlagen gestaltet und zeigt auf einem sanften Bordeaux-Rot mehrere Großbuchstaben, wie sie in alten Büchern reichlich verziert an jedem Kapitelanfang standen. Im Inneren finden sich dicke Platikhüllen mit den Discs, neben einer ausführlichen Trackliste gibt es nur die notwendigen Informationen.

Fazit: Vom geheimnisvollen Anfang über den phantasievollen und spannenden Mittelteil bis zum tragischen Ende ist hier ein Stück perfekter Hörgenuss gelungen, der nicht nur durch die kreative Geschichte und die lebendigen Figuren überzeugt, sondern auch durch die stimmungsvolle und eingängige Produktion mit fabulösen Sprechern. Wer dies noch nicht im Regal stehen hat, sollte hier unbedingt zugreifen!

VÖ: 26.September 2016
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0974-4


Siddhartha



Erster Eindruck: Auf der Suche nach Sinn, Erleuchtung und Seele

Schon als Kind wird Siddartha im sechsten Jahrhundert vor Christus mit den religiösen Lehren der indischen Priester in Kontakt gebracht, und auch später ist er immer auf der Suche nach der Erleuchtung. Sein enger Freund Govinda kann ihm zwar auf diesem Weg nicht immer folgen, begleitet ihn jedoch weiter, als Siddartha zum Asketen und Bettler wird...

Mit „Siddartha“ hat Hermann Hesse 1922 eines seiner bekanntesten Werke veröffentlicht, gleichzeitig ist es auch eines seiner phliosophischten und anspruchsvollsten geworden. Immer noch fasziniert die Geschichte des indischen Mannes auf der Suche nach der Erleuchtung viele Menschen, bringt es einem noch die Lehren des Buddhismus näher und begreifbarer. Der hr2 hat eine aktuelle Hörspielproduktion angefertigt, die auch beim Hörverlag als CD-Version erschienen ist. Dabei wurde sehr behutsam der ursprüngliche Text an das neue Medium angepasst, sodass nichts von der Seele, von Hesses Gedankenwelt verloren geht. Siddarthas Suche nach seiner ganz eigenen Gedankenwelt, nach Sinn und Einklang mit der Welt, ist vielschichtig und sinnlich, der stufenweise Aufbau über verschiedene Ebenen der Selbstfindung und Erkenntnis beeindruckend und intensiv. Über die literarische Qualität von Hesses Meisterstück müssen nicht mehr viele Worte verloren werden, die Umsetzung ist jedoch ebenso gelungen, mit vielfältigen Klangwelten versehen und mit engagierten Sprechern versehen.

Die wunderbare Iris Berben ist als Erzählerin zu hören und übernimmt dabei viele recht lange Passagen, durch ihre tiefgründige Stimme und einen eingängigen Klang setzt sie diese aber sehr gekonnt und mit viel Intensität um. Matthias Koeberlin ist über weite Teile als Siddartha zu hören, sein markanter Klang passt wunderbar zu den tiefgründigen Gedanken, zu dem Zweifeln, zu der Neugier des jungen Inders und kann auch die Entwicklung mit seiner Stimme erlebbar machen. Ulrich Noethen ist als Govinda zu hören, auch er passt wunderbar in die philosophische Atmosphäre und begleitet Siddartha durch die Handlung. Christian Friedel, Hans-Michael Rehberg, Steffen Siegmund und Wolf-Dietrich Sprenger sind ebenfalls zu hören.

Die akustische Umsetzung wurde von Regisseur Leonhard Koppelmann und Komponist Ali N. Askin sehr stimmungsvoll umgesetzt. Der indische Anklang ist dabei auch hier deutlich umgesetzt worden, die Klänge sind sphärisch und melodisch gelungen. Dabei werden auch manche Dialoge von Musik begleitet, was ihnen noch einmal mehr Dramatik, mehr Bedeutung verleiht. Geräusche sind dabei eher wenig zu hören, was der Eingängigkeit allerdings keinen Abbruch tun.

Die Gestaltung der Box ist dem Hörverlag exzellent gelungen, hier hat man sich wie bei der Produktion selbst viel Mühe gegeben. Siddharthas Kopf mit den geschlossenen Augen ist im Stil einer typisch indischen Statue zu sehen, der leicht goldene Schimmer wirkt dabei edel und passt sehr gut zu der dicken Pappbox. Im Inneren findet sich ein umfangreiches Booklet mit vielen Hintergrundinformationen und Fotos, doch ein wahres Highlight ist die fünfte CD mit einem äußerst hörenswerten, 80-minütigem Feature.

Fazit: Die herausfordernde Aufgabe, ein solches Werk als Hörspiel umzusetzen, ist hervorragend gelungen, die engagierten Sprecher verstehen ihr Handwerk und sind mit viel Begeisterung dabei, die vielfältige akustische Umsetzung ist eingängig und verleiht eine ganz besondere Atmosphäre. Anspruchsvoll, aber dennoch leicht zugänglich.

VÖ: 24.Mai 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2121-4


Die große Kommissar-Beck-Box



Erster Eindruck: Zehn Fälle für den Urvater des Schwedenkrimis

Martin Becks Ehe ist nicht gerade das, was man als erfüllt bezeichnen würde. Deswegen stürzt er sich immer mehr in seine Arbeit als Kriminalassistent und löst gemeinsam mit seinem Team aus ganz unterschiedlichen Charakteren Mordfälle. Der erste Fall führt sie zum Göta-Kanal, wo eine junge Frau vergewaltigt und ermordet aufgefunden wird...

Die Krimireihe „Roman über ein Verbrechen“ des schwedischen Autorenduos Maj Swöwall und Per Wahlöö gilt als Startschuss für den modernen „Schwedenkrimi“. Hier wurde mal kein fast übermenschlicher Ermittler gezeigt, der mit genialer Kombinationsgabe die Fälle spielend löst, sondern deutich realitätsnähere Beschreibung von Ermittlungen. Auch das Motiv des nicht immer sympathischen und von privaten Problemen gebeutelten Polizisten wird hier eingeführt– wenn auch nicht so exzessiv wie in heutigen Romanen. Zehn der Fälle um Martin Beck wurden von verschiedenen deutschen Radiostationen als Hörspiel vertont, und diese wurden nun vom Audio Verlag aus den Archiven geholt und gemeinsam in einer dicken Box mit 16 CDs veröffentlicht. Die Fälle sind dabei allesamt gut erdacht, auch wenn es naturgemäß einige sehr starke und einige weniger aufregende Geschichten gibt. Doch gerade in den späteren Fällen herrscht fast durchgängig eine sehr intensive Stimmung vor, die sich auch auf den Zuhörer überträgt. Die ganz unterschiedlichen Fälle folgen keinen speziellen Muster, allerdings steht die Ermittlerarbeit immer im Vordergrund. Das ist gut gelungen, zumal auch das Privatleben von Beck immer wieder eingebaut ist und sich im Laufe der Zeit auch weiterentwickelt, sodass es keine starren Vorgaben gibt. Die starken Charaktere seiner Mitstreiter bringen zusätzliche Würze in die Geschichten. Allerdings ist das Tempo manchmal doch etwas zu sehr gedrosselt und einige Spannungsmomente kommen nicht so recht zur Geltung. Für Fans von gepflegtem, eher ruhigen Krimi wird hier aber eine gute Auswahl geboten.

In den meisten Fällen ist Charles Wirths als Kommissar Beck zu hören. Er wählt eine recht betonte und einigängige Sprechweise, sodass sein Charakter gut zur Geltung kommt, nimmt sich aber an den entscheidenden Stellen auch immer wieder zurück und lässt den anderen Sprechern den Vortritt. Hans Peter Hallwechs ist immer mal wieder als Erzähler zu hören, seine getragene und ausdrucksstarke Stimme wirkt dabei dynamisch und seine Passagen kurzweilig und eingängig wirken. Heta Mantscheff ist als Inga Beck zu hören, die sehr gefühlsbetont die problematische Beziehung zu ihrem Mann thematisiert und dabei sehr authentisch wirkt. Weitere Sprecher sind Matthias Ponnier, Heinz Schimmelpfennig und Horst Frank.

Die meisten der Produktionen stammen aus den späten 70ern oder den frühen 80ern, sodass sie einen ganz anderen Grundklag besitzen als heutige Produktionen. Besonders die Musik fällt dabei oftmals aus dem Rahmen, ist zu laut und zu lang, sodass der Erzählfluss gebremst wird. Die Geräusche wirken manchmal etwas hölzern und bringen wegen ihres eher seltenen Einsatzes nicht sonderlich viel Leben in die Handlung.

Verpackt sind die CDs in einzelnen Plastikhüllen, die gemeinsam mit einem gut aufbereiteten Booklet in einer stabilen Pappbox zum Aufklappen untergebracht sind. Ein einsames schwedisches Haus in nächtlicher Kulisse kommt durch das dominante dunkle Blau sehr gut zur Geltung. Wie immer bei dem Label ist alles gut strukturiert und übersichtlich ausgebaut.

Fazit: Die zehn hier erzählten Fälle über Kommissar Beck stellen die Ermittlungen in den interessanten Fällen in den Mittelpunkt und sind erzählerisch gut aufbereitet. Das Tempo wirkt dabei zwar manchmal etwas gedrosselt und auch die Umsetzung kann nicht immer überzeugen, dafür sind die gut durchdachten Erzählungen meist sehr kurzweilig und können auch die Charaktere gelungen darstellen.

VÖ: 21.August 2015
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-0623-1590-


Die Kinder der verlorenen Bucht



Erster Eindruck: Erkundung einer fremden Welt

Red und Max kommen beide neu in die Klasse von Lilly, und nachdem die drei sich gegen einen fiesen Lehrer gewehrt haben, freunden sie sich schnell an. Bei einem Ausflug treffen sie auf eine geheimnisvolle alte Dame, die ihnen eine unglaubliche Geschichte von einem bösen Herrscher in einer fremden Welt erzählt. Diese scheint mit einem Abschnitt des nahegelegenen Strandes verbunden zu sein, sodass die drei Kinder die Abenteuerlust packt...

„Die Kinder der verlorenen Bucht“, ein Kinderbuch des italienischen Autors Luca d Fulvio, wurde von Lübbe Audio als Hörspiel mit zahlreichen Sprechern umgesetzt und gleichzeitig zum Erscheinungstermin der gebundenen Ausgabe veröffentlicht – eine hübsche Alternative zum klassischen Hörbuch, die gerade für Kinder sehr ansprechend sein dürfte. Das Abenteuer der drei neuen Freunde kommt zwar nur über einige Umwege richtig in Gang, spätestens nach der Erzählung der mysteriösen Dame um den bösen Egon Dragon kommt aber viel stimmige Atmosphäre auf. Es ist genau diese Mischung aus mystischen Elementen und einer abenteuerlichen Grundstimmung, die sich sehr reizvoll auf die Handlung auswirkt. Diese entwickelt sich über verschiedene Stationen immer weiter und führt die Kinder in eine fremdartige Welt voller merkwürdiger Wesen, aber sie entdecken auch selbst Kräfte an sich – nicht nur solche magischer Art. Mir gefällt, dass die Kinder neue Seiten an sich entdecken und sich weiterentwickeln, allerdings wirkt alles manchmal doch etwas schablonenhaft und an ähnliche Geschichten angelehnt.

Lutz Schnell ist in der wichtigen Rolle des Mastino zu hören, sein rauer Klang und die harsche Art passen sehr gut zusammen und sorgen für einen starken Ausdruck der Figur. Luise Lunow sorgt mit ihrer dunklen Stimme für eine sehr geheimnisvolle Stimmung als alte Frau und lässt die Geschichte um Egon Dragon bestens wirken. Leider konnten mich die drei Hauptsprecher Simon Kunze, Lenio Einbeck und Sarah Kunze nicht so sehr überzeugen, sie wirken recht gekünzelt und an einigen Stellen sogar etwas hölzern. Weitere Sprecher sind Oliver Rohrbeck, Helmut Krauss und Oliver Siebeck als Erzähler.

Der Transport in das neue Medium Hörspiel ist Lübbe Audio recht gut gelungen, auch wenn manche Dialoge insgesamt etwas steif wirken. Dafür wurde eine recht vielfältige Geräuschkulisse geschaffen, die die einzelnen Szenen gekonnt untermalt und ihnen Leben einhaucht. Auch die eingebaute Musik steigert den abenteuerlichen Charakter der Handlung und wirkt hübsch unheimlich.

Natürlich wurde zur Steigerung des Wiedererkennungswerts das Buchcover angepasst und übernommen. Zu sehen ist eine hübsche Kulisse mit einem Sonnenuntergang und dem kleinen Boot, das eine wichtige Rolle in der Handlung spielt. Im Vordergrund steht aber der mit einem Banner unterlegte Schriftzug, in den auch die Gesichter der drei Protagonisten eingebunden sind.

Fazit: Die mysteriöse und abenteuerliche Stimmung der Handlung kann besonders Kinder schnell fesseln, die sich auch gut mit den drei Hauptcharakteren identifizieren können. Allerdings wirken die jungen Sprecher etwas überfordert, sodass die Umsetzung manchmal etwas holprig wirkt. Das spannende Finale schließt die Handlung gekonnt ab.

VÖ: 12.Februar 2016
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-5268-5


Doktor Proktors Pupspulver – Das Hörspiel



Erster Eindruck: Skurriles Vergnügen mit gelungener Umsetzung

Der ziemlich kleingewachsene Bulle zieht in eine neue Stadt, wo er schnell Freundschaft mit dem Nachbarsmädchen Lise schließt. Und auch mit dem Wissenschaftler Doktor Proktor verbringt er viel Zeit, der in seinem Labor ein neues Pulver entdeckt hat, dass einen innerhalb von zehn Sekunden ordentlich Pupsen lässt. Bulle und Lise sind überzeugt davon, dass viele Kinder völlig begeistert wären, und helfen Doktor Proktor bei seinen Tests...

Nach einer Umsetzung als Hörbuch hat sich der WDR nun auch dem erfolgreichen Kinderbuchimport aus Norwegen, „Doktor Proktors Pupspulver“ angenommen und ein einstündiges Hörspiel dazu produziert. Für ein Kinderbuch ist die Handlung überraschend verschachtelt und zeigt neben den Szenen um Doktor Proktor und den Kindern auch die beiden fiesen Zwillinge Truls und Trym mit ihrem Vater, aber eben auch eine Anaconda, die mit der eigentlichen Handlung aber erst einmal nicht viel zu tun hat, hinterher aber mehrfach den Weg der Protagonisten kreuzt. Die Handlung ist dabei sehr kurzweilig erzählt, entwickelt sich konsequent weiter und beinhaltet viele kleine Spannungsbögen, die für einige aufregende Momente sorgen. Und besonders der Humor kommt dabei nicht zu kurz, neben der ziemlich skurrilen Erfindung von Doktor Proktor, die später sogar noch gesteigert wird, sind auch so immer wieder lustige Sprüche eingebaut, die auch Erwachsenen viel Spaß bereiten und manchmal sogar fast hintergründig wirken. Am Ende ist man erstaunt, wie gut sich alles zusammenfügt, wie jeder Handlungsstrang zum Ende geführt wird und wie sehr alles miteinander vernetzt ist. Die Charaktere sind dabei sehr stark dargestellt und entfalten ihre eigene Persönlichkeit. Besonders Bulle ist dabei eine echte Identifikationsfigur, da er seine geringe Körpergröße mit Gewitztheit und selbstbewussten Auftreten auszugleichen weiß. Eine sehr spaßige Produktion für die ganze Familie.

In der Titelrolle des Doktor Proktor ist der wunderbare Jens Wawrczek zu hören, der mit seiner ungewöhnlichen Stimme sehr gut zu dem verschrobenen Wissenschaftler passt und viel Spaß in die Handlung einbringt. Samuel Gerst hat eine sehr überzeugende und glaubwürdige Aussprache, klingt passend zu der Rolle etwas hochtrabend, aber sehr natürlich, was bei so jungen Sprechern nicht immer so gekonnt der Fall ist. Erzählerin Laura Maire passt mit ihrer verträumt wirkenden Stimme sehr gut in das Ambiente der Geschichte und gestaltet ihre Passagen sehr kurzweilig, lässt aber auch die Anaconda hübsch bedrohlich wirken. Weitere Sprecher sind Thyra Bonnuchsen, Martin Bross und Martin Brambach.

Bei einer Geschichte, bei der es ums Pupsen geht, dürfen die entsprechenden Geräusche natürlich nicht fehlen. Hiervon wurde dann auch ausgiebig Gebrauch gemacht, ebenso wie von anderen Sounds, die immer passend eingebaut wurden. Musikalisch hält sich die Produktion aber eher zurück und konzentriert sich so auch die Sprecher und ihre Dialoge.

Das Cover wirkt insgesamt etwas sperrig, ob hiervon junge Menschen sofort neugierig gemacht werden, zweifle ich eher an. Dabei haben die mit erkennbaren Strichen gezeichneten Figuren durchaus ihren Reiz, wobei Bulles Test am Pupspulver vor grünem Hintergrund zu sehen ist, während es sich Doktor Proktor in roter Umrandung gemütlich macht. Im Inneren gibt es neben den üblichen Produktionsinformationen noch eine Kurzbiographie zu Autor Jo Nesbo.

Fazit: Neben der witzigen und spannenden Geschichte kann hier auch die sehr gelungene Umsetzung überzeugen, wozu besonders die passenden und energiegeladenen Sprecher beitragen können. Viele witzige Momente und eine kurzweilige Handlung mit einigen Überraschungen sorgen für eine knappe Stunde Hörspielspaß.

VÖ: 15.Juni 2015
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1719-4


Schneewittchen



Erster Eindruck:

Eine eifersüchtige neue Königin ist nach dem Tod ihrer Vorgängerin ins Schloss eingezogen, neidet aber ihrer Stieftochter, die wegen ihrer weißen Haut nur Schneewittchen genannt wird. Gemeinsam mit Ihrer Zofe schmiedet sie den Plan, sich des ungebliebten Kinds mit Hilfe des ihr treu ergebenen Jägers zu entledigen...

Die Geschichte von Schneewittchen ist wohl jeden wohl bekannt, und auch diverse Hörspielumsetzungen des Märchens der Gebrüder Grimm existieren mittlerweile. Der Audio Verlag hat nun eine weitere aus den Archiven des DRA gerettet und als Teil seiner Kinderreihe mit dem weißen Rücken auf CD veröffentlicht. Einer solch bekannten Geschichte neue Facetten zu entlocken ist natürlich schwierig und wird hier auch nur stellenweise geschafft – beispielsweise ist die Unterredung der bösen Königin mit ihrer Zofe ganz zu Anfang neu erdacht und kommt im Original nicht vor. Und auch ein neuer Schluss wird gefunden, die Königin wird hier weder mit glühenden Schuhen bestraft noch von einem Felsen erschlagen, es wurde eine kinderfreundlichere aber auch etwas angestaubte Schlussversion erzählt. Auch die wohl gruseligste Szene, in denen die Königin die Innereien des Mädchens verlangt, ist hier abgemildert umgesetzt worden. Schön auch, dass die sieben Zwerge keine namenlosen Geschöpfe bleiben, sondern jeder seine speziellen Eigenheiten hat. Ansonsten gibt es nur wenige eigenständige Kniffe, sodass sich diese Produktion in die Reihe vieler solider Märchenhörspiele einreiht, die sich durch eine passende Stimmung auszeichnen, aber eben leider wenige Überraschungen parat haben.

Schneewittchen wird in dieser Version von der unvergessenen Gisela Fritsch gesprochen, die mit viel Schwung bei der Sache ist und das Mädchen sehr lebendig spricht. Die böse Königin bekommt ihre Stimme von Inge Keller geliehen, die eine ausdrucksstarke Leistung abliefert und das eifersüchtige Herz der Figur sehr gut darstellt. Erzähler ist Hans Hildebrandt, der ein klassischer Märchenerzähler ist und mit seinem warmen Farbton für hübsche Momente sorgt. Weitere Sprecher sind leider namentlich nicht mehr bekannt.

Natürlich sollte hier bedacht werden, dass das Hörspiel bereits über ein halbes Jahrhundert alt ist, sodass es nicht verwundert, dass die Dialoge nicht mehr glasklar klingen, dennoch ist kein störendes Grundrauschen zu vernehmen. Die akustische Untermalung ist dabei eher schlicht ausgefallen, die sieben Zwerge bringen aber ein fröhliches Liedchen mit, das sich gut in die Handlung integriert.

Das Cover zeigt eine Szene mit Schneewittchen in blutrotem Ballkleid im Haus der sieben Zwerge, die ihr Blumen anreichen oder sie voller Freude anschauen. Der schlichte Zeichenstil weckt nostalgische Erinnerungen und wird durch die strenge Aufteilung der Serie mit den beiden unteren Balken nicht gestört. Im Inneren gibt es noch eine weitere Zeichnung zu sehen.

Fazit: Schneewittchen liegt hier in einer klassischen Umsetzung mit wenigen neuen Elementen vor, ist aber stimmungsvoll und mit engagierten Sprechern umgesetzt worden. An den grausameren Stellen wurde auf kinderfreundlichere Alternativen ausgewichen, sodass diese Produktion auch als Einstieg in die Welt des Hörspiels mit einer bekannten Geschichte dienen kann.

VÖ: 23.September 2016
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-838-4


Der kleine Prinz



Erster Eindruck: Moderner Klassiker in moderner Umsetzung

Der kleine Prinz kommt von einem winzigen Planeten, den er ganz allein bewohnt hat. Eines Tages trifft er in einer einsamen Wüste einen Piloten und freundet sich schnell mit ihm an. Der kleine Prinz berichtet von der Rose, die er so sehr geliebt hat, von dem Fuchs, der so gern gezähmt werden wollte, von dem König, der seinen Untertanen immer die besten Befehle gab. Doch irgendwann geht der Wasservorrat der beiden zur Neige...

„Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupery ist längst zu einem modernen Klassiker geworden, dieses kleine Buch steckt voller Poesie und Weisheiten, seit über 70 Jahren verzaubert das Kundtmärchen die Menschen überall auf der Welt. Der WDR hat nun eine neuer Hörspielversion der Geschichte vertont und bei Silberfisch auf VD veröffentlicht. Der Transport in das neue Medium ist sehr gelungen, da dessen Möglichkeiten sehr gut genutzt wurden. Das kommt der Geschichte sehr zu gute, da sie ihren verträumten und nachdenklichen Charakter bewahrt. Die verschiedenen Geschichten, die der kleine Prinz erzählt, sind dabei recht episodenhaft, dennoch besteht eine enge Bindung zwischen ihnen, auch wird teilweise später darauf zurückgegriffen. Dabei gibt es so viele starke Figuren – die eitle Rose, die der kleine Prinz so sehr liebt und die ihm niemand ersetzen kann, ist ein so eingängiges Bild, dieser Teil hat mir am Besten gefallen. Und in all diesem Phantastischen, Märchenhaften finden sich viele Weisheiten, viel Gesellschaftkritik und ein starkes Plädoyer für Zwischenmenschlichkeit. Wirklich bewegend wird es dann am Ende, als der Prinz von großem Heimweh befallen wird und den einzigen Weg sucht, auf den er glücklich werden kann – ohne zu viel verraten zu wollen, wird es sehr tragisch und melancholisch. Und auch wenn das Buch viel von den Zeichnungen des Autors lebt, fehlen diese Bilder hier nicht, da sie entweder gut beschrieben sind oder durch die dichte Klangwelt adäquat ersetzt wurden. Eine wunderbare Erzählung, die zudem sehr gekonnt in Szene gesetzt wurde.

Dafür sorgen zu einem großen Teil natürlich auch die Sprecher, die allesamt mit Herzblut bei der Sache sind und so liebevoll und ausdrucksstark sprechen, dass wirklich jeder Charakter eine ganz eigene Note bekommt. Martin Wuttke ist als Pilot zu hören und übernimmt damit auch einige Erzählertexte. Ich habe ihm wegen seiner sanften und warmen Stimme sehr zu schätzen gelernt, seine eingängige Sprechweise begleitet den Hörer gekonnt durch die Geschichte. Alexander Fehling spricht den kleinen Prinzen auf so wundersame und zauberhafte Art und Weise, so lebendig und voller Strahlkraft, dass es eine wahre Freude ist. Und auch der wundervolle Jens Wawrczeck ist hier mal wieder als Fuchs zu hören, er passt seine ungewöhnliche Klangfarbe bestens an das Ambiente und seinen Charakter an. Weitere Sprecher sind Paula Beer, Dieter Hallervorden und Otto Mellies.

Die Musik zu diesem Hörspiel stammt von Alva Noto und Tarwater, die den träumerischen Charakter der Geschichte unterstreichen und mit klangvollen Momenten gekonnt in Szene setzen. Dabei ist die Musik ständiger Begleiter, sodass das Hörspiel eng umschlossen wird und es leicht macht, in die Handlung einzutauchen. Geräusche sind dabei ebenfalls dezent eingesetzt, auch diese fügen sich sehr gut in das Gesamtkonzept ein.

Die Aufmachung der CD ist sehr ansehnlich und hochwertig, was den äußerst stimmigen Gesamteindruck abrundet. Matte Pappe, vorrangig in strahlendem Weiß bestimmt die Aufmachung, wobei immer wieder Sternenbilder eingebaut sind – sehr prominent und träumerisch auf dem Cover, in Form einer Sternenkarte im Inneren des sehr hübschen Digipacks.

Fazit: Wunderbar, wie sehr hier der Geist von Antoine de Saint-Exupery aufgegriffen wird, wie alle beteiligten mit viel Herzblut bei der Sache sind und jeder seinen Part in Perfektion umsetzt: Sprecher, Regie und Musikanten sind bestens aufeinander abgestimmt, sodass man sich sofort in die poetische Geschichte fallen lassen kann.

VÖ: 1.September 2016
Label: Silberfisch
Bestellnummer: 978-3-8674-2309-0


Sophiechen und der Riese



Erster Eindruck: Wortspielerisches Kinderhörspiel

Sophie, die in einem Waisenhaus wohnt, beobachtet eines nachts eine riesige Gestalt mit einer Trompete, der sich zu den Kindern schleicht – und Sophie samt ihrer Decke aus dem Bett in ein fremdes Land mitnimmt. Und auch wenn die Gestalt anfangs ziemlich furchteinflößen wirkt, stellt sich bald heraus, dass es sich um einen guten Riesen handelt, doch nicht alle Riesen sind so freundlich wie GuRie...

„Sophiechen und der Riese“ des britischen Schriftstellers ist 1982 zum ersten mal erschienen, genau 20 Jahre später hat der WDR diesen Roman als Hörspiel umgesetzt, doch erst 2016 ist dieses auch auf CD erhältlich, pünktlich zum Start des Kinofilms, der nach dem Buch gedreht wurde. Schön, dass es doch noch geklappt hat, denn die Geschichte ist nicht nur spannend und kurzweilig, sondern steckt auch voller feinem Humor. Dafür sorgen nicht nur die liebevollen Figuren, sondern auch herzige Einfälle wie die Kotzgurke oder die vielen Wortspiele – ob Leberwesen oder Furzelbäume, ob verdrehte Sätze oder falsch verwendete Sprichwörter, das alles ist sehr spaßig und für Kinder recht anspruchsvoller, aber dennoch zündender Witz. Im Kontrast dazu steht, dass die Geschichte auch ganz schön gruselig ist, GuRie wirkt am Anfang sehr bedrohlich, und auch die anderen Riesen, die liebend gern kleine Kinder fressen, sind nicht zu verachten und für jüngere Kinder schon ziemlich deftig, „Blutschlucker“ und „Fleischfetzenfresser“ sind da die passenden Namen. Zum Glück verfliegt die Angst bei den vielen witzigen Momenten schnell und weicht der Spannung, wie Sophie und GuRie die bösen Riesen besiegen wollen. Toll auch, dass Sophie ziemlich taff dargestellt wird und mit viel Energie und Mut allen Situationen begegnet. Sie ist so ein echtes Vorbild für Mädchen und entspricht mal so gar nicht dem typischen Rollenklischee. „Sophiechen und der Riese“ dauert in dieser Umsetzung über dreieinhalb Stunden und ist nichts zum Nebenbei-Hören, macht aber mächtig Spaß und kann mit den vielen Wortspielereien ebenso wie mit der ungewöhnlichen Handlung punkten.

Verena Wurth verleiht Sophie jede Menge Energie und Präsenz, sie fühlt sich in der Hauptrolle hörbar wohl und bringt jede Menge Spielfreude mit die sie sehr glaubhaft wirken lässt. Michael Habeck ist als GuRie zu hören, mit seiner sanftmütigen und warmen Stimme schafft er einen wunderbaren Charakter der die vielen Wortspiele vollkommen natürlich wirken lässt – wunderbar! Erzähler ist Peer Augustinski, der mit aufgeweckter und lebendiger Stimme durch die Handlung führt und die Handlung durch treffende Betonung unterstützt. Weitere Sprecher sind Hans Holzbrecher, Alexander May und Marianne Rogée.

Matthias Thurow ist für die Musik in dem Hörspiel verantwortlich, und er hat hier einen ganz eigenen Weg gefunden, die Stimmung zu unterstreichen ohne die Dialoge in den Hintergrund zu drängen. Die eingesetzen Melodien wirken verspielt und märchenhaft, ohne ins Kitschige oder Niedliche abzurutschen. Und auch die Geräusche haben den richtigen Pegel in Häufigkeit und Lautstärke, um einen lebendigen Ausdruck zu erschaffen.

In einer dicken Plastikhülle sind die drei CDs aufbewahrt, und diese wird von einem ungewöhnlichen Cover geziert: Skizzenhaft gezeichnet, die einzelnen Striche noch erkennbar, mit blassen Farben versehen – charmant und liebevoll. Im kleinen Booklet sind neben den Sprechern und anderen Mitwirkenden auch einige Informationen über den Autor zu finden, auch eine Trackliste zur besseren Übersicht gibt es hier.

Fazit: Sophiechen und der Riese ist ganz schön gruselig, aber auch sehr humorvoll und lebendig erzählt. Die mutige Sophie und ihr gutmütiger Freund erleben ein spannendes Abenteuer, das flüssig und in angenehmen Tempo erzählt wird. Ganiert mit wunderbaren Wortspielen entsteht so ein sehr hörenswertes Kinderhörspiel, das auch Erwachsenen viel Freude bereitet.

VÖ: 24.Mai 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2114-6


November 1918 – Eine deutsche Revolution: Karl und Rosa



Erster Eindruck: Ein Blick in die Geschichte

Deutschland im November 1918: Der erste Weltkrieg ist vorbei, das Reich muss sich neu formieren. Und so kämpfen die verschiedenen Strömungen um die Vorherrschaft, und auch Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg versuchen, ihre sozialistische Idee zu verwirklichen. Doch inmitten der Wirren schlagen ihre Ansätz fehl, und ihre Gegenspieler trachten den beiden Revolutionären nach dem Leben...

Mit „November 1918“ hat sich der Hörverlag die Rechte an einem sehr ambitionierten Radiohörspielprojekt gesichert, das Alfred Döblins Werk aus der deutschen Geschichte sehr intensiv in Szene gesetzt hat. Doch ein Abschnitt aus dem Roman wurde dabei nicht berücksichtigt, dieser wird nun zwei Jahre später nachgereicht. Im Gegensatz zum Vorgänger wurde hier nicht auf eine enorme Vielfalt verschiedener Einzelschicksale gesetzt, sondern die Geschichte von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg nacherzählt. Aus diesem Grund unterscheidet sich dieser abschließende Teil deutlich von der Vertonung der ersten drei Bände, auch wenn die Machart eine ähnliche ist: Der weitgehende Verzicht auf akustische Elemente, eine collagenhafte Erzählweise, die Konzentration auf die Stimmen. Es wird nicht ganz so emotional, da nicht so sehr auf die Verfolgung von Einzelschicksalen gesetzt wird, dafür rücken mehr und mehr geschichtliche Aspekte in den Mittelpunkt. Aus diesem Grund fand ich „Karl und Rosa“ noch etwas anstrengender als den Vorgänger, auch fordert er dem Zuhörer noch mehr Aufmerksamkeit ab. Zudem wird hier nur ein Anriss aus dem Gesamtwerk Döblins gegeben, sodass einige wesentliche Informationen nur sehr verknappt wiedergegeben werden – auch das erhöht den Hörfluss nicht gerade.

Judith Hofmann ist als Rosa Luxemburh zu hören, die ihrer Figur die nötige Energie verleiht, um den starken Charakter glaubhaft darzustellen. Sie spricht sehr nuanciert und betont, sodass alle Gefühlsregungen der mutigen Frau sehr gut zur Geltung kommen. Dem in nichts nach steht Wolf-Dietrich Sprenger als Karl Liebknecht, der eien starke Präsenz besitzt und den Hörer ganz in seinen Bann ziehen kann, er hält ebenso das Interesse sehr hoch. Eine überraschende, aber sehr gelungene Bestzung ist Tagesschausprecher Jan Hofer, der einige erklärende Texte beisteuert und diese mit viel Leben füllt, diese Mischung aus Information und Emotion hat mich sehr überzeugt. Weitere Sprecher sind Werner Wölbern. Laura Maire und Florian Lukas.

Wieder ist das Hörstück sehr reduziert umgesetzt worden, der fast völlige Verzicht auf Musik und Geräusche lullt den Hörer nicht ein, sondern fordert ihn zum aktiven Mithören auf. Allerdings wäre ab und an eine klarere Trennung zwischen den Szenen wünschenwert gewesen, um der Handlung besser folgen zu können.

Das Cover ist im Stil des Vorgängers gehalten, sodass neben schwarz und weiß einzig ein akzentgebendes Lila in einigen grafischen Elementen vorhanden ist. Der untere Teil des Titelbildes ist für die Portraitaufnahmen der beiden Hauptfiguren gesichert, während die dominierende Jahreszahl des Titels von einigen ergänzenden Schriftelementen aufgelockert wird. Das Innere wartet mit einigen Zusatzinformationen auf.

Fazit: Wer lockere Unterhaltung im geschichtlichen Ambiente erwartet, ist eindeutig falsch. Denn „Karl und Rosa“ verlangt dem Hörer nicht nur einiges Vorwissen ab, sondern auch viel Aufmerksamkeit und Konzentration. Diese Mischung aus Emotionalität und Geschichte ist beeindrucken und bringt einem die beiden Figuren sehr nahe. Speziell und mutig, aber auch durchaus hörenswert.

VÖ: 24.Mai 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1459-9


Alice im Wunderland (SWF 1958)



Erster Eindruck: Phantasievolle Reise mit skurrilem Anklang

Als Alice ein weißes Kaninchen entdeckt, das eilig über die Wiese hoppelt, ist ihre Neugier geweckt, und sie folgt dem Tier. Durch einen tiefen Sturz durch dessen Bau landet sie schließlich in einem Raum mit einer einzigen Tür, doch diese ist viel zu klein für sie. Dabei liegt dahinter das Wunderland, und Alice möchte unbedingt dorthin gelangen...

Alice im Wunderland hat sich zu einem immerwährenden Klassiker der Kinderlirteratur entwickelt, besonders amerikanische Kinder wachsen mit der Geschichte auf wie hierzulande mit den Märchen der Brüder Grimm. Pünktlich zum Kinostart des zweiten Teils der aufwändigen Hollywood-Neuverfilmung bringt der Audio Verlag ein Radiohörspiel des SWF aus dem Jahr 1958 auf den Markt, der viel von dem Charme des Romans von Lewis Carroll in sich trägt. Die vielen, teils recht skurrilen Figuren, die Alice auf ihrer Reise begegnet, sind mit viel Zauber versehen und kommen gut zur Geltung. Schon der Verlauf des Buches ist recht konfus und ist eher episodenartig gehalten, da Alice einfach immer neuen Figuren begegnet, ein wirklicher roter Faden, ein Ziel ist nicht erkennen. Dieser Eindruck wird hier noch verstärkt, da in den 52 Minuten Laufzeit natürlich einige Passagen aus dem Roman gekürzt werden mussten. Dennoch kann diese Umsetzung des Kinderbuchklassikers überzeugen und mit sowohl drolligen als auch düsteren Szenen abwechslungsreiche Stimmungen schaffen.

Karen Wellmann ist in dieser Umsetzung als Alice zu hören, die die Figur mit robustem Charme ausstattet und mit ihrer neugierigen Art die Figur sehr gut charakterisiert, besonders in den Szenen mit der Herzkönigin kann sie mit ihrer Energie punkten. Hannes Tannert hat als Grinsekatze – in dieser Übersetzung Lachkatze genannt – die wohl populärste Rolle der Geschichte übernommen, er spricht diese auf seine ganz eigene Weise und kann dabei den Charme der Figur nicht so recht treffen. Als Erzähler fungiert Hans Söhnker, der seine Passagen sehr gradlinig vorliegt und einen angenehmen Märchenonkel-Klang hat. Weitere Sprecher sind Hermann Pfeiffer, Hans Mahnke und Edith Heerdegen.

Das Hörspiel hat bereits über 50 Jahre hinter sich, sodass die technischen Mittel natürlich ganz andere waren als heute. Dafür klingen die Dialoge recht klar und auch die Musik, die recht sparsam eingesetzt ist, ist gut abgemischt. Die akustische Gestaltung wird vorrangig durch einige Geräusche bestimmt, die sinnvoll in die Handlung eingebaut sind, aber nicht immer ihren Zweck erfüllen.

Die Gestaltung des für das Label typische Digipack ist sehr ansehnlich gelungen. Vir himmelblauem Hintergrund reckt sich ein stilisierter, schwarzer Baum als zentrales Motiv in die Höhe, dessen Blätter rote Herzen sind. Die Lachkatze grinst darauf sitzend Alice an, die in klassischem Zeichenstil von hinten mit verschränkten Armen zu sehen ist. Im ebenfalls blau gestalteten Innenleben werden einzelne Motive hiervon wiederholt.

Fazit: Einer der klassischen Kinderbücher schlechthin in einer etwas angestaubt wirkenden, aber durchaus netten Hörspielumsetzung. Nicht alle Figuren können hier ihren typischen Charme entfalten, dennoch wird die Welt sehr vielfältig und phantasievoll beschrieben. Der Geist der Vorlage wird auf jeden Fall eingeatmtet.

VÖ: 22.April 2016
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-6861


Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika



Erster Eindruck: Abenteuerliches Afrika

In einer stürmischen Gewitternacht bemerken die Geschwister Joscha und Marie einen dunklen Schatten vor ihrem Fenster, der sich bei näherem Hinsehen als der Rüssel des Elefanten Abuu herausstellt. Dieser ist aus dem Zoo ausgebrochen und will nun nach Afrika um seine Verwandten zu besuchen. Die beiden beschließen, Abuu zu helfen und ihn dorthin zu begleiten. Vorher hinterlassen sie aber natürlich ihren Eltern einen Zettel mit einem Hinweis...

Der WDR ist gerade bei der Produktion von Kinderhörspielen seit einigen Jahren sehr aktiv, auch das Buch mit dem etwas sperrigen, aber niedlichen Titel „ Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika“ von Oliver Scherz wurde von dem Radiosender vertont, eine Kaufversion ist nun bei Silberfisch erschienen. Beschrieben wird dabei die abenteuerliche Reise von Joscha und Marie gemeinsam mit ihrem neuen Freund Abuu, die sie durch ganz unterschiedliche Landschaften führt und mit verschiedenen Tieren in Berührung kommen – und nicht alle davon sind ihnen freundlich gesonnen. Da gibt es Kämpfe zu bestreiten, Prüfungen zu bestehen, das Gegenüber von der eigenen Persönlichkeit zu überzeugen. Und auch die Gegenden reichen von verschneiten Bergen über reißende Flüsse bis hin zu sengenden Wüsten, der Verlauf ist so sehr kurzweilig und abwechslungsreich gelungen. Doch die große Stärke der Geschichte sind die liebenswerten Charaktere und die niedlichen Details, die sich Schwerz erdacht hat: Die wird ein Globus als einzige Orientierungshilfe genommen, Abuu als Schlitten benutzt, aber eben auch eine Menge gelernt. Die vielen eingebauten Lebensweisheiten ergänzen die Geschichte sehr stimmig, zudem lernen die Kinder nebenbei etwas über Flora und Fauna. Sehr phantasievoll und charmant, ein sehr hörenswertes Kinderhörspiel!

Jaro Kaulmann und Lia Danisch machen ihre Sache als Joscha und Marie richtig gut, sie sind mit viel Energie mit dabei und haben hörbar Spaß an der Geschichte, sodass die eine oder andere etwas hölzerne Stelle nicht so sehr ins Gewicht fällt. Alexander Hauff ist als Abuu zu hören, mit viel Charme und einer ausdrucksstarken Sprechweise bringt er die Handlung sehr gut zur Geltung. Erzählerin ist Ulrike Bliefert, die mit einer sanften und einfühlsamen Stimme spricht, in den dramatischeren Szenen aber auch mal etwas lauter werden kann. Weitere Sprecher sind Eva Mannschott, Ursula Wüsthof und Thomas Balou Martin.

Die akustische Umsetzung ist dem WDR sehr gut gelungen, jede Szene ist sehr stimmig umgesetzt worden. Schon das Intro mit der Gewitternacht wirkt düster und ein bisschen bedrohlich, später wird sehr auf die jeweilige Landschaft und die vorkommenden Tiere mit passenden Geräuschen reagiert. Das ist vielfältig und lässt alles sehr lebendig wirken.

Wie üblich wurde das Buchcover auch hier verwendet, allerdings in einer leicht abgewandelten Version. Als Hintergrund wurde nämlich statt dem blassen gelb ein lindgrün gewählt, die Zeichnung von Abuu mit den beiden Kindern – beide noch im Schlafanzug – ist kindgerecht und niedlich. Die restliche Gestaltung ist recht unauffällig und enthält eine knappe Biographie des Autors.

Fazit: Eine phantasievolle Reise durch Europa und Afrika, wobei viele interessante Begegnungen mit Tieren eingebaut sind. Dabei wird es spannend und gefährlich, aber auch werden wichtige Werte vermittelt. Ein liebevolles und unterhaltsames Hörspiel, bei dem sicherlich auch einige Erwachsene gern zuhören werden.

VÖ: 1.Juli 2016
Label: Silberfisch
Bestellnummer: 978-3-86742-308-3


Jane Eyre



Erster Eindruck: Gefühlsbetonter Klassiker

Das Waisenkind Jane Eyre wächst nach dem Tod ihrer Eltern bei Verwandten auf, die jedoch nicht sehr liebevoll mit dem Kind umgehen. Doch ihre Situation verbessert sich auch nicht, als sie in das Waisenhaus Lowood gegeben wird, denn auch hier wird den Kindern keine Wertschätzung entgegengebracht. Doch mit ihrem starken Willen und ihrer Freundin Helen meistert Jane bald ihr Leben und wird sogar Lehrerin in Lowood...

Während aktuelle Romane meist als Hörbücher umgesetzt werden, gibt es für klassische Romane auch häufig Hörspielbearbeitungen. Der Hörverlag hat nun mit „Jane Eyre“ eine Produktion des des SR in Zusammenarbeit mit weiteren Radiostationen als CD-Version veröffentlicht, der auf dem gefühlsbetonten Roman von Charlotte Bronte basiert. Die Handlung begleitet die titelgebende Hauptfigur über weite Teile ihres Lebens, von der Kindheit und Jugend bis hin zur Erwachsenen Frau. Sie ist sehr mutig und stemmt sich gegen das Frauenbild der damaligen Zeit, ist wissensdurstig, liebevoll und freiheitsliebend – eine Kombination, die ihr immer wieder Schwierigkeiten bereitet und vor neue Probleme stellt. Ruhe stellt sich nur selten für Jane ein, aus scheinbar harmonischen Verhältnissen wird sie immer wieder durch äußere Umstände oder die eigene innere Zerrissenheit herausgetrieben. Dabei wächst sie einem schnell ans Herz, man fiebert mit ihr und wünscht ihr, endlich ihr Glück zu finden und halten zu können. Schnell habe ich mich in die Handlung hereingefunden und konnte mich völlig in hineinfallen lassen, habe mitgelitten und mich mitgefreut, habe Jane immer besser kennengelernt, sodass ich die fast vierstündige Produktion sehr kurzweilig empfunden habe.

Sascha Icks ist in der Hauptrolle der erwachsenen Jane Eyre zu hören, die sie mit viel Gefühl umgesetzt hat. Sie beherrscht laute Gefühlsausbrüche ebenso sehr wie leise Zwischentöne, versetzt sich völlig in den Charakter hinein und wächst dem Hörer so schnell ans Herz. Christian Redl hat mir ebenfalls sehr gefallen, trotz seiner manchmal etwas mürrischen Art schafft er einen sympathischen Ausdruck, der bestens in das Ambiente der Geschichte passt. Sylvesther Groth mit seiner tiefen und sonoren Stimme sorgt für viel Ausdruck und eine kraftvolle Art, was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat. Weitere Sprecher sind Angelika Thomas, Dietrich Mattausch und Witta Pohl.

Musikalisch wird das Hörspiel durch sehr prägnante Musik begleitet, wobei besonders eine tragische Blechbläsermelodie heraussticht. Für sich gesehen eine sehr eindringliche Untermalung, diese wird aber leider auch in unpassenden, eher fröhlichen Situationen eingesetzt. Zudem ist die Musik manchmal deutlich zu laut gestellt, sodass die Dialoge in den Hintergrund gedrängt werden und so eine gewisse Disharmonie entsteht.

Das Cover kehrt sich völlig von den Buchausgaben ab und wirkt sehr modern, sehr Titel ist in recht verschnörkelter Schrift in den Mittelpunkt gerückt, umgeben von ornamentartig angeordneten Blättern, die sich kreisförmig darumlegen. Die lindgrünen Töne des Cover erzeugen einen romantischen Ausdruck, der sehr gut zur Atmosphäre des Hörspiels passt. Im Inneren sind die wichtigsten Produktionsinformationen zusammengefasst.

Fazit: Die Geschichte ist wunderschön und lebendig, die Charaktere wachsen einem schnell ans Herz und man fiebert mit ihnen mit. So wird jeder Abschnitt aus Janes Leben mit vielen Emotionen umgesetzt, der kurzweilige Verlauf wird durch die ausdrucksstarken Sprecher noch unterstrichen, nur die Musik wirkt nicht immer passend.

VÖ: 25.Januar 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2067-5


The Cruise – Staffel 2



Erster Eindruck: Das Spiel geht weiter...

Das tödliche Spiel auf der Princess of Wales läuft, und obwohl der Initiator des Ganzen enttarnt wurden, hat dieser nichts von seiner Gefährlichkeit verloren. Denn das Spiel läuft gnadenlos weiter. und während das Kreuzfahrtschiff auf einige riesige Katastrophe zusteuert, müssen sich die Protagonisten mit ihrer mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen...

Mit der ersten Staffel von „The Cruise“ hat der WDR in Schwarze getroffen und eine der spannendsten Produktionen des Jahres vorgelegt. Die CD-Veröffentlichung der zweiten Staffel ist dabei glücklicherweise gleichzeitig mit der ersten erschienen – was wegen des heftigen Cliffhangers sehr zu begrüßen ist. Natürlich werden die bisherigen Ereignisse fortgeführt, wobei die unheimlichen Vorgänge auf dem Kreuzfahrtschiff eher in den Hintergrund rücken. Dafür werden die Charaktere noch schärfer gezeichnet, bekommen noch deutlichere Konturen – mal durch die Extremsituationen in die sie geraten, mal durch Rückblicke in ihre Vergangenheit, mit der sie konfrontiert werden. Doch auch andere Handlungselemente spielen herein, die die Hintergründe aufklären und dynamische Wechsel erzeugen. Und wieder wird äußerst kreativ mit der Grundsituation umgegangen, denn die Handlung führt in eine ganz andere Richtung als anfangs vermutet. Die Protagonisten kommen dabei in einer sehr ungewöhnlichen Umgebung an, die ebenfalls einige Geheimnisse birgt. Das Finale ist – fast schon erwartungsgemäß – sehr explosiv und eindrucksvoll gelungen, doch auch danach lässt die Spannungskurve nicht nach, sondern legt noch eine ordentliche Schippe nach. Wieder ist mir ab und an der Atmen gestockt, wieder ist die Handlung wendungsreich und unerwartet, wieder sind die Charaktere äußerst facettenreich gestaltet, wieder ist die Umsetzung des Drehbuches auf allen Ebenen bestens gelungen.

Tobias Meister ist als Thomas Jefferson Cleary zu hören und setzt dabei den positiven Eindruck der ersten Staffel nahtlos fort, seine Stimme wirkt sehr präsent und hart, sodass ein sehr gelungener Charakter entstanden ist. Lutz Mackensy hat als Dr. Montgomery eine Schlüsselrolle und wirkt sehr undurchsichtig, lässt seine Stimme auf dem sehr schmalen Grad zwischen Freundlichkeit und einem bedrohlichen Unterton wandern – hervorragend! Auch Barbara Auer hat mir als June sehr gut gefallen, sie spricht sehr dynamisch und kann in den unterschiedlichen Situationen immer sehr glaubhaft wirken. Weitere Sprecher sind Christoph Maria Herbst, Marie Bierstedt und Jens Riewa.

Auch akustisch bin ich wieder begeitert, hier passt alles sehr stimmig zusammen, sodass die Handlung optimal ausgeleuchtet wird. Dafür sorgen zahlreiche opulente Musikstücke, die die jeweilige Stimmung unterstützen, sich aber nie zu sehr in den Vordergrund drängen. Auch die Geräuschkulisse hat mir sehr zugesagt, diese ist lebendig geraten und wird mit viel Energie eingebaut. Wieder gibt es auch kleine Einschübe, die nichts mit der Handlung direkt zu tun haben, aber die Stimmung gekonnt vorantreiben.

Das Cover ist mit dem zur ersten Staffel fast identisch, nur die Einfärbung wurde geringfügig geändert. Dabei hätte es hier genügend andere Themen gegeben, die hätten abgebildet werden können, da die Handlung sich thematisch von der Kreuzfahrt entfernt. Im Inneren sind wieder die wichtigsten Produktionsinformationen, insbesondere die lange Sprecherliste zu finden.

Fazit: Die sehr frisch und unverbraucht wirkende Serie setzt in ihrer zweiten Staffel wieder ganz neue Akzente, wendet sich von der reinen Kreuzfahrt ab und präsentiert neben der fortlaufenden Handlung auch Rückblicke und ergänzende Nebenarme, was wieder sehr spannend und dramatisch umgesetzt wurde. Sehr zu empfehlen!

VÖ: 17.Juni 2016
Label: Folgenreich
Bestellnummer: 0602547790729


Das kleine Gespenst – Tohuwabohu auf Burg Eulenstein



Erster Eindruck: Neues Abenteuer mit putzigen Details

Wie jede Nacht erwacht das kleine Gespenst von Burg Eulenstein um Punkt Mitternacht und trifft sich mit seinem Freund, dem Uhu Schuhu. Dieser berichtet ihm, dass das Burgmuseum umgestaltet wurde – und das muss sich das kleine Gespenst natürlich anschauen. Dabei gerät es so in Aufruhr, dass es ein ziemliches Chaos anrichtet – was den Burgverwalter Finsterwalder nicht gerade erfreut...

50 Jahre, nachdem erstmals das wundervolle Kinderbuch „Das kleine Gespenst“ aus der Feder von Otfried Preußler erschienen ist, gibt es eine neue Geschichte von Burg Eulenstein, die Preußlers Tochter ursprünglich als Bilderbuch konzipiert hat. Ähnlich wie beim „kleinen Wassermann“ wurde diese Geschichte auch vom Audio Verlag als Hörspiel umgesetzt, welches mit seiner Laufzeit von etwa 45 Minuten auch für die ganz kleinen Hörer gedacht ist. So gibt es anfangs eine Einführung in die Thematik, die sehr an der ursprünglichen Formulierung von Preußler angelehnt ist und gleich eine liebevolle Aura erschafft. Die staubige Dachkammer der Burg, der nächtliche Weg zu Uhu Schuhu, als neues Element einige aufgeweckte Fledermäuse, die eine humorvolle Komponente einbringen – der Einstieg gelingt kindgerecht und locker. Die eigentliche Handlung beginnt dann mit dem Besuch im neu gestalteten Burgmuseum, dies ist sehr atmosphärisch gelungen und enthält einige sehr putzig erdachte Details, die Kinder jedoch nicht überfordern. Besonders gut gefällt mir, dass es wieder einen Bezug zu Thorsten Thorstenson gibt und die Vergangenheit der Burg auflebt. Auch der spätere Versuch des Burgverwalters, das kleine Gespenst zu vertreiben, ist spannend und liebevoll erzählt, was nicht nur an dem kleinen Sprachfehler des Mannes liegt. Eine kindgerecht erzählte und sehr unterhaltsame Geschichte aus der Welt von Preußler, die mir sehr gut gefallen hat.

Anna Thalbach, die dem kleinen Gespenst bereits vor einigen Jahren in einer Neuvertonung die Stimme geliehen hat, ist auch hier in der Titelrolle zu hören. Sie hat hörbaren Spaß daran, mit ihrer kratzigen Stimme das freche Gespenst zum Leben zu erwecken und sich durch die Handlung zu spuken. Auch Santiago Ziesmer macht mit seinem speziellen Klang einen sehr guten Eindruck als gutmütiger Uhu Schuhu, der die Geschichte auch erzählt. Auch Hans-Jürgen Schatz und Erich Räuker sind in weiteren Rollen zu hören.

Die Umsetzung als Hörspiel ist dem Audio Verlag äußerst gut gelungen, da eine lebendige Atmosphäre geschaffen wurde, die die zuhörenden Kinder jedoch nicht überfordert. Besonders die eingebauten Lieder sind dabei sehr liebevoll eingespielt worden, sie sind richtige Ohrwürmer und können mit den witzigen Texten für zusätzliche Lacher sorgern.

Das Cover ist der Buchvorlage entnommen und zeigt das kleine Gespenst in einer etwas modernen Version. Weiß leuchtend und mit seinem Schlüsselbund in der Hand schwebt es am nächtlichen Himmel über Burg Eulenstein. Das ist wirklich sehr niedlich gelungen und vermittelt zudem eine schaurige Atmosphäre. Auch bei der restlichen Gestaltung sind immer wieder Zeichnungen aus dem Bilderbuch eingebaut.

Fazit: Schön, wie die bekannte Geschichte etwas reduziert wurde und so auch kleinere Kinder den Abenteuern des kleinen Gespentes lauschen können. Die vielen liebevollen Details, der kurzweilige Verlauf und die toll gesprochenen Charaktere lassen eine gelungene Fortsetzung entstehen, die Otfried Preußlers Werk gerecht wird.

VÖ: 19.Februar 2016
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-689-2


Igraine Ohnefurcht - Das Hörspiel



Erster Eindruck: Abenteuerliche Reise im Mittelalter

Igraine wächst auf Burg Bibernell auf, doch ihre Eltern und ihr Bruder beschäftigen sich lieber mit der Zauberei als mit Rittern und Abenteuern. Doch versehentlich verzaubern sich ihre Eltern in Schweine, sodass die alte Burg nicht vor Feinden geschützt werden kann. Endlich bietet sich für Igraine Ohnefurcht die Möglichkeit, ein Abenteuer zu bestehen, denn für den Gegenzauber benötigen die Eltern eine ganz besondere Zutat...

Nach der Buchvorlage und der Hörbuchversion ist von „Igraine Ohnefurcht“, dem neuen Kinderbuch von Cornelia Funke, nun mit dem zugehörigen Hörspiel die dritte Version erschienen – fast wie selbstverständlich bei der erfolgreichen Autorin bei Oetinger Audio. Die Ritterzeit, die von so vielen Kindern als abenteuerlich und faszinierend empfunden wird, wird durch einige sehr gelungene Elemente angereichert. Besonders die Zauberei übt großen Einfluss auf die Handlung aus, niedliche sprechende Zauberbücher und diverse magische Wesen sorgen immer wieder für lustige oder spannende Momente. Viel wesentlicher für die Stimmung ist aber das große Abenteuer, das Igraine bestehen muss. Durch ihre wilde und mutige Art wächst sie dem Hörer schnell ans Herz, unerschrocken stellt sie sich so einigen Gefahren entgegen – und besteht diese manchmal nur knapp. Das bringt viel Dynamik mit sich, zumal die Idee einer weiblichen, jungen Heldin in der Ritterzeit nicht allzu selbstverständlich ist. Ich mag die vielen witzigen Momente und das spannende Finale besonders, aber die gesamte Geschichte zeugt wieder von Funkes großem Einfallsreichtum und ihrem Hang zu klaren, gradlinigen Kindergeschichten.

Die Sprecherauswahl ist sehr gut gelungen, jede Figur bekommt eine ausdrucksstarke und passende Stimme verliehen. Den Großteil übernimmt Laura Maire als Igraine Ohnefurcht, sie legt viel Leidenschaft in ihren Klang und bringt die Hauptfigur sehr lebendig herüber. Rainer Strecker ist als trauriger Ritter zu hören, er klingt wie sein Name schon vermuten lässt eher niedergeschlagen und ängstlich, kann aber auch andere Seiten von sich zeigen. Die wunderare Cathlen Gawlich ist als Melisande zu hören, ihre prägnante Stimme kommt auch hier wieder sehr gut zur Geltung. Weitere Sprecher sind Felix von Mannteuffel, Peter Kirchberger und Monty Arnold.

Die akustische Umsetzung ist vielfältig und sehr passend gelungen, der abenteuerliche Charakter wird dabei unterstrichen. Dafür sorgen einige eindrucksvolle Melodien, die an das Mittelalter erinnern und doch recht zeitgemäß wirken. Die Geräusche sind zahlreich und treffend eingefügt, und auch einige Stimmverzerreffekte sorgen für gelungene Momente – insbesondere bei den witzigen sprechenden Büchern.

Natürlich wurde hier das Buchcover auch für die Hörspielversion genutzt, wobei zur besseren Unterscheidung zum Hörbuch ein entsprechender Aufdruck vorhanden ist. Die schlichte Zeichnung zeigt Igraine in voller Rüstung nebst einigen weiteren Motiven aus dem Hörspiel. Die übrige Gestaltung ist wie immer bei diesem Verlag übersichtlich geraten, wobei im Inneren eine kurze Biographie über die Autorin zu lesen ist.

Fazit: Eine weibliche Heldin in der Ritterzeit, unerschrocken und unangepasst – eine wunderbare Vorstellung, die Cornelia Funke in eine sehr lebendige und aufregende Geschichte gefasst hat. Die liebevolle und vielseitige Umsetzung als Hörspiel ist ebenso gelungen, sodass alles wie aus einem Guss und sehr eingängig wirkt.

VÖ: 21.März 2016
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0588-3


Pippi Langstrumpf – Die große Hörspielbox



Erster Eindruck: Liebevolle Umsetzungen des Klassikers

Für Annika und ihren Bruder Tommy ist es ziemlich langweilig in der schwedischen Kleinstadt, jedenfalls bis ins Nachbarhaus Pippi Langstumpf einzieht, ein ziemlich freches und unkonventionelles Mädchen, das allerlei Flausen im Kopf hat. Und so schüttelt nicht nur bald die Nachbarschaft den Kopf über die Bewohnerin der Villa Kunterbunt, sondern auch die Lehrerin, der Besitzer eines Ladens und die Verwandschaft von Annika und Tommy...

Pippi Langstrumpf übt auch heute noch eine große Faszination aus, nicht nur Kinder schätzen die lustigen Abenteuer des rothaarigen Mädchens, sie ist mittlerweile fast zu einer Ikone geworden, die sich über gesellschaftliche Konventionen hinwegsetzt . Oetinger Audio hat in den letzten Jahren die Geschichten aus der Feder von Astrid Lindgren neu vertont und nun auch zusammen in einer dicken Hörspielbox veröffentlicht, die alle drei Bände der schwedischen Autorin enthält. Dabei sind die Geschichten episodenhaft erzählt, was sehr abwechslungsreich daher kommt und sich auch zum „Zwischendurch-Hören“ eignet. Dabei wird der große Humor aus der wunderbaren Figur der Pippi Langstrumpf gezogen, die immer wieder sehr schräge Einfälle hat, sich auch von Erwachsenen nichts sagen lässt und für alles ihren ganz eigenen Weg findet. Die Umsetzung als Hörspiel ist Oetinger Audio dabei eher sanft gelungen, die Geschichten bekommen eine zauberhafte, sehr leichte Ausstrahlung und entfalten so einen ganz eigenen Reiz als beispielsweise die eher rauen Verfilmungen. Ein interessanter Ansatz, der gelungen und mit viel Liebe fortgeführt wurde.

Laura Maire ist als Pippi Langstrumpf zu hören, die ihren sanften Grundton gekonnt variiert und das unkonventionelle Mädchen immer wieder anders, neu und aufregend umsetzen kann. Lea Sprick macht ihre Sache als Annika ebenfalls sehr gekonnt, die Zurückhaltung und die Ängstlichkeit der Figur kommen dabei gut zur Geltung. Flemming Stein ist als Tommy eine ebenso gute Wahl, er spricht seine Rolle souverän und ohne den Fokus von der Hauptfigur zu nehmen. Weitere Sprecher sind Peter Fricke, Marion Elskis und Pia Werfel.

Die Musik stammt von Dieter Faber und Frank Oberpichler, die hübsch melodiöse Stücke verwendet haben, sodass eine sehr angenehme Grundstimmung entsteht. Geräusche wurden recht wenige eingefügt, diese sind aber treffsicher und verleihen den Geschichten zusätzliche Stimmung. Der Fokus liegt aber während der gesamten Produktion aus den Dialogen und den wunderbaren Sprechern.

Die sechs CD befinden sich in einer dicken, mehrfach aufklappbaren Plastikhülle, die recht schlicht gestaltet ist. Das beiliegende Booklet enthält alle notwendigen Informationen und einen kurzen Text über Astrid Lindgren. Umgeben ist das Ganze von einem Pappschuber, der einige Zeichnungen der Einzel-CDs enhält und mit der knallorangen Farbgebung sofort ins Auge sticht.

Fazit: Pippis Geschichten machen einfach nur Spaß, immer wieder lässt es sich über ihre kreativen Einfälle und die witzigen Szenen herzlich lachen. Die Umsetzung ist sehr liebevoll gelungen und zeigt die drei Bücher von Lindgren in einem recht sanften Kontext, wobei die Charaktere sehr gut zur Geltung kommen. Sehr hörenswert!

VÖ: 25.Januar 2016
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0933-1


Robinson Crusoe



Erster Eindruck: Klassiker in kindgerechter Umsetzung

Schon als Kind hat Robinson Crusoe von der Seefahrt geträumt. Doch bei seinem ersten Trip auf einem Segelboot tobt ein fürchterliches Unwetter, dasss das Schiff kentern lässt. Gemeinsam mit dem Schiffshund und einer Katze wird Crusoe als einziger Überlebender an den Strand einer einsamen Insel gespült – und muss sich fortan in der Wildnis behaupten...

Von Daniel Defoes Roman über den gestrandeten Robinson Crusoe hat wohl schon jeder etwas gehört, er ist zu einem echten Klassiker geworden. Deutschlandradio Kultur hat hierzu ein Hörspiel produziert, das sich vorrangig an Kinder richtet – und damit bestens in die Reihe mit dem weißen Rücken des Audio Verlages passt. Der Start ist dabei im Schnelldurchlauf erzählt, sodass man schon recht bald nach dem Start gemeinsam mit Robinson auf der Insel strandet. Sehr gut gelungen ist dabei, wie es geschafft wurde, die Geschichte nicht als Monolog zu erzählen: Robinson hat mit Hund, Katze und Papagei gleich drei Tiere an seiner Seite, die sprechen können und sich mit dem Gestrandeten unterhalten, die kleinen und großen Probleme thematisieren, ihm die Zeit vertreiben. Später kommt natürlich noch Freitag hinzu, der nicht nur ein Gefährte ist, sondern auch ganz andere Sichtweisen erlaubt – beispielsweise in einem sehr gelungenen Gespräch über Religion. Das Ende ist versöhnlich, was bei einem Kinderhörspiel natürlich besonders wichtig ist. Die Produzenten haben es geschafft, die dem Roman Schärfe zu nehmen, die Handlung zu straffen und dennoch die wesentlichen Elemente zu behalten, sodass mit diesem gelungenen Hörspiel auch schon Kinder in die Welt auf der einsamen Insel eintauchen können.

Tonio Arango ist in der Hauptrolle als Robinson zu hören, wobei er nicht nur Dialoge, sondern auch Erzähltexte übernimmt. Er spricht mit einer überzeugenden Selbstverständlichkeit, mit einem positiven Gemüt und mit einer kraftvollen Stimme, sodass seine Rolle wirklich gut zur Geltung kommt. Roman Knizka ist als Freitag zu hören, mit treffendem, nie überzogen wirkendem Akzent und ausdrucksvollem Klang ist er nicht nur bloßer Sidekick, sondern ein interessanter und ernstzunehmender Gegenpart. Katrin Wehlisch hat mit als Katze Moll ebenfalls gut gefallen, sie spielt sehr abwechslungsreich und bringt viel Leben in die Handlung. Die übrigen Rollen übernehmen Axel Wandtke, Nico Holonics, Hans Teuscher und Michael Hanemann.

Akustisch wurde eine sehr stimmige Atmosphäre erzeugt, die die unterschiedlichen Szenen sehr stimmig umsetzt. Zu Anfang wird mit passender Musik ein wenig Seefahrerattitüde erzeugt, später wird dann eher auf Hintergrundgeräusche gesetzt, die das einsame Dasein auf der Insel mit Leben füllen. Das ist alles sehr stimmig umgesetzt und bringt die Geschichte kindgerecht rüber.

Im witzigen Comicstil ist das Cover gehalten, Robinson sitzt darauf samt Fernrohr auf seiner Insel, die mit viel Vegetation und dem Sandstrand recht idyllisch wirkt. Auch die drei Tiere sind zu sehen, Papagei Poll deutet mit seinem Flügel auf ein in der Ferne segelndes Schiff – das ist ansprechend und passt zudem gut in die hübsche Covergalerie der Reihe.

Fazit: Defoes Roman wurde hier auf das Wesentliche heruntergebrochen ohne seinen Charakter zu verlieren. Kinder werden mit sprechenden Tieren und einer entschärften Handlung bei Laune gehalten, wobei sogar einige philosophische Ansätze sinnvoll eingebunden sind. Das ist unterhaltsam umgesetzt und macht viel Spaß!

VÖ: 22.Januar 2016
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-659-5


Metamorphosen – erzählt nach den Geschichten des Ovid



Erster Eindruck: Ausflug zu den alten Römern

In längst vergangener Zeit hatten die Götter noch starken Einfluss auf das Leben der Menschen, sie gaben ihnen Aufgaben, stellten sich ihnen in den Weg oder zeugen sogar Nachfahren mit ihnen. Und so lernt der eigensinnige König Midas, dass nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen sollten, Theseus erkundet ein undurchdringliches Labyrinth und Perseus sucht nach den mächtigen Gorgonen...

Auch heute noch sind die Menschen von den alten Göttern fasziniert, die Heldensagen der Griechen und Römer finden weiterhin große Verbreitung. Und so hat sich der WDR dem Werk von Ovid angenommen und als Hörspiel umgesetzt, das sich wohl vorrangig an Erwachsene richtet, dem auch Kinder lauschen können. Ovid hat die vielen einzelnen Sagen zu einem gesamten Werk zusammengefasst, sie in Kontext gesetzt. Dies wurde vom Autor Karlheinz Koinegg in fünf Hörspiele unterteilt, die jeweils einen ganz eigenen Ausdruck haben: Während im ersten Teil König Midas vorrangig den Erzählungen des Waldgeiset Silenus lauscht und erst am Ende „seine“ Geschichte erzählt wird, ist die Handlung um Perseus nicht in Episoden, sondern fortlaufend erzählt. Dabei begegnen dem Hörer viele bekannte Gestalten – Dädalus und Ikarus, der Minotaurus, Charon – aber auch einige eher unbekannte Geschichten werden dabei erzählt, sodass eine sehr gelungene Mischung gelungen ist. Das ist mystisch, manchmal spannend, aber immer sehr unterhaltsam gelungen, wobei besonders die Auftritte der Götter selbst bleibenden Eindruck hinterlassen – diese sind eher rar gesät und bekommen dadurch besondere Bedeutung. Und natürlich steckt immer ein wenig Moral in den Geschichten, mal offensichtlich, mal eher im Verborgenen. Unglücklich ist jedoch, dass gerade die erste Geschichte recht blutrünstig ist und Kinder eventuell eher abgeschreckt werden.

Eine Vielzahl unterschiedlicher Sprecher ist hier vertreten, auch der Erzähler wurde für jede der Folgen ausgetauscht. Doch allesamt machen ihre Sache ganz hervorragend und sehr individuell: der lebendig wirkende Torben Kessler, die wundervolle Irm Hermann mit ihrem knarzigen Klang, der vielseitige Stefan Kaminski, Henning Nöhren, der gleichsam die Hauptrolle des Perseus spricht und sehr intensiv klingt. Yvon Jansen hat mich als Minerva sehr beeindruckt, in ihren kurzen Szenen kann sie einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen und setzt mit ihrer Stimme gekonnte Akzente. Ernst-August Schepmann übernimmt die Rolle des Waldgeistes Silenus, den er mit einem sehr warmen und weisen Unterton versieht. Andreas Pietschmann ist als Orpheus zu hören, den er ebenso verträumt wie verzweifelt und kämpferisch klingen lassen kann.

Auch Regisseure und Musiker wurden für jede Folge individuell ausgesucht, sodass keines der Hörspiele genau wie das andere klingt, überall gibt es etwas anderes zu entdecken. Doch überall sind die Geräusche sehr stimmig eingefügt, sie lassen die Szenen lebendig und greifbar erscheinen, betonen eindrucksvoll den Auftritt eines Gottes oder geben sanft eine Wald- und Wiesenstimmung wieder. Auch die Musik folgt keinem einheitlichen Bild, ist man verträumt und mystisch, mal kraftvoll und drängend, aber immer mit klassischen Elementen sehr stimmig eingefügt.

Die immerhin vier CDs befinden sich in einer dicken Plastikhülle, die mit einer antik wirkenden Zeichnung des Minotaurus versehen ist – schwarz und mit gelbem, kreisförmigen Hintergrund. Angedeutet dahinter ist eine Landkarte, die sehr passend dazu wirkt. Zudem liegt ein umfangreiches Booklet bei, das neben Informationen zu den Produktionen und einigen Sprechern auch die Entstehung der Geschichten thematisiert und die römischen Hauptgötter sowie einige andere Sagengestalten erklärt. Schade nur, dass nicht für jede Folge eine eigene CD eingesetzt wurde, so sind einige Geschichten auseinandergerissen worden.

Fazit: Dass die römischen Legenden immer noch spannend sind und erzählenswert sind, beweist diese Sammlung unterschiedlicher Geschichten. Die Idee, überall andere Produzenten einzusetzen, geht auf und sorgt für einen sehr lebendigen Eindruck. Das ist sehr kurzweilig erzählt und transportiert die Geschichten in einen flüssigen Verlauf.

VÖ: 20.Juni 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2139-9


Der Orientzyklus



Erster Eindruck: Gelungene Hörspielfassung des Klassikers

Gemeinsam mit seinem Führer Hadschi Halef Omar bereits der junge Deutsche Kara Ben Nemsi die Wüste Tunesiens, wo sie die Leiche einer wohlhabenden Kaufmannsgattin finden. Sie nehmen die Spur der Mörder auf und begeben sich dabei in ein gefährliches Abenteuer – nicht ihr letztes, denn Kar Ben Nemsi bereits große Teile des Orients und stößt dabei auf immer neue Widrigkeiten...

Karl May hat auch heute, über 100 Jahre nach seinem Tod, noch seine Spuren hinterlassen, immer neue Leser seiner abenteuerlichen Werke erfreuen sich an seinen Erzählungen. Aus diesem Grund hat der WDR im Jahr 2007 seinen berühmten Orientzyklus – das nach den Geschichten um Winnetou und Old Shatterhand wohl wichtigste Werk des Autors – als aufwändiges Hörspiel mit über 140 Sprechern umgesetzt. Eine Kaufversion des mehrstündigen Spektakels ist beim Hörverlag erhältlich. Dabei wurden notwendigerweise die Vorlagen des Autoren gekürzt, was den Geschichten aber viel Dynamik verleiht, die Handlung strafft und langwierige Passagen verkürzt, ohne den Grundgedanken zu verfälschen. Das hat mir sehr gut gefallen und lässt das Werk eine Spur moderner wirken. Die klassische Abenteuergeschichte zeichnet über verschiedene, fast episodenartige Abschnitte die Reise von Kara Ben Nemsi nach, sodass fast jede Folge ihren eigenen Charme, ihre eigene Ausstrahlung hat. Dass die Hauptfigur dabei als strahlender und gerechter Held dasteht, ist wohl dem Genre geschuldet, das zu dieser Zeit noch keine allzu differenzierte Darstellung der Charaktere kannte. Die Geschichten sind spannend erzählt und entführen den Hörer schnell zu exotischen Plätzen, zu starken Charakteren und enthalten viele ausdrucksstarke Szenen. Dabei gibt es auch einige Geschichten, die mich nicht völlig begeistern konnten. Hinzugefügt wurde noch eine kleine Rahmenhandlung, die jeweils als Introszene dient und eine Gerichtsverhandlung mit dem Autor selbst beinhaltet. Dieses ist eine durchaus reizvolle Ergänzung, insgesamt ist eine hörenswerte und kurzweilige Umsetzung der Handlung gelungen.

Unglaubliche sechs Seiten im Booklet werden allein für die Auflistung der Sprecher und ihrer Rollen verwendet, viele namhafte Schauspieler sind hier zu hören, unter anderem Felix von Mannteuffel, Hans Peter Hallwachs und Udo Schenk. In der Hauptrolle des Kara Ben Nemsi ist Sylvester Groth zu hören, der den Reisenden sehr abenteuerlustig und voller Elan spricht. Durch seine sympathische und gradlinige Art wird er zu einem guten Mittelpunkt der Handlung, schnell fiebert man mit ihm mit. Sein treuer Freund Hadschi Halef Omar wird von Matthias Koeberlin gesprochen, dessen markante Stimme und eingängiger Rhythmus sehr gelungen ist. Rufus Beck kann als Sir David Lindsay wieder eine weitere Facette seines Könnens zeigen und bewegt sich auch in diesem Genre sehr sicher und überzeugend.

Die akustische Umsetzung des WDR ist sehr aufwändig, wobei besonders die Geräuschkulisse viel zum Gelingen der Handlung beiträgt. Durch vielfältige Sounds fühlt man sich mitten in die jeweilige Situation versetzt, die so sehr lebendig wirkt. Doch auch Musik kommt immer wieder vor, eingespielt mit klassischen Instrumenten und sehr dynamisch und mitreißend gestaltet bietet sie einen gelungenen Mix aus Nostalgie und deren moderne Interpretation.

Es braucht zwei dicke CD-Hüllen aus Plastik, die sich mehrfach ausklappen lassen, um die 12 CDs zu fassen. Deren Gestaltung ist recht klassisch und mit bekannten Motive der Biuchauflage geschmückt, während der die beiden Hüllen umgebende Pappschuber etwas wackelig wirkt. In Booklet gibt es kleinere Informationstexte zur Entstehung der Produktion.

Fazit: Die behutsame Anpassung des Geschichtenzyklus an das Medium Hörspiel ist gerade wegen der Straffung der Handlung sehr gut gelungen, sodass die Geschichte komprimierter und recht spannend wirkt. Die kurzweilige Interpretation und die vielen engagierten Sprecher machen dieses Hörspiel zu einem echten Leckerbissen, das eine kurzweilige Umsetzung der Geschichten bietet.

VÖ: 5.August 2009
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-445-9


Die vierzig Tage des Musa Dagh



Erster Eindruck: Erinnerung an einen Völkermord

Gabriel Bagradian kehrt zusammen mit seiner Familie in sein Heimatdorf zurück, das am Fuße des Berges Musa Dagh in Armenien liegt. Doch der erste Weltkrieg steht kurz bevor, die Stimmung ist aufgeladen, und plötzlich kann die kleine Familie nicht mehr weiterreisen. Und Gabriels Befürchtungen werden wahr, bald werden die Bewohner des Dorfes eingekesselt und müssen Unterschlupf auf dem nahe gelegenen Berg suchen...

„Die vierzig Tage des Musa Dagh“ von Franz Werfel beschreibt in einer eindringlichen Geschichte den Völkermord an den Armeniern, der sich 2015 zum 100. mal jährt. Aus diesem Grud haben SWR, HR und NDR gemeinsam ein Hörspiel zu der Buchvorlage produziert, das nun auch beim Hörverlag als Kaufversion erhältlich ist. Die sich langsam entwickelnde Geschichte ist anspruchsvoll in Szene gesetzt worden und setzt den Fokus auf den Erzähler, der im Fortlauf der Handlung als roter Faden dient. Dabei hilft es ungemein, wenn man die Buchvorlage bereits kennt, denn die Handlung ist stark auf das Wesentliche verknappt, sodass viele Zusammenhänge im Unklaren bleiben, das Hörspiel bekommt etwas fragmenthaftes. Dennoch kann man auch so folgen, benötigt dann aber viel Aufmerksamkeit und Konzentration. Einfache Kost ist „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ nun wahrlich nicht, aber die sehr intensive Szenerie und die dramatischen Entwicklungen lohnen und machen das Hörspiel sehr hörenswert. Die schrecklichen Folgen des Krieges, die Unterdrückung eines Ganzen Volkes, grausame Morde – im Gegensatz dazu auch Zusammenhalt, tiefgehende Liebe und Aufopferung sind hier Themen und Leitmotive, die die historischen Entwicklungen begleiten und am sehr eindringlichen Beispiel des Gabriel Bagradian festmachen, aber auch andere Figuren sehr gelungen ausleuchten und facettenreich darstellen. Die bildhafte Sprache weiß dabei zu gefallen und setzt die Geschichte noch prägnanter in Szene.

Sebastian Blomberg ist als Erzähler eingesetzt und übernimmt dabei weite Teile des Hörspiels. Seine sehr markante, aber auch einfühlsame Stimme kann die Handlung in ganz verschiedenen Farben leuchten damit sehr gut wirken lassen. Alexander Fehling spricht Gabriel Bagradian mit einer sehr präzisen Sprechweise und einem Gespür für das richtige Timing, sodass seine Figur nicht nur glaubhaft, sondern auch sehr treffend und tiefgreifend umgesetzt wurde. Auch Vincent Leittersdorf kann als Ter Haigasun vollkommen überzeugen, mit einer gelungenen Betonung und viel Ausdruck in seiner Stimme passt er sehr gut in die Atmosphäre des Hörspiels. Weitere Sprecher sind Stefan Viering, Valery Tscheplanowa und Christian Grashof.

Die Übertragung des Buches in das Medium Hörspiel ist dezent und unaufdringlich, kann aber mit zahlreichen sehr stimmigen Melodien die Atmosphäre unterstützen. Auch die Geräusche sind sehr gelungen eingefügt und unterstreichen einige Szenen, wobei die Sprecher und ihre Dialoge niemals überdeckt werden und so unangefochten im Mittelpunkt stehen.

Der Hörverlag hat sich hier für ein sehr schlichtes Cover entschieden, der schwarze Hintergrund wird mit großen weißen Lettern und einigen roten Absetzungen in Szene gesetzt, was zusammen stimmig wirkt. Neben einigen Fotos von Sprechern auf der Rückseite liegt dem stabilen Digipack noch ein Booklet bei, das weitere Hintergrundinformationen zu dem fast dreistündigen Hörspiel enthält.

Fazit: Ein sehr eindringliches Hörspiel über ein schreckliches Verbrechen an einem ganzen Volk, über Krieg und Angst, aber auch über Zusammenhalt und Aufopferung. Das ist mit sehr ausdrucksstarken Sprechern und einer gelungenen Untermalung umgesetzt, wirkt aber wegen der starken Kürzung etwas mosaikstückhaft.

VÖ: 14.April 2015
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1829-0

 

 

Die grosse Abenteuer-Hörspiel-Kiste



Erster Eindruck: Fünf Literaturklassiker in stimmigen Umsetzungen

Oliver Twist wächst in einem Waisenhaus auf, ist dort aber alles andere als glücklich. Er beschließt, nach London zu gehen und gerät dort an den zwielichtigen Fagin... (Oliver Twist)
Das Schiff, auf dem auch Robinson Crusoe reist, erleidet Schiffbruch. Der Engländer strandet allein auf einer verlassenen Insel und beginnt, sich dort ein Leben aufzubauen... (Robinson Crusoe)
D'Artagnan ist ein ziemlicher Hitzkopf und legt sich an einem Tag gleich mit mehreren Männern an, die ihn zu einem Duell herausfordern. Doch sein Mut überrascht, sodass er bald bei den Musketieren aufgenommen wird (Die drei Musketiere)
Jim Hawkins findet eine geheimnisvolle Schatzkarte und wittert ein besseres Leben für den Gasthof seiner Mutter. Doch dort tummeln sich allerlei merkwürdige Gestalten, und bald geht Jim selbst an Deck eines Schiffes... (Die Schatzinsel)
Huckleberry Finn und sein Freund, der entflohene Sklave Jim, wollen eigentlich nur das süße Leben genießen, doch allerlei Querelen machen ihnen immer wieder einen Strich durch die Rechnung... (Huckleberry Finn)

In den Jahren 2002 bis 2005 hat der Hörverlag einige Klassiker der Literatur neu vertont, fünf von Ihnen sind zusammen auch in der „grossen Abenteuer-Hörspiel-Kiste“ erschienen. Die Auswahl ist sehr gut gelungen und richtet sich mit seinen Geschichten an ältere Schulkinder und Erwachsene, die in gelungenen Umsetzungen präsentiert werden.
„Oliver Twist“ überzeugt dabei mit seiner anrührenden Geschichte und den schrecklichen Umständen von Waisenkindern im 19. Jahrhundert, die fast überall schlecht behandelt und sogar zum Diebstahl gezwungen wurden. Mit seiner aufrichtigen und gutgläubigen Art findet Oliver Twist über mehrere Umwege jedoch doch noch Erwachsene, die es gut mit ihm meinen. Die Handlung ist hier flüssig und ohne Längen erzählt, die Wendungen sind gut betont und der Ausdruck dank des Happy Ends sehr warmherzig.
„Robinson Crusoe“ ist wohl den meisten ein Begriff, doch wie seine gesamte Geschichte abseits des Gestrandetseins verläuft sind unbedingt bekannt. Genau darauf wirft diese Umsetzung ihr Hauptaugenmerk, aber auch sein Leben auf der Insel wird lebendig und eingängig beschrieben. Nur ab und an schleichen sich kleinere Längen in die Handlung ein, in denen sich die Geschichte zu wenig voranbewegt.
Auch die erlebnisreiche Geschichte der „drei Musketiere“ und ihrem neuen Kameraden D'Artagnan ist sehr stimmig umgesetzt worden, der abenteuerliche Charakter der Handlung wird dabei gut herausgearbeitet. Kernthemen wie Ehre, Zusammenhalt und Intrigen machen dabei richtig Spaß, auch die Entwicklung der Handlung ist gut vorangetrieben.
„Die Schatzinsel“ wurde schon häufig als Film und Hörspiel umgesetzt, dennoch kann diese Produktion der Handlung einige neue Facetten abgewinnen. Die Charaktere sind sehr prägnant in Szene gesetzt worden, der Schwerpunkt liegt auf der düsteren Stimmung und den Mut von Jim Hawkins, sodass eine gelungene Umsetzung entstanden ist.
„Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ unterscheidet sich in seiner Wirkung am deutlichsten von den anderen Geschichten dieser Box und ist deutlich gesellschaftskritischer, der Hintergrund ernster. Dennoch kann die Geschichte mit ihrer kurzweiligen Ausstrahlung sehr überzeugen, auch die Freundschaft von Huckleberry und Jim wird sehr gekonnt dargestellt.

Die fünf unterschiedlichen Produktionen haben natürlich eine Vielzahl an Sprechern zu bieten, aber allesamt sind diese sehr gut ausgewählt und können die jeweilige Zeit zum Leben bringen. Jörg Pleva beeindruckt beispielsweise als Fagin mit schmierischem und bösartigem Unterton, er verlieht der Geschichte um Oliver Twist sehr viel Ausdruck. Konstantin Graudus ist als Robinson Crusoe gesprochen, er liegt viel Ausdruck in seine Stimme und legt dynamische Wechsel in seinen Klang. Als D'Artagnan kann Andreas Fröhlich mit seiner prägnanten Stimme überzeugen, er kann die Wildheit des Charakters sehr gekonnt in Szene setzen. Dietmar Mues sorgt als John Silver in „Die Schatzinsel“ für zahlreiche eindringliche und unheimliche Momente, passt seine Stimme sehr variabel der jeweiligen Situation an. Marc Hosemann bringt die Figur des Huckleberry Finn regelrecht zum Strahlen, legt viel Lebensfreude und glaubhaften Ausdruck in seiner Stimme. Weitere Sprecher sind Anton Sprick, Felix von Manteuffel, Jens Wawrczeck, Christian Stark und Calvin Burke.

Sehr gelungen ist auch die akustische Umsetzung der Hörspiele dieser Box, jeder wurde ein individuelles Kleid geschneidert, das die jeweilige Zeit gekonnt einfängt und dabei die Stimmung der Handlung noch weiter betonen kann. Sei es das England des 19. Jahrhunderts mit seinen beeindruckenden Klängen, das jazzig angehauchte Abenteuer am Mississippi oder die raubeinige und abenteuerliche Atmosphäre der drei Musketiere – alles ist mit stimmiger Musik und zahlreichen, perfekt eingebundenen Geräuschen hochwertig umgesetzt worden.

Die fünf einzelnen Hüllen lagern in einer Pappbox, die wie eine Schatzkiste gestaltet ist und so Assoziationen an Piratenabenteuer weckt. Im Mittelpunkt steht dabei jedoch der auffällige, in gelben Lettern aufgedruckte Schriftzug. Das Innere wirkt da schon deutlich dezenter, wobei die einzelnen Doppel-CDs hübsch gestaltet wurden. In Pastelltönen wird dabei jeweils ein Bild aus dem Hörspiel gezeigt, das aus einer jeweils passenden Filmprodutkion entnommen ist.

Fazit: Eine umfangreiche Box mit etwa 11 Stunden Laufzeit, die die fünf Klassiker sehr stimmig und hörenswert umgesetzt hat. Der abenteuerliche Charakter der Geschichten wird dabei deutlich betont, sodass dynamische und kurzweilige Geschichten zu hören sind, die älteren Kindern und Erwachsenen gleichermaßen Spaß machen.

VÖ: 18.August 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-663-7


Tintentod – Das Hörspiel



Erster Eindruck: Phantasievoller Abschluss der Trilogie

Staubfinger ist tot, und Maggie, Mo und Resa haben sich auf einen verlassenen Hof zurückgezogen. Doch bald wird diese Idylle gestört, denn immer noch bedroht der Natternkopf das ganze Land. Umso mehr, seit Mo ihn hereingelegt und das Buch, das ihm Unsterblichkeit verleihen sollte, ihm unsägliche Qualen bereitet. Und so lässt der Natternkopf die Kinder von Ombra einfangen, im Gegenzug soll ihm der Eichelhäher ausgeliefert werden...

„Tintentod“ ist der Abschluss der wunderbaren Trilogie von Cornelia Funke um Meggie und Mo, und auch dieser dritte Band wurde von Oetinger Audio als aufwändiges Hörspiel vertont. Wie bei den beiden Vorgängern ist die Handlung hier deutlich vereinfacht und gekürzt worden, und immer noch sind satte 155 Minuten Laufzeit entstanden, die es in sich haben. Die Kürzung ist glücklicherweise behutsam geschehen, sodass man der Handlung auch so noch gut folgen kann, auch wenn das Tempo ein sehr hohes ist. Die einzelnen Szenen kommen mit ihren intensiven Stimmungen sehr gut zur Geltung, besonders die wundervollen und sehr stark dargestellten Charaktere können hier überzeugen. Kaum eine Rolle, die nicht im Gedächtnis haften bleibt und eine starke Faszination ausüben kann. Die Handlung ist dann auch für ein Kinderbuch überraschend komplex und erstreckt sich über mehrere Handlungsstränge, die sich zu einem sehr stimmigen und eindrucksvollen Ganzen ergänzen. Viele märchenhafte Elemente reihen sich dabei ein, und auch der Humor kommt nicht zu kurz, wenn dieser auch eher hintergründig ist. Immer weiter kann sich die Geschichte steigern, wobei alles auf den Kampf mit dem Natternkopf hinausläuft. Doch auch die Rückkehr eines alten Bekannten, die Bedrohung durch einen bisher unterschätzten Gegner und einige neue Charaktere sorgen für einen sehr spannenden und wendungsreichen Verlauf. Tintentod lässt einem in dieser Umsetzung den Atem anhalten, ist fantastisch und eindringlich, emotional und spannend, fesselnd und packend und eine herausragende Produktion.

Über 40 Sprecher sind hier zu hören, darunter eine Vielzahl an bedeutenden Charakteren, und jeder einzelne ist mit starken und zu der Rolle passenden Stimmen besetzt worden. Die bezaubernde Cathlen Gawlich ist wieder in der Rolle der Resa zu hören, sie spricht ihre Rolle sanft und gefühlsbetont, kann aber auch viel Kraft und Stärke vermitteln. Rainer Strecker kann als Staubfinger einen sehr eindrucksvollen Eindruck hinterlassen, in jeder Szene wirkt er sehr glaubhaft und passt wunderbar in das märchenhafte Ambiente der Handlung. Besonders beeindruckt hat mich jedoch trotz der relativ kurzen Szenen Mechthild Großmann als Tod, die mit ihrer rauen und ausdrucksstarken Stimme sehr geheimnisvoll und bedrohlich, aber auch weise wirkt und ihre Momente sehr intensiv wirken lässt. Weitere Sprecher sind Ugur Tasbilek, Santiago Ziesmer und Patrick Mölleken.

Cornelia Funke hat ihr Buch in zahlreichen schimmernden Facetten erstrahlen lassen, und das hat der Oetinger Verlag auf auf die atmosphärische Gestaltung des Hörspiel übertragen. Die zahlreichen Melodien wirken zauberhaft und sehr stimmungsvoll, mal verspielt, mal bedrohlich. Und auch die zahlreichen eingebauten Effekte und Geräusche verfehlen ihre Wirkung nicht und sorgen so für ein sehr intensives Hörerlebnis, das das Prädikat „Kino für die Ohren“ wahrlich verdient hat. Besonders die geheimnisvollen weißen Frauen mit ihren flüsternden Stimmen kommen so sehr gut zur Geltung.

Natürlich wurde das Buchcover auch für diese Umsetzung als Titelmotiv ausgewählt und leicht angepasst. Zu sehen sind zahlreiche wunderschön gestaltete Buchstaben zu sehen, wie sie früher oft zum Kapitelbeginn in Büchern abgedruckt wurden, doch auch ein Einhorn, das einem Buch entsteigt sowie kleine Momentaufnahmen aus der Handlung sind zu sehen. Im Inneren gibt es eine ausführliche Kapitelübersicht sowie einige Fotos der Sprecher bei ihren Aufnahmen.

Fazit: „Tintentod“ setzt die Ereignisse aus den vorigen Bänden sehr gelungen um, wobei diese durch die sehr intensive Umsetzung hervorragend zur Geltung kommt. Die wunderbaren Sprecher sowie die eindringliche akustische Gestaltung lassen diese eindringlich wirken und lassen die ganz unterschiedlichen Stimmungen bestens zur Geltung kommen. Eine absolut empfehlenswerte Produktion.

VÖ: 20.August 2015
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0867-9


Königsallee



Erster Eindruck: Thomas Mann und sein ehemaliger Geliebter

Der bekannte Thomas Mann soll im Düsseldorf der Nachkriegszeit eine Lesung halten. Im dem Hotel, in dem er untergebracht wird, herrscht helle Aufregung, denn auch Manns ehemaliger Geliebter Felix Heuser gastiert im gleichen Hotel. Ein Zusammentreffen der beiden soll um jeden Preis verhindert werden, was auch Manns Gattin Katia unterstützt...

Es gibt zahlreiche Romane von Thomas Mann, aber nur wenige über Thomas Mann. Dazu gehört „Königsallee“ aus dem Jahr 2013, das vom WDR auch als Hörspiel umgesetzt wurde. Die Kaufversion ist nun beim Audio Verlag erschienen und enthält die 106-minütige Produktion auf 2 CDs. Die Grundsituation ist interessant dargestellt und kann die lebendige Gefühlswelt einiger Charaktere sehr gelungen darstellen, wobei insbesondere Katia, die Ehefrau von Thomas Mann, mit ihrer resoluten und sehr bestimmenden Art in den Vordergrund tritt. Doch auch in der erheiternden Introszene um die Hotelbediensteten und das gelungene Ende, das einige Wendungen parat hält, sind sehr gelungen dargestellt. Das Zusammentreffen der beiden ehemaligen Geliebten läuft dann wunderbar reibungslos, sodass die vorige Aufregung wunderbar karikiert wird. Und auch ansonsten blitzt immer wieder leiser Humor durch, da sich die Charaktere oft anders verhalten als von ihnen erwartet wird. Wunderbar wird die Stimmung des Düsseldorf der 50er Jahre dargestellt, die Wortwahl sorgt für einen eher lockeren Gesamteindruck, der jedoch alles andere als simpel ist. So erfordert „Königsallee“ schon einiges an Aufmerksamkeit, lehnt sich auch immer wieder an die Werke von Thomas Mann an. Autor Hans Pleschinski hat ein sehr gelungenes Werk erdacht, das hörenswert an das Medium des Hörspiels angepasst wurde.

Wolf-Dietrich Sprenger ist in der anspruchsvollen Rolle des Thomas Mann zu hören, der mit seiner deutlich gealterten und rauen Stimme eine sehr gelungene Darbietung und mit feinsinnigen Facetten eine sehr umfassenden Charakterdarstellung abliefert. Barnaby Metschurat spricht die Rolle des Klaus Heuser, prägnant, ausdrucksstark und mit Sinn für das richtige Timing. Susanne Barth ist als Katia Mann eine ebenso gute Besetzung, ihre Stimme passt sehr gut zu ihrem Charakter. Weitere Sprecher sind Lena Stolze, Matthias Bundschuh und Berndt Hahn.

Der WDR hat einen sehr interessanten Weg gefunden, um das Hörspiel umzusetzen. Einerseits klingt es ein wenig nach einem alten Radiohörspiel, andererseits sorgt die hochwertige Produktion für einen sehr klaren Klang. Stimmungsvolle Musikstücke und zahlreiche treffende Geräusche sorgen für eine dichte Atmosphäre, die die Szenerie gut in ihrer Wirkung unterstützt.

Die beiden CDs sind in einer stabilen Papphülle untergebracht, die sehr hübsch gestaltet ist. Natürlich wurde das Titelbild der Romanvorlage – die Fotografie einer Statue, um das einige Menschen in der Kleidung nach der Mode der 50er Jahre gruppiert sind – auch für die Hörversion übernommen, während sich im Inneren neben den üblichen Produktionsinformationen auch Kurzbiographien zu einigen Mitwirkenden befinden.

Fazit: „Königsallee“ ist ein ebenso anspruchsvolles wie lockeres und humorvolles Werk. Das Auftreten von Thomas Mann ist dabei ebenso gelungen wie die Anlehnung an einige seiner Werke. Die sehr interessante Ausgangssituation und das starke Ende trösten über einige Längen im Mittelteil hin. Der Transport in das Medium Hörspiel ist dem WDR sehr gut gelungen.

VÖ: 1.Juni 2015
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-527-7


Der Hobbit – Das Hörspiel als Vinyl-Edition



Erster Eindruck: Altes Hörspiel in sehr liebevoller Gestaltung

Bilbo Beutlin, ein Hobbit, lebt ein friedliches und ruhiges Leben im Auenland, als eines Tages der Zauberer Gandalf bei ihm auftaucht – gemeinsam mit einer Horde von Zwergen, die sich bei Bilbo einquartieren. Von ihrem Willensdrang angesteckt packt auch ihn die Abenteuerlust, sodass er die Gruppe begleitet. Die Reise geht bis zum Berg Erebor, der dem Drachen Smaug als Versteck für einen unermesslichen Schatz dient...

„Der Hobbit“, das Vorgängerwerk zum legendären „Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien, ist momentan aktueller denn je – der aufwändigen Verfilmung in drei Teilen sei Dank. Aber es gibt auch andere Umsetzungen des Stoffes, die ihre Daseinsberechtigung haben, dazu gehört auch das sehr stimmig inszenierte Hörspiel des WDR, das beim Hörverlag auch als eine sehr ansehnliche Vinyl-Edition erschienen ist. Ursprünglich handelt es sich hierbei um eine Erzählung für Kinder, sodass die Geschichte oft einen heitereren Ausdruck hat als die anderen Abenteuer aus Mittelerde. Ein leiser Humor zieht sich durch die Handlung, besonders der liebevolle Ausdruck von der Hauptfigur Bilbo Beutlin sorgt für viele lockere Momente. Doch vor allem wird eine sehr abenteuerliche Handlung erzählt, in der weite Reisen zu fernen Orten, gefährliche Kämpfe und fantastische Wesen im Mittelpunkt stehen. Dabei verläuft die Handlung sehr flüssig und kurzweilig, was durch die vielen unterschiedlichen Situationen für Bilbo und seine Begleiter gewährleistet wird. Besonders Smaug wird dabei sehr gelungen dargestellt, seine ebenso machtvolle wie eindringliche Art kommt hier sehr gut zur Geltung und sorgt für einige Highlights innerhalb der Geschichte. Dabei wird natürlich auch der Bogen zum Herr der Ringe geschlagen, der Eine Ring kommt hier in den Besitz Bilbos, auch andere Elemente werden hier aufgegriffen. Die sehr spannende Produktion besitzt sehr viel Charme und eine eingängige Ausstrahlung, auch heute noch ist sie sehr hörenswert.

Die Sprecherauswahl ist hervorragend getroffen, wobei einige Sprecher mehrere Rollen sprechen. Diese verleihen den Rollen zwar eine jeweils ganz eigene Ausstrahlung, dem aufmerksamen Hörer fällt dies aber dennoch auf. Martin Benrath ist als Erzähler eingesetzt, seine Passagen sind teilweise recht lang, werden von seiner eindringlichen Stimme aber dynamisch und sehr gekonnt gestaltet. Horst Bollmann spricht Bilbo Beutlin mit viel Freude und Charme in der Stimme, sodass er den Hörer immer wieder mitreißen und tief in die Welt Tolkiens entführen kann. Bernhardt Minetti spricht den Zauberer Gandalf. Seine Stimme klingt sehr hoch, was mir nicht ganz so gut gefallen hat, aber dennoch kann er eine sehr machtvolle Aura um sich herum aufbauen. Gollum ist die wohl prägnanteste Werk des ganzen Werkes, dieser wird von Jürgen von Manger gesprochen, der sehr expressiv und mit viel Leidenschaft spricht. Weitere Sprecher sind Herbert Grünbaum, Heinz Schacht und Wolfgang Spier.

Klassische Geräusche, wie man sie aus den meisten Hörspielen kennt, sind hier nicht zu hören. Dafür wurde mit zahlreichen Orchesterklängen gearbeitet, die hierfür als Ersatz eingebaut wurden und beispielsweise Naturphänomene und Schlachtklänge darstellen. Das wirkt sehr stimmungsvoll und schafft seine ganz eigene Atmosphäre, was durch die vielen Chöre und Lieder noch unterstützt wird. Zusammen wirkt dies eigenwillig, experimentell und sehr gelungen. Der Klang ist zwar etwas dumpf, durch den typischen Vinyl-Klang kommt eine sehr nostalgische Stimmung auf.

Die Vinyl-Edition wirkt sehr hochwertig und edel. Die sieben Schallplatten sind in einer stabilen und wunderschön gestalteten Box untergebracht, die auch im Inneren mit einigen Zeichnungen versehen sind. Auch die Hüllen der einzelnen Scheiben sind liebevoll anzusehen, Karten, Stammbäume und Infos zu zahlreichen Mitwirkenden sind hier zu finden und geben so zahlreiche Zusatzinformationen zu der Produktion.

Fazit: Die liebevolle Umsetzung in dieser Vinyl-Edition passt wunderbar zu dem sehr gelungenen Hörspiel, das die Welt Tolkiens lebendig macht. Die eindringlichen Sprecher und die ungewöhnliche Instrumentalisierung sind experimentierfreudig und sehr gelungen in Szene gesetzt, wobei besonders Smaug und Gollum sehr prägnant zur Geltung kommen.

VÖ: 8.Oktober 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1218-2

 

Die Theogonie des Hesiod



Erster Eindruck: Der Stammbaum der griechischen Götter

Hesiod, ein einfacher Schäfer, trifft auf die Musen, die von der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft wissen. Diese berichten ihm vom Geschlecht der Titanen und der Götter, von der Entstehung der Welt und von den verschiedenen Gestalten, die die Geschicke der Menschheit beeinflussen. Und nun berichtet Hesoid seinerseits von der griechischen Theogonie...

In Zusammenarbeit von SWR2 und NDR ist „Die Theogonie des Hesiod“ als Hörspiel vertont worden, eine der ältesten Ausführungen der griechischen Mythologie, die sehr genau recherchiert und durch weitere Quellen ergänzt wurde. Die Erzählweise ist dabei sehr nüchtern, statt auf eine Handlung wird dabei eher auf Momentaufnahmen und die verwandtschaftlichen Beziehungen gesetzt. So kommt es häufiger vor, dass die Namen der Nachfahren eines bestimmten Gottes aufgezählt werden, die weder näher beschrieben noch irgendwann noch einmal erwähnt werden. Das kommt insgesamt recht trocken herüber und ist nicht immer leicht zugänglich – aber genau das will es wohl auch gar nicht sein. Es richtet sich eher an Hörer, die schon einen Einblick in die griechische Mythologie bekommen haben, denn die Lebendigkeit der Charaktere oder die aufregenden Geschichten werden sehr verknappt dargestellt, deren Zusammenhänge aber durchaus klarer. Durch das sehr langsame Tempo mit den vielen Wiederholungen und Aufzählungen kommen diese gut zur Geltung, und einige Szenen können dann doch eine sehr eindringliche Wirkung entfalten.

Gerade einmal drei Sprecher bestreiten die fast zweistündige Produktion, sie wechseln sich dabei immer wieder ab, wiederholen die Worte des Vorgängers und führen sie weiter, geben teilweise nur einzelne Worte in diese Klangcollage. Auch sprechen die drei sowohl in der neutralen Erzählersicht als auch als einige ausgewählte Götter und verleihen ihren Stimmen dabei immer wieder neue Nuancen. Manfred Zapatka entfaltet dabei eine sehr intensive und undurchdringliche Aura, die den Hörer schnell in ihren Bann ziehen kann. Valery Tscheplanowa lässt ihre Stimme sehr variabel klingen, mal sanft und weich, mal sehr hart und unnachgiebig, mal voller Gefühl und mal neutral und kühl. Jens Harzer ergänzt die beiden sehr gut, sorgt mit seinem vielfältigen Klang für eine sehr eingängige Aussprache.

Die Musik ist völlig anders als in den meisten kommerziellen Hörspielen, wurde mit klassischen Instrumenten eingespielt und teilweise nur als Klangfetzen eingebaut, die einige Stellen gekonnt betonen. Doch auch harmonischere Klänge sind hier zu hören, wobei die Stimmung der jeweiligen Szenen und dem jeweiligen Charakter sehr gut angepasst sind. Auch die wenigen Momente der Stille verfehlen ihre Wirkung nicht.

Der Hörverlag hat eine sehr gelungene Aufmachung für die beiden CDs gewählt, deren Herzstück das fest eingeklebte Booklet mit zahlreichen zusätzlichen Informationen zur Entstehung des Hörspiels und weiteren Kommentaren ist. Doch auch das stabile Digipack mit den erdigen Tönen und dem ansprechenden Titelmotiv – einer stilisierten Darstellung eines Gottes in Schwarz – ist sehr gelungen und enthält eine Übersicht über die Kapitel.

Fazit: Bei dieser Produktion gewöhnliche Maßstäbe anzusetzen ist schwierig, denn es handelt sich eher um eine Klangcollage, um Bruchstücke einer großen Geschichte, um einen lebendigen Stammbaum. Das ist interessant aufbereitet und künstlerisch anspruchsvoll, aber eben auch anstrengend und durch die vielen Wiederholungen oft eher monoton.

VÖ: 27.April 2015
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1624-1

 

Vier Fälle für Sherlock Holmes



Erster Eindruck: Gute Auswahl ungewöhnlicher Fälle

Sherlock Holmes hat sich mittlerweile weit über die Grenzen von London hinaus einen hervorragenden Ruf als Meisterdetektiv erarbeitet, sodass immer wieder neue Auftraggeber in geheimnisvollen Angelegenheiten auf ihn zukommen. Und dank seines Freundes und Chronisten Dr. Watson sind seine Fälle auch für die Nachwelt dokumentiert. Hier bekommt er es mit einer verschwundenen Braut, einer verfolgten Radlerin, einem ermordeten Lehrer und einem auf eine Harpune aufgespießten Kapitätn zu tun...

Sherlock Holmes scheint momentan auf dem Höhepunkt seiner Popularität angekommen zu sein, gleich mehrere Fernsehreihen, Hörspieladaptionen und Kinofilme beschäftigen sich mit der bekannten Figur, wobei meist neue Fälle erdacht wurden. Der Audiobuch-Verlag hat inmitten dieser Welle eine Box mit vier Hörspielen auf den Markt gebracht, die der SWR nach den Vorlagen von Sir Arthur Conan Doyle produziert hat. Die Auswahl ist dabei bestens gelungen, da hier vier Fälle erzählt werden, die nicht unbedingt zum Standartrepertoire gehören und dennoch sehr gut erzählt wurden. Es ist zudem die Abwechslung, die hier überzeugt, sowohl die Hintergründe als auch die Handlungsverläufe sind hier sehr unterschiedlich dargestellt. Besonders gut gefällt mir dabei der Fall um den „adeligen Junggesellen“, der kurz nach der Eheschließung von seiner Frau spurlos verlassen wird. Die sehr gelungene und kurzweilige Ermittlungen und die trickreiche Auflösung sind sehr flüssig zu hören. Und auch der letzte Fall um den „schwarzen Peter“, der zu Anfang ziemlich brutal daherkommt, ist eine der besten Erzählungen von Holmes und hat völlig zu recht diese gelungene Umsetzung erfahren. Auch die beiden anderen Fälle sind hörenswert, wobei der SWR dem zugrunde liegenden Stoff keine wirklich neuen Facetten abgewinnen konnte.

Walter Renneisen ist in der Rolle des Sherlock Holmes in allen vier hier enthaltenen Fällen zu hören. Er setzt den Meisterdetektiv recht ernst um, kann auch die leicht arrogante Note des Charakters in seine Sprechweise einfließen lassen, ohne ihn deswegen gleich unsympathisch darzustellen. Er hat hörbaren Spaß an der Rolle gefunden und hinterlässt einen positiven Eindruck. Ihm zur Seite steht Peter Fitz als Dr. Waton, der das leise humoristische der bekannten Figur deutlich zurücknimmt, aber immer noch sehr gutmütig klingt. Auch die Nebenrollen sind durchweg mit passenden Sprechern umgesetzt worden.

Der Fokus liegt hier eindeutig auf den Sprechern und den Dialogen, sodass nur wenig mit anderen akustischen Elementen gearbeitet wird. So entsteht ein recht nüchterner Eindruck, der nur ab und an von etwas Musik unterbrochen wird. Diese ist dann durchaus stimmungsvoll und kann die Wirkung der Szenen unterstützen, ein wenig mehr von diesen Melodien hätte mich jedoch noch besser gefallen.

Die vier CDs sind in einer dicken Plastikhülle untergebracht, deren Gestaltung sehr schlicht ist. Die wichtigsten Produktionsinformationen sind im Raum hinter den CDs untergebracht, wobei hier nicht einmal die Nebenrollen den entsprechenden Sprechern zugeordnet wurden. Das Titelbild gefällt mir gut, auf dem weißen Hintergrund ist das Konterfei des bekannten Detektivs in Schwarz abgesetzt, wobei natürlich der typische Hut und die Pfeife nicht fehlen dürfen. Hierin ist auch der Titel der Box in großen Lettern untergebracht.

Fazit: Die Auswahl der hier enthaltenen Folgen ist sehr gut getroffen worden, da noch recht unverbrauchte und sehr gut erzählte Fälle enthalten sind. Die recht schlichte Umsetzung wird durch die sehr engagierten Sprecher sehr lebendig, wirklich neue Facetten des Meisterdetektivs bekommt man jedoch nicht zu Ohr.

VÖ: 31.März 2015
Label: Audiobuch
Bestellnummer: 978-3-89964-909-3


Vier Fälle für das Triumvirat



Erster Eindruck: Drei Männer beim Skatspielen

Dr. Korff, der mittlerweile pensionierte Oberst Albrecht und Pfarrer Bargmann treffen sich regelmäßig, um gegeneinander Skat zu spielen. Dass dabei auch aktuelle Ereignisse besprochen werden, versteht sich von selbst, mit besonderer Vorliebe widmen sich die drei Herren jedoch Kriminalfällen, die sich in ihrem Heimatort zugetragen haben. Vom ermordeten Apotheker über die Verwüstung des Heimatmuseums bis hin zum Verschwinden einer angeblichen Hexe, in jedem der Fälle stellen sie ihre Theorie auf...

Audiobuch hat mit der CD-Box „Vier Fälle für das Triumvirat“ äußerst interessante Radiohörspiele des WDR veröffentlicht, die zwar eindeutig dem Krimi-Genre zuzuordnen sind, von ihrer Grundstruktur und ihrem Verlauf aber gänzlich anders aufgebaut sind. Es sind immer nur drei Sprecher zu hören, die in den oben genannten Rollen agieren und sich über die Fälle unterhalten. Zeugenbefragung oder ähnliche Ermittlungsmethoden sind dabei nicht vorhanden, und auch eine Entlarvung des Täters findet nicht statt. Auch der schlussendliche Beweis für die Richtigkeit der aufgestellten Theorien wird nicht erbracht, es bleibt dem Hörer überlassen, diese zu glauben oder sich weitere Gedanken zum möglichen Verlauf zu machen. Dieser ungewöhnliche Ansatz wird durch die Lebendigkeit der Gespräche unterstützt, mit bissigen Humor und teilweise sehr persönlichen Kommentaren versuchen die drei Herren, ihre Gegenüber von ihrer Sichtweise zu überzeugen. Stückchenweise werden dem Hörer dabei neue Umstände über die Toten oder Verschwundenen gegeben, sodass sich langsam ein komplettes Bild zusammensetzt. Die vor Esprit sprühenden Folgen stammen aus drei Jahrzehnten und haben eine dementsprechende Entwicklung mitgemacht, die Themen sind moderner, die Kommentare noch ein bisschen bissiger geworden. Dennoch können alle vier Folgen gleichermaßen überzeugen und sind eine sehr gelungene Abwechslung in der Krimilandschaft.

Im Laufe der Zeit haben die Sprecher auch mal gewechselt, wobei die ersten beiden Folgen Peter Pasetti als Bargmann mit seiner knarzigen, sehr markanten Stimme positiv auffällt und dem Pfarrer so seine ganz eigene Note verleiht. Harald Leipnitz und Dietmar Mues übernehmen die Rolle in den weiteren Folgen. Hans Korte spricht den Oberst Albrecht in den ersten drei Folgen mit einer zackigen und kräftigen Stimme, kann aber auch den Humor der Rolle gekonnt darbieten. Peter Fricke ist in der letzten Folge als Dr. Korff zu hören, in Sachen Bissigkeit und Ausdruck steht er seinem Vorgänger Heinz Trixner nur wenig nach.

Die eingesetzte Musik ist für eine Radioproduktion recht ungewöhnlich, meist erklingen klassische Klänge, die von einem Orchester eingespielt wurden. Diese bilden oft einen interessanten Kontrast zu der von den Sprechern ausgeformten Stimmung, sodass ich mich erst ein wenig an sie gewöhnen musste. Mittlerweile gefällt sie mir sogar ziemlich gut, wobei sich die Folgen hier auch stark voneinander unterscheiden.

Audiobook hat die vier CDs in einer dicken Plastikhülle untergebracht, die recht schlicht aufgemacht ist und keine weiteren Informationen enthält. Die wichtigsten Produktionsinformationen sind im Raum hinter den CDs untergebracht. Das Titelbild passt gut zu der Handlung, zu sehen ist eine Szene aus einem Skatspiel, wobei nur der Tisch mit den Karten und die Hände der drei Männer zu sehen sind.

Fazit: Vier ungewöhnliche Kriminalfälle, die mit ihrem interessanten Ansatz für viel Abwechslung sorgen. Die Fälle sind gut erdacht, die aufgestellten Theorien klingen plausibel. Besonders gefällt mir aber die Stimmung zwischen den drei Protagonisten, die sich immer wieder necken und mit bissigen Kommentaren überhäufen. Ein sehr geglücktes Experiment!

VÖ: 24.Februar 2015
Label: Audiobuch
Bestellnummer: 978-3-89964-905-5


Hände weg von Mississippi




Erster Eindruck: Gefahr durch einen Alligator

Endlich sind wieder Ferien, den diese verbringt Emma immer bei ihrer Oma Dolly, die so ganz anders ist als andere Omas. Auch in dem Dorf fühlt sie sich pudelwohl und kennt alle Menschen, die dort leben. Deswegen ist auch Emma traurig, dass der alte Mann gestorben ist, der regelmäßig mit seinem Pferd Mississippi durch die Straßen geritten ist. Sein Neffe, der alles erben soll, will Mississippi an einen Schlachter verkaufen, doch dann entschließt sich Dolly, das Pferd in ihre Obhut zu nehmen...

Oft taucht Cornelia Funke in ihren Büchern in fremde Welten mit phantastischen Kreaturen ein, doch zahlreiche ihrer Werke sind auch in der Realität angesiedelt. Hierzu gehört „Hände weg von Mississippi“, das bei Oetinger Audio nun auch als Hörspiel erhältlich ist. Die liebenswert erzählte Geschichte enthält zahlreiche starke Charaktere, die sehr gut zur Geltung kommen. Die unkonventionelle Oma Dolly, der unsympathische Erbe Albert Gansmann, die beiden frechen Brüder aus der Nachbarschaft, der engagierte Tierarzt Dr. Knapps und natürlich Emma. Über ihr eigentliches Leben bei ihren Eltern erfährt man nur Andeutungen, was sehr passend ist, sie wird als mutig und willensstark charakterisiert – eine Identifikationsfigur nicht nur für pferdeliebende Mädchen. Denn hier geht es nicht um romantische Ausritte, lediglich die liebevolle Beziehung zwischen Emma und Mississippi geht in diese Richtung. Vielmehr müssen sich Dolly und Emma den Angriffen von Gansmann erwehren, der so allerlei Schurkerei ausheckt. Dabei entwickelt sich die Geschichte kontinuierlich weiter und geht über verschiedene Stationen, dem kann man während des fast zweistündigen Hörspiels sehr gut folgen, da immer wieder entspannte Momente eingebaut sind. Lange Zeit ist – zumindest den zuhörenden Kindern – nicht ganz klar, worauf alles hinauslaufen wird, und auch in einigen Szenen kommt viel Spannung auf. Funke schafft es, den Zuhörer mit der Geschichte zu verzaubern und lebendige Charaktere zu erschaffen, und auch die Umsetzung als Hörspiel ist sehr gut gelungen.

Finja Ufer ist als Emma zu hören, und trotz ihres jungen Alters spricht sie sehr lebendig und wirkt spontan, ohne zu übertreiben. So kann sie das mutige Mädchen sehr glaubhaft wirken lassen und bringt die nötige Energie mit. Ganz wunderbar ist Carmen-Maja Antoni als Oma Dolly, ihre raue Stimme nimmt einen sehr warmherzigen Klang an, kann aber auch energisch und bestimmt klingen, dabei schwebt immer ein bisschen Exzentrik mit. Stephan Schad gibt als Albert Gansmann den unsympathischen Gegenspieler, was er sehr leidenschaftlich darstellt. Weitere Sprecher sind unter anderem Michael Prelle, Fabian Busch und Walter Kreye.

Die eingesetzte Musik während der Szenenübergänge ist sehr atmosphärisch und überzeugt mit leichten Anleihen an der Country-Musik. Zahlreiche Gitarrenklänge und ab und an eine Mundharmonika sorgen für einen sehr stimmigen Eindruck. Geräusche werden hier recht wenig eingesetzt, sodass die Dialoge eher für sich allein stehen. Hier hätte man noch mehr Lebendigkeit einbringen können. Insgesamt wirkt das Sounddesign aber stimmig und passend.

Das Cover zeigt zwar das gleiche Motiv wie die Buchvorlage, durch den einfarbig grünen Hintergrund bekommt er aber einen ganz eigenen Ausdruck. Zu sehen ist Emma, die im Pferdestall Nachtwache hält und inmitten von Hunden und Pferden einen besorgten Gesichtsausdruck macht. Der Zeichenstil wirkt nostalgisch und passend für ein Kinderbuch.

Fazit: In diesem Buch stechen insbesondere die starken Charaktere hervor, die mit ihren ganz speziellen Eigenheiten für viele gelungene Momente sorgen, Oma Dolly wächst einem sehr schnell ans Herz. Aber auch die Geschichte ist oft spannend und kurzweilig erzählt, nur ab und an schleichen sich langwierige Passagen ein. Eine sehr runde und hörenswerte Produktion.

VÖ: 20.Januar 2015
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0841-9

 

 

 


Pater Brown: Der Marquis von Marne



Erster Eindruck: Klassisches Radiohörspiel

Seit einigen Jahren hat sich James Mair völlig von der Außenwelt abgeschnitten und lebt zurückgezogen auf seinem Anwesen. Gerüchte besagen, dass er nach dem tödlichen Duell mit seinem Vetter dem Schuldenwahn der katholischen Kirche verfallen ist. Der kriminalistisch engagierte Pater Brown will dies nicht auf der heiligen Institution sitzen lassen und beginnt mit seinen Ermittlungen...

Pater Brown ist vielen insbesondere durch die Verfilmungen bekannt, und auch als Hörspiel wurden seine Fälle umgesetzt. Doch neben den recht modernen Produktionen hat beispielsweise der WDR im Jahr 1956 den Fall des „Marquis von Marne“ als Radiohörspiel umgesetzt, das bei Audiobook-Verlag auch als Kaufversion erschienen ist. Der Einstieg in die Handlung ist dabei gut gelungen, in einem zusammenfassenden Dialog wird die Grundsituation gut erklärt, wobei dem Alter der Produktion entsprechend die Dialoge wesentlich länger und ausführlicher sind als man es heutzutage gewohnt ist. So schleicht sich während der gesamten Handlung oft ein gewisser Leerlauf ein, das Tempo wirkt deutlich gedrosselt. Dennoch ist die Geschichte gut erzählt, man bekommt einen sehr umfassenden Eindruck von der Handlung, die sich konsequent weiterentwickelt. Dabei fließen immer neue Aspekte des Gesamtbildes ein, der stetige Fluss an neuen Informationen sorgt auch für eine sehr gute Charakterbeschreibung. An dieses klassische Radiohörspiel sollte man sich nur wagen, wenn man schon andere Produktionen des Genres gehört hat, ansonsten wird einen die spröde Umsetzung nur wenig Freude bereiten. Kann man allerdings eine gewisse Affinität zu dieser Art Hörspiel aufweisen, bekommt man eine runde und sehr gelungene Produktion zu Ohr, die ohne Audiobook wohl in den Archiven verschollen wäre.

Walter Richter ist in der Titelrolle des Pater Brown zu hören, mit seiner recht energischen und freundlichen Art macht er seine Sache gut, kann sich aber auch zurücknehmen und so die anderen Charaktere ebenso gut wirken lassen. Inge Meysel spricht Lady Outram, sie liefert den Beweis, dass sie auch in jungen Jahren schon sehr viel Ausdruck und Leidenschaft in der Stimme hatte. Sigrun Höhler als Viola Grayson hat mir leider nicht so gut gefallen, ziemlich überdreht, fast schon mit überschlagener Stimme bringt sie jede Menge Unruhe mit. Weitere Sprecher sind Kaspar Brüninghaus, Peter Lühr und Kurt Meister.

Akustische Untermalung ist hier zu keiner Zeit gegeben, keine Musik, kein Geräusch, kein Effekt lockert hier die Dialoge aus. Diese sehr puristische Ausführung lenkt zwar den Fokus deutlich auf die Dialoge, wirkt aber auch sehr spröde und vermittelt nur wenig Atmosphäre. Die sehr guten Sprecher machen ihre Sache zwar gut, ein wenig akustische Untermalung hätte dem Hörspiel aber gut getan.

Die Gestaltung der Verpackung ist sehr schlicht gehalten, statt eines Booklets gibt es hier einen kleinen Einleger, der nur die notwendigen Informationen enthält. Das Titelbild zeigt die Fotografie einer romantischen Gasse, die bläulich eingefärbt wurde. Als Logo ist neben dem Titel des Hörspiels noch die Silhouette des Pfarrers zu sehen.

Fazit: Pater Brown in einem sehr klassischen, reduzierten Hörspiel. Die Vorlage ist gut durchdacht und enthält einen gelungenen Spannungsbogen sowie eine spannende Auflösung. Der Weg dorthin ist zwar etwas zu lang geraten, die meisten Sprecher bringen mit ihrer lebendigen Darstellung Schwung in die Handlung.

VÖ: 1.August 2014
Label: Audiobook
Bestellnummer: 978-3-89964-790-7


Elser



Erster Eindruck: Das Verhör eines vergessenen Helden

Der idealistische Schreiner Georg Elser ist unglücklich verliebt in die unglücklich verheiratete Else Härlen, die ihn trotz des prügelnden Ehemannes immer wieder zurückweist. Doch ähnlich hartnäckig wie bei ihr ist Elser auch bei seinem Plan, Hitler auf dem Höhepunkt seiner Macht durch einen Anschlag mit Dynamit umzubringen. Unermüdlich gräbt er heimlich des nachts einen Schacht, um dort den Sprengstoff zu platzieren...

Fast gleichzeitig mit dem gleichnamigen Film erscheint auch die Radio-Hörspielproduktion „Elser“ um den nicht mehr allzu bekannten Hitler-Attentäter Georg Elser. Doch hier ist keinesfalls ein O-Ton-Höspiel entstanden, auch wenn die Sprecher exakt mit den Filmschauspielern übereinstimmen. Vielmehr wurde ein ganz eigenes Drehbuch geschrieben, eine ganz eigene Ästhetik geschaffen, ganz andere Schwerpunkte gesetzt. Hier erfährt man viel über Elsers Innenleben, seinen Idealismus, seinen Traum von einer friedlicheren Welt. Dabei werden kleine Szenen aneinandergereiht, die nicht immer in zeitlicher Kontinuität erzählt sind, es sind auch mal größere Zeit- und Logikbrüche vorhanden. Der Verzicht auf einen Erzähler erschwert dabei etwas den Einstieg, so muss man sich als Hörer aber auch deutlich intensiver mit Elser auseinandersetzen und sich sein eigenes Bild des engagierten Mannes schaffen. So setzt sich langsam ein komplettes Bild zusammen, das die Charaktere in den Vordergrund stellt und diese sehr facettenreich darstellt. Diese Konzentration auf das Wesentliche ist sehr gut gelungen und setzt neue Akzente, die fernab von flachen Heldentum angesiedelt sind. Dabei wurden die Originalmitschriften der Verhöre verwendet, sogar einige Passagen übernommen, was dem Hörspiel einen sehr realistischen Anstrich verleiht. Das Zusammenspiel mit der sehr privaten Szenen mit Else Härlen ergibt dazu einen krassen Kontrast - gerade im ersten Teil des Hörspiels – während später die Verhörszenen dominieren. Auch das politische Geflecht, die Macht Hitlers und Goebbels, sind sehr lebensnah zu spüren und lassen einen tief in die damalige Zeit eintauchen. Elser ist alles andere als leicht verdauliche Kost, verlangt Aufmerksamkeit und Ruhe, dann kann man zahlreiche Feinheiten erspüren, die sehr bewegend dargestellt sind.

Christian Friedel ist in der Hauptrolle des Elser zu hören und spielt diesen sehr eingängig, sehr intensiv und voller Leben. Mit vielen unterschiedlichen Nuancen leuchtet er die Szenerien sehr gekonnt auf, gibt den gefühlvollen Außenseiter ebenso überzeugend wie den mutigen Revoluzzer. Katharina Schüttler spricht die Else mit einer sanften, streckenweise schon zerbrechlich wirkenden Stimme, im späteren Verlauf kann sie aber auch hart und kalt klingen, wobei man ihr diesen Kontrast sofort abnimmt. Johann von Bülow ist in der ebenfalls sehr interessanten Rolle des Heinrich Müller zu hören, seine feinsinnige Interpretation kann dabei voll und ganz überzeugen. Weitere Sprecher sind Burghardt Klaußner, David Zimmerschied und Simon Licht.

Die sehr reduzierte Umsetzung der Handlung zeichnet sich durch den fast vollkommenen Verzicht auf Musik aus, nur am und an sind sehr kleine Musikfetzen eingebaut, nicht harmonisch, weder beruhigend noch Aufmerksamkeit heischend, sondern schlicht und eindringlich. Zahlreiche Geräusche, auch mal sehr leise im Hintergrund oder als kleiner Störton eingebaut, vermitteln trotz ihrer Sachlichkeit eine Menge Atmosphäre.

Um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen wurde für das Cover das Filmplakat übernommen. Obwohl dieses mit dem einzigen lebendig wirkenden Gesicht von Elser unter all den gleichförmigen Männern aussagekräftig und passend ist, wurde die Chance verpasst, sich als eigenständige Umsetzung des Stoffes zu präsentieren. Im umfangreichen Booklet sind zahlreiche Hintergrundinformationen sowie einige Bilder aus dem Film zu sehen.

Fazit: „Elser“ ist kein sonderlich populärer Stoff und zudem recht schwer verdaulich, kann dafür aber mit einem Stück Zeitgeschichte und einer sehr intensiven Charakterdarstellung überzeugen. Im Umfeld des geplanten Attentats treten nicht nur einige Menschen ins Licht und werden intensiv beleuchtet, auch die Umstände der Tat werden sehr detailliert und fast kunstvoll beschrieben.

VÖ: 1.April 2015
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-469-0


 

Jugend ohne Gott



Erster Eindruck: Einprägsames Drama in einer Schulklasse

In der Zeit, in der Hitler gerade die Macht ergreift, äußert sich ein Lehrer im Unterricht gegen nationalsozialistisches Gedankengut. Seine Schüler und deren Eltern plädieren für seinen Austausch, der Direktor jedoch steht zu ihm und schickt ihn mit in ein Zeltlager, in der die Jungen auf den Militärdienst vorbereitet werden sollen. Doch eines Tages wird einer der Schüler tot aufgefunden...

Der dritte Roman von Ödön von Horváth mit dem Titel „Jugend ohne Gott“ aus dem Jahr 1937 wurde 2013 vom WDR als Radiohörspiel umgesetzt, noch einige Zeit später ist es beim Hörverlag auch als Kaufversion erschienen. Und dabei wird gleich Vielfältiges geboten: Ein Stück Zeitgeschichte, ein klares Statement gegen Rechtsradikalismus, ein Kriminalfall und dazwischen zahlreiche philosophische Gedankengänge. So kurios diese Mischung auch klingen mag, so wunderbar verflechten sich die einzelnen Elementen im Laufe der Handlung zu einem sehr ansprechenden Ganzen. Erzählt wird aus der Sicht eines Lehrers, dessen Namen ebenso wie die aller anderen Charaktere nicht genannt wird. Doch während sein Charakter deutlich zur Geltung kommt, verschwinden andere in der gesichtslosen Masse, gleichen sich dem nationalsozialistischen Gedankengut an. Der sich anschließende Mord im Zeltlager bringt dann noch ganz andere Facetten mit ein, zeigt interessante Charaktere und stellt auch den Lehrer in ein anderes Licht. Die Kürzung des Romans ist gut gelungen und erhält trotz des Wegfalls einiger prägnanter Szenen sein Wesen und seine Aussagekraft. Ein in seiner Botschaft kraftvolles Hörspiel, sehr gelungen in Szene gesetzt und trotz der eher ruhigen Ausstrahlung sehr unterhaltsam. Sehr hörenswert!

Matthias Bundschuh ist in der Rolle des Lehrers zu hören und übernimmt neben den Dialoge auch eine Art Erzählerfunktion und innere Monologe, was er mit sehr eindringlicher Betonung und treffender Charakterdarstellung gelingt. Durch ihn gewinnt das Hörspiel viel an Kraft und Lebendigkeit. Jean Paul Baeck ist als Schüler N zu hören und kann dessen recht komplexe Gefühlswelt sehr gelungen darstellen und ihn so facettenreich beleuchten. Sehr ausdrucksstark spricht Daniel Rotaug als Schüler Z, der gerade gegen Ende eine sehr imposante Leistung hinlegt. Weitere Sprecher sind Lucie Heinze, Wolf Aniol und Josef Tratnik.

Das Hörspiel konzentriert sich sehr auf die Dialoge, die Sprachaufnahmen stehen zu jeder Zeit im Vordergrund. Diese sind technisch sehr hochwertig aufgenommen worden und bieten einen sehr klaren Klang. Durch den Verzicht auf Musik und Geräusche entsteht eine ruhige, fast schon spröde Atmosphäre, die durch die sehr fähigen Sprechern geprägt wird.

Wie fast immer bei dem Hörverlag ist die Hörspiel-CD in einem sehr ansehnlich gestalteten Digipack untergebracht, dessen Titelbild von einem jungen Mann in einem schlichten Anzug geprägt ist. Die schlichten Lettern stehen hier jedoch im Vordergrund. Auch das Innere ist sehr strukturiert aufgebaut, die Fotos zweier Sprecher sind dabei auf der Rückseite abgedruckt.

Fazit: Die Geschichte um den Lehrer und seine Schulklasse ist sehr eindringlich erzählt worden und enthält zahlreiche sehr gelungene Elemente, die bestens ineinander greifen. Die hervorragende Charakterdarstellung und die intensive Aussagekraft der Handlung machen „Jugend ohne Gott“ zu seinem sehr hörenswerten Radiohörspiel.

VÖ: 27.April 2015
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1576-3


Arthur Miller – Die Hörspiel-Edition



Erster Eindruck: 8 sehr hörenswerte Dramen

Für seine zahlreichen Dramen wurde Arthur Miller unter anderem mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Dabei arbeitet er immer wieder Kritik an dem „American Way of life“, dem Streben nach Erfolg und Reichtum, in seine Geschichten ein und schafft dabei prägnante und interessante Charaktere. Der Hörverlag hat dem Amerikaner nun eine dicke Hörspiel-Edition gewidmet, in dem 8 Werke in Radiohörspielvertonungen vorhanden sind. Zusätzlich gibt es sein wohl bekanntestes Werk „Tod eines Handlungsreisenden“ in einer Lesung der Autoren.

Schon die erste Umsetzung mit dem Titel „Brennpunkt“ weiß vollkommen zu überzeugen und kann mit einem interessanten Gedankenspiel zum Nachdenken anregen. Durch seine neue Brille sieht der Personalchef Newman plötzlich wie ein Jude aus und muss sich im New York der 40-Jahre gegen allerlei Vorurteile und Diskriminierungen zur Wehr setzen. Dieser Perspektivwechsel bewegt so einiges in dem Mann, der durch die Brille nun auf vielerlei Weise besser sehen kann. Die klare Sprache und die eindringlichen Schilderungen sind sehr bewegend aufbereitet und lassen die gut einstündige Produktion sehr flüssig verlaufen.
Hexenjagd spielt Ende des 17. Jahrhunderts und zeichnet die Hexenverfolgung in Salem nach. Eine farbige Sklavin zeigt einigen Mädchen okkulte Rituale, doch als der Pfarrer dabei auch seine eigene Tochter erkennt, entbrennt ein richtiger Wahn. Miller schreibt dabei nicht nur eine recht spannende Handlung, sondern zeigt auch, wie bigott manche der Dorfbewohner sind und die Angst vor Hexen für ihren eigenen Willen benutzen.
„Eine Art Liebe“ hingegen dringt sehr tief in die beiden Hauptcharaktere ein, die die gesamte Handlung allein bestreiten. Der Dialog zwischen den beiden offenbart ein sehr komplexes Beziehungsgeflecht mit zahlreichen leisen Untertönen, die sehr empathisch und mit viel Gefühl umgesetzt wurden. Die kurze Laufzeit lässt den beschränkten Handlungsspielraum sehr knackig wirken.
Und auch die anderen Hörspiele sind sehr hörenswert und bieten eine sehr breite Palette an verschiedenen Stimmungen und Emotionen, zeigt ganz verschiedene Schauplätze und stark beschriebene Charaktere. Und so habe ich hier keinerlei langwieriges oder uninteressantes Stück gefunden und habe jede der Produktionen sehr genossen.

Zu hören ist dabei natürlich eine Vielzahl von Sprechern zu hören. Erich Ponto ist beispielsweise in der deutschen Version von „Tod eines Handlungsreisenden“ als Willy Lohmann zu hören. Er spricht der präzise und eindringlich, sodass er den durchaus komplexen Charakter facettenreich und lebendig umsetzen kann. Der wunderbare Hans Paetsch spricht in „Hexenjagd“ Pastor John Hale mit seinem typischen, markanten Klang, seine eindringliche Betonung lässt seine Szenen intensiv wirken. Peter Fricke ist in dem eher unbekannten Stück „Clara“ als Kommissar Fine zu hören, auch er liefert eine sehr glaubwürdige, stimmige und sehr professionelle Vorstellung ab. Weitere Sprecher sind Felix von Mannteuffel, Michael Habeck und Hans Quest.

Viele der Produktionen stammen noch aus dem 50er Jahren, hier wirkt der Klang etwas blechern und unsauber, dennoch sind auch diese gut hörbar, zumal die Dialoge hier stets im Vordergrund stehen. Die späteren Hörspiele klingen dann deutlich klarer, und auch die Musik und die Geräusche sind hier lebendiger und treffender eingesetzt.

Die 11 CDs befinden sich jeweils in einzelnen Papphüllen, die zusammen in einer dicken und stabilen Box untergebracht sind. Alles ist übersichtlich und ansehnlich gestaltet, als Titelbild wurde eine schwarz-weiß Aufnahme des Autors vor orangenem Hintergrund gewählt. Highlight der Box ist jedoch das dicke Booklet, das das Leben des Autors an einem Zeitstrahl nachzeichnet, einen Text des Autor selbst enthält und zu jedem Hörspiel detaillierte Informationen und Kurzbiographien von teilnehmenden Mitwirkenden enthält.

Fazit: Die acht Dramen von Arthur Miller haben sehr unterschiedliche Ansatzpunkte und Verläufe, können aber durchgehend mit sehr gut ausgearbeiteten Charakteren, lebendigen Dialogen und beeindruckenden Aussagen überzeugen. Die sehr gute Auswahl und die gelungenen Umsetzungen machen diese Hörspiele sehr hörenswert!

VÖ: 9.Februar 2015
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1655-5


Krimi-Kult-Kiste 4



Erster Eindruck: Drei Gentleman auf Mörderjagd

Paul Temple hat nicht viel Zeit, um Howard Gilbert vor seiner Hinrichtung zu retten, denn der Hobbydetektiv und Autor glaubt nicht, dass er seine Verlobte getötet hat. Ein Damenschuh bringt Temple und seine Frau Steve schließlich auf die richtige Spur... (Paul Temple und der Fall Gilbert)
Ricky McMara soll sich selbst umgebracht haben – soweit jedenfalls die Theorie der Polizei. Doch seine Schwester Heather glaubt nicht so recht daran und beauftragt den Privatdetektiv Philip Odell, denn Fall aufzuklären... (Die Dame im Nebel)
Paul Cox gerät in Verdacht, Herbert Wallings getötet zu haben – schließlich steckt das Messer des Ermittlers noch im Rücken des Anwaltes. Er muss jetzt alles daran setzen, seine Unschuld zu beweisen und greift dabei tief in die Trickkiste... (Gestatten, mein Name ist Cox: Mord ist strafbar)

Bei der Krimi-Kult-Kiste veröffentlicht der Hörverlag bekannte Radioproduktionen aus der „guten alten Zeit“ der Hörspiele, den 50er bis 70er Jahren. Box vier enthält Hörspiele zu einigen der bekanntesten Ermittler, die auch heute noch zahlreiche Fans haben: Philip Odell von den „Dame“-Hörspielen, Paul Cox und der unvergessene Paul Temple. Alle drei Geschichten sind im typischen Stil der damaligen Zeit gehalten und somit recht lang, mit zahlreichen Nebenarmen, Verdächtigungen und überraschenden Wendungen. Trotz dieser Gemeinsamkeiten hat jedes der Hörspiele eine ganz eigene Note und erzählt eine spannende Handlung. Während bei Paul Temple der unglaubliche Charme der Charaktere im Vordergrund steht und auch die Nebenrollen allesamt eine leicht exzentrische Ausstrahlung haben, ist das Cox-Hörspiel von viel Humor durchzogen und lockert die Geschichte immer wieder mit wunderbar trockenem Witz auf. Währenddessen ist „Die Dame im Nebel“ der schwächste Fall dieser Box und will nicht so recht in Schwung kommen, die Handlung kommt erst recht spät auf den Punkt. Dennoch ist diese Box sehr lohnenswert und ist nicht nur für Nostalgiker geeignet – die drei Hörspiele funktionieren auch heute noch bestens.

Der grandiose René Deltgen ist hier als Paul Temple zu hören und bringt jede Menge britischen Gentleman-Charme mit ein. Durch seine eingängige Sprechweise kann er den Hörer schnell an sich binden. Albert Carl Weiland spricht den Philip Odell mit viel Nachdruck und einer flüssigen und authentischen Betonung, sodass er einen markanten Charakter formen kann. Reiner Schöne kann als Paul Cox ebenfalls überzeugen, er spricht recht locker und humorvoll, was bestens zu dem Charakter passt. Die Damen an der Seite der Gentleman-Detektive sind Annemarie Cordes, Brigitte Dryander und Heidelinde Weis.

Drei Hörspiele, drei unterschiedliche Produktionsteams, dennoch lässt sich in der akustischen Gestaltung ein roter Faden erkennen. Während der Handlung sind einige sehr präzise Geräusche eingebaut, die auch mal etwas lauter sein dürfen und alles lebendiger wirken lassen. Während der Szenenwechsel wird dann oft auf atmosphärische Orchestermusik gesetzt, die die Dramatik gut unterstützt. Leider klingen die Aufnahmen manchmal etwas blechern, besonders das Odell-Hörspiel ist hiervon betroffen.

Jedes der Hörspiele ist in einer dicken Plastikhülle verpackt – was beim Cox-Hörspiel wegen der nur zwei verwendeten CDs etwas zu viel wirkt. Die schlichte und einheitliche Gestaltung enthält alle notwendigen Informationen, die in einem separaten Booklet untergebracht sind. Alle zusammen sind in einer Bix untergebracht ist, deren Pappkarton recht dünn ist und glänzende Silhouetten auf dunklem Untergrund zeigt.

Fazit: Drei britische Gentleman, die mit Stil und Charme ermittlen. Während der Fall des charmanten Temple und des humorvollen Cox voll überzeugen können, weist Philip Odells Dame im Nebel trotz einiger interessanter Ansätze langwierige Passagen auf. Dennoch sind alle drei Hörspiele hörenswert und können spannende Fälle erzählen.

VÖ: 8.August 2008
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-289-9


Die Zeit – Der große Hörspaß



Erster Eindruck: Bunte Mischung an Kinderhörbüchern

Oetinger Audio hat zusammen mit der Zeitung „Die Zeit“ ein dickes Hörbuchpaket für Kinder zusammengestellt und dabei ganz unterschiedliche Produktionen ausgesucht. 12 Hörbücher sind es geworden, die zusammen in einem kleinen Koffer aus Pappe untergebracht sind und für etliche Stunden Unterhaltung sorgen. Durch die große Bandbreite ausgewählter Themen und Autoren ist sicherlich nicht jedes Hörbuch ein Volltreffer für jeden Geschmack – andersherum wird jeder hier schnell seine ganz persönlichen Lieblinge finden. Sei es das orientalisch angehauchte Märchen „Sultan und Kotzbrocken“ um einen ziemlich exaltierten Herrscher, das ungewöhnliche Wissenshörbuch „Kuckuck, Krake, Kakerlake“ oder das skurrile, aber herzergreifende Hörspiel „Fennymores Reise“, schnell wird man fündig und bekommt zusätzlichen einen Überblick über verschiedene Genres. So ist „Nenn mich nicht Ismael!“ ein sehr mutmachender Roman, der sich mit der eigenen Stärke, der Überwindung von Angst aber auch mit Fremdenfeindlichkeit beschäftigt und für Kinder recht anspruchsvoll ist. „Onkel Alwin und das Sams“ stammt aus der Reihe um das bekannte rothaarige Fabelwesen, ist unkonventionell und witzig, richtig zur Geltung kommt die Geschichte aber nur, wenn man auch andere Teile um das Sams kennt. „Tintenherz“, der großartige Roman von Cornelia Funke, sticht hier etwas heraus und wurde als Hörspielversion beigelegt, die sehr phantasievoll und atmosphärisch ist, aber auch mit Abstand das komplexeste Werk, das hier vorgestellt wird. Und so kann man ganz unterschiedliche Produktionen entdecken, auf die man ansonsten nicht aufmerksam geworden wäre, zumal die Auswahl auf qualitativ hochwertige und flüssig verlaufende Geschichten gefallen ist.

Eine Vielzahl an unterschiedlichen Sprechern ist hier zu hören, insgesamt ist das Niveau hier sehr hoch. In Fennymores Reisen ist beispielsweise Udo Kroschwald als unheimlicher Doktor Uhrengut sehr gut besetzt worden, mit düsterem Charme kann er die Figur sehr lebendig wirken lassen. Robin Brosch ist bei Tintenherz als Mo zu hören und spricht seine Rolle mit viel Elan und trägt zur phantasievollen Wirkung des Hörspiels bei. Jens Wawrczek liest unter anderem das Hörbuch „Die fabelhafte Miss Braitwhistle“ mit seiner unverkennbaren Stimme und kann dabei gelungen den Handlungsbogen nachzeichnen. Weitere Sprecher sind Ulrich Noethen, Friedhelm Ptok und Martin Baltscheit.

Die vielen Produktionen sind ganz unterschiedlich umgesetzt worden. Während einige Hörbücher ohne akustische Begleitung auskommen, gibt es streckenweise Musikstücke oder eingebaute Geräusche, und beispielsweise mit Tintenherz sind auch aufwändig produzierte Hörspiele vorhanden. Allen gemein ist aber die technisch sehr runde und gelungene Umsetzung, die alle Dialoge sehr klar aus den Boxen kommen lässt.

Die einzelnen CDs sind in den üblichen Verpackungen jeweils mit eigenem Cover und Booklet in einem stabilen Pappkoffer untergebracht. Dieser hat an der Vorderseite eine Schnalle, die den Deckel hält, aber auch Kinder haben keine Probleme, ihn zu öffnen. Auf dem gelben Untergrund sind einige Motive aus den Produktionen zu sehen, alles ist hübsch gestaltet. Da der Koffer sehr breit ist und die CDs innen noch von Pappeinlegern gehalten werden, ist noch viel Platz für andere Hörspiele.

Fazit: Eine gelungene Auswahl an moderner Kinderliteratur, meist gelesen, mal als Hörspiel. Eine bunte Mischung, sodass nicht jede Produktion den eigenen Geschmack trifft, die es aber auch erlaubt, einige Perlen zu entdecken. 12 Geschichten für Kinder, lebendig, mutmachend, abenteuerlich oder herzergreifend, aber eigentlich immer unterhaltsam.

VÖ: 19.September 2014
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0805-1


The War of Worlds (H.G. Wells)



Erster Eindruck: Englischer Hörspielklassiker

„The War of Worlds“ dürfte eines der bekanntesten, jemals produzierten Hörspiele sein. Legenden zufolge soll es bei der Erstausstrahlung zu Massenpaniken geführt haben. Auch wenn sich dies mittlerweile eher als Mythos herausgestellt hat: Dass das Hörspiel Aufsehen und einige besorgte Anrufe beim Radiosender hervorrief gilt als gesichert. Denn hier wurde der fiktive Roman von H.G. Wells als Radiohörspiel in Form einer Reportage umgesetzt, sodass alles sehr realistisch klingt. Aliens vom Mars erobern darin die Erde in riesigen, dreibeinigen Kampfmaschinen, Giftgas entströmt, New Yersey wird langsam erobert. Das alles wird von Radioreportern berichtet, mit Geräuschen unterlegt. Die Dramatik steigert sich dabei immer weiter, die Aufnahmen reißen ab und lassen nur noch den Tod der Reporter vermuten. Kommentare von Wissenschaftlern ergänzen diese beklemmende Szenerie. Und genau die ist es auch, die den Reiz des Hörspiel ausmacht, diese diffuse Berichterstattung, die einzelnen Szenen, die zusammen das bedrohliche Gesamtbild ergeben. Diese sehr realistische Darstellung funktioniert auch heute noch gut, die schnell gesprochenen Texte, die sich ausbreitende Panik sorgen für eine sehr intensive Stimmung.

Die vielen Sprecher machen ihre Sache dabei sehr gut und stellen ihre Rollen realistisch dar. So wirken die Szenen wirklich wie Ausschnitte aus einer Radioreportage, sodass alles sehr nahbar wirkt. Die schnelle Sprechweise und die aufkommende Panik in den Stimmen unterstützt das Wirken der Handlung und trägt maßgeblich zum Gelingen des Ganzen bei.

Die Klangqualität ist – wie bei einer so alten Aufnahme nicht anders zu erwarten – nicht an den heutigen Standards zu messen, sondern wirkt insgesamt recht dumpf. Zudem ertönt das typische Knacken von Radioaufnahmen aus dieser Zeit. Zudem wirkt die Wiedergabe in Mono recht roh, was aber einen interessanten Effekt mit sich bringt und seinen ganz eigenen Charme entwickelt. Die eingefügten Geräusche sind dabei durchaus laut und kraftvoll in den Vordergrund gestellt und verfehlen ihre Wirkung so nicht.

Sehr ansehnlich ist die Verpackung zu dieser ungewöhnlichen Veröffentlichung geraten: Das stabile Digipack ist oben halb rund geformt, darauf abgebildet ist ein altes Radio aus der Zeit der Ausstrahlung. Das dunkle Holz wurde auch auf der Rückseite übernommen, hier ist zudem ein Photo von Sprecher Orson Welles zu sehen. Im Inneren gibt es Informationen zu Wells, Welles und einen Auszug aus einem Buch über das Werk. Außerdem sind einige Zeichnungen aus dem Roman zu finden.

Fazit: Die Veröffentlichung von dem englischen Originalhörspiel zu „Krieg der Welten“ beim Hörverlag ist wohl eine kleine Überraschung, doch die als Reportage inszenierte Geschichte um den Alieninvasion ist auch heute noch sehr unterhaltsam und spiegelt einen ganz anderen Charme als heutige Produktionen wieder.

VÖ: 13.Oktober 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1601-2


Peterchens Mondfahrt (SWR 1963)



Erster Eindruck: Auf der Suche nach dem verlorenen Beinchen

Peterchen und seine kleine Schwester Annelies bekommen in einer Nacht Besuch vom freundlichen Maikäfer Sumsemann. Doch er hat nur fünf Beine, wie alle seiner Verwandten. Das sechste Bein des Maikäfers befindet sich bei dem bösen Mann im Mond, der er vor vielen Jahren geraubt hat. Und nur zwei Kinder, die nie ein Tier gequält haben, können es wiederholen. Natürlich wollen Peterchen und Anneliese helfen...

Peterchens Mondfahrt ist zu einem Klassiker der deutschen Kinderliteratur geworden und schon einige Male als Hörspiel umgesetzt. Eine dieser Produktionen stammt vom SWR aus dem Jahr 1963 und wurde nun vom Audio Verlag auf CD herausgebracht, sodass die wunderbare Reihe an Kinderhörspielen mit dem weißen Rücken Zuwachs bekommt. In 47 Minuten wird die Handlung hier erzählt, was sich genau als die richtige Länge herausstellt. Denn so kommen die einzelnen Elemente gut zur Geltung, ziehen sich aber nicht in die Länge. Zahlreiche märchenhafte Gestalten bevölkern die Geschichte und machen sie bunt und phantasievoll, besonders die personifizierten Wetterphäomene sind hier liebevoll umgesetzt worden und bringen ihre ganz eigene Charakteristiken bestens mit ein. Der Verlauf ist dabei kurzweilig und ist für Kinder spannend, da im Mann im Mond ein mächtiger und rücksichtsloser Gegenspieler zu besiegen ist. Und auch die Rolle von Peterchen, Anneliese und Herrn Sumsemann wird nicht vernachlässigt. Eine sehr gelungene und warmherzige Produktion, die die Geschichte sehr gelungen umsetzt.

Mit Thomas Rosengarten und Antje Hagen wurden zwei talentierte Kinder für die Hauptrollen ausgesucht, die Peterchen und Anneliese durchaus lebendig und mit viel Energie umsetzen können. Hans Timerding ist als Herr Sumsemann zu hören, klingt etwas schusselig und ängstlich, kann aber auch Freude und Dankbarkeit gut vermitteln. Gut gefallen hat mir Maja Scholz als Nachtfee, die sehr warmherzig und liebenswert klingt, aber auch eine mysteriöse Aura um sich herum aufbaut. Weitere Sprecher sind Kirt Ebbinghaus, Walter Prüssig und Carola Erdin.

Bei Umsetzungen dieser Geschichte ist die akustsiche Gestaltung besonders wichtig, und diese ist hier gut gelungen. Die Musik ist klassisch angehaucht und mit einem Orchester umgesetzt worden, ist aber auch verspielt und kindgerecht umgesetzt. Geräusche werden auch hierdurch erzeugt, sodass die Wetterphänomene sehr eindrucksvoll umgesetzt wurden.

Das Titebild ist recht künstlerisch und ansprechend umgesetzt worden und passt sehr gut zu der strengen Aufteilung des Covers. In verschiedenen Violetttönen wird ein Nachthimmel samt großem Mond und vieler Sterne dargestellt. Während Herr Sumsemann im Vordergrund auf der Violine spielt, fliegen Peterchen und Anneliese durch die Luft. Der scherenschnittartige Look gefällt mit dabei sehr gut.

Fazit: Blitzhexe, Donnermann, Regenfritz und all die anderen phantastischen Figuren sind hier liebevoll und einprägsam umgesetzt worden, und auch die eigentliche Geschichte um das verlorene Beinchen des Maikäfers ist spannend und kurzweilig. Die sehr gute akustische Umsetzung macht aus dem Kinderbuchklassiker eine sehr hörenswerte Produktion für die ganze Familie.

VÖ: 1.April 2015
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-478-2


Der Mentor



Erster Eindruck: Alternder Schriftsteller und aufstrebendes Talent

Eine Kulturstiftung hat den gealterten Schriftsteller Benjamin Rubin, dessen erstes und erfolgreichstes Stück Pflichtlektüre in der Schule ist, mit dem aufstrebenden Jungtalent Martin Wegner zusammengebracht, um an dessen neuen Stück zu feilen. Beide scheinen jedoch nicht sonderlich glücklich mit diesem Arrangement, sodass es unvermeidlich zu den ersten Spannungen kommt...

Daniel Kehlmann hat sein neues Bühnenstück „Der Mentor“ getauft und schreibt darin über seine eigene Zunft, über zwei Schriftsteller, einer alteingessesen, ein anderer momentan angesagt. Nach der Theaterpremiere folgte auch ein Radiohörspiel, das nun beim Audio Verlag veröffentlicht wurde. Gerade einmal vier Personen kommen in diesem dialoglastigen Hörspiel vor, und gerade deshalb dringt Kehlmann so tief in sie ein: Benjamin Rubin als recht arroganter Altstar des Theaters, vergrämt, dass seine Stücke nur noch als Reclam-Hefte existieren, seine eigenen Witze gebetsmühlenartig wiederholend, immer im Mittelpunkt stehen wollend. Im Gegensatz dazu Martin Wegener, der die aktuelle Kunstszene durchschaut und überall nur Oberflächlichkeit sieht, trotz großem Erfolg unsicher in seinem Tun. Als Randfiguren Martins Frau Gina, die vom Werk ihres Mannes nicht viel hält und sich mit Gedankenlosigkeit entschuldigt sowie Stiftungsmitglied Wangenroth (mit th) als Vermittler und enthusiastischer Kunstliebhaber. Doch es steckt noch mehr in „Der Mentor“, es wird die Frage nach der Bewertbarkeit von Kunst gestellt, es werden Beziehungen hinterfragt, und es zeigt sich, dass Geld doch über alles geht. Das ist bitter-böse geschildert, von feinem Humor durchzogen und hört sich trotz des ungewöhnlichen Themas sehr kurzweilig. Ein sehr gelungenes Projekt, dem ich – ganz subjektiv - meine volle Sympathie ausspreche.

Die vier Sprecher sind hervorragend ausgesucht und Treffen das Innerste ihrer Charaktere. Besonders im Gedächtnis bleibt dabei Franz Xaver Kroetz als Benjamin Rubin, der ebenso sanft und charmant wie raubeinig und arrogant klingen kann, mit scharfer Stimme verletzt und mit weichem Klang umschmeichelt. Ilja Richter spricht Erwin Wangenroth mit viel Enthusiasmus, Energie und setzt trotz seiner eher kleinen Rolle gekonnte Akzente. Christoph Bach ist als Martin Wegner zu hören, er kann besonders die Selbstzweifel, das Aufbäumen gegen die eigene Mittelmäßigkeit sehr treffend darstellen. Stephanie Schönfeld kann als Gina Wegner mit ihrem prägnanten Klang und ihrer sehr treffenden Umsetzung ihres Charakters überzeugen.

Das Hörspiel ist sehr sparsam umgesetzt, sodass der Charakter eines Theaterstücks erhalten bleibt. Musik ist nicht zu hören, nur einige Geräusche sind zu hören, um einige Vorgänge verständlicher zu machen. So konzentriert sich alles auf die Sprecher, sodass diese noch mehr im Vordergrund stehen und mit ihren vielfältigen Stimmungen für die notwendige Atmosphäre sorgen.

Franz Xaver Kroetz ist auf dem Cover porträtiert, er schaut seitlich in die Kamera und blickt reichlich ernst drein, das schwarz-weiße Foto vor dunklem Hintergrund passt sehr gut zu der Figur den Benjamin Rubin. Die restliche Gestaltung ist sehr schlicht gehalten, lediglich der Platz hinter der CD wird von dem Foto einer alten Villa in einem weitläufigen Park eingenommen und gibt so einen Eindruck von dem Schauplatz des Geschehens.

Fazit: Scharfsinnig und scharfzüngig wird das Aufeinandertreffen zweier Schriftstellergenerationen inszeniert, beide egoman und engstirnig, beide offenbaren im Laufe der Zeit wenig Respekt voreinander. Das Durchleuchten der Charaktere, die sich verändernden Beziehungen und die Frage nach dem Sinn von Kunst sorgen für ein herausragendes Stück, das mich in seinen 57 Minuten gefesselt hat.

VÖ: 1.Februar 2015
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-506-2


Ida, Paul und Frankensteins Katze



Erster Eindruck: Ein nerviger Bruder und ein Hexenhaus...

Ein Kater ist aus der Nachbarschaft von Ida und Paul verschwunden, eine Belohnung von 500 Kronen will die Besitzerin dem Finder geben. Da findet es Ida nicht mehr ganz so schlimm, dass ihr Vater arbeitslos ist und nimmt die Sache kurzentschlossen selbst in die Hand. Doch trotz einiger Bemühungen findet Ida den Kater nicht. Vielleicht kann ja der seltsame Hassan, der Hausmeister von Idas Schule, helfen...

Auch der dritte Teil der Kinderbuchreihe um Ida und Paul wurde vom SWR als Hörspiel vertont und ist nun beim Audio Verlag erhältlich. Und wie die beiden Vorgänger steckt deutlich mehr in der Handlung als lediglich eine vergnügliche Suche nach der entlaufenen Katze. Viele Themen werden dabei aufgegriffen, vordergründig ist beispielsweise die Beziehung zwischen Ida und ihrem Bruder Zappel beleuchtet. Zappel geht ihr ziemlich auch die Nerven, weil er ständig Witze falsch erzählt und recht quengelig wirkt. Im Laufe der Handlung schleicht sich auch eine kleine Geschichte um den merkwürdigen Hausmeister ein, der ein wenig verrückt erscheint. Was anfangs wie ein netter Nebenschauplatz mit Charme und Witz wirkt, bekommt hinterher noch deutlich mehr Tiefe und zeigt auch die Hintergründe auf. Die Einbindung des Märchens Hänsel und Gretel ist dabei ebenso gelungen und erstreckt sich von den ausgelegten weißen Steinen bis zu dem einsamen Hexenhaus. Am Ende der Geschichte wird es richtig traurig, der philosophische Ansatz, der schon in der vorigen Handlung durchschimmert, tritt hier noch deutlicher an den Tag und bietet auch kleineren Kindern einige verschiedene Sichtweisen. Ein sehr warmherziges und liebevolles Kinderhörspiel, das mich sehr überzeugen konnte.

Die Sprecher sind wieder sehr gut ausgewählt, sowohl in den Haupt- wie auch in den Nebenrollen. So kann Elisabeth Juhnke in der Rolle der Ida mit einer sehr präsenten und ausdrucksstarken Stimme überzeugen, die unterschiedlichen Gefühlslagen werden sehr glaubhaft wiedergegeben. Aufgekratzt und energiegeladen wirkt Maja Schäfermeyer als Zappel, der nervige kleinen Bruder erwacht so zum Leben und bringt Schwung mit ins Hörspiel. Ilja Richter schafft als Hausmeister Hassan eine sehr interessante und vielschichtige Figur, all Verwirrtheit und seine spätere Verzweiflung bekommen so noch mehr Gewicht. Weitere Sprecher sind Luca Baron, Fabian Busch und Doris Wolters.

Die Umsetzung des SWR ist sehr behutsam geschehen und stellt die Dialoge immer klar in den Vordergrund, die eingesetzten Erzählpassagen sind kurzweilig und nicht übermäßig. Musik wurde hier nicht verwendet, dafür lockern einige Geräusche die Handlung auf – mal um eine passende Atmosphäre zu schaffen, mal um Vorgänge deutlicher zu machen. Leider wirken einige wenige Sounds deplatziert und etwas übertrieben, beispielsweise beim Werfen eines Stockes.

Die sehr stilisierte Zeichnung auf dem Cover wurde von der Buchvorlage entnommen und wirkt recht düster und bedrückend. Der tiefblaue Hintergrund lässt die Mäntel von Ida und Paul – beide recht breit geraten – hell hervorstechen. Mir persönlich gefällt der Zeichenstil nicht allzu gut. Die restliche Gestaltung folgt wieder der strengen Aufteilung des Labels und enthält die üblichen Produktionsinformationen.

Fazit: Eine kleine Perle unter den Kinderhörspielen, das sowohl sehr lustig als auch traurig und nachdenklich wirken kann. Viele Elemente sind hier sehr gelungen aneinandergefügt und geben trotz der unterschiedlichen Stimmungen ein sehr rundes Bild ab. Am Ende gibt es noch einige Überraschungen und einen eleganten Ausstieg aus der Handlung. Sehr hörenswert!

VÖ: 1.Februar 2015
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-479-9


Doktor Schiwago



Erster Eindruck: Weltliteratur in schwerfälliger Umsetzung

Der als Waisenjunge in einer Pflegefamilie aufgewachsene Jurij Schiwago studiert trotz seines Hanges zur Dichtkunst Medizin und heiratet Tonja, die leibliche Tochter seiner Pflegeeltern. Nach dem Ausbruch des ersten Weltkrieges lernt er Lara kennen, die einen Klassenkameraden geheiratet hat, um dem Einfluss ihres Stiefvaters zu entgehen. Lara und Jurij verlieben sich ineinander, doch ihre Wege trennen sich bald wieder...

„Doktor Schiwago“ ist den meisten wohl in der Verfilmung von 1965 bekannt, auch die Neuauflage aus dem Jahr 2002 hat einige Anhänger gefunden. Doch die bekannte Vorlage wurde auch als Radiohörspiel im Jahr 1958 umgesetzt, ein Jahr nach dem Erscheinen des Romans. Die Umsetzung ist sehr trocken, gerade am Anfang sind zahlreiche zähe Passagen vorhanden. Lange Erzählpassagen reihen sich hier aneinander, es finden kaum Dialoge statt, die Handlung wirkt sehr statisch. Erst im weiteren Verlauf der Erzählung wirkt die Umsetzung lebendiger, doch von wirklicher Dynamik ist hier nichts zu spüren. Das erschwert den Zugang zum eigentlichen Stoff deutlich, sodass man viel Aufmerksamkeit und Konzentration aufbringen muss, um der Handlung zu folgen und die Charaktere und Ereignisse richtig zuordnen zu können. Dabei ist der Roman durchaus lohnenswert, die philosophischen Gedankenanstöße und die eindringliche Betrachtungsweise des menschlichen Zusammenlebens, der nachdenkliche und weise Charakter von Jurij sind gut miteinander verflochten, wenn man sich hier auch durch die altertümliche Sprache nicht abschrecken lassen sollte. Doch was als Roman gut funktioniert, lässt sich nun mal nicht einfach auch das Medium Hörspiel übertragen, zumal hier eher von einer Lesung mit verteilten Rollen zu sprechen ist, Geräusche oder gar Musik kommen hier nicht zur Geltung. Mich konnte diese Umsetzung leider gerade wegen des schwerfälligen Anfangs nicht so recht überzeugen.

Ludwig Cremer ist als Jurij Schiwago zu hören und verleiht seiner Figur eine starke Präsenz und einen eindringlichen Ausdruck, kann ihn facettenreich und mit viel Feingefühl erfassen. Auch Joana Maria Gorvin konnte mich als Lara überzeugen, ihre sanfte Stimme und ihre sehr präsente Sprechweise erschaffen eine lebendigen und vielseitigen Charakter. Ingeborg Christiansen wirkt als Tatjana sehr steif, sodass sie mich leider mit ihrer Stimme nicht erreichen konnte. Weitere Sprecher sind Rudolph Birkemeyer, Kaspar Brünunghaus und Paul Hoffmann.

Geprägt wird Das Cover von einer russischen Schönheit, ihr geheimnisvolles, fast schon edles Gesicht mit dem sanften Lächeln ist umrahmt von Pelzmütze und -mantel. Der recht schlichte Schriftzug lenkt hiervon nicht zu sehr ab. Im Inneren des hübsch gestalteten Digipacks findet sich noch ein Booklet mit Informationen zu einigen Mitwirkenden, dem Autor sowie einem sehr lesenswerten einführenden Text über die Geschichte des Werkes.

Fazit: Doktor Schiwago gehört zweifellos zur Weltliteratur und hat mit seiner ausdrucksstarken Handlung und den vielschichtigen Charakteren zurecht diesen Status. Diese Umsetzung ist jedoch zu zäh geraten und erschwert zudem den Einstieg in die Handlung, verliert sich in zu langen Monologen und kann erst im zweiten Drittel der über vierstündigen Erzählung etwas Dynamik präsentieren.

VÖ: 8.Dezember 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1716-3


Die unendliche Geschichte (WDR 2014)



Erster Eindruck: Jugendbuchklassiker neu aufgenommen

Bastian Buchs wird mal wieder von einigen Klassenkameraden verfolgt, als er sich in die Buchhandlung von Herrn Koreander flüchtet. Er entdeckt dort ein Buch namens „Die unendliche Geschichte“ und ist gleich fasziniert. Da er eigentlich Unterricht hätte, versteckt er sich auf dem Dachboden des Schulgebäudes und liest die Geschichte über Phantasien, das in großer Gefahr schwebt und dem unheimlichen Nichts bedroht wird.

Michael Ende hat 1979 seinen wohl bekanntesten und bedeutendsten Roman verfasst: „Die unendliche Geschichte“. Zahlreiche Adaptionen hat es seitdem gegeben, auch eine Hörspielversion von 1980 existiert bereits. Doch im Jahr 2014, 35 nach der Erstveröffentlichung des Romans, hat sich der WDR des Stoffes erneut angenommen und erzählt die Geschichte in viereinhalb Stunden neu. Eine zugehörige CD-Version ist nun bei Silberfisch erschienen. Die Handlung wurde leicht gekürzt, wobei das Wesen des Buches aber dadurch nicht verändert wurde. Vielmehr wurde viel Wert darauf gelegt, die vielen phantastischen Elemente zu bewahren und sie effektvoll umzusetzen. Jedes Wesen, jede besondere Szenerie wurde passend umgesetzt und bekommt so seine ganz eigene Stimmung, alles wirkt sehr lebendig und eingängig. Dabei sind die Szenen in Phantasien gut von denen in der realen Welt getrennt, schnell kann man sich trotz des für ein Jugendbuch recht komplexen Verlaufes gut orientieren. Das liegt auch daran, dass zwei verschiedene Erzähler verwendet werden, die sich gegenseitig ergänzen. Immer tiefer verliert sich Bastian im Laufe der Handlung in „Die unendliche Geschichte“, immer weiter verwischen die Grenzen zwischen Phantasien und der realen Welt, und genauso kann man sich immer weiter in das Hörspiel hineinversinken lassen. Und trotz all der Unterhaltung, trotz all der phantastischen Einfälle, ist die Handlung auch in dieser Umsetzung sehr tiefgründig, stimmt nachdenklich. So hören sicherlich nicht nur Jugendliche gern zu, sondern auch Erwachsene. Eine sehr gelungene Neuinterpretation des Klassikers, die mich vollends überzeugen konnte.

Wunderbare Sprecher wurden ausgesucht, um die vielen Wesen Phantasiens zum Leben zu erwecken. Im Vordergrund steht jedoch Benny Hogenacker als Bastian, der einen nachdenklichen und verträumten Eindruck hinterlässt, gegen Ende aber noch etwas energischer hätte wirken können. Finn Oleg Schlüter ist als Atreju zu hören, der mit viel Nachdruck und einer lebendigen Sprechweise überzeugen kann. Mechthild Großmann hat mir als Morla sehr gut gefallen, spricht langsam und bedächtig mit ihrer sehr klangvollen Stimme. Sehr gelungen auch die großartige Cathlen Gawlich als Ygramul, die ihren kurzen Auftritt sehr nachhaltig gestaltet. Weitere Sprecher sind unter anderem Hans Kremer, Anna Thalbach und Sebastian Rudolph.

Felix Rösch hat eigens für diese Produktion neue Musik komponiert, die mit dem Symphonieorchester des WDR eingespielt wurde. So ergeben sich klassische Töne, die sich sehr gut an die jeweilige Handlung anpassen und mit vielen interessanten Klängen sehr abwechslungsreich gestalten. Hinzu kommen noch zahlreiche sehr gut platzierte Geräusche und Effekte, die die Welt von Phantasien sehr lebendig und greifbar gestalten.

Die sechs CDs dieser Veröffentlichung befinden sich in einzelnen einfachen Plastikhüllen, die in einer stabilen Box lagern. Das Cover orientiert sich dabei an der Buchveröffentlichung und ist zu großen Teilen in einem Olivton gehalten, das von einigen Ornamenten verziert sind. Im Mittelpunkt ist eine mit Aquarellfarben gezeichnete Darstellung von Phantasien und dem Elfenbeinturm zu sehen. Zudem liegt ein Booklet bei, das mit vielen Fotos und kleinen, ergänzenden Kommentaren gelungen gestaltet wurde.

Fazit: Die phantasievolle Geschichte wurde hier vielseitig und sehr stimmig umgesetzt, wobei das Wesen des Buches erhalten geblieben ist. Neben all den phantastischen Elementen wird die Tiefgründigkeit nicht vernachlässigt. Eine sehr gelungene Neuinterpretation mit einer sehr stimmigen Umsetzung.

VÖ: 9.Dezember 2014
Label: Silberfisch
Bestellnummer: 978-3-86742-723-4


Paul Temple und der Fall Gregory



Erster Eindruck: Neuaufnahme des verschollenen Temples mit ganz eigener Note

Eine Serie an Morden und jungen Frauen erschüttert das Land, mindestens drei Leichen sind schon gefunden worden. Dabei gibt es immer wieder Hinweise des Täters, der sich „Gregory“ nennt und die Polizei damit an der Nase herumführt. Auch Kriminalautor und Hobbydetektiv Paul Temple wird auf den Fall aufmerksam gemacht – und das gleich von ganz unterschiedlichen Stellen...

Der Hörverlag veröffentlicht „Paul Temple und der Fall Gregory“ - was vielen wohl nicht sonderlich bemerkenswert vorkommen dürfte, für Kenner aber eine kleine Revolution ist. Denn das erste Hörspiel der Reihe galt lange als verschollen, da die teuren Aufnahmebänder nach der ersten Sendung des NWDR wohl wiederverwendet wurden. Es ist auch nicht das Originalhörspiel, sondern eine Rekonstruktion, die mit erhaltenen Textpassagen und einer noch vorhandenen norwegischen Tonaufnahme zusammengestellt wurde. Und auch die Erzählweise ist eine Revolution, denn der bekannte Schauspieler und bekennender Hörspielfan Bastian Pastewka hat eine Gruppe von vier weiteren Sprechern um sich geschart und neben den „klassischen“ Dialogen auch immer wieder Einwürfe eingebaut, in der das Geschehen kommentiert oder auch einfach nur ein wenig gestritten wird. Temple-Puristen werden hier wohl keine Freude daran finden, ich jedoch empfinde diese Umsetzung als mehr als gelungen. Denn gerade diese Situationen, machen das Salz in der Suppe aus, es werden Hintergrundinformationen gegeben und auch die scheinbar widersinnigen und aufgesetzten Details erklärt. Zudem und vor allem sind sie aber extrem witzig und haben einen vorzüglichen Humor – sowohl was Paul Temple, das Medium Hörspiel als auch die Schauspieler selbst angeht. Das Erstaunliche ist, dass trotz allen Humors auch die Liebe zum Hörspiel und dem Werk von Durbridge durchkommt und eine spannende und komplexe Handlung geboten wird, einige Höhepunkte und viele zwielichtige Figuren sorgen dabei für klassisches Temple-Feeling. Ich bin begeistert von dieser ebenso humorvollen wie traditionellen Umsetzung und finde, dass hier beides bestens vereint wurde.

Fünf Sprecher gestalten das eindreiviertel-stündige Hörspiel und schlüpfen dabei teilweise in viele verschiedene Rollen. Bastian Pastewka ist dabei als Paul Temple zu hören, er lehnt sich dabei an die Interpretation von René Deltgen an, bringt aber auch eine eigene Note mit ein und nimmt die Rolle hörbar ernst. Janina Sachau ist als seine Ehefrau Steve zu hören, sie überspitzt die Figur deutlich und legt sie eher humoristisch an, was mir aber durchaus gut gefällt. Alexis Kara überzeugt in verschiedenen Rollen mit einer großen Wandlungsfähigkeit und verleiht jeder Rolle eine eigene Note. Diverse Sergeants und auch andere Rollen werden von Inga Busch gesprochen, deren prägnante rauchige Stimme gut in das Ambiente der Handlung passt. Kai Magnus Sting ist unter anderem als Sir Graham Forbes zu hören, auch er kann eine breite Palette an unterschiedlichen Klängen anbieten. Gemeinsam, in den scheinbar improvisierten Zwischendialogen, entfaltet jeder noch eine ganz eigene Persönlichkeit.

Die akustische Gestaltung orientiert sich hörbar an den klassischen Temple-Hörspielen, zackige Melodien, laute Blechbläser, pointierte Musikstücke an den spannendsten Stellen sind hierfür Stilmittel. Und auch eine altehrwürdige Geräuschkulisse mit zahlreichen knarrenden Türen unterstützt die Dialoge, die jedoch immer im Vordergrund stehen. Wirklich witzig sind die von den Protagonisten eingesungenen Lieder, die an Schlager der 40er Jahre erinnern, viel Schwung haben und zudem noch urkomisch sind.

Die Veröffentlichung der ursprünglichen Temple-Hörspiele zeigten eine schwarze Silhouette samt Hut und Pistole, hier wurde werbewirksam auf das Gesicht von Pastewka gesetzt, die aber immerhin eben jene Utensilien in die Kamera hält. Und auf dem hellblauen Hintergrund ist dann zumindest ein Schattenriss mit typisch Londoner Motiven zu sehen. Das ins Digipack eingeklebte Booklet enthält noch einige zusätzliche Informationen und Fotos, die CDs haben den Look einer alten Schallplatte – eine sehr stimmige Gestaltung.

Fazit: Der lange verschollene Fall hier in einer Neuinterpretation, die um witzige Details ergänzt wurde. Fünf Sprecher in vielen Rollen, die den klassischen Paul Temple mit kleinen Diskussionen und Anmerkungen anreichern. Trotz allen Witzes kommt von allen Beteiligten die Liebe zu diesem Projekt deutlich herüber. Ein gewagtes, aber ebenso gelungenes Experiment!

VÖ: 10.November 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1718-7


Die Schatzinsel



Erster Eindruck: Gelungene Neuinterpretation des Klassikers

Seit sich der Seefahrer William Bones im Gasthof „Zum Admiral“ einquartiert hat, herrscht dort eine ziemlich raue Stimmung. Zwar ist der kranke Gastwirt alles andere begeistert, doch sein Sohn Jim kann sich wöchentlich einen Silbertaler verdienen, wenn er Ausschau nach einem einbeinigen Piraten hält. Als dieser tatsächlich auftaucht, beginnt für Jim das aufregendste Abenteuer seines Lebens...

„Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson ist längst zu einem Klassiker der Jugendliteratur geworden, schon einige male wurde die Geschichte als Film oder auch als Hörversion umgesetzt. Braucht es da noch eine weitere Vertonung? Der Hörverlag gibt mit der CD-Version einer Produktion des hessischen Rundfunks eine eindeutige Antwort darauf, und die lautet ja! Mit fast 4 Stunden Laufzeit ist diese Vertonung deutlich länger als andere Umsetzung, ist aber zu keiner Zeit langatmig, sondern unterhält immer bestens mit einer sehr dichten Atmosphäre. Die einzelnen Szenen werden sehr genau ausgekostet, sodass der abenteuerliche Charakter der Handlung noch weiter in den Vordergrund gerückt wird. Zahlreiche packende Szenen, doch zwischendrin auch immer wieder ruhigere Passagen, die die Dynamik erhöhen und sich sehr stimmig einfügen. Doch im Vordergrund steht immer dieser sehr abenteuerliche Charakter, der durch treffende Wortwahl und eine wunderbare Inszenierung unterstrichen wird. Der absolute Großteil der Handlung ist in Dialogen erzählt, nur wenige Kommentare durch Jim Hawkins dienen als Erzähltexte, was einen sehr lebendigen Eindruck erzeigt. Für mich die beste Hörspiel-Umsetzung der Schatzinsel, die mich völlig mitreißen konnte.

Maximilian von der Groebe ist eine hervorragende Wahl für die Rolle des Jim Hawkins, der gleichzeitig auch in kurzen Erzählpassagen zu hören ist. Er spricht sehr lebendig, voller Energie und kann dabei die spannenden und dramatischen Szenen besonders gut betonen. Udo Wachtveitl spricht Long John Silver sehr betont und mit viel Nachdruck, schafft einen imposanten Charakter und kann sehr variabel die verschiedenen Szenen meistern. Hervorragend auch Thomas Fritsch, der mit seiner markanten und einprägsamen Stimme Billy Bones immer sehr standfest und prägnant umsetzt. Weitere Sprecher sind unter anderem Sylvester Groth, Gerd Wameling und Ulrich Pleitgen.

Die Inszenierung der Geschichte ist herausragend gelungen, die musikalische Umsetzung voller Vielfalt und Atmosphäre. Eingesetzt werden insbesondere klassische Orchesterklänge, die sich sehr eng um die Dialoge schmiegen und auch während der Gespräche sanft eingesetzt werden. Das legt die Betonung auf die verwegene Stimmung, die Szenen auf hoher See werden zudem mit einer passenden Geräuschkulisse unterlegt.

In schlichten Lettern ist auf dem Cover der Titel auf einer Art Schatzkarte gedruckt, während das eigentliche Motiv einige Männer in der Takelage eines Segelbootes zeigt. Der schwarz-weiße Motiv haftet Patina an, was bestens zu der Stimmung des Hörspiels passt. Das Booklet im Inneren des dicken und stabilen Digipacks enthält einige Fotos, viele zusätzliche Informationen und einen lesenswerten Einleitungstext über die Entstehung der Produktion.

Fazit: Auch wenn die Geschichte bereits bekannt ist, wird ihr hier viele neue Facetten abgerungen. Trotz der Länge ist alles sehr kurzweilig und unterhaltsam erzählt, die Stimmung und die packende Atmosphäre werden in den Vordergrund gestellt. Eine sehr eindringliche und rundum gelungene Produktion.

VÖ: 13.Oktober 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1591-6


Der Räuber Hotzenplotz - Live



Erster Eindruck: Klassiker in Live-Umsetzung

Der Räuber Hotzenplotz hat die Kaffeemühle der Großmutter gestohlen, die beim Mahlen eine schöne Melodie spielt. Als Seppl und Kaspar die verängstigte alte Dame finden, beschließen sie sofort, ihr zu helfen und die Mühle zurückzubekommen. Dafür stellen sie dem Räuber Hotzenplotz eine Falle – doch so einfach lässt sich der gerissene und skrupellose Mann nicht ins Bockshorn jagen...

Der Räuber Hotzenplotz ist wohl eines der bekanntesten Kinderbücher Deutschlands, die Geschichte von Otfried Preußler mit den klassischen Kasperlthater-Figuren wird auch heute noch in vielen Kinderzimmern vorgelesen. Nun ist beim Audio Verlag eine weitere Umsetzung erschienen, die eine kleine Besonderheit hat: Hier wurde ein Live-Hörspiel aufgezeichnet. Die so entstandene Atmosphäre ist eine ganz besondere, da beispielsweise auch Kinderlachen zu hören ist und die Geräusche ungefiltert herüberkommen. Die Macher haben viel Wert auf den Witz der Geschichte gelegt und die entsprechenden Szenen besonders betont. So verliert beispielsweise der böse Zauberer etwas an Schrecken, Kasperl und Seppl steigern sich immer weiter in komische Dialoge herein und haben eine wunderbar rotzige Art an sich. Die Handlung ist dabei spannend in Szene gesetzt und sehr abwechslungsreich gestaltet, da die Geschichte immer wieder zwischen verschiedenen Szenen wechselt. Das ist hier sehr gut umgesetzt worden und kann gerade gegen Ende noch einmal mehr Fahrt aufnehmen. Eine sehr gelungene und lebendige Umsetzung des bekannten Werkes, die mir wegen seiner wunderbaren Stimmung sehr gut gefallen hat.

Wolfram Koch ist als Räuber Hotzenplotz zu hören und gestaltet seine Rolle hervorragend, poltert und grantelt sich durch die Handlung und wirkt dabei trotz des rauen Untertons immer noch sympathisch. Daniel Rotaug und Burak Yigit spielen sich als Kasperl und Seppl immer wieder gekonnt die Bälle zu, sind auch mal ein bisschen albern und gehen sehr gut auf das junge Publikum ein. Hans-Martin Stier hat mit als Zauberer Zwackelmann ebenso gut gefallen, er spricht herrisch, streng und wirkt machtvoll, was sehr gut zu der Rolle passt. Weitere Sprecher sind Kathrin Ackermann, René Heinersdorff und Nagmeh Alaei.

Die Geräusche stammen hier von Max Bauer, der diese live während der Lesung eingebaut hat. Erstaunlich, wie viele verschiedene Klänge er erzeugt und wie gut diese zur Handlung passen. Auch das Timing ist dabei sehr gelungen, sodass alles sehr stimmig wirkt. Auch die Musik wurde live eingespielt, wofür das „Twintett“ verantwortlich ist. Die Melodien wirken fröhlich und ergänzen Sprecher und Geräusche sehr gut.

Eine typische Zeichnung von Otfired Preußler ziert das Cover zu diesem Hörspiel, das wieder in einem hochwertigen Digipack untergebracht ist. Die strenge Aufteilung des Labels wurde auch hier wieder eingehalten und verlieht der gesamten Aufmachung eine klare Linie. Das Titelbild zeigt den Räuber Hotzenplotz vor einem Mikrofon, und auch der rote Vorhang im Hintergrund deutet auf die Live-Aufnahme hin.

Fazit: Die Geschichte ist hervorragend und funktioniert auch Jahrzehnte nach der Entstehung noch wunderbar – auch in dieser ungewöhnlichen und sehr gelungenen Umsetzung. Viele witzige Momente, aber auch eine große Portion Spannung sorgen immer für Spannung und sehr gute Unterhaltung, während die liebevollen Charaktere sehr gut zur Geltung kommen.

VÖ: 1.August 2014
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1426-3


Sultan und Kotzbrocken in einer Welt ohne Kissen



Erster Eindruck: Tausche Luxus gegen simples Leben

In seinem Palast lässt es sich der Sultan richtig gut gehen, er faulenzt jeden Tag und lässt sich von seinen Frauen und Dienern verwöhnen. Bis eines Tages der Richte feststellt, dass der Sultan gar keinen Anspruch auf den Thron hat. Und so muss der Sultan seinen Palast räumen und will fortan bei seinem Diener Kotzbrocken leben – doch keine seiner Frauen will ihn in die kleine Hütte begleiten...

Bereits den ersten Teil von „Sultan und Kotzbrocken“ hat der Audio Verlag als Hörspiel für Kinder in der wunderbare Serie mit dem weißen Rücken veröffentlicht, auch der Nachfolgeband „Sultan und Kotzbrocken in einer Welt ohne Kissen“ - wieder aus der Feder von Claudia Schreiber – wurde vom WDR vertont und auf CD gepresst. Die Geschichte beginnt, wo die vorige aufgehört hat: Der Sultan genießt sein müheloses Leben mit seinen vielen Frauen und Dienern, doch eigentlich hat er von nichts wirklich eine Ahnung. Das macht sich immer wieder bemerkbar, der Sultan muss sich vieles erklären lassen – was den zuhörenden Kindern nicht schaden kann. Kurzum wird er aus dem Palast verbannt und muss lange bis zum Haus seines einstigen Dieners wandern und harter, körperlicher Arbeit nachgehen. Ein wichtiges Thema des Hörspiels ist es, wie er sich langsam daran gewöhnt und sogar Gefallen an dem einfachen und schlichten Leben findet. Das gefällt und ist sehr gelungen umgesetzt, viele erheiternde Momente ziehen sich durch die Handlung. Viele wichtige Werte werden vermittelt, was aber nie mit erhobenem Zeigefinger geschieht, sondern witzig und heiter. Hübsch auch die Auflösung des Ganzen, die Handlung endet mit einem völlig veränderten Sultan, der weise und gutmütig geworden ist. Die über 80 Minuten Laufzeit vergehen so sehr schnell, was bei den vielen liebevolles Details wie der mit kölnischem Akzent sprechenden Frau oder den Vorstellungen des Sultans nicht verwunderlich ist. Eine gelungene Fortsetzung mit einer doch etwas anderen Stimmung als der Vorgänger, aber ebenso unterhaltsam und kurzweilig gelungen.

Als Sultan ist erneut Tommi Pieper zu hören, dessen etwas raue und volltönende Stimme viel Aufmerksamkeit erregt und der den Sultan mit hörbarer Spielfreude verkörpert. Dabei geht er sehr gut auf die Wandlung des eigensinnigen Mannes ein und macht diese regelrecht erlebbar. Albert Kitzl hat die Rolle des Kotzbrockens übernommen, lässt diese Figur zurückhaltend und freundlich, aber auch bestimmend und gegen Ende mit einem Hauch von Schadenfreude klingen. Erzählerin ist Nicole Heesters, die mit ruhiger und sonniger Stimme durch die Handlung führt, ihre Passagen lebendig klingen lässt und die wichtigsten Informationen geschickt vermittelt. Weitere Sprecher sind Jochen Stern, Valentin Stroh und Paul Faßnacht.

Akustisch wurde das Buch behutsam adaptiert, der Fokus liegt dabei deutlich auf den Dialogen, Geräusche und Musik finden eher im Hintergrund statt und lenken nicht von der Handlung ab. Einige stimmungsvolle und kindgerechte Musikstücke wurden eingebaut und sorgen für die passende Stimmung, während die Geräusche die Dialoge an den passenden Stellen lebendiger wirken lassen.

Der Audio Verlag hat das Hörspiel in ein ansehnliches Digipack verpackt, das hübsch gestaltet wurde und in der klare Aufteilung der Serie gehalten ist. Das Cover ist natürlich der Buchausgabe entnommen, vor dem einfarbigen Hintergrund ist beige ist eine lange Straße angedeutet, auf der der dünne, große Kotzbrocken und der kleine, mürrische und dicke Sultan von dem Palast im Hintergrund samt einiger winkender Frauen weg wandern.

Fazit: Eine gelungene Fortsetzung, die mit leicht geänderter Stimmung und anderer Besetzung der Sprecher vielleicht nicht ganz so stark ist, dafür aber viele wichtige Werte auf sehr amüsante Weise präsentiert. Die extravagante Figur des Sultan, der mit dem simplen Leben konfrontiert wird, macht eine glaubhafte Änderung durch, die Geschichte ist mit vielen lustigen Details ausgeschmückt. Witzig und unterhaltsam.

VÖ: 1.November 2014
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-408-9


November 1918. Eine deutsche Revolution



Erster Eindruck: Beeindruckende Nachkriegserzählung

Im November 1918 ist der erste Weltkrieg für Deutschland verloren, es ist eine Zeit der Unsicherheit und des Zweifels. Man hört von einer Revolution, von der Besetzung durch die Franzosen, die Macht der Monarchie nimmt immer weiter ab. Und in all diesen Wirren, den verletzten Menschen, den zerstörten Seelen sind unzählige Einzelschicksale vorhanden, von denen einige hier betrachtet werden...

Alfred Döblins mehrbändiger Roman „November 1918“ wurde von Norbert Schaeffer als Hörstück umgesetzt, neben der Ausstrahlung bei verschiedenen Radiosendern gibt wurde dies auch beim Hörverlag veröffentlicht. Bewusst habe ich den Begriff Hörspiel vermieden, denn obwohl das Produkt so angeboten wird und per Definition wohl so einzuordnen ist, ist „November 1918“ ganz anders und wirkt eher wie eine Hörcollage. Verschiedene Ausschnitte werden hier aneinander gereiht, ganz unterschiedliche Menschen vorgestellt, ihre Situation und damit auch ein Querschnitt durch Deutschland dargestellt. Neben den eingesprochenen Passagen werden auch einige wenige Originalaufnahmen eingespielt, es gibt stille Momente, ruhige Szenen ebenso wie dramatische Momente, packend in Szene gesetzt. Und so entsteht ein bedrückendes, realitätsnahes und auch emotionales Hörspiel, das Geschichte lebendig erlebbar macht, einen in seinen Bann zieht und die schreckliche Nachkriegszeit in vielen Facetten erscheinen lässt.

Über 50 Sprecher wurden hier engagiert, und jeder nimmt seine Sache sehr ernst, steigert sich in jede noch so kleine Rolle hinein und sorgt für einen sehr authentischen Eindruck. Überraschend ist dabei Jan Hofer, den man bisher nur als Nachrichtensprecher und Moderator kannte, der hier als Erzähler aber auch eine sehr gute Figur macht. Er nimmt sich selbst zurück, kann aber mit seiner angenehmen und ausdrucksstarken Stimme die kleinen Texte emotional aufladen. Jakob Diehl beeindruckt mit seiner mitreißenden Stimme, der dynamischen Gestaltung seiner Passagen und der intensiven Klangfarbe. Laura Maires zarte und helle Stimme bildet einen krassen Kontrast zu der bedrückenden Atmosphäre, sie sticht aus dem übrigen Ensemble etwas heraus und kann die Aufmerksamkeit auf ihren interessanten Charakter lenken, den sie mit Nachdruck umzusetzen versteht. Weitere Sprecher sind unter anderem Sebastian Rudolph, Hanns Zischler und Burghardt Klaußer.

Die akustische Umsetzung ist dem Hörstück und der Vorlage sehr angemessen und schlägt ganz andere Wege ein als andere Produktionen. Es schafft dem Hörer kaum Freiräume durch Pausen oder eingebaute Melodien, instrumentalisiert nur sehr sanft und bedächtig, setzt Geräusche sehr effektvoll und passgenau ein, hier ist nichts überflüssig eingebaut, sondern präzise abgestimmt.

Die fünf CDs befinden sich in einem mehrfach ausklappbaren Digipack, dass von der Qualität her dem üblichen Standard des Labels entspricht und ansehnlich gestaltet wurde. Ein umfangreiches Booklet loegt bei, das erfreulich viele und tiefgreifende Zusatzinformationen bietet. Da keine aktuelle Buchausgabe vorliegt, wurde ein eigenes Titelbild designt, das eine schwarz-weiße Fotografie zeigt, auf der eine große Gruppe an Menschen auf einer öffentlichen Straße auf den Betrachter zuzugehen scheint. Das obere Drittel ist für Schriftzug und die Nennung einiger Mitwirkender reserviert.

Fazit: Ein emotional wuchtiges und aufgeladenes Hörspiel, dass die Wirren am Ende des ersten Weltkrieges erlebbar, spürbar, fast greifbar macht und eine packende Collage an verschiedenen Menschen und Schicksalen präsentiert. Die ganz unterschiedlichen Stimmungen wirken insgesamt bedrückend. Eine hervorragende Aufarbeitung eines Stückes Zeitgeschichte.

VÖ: 28.Juli 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1458-2


Krimi Kult Kiste – Die fünfte Staffel



Erster Eindruck: Smarte Detektive im Dreierpack

Paul Temple und seine Frau Steve werden unversehens in einen neuen Mordfall hereingezogen, der sich rund um den Roman „Zu jung zum Sterben“ dreht. Dessen Verleger war in einen tödlichen Unfall verwickelt, doch seine Witwe glaubt an Mord. Je weiter die beiden in den Fall durch ganz Europa eintauchen, desto gefährlicher wird es für sie... (Paul Temple und der Fall Genf)
Paul Cox ist fasziniert von der jungen Dame, die sein Leben ziemlich durcheinander bringt. Sie benutzt verschiedene Namen und führt den Profispieler in einen illegalen Salon, doch wirklich greifbar ist sie für ihn nie – selbst, als er wegen ihr in große Gefahr gerät... (Gestatten, mein Name ist Cox – Die kleine Hexe)
Der Tod der Autorin Margrit verursacht viel Aufsehen – gleich drei Männer, die mit ihr eine Beziehung hatten, suchen Philipp Odell auf und bitten um seine Hilfe. Und dies ist nicht der letzte Mord in diesem undurchsichtigen Fall... (Die Dame schreibt)

Die Krimi Kult Kisten des Hörverlages enthalten „klassische“ Krimiproduktionen aus den Hochzeiten des Hörspiel, den 60er Jahren. Die fünfte Staffel enthält drei wunderbare Geschichten, die bekannte Detektive in den Mittelpunkt stellt und die eine große Fangemeinde angesammelt haben: Paul Temple, Paul Cox und den etwas weniger bekannten Phillip Odell, der in der „Dame“-Reihe mehrere Einsätze hatte. Den drei Hörspielen ist gemein, dass sie schön langsam erzählt werden, hektische Schnitte oder verknappte Dialoge sind hier nicht zu finden. Die einzelnen Szenen gehen meist recht lang, die Dialoge werden ausführlich dargestellt und legen den Schwerpunkt auf die Ermittlungen. Der Paul Temple-Fall ist mit vielen geschickten Winkelzügen versehen und offenbart immer neue Details über die Hintergründe, erzählt von recht ungewöhnlichen Charakteren und offenbart an vielen Stellen wunderbaren trockenen Humor. Bei Paul Cox geht es recht turbulent zu, viele ganz unterschiedliche Situationen inklusive einiger Mordanschläge, die Cox auf seine sehr coole und gelassene Art wegsteckt und sich immer weiter in das gelungene Konstrukt des Falles verstrickt. „Die Dame schreibt“ ist nicht der beste Fall um Philipp Odell, dazu verliert sie gegen Ende zu viel Fahrt. Dennoch sind die dargestellten Charaktere und besonders der herrliche Wortwitz sehr gelungen. Alle drei Fälle sind hervorragend geeignet für Fans des Genres, die lange Laufzeit mit ausführlichen Dialogen, die dementsprechend komplexen und vielschichtigen Fälle und der trockene Humor sind bei allen dreien sehr gelungen.

Drei starke Hauptcharaktere – drei starke Sprecher. Rene Deltgen ist hervorragend in der Rolle des Paul Temple, spricht sehr charmant und liebenswert, bringt den trockenen Humor seines Charakters bestens zur Geltung und hat eine sehr markante Stimme. Arno Assmann lässt als Paul Cox durch all die Coolness, das selbstsichere Auftreten und die lockeren Sprüche hier immer wieder andere Facetten schimmern und schafft so einen vielfältigen Charakter. Albert C. Weiland wählt für seine Rolle als Philipp Odell eine sehr ausdrucksstarke und betonte Sprechweise, legt eine große Schlagfertigkeit an den Tag und kann mit einem gelungenen Timing punkten. Weitere Sprecher in den drei Fällen sind unter anderem Franz Josef Steffens, Elisabeth Linhardt und Brigitte Dryander.

Trotz unterschiedlicher Entstehungsjahre und anderer Produzententeams lässt sich in der akustischen Gestaltung eine einheitliche Linie erkennen. Es geht immer eher ruhig und mit deutlichem Fokus auf die Dialoge zu, nur selten werden Musikstücke eingebaut, dafür gibt es an einigen passenden Stellen eingängige und klare Geräusche. Die notwendige Stimmung wird so durch die sehr guten Sprecher erzeugt.

Die Gestaltung der Krimi Kult Kisten ist immer recht ähnlich: In der schlichten Pappbox stecken drei ebenso schlichte dicke Plastikhüllen. Jedes Cover wird von einem nur leicht variierten Cover geziert. Grundlage ist hier ein knallorangener Farbton, auf dem die schwarzen Silhouetten der Männer samt Hut, Pistole oder Zigarre sehr gut zur Geltung kommen. Jeweils ein eigenes Booklet enthält die entsprechenden Informationen zu den Hörspielen.

Fazit: Die Krimi Kult Kiste wartet in der fünften Staffel mit drei Ermittlern auf, die in klassischen, mehrstündigen Krimis mit Charme, Coolness und Witz überzeugen können. Die Fälle sind immer recht verwickelt und gar nicht so leicht zu durchschauen, die Erzählweise wirkt trotz langer Dialoge kurzweilig und spannend. Sehr hörenswert!

VÖ: 4.März 2009
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8671-7395-7


Unter dem Milchwald – Drei legendäre Hörspielinszenierungen



Erster Eindruck: Phantasievolles Meisterwerk

Das kleine walisische Fischerdorf Llareggubb erlebt einen ganz gewöhnlichen Tag, doch ihre Bewohner erleben ihn sehr unterschiedlich. Ein blinder und einarmiger Kapitän träumt von seinen toten Seekameraden, ein Briefträger liest die Post seiner Empfänger, eine Pensionswirtin weigert sich, Gäste aufzunehmen, da diese das Andenken an ihren verstorbenen Mann beschmutzen könnten...

„Unter dem Milchwald“ war ursprünglich ein englischsprachiges Hörspiel, das Dylan Thomas einige Tage vor seinem Tod geschrieben hat und zu einer großen Popularität gelangt ist – so groß, dass neben einer Verfilmung auch weitere Hörspielumsetzungen folgten. Das britische Original sowie zwei deutsche Umsetzungen, von 1954 und 2003, hat der Hörverlag zusammen in einer Box veröffentlicht, sodass man den Tag in dem kleinen Dorf gleich dreimal erleben kann. Es fällt schwer, „Unter dem Milchwald“ einem Genre zuzuordnen, die die Erzählweise eine ganz besondere ist. Es gibt keine Handlung, vielmehr werden verschiedenste Dialoge mit ganz unterschiedlichen Figuren aneinandergereiht, teilweise nur kleine Ausschnitte und Gedankenfetzen, teilweise ausführlicher. So taucht man nicht nur in eine, sondern in zahlreiche Lebensrealitäten ein, findet sich in immer neuen Situationen wieder und erlebt so eine Vielzahl an Stimmungen. Von traurig melancholischen über romantische oder vor derben Humor triefenden Szenen ist eine sehr breite Palette mit dabei. Interessant auch die schnellen Wechsel, die vom Hörer natürlich einige Aufmerksamkeit verlangt, dafür aber einen ganz eigenen Reiz entfaltet. Schnell findet man sich in den einzelnen Szenen zurecht und ist gespannt, welche kleine Entwicklung auf einen wartet, bis man in die nächste Situation bewegt wird. Eine wunderbar träumerische Erzählung voller Fantasie und Gefühl, das mich völlig mitreißen konnte.

Richard Burton ist in der englischen Fassung in der Rolle eines Erzählers zu hören, er spricht diese mit tragender, volltönender Stimme und verleiht dem Hörspiel eine gewisse Dramatik. Inge Meisel spricht in der deutschen Version von 1954 mit, ihr unverkennbarer Klang war auch damals schon sehr eingängig und präsent, sie liefert eine absolut überzeugende Vorstellung ab. In der neuen Hörfassung von 2003 ist unter anderem Boris Aljinovic zu hören, sein tiefer, sonorer Klang mit den vielen Facetten verleiht dem Hörspiel eine träumerische Note. Weitere zu hörende Sprecher sind Manfred Steffen, Harry Rowohlt und Sophie Rois.

Natürlich sind die drei Hörspiele in ihrer akustischen Gestaltung sehr unterschiedlich geworden. Die beiden älteren Produktionen kommen gänzlich ohne Musik aus, nur einige wenige Klangelemente sind hier zu hören und trennen einzelne Szenen voneinander, sodass die Betonung hier völlig auf den ausdrucksstarken Sprechern liegt und das Ganze den Charme einer Theateraufführung erhält. Die neue Version von 2013 hingegen arbeitet mit ganz unterschiedlichen Klangwelten, untermalt damit auch die gesprochenen Worte. So entsteht ein sehr lebendiger und phantasievoller Ausdruck, da mit prägnanten Instrumenten bestimmte Stellen deutlich betont werden.

Ein wenig von der im Hörspiel erzeugten Stimmung kann auch auf dem Cover wiedergegeben werden, das ähnlich kreativ und phantasievoll wirkt. Auf einem olivgrünen Hintergrund ist ein knorriger Baum zu sehen, ein Seil um Stamm und Äste gewickelt, daran ist ein Anker zu sehen. Autor und Titel sind in einfachen, bunten Lettern aufgedruckt. Die einzelnen CDS befinden sich in einer stabilen, ansehnlichen Pappbox jeweils in einer eigenen Hülle.

Fazit: Ein faszinierendes und ungewöhnliches Werk, das zahlreiche verschiedene Mini-Szenen aneinander reiht und so eine Vielfalt an verschiedenen Stimmungen und Gefühlen erzeugen kann. Darauf muss man sich einlassen können und auch in der passenden Stimmung sein, dann aber ist „Unter dem Milchwald“ ein hervorragendes Werk – und das in gleich drei Umsetzungen, von denen eine auf englisch, eine sehr nüchtern und eine aufwändig inszeniert wurde.

VÖ: 9.Juni 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1410-0


Orlando (Virginia Woolf)



Erster Eindruck: Mann oder Frau?

Orlando, ein junger Adeliger mit Hang zur Poesie, steht hoch in der Gust von Königin Elisabeth I und erhält von ihr einen Landsitz. Doch nach einer enttäuschten Liebe zieht er sich zurück und widmet sich der Schriftstellerei. Wegen einer aufdringlichen Verehrerin flüchtet er nach Konstantinopel – und erwacht nach einem mehrtägigen Schlaf als Frau. Er versucht, sich mit seiner neuen Rolle anzufreunden und erlebt dabei gleich mehrere Epochen der englischen Geschichte...

Mit „Orlando“ hat Virginia Woolf einen Roman erschaffen, der nicht zu ihren ganz großen und bedeutenden Werken gehört, ihr aber dennoch sehr am Herzen lag und viele experimentelle Elemente in sich vereint. Vom Bayrischen Rundfunk stammt eine Hörspieladaption des Romans im Jahr 2013, das nun beim Hörverlag auch als Kauf-CD erhältlich ist. Ich habe etwas gebraucht, bis ich mich hier richtig eingefunden habe, die Handlung startet recht bedächtig, lange Zeit ist nicht klar, in welche Richtung sie sich entwickeln wird. Der angenehme und gut verständliche Erzählstil erleichtert dies aber, und spätestens mit der Verwandlung zur Frau ist Orlando zu einem eingängigen Hörspiel geworden. Die Metamorphose der Hauptfigur steht im Mittelpunkt und erlaubt einige interessante Ansatzpunkte und Betrachtungsweisen, hinterfragt die unterschiedlichen Rollenbilder von Mann und Frau. Und auch der schnelle Verlauf der Zeit ermöglicht eine neue Herangehensweise an die Geschichte, stellt die Entwicklung von Orlando in einen anderen Kontext. So spannend diese beiden Elemente auch sein mögen, so viel bürden sie dem Hörer auch auf, mit diesem Werk muss man sich viel und intensiv beschäftigen, um es zu durchdringen. Für Literaturliebhaber ist es deshalb bestens geeignet, während Hörspielhörer, die kurzweilige Zerstreuung suchen, lieber zu anderen Produktionen greifen sollten.

Die Besetzung des Hörspiels ist sehr gut gelungen, viele starke und einprägsame Stimmen sind hier versammelt. Als Mann wird Orlando von Gabriel Raab gesprochen, der mit viel Ausdruck und einem angenehm warmen Klang für gelungene Eröffnungsszenen sorgt. Recht bald wird die Hauptperson von Georgia Stahl gesprochen, die eine ähnlich weiche Stimmfarbe hat und mit viel Energie und einer feinen Nuancierung spricht. Brigitte Hobmeier hat mir als Sasha ebenfalls gut gefallen, sie wählt eine sehr betonte und eingängige Sprechweise. Weitere Sprecher sind Fabian Gröver, Wiebke Puls und Paul Herwig.

Die Handlung wurde opulent mit Musik ausgestattet, sodass viel Ausdruck und Dynamik hierüber erzeugt werden. Stimmungsvolle, geschmeidige Melodien kommen dabei ebenso vor wie rhythmische, prägnante Momente, sodass alles gekonnt ins rechte Licht gerückt wird. An einigen Stellen drohen die Spreche jedoch etwas in den Hintergrund gestellt zu werden, mit allzu viel Präsenz sind dann die Szenen ausgeleuchtet worden.

Das stilisierte Konterfei einer jungen Frau ist auf dem Cover zu sehen, einige schwarz gefärbte Flächen heben sich hierfür vor dem strahlend weißen Hintergrund ab. Trotz dieser verfremdeten Darstellungsweise strahlt die Frau eine deutlich wahrnehmbare Melancholie aus. Auch die restliche Gestaltung und die Verpackung sind hübsch gestaltet.

Fazit: Ein anspruchsvolles Hörspiel, in das man sich erst hereinfinden muss. Die Wandlung vom Mann zur Frau und das schnelle Vergehen der Jahrzehnte sind zentrale Elemente, für die man sich aber erst öffnen muss. Dann ist „Orlando“ aber eine ungewöhnliche Geschichte, die auch mit ihrer opulenten Instrumentalisierung zu punkten weiß.

VÖ: 9.Juni 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1380-6


Der kleine Wassermann – Sommerfest im Mühlenweiher



Erster Eindruck: Turbulente Vorbereitungen

Der Sommer steht kurz bevor, und die Bewohner des kleinen Mühlenweihers wollen ein rauschendes Fest feiern. Auch der kleine Wassermann steckt mitten in den Vorbereitungen und hat viel zu tun. Für seinen Freund, den Karpfen Cyprinus, will er eine ganz besondere Überraschung vorbereitet. Doch dabei bekommt er Ärger mit dem Müller. Ob dennoch alles rechtzeitig fertig wird…?

„Der kleine Wassermann“ ist bis heute eine der beliebtesten Figuren, die der beliebte Kinderbuchautor Otfried Preußler geschaffen hat. 2011 erschien eine Fortsetzung, die den Frühling im Mühlenweiher thematisierte, 2013 wurde kurz vor dem Tod des Autors noch „Sommerfest im Mühlenweiher“ veröffentlicht. Bei Karussell liegt auch eine Hörspielumsetzung vor. Die Geschichte richtet sich schon an Dreijährige und ist dementsprechend einfach gestrickt. Zwar gibt es den kleinen Zwischenfall mit dem Müller, der etwas Schwung in die Handlung bringt, aber ansonsten dreht sich die Produktion vorrangig um die Vorbereitungen für das Fest. Viele witzige und kurzweilige Passagen sind hier zu hören, die Charaktere sind niedlich dargestellt und bereiten den zuhörenden Kindern viel Freude – allen voran natürlich der aufgeweckte und neugierige Wassermann, aber auch der Karpfen Cyprinus und besonders die vier frechen Frösche werden schnell ins Herz geschlossen. Für Erwachsene ist die Handlung aber doch zu einfach gestrickt, bietet zu wenige Überraschungen. Für die Zielgruppe der jüngeren Kinder ist diese Geschichte jedoch ein großer Spaß mit einer gelungenen Atmosphäre.

Gustav Stolze spricht den kleinen Wassermann und steckt viel Energie und Lebensfreude in die Rolle, sodass der Eindruck eines aufgeweckten kleinen Jungen entsteht. Friedhelm Ptok nutzt seine dunkle, markante Stimme, um dem Karpfen Cyprinus eine sehr interessante Ausstrahlung zu verleihen, die sehr gutmütig wirkt. Thomas Nicolai spricht die frechen Frösche und verleiht jedem von ihnen eine ganz andere Sprechweise, mal sehr tief, fast fistelnd und hoch, sodass der Eindruck von verschiedenen, völlig unterschiedlichen Figuren entsteht. Weitere Sprecher sind Andreas Wrosch, Tania Freitag und Mitch Keller.

Zu Anfang wird ein fröhlicher und sehr kindgerechter Titelsong präsentiert, und auch während der Handlung sind eine Hand voll gesungener Lieder zu hören, die Elemente aus dem Hörspiel thematisieren und von den Rollen vertont werden – für Kinder ein großer Spaß, da die Texte sehr witzig und einfach zu verstehen sind. Auch die Geräuschkulisse während der Handlung kann überzeugen und schafft immer wieder eingängige Stimmungen.

Der kleine Wassermann sitzt fröhlich winkend auf dem Karpfen Cyprinus und reitet durch den Mühlenweiher. Die bunte Kleidung und sein grinsender Gesichtsausdruck, dazu im Hintergrund tanzende und musizierende Bewohner des Weihers – das Titelbild mit den vielen Blau-, Grün- und Türkistönen wirkt sehr stimmig und passt gut zum Hörspiel.

Fazit: Auch diese Fortsetzung der Geschichte um den kleinen Wassermann kann mit ihrer einfachen, aber witzigen Handlung überzeugen. Viele kleine Einfälle sorgen für Abwechslung, die sehr fröhliche und präsente Atmosphäre, die kleinen eingebauten Lieder und die gut dargestellte Charaktere können ebenfalls überzeugen und fesseln kleinere Kinder an die Lautsprecher.

VÖ: 28.März 2014
Label: Karussell
Bestellnummer: 0602537637720


Porterville – Staffel 2 (Folge 7-12)



Erster Eindruck: Weitere Einblicke in die Hintergründe der Kleinstadt

Porterville – eine Kleinstadt, hermetisch von der Außenwelt abgeschottet und von undurchdringlichem Nebel umgeben, der Schmerzen verursacht. Die Bevölkerung wird von ihrem Bürgermeister Takumi Sato in Schach gehalten, und jeder Bewohner erlebt hier seinen ganz persönlichen Albtraum. Und auch der ehemalige Bürgermeister hat seinen Teil zur Abschottung beigetragen, während die Frau von Sato hat ihre machtgierigen Finger im Spiel...

Folgenreich hat sich in Hörspielkreisen als feste Größe etabliert und sich mit zahlreichen beliebten Serien ausgestattet, die meist einen starken Mystery-Anklang haben. Auch Porterville gehört ins Repertoire des Verlages und lässt mit der zweiten Staffel mit weiteren sechs Folgen den Hörer noch weiter in die düstere Welt der Serie eintauchen. Und hier werden viele weitere Fragen geklärt, sodass der Hörer wie gebannt vor den Boxen hängt und den Sprechern an den Lippen klebt. Die Hintergründe der Stadt, deren Entstehung und die Mythologie werden stellenweise sehr deutlich in den Vordergrund gestellt. Das ist sehr fesselnd, erfordert aber auch viel Aufmerksamkeit und den Willen, sich auf die Geschichte völlig einzulassen. Sie ist recht komplex erzählt, es gibt Zeitsprünge, am Anfang jeder Folge braucht es etwas, um die verschiedenen Voraussetzungen zu erfassen. Dass es sich bei Porterville um die Fortsetzung von Darkside Park handelt, wird hier besonders deutlich, denn Folge eins dieser zweiten Staffel setzt genau dort an, wo Darkside Park geendet hat. Diese Verknüpfung ist ein gelungenes Extra und steigert die Attraktivität der Serie, Vorkenntnisse aus dem Vorgänger sind aber nicht zwingend notwendig, um alles verstehen zu können. Und auch die Einzelfolgen können sehr überzeugen, jede kann ein packendes und spannendes Szenario präsentieren, ist eindringlich erzählt, nur selten schleichen sich langatmige Szenen ein. Durch die enge Verknüpfungen hat man immer wieder Aha-Effekte und ist begeistert von der sehr durchdachten Geschichte, die immer neue Querverweise entdecken lässt. Eine sehr starke Staffel mit sechs ebenso starken Einzelfolgen.

Und auch die Sprecher sind hervorragend gewählt, sie füllen ihre Rollen mit Leben und geben der Geschichte ihr Gesicht. Hervorragend ist besonders Jürgen Thormann, der in der ersten Folge der Staffel den ehemaligen Bürgermeister der Stadt spricht. Mit seiner knarrigen und deutlich gealterten Stimme kann er die packende Geschichte sehr eindringlich erzählen. Martina Treger spricht die faszinierende Figur der Eleanor Dare-Sato, die Frau des Bürgermeisters. Mit kühlem, harten Ausdruck in der Stimme kann sie die skrupellose Frau intensiv und mit dem nötigen Nachdruck. Udo Schenk ist in der letzten Folge der zweiten Staffel zu hören, auch er spricht absolut lebendig, ausdrucksstark und charakterstark. Die anderen drei Sprecher sind Norbert Langer, Charles Rettinghaus und Gordon Piedesack.

Die sechs Folgen mit knapp elf Stunden Laufzeit befinden sich auf zwei MP3-CDs, die sich in einer ansehnlich aufgemachten Verpackung befinden. In einem Pappschuber findet sich ein hübsches Digipack, das kleine Zusammenfassungen der Folgen zeigen. Das kleine Booklet enthält eine ausführliche Übersicht über die einzelnen Tracks. Das Motiv, das das Cover ziert, ist das gleiche wie bei der ersten Staffel, es zeigt einen Mann in einer nächtlichen, nur spärlichen beleuchteten Gasse. Nur die Absetzungen sind hier in grellem Pink statt in Gelb gehalten.

Fazit: Die Dystopie um die von der Außenwelt abgeschlossenen Kleinstadt wird hier sehr geschickt weitergeführt, tiefe Einblicke in die Hintergründe der Stadt gewährt. Die unzähligen Verknüpfungen zwischen den einzelnen Geschichten sind packend, die Komplexität ungebrochen, die Faszination für die Charaktere groß. Sehr gelungen!

VÖ: 9.Mai 2014
Label: Folgenreich
Bestellnummer: 0602537463336


Beim Leben deines Bruders



Erster Eindruck: Mord in der Vergangenheit

Kommissar Fin Macleod kehrt seinem Beruf den Rücken und will wieder in der Stadt seiner Jugend sesshaft werden. Doch die raue Landschaft wird bald von dem Fund einer grausam zugerichteten Leiche erschüttert. Bald ist klar, dass der Mord vor 50 Jahren geschehen ist, und als einziger Zeuge ist der Bruder des Toten übrig geblieben – und der leidet an Demenz und kann sich an die vergangenen Ereignisse kaum noch erinnern…

Zugegeben, als ich die Beschreibung von „Beim Leben deines Bruders“ gelesen habe, habe ich einen eher konventionellen Krimi erwartet. Doch beim Hören der 425 Minuten wurde dies nicht bestätigt, vielmehr handelt es sich um einen intelligent erzählten, anspruchsvollen und stellenweise schockierenden Thriller, der mich schnell in den Bann gezogen hat. Zuerst steht die Person des Fin im Mittelpunkt, und auch er vollzieht während der Geschichte ein Wandlung und muss sich mit privaten Problemen und seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzen. Doch das wird nur nebenbei verfolgt, denn bald steht der Mordfall von vor 50 Jahren im Mittelpunkt und fordert die volle Konzentration des ehemaligen Kommissars. Die Handlung ist dabei auf zwei Ebenen erzählt, einerseits die Ermittlungen in der Gegenwart, andererseits der Bericht des demenzkranken Bruders, der aus seiner Kindheit berichtet. Hier kommen schockierende Details ans Tageslicht, die eine dunkle Vergangenheit aufzeigen und sehr eindringlich geschildert sind. Beides verknüpft sich mit der Zeit zu einem untrennbaren Ganzen und entwickelt sich parallel weiter, die Spannungskurve steigt stetig weiter und verdichtet sich zu einer sehr intensiven Stimmung. Auch die Auflösung kann dabei vollkommen überzeugen und all die losen Enden der Geschichte aufgreifen. Die rauen, ursprünglichen Landschaftsbeschreibungen sind dabei eine gekonnte Ergänzung und verleihen zusätzliche Stimmung.

Die beiden Zeitebenen werden von zwei verschiedenen Sprechern übernommen, sodass eine sehr gute Trennung und Unterscheidbarkeit entsteht. Die Rolle des Fin wird von David Nathan übernommen, der wie immer sehr gradlinig spricht und kann mit seiner intensiven Stimme die Rolle sehr gelungen umsetzen und den Spannungsbogen schlagen kann. Den Blick in die Vergangenheit setzt Hans Peter Hallwachs um, auch er spricht eindringlich und absolut glaubhaft, lässt seine Stimme mal brüchig und verwirrt, mal kräftig und klar klingen. Das durchaus sensible Thema kann er mit Nachdruck und ohne Scheu vor Befindlichkeiten umsetzen.

In düsteren, erdigen Farben ist das Cover gehalten, das die so gut beschriebene Landschaft Schottlands wird hier zumindest in einem kleinen Ausschnitt gezeigt. Ein Mann mit wehendem Trenchcoat geht dabei einen Hügel herauf, der mit strohigem Gras bedeckt ist. Der Wind weht stark, der Himmel ist mit Wolken verhangen, ein Schwarm schwarzer Vögel fliegt über die sehr gut dargestellte und ansprechende Szenerie.

Fazit: Neben den privaten Verwicklungen von Fin Macleod kommt hier bald ein verschlungener und undurchsichtiger Kriminalfall auf, der den Hörer fesselt und mit den beiden Ebenen sehr gut durchdacht und sehr spannend erzählt wurde. Die Umsetzung mit den beiden Sprechern ist dem absolut angemessen und kann die eindringliche Stimmung bestens einfangen.

VÖ: 1.März 2014
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-368-6


Tintenblut – Das Hörspiel



Erster Eindruck: Phantastische Hörspielumsetzung des märchenhaften Buches

Einige Monate sind vergangen, seit Mo und Maggie den mächtigen Capricorn vernichten konnten. Doch die Ereignisse lassen Maggie nicht los, immer mehr träumt sie von der geheimnisvollen Tintenwelt. Und auch Staubfinger möchte gern dorthin zurückfinden und sucht Orpheus auf, der ebenfalls die Gabe hat, Menschen zwischen realer und geschriebener Welt zu befördern. In Begleitung hat er den jungen Farid...

Cornelia Funke hat mit ihrer Tintenwelt-Trilogie einer der meist beachteten Jugendbücher der letzten Jahre verfasst. „Tintenblut“ heißt der zweite Teil, und nach der Umsetzung als Hörbuch hat Oetinger Audio nun auch eine Hörspielversion davon produziert. Und wie der direkte Vorgänger „Tintenherz“ ist auch „Tintenblut“ hervorragend umgesetzt worden. Die fehlende Zeit zwischen den beiden Bänden wird nur kurz thematisiert, sodass die Handlung schnell Fahrt aufnehmen kann, nach einigen Minuten steckt der Hörer schon mitten in der abenteuerlichen Geschichte. Diese nimmt noch einmal eine ganz andere Wendung als erwartet, hat eine ganz andere Ausstrahlung als „Tintenherz“ und spielt vorrangig in der Tintenwelt. Und so betreten neben vielen alten Bekannten zahlreiche neue Charaktere die Bühne und mischen sich in die Geschicke ein, tragen ihren Teil zum spannenden und insbesondere märchenhaften Verlauf bei. Fürsten und Prinzen, Heilerinnen, Gaukler und Feuerspucker tragen dazu ebenso bei wie die träumerische Beschreibung der Landschaft. Die Stimmung ist wunderschön und eindringlich, was neben der Geschichte auch von der herausragenden Umsetzung beeinflusst wird. Besonders gelungen sind die Teile, in denen der Erzähler seinen Text vorträgt und gleichzeitig ein Dialog stattfindet, das bringt nicht nur Tempo, sondern auch eine sehr intensive Beschreibung der Situation mit sich. Die grandiose Vorlage von Funke wurde hier zu ihrer Essenz kristallisiert, die wesentlichen Elemente werden beibehalten, vieles jedoch auch weggelassen oder gekürzt, im Schnelldurchlauf erzählt. Dies ist sehr behutsam geschehen, sodass der Charakter der Vorlage nicht verloren geht. Eine wunderbare Umsetzung eines eben so wunderbaren Buches, das Hörspiel hat mich völlig in seinen Bann gezogen.

Wesentlich zum Gelingen tragen auch die vielen begnadeten Schauspieler bei, jede noch so kleine Rolle ist sehr gut besetzt worden. Besonders gut gefallen hat mir Barbara Nüsse, die als Motola zu hören ist. Ihr sehr harter, schneidender Klang kann „die Elster“ die notwendige Achtung verschaffen, sie spricht sehr intensiv und beeindruckend. Peter Weis ist als Fenoglio zu hören, der Autor des Tintenherz-Buches, der sehr freundlich und weise klingen kann, später aber auch sehr eindringlich weitere Seiten von sich präsentiert, Wut und Desillusion sehr gut in Szene setzt. Orpheus, dessen Stimme besonders außergewöhnlich klingen muss, wird von Jens Wawrczeck gesprochen. Sein sehr spezieller Klang und seine mal unterwürfige, mal schmierige Sprechweise wirken lebendig und passen sehr gut zud em Charakter. Weitere Sprecher sind Cathlen Gawlich, Lard Rudolph und Michael Prelle.

Die akustische Umsetzung ist ebenso brillant und eingängig, sodass die mittelalterliche und sehr stimmungsvolle Atmosphäre der Tintenwelt sehr gut zur Geltung kommt. Dafür sorgen insbesondere die zahlreichen Musikinstrumente, aus denen mal eine Flöte, mal eine Laute, mal ein Streichinstrument hervorsticht und die jeweilige Situation bestens in Szene setzen kann, immer neue Akzente setzt. Auch die vielfältigen Geräusche und das Zusammenspiel mit den verschiedenen Stimmung ist ziemlich atmosphärisch.

Das Cover zum Hörspiel ist natürlich an den bekannten Bucheinband angelehnt, auch hier sind hübsch gestaltete, mit Ranken und Motiven verzierte Buchstaben wie aus alten Büchern zu sehe, zwischen den quadratischen Feldern sind auch andere Motive wie eine weiße Burg zu sehen. Im Mittelpunkt setzt ein Buch, auf dem ein kleiner Vogel sitzt. Im Inneren des kleinen Covers ist nicht nur eine Übersicht der einzelnen Tracks zu sehen, sondern auch zahlreiche Fotos der mitwirkenden Sprecher.

Fazit: Eindringlich umgesetzt und mit vielen grandiosen Elementen versehen wird die zauberhafte Geschichte voller Phantasie, Abenteuer und Gefahr sehr stimmungsvoll erzählt und mit viel Leben gefüllt. Die Kürzungen fallen zwar auf, sind insgesamt aber zugunsten wichtiger Elemente ausgefallen. Ein hervorragendes Hörspiel!

VÖ: 21.Juli 2014
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0761-0


Der Gott des Gemetzels



Erster Eindruck: Eine Rauferei und seine Folgen

Zwei Ehepaare treffen sich beim nachmittäglichen Kaffee, doch der Anlass ist kein erfreulicher. Denn der Sohn des einen Ehepaares hat dem Sohn des anderen mit einem Stock zwei Zähne ausgeschlagen. Gemeinsam suchen sie nach einer Lösung und gehen freundlich, ja, kultiviert miteinander um. Doch schnell schleicht sich ein gereizter Unterton ein, und bald offenbart jeder ein wirkliches Gesicht...

Ein Hörspiel von etwa einer Stunde Laufzeit, getragen von lediglich vier Sprecher, begrenzt auf einen Ort und ohne zeitliche Sprünge – kann das funktionieren? Zugegeben, ich war anfangs skeptisch, doch ehe ich es mich versah, war in völlig in der Geschichte gefangen und habe die langsame Sezierung der Charaktere mit Spannung verfolgt. Am Anfang wird die Grundsituation erklärt, daraufhin entwickelt sich langsam, aber sehr konsequent das Gespräch der vier Protagonisten. Anfangs bemüht höflich, sehr kooperativ und trotz des ernsten Themas scheinbar ohne Spannungen. Diese kommen nach und nach zu Tage, bis sich bald alle offen anfeinden, beschimpfen und verbal attackieren. Und trotz des begrenzten Raumes werden hier Nebenarme zu der eigentlichen Handlung aufgemacht: Die Skrupellosigkeit der Pharmaindustrie, die gespannten Beziehungen der Ehepaare oder wie sehr man weltliche, wertvolle Dinge in den Vordergrund stellt. Doch im Mittelpunkt stehen stets die Charaktere, die sich langsam entblößen, bis in ihr Innerstes wird hier vorgedrungen. Veronique voller moralischer Vorstellungen, die aber auch lästert und ziemlich rechthaberisch ist. Anette oberflächlich freundlich, in Wirklichkeit aber falsch und sehr nervös. Andererseits die Männer, Alain wichtigtuerisch und verächtlich gegenüber seinem Gegenüber, Michel ist gewaltbereit ist in jungenhaften Machtkampfvorstellungen gefangen. Eine explosive Mischung, die so einige Wendung mit sich bringt, es wird geschrien, gedroht und – ja – gekotzt, sich betrunken und beleidigt. Das Ende kommt dann abrupt, wie abgeschnitten wirkt das Gespräch, sodass der Hörer sich selbst ausmalen kann, wie das Gespräch weitergeht, ob sich die Jungen noch einmal gegenüberstehen oder wie der Konflikt schließlich gelöst wird. Eine bitterböse Komödie, ein Spiegelbild unserer Gesellschaft und eine wohltuende Oase zwischen den restlichen Hörspielen, da es erfrischend anders ist.

Dieses Stück lebt von seinen genialen Sprechern, die völlig in ihren Rollen aufgehen und sämtliche Eigenschaft nach außen kehren – was man immer wieder neu entdecken kann, denn auch beim zweiten oder dritten Hören gibt es hier Nuancen, die man vorher nicht bemerkt hat. Beeindruckt hat mich vor allem Corinna Harfouch, eine der großen deutschen Schauspielerinnen, die Anette voller Inbrunst, Gespür für den richtigen Moment und Feingefühl spricht. Ulrike Krummbiegel steht ihr in nichts nach, kann den komplexen und von Moralvorstellungen getriebenen Charakter von Veronique in seiner Gesamtheit einfangen. Udo Wachtveitl spricht den gewaltbereiten Michel, der es unter der Oberfläche brodeln lässt und besonders in Streitereien mit seiner Gattin die pure Wut des Mannes auf das Leben anklingen lässt. Und schließlich Sylvester Groth, der als Alain seinem wahren Gefühlen freien Lauf lässt und perfekt den genervten Anwalt umsetzt.

Bei der akustischen Umsetzung wurde hier das absolute Minimum eingesetzt. Keine Musik, nur ab und an ein notwendiges Geräusch, das dann aber seine Wirkung nicht verfehlt – das ständige Handyklingeln beispielsweise reißt auch den Hörer immer wieder aus dem Gespräch heraus. Und genau diese sehr nüchterne Umsetzung ist ideal für den Stoff, der durch seine Schauspieler wirkt und seine Lebendigkeit erhält.

Das Cover hat mich überrascht und hat auf den ersten Blick rein gar nichts mit der Handlung zu tun: Ein fein gekleideter Mann, nur etwa von der Brust bis zum Bauchnabel zu sehen, sitzt an einem aufwändig gedeckten Tisch und schneidet mit Messer und Gabel ein blutiges Steak. Symbolträchtig und ungewöhnlich, aber auf den zweiten Blick durchaus passend – die feine Gesellschaft, aber wie ein Tier fast rohes Fleisch essend.

Fazit: Ein ganz und gar ungewöhnliches Hörspiel, das keinem bekannten Muster folgt und eine ganz eigene Dynamik entwickelt - begrenzt auf ein in Realzeit ablaufendes Gespräch und nur einen Raum. Doch wie die Charaktere langsam ihr wahres Ich zeigen, der Ton immer gereizter wird, die Situation schließlich eskaliert, ist sehr fesselnd und eingängig umgesetzt und hält einem an der einen oder anderen Stelle einen Spiegel vor – eine klare Empfehlung meinerseits!

VÖ: 1.Februar 2014
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1370-9


Krimi Kult Kiste – Die sechste Staffel



Erster Eindruck: Drei Klassiker der Hörspielgeschichte

Paul Cox führt gerade ein recht ruhiges Leben, als ein kurioser Mordfall ihn ordentlich auf Trab bringt. Doch die Leiche ist verschwunden, sodass es für Cox schwierig wird, seine Unschuld zu beweisen... (Gestatten, mein Name ist Cox: Eben war die Leiche noch da)
Philip Odell und Heather McMara geraten in einer kanadischen Grenzkontrolle mitten in einen Konflikt mit dem Drogenkartell und damit in große Gefahr. Und eine geheimnisvolle Dame verdreht Philip den Kopf und weckt Heathers Eifersucht... (Die Dame im Schnee)
Dickie Dick Dickens ist der gefährlichste Mann in Chicagos Unterwelt und hat seinen Einfluss deutlich ausgebreitet. Das weckt natürlich nicht nur das Interesse der Polizei, sondern auch seiner Konkurrenten, sodass er stets alle Hände voll zu tun hat... (Dickie Dick Dickens, Kapitel 1-12)

Die „Krimi Kult Kiste“ aus dem Hörverlag bringt dicke Boxen auf den Markt, die Radiohörsiele aus den 50er und 60er Jahre veröffentlicht – so verrät es jedenfalls der Untertitel. Doch in der sechsten Box befinden sich mit „Gestatten, mein Name ist Cox“ auch eine Produktion aus den 70er Jahren.
Leider ist diese Produktion dann auch der deutliche Schwachpunkt dieser Box. Die Handlung von immerhin über 2 Stunden Laufzeit kommt nicht wirklich in Schwung, sondern wirkt im Gegenteil recht banal. Cox ermittelt vor sich hin, nur Spannung kommt dabei nicht auf – trotz durchaus interessantem Mordfall mit verschwundener Leiche. Doch ein deutlich zu langatmiger Verlauf und hölzerne Dialoge lassen keine Stimmung aufkommen.
„Die Dame im Schnee“ kann da schon deutlich mehr überzeugen. Die Geschichte überzeugt von ihrem interessanten Ausgangspunkt, einem spannenden Verlauf und einigen gekonnten Wendungen. Auch die Auflösung ist sauber zu Ende erzählt und klärt den Fall größtenteils logisch auf. Auch die Darstellung der beiden Hauptcharaktere ist gelungen, gerade durch ihre Gegensätzlichkeit bilden sie ein starkes Gespann: Er kühl und zurückhaltend, die emotional. Schade ist nur, dass sich im Mittelteil doch einige Längen einschleichen und den Erzählfluss deutlich hemmen, einige Passagen hätten deutlich gestrafft werden können. Ein Eindruck, der sicherlich von heutigen Hörgewohnheiten beeinflusst wurde, für meinen Geschmack sind die fast 3 Stunden Laufzeit aber etwas zu lang.
Das Highlight dieser Box ist jedoch unbestritten die Reihe um Dickie Dick Dickens, deren erste zwölf Episoden hier zu hören sind, jede hat dabei eine Länge von etwa 35 Minuten. Es handelt sich dabei um eine Krimiparodie, die einige Klischees des Genres ordentlich aufs Korn nimmt und sehr humorvoll gestaltet ist. Besonders die Figur des Dickie Dick Dickens kann dabei überzeugen und bringt immer wieder sarkastische Sprüche. Erstaunlich ist dabei, dass neben allem Humor auch Spannung und Atmosphäre aufkommen, die temporeich erzählten Geschichten können zum großen Teil mit einem gelungenen Verlauf überzeugen.

Bei drei mehrstündigen Produktionen und durchaus komplexen Handlungen ist natürlich eine Vielzahl verschiedener Sprecher zu hören, darunter Namen wie Michael Habeck, Brigitte Dryander oder Norbert Gastell. Reiner Schöne ist als Paul Cox zu hören und gestaltet seine Rolle durchaus ansprechend, kann das schwache Drehbuch aber leider auch nicht mehr deutlich aufwerten. Albert C. Weiland wählt für seine Rolle als Philip Odell eine ungewöhnliche Sprechweise, nimmt deutlich Emotionen aus seiner Stimme heraus und wirkt so manchmal etwas unbeteiligt am Geschehen. Sehr gelungen ist das agile Spiel von Carl-Heinz Schroth als Dickie Dick Dickens, mit seinem vielfältigen Ausdruck und dem schmutzigen Sarkasmus in der Stimme sorgt er nicht nur für einen flüssigen Verlauf, sondern auch viel Humor.

Die akustische Gestaltung ist bei drei Produktionen aus drei unterschiedlichen Jahrzehnten natürlich sehr variabel, zusammenfassend sind die drei Hörspiele jedoch eher zurückhaltend gestaltet. Leider gefällt mir die Musik bei „Gestatten, mein Name ist Cox“ gar nicht, sie wirkt recht billig zusammengeschustert und kann nicht dazu beitragen, dass die Handlung an Atmosphäre hinzugewinnt.

Schlicht, aber wie immer durchaus ansprechend ist die Gestaltung de dicken Box. Die zwei bis fünf CDs pro Hörspiel finden sich jeweils in einer dicken, mehrfach aufklappbaren Plastikhülle wieder, hier wird leider zu viel Platz verschwendet. Allen gemein ist das tiefe Bordeaux als Grundfarbe, von dem sich als gestalterisches Element die schwarze Silhouette eines Mannes mit Hut in verschiedenen Posen abhebt. Jedes Hörspiel hat ein eigenes Booklet mit den entsprechenden Informationen, ein im gleichen Stil gestalteter Pappschuber hält die Hüllen zusammen und macht die Box erst zur Box.

Fazit: Neben zwei sehr hörenswerten Produktionen tummelt sich mit der Cox-Geschichte „Eben war die Leiche noch da“ auch ein nicht so gelungenes Hörspiel in dieser Box und ist höchstens für Hardcore-Krimifans gedacht. Dafür sind „Die Dame im Schnee“ und die ersten zwölf Teile von „Dickie Dick Dickens“ umso gelungener und bieten entweder spannende oder launige Unterhaltung.

VÖ: 7.Oktober 2009
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-412-1


Die Verwirrungen des Zöglings Törleß



Erster Eindruck: Sadistisches Handeln an einer Militärakademie

Der junge Kadett Törleß besucht eine Militärakademie, doch der Abschied von seinem hochgestellten Elternhaus erfüllt ihn immer wieder mit Einsamkeit. Als er zusammen mit seinen Kameraden Beineberg und Reiting entdeckt, dass der schwächliche und charakterschwache Basini klaut, verraten sie ihn nicht, sondern erpressen ihn fortan. Und während Beineberg und Reiting immer sadistischere Züge an den Tag legen, ist Törleß zunächst von der sinnlosen Brutalität abgeschreckt. Doch auch er findet bald Gefallen an den Machtspielen mit seinem Mitschüler...

„Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“, der Erstlingsroman von Robert Musli, stammt aus dem Jahr 1906, wurde aber erst 2014, über 100 Jahre später, erstmals als Hörspiel umgesetzt. Der SWR hat eine Radioproduktion produziert, die nun auch beim Audio Verlag als Kauf-CD erhältlich ist. Die oben beschriebene Situation ist Kernelement, Handlungsschwerpunkt und der entscheidendste Punkt in der Entwicklung der Handlung. Bis dahin wird sehr ausführlich die Lebenssituation von Törleß dargestellt, sein Leiden von der Trennung der Eltern, die Besuche bei einer Prostituierten, das Verhältnis zu seinen Kameraden. Erst später wird der Diebstahl von Basini entdeckt, woraus sich eine intensive Beschreibung der sadistischen Machtspiele ergeben. Erzählt wird dabei aus der Sicht von Törleß, der sich erst zurückhält, das Handeln seiner Kameraden beobachtet, für sich beurteilt und mit seinen moralischen Maßstäben misst. Es kristallisiert sich immer weiter heraus, dass er nicht vom Handeln an sich abgestoßen wird, sondern von den niederen Motiven. Und auch er selbst missbraucht Basini bald, erniedrigt ihn, und dieser nimmt seine Rolle als masochistisches Opfer langsam an. Diese Beziehung zwischen den Törleß und Basini gibt reichlich Stoff zum Nachdenken, und auch der Ausblick in Törleß' Zukunft, in der er sein damaligen Tun nicht bereut, sondern als Teil seines Lebens, seiner Entwicklung akzeptiert, ist sehr gut integriert. Die Umsetzung orientiert sich dabei sehr eng an dem Originalwerk, möglichst wenig wurde geändert, auch Satzstrukturen wurden übernommen. Das wirkt manchmal etwas anstrengend, da die Sprache ungewohnt altmodisch ist und man sich erst eingewöhnen muss. Diese Einstiegshürde erst einmal überwunden, wird man mit einer eindringlichen und außergewöhnlichen Geschichte belohnt, die die Entwicklung eines jungen Mannes in einer Extremsituation veranschaulicht.

Den weitaus größten Teil dieser Inszenierung übernimmt Michael Rotschopf, der als Erzähler omnipräsent ist und durch einige Dialoge unterbrochen wird. Er schafft es, mit seiner ruhigen und angenehmen Stimme die Gefühlswelt von Törleß mit leichten Veränderungen seines Klanges begreifbar macht und ebenso den roten Faden der Geschichte aufzugreifen und weiter zu führen. Stefan Konarske übernimmt die so anspruchsvolle Rolle des Törleß, lässt sich vollkommen auf diese Rolle ein und kann sie mit Feinsinn und Einfühlungsvermögen umsetzen, lässt seinen Charakter so begreifbar werden und trotz aller seiner Taten nie unsympathisch wirken. Ebenso interessant das facettenreiche Spiel von Florian Teichtmeister als Basini, der den charakterschwachen Zögling sehr umfassen darstellen kann. Weitere Sprecher sind unter anderem Manuel Rubey, Stefano Bernardin und Ursula Strauss.

Musikalisch ist das Hörspiel sehr interessant umgesetzt und erinnert streckenweise an ernsthafte Hörspiele aus früheren Jahren. Immer wieder scheinen aus heiterem Himmel energetische Musikstücke eingespielt, die den Hörer aufschrecken lassen und die Szenen in ihrer Wirkung unterstützen. So gelungen die außergewöhnliche Umsetzung der Musik auch gelungen ist und so gut sie die Wirkung des Hörspiels auch unterstützt, so anstrengend kann diese Art auch sein, sodass man als Hörer noch einmal mehr Konzentration aufwenden muss.

Der Audio Verlag hat sich wieder viel Mühe gegeben, die Gestaltung ansehnlich und gleichzeitig informativ zu halten. Das Cover wird in zwei verschiedenen Farbgebungen gestaltet, einerseits die schwarz-weiße Fotografie eines jungen Mannes, andererseits in Sepia die Gewölbe der Militärakademie. Herzstück des stimmungsvollen Digipacks ist aber das umfangreiche Booklet mit zusätzlichen Informationen und einigen Fotos von der Produktion.

Fazit: Der anspruchsvolle und ungewöhnliche Roman von Robert Musil wird hier feinsinnig und mit viel Sinn für das Details umgesetzt. Die hervorragende Sprecherleistung unterstützt das Erleben dieser Entwicklung, der sich immer weiter steigernden sadistischen Beziehung zwischen den Zöglingen, insbesondere von Törleß und Basini. Ein sehr eindringliches und intensives Hörspiel.

VÖ: 1.April 2014
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-334-1


Die Reise nach Sundevit / Lütt Matten und die weiße Muschel



Erster Eindruck: Zwei Geschichten mit charmanten Ostsee-Anklang

Als Timm, der Sohn des alleinstehenden Leuchtturmwärters einer kleinen Stadt, am Strand eine Gruppe von wandernden Kindern trifft, scheinen die langweiligen Ferien vorbei zu sein. Sein Vater erlaubt ihn, mit ihnen nach Sundevit zu reisen, doch vorher hat er noch eine Aufgabe zu erledigen... („Die Reise nach Sundevit“)
Der kleine Junge Lütt Matten wünscht sich nichts weiter, als mit seiner Reuse einen Fisch zu fangen, doch es will ihm einfach nicht gelingen. Die Kinder im Dorf hänseln ihn, und auch die erwachsenen Fischer belächeln ihn nur noch. Da erfährt er von einer geheimnisvollen Muschel... („Lütt Matten und die weiße Muschel“)

Der Audio Verlag baut sein Programm für Kinder weiter aus und veröffentlicht zwei Radiohörspiele aus den 60er Jahren, produziert vom Rundfunk der DDR, zusammen auf einer CD. Beide stammen von Auto Benno Pludra, und beide werden in leichtem ostfriesischen Dialekt gesprochen, was ziemlich viel Charme verbreitet. Doch beide sind vom Grundsatz her recht unterschiedlich und haben ebenso unterschiedliche Ausstrahlungen.
„Die Reise nach Sundevit“ handelt von Timm, der sehr pflichtbewusst und hilfsbereit ist und dadurch immer mehr in zeitliche Bedrängnis gerät, um die Reise nach Sundevit antreten zu können. Immer mehr kommt ihm dazwischen, und so bangt und hofft der Zuhörer bald mit ihm, wünscht sich, dass er sein Ziel noch rechtzeitig erreicht und lässt sich schnell von der sehr gelungen dargestellten Stimmung im Dorf, wo jeder jedem hilft, einfangen. Das funktioniert natürlich nicht ohne eine große Sympathie für den Hauptcharakter, die hier durch seine offene und sehr freundliche Art erzeugt wird. Der Schluss der Handlung ist dann recht ungewöhnlich gelöst und offen, aber sehr gut aufgelöst und mit interessanten Gedankengängen angereichert.
„Die weiße Muschel“ hat zwar auch den ostfriesischen Charme seines Vorgängers, kann aber nicht ganz so sehr überzeugen. Die Geschichte nimmt einen nicht so sehr gefangen, was vielleicht auch daran liegt, dass Lütt eine deutliche Spur trotziger und verbissener wirkt als Timm. Die eingebauten, märchenhaften Elemente um die weiße Muschel und einen seltsamen Traum sind zwar durchaus stimmig eingebaut, doch auch der Pepp des Vorgängers ist hier nicht zu spüren.
Die beiden Geschichten können leider nicht gleichermaßen überzeugen, nach dem gelungenen Auftakt fällt die zweite Geschichte ab. Diese sorgt zwar auch für Kurzweil, wird aber nicht zu einem Favoriten werden.

Sehr gut gefallen hat mit der Junge, der den Timm spricht – leider wird sein Name hier nicht genannt. Doch er legt eine solche Spielfreude in seine Worte, zeigt viel Energie und eine gelungene Mischung aus Spitzbubigkeit und einem Hauch Melancholie. Sein Vater wird von Bruno Carstens gesprochen, dessen warme und angenehme Stimme den einsamen, aber gutmütigen Mann gekonnt einfangen kann. Als Erzähler der zweiten Geschichte ist Werner Röwekamp im Einsatz, der seine Passagen kurzweilig und unterhaltsam gestaltet. Weitere Sprecher sind unter anderem Manfred Wagner, Maximilian Larsen und Olf Hauschild.

Die akustische Untermalung ist bei beiden Episoden recht sparsam gelungen, Musik wird nur in wenigen Szenen in der zweiten Geschichte eingesetzt, um eine mysteriöse Stimmung zu erzeugen. Ansonsten werden zahlreiche Geräusche eingesetzt, um die jeweilige Szenerie erlebbar zu machen, sodass man mit Timm wirklich auf einem Pferdewagen sitzt oder mit Lütt aufs Meer fährt. Die beiden Geschichten sind gut erhalten, sodass ein vernünftiger Klang ohne Grundrauschen aus den Boxen kommt.

Wie so oft bei diesem Verlag wurde sich bei der Gestaltung des Hörspiels viel Mühe gegeben. Das Titelbild wird von einer sehr hübschen Zeichnung geziert, die Timm auf seinem Weg zurück zum Leuchtturm zeigt, sein zerstörtes Fahrrad auf dem Arm. Im Hintergrund wird die malerische ostfriesische Landschaft dargestellt. Leider sind die Informationen im Inneren nicht vollständig, die meisten der Sprecher werden nicht aufgeführt.

Fazit: „Die Reise nach Sundevit“ kann mit der sehr charmanten Umsetzung und dem lebensfrohen Hauptcharakter überzeugen, während „Lütt Matten und die weiße Muschel“ diese Anziehungskraft leider nicht entfalten kann. Über 70 Minuten Oldschool-Hörspielunterhaltung, die auch bei Kindern von heute noch punkten können.

VÖ: 1.April 2014
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-344-0


Das Beste von Erich Kästner



Erster Eindruck: Drei Umsetzungen seiner Werke

Emil fährt zum ersten Mal alleine nach Berlin, um seine Großmutter zu besuchen. Doch auf der Zugfahrt werden ihm 140 Mark gestohlen, die ihm seine Mutter mitgegeben hat. Sofort packt Emil das schlechte Gewissen, und mit einer ganzen Bande von Kindern sucht er nach dem Dieb… (Emil und die Detektive)
Kurz vor Weihnachten herrscht in einem Internat immer noch ordentlich Trubel. Fünf Freude, Martin, Johnny, Matthias, Ulli und Sebastian, allesamt sehr unterschiedlich, bleiben über die Feiertage in der Schule und proben für ein Theaterstück… („Das fliegende Klassenzimmer“)
Anton lebt mit seiner Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Nachdem diese operiert werden musste, muss Anton auf der Straße betteln gehen. Dort begegnet er Luise, genannt Pünktchen, deren Eltern reich sind, die aber von ihrem Kindermädchen ebenfalls zum Betteln gezwungen wird. Sofort freunden die beiden ungleichen Kinder sich an… (Pünktchen und Anton)

Erich Kästner bleibt Unvergessen, zahlreiche Kinderbücher aus seiner Feder begeistern seit Generationen und wirken auch heute noch wegen ihrer vermittelten Werte und den zeitlosen Charakteren sehr nahbar. Der Oetinger Audio Verlag hat nun drei Hörspiele aus den 60er Jahren in einer Box veröffentlicht und setzt dem beliebten Autor damit ein kleines Denkmal. „Emil und die Detektive“, „Das fliegende Klassenzimmer“ und „Pünktchen und Anton“ sind ausgewählt worden, drei seiner bekanntesten Werke. Nachfolgend ein paar Worte zu den einzelnen Produktionen:
„Emil und die Detektive“ ist eine recht turbulente Geschichte, die ein herrliches Kinderabenteuer ist und mit zahlreichen gelungenen Momenten überzeugen kann. Der Anfang am Bahnhof und im Zug kann sich zwar etwas ziehen, aber spätestens mit der Ankunft in Berlin kommt viel Bewegung in die Handlung. Sehr hübsch sind die Prozesse, die sich innerhalb der Kinderbande ereignen, mit wie viel Herzblut und Eifer alle bei der Sache sind, wie sehr alle Emil helfen wollen. Die Umsetzung mit dem flotten Berliner Dialekt ist ebenfalls sehr gelungen und zu eine zeitlosen Klassiker geworden.
„Das fliegende Klassenzimmer“ hat eine ganz andere Erzählstruktur und keine fortlaufende Handlung, sondern ist episodenhaft angelegt. Dabei wird sehr viel Wert auf die Darstellung der verschiedenen Charaktere gelegt, die so unterschiedlich sind, dass wohl jedes Kind schnell eine Identifikationsfigur findet. Und auch die im Hörspiel angesprochenen Werte wie Mut und Zusammenhalt sind auch heute noch sehr lehrreich, ohne zu moralisierend zu wirken. Die verschiedenen Stimmungen der Episoden sorgen zudem für einen unterhaltsamen Verlauf.
„Pünktchen und Anton“ ist das ernsthafteste und teilweise auch bedrückendste der drei Hörspiele. Zwar bringt die Freundschaft der beiden durchaus Lichtblicke mit ein, und natürlich ist auch das Ende ein gutes. Aber die ärmlichen Verhältnisse von Anton und die Vernachlässigung und die Erpressung von Pünktchen zeigen die unschönen Seiten zweier Kindheiten. Ein Schuss Abenteuer und der Wille, sich niemals aufzugeben, stehen im Vordergrund. Die vorhandene Melancholie der Buchvorlage wird hier sehr behutsam, aber auch deutlich umgesetzt.
Alle drei Hörspiele sind sehr hörenswert und können mit Charme, starke Charakteren und einem interessanten Verlauf überzeugen. Die sehr gelungenen Hörspiele wirken insgesamt zeitgemäß und warmherzig, sodass auch Kinder von heute noch ihren Spaß daran haben – und ihre Eltern ebenso gern zuhören und in Erinnerungen schwelgen können.

Heinz Reincke ist als Erzähler in „Emil und die Detektive“ zu hören, mit seiner sehr einprägsamen und intensiven Stimmfarbe kann er eine gelungene und spannungsreiche Atmosphäre schaffen. Thomas Rosengarten spricht in „Das fliegende Klassenzimmer“ den zurückhaltenden und ängstlichen Uli und kann diesen sehr gekonnt in Szene setzen, schnell gewinnt er die Sympathien der Hörer. Antje Hagen kann Pünktchen sensibel und sanft erscheinen lassen, kann aber auch differenziert ihre verschiedenen Gefühlslagen darstellen. Manfred Steffen, Heinz Schimmelpfennig und Ruth Scheerbarth sind weitere Sprecher, und auch Erich Kästner selbst ist bei „Pünktchen und Anton“ als Erzähler zu hören.

Wie oben bereits erwähnt stammen die Hörspiele aus den 60er Jahren, doch die Klangqualität ist erstaunlich gut. Alle Dialoge kommen sehr klar aus den Boxen. Die akustische Umsetzung ist in alles drei Produktionen recht zurückhaltend, sodass die Dialoge immer im Vordergrund stehen und durch einige Geräusche in ihrer Wirkung unterstützt werden. Bei „Emil und die Detektive“ sind bei Traumszenen recht merkwürdige Effekte eingesetzt, die zudem leider zu sehr in die Länge gezogen wurden.

Das Cover wird von dem wohl berühmtesten Buchtitelbild von Erich Kästner geziert, dem zu „Emil und die Detektive. In der sehr schlichten Zeichnung vor gelben Hintergrund stehen zwei Jungen hinter eine Litfaßsäule und beobachten einen Mann. Die dicke Box aus schlichtem Plastik enthält noch ein kleines Booklet, in dem die Mitwirkenden des Hörspiels aufgeführt sind.

Fazit: Drei warmherzige, liebevolle, unterhaltsame, spannende und ganz und gar wunderbare Hörspiele des bekannten Autors, die zudem in schlichten, aber eleganten Umsetzungen überzeugen können. Ob das abenteuerliche „Emil und die Detektive“, das phantasievolle „Das fliegende Klassenzimmer“ oder das melancholische „Pünktchen und Anton“, alle drei stecken voller Energie und Leben. Eine sinnvolle Anschaffung, die die ganze Familie unterhalten kann.

VÖ: Januar 2014
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0714-6


1001 Nacht – Scheherzad und der Brunnen der Geschichten



Erster Eindruck: 1001 Nacht in 52 Minuten

Scheherban ist schon in jungen Jahren zum König geworden, doch er hat eine grausame Eigenheit entwickelt: Jeden Tag lässt er sich von seinem Wesir eine neue Frau bringen, die ihm die Nacht über Gesellschaft leistet und die er anschließend töten lässt. Damit zieht er den Zorn der Bevölkerung auf sich, doch gerade die älteste Tochter des Wesirs hat einen Plan, den König von seinen Schandtaten abzubringen…

Nach den Märchen der Brüder Grimm sind die Geschichten aus 1001 und einer Nacht die wohl bekannteste Märchensammlung der Welt. Diese berichten von Flaschengeistern, Räubern und Seefahrern, doch die Erzählform ist eine sehr interessante, denn diese sind quasi in einer Rahmenhandlung eingefasst. Und genau diese wird in dem WDR-Hörspiel „1001 Nacht – Scheherzad und der Brunnen der Geschichten“ erzählt, das nun auch beim Hörverlag erhältlich ist. Zu Anfang wird ausführlich die Grundsituation vorgestellt, auf die Beziehung zwischen König und Wesir eingegangen, langsam zu Scheherzad übergegangen – und spätestens dann ist der Hörer gefesselt von der Produktion, die so phantasievoll und lebendig ist, dass man wie der König selbst an Scheherazads Lippen hängt. Dabei liegt der Fokus nicht auf ihren Geschichten. Diese werden zwar anfangs komplett erzählt, später nur noch angedeutet, dann sporadisch erwähnt. Vielmehr erfährt man, wie mutig und unerschrocken die Geschichteerzählerin an ihre Aufgabe geht, wie langsam das Herz des Königs erweicht wird, wie sehr Scherezad und ihre Schwester noch in Bedrängnis kommen. Berührend und eindringlich ist dann auch die letzte Szene gestaltet. Die Stimmung des Hörspiels ist wunderschön, märchenhaft und lebendig, hier passt alles sehr gut zusammen.

Scheherzad wird von der wunderbaren Cathlen Gawlich gesprochen. Ihre klare, freundliche Stimme erweckt die mutige Geschichtenerzählerin zum Leben und ist maßgeblich für die tolle Grundstimmung verantwortlich. Roman Knizka spricht den jungen König, von der anfänglichen harten und gnadenlosen Fassade bröckelt im Laufe der Zeit immer mehr ab, eine Wandlung, die durch ihn nachvollziehbar und glaubhaft gestaltet wurde. Michael Habeck spricht den Wesir mit seiner dunklen und angenehmen Stimme, die auch hier gekonnte Akzente setzt. Weitere Sprecher sind Natalie Spinell, Martin Ammknecht und Gerd Mayen.

Neben den sehr guten Sprechern kann auch die akustische Gestaltung der Geschichte für die notwendige Stimmung des Hörspiels sorgen. Hier werden vorrangig orientalische Klänge verwendet, die während der Szenenübergänge und auch während einiger Dialoge zu hören sind. Besonders gut gelungen ist die akustische Trennung von der Rahmenhandlung zu den einzelnen Geschichten, sodass man diese gut auseinanderhalten kann.

Auch das Cover greift die orientalische Stimmung gekonnt auf, kräftige und lebendige Farben unterstützen dies. In einem prächtig verzierten Säulenraum sitzt der König im Zentrum, Scheherzad und ihre Schwester um ihn herum. Kleine ansprechende Details schmücken das gesamte Cover. Die CD ist in einer hübsch gestalteten Papphülle untergebracht, die einige zusätzliche Infos zum Produzententeam enthält.

Fazit: Eine sehr gelungene Produktion! Die zauberhafte, orientalische Stimmung kommt sehr intensiv beim Hörer an, während er den phantasievollen Geschichten lauscht und Scheherzad bei ihrem Plan begleitet. Sehr stimmig umgesetzt und mit einem gut geschriebenen Ende versehen.

VÖ: 12.Mai 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1393-6


Das Phantom des Alexander Wolf



Erster Eindruck: Ein Mord und seine Folgen…

Als 16-jähriger erschießt ein Weißgardist im russischen Bürgerkrieg einen Soldaten, eher aus Reflex denn aus wirklicher Notwehr. Jahre später verdient er sein Geld als Gelegenheitsjournalist in England, und hier wird er gnadenlos mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Denn er liest die Geschichte eines Alexander Wolf, die deckungsgleich mit den damaligen Ereignissen zu sein scheint – und die alten Dämonen des Mannes kommen wieder hervor…

Im Jahr 2013 hat der mdr in Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk ein interessantes und hörenswertes Hörspiel produziert: „Das Phantom des Alexander Wolf“ nach dem gleichnamigen Roman des russischen Autors Gaito Gasdanow. Hier wird aus der Sicht eines – übrigens namenlosen – Mannes erzählt, der sich mit dem einschneidenden, traumatischen Erlebnis in seine Jugend auseinandersetzen muss. Anfangs steht die zentrale Szene, auf der alles aufbaut. In intensiver, aber schlichter Wortwahl wird der Tod des fremden Mannes geschildert, die Wirkung auf den noch Minderjährigen treffend erfasst. Der Einstieg hat genügend Ausstrahlungskraft, um den Rest der Handlung zu bestimmen und im Gedächtnis zu bleiben. Danach folgt ein kleiner Zeitsprung von einigen Jahren und zeigt die Hauptfigur im Erwachsenenalter. In Gesprächen und Gedankenauszügen werden die Auswirkungen des Vorfalls geschildert, der den jungen Mann die losgelassen und immer verfolgt hat. Die Handlung hangelt sich langsam an der Entdeckung der Geschichte des Alexander Wolf entlang, an dem Schock, den Ereignissen erneut zu begegnen, dem Feuereifer, der ihn die Hintergründe des Autors aufdecken lassen wollen. Mit eingebaut ist eine Liebesgeschichte, die sich jedoch sehr organisch einfügt und einen engen Bezug zum eigentlichen Thema hat, von dieser stark beeinflusst wird. Alles fügt sich bestens zusammen und gibt einen tiefen Einblick in die Seele eines von Phantomen geplagten Mannes, was noch in einer ansprechenden Handlung mit einem sehr gut erzählten, intensiven Ende abgeschlossen wird.

Sebastian Blomberg spricht die Hauptrolle und bestimmt damit den weitaus größten Teil des Hörspiels, neben den Dialogen gibt er als Erzähler auch einen Überblick über die Geschehnisse und vertieft dessen Gedankenwelt. Mit prägnanter und präziser, aber dennoch gefühlsbetonter Stimme meistert er dies hervorragend, besonders der sich steigernde Schrecken des Mannes im Laufe der Handlung kann durch ihn erlebbar gemacht werden. Wolfgang Michael ist als Alexander Wolf zu hören, sein markanter Klang kann diese Rolle sehr präsent wirken lassen und einen starken Charakter formen. Valery Tscheplanowa spricht Jelena Nikolajewna, in die sich der Protagonist verliebt. Ihre helle Stimme passt sehr gut in die Handlung und kann ein sanftes, aber ebenso bestimmtes Wesen formen. In Nebenrollen sind Helmut Krauss und Gerd Wameling zu hören.

Das Thema ist ein sehr sensibles, und so wurde auch das Hörspiel umgesetzt. Effekthascherei oder hochtrabende Musik ist hier nicht zu finden, dafür wurden kleine, leise Melodien eingebaut, die Daniel Dickmeis extra für diese Produktion geschaffen hat. So liegt die Aufmerksamkeit voll auf den Dialogen, und dennoch wurde eine stimmige und passende Atmosphäre geschaffen.

Autor und Titel des Hörspiels werden in schlichten Lettern auf weißem Grund präsentiert, als Hintergrundbild wurde die Fotografie eines Mannes gewählt, der intensiv in die Kamera schaut, hinter ihm ein weiteres, halb verborgenes Gesicht. Das Innere des schlichten und ansehnlichen Digipacks ist hübsch gestaltet und enthält kleine Informationen zu zahlreichen Mitwirkenden sowie eine überraschend ausführliche Biographie zum Autor, in der sich Motive des Hörspiels wiederfinden lassen.

Fazit: Die erste Szene setzt einen prägnanten Startpunkt, von dem der weitere Verlauf ausgeht. Immer wieder wird sich hierauf bezogen, auch die Liebesgeschichte ist involviert. Die Gefühlswelt des jungen Mannes wird gefühlsbetont und realistisch geschildert, sodass ein starker und präsenter Eindruck bleibt. Ein sehr gutes Hörspiel mit Anspruch.

VÖ: 10.Februar 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1170-3


Raskolnikow - Schuld und Sühne (Fjodor Dostojewski)



Erster Eindruck: Zwischen Charakterstudie und Kriminalroman

Rodion Raskolnikow, ein verarmter Student aus Sankt Petersburg, muss zum Bestreiten seines Lebensunterhalts die wenigen Dinge verpfänden, die er noch besitzt. Langsam reift der Plan, die wucherische Pfandleiherin zu ermorden. Damit fühlt sich Raskolnikow auch im Recht, da er lediglich unwürdiges Leben auslöscht. Die Begegnung mit dem Trinker Marmeladow und seiner Tochter Sonja, die sich prosituieren muss, um zu überleben, sowie ein Brief seiner Mutter verfestigen seinen Plan…

„Raskolnikow – Schuld und Sühne“ des russischen Autors Fjodor Dostojewski ist sein wohl größtes und bekanntestes Werk. 1960 entstand beim WDR ein Hörspiel zu der bekannten Vorlage, das der Audio Verlag nun aus den Archiven geholt und auf CD in den Handel gebracht hat. Die Umsetzung ist hier sehr schlicht, es werden keinerlei Musikstücke verwendet, und auch die Geräusche beschränken sich auf einige wenige Stellen, sind die absolute Ausnahme in der Handlung. Und gerade diese Reduziertheit führt zu einem sehr scharfen Ausdruck der Geschichte, zu einem analytischen und auf die Charaktere fokussierten Ausdruck. Der Aufbau dieser klassischen Geschichte vollzieht sich recht langsam, anfangs werden in großer Ausführlichkeit die Armut und das Leiden der Figuren dargestellt. Raskolnikow, der sich gerade so über Wasser halten kann und nicht einmal die Miete für seine winzige Wohnung zahlen kann, aber auch Marmeladow, der alles Geld seiner Familie versäuft, wird mit seinem Hintergrund in tiefschwarzen Farben dargestellt, besonders das Zusammentreffen mit seiner Familie ist ein eindrucksvoller Höhepunkt. Mit dem Mord an der Pfandleiherin beginnt dann der Kern der Handlung, Raskolnikow reagiert ganz anders auf seine Tat, als er vorher gedacht hätte, zergeht langsam aber sicher in seinen Schuldgefühlen, distanziert sich immer weiter von der Gesellschaft. Hinzu kommt später noch eine Gerichtsverhandlung, das fast schon ein psychologisches Drama ist und noch einmal eine Portion Kriminalistik mit einbezieht. Das alles ist in scharfen, treffenden Worten geschildert, die die Gefühlswelt des jungen Mannes sehr eindringlich schildern. Obwohl manche Monologe doch etwas lang geraten sind, kann eine gewisse Dynamik erzeugt werden, die ich im Laufe der Zeit immer weiter steigert. Wer klassische Literaturvertonungen mag, wird auch an diesem sehr reduzierten und punktierten Hörspiel seine Freude haben.

Gerade ein solches Hörspiel, das so sehr von seinen Charakteren lebt, erfordert hervorragende Sprecher, jede Rolle ist mit einer markanten und ausdrucksstarken Stimme besetzt. Rodion Raskolnikow wird von Klaus Kammer sehr intensiv gesprochen. Den Weg vom scheinbar gefestigten jungen Student zum verstörten, von seiner eigenen Tat entsetzten gebrochenen Mann kann er facettenreich und sehr treffend darbieten. Soja Marmeladow wird von Gustl Halenke gesprochen, die in all dem Leid der Figur, all dem Schmerz und all der Erniedrigung noch eine sehr würdevolle und gutherzige Aura verströmen kann. Als Erzähler wurde Siegfried Wischnewski gewählt, der scharfsinnig und analytisch agiert, eher betrachtet denn beurteilt und dem Hörer damit dieses selbst überlässt. Weitere Sprecher sind Johanna Koch-Bauer, Helmut Peine und Ernst Ginsberg.

Die vier CDs dieses Hörspiels sind in einem ansehnlichen Digipack untergebracht, das mit seinen dunklen und erdigen Farben die gedrückte Stimmung dieser Produktion einfangen kann. Als Titelbild wird vor dunklem Hintergrund ein intensiv in die Kamera blickendes Männergesicht gezeigt, das nur zum Teil zu sehen ist. Im Inneren gibt es neben den Sprecherangaben noch zwei kurze Infotexte über Mitwirkende.

Fazit: Hier wurde Weltliteratur sehr schlicht, aber umso treffender umgesetzt, Die fehlenden Geräusche werden durch die hervorragenden Sprecher ausgeglichen, die ihren Charakteren sehr viel Ausdruck geben und deren Leid, insbesondere Raskolnikows Zerrissenheit sehr scharfsinnig darstellen. Geprägt von Leid und Elend, von Schuld und inneren Dämonen wahrlich kein leichter Stoff, aber sehr ausdrucksstark.

VÖ: 1.Februar 2014
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-367-9


Othello



Erster Eindruck: Klassisches Werk in klassischem Gewand

Der dunkelhäutige Othello hat sich in der Armee Venedigs den Rang eines Feldherren erarbeitet, obwohl er wegen seines anderen Aussehens keine leichte Stellung hatte. Als der rachsüchtige Fähnrich Jago bei einer Beförderung übergangen wird, spinnt er eine Intrige gegen seinen Vorgesetzten. Dabei kommt ihm zugute, dass Othello ohne die Zustimmung ihres Vaters die hübsche Desdemona geheiratet hat…

Der Audio Verlag hat eine ganze Reihe einem der bekanntesten Schriftsteller gewidmet: Einige Werke von William Shakespeare sind als Hörspielumsetzungen erschienen. Dabei wird wie so oft bei dem Berliner Verlag nicht auf eigene Produktionen gesetzt sondern Radiohörspiele neu aufgelegt. So ist auch „Othello“ in der Umsetzung des Rundfunks der DDR aus dem Jahre 1970 auf CD erhältlich. Die sprachliche Umsetzung birgt hier einige Tücken in sich, denn man muss sich erst mal an die geschnörkelt wirkende Wortwahl gewöhnen. Das Verständnis wird hierdurch zwar nicht gemindert, aber der Fluss und die damit verbundene Dynamik geraten etwas in den Hintergrund. Hat man sich aber darin eingefunden, hat man teil an einer hörenswerten Tragödie, die von Eifersucht, Machtspielen und Intrigen geprägt ist. Große Leidenschaft spielt darin eine ebenso große Rolle wie große Missgunst, Othello als edler und standfester Mann auf der einen, sein Widersacher Jago auf den anderen Seite. Mit seinem Handeln treibt er die Geschichte an, arbeitet mehr oder weniger im Verborgenen gegen Othello und Desdemona, bringt mit seinem leise diabolischen Auftreten Würze mit. Die Handlung entwickelt sich recht langsam, die einzelnen Teile werden ausgekostet und sehr detailliert dargestellt, bis es zum nächsten Baustein vorangeht. So lässt sich es nicht vermeiden, dass sich für heutige Ohren einige zähe Passagen ausfindig machen lassen. Der Einsatz eines Erzählers beispielsweise hätte einige Dialoge kürzen und die Handlung straffen können. So ist aber wiederum ein Hörspiel entstanden, dass sich sehr nah am Original orientiert und den Geist von Shakespeare in sich trägt.

Noch mehr als sonst sind bei Literaturvertonungen hervorragende Sprecher nötig, um die Handlung lebendig wirken zu lassen. Reimar Johannes Baur ist in der Rolle des Titelhelden Othello zu hören und schafft es, gleichfalls die ehrenwerten und standfesten wie auch die emotionalen, aufbrausenden Momente des Mannes einzufangen. Winfried Wagner spricht seinen Kontrahenten Jago, in seiner Stimme schwingt stets etwas leise Bösartiges mit, sodass diese interessante Figur gekonnt umgesetzt wurde. Desdemona wird von Petra Hinze, deren Stimme mit der als ebenso klug wie hübsch beschriebenen Figur nicht immer ganz mithalten kann. Weitere Sprecher sind Peter Reusse, Klaus Piontek und Fred Düren.

Das Hörspiel hat über 40 Jahre hinter sich, und das hört man auch der Produktionsweise an. Die Stimmen klingen leider etwas dumpf, sind aber gut verständlich. Auf den Einsatz von Musik wurde hier verzichtet, dafür sind einige Geräusche in die Handlung eingebaut, sodass die entsprechenden Szenen lebendiger wirken. Diese wirken sich besonders auf einige Handlungen aus und werden eher weniger dazu eingesetzt, eine stimmige Atmosphäre zu erzeugen.

Eine silberne Maske, die ausdrucksstarken Augen eines jungen Mannes verdeckend, darüber ein ausladende Federschmuck, der an frühere Rüstungen erinnert, alles nur dunkel beleuchtet und in Ausschnitten vor dem rein schwarzen Hintergrund zu sehen – das Cover zu Othello ist effektvoll in Szene gesetzt worden. Der Rest ist, typisch für das Label, recht schlicht gestaltet, zusätzlichen Extras sind hier nicht enthalten.

Fazit: Ein großes Werk eines großen Autors, dass hier schlicht und nahe am Original umgesetzt wurde. Die Schauspieler können ihre Rollen gut ausfüllen und die Intrigen von Jago, die hier im Mittelpunkt stehen, in Szene setzen. Durch die recht trockene Umsetzung nur mit einigen Geräuschen und der hochtrabenden Sprache sind aber durchaus einige Einstiegshürden vorhanden.

VÖ: 1.März 2014
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-374-7


Die Otfried Preußler Hörspiel-Box



Erster Eindruck: Drei Hörspiele nicht nur für Kinder

Einer kleinen Wassermannfamilie wird ein Junge geboren, der schon bald neugierig den Tümpel erkundet und im Karpfen Cyprinus einen wahren Freund gefunden hat. Doch nichts reizt ihn mehr als die Oberfläche und die Menschen… (Der kleine Wassermann)
Die kleine Hexe will unbedingt mit den großen Hexen in der Walpurgisnacht tanzen. Doch als sie entdeckt wird, wird ihr von der Oberhexe zur Strafe der Besen weggenommen. Doch wenn sie bis zum nächsten Jahr zu einer guten Hexe wird, wird sie in den Kreis der großen Hexen aufgenommen… (Die kleine Hexe)
Ein kleines Gespenst wohnt in einem Glockenturm und wacht jede Nacht zur gleichen Zeit auf. Dabei würde es furchtbar gern einmal den Tag erleben. Und als die alte Rathausuhr verstellt wird, bietet sich dazu die Gelegenheit (Das kleine Gespenst)

Otfried Preußler hat wie nur wenige andere deutsche Autoren über Jahre hinweg die Kinderliteratur geprägt und dabei zahlreiche zeitlose Klassiker verfasst. Drei davon wurden neu vertont und sind nun zusammen bei Karussell in einer großen Hörspielbox vereint: Der kleine Wassermann, die kleine Hexe und das kleine Gespenst. Jede Geschichte entfaltet dabei ihren ganz eigenen Reiz, mit über sechs Stunden Laufzeit ist hier zudem für jede Menge Unterhaltung gesorgt.
Den Anfang macht „Der kleine Wassermann“, die Umsetzung lebt von ihrer liebevollen Betrachtungsweise der wunderschön dargestellten Unterwasserwelt. Hier werden die wortgewaltigen Beschreibungen des Autors gekonnt aufgegriffen und in das neue Medium übertragen. Auch der Blick auf die Menschenwelt lohnt sich und enthält einige sehr amüsante Stellen. Erzählt werden dabei kleine, spannende Geschichten, die auch heute nichts von ihrem Zauber verloren haben.
„Die kleine Hexe“ ist gleich am Anfang mit einer recht gruseligen Szene versehen, bei der nicht nur kleinere Kinder wohliges Schauern verspüren dürften. Die Walpurgisnacht mit den großen Hexen ist aber nur der Ausgangspunkt für eine sehr schöne Geschichte. Hier lernt die kleine Hexe ganz verschiedene Charaktere kennen, hilft den Guten und Herzlichen und bestraft die Bösen, Hartherzigen. Dabei geht bei ihren Hexereien nicht immer alles gut, doch mit einer großen Portion Empathie kann sie jede Situation lösen – und in einer ebenso gelungenen Schlussszene für einen wahre Paukenschlag sorgen, der die Geschichte sehr gekonnt abschließt.
„Das kleine Gespenst“ stellt die turbulente und witzige Geschichte in den Vordergrund. Nach den eher ruhigen Eröffnungsszenen, in der das Gespenst und sein Freund, der Uhu Schuhu, vorgestellt werden, dreht die Handlung auf und lässt das schwarz gewordene Gespenst tagsüber spuken und so einiges Unheil anrichten. Das wird sehr gekonnt und dynamisch umgesetzt und findet in einem Fest zum Gedenken an einen kämpferischen Tag sehr hübsch abgeschlossen.
Alle drei Geschichten können in den drei Neuvertonungen ihren vollen Reiz entfalten und sind mit viel Charme und Gespür für die bekannten Originale umgesetzt worden. Hier erhält man drei doppelteilige Hörspiele, die nicht nur Kinder überzeugen dürfte, sondern auch Erwachsene in die gute alte Zeit zurückversetzt.

Bei allen drei Produktionen können die Sprecher vollkommen überzeugen, sehr gefragte und beliebte Schauspieler haben sich dabei die Ehre gegeben. Die recht unbekannte Femke Jovy ist als kleiner Wassermann zu hören und verleiht dem kleinen Junge eine große Portion Lebensfreude, die aus jedem Wort zu sprühen scheint und den neugierigen Jungen sehr präsent wirken lässt. Die wunderbare Anna Thalbach ist als kleine Hexe zu hören, die spricht (und singt) ihren Charakter mit viel Charme und Witz, kann den Gefühlen des Mädchen Nachdruck verleihen. Michael Habeck spricht das kleine Gespenst und setzt diese die Figur recht wild und rau um. Er krächzt und spukt sich mit herrlicher Leidenschaft durch die Handlung und verleiht der Figur eine sehr ausdrucksstarke Note. Weitere Sprecher sind Friedhelm Ptok, Stefan Kaminski und Peter Striebeck.

Da die drei Hörspiele vom selben Produktionsteam umgesetzt wurden, ist eine einheitliche Linie in der akustischen Umsetzung erkennbar. In jeder wird recht viel Wert auf die Musik gesetzt, oft wird gesungen, meist sind die Szenen mit passenden Melodien unterlegt. So bekommen die einzelnen Situationen ihren ganz eigenen Ausdruck, der von passenden und gut eingebauten Geräuschen noch verstärkt wird.

Natürlich tummeln sich die drei Hauptdarsteller der Hörspiele auch auf dem Cover zu sehen. Während der kleine Wassermann im unteren Drittel auf den Grund des Weihers taucht, fliegen mittig die kleine Hexe und das kleine Gespenst durch die dunkle, schwarze Nacht. Oben ist ein einfacher Schriftzug zu sehen. Die einzelnen CDs sind in Papphüllen untergebracht, das beiliegende Booklet enthält die üblichen Angaben zur Produktion und u den Sprechern.

Fazit: Drei ganz wundervolle und bezaubernde Geschichten voller Charme und kreativer Einfälle. Drei starke Hauptfiguren, die in Erinnerung bleiben und ihre ganz speziellen Eigenheiten haben und von anderen spannenden Figuren umgeben werden. Und drei wunderbare Produktionen, die den Geist der Buchvorlagen aufgreifen und sehr markant darstellen. Eine wunderbare Box, die nicht nur Kindern gefallen dürfte.

VÖ: 28.März 2014
Label: Karussell
Bestellnummer: 0602537642243


Pinocchio



Erster Eindruck: Der Weg zum Erwachsenwerden

Meister Geppetto schnitzt aus einem einfachen Holzblock einen kleinen Holzjungen – und dieser ist lebendig. Pinocchio hat zwar sein Herz am rechten Fleck, doch bringt sich selbst immer wieder in Schwierigkeiten und hört nicht immer auf seinen Vater. Und eines Tages lernt er auf dem Weg in die Schule einige finstere Gestalten kennen, die ihm nicht gerade wohlgesonnen scheinen…

Pinocchio gehört zu den bekanntesten Geschichten für Kinder. Das bekannteste Werk des italienischen Carlo Collodi hat schon unzählige Umsetzungen erhalten, als Trickfilm, Realverfilmung, aber eben auch als Hörspiel. 2003 ist beim Südwestrundfunk ein weiteres Hörstück hinzugekommen, das in etwas unter einer Stunde die Geschichte des hölzernen Jungen erzählt. Diese ist zwar etwas gekürzt, bleibt aber sehr nahe am Original und zeigt so, wie der kleine Holzjunge nicht nur erwachsen, sondern auch zu einem richtigen Menschen wird. Die episodenhaft erzählte Handlung stellt nach einem schönen Einstand die Hauptfigur vor immer neue Situationen und Herausforderungen, in denen er moralisch richtig entscheiden muss. Dass er dies gerade zu Beginn nicht tut, versteht sich von selbst, die zu tragenden Konsequenzen sind für eine Kindergeschichte überraschend düster. Nur ein sanfter roter Faden schlängelt sich durch die Handlung, die sich zum Ende steigert und mit einer recht eindrucksvollen Szene endet. Die hier vorliegende Umsetzung ist sehr gelungen und stellt die moralischen Aspekte und die heiteren Momente gleichwertig nebeneinander. So wird das Lehrreiche der Geschichte betont, ohne mit dem Zeigefinger zu drohen.

Niemand anderes als Jens Wawrczeck, einer der momentan beliebtesten Sprecher, ist als Pinocchio zu hören. Mit einer sehr speziellen Stimme kann er die fröhliche Jungenhaftigkeit des Charakters betonen und wirkt dabei stets sehr präsent. Klaus Manchen spricht Geppetto und hat eine markante, ausdrucksstarke Stimme, die sowohl sanftmütig als auch bestimmend wirken kann, eine gute Leistung. Auch Hörspielurgestein Wolfgang Völz ist in mehreren Rollen zu hören und kann diese sehr eigenständig und individuell gestalten. Weitere Sprecher sind Herbert Fritsch, Claus Boysen und Han Diehl.

Auch in Sachen akustischer Gestaltung kann diese Umsetzung von Pinnocchio überzeugen. Ein gelungener Mix aus Musik und Geräuschen untermalt die Geschichte sanft, aber durchaus atmosphärisch. Dabei werden die Dialoge zwar an erster Stelle stehen gelassen, aber durch stellenweise eingesetzte Melodien untermalt, die die Stimmung der Handlung verstärken und weiter ausformen.

Die Gestaltung des Digipacks ist schlicht, aber durchaus wirkungsvoll. Das Cover ist im typischen Stil des Verlages sehr klar strukturiert und wird von einem breiten, orangefarbenen Streifen durchbrochen, auf dem der Titel und weitere Angaben stehen. Der Hintergrund ist in einem kräftigen Türkis gehalten, als Motiv wurde eine einfache Zeichnung des langnasigen Holzjungen gewählt.

Fazit: Eine gelungene Umsetzung des bekannten Kinderbuchklassikers. Die Sprecher bringen Schwung und Fröhlichkeit in die Handlung, die sehr nah am Original ist und die moralischen Aspekte nicht allzu sehr betont. Die kleine Portion Düsternis steht dem Hörspiel recht gut und ist trotzdem für Kinder bestens geeignet.

VÖ: 1.Februar 2014
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-346-4


Sherlock Holmes - Der Hund der Baskervilles



Erster Eindruck: Bastian Pastewkas Hörspieldebut

Sherlock Holmes und Dr. Watson bekommen Besuch von dem Testamentsvollstrecker Dr. Mortimer, der das Erbe des verstorbenen Sir Charles Baskerville verwaltet. Sein einziger Nachkomme hat auf dem alten Anwesen unheimliche Vorkommnisse bemerkt, ein riesiger, dämonisch wirkender Hund scheint dort sein Unwesen zu treiben. Vorerst hat das Detektivduo kein großes Interesse an dem Fall, zu absurd schient die Geschichte. Nur auf Drängen reist zumindest Watson in das abgelegene Herrenhaus…

Bastian Pastewka ist bisher vor allem als Schauspieler und Komödiant bekannt geworden, doch sein Herz scheint auch für Hörspiele zu schlagen. Für den WDR hat er eine Adaption als Drehbuchautor und Regisseur realisiert, der man die Liebe zum Detail anmerkt. Und auch das umgesetzte Stück ist kein unbekanntes, es handelt sich um „Der Hund der Baskervilles“, einem Sherlock Holmes-Roman von Sir Arthur Conan Doyle. Auch wenn die Geschichte dank mehrerer Umsetzungen schon gut bekannt ist, wird sie hier spannend und kurzweilig erzählt, neue Details herausgekehrt und nicht zuletzt auch die Figuren leicht anders angelegt als bisher bekannt. Es sind diese Nuancen, die diese Produktion interessant machen, aber auch die herrlich nostalgische Umsetzung, die an ältere Klassiker erinnert und sich hemmungslos in dieser Schiene suhlt – ganz zum Vergnügen des Hörers. Und auch die Geschichte ist immer noch gut und spannend geschildert, es ist dieses langsame Herantasten an die Hintergründe, dieses schrittweise Annähern an den Kern der Dinge, das langsame Ergründen aller Fakten, die so interessant wirken. Dass Sherlock Holmes der Lösung immer einen Schritt näher zu sein scheint als Watson und der Hörer, lässt den Assistentin immer etwas näher und greifbarer wirken, sodass sich der Meisterdetektiv mit seinem leicht exzentrischen Wesen gekonnt in den Mittelpunkt stellen kann. Eine sehr charmante Produktion, die man neumodisch wohl als „Retro“ bezeichnen würde und die mit ihrer spannenden Vorlage und den glaubwürdigen Charakteren punkten kann.

Besonderes Augenmerk liegt bei den bekannten Romanfiguren natürlich auf den beiden Hauptsprechern, die ihre Charaktere hier sehr gekonnt in Szene setzen. Frank Röth ist als Sherlock Holmes zu hören und betont insbesondere die scharfsinnige Seite des Meisterdetektivs, kann aber auch seine arrogante und bissige Seite zeigen. Ihm zur Seite steht Gerhard Gabers als Watson, er steht gleichwertig neben Holmes und kann mit seiner starken Charakterdarstellung überzeugen. Peter Jordan ist als Sir Henry zu hören, er spricht sehr präzise und kann mit einer facettenreichen Betonung punkten. Weitere Sprecher sind unter anderem Thomas Kügel, Debora Weigert und Susanne Pätzold.

Wie oben bereits kurz erwähnt ist auch die akustische Gestaltung der Produktion hervorragend gelungen, denn statt auf moderne Klänge zu setzen, wird eine wunderbare Retrostimmung verbreitet. Diese manifestiert sich insbesondere in der Musik von Henry Albrecht, die wie aus einem alten Radiohörspiel klingt, aber deutlich moderner und sehr gut produziert wurde. Die Geräusche fügen sich in dieses Gesamtkonzept sehr stimmig ein und unterstreichen einige Szenen.

Die Doppel-CD wird in einem stabilen Digipack angeliefert, bei deren Aufmachung sich sichtlich viel Mühe gegeben wurde. Das Cover nutzt ebenso die nostalgische Stimmung und könnte mit den großen roten und gelben Lettern und der leichten Wellenbewegung der Schrift auch ein altes Kinoplakat sein, im Mittelpunkt der schwarz-weißen Szenerie steht jedoch ein großer, jagender Hund, der mit gelben Akzenten betont wurde. Neben Infos zu einigen Sprechern gibt es in dem fest eingeklebten Booklet auch einen ausführlichen Einleitungstext von Bastian Pastewka.

Fazit: Ein hervorragendes Hörspieldebut des bekannten Schauspielers in ungewohnter Rolle als Produzent und Drehbuchautor. Der bekannte Stoff wird sehr spannend und temporeich aufgeführt, aber auch ausführlich erzählt und mit Humor und Spannung ausgestattet. Die Produktion ist sehr sauber und wird akustisch sehr gut unterlegt. Von dieser Machart hätte ich gern mehr!

VÖ: 10.März 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1515-2


Die Blendung



Erster Eindruck: Intelligent und von zwischenmenschlichen Beziehungen überfordert

Der Sinologe Peter Kien geht hochmütig durch die Welt und hat für alle, die nicht so gebildet sind wie er, nur Verachtung übrig – und das sind seiner Meinung nach alle. Meist verkriecht er sich in seiner Bibliothek und hat wenig Kontakt zur Außenwelt. Doch als er seine Haushälterin Therese Krumbholz bei der liebevollen Behandlung eines Buches beobachtet, beschließt er die zu heiraten. Doch die wenig gebildete Frau verschreckt ihn schon in der Hochzeitsnacht…

Literatur als Hörspiel hat es oft schwierig, denn die 1:1-Übernahme eines hervorragenden Werkes muss nicht gleichzeitig auch als Hörstück überzeugen, folgt dieses doch oft anderen Gesetzmäßigkeiten, braucht neue Reizpunkte und einen gewissen eingängigen Fortlauf. Indes will man das Werk auch nicht zu sehr bearbeiten und es möglichst ursprünglichen wirken lassen. Und gerade das ist die Schwierigkeit bei „Die Blendung“, das so nicht allzu leicht zugänglich wirkt. Zugegeben, die Sprecher sind hervorragend und lassen ihre Figuren sehr intensiv wirken und rücken ihre Charaktere nahe an den Zuhörer. Doch diese sind alles andere als einfach zugänglich, Sympathieträger sucht man hier vergebens. Und es dauert, bis man sich in die Geschichte hineingefunden hat, bis man an ihren Kern vordringt, bis man sich in der hochtragenden Sprache zurechtfindet. Ist diese Einstiegshürde jedoch genommen, wird die unheilvolle Beziehung zwischen Kein und seiner Haushälterin sehr genau und differenziert beleuchtet, wird der sich steigernde Kampf zwischen den beiden intensiv dargestellt, wird auch das gewaltsame Ende erlebbar gemacht. Bei der Laufzeit von über 10 Stunden muss man sich viel Zeit für dieses Werk nehmen, auch nebenbei gehört geht „Die Blendung“ völlig unter. Es fordert viel Aufmerksamkeit und Konzentration, zeigt dann aber auch ein außergewöhnliches Hörspiel voller verschiedener Facetten.

Samuel Finzi ist als Peter Kein zu hören, die verstockte, menschenfremde Art des studierten Intellektuellen kann er mit seiner harten, unnachgiebigen Stimme sehr gut darstellen. Besonders seine gespielte Freundlichkeit am Anfang des Hörspiels ist hervorragend umgesetzt und stellt die Weichen für die nachfolgende Wirkung seiner Figur. Sehr gut gefallen hat mit auch Birgit Minichmayr als Therese Krumbholz, die mit ihrer derben, fast schon ungehobelten Art das genaue Gegenteil zur hochtrabenden Wirkungsweise ihres Gatten bildet und mit ihrem österreichischen Akzent viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Erzähler Manfred Zapatka nimmt sich als Erzähler hier deutlich zurück und setzt auf eine eher neutrale Art, seine markante Stimme und die eingängige Betonung lassen aber auch diese Parts gut wirken. Weitere Sprecher sind Wolfgang Böck, Brigitte Neumeister und Gottfried Breitfuß.

Für die Aufnahme aus dem Jahr 2013 wurde ein eigenes Cover entworfen. Im Vordergrund steht dabei der Titel des Hörspiels sowie dessen Autor, beides wird in einfachen Lettern vor dem beigefarbenen Hintergrund dargestellt. Darunter wird, spiralförmig angelegt, beides oft wiederholt, sodass ein leichter dreidimensionaler Effekt entsteht. Das Booklet im Inneren der Box enthält zahlreiche weitere Informationen.

Fazit: Kein einfacher Stoff, hier wird viel Aufmerksamkeit und eine Affinität zu Werken dieser Art vorausgesetzt. Ungewöhnlich auch im Verlauf, denn die gänzlich unsympathischen Charaktere arbeiten immer weiter gegeneinander und reiben sich aneinander auf. Der langwierige Einstieg ist nötig, um den Charakter des Peter Kein vorzustellen, bildet aber auch eine gewisse Einstiegshürde. Eine interessante Betrachtung zwischenmenschlicher Beziehungen, von denen beide nicht zu einer solchen fähig sind.

VÖ: 18.November 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-893-8


Das Decamerone



Erster Eindruck: 100 Novellen kunstvoll verpackt

Florenz wird von der Pest heimgesucht, und die Bewohner gehen jeder auf seine Art mit der Seuche um. So beschließt eine Gruppe von sieben Schwestern gemeinsam mit drei jungen Männern, der Stadt den Rücken zu kehren und weitab der Stadt in einem Landhaus ihr Leben zu verbringen. Um gesellschaftliche Strukturen zu schaffen, wird jeden Tag ein König oder eine Königin bestimmt, die die Regeln des Tages festlegt. Und täglich werden viele Geschichten erzählt…

„Das Decamerone“ gilt als wichtigstes Werk des italienischen Dichters Giovanni Boccaccio, hat er darin doch nicht nur 100 Novellen gesammelt und in eine hübsche Rahmenhandlung eingekleidet, sondern auch damalige Erzählstrukturen aufgebrochen und durchaus erotische Aspekte eingebaut – was im Mittelalter nicht gerade üblich war. 1984 hat der Norddeutsche Rundfunk das Decamerone als Vorlage für ein Hörspiel genommen, dieses wurde nun vom Hörverlag aus den Archiven befreit und auf zehn CDs gepresst. Die Einleitung mag dabei vielleicht etwas zäh geraten sein, lang und breit erklärt hier der Autor, warum er gerade die Pest als Ausgangspunkt gewählt hat, obwohl die Handlung eigentliche eine verträumte Leichtigkeit ausstrahlt und der Tod und das Leiden nicht ganz dazu passen wollen. Dennoch ist dies wichtig, da die Rahmenhandlung auch einen gewissen gesellschaftlichen Spiegel beinhaltet und die schreckliche Seuche nicht ausgelassen werden sollte. Die oben beschriebene Rahmenhandlung fängt die Stimmung unter den zehn Reisenden sehr gut ein und kann das kleine Experiment mit der Bestimmung des täglichen Königs interessant und reizvoll wirken lassen. Noch mehr gelingt dies mit dem Fortschreiten der zehn Tage, die die kleine Gesellschaft anhält, immer mehr verliert man sich in dieser Idee. Der eigentliche Kernpunkt sind jedoch die kleinen Geschichten, die kunstvoll in diese Handlung eingewoben wurden, jeden der zehn Tage erzählt jeder der Mitreisenden eine Geschichte. Diese sind mal ernst, mal heiter, mal belanglos und mal schwer tragend, aber immer hörenswert. Und auch das Einbauen frivoler und leicht erotischer Bestandteile ist hier gut gelungen und fügt sich bestens in die Geschichtensammlung an. Aufgrund der Erzählstruktur ist der Anteil an Monologen recht hoch. Nach der recht langen Einführung durch einen externen Erzähler übernehmen die zehn Mitglieder der Reisegruppe nicht nur die Dialoge, sondern erzählen eben auch ihre kleinen Novellen. Das mag auf den ersten Blick nicht mehr ganz zeitgemäß erscheinen, ist aber stimmig und sehr passend. Dies ist natürlich kein Hörspiel für zwischendurch und auch keines, das man am Stück hören sollte. Es kann einen einige Tage begleiten, wobei einem die Charaktere immer vertrauter werden, die Geschichten immer gut unterhalten, das Eintauchen in die mittelalterliche Welt immer faszinierender wird. Anspruchsvoll, besonders da man sich erst einmal an die altertümliche Sprache gewöhnen muss, aber auch lohnenswert.

Gert Westphal, der in zahllosen Hörspielen mitgewirkt hat, ist hier in der Rolle des Erzählers zu hören. Er schafft es, die oft langen Monologe kurzweilig und spannend wirken zu lassen, zudem baut er sofort eine direkte Verbindung zum Hörer auf. Beate Lenders ist als Filomena zu hören, eine der sieben Schwestern. Sie schafft mit ihrer einprägsamen Stimme eine gelungene Symbiose aus Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit. Der junge Christian Rode spricht den Panfilo und kann seine erzählten Geschichten mit Nachdruck in der Stimme erzählen. Weitere Sprecher sind Ingeborg Kallweit, Thessy Kuhls und Uwe Friederichsen.

Akustisch hält sich diese Produktion – ganz nach der Konvention der damaligen Zeit – eher zurück, die Sprecher stehen hier klar im Vordergrund. Dennoch ist die musikalische Untermalung durchaus gelungen, leise und sanfte Klänge, die mittelalterlich anmuten, zieren einige Stellen und schaffen eine passende Atmosphäre. Geräusche sind kaum zu hören, was aber aufgrund der Erzählstruktur nicht weiter verwunderlich ist und auch nicht stört.

Ein typisches Portrait einer Frau aus dem Mittelalter ziert das Cover zu dieser Folge. Eine kunstvolle Frisur mit vielen Zöpfen und ineinander verflochtenen Strähnen umrahmt ein hübsches Gesicht, das leicht melancholisch im Profil zu sehen ist und in die Ferne zu schauen scheint. Besonders gelungen ist das umfangreiche Booklet mit vielen Informationen zum Autor und einigen Mitwirkenden sowie einer übersichtlichen Trackliste.

Fazit: Die Rahmenhandlung kann – trotz anfänglicher Schwere – mit einer interessanten Konstellation und einem sanften Verlauf überzeugen. Kernpunkt sind jedoch die 100 kurzen Geschichten, die ganz unterschiedlichen Ansätze und Stimmungen enthalten. Nicht jede kann dabei jedem gefallen, durch die Vielfalt wird aber jeder bald besonders stimmige Geschichten finden. Die Einbindung einiger frivoler Momente sowie die mittelalterliche Sprache können den Reiz noch verstärken.

VÖ: 9.Dezember 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1172-7


Der geheimnisvolle Fremde



Erster Eindruck: Besuch von einem Engel

Im spätmittelterlichen Österreich verbgingen die drei jugendlichen Freunde Theodor, Seppi und Nikolaus eine unbeschwerte Zeit. Doch eines Tages begegnen sie einem jungen Mann, der von sich behauptet ein Engel und der Neffe des Satans zu sein. Zugleich beweist er ihnen seine magischen Fähigkeiten. Die drei sind völlig fasziniert von ihm, und er führt sie immer weiter in seine Welt ein…

Mark Twain ist hierzulande wohl vor allem durch die Geschichten um Tom Sawyer bekannt, doch ein näherer Blick auf sein Werk lohnt sich. Das hat sich auch Deutschlandradio Kultur gedacht und zu einem seiner letzten Werke ein aufwändiges Hörspiel produziert: Der geheimnisvolle Fremde. Auch wenn hier aus der Sicht von Theodor erzählt wird, ist die Hauptperson doch Satan. Mit seiner mysteriösen Art fasziniert er den Hörer, er ist nie ganz durchschaubar, nie ganz greifbar, nur stückchenweise gelingt es, ihn weiter zu durchdringen. Diese Aura des Geheimnisvollen umgibt ihn schon gleich zu Beginn, steigert sich aber immer weiter. Dabei zeigt er den Jungen und insbesondere Theodor seine Weltanschauung, seinen Blick auf die Menschheit, die er für unvollkommen, gewalttätig und primitiv hält. Dazu führt er den Jungen scheinbare Alltagssituationen vor, geht später aber auch weiter und verändert das Schicksal der Menschen. Von seinem Tun ganz gebannt, völlig in Satans Sog gezogen, erlebt Theodor die Begegnungen mit dem Engel wie eine Droge, hängt an seinen Lippen und kann sich auch beim größten Grauen nicht abwenden – und genauso geht es auch dem Hörer. Es ist kein angenehmes Menschenbild, das hier präsentiert wird. Man bekommt den Spiegel vorgehalten und erkennt auch das Bösartige in sich selbst, in der Menschheit und ist erschüttert von den klaren Bildern. Wie am Ende die ganze Welt dargestellt wird, ist sicherlich nicht jedermanns Überzeugung und Geschmack, aber eben auch Teil des Konstrukts, des Kunstwerkes, das Twain hier geschaffen hat. Die eindringlichen Worte, die klaren Bilder und die einfache und doch so vielseitige und aussagekräftige Handlung gepaart mit der hervorragenden Produktion machen „Der geheimnisvolle Fremde“ zu einem extrem guten Hörspiel und einem echten Geheimtipp, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Diese Produktion steht und fällt mit ihren Sprechern, die das Hörspiel mit Leben füllen müssen – und allesamt machen ihre Sache hervorragend. Jannik Schümann spricht den Theodor und hat dabei den mit Abstand meisten Text, ist sowohl als Erzähler als auch als in Dialogen zu hören. Er kann die Faszination, die Besessenheit des jungen Mannes sehr intensiv und greifbar wirken lassen, aber auch den Schrecken und die Angst, die er empfindet. Grandios ist aber insbesondere Alexander Fehling als Satan, mal schmeichelnd, mal deutlich, mal schneidend, aber immer sehr gradlinig und betont. Seine sanfte, angenehme Stimme passt hier sehr gut und verleiht ihm die Rolle des großen Verführers. Doch auch die Nebenrollen sind sehr gut besetzt, so ist in einer Szene der phänomenale Felix von Manteuffel als Richter zu hören und kann seine markante Stimme wieder hervorragend in Szene setzen. Weitere Sprecher sind Robert Gwisdek, Sebastian Urzendowsky und Andreas Schmidt.

Die Musik wurde aufwendig in die Handlung eingebaut und verleiht den Sprechern in ihrer Wirkung den letzten Schliff. Dabei sind insbesondere klassische Instrumente zu hören, neben einer Gitarre ist ein melancholisches, aber auch schon mal energischeres Klavier dominant. Das alles verwebt sich zu einer sehr gelungenen Kulisse für die Handlung. Und am Ende gibt es noch etwas Besonderes, noch nie habe ich mit solcher Inbrunst und Kreativität die Mitwirkenden vorgelesen bekommen.

Auf Hochglanz poliert ist das Cover zum Hörspiel, das stabile Digipack ist komplett mit einer Glanzfolie überzogen. Mit dem stilisierten Gesicht, das spitz und animalisch wirkt. Auch die restliche Gestaltung mit den kleinen Zeichnungen ist sehr gelungen. Besonderes Augenmerk verdient das Booklet, das im Gegensatz zum Digipack aus mattem, griffigem Papier gefertigt ist. Kunstvolle Zeichnungen, kleine Kommentare, Fotos und Infos zu den Sprechern – sehr hübsch und gelungen!

Fazit: Ein durch und durch faszinierendes Hörspiel voller Feinsinn und Gespür für das richtige Timing. Die Geschichte um den dunklen Engel Satan mit seiner recht extremen Weltanschauung und den eindringlichen Taten lässt den Hörer wie gebannt zurück und hält der Gesellschaft einen Spiegel vor, der unbequem ist und aus dem man sich vieles herausziehen kann. Die hervorragende Umsetzung trägt dazu bei, dass die Geschichte so intensiv wirken kann. Fast schon ein modernes Märchen, aber ein düsteres, erschreckendes und erschütterndes. Herausragend!

VÖ: 4.Januar 2014
Label: Hörbuch Hamburg
Bestellnummer: 978-3-89903-883-5


Die seltsame Gräfin (Edgar Wallace)



Erster Eindruck: Ungewöhnliches in alten Gemäuern

Es ist ein ereignisreicher Tag für die Rechtsanwaltsgehilfin Lois Riddle. Zuerst verursacht der junge Mann, der sie seit Tagen zu verfolgen scheint, einen Autounfall mit ihr. Dann lernt sie im Gefängnis, wo sie geschäftlich zu tun hat, eine Frau kennen, die in enger Verbindung mit ihrem eigenen Leben zu stehen scheint. Und zu guter Letzt bekommt sie von der reichen Gräfin Moron ein attraktives Stellenangebot. Noch ahnt sie nicht, wie sehr dieser Tag die nächsten Ereignisse bestimmen soll…

Das kleine Label Zaubermond ist ja nicht nur für qualitativ hochwertige Produktionen bekannt, sondern auch dafür, Risiken einzugehen und Experimente zu wagen. Und so ist eine eher ungewöhnliche Umsetzung einer Edgar Wallace-Geschichte entstanden: „Die seltsame Gräfin“ wurde vorrangig in einer alten Villa aufgenommen und ist zusätzlich einer Theateradaption entsprungen, die mit einem Erzähler versehen wurde und sonst in ihrer ursprünglichen Form beibehalten wurde. Die Handlung ist typisch für den englischen Autoren und enthält einige bekannte Elemente, ist aber auch sehr kurzweilig erzählt und hält so manche Überraschung bereit. Schon gleich zu Beginn werden die drei oben beschriebenen einschneidenden Ereignisse erzählt, sodass man als Hörer gleich mitten in der Handlung verwurzelt ist – und gleich an drei Stellen etwas zum Nachgrübeln auf den Weg bekommt. Am Prägnantesten und am Ausführlichsten behandelt wird vorerst die Thematik der Gräfin, die eine freundliche, aber auch merkwürdige und leicht zwielichtige Aura ausstrahlt und damit einen großen Reiz verbreitet. Daraus entwickelt sich eine Handlung, die immer vielschichtiger und verwobener wird und dem Hörer einige Rätsel aufgibt. Zahlreiche neue Ereignisse sorgen für einen dynamischen Ablauf, der in einem wirklich packenden und sehr gut erzählten Finale gipfelt. Mit über 150 Minuten ist „Die seltsame Gräfin“ nicht mal eben zwischendurch gehört, ist dafür aber sehr lohnenswert und kombiniert die herrlich nostalgische Geschichte mit moderner und ungewöhnlicher Aufnahmetechnik. Schön, dass dieses Experiment eingegangen wurde.

Elga Schütz ist eine herausragende Hörspielsprecherin und kann auch diese Produktion deutlich aufwerten. Ihr leicht exzentrisches, aber ebenso zugängliches Verhalten als Lady Eleonore Moron passt wunderbar zu der Rolle und sorgt für genügend Aufmerksamkeit für die gelungene Figur. Auch zum Theaterensemble gehört Eva Wagner als Lois Reddle, die eine recht sanfte Stimme hat, die trotzdem voller Energie und Ausdruck steckt. Als externer Erzähler wurde Jürgen Thormann verpflichtet, dessen kurze und knackige Passagen durch seine raue, unverkennbare Stimme das gewisse Etwas bekommen. Weitere Sprecher sind Jessica Zang, Ulrich Schaller und Alexx Grimm.

Für die Aufnahmen wurde eine komplette Villa mit Mikrofonen bestückt, sodass die Sprecher sich völlig frei bewegen konnten. Dadurch kommt die Atmosphäre des alten Anwesens sehr gut zur Geltung, die Stimmen werden oft durch einen etwas Hall begleitet, sodass man einen recht räumlichen Eindruck bekommt. Alles wirkt sehr authentisch und bekommt so einen außergewöhnlichen Anstrich. Nur Abmischung hätte an einigen Stellen etwas lauter sein können.

Mit dem herrlich nostalgischen Cover und dem leicht verwischten Zeichenstil ist ein echter Hingucker geglückt, es zeigt das Plakat, das auch vom Imperial-Theater verwendet wurde. Die Gräfin ist leicht nach hinten gebeugt zu sehen, was ihr mit ihrem roten Kleid einen dramatischen Ausdruck verleiht. Erst beim zweiten Hinsehen ist zu sehen, dass sie sich dabei an einen Totenschädel klammert. Das Innere ist schlicht und übersichtlich gestaltet, enthält aber leider keine weiteren Informationen. Besonders Fotos der Aufnahmen hätten mich bei diesem besonderen Projekt interessiert.

Fazit: Die Vorlage des Autors gibt schon einiges her und ist ebenso spannend wie überraschend. Schön, dass die ungewöhnliche Umsetzung noch einiges mehr herausholen kann. Durch den fast schon räumlichen Klang wird eine besondere Atmosphäre erzeugt, die zudem mit sehr guten Sprechern überzeugen kann. Eine spannende und kurzweilige Geschichte, die von einem sehr gut erzählten Finale bestens abgeschlossen wird.

VÖ: 31.Januar 2014
Label: Zaubermond
Bestellnummer: 4047179851725


Hilfe, die Herdmanns kommen



Erster Eindruck: Wilde Rasselbande in der Weihnachtsgeschichte

Familie Herdmann ist im Stadtviertel alles andere beliebt, besonders die sechs Kinder gelten als unhöflich und als echte Problemkinder. Umso überraschter sind alle, als allesamt am Sonntag die Kirche besuchen – und wenig später sogar beim Krippenspiel mitmachen wollen. Dabei haben sie keinerlei Ahnung von der Weihnachtsgeschichte, sind aber die einzigen, die für die großen Rollen zur Verfügung stehen…

„Hilfe, die Herdmanns kommen“, ein Kinderbuch der amerikanischen Schriftstellerin Barbara Robinson, stammt aus dem Jahr 1974, doch erst 2012 entstand ein Hörspiel aus der Vorlage beim NDR, das nun auch bei Oetinger Audio zum Kauf erhältlich ist. Und es ist frech, unkonventionell, aber auch berührend. Schön dargestellt am Anfang wird der Ruf der Herdmanns, die Arroganz und die Oberflächlichkeit der Stadtbewohner gegenüber der Kinder, die es nicht immer leicht haben, ist bezeichnend. Dabei entsteht auch von den Herdmanns ein durchaus zwiespältiger Eindruck, sicherlich hat man auch etwas Mitleid mit ihnen, amüsiert sich über ihre Streiche und die frechen Sprüche, bewundert sie für ihren Mut und ist erstaunt über ihr Interesse an der Weihnachtsgeschichte. Die Handlung erlaubt auch einen ganz anderen Blick auf christliche Werte und lebt einen lockeren Umgang damit, hinterfragt und stellt gerade dadurch einen sehr warmherzigen Bezug her. Schön auch, dass die Geschichte gut an die heutige Zeit angepasst wurde, die Sprache ist locker und spritzig, der Unterschied zwischen den Herdmanns und der übrigen Gesellschaft wird dabei gut deutlich. Und auch das Ende ist sehr gelungen: Ohne die vorige Seele, die aufgebaute Situation zu zerstören wird hier ein Schritt aufeinander zu gemacht, die Differenzen werden kleiner, die Kinder zeigen Gefühle und nähern sich an. Eine gelungene Produktion, die auf nicht ganz alltägliche Weise gesellschaftliche Themen aufgreift und zu einem ebenso unterhaltsamen und witzigen wie nachdenklich stimmenden Hörspiel verknüpft – vorrangig wohl für Kinder gedacht, aber auch für etwas Ältere eine lohnenswerte Dreiviertelstunde.

Zahlreiche verschiedene Stimmen sind hier zu hören, nur wenige sind auch aus anderen kommerziellen Hörspielen bekannt. Laura Lee Ollhorn spricht die älteste Tochter der Herdmanns, Eugenia. Sie spricht mit recht harter Stimme und legt oft Spott oder Verachtung in ihre Stimme, stellt sich aber auch voller Inbrunst vor ihre Geschwister. Christiane Leuchtmann spricht Mrs. Bradley, die das Krippenspiel leitet und mit ihrem sehr präsenten Auftreten ihre verschiedenen Stimmungen gut umsetzen kann. Stephan Schad spricht ihren Gatten, seine sanfte und warme Stimme bringt eine gewisse Ruhe in das Hörspiel. Weitere Sprecher sind Katja Brügger, Leticia Wolfrum und Nicholas Jolly.

Die akustische Umsetzung ist in sich sehr stimmig, im Vordergrund stehen die Dialoge, doch einige Melodien und Geräusche untermalen diese gekonnt und schaffen schöne Stimmungen. Dabei werden – passend zum Thema – natürlich auch einige weihnachtliche Lieder verwendet, bei denen natürlich adventliches Flair durch die Geschichte wabert. Die Geräusche sind recht selten, dann aber präzise eingesetzt worden.

Das Cover zeigt eine einfache Zeichnung, die typisch für Kinderbücher der damaligen Zeit scheint. Zu sehen sind die sechs Herdmann-Kinder in verschiedenen Posen, die machen Räuberleiter, hängen am Rahmen, ziehen einander an den Haaren, einer pinkelt sogar herrlich politisch unkorrekt in einen Eimer. Die restliche Aufmachung ist recht schlicht, im Inneren ist ein kleiner Text über die Autorin zu finden.

Fazit: Eine wilde Horde Kinder, die frech, unhöflich und laut sind, machen den Kindern natürlich Spaß. Doch hier steckt noch deutlich mehr hinter. Denn durch die turbulente und witzige Handlung schimmern immer wieder christliche und gesellschaftliche Werte hindurch, werden auch die scheinbar normalen Erwachsenen kritisch beäugt. Zudem wird ein anderer Blick auf die Weihnachtsgeschichte erlaubt. Hier steckt deutlich mehr drin als anfangs gedacht.

VÖ: 1.September 2013
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0647-7


Starke Stücke – Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem



Erster Eindruck: Verknüpfung von Musik und Geschichte

In einer finsteren Nacht bekommen die beiden Musiker Johann und Ferdinand von einem Unbekannten den Auftrag, ein Requiem von Mozart zu kopieren – für eine außergewöhnlich hohe Entlohnung. Dies kommt den beiden merkwürdig vor, zumal der Komponist kurz nach Fertigstellung des Werkes verstorben ist. Gemeinsam forschen sie nach, wer der geheimnisvolle Auftraggeber sein könnte, und begeben sich damit in große Gefahr…

In der Reihe „Starke Stücke“ werden berühmte klassische Werke zum Thema genommen, um die eine neue Geschichte gestrickt wird. In der vorliegenden Folge wird Wolfgang Amadeus Mozarts berühmtes Requiem behandelt, die Handlung greift die düstere Stimmung der Musik auf und transportiert diese in eine spannende und wendungsreiche Geschichte. Schon der Beginn ist ziemlich unheimlich gestaltet, jünger als die empfohlenen acht Jahre sollten die Zuhörer wirklich nicht sein. Viele unbekannte Faktoren spielen hier eine Rolle und geben einen ziemlich mysteriösen und unheimlichen Ausdruck. Dies wird durch zahlreiche spannende Szenen gesteigert, in denen Johannes und Ferdinand beispielsweise nachts in einer alten Kirche nach Beweisen suchen. Auch die Versorgung der Hörer mit Informationen, die eher tröpfchenweise geschieht und somit den Handlungsbogen sehr interessant gestaltet. Dabei bekommt man auch zusätzlich einen Eindruck von der damaligen Zeit, ohne dass Kinder beispielsweise mit einer überkandidelten Sprache überfordert werden. Auch Mozarts Leben, insbesondere sein Tod, werden hier thematisiert. Ein sehr gelungenes, atmosphärisches und unterhaltsames Hörspiel, das mit dem interessanten Ansatz zu begeistern weiß.

Auch wenn der Sprechercast eher aus unbekannten Namen besteht, wurden hier markante Stimmen und fähige Sprecher gefunden. Als Johann ist Christoph Luser zu hören, der eine sehr eindringliche Vorstellung abliefert und immer wieder atmosphärische Akzente setzt. Stephan Murr ergänzt ihn als Ferdinand bestens, auch er kann die Stimmung stark beeinflussen und seine Rolle glaubhaft darstellen. Die Rolle des Mozarts bekleidet Andreas Wimberger, der sich der düsteren Stimmung sehr gut anpasst. Weitere Sprecher sind Katja Schild, Stefan Merki und Ulrich Frank.

Eine zentrale Rolle in diesem Hörspiel spielt natürlich die Musik, bei der Teile des Requiems eingespielt werden. Die düsteren und manchmal traurigen Melodien schaffen eine sehr dichte und eindringliche Atmosphäre, die sich bestens mit der Geschichte ergänzen. Erwähnenswert ist, dass neben dem Hörspiel von über 40 Minuten noch eine Musik-CD beiliegt, die das Requiem in 54 Minuten Spielzeit wiedergibt und mit klassischen Instrumenten und ausgebildeten Stimmen eingespielt wurde. So wird der Hörer durch das Hörspiel neugierig gemacht und entdeckt so vielleicht auch die klassische Musik für sich.

In dunklen Farben und einer schaurigen Stimmung ist das Cover gestaltet, das eine Szene aus dem Hörspiel zeigt. Im Vordergrund zu sehen ist Mozart, der in seinem Heim mit einer Feder auf Papier schreibt, während im Hintergrund seine Frau einem schattenhaften Mann die Tür öffnet. Das Booklet enthält neben den üblichen Angaben und einer ausführlichen Trackliste noch einen lesenswerten Einführungstext.

Fazit: Um das berühmte Requiem von Mozart wird eine gruselige und spannende Geschichte erzählt, die den Komponisten als wichtige Nebenfigur hat und einiges an Stimmung der Zeit vermittelt. Zwar für Kinder ab acht gedacht, aber auch für Erwachsene ziemlich interessant und kurzweilig.

VÖ: 1.August 2013
Label: Igel Genius
Bestellnummer: 978-3-7313-1013-6


Starke Stücke – Richard Wagner: Der fliegende Holländer



Erster Eindruck: Die Entstehung einer Oper

Kapitän Windpust hat schon so einige stürmische Nacht auf hoher See erlebt und viele Abenteuer bestritten. Doch er weiß auch von dem berühmten Komponisten Richard Wagner zu berichten, der mit seiner Frau Minna wegen seiner hohen Schulden aus seinem Heim in eine andere Stadt flieht, aber immer noch fest an seinen ganz großen Durchbruch glaubt. Auf ihrer Reise legen sie eine Strecke auch auf einem Segelschiff zurück…

In der Reihe „Starke Stücke“ von Idel Genius werden klassische Musikstücke zum Thema genommen. Nicht zum ersten mal ist nun ein Werk von Richard Wagner aufgenommen worden, und zwar seine populäre Oper „Der fliegende Holländer“, die im Kern ja eine Geistergeschichte ist. Hier wird aber zunächst die Seefahrer-Symbolik behandelt, in einer stimmungsvollen Anfangsszene wird Windpust vorgestellt und eine atmosphärische kleine Geschichte über ihn erzählt. Dann kommt der Schwenk auf Wagner, sein Leben als armer Komponist, seine Hoffnung auf ein erfolgreiches Leben, vollkommen überzeugt von seinem eigenen Genie. Seine Leidenschaft und sein Ausblenden aller anderen Probleme werden dabei sehr gut in Szene gesetzt, kommen deutlich zur Geltung. Auch die Liebe zwischen Richard und Minna Wagner und ihre ganz besondere Beziehung zueinander sind treffend dargestellt und tragen zum Unterhaltungswert bei. Kernstück ist aber etwa im letzten Drittel die Schifffahrt, in der Wagner von der Legende des fliegenden Holländers erfährt. Die Entwicklung dieser Handlung geht flott voran und endet in einem spektakulären, atmosphärisch sehr dichten Finale, das zeigt, wie Wagner zu seiner berühmten Oper inspiriert wurde. Die Verknüpfung der verschiedenen Themen, die verschiedenen Erzählebenen, die abwechslungsreiche flüssige Erzählung und das wirklich richtig gut erzählte Finale – hier passt alles nahtlos ineinander und wird zu einer sehr hörenswerten Folge der Serie.

Auch hier wurden zahlreiche in Hörspielen eher unbekannte Sprecher zu hören, die aber allesamt gut gewählt wurden, einen Ausreißer nach unten gibt es hier nicht. Gut gefallen hat mir Nico Holonics als Richard Wager, der den fiebrigen Eifer, die unendliche Leidenschaft zur Musik, aber auch das Abgrenzen von weltlichen Problemen können durch ihn sehr gut auf den Hörer wirken. Seine Frau Minna wird von Katja Schild gesprochen, deren sehr angenehm klare Stimme gut zu der Rolle passt und ihren Partner etwas erden kann. Erzähler und gleichzeitig Kapitän Windpust ist Stefan Wilkening, er kann in beiden Funktionen überzeugende Ergebnisse abliefern. Weitere Sprecher sind Stefan Bissmeier, Kai Taschner und Ferdinand von Canstein.

Selbstverständlich wurde viel Musik aus dem „Fliegenden Holländer“ verwendet, um der Geschichte einen ebenso stimmungsvollen wie passenden Hintergrund zu verleihen. Diese sind recht eindringlich und druckvoll eingebaut, besonders die gruseligen Szenen am Ende sind bestens ausgestattet. Auch hier liegt wieder eine Bonus-CD bei, die über 70 Minuten Musik aus der Oper enthält und so dazu einlädt, nach dem Hörspiel direkt auch der Original-Geschichte zu lauschen.

Ein Mann steht einsam am Sandstrand und schaut hinaus auf das blaue Meer, das zugleich mit dem dunklen Himmel zu verschmelzen scheint. In unheimlichem Licht hebt sich dabei ein über den Wellen fliegendes Schiff ab. Ein ansehnliches und sehr passendes Titelbild für dieses Hörspiel. Überraschend dick ist das Booklet, das neben einem Einführungstext und einer Trackliste noch zahlreiche Passagen aus dem Fliegenden Holländer enthält.

Fazit: Hier wird ein vielfältiger Blick auf die mögliche Entstehung der berühmten Oper geworfen, ein bisschen Seefahrerromantik, ein bisschen Grusel, eine kleine tragische Liebesgeschichte und auch das bewegte Leben von Wagner ergeben ein abwechslungsreiches und spannendes Hörspiel, das bei weitem nicht nur für Kinder geeignet ist, sondern auch Erwachsenen Spaß macht.

VÖ: 1.August 2013
Label: Igel
Bestellnummer: 978-3-7313-1006-8


Immer lustig in Bullerbü



Erster Eindruck: Ein Wackelzahn, ein Paar Schuhe und Krebse

Als die Kinder aus Bullerbü wieder einmal auf ihrem langen Weg von der Schule nach Hause trödeln, holen sie noch schnell die Schuhe einer Magd vom Schumacher ab. Doch schnell kommen sie auf andere Gedanken und erfinden ein witziges Piratenspiel. Einige Tage später hat Ole einen Wackelzahn, hat aber Angst vor dem Ziehen. Alles gute Zureden hilft nichts, und so hecken die anderen fünf einen Plan aus…

„Immer lustig in Bullerbü“ ist die mittlerweile dritte Folge der Geschichten aus dem gleichnamigen kleinen schwedischen Dorf, die von der wunderbaren Astrid Lindgren ersonnen wurde und nun vom Oetinger Audio Verlag eine liebevolle Neuinterpretation als Hörspiel spendiert bekommt. Die Geschichten haben auch heute, über 50 Jahre nach ihrer Entstehung, nichts von ihrem Charme verloren. Dieser entsteht durch vor allem durch das äußerst lausbubenhafte (und lausmädchenhafte) Auftreten der sechs Kinder, die mit ihrer schlagfertigen und lebhaften Art für Stimmung sorgen. Viele spaßige Einfälle, aber auch zahlreiche Momente, die typische Schwedenromantik verbreiten, vereinen sich zu einem sehr kurzweiligen Gesamtwerk. Auch hier werden mehrere verschiedene Episoden zu einer Handlung verknüpft, wobei man sich im Vergleich auch schon mal etwas länger mit einem Thema auseinandersetzt. Besonders gut gefallen haben mit die Szenen beim Fangen vom Krebsen gefallen, hier wird die Stimmung der schwedischen Natur besonders gut dargestellt. Dabei kommen auch die verschiedenen Charaktere sehr gut zur Geltung. Während Lisa sehr einfühlsam ist, agieren Lasse und Bosse sehr wild, und Ole ist eher still und etwas ängstlich. Die Umsetzung ist zwar modern und auf hohem technischen Niveau, verbreitet aber trotzdem eine gemütlich und leicht nostalgische Atmosphäre, in der die kleinen Handlungen gut wirken können.

Carla Sachse spricht als Lisa den größten Teil der Handlung, sie ist nicht nur während der Dialoge zu hören, sondern übernimmt auch die Erzählpassagen. Sie besitzt einen natürlichen Charme und kann immer eine gewisse Leichtigkeit mit. Franz von Otting ist als Ole zu hören, er kann seinen Charakter authentisch wirken lassen und sowohl die ängstliche als auch die vorlaute Seite des Jungen zeigen. Lucas Ascacibar spricht den wilden Lasse mit viel Energie und kann sich gut in ihn hineinversetzen. Florentine Stein, Selina Böttcher und Leon Seibel sind ebenfalls mit dabei.

Die Umsetzung der Geschichte ist dezent, aber wirkungsvoll. Ein eigens für die Serie komponierter Titelsong ist am Anfang und am Ende zu hören, er ist kindgerecht umgesetzt und sehr melodiös. Ansonsten wird nicht viel Musik eingesetzt, nur ab und an erklingt eine kleine harmonische Melodie. Und auch die Geräusche halten sich zurück, sodass der Fokus ganz auf den sehr guten Sprechern liegt.

In fröhlichen Posen sind die sechs Kinder aus Bullerbü auf dem Cover abgebildet, auf einer kleinen Insel in einem ebenso kleinen See – eine Szene, die so auch im Hörspiel vorkommt und so einen direkten Bezug hat. Die Farben sind bunt und fröhlich, aber auch recht pastellig, was dem Bild einen leicht altmodischen, aber auch sehr harmonischen Ausdruck verleiht. Im Inneren gibt es neben kleinen Fotos und Infos zu den Hauptsprechern noch eine übersichtliche Trackliste.

Fazit: Die Geschichten von Astrid Lindgren erscheinen zeitlos und machen auch heute noch viel Spaß. Die Unbekümmertheit der Protagonisten und die vielen lustigen Einfälle machen die Handlung sehr kurzweilig. Und auch bei der Umsetzung ist alles richtig gemacht worden, sodass eine gelungene Mischung aus Moderne und Nostalgie entstanden ist. Wunderbar nicht nur für Kinder.

VÖ: 20.Januar 2014
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0591-3


Drachenreiter



Erster Eindruck: Fantasievolles Märchen mit ernstem Hintergrund

Für die Drachen ist kein Platz mehr in ihrer Heimat, die Menschen breiten sich immer mehr aus und vertreiben die Fabelwesen zusehends. Nur die alte Legende vom „Saum des Himmels“, die ursprüngliche Heimat der Drachen, gibt noch Hoffnung. Und so macht sich der Silberdrache Lung auf, um den wundervollen Ort zu finden. Mit dem Koboldmädchen Schwefelfell und dem Menschen Ben findet er zwar tapfere Gefährten, doch auch eine große Gefahr droht ihnen…

Cornelia Funke ist bekannt für ihre fantasievollen Romane, die sie seit Jahrzehnten verfasst. Immer wieder werden ihre Werke auch für den Hörbuchmarkt umgesetzt, 1997 entstand beispielsweise eine Hörspielfassung der „Drachenreiter“, die nun von Oetinger Audio erneut veröffentlicht wurde. Die Umsetzung ist dabei sehr gut gelungen, die ruhige, oft recht ernsthafte Ausstrahlung des Hörspiels wird nicht nur der Stimmung des Buches gerecht, sondern unterstreicht auch den Charakter eines modernen Märchens. Zudem ist der Anteil des Erzählers sehr stark zurückgefahren, die Dialoge stehen hier im Vordergrund und werden nur durch die notwendigsten Informationen ergänzt. Das führt zwar anfangs dazu, dass das Hereinfinden in die Geschichte seine Zeit dauert, lässt aber auch eine sehr lebhafte und handlungsbetonte Stimmung aufkommen. So kommt die Geschichte von Funke sehr gut herüber, zumal sich nahe ans Buch gehalten wurde. Die verzweifelte Lage der Drachen, der Aufbruch von Lung, die Begegnung mit seinen neuen Gefährten und deren abenteuerliche Reise, gespickt vor Gefahren, aber auch der Begegnung mit sehr interessanten Figuren, ist sehr unterhaltsam geschildert und kann über die gesamte Laufzeit von immerhin fast 160 Minuten tragen und dabei eine interessante Entwicklung darstellen. Sehr zu empfehlen!

Michael Tregor spricht die Hauptrolle des Lung und verleiht der ganzen Geschichte etwas Nachdenkliches, Melancholisches und kann die Gefühle des Drachen stets sehr genau und umfassend zur Geltung bringen. Sehr gut gefallen hat mir auch Sascha Icks als freches und motziges Koboldmädchen Schwefelfell, die mit ihrer unkomplizierten und spontanen Art positiv auffällt. Jens Wawrczek hat ebenfalls einen gelungenen Auftritt als Fliegenbein, den er mit seiner einzigartigen Stimme gut ausstatten kann. Weitere Sprecher sind unter anderem Gerd Wameling, David Weyl und Helmut Krauss.

Auch die akustische Umsetzung ist äußerst gut gelungen, die Dialoge, die Geschichte und die Geräuschkulisse sind eng miteinander verwoben und wirken wie eine untrennbare Einheit. Dazu tragen besonders die etwas düsteren, melancholischen Melodien bei, die immer wieder eingefügt sind und stets präsent wirken, sie beeinflussen die Stimmung stark und lassen die einzelnen Szenen so sehr stark wirken. Auch die Geräusche sind bestens eingefügt und lassen die Handlung lebendiger wirken, ohne von den Dialogen zu sehr abzulenken.

Das bekannte Buchcover der Vorlage wurde auch hier als Titelbild gewählt, sodass man das Hörspiel gleich mit der Autorin und dem bekannten Werk in Verbindung bringt. Darauf zu sehen ist vor dunklem, von Sternen durchzogenen Nachthimmel die kleine Reisegruppe, die durch die Dunkelheit fliegt. Besonders sticht dabei natürlich Lung hervor, der im Mondlicht silbrig schimmert. Im Inneren sind neben den üblichen Angaben noch eine ausführliche Trackliste zu sehen, in der jeweils die ersten Worte des Tracks als Titel benannt werden.

Fazit: Eine wundervolle Geschichte voller Abenteuer, Mut, aber auch Melancholie, Missverständnissen und Vorurteilen. Durch die spannende Handlung merkt man kaum, wie sehr man zum Nachdenken angeregt wird. Hinzu kommt, dass die Umsetzung mit dem reduzierten Erzähleranteil und der dichten Atmosphäre äußerst gelungen ist.

VÖ: 20.Januar 2014
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0779-5


Pu der Bär - Das Hörspiel



Erster Eindruck: Bekannte Figur in charmante Umsetzung

Christoph Robin ist der beste Freund von Winnie Puh, dem tollpatschigen und etwas verfressenen Bären von geringem Verstand. Mit seinen vielen Freunden lebt er im Hundertmorgenwald und erlebt viele spannende Abenteuer. So wird schon der Besuch bei Kaninchen zu einer großen Geduldsprobe, aber auch das Fangen eines Jaguars oder eine Party von Christoph Robin lassen die Zeit schnell vergehen…

Die Abenteuer von Puh, dem Bären haben besonders durch die Zeichentrickfilmumsetzung aus den Disney-Studios Bekanntheit erlangt, die sich auch heute noch großer Beliebtheit erfreuen und zu einer starken Marke mit vielen Merchandise-Produkten herangewachsen ist. Dass es auch anders geht, reduzierter und mehr auf die Buchvorlage von Alan Alexander Milne konzentriert, beweist der Hörverlag mit der Veröffentlichung eines Radiohörspiels aus dem Jahre 1979. Dieses ist sehr ruhig produziert und verzichtet sogar ganz auf musikalische Untermalung oder den Einsatz von Geräuschen, sondern stellt die sehr gut ausgewählten Sprecher in den Vordergrund. Als kleine Rahmenhandlung wird immer wieder zu Christoph Robin und dem Erzähler geblendet, in der der Junge um eine weitere Geschichte bittet. Dies geschieht auf sehr niedliche Weise und mit vielen kleinen Wiederholungen in der Wortwahl, womit sehr spielerisch umgegangen wird. Kernelement sind jedoch die kleinen Geschichten, 15 an der Zahl, die sich um Puh sowie seine Freunde drehen. Dabei haben meist ein oder zwei der anderen Tiere eine größere Rolle. Die Situationen sind dabei meist unverfänglich und werden durch die Tollpatschigkeit des Bären ausgelöst und werden so zu etwas Besonderem. Diese sind sehr kurzweilig und witzig gehalten, sie strahlen eine sehr ruhige und warme Atmosphäre aus. Von dem ängstlichen Ferkel über die aufgekratzte Eule und den traurigen Esel bis hin zum wilden Tiger, die Nebencharaktere sind sehr aussagekräftig gestaltet und bringen ihre ganz eigene Note mit ein. Ein sehr liebevolles Hörspiel mit vielen spaßigen Situationen und gut aufgelegten Sprechern.

Horst Breiter hat die Rolle des Pu-Bären übernommen und verleiht seiner Stimme einen warmherzigen und tollpatschigen Ausdruck. Er sorgt mit seiner unbekümmerten Art immer wieder für Lacher. Günter Lampe spricht I-aah, den traurigen Esel, mit einer tiefen und langsamen Art, die dafür sorgt, dass man die niedliche Figur sofort umarmen will. Aljoscha Flohr spricht Christoph Robin mit einer spontan wirkenden und einnehmenden Art sorgt er in den kleinen Zwischenspielen und auch einigen Dialogen für Aufsehen. Besonders gut gefallen hat mir jedoch die wunderbare Evelyn Hamann als Eule, ihre überdrehte und altkluge Art passt sehr gut in die Stimmung des Hörspiels. Weitere Sprecher sind unter anderem Sabine Postel, Manfred Böll und Ulrich von Bock.

Die gesamte Produktion umfasst vier Stunden, die auf 4 CDs gepresst wurden. Diese befinden sich in einer dicken Plastikhülle, die man mehrfach aufklappen kann. Das Titelbild wird von einer einfachen Zeichnung von Puh, dem Bären geziert, der den Rücken dem Betrachter zugewandt hat und den beigefarbenen Hintergrund zu betrachten scheint. Im Inneren befindet sich noch ein kleines Booklet mit einer weiteren niedlichen Zeichnung, einer ausführlichen Trackliste und kurzen Informationen zu drei der Sprecher.

Fazit: Jede einzelne Figur entfaltet hier eine enorme Melange aus Charme und Witz, die die kurzen Geschichten zu einem sehr hörenswerten und liebevollen Hörvergnügen werden lassen. Die niedliche Rahmenhandlung und die sehr reduzierte Umsetzung mit der vollen Konzentration auf die wundervollen Sprecher sorgen für ungetrübten Hörgenuss. Eine klare Empfehlung für Kinder ab etwa vier Jahre sowie deren Eltern, die ebenso gerne lauschen werden.

VÖ: 21.Oktober 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1071-3


Geschichten von Rittern und Helden



Erster Eindruck: Ritter, Drachen und Intrigen

Uther, König von England, ist so sehr in Igerne, eine verheiratete Adelige, verliebt, dass es schon an Obsession grenzt. Doch ihr Ehemann, der Herzog von Cornwall, versteckt diese vor dem König. Nur durch eine List des Zauberer Merlin kann er Igerne erobern und verlobt sich mit ihr. Aus dieser Beziehung geht bald ein Knabe hervor, der jedoch nicht bei den Eheleuten aufwächst. Doch der Junge soll eine wichtige Rolle im Kampf gegen das Böse spielen. Sein Name ist Artus…
Als dieser viele Jahre später zum neuen König geworden ist, wird ein junger Ritter auf die Probe gestellt. Parzival macht sich auf die Suche nach dem Heiligen Gral, lernt auf seiner langen Reise aber auch viel über sich selbst und was es heißt, ein Ritter zu sein…

Ritter und deren Heldentaten faszinieren seit jeher Kinder und üben mit ihren Heldentaten, tapferen Kämpfen gegen Fabelwesen oder Unholde, aber auch mit höfischen Intrigen einen starken Reiz auf diese aus. Gleich drei Hörproduktionen zu diesem Thema hat der Hörverlag nun in der Box mit dem Titel „Geschichten von Rittern und Helden“ zusammengefasst.
Den Anfang macht „König Artus und die Ritter der Tafelrunde“, in dem Karlheinz Koinegg die berühmte Sage um den großen König nacherzählt. Er findet dabei einen gelungenen Mittelweg zwischen Tradition und Moderne, sodass die Geschichte locker und spannend wirkt, ohne ihren Charme und ihren Hauch von Pathos zu verlieren. Dabei baut er auch immer wieder witzige Slapstick-Elemente mit ein, die besonders bei den zuhörenden Kindern auf offene Ohren stoßen werden. Doch auch Erwachsene werden wegen der Augenzwinkernden Erzählweise gerne zuhören. Das WDR-Radiohörspiel aus dem Jahr 2005 trägt allerdings an einigen Stellen zu dick auf, besonders das inflationär genutzte „Igerne“ in dieser langen, leidenden Betonung von Uther wirkt zu aufdringlich. Ansonsten ist ein rundes Hörspiel entstanden.
Danach werden „Die unglaublichen Abenteuer des Ritters Parzival“ erzählt, die vom gleichen Autor aufgearbeitet wurden und somit einen ähnlichen Erzählstil, eine gleichförmige Wirkung haben. Dadurch, dass hier „nur“ zwei CDs mit etwa eineinhalb Stunden Laufzeit verwendet werden, wirkt diese Erzählung knackiger und prägnanter, die Dialoge sind präziser. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die Handlung an einigen Stellen doch noch mehr in die Tiefe geht.
Den Abschluss macht „Siegfried der Drachentöter“, das sich deutlich von den beiden Vorgängern unterscheidet. Zuerst ist anzumerken, dass die Geschichte aus einem ganz anderen Erzählzyklus keine Gemeinsamkeiten zu den Geschichten um Artus aufweist. Zudem ist es als Lesung umgesetzt und wurde von der Autorin Annelie Knoblauch nacherzählt. Die Geschichte vermag zu überzeugen, weist aber auch einige Längen auf und kann nicht von Anfang bis Ende packen.
Drei Geschichten, von denen die dritte thematisch nur bedingt zu den anderen passt und eine ganz andere Aura vermittelt. Klassische Abenteuergeschichten prägen hier das Bild und können insgesamt gut unterhalten.

Eine große Vielzahl an verschiedenen Sprechern ist hier im Einsatz, besonders in der Geschichte um König Artus tauchen zahlreiche Charaktere auf, die niemals doppelt besetzt sind. Die Hauptrolle des König Artus wird von Konstantin Graudus gesprochen, der mit seiner markanten, etwas kantigen Stimme einen interessanten Charakter formt. In der zweiten Geschichte wird die Hauptrolle der Parzival von Christoph Eichhorn gesprochen, der sich gut in die ritterliche und heldenhafte Atmosphäre einfügt. Als Sprecher des Siegfried-Hörbuches ist Oliver Mallison im Einsatz, der die Geschichte durchaus lebendig und mit Leidenschaft vorträgt. Weitere Sprecher sind Peter Nottmeier, Jens Wawrczek, Anna Thalbach, Julia Lehmann und Peer Augustinski.

Die drei unterschiedlichen Produktionen wurden von unterschiedlichen Produktionsteams umgesetzt, sodass auch Unterschiede in der akustischen Umsetzung festzustellen sind. Bei den ersten beiden stehen jedoch die vielfältigen Geräusche im Vordergrund und gestalten die einzelnen Szenen recht lebendig, während die Lesung über Parzival mit dem Einsatz passender Musikstücke eher auf die stimmige Atmosphäre setzt.

Die drei Einzelhüllen, von denen die erste besonders dick ist, befinden sich in einer Pappbox, die mit einem hübschen Rittermotiv samt Pferd und imposanter Burg im Hintergrund gestaltet ist. Auch die einzelnen CDs haben ein eigenes Titelbild, zudem liegt jeweils ein kleines Booklet bei, das zusätzliche Informationen zu den Mitwirkenden oder eine ausführliche Sprecherübersicht enthält.

Fazit: Der Grundgedanke dieser Box ist sehr gut und kann mit drei gut erzählten und heldenhaften Geschichten überzeugen. Allerdings schleichen sich in die ersten beiden Hörspielen unfreiwillig komische Szenen ein, während einige Passagen im Parzival-Hörbuch zu langgezogen wirken. Gerade ritterbegeisterte Jungen dürften ihre Freude hieran haben.

VÖ: 28.Oktober 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-0981-6


Die neue Schatztruhe der Abenteuer



Erster Eindruck: 25 CDs randvoll mit abenteuerlichen Geschichten

Lederstrumpf und der Richter Marmaduke Temple streiten sich um den Besitz eines frisch erlegten Hirsches, treten aber gegen die Ausbeutung der Natur ein – jeder auf seine Weise. Doch ihr Verhältnis wird nicht besser, als Lederstrumpf gegen die herrschenden Jagdgesetzte verstößt (Lederstrumpf – Die Ansiedler)
Der 14-jährige Nils Holgersson ist ein ungezogener Bengel und spielt alles und jedem einen Streich, besonders die Tiere auf dem schwedischen Hof haben unter ihm zu leiden. Eines Tages verwandelt ihn ein Wichtel zur Strafe ebenfalls in einen Wichtel, und Nils lernt die Welt aus einer ganz eigenen Perspektive kennen… (Selma Lagerlöfs Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen)
Keawe trifft in einem kleinen Geschäft auf ein kleines Fläschchen, in dem ein dunkler Schatten herumzuwirbeln scheint. Von dem Besitzer erfährt er, dass sie vom Teufel persönlich stammt und dass das kleine Teufelchen darin Wünsche erfüllen kann. Doch wer die Flasche am Ende seines Lebens noch besitzt, wird auf ewig im Fegefeuer schmoren… (Das Flaschenteufelchen)

Mit der „Schatztruhe der Abenteuer“ und der „Schatztruhe der Märchen“ hat Membran Music zwei umfangreiche Hörspielboxen veröffentlicht und verfolgt eben dieses Konzept erneut. 25 CDs befinden sich in der „Neuen Schatzkiste der Abenteuer“, die erneut eine sehr umfangreiche Sammlung unterschiedlichster Produktionen bietet, die für jeden Geschmack etwas bereithält. So sind auch hier wieder einige klassische Abenteuergeschichten vertreten, aber auch ein wilder Genremix kann verzeichnet werden. Western-Fans kommen beispielsweise bei „Lederstrumpf“ oder „Buffalo Bill“ auf ihre Kosten, beiden werden in etwa 50 Minuten erzählt und sind dabei auf ihre Grundessenz heruntergebrochen, trotzdem wirken die beiden Produktionen stimmig und rund. Mit der auf 2 CDs gepressten Geschichte um die „Hornblower“ wird ein Seefahrer-Abenteuer erzählt, das zum Träumen einlädt und mit einer spannenden Handlung und starken Charakteren versehen sind. Auch Jules Vernes darf in dieser Box nicht fehlen und ist mit „Der Kurier des Zaren“ vertreten, das mit stimmungsvoller Musik von Peter Tschaikowski unterlegt wurde. Doch auch einige Krimis sind hier zu hören. Mit einer zweiten Geschichte um Meisterdetektivin Julia kehrt eine alte Bekannte aus der ersten Box zurück und muss auch hier wieder ein spannendes Abenteuer bestehen, das sehr charmant erzählt wurde. Über Scherlock Schmidt werden vier kurze Episoden eingebracht. Und auch einige märchenhafte Erzählungen finden ihren Platz, neben Nils Holgersson und Aladin und die Wunderlampe gibt es mit dem phantastischen „Das Flaschenteufelchen“ auch einen unbekannten Vertreter dieser Gattung zu hören. Sicherlich wird nicht jeder Hörspielhörer alles in dieser Box herausragend finden, zwischen den guten Hörspielen tauchen auch nicht so gelungene Vertreter des Genres auf. Doch hier wird sicherlich jeder das eine oder interessante Hörspiel finden, als Erinnerung an seine Jugend oder auch als neu entdeckte Perle. Eine sehr gelungene Mischung, die viele Stunden Hörspielspaß bietet.

25 CDs – dass da eine Unmenge an verschiedenen Sprechern vorkommt dürfte da kaum verwundern. Und auch hier sind nicht alle Einsätze so gelungen, dafür wird man aber auch von einigen sehr bekannten und hochkarätigen Stimmen vertröstet. Die wunderbare Gisela Trowe ist beispielsweise in mehreren Produktionen zu hören und verbreitet mit ihrer markanten, ausdrucksstarken Stimme eine intensive Atmosphäre. Auch Konrad Halver darf hier natürlich nicht fehlen, er trägt mit seinem glaubhaften und prägnanten Spiel stets zum Gelingen der Produktion bei. Astrid Kollex‘ rauer Klang setzt auch hier einige gekonnte Akzente, sie denkt sich wie immer gut in ihre Rollen hinein und kann sie mit Witz und Charme umsetzen. Weitere der scheinbar zahllosen Sprecher sind Lutz Mackensy, Franz Josef Steffens und Karin Lieneweg.

So unterschiedlich die Hörspiele, ihre Geschichten und ihr Ausdruck sind, so unterschiedlich sind auch ihre Produktionsweisen. Während einige von sehr schlichter akustischer Begleitung sind und dort fast nur die Dialoge zu hören sind, werden andere von opulenter Musik untermalt und von Geräuschen begleitet. Sicherlich sagt nicht jede dieser Hörspiele einhundertprozentig zu, wirkliche Totalausfälle nach unten sind aber lobenswerterweise nicht zu verzeichnen.

Eine stabile Pappbox wurde für die Hörspiele gefertigt, sodass alles sicher und platzsparend aufbewahrt werden kann. Mit kratzfester Glanzfolie überzogen zeigt sie vorn eine auffällige Schriftrolle mit dem Titel sowie vor dunklem, meerblauen Hintergrund eine versunkene Schatzkiste. Dieses Motiv findet sich auch an den schmalen Seiten wieder. Die einzelnen CDs stecken dann in einfachen Papphüllen, die aber die wichtigsten Informationen zu Sprechern und Regie bereithalten. Das ist für eine solch umfangreiche Box schon recht aufwendig – zumal auch die jeweilige Dauer aufgedruckt wurde – allerdings hätte ich die Angabe des Produktionsjahres noch wünschenswert gefunden.

Fazit: Zahlreiche Geschichten werden hier erzählt, diese sorgen für lange Zeit guter Hörspielunterhaltung aus früheren Jahren. Abenteuerlich sind sie zwar sicherlich alle, es lässt sich aber ein sehr breites Spektrum vom Märchen über den Western bis zum Krimi feststellen. Für den günstigen Preis eine deutliche Empfehlung wert, da vieles nur darauf wartet, entdeckt zu werden.

Zum Schluss noch eine Übersicht über die enthaltenen Produktionen:

1. Der Kurier des Zaren
2. Matthias Sandorf: Überfall auf das Inselparadies
3. Matthias Sandorf: Ausbruch aus Pisino
4. Zwei Jahre Ferien
5. Das Haus der Krokodile
6. Die Nibelungen: Siegfried der Drachentöter
7. Die Wildhüter: Rettungsfahrt für das Elefanten-Baby
8. Phantom – Der Geist der Nacht: Aufruhr im Dschungel
9. Lederstrumpf: Die Ansiedler
10. Die geheimnisvolle Insel
11. Hornblower 1 – Des Königs Admiral: Der Kapitän
12. Hornblower 2 – Des Königs Admiral: Der Kommodore
13. Der Prinz und der Bettelknabe
14. Das Flaschenteufelchen
15. Aladdin und die Wunderlampe
16. Selma Lagerlöfs Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen: Streit mit dem Wichtel und Abenteuer mit Akka und dem Fuchs
17. Selma Lagerlöfs Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen: Beim Tanz der Kraniche und Gänserich Martins Abenteuer
18. Black Beauty: Mein Liebling Black Beauty und Das Geheimnis der versteinerten Pferde
19. Black Beauty: Eine lebensgefährliche Fuchsjagd, Der Fallensteller und Zirkus in Five Oaks
20. Julia – die Meisterdetektivin: Feuer im Zirkus Molina
21. Scherlock Schmidt & Co: Scherlocks erster Fall und Wo ist Herr Kanini?
22. Scherlock Schmidt & Co: Hau drauf, Lukas! und Aktion Prinz
23. Sturmflut-Gefahr
24. Buffalo Bill: Der weiße Pfadfinder
25. Don Quichotte

VÖ: 27.September 2013
Label: Membran Music
Bestellnummer: 885150337813


Eine Weihnachtsgeschichte



Erster Eindruck: Bekannte Erzählung als Hörspiel von 1968

Ebenezer Scrooge ist nicht nur ein Geizhals, sondern auch stets ziemlich mürrisch und unfreundlich. Besonders dem Weihnachtsfest kann er nicht abgewinnen und vergrault jeden, der ihn auf die Feiertage anspricht. Am Abend des 24. Dezember besucht in der Geist seines verstorbenen Geschäftspartners und warnt ihn vor den Folgen seines hartherzigen Lebens – und er kündigt ihm für die Nacht drei weitere Besucher an…

Die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens gehört für viele zu der dunklen Jahreszeit wie der Duft nach Tannennadeln, das Backen von Plätzchen oder das Schmücken der eigenen Wohnung, kurzum: Sie ist ein Klassiker. Und wie es sich für Klassiker gehört gibt es auch von dieser Geschichte zahlreiche Umsetzungen als Film oder Hörspiel. Eines davon stammt aus dem Jahr 1968 vom Südwestfunk und wurde nun vom Audio Verlag auf CD gepresst und in die Reihe mit dem weißen Rücken übernommen. Die Geschichte dürfte den meisten wohl bekannt sein, trotzdem hat sie nichts von ihrem Reiz verloren und kann auch heutzutage punkten. Es ist immer noch herzerwärmend zu hören, wie sich Ebenezer Scrooge langsam erwärmt und die Freuden des Weihnachtsfestes erkennt und zu einem freundlichen und großzügigen Mann wird. Die drei Reisen mit den Geistern der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht sind lebendig und eindringlich umgesetzt. Diese Produktion läuft etwa 54 Minuten, und so sind einige Nebenschaulätze entfernt worden. Die Geschichte wird so sehr gradlinig und ohne Schnörkel erzählt, sie ist auf das Wesentliche reduziert. So wird auch bei den jüngeren Zuhörern die Aufmerksamkeitspanne nicht überstrapaziert, allerdings geht auch der Charme einiger Szenen verloren, insgesamt wirkt diese Erzählung etwas flacher als das Original. Trotzdem wurde es harmonisch umgesetzt und bringt weihnachtliche Stimmung nicht nur im Dezember.

Ebenezer Scrooge wird in dieser Umsetzung von Leonard Steckel gesprochen, der sehr rau und abweisend klingt. Ihm gelingt es jedoch sehr glaubhaft und lebendig, das Kernelement der Handlung – die Wandlung des hartherzigen Geschäftsmannes zum gutmütigen Gönner – darzustellen und dem Hörer nahe zu bringen. Sein Neffe, der zum Auftauen des Mannes maßgeblich beisteuert, wird von Helmut Abner gesprochen, auch er findet schnell in die Handlung und kann den Geist der Geschichte aufgreifen. Erzähler ist hier Siegmar Schneider, dessen warme und markante Stimme gekonnt durch die Handlung führt, seine kurzen Passagen bekommen durch ihn eine sehr angenehme Grundstimmung. Weitere Sprecher sind Karl Hellmer, Georg Braun und Klaus Miedel.

Typisch für ein Radiohörspiel, besonders in Anbetracht des Produktionsjahres, wird hier nicht allzu viel Musik eingesetzt, sodass der Fokus deutlich auf den Sprechern und ihren Dialogen liegt. Einige Melodien werden dann aber doch eingestreut, und diese können die Stimmung gut aufgreifen und sogar noch verstärken. Auch die eingesetzten Geräusche sind nicht sonderlich zahlreich, aber gelungen eingefügt.

Weihnachtliche Stimmung verbreitet auch das Cover, das das Digipack ziert. Zu sehen ist ein verschneiter, dunkler Abend, der von Straßenlaternen und den Fenstern eines Wohnhauses samt angedeutetem Weihnachtsbaum sanft beleuchtet wird. Im Vordergrund ist Ebenezer Scrooge nach seiner Wandlung zu sehen, freundlich lächelnd und in einen dicken Mantel gehüllt, begleitet von einem kleinen Jungen. Die klare Aufteilung ist auch hier wieder gelungen.

Fazit: Kaum jemand, der diese Geschichte nicht kennt, sie wird hier recht verknappt und auf das Wesentliche beschränkt dargeboten. Die Sprecher sind dabei zu loben, sie können ihre jeweiligen Figuren glaubhaft und ohne zu viel Pathos darstellen. Die zurückhaltende akustische Gestaltung ist dabei gut auf die Handlung abgestimmt.

VÖ: 1.Oktober 2013
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-285-6


Aladin und die Wunderlampe



Erster Eindruck: Bekanntes Märchen in einer Umsetzung fürs Radio

Aladin schlägt sich als Straßenkind mehr schlecht als recht durch. Auch wenn er Unterstützung von seiner Familie bekommt, hat er deshalb von sich selbst nicht die höchste Meinung. Deshalb wundert es ihn umso mehr, als ein Zauberer ihn bittet, eine Höhle aufzusuchen, die nur ein Mensch mit reiner Seele betreten kann. Dort soll er eine alte Öllampe für den Magier besorgen, doch am Ausgang angekommen scheint dieser Aladin betrügen zu wollen…

Die Märchen aus 1001 und einer Nacht faszinieren auch heutzutage noch die Menschen, sind aber bei weitem nicht so bekannt wie beispielsweise die Erzählungen von den Brüdern Grimm oder Hans Christian Andersson. Der Audio Verlag hat deswegen ein Radiohörspiel aus dem Jahr 2006 in seine Kinderserie mit dem weißen Rücken veröffentlicht, das das Märchen von Aladin und der Wunderlampe erzählt. Dieses ist hierzulande wohl besonders durch den Disney-Film bekannt, zeigt hier aber neue Ansätze und andere Elemente. Die orientalische Stimmung wird hier sehr geschickt mit wenigen Mitteln umgesetzt, und schon einige Minuten nach dem Start geht es für Aladin im Auftrag des Zauberers in die wundersame Höhle – und schon ist man mitten in der Geschichte, die vor magischen Wesen nur so wimmelt. Der Wünsche erfüllende Dschinn aus der Wunderlampe sorgt natürlich für allerlei Aufregung in Aladins Leben und bringt zahlreiche Abenteuer mit sich. Im Mittelpunkt steht dabei natürlich weiter die Bedrohung durch den Zauberer, der die Lampe und die damit verbundene Macht nicht aufgeben will. So wirkt dieses Hörspiel recht düster und bedrohlich, für die empfohlene Zielgruppe ab acht Jahre ist dies schon recht deutlich geschildert. Dabei tritt der in der Disney-Version so herausgestellte Lampengeist deutlich in den Hintergrund, ist ernsthaft und nicht so aufgedreht und knallbunt. Zum Ende wird es natürlich noch einmal richtig spannend, der Kampf gegen den Zauberer spitzt sich zu. Eine sehr gelungene, atmosphärische Produktion, in dem vieles richtig gemacht wurde.

Christian Friedel ist hier in der Rolle des Aladin zu hören, er kann den mutigen und kämpferischen jungen Mann mit standfester Stimme und einem starken Ausdruck in der Stimme gekonnt darstellen. Sein Widersacher, der böse Zauberer, wird von Peter Fricke gesprochen, der sehr diabolisch, bösartig und mächtig klingt, seine überhebliche und gnadenlose Art wird durch sein glaubhaftes Spiel unterstützt. Als Prinzessin ist Laura Maire gesprochen, der diese Rolle wegen ihrer sanften und klaren Stimme wie auf den Leib geschneidert scheint. Weitere Sprecher sind Tristan Rehrl, Karin Anselm und Thomas Albus.

Die eingesetzte Musik wirkt wie aus 1001 Nacht entsprungen und kann eine orientalische und passende Atmosphäre schaffen, schlägt an den passenden Stellen aber in bedrohliche und düstere Klänge um. Auch die Geräusche sind passend eingefügt und unterstützen die Handlung gekonnt. Besonders gelungen ist aber der Effekt, wenn durch die einschmeichelnde Stimme des Zauberer dessen wahres, bösartiges Wesen hindurchschimmert – sehr eindringlich.

Natürlich verströmt auch das Cover die Stimmung des Orients, mehrere der typischen bunten Türme mit reichhaltigen Verzierungen und in verschiedenen Höhen sind vor dunkelblauen, sternenübersäten Nachthimmel zu sehen. Auf einem von ihnen steht eine kleine Gestalt und hält die Lampe, aus der funkensprühend der Geist entsteigt, der hell leuchtend und ziemlich groß auf der rechten Seite des hübsch anzusehenden Bildes untergebracht ist.

Fazit: Das Märchen aus 1001 Nacht wird hier in einer recht ernsthaften und stellenweise recht düsteren Umsetzung präsentiert, das sich auf den Kampf mit dem Zauberer konzentriert. Das stimmige Dialogbuch und die gekonnte akustische Umsetzung sorgen zusammen mit den Sprechern für ungetrübtes Hörvergnügen, das für die ganze Familie geeignet ist und orientalisches Flair ins heimische Wohnzimmer bringt.

VÖ: 1.Oktober 2013
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-292-4


Die kleine Seejungfrau



Erster Eindruck: Sprachlosigkeit an Land

Laija, eine kleine Seejungfrau, ist fasziniert von der Welt über den Wellen und träumt die ganze Zeit über davon, selbst einmal die Oberfläche zu erkunden. Ihre Großmutter ist allerdings alles andere als begeistert davon und will ihr diese Flausen austreiben. Doch an ihrem 15. Geburtstag darf Laija zum ersten Mal auftauchen, und dabei verliebt sie sich unsterblich in einen jungen Prinzen. Um ihn lieben zu können, geht sie einen ungewöhnlichen Weg…

Die kleine Seejungfrau gehört zu den populärsten Märchen von Hans Christian Andersen, nicht erst seit der bekannten Disney-Verfilmung, die im Jahr 1990 in Deutschland bekannt wurde. Doch schon lange Zeit vorher, 1956 um genau zu sein, entstand beim BR ein Hörspiel des Märchens, das nun beim Hörverlag auf CD veröffentlicht wurde. Dieses wirkt – trotz seines Alters – noch recht zeitgemäß und kann mit einer für diese Zeit aufwändigen Produktion überzeugen. Der Anfang der Geschichte wirkt hier ein wenig sperrig, da vorerst ein Gespräch zwischen der Seejungfrau und einem weiblichen Windgeist zu hören ist. Hier fällt der Zugang etwas schwer, da man sich erst einmal auf die verschiedenen Gestalten einstellen muss. Auch einleitende Worte fehlen hier, sodass man nur schwer in die Situation hereinfindet und sich einiges zusammenreimen muss. Später wird dieser Dialog als Erzählebene genutzt, sodass Melusinchen auf die Ereignisse zurückblickt. Die Einführung in die Unterwasserwelt ist dabei stimmungsvoll geraten, was durch gute Beschreibungen und eine atmosphärische Wortwahl erreicht wird. Besonders die Idee mit den Gärten der Prinzessinnen sticht hierbei hervor. Die erzählte tragische Liebesgeschichte, für die Melusinchen so viel riskiert, so viel aufgibt, ist wirklich herzergreifend und präsentiert tiefe Gefühle. Auch schön, dass hier kein Zwang zum Happy End besteht, sondern sich eine Tragik breitmacht, die jedoch durch einige versöhnliche Elemente etwas abgemildert wird. Eine wirklich sehr schöne und intensive Erzählung, die sehr schön umgesetzt wurde – eine klare Empfehlung, die nicht nur für Kinder gedacht ist.

Ingrid Pan spricht die Hauptrolle der Laija und kann dabei eine sehr breite Palette an Emotionen vermitteln, die allesamt sehr treffend und glaubwürdig sind. Von Melancholie über Freude, von Trauer bis hin zu Angst, alles spiegelt sich in ihrer Stimme wieder. Trotz eines nicht allzu langen Auftritts hinterlässt Maria Niklisch in der Rolle der Meerhexe Muguur einen bleibenden Eindruck, ihre eindringliche Stimme sorgt für eine unheimliche Atmosphäre. Heide Treutler spricht Melusinchen, einer der Schwestern von Leija, auch sie spricht gekonnt und passt wunderbar in die märchenhafte Stimmung. Weitere Sprecher sind Peter Arens, Margarete Haagen und Ingeborg Wutz.

Wie oben bereits erwähnt ist die akustische Produktion für die damalige Zeit sehr aufwändig und vereint viele Musikstücke und Geräusche zu einer dichten Atmosphäre. Die eingesetzten Melodien verströmen einen sehr melancholischen Eindruck, was besonders eindrucksvolle durch eine einsame Geige zur Geltung kommt. Stets sind aber auch verschiedene Geräusche zu hören, beispielsweise Wellenrauschen.

Mir gefällt das ausgewählte Titelbild sehr gut, durch das schlichte Motiv wirkt es stimmig und nicht überladen. Zu sehen ist eine Meerjungfrau, deren langes blondes Haar ihren Körper umhüllt, der Fischschwanz ist elegant nach hinten gereckt. Einige Unterwasserpflanzen und kleine Fische sind hierzu eine schlichte, passende Ergänzung. Die CD befindet sich in einem zweimal aufklappbaren Digipack aus griffiger Pappe und enthält einige Zusatzinformationen.

Fazit: Das tragische Märchen um die kleine Seejungfrau von Hans Christian Andersen präsentiert sich hier in einer Umsetzung, die dem Original sehr nahe bleibt. Eine aufwändige und wunderschöne Geräuschkulisse, eindringliche Sprecher und natürlich die bekannte Geschichte sprechen sehr für diese Produktion, die man sich unbedingt einmal anhören sollte.

VÖ: 26.August 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1118-5


Die verschollenen Fälle - Neue Abenteuer von Sherlock Holmes & Dr. Watson



Erster Eindruck: Vier mal Holmes, vier ganz andere Geschichten

Als der bekannte Psychoanalytiker Sigmund Freud für einige Zeit in London weilt und Vorträge hält, ist auch Dr. Watson unter den Zuhörern und lernt den Österreicher kennen. Währenddessen steigert sich Watsons alter Freund Sherlock Holmes immer weiter in seinen Verfolgungswahn herein – oder steckt doch mehr dahinter? (In Sachen Sherlock H. gegen Sigmund F.)
Sherlock Holmes bekommt den Auftrag, das verschwundene Manuskript von Karl Marx wiederzufinden, was durchaus hohe politische Wellen schlagen kann. Doch wirklich geweckt ist sein Eifer nicht – das geschieht erst, als auch Marx selbst verschwindet… (Sherlock Holmes und der Fall Karl Marx)
Jack the Ripper treibt sein blutiges Unwesen im Londoner Stadtteil Whitechapel, immer öfter werden Prostituierte bestialisch ermordet. Sherlock Holmes wird als bekanntester Detektiv der Stadt auf den Fall angesetzt. Verdächtige gibt es zahlreiche, die Spur führt in adelige Kreise… (Sherlock Holmes und die Whitechapel-Morde)
Deutlich gealtert sind Sherlock Holmes und Dr. Watson immer noch eng befreundet. Der Sohn von Inspector Lastrade ist nun selbst bei Scotland Yard und zweifelt an der Brillanz des Meisterdetektivs. Beim Tod eines Mannes entbrennt ein Wettstreit zwischen den beiden… (Watson und das Rätsel der Schweinepfote)

Sherlock Holmes ist in aller Munde, sie gehört zu den bekanntesten fiktiven Figuren aller Zeiten und erfreut sich auch heute noch größter Beliebtheit. Momentan gibt es auch gleich mehrere Labels, die neue Geschichten um den Meisterdetektiv erfinden. Doch diese Idee ist keinesfalls erst vor kurzem entstanden, wie die Box „Neue Abenteuer von Sherlock Holmes & Dr. Watson“ vom Audio Verlag beweist. Darin werden vier verschiedene Fälle erzählt, die zwischen den Jahren 1988 bis 2001 bei verschiedenen Radiostationen entstanden sind. Diese spielen nach den Ereignissen der originalen Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle und sind somit nicht in die damaligen Geschichten einzuordnen, weswegen durchaus auch ein Ausblick auf die Zukunft des Detektivgespanns geworfen werden kann – und das erlaubt interessante Gedankenspiele, insbesondere bei der Geschichte mit der Schweinepfote ist dies sehr gelungen. Die Besonderheit bei den anderen Fällen liegt eher in der Einbindung real existierender Personen und Ereignisse. Da wird Sigmund Freud in der Handlung um Professor Moriaty untergebracht, Karl Marx entführt und sogar die bekannten Morde von Jack the Ripper aufgeklärt. Alle Grundsituationen sind interessant und zudem gut ausgeführt, Sprache und die realen Verknüpfungen passen wunderbar zueinander. Doch natürlich gibt es in den Handlungen deutliche Unterschiede. Die erste Episode mit Sigmund Freud besticht durch die Bedrohung von Sherlock Holmes, der die Angriffe auf seinen Erzfeind Moriaty zurückführt, auch Freud scheint in die Ereignisse eingebunden zu sein. Wie genau das passiert – das erzeigt die Spannung in dem Hörspiel. Dagegen flacht die Handlung um Karl Marx etwas ab, interessant geschildert ist dies allemal, wirkliche Spannung kann hier aber nicht aufkommen. Highlight der Box ist aber der Zweiteiler um die Whitechapel-Morde, hier werden die verschiedenen Situationen gut ausgekostet, das Eintauchen in die adelige Welt Londons mit so einigen Intrigen und Ungemach ist sehr spannend gelungen. Der letzte Fall besticht besonders durch das hohe Alter der beiden Protagonisten, ein Gedankenspiel, das sehr gelungen ist. Alle Folgen sind sehr unterschiedlich und lassen sich nicht in ein Schema pressen, allesamt sind ideenreich, unterhaltsam und kurzweilig. Eine gelungene Box, die den Meisterdetektiv von einer ganz anderen Seite betrachtet.

Verschiede Produktionsjahre, verschiedene Rundfunkanstalten, verschiedene Regisseure – und somit natürlich auch eine Vielzahl unterschiedlicher Sprecher. Auch Holmes wird in jedem der vier Fälle von einem anderen Darsteller vertont. Im Fall um Sigmund Freud ist dies Charles Brauer, der mit sehr betonter und ruhiger Stimme eine gute Figur macht. Im Fall um die Schweinepfote spricht der wunderbare Jürgen Thormann die Rolle des gealterten Dr. Watson und kann dabei viel Charme versprühen, findet eine gute Balance zwischen Ernsthaftigkeit und dem Witz der Figur. Friedhelm Ptok spricht im entsprechenden Fall die real existierende Figur des Karl Marx, mit seiner eindringlichen Stimme ist er sehr überzeugend. Die anderen drei Sprecher des Sherlock Holmes sind Ulrich Matthes, Klaus Barner und Wolff Lindner.

Natürlich ist auch dementsprechend die akustische Gestaltung sehr unterschiedlich und differiert von Folge zu Folge, eine einheitliche Linie ist dennoch auszumachen, und diese passt sehr gut zu den Geschichten des Meisterdetektivs: Alles ist hier eher spartanisch in Szene gesetzt, kaum eingesetzte Melodien und nur wenige Geräusche untermalen das Geschehen und lenken so die Aufmerksamkeit auf die Rationalität der Hauptfigur.

Die Aufmachung der Box ist sehr schlicht und einfach gehalten. Ein Pappschuber fasst die fünf einzelnen CD-Hüllen, das Titelbild ist dabei immer identisch: Ein handelt sich um ein fotografiertes Portrait von Holmes aus einem alten Film, das ganze vor schlichtem grünen Hintergrund und wenig ausgeschmückt – durchaus ansehnlich. Booklets sind nicht vorhanden, im Gegenteil, der Einleger ist immer der gleiche, nur das Backcover differiert und enthält die Angaben zu dem jeweiligen Fall.

Fazit: Vier Geschichten über Sherlock Holmes, die nach der Zeit spielen, der Arthur Conan Doyle beschrieben hat. Dabei ist als Aufhänger entweder eine real existierende Person oder das gesteigerte Alter der Hauptfiguren vorhanden, was jeweils einen interessanten Grundgedanken liefert und für Spannung sorgen kann. Als Highlight überzeugt die Recherche im Jack the Ripper-Fall. Sehr hörenswert und ein Muss für Fans des Meisterdetektivs.

VÖ: 1.September 2013
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-308-2


Meta Morfoß / Armer Ritter



Erster Eindruck: Zwei Geschichten für (N)ostalgiker

Meta Morfoß wäre eigentlich ein ganz normales Mädchen, das in die Schule geht und manchmal ziemlich albern ist – wäre da nicht ihre Fähigkeit, sich in alles Mögliche zu verwandeln, zum Beispiel in einen Zug, in einen Engel oder ein Krokodil. Ihre Mitschüler finden das ziemlich lustig, und auch ihre Eltern haben sich längst daran gewöhnt. Nur der Müllmann Herr Kersunke kommt mit Metas Verwandlungen nicht so recht klar…

Es ist der Wunschtraum vieler Kinder, sich verwandeln zu können. Und genau darum dreht es sich in dem kleinen Kinderbuch „MEta Morfoß“ von Peter Hacks. Doch nicht nur das Buch, sondern auch das gleichnamige Radiohörspiel vom Rundfunk der DDR erfreute sich großer Beliebtheit. Keine große Überraschung also, dass das Hörspiel in die Reihe mit dem weißen Rücken des Audio Verlags aufgenommen wurde. Und weil diese Produktion nur etwa eine gute Viertelstunde läuft, hat man kurzerhand noch „Armer Ritter“ des gleichen Autors auf die CD gepresst. „Meta Morfoß“ hat unbestritten viel Charme. Wenn die mit ihrer entwaffnenden Art „Aber ich bins doch nur, die Meta“ nach einem Streich sagt, erobert sie schnell die Herzen der zuhörenden Kinder. Die Geschichte sprüht nur so vor Phantasie und guten Einfällen, in was Meta sich so alles verwandelt und welches Chaos sie damit stiftet. Allzu schnell ist hier aber alles erzählt, gerne hätte man noch mehr von dem kleinen Mädchen und seinen Einfällen gehört – und leider kann sich der ganze Reiz der Geschichte so nicht entfalten. „Arme Ritter“ hat mir – ausnahmsweise bei dieser Reihe – leider gar nicht gefallen. Zu gestelzt die Sprache, zu uninspiriert die Handlung, zu theatralisch die Schauspieler. Da hilft es auch nichts, dass das Geheimnis der Prinzessin am Ende eine hübsche Überraschung in dem ansonsten klassisch angehauchten Rittermärchen darstellt. Und so bleibt von dieser CD ein eher zwiespältiger Eindruck mit einer witzigen und gelungenen sowie einer für mich nicht sehr ansprechenden Geschichte.

Silvie Ebelt spricht hier die Hauptrolle der Meta Morfoß und legt einen etwas rotzigen Charme an den Tag. Mit ihrer frechen und charmanten Art sorgt sie immer wieder für Lacher, besonders ihre Parodie des altklugen Einstein ist gelungen. Erzähler ist hier Günter Naumann, dessen besonnene Art einen gewissen Ruhepol in die Geschichte bringt. Henry Hübchen spricht den armen Ritter in der gleichnamigen zweiten Geschichte, allerdings wirkt er oft theatralisch künstlich und konnte mich so nicht überzeugen. Weitere Sprecher sind Petra Kelling, Peter Dommisch und Walter Lendrich.

Beide Hörspiele sind in den 80er Jahren entstanden, was man ihnen auch deutlich anhört. Zwar ist die sprachliche Qualität vollkommen in Ordnung, man hört alles deutlich und auch die Abmischung ist genügend laut, allerdings wirken die eingesetzten Melodien nicht mehr ganz zeitgemäß. Gerade für die Kinder von heute dürfte dies etwas befremdlich wirken, sodass hier eben insbesondere Nostalgiker auf ihre Kosten kommen.

Wie alle Folgen dieser Reihe ist auch hier die Optik stark durchorganisiert: Auf einem farbigen Balken unten – hier ein kräftiges Lila – ist das Label und das Logo des DRA abgedruckt, darüber in einem weißen Balken Folgentitel und Autor, während die oberen zwei Drittel von der eigentlichen Zeichnung eingenommen werden. Dieses ist hier im sehr nostalgischen Stil gehalten, besonders die Gesichter wirken recht abstrakt.

Fazit: Die Geschichte von Meta Morfoß ist witzig, phantasievoll und kreativ, während die übertriebene Umsetzung von Armer Ritter den sicherlich positiven Grundgedanken der Geschichte erheblich stört. So kommen wohl nur diejenigen wirklich auf ihre Kosten, die die beiden Produktionen in guter Erinnerung haben. Gerade für Kinder von heute sind diese Produktion aber wohl zu tempoarm und auch zu abstrakt.

VÖ: 1.August 2013
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1314-3


Jacobs Zimmer (Virginia Woolf)



Erster Eindruck: Moderne Umsetzung des experimentellen Romans

Jacob Flanders, den man schon als Kind bei einem Familienurlaub mit seiner Mutter kennenlernt, bricht als junger Mann sein Studium an der Universität von Camebridge ab und flüchtet sich aus dem modernen Leben immer mehr in die Geschichten der griechischen Mythologie. Doch als der erste Weltkrieg ausbricht, holt ihn die Realität schnell wieder ein…

Virginia Woolf hat mit zahlreichen Romanen für Aufsehen gesorgt, ihre experimentellen Romane gelten als Kernstück ihres Schaffens. Dazu gehört auch „Jacobs Zimmer“, der nun auch vom Bayrischen Rundfunk als Hörspiel vertont wurde - 91 Jahre nach seinem Erscheinen. Beim Hörverlag ist die entsprechende Version auf 4 CDs erhältlich. Die Geschichte wirkt collagenhaft, einzelne Szenen, teilweise ohne nennenswerten Zusammenhang, werden hier aneinandergereiht, um so einen ungewöhnlichen, aber sehr intensiven Einblick in das Leben von Jacob gewährt. Die verschiedenen Stationen seines Lebens werden hier beleuchtet, einige ausführlich und genau, andere nur wie nebenbei. Besonders interessant ist dabei, dass nie aus der Sicht von Jacob selbst erzählt wird, sondern stets ein Blick von außen auf ihn geworfen wird. Er wird also nur von außen in seiner Wirkung auf andere charakterisiert, die Spuren, die er im Leben von anderen hinterlässt, nachgezeichnet. Seine Flucht in seine eigene, selbstgeschaffene Welt und deren Zerstörung durch den Krieg sind das Herzstück dieser Erzählung, die Einbindung der Geschichten aus der antiken Welt und die Erzählungen aus Kindheit und Jugend bilden dazu einen teilweise krassen Kontrast. Doch man braucht schon einiges an Aufmerksamkeit, um sich wirklich in „Jacobs Zimmer“ einzufinden. Die collagenartige Zusammensetzung ist nicht ganz so leicht zu durchdringen, immer wieder muss man sich auf andere Situationen einstellen – zumal ein wirklicher roter Faden, eine Haupthandlung, an der man sich entlanghangeln kann, nicht erkennbar ist. Hier muss aber die Übersetzung und Hörspielbearbeitung von Gaby Hartel gelobt werden, die es dem Hörer deutlich erleichtert, dieses komplexe Gebilde zu durchdringen. Ein anspruchsvolles Hörspiel, sehr ernst und eindringlich gehalten, aber es lohnt sich, Jacob durch sein Leben zu begleiten und den verschiedenen Stationen zu lauschen.

Die Vielzahl an Sprechern ist beeindruckend, um nur einige Namen zu nennen seien Andrea Wnzl, Sylvana Krappatsch und Stefan Merki erwähnt. Zwar hat Jacob gleich zwei Stimmen verpasst bekommen, Benedikt Lückenhaus als junger, Johannes Zirner als etwas älterer Jacob, doch beide haben recht wenig Text, da immer eher ein Blick auf ihn geworfen wird. Dennoch können beide mit einem glaubwürdigen und interessanten Spiel überzeugen. Im Mittelpunkt stehen hier insbesondere die gleich drei Erzähler, die sich immer wieder gegenseitig abwechseln. Dies sind Friedholm Ptok, Britta Hammelstein und Wiebke Puls, die sehr eindringlich und intensiv auf die verschiedenen Szenen eingehen und die jeweilige Stimmung einfangen können.

Musikalisch wurde das Hörspiel behutsam, aber konsequent umgesetzt. Stets ordnen sich die Melodien dem gesprochenen Wort unter, sind aber steter Begleiter und trennen nicht nur die Szenen voneinander, sondern schaffen auch verschiedene Atmosphären. Die Geräuschkulisse ist sehr treffend und ausschweifend, sodass der Hörer schneller die jeweilige Situation einordnen kann.

Ein besonderes Hörspiel, wie Jacobs Zimmer es ist, verdient auch ein besonderes Cover. Dieses wurde hier aus einem beigefarbenen Hintergrund und verschiedenfarbigen, breiten Balken geschaffen, die aussehen, als seien sie mit einem breiten Pinsel gemalt worden. Gerade durch diese Schlichtheit wirkt das Cover so beeindruckend. Interessant ist, dass hier dem Namen der Autorin deutlich mehr Raum gewährt wurde als dem Titel des Hörspiels. Das Booklet hält zahlreiche Informationen zu verschiedenen Mitwirkenden bereit.

Fazit: Durch seine collagenhafte Zusammensetzung ein sehr anspruchsvolles, aber eben auch sehr außergewöhnliches und hörenswertes Hörspiel. Zahlreiche interessante Aspekte ergänzen sich hier bestens, die Umsetzung ist durchdacht, die Produktion professionell. Hier muss man sich Zeit nehmen, wird dann aber mit einem spannenden Hörerlebnis belohnt.

VÖ: 15.Juli 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1119-2


Leonce & Lena



Erster Eindruck: Literaturvertonung von 1958

Prinz Leonce von Popo ergeht sich in quälender Langeweile, von den immer gleichen Abläufen am Hof kann ihn nicht einmal die Liebschaft mit der hübschen Tänzerin Rosalie wirklich ablenken. Die Suche nach Abwechslung treibt den melancholischen jungen Mann. Doch als sein Vater ihm offenbart, dass eine Hochzeit für ihn arrangiert wurde, flieht er – und lernt auf seiner Reise die wunderschöne Lena kennen…

Ein Lustspiel aus dem Jahr 1836, eine dazugehörige Radiohörspielproduktion aus dem Jahr 1958 – und eine Wiederveröffentlichung im Jahr 2013: Mit „Leonce & Lena“ aus der Feder von Georg Büchner setzt der Audio Verlag seine Produktstrategie weiter fort, literarisch wertvolle, schon etwas ältere Hörstücke auf dem Markt zu bringen. Auch diesem Stück kann man eine gewisse Schwere nicht absprechen, obwohl es sich eigentlich um eine Komödie handelt. Aber schon der Einstieg fällt recht schwer, denn ein externer Erzähler ist hier nicht vorhanden. Dieser wäre beim Verständnis der Szenerie gerade zu Beginn sehr hilfreich gewesen, so muss man sich die Charakterkonstellation erarbeiten. Hier wurden die reinen Dialoge der Vorlage vertont, nicht beachtend, dass keine optischen Anreize zum besseren Verständnis geboten werden. Hat man sich aber erst einmal in die Handlung eingefunden, kann man das gebotene Schauspiel durchaus genießen. Die poetisch anmutenden, gerade am Anfang stark vertretenen Aussagen von Leonce, in der er sich über die Schwere seines Daseins auslässt, hören sich sehr gut an und haben fast schon philosophische Ansätze. Und auch die Ironie, dass sich Leonce auf der Flucht von einer geplanten Hochzeit gerade in die ungewollte Braut verliebt und diese schließlich ohne eben dieses Wissen heiratet, weiß zu unterhalten. Dabei stolpert man unwillkürlich auch über die eingebaute Gesellschaftskritik über den herrschenden, aber sich langweilenden Adel, der die hart arbeitende Bevölkerung ausnutzt. Nach überwundenen Startschwierigkeiten bietet sich hier ein durchaus unterhaltsames und kurzweiliges Hörspiel, dem ein gewisser Anspruch jedoch keineswegs abzuerkennen ist.

Die Auswahl der Sprecher ist sehr gut gelungen. Besonders positiv fällt dabei Oskar Werner in der Hauptrolle des Leonce auf, dessen verträumte, sanfte Stimme sehr volltönend ist und somit die Figur intensiv charakterisieren kann. Als sein treuer Diener Valerio ist Werner Krauß zu hören, er kann sowohl in ernsten wie auch in lockeren Szenen mit seinem markanten Klang überzeugen. Gertrud Kückelmann wiederum ist als Lena zu hören, klingt sanftmütig und legt viel Charme in ihre klare Stimme. Weitere Sprecher sind Armin Waldeck-Süßenguth, Nicole Heesters und Alma Seidler.

Das Hörspiel konzentriert sich vorrangig auf die Sprecher und die Dialoge, wie es in dieser Zeit absolut üblich war. Trotzdem lockern einige kleine Melodien das gesprochene Wort auf, meist während der Szenenwechsel. Diese sind klassisch instrumentalisiert und schaffen eine hübsche Atmosphäre. Nur wenige Geräusche sind eingebaut, was für heutige Hörgewohnheiten etwas sperrig klingt.

Ein Liebespaar, wie Leonce und Lena am Ende des Hörspiels, ist auf dem Cover zu sehen. Der Mann mit heller Maske steht dabei am linken Rand und scheint seine Angebetete mit dunkler Maske im Arm zu halten, intensiv schauen sich die beiden an. Durch den braunen Hintergrund bekommt das Cover einen sehr erdigen Ausdruck. Das Innenleben ist dafür sehr schlicht gehalten, ein einfacher Einleger hält nur die allerwichtigsten Informationen parat.

Fazit: Ein anspruchsvolles Hörspiel, das einem gerade am Anfang viel abverlangt und dem Hörer den Einstieg durch einen fehlenden Erzähler nicht gerade erleichtert. Doch die Vertonung des literarischen Werkes kann durch seinen poetischen Ausdruck und seinen kurzweiligen Verlauf dennoch überzeugen. Natürlich sollte man ein Interesse an Hörspiele dieser Art haben, dann wird man aber mit einer sehr unterhaltsamen Stunde belohnt.

VÖ: 1.August 2013
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-296-2


Tintenherz – Das Hörspiel



Erster Eindruck: Phantastische Vertonung des bekannten Romans

Gemeinsam mit ihrem Vater Mo reist Meggie zu ihrer Tante Elinor, damit Mo dort einige alte Bücher retten kann. Doch auf dem Weg dorthin begegnen sie einem unheimlichen Mann, den Mo zu kennen scheint. Er berichtet ihnen von dem geheimnisvollen Capricorn, der hinter einem Buch aus Mos Besitz her ist. Und tatsächlich spüren seine Handlanger die kleine Familie in Elinors abgelegenen Anwesen auf…

Nach der Veröffentlichung löste Cornelia Funkes Roman Tintenherz einen kleinen Hype aus, gelobt von Lesern wie Kritikern folgten schnell auch Versionen als Hörbuch und auch eine aufwendige Hollywood-Verfilmung. Ganz neu hinzugekommen ist nun ein Hörspiel, das von Oetinger Audio liebevoll produziert wurde. Kennt man das Buch, wird man sofort einige Unterschiede finden, schon die Introszene ist hinzuerfunden: Hier wird durch einen kurzen Dialog mit Oberbösewicht Capricorn ordentlich Spannung aufgebaut und eine bedrohliche Stimmung erzeugt. Auch die erste Begegnung mit Staubfinger ist hier anders gelöst, dass Meggie und Mo nicht wegen der Bedrohung durch Capricorn zu Elinor reisen, ist schon etwas befremdlich. Ansonsten sind die Abwandlungen spürbar, aber sehr gut umgesetzt – der Kern der Handlung bleibt erhalten, die Spannung kommt gut zur Geltung, zahlreiche atmosphärische Szenen sorgen für einen intensiven Verlauf. Die Spannung baut sich immer weiter auf, die phantastischen Elemente und die zahlreichen Geheimnisse ergänzen sich wunderbar zu einer kurzweiligen Geschichte, der man gebannt lauscht. Angefangen bei Mo, Meggie und Elinor über die Bösewichte bis hin zu den kleineren Nebenrollen, jeder Charakter scheint eigenständig und mit individuellen Eigenschaften und Ausdruck zu sein. Herrlich, wie tief man sich in diese Geschichte versinken lassen kann, die immer etwas poetisch wirkt und hervorragend produziert wurde – so wird aus der sehr guten Vorlage ein ansprechendes, originelles und liebenswertes Hörspiel.

Alle Sprecher sind absolut phantastisch, und eigentlich hätte hier jeder eine nähere Betrachtung verdient. Namen wie Stephan Schad als Erzähler, Rainer Strecker als Staubfinger, Peter Weis als Fenoglio, Barbara Nüsse als Mortola oder Peter Kaempfe als Capricorn zeugen von der hohen Qualität. Doch auch die Hauptrollen sind natürlich bestens besetzt: Leonie Landa, die bisher eher im Fernsehen denn in Hörspielen aufgefallen ist, kann die Meggie sehr lebhaft, sehr realitätsnah, aber auch sehr vielschichtig darstellen. Robin Brosch sorgt mit seiner angenehmen, sonoren Stimme für die richtige Atmosphäre und kann dem Beinamen Mos – Zauberzunge – sehr gerecht werden. Besonders gut hat mit Gerlinde Dillge als Elinor gefallen, die in der Rolle der exzentrischen und durchsetzungsstarken Elinor zu Hochform aufläuft.

Jan-Peter Pflug ist hier für die Musik zuständig, er hat phantastische Melodien erschaffen, die sich wunderbar mit der Geschichte verbinden, verspielt, romantisch, aber auch bedrohlich und düster wirken können und alles in einen engen Mantel kleiden. Man merkt, dass alles passgenau für dieses Hörspiel geschneidert wurde. Auch die Geräusche und Effekte sind bestens eingefügt, die Produktionsweise kann nur gelobt werden.

Das Cover ist der Buchausgabe entliehen und zeigt die Originalzeichnungen von Cornelia Funke. Es ist zusammengesetzt aus Buchstaben, wie sie in vielen älteren Büchern zu Anfang eines Kapitels standen, kunstvoll verziert mit Ranken, Blumen und vielen kleinen Motiven. Die normale CD-Hülle wird von einem Pappschuber umgeben, die dem Ganzen einen hochwertigeren Ausdruck verleiht. Das Booklet ist zwar nicht sonderlich dick, enthält aber eine ausführliche Trackliste und zahlreiche Fotos der Sprecher bei den Aufnahmen.

Fazit: Der wundervolle Roman wurde hier behutsam in das Medium Hörspiel übersetzt, seine Seele wurde erhalten und wunderschön mit tollen Stimmen und einer sehr guten Produktion ausgeschmückt. So entsteht ein sehr warmes, liebevolles Hörspiel, in dem die tollen Charaktere bestens zur Geltung kommen. Ein hervorragendes Hörspiel, das ich uneingeschränkt empfehlen kann.

VÖ: 1.August 2013
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0637-8


Rosalie und Trüffel – Vom Glück zu zweit



Erster Eindruck: Zwischen Schweinen und Menschen

Es ist erst einige Stunden her, seit Herr Siebert die Buchhändlerin Frau Dur zum ersten mal getroffen hat. Nun führt er sie nach Ladenschluss in ein nahe gelegenes Restaurant aus. Doch nicht nur das streitende Ehepaar am Nebentisch weckt ihre Aufmerksamkeit, sondern auch wieder die von ihnen gemeinsam erdachte Geschichte von Rosalie und Trüffel, den beiden verliebten Schweinen…

Im ersten Teil von Rosalie und Trüffel haben sich Frau Dur und Herr Siebert gerade kennengelernt, ihre spontane Zuneigung zueinander war auch im ersten Hörspiel genauso wichtig wie die Geschichte von Rosalie und Trüffel. Und nun geht es mit einer zweiten Folge mit dem Untertitel „Vom Glück zu zweit“ weiter, die genau dort wieder ansetzt. Es ist eine herzergreifende Romanze zwischen den beiden Menschen, wie aus einem Hollywood-Film entsprungen. Noch sind beide zurückhaltend, siezen sich noch, aber ihre Herzenswärme und Zuneigung sprießt aus jedem Wort. Die Sprache ist dabei sehr gefühlvoll, gewählt, romantisch angehaucht. Immer wieder freut man sich, wenn wieder auf die beiden umgeschwenkt wird, so herzergreifend ist ihr Zusammentreffen. Und natürlich geht es auch bei Rosalie und Trüffel weiter, doch bei ihnen läuft nicht alles ganz so rosig. Es geht um die Probleme, die eine Beziehung mit sich führt, von den anfangs erlöschenden Freundschaften, über die alltäglichen Verletzungen, die man sich ganz unwillkürlich zufügt, ohne es eigentlich zu wollen, die mangelnde Fähigkeit, sich in den anderen hinein zu fühlen, obwohl man sich dies für sich selbst so sehr wünscht, um erste Streitigkeiten. Das alles ist so lebensnah, so direkt erzählt, dass es sicherlich bei jedem Erinnerungen an selbst Erlebtes hervorruft. Besonders eingängig ist ein Dialog, der sich gegen Ende zwischen den beiden Schweinen wiederholt – nur mit umgekehrten Rollen. Sehr gefühlvoll, sehr charmant, aber auch an einigen Stellen sehr witzig. Ein herzergreifendes Hörspiel, das mit 40 Minuten wirklich gefesselt hat.

Daniela Hoffmann spricht – wie schon in der ersten Produktion von Rosalie und Trüffel – die Frau Dur und legt viel Sanftmut in ihre Stimme, aber auch die ihr eigenes verschmitztes Lachen kann sie in der romantischen Geschichte einbringen. Ihr zur Seite steht Hubertus Bengsch, der den Herrn Siebert mit sehr viel Charme spricht und sowohl die Erzählparts als auch die Dialoge sehr gefühlvoll umsetzt. Nadine Writz und Michael Meyer ergänzen sich als Rosalie und Trüffel sehr gut, beide können die gegenseitigen Verletzungen und Enttäuschungen sehr nah an den Hörer herantragen. Weitere sind Giuliana Jakobeit, David Nathan und Bettina Stäbert.

Sanfte musikalische Klänge malen hier die Szenen aus und verliehen ihnen eine fast schon verspielte, romantische Atmosphäre. Und auch einige Geräusche sind hier eingefügt, sodass die Szenen lebendiger erscheinen und bestimmte Handlungen untermalt werden. Im Allgemeinen hält sich die akustische Untermalung aber eher zurück und unterstreicht lediglich die gefühlsbetonte Geschichte.

Natürlich sind auf dem Cover Rosalie und Trüffel zu sehen, gemeinsam liegen die rosige Hausschweindame und das braune Wildschwein gemeinsam in einem Bett und reiben ihre Nasen aneinander. Alles ist in sanften Pastellfarben gehalten, so auch der rein blaue Hintergrund. Im Inneren sind noch einige Kurzinformationen zu den wichtigsten Mitwirkenden zu finden.

Fazit: Eine sehr gefühlsbetonte Geschichte, die auf zweierlei Ebenen verschiedene Stimmungen schaffen kann. Einerseits die aufkeimende Romanze zwischen den beiden Menschen, andererseits die schwierige Alltagsbeziehung zwischen den beiden Schweinen, die gerade wegen ihrer Einfachheit so ergreifen ist. Hier liegt keineswegs ein Kinderhörspiel vor, wie Cover und Titel vermuten lassen könnten, sondern ein romantisches Hörspiel, das absolut hörenswert ist.

VÖ: 15.Juli 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1223-6


Till Wiesentroll



Erster Eindruck: Naturverbundenes Hörspiel, nachhaltig produziert

Till Wiesentroll ist mit seinem Leben in der kleinen Höhle eigentlich sehr zufrieden, würde der große Donnergroll nicht jede Nacht solchen Lärm veranstalten. Immer wieder spielt er Kegeln mit großen Felsbrocken. Der erste Versuch, sich bei dem Bergtroll zu beschweren, endet in einer kleinen Katastrophe. Doch der Nebeltroll hat eine gute Idee, um den Donnergroll von seinem nächtlichen Treiben abzuhalten…

„Till Wiesentroll“ ist eine kleine Buchserie von Almud Kunert, seit 2005 sind bisher drei Bände der Geschichten um den kleinen Troll erschienen. Bei Lübbe Audio ist nun der erste Teil als liebevoll produziertes Hörspiel vertont worden. Die Geschichte ist auch schon für die ganz jungen Zuhörer ab etwa vier Jahren gedacht, hat aber eine so pfiffige und harmonische Atmosphäre, dass auch ältere Kinder gerne dem Abenteuer lauschen. Nach einer kurzen Beschreibung von Tills Leben in Einklang mit der Natur, in der beispielsweise die Essgewohnheiten des kleinen Wesens phantasievoll beschrieben werden, folgt schnell die erste Szene mit dem Bergtroll – und die hat es für die ganz jungen Hörer durchaus in sich, hier wird Spannung aufgebaut, der kräftige Gonnerdroll wird recht laut und ein bisschen erschreckend dargestellt, aber eben auch kindgerechtem Niveau. Die folgenden Szenen beinhalten viel Witz und viel Kreativität, zum Beispiel bei der Fortbewegungsmethode des Nebeltrolls. Der Aufbau ist natürlich eher langsam, wird aber mit einer lockeren Sprachweise und einigen sehr schönen Szenen sehr kurzweilig für den Hörer. Verschiedene Ideen werden ausprobiert, den Gonnerdroll mit List vom nächtlichen Kegeln abzubringen, doch am Ende gibt es eine wirklich schöne Moral, die den zuhörenden Kindern sicherlich eine Lehre sein kann: Die Auflösung des Ganzen findet nämlich durch Reden und einer guten Erklärung statt, sodass sich Till und Gonnerdroll sogar anfreunden. Eine wirklich wunderschöne Geschichte, sehr schön umgesetzt und ziemlich kurzweilig.

Auch die Sprecher sind sehr gut ausgewählt und können ihre Figuren sehr liebevoll erscheinen lassen. Eric Ventker spricht den Till und klingt sehr pfiffig und fröhlich, kann aber auch die Traurigkeit des Wiesentrolls über die Situation gut zum Ausdruck bringen. Oliver Kraushaar spricht den Gonnerdroll mit tiefer, etwas dröhnender Stimme und kann ihn damit durchaus bedrohlich wirken lassen, bringt aber auch immer einen gewissen Witz mit. Erzählerin ist Sibylle Nicolai und bringt ihre Passagen, die des Öfteren auch mal etwas länger sind, sehr warmherzig und liebevoll herüber. Weitere Sprecher sind Gordon Piedesack, Matthias Keller und Diana Wolf.

Ein eigens für die Serie komponiertes Lied erklingt zu Anfang und auch am Ende des Hörspiels und ist wirklich sehr spaßig und macht nicht nur den kleinsten Zuhörern Spaß. Doch auch die restliche akustische Gestaltung ist sehr gelungen. Da ertönen viele Naturgeräusche wie Vogelgezwitscher und Wasserplätschern, werden die Szenen bunt untermalt und erklingen zahlreiche harmonische Melodien.

Die niedliche Zeichnung auf dem Cover zeigt Till mit seinem Trinkbecher in der freien Natur, seine witzigen grünen Haare und der gelungene Look sind sehr hübsch anzusehen. Im Inneren des Digipacks befindet sich ein Booklet, das neben zahlreichen Zeichnungen aus der Buchvorlage noch eine Bastelanleitung für einen Hampeltroll sowie den Liedtext enthält. Das Besondere ist aber, dass hier viel Wert auf eine nachhaltige Produktion gelegt wurde, so findet sich im Inneren keinerlei Plastikeinsatz.

Fazit: Eine sehr pfiffige und liebevolle Geschichte, die mit ihrer runden Atmosphäre wirklich zu überzeugen weiß. Auch die Moral der Handlung, dass mit Worten deutlich mehr zu erreichen ist als mit Streichen, kann überzeugen und kommt ohne den erhobenen Zeigefinger aus. Natürlich wird hier eher auf kleinere Kinder von vier bis acht Jahren abgezielt, aber dank der sehr guten Produktionsweise werden auch zuhörende Eltern und ältere Geschwister ihren Spaß an „Till Wiesentroll“ haben.

VÖ: 17.Mai 2013
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-4758-2


Nullzeit (Juli Zeh)



Erster Eindruck: Psychospiel um Besessenheit und Macht

Die erfolgreiche Soap-Darstellerin Jola will sich für eine Rolle als Taucherin vorbereiten und reist zusammen mit ihrem langjährigen Lebensgefährten Theo auf die Insel Lanzarote. Dort werden die beiden von Tauchlehrer Sven und seiner Frau Antje aufgenommen und unterrichtet.- Doch die Beziehung von Jola und Theo ist alles andere als harmonisch, und so fühlt sich die Schauspielerin bald zu dem Tauchlehrer hingezogen - mit fatalen Folgen…

Ein Jahr nach dem Erscheinen von Juli Zehs Roman „Nullzeit“ ist dieser vom SWR als Hörspiel vertont worden, ist aber nun auch beim Audio Verlag auf CD erschienen. Aus der anfangs harmlos wirkenden Szenerie entwickelt sich eine richtig spannende Geschichte, die sich um die unheilvolle Dreiecksbeziehung von Jola dreht. Vorerst wird in kurzen, aber schon recht stimmungsvollen Worten die Grundsituation dargestellt, die Ankunft von Jola und Theo auf Lanzarote ist der Ausgangspunkt. Je weiter man in die Geschichte vordringt, umso umfassender lernt man die Charaktere kennen, entdeckt neue Facetten und Manifestationen anderer Züge. Viel interessanter ist jedoch, wie sich die Beziehung zwischen Jola und ihrem Freund Theo entwickeln, hier wird ein Spiel aus Gewalt, Erniedrigung, Demütigung und Hohn, aber auch unheilbringender Zuneigung gezeigt, das sich in immer neue Höhen hochschaukelt. Parallel dazu wird auch die Beziehung zwischen Jola und Sven intensiver, bis nach einem bestimmten Ereignis die Sichtweise auf die Dinge deutlich auseinanderweicht. Kaum weiß man, wem man glauben soll, wer die Wahrheit sagt, ob eine schlichte Lüge oder geistige Verwirrtheit hinter den unterschiedlichen Wahrnehmungen steckt. Immer brisanter wird die Lage, immer heftiger die Auseinandersetzungen, und schnell findet man sich in einem tödlichen Spiel wieder, das nie ganz zu durchschauen ist. Auch ganz am Ende wird nicht alles restlos aufgeklärt, sondern auch einiges den Schlüssen des Hörers überlassen. Ein wirklich gelungenes, spannendes und eindringliches Hörspiel, das mich schon nach kurzer Zeit völlig gefangen genommen hat.

Es sind nur wenige Sprecher, die hier mehr als nur ein paar Worte sprechen, diese bestreiten zusammen fast allein die gesamte Handlung, diese übernehmen dabei sowohl Dialoge als auch eine Erzählfunktion. Jörg Hartmann ist als Theo wirklich fantastisch, kann eine bedrohliche Stimmung schaffen und den zwiespältigen Charakter sehr genau umsetzen. Die grandiose Friederike Kämper als Jola steht ihm in nichts nach, spielt sich in Rage, ist mal heißblütig leidenschaftlich, mal kühl und berechnend, stellt dem Hörer immer die Frage nach ihrem Geisteszustand. Johann von Bülow spricht Sven, dessen Leben durch den neuen Auftrag ins Wanken gerät. Dies kann er nachvollziehbar und sehr glaubwürdig mit seiner Stimme umsetzen. Im Gegensatz zu diesen drei wirklich hervorragenden Sprechern fällt Lena Drieschner als Antje etwas ab und wirkt stellenweise ein wenig steif und unbeholfen.

Ruhige, hintergründige Melodien begleiten die Dialoge und unterstreichen die Geschichte gekonnt, ebenso wie die vielfältige und treffende Geräuschkulisse. Dabei bleibt der Ausdruck der akustischen Gestaltung recht ruhig und ausgeglichen, vor diesem Hintergrund wirken die teilweise heftigen Entwicklungen umso eindringlicher und kommen dadurch bestens zur Geltung. Zudem ist der Kontrast zwischen gedämpfter Gestaltung und ausdrucksstarker Handlung sehr reizvoll und gelungen.

Nullzeit – ein Titel, der für diese Geschichte kaum treffender hätte gewählt werden können. Der Bezug zum Tauchen wird auch auf dem Cover aufgegriffen, hier wird vor einfarbig hellblauen Hintergrund ein kleines Korallenriff samt einiger Fische gezeigt. Die schlichte, aber übersichtliche und hübsch gestaltete Aufmachung ist gelungen, besonders das Foto hinter der CD betrachtet man gern.

Fazit: Die spannende Handlung um Macht, Hingabe und Wahnsinn wird von den Sprechern sehr eindrucksvoll in Szene gesetzt, hinzu kommt eine gelungene, ruhige akustische Gestaltung – ein Psycho-Thriller auf sehr hohem Niveau.

VÖ: 1.Juli 2013
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-316-7


Unterm Birnbaum



Erster Eindruck: Klassische Literatur in klassischer Umsetzung

Das Ehepaar Abel und Ursel Hradschek besitzt einen Kramladen mit angeschlossenem Gasthaus, ist aber hochverschuldet. Als eines ungemütlichen Herbsttages ein Mitarbeiter ihres Gläubigers bei ihnen übernachtet, bringen sie ihn kurzerhand um und lassen seine Leiche verschwinden. Doch ihre Nachbarin, die neugierige Witwe Jeschke, hegt bald Verdacht…

Theodor Fontane gilt auch heute noch als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller, auch über einhundert Jahre nach seinem Tod werden seine Werke gelesen – und auch wiederveröffentlicht. Zu seiner Novelle „Unterm Birnbaum“ wurde in Kooperation des BR und des NDR im Jahr 1961 ein Hörspiel produziert, das der Hörverlag nun auf CD veröffentlicht hat. Vordergründig ist die Geschichte ein Kriminalroman, der Plan vom Ehepaar Hradschek steht hier im Mittelpunkt und ist der Ausgangspunkt der Handlung. Zwar wird nicht gleich alles offenbart, die wirklichen Geschehnisse in der verregneten Novembernacht bleiben zu großen Teilen im Dunkeln. Doch der Hörer kann sich vieles zusammenreimen, sodass der Verlauf nicht wirklich überraschend ist. Die Geschichte zieht ihren Reiz aber auch eher aus der psychologischen Betrachtung der Protagonisten und trägt an einigen Stellen schon die Züge eines Milieustudiums. Genau werden die beiden Charaktere von Abel und Ursel beschrieben, bis in die hintersten Winkel vorgedrungen, die Skrupellosigkeit Abels ebenso gezeigt wie die Gier Ursels. Besonders interessant ist auch die Rolle der Witwe Jeschke, neugierig und aufdringlich, die sich immer weiter in die Geschichte hineinsteigert. Doch auch die anderen Nebenrollen sind beachtenswert und gut ausgeführt. Durch die lebendige Erzählweise wird das Geschehen sehr nah an den Hörer herangetragen, der sich völlig in die Handlung hineinversetzen kann. Natürlich klingt „Unterm Birnbaum“ für heutige Ohren recht ungewohnt, die nüchterne Umsetzung und die getragene Sprache sorgen nicht gerade für lockere Unterhaltung, dafür wird aber ein hochinteressantes Hörstück mit Anspruch geboten, das mich mit seinen starken Charakteren überzeugen konnte.

Sehr treffend ist die Wahl der Sprecher gelungen, sie sorgen für den richtigen Ausdruck ihrer Charaktere. Abel Hradschek wird von Heinz Klevenow gesprochen, dessen volltönende und ausdrucksstarke Stimme die skrupellose und standfeste Rolle sehr glaubhaft vertonen kann. Seine Frau Ursel wird von Ages Fink gesprochen, die immer einen recht undurchsichtigen Zug in ihre Stimme legen kann und Klevenow bestens zu ergänzen versteht. Die wunderbare Tilla Durieux spricht Witwe Jenschke mit viel Leidenschaft und Energie, ihre Passagen kommen sehr einprägsam beim Hörer an. Weitere Sprecher sind unter anderem Wolfgang Büttner, Bruni Löbel und Siegfried Lowitz.

Musik wird hier während der Handlung nicht eingesetzt, wie viele Hörspiele aus dieser Zeit stehen die Dialoge fast für sich allein. Das unterstreicht den ernsthaften Charakter der Erzählung, wirkt aber manchmal steif und trocken. An einigen dramatischeren Stellen hätte ruhig etwas Musik spielen können. Einige Geräusche unterstützen die Sprecher bei den Gesprächen und sind insgesamt gut eungefügt.

Ein junger, bärtiger Mann blickt dem Betrachter ernst und eindringlich vom Cover entgegen, eine Gesichtshälfte ist im Schatten verborgen. Im dunklen Hintergrund sind die knorrigen, blattlosen Äste eines Baumes zu sehen – ein schlichtes, gelungenes Titelbild. Fest in das hübsche Digipack eingefasst ist ein vielseitiges Booklet, das einen ausführlichen Einführungstext sowie Auszüge aus dem Dialogbuch enthält. Auch Informationen zu einigen Mitwirkenden sind hier zu finden.

Fazit: Die Ereignisse aus der Mordnacht sind zwar schnell durchsichtig, viel interessanter sind jedoch die starken Charaktere, die durch hervorragende Sprecher ins rechte Licht gerückt werden.

VÖ: 13.Mai 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-806-8


Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand



Erster Eindruck: Romanvertonung zwischen Krimi und Roadmovie

Die Vorbereitungen für Allan Karlssons Feier zu seinem 100. Geburtstag sind fast abgeschlossen, als das Geburtstagskind plötzlich verschwindet. Eher zufällig nimmt er auf seiner Flucht einen Koffer mit Geld mit – doch das gehört der Mafia. Und so ist nicht nur das ganze Land samt Sonderkommandos hinter dem Mann her, sondern auch gefährliche Verbrecher. Und keiner ahnt, was für ein bewegtes Leben Allan hinter sich hat…

„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ war als Buch ein großer Erfolg und hat bei Lesern wie Kritikern eingeschlagen. Der Roman von Jonas Jonasson wurde nun auch vom hr1 als Hörspiel vertont und ist nun beim Hörverlag erhältlich. Für die außergewöhnliche Vorlage wurde hier ein ebenso außergewöhnliches Gewand gefunden, das mit seinen schnellen Szenenwechsel ein beachtliches Tempo vorlegt. Zahlreiche kurze Passagen sind hier fast schon collagenhaft aneinandergereiht und wechseln schnell zwischen den verschiedenen Schauplätzen, beispielsweise werden auch Telefonate, Notizen oder SMS-Verkehr mit eingebaut. Eine weibliche Stimme sorgt dabei meist für den nötigen Überblick, einiges an Aufmerksamkeit ist für das Verständnis des Hörspiels aber schon von Nöten. Neben den aktuellen Ereignissen gibt es auch immer wieder Rückblicke auf Allans bewegtes Leben, der oftmals eher zufällig die Geschicke der Geschichte beeinflusst hat und einigen bedeutenden Persönlichkeiten begegnet ist. Die eigentliche Handlung berichtet viel von der Suche nach dem Mann, aber eben auch von seiner Sicht der Dinge. Immer wieder tauchen hier sehr humorvolle Stellen auf, die zwischen skurril und zynisch angesiedelt sind und eine sehr heitere Komponente in die Handlung bringen, die das gesamte Hörspiel prägend beeinflussen. Eine sehr interessante Produktion, die mich wirklich beeindruckt hat und viele mutige, gut umgesetzte Ideen enthält. Hörspielfans sollten hier unbedingt mal reinhören.

Sehr gut gelungen ist die Auswahl der Sprecher, sie stellen Lebendigkeit und Verschmitzheit in den Mittelpunkt. Matthias Habich ist als Allan Karlsson zu hören, seine schon leicht gebrochene, aber immer noch kraftvolle und dynamische Stimme verleiht dem Hundertjährigen eine ganz besondere Note. Charly Hübner ist als Benny eine ebenso gute Wahl und kann mit seinem eindringlichen Klang für spannende Momente sorgen. Besonderes Augenmerk verdient der Auftritt von Rosemarie Fendel, ist es doch der letzte der großartigen Schauspielerin. Mit ihrer wie immer markanten, tiefen Stimme kann sie die Rolle der Amanda sehr gut auskleiden und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Weitere Sprecher sind Walter Renneisen, Marion Breckwoldt und Christian Redl.

Die akustische Umsetzung passt sehr gut zu der außergewöhnlichen Vorlage und bedient sich einiger interessanter Ideen. Dabei sind meist nur wenige Geräusche eingesetzt, die die einzelnen Szenen klarer machen oder zur besseren Struktur der einzelnen Szenen eingesetzt wurden. Musik ist dabei eher wenig zu hören, die Sprecher und ihre Dialoge stehen klar im Vordergrund.

Für das Hörspiel wurde das Cover des Buches noch einmal überarbeitet und neu eingefärbt. Statt braun ist dieses nun grün eingefärbt und zeigt nur einen Teil des abgebildeten Elefanten, der im Verlauf des Hörspiels eine kleine Rolle spielt. Die Schrift ist in einem Kofferanhänger abgebildet und verdeckt große Teile des Motivs, das so erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist. Das umfangreiche Booklet enthält einen einleitenden Text sowie Informationen und Fotos einiger Mitwirkender.

Fazit: Der außergewöhnliche Roman wurde hier ebenso außergewöhnlich umgesetzt, ist skurril und spannend, spielt auf verschiedenen Ebenen und ist sehr interessant zu lauschen. Sprecher und Produktion sind ebenso herausragend.

VÖ: 10.Juni 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1010-2


Die Schläfer – Unheimliches Erwachen in der Antarktis



Erster Eindruck: Schrecken im Eis

Dr. Vincent Lürssen, ein erfolgreicher Neurobiologe, stößt bei einem Wechsel der Besatzung zu einem Team, das in der eisigen Antarktis, weitgehend abgeschottet von der Außenwelt, verschiedene Forschungen anstellt. Besonderes Augenmerk bekommt dabei ein unterirdischer See, in dem sich scheinbar ein ganz eigenes Biosystem gebildet hat. Doch was dort verborgen ist, hätte niemals an di Oberfläche gelangen dürfen…

So richtig in den Vordergrund getreten ist das Hamburger Label vitaphon noch nicht, mit „Der Schläfer“ sollte sich dies aber ändern. Das auf sehr hohem Niveau produzierte Hörspiel vereint Elemente aus Thriller und Science Fiction mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und teilweise sogar philosophischen Gedanken. Die Introszene ist sehr gelungen, in einem Radiointerview wird nicht nur die Grundsituation erklärt, sondern auch die wissenschaftliche Theorie von Vincent erklärt. Darauf folgt ein langsamer Aufbau, in dem vorerst die Gemeinschaft in der Antarktis im Vordergrund steht. Hier wird das Zusammenspiel der Charaktere beschrieben, die zwar manchmal etwas zu plakativ und einschichtig wirken, was der Handlung aber auch einen deutlich dynamischeren und spannenderen Verlauf ermöglicht. Mit der Entdeckung der Lebewesen im ewigen Eis startet jedoch eine Verkettung tragischer Ereignisse, der die Protagonisten langsam in den Wahnsinn treibt und zu einer immer stärkeren Bedrohung wird. Die unheimliche Stimmung wird weiter verstärkt, und auch die Umgebung der ewigen Eiswüste kommt hier sehr intensiv zur Geltung. Ein beeindruckendes Finale krönt dann die spannende und stimmungsgeladene Geschichte, schließt sie gekonnt ab. Auch wenn das Thema nicht das Neueste ist und die Charaktere etwas zu plakativ gezeichnet wurden, ist hier ein atmosphärisch dichtes, sehr spannendes und mit vielen interessante n Gedankengängen versehenes Hörspiel, das man sich unbedingt einmal in ruhigen zweieinhalb Stunden zu Gemüte führen sollte.

Die Sprecher wurden sehr gut ausgewählt, wobei hier auf unverbrauchte Stimmen wert gelegt wurde, die in noch nicht allzu vielen Produktionen aufgetaucht sind. Anfangs prägt Andre Beyer als Vincent Lürssen den Verlauf der Geschichte, er kann den Neurobiologen mit treffsicherem Ausdruck darstellen. Samir bin Jalud al Hami, der Koch der Crew, wird von Arno Abd-el Kader Lüning gesprochen, der durchaus etwas Witz mit in die drohende Atmosphäre einbringt und mit seiner spontanen Art die Handlung etwas auflockern kann. Petra Springhorn spricht die Meteorologin Lia Orli Ruben, sie kann eine breite Bandbreite an verschiedenen Emotionen vermitteln und bleibt dabei stets glaubhaft. Weitere Sprecher sind unter anderem Andreas Kleb, Stephan Ziwich und Ralf Bettinger.

Die Produktion kann mit dem momentan populären, bombastisch inszenierten Hörspielen mithalten und bietet eine intensive, dichte Atmosphäre, die aus dem gelungenen Zusammenspiel von Musik und Geräuschen resultiert. Die eingesetzten Melodien wirken manchmal ein bisschen sphärisch, können immer eine treffende Stimmung erzeugen und werden dabei von vielfältigen und passenden Geräuschen unterstützt.

Ein böse dreinschauendes, gelb leuchtendes Auge prägt den wolkigen Himmel auf dem Cover das ansonsten in kühlm Blau und Schwarz gehalten ist. Neben der Station der Forscher ist noch – deutlich weiter unten – ein strahlendes Licht am Seeboden zu sehen. Das Booklet bietet zahlreiche weitere Informationen zu dem Thema und stellt zudem kurz die Hauptcharaktere vor – samt Foto der jeweiligen Sprecher.

Fazit: Trotz kleinerer Schwächen in dem Dialogbuch – hier ist ein wirklich spannendes und bombastisch inszeniertes Hörspiel entstanden, das einen wirklich mitreißen kann.

VÖ: 14.März 2013
Label: vitaphon
Bestellnummer: 978-3-942210-32-4


Söhne und Liebhaber



Erster Eindruck: Jahrhundertroman intensiv umgesetzt

Die Liebe zwischen dem Ehepaar Gertrude und Walter Morel scheint längst verloschen, Streitigkeiten und eisiges Schweigen prägen ihr Leben. Umso mehr flüchtet sich Gertrude in die Beziehungen zu ihren Kindern, die sich ebenso von ihrem trinkenden Vater abgewandt haben. Besonders ihre Bindung zu ihrem jüngsten Sohn Paul ist eng, der sich im Laufe seines Lebens immer mehr ihrer erdrückenden Liebe erwehren muss…

Zur Zeit seiner Veröffentlichung, dem Jahr 1913, galt „Söhne und Liebhaber“ als Skandalroman, da durchaus auch eine erotische Komponente in der Beziehung von Mutter und Sohn vorhanden war. 100 Jahre später ist nun ein Hörspiel nach der Vorlage beim Hörverlag erschienen, das 2012 vom hessischen Rundfunk produziert wurde. Das Hörspiel hat eine sehr ruhige, aber umso intensivere Ausstrahlung. Lange Passagen werden von einem externen Erzähler gesprochen, der in recht nüchterner Weise von den Emotionen der Personen berichtet, sich dabei deutlich distanziert. Anfangs steht die Beziehung von Ehepaar Morel im Mittelpunkt, nur so kann man verstehen, wie die komplizierte Konstellation in der Familie zu Stande gekommen ist. Er Bergarbeiter, sie Hausfrau, können kaum miteinander kommunizieren und verletzen sich dabei immer weiter, bewegen sich weiter voneinander fort, durch diverse Schicksalsschläge rücken sie aber auch wieder zusammen. Danach wird immer mehr auf die Beziehungen von Gertrude zu ihren Kinder eingegangen, erst zu ihrem älteren Sohn William, der erfolgreich seinen Weg im Leben geht, später zu Paul, der sich vorerst ebenso eng an seine Mutter klammert und später nicht von ihr loskommt. Immer weiter steigert sich diese Konstellation, immer weiter taucht der Hörer in diese Beziehung ein, immer stärker werden die Charaktere beschreiben. Man lernt diese sehr genau kennen, und sie sind derart treffend beschrieben, dass man schnell meint, sie schon Jahre zu kennen. Und so unglaublich diese Geschichte gerade gegen Ende auch klingen mag, so gut kann man sie nachvollziehen. Man hat das Gefühl, dass kaum eine andere Entwicklung möglich sein könnte. Ein sehr intensiver Roman, hervorragend umgesetzt, sehr fesselnd und eindringlich umgesetzt.

Sehr gelungen die Auswahl der Sprecher, sie sorgen dafür, dass man die Charaktere noch besser zu erfassen weiß. Erzähler Michael Rotschopf kommentiert die Geschichte in recht neutraler Weise, bringt aber in aller Deutlichkeit die direkte Sprache des Romans zur Geltung, spricht eindringlich und kehrt auch die Details des Romans nach außen. Sehr gut gefallen hat mir Angela Winkler als Gertrude Morel, bringt die dominante Art, klingt verhärmt und kalt, kann die Verachtung der Welt gegenüber ebenso wie die enge Liebe zu ihren Kindern deutlich darstellen. Patrick Güldenberg spricht Paul mit einer weichen, verletzlichen Stimme, stellt aber auch die Reifung, die Entwicklung des jungen Mannes dar. Weitere Sprecher sind Wolf-Dietrich Sprenger, Andreas Pietschmann und Effi Rabsilber.

Sehr feinsinnig ist die Geschichte inszeniert, wobei sich die akustischen Stilmittel gerade zu Anfang sehr in Grenzen halten, die Dialoge und die hervorragenden Sprecher stehen zu jeder Zeit im Vordergrund. Doch in dem Maße, in der sich die Handlung steigert, tritt auch die Musik deutlicher hervor, sorgt mit einem klassisch zusammengesetzten Streichquartett für eine intensive Stimmung. Sehr gelungen, zumal der Verlauf der Geschichte so gut nachgezeichnet wird.

In dunklen, erdigen Tönen ist das Cover gehalten, ein brauner Hintergrund und die Fotografie von zwei antiken Statuen in Beigetönen verströmen einen ruhigen Ausdruck. In das ansehnliche und stabile Digipack ist ein Booklet eingeklebt, das zahlreiche zusätzliche Informationen enthält. Ein einführender Text und Kurzinformationen zu Autor und den Mitwirkenden des Hörspiels sind eine gute Ergänzung.

Fazit: Der dominante, vielschichtige Charakter von Gertrude steht im Mittelpunkt, die Beziehungen zu ihrem Mann und ihren Kindern sehr intensiv beschrieben. Ein Ausnahmehörspiel, dass man sich in fast vier ruhigen Stunden zu Gemüte führen sollte.

VÖ: 13.Mai 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-990-4


Olivia - Manchmal kommt das Glück von ganz allein



Erster Eindruck: Auf der Suche nach dem Glück

Seit dem Tod ihrer Mutter lebt Olivia allein bei ihren Vater. Gemeinsam sind sie in eine neue Stadt gesegelt und leben fortan in dem Segelboot. In der Schule läuft es für Olivia nicht besonders, ihre Mitschüler ärgern sie – besonders die gemeine Milena – und nur Sascha freundet sich langsam mit ihr an. Und dann steht eines Tages ein Mann vom Ordnungsamt auf dem Grundstück steht…

Neben der Reihe mit dem weißen Rücken bringt der Audio Verlag in unregelmäßigen Abständen auch Hörspiele für etwas ältere Kinder heraus. Nun ist auch „Olivia“ erschienen, das vom SWR2 umgesetzt wurde und von der niederländischen Autorin Jowi Schmitz stammt. Im Mittelpunkt steht dabei die Gefühlswelt von Olivia, die nach dem Tod ihrer Mutter einige besondere Eigenheiten angenommen hat. So hat sie sich seitdem nicht mehr die Haare gewaschen, was auf den Hörer anfangs etwas befremdlich wirkt, aber mit einem emotionalen Hintergrund später aufgeklärt wird. Und solche kleinen Momente sind es, die dieses Hörspiel so besonders machen, die Herz offenbaren. Und dabei ist es auch immer wieder Olivias Vater, der durch Gefühlsausbrüche auffällt und aus der Spur geraten scheint, sein Leben nicht mehr organisiert bekommt und Olivia immer wieder unbewusst verletzt. Dass dazu noch die schwierige Eingliederung in die Schule und andere Nebenzweige aus Olivias Leben erzählt werden, rundet die ganze Geschichte ab und kann so alles darstellen, was gerade in ihrem Leben eine Rolle spielt. Nur der Erzählstil irritiert manchmal, da sich die junge Olivia als auch eine ältere Erzählerin in der Ich-Form aus der Perspektive des Mädchens berichten, sich abwechseln und dabei die beiden Stimmen nahtlos gewechselt werden. Eine ehrliche, mal lustige, mal traurige Geschichte vom Loslassen und Angst haben.

Elisabeth Juhnke, die mir bisher aus keiner anderen Produktion bekannt ist, spricht hier Olivia und kann die Dialoge dabei mit glaubhaften Gefühlen und eine spontan wirkenden Aussprache ausstatten, sodass man ihr das etwas verschrobene Mädchen absolut abnimmt. Oliver Stokowski spricht ihren Vater sehr gefühlsbetont, besonders in den Szenen, in denen er weint, kann er überzeugen und vermittelt zudem das Erstarken des Mannes. Erzählerin ist Alexandra Henkel, die sich selbst eher zurücknimmt und so im Gegensatz zu Juhnke etwas blass wirkt. Weitere Sprecher sind Sabine Orleans, Johanna Hanke und Leon Seidel.

Typisch für ein ursprüngliches Radiohörspiel ist die Musik hier eher leise im Hintergrund angesiedelt und schleicht sich selten offensichtlich in die Gehörgänge des Zuhörers. Dafür schafft sie mit ihren sanften, unaufdringlichen Klängen schöne Atmosphären und unterstützt die Sprecher in ihrer Wirkung. Auch Geräusche sind nicht allzu viele eingefügt, die Dialoge stehen hier klar im Vordergrund.

Eine einfache, kindlich wirkende Zeichnung ist hier als Titelbild verwendet worden, das sie sitzende Olivia auf dem Mast des Segelschiffes zeigt, ein Bein locker aufgestellt. Einige Kleidungsstücke hängen im rechten Winkel an dem Mast, während Wellenmotive, Fische und Vögel den Hintergrund bilden. Ein etwas exzentrisch wirkendes Cover, das die Stimmung des Hörspiels aber gut einzufangen weiß.

Fazit: Eine Geschichte voller Herz und Gefühl, die von einer schwierigen Zeit berichtet, aber eine lockere Stimmung hat und immer wieder Mut zu machen weiß.

VÖ: 1.Juni 2013
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-244-3


Gespensterjäger – 4 Hörspiele



Erster Eindruck: Hedwig, Tom und Hugo mal vier

Als sich im Keller von Toms Eltern ein Geist eingenistet hat, wird er von seiner Oma zu der erfahrenen Gespensterjägerin Hedwig Kümmelsaft geschickt. Die beiden stellen jedoch schnell fest, dass Hugo, das mittelmäßig unheimliche Gespenst, eigentlich ganz nett ist. Fortan stellen sie sich als Trio Gespenstern, die ihr Unwesen treiben, und müssen unter anderem ein Eisgespenst und ein Feuergespenst besiegen sowie eine Gruselburg betreten…

Cornelia Funke ist eine der gefragtesten Kinderbuchautorinnen der heutigen Zeit. Die vierteilige Reihe Gespensterjäger stammt zwar aus einer Zeit, in der der Hype um die Dorstenerin noch nicht so ausgeweitet war, ist aber nicht minder lesenswert –beziehungsweise in der Hörspielumsetzung vom NDR hörenswert. Jumbo hat nun nach den Einzelfolgen eine Komplettbox mit allen vier Teilen auf den Markt gebracht. Die vier Geschichten sind allesamt spannend umgesetzt und verursachen gerade bei den zuhörenden Kindern den einen oder anderen Gänsehautschauer. Hinzu kommt die wissenschaftlich anmutende Erfassung der verschiedenen Gespensterarten – immer wieder werden fingierte Texte vorgetragen, die über die verschiedenen Arten informieren, auch die witzigen Abkürzungen wie MUG für „mittelmäßig unheimliches Gespenst“ tragen dazu bei. Aber den größten Charme zieht die Serie aus ihren drei Hauptfiguren: Tom, der sehr mutig und neugierig ist, die kratzbürstige und durchsetzungsfähige Hedwig Kümmelsaft sowie Gespenst Hugo, der ziemlich tollpatschig ist und immer wieder mit seiner niedlichen Sprache für Lacher sorgen kann. Die Erzählerin ist dabei auch in das Geschehen eingebaut und läuft nicht einfach so nebenbei, sondern wird als Toms äußerst neugierige Nachbarin dargestellt, die das Geisterjägertrio immer wieder heimlich beobachtet. Die Gefahr durch Gespenster nimmt während der vier Folgen immer weiter zu, immer wieder steigert sich die Macht, die von ihnen ausgeht. Dahingegen wirken die Maßnahmen, um sie zu vernichten, manchmal schon eher witzig, während des großen Höhepunkts jeder Folge, in der die letzte Konfrontation mit dem Geist dargestellt wird, ist aber immer eine gewisse Dramatik zu spüren. Eine sehr unterhaltsame Serie, die nicht nur Kinder gut unterhalten dürfte.

Die Sprecher machen ihre Sache sehr gut, gerade die drei Hauptsprecher können zu dritt sehr stark wirken. Katja Brügger ist als Hedwig Kümmelsaft beispielsweise sehr überzeugend mit ihrer resoluten Art und dem stets leicht grantigen Unterton, schafft es aber dennoch, sie sympathisch wirken zu lassen. Leon Alexander Rathje macht seine Sache als Tom zwar insgesamt gekonnt und kann den mutigen Jungen charmant darstellen, könnte aber manchmal auch spontaner wirken. Wunderbar ist Ernst H. Hilbig als Gespenst Hugo, sein stetig nörgelnder Tonfall und der Hang zum Slapstick schaffen eine sehr gelungene, außergewöhnliche Figur. Weitere Sprecher in den vier Teilen sind Gisela Trowe, Monique Schwitter, Susanne Schrader und Konstantin Graudus.

Die Produktion ist zwar insgesamt rund und gelungen, der ganz große Wurf ist dabei eben nicht gelungen, dafür hätten einige Dinge eleganter gelöst werden können. Die Musik von Bernd Keul passt sich insgesamt gut an den Handlungsverlauf an, die Melodien sind aber eher unauffällig. Die Geräusche sind gut eingefügt und verleihen mehr Dynamik, insbesondere die teilweise verzerrten Stimmen der Geister hinterlassen einen prägenden Eindruck.

Für das Cover wurde eine etwas modernere Optik gewählt als für die Einzeltitel, die der Neuauflage des Buches entnommen wurde. Darauf ist das Gespensterjägertrio in bunten Farben und sehr ansehnlichem Zeichenstil zu sehen. Die Einzelhüllen, die in dem Pappschuber stecken, sind dann aber wieder in der ursprünglichen, etwas schlichteren Optik. Sehr gelungen sind aber die beiliegenden Booklets, die viele zusätzliche Informationen enthalten, beispielsweise Auszüge aus den Lexikoneinträgen, die im Buch erwähnt werden.

Fazit: Vier spannende und sehr unterhaltsame Geschichten, die durch das wunderbare Gespensterjägertrio Leben eingehaucht bekommen. Sehr empfehlenswert!

VÖ: 24.Januar 2013
Label: Jumbo
Bestellnummer: 978-3-8337-3070-2


Der Hobbit – Das Hörspiel



Erster Eindruck: BBilbo Beutlins Reise

Bilbo Beutlin ein Hobbit wie jeder andere auch und lebt ein friedliches und behäbiges Leben im Auenland. Doch eines Tages fällt eine Horde Zwerge in sein Heim ein und auch der mächtige Zauberer Gandalf erscheint. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, um eine verlorene Stadt der Zwerge zurückzuerobern – und diese wird von einem Drachen bewacht, der seinen Goldschatz behütet…

Nicht erst seit den bombastischen Verfilmungen ist „Der Herr der Ringe“ in aller Munde, auch schon vorher hat der epische Fantasy-Roman seine Kreise gezogen. Eng mit diesem Zyklus ist auch „Der Hobbit“ verbunden, der die Vorgeschichte erzählt. Neben des wichtigen Teils, in dem Bilbo Beutlin den Einen Ring erhält, werden noch viele weitere, abenteuerliche Episoden erzählt. Bereits im Jahr 1980 ist beim WDR ein Hörspiel entstanden, das beim Hörverlag auch heute noch erhältlich ist. Die Geschichte hat schon einen ganz anderen Ausdruck als die bekannte Trilogie, ist an vielen Stellen heiterer und lockerer, berichtet im späteren Verlauf aber auch von Macht und gefährlichen Abenteuern, Schlachten, Kriegen. Dies alles wird auch hier aufgegriffen, sodass die Entwicklung der Handlung besonders interessant ist - man kann mit Bilbo mitfiebern, der aus seiner heilen Welt herausgerissen wird und die weite, ihm unbekannte Welt entdeckt, mit ihren Schrecken, aber auch den schönen Momenten. Immer weiter baut sich die Spannung auf und schlägt einen Bogen durch das gesamte Hörspiel, stellt besonders gelungene Szenen in den Mittelpunkt und wartet mit einem bombastischen Ende auf. Eine sehr spannende Produktion, die die ersten Geschichten aus Mittelerde sehr unterhaltsam und kurzweilig wiedergibt.

Auffällig ist, dass einige Sprecher mit mehreren Rollen besetzt wurden. Zwar verleihen sie den Charakteren jeweils etwas Einzigartiges, auffällig ist es dem geübten Hörspielhörer aber dennoch. Martin Benrath ist der Erzähler der Geschichte. Viele lange Passagen werden von ihm gesprochen, seine Stimme begleitet den Hörer durch die vier CDs. Er spricht dabei intensiv und lässt der jeweiligen Szene die richtige Stimme zuteilwerden. Horst Bollmann spricht die Hauptfigur Bilbo und kann mit seinem lebendigen Spiel überzeugen, kann die Entwicklung des Hobbits nachvollziehbar gestalten. Bernhardt Minetti ist als Gandalf zu hören, auch er liefert eine tadellose Leistung ab, auch wenn seine Stimme für meinen Geschmack für den machtvollen Zauberer etwas zu hoch klingt. Wunderbar gefallen hat mir Jürgen von Manger, der als Gollum eine sehr dankbare Rolle ergattert hat. Die interessante und außergewöhnliche Figur spricht er mit Leidenschaft und einer großen Portion Exzentrik. Weitere Sprecher sind Herbert Grünbaum, Heinz Schacht und Wolfgang Spier.

Dass das Hörspiel vor über 20 Jahren entstanden ist, kann man ihm auch anhören. Die klassische Umsetzung des Stoffes sorgt dafür, dass die Stimmung Mittelerdes sehr gut zur Geltung kommt. Dafür sorgen unter anderem eindringliche und vielstimmige Chöre, die die Lieder des Buches sehr gut umsetzen. Geräusche, wie wir sie heutzutage gewohnt sind, kommen kaum vor, dafür wird hier vieles mit einem Orchester untermalt, und dazu gehören eben auch Naturphänomene wie ein Gewitter oder Vogelgesang.

Der Drache, der den Schatz in der Zwergenstadt bewacht, ist auch auf dem Cover zu sehen, er schlängelt sich mit seinem langen Hals, dem Schwanz und den Flügeln durch Berge von Gold, alles ist in leuchtenden Orange- und Rottönen gehalten, die zusammen mit dem dunklen Hintergrund einen hübschen Kontrast bilden. Highlight der Aufmachung ist aber das dicke Booklet, viele Fotos von Mitwirkenden, Informationstexte und Schaubilder geben viel vom Hintergrund des Hörspiels preis.

Fazit: Die Vorgeschichte zum Herrn der Ringe wird hier mit klassischen Mitteln und fähigen Sprechern umgesetzt, erscheint eindringlich, intensiv aber eben manchmal auch heiter, locker und lustig. Die vier CDs vergehen wie im Fluge.

VÖ: 1. Februar 2002
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-89584-918-3


Georg Büchner – Die Hörspiel-Edition



Erster Eindruck: Umsetzung aller seiner Werke

Inmitten der Wirren der französischen Revolution begehrt eine kleine Gruppe gegen die Jakobiner auf, angeführt von Danton, der für eine friedliche Lösung und ein Ende der Gewaltherrschaft kämpft. Doch Robespierre schießt zurück und will Danton vernichten… (Dantons Tod)
Der junge Schriftsteller Jakob Lenz findet Zuflucht bei einem Pfarrer in einem kleinen Dorf. Doch auch dadurch lässt sich seine psychische Krankheit nicht zurückdrängen, und als im Nachbardorf ein Junge stirbt, verliert ein langsam seinen Glauben… (Lenz)
Prinz Leonce vom Königreich Popo ist alles andere als begeistert von seinen Pflichten als Staatsmann, und auch von der Idee, mit Prinzessin Lena von Pipi verheiratet zu werden, sagt ihm nicht gerade zu. Er flüchtet aus dem wohlbehüteten Leben und lernt eine Frau kennen, in die er sich verliebt… (Leonce und Lena)
Als einfacher Soldat ist Woyzeck nicht gerade mit Reichtum gesegnet, und auch die Demütigungen seines Hauptmannes prägen sein Leben. Als seine Frau Marie Avancen eines reichen Widersachers bekommt, geht er einen radikalen Weg und stellt sich einem wissenschaftlichen Experiment… (Woyzeck)

Gerade einmal 23 Jahre alt ist Georg Büchner geworden, und trotzdem gilt er als einer der bedeutendsten Literaten seiner Zeit. Gerade einmal vier Dramen und Erzählungen sind von ihm bekannt, davon sind nicht einmal alle vollständig. Alle diese Werke sind nicht nur in unzähligen Theaterfassungen und Filmen, sondern auch allesamt in Hörspielen umgesetzt worden. Diese wurden vom Hörverlag nun in einer Box veröffentlicht, nachdem viele jahrelang nicht erhältlich waren. Im Gegensatz zu vielen anderen bedeutenden Schriftstellers des vorletzten Jahrhunderts sind seine Werke recht leicht zugänglich, die Sprache ist klar und verständlich. Sehr intensiv ist seine Charakterbeschreibung, wovon seine Werke leben. Während bei „Dantons Tod“ reale Personen im Mittelpunkt stehen und dort auch intensiv auf die Zeit der französischen Revolution eingegangen wird, sind auch hier schon zahlreiche markante Figuren zu finden. „Lenz“ hingegen widmet sich der psychischen Störung des jungen Mannes, lässt sie nachvollziehbar werden, eindringlich wird hier seine Gefühlslage geschildert. „Leonce und Lena“ ist das mit Abstand humorvollste seine Stücke und persifliert den Adel der damaligen Zeit, stellt aber auch eine ungewöhnliche Liebesgeschichte vor. Und schließlich „Woyzeck“, das trotz seiner Unvollständigkeit als sein bedeutendstes Werk gilt. Die hier geübte Gesellschaftskritik, dass sich einfache Leute nur mit großen Opfern aus ihrer Misere befreien können, die Welt viel zu materiell ist, kommt hier gut zur Geltung und findet seine Begründung erneut in dem nachhaltig beschriebenen Hauptcharakter. Vier wirklich hörenswerte Werke von Georg Büchner, die sein Schaffen respektvoll umsetzen und gut zugänglich machen.

Die Sprecher sind hervorragend und gleichen von ihrem Ausdruck eher Schauspielern und nehmen ihre Rollen sehr ernst. Dieter Mann spricht mit sehr markanter, ausdrucksstarker Stimme den Robespierre und kann die historische Persönlichkeit so sehr glaubwürdig, sehr greifbar erscheinen lassen. In der Hauptrolle des Lenz ist Günther Dockerill zu hören, der die innere Zerrissenheit, die Selbstzweifel und auch den aufkommenden Irrsinn hervorragend intoniert. Martha Marbo spricht in „Leonce und Lena“ die Prinzessin Lena von Pipi und bekommt den Spagat zwischen ernsthaften Schauspiel in dem häufigen komischen Ausdruck des Stückes sehr gut hin, beides hält sich hier die Balance. Als Woyzeck kann Ekkehard Schall begeistern, seine gekonnte und eindringliche Sprechweise kann die sich steigernde Dramatik bis hin zum blutigen Höhepunkt noch steigern. Weitere Sprecher in den vier Hörspielen sind Ursula Braun, Gerd Martienzen, Hans Paetsch und Günter Zschäckel.

Die Hörspiele stammen aus den 50er Jahren – mit Ausnahme von „Dantons Tod“, das im Jahr 1980 produziert wurde. So klingen sie für heutige Ohren etwas befremdlich und unmodern, die heutigen Aufnahmemethoden lassen sich kaum mit damaligen Umständen vergleichen. Trotzdem sind die Hörspiel gut umgesetzt worden, haben ihren Fokus klar auf den Dialogen und den Handlungen gelegt, sind sehr gradlinig. Die eingesetzte Musik dient eher der leichten Untermalung denn der Effekthascherei, und auch Geräusche sind eher spärlich eingesetzt.

Ein tiefes weinrot wurde als dominante Farbe für die Pappbox gewählt, als Kontrast dazu ist die Schrift in Weiß und Gelb gehalten, während das Konterfei des Autoren in einem noch dunkleren Farbton im dezent im Hintergrund abgesetzt wurde. Ein ähnliches Schema haben auch die vier Plastikhüllen, auf deren Klappentext jeweils noch einige einleitende Worte zu dem Stück zu lesen sind. Die Booklet enthalten zudem noch die wichtigsten Informationen zur Produktion sowie zu einigen Sprechern. Eine ausführliche Einleitung von Marcel Reich-Ranitzki und eine Kurzbiographie des Autors runden das positive Gesamtbild ab.

Fazit: Vier Hörspiele, die schon ein paar Jahre alt sind, aber aufgrund der interessanten Geschichten und dem recht leichten Zugang sehr hörenswert sind. Die literarischen Umsetzungen von Büchners Werken sind eindringlich und mit Fokus auf den Charakteren.

VÖ: 9.April 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-991-1


Wenn die Gondeln Trauer tragen



Erster Eindruck: Alptraum in Venedig

John und Laura Baxter kommen mit dem plötzlichen Tod ihrer Tochter nicht zurecht, die beim Spielen ertrunken ist. Gemeinsam wollen sie ihre Sorgen bei einem Urlaub in Venedig vergessen. Sie treffen auf die beiden älteren Damen Betsy und Rose. Eine der beiden Schwestern hat das zweite Gesicht und warnt die junge Familie vor einem schrecklichen Unglück, und so nehmen die mysteriösen Vorkommnisse ihren Lauf…

„Wenn die Gondeln Trauer tragen“ ist insbesondere in seiner Verfilmung bekannt, doch auch der RBB hat die Geschichte von Daphne du Maurier als Hörspiel umgesetzt, eine CD-Version ist beim Audio Verlag erhältlich. Von Anfang an wird hier auf eine düstere, intensive Atmosphäre gesetzt, die sich bis zum Ende durchzieht. Die schrecklichen Geräusche von dem tragischen Unfall wird hier als Paukenschlag an den Anfang gesetzt, die Phase der Trauer der Eltern wird hier aber nicht behandelt, sondern gleich die versuchte Flucht vor den Ereignissen erzählt. Mit dem Auftauchen von Betsy und Rose – das glücklicherweise nicht allzu lang auf sich warten lässt – geht die Handlung richtig los, die Spannung steigert sich dabei immer wieder, die Ereignisse verstricken sich zu einem dichten Netz. Allerdings hat man den Eindruck, dass die Handlung ein wenig aus dem Ruder läuft, insbesondere gegen Ende wirkt alles etwas konfus, die Zusammenhänge wollen sich nicht so recht erschließen. Allerdings ist auch dann die Stimmung derart bedrückend, eindringlich und unheimlich, dass sich das Anhören des 50-Minüters von vorn bis hinten lohnt, die knappe Laufzeit lässt keine Langeweile aufkommen und kann trotzdem die einzelnen Elemente sehr gut entfalten. Vom spannenden Anfang bis zum packenden Finale wird hier eine unglaublich dichte Geschichte präsentiert, die zudem sehr gekonnt umgesetzt wurde.

Die Sprecher sind eine Ohrenweide und können ihre Charaktere sehr lebendig wirken lassen. Stefan Kurt spricht John Baxter mit eindringlicher Stimme und kann insbesondere den sich stetig steigernden Schrecken des vom Schicksal gebeutelten Mannes umsetzen. Sascha Icks steht ihm als Laura Baxter in nichts nach, auch die passt sich gekonnt der düsteren Atmosphäre der Handlung an. Wunderbar auch das Zusammenspiel von Christine Oesterlein und Carmen-Maja Antoni als Betsy und Rose, die das alte Geschwisterpaar mit einer sehr mysteriösen Aura umgeben, ihre deutlich gealterten Stimmen passen gut zu den Charakteren. Weitere Sprecher sind Matthias Scherwenikas, Elfriede Irrall und Friedhelm Ptok.

Die Musik ist eigens für diese Produktion komponiert worden, tragende Klaviermelodien sind hier prägend und schaffen im Zusammenspiel mit den hervorragenden Sprechern diese einzigartige, intensive Stimmung, die sich dynamisch an das Geschehen anpasst. Geräusche sind gar nicht mal so viele eingefügt, diese sind dafür umso besser ausgewählt und verfehlen so ihre Wirkung nicht.

Ein junges Mädchen, das in einem roten, leuchtenden Mantel auf einer für Venedig typischen Brücke steht, als einziger Farbklecks in der Umgebung in schwarz-weiß, die bedrückend und dunkel wirkt. Der Gesichtsausdruck ist verängstigt und zur Seite gerichtet – das Titelbild ist sehr aussagekräftig und fasst die Atmosphäre der Produktion bestens zusammen. Sehr gelungen und ansehnlich gestaltet.

Fazit: Das Hörspiel sticht durch seine intensive düstere Stimmung und die unheimliche Handlung aus der Masse heraus, die sich immer weiter steigernde Handlung sollte man sich nicht entgehen lassen.

VÖ: 1.Februar 2013
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1259-7


Der Zauberer von Oz



Erster Eindruck: Klassische Geschichte ebenso klassisch umgesetzt

Als ein Wirbelsturm das Land Kansas heimsucht, wird die kleine Thea in ein wundersames Land namens Oz geweht – und landet mit ihrem Haus direkt auf der bösen Hexe des Ostens. Zwar sind ihr deren Bewohner sehr dankbar, doch zurück nach Hause können sie Thea auch nicht schicken. Deswegen macht sie sich auf zum großen Zauberer von Oz und begegnet schnell drei treuen Gefährten, die sie begleiten…

„Der Zauberer von Oz“ hat auch heute nichts von seiner Faszination verloren, zu der bekannten Geschichte von L.F. Baum gibt es unzählige Umsetzungen, ein großer Hollywood-Blockbuster steht kurz vor der Veröffentlichung. Grund genug, auch mal wieder die alten Hörspiel auszugraben, und so gibt es nun eine Umsetzung von Bayern 2 aus dem Jahr 1977 im Programm des Audio Verlags. Anfangs fällt insbesondere auf, dass die Namen eingedeutscht wurden, aus Dorothy wurde beispielsweise Thea, aus Henry wurde Onkel Heinrich. Erzählt wird aus der Sicht von Hund Toto, der seine Meinung jedoch ziemlich zurücknimmt und dann eben doch eher wie ein neutraler Erzähler agiert. Die einzelnen Charaktere sind sehr liebevoll dargestellt, natürlich insbesondere die drei Begleiter von Dorothy, die Vogelscheuch Aresto, der Blechmann Herkules und der ängstliche Löwe Leo. Die Geschichte ist fantasievoll umgesetzt und kann den ebenso abenteuerlichen wie märchenhaften Charakter der Vorlage bestens aufgreifen. Gegen Ende folgt natürlich die spannende Auseinandersetzung mit der legendären bösen Hexe des Westens, die hier sehr machtvoll und beängstigend, aber dennoch kindgerecht dargestellt wird. Die Umsetzung fühlt sich in der heutigen Zeit etwas gedämpft an, lässt Spannungsmomente eher ungenutzt und wirkt manchmal etwas seicht. Die Geschichte ist natürlich zu recht ein Klassiker und auch in dieser Produktion hörenswert, doch ein wenig mehr Pepp hätte ihr durchaus gut getan.

Die Sprecher sind sehr gut ausgewählt und können ihre Rollen insgesamt gut ausfüllen. Als Thea ist Kathrin Simon zu hören, die eine eher sanfte Stimme hat und diese gut einsetzt, in einigen Szenen aber auch forscher klingt und somit einen lebendigen Eindruck hinterlässt. Mogens von Gadow spricht den Blechmann Herkules, auch er kann mit seiner markanten Stimme seine Szenen gut ausstatten und vorantreiben. Die absolut wunderbare Rosemarie Fendel spricht die böse Hexe des Westens, ihre raue und eindringliche Stimme passt wunderbar zu diesem starken Charakter. Weitere Sprecher sind Hans-Jürgen Diedrich, Hans Quest und Romuald Pekny.

Typisch für ein Radiohörspiel – gerade für die damalige Zeit – ist hier nicht viel Musik zu hören, und auch an Geräuschen wird hier eher gespart. Und gerade hier hätte man aus der Produktion noch mehr herausholen können, die einzelnen Szenen intensiver und dynamischer wirken lassen können. So bekommt die Geschichte einen harmonischen und gefälligen Ausdruck, die aber nicht wirklich mitreißen kann.

Das Cover zeigt eine niedliche Zeichnung von Dorothy, der Vogelscheuche, dem Blechmann und Toto inmitten des Mohnblumenfeldes, das eine wichtige Rolle in der Geschichte einnimmt. Doch wie das Hörspiel selbst wirkt die Zeichnung ein wenig eindimensional, passt aber vielleicht gerade deswegen umso besser. Die restliche Gestaltung ist wie immer hübsch und klar aufgeteilt.

Fazit: Die Geschichte wird hier sehr nah am Original, aber ein wenig zu seicht und ohne große Spannungsmomente umgesetzt. Ein wenig mehr Pepp wäre wünschenswert gewesen.

VÖ: 1.März 2013
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-240-5


Kaminski ON AIR - Der Ring des Nibelungen



Erster Eindruck: Das Stimmwunder entfaltet sich völlig

Das mysteriöse Rheingold, bewacht von den Nixen, fasziniert seit jeher die Menschheit. Alberich, einer der Nibelungen, wird ebenfalls darauf aufmerksam und versucht erst mit süßen Worten, dann mit Gewalt an den sagenhaften Schatz zu kommen. Und bald verstricken sich immer mehr Gestalten, Götter, Zwerge und Riesen, in ein riesiges Intrigenspiel…

Crowdfounding heißt momentan das Zauberwort in vielen Bereichen der Popkultur, um engagierte Projekte zu finanzieren, vor denen Verlage ansonsten eher zurückschrecken würden. Und auch im Medium Hörspiel hat es nun ein solchen Erfolg gegeben, gestartet von niemand geringerem als Stefan Kaminski, der nun eines der bekanntesten Werke von Richard Wagner vertont hat: Der Ring des Nibelungen – und das als Ein-Mann-Hörspiel! Begleitet von einigen Musikern spricht, singt und rappt er alleine sämtliche Rollen, zeigt seine unendliche Vielseitigkeit und schafft es, die Oper in einem moderneren Stil zu präsentieren. Die Geschichte strotzt nur so vor magischen Elementen, zahlreiche Sagenfiguren tauchen auf und verleihen dem Opus um Gier, Intrige und Macht eine sehr inspirierende Note. Doch hier wird alles andere als leichte Hörspielkost geboten, es dauert ein bisschen, bis man sich an die etwas geschwollen wirkende Sprache belohnt hat, und auch dann erfordert es noch einiges an Konzentration, um den Verwicklungen zu folgen. Belohnt wird man dann allerdings mit einem wahren Hörerlebnis, das es so sicherlich kein zweites Mal gibt. Die stimmliche Vielfalt, die schlichte, aber sehr wirkungsvolle Inszenierung, die faszinierende Geschichte voller wuchtiger Bilder und eindringlichen Bildern, all das vermischt sich zu etwas ganz Eigenem, Außergewöhnlichem, dem nur eine ganz deutliche Empfehlung ausgesprochen werden kann.

Stimmakrobat Stefan Kaminski ist Dreh- und Angelpunkt des Hörspiels, seine Genialität begründet den großen Reiz dieser Produktion. Er flüstert, schreit, gurrt, spricht, singt und rappt sich durch die Handlung, ist immer präsent und lässt in seiner Intensität zu keinem Zeitpunkt nach. Unglaublich, wie viele verschiedene Stimmen er treffsicher intonieren kann, ohne weder als Frau noch als Gott noch als Zwerg auch nur ansatzweise lächerlich zu wirken. Vielmehr ist der Hörer gebannt von seiner Vielseitigkeit, von seinem exzessiven Spiel, von seinem Ausdruck und von seinem hörbaren Spaß an diesem Wunschprojekt. Und durch und durch fantastische Leistung!

Und auch die akustische Untermalung ist alles andere als gewöhnliche Kost. Alle Instrumente, alle Geräusche wurden live zusammen aufgenommen, was dem Hörer ein Gefühl von Unmittelbarkeit vermittelt. Hier ist eben nicht alles glatt poliert, sondern hat seine Ecken und Kanten, und gerade diese machen alles so interessant. Die klassischen Instrumente wie Harfe und Tuba passen sich dem Spiel Kaminskis an, sind ungewöhnlich und faszinierend, die wenigen, aber umso treffsicherer platzierten Geräusche tun ihr übriges zum Gelingen der Produktion.

Auf dem Cover ist natürlich Stefan Kaminski zu sehen, der bei einer Aufnahmesession völlig aus sich heraus geht, umgeben von Mikrofonen. Der schlichte Kasten mit Titel und anderen Angaben lenkt nicht zu sehr von diesem kraftvollen Bild ab. Die einzelnen CDs sind in der Box in den üblichen Jewel Cases untergebracht, die jeweils noch ein eigenes Booklet mit Zitaten, zahlreichen Bildern und den üblichen Produktionsinformationen enthalten.

Fazit: Kraftvoll, leidenschaftlich und voller Leben intoniert Stefan Kaminski in genialer Weise dieses Opus, das manchmal ein wenig sperrig klingt, aber gerade dadurch viel Reiz gewinnt.

VÖ: 21.März 2013
Label: Goya Lit
Bestellnummer: 978-3-8337-3130-3


Der kleine Wassermann – Frühling im Mühlenweiher



Erster Eindruck: Neues von der berühmten Kinderfigur

Langsam erwärmt die milde Frühlingssonne das Wasser des Mühlenweihers, und das ist genau die Zeit, zu der die Wassermänner aus ihrem tiefen Winterschlaf erwachen. Der kleine Wassermann ist schon ganz aufgedreht und kann es kaum erwarten, seine Freunde wiederzusehen. Und tatsächlich begegnet er bald der mürrischen Muschel, dem alten Cyprinus und den vier frechen Fröschen – doch diese haben beschlossen, den Hund des Müllers zu ärgern…

Über 50 Jahre ist es her, dass Otfried Preußlers mittlerweile zum Klassiker avancierte Werk „Der kleine Wassermann“ seinen großen Siegeszug antrat, insbesondere die Hörspielumsetzungen gehören für viele zu ihrer Kindheit untrennbar dazu. Doch nun gibt es Neues vom Wassermann und seinen Freunden, der Autor hat zusammen mit seiner Tochter neue Geschichten erdacht, die von Karussell umgesetzt werden – „Frühling im Mühlenweiher“ ist nun erschienen. Es ist ein sehr stimmungsvolles Hörspiel geworden, wieder geprägt von der unbändigen Lebens- und Entdeckerfreude der Hauptfigur. Etwas verloren geht der charmant verschrobene Blick auf die Menschenwelt – dazu ist die Handlung mit gerade einmal 40 Minuten Laufzeit vielleicht auch zu kurz – dafür gibt es in der faszinierenden Unterwasserwelt so einiges zu entdecken. Eher situationsgeprägt denn auf einen roten Faden durch die Handlung aus, macht diese Geschichte insbesondere wegen ihres Witzes den kleineren Zuhörern Spaß. Am Ende folgt dann noch eine sehr spannende und lebendig erzählte Szene vor, in denen die – sehr witzigen – frechen Frösche vor dem Hund gerettet werden müssen, ein temporeicher Abschluss ist hier gefunden worden. Ein sehr liebevolles Hörspiel mit vielen guten Ideen und eindrücklichen Stimmungen, wenn auch nicht ganz so ausgefeilt wie das Original.

Die Besetzung der Rollen ist äußerst gut geglückt, durch die Sprecher gewinnt die Umsetzung noch einmal viel Stimmungsvolles hinzu. Im Mittelpunkt steht natürlich der kleine Wassermann, gesprochen von Gustav Stolze. Seine kindliche, manchmal schon etwas naive Freude und sein unbändiger Tatendrang übertragen sich durch sein gelungenes Spiel sehr gut auf den Hörer. Friedhelm Ptok fungiert als Cyprinus nicht nur als sprechender Charakter, sondern auch als Erzähler des Hörspiels. Beide Rollen kann er mit seiner sonoren, sehr angenehmen Stimme eindrucksvoll ausfüllen. Viel Freude bereitet der wunderbare Stefan Kaminski, der gleich alle vier Frösche spricht und jedem einem so individuellen Klang verleiht, dass man meint, vier völlig verschiedene Sprecher zu hören. Mit Witz und viel Charme trägt er sehr zum Gelingen bei. Andreas Wrosch, Tania Freitag und Susanne Häusler machen ebenfalls einen sehr guten Eindruck.

Auch von der akustischen Umsetzung der kleinen Geschichte gibt es nur Positives zu berichten. Nach dem fröhlichen Titelsong, der auch am Ende noch einmal aus den Lautsprechern schallt, sind zahlreiche kleine Melodien zu hören, die dem ganzen einen angenehmen Rahmen verleihen und eine gute Untermalung der Szenen und der Übergänge bilden. Die Geräusche sind sehr treffend eingebaut und verleihen den verschiedenen Situationen jeweils ein eigenes Gesicht.

Eine typische Zeichnung des kleinen Wassermanns ist auf dem Titelbild zu sehen. Hier wandelt er auf dem Grund des Mühlenweihers umher, die Muschel, einige Kaulquappen und die lustigen Frösche sind ebenso zu sehen wie einige Wasserpflanzen. Eine sehr hübsche Ansicht, aus der die Titelfigur mit seinen kräftigen Farben heraussticht. Das Innere enthält neben den üblichen Angaben auch eine ausführliche Trackliste.

Fazit: Eine sehr charmante Geschichte um die bekannte Figur, die besonders durch ihre stimmungsvolle Erzählweise und das spannende Ende hervorzustechen weiß.

VÖ: 15.März 2013
Label: Karussell
Bestellnummer: 0602537295302


Warum ist Schnodder grün?



Erster Eindruck: Frage- und Antwortspiel

Die Welt ist voller unglaublicher Phänomene, viele Fragen tun sich auf. Wie hörte sich beispielsweise der Urknall an? Haben Spinnen eigentlich Ohren? Wird es bald Laserwaffen für Polizisten geben? Und warum ist Schnodder eigentlich grün? Diese und viele andere Fragen werden hier beantwortet…

Kinder haben unzählige Fragen, und nicht alle davon lassen sich locker aus dem Stehgreif beantworten. Ein wenig Abhilfe schafft da das Hörspiel „Warum ist Schnodder grün“, eine Produktion des Oetinger Audio Verlags, das viele Fragen wissenschaftlich, aber doch voller Humor und Witz beantwortet. Das ganze geschieht in Dialogform zwischen einem Kind und einem Erwachsenen. Während das Kind anfangs eine Frage stellt, beantwortet der Erwachsene diese, woraus sich häufig neue Fragen ergeben, das führt sich immer weiter fort. Dabei werden aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse kindgerecht erklärt und mit Beispielen und Vergleichen verständlich gemacht. Die Sprache ist sehr locker und witzig, sodass Kinder bei der Stange gehalten werden. Gut gefällt auch, dass hier Themengebiete abgegrenzt werden und nicht einfach wahllos drauflos gefragt wird. So geht es zuerst ums Weltall, dann um unseren Planeten, die Tierwelt, die Zukunft und schlussendlich um den menschlichen Körper. Eine gelungene und kurzweilige Produktion, die viel Wissen vermittelt und sogar komplexe Fragen kindgerecht beantworten kann.

Das Sprecherduo besteht aus Leon Seibel und Simon Jäger, die sich gut ergänzen. Der junge Leon kann das neugierige Kind mit seinen kurzen Fragen und Einwürfen sehr sympathisch erscheinen lassen. Den größeren Teil übernimmt aber Simon Jäger, dessen warme Stimme auch hier für eine angenehme Grundstimmung sorgt. Sein Sprechtempo ist dabei eher gemäßigt, mit kleinen Akzenten hält er jedoch die Dynamik aufrecht. Eine sehr gute Leistung, bei der auch der Wortwitz bestens zur Geltung kommt.

Hier liegen viele kleine Melodien und Geräusche vor, die den Dialog und die Erklärungen auflockern. Besonders zum Einstieg beim Weltraumthema gibt es passende Musik, die an ruhige Science Fiction-Produktionen erinnert und die passende Atmosphäre schafft. Die Geräusche sind vielfältig, passend eingebaut und geben dem Hörspiel manchmal einen leicht chaotischen Ausdruck, der sehr gut zu den vorgestellten Themen passt.

In einem zackigen, unregelmäßig geformten Stern steht der Titel des Hörspiels und steht eindeutig im Mittelpunkt, während die vorherrschende Farbe natürlich grün ist. Kleine Zeichnungen, die Themen aus dem Dialog aufgreifen, lockern die Optik auf und ziehen sich auch durch die restliche Gestaltung. Im Inneren gibt es Fotos und kurze Informationen vom Autor und den Sprechern.

Fazit: Eine gute Stunde komprimiertes Wissen, spannend und lustig aufbereitet, kinderecht und doch komplex genug erklärt und sehr gut vorgetragen – eine herrliche Produktion!

VÖ: März 2013
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0684-2


Prometheus – Griechische Sagen



Erster Eindruck: Von Göttern und Titanen

Jahrhundertelang beherrschten die Titanen die Welt mit eiserner Hand, doch ihre Kinder, die griechischen Götter, haben sich unter Zeus versammelt und begehren gegen das alte Geschlecht auf. Nach einem langen Kampf schwingen sie sich zu den Herrschern des Olymps und über die Welt auf und verbannen die Titanen unter Kronos in den Tartarus…

Die griechische Götterwelt hat auch heute nichts von ihrer Faszination verloren, und spätestens seit der Fantasy-Reihe um Percy Jackson auch wieder angesagt. Wie die Ursprünge der Götter und Titanen war und wie schließlich die Menschen erschaffen wurden, darum dreht sich dieses Hörspiel aus dem Jahr 2001. In über sechs Stunden werden hier Jahrhunderte erzählt, von denen die Titelgebende Figur Prometheus nur einen sehr geringen Teil einnimmt. Hier wird vielmehr der ganze Titanenkrieg bis zur Erschaffung der Menschen erzählt, und das ist sehr abwechslungsreich und bietet viele unterschiedliche Stimmungen. Mir gefällt besonders die Macht, die von den Figuren ausgeht, sie werden erhaben und leicht dekadent dargestellt und entfalten somit einen ganz eigenen Reiz. Hinzu kommt, dass die Geschichte viel Lehrreiches bietet und auch noch Gefühle und Werte in die heutige Zeit transportieren lässt. Die Handlung ist also sehr positiv zu bewerten, doch in Sachen Produktion ist hier nicht alles glatt gelaufen, sodass ein eher gemischter Eindruck entsteht.

Während Rosemarie Fendel als Erzählerin wirklich brillant ist und ihre Texte mit einer eindringlichen Intensität vorträgt, mit Leidenschaft und Gefühl bei der Sache ist, immer wieder gelungene Spannungsmomente erzeugt, fallen die restlichen Sprecher leider deutlich ab. Christian Berkel beispielsweise kann als Zeus seine Passagen sehr unstet intonieren, ist mal recht passabel und wirkt an anderen Stellen hölzern und abgehackt. Joanne Glösel, die als Aphrodite immerhin die Göttin der Liebe und der Schönheit repräsentiert, kann mit ihrer seltsam emotionslosen und aufgesetzten Stimme ebenfalls nicht punkten. Weitere Sprecher sind unter anderem Regine Lamster, Hilmar Eichhorn und Susann Thiede.

Einige Geräusche sind hier zwar eingefügt, doch nicht immer wirken diese stimmig und passend, stören vielmehr manchmal den Hörfluss und sind teilweise zu modern für diese klassischen Sagen. Viel störender ist jedoch die Abmischung des Hörspiels, mal sind die Sprecher ganz leise und kaum verständlich, mal schreien zu, sodass es laut aus den Boxen schallt. Ein wenig mehr Gedanken an den Hörer, der nicht immer den Lautstärkeregler bedienen möchte, wäre hier angebracht gewesen.

Die Aufmachung geht für ein Radiohörspiel völlig in Ordnung. Die drei CD-Hüllen befinden sich in einem Pappschuber, der insbesondere in einem dunklen Rot gehalten ist und am unteren Rand einen kleinen Bildausschnitt eines ausbrechenden Vulkans trägt. In den beiliegenden Booklets sind zahlreiche zusätzliche Informationen zu finden, sowohl über die Mitwirkenden als auch über die Götterwelt, sogar ein Stammbaum ist hier zu finden. Sehr löblich!

Fazit: Die Geschichte wirklich hörenswert und gut erzählt, Rosemarie Fendel die hier als Erzählerin mitwirkte brilliert hier einmal mehr in einem Hörspiel. Einge andere Sprecherleistungen und die Abmischung, die manchmal merkwürdig ist da die Lautstärken sehr stark schwanken, schmälern den Hörgenuss etwas.

VÖ: 12.September 2002
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-89584-739-4


Der große Kinderhörspielschatz



Erster Eindruck: Vier Kinderhörspiele mit unterschiedlichen Stimmungen

In einem ganz normalen Bienenvolk erblickt eines Tages eine ungewöhnliche Biene das Licht des Tages: Maja hat eine eigene Meinung und einen unbändigen Freiheitsdrang. Nicht nur ihre Erzieherin Cassandra verzweifelt beinahe daran… („Die Biene Maja“)
Als Alice eines Tages ein eiliges weißes Kaninchen beobachtet, verfolgt es das Tier und findet sich unversehens im Wunderland wieder und begegnet so allerlei merkwürdigen Kreaturen… („Alice im Wunderland“)
Robinson Crusoe erleidet Schiffbruch und strandet allein auf einer verlassenen Insel. Bei seinem täglichen Überlebenskampf steht im bald der eingeborene Freitag zur Seite… („Robinson Crusoe“)
Anthea, Robert und Cyril begegnen in ihrem Urlaub einem stets übellaunigen Geschöpf, dem Sandelfen. Schnell merken die drei, dass das Wesen Wünsche erfüllen kann… („Der Sandelf“)

Der Audio Verlag veröffentlicht regelmäßig in seiner Reihe mit dem weißen Rücken wunderbare Kinderhörspiele, die oft von Radiostationen produziert wurden und so auch im Handel zugänglich sind. Vier davon sind nun in der Box „Der Kinderhörspielschatz“ vereint und zu einem deutlich günstigeren Preis erhältlich als einzeln. Dazu gehören drei bekannte Klassiker, von denen jedes Kind zumindest schon einmal gehört haben dürfte, sowie das eher unbekannte „Der Sandelf“. Die Umsetzung aus dem Jahr 2009 verleiht dem 1902 veröffentlichten Werk eine sehr moderne Note und rückt die wunderbare Figur der mauligen Sandelfen in den Mittelpunkt. In mehreren getrennten Kapiteln werden hier neue Ideen und Einfälle verarbeitet, was beim Wünschen alles schief gehen kann, und das ist sehr unterhaltsam und launig umgesetzt worden.
„Die Biene Maja“ besinnt sich auf den Ursprung der Geschichte und nicht auf die berühmte Zeichentrickserie, sodass insbesondere Majas Begegnungen mit den verschiedenen Tieren erzählt werden. Von jedem kann man etwas lernen, alles scheint geprägt von Majas Sinn für Individualismus und Eigenständigkeit. Das ist ebenso kurzweilig wie unterhaltsam dargestellt und bereitet viel Freude.
„Alice im Wunderland“ ist eine Produktion des Südwestfunkes aus dem Jahr 1958 und klingt dementsprechend ein wenig angestaubt für heutige Ohren, kann die witzige und skurrile Geschichte aber gut wiedergeben. Die verschiedenen unglaublichen Wesen werden ins rechte Licht gerückt, sodass ein phantasievoller Eindruck der Handlung entsteht.
„Robinson Crusoe“ ist das mit Abstand ernsteste Hörspiel dieser Box, viel zum Lachen gibt es schon aufgrund des Themas nicht. Vielmehr ist es spannend zu hören, wie der Gestrandete auf seiner Insel überlebt – und natürlich auch, wie er wieder gerettet wird. Die reduzierte, aber treffende Umsetzung erzählt die Geschichte kurzweilig und spannend.
Eine sehr abwechslungsreiche Box mit ganz unterschiedlichen Geschichten, die vielerlei Stimmungen vermitteln und auch unterschiedliche Produktionsweisen. Nicht nur für Kinder interessant.

Boris Aljinovic gelingt als Sandelf eine herausragende Leistung. Es macht einfach nur Spaß, dem ebenso putzigen wie mürrischen Wesen zuzuhören, er krächzt und mault sich durch die Handlung. Als Maja ist Simone von Zglinicki zu hören, die eine gute Mischung aus Charme und Eigensinn erzeugt und ihre Figur so für Kinder reizvoll und nachvollziehbar macht. Karen Wellmann spricht die Hauptrolle der Alice, kann aber ihre vielfältige Stimmung nicht ganz genau abbilden und bleibt manchmal einfach zu blass. Tonio Arango hingegen schafft es, als Robinson die Hörer auf seine Seite zu ziehen und macht die Gefühle des Mannes begreifbar. Weitere Sprecher sind Anna Huthmann, Kathrin Wehlisch, Hans Söhnker und Gerd Grasse.

Zwar stammen die Hörspiele aus völlig unterschiedlichen Jahren und von verschiedenen Produktionsteams, dennoch lässt sich eine halbwegs einheitliche Linie in der Umsetzung erkennen. Allesamt sind eher sparsam instrumentalisiert und setzen den Fokus eher auf die Dialoge, einige Geräusche lassen die Geschichten lebendiger und greifbarer wirken.

In einer stabilen und ansehnlichen Box sind die vier CDs untergebracht: Sie ist ein wenig wie eine Schatztruhe gestaltet und hat oben ein kleines Schloss und die typischen Beschläge abgebildet, als Motive sind eine Truhe nebst zahlreichen Geldmünzen und Papagei zu sehen, der Schriftzug ist kindgerecht bunt. Die CDs befinden sich in einfachen Papphüllen, weitere Informationen sind hier nicht zu finden.

Fazit: Eine ganz abwechslungsreiche Box für Kinder und Erwachsene, die mit vielen unterschiedlichen und meist gut produzierten Hörspielen punkten kann.

VÖ: 1.März 2013
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-276-4


Klassische Erzählungen für Kinder



Erster Eindruck: Bekannte Erzählungen, bekannte Stimmen…

Die Schildbürger sind nicht gerade die Klügsten, deswegen passiert ihnen so allerlei Missgeschick. Sie bauen Rathäuser ohne Fenster und versuchen dann, das Sonnenlicht einzufangen oder bauen Salz auf ihren Äckern an… („Die Schildbürger“)
Ganz im Gegensatz dazu hat sich Till Eulenspiegel selbst dazu auserkoren, alle anderen zum Narren zu halten und treibt mit seinen Mitmenschen so allerlei Schabernack. Ob Studenten oder Pfarrer, Metzger oder Landgrafen, einzelne Personen oder ganze Städte, niemand ist vor ihm sicher… („Till Eulenspiegel“)
Baron Münchhausen erzählt so allerlei Skurriles und Unglaubwürdiges aus seinem Leben, egal ob der berühmte Ritt auf einer Kanonenkugel oder das Klettern bis zum Mond… („Baron Münchhausen“)
Meister Gepetto schafft eine hübsche Holzpuppe, wünscht sich aber nichts sehnlicher, als dass es ein richtiger Junge sei. Tatsächlich haucht ihm eine gute Fee Leben ein, doch bis er zu einem richtigen Jungen wird, muss er noch einiges lernen… („Pinocchio“)
Max und Moritz sind zwei echte Lausbuben und spielen den Bewohnern des Dorfes immer wieder Streiche – allen voran der Witwe Bolte und dem Schneider Böck. Doch nach sieben Streichen ist Schluss mit ihrem Schabernack… („Max und Moritz“)

Kindergeschichten gibt es reichlich, doch die älteren unter ihnen haben es oft schwer, die mit dem aktuellen Zeitgeist erdachten Figuren zu überdauern. Doch es gibt sie, die Geschichten, die sich zu Recht Klassiker nennen dürfen. Fünf von ihnen hat der Hörverlag nun in einer hübschen Box vereint und bringt sie so Kindern näher, ist aber natürlich auch für Erwachsene gedacht, die in nostalgischen Erinnerungen schwelgen wollen. Vielleicht sind sich gerade die drei erstgenannten Erzählungen zu ähnlich, ansonsten wurde aber eine gelungene Auswahl getroffen mit Geschichten, die nun wirklich jeder kennen sollte.
„Die Schildbürger“ ist mit seinen äußerst dummen Bewohnern und vielen witzigen, episodenartigen Teilen kurzweilig gehalten. Die einzelnen Ideen kommen dabei nicht zu kurz, haben genau die richtige Länge, um dann anderen Einfällen Platz zu machen. Das Schöne ist, dass auch Kinder die absurden Einfälle als solche erkennen und herzlich mitlachen können.
„Till Eulenspiegel“ hingegen kehrt den Spieß um und lässt den bekannten Narren allerlei Leute hereinlegen. Dabei hält er der Gesellschaft den Spiegel vor und bietet hinter all dem Lachen und der Narretei noch einige Ansätze zum Nachdenken – auch wenn Kinder diese nicht ganz erfassen können. Auch hier werden kurze Einzelteile geboten, die keinen roten Faden haben, sodass man an fast beliebiger Stelle stoppen und wieder einsetzen kann.
„Baron Münchhausen“ ist noch skurriler als die beiden Vorgänger und präsentiert fast ausschließlich absurde Ideen. Das ist nicht jedermanns Sache, auch ein tieferer Sinn will sich nicht erschließen. Auch hier wird zusammenhanglos erzählt.
Pinocchio hingegen zeichnet den lehrreichen Weg der kleinen Holzpuppe auf dem Weg zum richtigen Jungen nach, dabei muss er vieles lernen, z.B. zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Das wird für den Hörer sehr lebendig nachgezeichnet, recht schonungslos wird hier auf alles eingegangen, auch die etwas düsteren Seiten des Romans nicht ausgespart.
Am Schluss der Box steht „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch, und auch die beiden Erzählungen „Hans Huckebein“ und „Die fromme Helene“ haben noch Platz auf der CD gefunden. Die Streiche sind witzig und haben viel von jenem nostalgischen Charme, sollten aber von Erwachsenen begleitetet werden, da Kinder sonst nicht alles richtig aufnehmen können, besonders das nicht zu vergessende brutale Ende.
Eine sehr gute Mischung für Kinder, die neben reichlich zu Lachen auch noch Ansätze zum Nachdenken bietet und diese klassischen Erzählungen auch heutigen Kindern zugänglich macht.

Vier verschiedene Sprecher lesen die Geschichten, Peer Augustinski ist sogar bei gleich zweien zu hören: Die Schildbürger und Max und Moritz. Mit seiner markanten und einprägsamen Stimme kann er genügend Aufmerksamkeit erregen, mit Lebendigkeit und Witz in der Stimme sorgt er für Kurzweiligkeit. Jens Wawrczeck und sein frischer, unkonventioneller Klang lassen die Abenteuer von Till Eulenspiegel auferstehen. Er kann mit viel Fröhlichkeit punkten, lässt aber auch die Sozialkritik darin durchscheinen. Jürgen Thormann spricht die Geschichten von Baron Münchhausen, seine intensive und leicht kratzige Stimme passt sehr gut dazu. Karl-Michael Vogler beweist bei Pinocchio, wie viele Rollen er nur durch leichte Stimmvariationen darstellen kann, er überzeugt hier auf voller Linie.

Sehr hübsch ist die Box, die die einzelnen CD-Hüllen fasst: Sie ist deutlich höher als gewohnt und bildet mit seinem gezeichneten Burg-Motiv einen echten Blickfang. Aus den einzelnen Fenstern schauen die Protagonisten der Erzählungen, nur Münchhausen reitet auf seiner Kanonenkugel über das Bauwerk. Die einzelnen CDs halten Informationen zu Sprechern und Autoren bereit, sogar eine ausführliche Trackliste ist hier zu finden.

Fazit: Viel Witziges und Skurriles lässt sich in dieser Box wiederfinden, sie sind wirklich gut gelesen und versprechen über neun Stunden Kurzweil.

VÖ: 19.November 2012
Label: Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-899-0


Der Zauberer von Oz



Erster Eindruck: Dorothy mal ohne Hund…

Ein Wirbelsturm erfasst das Haus von der kleinen Dorothy und trägt sie weit weg in das Land Oz, wo Magie und sprechende Tiere noch existieren. Sie landet direkt auf der bösen Ost-Hexe und befreit damit das Volk von ihrer Tyrannei. Doch um zurück nach Hause kehren zu können, muss sie den großen Zauberer von Oz aufsuchen. Auf dem Weg dorthin begegnet sie merkwürdigen Gestalten, die jedoch schnell zu ihren Freunden werden…

„Der Zauberer von Oz“ scheint unsterblich zu sein. Immer wieder erscheinen neue Umsetzungen des Stoffes, der in Amerika ebenso bekannt ist wie hierzulande die Märchen der Gebrüder Grimm. Und im Zuge einer neuen, aufwändigen Hollywood-Produktion bringt der Hörverlag das 1994 entstandene Radio-Hörspiel wieder als Doppel-CD auf den Markt. Die Geschichte ist hier recht reduziert, sogar Dorothy treuester Begleiter, der Hund Toto, fiel der Schneideschere zum Opfer und findet hier nicht einmal Erwähnung. Und auch der Erzählfluss wirkt hier nicht so ausgeklügelt wie die Vorlage, vieles fällt unter den Teppich, sodass die Geschichte einen eher gebremsten Eindruck auf mich macht. Gut gefällt mir aber der Erzählstil: Der Zauberer von Oz selbst fugiert hier ebenfalls als Erzähler und begleitet die Reisegruppe mit seinen Kommentaren, wird dabei aber auch immer wieder von Dorothy unterbrochen, die dabei in direkten Dialog mit ihm tritt und verschiedene Einwürfe bringt – das sorgt für einen umfassenderen Blick und stellt das kleine Mädchen aus Kansas weiter in den Mittelpunkt. Auch der Kampf gegen die böse Hexe des Westens wird hier gut und dynamisch geschildert, diese faszinierende Figur ist auch hier sehr mächtig dargestellt. Eine insgesamt gelungene Umsetzung des bekannten Stoffes, die jedoch an einigen Stellen zu gebremst wirkt.

Dorothy wird hier von Christiane Leichtmann gesprochen, deren Stimme stets einen gewitzten und fröhlichen Unterton hat und die Stimmung des Hörspiels auch in den düsteren Szenen gut anheben kann. Der Zauberer von Oz und gleichzeitig ja auch Erzähler ist Heinz Schubert, er macht einen guten Eindruck und kann in beiden Rollen punkten. Wunderbar ist Tilly Lauenstein als West-Hexe, die mit ihrer knarzigen Stimme für eindrucksvolle Momente sorgen kann und wunderbar zickig und bösartig klingt. Dorothys Begleiter werden von Veit Schubert, Hans Peter Korff und Martin Seifert gesprochen.

Bei der Produktion wurde hörbar Wert darauf gelegt, dass die Dialoge im Mittelpunkt stehen und somit die Geschichte vorangetrieben wird, Musik und Geräusche sind eher sparsam eingesetzt. Dafür ist dies recht gezielt geschehen, sodass kleine Melodien die Handlung auflockern und Geräusche an den passenden Stellen die Handlung zugänglicher und lebendiger wirken lassen.

Auf dem Cover ist natürlich Dorothy mit ihren drei Begleitern, dem Strohmann, dem blechernen Holzfäller und den ängstlichen Löwen, zu sehen. Sie marschieren auf der gelben Steinstraße, im Hintergrund ist auf einem Hügel die Smaragdstadt zu sehen. Ein ansehnliches Cover, das mit seinen düsteren Hintergrundfarben ein bisschen geheimnisvoll wirkt. Im Booklet sind Kurzbiographien zu einigen Sprechern und Autor L.F. Baum zu finden.

Fazit: Die Geschichte wurde hier leider stark gekürzt und wirkt gebremst, insgesamt aber eine hörbare Umsetzung des Klassikers, die mit ihrer besonderen Erzählweise einen großen Pluspunkt hat.

VÖ: 11.Februar 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-951-5


Nimmerklug im Knirpsenland



Erster Eindruck: Ein Knirps auf großer Reise

Nimmerklug ist faul und ein wenig einfältig, Immerklug dagegen hat viele kluge Einfälle. Trotzdem sind die beiden Knirpse eng miteinander befreundet und erleben allerlei Abenteuer. Und besonders, als sie einen Flug mit dem Heißluftballon starten wollen, passiert so einiges. Denn unversehens landet Nimmerklug im Land der Knirpselinen, mit denen er vorher so gar nichts anfangen konnte…

Nimmerklug im Knirpsenland ist ein Klassiker aus der ehemaligen DDR, sowohl als Buch als auch als Hörspielumsetzung. Lange war die Produktion nicht erhältlich, doch der Audio Verlag hat sie nun in der Reihe mit dem weißen Rücken für Kinder aufgenommen. Das Hörspiel stammt aus dem Jahr 1966, klingt für heutige Zeiten also recht altmodisch, entwickelt aber gerade dadurch seinen ganz eigenen Charme. Stilmittel wie kleine, eingebaute Lieder und Wortspielereien verstärken diesen Eindruck und sind durchaus interessant zu hören. Die Geschichte ist recht launig erzählt, wirkt aber zu lang, insbesondere da der eigentliche Hauptteil – die Reise mit dem Heißluftballon und der folgende Aufenthalt bei den Knirpselinen – recht spät startet und im Vorfeld nichts Entscheidendes passiert. Immerhin 76 Minuten Laufzeit werden hier angeboten, was gerade für ein Kinderhörspiel recht viel ist. Einmal in Gang gekommen ist die Geschichte aber wirklich unterhaltsam und herzlich, viele Klischees und Verstrickungen sorgen für einen abwechslungsreichen und spaßigen Verlauf. Die sehr konträr dargestellten Charaktere bieten weiteres Unterhaltungspotenzial. Eine niedliche Geschichte, deren Vorlauf aber etwas lang geraten ist.

Es ist durchaus nicht unüblich, dass Frauen in Rollen von Jungen zu hören sind, und auch in der Rolle des Knirpses Nimmerklug ist eine eigentlich weibliche Stimme zu hören. Gina Presgott ist frech und vorlaut, ein bisschen rotzig und trifft ihre Rolle somit sehr genau. Als Knirpseline Blauäuglein, die sich schnell mit Nimmerklug anfreundet, ist Barbara Witte dabei, deren sanfte und helle Stimme eine angenehme Atmosphäre zu schaffen weiß. Peter Groeger, der auch in neueren Hörspielen noch zu hören ist, spricht hier Immerklug und kann auch hier mit überzeugender Stimme punkten. Weitere Sprecher sind unter anderem Marianna Klussmann, Wolfgang Ostberg und Paula Gründert.

Wie für damalige Zeiten üblich ist während der Dialoge nicht viel Musik zu hören, und auch an Geräuschen wird hier gespart, die Stimmen stehen im Vordergrund. Das erzeugt eine ganz eigene Stimmung, was viel von dem nostalgischen Charme ausmacht. Die kleinen, eingebauten Melodien und Gesänge können mit Witz und Lässigkeit punkten, sorgen immer wieder für eine aufgelockerte Stimmung.

Das Buchcover wurde natürlich auch hier übernommen, eine sehr schlichte und plakative Zeichnung eines kleinen Knirpses ist hier zu sehen, inmitten von Blattwerk und kleinen Naturmotiven. Der Hintergrund ist ein einfaches Gelb. Hübsch ist, dass der Titel inmitten eines Blattes zu sehen ist und trotzdem in die strenge Aufteilung der Serie passt.

Fazit: Eine niedliche Geschichte, die anfangs zwar nicht recht in Fahrt kommen mag, dann aber mit Vorurteilen und Klischees zu spielen weiß und gut unterhalten kann.

VÖ: 1.März 2013
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-282-5


Prinzessin Sara (Frances H. Burnett)



Erster Eindruck: Von der Schülerin zur Magd

Lange lebte Sara bei ihrem gut situierten Vater in Indien, doch nun besucht sie das Internat in London. Das Eingewöhnen fällt ihr anfangs schwer, da ihr Reichtum einige Neider mit sich bringt. Doch schon bald findet sie in Irmingard eine Freundin. Doch eines Tages erhält sie unvermittelt die Nachricht, dass ihr Vater gestorben ist – und sie völlig mittellos dasteht. Von nun an muss sie im Internat niedere Arbeiten verrichten und lebt von den anderen Mädchen völlig abgeschieden…

So einigen dürfte der Name Frances H. Burnett nichts sagen, doch seine bekannteste Geschichte kennt so ziemlich jeder: Der kleine Lord, der nicht nur zur Weihnachtszeit zum Klassiker geworden ist. Beim Audioverlag ist nun eine weitere Geschichte des Autors erschienen, die vom Deutschlandradio Kultur als Hörspiel umgesetzt wurde: Lady Sara. Vom Gefühl her ähneln sich die beiden Erzählungen ebenso wie die gutherzigen Kinder im Mittelpunkt, doch der Ansatz ist ein ganz anderer: Hier erfährt ein reiches und verwöhntes, aber auch wenig anspruchsvolles und starkes Mädchen wie es ist, plötzlich alles zu verlieren, was einem Komfort und Wohlwollen garantiert. Dass sie die starke Veränderung so stoisch hinnimmt und sich trotz schwerer Arbeit und einem Leben in Armut nicht beklagt, ist vielleicht etwas überzogen, aber eben die Aussage des ganzen Stückes. Der Verlauf ist kurzweilig, da die einzelnen Passagen nicht allzu lang andauern, die heimlichen Besuche eines Nachbarjungen und auch die Zuwendungen von Irmingard bringen zusätzliche Abwechslung. Dass das Ende versöhnlich ist, versteht sich da fast schon von selbst. Schade ist nur, dass die Charaktere extrem flach gehalten sind, inklusive Sara, und nur einem eng vorgeschriebenen Schema folgen, keinerlei Abweichung davon erlauben und so zu eindimensional wirken. Ansonsten eine hübsche, kleine Geschichte mit dem typischen Flair des Autors, der die längst vergangene Zeit wiederauferstehen lässt.

Anne Marlene Meister hat als Sara die Hauptrolle ergattert und spricht diese gekonnt und mit eingängiger Betonung, sie kann in den verschiedenen Situationen glaubwürdig wirken und vollbringt eine konstant gute Leistung. Erzähler Ingo Hülsmann hat ebenfalls recht viele und auch lange Einsätze, die er mit freundlicher und betonter Stimme vorträgt, sodass seine Texte kurzweilig wirken. Als Hausmädchen Becky ist Anna Böttcher, die mir mit ihrem freundlichem Klang und den ausgeprägten Emotionen sehr gut gefallen hat. Weitere Sprecher sind Antonia Brunner, Alagia Rogacev und Verena von Behr.

Musik wird hier kaum verwendet, nur selten verirre sich wie am Anfang kleine, hübsche Melodien in die Handlung, die ein wenig verträumt wirken. Und auch der Einsatz von Geräuschen ist hier sehr minimiert, sodass die Betonung ganz auf den Dialogen liegt – was ja ziemlich typisch für ein Radiohörspiel ist. Ein wenig mehr Abwechslung ab und an hätte der Geschichte jedoch noch mehr Schwung verliehen.

Auf dem Cover ist Sara zu sehen, die bei der Ankunft am Internat aus ihrer Kutsche steigt. Ihre vornehme Haltung und die Kleidung passen gut zu der Vorstellung, die man sich von Sara macht, ebenso wie der viktorianische Zeichenstil gut zu der Vorstellung der damaligen Zeit passt. Die strenge Gliederung des Audio Verlags mit den drei Streifen findet auch hier Anwendung - sogar die CD hat die gleiche Aufteilung.

Fazit: Vielleicht etwas zu plakativ, aber im Grunde eine hübsche und unterhaltsame kleine Geschichte, die ohne große Spannungsbögen auskommt.

VÖ: 1.März 2013
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-254-2


Sturmhöhe



Erster Eindruck: Literarische Vertonung

Als Findelkind wird Heathcliff von der gutsituierten Familie Earnshaw im kleinen Dorf Gimmerton aufgenommen. Er erweist sich als hochintelligent, aber auch eigenwillig und von einer gewissen Düsternis umgeben. Er verliebt sich in seine Adoptivschwester Catherine, doch diese verlässt ihn wegen eines reichen, aber langweiligen Mannes. Heathcliff verlässt das Dorf, um Jahre später mit einem Rachefeldzug zurückzukehren…

Für gewöhnlich erscheinen die meisten Romane als Hörbuch, und manche von ihnen werden neben diesem auch als Hörspiel umgesetzt. Dazu gehört nun auch „Sturmhöhe, dem einzigen Roman von Emily Bronte, der in Coproduktion von NDR und SWR2 vertont wurde. Die Geschichte ist wie ein heftiges Gewitter und zieht von Anfang an mit tiefen Emotionen und dem verqueren Charakter von Heathcliff im Mittelpunkt über den Hörer hinweg. Der Anfang stellt das junge Waisenkind vor, der sich schon als Kind als ungewöhnlich und sperrig erweist. Auch seine ganz besondere Beziehung zu Catherine, die fast schon an Verehrung grenzt, umreißt einen spannenden Charakter, dessen weitere Entwicklung abzuwarten ist. Und diese kommt dann mit einer emotionalen Wucht, dass man sich völlig in Heathcliffs Intrigenspiel verlieren kann. Er wütet wie ein Berserker durch Gimmerton, niemand ist sich vor seiner kalten Wut und seinen durchdachten Plänen. Natürlich kommt auch danach noch eine Wendung, die alles in einem anderen Licht erscheinen lässt und weitere Entwicklungen der Charaktere bewirkt. Eine sehr faszinierende Geschichte, von der ich froh bin, sie durch diese Veröffentlichung kennen zu lernen.

Alexander Fehling spricht hier den Heathcliff und legt eine unglaublich vielschichtige Gefühlswelt an den Tag, klingt sperrig und kann die außergewöhnliche Rolle mit Bravour darstellen. Franziska Wulfs klare Stimme passt hingegen bestens zur Rolle der Catherine, nur an einigen Stellen hätte sie mehr Soannung durch gewisse Ecken und Kanten zeigen können. Den größten Part als Erzählerin Nelly übernimmt Bibiana Beglau, die den Hörer gut die Zeitsprünge und weiteren Entwicklungen deutlich machen kann, dabei aber immer in ihrer Rolle bleibt. Weitere Sprecher sind Sebastian Blomberg, Jule Böwe und Volker Bruch.

Die akustische Gestaltung ist hier typisch für ein Radiohörspiel, eher zurückhaltend und bedächtig, aber durchaus treffend gestaltet und voller Emotionen. Die Musik besteht vorrangig aus einem einsame Klavier und einer Frauenstimme, beides ergänzt sich prächtig und schafft eine für ein Hörspiel sehr ungewöhnliche, aber umso treffendere Atmosphäre. Die Geräusche sind gut eingefügt, aber eher rar gesät.

Sehr gelungen ist die Aufmachung des Ganzen, die einen edlen und hochwertigen Eindruck vermittelt. Das Cover zeigt einen knorrigen alten, blattlosen Baum, dazu sanft im Hintergrund verschwommen ein menschlicher Kopf, alles gehalten in sanften Erdtönen. Diese Idee setzt sich auch im Inneren fort, sogar die CDs sind sehr hübsch und ansprechend gestaltet. Informationen zu zahlreichen Mitwirkenden sowie ein unterhaltsames Interview runden das Ganze ab.

Fazit: Ein intensives Werk voller tiefer Gefühle und einem sehr interessanten Charakter im Mittelpunkt, der mit seiner duster-faszinierenden Art für Gefühlsausbrüche sorgt.

VÖ: 14.Januar 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-931-7


Wir Kinder aus Bullerbü



Erster Eindruck: Nichts neues, aber neu produziertes aus Bullerbü

Das kleine schwedische Dörfchen Bullerbü besteht gerade einmal aus 3 Höfen, und auf ihnen wohnen Lisa, Bosse, Lasse, Inga, Britta und Ole. Die Geschwisterpaare sind dicke Freunde und erleben in ihrem Alltag immer wieder spannende, lustige oder nachdenkliche kleine Abenteuer, besonders auf dem langen Schulweg kommen ihnen immer wieder neue Ideen…

Wer kennt sie nicht, die Kinder aus Bullerbü, die von Astrid Lindgren erschaffene Bande aus schwedischen Kindern, die dem idealisierten Bild von Schweden den Namen „Bullerbü-Syndrom“ verliehen haben. Nach zahlreichen Umsetzungen als Film, aber auch in diversen Hörversionen, hat Oetinger Audio jetzt ein neues, moderner wirkendes Hörspiel geschaffen, das die neuen Vorteile und Möglichkeiten des Mediums zu nutzen weiß und so seine Daseinsberechtigung neben anderen Produktionen hat. So wirkt die Atmosphäre hier wesentlich dichter und stimmungsvoller, die Geschichten wirken moderner. Denn obwohl nicht von den Gedanken der schwedischen Autorin abgewichen wurde, könnten die Erlebnisse auch in die heutige Zeit passen. Zudem wurde eine gewisse Ruhe in die manchmal etwas chaotisch wirkenden Episoden gebracht, die sich nun besser aneinander reihen und eine stärkere Einheit bilden. Zwischen dreieinhalb und zehn Minuten sind die kleinen Geschichten nun lang, und alles wirkt in sich stimmig und passend. Fast ein bisschen schade ist es, wenn nach 50 Minuten das Hörspiel schon vorbei ist, längst nicht alle Geschichtchen wurden hier erzählt – aber so darf man sich auf eine eventuelle Fortsetzung freuen.

Junge Sprecher wurden für die sechs Hauptrollen ausgewählt, die im Alter zwischen 10 und 15 Jahren sind. Allesamt wirken ihre Stimmen dementsprechend jung und unverbraucht. Gleichzeitig als Rolle wie auch als Erzählerin in der Ich-Form zu hören ist Carla Sachse als Lisa, die sehr charmant spricht und besonders ihre Beziehung zu den anderen Kindern prächtig darstellen kann. Ein Lob gebührt eindeutig auch Florentine Stein als Inga, die gelöst und spontan wirkt und so einen lebendigen Eindruck hinterlässt. Leon Seibel spricht den Bosse, die Abenteuerlust, aber auch die Herzenswärme des Jungen dem Hörer vermitteln kann. Selina Böttcher, Lucas Ascacibar und Franz von Otting sind ebenso positiv zu erwähnen.

Wie oben bereits erwähnt ist die Atmosphäre hier sehr dicht und stimmig, fasst die Geschichte in einen engen Rahmen und verleiht ihr etwas sehr Natürliches und Lebendiges. Das wird vor allem durch die vielen eingesetzten Geräusche erreicht, die an typische Szenen aus dem Landleben denken lassen, aber auch durch den geschickten Einsatz von Musik, die nie ganz zu verschwinden scheint und den Hörer durch das Hörspiel begleitet.

Das typische Design des Verlages findet auch hier wieder Anwendung, was vorrangig bedeutet, dass die CD in einem ansehnlichen Digipack ausgeliefert wurde, das sich zudem gleich zweimal ausklappen lässt. Im Inneren findet man zu jedem der jungen Sprecher ein kleines Foto in Schwarz-Weiß und eine kleine Beschreibung, während das Titelbild eine lustige Szene zeigt, die ihn niedlichem Zeichenstil die Kinder aus Bullerbü zeigt.

Fazit: Eine gelungene Neuinterpretation des bekannten Stoffes, bei dem neben den engagierten Sprechern besonders die dichte Atmosphäre positiv auffällt.

VÖ: Februar 2013
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0589-0


Astrid Lindgren – Die schönsten Abenteuer



Erster Eindruck: Drei Geschichten der Heldin aller Kinderzimmer

Karl Löwe, ein zehnjähriger Junge, ist schwerkrank und wird von seinem Bruder Jonathan durch fantastische Geschichten über das Land Nagijala getröstet. Kurz darauf stirbt Jonathan bei einem Hausbrand, und kurze Zeit folgt ihm auch Karl. Zusammen leben sie nun in eben diesem Land und erleben zahlreiche Abenteuer… („Die Brüder Löwenherz“)
Ronja ist die Tochter des Räuberhauptmanns Mattis und lebt ein wildes und freies Leben. Eines Tages lernt sie Birk kennen, dessen Eltern jedoch mit Mattis verfeindet sind. Doch schnell schließen sie Freundschaft… („Ronja Räubertochter“)
Bosse ist ein Waisenjunge und wird von seinen Zieheltern nicht sehr freundlich behandelt. Als er einmal bei einem Gemüsehändler einkauft und von diesem eine Postkarte und einen ganz besonderen Apfel erhält, beginnt ein spannendes Abenteuer. Denn kurz darauf trifft er auf einen Flaschengeist… („Mio, mein Mio“)

Astrid Lindgren gilt als eine der bekanntesten und erfolgreichsten Kinderbuchautorinnen überhaupt, seit Jahrzehnten begeistern ihre Geschichten Generationen von Heranwachsenden. Doch neben ihren berühmtesten Figuren Michel und Pippi Langstrumpf sind noch zahlreiche andere Erzählungen entstanden, die nicht diesen ganz großen Bekanntheitsgrad erreicht haben, aber eben so unterhaltsam und wertvoll sind. Drei davon hat Oetinger Audio nun in einer Hörspielbox vereint, die Produktionen sind bereits bekannt, sodass ein angenehm günstiger Preis angeboten werden kann.
Den Anfang macht „Die Brüder Löwenherz“, das insbesondere durch seinen ganz speziellen Umgang mit dem Thema Tod überzeugt. Dieses wird behutsam, aber deutlich umgesetzt und verliert so für Kinder an Schrecken. Und die nachfolgende Geschichte ist sehr fantasievoll und abenteuerlich, ihr wohnt aber auch immer eine gewisse Melancholie inne, was eine ganz eigene und dichte Atmosphäre mit sich zieht.
Ronja Räubertochter ist von diesen dreien die wohl klassischste Abenteuergeschichten von diesen dreien. Hier zieht einen die wunderbare Figur der Ronja in ihren Bann, wild, freiheitsliebend und stark, aber dann eben auch voller Freundschaft und bereit, eben dafür zu kämpfen. Das Ambiente des Waldes kommt dabei ebenso gut zur Geltung wie die wilde Feindschaft der beinen Räuberclans, die unweigerlich an Romeo und Julia erinnert.
Ganz anders ist da die Wirkung von „Mio, mein Mio“, das bildhaft, fast schon poetisch wirkt und in sich ein kleines Kunstwerk darstellt. Die Umsetzung aus dem Jahr 1995 schafft es, die ganz besondere Stimmung des Werkes zu transportieren und das fremde Land erlebbar zu machen. Auch die märchenhaften Elemente kommen hier sehr gut zur Geltung.
Drei ganz unterschiedliche Geschichten ein und derselben Autorin also, den ganz unterschiedliche Stimmungen innewohnen und die auch ganz verschiedene Werte transportieren, aber immer voller Herz und Wärme scheinen und auch heute noch kleine wie große Zuhörer begeistern. Ich jedenfalls habe die 6 CDs voller Wohlgefühl gehört und konnte mich wieder einmal von Lindgren verzaubern lassen.

Santiago Ziesmer in sehr jungen Jahren ist in „Die Brüder Löwenherz“ als Karl „Krümel“ Löwe zu hören, seine ganz besondere Stimme klingt hier verletzlich und zerbrechlich, doch im Laufe des Hörspiels gewinnt sie immer mehr an Stärke, sodass Ziesmer die Wandlung des Charakter nachvollziehbar an den Hörer heranträgt. Katharina von Bock spricht Ronja Räubertochter mit Inbrunst und der nötigen Energie, kann sich aber ebenso zurücknehmen und den anderen Charakteren ihren Raum geben. Volker Lechtenbrink ist als Mio zu hören und legt sehr viel Verträumtes und Sanftes in seine Stimme, was die Stimmung des Buches noch weiter nach außen kehrt. Weitere Sprecher in den drei Hörspielen sind Andreas Faulstich, Marcus von Bock und Holger Ungerer.

Die Hörspiele entstanden in verschiedenen Jahrzehnten (1975, 84 und 95) und unter unterschiedlichen Produktionsteams, sodass eine einheitliche Linie in den Hörspielen kaum auszumachen sind. Allen gemein ist aber, dass bei allen vermehrt Wert auf die Dialoge gelegt wird und Musik und Geräusche schmückendes Beiwerk sind, aber immer eine angenehme und zur Geschichte passende Atmosphäre erzeugt wird.

Die Aufmachung ist hier sehr schlicht, der dicken Plastikbox liegt ein einfaches Faltblatt bei, dem die wichtigsten Produktionsangaben (inklusive aller Sprecher) sowie ein schöner Informationstext über die Autorin zu entnehmen sind. Und immerhin wurde ein ansehnlicher Pappschuber spendiert, der ein verträumtes Cover mit nachtblauem Himmel und weitläufiger Landschaft zum Motiv hat.

Fazit: Das melancholische Brüder Löwenherz, das abenteuerliche Ronja Räubertochter und das melancholische Mio, mein Mio – drei Geschichten voller Herz und Wärme, schlicht, aber wunderschön umgesetzt. Eine sehr gelungene Box!

VÖ: Februar 2013
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0623-1


Herr der Fliegen



Erster Eindruck: Abgestürzt und Gestrandet

Eine Gruppe englischer Jugendlicher strandet nach einem Flugzeugunglück auf einer verlassenen Insel. Schnell beginnen sie, für ihre Versorgung und Unterkunft zu arbeiten. Doch neben Ralph, der für eine gleichberechtigte Gemeinschaft kämpft, gibt es in der Gruppe auch Jungen, die das Recht des Stärkeren durchsetzen wollen und nicht nur mit der Jagd auf Schweine, sondern auch mit der Unterdrückung anderer Jungen beginnen…

„Herr der Fliegen“ ist den meisten wohl durch die Verfilmung bekannt, die den Roman von William Golding eindrucksvoll umgesetzt hat. Beides, Film und Roman, gehört zu den bekanntesten Werken, die sich mit der Faszination von Macht und Gewalt auseinandersetzen. Doch auch eine Hörspielumsetzung aus dem Jahre 1996 des mdr ist entstanden, der Hörverlag hat diese nun aus den Archiven geholt und als CD veröffentlicht. Bei unter einer Stunde Laufzeit ist die Geschichte natürlich etwas verknappt worden, die wichtigsten Elemente bleiben natürlich erhalten, und auch der Verlauf, die Entstehung der archaischen Strukturen wird genau dargestellt. Die Konzentration auf ein begrenztes Gebiet mit noch nicht vollständig sozialisierten Menschen zeigt in einem Mini-Kosmos, wie sich Golding das Menschenbild vorstellt, wie schnell einige die Macht an sich reißen und vermeintlich Schwächere zu unterdrücken beginnen. Das ist auch in dieser Umsetzung kein leichter Stoff, sondern hat eine bedrückende Wirkung, die im Laufe des Hörspiels immer weiter zunimmt und den Hörer mit in den faszinierenden Strudel aus Unterdrückung und Gewalt zieht. Die intensive Umsetzung tut ihr Übriges, um die Wirkung zu verstärken. Eine hörenswerte Umsetzung des bekanntes Stoffes, die keine leichte Kost für Zwischendurch ist und zum Nachdenken anregt.

Hier wurde vornehmlich mit sehr jungen Sprechern gearbeitet, die unverbraucht klingen und trotzdem viel Emotion in ihre Stimme legen können. Axel Wandtke ist beispielsweise als Ralph zu hören, der Sachlichkeit und Ruhe im Laufe der Zeit passend zur Entwicklung seines Charakters ablegt. Dirk Audehm ist als Piggy zu hören, der ebenfalls eine Schlüsselfigur der Geschichte darstellt und mit einer glaubwürdigen und intensiven Sprechweise in jeder Situation überzeugen kann. Ulrich Wildgruber ist als geheimnisvoller Herr der Fliegen zu hören, der für die Auflösung der Geschichte zuständig ist und für viel zusätzliche Atmosphäre sorgt. Fabian Gerhard, Stephan Großmann und Wilhelm Eilers sind ebenfalls zu hören.

Die Musik stammt von zwei Musikern, die durch die „Prinzen“ bekannt wurden: Wolfgang Lenk und Tobias Künzel. Geschaffen haben sie eine düstere und geheimnisvolle Atmosphäre, die besonders durch Trommelklänge geprägt ist. Die Stimmung auf der Insel wird so sehr genau eingefangen, den Jungen eine Kulisse gegeben. Nur ab und an klingt ein wenig der musikalische Hintergrund des Komponisten durch, was ein wenig aus der tollen Stimmung reißt.

Das Artwork des Hörspiels ist vornehmlich in Schwarz und Gelb gehalten, das Cover zeigt einen stilisierten Jungenkopf mit Kriegsbemalung, was in der Farbkombination bedrohlich und wild wirkt. Das Herzstück des kleinen Booklets wird durch einen informativen und kurzweiligen Text gebildet, der sich mit dem Werk an sich und Autor William Golding beschäftigt.

Fazit: Die Entwicklung von der unterschwelligen Bedrohung bis hin zum offengelegten Machtgefüge ist hier intensiv dargestellt, das Herz des Romans wunderbar eingefangen.

VÖ: Juli 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-562-3


Hermann Hesse – Die großen Romane



Erster Eindruck: Vier Werke in einer Box

Josef Knecht wächst in einem streng reglementierten Orden, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kunst und Wissenschaft miteinander zu verbinden. Durch seine Fähigkeiten nach den Regeln des Ordens zu leben steigt er schnell in der Hierarchie auf und wird selbst zum Glasperlenspielmeister... (Das Glasperlenspiel)
Der zehnjährige Emil Sinclair entdeckt schnell, dass neben seinem von Geborgenheit geprägten Elternhaus noch eine andere, kalte Welt existiert. Voller Neugier begibt er sich dort hinein und wird bald mit Franz Kromer konfrontiert, der ihn zu immer neuen Gaunereien bringt... (Demian)
Zusammen mit seinem Freund Govinda verlässt Siddhartha sein Elternhaus, um Erfüllung und Erleuchtung zu finden. Nach mehreren vergeblichen Versuchen schließt sich Govinda den Lehren Buddhas an. Doch Siddhartha ist weiter auf der Suche und gibt sich schließlich einem Leben voller Ausschweifungen hin... (Siddhartha)
Harry Haller fühlt sich von der Welt des Bürgertums nach dem ersten Weltkrieg ebenso angezogen wie abgestoßen. Erst mit der Prostituierten Hermine entdeckt er die Freunden der fleischlichen Lust. Und schließlich wird ihm in einem magischen Theater seine eigene Seele vor Augen geführt... (Der Steppenwolf)

Nobelpreisträger Hermann Hesse ist einer der bekanntesten und anspruchsvollsten deutschen Autoren. Zum 50 Jahrestag seines Todes hat der Hörverlag in den Archiven der deutschen Radios gesucht und vier Werke ausgewählt, die sich in ihrer Hörversion in einer Box vereinen: Die vollständige Lesung von Siddhartha sowie die Hörspiele zu Demian, Der Steppenwolf und Das Glasperlenspiel. So unterschiedlich die Vorlagen, so unterschiedlich ist auch die Umsetzung. Siddhartha fällt als einzige Lesung etwas aus dem Rahmen, ist aber mit seiner philosophischen Weltanschauung und der indischen Umgebung sehr hörenswert. Siddharthas Suche nach Erfüllung und Erkenntnis gestaltet sich ebenso intensiv wie unterhaltsam und nachdenklich.
Das Glasperlenspiel ist die längste der Umsetzungen und findet Platz auf fünf CDs. Die Geschichte um das komplexe Glasperlenspiel, dessen Regel hier nur am Rande angedeutet werden, das aber eine zentrale Stellung im Roman einnimmt, wird dominiert von dem Leben im Orden und seiner strengen Hierarchie. Nicht so sehr eine fortlaufende Handlung steht hier im Vordergrund, sondern zahlreiche Lebensweisheiten, Erkenntnisse und die Frage, was einen Menschen einzigartig macht.
Demian hingegen ist die kürzeste Umsetzung, unter zwei Stunden, in ihm steckt aber viel Leben. Beschrieben wird die erstmalige Konfrontation mit einer Welt, die schlecht und bösartig ist, die einem Dinge aufzwingt, die man nicht will. Das Ausbrechen aus dem behüteten Elternhaus und das Erwachsenwerden sind hier zentrale Themen und werden geprägt durch Emils Wandlung, in ihm wird man sich oft wiedererkennen.
Der Steppenwolf ist ein recht experimenteller Roman und alles andere als leichte Kost. Schon die komplizierte Figur des Harry Haller mit seiner Sinnkrise und den tief verwurzelten Zweifeln an der Gesellschaft muss sorgsam erfasst werden, die aufkommenden Fragestellungen herausgefiltert und beantwortet werden. Hier muss man sich viel Zeit nehmen, um alles mitnehmen zu können, was Hesse seiner Figur und dem Leser mitgeben will.
Ob dies nun die vier größten Romanen von Hesse sprechen kann, sei einmal dahingestellt. Jedenfalls sind die Umsetzungen gelungen und reizen neue Aspekte aus den Romanen heraus, eignen sich sowohl zum Neuentdecken der Werke als auch zur Vertiefung. Eine empfehlenswerte Box!

Ulrich Matthes ist als Sprecher von Siddhartha ausgewählt worden und erledigt seine Aufgabe ganz wunderbar. Facettenreich und den Geist des Romans aufgreifend erfasst er die Geschichte in ihrer Gesamtheit und kitzelt zahlreiche verschiedene Ansprüche der Vorlage heraus. Valentin Stroh spricht den jungen Emil Sinclair und kann sowohl seine Neugier wie seine spätere Angst und Ernüchterung auf den Punkt bringen.Als Prostituierte Hermine begeistert die hervorragende Anna Tahlbach mit ihrer markanten Stimme und dem intensiven Ausdruck in dieser Rolle. Samuel Weiß ist als jüngerer Josef Knecht zu hören, in seinen Parts kann er seine Figur umfassend darstellen. Weitere Sprecher in den verschiedenen Produktionen sind namhafte Schauspieler wie Witta Pohl, Konstantin Graudus, Manfred Zapatka und Martin Engler.

Die Umsetzungen der Romane sind sehr unterschiedlich. Während die Lesung Siddhartha völlig ohne akustische Untermalung auskommt, ist das Glasperlenspiel fast schon überfrachtet vor verspielten Melodien und verschiedenen Instrumenten. Hier hätte man ein wenig zurückstecken können, während „Der Steppenwolf“ sparsam instrumentalisiert wurde und immer der richtige Ton getroffen wird, um die Geschichte zu begleiten und in ihrer Wirkung zu unterstützen.

Eine recht dünne Pappbox umgibt die einfachen Jewelcases, und auch diese sind nicht sonderlich aufwändig gestaltet. Titelbild ist immer das Portrait Hermann Hesses, in verschiedenen Farben eingefärbt. Die Sprecher und die anderen Mitwirkenden sind auf den Rückseiten aufgeführt. Überzeugen hingegen kann das beiliegende Booklet, das weitreichende Informationen zu den vier Romanen bereithält.

Fazit: Vier ganz unterschiedliche Romane von Hermann Hesse, allesamt voller drängender Fragen und philosophischer Ansichten. Sehr interessant und vielseitig.

VÖ: 9.Juli 2012
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-901-0


Grabeskalt – Klassische Horror- und Schauergeschichten



Erster Eindruck: Dracula, Frankenstein und der Friedhof der Kuscheltiere

Jonathan Harker wird nach Transsylvanien gerufen, um für den wohlhabenden Grafen Dracula Angelegenheiten bei der Suche nach einem passenden Anwesen in London zu klären. Doch er ahnt nicht, in wessen Fänge er sich begeben hat – und bald erstreckt sich Draculas Macht auch nach London aus… (Dracula)
Der junge Universitätsarzt Louis Creed zieht mit seiner Familie in ein kleines, idyllisches Dorf. Doch der Anschein trügt, schnell ereignen sich die ersten, mysteriösen Ereignisse, in die besonders die Kinder der Familie involviert sind. Deren Leben ist bald nicht mehr sicher… (Friedhof der Kuscheltiere)
Victor Frankenstein hat in seinem wissenschaftlichen Wahn selbst ein Wesen erschaffen, das einem Menschen erstaunlich ähnlich ist. Doch als dieses Wesen eine Frau haben will, weigert sich Frankenstein und beschwört damit unheilvolle Ereignisse herauf… (Frankenstein)

Der Hörverlag hat mit „Grabeskalt“ eine Box veröffentlicht, die drei der bekanntesten und beliebtesten Geschichten der Horrorliteratur als Hörspielbearbeitung vereint, sodass Stunden von gruseliger Unterhaltung garantiert sind – denn sowohl die Geschichten als auch deren Umsetzungen sind durchaus gelungen.
Dracula, die Geschichte um den populärsten Vampir aller Zeiten, liegt in der Umsetzung von Sven Stricker bei, die zwar einen eher ruhigen Grundton wählt, dennoch durch die Reduktion der Geschichte auf zwei CDs dynamisch und packend wirkt. Die Bedrohung durch den mächtigen Vampir wird in den Mittelpunkt gestellt und sorgt damit für Gänsehaut. Immer weiter steigert sich die Spannung und entlädt sich in einem packenden Finale. Trotz der drastischen Kürzung wurde die Essenz des Romans erhalten, sodass dieses Hörspiel absolut gelungen ist.
Friedhof der Kuscheltiere ist der jüngste Roman der hier veröffentlichten und stammt vom Kult-Autor Stephen King. Regisseur Thomas Werner hat einen eher ruhigen Start in die Handlung gewählt, der dennoch gleich zu Anfang einen geheimnisvollen Anklang hat. Zuerst bemerkt der Hörer nicht gleich, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird, mit der Zeit überschlagen sich aber die Ereignisse, sodass man wie gefesselt vor den Lautsprechern sitzt. Lediglich der doch sehr hohe Anteil an Erzählpassagen bremst die Erzählung aus und lässt sie manchmal etwas langatmig wirken. Trotzdem können das sich stetige steigernde Grauen und das phänomenale Ende überzeugen.
Frankenstein ist wohl den meisten bekannt, viele kennen die Geschichte auch, obwohl sie sie weder gelesen noch gehört haben – und das liegt daran, dass die meiste Zeit über nicht wirklich viel passiert. Und so ist auch diese Umsetzung etwas zäh geraten und zieht ihren Reiz eher aus der unterschwelligen Spannung und Bedrohung. Die atmosphärische Gestaltung spielt zusätzlich mit diesem Aspekt, dennoch ist diese Erzählung die schwächste dieser Box.
Drei ganz verschiedene Horrer-Geschichten aus verschiedenen Epochen, von verschiedenen Autoren und verschiedenen Teams umgesetzt – trotzdem finden sie in ihrer dichten Atmosphäre und dem sich steigernden Ausdruck eine Gemeinsamkeit, die diese Box durchaus lohnenswert macht.

Der famose Felix von Manteuffel ist hier als Dracula zu hören und lässt die mysteriöse Gestalt sehr mächtig, bedrohlich und furchteinflößend wirken. Durch ihn wird eine ganz besondere Stimmung erzielt, die wunderbar zu der Geschichte passt und eigenständig zu den diversen Verfilmungen agiert. Laszlo Kish spricht in „Friedhof der Kuscheltiere“ die Rolle des Louis, seine ausdrucksstarke Stimme passt er sehr variabel an die verschiedenen Situationen an und präsentiert damit eine sehr große Bandbreite, kann immer den richtigen Ton treffen. Hans Czypionka ist als Frankenstein zu hören, der den Wahn, aber auch das spätere Grauen des Wissenschaftlers präzise auszudrücken weiß. Weitere Sprecher sind Konstantin Graudus, Christin Marquitan und Peter Lieck.

Da die Produktionen von ganz unterschiedlichen Teams produziert wurden, variiert auch die akustische Gestaltung deutlich. So ist der Dracula mit vielen Musikstücken unterlegt, die für eine dichte Stimmung sorgen, während Friedhof der Kuscheltiere eher spartanisch unterlegt wurde und den Fokus auf die Sprecher und einige Geräusche legt. Dennoch können die drei Hörspiele, jedes auf seine Weise, gekonnt auf die Geschichte eingehen.

Ein kühles, abweisendes Gesicht blickt den Betrachter vom Titelbild der Box entgegen, umrahmt von einigen dezenten Ornamenten, eingefärbt in ein kräftiges Grün. Die einzelnen Hörspiele haben in dem Schuber dann jeweils eine eigene Hülle. Das Titelbild ändert sich dabei zwar nicht, im Booklet sind aber alle notwendigen Informationen enthalten, sogar kleine Kurzbiographien zu einzelnen Mitwirkenden sind hier zu finden.

Fazit: Drei klassische Horrorgeschichten, die für mehrere Stunden atmosphärische Hörspielunterhaltung suchen. Eine gute Auswahl, die hier getroffen wurde.

VÖ: 3.September 2012
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-915-7


Gerhart Hauptmann – Die große Hörspiel-Edition



Erster Eindruck: Sechs Dramen des großen Autors in einer Box

Im Zuge der Industrialisierung geht es den vielen Heimarbeitern von Webern zusehends schlechter. Immer niedriger werden die Löhne, zusätzlich wird immer mehr an der gelieferten Leistung kritisiert. Als ein Junge zusammenbricht, versucht Fabrikant Dreißiger die aufgebrachte Menge zu beschwichtigen. Doch der Aufstand der Weber ist mittlerweile im vollen Gange… (Die Weber)
Michael Kramer ist Kunstlehrer und hat es zu einigem Wohlstand gebracht. Doch mit seinem Sohn Alfons ist er alles andere als zufrieden, in seinen Augen ist er ein Versager, der aus seinem Leben nichts anzufangen weiß. Alfons indes ist unglücklich in die Tochter des Gastwirtes verliebt. Als diese sich bei Michael über seinen Sohn beschwert, ist eine Tragödie vorprogrammiert… (Michael Kramer)
Ein Kohlefund hat die Bauernfamilie Krause überraschend reich gemacht, doch die Familienmitglieder verfallen immer mehr dem Alkohol. Sogar ein Enkel des Bauern greift zur Flasche und hat sich an Scherben lebensgefährlich verletzt. Nur Tochter Helene trotz den Gewohnheiten und will mit ihrem Geliebten Alfred ein neues Leben anfangen… (Vor Sonnenuntergang)

Gerhart Hauptmann würde in diesem Jahr 150 Jahre alt – zu diesem Jubiläum widmet der Hörverlag dem Nobelpreisträger eine Hörspiel-Edition mit sechs seiner bedeutendsten Werke. Mögen die Dramen in gelesener Form manchmal etwas sperrig wirken, werden sie in dieser inszenierten Form wesentlich zugänglicher, die Bedeutung erschließt sich dem Hörer wesentlich schneller. Neben den oben genannten Werken finden sich noch „Der Biberpelz“, „Fuhrmann Henschel“ und „Die Ratten“ in der dicken Box. Allesamt sind sie sehr sozialkritisch verfasst und beschäftigen mit damals hochaktuellen Themen, gehen sehr auf die persönlichen Situationen, auf Ängste und Sorgen der handelnden Personen ein. So ist beispielsweise „Michael Kramer“ ein Stück über eine komplizierte Vater-Sohn-Beziehung, in der es um enttäuschte Erwartungen und hohen Leistungsdruck geht. Heitere Passagen sucht man bei Gerhart Hauptmann vergebens, sodass der ernsthafte, anspruchsvolle Charakter unterstrichen wird. Im Zuge des Naturalismus sind keine verklärenden Elemente vorhanden, ein nüchterner Blick auf das Geschehen ist prägend, ungefiltert und realitätsnah wird alles an den Hörer weiter gegeben. Die Umsetzungen sind ebenfalls ohne Schnickschnack und mit Konzentration auf das Geschehen, die Personen, die Geschichten können so für sich selbst wirken. Für Literaturinteressierte Zuhörer wird hier ein sehr guter Einstieg in die Werke von Hauptmann geboten, die seine wichtigsten Dramen gekonnt umzusetzen weiß.

In „Der Biberpelz“ spielt Therese Giese die gewitzte und pfiffige Frau Wolff, die durch sie einen einen sehr intensiven Ausdruck bekommt, mit viel Leidenschaft ist sie voll in der Rolle verankert. Albert Bassermann spricht in „Michael Kramer“ die titelgebende Hauptfigur. Auch er legt viel Ausdruck in seine Stimme und kann die Gefühlsregungen des Mannes so an den Hörer weitergeben, die fehlenden sichtbaren Handlungen kann er dabei gut ausgleichen. Rudolf Rieth ist in „Die Ratten“ als Harro Hassenreuther zu hören, dessen intakte Welt ins Wanken gerät. Die Wandlung des Mannes kann er gekonnt und glaubwürdig darstellen. Weitere der vielen Sprecher sind Heinz Hilpert, Walter Richter und Alfred Schieske.
Die Produktionen stammen zwar von unterschiedlichen Teams und Regisseuren, beispielsweise Ulrich Lauterbach und Walter Ohm. Dennoch sind sie recht ähnlich umgesetzt und ähneln sich in ihren akustischen Elementen deutlich. So ist mit Musik stets sehr sparsam umgegangen worden, und auch Geräusche sind nicht allzu häufig eingesetzt. So liegt der Fokus klar auf den Dialogen, die von den hervorragenden Schauspielern getragen werden.

Die schlichte stilisierte Zeichnung von mehreren Zahnrädern ist als Covermotiv gewählt worden, das in einem warmen Braunton eingefärbt wurde. Und auch die Boxen mit Textinhalten sind sehr schlicht gehalten. Für die einzelnen CDs wurde das Bild in verschiedenen Farben dargestellt, im Mini-Booklet der einzelnen Hüllen sind immerhin alle Sprecher und Produzenten zu finden, dazu jeweils ein kurzer Infotext. Ein ausführlicher Text über den Autor darf natürlich nicht fehlen.

Fazit: Sechs beeindruckende und hörenswerte Hörspiele von Gerhart Hauptmann, gekonnt inszeniert und mit sehr guten Sprechern besetzt. Eine gelungene Zusammenstellung!

VÖ: 3.September 2012
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-883-9


Geisterritter - Das Hörspiel



Erster Eindruck: Nach dem Hörbuch nun das Hörspiel

Obwohl er mit seinem Stiefvater nicht gut zurecht kommt, ist Jon nicht gerade begeistert, in einem Internat untergebracht zu werden. Erst recht nicht, als des nachts vor seinem Fenster drei Geister erscheinen, die ihn bedrohen. Zum Glück findet er in der pfiffigen Ella nicht nur eine gute Freundin, sondern auch eine kleine Geisterexpertin. Gemeinsam lassen sie sich abends in der Kirche einschließen...

Nicht einmal ein halbes Jahr nach Erscheinen von Cornelia Funkes neuem Kinderbuch „Geisterritter“ ist nicht nur eine Umsetzung als Hörbuch erschienen, sondern nun auch ein waschechtes Hörspiel, dass sich der Geschichte um Jon annimmt. Und hier zeigt sich deutlich, wo die Stärken dieser atmosphärischen Umsetzung im Gegensatz zur reinen Lesung liegen: Viele sehr starke unheimliche Szenen sorgen für noch mehr Gänsehautmomente, da sie sehr stimmig und gruselig inszeniert worden sind. Besonders das erste Auftauchen der Geister sorgt für einen frühen Höhepunkt, aber auch die Nacht in der Kirche ist sehr gut und eindringlich umgesetzt worden. Neben diesen grandiosen Momentaufnahmen ist auch die Geschichte gut umgesetzt worden und kommt in ihrer Schlichtheit und dem gradlinigen Verlauf gut zur Geltung. Auch der spöttische Humor von Jon findet seinen Platz und sorgt immer wieder für Momente zum Schmunzeln. Allerdings ist doch reichlich Erzähltext vorhanden, was stellenweise etwas steif wirkt und dynamischer hätte umgesetzt werden können. Insgesamt wurde viel aus der tollen Vorlage herausgeholt, und die unheimliche und düstere Stimmung lässt dieses Hörspiel zu einer klaren Empfehlung für die ganze Familie werden.

Leon Alexander Rathje hat mit Jon die Hauptrolle übernommen und kann diese auch gut ausfüllen. Er liest glaubwürdig und spontan, kann dabei die Ängste des Jungen, seinen Humor und seinen Kampfwillen ausdrücken. Carla Sachse spricht seine beste Freundin Ella und ergänzt Rathje gut, bringt ihren Charakter ebenso gut und detailliert zur Geltung. Als Erzähler wurde Martin Balscheit gewählt, der zwar eine angenehme Stimme hat und durchaus lebendig spricht, die langen Passagen aber nicht immer gut überbrücken kann. Weitere Sprecher sind Heidi Kriegeskotte, Flemming Stein und Rainer Strecker.

Wie oben bereits erwähnt ist die atmosphärische Umsetzung der Geschichte sehr gelungen. Besonders die gruseligen Szenen können mit eindrucksvollen Effekten und düsteren Melodien eindringlich gestaltet werden, während ansonsten eine gewisse Heiterkeit und Leichtigkeit nicht zu vermissen ist. Das Zusammenspiel zwischen Musik und Geräuschen ist gut gelöst.

Um eine Unterscheidung zum Hörbuch zu ermöglichen, wurde für das Hörspiel ein anderes Motiv als Cover gewählt, das in ähnlichen dunklen Blau- und Grautönen gehalten ist. Gezeigt wird eine dunkle Nacht, in der Jon vor einem der Geisterritter flüchtet. Ein hübscher Pappschuber umgibt die Cd-Hülle, während im Inneren Informationen zu Cornelia Funke zu finden sind.

Fazit: Eine gruselige und atmosphärische Umsetzung des Buches, das mit vielen starken Szenen überzeugen kann.

VÖ: Februar 2012
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0559-3


Farm der Tiere



Erster Eindruck: Klassiker in langatmiger Umsetzung

Auf einem Bauernhof herrscht Aufbruchstimmung, die Tiere haben die Menschen verjagt und organisieren nun ihr Leben selbst. Anfangs scheint alles recht harmonisch abzulaufen, doch bald reißen die Schweine Napoleon und Schneeball die Macht an sich. Während sie sich immer neue Privilegien einräumen, leiden die anderen Tiere unter der Schikane...

„Farm der Tiere“ gehört zu den bekanntesten Werken George Orwells und ist eine der neueren Fabeln und zugleich sehr sozialkritisch. Gezeigt wird, in dem Mikrokosmos einer einsamen Farm, wie schnell sich Machtgefüge ändern, wie einige wenige Macht an sich reißen und andere zu unterdrücken versuchen, aber auch die Gegenwehr dagegen. Ein packendes Werk, das auch heute nichts von seiner mitreißenden Kraft verloren hat und zu recht an vielen Schulen zur Pflichtlektüre gehört. Beim Audioverlag ist nun eine Neuauflage des 1980 entstandenen Hörspiels erschienen, das unter der Regie von Manfred Marchfelder entstanden ist. Leider geht hier viel der Originalgeschichte verloren, zu uninspiriert die Umsetzung. Viele der Sprecher scheinen ihren Text nur abzulesen, identifizieren sich kaum mit den Figuren. Alles wirkt ein wenig gebremst, die ganze Schlagkraft scheint zu verpuffen, die bissige Zynismus kommt kaum zur Geltung. Kein Geräusch, keine Musik sorgt für einen Ansatz an Atmosphäre, alles bleibt nüchtern und hölzern. Bleibt ein wirklich geniales Grundgerüst, das nicht von seinem Realitätsbezug verloren hat und auch heute noch wert ist, gehört zu werden – nur sollte man über die äußerst mittelmäßige Umsetzung hinwegsehen können.

Helmut Wildt spricht den Napoleon, wirkt aber sehr hölzern und steif. Er kann die ganze Bissigkeit seines Charakters, die vielen negativen Seiten nicht zur Geltung bringen. Gleiches gilt für Klaus Herm als Schneeball, der in anderen Produktionen schon wesentlich inspirierter gewirkt hat und hier seine markante Stimme kaum zur Geltung bringen kann. Auch Harry Wüstenhagen, Otto Sander und Lothar Blumhagen können als Erzähler-Trio keine rechte Stimmung aufkommen lassen, auch wenn die Aufteilung an sich eine richtig gute Idee ist. Weitere Sprecher sind Bernhard Minetti, Mogens von Gadow und Otto Czarski.

Im Mittelpunkt des Covers steht ein junges Schwein, das eigentlich ganz possierlich wirkt, vielleicht nur ein wenig struppig aussieht. Der Hintergrund mit einer eher heruntergekommenen Scheune passt da schon eher zu der bedrückenden Grundstimmung der Parabel. Ein beiliegendes Booklet enthält eine interessante Ausführung über den Realitätsgehalt des Werkes und einen Infotext über George Orwell.

Fazit: Ein geniales Werk voller Aussagekraft, aber schlichtweg unelegant umgesetzt, sodass viel von der Wirkung verloren geht.

VÖ: 1.März 2012
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-162-0


Die Welle



Erster Eindruck: Wo führt das alles hin?

Die Klasse von Geschichtslehrer Ben Ross will nicht glauben, dass der Fanatismus des dritten Reiches noch einmal passieren könnte. Und so entschließt er sich zu einem interessanten Experiment und startet „Die Welle“, eine Bewegung, in der alle Mitglieder gleich sind und die gemeinsam ihre Ziele erreichen. Doch bald entwickelt die Welle ein Eigenleben...

„Die Welle“ gehört zu den bedeutendsten Jugendbüchern der heutigen Zeit und gehört völlig zu Recht zur Pflichtlektüre an vielen deutschen Schulen. Dass es sich dabei aber keineswegs um eine trockene Angelegenheit handelt, beweist unter anderem das von Sven Stricker produzierte Hörspiel, das nun vom Audio Verlag verlegt wurde. Es geht darum, wie schnell auch heute noch eine fanatische Struktur gebildet werden kann, wie schnell auch heute noch eine kleine Gruppe immer mehr Einfluss erlangen kann und wie sie mit ihren Gegnern umgeht. Anfangs werden die verschiedenen Charaktere vorgestellt und die Idee von Ben Ross eingeführt. Interessant ist, wie die meisten Figuren anfangs eigene Züge haben, aber im Laufe der Zeit immer weiter verblassen, ihr Selbst zugunsten der Gruppe aufgeben – alles als Teil des Experiments. Es ist spannend zu hören, wie sich „Die Welle“ immer mehr zum Selbstläufer entwickelt und alles mit sich reißt, was nicht in die klare Struktur passen will. Im Mittelpunkt steht oft die clevere Laurie, die der Welle zunehmend kritisch gegenübersteht und immer weiter unter Druck gesetzt wird. Das Geschehen in einer Dreiviertelstunde zu erzählen gelingt zwar gut und unterhaltsam, hat aber natürlich nicht die Tiefe, die vom Roman ausgeht und vernachlässigt viele Details, die den Vorgang der Gleichschaltung begreiflicher machen. Auch die Ereignisse nach der Schlüsselszene werden hier außer acht gelassen. Trotzdem kann man die Bewegung der Welle nachvollziehen und deren Schrecken wie deren Faszination erleben, ein gut produziertes und anspruchsvolles Hörspiel.

Die Auswahl der Sprecher ist sehr gelungen, alle passen gut zu ihrer jeweiligen Rolle. Gernot Endemann ist als Ben Ross zu hören und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Er kann den herrischen Anführer der Welle ebenso gut darstellen wie den engagierten Lehrer und später den Mann, der sich seine Schuld selbst eingestehen muss. Celine Fontanges ist als Laurie eine wunderbare Wahl, ihren Kampfgeist und ihr Mut, sich einer Übermacht entgegenzustellen, werden durch ihr lebendiges Spiel noch weiter betont. Sven Prüfer ist als Robert zu hören, der trotz der recht kurzen Auftritte die Wandlung vom unbeliebten Außenseiter zum gehässigen jungen Mann, der jedem die Sichtweise der Welle aufzwingen will, glaubhaft darstellen kann. Weitere Sprecher sind Isabella Grothe, Christian Stark und Fabian Bernhard.

Musik ist hier nur sehr sparsam eingesetzt, nur während der Szenenwechsel sind sehr kurze Melodien zu hören. So überträgt sich das realistische Gefühl des Romans sehr genau auf den Hörer und bekommt seine ganz eigene Wirkung, die durch die hervorragenden Sprecher getragen wird. Auch mit Geräuschen wird spärlich, aber gezielt umgegangen.

Das Foto auf dem Cover ist der Erstauflage dieser Produktion genommen, aber natürlich dem Look des Audio Verlages angepasst. Hier ist die klare Struktur aller Produktionen aufgegriffen worden, die auch hier gut passt und die Wirkung unterstreicht statt sie mit bunten Farben oder extremen Akzenten zu überdecken.

Fazit: Auch wenn einiges aus dem Roman nicht übernommen werden konnte, ist ein herausragendes und realitätsnahes Hörspiel entstanden, das das Thema sehr gut umsetzt.

VÖ: 1.August 2012
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3862311927


Das Mal – Das Geheimnis vom Totenkopfstein



Erster Eindruck: Großes Geheimnis, interessant erzählt

Jennifer und Josephine haben ein paar Tage ohne ihre Eltern im etwas langweiligen Niederösterreich vor sich und entdecken auf dem Dachboden merkwürdige alte Fotoalben. Das führt sie zum Geheimnis des Totenkopfsteines, um den sich so einige Mythen ranken. Zusammen mit ihrer neuen Freundin Kim wollen sie die Rätsel entschlüsseln – und geraten bald in große Gefahr...

Der Hörspielmarkt ist heiß umkämpft, und immer wieder wollen ihn auch neue Labels erobern. Die Hurst Media Company, bisher auf diesem Gebiet eher unerfahren, haben mit „Das Mal“ nun ihr Erstlingswerk veröffentlicht und sprechen mit dem momentan populären Mystery-Thema sicherlich nicht nur Jugendliche an. Die Geschichte beginnt locker, fast schon heiter und bekommt erst im Laufe der Zeit ihren düsteren Stempel aufgedrückt, indem sich immer wieder durch kleine Ereignisse die Lage ein wenig geheimnisvoller darstellt. Dieser langsame Aufbau ist streckenweise vielleicht etwas unglücklich, da der Funke nicht wirklich schnell auf den Hörer überspringen mag. Doch das Interesse wird durchaus geweckt, und spätestens ab der zweiten CD ist man völlig von der Geschichte gefesselt, ist völlig in der düsteren Vision gefangen. Kleine, mystische Elemente würzen den Verlauf der Ereignisse, und lassen die unheimliche Komponente hervortreten. Sehr interessant ist der Aufbau der Geschichte, der immer wieder zwischen den einzelnen Personen wechselt und auch mal Figuren in den Mittelpunkt stellt, die man zuvor höchstens als nette Nebenrolle gesehen hat. Diese Abwechslung gefällt mir sehr gut, führt auch dazu, dass der Hörer sich die einzelnen Zusammenhänge selbst suchen muss – und das generiert wesentlich mehr Spannung als diese auf dem Silbertablett präsentiert zu bekommen. Ein wenig Abzug gibt es leider für den massiven Gebrauch des Erzählers. Dieser macht seine Sache zwar insgesamt gut und versucht, das Tempo zu halten, seine teilweise sehr langen Passagen lassen das Ganze aber statisch wirken. Trotz dieser kleinen Schwachstellen: Eine Geschichte, die mir wegen ihrer sehr geheimnisvollen Wirkung sehr gut gefallen hat.

Die Sprecher sind größtenteils Newcomer in der Hörspielszene, machen ihre Sache aber sehr gut und schaffen es, die Geschichte zum Leben zu erwecken. Nora Jokhosha spricht die Josephine und zeigt dabei viele Facetten des Charakters, bei ihr kann man besonders die Entwicklung der Mädchen verfolgen. Johanna Klein ergänzt sie als Jenny sehr gut, auch sie liefert eine absolut überzeugende Darstellung ab. Dina Kürten hat als Kim ebenfalls eine wichtige Rolle, mit ihrer abwechslungsreichen Sprechweise kann sie die Gefühlslagen des jungen Mädchen genau widerspiegeln. Weitere Sprecher sind Gordon Piedesack, Linus Kraus und Kornelia Boje.

Bei der musikalischen Umsetzung zeigt sich, dass Hurst Media schon in anderen Gebieten viel Erfahrung gesammelt hat: Die Atmosphäre ist sehr dicht und zieht den Hörer in ihren Bann, eng schmiegen sich die harmonischen Kompositionen an die Handlung und verleihen ihr immer wieder ein neues Gesicht. Eine sehr überzeugende Leistung auf diesem Gebiet!

Das Cover weiß sich geschickt von anderen Produktionen abzugrenzen und hat so einen ganz eigenen Look, der auffällt. Die drei Mädchen sind über das geheimnisvolle Buch gebeugt, einige Kerzen spenden etwas Licht. Der interessante Zeichenstil und die hochwertige Pappverpackung ergänzen sich dabei gut und führen zu einem stimmigen Gesamtbild.

Fazit: Ein ungewöhnliches Erstlingswerk, das gerade durch seine Andersartigkeit auffällt und hörenswert ist.

VÖ: 15. April 2011
Label: Hurst Media Company
Bestellnummer: 0609465762050


Die Island Saga vom weissen Njal



Erster Eindruck: Zwei Familien im jahrelangen Streit

Durch eine Streitigkeit zwischen den beiden Freunden Njal und Gunnar entbrennt ein Krieg zwischen den beiden Familien, der sich über mehrere Generationen ziehen sollte. Den Anfang nimmt alles in der Eifersucht ihrer Ehefrauen, die allerlei Intrigen gegeneinander spinnen. Doch spätestens als Gunnar in die Verbannung geschickt wird, entbrennt die Fehde vollends...

Der Hörverlag veröffentlicht immer wieder Hörspielproduktionen, die vom Radio produziert wurden und dann lange Zeit in der Versenkung verschwunden sind. Ein weiteres Beispiel hierfür ist die Neuveröffentlichung von „Die Island Saga vom weissen Njal“, die mittlerweile auch schon 20 Jahre auf dem Buckel hat. Umso erfreulicher ist es, dass dieses epische Werk nun wieder erhältlich ist, auf 4 CDs mit über 290 Minuten Laufzeit wird die Geschichte einer ganzen Familie erzählt, über mehrere Jahre verfolgt. So ist es nicht verwunderlich, dass immer wieder Zeitsprünge eingebaut sind und die Zwischenzeit in einigen wenigen Sätzen abgehandelt wird – erzähltechnisch notwendig erfordert dies durchaus etwas Konzentration vom Hörer, der ansonsten leicht den Anschluss verlieren kann. Das Treiben ist geprägt von Intrigen, strategischen Hochzeiten, Annäherungen zwischen den verfeindeten Familien, aber auch Kämpfen, Tod und offener Feindschaft. Wiederkehrende Figuren geben immer wieder Orientierung, zeigen aber auch, wie eng die Schicksale hier miteinander verwoben sind. Natürlich braucht man Zeit, um sich dort einzufinden, wird aber mit einem leichten Einstieg und sich langsam steigernder Komplexität langsam an das Geschehen herangeführt, sodass man die Verwicklungen von der ersten Minute an genießen kann. Die skandinavische Stimmung kommt sehr gut herüber, auch die Mentalität des Volkes ist hier gut mit eingeflossen. Ein wahres Hörvergnügen, dass mit seiner eher ruhigen Grundstimmung in positiven Kontrast zu vielen actionlastigen Produktionen steht.

Bei der Länge der Produktion ist es kaum verwunderlich, dass zahlreiche Sprecher im Einsatz sind, die die Geschichte mit Leben füllen – über 50 sind es an der Zahl. Dabei sind neben namhaften und bekannten Sprechern auch unbekannte Talente mit dabei, eine sehr gute Mischung, bei der auf die einzelnen Charaktere gut eingegangen wird. Gunnar wird beispielsweise von Rolf Becker gesprochen, seine ausdrucksstarke Stimme sorgt in den unterschiedlichsten Situationen für den richtigen Ton und die nötige Glaubwürdigkeit, besonders, da er weite Teile des Hörspiels bestreitet – eine sehr gut Wahl! Herbert Strass ist als Njal zu hören, auch er kann mit seinem starken Ausdruck, den er gekonnt variieren kann, ein umfassendes Bild seiner Figur zeichnen und die Entwicklung über mehrere Jahre hinweg darstellen. Die unvergessene Tilly Lauenstein ist als seine Gattin Bergthora zu hören, ihre immer etwas kühle, kratzige Stimme passt wunderbar zu der anspruchsvollen Frau. Erzählt wird von Christin Brückner und Uwe Friedrichsen, die sich stetig abwechseln und sich gegenseitig die Bälle zuspielen. Und auch Werner Brehm, Jürg Löw, Daniel Brühl und Barbara Nüsse sind mit dabei.

Die Musikauswahl ist stimmig und geht besonders auf die Tradition der alten isländischen Völker ein, erinnert stark an diese und gibt den Protagonisten einen stimmungsvollen Hintergrund. So gut die Musik auch komponiert wurde, die sehr häufige Wiederholung einiger Themen ist auf die Dauer ein wenig eintönig, ein wenig Abwechslung hätte gut getan. Da die Atmosphäre vorrangig aus der Musik gezogen wird, spielen die Geräusche hier eine eher untergeordnete Rolle, können aber durchaus auch überzeugen und sind glaubhaft und treffsicher eingefügt.

Zwei Doppel-CD-Hüllen sind hier in einer hübsch gestalteten Box verpackt, auf der das wunderbare Titelbild besonders gut zur Geltung kommt. In einer kalten, düsteren Ebene steht ein Mann in einen roten Umhang gehüllt, besonders die konträre Farbwahl ist sehr symbolträchtig. Beide Hüllen enthalten das gleiche, im Gegensatz dazu blasse Cover, dafür aber einen Infotext sowie eine Auflistung der Sprecher, die sinnigerweise in Themengebiete ausgeteilt ist.

Fazit: Die eher ruhige Wirkung lässt die Ereignisse im Laufe der Zeit sehr weitreichend und verwoben wirken, macht „Die Island Saga vom weissen Njal“ zu einem sehr guten und wirkungsvollen Hörspiel.

VÖ: Juli 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-751-1


Die Füchse von Andorra



Erster Eindruck: Sophie und ihre kleine Welt

Sophie ist das älteste und damit auch vernünftigste Kind von Vierlingen. Als alle in eine neue Schule kommen, sucht sie sich eine Freundin und weiß auch schnell, dass sie gern mit der mutigen Alice befreundet wäre. Doch sie macht sich auch immer mehr Sorgen um ihre Mutter, die immer trauriger wird. Da freut sie sich immer, wenn ihre fröhliche Tante Paule zu Besuch kommt…

Beim Audio Verlag wird momentan eine Serie veröffentlich, die eigentlich gar keinen richtigen Namen hat. Allesamt sind vom Radio produzierte Kinderhörspiele und werden im einheitlichen Artwork mit weißem Rücken ausgeliefert. Neben heiteren Geschichten und kurzweiliger Unterhaltung finden sich auch immer wieder Hörspiele mit ernsthaften Themen, die den jüngeren Zuhörern schwierige Sachverhalte näher bringen. „Die Füchse von Andorra“ ist ein solches Hörspiel und beschäftigt sich intensiv mit der Depression von Sophies Mutter. Die ersten Andeutungen werden früh platziert, sodass man ein Gefühl für die Krankheit bekommt. Auch das Auf und Ab, das die Patienten durchmachen, wird sehr behutsam erzählt, bis schließlich ein Klinikaufenthalt unumgänglich ist. Toll, wie beispielsweise betroffenen Kindern nahe gebracht wird, dass man sich manchmal eben Hilfe holen muss und dass dies nichts Schlimmes ist. Um diesen roten Faden der Krankheit werden viele kleine Nebenschauplätze eröffnet, die sich um die Beziehung der Vierlinge kümmern oder deren Unterschiedlichkeit aufzeigt. Wichtig ist hier besonders die Freundschaft von Sophie zu Alice, die aufgrund eines folgenschweren Irrtums auf eine harte Probe gestellt wird. Alles ist sehr gefühlsbetont, ohne auch nur ansatzweise kitschig zu sein. Auch werden keine sonderlich außergewöhnlichen Situationen gezeigt, sondern durchaus realitätsnahe Probleme, alles ist glaubhaft und eingängig. Dafür spricht auch, dass keine überraschenden Wendungen eingebaut sind. Wunderbar finde ich die liebevollen Vergleiche und Gedankengänge der Kinder. Eine anrührende Geschichte, die in ihrer Schlichtheit überzeugt und gerade dazu zu einer wahren Perle wird.

Die Sprecher können sich sehr gut in ihre jeweiligen Rollen einfühlen und bringen so das komplizierte Thema dem Hörer näher. Erzählerin ist Alexandra Henkel, die die Ereignisse aus der Sicht von Sophie erzählt. Ihre feste Stimme erlaubt viele unterschiedliche Facette und stellt so die Gefühlswelt des Mädchens glaubhaft dar. In den Dialogen ist als Sophie Elisabeth Juhnke zu hören, sie hinterlässt einen nachdenklichen und recht ernsthaften Eindruck, ohne zu das Kindliche zu verlieren. Als Sophies Mutter ist Judith Engel zu hören, ihre schwermütige Art ist gut dargestellt, die Schwankungen ihres Gemütes macht sie für den Hörer erlebbar. Ulrich Noethen, Luzie Kurth und Matthias Haase sind weitere Sprecher.

Die Musik stammt von Daniel Roth und ist genau wie die Geschichte eher ruhig angelegt, hat es nicht nötig, mit großartigen Effekten zu prahlen. Vielmehr werden mit kleinen, verspielten Melodien die verschiedenen Stimmungen der Geschichte eingefangen und können auch während der Dialoge für eine angenehm warme Atmosphäre sorgen.

Das gleichnamige Buch von Marjaleena Lembcke hat auch als Vorlage für die Covergestaltung gedient. In einem Wald sehen sich Fuchs und Elch an, zwei Tiere, die eine kleine Rolle in der Handlung spielen. Auch die vier Kinder sind zu sehen, sie sitzen mit dem Rücken zum Betrachter. Die Zeichnung wirkt stellenweise eher wie skizziert, hat einen sehr eigenen, hübschen Zeichenstil. Die restliche Aufmachung ist wie immer schlicht und ansehnlich.

Fazit: Ein sehr warmherziges Hörspiel, das ein anspruchsvolles Thema einfühlsam behandelt und sehr gefühlsbetont ist – wunderschön!

VÖ: 22.Juli 2011
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-086-9


Das Pferdemädchen



Erster Eindruck: Irkas schwere Entscheidung

Irka liebt die alte Stute Raya heiß und innig, obwohl sie fast blind und auch nicht mehr so schnell ist. Der extra für sie gebaute Stall ist immer wieder ein Streitthema zwischen ihren Eltern. Als Raya überraschend ein Fohlen bekommt, kümmern sich alle rührend um den Hengst. Doch dann wird Irka vor eine schwere Entscheidung gestellt...

Der Audio Verlag veröffentlicht in seiner wunderbaren Kinderreihe mit zahlreichen Einzelhörspielen nicht nur aktuelle Radioproduktionen, sondern greift auch immer wieder auf die Archive zurück und bringt ältere Hörspiele zurück auf den Markt. „Das Pferdemädchen“ stammt dabei aus dem Jahr 1973 vom Rundfunk des DDR. Die Geschichte ist sehr ruhig und besticht eher durch gefühlvolle Momentaufnahmen denn durch einen durchdachten Verlauf. Schon die ersten Szenen, in denen Irkas Beziehung zu Raya vorgestellt wird, gehen ans Herz und sind voller Träume und Emotionen. Und so geht es immer weiter, langsam entwickelt sich die Handlung, während die Beziehung zwischen dem Hörer und Irka und den anderen Figuren immer weiter wächst. Die ideenreiche und liebevolle Vorgehensweise nachdem das Fohlen zur Welt gekommen ist, geht ebenso ans Herz wie die spätere Entscheidung von Irka zwischen dem neugeborenen Pferd und der alten Stute. Hier ist mal keine typische Pferdegeschichte zu hören, sondern eine emotionale, ruhige und besonnene Produktion mit einer gefühlvollen Hauptperson, die nicht nur Kinder zu berühren weiß.

Marianne Schwienke ist in der Hauptrolle der Irka zu hören und kann durchweg glaubhaft agieren. Sie stellt das gefühlvolle Mädchen mit ihren vielen Emotionen sehr genau dar und kann damit auch den Hörer erreichen. Marylu Poolman ist als Irkas Mutter zu hören, die eher ein wenig kühl und abweisend klingt, was die Rolle mit ihren Handlungen sehr gut unterstützt. Hans-Robert Wille spricht den Vater mit einer warmen und festen Stimme sowie einer feinfühligen Art. Walter Jäckel, Carla Valerius und Werner Godemann sind ebenfalls zu hören.

Vorsichtig ist das Hörspiel umgesetzt, im Vordergrund stehen stets die Sprecher und ihre Dialoge, Geräusche sind zwar recht zahlreich eingefügt, bleiben aber eher im Hintergrund. Auch Musik ist nur recht wenig zu hören, nur manchmal ist eine leise Melodie zur Untermalung der jeweiligen Stimmung eingefügt. Eine runde Sache, die gut zu der Geschichte passt.

Die Covergestaltung hält sich an die strikte Aufteilung der Reihe. Im unteren Drittel sind Titel und Verlagsangaben zu finden, währen darüber ein charmantes Motiv zu sehen ist. Es zeigt Irka, die in der Mitte hinter einem Baum hervorschaut, sowie die Stute und ihr Fohlen auf einer Blumenwiese, der Hintergrund ist weiß mit einigen rosafarbenen Flecken.

Fazit: Ein charmantes und nostalgisches Hörspiel mit vielen Emotionen und eine ruhigen Ausstrahlung.

VÖ: 1.März 2012
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-149-1


Dracula



Erster Eindruck: Sprache und Stille

Jonathan Harker wird von seiner Anwaltskanzlei aus London in das weit entfernte Transsylvanien geschickt, um den Grafen Dracula bei dem Kauf eines Grundstücks zu beraten. Doch in seinem Schloss angekommen häufen sich bald die unheimlichen Ereignisse, Jonathan möchte so schnell wie möglich wieder fort. Doch der Graf weiß dies zu verhindern...

Dracula von Bram Stoker ist der bekannteste Vampir-Roman und ein großer Klassiker der Weltliteratur – und auch bei Hörspielmachern sehr beliebt. Eine neue Umsetzung gibt es nun von Goya Lit, die ein interessantes Experiment mit der Schauergeschichte wagen. Es ist eine Mischung aus Hörspiel und Hörbuch geworden, denn trotz verteilter Rollen gibt es viele, lange Erzählpassagen, und auch auf Musik und Geräusche wurde hier komplett verzichtet. Dialoge sind hier eher wenige zu finden, meist werden Briefe, Tagebücher oder ähnliches von deren Verfassern zitiert. Dies führt zu einer eher gemächlichen Wirkung der Geschichte an den meisten Stellen, die aber durchaus intensiv und einprägsam ist. Viele Facetten werden hier beleuchtet, und man lernt die sprechenden Charaktere mit all ihren Gefühlsregungen sehr gut kennen. Und die Eindringlichkeit von Graf Dracula, seine hypnotische Wirkung, wird hier sehr bedrohlich. Und an einigen Stellen kann sich die Spannung dann auch richtig steigern. Eine außergewöhnliche Umsetzung, die durch die verschiedenen Sprecher viel gewinnt, aber manchmal einfach zu blass in der Atmosphäre bleibt. Und für die Geschichte auf immerhin 5 CDs muss man sich ordentlich Zeit nehmen.

Jacob Weigert ist als Jonathan Harker zu hören und somit gerade zu Beginn des Hörstücks sehr präsent. Er kann sehr eindringlich sprechen und bringt das Grauen, das dem jungen Mann widerfährt, sehr gut zur Geltung. Katja Danowski ist als Mina Harker ebenfalls eine sehr gute Wahl, in jeder Situation hält sie die Spannung in ihrer Stimme aufrecht. Nur mit Katharina Thalbach als Dracula hatte ich einige Probleme. Zweifelsohne ist sie eine hervorragende Schauspielerin und kann auch ihre Stimme sehr gezielt einsetzen, dennoch wirkt sie einfach zu weiblich, um in der Rolle des bekanntesten Vampirs wirklich überzeugen zu können. Weitere Sprecher sind Ulrike Hübschmann, Bernd Stephan und Jürgen Uter.

Auf eine aufgebauschte Atmosphäre wird hier verzichtet, und so ist auch das Cover sehr schlicht gehalten. Ein rein schwarzer Hintergrund, darauf ein grauer Sargumriss mit rotem Kreuz darauf, ansonsten in gewöhnlicher Schrift Titel, Autor und die Sprecher. Das ansprechende Cover wird im Inneren mit zahlreichen Informationen zu den Sprechern und dem Werk sowie einer ausführlichen Trackliste ergänzt.

Fazit: Mal eine ganz andere Version des Klassikers, die auf das Wesen des Romans reduziert wurde und nicht auf Atmosphäre, sondern auf Charakterdarstellung setzt.

VÖ: 6.März 2012
Label: GoyaLit
Bestellnummer: 978-3-8337-2899-0


Dracula



Erster Eindruck: Eine blutige Jagd

Der junge Anwalt Jonathan Harker gerät in die Gewalt von Graf Dracula, der ihn zunächst in seinem Schloss festhält und später dann bis ins weit entfernte London folgt. Und auch dort übt er seinen unheilvollen Einfluss aus, indem er Harkers Verlobte Mina Murray fasziniert und auf seine Seite ziehen will. Nur Abraham van Helsing will sich dem Geschöpf der Nacht entgegenstellen...

Im Jahr 2012 jährt sich zum 100. mal der Todestag von Bram Stoker – Grund genug für den Hörverlag, seinen mit Abstand bekanntesten Roman „Dracula“ als Hörspiel wiederzuveröffentlichen. Dass es schon zahlreiche andere Produktionen gibt, scheint da nicht allzu sehr gestört zu haben. Regisseur ist Sven Stricker, der einen sehr ernsthaften, aber auch eindringlichen und ruhigen Erzählstil gewählt hat, der sich sehr gut mit der Vorlage kombinieren lässt und an die Essenz des Romans heranführt. Recht stringent wird hier die Geschichte erzählt, aber auch deutlich verkürzt und auf das Wesentliche reduziert, ohne dessen Aussagekraft zu beschneiden. Und so wirkt trotz der ruhigen Dialogführung Draculas Jagd durch England sehr dynamisch und eindrucksvoll. Seine bedrohliche Übermacht verfolgt dabei den Hörer über den Genuss dieser Produktion hinaus. Auch der oft plötzliche Szenenwechsel trägt dabei zum Spannungsaufbau bei. Das Ende ist hier sehr packend umgesetzt und steht jeder noch so guten Verfilmung des Stoffes in nichts nach. Eine sehr atmosphärische und eindringliche Umsetzung der berühmten Vorlage, die mir trotz des zu genüge bekannten Stoffes sehr gefallen hat.

Felix von Manteuffel ist in der Hauptrolle zu hören und macht seine Sache ganz hervorragend. Sehr intensiv und betont spricht er den mächtigen Vampir und stellt ihn so in seiner ganzen dunklen Schönheit dar. Gerd Baltus spricht van Helsing mit ausdrucksstarker und sehr ernsthafter Stimme, was sich sehr gut mit der geschaffenen Atmosphäre vereint. Andreas Fröhlichs heitere Stimme nimmt als Dr. Seward einen düsteren und bedeutsameren Ton an, was eine weitere Facette seines Könnens zeigt. Auch Konstantin Graudus, Celine Fontanges und Jörg Pleva sind zu hören.

Die Musik stammt hier von Jan-Peter Pflug, der ein Gespür für das richtige Timing innerhalb des Romans gefunden hat. Seine Kompositionen sind düster und greifen immer die Stimmung der jeweiligen Szene auf und tragen zur Steigerung der Spannung bei. Allerdings tritt sie nie zu sehr in den Vordergrund und unterstützt die Sprecher, anstatt sie zu überdecken.

Blutrot ist die gesamte Aufmachung dieses Hörspiels, vom Cover über die Rückseite bis zum Inlay. Als Titelmotiv wurde ein bekanntes Filmplakat verwendet und eingefärbt, was hoffentlich nicht allzu viele Verwechslungen mit einem Filmhörspiel verursacht. Im Inneren des kleinen Booklets finden sich noch Kurzbiografien zum Autor und einigen Sprechern.

Fazit: Eine gelungene und gut zusammengefasste Hörversion der berühmten Vorlage, die durch ihre intensive Stimmung zu überzeugen weiß.

VÖ: 26.März 2012
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-847-1


Die Wolke



Erster Eindruck: Der Super-GAU für ein junges Mädchen

Für Janna-Berta ist es ein ganz normaler Schultag, als in dem nicht weit entfernten Atomkraftwerk der Super-GAU eintritt. Ihre Eltern sind verreist, und so versucht sie sich mit ihrem kleinen Bruder zum nächstgelegenen Bahnhof durchzukämpfen. Doch auf den Straßen herrscht die bloße Panik, und die Menschen versuchen, ihr eigenes Leben zu retten...

„Die Wolke“ hat sich längst als moderner Klassiker der Jugendliteratur entwickelt, nun hat der Audio Verlag das Werk von Gudrun Pausewang als Hörspiel veröffentlicht. Durchaus passend, denn das beschriebene Szenario ist aufgrund der Atomkatastrophe in Japan aktueller denn je - und es ist erschreckend realistisch gehalten. Verfolgt wird der Weg der jugendlichen Janna-Berta, die sich in all dem Trubel, der Flucht von Millionen von Menschen vor der radioaktiven Wolke durchschlägt. Grob kann das Hörspiel in zwei Teile mit zwei verschiedenen Stimmungen unterteilt werden. Zuerst wird recht schnell das Szenario abgesteckt, ohne vorher Charaktere vorzustellen, das alles geschieht während der Handlung – und das ist auch gut so, da hier die Situation im Vordergrund steht. Der erste Teil dreht sich dann um die Flucht von Janna-Berta und ihrem Bruder, die schon bald höchst dramatische Züge annimmt. Dabei wird auch klar, wie ernst die Situation ist und welcher Überlebenswille in Janna-Berta steckt. Die Panik der Menschen wird eindrucksvoll dargestellt, und das überträgt sich auch intensiv auf den Hörer. Die beklemmende Stimmung, die Rücksichtslosigkeit einiger Menschen, aber auch einige sehr menschliche Gesten bleiben in Erinnerung. Nach dem aufregenden und spannungsgeladenen ersten Teil geht es eher ruhig weiter, aber genauso emotional. Hier versucht Janna-Berta zurück ins Leben zu finden und die schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten – von ihrer eigenen Gesundung mal ganz abgesehen. Hier geht es fast schon ein wenig psychologisch zu, hier wird noch stärker auf ihren Charakter eingegangen, kleine Fortschritte sind auch für den Hörer sehr erfreulich, der mittlerweile stark um Janna-Bertas Wohlergehen bangt. Der Klassiker wurde hier ebenso behutsam wie eindrucksvoll umgesetzt, greift ein immer noch hochaktuelles Thema auf und ist eine klare Empfehlung für die ganze Familie.

Gerade bei einer oftmals so emotionalen Geschichte ist es umso wichtiger, dass die Sprecher glaubhaft agieren. Da macht Celine Fontanges ihre Sache wirklich gut und kann nicht nur ihre Entwicklung nachvollziehbar machen, sondern auch in jeder Situation so klingen, dass ihr Charakter zur Geltung kommt. Marion von Stengel nimmt als Tante Helga im zweiten Teil eine wichtige Rolle ein und kann die etwas unterkühlt wirkende Frau gut darstellen. In wenigen Passagen gibt Wolf Frass der Geschichte als Erzähler einen Rahmen und nimmt sich selbst so weit zurück, um die Hauptrolle wirken zu lassen. Weitere Sprecher sind Laura Ketzer, Marianne Kehlau und Wolf Rathjen.

Der Einsatz von Musik tritt hier eher in den Hintergrund und gibt nur an einigen Stellen etwas Atmosphäre mit ein. Dafür werden umso mehr Geräusche verwendet, die mal gezielt wirken, oftmals aber auch etwas konfus und durcheinander wirken. Gerade die anfängliche Panik ist etwas zu viel des Guten eingebaut worden, sodass die Sprecher ein wenig unterzugehen drohen.

Ein schlichter schwarzer Hintergrund mit einem ebenso schlichten Schriftzug – und davor ein weitläufiges gelbes Feld, auf dem in schwarz das Warnzeichen für Radioaktivität abgebildet ist. Das wirkt bedrohlich und überzeugt durchaus mit seiner Reduziertheit. Auch der Rest ist nicht sonderlich aufwändig gestaltet, der hübsche Pappschuber enthält kein Booklet, sondern hat die wichtigsten Informationen auf der Innenseite abgedruckt.

Fazit: Ein eindringliches Werk, das ein brisantes Thema von der emotionalen Seite angeht. Der Zuhörer wird direkt eingebunden und erlebt die Geschichte mit.

VÖ: 1.Februar 2012
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-130-9


Die Schatzinsel



Erster Eindruck: Ausführliche Umsetzung, bekannter Stoff

Nach einigen Querelen im Gasthaus seines Vaters bricht Jim Hawkins, ein aufgeweckter Junge, auf eine abenteuerliche Schiffsreise aus. Ziel ist eine Insel, auf der der legendäre Schatz von Captain Flint vergraben ist, Hawkins ist durch Zufall an die Karte gekommen. Doch nicht alle Mitglieder der Crew spielen mit offenen Karten, besonders der Schiffskoch Hans Silver scheint ein Geheimnis zu haben...

„Die Schatzinsel“ des schottischen Autors Robert Louis Stevenson ist einer der bekanntesten Abenteuerromane und hat durch zahlreiche Verfilmungen große Popularität gewonnen. Auch einige Hörspielumsetzungen existieren bereits, eine weitere ist nun vom Label Winterzeit unter der Regie von Thomas Tippner entstanden. Auffällig ist, dass hier nur wenig aus dem Roman gekürzt wurde, die Laufzeit erstreckt sich über mehr als 3 Stunden. So scheint es auch unvermeidlich, dass sich einige Längen in die Handlung einschleichen, die ein wenig zäh wirken und die nicht wirklich zum Fortlauf der Geschichte beitragen. Insgesamt wurde die bekannte Vorlage aber launig und unterhaltsam umgesetzt. Die Charaktere, insbesondere natürlich Jim Hawkins, aber auch Long John Silver, kommen gut zur Geltung und sind Triebfeder der Geschichte, sorgen mit ihrer Einstellung und Attitüde für die richtige Würze. Diese Umsetzung hat den anderen voraus, dass sie wesentlich detailverliebter ist und der bekannten Handlung so neue Seiten abgewinnen kann, die durchaus interessant sind. Auch die Produktion ist gelungen, kann einige schöne Stimmungen aufgreifen. Eine sehr ausführliche Erzählung, die mit ihrer langen Laufzeit für einen gemütlichen Winterabend sorgen kann, aber an einigen Stellen eine Straffung vertragen hätte.

Michael Krüger ist hier als Jim Hawkins zu hören, seine Leistung ist durchaus hörenswert. Er spricht recht lebendig und kann so die Energie des jungen Schatzsuchers nach außen transportieren. Erzähler ist Gordon Piedesack, der auch bei dieser Aufgabe eine gute Figur macht. Er spricht dynamisch und kann so zusätzliche Spannung erzeugen. Hans Silver, der undurchsichtige Gegenspieler, wird von Martin Schäfer gekonnt intoniert und bekommt durch die einprägsame Stimme eine besondere Note verliehen. Weitere Sprecher sind Jens Wendland, Robert Missler und Helmut Krauss.

Die Musik zu dieser Produktion stammt vom momentan sehr gefragten Tom Steinbrecher, der hier wieder eine eigenständige Stimmung schaffen konnte. Er greift das Piratenthema zwar auf, geht aber auch eigene Wege und schafft alles andere als eine bloße Wiederholung von Bekanntem. Auch die eingefügten Geräusche sind gut platziert und sorgen für die passende Atmosphäre.

Die Gestaltung der Hülle steht mit seinem Comic-Stil im Gegensatz zum eher ernsthaften Ansatz der Produktion, das Cover wirkt mit mehreren Darstellungsebenen ein wenig unkoordiniert. Lobenswert, dass die wichtigsten Produktionsinformationen schon auf der Rückseite zu lesen sind, so erhält der potenzielle Käufer gleich einen ersten Eindruck. Im Inneren sind zu einigen Mitwirkenden kurze Biografien zu lesen.

Fazit: Manchmal etwas langatmig, dafür auch sehr ausführlich und lebendig erzählt. Eine gelungene Neuproduktion des klassisches Stoffs.

VÖ: 1.November 2011
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 4049774258053


Die schönsten Hörspielklassiker für Kinder



Erster Eindruck: Fünf Klassiker unter einem Dach

Eines Tages nimmt ein Wirbelsturm Dorothy aus der Prarie in Kansas mit in ein wundersamen Land namens Oz. Auf dem Weg in die Smaragdstadt findet sie gute Freunde... (Der Zauberer Von Oz)
Der aufgeweckte Cedric wächst bei seiner Mutter in New York auf, bis er erfährt, dass er ein waschechter Lord ist und sein Großvater ihn bei sich in England haben möchte... (Der kleine Lord)
Als Alice einem weißen Kaninchen in seinen Bau folgt, stürzt sie in ein großes Abenteuer. Denn sie landet in einem Land, in dem nichts so ist wie es zu sein scheint und alle Einwohner ein wenig verrückt sind... (Alice im Wunderland)
Der Frosch ist begeistert von Autos und möchte immer nur fahren. Dass er dabei einen Unfall nach dem anderen hat stört ihn nicht sonderlich. Seine Freunde, der Maulwurf und die Ratte, wollen ihm helfen... (Der Wind in den Weiden)
Als eine amerikanische Botschafter-Familie in einen englischen Landsitz ziehen, wollen sie von Gespenstern nichts wissen – was den Hausgeist des Anwesens natürlich ändern möchte... (Das Gespenst von Canterville)

Der Hörverlag hat in einer Box fünf bekannte Geschichten als Hörspiele veröffentlicht, die zwar eher an Kinder gerichtet sind, aber eher durchaus für die ganze Familie geeignet sind. Fünf Klassiker, die den meisten bekannt sein dürften, die als Radiohörspiele umgesetzt wurden und hier eine interessante Zusammenstellung bilden. Den Anfang macht „Der Zauberer von Oz“, das sich auch heute noch großer Beliebtheit erfreut. Die bekannte Geschichte wird hier um einige Elemente reduziert, so taucht zum Beispiel der Hund Toto gar nicht auf. Auch wirkt die Handlung teilweise etwas gebremst, die Dynamik fehlt. Dafür sind die Erzählteile gut gelöst: Der Erzähler ist gleichzeitig der Zauberer von Oz, wird immer wieder von Dorothy unterbrochen, die auch eigene Passagen erzählt. Bei „Der kleine Lord“ wird der Fokus etwas breiter gestreut als nur auf Cedrics Gutmütigkeit, vielmehr werden auch seine Unlust, Lord zu werden, thematisiert. Auch hier überzeugt eine gute Randgestaltung, in der der alte Dick die Geschichte erzählt. Zahlreiche Umsetzungen als Hörspiel gibt es bereits von „Alice im Wunderland“, diese stammt aus dem Jahr 1999. Einige Passagen werden hier stark in die Länge gezogen, andere wirken seltsam verknappt. So kommt ein kleines Ungleichgewicht zu Stande, was ein wenig merkwürdig wirkt. Die Charaktere kommen hier aber gut zur Geltung. „Der Wind in den Weiden“ dürfte für die meisten die unbekannteste der fünf Geschichten und ist auch noch nicht so oft adaptiert worden, kann also durchaus noch Überraschungen bergen. Die liebevollen Charaktere und ein wenig Skurrilität sorgen für Unterhaltung, auch wenn die Handlung den Hörer nicht so stark an sich binden kann, zu abstrakt die Geschehen in der Tierwelt. Den Abschluss der Box bildet „Das Gespenst von Canterville“ von Oscar Wilde. Hier wird eher Wert auf die komische Seite der Geschichte gelegt, die gruseligen Aspekte treten in den Hintergrund. Die Darstellung des Gespenstes, dem das Spuken nicht mehr so recht gelingen will, ist amüsant und witzig dargestellt. Fünf Hörspiele, die alle ihre kleinen Ecken und Kanten haben, insgesamt aber durchaus gelungen sind.

Natürlich ist hier eine Vielzahl an Sprechern zu hören, und jedes Hörspiel hat auch in diesem ganz unterschiedliche Qualitäten. Grandios ist beispielsweise Tilly Lauenstein als böse West-Hexe, hier kann die ihre volle Stärke ausspielen. Ihr kurzer Auftritt kann aber die eher durchschnittliche restliche Leistung des restlichen Ensembles nicht auffangen. Auch der wunderbare Traugott Buhre kann als Graf von Dorincourt die Wandlung vom hartherzigen alten Griesgram zum liebevollen Großvater gut aufgreifen. Auch bei „Alice im Wunderland“ wird keine herausragende Sprecherleistung geboten, Franziska Mager wirkt in der Hauptrolle manchmal zu blass. Gut ist allerdings die Besetzung von „Der Wind in den Weiden“, bei dem besonders Ilka Teichmüller als Maulwurf und John Yamoah als grummeliger Dachs überzeugen können. Die Sprecherliste beim „Gespenst von Canterville“ besteht unter anderem aus Peter Fricke, Marion von de Kamp und Horst Sachleben.

Trotz unterschiedlicher Produzententeams ist in Sachen Atmosphäre eine einheitliche Linie erkennbar, sie sind alle eher ruhig produziert und setzen eher auf ihre Sprecher denn auf einen bombastischen Sound. Da alle in den 90er Jahren aufgenommen wurden, klingen sie noch vergleichsweise modern und können mit hübschen kleinen Melodien und gut platzierten Geräuschen überzeugen.

Besonders die Gestaltung der Box ist außergewöhnlich und auffällig. Denn statt eines normalen Pappschubers befinden sich die fünf einzelnen, gewöhnlichen CD-Hüllen in einem Haus aus Pappe, bei dem sich das Dach öffnen und die CDs entnehmen lassen. Eine schöne Idee, nur nicht unbedingt für Kinderhände konzipiert. Die Cover der CDs sind einheitlich gestaltet, die schlichte Aufteilung wird jeweils durch ein Motiv aus dem Hörspiel ergänzt.

Fazit: Eine Box für kleine und große Kinder, mit wunderbaren Geschichten, die zwar nicht perfekt produziert wurden, aber durchaus viel Herz enthalten.

VÖ: 7.November 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-822-8


Die grosse Dramenbox (Heinrich von Kleist)



Erster Eindruck:

Ein Mädchen, das einem älteren Herren restlos verfallen ist... (Das Kähtchen von Heilbronn)
Die Scherben eines wertvolles Kruges als Beweis in einem spannenden Prozess... (Der zerbrochne Krug)
Ein treuer Diener, der durch einen intensiven Traum vom Krieg abgelenkt wird... (Prinz Friedrich von Homburg)
Eine rachelüsterner Gott, der eine Liebe auf die Prüfung stellt (Amphitryon)
Eine tiefe Liebe zwischen Verlangen und Krieg... (Penthesilea)

Der Audio Verlag ist dafür bekannt, anspruchsvolle Hörspiele zu publizieren, die meist als Radiohörspiele produziert wurden und schon seit geraumer Zeit in den Archiven liegen. In einer großen Box mit gleich fünf Hörspielen hat man sich nun dem Autor Heinrich von Kleist gewidmet, dessen Wirken auch heute noch seine Kreise zieht. Enthalten sind fünf seiner Dramen, von verschiedenen Sendern in verschiedenen Jahren produziert und damit auch mit unterschiedlichem Wirken. Die Sprache ist recht gehoben und wirkt auf unsere Ohren in dieser neuen Zeit sperrig, man findet nicht so schnell einen Zugang dazu. Es bedarf anfangs also großer Konzentration, der Handlung zu folgen und alles zu verstehen. Besonders ausgeprägt ist dieses Merkmal bei „Amphitryon“, das eigentlich eine Komödie ist, aber unglaublich viel Aufmerksamkeit braucht. Dabei ist die Geschichte an sich wirklich einfallsreich und handelt von griechischen Göttern und ihrem Wirken. Wesentlich leichter zugänglich ist Kleists wohl bekanntestes Werk, „Das Käthchen von Heilbronn“. Vielleicht liegt das auch an der Umsetzung des BR, das zeitgenössischer und dynamischer klingt. Die Geschichten sind allesamt anspruchsvoll, bieten aber auch erheiternde Momente oder hintergründigen Humor. So unterschiedlich die Umsetzungen auch sein mögen, hier finden Literatur-begeisterte genau das Richtige für gemütliche Abende.

Die recht kühle Umsetzung von Amphitryon schlägt sich auch bei Wolfgang A. Kaehler in der Hauptrolle nieder, der eine recht sachliche Interpretation gewählt hat. Im Gegensatz dazu klingt Dunja Movar als Käthchen von Heilbronn recht leidenschaftlich und kann ihre Gefühlswelt sehr gut transportieren. Eduard Wandrey spricht den Dorfrichter Adam in „Der zerbrochne Krug“ und legt genügend respektvolles Auftreten hinein, um die Rolle glaubhaft zu gestalten. Rolf Schult ist in der Hauptrolle in Kleists letztem Drama „Prinz Friedrich von Homburg“ zu hören und hinterlässt einen sehr positiven Eindruck. In Penthesilea sind unter anderem Maria Becker, Will Quadflieg und Elfriede Rückert zu hören.

Wegen der verschiedenen Produktionsteams und -jahren sind natürlich die Umsetzungen kaum miteinander zu vergleichen, vom steifen Amphityon bis hin zum runden „Der zerbrochene Krug“ werden viele Facetten gezeigt. Gemeinsam haben jedoch alle, dass eher die Dialoge im Vordergrund stehen und Musik und Geräusche eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Die stabile Pappbox, in der die fünf Hörspiele enthalten sind, ist hübsch in dunklen Blautönen gestaltet, die als Motiv das Ufer eines Sees zeigt. Jede der fünf Einzelhüllen hat neben der einheitlichen, sehr strukturierten und klaren Aufmachung ein recht modern wirkendes Titelbild erhalten, das am Rücken noch einmal im Kleinformat abgebildet ist und so einen hübschen Sammelrücken zeigt.

Fazit: Sehr anspruchsvoll und mit einer nicht zu unterschätzenden Hürde aufgrund der verwendeten Sprache werden hier fünf Werke Kleist präsentiert, die jedoch hörenswert sind.

VÖ: 19.August 2011
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1102-6


Die Nacht des Zorns (Fred Vargas)



Erster Eindruck: Ein Fall für Kommissar Adamsberg

Kommissar Adamsberg wird mit einem Mordfall in einem kleinen Dorf beauftragt, um den sich einige Mythen ranken. So will ein junges Mädchen mittelalterliche Reiter gesehen haben, die den Namen „wütende Armee“ bekommen haben. Doch bald sind noch zwei weitere Morde zu verzeichnen, und Adamsberg startet eine detailreiche Recherche. Doch wie die Fälle zusammenhängen, ahnt er zunächst nicht…

Der WDR hat zum Roman „Die Nacht des Zorns“ der beliebten französischen Krimiautorin Fred Vargas ein zweiteiliges Radiohörspiel produziert, eben jenes ist nun auch bei Lübbe Audio als Doppel-CD erschienen. Besonders prägnant an diesem Hörspiel ist die Ruhe die es ausstrahlt. Von Beginn an sind es die leisen Töne, die hier angeschlagen werden, was der Geschichte einen ganz speziellen Ausdruck verleiht. Eine wirkliche Steigerung wohnt ihm zumindest von der Produktion nicht inne, auch das Tempo bleibt sehr gemächlich. Spannung kann trotzdem (oder gerade deshalb?) aufkommen, die sehr analytische Vorgehensweise von Kommissar Adamsberg verführt den Hörer zum intensiven Miträtseln. Die verschiedenen Todesfälle, dazu der mythische Hintergrund, die Geschichte, die sich langsam aufdröselt und neue Erkenntnisse bietet, das alles ist gut erzählt. Trotzdem wünscht man sich als Hörer, dass manchmal etwas mehr Leidenschaft, etwas mehr Extrovertiertheit aufkommt. Gerade im dramatischen Ende hätte es mehr Eindruck hinterlassen, auch die Geschichte hätte dies hergegeben. So ist „Die Nacht des Zorns“ schon fast zu ruhig, für Krimifans mit Anspruch aber sehr hörenswert.

Ulrich Gebauer spricht hier den Adamsberg. Mit seiner ruhigen, festen Stimme steht er wie der Fels in der Brandung, trägt den Verlauf der Geschichte und zieht sich im richtigen Moment auch mal aus dem Mittelpunkt des Geschehens zurück. Ihm zur Seite steht Felix von Manteuffel als Commandante Danglard mit seinem sehr intensiven Klang, den er auch hier wieder bestens zur Steigerung der Atmosphäre einsetzen kann. Erzähler ist hier Udo Schenk, der die wenigen Passagen mit viel Eindruck spricht. Weiterhin zu hören sind unter anderem Matthias Kiel, Marlon Kittel und Denis Moschino.

Die musikalische Untermalung ist sehr ruhig und verstärkt somit den Ausdruck der Geschichte, der ohne große dramatische Höhepunkte auskommt. Dabei wurde viel Musik verwendet, die klangvoll und düster ist, meist aber im Hintergrund bleibt und die Szenenwechsel sanfter gestaltet. Hier wurde hörbar viel Mühe verwendet, den passenden Ausdruck von Melodie und Handlung in Einklang zu bringen, was auch gut gelungen ist.

Die Axt, die bei der Auflösung des Falles eine wichtige Rolle übernimmt, hat ihren festen Platz auf dem Cover gefunden, leicht mit Rost besetzt ist sie auf grünem Hintergrund ein passendes Motiv. Der Name der Autorin nimmt hierauf wesentlich mehr Raum ein als der Titel. Das Innere ist schlicht und übersichtlich gestaltet, zu finden sind zudem noch einige Kurzinformationen über Fred Vargas.

Fazit: Ein sehr ruhiges, aber eindringliches Hörspiel mit einer spannenden Geschichte und einer sehr guten Auflösung, die aber intensiver hätte erzählt werden können.

VÖ: 21.September 2012
Label: Lübbe
Bestellnummer: 978-3-7857-4699-8


Die Biene Maja



Erster Eindruck: Bekannte Figur, liebevolle Umsetzung

Eines Tages schlüpft in einem Bienenstaat eine kleine Biene, die von Anfang an anders ist als die anderen Bienen. Ihre Erzieherin Kassandra verzweifelt schnell an ihr, denn sie sucht sich nicht nur ihren Namen selbst aus, sondern fängt auch von allein an zu fliegen. Als die Biene zum ersten mal aus dem Bienenstock kommt, beschließt sie, nicht mehr zurück zu kehren – es handelt sich natürlich um die Biene Maja...

„Die Biene Maja“ kennen wohl die meisten aus ihrer Kindheit als Zeichentrickserie mit dem berühmten Titellied, diese basiert allerdings auf dem Kinderbuch von Waldemar Bonsels, von dem es auch ein liebevoll produziertes Hörspiel gibt. In der Serie mit dem weißen Rücken bringt der Audio Verlag nun eine Neuauflage auf den Markt. Schnell merkt man die Unterschiede zur Serie, Willi beispielsweise ist hier nicht ständiger Begleiter von Maja. Vielmehr reist die Biene durch die Welt und lernt immer neue Freunde kennen, unterhält sich mit ihnen und erfährt so von unterschiedlichen Anschauungen und Lebensweisen. Es wird gezeigt, dass Individualität wichtig ist und jeder seine eigene Art finden muss. Und gegen Ende gibt es dann auch noch einen spannenden Höhepunkt, als Maja von einem geplanten Angriff der Hornissen auf den Bienenstaat erfährt und versucht, dies zu verhindern. Die vielen charmanten Figuren, die lustigen Begegnungen, die witzigen Songs, die in das Hörspiel eingebettet sind, die deutliche Bekenntnis zur Individualität – all das macht diese Produktion zu einem sehr gelungenen Teil der Reihe und ist eine klare Empfehlung für Kinder wie Eltern.

Simone von Zglinicki spricht die Biene Maja und ist dabei ebenso verspielt wie mutig und engagiert. Durch sie entsteht eine sympathische und liebevolle Figur und wird den Erwartungen an diese Hauptrolle voll gerecht. Als Kassandra ist Jutta Wachowiak zu hören und vertritt dabei den organisierte Bienenstaat, lässt aber auch immer wieder eine kleine Sehnsucht nach Freiheit aufkommen. Puck, die Stubenfliege bekommt die Stimme von Johanna Schall, die sehr lebhaft wirkt. Weitere Sprecher sind unter anderem Gerd Grasse, Ulrich Voß und Hans Teuscher.

Viele Hintergrundgeräusche sorgen für eine harmonische Stimmung, beispielsweise Vogelgezwitscher. An Musik ist während der Handlung nicht viel eingebaut, aber immer wieder werden Lieder von den Figuren gesungen, die ebenso witzig wie aussagekräftig sind. Die flotten Melodien und die Texte passen sehr gut zusammen und bilden immer wieder kleine Höhepunkte.

Diese Neuauflage hat ein neues Cover verpasst bekommen und wirkt nun moderner, aber auch ein wenig verträumter als vorher. Zu sehen sind Maja, Willi und Stubenfliege Puck, in einer romantischen Zeichnung. Auch die Blumenwiese kommt hier gut zur Geltung. Die restliche Gestaltung ist wie immer sehr strukturiert und gelungen.

Fazit: Die vielen niedlichen Figuren und die unterschiedlichen Weltanschauungen ergänzen sich zu einem unterhaltsamen und pfiffigen Hörspiel.

VÖ: 1.August 2012
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-197-2


Charles Dickens – Die große Hörspieledition



Erster Eindruck: Drei Waisenjungen Geschichten

Der kleine Waisenjunge Pip wächst in bescheidenen Verhältnissen auf und träumt von einem besseren Leben. Als er von der exzentrischen Miss Havisham in die Gesellschaft eingeführt wird, scheint dieser Traum näher zu rücken („Große Erwartungen“)
Der kleine Waisenjunge David Copperfield wird nach dem Tod seiner Mutter von seinem Stiefvater zuerst in ein Internat, danach in eine Fabrik geschickt. Doch nie verliert er seinen Lebensmut, was auch an seinen vielen Freunden liegen mag („David Copperfield“)
Der kleine Waisenjunge Oliver Twist flieht aus dem Kinderheim mitten ins große London, doch auch dort ergeht es ihm nicht viel besser. Denn er gerät an eine Diebesbande, die ihn schnell für ihre Zwecke benutzt... („Oliver Twist“)

Charles Dickens gehört auch heute noch zu den bekanntesten Autoren für Kinderliteratur, viele seiner Werke sind zu Klassikern avanciert, die nichts von ihrer Popularität verloren haben. Drei dieser Romane hat der Hörverlag nun in einer Box veröffentlicht, die ganz dem Autor gewidmet ist Neben den Radiohörspielen „Große Erwartungen“ und „David Copperfield“ ist auch das selbst produzierte „Oliver Twist“ enthalten. Trotz unterschiedlichen Handlungsverläufen und Stimmungen haben die drei Werke jedoch einigen gemeinsam: So wird der Zeitgeist des 19. Jahrhunderts aufgegriffen und widergespiegelt, was gerade in der heutigen Zeit interessant ist. Zudem handelt es sich bei allen drei Hauptfiguren um Waisenjungen, die ihr Schicksal auf die ein oder andere Weise meistern. „Große Erwartungen“, das die Box mit 3 CDs eröffnet, kann mit vielen soziologischen und analytischen Ansätzen aufwarten, verliert dabei aber nie den tragikomischen Ansatz und kann mit seinem flüssigen Verlauf gut unterhalten. Dabei ist besonders der enge Bezug zu den Hauptfiguren ausschlaggebend, der in dieser Umsetzung besonders herausgearbeitet wird. „David Copperfield“ geht stark auf die viktorianische Zeit ein und greift viele, damals prägnante Themen auf. So wird es neben der anrührenden Geschichte zum interessanten Zeitzeugnis und lässt einen in die Vergangenheit eintauchen. Hier wurde der lebensfrohe und durch und durch optimistische Charakter der Hauptfigur stark betont. „Oliver Twist“ dürfte von diesen dreien der populärste Roman sein und wurde schon oft von zeitgenössischen Hörspielmachern umgesetzt. Trotzdem ist es immer wieder schön, die herzergreifende Geschichte zu hören, die an einigen Stellen vor Ungerechtigkeit schreit, am Ende aber natürlich jedem das gibt, was er verdient. Drei Waisenjungen-Geschichten, die berühren und ans Herz gehen, zumal wenn sie so stimmig wie hier umgesetzt werden.

Zahlreiche namhafte Sprecher wurden hier engagiert und erwecken die Geschichten zum Leben. Mit seiner auffälligen Stimme sticht Jens Wawrzeck wie immer ein wenig hervor und kann jede Menge Lebensfreude mit einbringen. Sehr gefreut hat es mich, die fabelhafte Witta Pohl mal in einem Hörspiel zu hören, sie bringt ihre unnachahmliche Art und ihr großes schauspielerisches Können sehr gut mit ihrer Figur in Einklang. Auch Ulrich Noethen ist eine hervorragende Wahl und kann mit seiner eindringlichen Sprechweise überzeugen. Weitere Sprecher sind unter anderem Jörg Pleva, Helmut Zierl und Susanne Lothar.

Allen drei Adaptionen ist gemein, dass sie sehr atmosphärisch gestaltet sind und die Stimmung der damaligen Zeit aufgreifen. So wurden sehr warme Melodien komponiert, die gut mit der Handlung harmonieren und sich organisch einfügen. Auch die Vielzahl an verschiedenen Geräuschen kann überzeugen, zumal sie gut eingefügt wurden und für zusätzliche Atmosphäre sorgen.

Auch die Covergestaltung verströmt viktorianisches Flair und ist in warmen Braun und Beige gehalten. Im Fokus steht hier der Name des Autors und die Bezeichnung der Box, während die ansprechende Zeichnung von Londons Dächern den Hintergrund dezent ausschmückt. Die einfache Plastikhülle setzt diesen positiven Eindruck leider etwas herab, und auch das Booklet ist nicht sonderlich ausführlich gehalten.

Fazit: Drei Hörspiele von Gut und Böse, ebenso unterhaltsam wie lehrreich. Schön, wie hier die Stimmung der Geschichten betont wurde.

VÖ: 7.November 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-815-0


Clockwork Orange



Erster Eindruck: Kein Hörspiel zum Film, sondern eigenständig

Gewalt beherrscht das Leben von Alex und seiner Gang, die ihre Stärke gern an wehrlosen Leuten demonstrieren. Doch eines Tages stirbt eines der Opfer, und Alex wird zu einer hohen Gefängnisstrafe verurteilt. In einer Therapie mental gebrochen kommt er bald darauf wieder auf freien Fuß – und begegnet einigen seiner Opfer, dieses mal ganz allein...

Clockwork Orange hat insbesondere in seiner Verfilmung für Furore gesorgt, doch auch als Hörspiel wurde der Roman von Anthony Burgess schon umgesetzt. Federführend war der mdr im Jahr 1995, der Wolfgang Rindfleisch als Regisseur verpflichtet hat. Die Geschichte ist – wie das Arrangement – verstörend und vielschichtig. Zunächst bekommen wird die Grundlage, die Ausgangssituation präsentiert, in der Alex seinen Gewaltausbrüchen und dem Leben mit Drogen und Sex frönt. Diese Zeit ist auch wahrlich nötig, nicht nur um die Charaktere kennen zu lernen, sondern auch, um sich an den ungewöhnlichen Ausdruck des Hörspiels zu gewöhnen. Die Geschichte in der Zukunft angesiedelt (zumindest zum Zeitpunkt des Entstehen des Romans), völlig neue Vokabeln und Ausdrücke stören ein wenig das Hereinfinden in die Geschichte. Zudem wirkt alles etwas collagenhaft und unzusammenhängend, ein Element, das sich durch das gesamte Hörspiel zieht. Der Umbruch in Alex' Leben, der mit seiner Verhaftung beginnt, wird in seiner ganzen Tragweite dargestellt, kommt aber wegen des künstlerischen Ausdrucks nicht ungefiltert beim Hörer an und wird eher verfremdet. Das muss man mögen und ist sicherlich nicht für die breite Masse bestimmt, sondern vielmehr ein Liebhaberstück.

Die Sprecher sind gut besetzt, auch in den Nebenrollen, wobei sich das meiste natürlich um Martin Olbertz als Alex dreht. Seinen frühen Sadismus kann er ebenso gekonnt umsetzen wie die spätere Wandlung, die er glaubwürdig vollzieht. Nur stellenweise wirkt er etwas zu gedämpft. Winfried Glatzeder ist als Alexander zu hören, auch seine markante Stimme kann überzeugen und wirkt intensiv auf den Hörer. Peter W. Bachmann ist als Dim zwar in keiner sonderlich großen Rolle zu hören, diese setzt er aber mit großer Professionalität um. Weitere Sprecher sind Thomas Rudnick, Wolfgang Winkler und Ellen Hellwig.

Zuständig für die Komposition ist Trötsch. Gewählt wurde eine ganz spezielle Richtung, die das Ungewöhnliche, aber auch Harte und Brutale der Geschichte untermalt und ihr auf vielfältige Weise Ausdruck verleiht. Hier passt alles gut zusammen und geht auch mit den eingebauten Geräusche eine enge Symbiose ein, sodass alles sehr stimmig wirkt.

Ein Motiv aus dem Film Clockwork Orange wurde als Cover gewählt, um dessen Popularität zu nutzen. Im krassen Gegensatz zu dem Foto in Sepia steht der dicke Titel in Orange, welches sich auch durch die restliche Aufmachung zieht. Zusätzliche Informationen sucht man hier leider wieder vergeblich, lediglich ein Foto von Sprecher Winfried Glatzeder ist auf der Rückseite zu sehen.

Fazit: Anspruchsvoll, von Gewalt durchzogen, experimentell. Clockwork Orange ist alles andere als Massenware.

VÖ: 1.März 2012
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-158-3


Böses Ende



Erster Eindruck: Ein Mord und seine Folgen

Kuli ist neu in der Stadt und arbeitet den ersten Tag in einem Call Center. Dort lernt er Paul kennen, und gemeinsam bekommen die beiden einen Anruf, in dem eine Frau offensichtlich bedroht wird. Gemeinsam fahren sie zu der Wohnung und finden die Frau übel zugerichtet vor. Doch am nächsten Tag bekommen sie Besuch von der Polizei – die geheimnisvolle Anruferin wurde ermordet...

Sven Stricker sorgt mit seinen Hörspielproduktionen immer wieder für Aufmerksamkeit für seine innovativen Ideen. Auch „Böses Ende“ hat eine genauere Betrachtung verdient, ist es doch ein sehr unterhaltsames und außergewöhnlicher Krimi. Schön ist, dass hier kein zynischer Kommissar oder ein ungleiches Ermittlerteam im Mittelpunkt steht, sondern zwei stink-normale Typen, nicht mal besonders clever. Hieraus ergibt sich oftmals ein großer Witz, der zum Unterhaltungswert jede Menge beiträgt – beispielsweise wenn der unsichere Kuli von einem Fettnapf in den nächsten tritt und Paul deswegen ziemlich genervt ist. Doch neben dem witzigen Aspekt steht eine intelligente Krimihandlung im Vordergrund, die mit einem grandiosen Aufbau und einem mehr als überraschenden Ende punkten kann. Gleich mehrere zwielichtige Gestalten, getrieben von egoistischen Wünschen, treiben ihr Unwesen, bald weiß der Hörer kaum noch, was er eigentlich glauben soll. Und auch Kuli und Paul geraten auf Abwege und nutzen ihre Chancen aus – ein weiterer Punkt, weswegen die Hauptfiguren nicht nur als strahlende Helden dastehen, was sie umso sympathischer macht. Es geht um Korruption, das Machtgefüge der Politik, persönlich enttäuschte Liebe und einen ziemlich unausstehlichen Chef. Mal wird ein nüchterner Blick auf eine leidenschaftslose Beziehung geworfen, mal über eine ordentlich sortierte Plattensammlung gewitzelt. Das alles macht richtig Spaß, das Skript ist hervorragend und auch die Umsetzung kann sich an hohen Maßstäben messen lassen. „Böses Ende“ ist ein ungewöhnlicher Krimi, eine Mischung aus verschiedenen Stilrichtungen und mehr als gelungen, sondern eine klare Empfehlung wert.

Der Sprechercast ist mit 9 Stimmen nicht sonderlich umfangreich, aber dafür sehr gut besetzt, für jede Rolle wurde ein passender Sprecher gefunden. Bjarne Mädel, der bisher nicht sonderlich in Hörspielen in Erscheinung getreten ist, hat als Kuli eine ebenso wichtige wie witzige Rolle bekommen. Diese kann er mit seiner charmant verpeilten Art und einer konstant sehr guten Leistung wunderbar umsetzen. Ihm zur Seite steht Florian Lukas als Paul, auch er ist sehr überzeugend und kann mit Spontanität und einer glaubwürdigen Sprechweise punkten. Sehr gut hat mir Ulrike C. Tscharre als ebenso desillusionierte wie machthungrige Susanne Bürger gefallen, die in ihrer Stimme immer die negative Atmosphäre ihres Charakters durchscheinen lässt. Auch die anderen Sprecher wie Lutz Herkenrath, Stephan Schad und Mareike Fell.

Mit einer klassisch besetzten Band auch Keyboards, Gitarre und Bass ist der Soundtrack zum Hörspiel unter der Leistung (und Komposition) von Kay Poppe entstanden. Er hat einen eher lockeren Klang für die Handlung gewählt, der sich nicht sonderlich aufdrängt und die Geschichte wirken lässt, ohne seine Wirkung zu verlieren und an den richtigen Stellen Akzente zu setzen.

Eine innovative Idee ist auch im Booklet zu finden, in dem den Sprechern eine Frage zu ihrem Charakter mittels Mimik und Gestik auf einem Foto beantworten. Umso mehr geht dieses Konzept auf, da die Fotos in Schwarz-Weiß gehalten sind, während sonst ein kräftiges Orange verwendet wird. Auch auf dem Cover sind die beiden Hauptsprecher abgebildet – eine sehr gelungene Gestaltung!

Fazit: Witzig, spannend, unterhaltsam und mit einem richtig guten Schluss – ein außergewöhnliches Hörspiel, das man sich unbedingt einmal anhören sollte!

VÖ: 18.Mai 2012
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-4755-1


Bullerbü - Die große Hörspielbox



Erster Eindruck: Bekannte Geschichten liebevoll erzählt

Lisa wohnt mit ihren beiden Brüdern im kleinen Dorf Bullerbü, das gerade einmal drei Höfen besteht. Zusammen mit Britta und Inga vom Nordhof und Ole und Kerstin vom Südhof gehen sie jeden Tag gemeinsam zur Schule und brauchen dafür immer ziemlich lange. Doch auch in den Ferien erleben die Kinder aus Bullerbü etliche Abenteuer...

Die Abenteuer der "Kinder aus Bullerbü" gehören zu den bekanntesten Werken der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren, drei Bücher hat sie über das fiktive Dorf geschrieben. Diese wurden 1969 bzw. 1987 vom Oetinger Verlag umgesetzt und sind noch heute im Verlagsprogramm. Alle drei Hörspiele sind nun auch zusammen erhältlich und sind so ein Muss für Lindgren-Fans, die bisher die Hörspiele nicht kannten. Und diese lohnen sich, denn sie sind genauso liebevoll umgesetzt wie die originalen Geschichten von Lindgren wirken! Die Bücher haben keinen erkennbaren roten Faden sondern erzählen kleine Abenteuer oder auch Alltagsgeschichten der sieben Kinder aus der Sicht von Lisa. Dabei geht es nicht unbedingt sonderlich actionreich zur Sache, auch in Sachen Komik hält sich Lindgren größtenteils zurück. Aber die Geschichten sind so kurzweilig und ein wenig romantisch verklärt, dass man sehr gerne lauscht - die Welt ist in Bullerbü noch völlig in Ordnung. Mal sind sie humorvoll, mal nachdenklich, mal behandeln sie kleinere Streitereien zwischen den Kindern, wobei jedes noch so kleine Ereignis sehr liebevoll beschrieben wird. Dazu passen auch die Charaktere, die von Lindgren deutlich herausgearbeitet werden und stark die Geschichten prägen. Eine tolle Box mit wunderschönen Hörspielen, die nicht nur bei Kindern gut ankommt.

Aufgrund der zwei verschiedenen Produktionsterminen sind im ersten Teil andere Sprecher zu hören, was aber den Genuss der Box nicht weiter stört. Saskia Weckler übernimmt in den beiden späteren Folgen die Rolle der Lisa und kann mit ihrer fröhlichen Stimme sehr lebendig wirken und erzählt die Geschichten gekonnt. Auch Tobias Pauls kann als Bosse mit guter Betonung und glaubhaften Auftreten überzeugen. Erzähler ist hier Manfred Steffen, dessen ruhige Stimme gut passt. Sprecher aus dem ersten Teil sind unter anderem Monika Ogorek, Helmut Ahner und Santiago Ziesmer.

Auch musikalisch merkt man den Unterschied von immerhin 18 Jahren zwischen den beiden Produktionen. Alle drei Hörspiele sind mit sanfter Musik als Zwischenspiel unterlegt, die ein wenig von Schwedens Dorfidylle transportieren und das Gesprochene auflockern. Dabei stehen immer klar die Sprecher im Vordergrund.

Eine typische Illustration aus der Lindgren-Welt ist auf dem Cover zu sehen, rotes Haus mit Veranda inklusive. Auch hier wird nicht mit großen Effekten, sondern mit einem gewissen nostalgischen Effekt gearbeitet. Überraschend dick ist das Booklet, das Infos über Astrid Lindgren und das fiktive Dorf Bullerbü sowie ausführliche Tracklisten enthält und das auseinandergeklappt ein kleines Poster ergibt. Eine schöne Idee!

Fazit: Hier steht der Moment mit lustigen und idyllischen kleinen Geschichten im Vordergrund. Wunderschön und unterhaltsam!

VÖ: August 2010
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0537-1


Bulle und Pelle



Erster Eindruck: Warmherziges Hörspiel über den Tod

Bulle, der eigentlich Balduin heißt, versteht nicht so recht, dass ein Kaninchen Pelle wirklich tot ist. Irgendwo muss er doch jetzt sein. Und so macht sich Bulle auf die Suche, fragt erst einmal seine Knackoma, wo Pelle jetzt ist. Doch so recht mag die Antwort nicht überzeugen, sodass er auch ganz andere Leute fragt...

Der Tod ist immer ein schwieriges Thema für Kinder, die nicht so recht einordnen können, was da wirklich vor sich geht. Gespräche mit den Eltern kann ein Hörspiel da sicher nicht ersetzen, einen kleinen Beitrag zum Verständnis und zur Verarbeitung kann aber beispielsweise „Bulle und Pelle“ von Oetinger Audio leisten, das mit seiner geringen Spielzeit und der eher lockeren Atmosphäre auch für kleinere Zuhörer geeignet ist – in einer entsprechenden Situation kann die Altersangabe von 6 Jahren auch durchaus unterschritten werden. Sanftmütig wird hier der Frage nachgegangen, was mit Tieren (und Menschen) eigentlich nach dem Tod passiert, wohin sie gehen. Auch der Gedanke einer Seele wird aufgegriffen und Kindern nahe gebracht. Verschiedene Ansätze zur Erklärung, was mit den Verstorbenen passiert, werden angebracht, nur allzu deutlich vermögen sie sich nicht recht zu unterscheiden – hier wird eher auf eine klare Linie gesetzt, um Kinder nicht unnötig zu verwirren. Die liebevollen Figuren sind sehr gut gezeichnet, besonders die Knackoma kann mit ihrem charmanten Auftreten für warme Momente sorgen. Ein kleines Hörspiel für Kinder, die sich mit dem Thema Tod beschäftigen wollen – mehr will Bulle und Pelle auch gar nicht sein. Und als ein solches kann es auch ganz überzeugen.

Nur sechs Sprecher tauchen in diesem Hörspiel auf, und bis auf Bulle hat keiner eine wirklich große Rolle. Dieser wird von Leon Seibel gesprochen, der in dieser Rolle durchaus glaubwürdig klingt. Nur der Sprachfluss könnte manchmal etwas spontaner wirken. Wunderbar ist Katharina Thalbach als Knackoma, die mit ihrer warmen und rauen Stimme für eine sehr schöne Szene sorgt. Eine wichtige Rolle als Stadtstreicher Joe hat Andreas Fröhlich, der seiner sonnige Stimme hier eine ganz andere Facette gibt als gewohnt. Auch Erzähler Martin Baltscheit, Metzger Konstantin Graudus und Anne Moll als Mutter können überzeugen.

Ein bisschen Musik untermalt hier das Geschehen, Geräusche sind eher weniger untergebracht und spielen eigentlich keine Rolle. Die Gitarrenmelodien sind sanft und ruhig, ihnen wohnt aber ein gewisser Zauber inne, der die Atmosphäre des Hörspiels einzufangen und zu verstärken weiß.

Blau ist die dominante Farbe der Aufmachung und zieht sich durch die gesamte Gestaltung. Das Titelbild ist ansprechend und passend, dazu noch kindgerecht gezeichnet. Das Booklet enthält neben einer Auflistung der einzelnen Tracks noch Kurzinformationen und Fotos zu allen Sprechern sowie Autor Kilian Leypold.

Fazit: Eine liebevolles kleines Hörspiel, in dem das Thema Tod seinen Schrecken verliert und einige wichtige Fragen zu beantworten hilft.

VÖ: Februar 2012
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0624-8


Bertolt Brecht Dramen



Erster Eindruck: Brechts Werke in behutsamen Umsetzungen

Im Londoner Soho tobt ein erbitterter Krieg zwischen zwei völlig gegensätzlichen Gestalten der Unterwelt: Der Kopf der Londoner Bettelmafia Jonathan Peachum und der Verbrecher Mackie Messer wollen sind verfeindet – und das weil Peachums Tochter eine Liaison mit Mackie eingeht… (Die Dreigroschenoper)
Mutter Courage zieht in den Wirren des Zweiten Weltkrieges mit einer finnischen Soldatengruppe nach, um sie zu verpflegen und somit ihr Einkommen zu sichern. Doch eines Tages wird sie von einem Feldwebel angehalten, der ihre beiden Söhne einziehen will… (Mutter Courage und ihre Kinder)
Drei Götter ziehen um die Welt um zu sehen, ob noch genügend gute Menschen auf ihr weilen. Die Prostituierte Shen Te ist die einzige, die sie bei sich aufnimmt und wird deswegen reichlich entlohnt. Doch mit dem Erwerb eines Tabakladens gehen die Probleme erst richtig los… (Der gute Mensch von Sezuan)
Annas Balickes Verlobter Andreas Kragler ist seit dem ersten Weltkrieg verschollen, von ihren Eltern unter Druck gesetzt geht sie nun eine neue Verlobung mit dem wohlhabenden Murk ein. Doch dann taucht Kragler wieder auf… (Trommeln in der Nacht)
Galileo Galilei entdeckt bei seinen Studien, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht anders herum. Die katholische Kirche, die ihre Macht zu verlieren fürchtet, stellt sich dem Wissenschaftler entgegen… (Leben des Galilei)
Im nationalsozialistischen Deutschland prägen Misstrauen, Angst und Unsicherheit das Leben. Ein Richter beispielsweise ist trotz eindeutiger Sachlage so verunsichert, dass er kaum eine rechte Entscheidung treffen kann… (Furcht und Elend des Dritten Reiches)

Bertold Brecht gilt als einer der bedeutendsten Dramatiker Deutschlands und wird auch heute nicht nur an vielen Schulen gelesen, auch seine Dramen werden bis heute aufgeführt. Grund genug, sich ein wenig näher mit seinem Werk zu beschäftigen. Eine zudem noch sehr unterhaltsame Möglichkeit hierfür bietet der Audio Verlag, der die Box „Bertold Brecht Dramen“ mit 6 seiner Stücke auf 10 CD ausgestattet hat. Diese stammen aus ganz unterschiedlichen Schaffungsperioden des Autors, haben aber alle einen starken gesellschaftskritischen Bezug und greifen auch heute noch aktuelle Themen auf. Sein berühmtestes Drama ist wohl „Die Dreigroschenoper“, die hier in einer Umsetzung mit Ulrich Lauterbach als Regisseur vorliegt. Sowohl die Dialoge als auch die Lieder sind sehr gelungen umgesetzt, ihnen haftet tatsächlich dieses etwas verfremdete Theaterhafte an, das Brecht der Geschichte verleihen wollte. Ein klarer Aufruf gegen den Krieg ist „Mutter Courage und ihre Kinder“, ein nicht gerade leicht zugängliches Stück, sondern immer etwas sperrig. Dieses wurde hier behutsam umgesetzt und an das Medium Hörspiel angepasst, die Schauspieler sind hier sehr ausdrucksstark und tragen das Geschehen so noch näher an den Hörer. „Der gute Mensch von Sezuan“ ist das unterhaltsamste der Stücke und wurde sehr eingängig umgesetzt. Die Frage, ob man in dieser profitorientierten Welt noch gute Taten vollbringen kann, ohne zu leiden, wird sehr interessant nachgegangen, die Idee mit den Göttern bettet sich gekonnt in das Thema ein. „Trommeln in der Nacht“ ist ein sehr frühes Werk von Brecht und hat noch nicht die typischen Elemente seiner Stücke. Diese Umsetzung ist mir ein wenig zu überzeichnet und für mich die schwächste in dieser Box. „Leben des Galilei“ dreht sich um den berühmten italienischen Wissenschaftler und greift viele reale Begebenheiten auf, zeigt sein Leben über viele Jahre und lässt sich auf verschiedene gesellschaftliche Thematiken beziehen, die Umsetzung ist hier durchaus gelungen. „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ ist episodenhaft angelegt, die einzelnen Szenen haben keinerlei Bezug zueinander und zeigen eindrucksvoll, wie der Nationalsozialismus das alltägliche Leben abseits all der Gräueltaten beeinflusst hat, welche Angst herrschte. Eine sehr gelungene Sammlung von einem Auszug seiner Werke, gut zusammengestellt und sehr empfehlenswert.

Natürlich ist hier eine Vielzahl an Sprechern am Werke, einige bekannte aber auch viele unbekannte Namen sind in den Listen zu lesen. Horst Tappert beispielsweise ist als Mackie Messer in der Dreigroschenoper zu hören. Seine markante Stimme verleiht dem Charakter etwas sehr Einzigartiges, Tappert kann hier völlig aus sich herausgehen und steht unangefochten im Mittelpunkt. Großartig gefällt mir Cläre Ruegg als Mutter Courage, die intensiv und eindringlich diese Figur aufgreift, eine klare Linie findet und vollkommen zu überzeugen weiß. Nicht minder wunderbar ist Sonja Kehl als Shen Te , die sowohl als feinfühlige Frau als auch als ihr zweites Ich, der harte Shui Ta die richtigen Töne trifft und den Unterschied zwischen beiden sowie Shen Tes Gewissenskonflikt gut herausarbeitet. Hermann Schomberg spricht den Galileo Galilei mit Leidenschaft und kann somit die Figur genau einfangen. Weitere Sprecher sind Peter Roggisch, Maria Häussler und Klausjürgen Wussow.

Auch wenn ganz unterschiedliche Teams an den Umsetzungen gearbeitet haben, sind die Gemeinsamkeiten in Sachen Akustik groß. So ist während der Dialoge kaum Musik zu hören, und auch mit Geräuschen wird sparsam umgegangen. So bekommt das ganze einen sehr theateresken Ausdruck. Immer wieder hat Brecht Lieder in seine Stücke eingebaut, die hier ebenso verfremdend erscheinen und so ihre Wirkung nicht verfehlen.

Bertold Brecht ist natürlich auf dem Cover zu sehen, in einer schwarz-weißen Fotografie, milde lächelnd und mit Zigarre in der Hand. Auch im Inneren ist noch ein Foto von ihm zu sehen. Die Gestaltung ist sehr schlicht und übersichtlich, um kleinen Booklet sind alle wichtigen Produktionsinfos und alle Sprecher abgedruckt. Die einzelnen CDs sind in schlichten Papierhüllen untergebracht.

Fazit: Sechs Dramen, sechs ganz unterschiedliche Werke voller eindrucksvoller Szenen, und das in gelungenen Umsetzungen mit grandiosen Sprechern. Eine sehr gute Box mit viel Anspruch.

VÖ: Oktober 2012
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-231-3


Baudolino



Erster Eindruck: Ein Schelm und seine Lügen

Baudolino lebt als Sohn eines armen Bauern ein einfaches Leben, bis er bei der Begegnung mit dem großen König Barbarossa seine Chance wittert. Und tatsächlich: Durch eine geschickt gestrickte Lüge wird er von ihm adoptieret und fortan in zahlreiche Entscheidungsprozesse eingebunden. Mehr als einmal kann er so in die Geschichte eingreifen und durch weitere Geschichten große Taten vollbringen…

Umberto Eco ist den meisten wohl durch seinen Roman „Der Name der Rose“ bekannt, einem Thriller in einem mittelalterlichen Kloster. In eben jene Zeit kehrt er auch in „Baudolino“ zurück, das jedoch gänzlich andere Züge aufweist. Das Hörspiel, das in Zusammenarbeit von SWR und NDR im Jahr 2002 entstanden ist, ist nun wieder beim Hörverlag erhältlich. Erzählt wird aus der Sicht des schelmischen Baudolino, und das über fast sein ganzes Leben hinweg. Und schon mit seiner ersten Lüge zieht er den Hörer in seinen Bann, man erfreut sich an den geschickten Verstrickungen, die er sich immer wieder ausdenkt. So bekommt auf zahlreiche geschichtliche Vorgänge einen ganz anderen Blick – Eco hat den Verlauf der Ereignisse sehr eng in die Handlung eingebaut und verknüpft sie immer wieder mit Baudolinos Taten. Das ist sehr unterhaltsam aufbereitet, erfordert oftmals aber einige Vorkenntnisse, um alles gut verfolgen zu können und den hintergründigen Humor verstehen zu können. Zudem sind einige Passagen sehr ausgeschmückt und ziehen sich mit wortreichen Beschreibungen in die Länge. Der anspruchsvolle Erzählstil gepaart mit der trickreichen und unterhaltsamen macht „Baudolino“ zwar nicht zu leichter Kost, aber zu einem durchaus hörenswerten Hörspiel.

Die Auswahl der Sprecher ist sehr gut gelungen, über 30 Schauspieler haben sich in den zahlreichen Rollen vor dem Mikrofon versammelt. In der Hauptrolle des Baudolino ist Jens Wawrczeck zu hören. Seine immer etwas kindliche Stimme klingt hier herrlich spitzbübisch und lässt den diebischen Spaß an den weitreichenden Entwicklungen durchscheinen. Neben ihm ist auch Peter Fricke sowohl als handelnde Person als auch als Erzähler zu hören. Fricke ist als hochgestellter Staatsmann Niketas eingesetzt und kann seine Rolle sehr professionell und glaubhaft darstellen. Auch Michael Mendl ist als Barbarossa eine sehr gute Wahl, er ist absolut glaubwürdig und hat eine eingängige Sprechweise. Weitere Sprecher sind Sebastian Blomberg, Andreas Pietschmann und Irina Wanka.

Die Musik zu dieser Produktion wurde eigens hierfür komponiert und eingespielt, und das unter der Mitwirkung eines großen Orchesters. Die Stimmung des Mittelalters wurde hier sehr gut eingefangen und beeindruckt durch gekonnte Akzente, die wichtige Stellen der Handlung betonen. Alles greift hier sehr gut ineinander und lässt Handlung und Atmosphäre völlig miteinander verschmelzen.

Der Fokus des Covers liegt hier auf der Nennung des bekannten Autors, dessen Name aufwändig gestaltet wurde. Da wirkt der Titel des Hörspiels schon recht unauffällig und ist nicht einmal halb so groß. Als Hintergrund wurde die mittelalterlich anmutende Zeichnung eines Flötenspielers gewählt, in gedeckten Beigetönen ist ein Wolkenhimmel zu sehen. Das Booklet enthält neben den nötigen Informationen eine Kurzbiografie von Umberto Eco.

Fazit: Unterhaltung und Geschichte werden hier auf geschickte und interessante Weise miteinander verknüpft, Baudolinos Lügengeschichten sind gut aufgearbeitet worden.

VÖ: 11.Oktober 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-790-0


Agatha Christie – Drei Hörspiele



Erster Eindruck: Drei mal Mord von der Meisterin des Krimis

Leonard Vole wird beschuldigt, eine reiche Witwe ermordet zu haben. Die Indizien sprechen gegen ihn, denn kurz zuvor hat ihn die alleinstehende Frau in ihr Testament übernommen. Doch dann betritt die „Zeugin der Anklage“ den Gerichtssaal... (Zeugin der Anklage)
Sir Luke Enderby hat vor Gericht einen Sieg gegen den sogenannten Blondinenmörder errungen, obwohl seine Schuld nicht eindeutig bewiesen wurde. Doch seine Geliebte ist stärker in den Fall verwickelt, als er auch nur zu ahnen wagt... (Legale Tricks)
James Brent erhält einen Anruf von seiner Frau – obwohl diese kürzlich verstorben ist. Sofort macht er sich auf zu dem von ihr genannten Treffpunkt und macht bald eine schreckliche Entdeckung... (Die Stimme aus dem Grab)

Agatha Christie ist eine der berühmtesten Krimiautorinnen und auch heute noch in aller Munde. Zahlreiche Bühnenumsetzungen und Verfilmungen ihrer Geschichten gibt es, und eben auch Hörspiele. Drei davon hat der Hörverlag nun auf 2 CDs veröffentlicht, produziert von verschiedenen Radiosendern in unterschiedlichen Jahren. Den Anfang macht „Zeugin der Anklage“ aus dem Jahr 1995 vom Österreichischen Rundfunk. Die gesamte Handlung spielt ausschließlich während einer Gerichtsverhandlung, in der immer mehr Details zu dem Mord bekannt werden. Hier wirkt alles wie aus einem Guss, unterbrechende Musik oder Pausen werden nicht eingesetzt. Das wirkt manchmal etwas monoton, auch wenn dem die Sprecher mit einer guten Leistung entgegenwirken können. Dabei baut sich immer weiter Spannung auf, die zu einem gelungenen Showdown führt. Mit schlichten Mitteln umgesetzt ist diese Produktion dank ihrer spannenden Vorlage absolut hörenswert. Im Jahr 2000 hat der WDR „Legale Tricks“ produziert und einen ähnlichen Stil wie im ersten Hörspiel gewählt. Nur wenige Stilmittel unterbrechen die Dialoge oder lockern diese auf, sodass der Fokus allein auf den Sprechern und der Handlung liegt. Dennoch wirkt diese Geschichte ein wenig lockerer, kann aber auch nicht einen so starken Spannungsbogen aufbauen. Vielleicht liegt es daran, dass man den Verlauf ein wenig vorausahnen kann, doch auch dieses Hörspiel bietet kurzweilige Unterhaltung. Über 50 Jahre als ist „Die Stimme aus dem Grab“ vom SWR, das gerade dadurch seine eigene Faszination ausübt. Die Laufzeit ist recht kurz, und trotzdem gelingt es, den Hörer zu fesseln und an die Geschichte zu binden. Ein richtig gutes Hörspiel, das mich überzeugt hat. Genauso wie die komplette Box, die zeigt, warum Agatha Christie auch neben ihren beiden bekanntesten Figuren eine der beliebtesten Krimiautorinnen ist.

Peter Fröhlich ist in „Zeugin der Anklage als Leonard Vole zu hören. Seine markante Stimme setzt immer wieder Akzentpunkte in der Handlung und wirkt ebenso eifrig wie glaubwürdig. Gabriele Odinis spricht in „Legale Tricks“ die Florrie, auch sie hat eine interessante und einprägsame Stimme, die wunderbar zu der Figur passt und die so einen ganz eigenen Eindruck an den Hörer vermittelt. Ernst Fritz Fürbringer, der James Brent in „Die Stimme aus dem Grab“ verkörpert, trägt mit seinem intensiven Ausdruck maßgeblich zum Gelingen der Produktion bei und hält den Hörer stets auf Trab. Weitere Sprecher sind Sonja Sutter, Bernt Hahn und Edith Heerdegen.

Trotz unterschiedlicher Produktionsjahre ist bei der akustischen Gestaltung eine recht einheitliche Linie erkennbar. Alles ist recht minimalistisch instrumentalisiert und auch Geräusche sind kaum zu hören. Dies wirkt stellenweise etwas spröde und eintönig, betont aber die Dialoge umso mehr und legt den Fokus auf die Handlung und die Charaktere.

Die Aufmachung dieser kleinen Sammlung von Agatha Christie ist äußerst sparsam designt. Ein dunkelvioletter Rahmen umgibt einen grauen Kreis, darin zu sehen die Silhouette einer Frau, die ein Messer in der Hand hält. Im Inneren befindet sich lediglich ein Faltblatt, auf dem die nötigsten Informationen abgedruckt sind. Warum für nur zwei CDs eine so dicke Hülle benutzt wird, erschließt sich mir nicht so ganz.

Fazit: Drei spannende Fälle mit richtig guten Sprechern und minimalistischer Akustik, bei der die tollen Vorlagen gut zur Geltung kommen.

VÖ: 9.Januar 2012
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-724-5


Anton taucht ab



Erster Eindruck: Pudel und Piranha

Anton fährt mit seinen Großeltern in den Ferien auf einen Campingplatz, doch als er dort ankommt ist alles anders als er es sich vorgestellt hat. Kein Pool, nur ein schmutziger See, ziemlich viele Kinder, mit denen er nicht so recht warm werden will, und dann noch seine Großeltern, die ihn ständig dazu bringen wollen, im See zu schwimmen. Und auch das Angeln mit seinem Opa mag ihm anfangs so gar nicht gefallen...

Anton taucht ab“, ein Kinderbuch von Milena Baisch, wurde dieses Jahr in Co-Produktion von SWR und WDR als Radiohörspiel aufgenommen, und prompt hat es das Hörspiel auch ins Programm des Audio Verlags geschafft, der es als Teil seiner Reihe mit abgeschlossenen Kinderhörspielen aufgenommen hat. Anton ist ein etwas schräger Vogel, zieht sich lieber in sich selbst zurück statt Kontakt zu suchen, hat vor vielem Angst oder Ekel, bekommt ab und an Ausraster. Er ist ein Außenseiter, und so merkwürdig er auch manchmal wirken mag, schnell wird man mit seinem Charakter warm und versteht seine Beweggründe. Während dieses Urlaubs werden durch seine Veränderung viele Themen angesprochen, beispielsweise die Abkehr von Unterhaltungselektronik zu mehr Naturverbundenheit oder sich seinen Ängsten zu stellen. Wichtiger Punkt ist dabei Pudel, ein Junge, der eindeutig stärker und aggressiver als Anton ist. Zieht er sich anfangs noch zurück, bietet er ihm später tapfer die Stirn. Doch auch Piranha, ein Barsch, den Anton beim Angeln retten kann, spielt eine wichtige Rolle und wird zu Antons wichtigstem Bezugspunkt. Es ist die Vielfalt an Themen, die hier abgedeckt wird, die „Anton taucht ab“ so liebenswert und charmant macht, dieser umfassende Blick auf seine Gefühle, die mit knappen, aber sehr treffenden Worten beschrieben werden. Ein liebevolles Kinderhörspiel mit einem Ende, das Mut macht, seine Ängste zu überwinden.

Gerade einmal fünf Sprecher sind hier zu hören, und diese machen insgesamt ihre Sache sehr gut. Lyonel Holländer ist gleichsam als Anton als auch als Ich-Erzähler zu hören, und das macht er gerade in Hinblick auf sein Alter sehr gut. Er wirkt lebendig und spontan, kann die verschiedenen Gefühlslagen und Antons Wandlung gut darstellen. Opa wird von Joachim Nimtz gesprochen, seine ruhige Art und die tiefe Stimme lassen ihn schnell sympathisch wirken und Ruhe in das Hörspiel bringen. Rahel Ohm ist als Oma zu hören, auch sie kann einen guten Eindruck hinterlassen. Gerade die Mühe, Anton zu mehr Aktivität zu motivieren, ist gut dargestellt. Valentin Mirow als Pudel und Inga Axelsson als Marie ergänzen die Sprecherliste.

Musik und Geräusche halten sich hier eher im Hintergrund und überlassen den Dialogen den Vorrang, dienen nur zur Untermalung und zur atmosphärischen Gestaltung. Dabei sind es insbesondere die passenden und gut eingefügten Sounds, die das Geschehen lebendiger wirken lassen, bei der Musik werden exotische Instrumente wie Didgeridoo und Muschel verwendet.

In schlichtem, stilisierten Zeichenstil ist das Cover gehalten, Anton liegt darauf auf dem häufig angesprochenen Steg am kleinen See, einige Motive aus dem Hörspiel sind außerdem darauf zu finden. Ein kleiner Ausschnitt daraus ist auch auf dem Rücken der CD zu finden, sodass zusammengestellt ein netter kleiner Sammelrücken entsteht.

Fazit: Ein Einblick in die komplizierte Welt eines Jungen, in der viele Themen angesprochen werden. Ein hübsches Hörspiel mit Wiederhörpotenzial.

VÖ: 1.September 2012
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-202-3


Die dumme Augustine



Erster Eindruck: Der große Auftritt

Während Nicola den Haushalt macht und sich liebevoll um die beiden gemeinsamen Kinder kümmert, tritt ihr Mann tagtäglich Oleg als Clown im Zirkus auf. Doch Nicola hat einen geheimen Wunsch: Auch sie möchte einmal in der Manege stehen und die Leute zum Lachen bringen. Eines Tages wird Oleg von starken Zahnschmerzen geplagt und muss erst einmal zum Arzt...

Das Thema Zirkus fasziniert Kinder jeder Generation gleichermaßen, weswegen auch das Interesse an Geschichten aus dieser bunten Welt groß ist. Otfried Preußler hat mit „Die dumme Augustine“ ein solches Kinderbuch geschrieben, Ulla Illerhaus hat es für den WDR als Hörspiel bearbeitet, nun ist es auch beim Audio Verlag in seiner Kinderreihe erschienen. Und es beleuchtet beide Seiten der Zirkuswelt: Die glitzernden Auftritte ebenso wie die harte Arbeit und das Umherziehen von Stadt zu Stadt. Und ganz wie nebenbei werden von Otfried Preußler verschiedene gesellschaftskritische oder erzieherische Aspekte eingebaut, die jedoch nie im Vordergrund stehen. Die Geschichte ist schnell erzählt und nicht sonderlich komplex, sodass auch schon jüngere Kinder gut folgen können. Vielmehr wird in zahlreichen Szenen das Leben der Zirkusmenschen beschrieben, hier kommt viel Atmosphäre und Flair zum Vorschein. Besonders liebevoll sind die Dialoge, in denen Nicola sich mit ihren Kindern unterhält. Erst ganz zum Schluss kommt das eigentliche Kernstück der Erzählung an die Reihe, nämlich Nicolas Auftritt als dumme Augustine und wie es dazu kam. Sehr gelungen ist auch die Anwendung verschiedener Dialekte und Akzente, die allesamt nicht übertrieben und gut verständlich sind. In dieser schönen Kindergeschichte darf viel gelacht werden, es strahlt aber ebenso eine große Wärme aus und bietet den Zuhörern verschiedene Ansatzpunkte. Eine hübsche Produktion.

Camilla Renschke fühlt sich in der Hauptrolle der Nicola hörbar sehr wohl und kann die warmherzige Frau mit ihrer angenehmen Stimme charmant darstellen, dreht am Ende als dumme Augustine richtig auf und bereitet dem Hörer viel Spaß. Ihr Mann Oleg wird von Steffen Scheumann gesprochen, auch er kann seine Figur mit Leben füllen und gut auf die zuhörenden Kinder eingehen, ohne albern zu wirken. Bei Ben Falkenroth als deren Sohn Fritz holpert die Sprechweise manchmal etwas arg, was aber sicherlich am sehr jungen Alter des Jungen liegt. Weitere Sprecher sind Vittorio Alfieri, Karlheinz Tafel und Tom Zahner.

Die akustische Inszenierung hält sich eher zurück und legt so den Fokus auf die Dialoge, ist aber durchaus passend und ansprechend in die Handlung eingebunden. Verschiedene Geräusche, die das Geschehen greifbarer werden lassen, und einige schöne Melodien, die das Zirkusthema behutsam aufgreifen, gestalten die Handlung lebendiger und schaffen eine passende Atmosphäre.

Natürlich darf das Titelbild des zum Klassiker avancierten Buches von Otfried Preußler hier nicht fehlen, auf dem Augustine in der Manege eine Verbeugung in Richtung des Publikums macht. Die einfache Zeichnung dürfte bei einigen durchaus schöne Kindheitserinnerungen auslösen. Die restliche Gestaltung ist schlicht, aber stimmig gehalten.

Fazit: Eine kleine, feine Geschichte mit vielen unterschiedlichen Stimmungen und einem lustigen Finale, voller Atmosphäre und Wärme. Gut umgesetzt!

VÖ: 1.Juni 2012
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-143-9


Fennymores Reise



Erster Eindruck: Skurilles Kinderbuch in guter Umsetzung

Seit Fennymores Elter verschwunden sind, lebt der Junge allein mit seinem Fahrrad Mobijou, das denkt, es sei ein Pferd. Jeden Sonntag kommt Tante Else vorbei und bringt ihm Essen, meist Dackel im Salzmantel. Doch eines Tages taucht auch die alte Dame nicht mehr auf, und so macht sich Fennymore mit seiner Freundin Fizzy und natürlich Monbijou auf die Suche nach seinen Eltern und stößt dabei auf den geheimnisvollen Doktor Uhrengut...

Ebenso viele Ansätze wie für Geschichten für Erwachsene gibt es auch bei Kinderliteratur, und auch hier gibt es ganz unterschiedliche Geschmäcker. „Fennymores Reise“ von Kirsten Reinhardt beispielsweise dürfte wegen der vielen Skurrilitäten entweder Begeisterung oder Unverständnis hervorrufen. Ihre Geschichte wurde im Jahr 2012 vom WDR als Radiohörspiel produziert und ist nun beim Audio Verlag auch käuflich zu erwerben. Schon zu Beginn werden einige Kuriositäten präsentiert, von Anfang an prägen jede Menge schräge Einfälle das Geschehen – so viele, dass die einzelnen Elemente beginnen, einander zu überdecken, mir ist alles etwas zu viel. Die nachfolgende Haupthandlung nimmt sich in diesem Punkt ebenfalls kaum zurück, präsentiert aber eine durchaus spannende Geschichte mit einem sehr präsenten Bösewicht und einer überraschenden und ein wenig tragischen Ende, das für ein Kinderbuch untypisch und vielleicht gerade deshalb so gut ist. An einigen Stellen strahlt das Hörspiel vor witzigen Einfällen, an anderen ist es fast schon düster und bedrohlich, eine Welt voller Gefahren. Interessant ist diese Produktion auf jeden Fall, fantasievoll ebenfalls. Und der Rest ist dann gerade hier Geschmackssache – meinen Geschmack hat es nicht 100%ig getroffen, zu überladen wirkt das Ganze.

Die Auswahl der Sprecher ist dem WDR hier gut geglückt, eine interessante Mischung unterschiedlicher Stimmen. Als Fennymore ist Benny Hogenacker zu hören, der trotz seines jungen Alters eine größtenteils überzeugende Vorstallung abliefert und den Witz seiner Figur einzufangen versteht. Roxana Samadi ergänzt ihn als Fizzy gut und passt sich der Atmosphäre der Handlung an. Sehr gefallen hat mir Udo Kroschwald als unheimlicher Doktor Uhrengut, sein düsterer Klang passt sehr gut zu der Rolle. Weitere Sprecher sind Matthias Haase, Ernst August Schepmann und Erzähler Matthias Brandt.

Die Musik zum Hörspiel stammt aus der Feder von Florian Van Volxem und Sven Rossenbach, die die Handlung gekonnt, aber nicht zu aufdringlich unterstreichen und sich nicht zu sehr aufdrängen. Die Melodien fangen die Stimmung gut ein und können sie noch mehr verstärken. Auch die eingefügten Geräusche lassen sich leicht mit der Geschichte in Einklang bringen.

Schon auf den ersten Blick sieht man dem Hörspiel seine Andersartigkeit an, das Covermotiv ist alles andere als Massenware und erinnert an kindliche Zeichnungen, hat eine ganz eigenartige Wirkung. Besonders gefällt mir der traurige Gesichtsausdruck des Dackels, ein Motiv, das auch bei der restlichen Aufmachung noch einige male verwendet wurde.

Fazit: Skurril und witzig, spannend und ein bisschen düster, gut erzählt, aber eben auch überladen. Eine interessante Produktion, aber nicht jedermans Geschmack.

VÖ: 1.Juni 2012
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-138-5


Rheinsberg



Erster Eindruck: Ausflug aufs Land

Wolfgang und Claire, ein verliebtes Pärchen, entfliehen für ein paar Tage dem Berliner Großstadtalltag und machen Urlaub im verschlafenen Städtchen Rheinsberg. Ihre Gespräche sind neckisch, immer wieder geben sie sich ihren Träumereien hin und bemerken immer mehr, was im Leben wirklich wichtig ist: die Liebe...

Um ältere Radiohörspiele, die in der Versenkung zu verschwinden drohen, kümmert sich immer wieder gern der Audio Verlag. So hat nun auch wieder „Rheinsberg“ den Weg in die Hörspielregale gefunden, das vom Autor Kurt Tucholsky als „Bilderbuch für Verliebte“ konzipiert wurde. Eine romantische und stellenweise erotische Grundstimmung beherrscht das zugehörige Hörspiel aus dem Jahr 1985, wobei eher Momentaufnahmen denn eine wirkliche Handlung im Vordergrund stehen. Man dringt sehr in die intime Beziehung der beiden Hauptcharaktere ein, die aus dem alltäglichen Tempo ausbrechen und die Ruhe des Landes zu genießen lernen. Ein Wert, der auch heutzutage noch seinen Reiz hat, vielleicht noch mehr als damals. Auch das Eintauchen in die damalige Zeit mit ihrer andersartigen Sprache ist diese kleine Reise wert. Allerdings muss man dieser Art von Hörspiel schon offen gegenüberstehen, alles wirkt sehr gebremst, fast schon ein wenig monoton, die wirklich Reizpunkte fehlen – und die würde auch eine ruhige Geschichte bieten können. Rheinsberg ist einfach zu ruhig, um wirklich begeistern zu können.

Die Sprecher hingegen wirken sehr lebendig, können völlig in ihren Figuren aufgehen. Besonders Ulrike Krumbiegel kann die Claire sehr lebensfroh und gefühlsbetont darstellen, ihre verträumte Energie kommt direkt beim Hörer an. Gunter Schoß spricht den Wolfgang ein wenig bodenständiger, das Zusammenwirken der beiden ist intensiv. Erzähler ist Kurt Böwe, der dem ganzen einen fast märchenhaften Unterton bereitet. Weitere Sprecher sind Georg Helge, Dagmar Menzel und Curt Meißner.

Die Musik, die die Handlung begleitet, ist ebenso romantisch verspielt wie die Handlung. Verträumte Melodien lockern immer wieder die Dialoge auf und greifen die jeweilige Stimmung von Claire und Wolfgang auf, können die intensivieren. Geräusche sind dabei eher wenig eingesetzt, was das Hörspiel noch ein wenig abgehobener erscheinen lässt.

Ganz in schwarz weiß ist die Gestaltung des Hörspiel gehalten, nur einige Elemente wie der Titel sind in kräftigem Orange abgesetzt. Das Cover zeigt ein verliebtes Pärchen, im Inneren findet sich neben einer Kurzbiografie von Kurt Tucholsky und den Sprechern noch ein ausführlicher Text von Lutz Lenz über das Werk und seine Hörspielfassung zu finden.

Fazit: Romantisch, verträumt, märchenhaft, aber leider zu ruhig, um wirklich mitreißen zu können.

VÖ: 1.März 2012
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-157-6


Plan B



Erster Eindruck: Familiendrama auf engstem Raum

Der Student Finn lädt seine Mutter und seinen Stiefvater nach mehreren Jahren ohne Kontakt zu einer Aussprache ein. Doch er hat noch andere Pläne, die empfindlich gestört werden, als Mad, der Besitzer der Wohnung, unerwartet auftaucht...

Hörspiele von Ivar Leon Menger zeichneten sich in der Vergangenheit stets durch hohe Kreativität und einen außergewöhnlichen Verlauf aus. "Plan B" ist sein neuestes Werk, das bei der Lauscherlounge erschienen ist und sich nahtlos in diese Reihe einfügt. Es ist ein Thrillerhörspiel, das den Hörer immer im Ungewissen lässt, nie weiß er, wem er trauen kann. Die Prämisse, dass es sich um den Plan und die Ausführung eines perfekten Mordes handelt, stellt einen immer wieder vor neue Rätsel und lässt um die handelnden Personen bangen. Die Spannung, die quasi von Anfang an entsteht, steigert sich in einer enormen Kurve und wirft regelmäßig einen neuen, packenden Höhepunkt in den Raum. Völlig fassungslos steht man dann vor der Auflösung, die aber auch auf alle offenen Fragen eine sinnvolle Antwort gibt. Beeindruckend, wie Menger mit seinem Publikum zu spielen weiß, wie beiläufig er neue Fäden aufgreift und miteinander verknüpft, welch kreativen Output er in einem einzigen Hörspiel zu vereinen weiß. Bei gerade einmal fünf handelnden Personen plus Erzähler und einem einzigen Schauplatz zeigt Menger einen Blick in die menschlichen Abgründe. Zudem dürften Fans seiner anderen Hörspiele an einer einzigen kleinen Anspielung große Freude finden. Ein herausragenes und wuchtiges Hörspiel, welches einen kreativen Grundgedanken mit verschiedenen Elementen zu einem packenden Thriller verschmilzt. Unbedingt anhören!

Ebenso großes Lob gebührt den Sprechern, die die beklemmende Atmosphäre auszuschmücken wissen. Simon Jäger beeindruckt als Finn Jorgensen mit treffsicherer Aussprache und Betonung, drückt all seine aufgestauten und sich entladenden Emotionen mit seiner Stimme aus. Als Mad ist Gerrit Schmidt-Foss zu hören, dessen sonst so sonnige Stimme hier auch völlig verunsichert und verängstigt klingen kann. Die beeindruckenste Leistung vollführt aber Udo Schenk als Arnold, indem er den eiskalten und berechnenden Mann völlig authentisch und kühl wirken lässt. Auch die restlichen Sprecher machen ihre Sache hervorragend und ausdrucksstark, als da wären Katja Brügger, Luise Helm und Hans-Werner Bussinger als Erzähler.

Auch atmosphärisch ist Plan B vorbildlich produziert worden. Die Szenen sind mit Spannung erzeugender Musik ausgestattet, die Geräusche glaubhaft eingefügt und extra für dieses Hörspiel von Jörg Klinkenberg eingespielt worden. Sehr abbwechslungsreich sind einige Musikstücke, die bis zu härtestem Rock reichen, die Zerissenheit und Wut von Finn intensiv zum Ausdruck bringen und eine tolle Ergänzung zu der Handlung darstellen.

Die CD wird in einem hochwertigen Digipack ausgeliefert, wie wir es bei der Kombination aus Ivar Leon Menger und der Lauscherlounge ja glücklicherweise schon gewohnt sein dürfen. Allerdings bleibt die Covergestaltung zu unauffällig, ist aber angenehm anzusehen. In einem mehrseitigen Booklet finden sich noch ein kleine Texte vom Autor und über die Lauscherlounge.

Fazit: Würde die Frage nach DEM Hörspiel auftauchen, an welchem man momentan nicht vorbeikommen sollte, Plan B wäre Aufgrund der hervorragenden Storyführung und der düsteren Stimmung meine erste Wahl.


Der Prinzessin



Erster Eindruck: Fesselnde Thrillerunterhaltung der Extraklasse

Bei der Beichte gesteht ein Mann seinem Pastor einen Mord. Doch warum ist er so verzweifelt und wütend?
Fabian sitzt abends ganz alleine an einer abgelegenen Bushaltestelle, als ein Mann im Prinzessinenkostüm. Was will der offensichtlich Geistesgestörte von dem Jugendlichen?
Timo muss zum Zahnarzt, und der empfiehlt zur Betäubung Lachgas. Doch warum kann Timo sich plötzlich nicht mehr bewegen?
Weil sie von einem Stalker terrorisiert wurde, ist Heike in eine neue Wohnung gezogen. Da klingelt es und der Hausmeister will ein neues Sicherheitsschloss einbauen...

"Der Prinzessin" von Ivar Leon Menger verlässt die üblichen Wege des Hörspiels, ja sogar die üblichen Wege des Thrillergenres, und schafft mit gleich vier Kurzgeschichten eine packende Collage aus beängstigenden, erschütternden und tabulosen Abschnitten, die schon alleine ein absoluter Genuss wären. Bedrückend, beängstigend und genau richtig erzählt sind alle, doch durch die schnelle Erzählweise, die kaum Luft zum atmen lässt, wird es ein packendes Erlebnis. Schön ist, dass alle vier Geschichten einen überraschenden Wendepunkt haben der kaum vorherzusehen ist und so echte Schockmomente entstehen. Nichts für schwache Gemüter, aber absolut genial!

Vorab gesagt: Alle Sprecher sind ganz hervorragend und verleihen den Rollen schon in der kurzen Zeit Charakter und Profil. In einer seiner letzten Rollen ist Franz-Josef Steffens zu hören, der als Dekan mit seiner tragenden Stimme großen Eindruck hinterlässt. Absolut genial spricht auch Wolfgang Kaven die Rolle des/ der Prinzessin. Wirklich beängstigend ist seine Darbietung, die sich immer weiter steigert und so wahrlich Gänsehautschauer über den Rücken gejagt werden. Ebenso schockt Jens Wawrczeck, in dem er dieses mal seine düstere Seite zeigt. An einer ganz bestimmten Stelle bin ich richtig zusammengezuckt! Weitere Rollen sind mit David Nathan, Patrick Bach und Thomas Karallus wunderbar besetzt.

Auch die musikalische Umsetzung ist absolut hörenswert. Sie hat genau die richtige Lautstärke, um Eindruck zu hinterlassen, ohne vom Geschehen abzulenken und beeinflusst so das Gemüt des Hörers fast unterschwellig. Auch die Geräusche tragen ihren Teil zum gelungenen Gesamteindruck bei und sind ebenso sorgfältig und passend eingefügt.

In einem edlen Digipack ist die CD verpackt, die mit der Darstellung des Waldes ein Thema der Titelgebenden Geschichte aufgreift. Ein Foto des Autors, ausführliche Angaben zur Produktion sowie eine Widmung an den verstorbenen Sprecher Franz-Josef Steffens runden die Aufmachung ab. lobenswert ist, dass an eine vernünftige Altersangabe gedacht wurde.

Fazit: Ein absoluter Knaller! Packend, spannend und überraschend! Absolute Hörempfehlung!


Die Pest



Erster Eindruck: Weltliteratur als Hörspiel

Eine Rattenplage sucht die Hafenstadt Oran in Algerien heim. Auch eine schreckliche Krankheit dezimiert langsam aber sicher die Bevölkerung. Dr. Bernard Rieux ist überzeugt davon, dass es sich um die Pest handelt, stößt bei den Verantwortlichen jedoch auf taube Ohren. Schließlich erhärtet sich der Verdacht, und die Stadt wird abgeriegelt...

„Die Pest“ in ein recht bekannter Roman des Literaturnobelpreisträgers Albert Camus und wurde nun vom WDR als Hörspiel inszeniert. In fast 140 Minuten auf 2 CDs wird das Wüten der Pest von den ersten toten Ratten bis zu der Seuche, die unzählige Menschenleben fordert, aus der Sicht des Arztes Bernard Rieux geschildert. Dabei stellt er weder ein Actionabenteuer noch einen Gruselroman in den Vordergrund, sondern betrachtet stellenweise sehr nüchtern den Menschen und seine Gefühle in den Zeiten der Krankheit. Die vielen Einschnitte, die die Pest der Bevölkerung abverlangt werden in sich steigernder Heftigkeit dargestellt, und immer wieder werden die Folgen für die Menschen genannt, die ganz kleinen, persönlichen schrecklichen Momente ebenso wie weitreichende Folgen. Deswegen kann die Handlung auch in wenigen Sätzen zusammengefasst werden, „Die Pest“ lebt von den momentanen Eindrücken und genauen Momentbeschreibungen. Das geht dann leider auf die Kosten der Dynamik, insgesamt wirkt das Werk recht zäh. Und obwohl gerade das Leid der Menschen im Vordergrund steht, kann einen dies nicht wirklich berühren, zu abstrakt geht Camus mit dem Thema um, zu nüchtern der Ton. Die Umsetzung des Werkes ist äußerst und atmosphärisch dicht, die Vorlage ist aber sicherlich Geschmackssache und wird nicht jeden überzeugen können.

Es wurden sehr gute Sprecher für diese Umsetzung gefunden, die allesamt zur Atmosphäre etwas Wesentliches beisteuern können. Allen voran natürlich Götz Schubert als Dr. Bernard Rieux, dessen dunkel gefärbte Stimme für eindrucksvolle Momente sorgt und der sich eng an den nüchternen Ton des Romans hält. Jürgen Tarrachs intensiver Ausdruck passt sehr gut zu der Figur des Jean Tarrou, den er sehr gut darstellen kann. Auch Felix Goeser ist als Raymond Rambert eine gute Wahl, kann er doch Leben in die Handlung bringen. Weitere Sprecher sind unter anderem Jürgen Thormann, Horst Mendoch und Gerd Wameling.

Die atmosphärische Gestaltung des Romans ist außerordentlich gut gelungen, immer wieder werden schwere, getragene Musikstücke eingebaut, die die Dramatik der Pest einfangen können und einen imposanten Eindruck machen. Zusammen mit den Dialogen und einigen wenigen Geräuschen ergibt sich so eine dichte Atmosphäre, die sich eng um die Handlung legt.

Ein Mensch in weißen, wallenden Gewändern läuft durch einen dunklen, von einfachen Mauern umgebenen Gang – das ist das Titelbild, welches der Audioverlag für diese Umsetzung des WDR gewählt hat. Eine stabile und durchaus ansehnliche Papphülle in warmen, erdigen Farben beinhaltet neben den beiden CDs nur wenige Zusatzinfos.

Fazit: Die Umsetzung ist wirklich hervorragend geworden allerdings wird das Leid während der Zeiten der Pest  hier etwas emotionslos geschildert.

VÖ: 18. März 2011
Label: Der Audioverlag (DAV)
Bestellnummer: 978-3-8623-1054-8


Potilla



Erster Eindruck: Eine Fee mit roter Mütze

Während eines Ausfluges in den Wald findet Arthur eine Socke, in der eine leibhaftige Fee gefangen ist. Um sich von den Strapazen zu erholen beschließt Potilla, ein Weilchen bei Arthur zu bleiben und bringt dabei sein Leben ordentlich durcheinander. Doch als Potilla davon berichtet, dass das Feenreich in großer Gefahr schwebt, beschließt Arthur ihr zu helfen – und bekommt es mit einem gefährlichen Gegner zu tun...

Cornelia Funke gehört nicht nur zu den bekanntesten Autorinnen Deutschland, ihre Werke werden auch als Hörspielvorlagen immer beliebter. So ist nun eines ihrer Kinderbücher von 2004 vom NDR als Hörspiel umgesetzt und bei Oetinger Audio veröffentlicht worden: Potilla, eine Geschichte über eine Fee. Doch hier wird nicht das Klischee einer verspielten und frechen Flügelfrau bedient, Potilla hat wesentlich ernsthaftere Ansätze. Potilla ist ein ruhiges Wesen, das seine Umgebung genau beobachtet und Fragen stellt, hat aber auch seine eigene Sicht auf die Welt und ist in vielen Punkten sehr weise – eine sehr interessante Figur also, die den großen Reiz des Hörspiels ausmacht. Doch auch die Legende hinter Potilla und der Feenwelt ist bezaubernd, genauso wie die eigentliche Handlung des Hörspiels. Hier wird neben ein wenig Magie und daraus resultierendem Witz auch eine spannende Geschichte erzählt, die immer wieder mit neuen und überraschenden Wendungen zu unterhalten weiß. Die Geschichte steigert sich kontinuierlich bis zu dem packenden Finale, in der es um die Zukunft aller Feen geht – und dies ist dann auch der unbestrittene Höhepunkt des Hörspiels. Eine wunderschöne Geschichte mit dem typischen Charme eines Funke-Werkes, bezaubernd, einfühlsam und voller Witz und Magie – ein Hörspiel für die ganze Familie.

Hier wurde nicht auf große Namen der Hörspielszene gesetzt, sondern auf die passenden Stimmen zu den einzelnen Charakteren. Potilla wird beispielsweise von Anne Weber gesprochen, die genau die richtige Mischung aus Zauber, Witz und Ernsthaftigkeit wie die Figur selbst verkörpert und so die bezaubernde Hauptrolle punktgenau in Szene zu setzen weiß. Arthur wird von Paul Puhlmann gesprochen, der ebenfalls eine sehr glaubwürdige Darstellung abliefert und in jeder Situation glaubhaft und spontan wirkt. Andreas Pietschmann ist Erzähler der Geschichte und setzt mit seiner markanten Stimme immer wieder wohl platzierte und nicht zu dramatische Akzente. Weitere Sprecher sind unter anderem Frederike Baier, Leon Alexander Rathje und Oda Thormayer.

Die Umsetzung ist ebenfalls sehr gelungen, neben den heiteren und witzigen Szenen sind besonders die bedrohlichen Situationen mit den Bösewichtern der Geschichte wunderbar umgesetzt worden und verleihen so zusätzliche Dramatik und Spannung. Dass hier die Musik eigens für das Hörspiel komponiert wurde, macht sich deutlich in der sehr dichten und warmen Atmosphäre bemerkbar.

Auf dem Cover ist selbstverständlich Potilla zu sehen, die gerade eine der roten Mützen strickt. Der Zeichenstil wirkt dabei etwas verwaschen und setzt die Szenerie mit dem Vollmond und dem dunklen Wald im Hintergrund dabei gekonnt in die richtige Stimmung, die viel von dem Hörspiel widerspiegelt. Ansonsten ist im kleinen Booklet neben Werbehinweisen die typische Trackliste des Verlags zu finden.

Fazit: Viele zauberhafte Momente, Charme und Spannung stecken in der außergewöhnlichen Feengeschichte, die wunderbar in Szene gesetzt wurde.

VÖ: Februar 2011
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0542-5


Road to Hell



Erster Eindruck: Aus dem Idyll in die Hölle

Douglas Winterferry führt im Vorstadtidyll ein beschauliches Leben, sein Beruf als Buchhalter einer kleinen Firma ist solide. Bis sein Chef ihm eines Tages beichtet, Geld aus dem Kapital abgezweigt und den Verdacht auf ihn gelenkt zu haben. Hals über Kopf flüchtet der Mann und gerät in ein ziemlich verrücktes Abenteuer...

Das Erstlingswerk des neuen Lables "Ohrenkneifer" ist ein Thriller-Hörspiel, doch auch andere Elemente lassen sich wiederfinden. Der Aufbau der Erzählung ist sehr gut geglückt, die Spannung steigert sich immer weiter bis zu einem rätselhaften und überraschenden Ende. Auch die Einflechtung von immer neuen Informationen aus Douglas' eigentlich recht langweiligen Leben ist interessant, da von der reinen, heilen Oberfläche immer mehr Details bekannt werden und sein Charakter so immer schärfere Formen annimmt.Die Geschichte hat mich gepackt - wenn auch die diversen Ecken und Kanten nicht verschwiegen werden sollen. So ist die Formulierung einiger Sätze nicht ganz flüssig, die akkustische Untermalung nicht ausgereift und auch die Sprecher können nicht alle völlig überzeugen. Diese Dinge seien "Road to Hell" zugestanden, da es sich wie erwähnt um die erste Produktion von Ohrenkneifer handelt, und übrig bleibt ein spannendes und innovatives Thriller-Hörspiel, dem ich sehr gerne gelauscht habe. Das Hörspiel ist exklusiv bei pop.de erhältlich

Bei den Sprechern herrscht eine angenehme Abwechslung von Profis und begeisterten Hobby-Sprechern. Einige Sprechpassagen sind aber leider nicht so gelungen, wie ich es mir bei einem kommerziellen Hörspiel wünsche. Dirk Hardegen hingegen ist in der Hauptrolle sehr sicher und kann Douglas Winterferry in seinen verschiedenen Facetten darstellen. Sein Chef Walter Chainey wird von Bert Stevens gesprochen, der ebenfalls eine überzeugende Darstellung des Charakters abliefert. Positiv überrascht hat mich Tatjana Auster, die hier völlig aus sich herausgehen kann und Nancy Chainey mit viel Leidenschaft spricht. Weiterhin zu hören sind unter anderem Konrad Halver, Marco Sand und Detlef Tams.

Dirk Hardegen ist nicht nur Sprecher der Hauptrolle, sondern auch Initiator, Schreiberling, Produzent und Musiker des Hörspiels. Dieser letzte Bereich könnte noch etwas von ihm ausgebaut werden, allerdings sind schon gute Ansätze zu erkennen. Denn insgesamt spiegelt die verwendete Musik die Atmosphäre des Erzählten gut wieder und verleiht ihm eine spannende Grundstimmung, manche Effekte verpuffen aber ins Leere.

Das Cover ist nicht gerade ideal gestaltet. Ein verpixeltes Foto eines Straßenschildes, dazu lediglich der einfache Schriftzug - zu wenig, um den potenziellen unentschlossenen Käufer wirklich positiv aufzufallen. Dabei ist das stabile Digipack durchaus ansehnlich und von guter Qualität. Ein Pluspunkt ist die Gestaltung der CD an sich, welche im schwarzen Schallplatten Desing daherkommt.

Fazit: Überraschend, außergewöhnlich, aber auch mit kleineren Schwächen. Mir persönlich hat "Road to Hell" sehr zugesagt.

VÖ: März 2010
Label: Pop.de / Ohrenkneifer
Bestellnummer: -


Das Spiel der Könige



Erster Eindruck: Intrigenspiel um den Königsthron

England im 15. Jahrhundert, die Rosenkriege erschüttern die englischen Adelshäuser. Mittendrin befinden sich Julian und Blanche oh Waringham, die gegen das Adelshaus der Yorks kämpfen und König Edward an die Macht bringen wollen. Doch dieses Spiel der Könige wird auch für die Zwillinge äußerst gefährlich...

Historische Romane sind das Markenzeichen von Rebecca Gable, real existierende Personen und Ereignisse verflechtet sie gekonnt mit fiktiven Persönlichkeiten und einem spannenden Handlungsverlauf, der die Sitten und Gebräuche des Mittellters widerspiegelt. Auch gibt es einige Hörumsetzungen ihrer Bücher, im Jahr 2008 hat der Hörverlag beispielsweise "Das Spiel der Könige" als Hörspiel umgesetzt - in einem wahren Großprojekt mit über 70 Schauspielern und einer Laufzeit von 450 Minuten auf 7 CDs. Anfangs fällt es hier ein wenig schwer, die vielen Charaktere zu verinnerlichen und zu unterscheiden, wer für die Geschichte wichtig ist. Nach recht kurzer Zeit jedoch findet man sich leicht zurecht und kann das königliche Intrigenspiel genießen. Recht locker ohne große schwülstige Formulierungen ist der Sprachgebrauch und stellt so keine zusätzliche Hürde zum Verständnis dar. Die Geschichte strotzt nur so vor interessanten Charakteren, viele von ihnen werden detailliert mit ihren Gewissensnöten, ihrer Machtgier oder ihrer Beeinflussbarkeit dargestellt und hinterlassen so einen ausgeprägten Eindruck auf den Hörer. Der Verlauf ist sehr kurzweilig und an vielen Stellen richtig spannend, das eigentlich trockene und komplizierte historische Thema der Rosenkriege wird stimmungsvoll, realitätsnah und vor allem unterhaltsam aufgearbeitet - eine sehr gelungene Hörspielfassung.

Die Sprecherliste ist umfangreich, trotzdem finden sich nur wunderbare und ausdrucksstarke Stimmen in der Handlung wieder. Julian of Warringham wird von Max von Pufendorf gesprochen, der mit seinem variationsreichen Spiel und der treffenden Betonung eine hervorragende Darstellung des vielfältigen Charakters gibt. Blanche of Waringham, seine Zwillingsschwester und zweite Hauptfigur, wird von Christina Kühnreich gesprochen, auch sie hat eine intensive und ausdrucksstarke Stimme, die sie gekonnt einzusetzen versteht. Hier wurde gleich ein Erzählerduo eingespannt, bestehend aus Hans-Michael Rehberg und Doris Kunstmann, die zur besseren Abgrenzung für verschiedene Erzählstränge verantwortlich sind. Beide schaffen es, eine ganz besondere Atmosphäre zu erzeugen und den Hörer in ihren Bann zu ziehen. Weitere der zahlreichen Sprecher sind Maria Munkert, Rainer Homann und Andreas Grothgar.

Die musikalische Begleitung des Hörspiels ist wunderbar. Glaubhafte Mittelalter-Klänge versetzen den Hörer in die längst vergangene Zeit zurück und schaffen eine intensive und vielfältige Atmosphäre, die der Geschichte absolut gerecht wird. Zu jeder Szene wird die passende Stimmung geschaffen, die sich wie ein dichter Mantel um die Handlung legt und ihr eine eigene Färbung verpasst.

Wie sollte es anders sein - das Cover ist der populären Romanvorlage nachempfunden und lässt ebenso mittelalterliche Stimmung aufkommen. Die CD-Hüllen sind in einem Pappschuber enthalten, die vier kleinen Booklet enthalten die ausführliche Sprecherliste, bei denen auch Zusammenhänge zwischen den Personen erläutert werden, sowie eine Karte der britischen Inseln im 15. Jahrhundert.

Fazit: Ein aufwändig produzierter und spannender historischer Roman, bei dem sich der Hörer nach einiger Zeit gut zurecht findet und die Zeit der Rosenkriege lebendig wirken lässt.

VÖ: 17. Oktober 2008
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-306-3


Thomas Mann – Die großen Hörspiele

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Erster Eindruck: Intensive literarische Umsetzung

Johann Buddenbrook der Ältere, Familienoberhaupt und Inhaber einer Getreidegroßhandlung, hat zu einem kleinen Essen geladen und unterhält seine Gäste nebst köstlichen Speisen. Doch er ist auch knallharter Geschäftsmann, gemeinsam mit Johann Buddenbrook dem Jüngeren bringt er seinen verstoßenen Sohn um sein Erbe... (Die Buddenbrooks)
Hans Castorp, der bei seinen Großeltern aufwächst, besucht vor seinem Volontariat bei einer Schiffswerft seinen Vetter Joachim in einem Sanatorium. Schnell ist er fasziniert von dem merkwürdigen Ort und entschließt sich, länger als geplant zu bleiben. Dort trifft er auch auf einen Literaten, der zu einem guten Freund wird... (Der Zauberberg)
Der Schriftsteller Gustav von Aschenbach reist nach Venedig, um seinem bisherigen Leben wenigstens für einen Moment entfliehen zu können. Dort trifft er auf den Jüngling Tadizio, von dem er gleich fasziniert ist. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf... (Tod in Venedig)

Thomas Mann ist einer der wohl bedeutendsten deutschen Schriftsteller. Viele seiner Werke gehören zur Weltliteratur und sind auch heute noch, über 50 Jahre nach seinem Tod, lesenswert. Das hat auch der Hörverlag erkannt und gleich drei seiner Romane als Hörspielumsetzung in einer dicken Box veröffentlicht – satte 19 CDs mit über 1100 Minuten erwarten den geneigten Hörer. Weitab von dem, was sich ansonsten so auf dem Hörspielmarkt tummelt, ist diese Box alles andere als leichte Kost. Die recht alte Sprache, der sich Mann bedient, sträubt sich ein wenig dem momentanen Sprachfluss, sodass das Zuhören gerade zu Anfang recht schwer fällt. Auch die bedeutungsvolle und teilweise recht komplexe Handlungsfolge bedarf einer gewissen Eingewöhnungszeit und ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Dafür wird ein umso interessanter Einblick in die Charaktere gewährt, werden spannende Zusammenhänge aufgedeckt und tragische Entwicklungen vorangetrieben. Dabei versetzt Mann seine Werke immer mit einer Spur Ironie, hintergründig und manchmal erst spät zu erkennen. „Die Buddenbrooks“ ist dabei das komplexeste Werk, da viele Charaktere eine wichtige Rolle haben und die Familiensaga über einen langen Zeitraum spielt, sodass alle Verstrickungen nur schwer zu überblicken sind. „Der Zauberberg“ ist der bildhafteste der drei hier vertonten Romane und hat recht anspruchsvolle Deutungsmöglichkeiten. „Tod in Venedig“, welches auf nur 2 CDs Platz findet, ist das kürzeste und auch kurzweiligste Hörspiel der Box, die Geschichte entwickelt schnell eine ganz eigene Dynamik. Insgesamt sehr anspruchsvolle Hörspiele, die hier vereint sind, eine sehr gute Umsetzung von wirklicher Weltliteratur.

In jeder der drei Produktionen treffen sehr gute Schauspieler aufeinander, die die Rollen ausfüllen können. In „Die Buddenbrooks“ ist als Familienoberhaupt Johann der Ältere Hans Tügel zu hören, der mit seiner betonten und ruhigen Sprechweise den komplexen Charakter gut erfassen kann. Auch Lotte Brackebusch, die seine Frau spricht, kann mit ihrem variationsreichen Spiel in jeder Situation sehr genau auf ihre Rolle eingehen und sie mit viel Leben ausstattet. Erzähler ist Gert Westphal, seine ruhige und dunkle Stimme führt gekonnt und eindringlich durch die Handlung. In diesem Hörspiel sprechen zudem Ruben Herzberg, Petra von der Linde und Horst Tappert.
„Der Zauberberg“ hat mit Konstantin Graudus einen sehr kompetenten und ausdrucksstarken Sprecher in der Hauptrolle des Hans Castorp gefunden, der hier eine Top-Leistung abliefert. Felix von Mannteuffel steht ihm in nichts nach und erweckt mit seiner Stimme Ludovico Stterbrini zum Leben. Die wunderbare Traugott Buhre ist als Mynheer Peeperkorn einer sehr gute Wahl und überzeugt mit ihrem variationsreichen Spiel. Hier sind noch Udo Samel, Hans-Werner Meyer und Hans Kremer zu hören.
Ulrich Noethen, vielen eher aus Filmproduktionen bekannt, ist in „Tod in Venedig“ als Erzähler zu hören und gestaltet diese Aufgabe recht lebendig – gut so, denn ihm fallen große Passagen zu, die so alles andere als zäh wirken. Rüdiger Vogler spricht hingegen Gustav von Aschenbach mit der notwendigen Menge an Ausdruck und Intensität und übertrifft sich immer wieder aus Neue. Weitere Sprecher sind hier Heinrich Giskes, Heinz Meier und Oliver Kraushaar.

Die Hörspiele stammen aus unterschiedlichen Jahren und von unterschiedlichen Produktionsteams, sodass eine einheitliche akustische Gestaltung nicht auszumachen ist. Allen gemein ist aber, dass sie recht sparsam instrumentalisiert wurden, sodass die von den Sprechern erzählte Geschichte weit in den Vordergrund rückt. Auch die wenigen eingesetzten Geräusche dienen lediglich dazu, leise Akzente zu setzen als zusätzlichen Eindruck schinden zu wollen. Das alles passt hervorragend zu den Vorlagen, die so einen würdigen Klang erhalten haben.

Für die drei Hörspiele auf 19 CDs ist natürlich eine entsprechend dicke Box nötig, der vorhandene Pappschuber ist mit einem ansprechenden Foto versehen, dass ein Stillleben eines Beistellschrankes zeigt. Die einzelnen Hörspiele haben dann aber ihre eigenen, passenden Cover erhalten, die das Flair des jeweiligen Stückes einfangen können. In den Booklets sind immer wieder kleine Extras zu finden, beispielsweise Fotos von den Aufnahmen oder ein kurzer Lebenslauf von Thomas Mann.

Fazit: Die großen Werke von Thomas Mann wurden mit herausragenden Sprechern feinsinnig intoniert, sodass die anspruchsvollen Geschichten sowohl unterhaltsam als auch bedeutend umgesetzt wurden.

VÖ: 12. November 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-661-3


Tom Sawyer und Huckleberry Finn



Erster Eindruck: Jugendbuchklassiker der besonderen Art

Tom Sawyer wächst bei seiner Tante Polly auf und ist ein ziemlicher Lausebengel. Insbesondere Huckleberry Finn, ein heimatloser und wilder Junge, hat es ihm angetan, und gemeinsam erleben sie eine Menge Abenteuer, bei dem sie sogar einen Mörder überführen können. Bis Huckleberry Finn eines Tages mit dem Sklaven Jim flieht und auf einem Floß den Mississippi befährt...

"Tom Sawyer und Huckleberry Finn", ein weltweiter Klassiker der Jugendbuchliteratur vom Autor Mark Twain, wurde nun, über 130 Jahre nach seinem ersten Erscheinen, als Hörspiel vom Deutschlandradio umgesetzt und bei "der Hörverlag" veröffentlicht. Prinzipiell handelt es sich um zwei eigenständige Romane mit jeweils Tom Sawyer oder Huckleberry Finn in den Hauptrollen, doch mit der Zeit wurden die beiden Geschichten immer mehr als ein zusamennhängendes Abenteuer gesehen. Und das hat auch heute nichts von seinem Charme, seiner Kraft und seinem Witz verloren. Das Intro ist ein Kommentar von Mark Twain, gesprochen in englischer und deutscher Sprache und erweckt schon zu Anfang reges Interesse. Bei "Tom Sawyer" hat man es mit einer typischen Lausbbengeschichte zu tun, die in mehrere kleine Episoden aufgeteilt ist. Diese sind mal humorvoll, mal nachdenklich und mal richtig spannend, immer jedoch sehr unterhaltsam. Doch durchgehend taucht leise Geselschaftskritik auf, die auf dem Hintergrund einiger Figuren beruht. Anders als "Tom Sawyer" ist der zweite und längere Teil des Hörspiel, der sich mit intensiver Huckleberry Finn beschäftigt, zusamenhängender und auch noch gesellschaftskritischer. Mittelpunkt ist die Bootsreise des Protagonisten und des entflohenden Sklaven Jim, die sie in immer neue Begebenheiten und Situationen verschlägt. Der Drang nach Freiheit und einem besseren, würdigeren Leben ist hier extrem spürbar und durchdringt jede Faser der Personen. Ergriffen lauscht man, auch gespannt, was als nächtes passieren wird. Die Sprache, die der Neuübersetzung von Andeas Nohl entnommen wurde, wirkt sehr lebendig und frisch, ohne zu modern und damit gekünstelt zu sein. Auch die Umsetzung ist sehr gelungen: Es sträubt sich gegen den Mainstream, und klingt eben nicht völlig glatt gebügelt, sondern hat seine Ecken und Kanten. Und gerade das macht den großen Reiz aus. Ein packendes und vielseitiges Hörspiel, das mich von Anfang bis Ende vollkommen überzeugt hat.

Die Sprecheriege ist sehr umfangreich und mit vielen wunderbaren Sprechern besetzt, die ihre Charaktere liebevoll zum Leben erwecken. Dabei liegt der Schwerpunkt nicht einmal auf den typischen Hörspiel-Sprechern, sondern auf Schauspielern aus Film und Theater. Patrick Güldenberg spricht den Huckleberry Finn und haucht ihm neben viel Lebendigkeit und Witz ein wenig Melancholie und unbändige Sehnsucht ein. Kostja Ullmann ist als Tom Sawyer ausgesprochen gute Wahl, kann er seiner Figur mehr als nur den Lausbuben entlocken und ihn so sehr plastisch und eingängig wirken lassen. Bernhard Schütz spricht Jim, der Huckleberry auf seiner Reise begleitet, und bringt die lebendige Sprache der Übersetzung besonders gut zur Geltung. Als Tante Polly ist Verena von Behr zu hören, die einen sehr mütterlichen Klang hat und den Ton ihrer Rolle somit sehr gut trifft. Als Mark Twain, der als eine Art Erzähler fungiert, ist Ulrich Noethen zu hören, der sehr eindringlich spricht. Weiterhin mit dabei sind unter anderem Friedhelm Ptok, Hanna Matejka, Rainer Schöne und Hans Diehl.

Ganz wunderbar ist auch die akkustische Gestaltung Sechsstünders gelungen, das einen ganz eigenen Klang entwickelt und sich so von den meisten anderen Produktionen abgrenzt. Es sind keine orchestralen, bedeutungsschwangeren Melodien, sondern kleine, witzige Klänge, die starke Anleihen an Jazz tragen. Gerade diese Stilrichtung passt wunderbar zu der starken Sehnsucht der Charaktere. Auch die Geräusche bilden entscheidende Stimmungen, ohne jemals in den Vordergrund zu treten. Sie unterstützen die Sprecher in ihrem Wirken, ohne selbst sonderlich aufzufallen. Wunderbar!

Auch das Titelbild ist nicht gerade das, was man als sonderlich kommerziell bezeichnen würde. Aus einem alten Film entnommen sind Tom Sawyer und Huckleberry Finn zu sehen, der Hintergrund ist schlicht in einem zarten Türkis, auch der Schriftzug ist nicht auffällig oder aufwändig gestaltet. Auf der Rückseite und dem Booklet sind einige Fotos der Aufnamhen zu sehen, ein umfangreicher und interessanter Einleitungstext von Andreas Nohl sowie viele Infos zu Mitwirkenden runden positiven Eindruck der stabilen und hochwertigen Box ab in der sich die 5 CD´s in einzelnen Plastikhüllen befinden

Fazit: Die ergreifende, lebendige und humorvolle Geschichte wurde hier gekonnt, außergewöhnlich und mit hervorragenden Sprechern umgesetzt. Ganz wunderbar und für Kinder wie für Erwachsene gleichermaßen zu empfehlen.

VÖ: 19. März 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-520-3


Tödliche Intrige



Erster Eindruck: Fatale Liebe und ihre Folgen

Sara ist eine bodenständige Juristin, den den Millionär Tomas Ottoson in Rechtsfragen beraten soll. Dabei lernt sie auch seine Frau Betty kennen, und die beiden Frauen fühlen sich stark zueinander hingezogen und beginnen eine leidenschaftliche Affäre. Doch Betty wird immer mehr von ihren tyrannischen und gewaltbereiten Mann bedrängt, sodass auch Sara stark unter ihrer Bedrohung zu leiden beginnt...

Skandinavien ist neben vielen Dingen auch bekannt für seine düsteren und packenden Thriller. Auch Island hat mit Arnaldur Indridason einen Top-Autor hervorgebracht, dessen Roman Tödliche Intrige nun vom WDR als Hörspiel inszeniert und von Lübbe Audio veröffentlicht wurde. Die Geschichte beginnt mit einem vielversprechenden Intro, die auf kommende gefährliche Fehler hinweist und viel Lust auf das Kommende macht. Danach beginnt die Geschichte eher ruhig mit dem ersten zaghaften Kennenlernen von Sara und Betty und steigert sich nur ganz allmählich, als die Beziehung der beiden inniger wird und die ersten Gewalteskapaden von Tomas ans Licht kommen. Immer bleibt für den Hörer die Frage offen, wohin diese fatale Liebschaft führt, während die beiden zwischendurch immer ihr Glück genießen können. Wirklich Fahrt kommt erst im letzten Drittel der Geschichte auf, in dem sich alles um das im Titel genannte Intrigenspiel dreht. Auch hier überschlagen sich nicht die Ereignisse, sondern werden recht ruhig beschrieben und gewinnen so an Tragweite. Hier kommt alles nur sehr langsam ans Licht, veränderte Umstände geben auch dem Hörer Rätsel auf und sorgen für einige mysteriöse Minuten, bis zum Schluss alles aufgedeckt wird und der Hörer fassungslos vor den Abgründen der Menschheit steht. Der Verlauf des Hörspiel gefällt aufgrund seiner emotionalen Seite und seiner ruhigen Erzählweise, eng bezogen auf Sara und Betty, die den größten Raum der Erzählung einnehmen, immer neuen Hinweise weiten sich zu einer großen Tragödie aus und enden in einem furiosen und packend erzählten Finale. Ein sehr gelungener Thriller, der Fans des Genres äußerst gut gefallen dürfte.

Kathrin Welisch ist als Sara zu hören und übernimmt dabei die Hauptrolle, aus ihrer Sicht werden die Dinge erzählt, sie übernimmt auch die Rolle einer Erzählerin. Dabei kann sie die Gefühlswelt der erfolgreichen Anwältin sehr intensiv herüber bringen, sodass der Hörer ihre Beweggründe nachvollziehen kann. Betty wird von der wunderbaren Cathlen Gawlich gesprochen, deren wandelbare Stimme hier einen sanften und sehr warmen Klang annimmt und somit die liebevolle Frau in vielen Facetten gekonnt darstellt. Alexander Radszun spricht Tomas, der sehr hart und dominant wirkt und damit den Kern seiner Figur trifft. Weitere Sprecher sind Fabian Gerhardt, Ulrike Bliefert und Lisa Adler.

Thuridur Jonsdottir ist Komponist der Musik, die vom Ensemble Adapter eingespielt wurde. Sie webt einen warmen, aber dunklen Teppich rund um die Geschichte, erfasst sie in ihren fröhlichen, spannenden und dramatischen Seiten und steigert so die Wirkung auf den Hörer enorm. Hinzu kommen einige ausgewählte Geräusche, die die Handlungen für den Hörer nachvollziehbarer machen.

Ein roter Pullover in einem Meer aus Schnee und Eis ist das farbintensive Titelbild zum Hörspiel, doch größeren Platz nehmen hier Titel und Nennung des Autors ein. Das ist sicherlich nicht unpassend, aber vielleicht etwas zu beliebig und wirklich einzigartig zu sein. Interessantes Detail: Auf der Coverrückseite finden sich nur einige stimmungsvolle Passagen aus dem Intro, während die eigentliche Beschreibung des Hörspiels im Booklet versteckt ist.

Fazit: Ein unterhaltsamer und kurzweiliger Thriller, der mit einem sehr starken Ende beweist, dass auch in einer guten Dreiviertelstunde eine packende Geschichte erzählt werden kann.

VÖ: 17. Januar 2011
Label: Lübbe
Bestellnummer: 978-3-7857-4332-4


Von Opfern und Tätern



Erster Eindruck: Hinter den Kulissen...

Kurz vor den weihnachtlichen Festtagen trifft eine Handvoll Leute ihre ganz persönlichen Vorbereitungen für die nächste Zeit. So wird beispielsweise Claas, ein erfolgreicher Versicherungsmakler, von seiner Frau in den Laden nebenan geschickt, um noch Wein und Pralinen für die Schwiegereltern zu besorgen. Dort trifft er auf die 16 jährige Tania an der Kasse, die Frederik und Jens in einen Streit verwickelt sieht...

Das Newcomerlabel fears4eras, das bisher mit seiner Reihe Horror-Haus und intelligenten Gruselgeschichten auf sich aufmerksam gemacht hat, hat mit dem Einzelhörspiel „Von Opfern und Tätern“ ein neues Projekt am Start, das sich deutlich von den bisherigen Produktionen abhebt und am ehesten noch dem Genre Psychothriller zuzuordnen wäre. Zuerst wird eine recht harmlose und alltägliche Situation vorgestellt, in der wir Claas, Tania, Jens und Frederik vorgestellt werden. Bisher nicht besonderes, doch kurze Zeit später wird eben diese Szene noch einmal wiederholt, nur dieses mal werden auch die geheimen Gedanken der Personen mit eingebunden – wobei man sie von einer völlig anderen Seite kennen lernt. Jeder von ihnen hat ein dunkles Geheimnis, dass man hinter der selbst geschaffenen Maske nicht erwartet hätte. Als dann auch noch Frederik hinzustößt und ein Blutbad vor dem kleinen Geschäft anrichtet, scheint auch er zu der eindeutigen Gruppe „Täter“ zu gehören, in die diese vier Charaktere nicht nur dem Titel nach eingeordnet werden. Ein fiktiver TV-Bericht über die Tat, die gleichzeitig als Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse dient, bringt da immer noch keine neuen Erkenntnisse. Erst mit dem abschließenden Interview, das 10 Jahre nach den Ereignissen angesiedelt ist, bekommt das Hörspiel eine völlig neue Wendung. Lobenswert ist auch, dass manche Sachen nur angedeutet werden, der Hörer kann sich so besser auf das Geschehen einlassen und wird nicht gleich vor den Kopf gestoßen. Es ist sehr interessant, die verschiedenen Persönlichkeiten so unterschiedlich wahrzunehmen, auch der Aufbau mit den sich wiederholenden Dialogen ist unverbraucht und frisch. Ein außergewöhnliches Hörspiel, ein spannendes Experiment und ein durchaus hörenswertes Ergebnis.

Dirk Hadegen ist als Claas mit dabei, der mühelos zwischen dem treusorgenden Ehemann und seinem ungezügelten geheimen Ego wechseln kann, der Gedanke des Doppellebens wird so sehr gut herausgekehrt. Dilara Schroeder spricht als Tania eine weitere Hauptrolle, wirkt während der Dialoge aber manchmal etwas hölzern, ihre Gedanken bringt sie wesentlich lebendiger und auch glaubwürdiger herüber. Jens wird von Hans-Henning Stober gesprochen, eine gute Leistung mit abwechslungsreicher Dynamik. Besonders überzeugt hat mich aber Christian Senger als Frederik, der die unterschiedlichen Situationen gut nachvollziehbar macht. Weitere Sprecher sind Davia Krogmann, Matthias Ziegann und Karen Schulz-Vobach.

In Sachen Akustik hält sich das Produzententeam hier sehr zurück, von der düsteren Horror-Haus-Atmosphäre ist hier nichts zu spüren. Vielmehr beschränkt sich die Begleitung der Dialoge auf einige wenige Geräusche, die jedoch auf das Nötigste beschränkt sind, sodass der Fokus klar auf den Gesprächen und Gedanken der Protagonisten liegt. Am Ende wird noch kontrastreich ein Weihnachtslied angestimmt.

Ziemlich schlicht ist das Coverartwork. Die obere Hälfte ist weiß, die untere schwarz, der Titel des Hörspiels ist in der jeweiligen Gegenfarbe aufgedruckt. Zwar leuchtet die Anspielung auf die Charaktere ein, die ja ebenfalls zwei Seiten haben, dennoch wirkt das Titelbild etwas zu schlicht. Die restliche Aufmachung lehnt sich an dieses Prinzip an, im kleinen Booklet ist eine Danksagung zu finden.

Fazit: Ein ungewöhnliches Hörspiel, das mit vielen Wendungen und überraschenden Sichtweisen unterhalten kann. Lob für dieses mutige Projekt!

VÖ: 20.Mai 2011
Label: fears4ears
Bestellnummer: 978-3-8621-2026-0


Wie Kater Zorbas der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte



Erster Eindruck: Bezaubernde Fabel

Kater Zorbas hat einige freie Tage von seiner Familie und macht sich herrlich faule Tage – bis plötzlich eine sterbende Möwe auf dem Balkon landet. Sie nimmt ihm das Versprechen ab, ihr Möwenei zu hüten und dem kleinen Vogel das Fliegen beizubringen. Glücklicherweise bekommt er Hilfe von den anderen Katzen im Hamburger Hafen, doch trotzdem gestaltet sich das Vorhaben schwieriger als gedacht...

Tiergeschichten sind in letzter Zeit als Hörspiel etwas aus der Mode gekommen, doch der Hörverlag hat nun eine Produktion von Radio Bremen veröffentlicht, die genau dieses Genre abdeckt. „Wie Kater Zorbas der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte“ ist eine anrührende Geschichte voller Fantasie und Liebe, hinzu kommt ein wirklich einfühlsamer Humor. Dieser kommt insbesondere durch die liebevollen Charaktere zustande, wie beispielsweise dem italienischen Restaurantkater und seinem Sekretär. Und auch Zorbas bereitet dem Hörer immer wieder jede Menge Freude und sorgt für erheiternde Momente. Schnell schließt man alle ins Herz und freut sich auf den weiteren Fortgang der Geschichte. Die Handlung an sich ist dabei aber eher traurig – schon zu Beginn verendet die Möwe qualvoll, und auch am Ende heißt es loslassen müssen und Abschied zu nehmen. Dazwischen geht es heiter zu, der Verlauf ist sehr kurzweilig und stellenweise auch ein wenig spannend. Diese Mischung ist wunderbar, doch ganz besonders wird dieses Hörspiel durch den Blick der Tiere auf die Welt, was es zu einer neuen Fabel macht. Ein Hörspiel, dass man nicht nur Kindern ans Herz legen kann.

Peter Kaempfe hat hier die Rolle des Zorbas übernommen und gestaltet diese sehr individuell und unverkennbar. Obwohl er eindeutige Merkmale einer Katze in seiner Stimme aufnimmt, lässt er sich nicht zu Übertreibungen hinreißen und findet sofort einen Draht zum Hörer. Thomas Kylau hat als Schlaumeier eine ebenso witzige wie wichtige Rolle inne und kann seinen Charakter sehr genau ausstatten. Donata Höffer kann als Rattenkönigin mit einer recht speziellen Performance überzeugen. Weitere Sprecher sind Gabriela M. Schmiede, Susanne Schrader und Gerhard Garbers.

Sehr niedlich ist das Cover geworden, auf dem Zorbas mit großen Augen das frisch geschlüpfte Küken betrachtet. Die gedeckten Töne passen sehr gut zum Ton der Geschichte, die Darstellung der Figuren sehr gelungen. In der übrigen Gestaltung sind überall kleine Zeichnungen eingefügt, die ebenso ansehnlich sind und alles sehr auflockern.

Fazit: Eine sehr empfehlenswertes, ergreifendes und witziges Hörspiel voller Lebensweisheiten.

VÖ: 26.März 2012
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-840-2


Wie man unsterblich wird



Erster Eindruck: Bewegende Geschichte

Der an Leukämie erkrankte Sam beginnt für die Schule ein Buch zu schreiben. Darin zählt er alle Dinge auf, die er noch machen will: Rolltreppen in die verkehrte Richtung laufen, einen Weltrekord aufstellen und die Erde vom Weltall aus betrachten. Doch ihm bleibt nicht mehr viel Zeit, denn die Krankheit wird schlimmer...

"Wie man unsterblich wird" ist der Titel des Debutromans von Sally Nicolls, der vom WDR als Hörspiel umgesetzt wurde und nun auch bei Igel Records erhältlich ist. Es ist eine anrührende kleine Geschichte, fernab von großer Dramaturgie, unglaublichen Überraschungen oder fesselnder Spannung. Vielmehr entscheidend sind die kleinen Momente, mal witzig, mal traurig, mal lebensbejahend. Im Mittelpunkt stehen die Wünsche, die Sam noch an das Leben hat, und wie er sie mit seinem besten Freund, dem ebenfalls krabskranken Felix, umsetzt. Doch auch philosophische Fragen finden ihren Raum in dem Hörspiel, dass so durchaus zum Nachdenken anregt. Die liebevollen Figuren werden mit einer großen Palette an Gefühlen ausgestattet, die sie mal mehr, mal weniger offensichtlich ausleben. Die gefühlsbetonte Seite der Produktion ist recht außergewöhnlich in einem Hörspiel und hat mich persönlich ergriffen, der nachdenkliche Hintergrund und die vielen witzigen Momente runden es ab und lassen mich hier eine klare Empfehlung aussprechen.

Die Sprecher geben ihren Charakteren allesamt eine eigene Note und stellen sie glaubhaft dar. Kai Hogenacker ist als Sam zu hören und stellt seine teilweise wiedersprüchlichen Gefühle dar, ohne dabei kitschig zu wirken. Patrick Mölleken spricht Felix, seinen besten Freund, und schafft es, die vielen Facetten des Jungen überzeugend aufzugreifen. Heinrich Schmieder ist als Sams Vater zu hören, der seine Gefühle immer wieder nur leicht durchscheinen lässt, um sie im richtigen Moment zu bündeln. Weitere Rollen werden von Gabriela Maria Schmeide, Roland Jankowsky und Hella von Sinnen übernommen.

Die Musik stammt von Andreas und Matthias Hornschuh, die sich für relativ wenige, dafür aber umso passendere Stücke entschieden haben. Leise im Hintergrund sorgt mal eine kleine Melodie für weichere Übergänge oder sanfte Nebenbeibegleitung für Sams Monologe, ist dabei wie die Geschichte nie zu rührselig und rundet die Produktion ab.

Dem Buchcover entnommen ist das schlichte Titelbild, das die Schlussszene des Hörspiels beschreibt. Im Scherenschnitt vor dem blauen Himmel ragt der Baum in die Höhe, auf dem Sam steht. Gerade diese Schlichtheit steht dem Hörspiel sehr gut. Im Inneren ist noch eine detaillierte Auflistung der einzelnen Kapitel zu finden.

Fazit: Ein nachdenkliches Hörspiel, doch auch voller Humor und schönen Momenten, dazu herrlich unaufgeregt. Wunderbar!

VÖ: 24.April 2009
Label: Igel Records
Bestellnummer: 3893532609


Das Wunder von Björn



Erster Eindruck: Fußballhörspiel der etwas anderen Art

Björn ist begeisterter Fußballer in der örtlichen Jugendmannschaft - nur leider völlig unbegabt und selten eingesetzt. Nur der Platzwart hat Mitleid mit ihm und überreicht ihm einen geheimnisvollen Trank, der ihm einen sicheren Treffer in der nächsten Partie garantiert. Doch auch dann geht einiges schief...

Vor dem WM-Jahr 2010 können sich auch die Hörspiellabels nicht verschließen, sodass Produktionen zu diesem Thema gerade im Kinderbereich keinesfalls eine Seltenheit sind. Auch Jumbo ließ sich nicht lumpen und veröffentlicht die NDR-Arbeit "Das Wunder von Björn" aus dem Jahr 2006 - dem Jahr der letzten Weltmeisterschaft. Der erfolglose Björn wird schnell zum Sympathieträger, da er sein fehlendes Talent durch Ehrgeiz und Begeisterung wett zu machen versucht. Richtig Fahrt bekommt die Handlung nach dem ersten Treffen mit dem Platzwart, der ihm das Wundermittel überreicht - und trotzdem ist dies nur ein Vorgeschmack auf die eigentliche Geschichte, die mit einem weiteren Zauberwerk aufwarten kann: Krakenhandschuhe, die Björn zwar in große Erfolge, aber auch umso größere Turbulenzen werfen. Das geschieht alles sehr kurzweilig und unterhaltsam, dass man sehr gerne zuhört und mit Björn mitfiebert. Die kleinen Mystik-Elemente sind ein zauberhafter Einfall und differenzieren diese von ähnlichen Produktionen, sodass etwas ganz Neuartiges entsteht. Gleiches gilt für die Tatsache, dass es sich beim Titelhelden um einen - mit Verlaub gesagt - ausgemachten Looser handelt. Das Ende ist sehr versöhnlich und rundet das Hörspiel gekonnt ab. Bemerkenswet ist, dass auch Leute, die mit dem Thema Fußball überhaupt nichts anfangen können, von der Geschichte gepackt werden, und zwar Kinder und Erwachsene gleichartig. "Das Wunder von Björn" ist nicht das ultimative Hörspiel, und das will es auch gar nicht sein. Es ist eine kleine, charmante Geschichte, die zu bezaubern weiß, eine kleine Perle, die es zu entdecken lohnt.

Zugegeben: nicht alle Sprecher haben einen positiven Eindruck auf mich gemacht, gerade einige jüngere Rollen haben recht steif gewirkt. Insgesamt kann man mit der Sprecherleistung allerdings zufrieden sein. Anton Sprick ist als Björn zu hören und bringt den Tollpatsch auf charmante Art herüber. Seine Mutter wird von Victoria von Trauttmansdorff gesprochen, die eine sehr angenehme Stimme hat und gerne in weiteren Hörspielen auftauchen darf. Herr Sparwasser, der als Platzwart hier eine Schlüsselrolle hat, bekommt seine Stimme von Christoph Bantzer, der ebenfalls sehr glaubwürdig spricht. Weiterhin zu hören sind Joanna Städter, Uta Stammer und Svenja Pages.

Sehr überzeugend ist die akkustische Umsetzung des Ganzen. Neben den glaubhaften Geräuschen (insbesondere natürlich während der Spiele) ist die musikalische Begleitung besonders gelungen. Der Titelsong ist schmissig und taucht immer wieder als Szenenübergang auf, wird dort aber auch durch das klassische Instrument Fagott ergänzt. Diese Mischung aus alt und modern ist besonders reizvoll. Das auffällige Jingle des fiktiven Radiosenders ergänzt dieses gekonnt.

Das Cover spiegelt die Seele der ganzen Produktion wieder - nicht besonders auffällig oder aufwändig, aber charmant und nett anzusehen. Das Booklet ist für ein Radiohörspiel überraschend dick und hält viele Informationen zu den meisten Sprechern und dem Produzententeam bereit. Auch eine ausführliche Trackauflistung fehlt hier nicht.

Fazit: Eine kleine, aber sehr feine Produktion, die nicht nur bei Fußballfans gut ankommen dürfte. Hat mir wirklich gut gefallen.

VÖ: 25. März 2010
Label: Jumbo
Bestellnummer: 978-3-8337-2537-1


Das zweite Königreich



Erster Eindruck: Wie das Leben spielt...

Der junge Caedmon wird bei einem Piratenüberfall in seiner Heimat Dänemark schwer verletzt und hinkt von nun an. Sein Vater schickt ihn daraufhin in die entfernte Normandie, wo seine Mutter herstammt. Als Übersetzer soll er für den Earl of Wessex tätig sein. Doch er wird überfallen und gerät in Gefangenschaft...

Rebecca Gables Fähigkeit, das Leben im Mittelalter zum Leben zu erwecken, Realität und Fiktion zu vermischen und in eine interessante Geschichte zu verpacken. Auch "Das zweite Königreich" gehört in diese Reihe und wurde vom Hörverlag als aufwändiges Hörspiel umgesetzt. Dieses strahlt eine gewisse Ruhe aus, gerade am Anfang kann man sich in die harmonische Stimmung einfügen und sich in der fremden Welt des Mittelalters verlieren. Gerade diese anfängliche Ruhe ist es, was das Hörspiel zu angenehm zu konsumieren macht, eine Produktion zum Wohlfühlen. Doch auch die Geschichte ist gelungen und weiß den Hörer zu unterhalten, das Leben von Caedmon zieht weite Kreise und ist unterhaltsam, teilweise sogar recht spannend. Vielfältige Themenbereiche bieten Abwechslung, Liebe gehört ebenso zur Handlung wie Politik und intrigante Machenschaften. Das gestaltet des Handlungsverlauf sehr kurzweilig, wobei die ausgestrahlte Ruhe nie ganz verfliegt und den Hörer aufgrund der sehr guten Produktion in seinen Bann zieht. Ein Hörspiel, das durchaus anspruchsvoll ist und nicht so nebenbei gehört werden sollte, das Aufmerksamkeit und Zeit braucht, dann aber wirklich ein Genuss ist.

Zahlreiche Sprecher sind im Einsatz, die zwar nicht alle wohl bekannt sind, aber hervorragende Darbietungen abliefern. Volker Lechtenbrink ist als Erzähler mit dabei, seine feste und ausdrucksstarke Stimme sowie seine ruhige Art sorgen für einen ungetrübten Hörgenuss. In der Hauptrolle des Caedmon of Helmsby ist Matthias Koeberlin zu hören, der variationstreich und präzise spielt und damit der Rolle viel Tiefe verleihen kann. Udo Schenk spricht Wiliam, den grausamen Herzog der Normandie und kann mit seiner finsteren Stimme viel Atmosphäre erzeugen und eine intensive Darstellung erreichen. Weitere Sprecher sind unter anderem Andreas Grothgar, Karlheinz Tafel und Susanne Dobrusskin.

Für die Musik ist Gerd Nesgen zuständig, mit Mittelalter-Klängen schafft er detaillierte Stimmungen und kann die einzelnen Szenen langvoll untermalen. Dies ergänzt sich perfekt mit den Geräuschen von Stephan Busch, die allesamt glaubhaft sind und perfekt auf die Handlung zugeschnitten sind. Beides zusammen ergibt eine glaubhafte und dichte Atmosphäre.

Die vorliegende Version ist ganz in rot gehalten, darauf ist eine mittelalterlich anmutende Zeichnung einer großen Schlacht zu sehen. Das ist stimmungsvoll, hätte aber auch zu den meisten anderen Gable-Romanen gepasst. Im kleinen Booklet finden sich neben einer ausführlichen Trackliste und Auflistung der Sprecher Zusatzinformationen zu Autorin und einigen Sprechern.

Fazit: Eine ruhige Umsetzung des Romans, dessen wundervolle Atmosphäre und spannende Geschichte für viele Stunden Hörspielgenuss sorgen.

VÖ: 17. Juli 2009
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-438-1


Schatztruhe der Märchen



Erster Eindruck: Riesige Sammlung verschiedenster Märchen

„7 auf einen Streich“, das hat sich ein Schneider auf seine Kleidung gestickt. Dass damit aber Fliegen gemeint waren, sorgt für allerlei Wirbel, denn der König nimmt an, einem Riesenjäger gegenüber zu stehen... (Das tapfere Schneiderlein)
Drei Söhne ziehen – nicht ganz freiwillig - aus, um im Leben ihren Platz zu finden. Jeder von ihnen erhält zum Ende der Lehrzeit ein ganz besonderes Geschenk und kehrt damit zum Hof des Vaters zurück... (Tischlein deck dich)
Eine alte Zauberin verlangt von einem jungen Elternpaar das erste Kind, da diese Salat aus ihrem magischen Garten gestohlen haben. Das kleine Mädchen wird in einen Turm eingesperrt, aus dem es keinen Ausweg gibt – nur seine Haare sind der Weg hinein... (Rapunzel)
Ein Holzschnitzer fertigt eine kleine Marionette an, die ihn stark an einen kleinen Jungen erinnern. Tatsächlich steckt jede Menge Leben in dem Stück Holz, doch die Puppe hat einen großen Wunsch: Ein richtiger Junge zu werden (Pinocchio)

Märchen gehören zu den Klassikern unter den Hörspielen, wohl jeder hat das ein oder andere mal in seiner Kindheit den geheimnisvollen schwarzen Scheiben oder den kleinen Kassetten gelauscht. Eine geradezu riesige Sammlung genau dieser Kindheitserinnerungen lässt sich in der „Schatztruhe der Märchen“ finden, die mit ganzen 20 CDs aufwarten kann. Darunter sind neben den sehr bekannten (und auch oftmals als Hörspiel umgesetzten) Klassikern wie Aschenputtel, Dornröschen und der Froschkönig auch eher unbekannte Werke der Brüder Grimm wie Allerleirauh, Die zertanzten Schuhe oder Jorinde und Joringel zu finden. Ergänzt werden diese von Kindergeschichten und Sagen, beispielsweise Rübezahl, Gullivers Reisen und Pinocchio. Eine bunte Mischung aus 35 Geschichten, bei der wohl jeder seine Lieblinge wiederfindet und neue Seiten entdeckt. Durch die völlig unterschiedlichen Produktionsjahre und -teams wurden natürlich verschiedene Herangehensweisen an das Genre gewählt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist beispielsweise die Verwendung von Reimen in einigen Märchen. Diese Abweichung vom klassischen Hörspiel ist wohl nicht jedermans Sache, passt aber recht gut zu den zauberhaften Geschichten. Einen völlig neuen Ansatz bietet „Hans im Glück“, in dem ein Junge auf einer langen Autofahrt eben jenes Märchen als Hörspiel hört und immer wieder zwischen diesen beiden Ebenen hin- und hergewechselt wird. Eine Modernisierung, die jedoch etwas holprig geworden ist. Ansonsten kann man sich auf zahlreiche klassische Erzählungen freuen, die die Kindheit wieder auferstehen lassen und direkt ein heimeliges Gefühl erzeugen, Kindern ebenso viel Spaß machen wie Erwachsenen und in einem fast unschlagbaren Preis gesammelt angeboten werden. Wer Märchenhörspiele mag, wird mit dieser umfangreichen Sammlung also bestens bedient.

Bei so einer großen Vielzahl an Hörspielen, die unter verschiedenen Bedingungen entstanden sind, wurde natürlich eine große Zahl an Sprechern eingesetzt, mal auch heute noch bekannte Namen, mal völlig neue und bisher ungehörte Stimmen. Dass es dabei auch den einen oder anderen Ausreißen nach unten gibt, ist wohl verständlich, im Allgemeinen ist die Sprecherleistung aber eine gute. Eine Handvoll Stimmen taucht aber immer wieder auf, und dazu gehört auch der unvergessene Hans Paetsch mit seiner typischen Märchenonkel-Stimme, mit der er gleich einen warmen Grundton in die Märchen bringt. Auch Reinhilt Schneider taucht immer wieder in unterschiedlichen Rollen auf, beispielsweise als Aschenputtel, Schneewittchen oder Königstochter. Ihre kindliche, fröhliche Stimme passt sich immer gut der jeweiligen Atmosphäre an. Konrad Halver hat nicht nur zahlreiche Umsetzungen produziert, sondern auch immer wieder mitgesprochen, seiner markanten Ausdrucksweise lauscht man immer wieder gern. Andere Sprecher sind Gerd Holtenau, Franz Joseph Steffens, Dagmar von Kurmin, Joachim Wolff und Ursula Vogel.

Ebenso unterschiedlich wie die Sprecher ist die musikalische Umsetzung der einzelnen Produktionen. Klassische Stücke, wie von Johann Sebastian Bach, sind ebenso zu hören wie Eigenkompositionen. Eines haben die Hörspiele jedoch gemeinsam: Die Musik wird recht wenig eingesetzt, eher zur Einstimmung und während der Szenenwechsel. In den Dialogen tauchen eher Geräusche auf, und auch diese sind von unterschiedlicher Quantität, größtenteils aber sinnvoll eingebaut und geben dem Geschehen ein wenig mehr Gesicht.

Die stabile Pappbox, in der die 20 CDs angeliefert werden, ist tatsächlich wie eine kleine Schatztruhe aufgemacht, von allen Seiten sind goldene Beschläge abgedruckt, hinten ist eine Übersicht über sämtliche Geschichten zu finden. Der Deckel lässt sich dann ganz abnehmen, im Inneren hat jede CD ihre eigene Papphülle bekommen, auf der Produktionsdaten und Sprecher abgedruckt wurden.

Fazit: Eine sehr große Sammlung mit gelungenen Märchen und einer tollen Stimmung. Schön, dass so eine große Vielfalt angeboten wird.

VÖ: 26.August 2011
Label: Membran
Bestellnummer: 978-3-86860-086-5


Schatztruhe der Abenteuer



Erster Eindruck: Von Rittern, Seefahrern und Helden

Wer kennt nicht die Geschichte von Robin Hood, der von den Reichen nahm und es an die Armen verteilte? Und wer kennt nicht die Sage von Nessie, dem Ungeheuer aus dem schottischen Loch Ness? Was allerdings passiert, wenn die beiden aufeinander treffen, ist doch eher unbekannt... (Robin Hood und das See-Ungeheuer von Loch Ness)
Odysseus ist einer der bekanntesten Sagengestalten der griechischen Mythologie. Auf seiner abenteuerlichen Seefahrt begegnet er Hexen, einsamen Frauen und schrecklichen Seeungeheuern. (Die Irrfahrten des Odysseus)
Ein junger Anwalt kommt in der Einsamkeit Rumäniens auf einem alten Schloss an, doch der Hausherr ist ein merkwürdiger Mann, der seltsame Kräfte zu haben scheint. Doch auch nach der Flucht vor dem bedrohlichen Wesen und nach seiner Rückkehr nach London ist er nicht sicher... (Dracula – Jagd der Vampire)

Viele Hörspiele gehen nach einiger Zeit einfach verloren – schade drum, denn viele der Werke sind auch heute noch sehr hörenswert. Das hat sich auch Membran Music gedacht und eine große Sammlung unterschiedlichster Produktionen in der „Schatztruhe der Abenteuer“ vereinigt. Der Mix aus verschiedenen Genres ist groß, neben klassischen Abenteuergeschichten von Jules Verne finden sich auch das oben angesprochene „Die Irrfahrten des Odysseus“ aus der griechischen Mythologie, zwei Wild-West-Abenteuer von Lederstrumpf, Krimi und sogar ein echter Gruselklassiker wieder. Das hat einerseits den Vorteil, das wohl für wirklich jeden etwas dabei ist und man durchaus auch seinen Horizont erweitern kann, allerdings wird man nicht jede der 25 CDs mit Hochgenuss anhören können, da einem das Genre einfach nicht liegt. Das ändert aber nichts daran, dass man bei den 24 Geschichten auf 25 CDs zu einem wirklichen Schnäppchenpreis kaum etwas falsch machen kann. Es macht unglaublichen Spaß, sich durch die große Auswahl zu hören und dabei alte Bekannte zu treffen wie neue Lieblinge kennen zu lernen. Mit Moby Dick, Die Schatzinsel, Meuterei auf der Bounty und anderen sind etliche Seefahrerabenteuer zu hören, die einen in ferne Welten versetzen und die bekannten Handlungen spannend aufarbeiten. Julia – Die Meisterdetektivin unter falschem Verdacht ist ein charmanter Krimi und fällt hier positiv aus dem Rahmen, bringt Abwechslung mit hinein. Die auf 2 CDs verteilte Erzählung über Sindbad, den Seefahrer taucht tief in die berühmte Vorlage ein und ist ein kleines Highlight der Box. Umsetzungen bekannter Stoffe sind ebenso vertreten wie neue Erzählungen – beispielsweise das abenteuerliche „Prinz Arco, der schwarze Ritter“ oder „Kung Fu – Die Rache eines Unbezwingbaren“, das Motive der fernöstlichen Kampfkunst benutzt. So unterschiedlich die Ansätze, so unterschiedlich auch die Qualität der einzelnen Produktionen – eines wohnt aber allen inne: Die Liebe zum Hörspiel. Man merkt, dass hier wirklich mit Herz gearbeitet wurde. So empfiehlt sich die „Schatztruhe der Abenteuer“ für all diejenigen, die den Nostalgiefaktor der Hörspiele zu schätzen wissen, belohnt wird man mit zahlreichen Stunden kurzweiliger Unterhaltung.

24 verschiedene Produktionen, da ist es nur verständlich, dass zahlreiche Sprecher mitgewirkt haben. Häufiger zu hören ist beispielsweise Franz Josef Steffens, der seine gemächliche Stimme hier häufiger variiert und so als Porthos von den „Drei Musketieren“ auch mal recht kämpferisch und dynamisch wirken kann. Auch Hörspiel-Urgestein Dagmar von Kurmin ist des öfteren zu hören, sie spricht wie immer sehr einprägsam und geht sehr gut auf ihre jeweilige Rolle ein. Rainer Schmitt überzeugt mit glaubwürdiger Sprechweise sowohl kleineren Neben- wie in den einigen Hauptrollen. Natürlich fallen auch ab und an Sprecher auf, die etwas hölzern oder unglaubwürdig klingen, der große Teil agiert aber glaubwürdig und ist mit Freude dabei, so auch Gisela Trowe, Manfred Schermutzki und Günther Ungeheuer.

Auch hier zeigt sich, dass in älteren Produktionen Musik besonders zur Gestaltung von Szenenübergängen genutzt wird, sie während der Dialoge nur verstreut eingesetzt wurde. Die atmosphärische Gestaltung wird eher von den Geräuschen übernommen, die oft einen passenden Hintergrund für die einzelnen Szenen bieten. Die Qualität des Sounds ist hier überraschend gut und kann auch in der heutigen Zeit noch überzeugen.

Jede CD hat eine einzelne Papphülle verpasst bekommen, die im einheitlichen Design die wichtigsten Informationen wie die Sprecher bereit hält. Hier erinnert tatsächlich alles ein wenig an eine Schatztruhe, den abnehmbaren Deckel zieren aufgedruckte Holzbretter, was eine witzige Optik ergibt. Als zierendes Motiv taucht immer wieder ein Drache auf, auch wenn diese Fabelwesen kein großes Thema in den Hörspielen sind.

Fazit: Die große Auswahl ist ein Pluspunkt, ebenso die vielen abenteuerlichen, spannenden und unterhaltsamen Geschichten. Viele Stunden Hörspielspaß sind gewiss.

VÖ: 26.August 2011
Label: Membran
Bestellnummer: 978-3-86860-085-8


Märchenmond – Das Musical



Erster Eindruck: Moderner Fantasy-Klassiker in neuem Gewand

Kims Schwester Rebekka liegt im Koma, doch was genau das bedeutet erfährt er von dem weisen Zauberer Themistokles: Im fantastischen Land Märchenmond ist rebekka vom bösen Boraas gefangen genommen und eingesperrt worden. So macht sich Kim auf die abenteuerliche Reise durch Märchenmond in die düstere Schattenwelt, um seine Schwester zu retten...

Märchenmond ist einer der bekanntesten Romane des deutschen Schriftstellers Wolfgang Hohlbein und seiner Frau Heike. Nun folgte sogar eine Musicalumsetzung des mit Preisen überhäuften Stoffes, die als CD nun auch bei Lübbe erhältlich ist. Bei gerade einmal 47 Minuten Laufzeit ist klar, dass die Vorlage stark vereinfacht dargestellt wird und viele Passagen ganz herausfallen. So erreicht diese Version der Geschichte auch nicht die brilliante Tiefe der Vorlage, greift aber die Hauptthemen Mut und das Erkennen des eigenen Selbst gut auf. Fans der Vorlage dürften aber trotzdem viele witzige oder spannende Szenen fehlen. Dafür bietet die Umsetzung als Musical natürlich ganz eigene Vorzüge, die hier bestens genutzt werden. Die Lieder sind mitreißend und sehr eingängig, viele Melodien gehen einem nicht mehr so schnell aus dem Kopf und reichen von schmissigen Rap-Gesängen bis hin zu einfühlsamen Balladen. Auch ziehen sich verschiedene Themen durch das ganze Stück und bilden so einen wiedererkennbaren roten Faden, erinnern immer an den Kern der Geschichte. Auch die fantastischen Figuren werden toll dargestellt und entführen in das Reich der Fantasie. Eine sehr interessante Produktion, die die Vorlage zwar stark kürzt, aber durch neue Wege ihre Aussage gut wiedergibt und kurzweilig zu unterhalten weiß.

Die Schauspieler haben hier natürlich nicht nur die Aufgabe, die Dialoge glaubhaft zu gestalten, sondern auch die Lieder zu singen. Die Hauptrolle des Kim bestreitet Merle Hoch und kann den mutigen Jungen mit Feingefühl und einem Sinn fürs Dramatische gut umsetzen. Michaela Linck ist als Rebekka zu hören und sorgt mit ihrer hellen Stimme immer wieder für mysteriöse Szenen, in denen sie Kim um Hilfe ruft. Sehr gut gefällt mir Jens Krause in einer Doppelrolle als Themistokles und Boraas, dessen markante Stimme sowohl gesprochen als auch gesungen die verschiedenen Facetten seiner Charaktere herausarbeiten kann. Fredrik Wickerts, Jens Plewinski, Annika Dickel und Frank Brunet ergänzen das gelungene Ensemble.

Die musikalische Umsetzung ist hier natürlich Kernstück, und diese ist mehr als nur gelungen. Die verschiedenen Stimmungen werden gekonnt eingefangen, und so ergibt sich ein vielschichtiges Bild des Geschichte, die man so sehr gut mitfühlen kann. Krachige Blechbläser, ein sattes Schlagzeug, tragende Gitarren und verträumte Klaviermelodien ergänzen sich wunderbar.

Passend zum Titel nimmt ein großer Mond einen Großteil des Covers ein. Davor sind drei Silhouetten zu sehen, eines Magiers, eines Bären und eines Jungen. Das wirkt alles sehr ansprechend und geheimnisvoll. Im umfangreichen Booklet sind neben einer ausführlichen Trackauflistung noch einführende Texte, ein Foto der Besetzung und alle Liedtexte zu finden.

Fazit: Eine spannende und fantastische Geschichte wie Märchenmond hier einmal in einem völlig neuen Ton umgesetzt. Außergewöhnlich und experimentell, aber insgesamt sehr gelungen.

VÖ: 10.November 2010
Label: Lübbe
Bestellnummer: 978-3-8339-5408-5


Jeder stirbt für sich allein



Erster Eindruck: Erschütterndes aus dem zweiten Weltkrieg

Anna und Otto Quangel leben ein bodenständiges Leben in der Zeit des zweiten Weltkrieges, bis ihr Sohn im Krieg fällt. Sie beginnen, die vorherrschende Politik zu hinterfragen und begehren gegen das NS-Regime Hitlers auf, indem sie Postkarten drucken und diese an verschiedenen Plätzen verteilen. Schnell wird die Gestapo auf die aufmerksam...

Geschichte kann man in Fakten erfassen, man kann sie aber auch lebendig aufarbeiten und die Atmosphäre der Zeit auferstehen lassen. Ein Werk, das eben dieses schafft, ist der Roman „Jeder stirbt für sich allein“, der auch beim Audio Verlag als Hörspiel erhältlich ist. Die Geschichte von Anna und Otto Quangel ist eine herzergreifende und bringt die damalige Zeit dem Hörer nahe, die geprägt von Unterdrückung, Angst und Misstrauen ist. Mit ihrem Widerstand, und sei er noch so klein und unbedeutend, bricht das engagierte Ehepaar dieses Schema auf, obwohl sie wissen, in welche Gefahr sie sich damit begeben. Alles wirkt hier sehr realistisch und lässt die Atmosphäre der damaligen Zeit greifbar werden. Die einfühlsamen Beobachtungen, die feinsinnige Charakterisierung der Personen ist es, was so ergreifend ist. So wird die Wandlung des Ehepaars gut dargestellt, deren gleichgültige Einstellung zu einer kämpferischen und unnachgiebigen wird. Sie erscheinen dank der genauen Beschreibungen sehr lebendig und wie aus dem Leben heraus gegriffen. Hilfreich dabei ist auch die sehr poetische, bildhafte Sprache, die in treffenden Formulierungen zum tiefen Eintauchen in die Handlung einlädt. Der Kampf der Quangels steht hier im Mittelpunkt, doch viele kleinere Nebenstränge fließen immer wieder mit ein und beschwören ein umfassendes Bild herauf. Der Verlauf ist eingängig, das Ende dramatisch, eine sehr intensive und eingängig Geschichte mit viel Potenzial zum Nachdenken, nah am Original umgesetzt.

Die Sprecher verleihen dem Werk noch mehr Leben und machen es dem Hörer so sehr einfach, sich von der Handlung gefangen nehmen zu lassen. Günter Naumann ist als Otto Quangel zu hören und kann besonders den erwachenden Kampfgeist und den Mut, die Welt gegen alle Widerstände wenigstens ein bisschen besser zu machen, mit seiner markanten Stimme einfangen. Auch das einfühlsame Spiel von Gudrun Ritter als Anna Quangel kann unter die Haut gehen und einen sehr intensiven Eindruck der leidensfähigen Frau abgeben. Gunter Schoß ist als Erzähler und beweist mit seiner eindrucksvollen Art, dass er auch für diese sehr ernste Geschichte wie gemacht ist. Weitere Mitglieder des Casts sind Daniela Hoffmann, Lutz Riemann und Hans-Peter Minetti

Auch die musikalische Umsetzung kann als rundum gelungen angesehen werden. Feinfühlige und ruhige, melancholische Arrangements unterstreichen die Atmosphäre, lassen sie lebendig wirken und sorgen dafür, dass sich der Hörer vollends in die damalige Zeit und die imposante Geschichte fallen lassen kann. Auch die Geräusche sind passgenau eingefügt, drängen sich aber nie in den Vordergrund.

Eine eisige Winterlandschaft ist das Motiv für das Cover dieser Produktion. Zu sehen ist eine verschneite Straße, gesäumt von Bäumen und Laternen, auf der ein einsamer Mensch seinen Weg geht. Berühmte Berliner Wahrzeichen deuten auf den Handlungsort hin, die restliche Aufmachung ist mit kleinen Zitaten aufgelockert und hübsch anzusehen.

Fazit: Eine sehr eindringliche Geschichte, die nicht nur die vergangene Zeit lebendig und erlebbar macht, sondern auch den Mut des Einzelnen herausstellt.

VÖ: 19.August 2011
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1101-9


Frau Jenny Treibel



Erster Eindruck: Fontanes Werk in gelungener Umsetzung

Die aus einfachen Verhältnissen durch eine Heirat mit dem Kommerzienrat zur Bourgeoisie aufgestiegene Jenny Treibel hält in ihren Reden immer noch am Bild der romantischen Liebe und dem Leben in einfachen Verhältnissen fest – sogar als sie von der Verlobung ihres Sohnes Leopold mit der Tochter eines Gymnasiallehrers Corinna erfährt. Mit allen Mittel versucht sie, diese unstandesgemäße Verbindung wieder zu lösen...

Theodor Fontane hat zahlreiche bedeutende Romane verfasst, zu ihnen gehört unter anderem „Frau Jenny Treibel“ aus dem Jahr 1893, der für viele als das humorvollste Werk des Schriftstellers gilt. 1985 wurde der Titel vom Norddeutschen Rundfunk umgesetzt, diese Aufnahme ist nun beim Hörverlag erschienen und passt wunderbar in dessen anspruchsvolles Repertoire. Im Mittelpunkt der Geschehnisse steht die Titelgebende Figur, die in all ihrer Scheinheiligkeit kompromisslos aufgedeckt wird. Sie verwehrt der Tochter eines ehemaligen Freundes genau das, was sie selbst für sich in Anspruch nahm – eine Vernunftehe, um gesellschaftlich aufzusteigen. Sie propagiert die wahre Liebe, macht sich aber immer noch über das schmalzige Gedicht eben jenes damaligen Verehrers lustig. Sie nutzt alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel, um ihren Willen durchzusetzen, will jedoch immer al sanftmütig und liebevoll erscheinen. Trotz all dieser humorvollen Leichtigkeit schimmert immer wieder die Gesellschaftskritik durch, die Fontane in dieses heitere Stück verpackt hat. Doch auch die anderen Figuren sind in aller Deutlichkeit dargestellt, werden in entlarvenden Szenen offen gelegt, ihre Ziele und ihr Streben immer wieder in Frage gestellt. Das vielschichtige Werk wurde behutsam in das Medium Hörspiel umgesetzt, enthält an wichtigen Szenen einen Erzähler, kommt zum großen Teil aber mit der Dialogform aus. Auch – und gerade - bei Respekt vor klassischen Werken bietet Frau Jenny Klein eine recht anspruchsvolle Geschichte auf hohem Niveau, ohne verkopft zu wirken. Vielmehr kann die humorvolle Handlung bestens unterhalten.

Zahlreiche wunderbare Sprecher haben sich hier vor dem Mikrofon versammelt, um dem Hörspiel Leben und Tiefe zu verleihen. Als Frau Jenny Treibel ist Maria Körber zu hören, die das Scheinheilige und Hochmütige ihrer Figur auf den Punkt trifft, all das Zwiespältige und Lächerliche findet sich in ihrer Stimme wieder. Franz Josef Steffens ist als Gymnasiallehrer Prof. Willibald Schmidt zu hören und kann seine einprägsame Stimme gekonnt einsetzen, auch diese Figur von allen Seiten zu beleuchten und den Mann in all seinen Facetten erscheinen zu lassen. Seine Tochter Corinna wird von Imogen Kogge gesprochen, ihr Eifer und Starrsinn, der schließlich doch an Jenny Treibels starken Willen zerbricht, stellt die genau dar. Weitere Sprecher sind unter anderem Gerhard Garbers, Ulrich Matschoss und Ulli Lothmanns.

Regisseur Hans Rosenhauer hat neben den treffenden Dialogen auch für die passende musikalische Untermalung gesorgt, die sich aus Melodien von Jürgen Lamke zusammensetzt. Sie sind meist verspielt und greifen die humorvolle Grundstimmung des Stückes auf, setzen sie noch weiter fort, ohne aufdringlich zu wirken. Alles wirkt hier rund und gut aufeinander abgestimmt.

Natürlich ist auch auf dem Cover ein Abbild von Frau Jenny Treibel zu sehen, die gut bürgerliche Dame wird hier mit stolzem Gesichtsausdruck und einer gewissen Unnahbarkeit dargestellt. Die beiden CDs sind in einem stabilen und hochwertigen Digipack untergebracht, das insgesamt ansehnlich gestaltet wurde und kurze Informationen zum Autor bereit hält.

Fazit: Humor und Kurzweil täuschen hier nicht über die Kritik an den verschiedenen Figuren hinweg, sodass hier bestens Anspruch und Unterhaltung verbunden werden.

VÖ: 22.August 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-737-5


Krimi Kult Kiste – 7. Neues von Dickie Dick Dickens / Die vielgeliebte Dame / Die Dame ist leichtfertig



Erster Eindruck: Dickie Dick Dickens, Philip Odell und Heather McMara

Dickie Dick Dickens ist der gefährlichste Mann, den die Unterwelt Chicagoes je hervor gebracht hat. Mittlerweile hat sich der Taschendieb einen gewissen Ruf erarbeitet, den er aber kaum genießen kann – noch sitzt er im Gefängnis (Neues von Dickie Dick Dickens)
Immer wieder geschehen in einem medizinischen Forschungslabor rätselhafte Morde, die vorerst zusammenhanglos erscheinen. Das ruft den Privatdetektiv Philip Odell und seine Partnerin Heather McMara auf den Plan, deren Interesse bald von einer geheimnisvollen Mitarbeiterin geweckt wird... (Die vielgeliebte Dame)
Paula Ballard, ein berühmtes Fotomodell, ist entführt worden. Privatdetektiv Philip Odell soll sie wieder aufspüren, doch schnell wird er tiefer in den Fall herein gezogen, als ihm lieb ist: Seine Partnerin Heather verschwindet ebenfalls...(Die Dame ist leichtfertig)

Der Hörverlag verwöhnt Freunde von klassischen Krimis mittlerweile zum siebten mal mit einer dicken Krimi Kult Kiste, in der sich gleich drei verschiedene Produktionen tummeln – allesamt stammen aus den 50er und 60er Jahren und haben sich bei Kennern des Genres tatsächlich bereits einen gewissen Kultstatus erarbeitet. Und trotz ihrer Unterschiedlichkeit können sie alle eine Gemeinsamkeit bieten: Jede Menge Charme.
Den Anfang macht „Neues von Dickie Dick Dickens“, der zweiten Staffel der satirischen Serie von Rolf und Alexandra Becker. Hier wird das Genre liebevoll auf den Arm genommen und erzählt trotzdem durchaus spannende Kriminalgeschichten. Diese Mischung ist es, die den reiz der Serie ausmacht – skurrile Figuren, haarsträubende Fälle und jede Menge Situationskomik. Dennoch fallen diese zweiten 13 Folgen gegenüber der ersten Staffel etwas ab und wirken ein wenig wie eine Wiederholung der ersten Fälle. Trotzdem bieten sie insgesamt gute und kurzweilige Unterhaltung.
Es folgt „Die vielgeliebte Dame“ von Lester Powell, durch seine vielen „Damen“-Krimis bekannt geworden ist. Auch dieser hat die ganz besondere Stimmung von Powells Geschichten, dem immer ein Hauch des Ungewissen begleitet. Neben der interessanten Beziehung zwischen Philip Odell und seiner Partnerin Heather McMara sorgt vornehmlich die Figur der titelgebenden vielgeliebten Dame für den Reiz der Geschichte, ihr Charme und das sie umgebende Geheimnis sind ein guter Aufhänger. So wird aus dem doch eher konventionellen Krimi doch etwas Außergewöhnliches, ein lockeres Hörspiel.
Auch „Die Dame ist leichtfertig“, das dritte Hörspiel der Box, gehört zu dieser Reihe und hat Powell und McMara als Ermittler. Auch hier wird ihre Beziehung gut beleuchtet und sorgt für weiteren Zündstoff. Das gefällt, denn so wirken die Figuren wesentlich lebendiger und vielschichtiger. Auch, dass die beiden ebenfalls in das Verbrechen hineingezogen werden, ist ein großer Vorteil dieses Falls, der einige Actionelemente mit einem typischen Aufbau vereinen kann. Das ganze geht neben einigen etwas zähen Passagen flott und unterhaltsam vor sich.
12 CDs umfasst diese Sammlung, über 800 Minuten Laufzeit, und diese sind wirklich gelungen und bieten charmante und kurzweilige Unterhaltung auf hohem Niveau, für Fans des Nostalgischen genau das richtige.

Bei so vielen unterschiedlichen Fällen ist natürlich auch eine Vielzahl an Sprechern vorhanden, und größtenteils wurde hier eine gute Wahl getroffen. Carl-Heinz Schroth sticht dabei als Dickie Dick Dickens positiv hervor und kann eine sehr gelungene Mischung aus Ernst und dem der Serie anhaftenden Humor zeigen, die einen großen Teil des Flairs der Geschichten widerspiegelt. Auch Norbert Gastell ist hier in verschiedenen Rollen zu hören und kann seine ausdrucksstarke Stimme dabei immer gut in Szene setzen. Albert C. Weiland hat bei diesen beiden „Dame“-Krimis nicht nur Regie geführt, sondern auch gleich die Rolle des Philip Odell übernommen. Er spricht mit Leidenschaft und einer unüberhörbaren Freude, sich in die unterschiedlichen Situationen hineinzuversetzen und kann mit einer glaubwürdigen Aussprache überzeugen. Brigitte Dryander ist ihm als Heather McMara zur Seite gestellt, ihre klare Stimme kann mit mehreren Facetten spielen und so einen umfassenden Eindruck ihres Charakters hinterlassen. Fritz Haneke ist als Vater der entführten Paula Ballard zu hören, auch er kann mit flüssiger Aussprache seine Rolle gut darstellen. Weitere der vielen Sprecher sind Thorsten Drees, Werner Wiedemann und Marlies Schönau.

Mehrere Jahrzehnte haben diese Produktionen mittlerweile auf dem Buckel, und trotz des großen technischen Fortschritts klingen die Hörspiele nicht sonderlich veraltet. Zahlreiche Geräusche lockern die Dialoge auf und sorgen für Atmosphäre. Hier wird viel nostalgischer Charme versprüht, wenn beispielsweise eine Wählscheibe erklingt. Musik wird eher spärlich eingesetzt, kann aber während der Szenenwechsel zusätzlich die Stimmung der jeweiligen Passage einfangen.

Die Box,in der die drei einzelnen Hüllen enthalten sind, ist in knalligem grün gestaltet, das von grauen Silhouetten geziert wird, auch hier kommt der Charme der 50er und 60er Jahre zum Tragen. Zusätzlich eingesetzte Glanzfolie wertet den Eindruck noch auf. Zu jeder Folge wurde ein eigener Klappentext verfasst, und auch ein kleines mit den wichtigsten Informationen Booklet liegt jeder Produktion bei.

Fazit: Drei unterschiedliche Produktionen voller Charme, Spannung und auch Witz. Nostalgiker kommen hier voll auf ihre Kosten.

VÖ: 22.August 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-755-9


Ungeduld des Herzens



Erster Eindruck: Liebe aus Mitleid

Leutnant Anton Hofmiller erhält eine Einladung an der ungarischen Hof und lernt dort die Tochter des Magnaten Kekesfalva kennen, die gelähmt ist und schon bald in inniger Liebe zu dem jungen Mann entbrennt. Eher aus Mitleid denn aus wirklicher Sympathie macht dieser Edith immer wieder Hoffnungen auf eine baldige Genesung und verlobt sich schließlich sogar mit ihr...

Stefan Zweigs einziger Roman „Ungeduld des Herzens“ wurde im Jahr 1961 von verschiedenen Radiostationen als Hörspiel umgesetzt, nun endlich gibt es dieses Werk im Handel erhältlich, untergebracht im Sortiment des Audio Verlags. Geschildert werden nur wenige, dafür umso intensivere Monate aus dem Leben von Anton Hofmiller, die dramatische Liebe zwischen ihm und der gelähmten Edith sind der Kernpunkt dieses Stücks. Unverschleiert zeigt Zweig die Folgen dieses falschen Mitleids, dessen Folgen sich im Laufe der Zeit immer weiter verschlechtern und die Situation Hofmillers immer auswegloser erscheinen lassen. Die zarte, zerbrechliche Edith wird in ihrer ganzen hoffnungsfrohen Natur, aber auch der ihr anhaftenden Naivität gezeigt, sie steigert sich immer weiter in diese Liebschaft herein und sieht erst nicht, welche Motive Hofmillers Handeln begründen – all dies wird sanftmütig, aber schonungslos gezeigt. Man lebt und leidet mit den Charakteren, erkennt deren Hintergründe, ohne völlig auf ihrer Seite zu stehen. Doch auch die anderen Szenen, die sich nicht ausschließlich mit den beiden beschäftigen, sind gut geschildert und vermitteln einen lebendigen Eindruck. Das Ende ist sehr dramatisch, aber schon früh kann man diese Entwicklung erahnen und will die Protagonisten aus diesem Teufelskreis herausreißen. Eine mitfühlende und -reißende Inszenierung voller Emotion, die sich stark mit den Fehlern der Charaktere auseinandersetzt.

Die Auswahl der Sprecher ist hervorragend, jeder passt genau zu seiner Rolle und spricht diese mit Leidenschaft und Elan. Erzähler ist Walter Andreas Schwarz, seine ruhige, feste und doch dynamische Stimme führen durch die Handlung, dennoch bleibt er eher im Hintergrund und überlässt den handelnden Personen die Spielfläche. Als Hofmiller ist Matthias Fuchs zu hören, der den weichherzigen Mann mit all seinen Facetten, seinen Fehlern, seinem unüberlegten Handeln gekonnt darzustellen weiß. Am besten hat mir jedoch Gustl Halenke als Edith gefallen, die die ganze Zerbrechlichkeit ihres Charakters in ihre Stimme legt und den Hörer so wirklich zu berühren weiß. Auch Kurt Ebbinghaus, Dagmar von Thomas und Viktor Stefan Görtz sind zu hören.

Ein ganzes Orchester ist zur musikalischen Untermalung eingesetzt worden, und entsprechend eindringlich ist diese dann auch gelungen. Wunderbar fängt sie die einzelnen Stimmungen ein und setzt sie gekonnt in Szene, ist aber eher sparsam eingesetzt und kann so für effektvolle Akzente sorgen. Auch Geräusche wurden im sinnvollen Maß eingebaut und lassen alles lebendiger wirken.

Sehr gelungen ist die hochwertige Aufmachung für dieses Hörspiel. Das Cover ziert die Fotografie einer Frau im Brautkleid, zu sehen lediglich von der Schulter an abwärts und leicht verschwommen. Eine starke Melancholie geht von diesem Motiv aus. Auch im beiliegenden Booklet wird mit diesem Thema gespielt, enthalten sind ausführliche Informationen zu Stefan Zweig.

Fazit: Die dramatischen Entwicklungen wurden gekonnt und feinfühlig umgesetzt, mit sehr präzisen Sprechern und einigen gekonnten Stilmitteln – insgesamt sehr gelungen!

VÖ: 19. August 2011
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1111-8


Melissa



Erster Eindruck: 60er Jahre Krimi als Hörspiel

Der idealistische Schriftsteller Guy Foster lehnt die Einladung eines befreundeten Rennfahrers zu einem rauschenden Fest ab und lässt seine Frau Melissa allein ziehen. Nach einem merkwürdigen Anruf, in dem Melissa ihn zu einem abgelegenen Treffpunkt bestellt, bricht der Kontakt ab, die junge Frau wird kurze Zeit später ermordet aufgefunden – und Guy hat kein Alibi für den Tatzeitpunkt...

Francis Durbridge ist bis heute einer der bekanntesten Krimiautoren, nicht nur wegen seiner wohl bekanntesten Figur Paul Temple, sondern auch wegen zahlreicher Verfilmungen seiner Werke. Eines davon ist „Melissa“ der nun auch beim Audio Verlag als Hörspielbearbeitung vorliegt und die Originaldialoge des dreiteiligen Fernsehfilms verwendet. Viele Geheimnisse ranken sich um den plötzlichen Tod von Melissa Foster, und daraus resultiert die Spannung des Stücks. Immer fragt man sich, wie die Hintergründe der Tat sind, welch dunkle Vergangenheit die lebenslustige Frau gehabt haben muss. Erzählt wird aus der Perspektive ihres Gatten Guy, der selbst unter Tatverdacht gerät und deshalb Nachforschungen zu dem Tathergang anstellt. Stück für Stück tauchen neue Informationen auf, teils rätselhafter Natur und vorerst nur schwer mit dem Rest sinnvoll kombinierbar, insgesamt kommt man dem großen Rätsel aber immer ein wenig näher. Und gerade das hält die Spannung aufrecht und steigert sich bis zum Finale, in der alle Ungereimtheiten aufgedeckt werden und das den Hörer überrascht zurücklässt – natürlich nicht ohne etwas Gerechtigkeit zu schaffen. Die Atmosphäre der 60er Jahre, in dem die Mini-Serie entstanden ist, wird hier sehr gekonnt eingefangen, dieser Charme trägt viel zum Unterhaltungswert bei. Eine gut und spannend erzählte Geschichte mit nostalgischem Flair, gut für das Medium Hörspiel adaptiert.

Die Dialoge sind zwar der filmischen Umsetzung entnommen, haben aber genügend Ausdruckskraft, um auch als Hörspiel zu überzeugen. Günther Stoll ist als Guy Foster zu hören, ihm fällt somit ein großer Teil der Dialoge zu. Er meistert dies souverän und kann viele kleine Gefühlsregungen des Schriftstellers mit seiner Stimme erfassen. Seine Frau Melissa wird von der großartigen Ruth Maria Kubitschek dargestellt, die trotz ihres recht kurzen Auftritts am Anfang einen bleibenden Eindruck hinterlassen kann. Als ermittelnder Inspektor Cameron ist Siegfried Wischnewski zu hören, auch er passt gut zu seiner Rolle und kann diese glaubhaft auskleiden. Weitere Sprecher sind unter anderem Hanne Wieder, Hubert Suschka und Erik Schumann.

Während der Dialoge wird nur wenig Musik verwendet, nur teilweise untermalen tuschartige Trompeten die Dramatik der neuen Informationen. Auch Geräusche finden sich nur marginal, die akustische Begleitung der Handlung konzentriert sich also auf die Szenenübergänge, die mit schnittigen und knappen Blasinstrumenten ausgestattet sind – all dies trägt ebenfalls zum Flair dieses Hörspiels bei.

Schon andere Fernsehspiele von Durbridge wurden beim Audio Verlag in einer ähnlichen Aufmachung herausgebracht, auch hier wurde wieder ansprechend, wenn auch sparsam gestaltet. Zwei Silhouetten sind auf dem Cover zu sehen, dessen weiß ansonsten nur von einem beigefarbenen Balken unterbrochen wird. Die wichtigsten Informationen finden sich auf der Innenseite der Papphülle wieder, während hinter den CDs ein Szenenbild zu sehen ist.

Fazit: Die Übertragung ins Medium Hörspiel ist geglückt, Spannung und Flair der Filmvorlage gut eingefangen, sodass ein kurzweiliger Krimi entstanden ist.

VÖ: 19. August 2011
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1107-1


Mr. Shady – 1. auf der Suche nach den neuen Wundern dieser Welt



Erster Eindruck: Mit Ignaz auf Weltreise

Mr. Shady hat ein aufregendes und erfülltes Leben geführt, seine Arbeit als Wissenschaftler ist auch heute noch bedeutend. Nur leider ist der Gute nicht mehr der Jüngste, neue Abenteuer sind einfach nicht mehr drin. Deswegen spielt er mit seinem Butler Ignaz seine spannendsten Geschichte noch einmal nach – und wir dürfen lauschen!

Trotz aller Unkenrufe, der Hörspielmarkt liege am Boden und keiner würde mehr einen Fuß auf den Boden bekommen, öffnen immer wieder neue Labels ihre Pforten und überraschen den geneigten Hörer mit neuen Ideen oder gut produzierten Hörspielen. hörvorragend! heißt eines dieser engagierten Labels, die mit Mr. Shady ein Kinderhörspiel produziert haben – ebenfalls eine mutige Entscheidung, hört der typische Hörspielhörer doch wohl eher Grusel- oder Krimiserien. Mr. Shady hat jedoch das Potenzial, auch das Publikum anzusprechen, das nicht vorrangig zur Zielgruppe gehört, die detailverliebte Geschichte besitzt ein hohes kreatives Output und kann dadurch gute Unterhaltung weit abseits der momentanen Norm bieten. Die erste Folge mit dem recht langen Titel „Mr. Shady auf der Suche nach den neuen Wundern dieser Welt“ hat eine episodenhafte Struktur, die es erlaubt, viele abwechslungsreiche Geschichten zu erzählen. Von Seefahreratmosphäre über Rätselgeschichten bis hin zu der eisigen Stimmung Grönlands, vieles macht Mr. Shady möglich, aber alles passt auch sehr gut zu dem Setting der Folge. Etwas merkwürdig mutet allerdings die einseitige Rollenverteilung an, in der Ignaz viele Nebenrollen übernimmt – dies mag der Größe des Labels geschuldet sein, ist aber nicht ganz ideal gelöst und wirkt stellenweise etwas steif. In Sachen Geschichte und Ideenreichtum liegt Mr. Shady aber weit vorne, sodass sich die Anschaffung durchaus lohnt – gerade bei einem Preis um die 10 €uro für 2 CDs mit einer Spielzeit von über 100 Minuten bei guter Qualität!

Durch die Erzählstruktur kommen hier nur sehr wenige Sprecher zum Einsatz, die dafür qualitativ extrem gut sind. Gerlach Fiedler spricht den Mr. Shady so voller Freude, Witz, Charme und Lebensweisheit, dass es wirklich Spaß macht, ihm zuzuhören. Konrad Halver schlüpft als Ignaz auch in die vielen kleinen Nebenrollen, hier zeigt sich seine wahre Variabilität, seine Talent für unterschiedlichste Rollen, eine wirklich starke Leistung. Erzählerin ist Katrin Hoffmann, die in ihren wenigen Passagen einen guten Job leistet, sowie Ulf Karsten Schmidt.

Musik wird in dem Hörspiel keine verwendet, die einzelnen Geschichten sind dafür mit etwas längeren Pausen von einigen Sekunden voneinander abgetrennt. Zwar ist es üblich, in Kinderhörspielen nur wenige Melodien einzusetzen, in deren völliges Fehlen muss man sich aber erst einige Zeit hineinhören – zumal auch keine Geräusche verwendet werden, die das Ganze ein wenig auflockern.

Löblich, gerade für ein solch kleines Label, ist die Gestaltung des Booklets. Das Titelbild zeigt neben einer witzigen Zeichnung von Mr. Shady und Ignaz auf einer angedeuteten Weltkarte einige kleinere Motive, die alle mit der Handlung zu tun haben. Diese tauchen auch in dem kleinen Booklet wieder auf und sind sogar als Extra-Malbuch erneut abgedruckt. Hinter den CDs ist zudem eine ausführliche Trackliste zu finden, alles macht einen stimmigen Eindruck.

Fazit: Das etwas andere Kinderhörspiel, das zwar etwas sparsam produziert wurde, aber voller herrlicher Ideen und spannender Geschichten steckt. Eine klare Empfehlung dafür!

VÖ: 3.Juni 2011
Label: hörvorragend!
Bestellnummer: 978-3-8621-2030-7


Die geheime Asservatenkammer - 1. Permuto, Laptop des Todes



Erster Eindruck: Einbruch in der Computerfirma

Stevie ist ein unbedeutender Kleinkrimineller, registriert bei Polizei und Unterweltbossen, aber keine große Nummer. Doch nun hat er Spielschulden bei Joey Fontana, der sein Geld schnell zurückverlangt. Spinne, Stevies Freund und Partner, bricht mit ihm deshalb in eine Computerfirma ein. Doch dort ist einiges anders als erwartet...

Der Hörspielversandhandel Pop.de übernimmt in letzter Zeit zunehmend auch Aufgaben des Vertriebes für kleinere Labels, sodass immer mehr Neuerscheinungen exklusiv auf der Homepage erhältlich sind. Dazu gehört auch die neue Serie "Die geheime Asservatenkammer", geschrieben und produziert von Jan Tappé. Grundsätzlich ist der Erzähler ein Major, der merkwürdige Vorfälle neu katalogisieren soll und sie dafür erneut durchgeht. So weit, so gut - doch die Umsetzung ist nicht gerade optimal. Die Geschichte ist recht langwierig, gerade die erste halbe Stunde ist ziemlich zäh, ein wenig mehr Tempo, ein wenig mehr von den sich später überschlagenden Ereignissen hätten diesem Abschnitt gut getan. Dazu kommt noch eine unglaubwürdige Story um eine Teufelsanbetersekte in einer Computerfirma, die mich nicht überzeugen konnte. Auch hier wäre etwas Arbeit an Storyverlauf und Dialogen wünschenswert gewesen. Der Titel "Laptop des Todes" verspricht schon Hörspiel-Trash - was auch mit jeder Minute gehalten wird. Ein sicherlich engagiertes Projekt eines begeisterten Hörspielfans, nur leider am Ziel vorbeigeschrammt.

Auch in Sachen Sprecher ist nur wenig Gutes zu berichten. Sicherlich sind sie alle engagiert und erfreuen sich am Medium Hörspiel, leider hat das kaum positiven Einfluss auf das Ergebnis. Ohne jemanden besonders hervorheben zu wollen, wirken die Sprecher oft hölzern, teilweise ausdruckslos und schaffen es nicht, ein wirkliches Bild von ihren Charakteren entstehen zu lassen.

Der Hinweis im Inneren gibt Aufschluss über die verwendeten Geräusche - sie wurden kostenlos aus dem Internet geladen. Sie sind weder positiv noch negativ aufgefallen. Allerdings ist die Abmischung ziemlich unglücklich - die Sprecher sind mal extrem leise, dann auf normaler Lautstärke, sodass man immer am Lautstärkeregler sitzen muss. Leider ist auch manchmal der Erzähler leiser als ein Dialog, der lediglich als Untermalung gedacht ist, was das verfolgen der Story erschwert.

Mir ist durchaus bewusst, dass bei solch kleinen Produktionen keine großen Mittel auf die Aufmachung aufgewendet werden können. Deswegen geht das Titelbild schon okay, nur die altertümliche Tür in einer modernen Computerfirma ist merkwürdig. Warum dann allerdings dreimal fast der selbe Inhaltstext abgedruckt wird, bleibt eine offene Frage.

Fazit: An einigen Komponenten muss noch gefeilt werden, um aus einem Fanprojekt ein gutes Hörspiel zu machen. Hier ist noch viel Luft nach oben.

VÖ: März 2010
Label: Pop.de / JTM Records
Bestellnummer: -


Agatha Christie – Vier Hörspiele



Erster Eindruck: Die Meisterin der überraschenden Wendungen

Mrs. Ferrars Tod ruft den Detektiv Hercule Poirot auf den Plan, denn der angebliche Selbstmord sorgt für etliche Rätsel – denn die alte Dame soll ihren Mann ermordet haben... („Der Mord an Roger Ackroyd oder: Alibi“)
Auch in der kleinen Pension vom Ehepaar Ralston ist der Mord an Maureen Lyon in aller Munde. Wegen eines schweren Unwetters ist das Gebäude bald von der Außenwelt abgeschnitten, als Seargent Trotter eintrifft und mitteilt, dass die Spuren des Mörders genau zu dieser Pension führen... (Die Fuchsjagd oder: Die Mausefalle)
Colonel Protheroe ist in seinem kleinen Heimatdorf St. Mary Mead mehr als unbeliebt. Als ermordet in seinem Arbeitszimmer aufgefunden wird, ist gleich eine ganze Schar von Verdächtigen zu überprüfen... (Mord im Pfarrhaus)
Als der Mann seiner Angebeteten tot in seiner eigenen Truhe aufgefunden wird, scheint klar zu sein, dass Major Rich auch der Mörder sein muss. Nur Privatdetektiv Hercule Poirot ist von seiner Schuld nicht überzeugt und beginnt zu ermitteln... (Die spanische Truhe)

Agatha Christie ist eine der wohl bekanntesten Krimi-Autorinnen und hat mit ihren vielen Geschichten begeistert. Vier davon sind in Hörspielumsetzungen nun beim Hörverlag in einer Box erhältlich und zeigen einen schönen Querschnitt durch ihr Schaffen. Den Anfang macht ein Hercule Poirot Krimi, nach Miss Marple ihre bekannteste Figur. In „Der Mord an Roger Ackroyd“ wird von einer verwirrenden und unübersichtlichen Ausgangssituation langsam an die Auflösung herangeführt, indem immer neue Fakten auf den Tisch gelegt werden – darunter natürlich auch etliche falsche Fährten, die das Geschehen interessant und kurzweilig halten. Der absolute Höhepunkt der Folge ist jedoch die Auflösung, die vollkommen überraschend ist und die man so kaum erwartet hätte. Auch in „Die Fuchsjagd“ zeigt Christie, dass sie die Meisterin der unerwarteten Wendung ist. Das als Theaterstück konzipierte Werk setzt einen Personenkreis in ein abgeriegeltes Haus, in dem sich auch der Mörder aufhält. Der Weg zur Enttarnung seiner Identität ist Kernstück der Handlung und sehr hörenswert. „Mord im Pfarrhaus“ stellt dann schließlich die Kult-Figur schlechthin, Miss Marple, vor obwohl diese hier eher eine Nebenrolle einnimmt. Auch hier liegt ein klassischer Kriminalroman vor, in dem ermittelt wird und um die Ecke gedacht werden muss, der Hörer immer wieder kleine Überraschungen erlebt und somit eine spannende Zeit verlebt – hier sogar auf 2 CDs und damit in längerer Spielzeit, wobei auf der zweiten CD noch eine kürzere Geschichte von Hercule Poirot, „Die spanische Truhe“ Platz gefunden hat. Mit dem Produktionsjahr 1994 ist sie in dieser Sammlung mit Abstand die jüngste Umsetzung, was man ihr auch anhört. Hier hat der ORF eine recht knappe Abhandlung schnittig und auf das Wesentliche beschränkt umgesetzt, das Ergebnis überzeugt. Alle vier Fälle, so unterschiedlich sie auch sein mögen, überzeugen mit ihren abwechslungsreichen Geschichten und bereichern das Hörspielregal eines jeden Krimi-Freundes.

Bei den unterschiedlichen Produktionsjahren und verschiedenen Sendeanstalten, die für die Umsetzung verantwortlich sind, sind natürlich eine Vielzahl unterschiedlicher Sprecher zu hören. Joseph Offenbach spricht dabei in dem ersten Fall vom NDR den Hercule Poirot und schafft es, neben allem Witz und Charme auch die ernste Seite der Rolle nicht zu vernachlässigen. Ilse Petri übernimmt in „Die Fuchsjagd“ die Hauptrolle der Mollie Ralston, ihre intensive und abwechslungsreiche Interpretation der Rolle ist beachtlich. Als Pfarrer ist in „Mord im Pfarrhaus“ Hans Quest zu hören, dessen einprägsamer Klang sehr gut in die Szenerie passt und die er sehr gut ausgestaltet. Gustl Weishappel ist ebenfalls als Hercule Poirot in „Die spanische Truhe“ zu hören und vollbringt eine ebenfalls sehr runde Leistung. Weitere Sprecher sind unter anderem Hans Paetsch, Robert Graf, Elmar Wepper und Alexandra Tichy.

Natürlich sind auch die akustischen Umsetzungen der vier Stücke unterschiedlich geraten, weisen jedoch auch einige Gemeinsamkeiten auf. So reduzieren sich die Einsätze von Stilmittel auf das Wesentliche, auf übertrieben viele Geräusche oder hochtrabende Musikstücke wurde zu Gunsten der geschliffenen Dialoge verzichtet.

Wie bei Boxen dieser Art üblich ist die Aufmachung eher sparsam, hier aber durchaus ansehnlich und wirkungsvoll. Ein roter, mit Ornamenten verzierter Rahmen umgibt ein Scherenschnitt-Motiv, auf dem zwei Raben zu sehen sind. Dieses Motiv wiederholt sich auch auf den innen liegenden CDs, wobei überall die einzelnen Sprecher und Produktionsdaten genannt werden. Auch eine Zusammenfassung des Inhaltes wird überall angegeben.

Fazit: Eine wunderbare Box mit spannenden und vielseitigen Fällen für Krimi-Fans. Ein schöner Querschnitt durch das Schaffen der Autorin.

VÖ: 15. April 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-722-1


Adams Pech, die Welt zu retten



Erster Eindruck: Das hat man nun davon...

Aatami Rytmättylä hat eine revolutionäre Erfindung gemacht: Ein hochleistungsfähiger Akkumulator, der sämtliche Energieprobleme in kurzer Zeit lösen könnte. Dabei stößt er auf heftigen Widerstand der Energiekonzerne und Ölscheichs, und schließlich landet er sogar im Gefängnis – wo er seine Strafverteidigerin Eeva Kontupohja trifft, in der er schnell eine Verbündete findet...

Finnischer Humor ist nun nicht unbedingt weltbekannt, trotzdem hat der WDR dem äußerst erfolgreichen finnischen Roman „Adams Pech, die Welt zu retten“ eine gleichnamige Hörspielumsetzung verpasst, die nun auch bei Lübbe Audio als CD-Version erhältlich ist. Das verläuft alles in recht untypischen Bahnen, wirkt neu und unverbraucht und kann vielleicht gerade deshalb so gut unterhalten. Es beginnt mit der Entdeckung des Akkumulators und stellt sogleich die spannende Frage, wie die Welt tatsächlich mit einer solchen Entdeckung umgehen würde – die an ihren eigenen Vorteil denkende Eeva und die um ihren Reichtum besorgten Ölscheichs sind nur zwei Beispiele. Herzstück sind jedoch die vielen komischen Situationen, in die Adam gerät. Sie sind nicht gerade das, was man als hintergründig betiteln würde, aber ungemein unterhaltsam und kurzweilig erzählt. Da stört es kaum, wenn die Geschichte an sich ein wenig seicht daher kommt und das oben erwähnte im Prinzip die ganze Handlung zusammenfasst – mit Ausnahme eines wahrhaft erstaunlichen, unerwarteten und etwas übertriebenen Ende. Allerdings ist fraglich, ob eine Institution wie der WDR wirklich auf Mehrfachbesetzungen der Sprecher angewiesen ist, was teilweise leider schon auffällt – gerade weil der Rest wirklich einwandfrei produziert wurde. Wer lockere und erheiternde Unterhaltung sucht, wird hier mit viel Kurzweil und Situationskomik belohnt, nicht mehr und nicht weniger will „Adams Pech, die Welt zu retten“ bieten.

Matthias Matschke, bisher nicht wirklich in kommerziellen Hörspielproduktionen aufgefallen, hat hier gleich die Hauprolle des Aatami Rytmättylä ergattert und kann diese mit Humor und einer lockeren, glaubhaften Sprechweise gut ausfüllen. Ihm zur Seite gestellt ist Johanna Gastdorf als Eeva Kontupohja. Auch sie geht in ihrer Rolle auf und verleiht ihr ein interessantes Erscheinungsbild. Erzähler der Geschichte ist Michael Wittborn, seine markante und sehr angenehme Stimme lässt seine Passagen ebenso kurzweilig wirken wie die Dialoge. Weitere Einsätze gibt es für Wolfgang Rüter, Andreas Laurenz und Bernd Kuschmann.

Die Musik bildet eine charmante Grundlage für die Erzählung, sie ist unaufdringlich und schafft trotzdem schöne Stimmungen. So kommen die skurrile Wirkung der Handlung und die vielen erheiternden Situationen besonders gut zur Geltung, dem Hörspiel wird so etwas sehr eigenes verliehen. Geräusche wurden hier nicht um Übermaß, sondern in einer guten Mischung verwendet.

Natürlich ist das Buchcover zwecks Wiedererkennungswert auch für das Cover der Hörspielumsetzung verwendet worden, hier wird mit typisch finnischer Stimmung gearbeitet: Ein von Wald umgebener See, darin ein rotes Blockhaus in einem Schwimmreifen. Im Inneren ist neben Werbung, der Wiederholung des Klappentextes, den äußerst kleingedruckten Produktionsdaten noch ein knapper Infotext über Autor Arto Paasilinna zu finden.

Fazit: Stellenweise sehr witzig und mit vielen komischen Situationen bietet dieses Hörspiel kurzweilige Unterhaltung ohne großen Anspruch, aber keinesfalls niveaulos.

VÖ: 20.Mai 2011
Label: Lübbe
Bestellnummer: 978-3-7857-4480-2


Osman – Der Dschinn in der Klemme



Erster Eindruck: Die Wunderlampe aus heutiger Sicht

In einem Laden findet Anton eine gewöhnliche Flasche, die sich jedoch als Behausung für einen wahrhaftigen Dschinn herausstellt, der von nun an Anton zu Diensten ist. Doch Osman kommt mit der neuen Zeit einfach nicht ganz zurecht, und zu allem Überfluss landen Osman, Anton und seine Schwester Fanni auch noch in der Zeit der türkischen Belagerung Wiens...

In der modernen Kinderliteratur wird gerne auf alte Geschichten zurückgegriffen, die in die neue Zeit importiert werden. So hat sich Ute Krause auf das Märchen von dem Dschinn in der Wunderlampe besonnen und schickt ihren Helden Anton, einen gewöhnlichen Jungen, zusammen mit dem Dschinn Osman in wilde Abenteuer, welches nun unter der Bearbeitung von Ulla Illerhaus zum Hörspiel wurde. Doch anstatt die sicherlich erheiternde, aber nicht sonderlich gehaltvolle Geschichte zu erzählen, wie ein Dschinn immer wieder für Ärger sorgt und alles merkwürdig verwandelt, ist ein ernsthaftes und geschichtlich durchaus lehrreiches Abenteuer entstanden. Nur zu Anfang ist ein wenig Chaos in der heutigen Zeit eingeflossen. Danach geht es im Wien vor einigen Jahrhunderten um Leben und Tod, politische Verstrickungen und andere ernsthafte Sorgen. Das verleiht dem Medium Kinderhörspiel eine völlig andere und interessante Note und ist so durchaus auch für Erwachsene interessant. Der Hauptteil der Geschichte spielt während der türkischen Belagerung und zeigt vielseitige Facetten des damaligen Lebens und der politischen Situation, beispielsweise landet Fanni im Harem, während Anton hautnah etwas von den politischen Querelen zu spüren bekommt, während der Dschinn von weiteren Ereignissen berichtet – das ist nicht nur unterhaltsam, sondern führt behutsam an das historische Thema heran. „Osam – Der Dschinn in der Klemme“ besticht durch seine Ernsthaftigkeit, die nur ab und an vom Witz bereichert wird, von seiner wirklich spannenden Geschichte und durch die Vermittlung von etwas Historie – ein wirklich gelungenes Hörspiel.

Die Sprecher sorgen für eine glaubhafte Darbietung der Geschichte, besonders die vielen kleineren Rollen von türkischen Belagerern sorgen mit harter Aussprache für die passende Atmosphäre. Das größte Augenmerk liegt aber natürlich auf den Hauptsprechern wie Jakob Göss als Anton. Er reagiert in den unterschiedlichen Situationen sehr flexibel und kann so einen glaubhaften Eindruck verleihen, könnte aber manchmal noch etwas flüssiger wirken. Albert Kitzl ist als Osman zu hören, er hat nichts von einem allzu übertrieben heiteren Dschinn an sich und verleiht der klassischen Figur eine sehr ernsthafte Note. Als Erzählerin ist Regina Lemnitz im Einsatz, ihre raue und sehr warme Stimme begleitet auf angenehme Weise durch die Handlung. Weitere Sprecher sind unter anderem Gereon Nußbaum, Johanna Bergmann und Caroline Schreiber.

Sehr gelungen ist der Einsatz der Musik, die viele Einflüsse aus dem orientalischen Raum in sich vereint. Das ist natürlich besonders im Lager der türkischen Belagerung mehr als angemessen und verlieht zusätzliche Stimmung, wirkt während der anfänglichen Szenen, die schließlich in der heutigen Zeit spielen, ein wenig fehl am Platze. Auch Geräusche wurden mit Bedacht und in genau dem richtigen Maß eingesetzt.

Natürlich ist ein Ausschnitt des Buchcovers auf der Hülle der Doppel-CD zu sehen, die in einem recht außergewöhnlichen Look daherkommt. Zwar ist der Zeichenstil recht ernsthaft und setzt mit gedeckten Farben nicht gerade auf Witz, ist der Anblick von Osmans nicht gerade kleiner Rückseite recht erheiternd. Die restliche Aufmachung ist insgesamt eher schlicht und hat eine ausführliche Tracklist im Inneren zu bieten.

Fazit: Über 140 Minuten voller Abenteuer, die mal nicht chaotisch-lustig, sondern wirklich ernsthaft und spannend sind. Sehr gelungen auch wegen der guten Umsetzung.

VÖ: Februar 2011
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0535-7


 

Öland

Erster Eindruck: Rückkehr nach 20 Jahren

Vor zwanzig Jahren hat eine Tragödie eine junge Familie zerrüttet, als der Sohn unerwartet verschwand. Nie konnte er gefunden werden. Doch dann erfährt Julia, die Mutter, von neuen Hinweisen und kehrt nach Öland zurück. Doch die Suche deckt Details auf, die die ganze Familie erneut erschüttern...

Schweden und Kriminalromane - diese beiden Begriffe gehören einfach zusammen. Auch die Hörspielwelt setzt immer wieder Romane von schwedischen Autoren um, beispielsweise "Öland" aus dem Jahr 2009, welches nun beim Hörverlag erschienen ist. Die typische gedrückte Stimmung der skandinavischen Werke ist auch hier zu finden, alles wirkt etwas gedämpft und depressiv, die so übermittelte Stimmung ist eines der positivsten Seiten von "Öland". Auch die Geschichte ist recht interessant, das Wiederauftauchen des lange vermissten Jungen wird mit intensiven Gefühlsdarstellungen und interessanten Charakteren weitergesponnen. Unterstützt wird dieser positive Ansatz durch eine sehr langsame Erzählweise, der vielleicht nicht jedermans Sache ist. Die Dialoge sind recht lang und fordern so einiges an Konzentration, bieten dafür aber auch eine intensive Auseinandersetzung mit der Thematik und den Charakteren, allen voran Julia, die Mutter des verschwundenen Jungen. Auch der Spannungsaufbau findet über die Dialoge statt, während sich die akkustische Gestaltung zurück hält und die wunderbar melancholische Stimmung verbreitet. Das Ende ist schön aufgelöst, fügt alle bis dato losen Fäden zusammen und kann so vollkommen überzeugen - wenn man sich vorher auf die Geschichte einlassen konnte. Ein Krimi, dessen melancholische Grundstimmung und langsame Erzählweise man mögen muss, dann wird man aber mit einer spannenden Handlung belohnt.

Astrid Meyerfeldt steht in der Rolle der Julia im Mittelpunkt des Geschehens und kann mit ihrer getragenen Stimme vollends die Stimmung des Romanes einfangen, dabei bleibt sie stets fest in ihrer Rolle verankert. Martin Malm wird von Götz Naleppa ebenso intensiv und gekonnt dargestellt. Den schwierigsten Part hat wohl Andreas Schmidt als Nils Kant, den er ungewöhnlich, aber ebenso aufregend anders löst. Weitere Sprecher sind unter anderem Udo Schenk, Traugott Buhre und Christine Oesterlein.

Die Musik trägt einen großen Teil zum gelungenen und melancholischen Ambiente des Hörspiels bei. Dabei ist sie immer im Hintergrund und tritt an keiner Stelle hervor, lässt den Fokus auf den Sprechern. Ein wenig mehr Mut hätte ich mir gewünscht, um ein lebendigeres Hörspiel zu erhalten, allerdings kann man sich auf diese Weise wunderbar in die Atmosphäre versinken lassen.

An das Buchcover angelehnt, aber in der Anordnung der einzelnen Elemente variiert ist das Titelbild der CD. Die depressive Stimmung des Hörspiels ist gut eingefangen, allerdings droht es so bei der Flut der Neuveröffentlichungen etwas unterzugehen. Das kleine Booklet enthält interessante Kurzbiographien zu Autor und einigen Sprechern.

Fazit: Die sehr melancholische Stimmung ist hervorragend, die Geschichte ist ebenfalls gelungen. Freunde von (schwedischer) Krimis werden es mögen und sollten hier ein Ohr riskieren

VÖ: 18. Juni 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-648-4


Mutig, mutig



Erster Eindruck: Der traut sich was...

An einem schönen Tag treffen sich die Maus, der Frosch, die Schnecke und der Spatz. Doch schnell ist ihnen langweilig, bis die Maus eine Idee hat: Eine Mutprobe. Jeder von ihnen soll etwas machen, vor dem er eigentlich richtig Angst hat. Und so beginnt die Maus, bis zur anderen Seite des Weihers zu tauchen...

Es ist mittlerweile fast eine ganze Serie, die uns der DAV mit der Veröffentlichung von Kinderradiohörspielen beschert. In der Auflage mit dem weißen Rücken sind wunderschöne Klassiker und tolle Neuheiten erschienen, die einen beträchtlichen Teil eines Hörspielregals füllen können. Nun ist mit "Mutig, Mutig" die Umsetzung eines Bilderbuches erhältlich, und auch dieses kann bedenkenlos empfohlen werden. Die kleine, süße Geschichte wurde mit viel Musik aufgepeppt, die von den Protagonisten passend zur jeweiligen Situation gesungen wird. Die Handlung ist liebevoll und kindgerecht, es ist einfach wunderschön mit anzuhören, wie sich die kleine Maus Mut zuspricht oder der Frosch Ekel vor einem Seerosenblatt verspürt. Das Ende der Geschichte offenbart eine ebenso überraschende wie sinnvolle Moral ganz ohne erhobenen Zeigefinger und rundet das tolle, atmosphärische und sehr charmante Hörspiel ab. Im Anschluss daran folgt eine weitere kleine Geschichte, dieses mal als inszenierte Lesung: "Vom Hünchen, das goldene Eier legen wollte" erinnert ein wenig an ein modernes Märchen und versprüht ebensolchen Esprit wie die Hauptgeschichte. Eine wirklich schöne und gelungene CD mit gleich zwei hörenswerten Geschichten, auch schon für sehr kleine Zuhörer geeignet.

Die Sprecher der Geschichte leisten Großartiges und können ihre Charaktere sehr gut gestalten. Richard Oehrmann spricht den Frosch und hat tatsächlich immer ein kleinen Quaken in der Stimme, ohne dies übertrieben wirken zu lassen. Lisa Wagner spricht als Schnecke ganz langsam und bedächtig. Carolin Ebner ist als Maus recht aufgedreht und flippig, während Spatz Paul Herwig gerade das Ende der Geschichte mit einer betonten Stimme toll gestaltet. Als Erzählerin fungiert die junge Mira Dietl, die dies erstaunlich professionell macht.

Wie bereits erwähnt wird die Geschichte immer wieder von kleineren Gesangseinlagen der Sprecher unterbrochen, die sehr gut zu der Geschichte passen und diese stark auflockern. Sie sorgen für Atmosphäre und lassen die einzelnen Charaktere noch weiter hervortreten. Doch auch die restliche akustische Gestaltung ist hervorragend.

Wie sollte es anders sein - bei einem Bilderbuch wird natürlich das Buchcover auch als Titelbild für die Hörspielversion verwendet. Zu sehen sind die vier Hauptdarsteller, und hier bekommt man einen ersten Eindruck von der liebevollen Geschichte, die fernab vom schrill-bunten Entwurf des Unterhaltungsprogrammes für Kinder ist.

Fazit: Gleich zwei tolle und lehrreiche Geschichten, die sicherlich nicht nur Kinder begeistern werden.

VÖ: 27.August 2010
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1003-6


Moby Dick (Audio Verlag Version)

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Erster Eindruck: Jagd auf den weißen Wal

Ismael, ein Abenteuerlustiger junger Mann, will auf einem Walfänger anheuern. Durch Zufall macht er Bekanntschaft mit dem starken Quiquec, und gemeinsam gehen sie an Bord von Kapitän Ahabs Schiff. Der geheimnisvolle Mann zieht sich komplett vor seiner Mannschaft zurück, und erst mit der Zeit begreift Ismael, was Ahab antreibt...

Moby Dick - eine Geschichte, die seit ihrem Erscheinen die Menschen fasziniert. Zahlreiche Umsetzungen in Bild und Wort gibt es, eine davon entstand 1985 unter der Leitung des rbb und ist nun beim DAV erhältlich. Die Handlung ist hier auf 130 Minuten Laufzeit gebracht worden und somit recht temporeich, nach wie vor können Spannungsbogen und Charaktere überzeugen. Ismael, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, berichtet in bildreicher Sprache von den Ereignissen und kann damit schon eine wunderbare Atmosphäre schaffen, die durch eine stimmige Geräuschauswahl noch unterstützt wird. Im Mittelpunkt steht natürlich der geheimnisvolle Kapitän Ahab mit seinem sich steigernden Wahn, den weißen Wal Moby Dick aus Rache zu töten - ein bekanntes Motiv aus dem Roman, der trotzdem nichts von seiner Faszination verloren hat. Wunderbar und auf den Punkt gebracht ist dies hier, und auch das Leben an Bord gewinnt aufgrund der hervorragenden Umsetzung eine neue Dimension. Im Gegensatz zu anderen Titeln der Reihe mit dem weißen Rücken ist Moby Dick eher für ältere Kinder und Erwachsene gedacht, kann diese Gruppe dann aber auch mit einer wundervollen Umsetzung für diese Weltliteratur begeistern.

Auch die Sprecherauswahl ist mehr als gelungen, viele der Stimmen sind auch noch in aktuellen Produktionen zu hören - ein eindeutiges Merkmal für Qualität. Als Ismael ist Wolfgang Condrus zu hören, der die Doppelrolle als agierender Charakter und Ich-Erzähler sehr treffsicher meistert und einen sehr einprägsamen Eindruck hinterlässt. Sein Freund Quiquec wird von dem fantastischen Helmut Krauss gesprochen, der seine intensive Stimmfarbe auch hier perfekt einsetzt und einen einzigartigen Klang erzeugt. Herbert Strass ist als Ahab zu hören und stellt diesen sperrigen Charakter mit Bravour da, indem er treffsicher die Veränderung darstellt. Weitere Sprecher sind Wilhelm Borchert, Eric Vaessen und ein sehr jung klingender Oliver Rohrbeck.

Die akustische Gestaltung des Geschichte ist trefflich gelungen und vermittelt eine intensive Atmosphäre. Möwengeschrei, das Plätschern von Wasser oder das Knarzen von Holz vermitteln das Gefühl mitten im Geschehen zu stehen. Dabei wird vornehmlich wert auf die Geräusche gelegt, die wenige eingesetzte Musik ist aber sehr passend ausgewählt.

Wie bei den anderen Folgen der Reihe ist auch hier der Rücken der CD weiß, aber klar gegliedert und mit einem kleinen Bild versehen. Dieses findet sich auch auf der Vorderseite und zeigt Moby Dick, der hier sehr freundlich lächelnd wirkt. Auch Ahab ist zu sehen und setzt mit seiner dunklen Erscheinung einen klaren Kontrast zum hellblauen Hintergrund.

Fazit: Eine fantastische Umsetzung des berühmten Klassikers, wobei Geschichte und Atmosphäre eine enge Symbiose eingehen.

VÖ: 25. September 2010
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1013-5


Moby Dick (Hörverlag Version)

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Erster Eindruck: Weltliteratur feinsinnig umgesetzt

Ismael, ein junger Mann aus gutem Hause, zieht es immer wieder aufs Meer hinaus. Und so heuert er eines Tages auf dem Schiff des Kapitän Ahab an. Dieser ist besessen vom Gedanken, den weißen Wal Moby Dick zu töten, der ihm einst das Bein abgerissen hat. Eine wilde Jagd beginnt...

Moby Dick - ein Name, den fast jeder kennt. Die Geschichte über die Jagd auf den Wal fasziniert auch heute noch die Menschen, obwohl er stolze 150 Jahre alt ist. Im Jahre 2002 wurde der Roman für den bayrischen Rundfunk neu bearbeitet und als Hörspiel vertont - herausgekommen ist ein fast neunstündiges (!) Werk, da kaum etwas herausgekürzt wurde. Der Hörverlag hat sich an die CD-Version des Hörspiels gemacht und es einige Jahre später in den Handel gebracht. Die Geschichte, die man kennt, ist die Jagd des Kapitän Ahab auf den Wal, in Wahrheit ist der Roman wie das Hörspiel aber um einiges umfangreicher und komplexer. Erzählt wird aus der Sicht des Matrosen Ismael, aber auch Mieville ist in einigen Exkursen zu hören und erläutert weitere Details. Die Geschichte startet mit einem genialen Intro mit stimmungsvoller Musik und einleitenden Worten, die Sehnsucht Ismaels wird so vortrefflich hörbar gemacht. Auch in der restlichen Umsetzung erfreut besonders die ganz eigene und besondere Stimmung, die es möglich macht, sich vollends in die Geschichte hineinversetzen zu können. Dabei ist der Verlauf manchmal etwas langwierig - was sicherlich an der Buchvorlage liegt. Neben vielen wirklich interessanten und spannenden Szenen werden immer wieder die bereits erwähnten Exkurse behandelt, die den Erzählfluss zum Stocken bringen.Aber besonders ab ca. der Hälfte nimmt die Geschichte noch an Tempo zu, die spannende Jagd auf den Wal und die tiefschichtigen und einprägsamen Charaktere können ihr ganzes Potenzial ausspielen und den Hörer fesseln. Ein Hörspiel, das Zeit braucht, sich zu entfalten, mit der grandiosen Stimmung aber von der ersten Minute an begeistern kann.

Ein ganzes Heer an Top-Sprechern wurde verpflichtet, und allesamt machen sie ihre Sache ganz fantastisch - wunderbar besonders, dass man viele Stimmen hört, die nicht aus den üblichen kommerziellen Produktionen stammen. Rufus Beck spricht beispielsweise den Ismael und beweist einmal mehr sein Wandlungstalent und seine Fähigkeit, in leisen Zwischentönen viel zu offenbaren. Felix von Manteuffel spricht den 2. Erzähler neben den Ich-Passagen von Ismael. Seiner ruhigen, angenehmen Stimme lauscht man auch hier sehr gerne, zumal er diese sehr dynamisch gestaltet. Wunderbares vollbringt auch Manfred Zapatka als Kapitän Ahab, der die anspruchsvolle Rolle mit sehr intensiver Darstellung meistert und den sich steigernden Irrsinn des Mannes umfassend einfangen kann. Weitere Sprecher sind Ulrich Matthes, Ruloph Taruoura Grün und Hermann Lause.

Die Atmosphäre macht in dieser Produktion mit den größten Reiz am Hörspiel aus. Schon am Anfang wird mit Chören gearbeitet, die eine beeindruckende und intensive Stimmung schaffen. Dieser Eindruck reißt auch im Verlauf der Folge nicht ab, mit imposanten und feinsinnigen Arrangements sowie glaubhaften Geräuschen werden die Stimmungen des Buches vortrefflich eingefangen und auf den Hörer übertragen.

Eine riesige Walflosse, die aus dem Meer herausragt, ein malerischer Sonnenuntergang im Hintergrund - das Titelbild ist ähnlich stimmungsvoll wie das Hörspiel. Neben den 10 CDs beinhaltet die stabile Pappbox noch ein kleines Booklet mit Informationen zu einigen Mitwirkenden sowie einem umfangreiches Tracklisting.

Fazit: Ein anspruchsvolles und ganz besonders atmosphärisches Hörspiel, das die interessanten Charaktere in den Vordergrund stellt.

VÖ: Oktober 2009
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-455-8


 Lok 1414 geht auf Urlaub



Erster Eindruck: Rhythmischer Ausflug einer Dampflok

Lok 1414 verrichtet seit 60 Jahren unermüdlich ihren Dienst, aber nun ist es genug – sie braucht dringend Urlaub! Das findet auch ihr Lokführer und schickt sie zumindest für eine Nacht auf Urlaub. Und den nutzt Lok 1414 und erkundet auf den Schienen die Landschaft und begegnet so einigen interessanten Gestalten...

Weit über 50 Jahren existiert dieses Hörspiel nun schon, und endlich hat es der Audioverlag in der wunderbaren weißen Serie mit ganz besonderen Kinderhörspielen – meist Radioproduktionen – veröffentlicht. Das spezielle an diesem Hörspiel ist die Rhythmik, die Lok 1414 verwendet und die tatsächlich stark an das Laufen einer alten Dampflokomotive erinnert. Die reimartigen, sich teilweise wiederholenden Sätze prägen sich schnell ein und werden zum unverkennbaren Merkmal, etwas ähnliches habe ich selten gehört. Doch nicht nur hierdurch zeichnet sich die Produktion des Hessischen Rundfunks aus, die die Vorlage von Friedrich Feld so einzigartig umgesetzt haben – es sprüht an allen Ecken und Enden vor zauberhafter Nostalgie und kindgerechten, aber richtig schönen Einfällen, die Lok 1414 da während ihrer Reise erlebt. In gerade einmal 28 Minuten werden kleine wie große Zuhörer in eine ganz andere Welt entführt und werden Lok 1414 und ihre Ansichten sowie die anderen Figuren schnell zu schätzen lernen. Auch mich hat dieses außergewöhnliche Hörspiel verzaubert, es ist eines jener, die man sich nicht unbedingt entgehen lassen sollte.

Die Anzahl der Sprecher beschränkt sich auf lediglich 5, von denen natürlich Lok 1414 am allermeisten zu hören ist. Cilly Bauer schafft es auf unnachahmliche Weise, die Lok darzustellen und das Schnaufen, die rhythmischen Bewegungen allein mit ihrer Stimme darzustellen und so der Lok nicht nur eine Stimme, sondern auch eine ganze Gefühlswelt zu verliehen. Eine ganz hervorragende Leistung! Aber auch Magdalena Stahn-Rouvel, Otto Rouvel, Egon Zehlen und Herbert Ebelt machen ihre Sache hervorragend.

Musik ist während des Hörsiel überhaupt keine eingespielt, die Atmosphäre wird durch zahlreiche Geräusche geschaffen, die die jeweilige Situation glaubhaft zum Leben erweckt. Immer wieder unterstützen beispielsweise Eisenbahngeräusche die Lok und ihre Sprechweise in ihrer Wirkung, aber auch alle anderen Szenen werden sehr genau und vielfältig untermalt.

Die Buchvorlage dient zugleich als Vorlage für das Cover, auf rotem Hintergrund in eine sehr charmante Zeichnung einer alten Dampflok samt Fahrer zu sehen – der Stil ist dabei typisch für eine vergangene Generation an Kinderunterhaltung. Die klare Gliederung dieser Serie kommt auch hier zum Tragen und vereint die Titel trotz fehlendem Namen.

Fazit: Ein ganz außergewöhnliches Kinderhörspiel, das durch die fantastische Darstellung der Lok 1414 lebt und so auch heute noch gut ankommt.

VÖ: 27. Februar 2010
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-89813-933-5

 

Leo Kaplan

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Erster Eindruck: Schriftsteller im Chaos der Gefühle

Leo Kaplan, erfolgreicher Schriftsteller, versucht seit Monaten ein neues Buch zu schreiben – er leidet unter einer Schreibblockade. Abwechslung sucht er in diversen Seitensprüngen, obwohl er seine Frau Hanna eigentlich liebt. Als der Freund einer seiner Geliebten von dem Techtelmechtel erfährt, wird es für Leo Kaplan gefährlich...

Leon de Winters Bücher finden bei Fans wie Kritikern oftmals großen Anklang. Auch sein Roman „Leo Kaplan“ hat viele Anhänger gefunden, nach einer Hörbuchfassung gibt es das Werk jetzt auch als Hörspiel, produziert vom Hessischen Rundfunk. Recht untypisch für die momentane Hörspiellandschaft ist „Leo Caplan“ im Grunde ein Liebesroman, der mit großen Emotionen nicht spart. Da wird es schon einmal etwas rührselig, zum Beispiel in der Beziehung von Leo Kaplan zu seinen Eltern. Doch viel interessanter und auch den größeren Teil der Produktion einnehmend ist die Beschreibung der Charaktere, die allesamt wie aus der heutigen Realität herausgesprungen scheinen und mit Klischees der Neuzeit spielen. Zwar beinhaltet die Geschichte einige überraschende Wendungen, beschreibt das Liebeschaos von Leon aber recht stringent und gradlinig. Das ist voller Gefühle wie Selbstzweifel, Liebe und Sehnsucht und beschreibt in klaren Worten den Kern all dieser Dinge. Ein Hörspiel zum Gernhören und Gernhaben, genau da richtige für einen langen Winternachmittag für Leute, die nicht immer nur Fantasy oder Krimis hören wollen.

Die Sprecher sind hervorragend ausgewählt,viele sehr gute und bekannte Schauspieler lassen sich hier wiederfinden. Axel Milberg ist beispielsweise in der Hauptrolle des Leo Kaplan zu hören, seine sehr eindrucksvolle Sprechweise und die genaueste Betonung lassen die Gefühlswelt des Autors lebendig werden. Seine Frau Hannah wird von Maria Schrader gesprochen, die mit ebenso viel Feingefühl die vielen Facetten der Rolle zeigen kann. Als Erzählerin ist die wunderbare Hannelore Elsner zu hören, ihre warme Stimme passt sehr gut in diese Produktion. Weitere Sprecher sind unter anderem Peter Fricke, Stephanie Eidt und Rosemarie Fendel.

Die musikalische Begleitung stammt von Henrik Albrecht, der viele feinsinnige und passende Melodien zu den einzelnen Szenen geschaffen hat. Es ist ein sehr warmes Kleid, das an die Handlung angepasst wurde und sie nun fest umgibt. Sie lädt ein, die komische wie tragische Geschichte nachzuempfinden und es gelingt ihr, dass man sich im Hörspiel völlig verlieren kann.

Die 3 CDs des Hörspiels befinden sich in einem hochwertigen und stabilen Digipack, welches ansprechend gestaltet wurde. Schon auf der Rückseite sind einige Fotos der Sprecher zu finden, während im eingeklebten Booklet eine langer und interessanter Einführungstext über das Hörspiel zu finden ist.

Fazit: Ein Hörspiel, das Menschen genau beobachtet und ihre witzigen wie traurigen Momente gekonnt und unterhaltsam aufzuzeigen weiß.Ich habe sehr gerne zugehört.

VÖ: 12. November 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-593-7


Kurze Interviews mit fiesen Männern

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Erster Eindruck: Bekanntes Buch in Hörversion

Männer sind fies. Weil sie als Einarmige mit der Mitleidstour Frauen ins Bett kriegen und dies auch noch genüsslich ausbreiten. Weil sie ihre Freundinnen verlassen und ein ziemlich geheucheltes Abschiedsgespräch führen, das klischeehafter nicht sein könnte. Weil sie ihre Psychologinnen kaum zu Wort kommen lassen. Aber Frauen sind auch fies...

David Foster Wallace sorgt in letzter Zeit immer wieder für Aufsehen mit seinen Büchern, und wird ebenso harsch kritisiert wie in den Himmel gelobt. Sein Werk "Kurze Interviews mit fiesen Männern" wurde 2004 vom SWR als Hörversion umgesetzt und nun vom Hörverlag veröffentlicht. Dabei handelt es sich nicht um ein Hörspiel im klassischen Sinne, da die Gesprächspartner(innen) der Männer schlicht ausgeblendet und durch Geräusche ersetzt werden. Die Texte in unterschiedlicher Länge werden gekonnt vorgetragen, dennoch fällt der Zugang nicht immer leicht, etliche Fremdwörter hemmen das Verständnis, im Laufe der Zeit gewöhnt man sich aber an die Sprache des Stückes. Inhaltlich sind die fiesen Männer sehr kreativ geschrieben, wohl jeder wird den einen oder anderen Charakterzug an einem bekannten Menschen (oder sich selbst?) feststellen. Wallace' Beobachtungsgabe ist sehr genau, die Männer im Hörspiel aber auf die Spitze getrieben und damit recht Klischeebeladen. So recht in eine Kategorie will sich das Stück nicht einordnen lassen, das kann jeder für sich selbst vornehmen, wenn er sich auf dieses originelle Experiment einlässt.

Klar, dass fast ausschließlich Männer zu hören sind, diese sind aber wunderbar ausgewählt und können die jeweiligen überspitzten Rollen gut darstellen. Milan Peschel, der mir vor dieser Produktion völlig unbekannt war, kann mit gekonnter Akzentuierung einzelner Worte einen sehr lebendigen Vortrag halten. Sehr gut gefallen hat mit auch Jörg Hartmann, seine im Gedächtnis bleibende Stimme und gelungene Betonung würde ich gern öfter hören. Wanja Mues ist ebenfalls als einer der interviewten Männer zu hören und kann mit ungehemmten Redefluss überzeugen. Weitere Sprecher und -innen sind Jacqueline Macaulay, Judith Engel und Max Hopp.

Antje Vowinckel ist zuständig für Regie und den Klang und ist für die eher außergewöhnliche Vorlage ebenso ungewöhnliche Wege gegangen. Die Geräusche sind oft unharmonisch und unterbrechen die Reden von den Männern, sind aber abstrakt und haben nichts mit der Geschichte an sich zu tun. Die Musik ist dabei passenderweise ebenso experimentell und sträubt sich ein wenig, eine sanfte Untermalung zu bieten.

Das Buchcover ist recht bekannt, natürlich wird es dann auch für die Hörausgabe verwendet. Ein Mann, schick in Krawatte und Anzug, allerdings mit einer Papiertüte über den Kopf gezogen, worauf dick der Titel prangt. Das kleine Booklet beinhaltet eine Folgenübersicht sowie Kurzinformationen zum Autor und zur Regisseurin.

Fazit: Das Hörstück ist experimentell und somit vielleicht nicht jedermanns Geschmack. An schwarzem Humor und einer gewissen augenzwinkernden Wahrheit mangelt es aber keinesfalls.

VÖ: 12. November 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-685-9


Krabat



Erster Eindruck: Raben, eine Mühle und jede Menge Zauberei

Der Waisenjunge Krabat wird vom Meister als Lehrjunge in der Mühle im Koselbruch aufgenommen. Erst mit der Zeit bemerkt er, dass sein Meister ein schwarzer Zauberer ist, der seine Gesellen mit übermenschlichen Fähigkeiten ausstattet und allerlei schwarze Magie praktiziert. Krabat beginnt, gegen den Meister aufzubegehren, doch es gibt nur eine Möglichkeit, ihn zu vernichten...

Otfried Preußler ist bekannt für seine zahlreichen erfolgreichen Kinder- und Jugendbücher, die sich gerne auch Motiven aus der Magie bedienen. Doch so stark wie bei „Krabat“ ist dies sonst nicht der Fall, die Geschichte ist seine düsterste. Vom WDR wurde Krabat nun erstmals als aufwändiges Hörspiel produziert, bisher gab es die Geschichte nur als Lesung oder O-Ton Filmhörspiel. Das Hörspiel ist nun beim Audioverlag auf 3 CDs erhältlich. Es überträgt die Stimmung des Buches sehr genau auf das neue Medium und wirkt bedrückend, ja teilweise bedrohlich. Dabei wird nicht mit billiger Effekthascherei gearbeitet, vielmehr ist die Spannung eher subtil, aber immer greifbar und allgegenwärtig. Schnell verliert sich der Hörer in dem dunklen Geflecht zwischen Traum und Wirklichkeit, und kann so eng die Entwicklung Krabats vom einfachen Lehrjungen zum angesehen Gesellen mitverfolgen, ebenso das Treiben des mächtigen Meisters und die merkwürdigen Vorkommnisse in der Mühle. Mit etlichen wirkungsvollen Bildern und Motiven schafft einerseits Preußler mit seiner Geschichte, andererseits aber auch das Produzententeam mit seinen stilistischen Mitteln eine sehr intensive Atmosphäre, die einen gefangen nimmt. Obwohl ein Kinderbuch und somit nicht mit Schockmomenten überfüllt, sind auch Erwachsene bestens unterhalten, ein wahres Familienhörspiel also. Eine grandiose Produktion mit genialer Vorlage, die ich nur wärmstens für lange Winterabende weiterempfehlen kann.

Auch die Sprecherriege tut ihr bestes, um die drückende Stimmung zu vermitteln und die Charaktere zum Leben zu erwecken. Als Krabat ist Max Mauff zu hören, der die Doppelbelastung als handelnde Person und Ich-Erzähler bravurös und sehr eindringlich meistert. Seine facettenreiches Spiel trifft die jeweilige Situation haargenau und beschwört so ein intensives Bild von Krabat hervor. Sein Meister, der dunkle Zauberer, wird von Michael Mendl mit donnernder Stimme gesprochen, der somit die düstere Kraft bestens unterstreicht, die von der Figur ausgeht. Wanja Mues hat eine wichtige Rolle als Tonda, auch hier kann man die nahezu perfekte Leistung nur loben. Weitere Sprecher sind unter anderem Laura Maire, Marion Kittel und Siemen Rühaak.

Die Kompositionen von Rainer Quade schmiegen sich hervorragend an die Geschichte an und unterstreichen mit effektvollen Musikstücken die düstere Stimmung. Auch hier wird nicht mit hochtrabender, lauter Effekthascherei gearbeitet, sondern mit dem Gefühl leisen Grusels und unterschwelliger Gefahr, was die Vorlage ebenso ausmacht. Eine sehr gelungene Umsetzung!

Wie immer in dieser Reihe ist die Gestaltung ein wenig nostalgisch angehaucht, was in reizvollem Kontrast zu der klaren Gliederung im modernen Look steht. Das Titelbild zeigt die alte Mühle, die von vielen Raben umreist wird in einer einfachen Zeichnung. Die übrige Gestaltung wird von ähnlichen Zeichnungen und einem Foto des Autors aufgelockert.

Fazit: Die unterschwellige Spannung, der leise aber stetige Grusel,die wunderbar eindringlichen Bilder – all das macht die Vorlage so reizvoll, die hier wunderbar eindringlich umgesetzt wurde.

VÖ: 27. November 2010
Label: Der Audioverlag (DAV)
Bestellnummer: 978-3-86231-018-0


Die Konferenz der Tiere

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Erster Eindruck: Auch heute noch aktuell

Die Tiere beobachten missmutig, dass die Menschen Konferenz um Konferenz einberufen, aber niemals zu einem Ergebnis kommen, die Kriege gehen weiter. Wer denkt da an die Kinder? Die Tiere beschließen, selbst eine Konferenz einzuberufen und den Menschenkindern zu helfen...

Erich Kästner ist einer der bekanntesten deutschen Kinderbuchautoren, und auch heute, über 25 Jahre nach seinem Tod, erfreuen sich seine Werke größter Beliebtheit. Im Zuge des anstehenden Kinofilms wurde nun das Hörspiel zu "Die Konferenz der Tiere" aus dem Jahre 1969 neu aufgelegt und ist nun bei Oetinger Audio erhältlich. Die Geschichte ist eben so einfallsreich wie rührend: Um Kriege und Morde zu beenden, berufen die Tiere ihrerseits eine Konferenz ein. Dabei geht es stellenweise recht witzig zu, den Humor zieht Kästner einerseits aus der Unfähigkeit der Menschen, sich zu einigen (beispielsweise über die Sitzordnung), andererseits aus der Beschreibung der Tiere mit ihren Eigenheiten. Da krächzen die Papageien die Botschaft weiter, während die Tintenfische in großen Buchstaben die Ankündigung der Konferenz in die Meere schreiben. Dies alles ist eher zurückhaltend und subtil, den heutigen eher schrillen Humor für Kinder sucht man hier vergebens. Vor allem ist "Die Konferenz der Tiere" ein wütender Appell an die Menschheit, endlich an die Kinder zu denken und das Übel aus der Welt zu beseitigen - und dies ist heute noch genauso aktuell wie damals. Einige Szenen wurden interessant umgesetzt, beispielsweise klingen einige Passagen des Erzählers wie eine Radiosendung. Die Geschichte ist nicht unbedingt spannend, aber fortlaufend gut erzählt und unterhaltsam. Ein etwas anderes Hörspiel für Kinder, das aufgrund seines Alters vielleicht nicht jedermanns Sache ist, aber mit interessanter Umsetzung und toller Story überzeugen kann.

Die Sprecher sind überzeugend und stellen die Tiere mit ihren Eigenheiten sehr gut dar. Als Löwe ist Georg Thomalla zu hören, der in einigen Passagen wirklich zu brüllen scheint und einer der feurigsten Vertreter in der Konferenz ist. Heidi Treutler spricht die Maus mit ihrer hohen Stimme, die wirklich stark an das Piepen des kleinen Nagetier erinnert. Für die heutige Zeit ungewöhnlich spricht Klaus Havenstein den Erzähler, sehr inbrünstig und leidenschaftlich. Weitere Sprecher sind unter anderem Rosemarie Fendel, Erich Kleiber und Ursula Traun.

Bei einem Hörspiel aus dem Jahre 1969 kann man sicherlich keine perfekte Tonqualität mehr erwarten, und auch die Musik entspricht nicht mehr heutigen Standards. Trotzdem kann auch die akustische Gestaltung der Geschichte mit unterhaltsamen kleinen Melodien und passenden Geräuschen überzeugen, wobei jedoch der größte Wert auf die Sprecher gelegt wurde.

Auf dem Cover ist eine witzige Szene zu sehen, die die Anreise der Tiere zur der Konferenz zeigt, auf riesigen Schiffen und sogar Walen. Witzig gezeichnet und mit spaßigen Ideen ausgestattet entdeckt man immer neue Details beim Betrachten. Im kleinen Booklet ist neben den üblichen Angaben eine ausführliche Beschreibung von Kästner nachzulesen.

Fazit: Politisch aktuell, mit feinem Witz und einer unterhaltsamen Story, ein Hörspiel mit hohem Nostalgiefaktor.

VÖ: September 2010
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0524-1


35 Kilo Hoffnung / 35 kilos d'espoir

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Erster Eindruck: Sorgen in der Schule, noch mehr Sorgen zu Hause

David ist nicht nur Außenseiter in der Schule, sondern dort auch ziemlich schlecht. Auch die Lehrer können nichts mit ihm anfangen, sodass er von Schule zu Schule wechselt. Seine Eltern sind genervt und streiten jeden Abend. Nur sein Großvater Leon hält zu ihm und unterstützt ihn. Zum Beispiel, als er an einem ganz bestimmten Gymnasium angenommen werden möchte...

In seiner Serie mit dem weißen Rücken, in der außergewöhnliche Kinderhörspiele veröffentlicht werden, hat sich der Audioverlag mit „35 Kilo Hoffnung“ eine echte Perle herausgepickt. Eine kleine unscheinbare Geschichte, aber so voller Liebe, voller Gefühl, voller Charme und – wie es der Titel schon verspricht – voller Hoffnung. Erzählt werden nicht irgendwelche Heldentaten, sondern der Kampf eines Kindes um die Anerkennung seiner Begabungen, die Liebe seiner Eltern. Und das ist mit einfachen Worten so rührend umschrieben, dass man sich David wirklich nahe fühlt, die Last der Ungerechtigkeit selbst spürt, in einem System zu versagen, dass ihm aufgedrängt wird und das nicht für ihn geschaffen wurde. Besonders die Eltern mit ihren ständigen Kritiken sind hierfür Indikator, während Opa Leon den ruhigen, sicheren Gegenpol bieten, immer ausgeglichen und mit viel Weisheit ausgestattet. Sofort empfindet man Sympathie für ihn und hofft für David, dass er seinen Platz im Leben findet. Das wunderschöne Ende nach etlichen Stolpersteinen rundet die 50 Minuten dann weich ab. Ein wunderbares Hörspiel voller Emotionen, welches durch seine Schlichtheit besticht.

David wird von Davide Brizzi gesprochen, der mit seiner sicheren Stimme und den zielsicheren Gefühlen darin schafft er es, einen sehr lebendigen und glaubwürdigen Eindruck zu hinterlassen und David so den Hörern zugänglich zu machen. Opa Leon bekommt seine Stimme von Klaus Herm geliehen, der den gutmütigen alten Mann mit viel Einfühlungsvermögen und Wärme spricht. Die wunderbare Ilse Strambowski ist als Oma Charlotte ebenso ein Ruhepunkt, eine grundsympathische Frau und legt viel Gefühl in ihre Stimme. Weitere Sprecher sind Jele Brückner, Alexander Hauff und Philip Fuchs.

Die Geräuschkulisse kann ebenso überzeugen wie die Geschichte. Die eingesetzten Melodien sind eher einfach gestrickt, aber gerade wegen ihrer Schlichtheit so eingängig, zumal ihnen immer ein gewisser Zauber innewohnt. Die Geräusche sind eher reduziert eingesetzt und nicht allzu hochtrabend, machen die Geschichte aber glaubwürdiger.

Auf dem Cover sind sowohl David als auch sein Onkel Leon vor einer blühenden Wiese zu sehen, das kleine Gartenhaus im Hintergrund. Auch hier wird mit einfachen Mitteln viel erreicht, etwas, was sich durch die gesamte Produktion zieht. Im Inneren sind wie immer übersichtlich alle notwendigen Informationen zusammengefasst.

Zusätzlich zur deutschen Fassung liegt der CD noch eine französische Fassung des Hörspiel bei, in der Originalsprache der Buchvorlage von Anna Gavalda. Die Inszenierung ist identisch mit der deutschen Version, die Sprecher ebenso eingängig und intensiv. So eignet sich diese CD hervorragend zum Auffrischen der Französischkenntnisse oder zum Neulernen, da der Inhalt und der Verlauf ja schon bekannt sind.

Fazit: Herzergreifend und gefühlvoll, dabei bestechend durch seine Einfachheit und seine wunderschöne Sprache. Sehr zu empfehlen, nicht nur für Kinder.

VÖ: Feburar 2005
Label: Der Audioverlag (DAV)
Bestellnummer: 978-3-8981-3426-2


Kalt wie der Tod - Skandinavische Krimihörspiele von Henning Mankell & Co



Erster Eindruck: Nordische Krimis vom Feinsten

Hasse, ein ganz normaler Junge, freundet sich mit Schwalbe aus seiner Nachbarschaft an, der ohne Regeln in der kleinen Stadt wohnt. Langsam aber sicher zieht Schwalbe den Jungen auf seine Seite, und ihre Streiche werden immer ärger... ("Der gewissenlose Mörder Hasse Karlsson")
Kommissar Beck bekommt die Aufgabe gestellt, für die Sicherheit eines amerikanischen Ministers aus Staatsbesuch zu sorgen. Doch die Stimmung gegen den Politiker ist nicht sonderlich gut, und tatsächlich muss mit einem Anschlag gerechnet werden. ("Die Terroristen")
Der psychisch kranke Errki flieht aus der Anstalt, in der er behandelt wird. Doch auf der Flucht wird er plötzlich des Mordes bezichtigt und flieht nun auch vor der Polizei. Im Bankräuber Morten findet er einen Verbündeten... ("Wer den Wolf fürchtet")
Kommissarin Ann Lindell soll einen Fall von Fahrerflucht untersuchen, bei dem eine Mutter mit ihrer sechsjährigen Tochter um Leben gekommen ist. Fassungslos entdeckt sie immer mehr Details und muss schließlich von einem geplanten Mord ausgehen... ("Das Steinbett")

Vier Krimis präsentiert der Der Audio Verlag in einer Box mit dem Titel "Kalt wie der Tod", die alle eine Gemeinsamkeit haben: Sie stammen von skandinavischen Autoren. Ansonsten sind sie jedoch recht unterschiedlich, auch der Zeitraum, in dem die Werke erstmals erschienen sind, ist recht groß und reicht von 1975 bis 2001.
"Der gewissenlose Mörder Hasse Karlsson" stammt vom Altmeister schwedischer Krimis, Henning Mankell. Er schildert die kurze, aber sehr intensive Freundschaft der beiden unterschiedlichen Jungen und lässt den Hörer tief in seine Figuren, insbesondere Hasse, eintauchen. Immer weiter steigern sich die anfangs harmlosen Streiche, aus der Lausbubengeschichte wird schnell ein kleines Drama. Interessant, wie packend diese kleine Geschichte doch sein kann!
"Das Steinbett" ist von den vieren der klassische Krimi. Die Ermittlerarbeit von Ann Lindell steht klar im Vordergrund, immer weiter baut sich ein komplettes Bild der begangenen Tat vor dem Hörer auf. Es ist spannend anzuhören, wie die Kommissarin immer weitere Fakten sammelt und ihre persönlichen Gefühle dabei keineswegs außer Acht lässt, zumal die Auflösung eine echte Überraschung darstellt.
Ganz anders "Die Terroristen", hier wird kein Mord aufgedeckt, sondern zu verhindern versucht. Besonders spannend wird dies erstaunlicherweise, nachdem man auch Gespräche der Attentäter zu Ohr bekommt. Ein Wettlauf der beiden Parteien entsteht, das Ende bleibt bis zum Schluss offen und ementsprechend packend. Eine ungewöhnliche Erzählweise, die über die Laufzeit von gleich 2 CDs immer noch vollständig zu tragen weiß.
Und dann ist da noch "Wer den Wolf fürchtet", das bei mir den größten Eindruck hinterlassen hat. Der Kriminalfall erhält seine Würze durch die verschiedenen Personen, allen voran der psychisch gestörte Errki, der sich Stimmen einbildet. Fast schon eine psychische Studie über ihn ist eingebaut, doch auch die anderen Charaktere werden ausführlich beschrieben und sind in ihrer Wirkung einzigartig. Überraschende Wendungen sorgen für die nötige Fahrt, die das Hörspiel zu einem der Extraklasse machen - wirklich sehr zu empfehlen.
So unterschiedlich die vier Fälle auch sein mögen, eines haben sie dann doch auch inhaltlich gemeinsam: Allen haftet eine gewisse Melancholie an, die teilweise schon ins depressive abrutscht. Diese tritt stellenweise mehr in den Vordergrund, aber die Grundstimmung ist immer einer eher dunkle - was eventuell an der Herkunft der Autoren liegen mag. Vier ganz unterschiedliche Geschichten, doch keinen von ihnen sollte sich ein Krimifan entgehen lassen.

Natürlich sind bei den Produktionen aus unterschiedlichen Jahren mit komplett anderen Regisseuren und Charakteren eine Vielzahl an Sprechern beteiligt, die sich hier unmöglich alle aufzählen lassen. Namen wie Katja Brügger, Irina Wanka, Winfried Glatzeder, Eva-Maria Hagen und Horst Frank können nur einen Querschnitt darstellen. In der Geschichte über Hasse Karlsson kann besonders das Duo aus Christoph Stadler und Nino Herrlich überzeugen, die die Abgründe der beiden Jungen nach außen kehren können und eine sehr intensive Darstellung abliefern. Chares Wirths ist in "Die Terroristen" als Kommissar Beck zu hören, der ernsthaft und betont ein genaues Bild seiner Rolle zeichnet. Hervorragend ist Lars Rudolph als Errki, der den außergewöhnlichen Charakter detailliert und facettenreich, aber niemals unglaubwürdig darstellt. Ulrike Krumbiegel spricht Ann Lindell sehr gefühlsbetont und voller Leidenschaft.

Natürlich bietet auch die akustische Umsetzung kein einheitliches Bild, zu unterschiedlich sind die Stilistiken, die die Regiesseure verwenden. Während beispielsweise bei "Der gewissenlose Mörder Hasse Karlsson" vornehmliche unangenehm verzerrte Pfeifftöne zu hören sind, die die zunehmende Verstörtheit des Jungen lebendig werden lassen, ist bei "Das Steinbett" eine recht ausgereifte musikalische Untermalung zu hören, die auf die sich steigernde Spannung eingeht. Sehr unterschiedliche Klangwelten wurden da also erschaffen, aber jede einzelne ist passgenau auf die jeweilige Geschichte zugeschnitten und unterstützt diese in ihrer Wirkung.

Geliefert werden die fünf CDs in einer stabilen Pappbox, die eine typische skandinavische Blockhütte vor verschneitem Hintergrund zeigt, farblich darauf abgestimmt ist die restliche Aufmachung in Weiß- und Grautönen gehalten. Die CDs an sich sind in Papierhüllen aufbewahrt, und auch das dünne Booklet gibt nur die notwendigen Informationen preis.

Fazit: Ein interessanter und spannender Querschnitt mit vier ganz unterschiedlichen Geschichten, die jede für sich einzigartig und hörenswert ist.

VÖ: 15. September 2009
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8981-3856-7


Jim Knopf und die Wilde 13



Erster Eindruck: Wieder los geschippert

Als ein Postschiff mit Lummerland zusammenstößt, beschließt König Alfons, dass ein Leuchtturm fehlt. Jim Knopf und Lukas finden, dass der Scheinriese Herr Tur Tur eine bessere Idee wäre, um einen Neubau zu verhindern. Mit Lokomotive Emma tuckern sie wieder durch das Meer und begegnen allerhand merkwürdigen Gestalten - und geraten in große Gefahr!

"Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" ist eines der erfolgreichsten Bücher von Autor Michael Ende - und natürlich gibt es mit "Jim Knopf und die Wilde 13" eine Fortsetzung, die ebenfalls als liebevolle Neuvertonung bei DAV erhältlich ist, produziert wurde das über vierstündige Werk vom WDR. Und das glücklicherweise genauso liebevoll und mit Sinn für das Detail wie die anderen Titel der Serie, die stets in weißem Gewand daherkommt. Neben dem Kampf gegen die Wilde 13, die den Hauptteil der Geschichte einnimmt, sind noch etliche andere Handlungsbögen integriert, besonders gelungen ist das Zusammentreffen mit der Meerjungfrau Sursulapitschi. Die einfallsreiche Geschichte und vor allem ihre vielen Versuche, Lokomotive richtig auszusprechen, führen zu bester Hörspielunterhaltung. Doch auch die Introszene auf Lummerland mit den vielen bekannten Personen ist ein frühes, kleines Highlight. Wunderbar spannend ist die Entführung der kleinen Lok Molly durch die Wilde 13, die nachfolgende Verfolgungsjagd strotzt vor Dramatik und erzählerischem Können. So entstand ein rundum gelungenes Hörspiel für die ganze Familie, das ich bedenkenlos weiterempfehlen möchte.

Für die vielen unterschiedlichen Charaktere sind mehr als 20 Sprecher eingesetzt, die allesamt einen hervorragenden Job machen. Sursulapitschi, die kleine Meerjungfrau, wird von Anne Kanis gesprochen, die mit sehr viel Charme und Witz ihre Rolle wunderbar gestaltet. Ihr Vater Uschaurischuum wird von Heinrich Schmieder gesprochen, der mit seiner tollen Darbietung ebenfalls viel zum Gelingen der Szene beiträgt. Sehr gut gefallen hat mir Oliver Stritzel als Piratenhauptmann, der einen tollen Bösewicht abgibt. Weitere Sprecher sind unter anderem Wolfgang Völz, Laura Maire und Ulrich Noethen als Erzähler.

In Sachen Akkustik haben Mike Herting (Musik) und Wilmont Schulze (Geräusche) ebenfalls Tolles geleistet. Eine dichte Atmosphäre mit vielen kleinen liebevollen Details stützt die Geschichte und lässt sie sehr lebendig wirken, schnell kann man sich so in sie hineinversetzen. Alles spielt perfekt zusammen und schafft unterschiedlichste Stimmungen.

Die Aufmachung ist wieder ebenso schlicht wie gelungen. Das Titelbild entstammt der Buchvorlage und verbreitet den typischen Charme der Michael Ende-Bücher. Die klare Gliederung und die dezente Farbwahl lässt auch Erwachsene nicht vor einem allzu schrillen Cover abschrecken. Ein Foto von Erzähler Ulrich Noethen ist auf der Rückseite zu finden.

Fazit: Auch der zweite Teil ist wieder ein Volltreffer, der sich mit einer vielseitigen und spannenden Geschichte sowie wunderbaren Sprechern und toller Atmosphäre für die ganze Familie eignet.

VÖ: 26. Juni 2010
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8981-3936-6


Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer



Erster Eindruck: Kinderbuchklassiker mit neuem Leben

Im kleinen Lummerland leben neben dem König nur zwei Untertanen, Lukas der Lokomotivführer, Dampflok Emma und eines Tages auch Jim Knopf, der mit einer merkwürdigen Botschaft als Baby in Lummerland gestrandet ist. Eines Tages brechen Lukas und Jim mit der Lokomotive Emma auf, und bald finden sie Hinweise auf Jims Herkunft...

"Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" ist seit Generationen in Deutschland bekannt und verzaubert nach wie vor viele Kinderzimmer (und auch einige Erwachsene...) mit seinem Charme. Neben der bekannten Augsburger Puppenkiste gibt es auch schon diverse Audioumsetzungen, von DAV ist eine neue hinzugekommen - und zwar eine, die es in sich hat. Bei 246 Minuten Laufzeit darf von einer sehr umfassenden Umsetzung des Kinderbuchklassikers von Michael Ende gesprochen werden, die trotzdem zu keiner Zeit langweilig wirkt. Das liegt zum großen Teil an der bezaubernden und liebevollen Umsetzung, die den Geist des immerhin 40 Jahre alten Buches zu transportieren, ihm aber auch neue Seiten abzuringen weiß. Die Geschichte ist - obwohl gut bekannt - immer noch interessant und aufregend, die Charaktere einfallsreich, vielfältig und voller Leben. Schnell gerät man ins Träumen, kann sich in die Geschichte hineindenken und freut sich über die wohligen Kindheitserinnerungen. Dabei wird es an einigen Stellen richtig spannend und gefährlich für Lukas und Jim, sodass die ganz kleinen Zuhörer mitfiebert können und das dadurch sicher auch nicht langweilig aufkommt für die kleinen. Für einen langen Familienabend oder geruhsame Entspannung allein kann ich diese Umsetzung wärmstens empfehlen.

Die Sprecherauswahl ist hervorragend, sodass jeder Charakter entsprechend seiner Persönlichkeit gestaltet wird. Dante Selke - mir bis dahin völlig unbekannt - spricht dabei den Jim Knopf so sicher und treffend, als wäre er seit Jahrzehnten im Geschäft. Sein bester Freund Lukas wird von Jörg Schüttauf gesprochen, der ebenfalls in jeder Situation standhaft bleibt und seinen Charakter gut herausarbeitet. Imponiert hat mir die Leistung von Frank Köllges als Lokomotive Emma. Mit wenigen Geräuschen, die tatsächlich stark an eine alte Eisenbahn erinnern, eröffnet er eine ganze Gefühlswelt. Auch die anderen Sprecher könnten in den höchsten Tönen gelobt werden, beispielsweise Henriette Thiming, Manon Straché oder Wolfgang Völz.

Das Hörspiel wird von einer sehr geglückten Geräuschkulisse begleitet, die dezent, aber auch wirkungsvoll ist. Die Geräusche stammen von Wilmont Schulze, die Musik von Mike Herting, und beides ergänzt sich wunderbar zu einer stimmigen Atmosphäre, die sowohl auf hoher See als auch in den Fängen des bösen Drachen Frau Mahlzahn glaubhaft und intensiv ist.

Untergebracht sind die drei CDs in einem hochwertigen Digipack, das einen sehr stabilen Eindruck macht. Das allseits bekannte Buchcover wurde auch hier als Titelmotiv gewählt, ansonsten ist die Gestaltung eher schlicht, auf der Rückseite findet sich lediglich ein Foto von Erzähler Ulrich Noethen.

Fazit: Die mit Abstand beste und detailgetreuste Hörspielumsetzung des berühmten Buches, die wahrlich rundum gelungen ist.

VÖ: 27. Februar 2010
Label: DAV (Der AudioVerlag)
Bestellnummer: 978-3-89813-935-9


Jesus und die Mühlen von Cölln

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Erster Eindruck: Angesiedelt im Mittelalter

Die Geschichte von Jesus ist jedem bekannt, sein Leben, sein Tod, seine Auferstehung. Doch nur wenige wissen, dass Jesus ein zweites mal gelebt hat, in Köln, im Mittelalter. Auch hier war sein Leben geprägt von großen Taten, Liebe, Wundern und auch Verrat – das alles behauptet zumindest ein geächteter Mann, der einem Reisenden diese Geschichte erzählt...

Die Geschichte von Jesus wurde schon oft erzählt – meist jedoch die ursprüngliche, die in der Bibel steht. Manchmal wird sie aber auch aus anderen Perspektiven betrachtet, beispielsweise wenn die Handlung plötzlich ins mittelalterliche Köln verlagert wird. Dieses Experiment hat Autor Karlheinz Koinegg in seinem Hörspiel „Jesus und die Mühlen von Cölln“ gewagt. Doch anstatt sich auf die neuen Möglichkeiten zu besinnen, wurde im Prinzip nur eine Nacherzählung der biblischen Geschichten geschaffen, ab und an ergänzt durch gedankenspielerische Nuancen. Wirkliche Neuerungen sind kaum zu finden, lediglich das Ende überrascht und unterscheidet sich deutlich. Doch warum dann die Übersetzung in eine Zeit, die nicht einmal die unsere ist? Neue Erkenntnisse oder Gedankenansätze werden so jedenfalls nicht geschaffen, zumal an einigen Stellen weit vom christlichen Grundgedanken abgewichen wird. Obwohl die Geschichte einen gewissen Zauber verbreitet, kann sie nicht so recht berühren, sodass mich diese Produktion nicht recht überzeugen wollte.

Andreas Pietschmann ist in der gehaltvollen Rolle des Jesus zu hören und kann mit seiner festen und bestimmten, dabei aber nie zu dominanten Art die Rolle in diesem Hörspiel gut füllen. Esther Schweins spricht Maria und kann ihre sanfte und helle Stimme sehr gut einsetzen. Mit Wolf Dietrich Sprenger ist ein wunderbarer Sprecher in die Rolle des Gelben Gastes geschlüpft und kann mit seiner warmen Stimme für angenehme Momente sorgen. Weitere Sprecher sind unter anderem Matthias Koeberlin, Jan-Gregor Kremp und Jens Wawrczek.

Die akustische Umsetzung der Geschichte ist sehr harmonisch gelungen und kann mit seinen vielen schönen Melodien für ruhige Momente sorgen, die immer wieder zum Nachdenken anregen. Sanft und weich kommt diese Produktion daher und ist so eine gute Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen.

Auf dem Cover wird Jesus in einem mittelalterlich anmutenden Zeichenstil zu sehen, dazu im Hintergrund der Kölner Dom und eine weiße Friedenstaube, sodass hier mit einigen christlichen Symbolen gespielt wird. Die restliche Aufmachung ist wie bei den anderen Hörspielen mit dem weißen Rücken klar gegliedert und hübsch anzusehen.

Fazit: Obwohl durchaus schöne Stimmungen und interessante Momente vorhanden sind, kann das Hörspiel nicht so recht überzeugen, da es eher Nacherzählung denn Neufassung ist.

VÖ: Februar 2008
Label: Der Audioverlag (DAV)
Bestellnummer: 978-3-8981-3714-0


Das Halstuch



Erster Eindruck: Straßenfeger als Hörspiel

In einem kleinen Londoner Vorort wird eine junge Frau erwürgt aufgefunden - Tatwaffe ist ein Herrenschal. Harry Yates, der die Ermittlungen leitet, findet in Clifton Morris einen ersten Verdächtigen, indentifiziert durch die Verwandtschaft der Toten. Und tatsächlich - auch das Halstuch findet sich wieder...

"Das Halstuch" ist eine sechsteilige Mini-TV-Serie aus dem Jahr 1962 und prägte erstmals den Begriff "Straßenfeger", denn während der Ausstrahlung versammelten sich viele Menschen vor den Fernsehern und wollten wissen, wer der Mörder von Faye Collins ist. Öffentliche Einrichtungen und Wahlkampfveranstaltungen blieben so gut wie unbesucht. Nun, im Jahr 2010, hat der Audio Verlag sich der Geschichte angenommen und die originalen Tonspuren mit einem Erzähler unterlegt. Auch wenn ich ansonsten kein Fan von O-Ton-Hörspielen bin, sieht die Sache hier ganz anders aus. Denn tatsächlich fügt sich hier alles wie bei einer Eigenproduktion zusammen - keine unerklärlichen Geräusche, sinnvolle Erzählerparts, gute und glaubwürdige Schauspieler. Auch der Fall kann überzeugen - es ist ein klassischer Kriminalfall, wie man es von Francis Durbridge erwarten kann. Viele Verdächtige, falsche Fährten, überraschende Wendungen und ein spannendes Ende. Auch im Medium Hörspiel funktioniert die Geschichte prächtig, die Überarbeitung der Serie ist gelungen, und so ist "Das Halstuch" idealer Stoff für Freunde nostalgischer Krimigeschichten.

Die Stimmaufnahmen erweisen sich als durchaus geeignet für ein Hörspiel, da die Schauspieler intensiv genug gesprochen haben und so keinesfalls farblos wirken - ein Problem, welches bei O-Ton-Hörspielen ansonsten oft auftaucht. Als Harry Yates, der Inspektor von Scotland Yard, ist Heinz Drache engagiert worden, dessen markantes Auftreten auch im Hörspiel zu bemerken ist. Horst Tappert, kein unbekannter Name unter Krimifans, spricht den Vikar Nigel Matthews und bringt seine einzigartige Stimme gut zur Geltung. Als Erzähler wurde Friedhelm Ptok ausgewählt, der sich sehr organisch in die alten Aufnamhen einfügt und seine Parts sehr gekonnt gestaltet. Weiterhin zu hören sind Albert Lieven, Margot Trooger und Eva Pflug.

Die Musik stammt von Hans Jönsson und passt auch in die Hörspielvariante wunderbar. Der Spannungsbogen der Folgen wird dabei sehr gut unterstützt, während die klassischen Melodien helfen, sich in die Geschichte hineinzuversetzen. Schön, dass sich auch hier alles so wunderbar zusammenfügt.

Verpackt sind die drei CDs in einem schicken Digipack mit interessantem CD-Einsatz. Das Titelbild mit den beiden Scherenschnitten ist ebenso schlicht wie auffällig und gelungen, es versprüht den Flair der frühen 60er Jahre. Im Inneren ist noch ein Foto aus der Krimiserie zu finden - herrlich nostalgisch in schwarz-weiß.

Fazit: Spannende Geschichte, quasi ein klassischer Krimi, dazu eine sehr gelungene Übertragung zwischen den beiden Medien. Sehr zu empfehlen!

VÖ: 20.März 2010
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-89813-967-0


Hallo, ist da jemand?

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Erster Eindruck: Besuch aus dem All

Joakim ist heute alleine zu Hause, seine Mutter bekommt gerade ein Baby. Überraschend bekommt Joakim Besuch von Mika, einem Jungen aus einer anderen Welt. Schnell freunden die beiden sich an, obwohl sie die Welt des anderen ganz merkwürdig finden. Die ganze Nacht über erzählen sie einander, wie das Leben bei ihnen abläuft und stellen sich ziemlich interessante Fragen...

Dass Kinderhörspiel mehr können als nur spannende Geschichten zu erzählen oder mit witzigen Momenten zu unterhalten, beweist „Hallo, ist da jemand?“, das fast schon philosophische Ansätze hat und im besten Sinne intelligent zu nennen ist. Die Vorlage von Jostein Gaarder wurde wieder vom eingespielten WDR-Team genial umgesetzt, sodass ein wirklich interessantes Hörspiel entstanden ist. Dabei setzt es nicht auf eine fortlaufende Handlung, sondern auf das Gespräch zwischen Joakim und dem Außerirdischen Mika. Hier werden einige spannende Fragen zum Entstehen des Lebens in seiner heutigen Form gestellt und beantwortet, die Gedankengänge sind dabei auf Kinder angepasst und trotzdem alles andere als dumm oder zu stark vereinfacht. Auch zu Mikas Welt werden einige Erklärungen abgegeben, was vornehmlich dazu dient, Vorgänge in unserer Welt zu hinterfragen und gleichzeitig interessante Szenen schafft. Wirklich gelungen, zumal auf einfache Weise Wissenswertes vermittelt wird.

Robert von Zander spricht Joakim und kann den pfiffigen Jungen mit viel Herz und Verstand darstellen, trotz seines jungen Alters ist sein Sprachfluss ungehemmt. Wunderbar ist auch Timon Sitte als Mika, seine neugierige und sehr charmante Art Fragen zu stellen trägt das Hörspiel und gibt immer wieder neue Impulse, auch er wirkt spontan und glaubwürdig. Als Erzähler ist Wolfgang Condrus eingesetzt, dessen warme und einprägsame Stimme seine wenigen Passagen sehr angenehm gestaltet. Christian Giese, Dagmar Sitte und Beate Jensen sind in weiteren Rollen zu hören.

Musik ist in dieser Produktion gar nicht zu hören, allein die Sprecher und ihre Dialoge stehen im Fokus des Interesses. Ab und an wäre aber eine kleine Melodie wünschenswert gewesen, um noch einmal über das gerade Gehörte nachzudenken. Zur atmosphärischen Gestaltung sind jedoch immer wieder Geräusche eingefügt, die sehr passend und glaubwürdig sind.

Joakim steht mit einem Fernglas auf einer ziemlich winzig dimensionierten Erde und beobachtet den vollen Mond und den Sternenhimmel, auf unserem Planeten sind noch einige andere Zeichnungen zu sehen – auch das Titelbild wirkt schon recht philosophisch und ist sehr schön anzusehen. Gut, dass nicht auch noch Mika zu sehen ist, so kann sich jeder sein eigenes Bild von ihm machen.

Fazit: Ein wunderschönes Hörspiel voller Poesie und kluger Gedanken. Nicht nur für Kinder absolut empfehlenswert.

VÖ: 14. Januar 2011
Label: Der Audioverlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1042-5


Gestatten - mein Name ist Cox



Erster Eindruck: Aus der Wirtschaftswunderzeit

Paul Cox schlägt sich pfiffig durch sein Leben, als ihm plötzlich der Mord an einem Anwalt zugeschrieben wird. Nicht verwunderlich, wenn sein Messer im Rücken des Toten steckt. Um sich von der Schuld loszusagen, ermittelt Cox auf eigene Faust... ("Gestatten - mein Name ist Cox")
Ein Koffer aus Schweinsleder - das ist der wichtigste Anhaltpunkt für Paul Cox, als er den Mord an einem Mann aufklären will. Doch wie weit seine ehemalige Geliebte Helena Bernhardt in die Sache verwickelt ist, klärt sich erst nach und nach. ("Mord auf Gepäckschein 3311")

"Gestatten - mein Name ist Cox" war in den 50er Jahren die erste Krimi-Hörspielunterhaltung im deutschen Radio und wurde bei vielen Hörern schnell zum Kult. Grund genug, beide Fälle auf CD zu pressen, so geschehen bei GoyaLit, die die jeweils acht Fortsetzungsfolgen auf vier Doppel-CDs veröffentlichen.
Der erste Fall trägt den gleichen Namen wie die Serie und hat auch heute, über 50 Jahre später, nichts von seinem hohen Unterhaltungswert verloren. Vielmehr kommt der ganze Charme der Zeit wunderbar herüber, trotz aller Spannung transportiert die Geschichte eine gewisse Ruhe, wo heute Hektik herrschen würde. Mit Witz und Pfiff ermittelt sich Paul Cox durch den durchaus verwirrenden Mord, der sich erst im Laufe der Zeit herauskristallisiert. Die Erzählkunst ist hier auf hohem Niveau: Ein Ermittler unter Mordverdacht, viele unerwartete Wendungen und besonders interessante Charaktere. Schon allein die Hauptfigur mit ihrem Charme und ihrer Ausstrahlung vermag zu fesseln. Fast vier Stunden Hörspielunterhaltung werden hier geboten, und die werden Krimifans wie im Fluge vergehen.

Gleiches gilt durchaus auch für den zweiten Teil. Hier ist der Vorteil, dass man die Titelfigur schon kennt und weitere Seiten an ihm entdecken kann - die Charakterisierung ist auch hier sehr gelungen und präsentiert einen außergewöhnlichen Ermittler. Der Fall ist ein wenig verzwickter als sein Vorgänger, wird aber in nicht ganz so langer Zeit gelöst. Das ergibt einen leichten Tempoanstieg, der das Geschehen kurzweiliger wirken lässt. Mir gefällt die Figur der Helena Bernhardt äußerst gut - eine wahre Femme Fatale, die Pfeffer und Leben in den Fall gibt. Schön, dass sowohl aktuelle Entwicklungen wie die Aufklärung des Mordes gleichermaßen beachtet werden. Auch hier liegt ein klassischer Krimi vor, der angenehm nostalgisch wirkt und nicht nur die Leute begeistern wird, die sich noch an die Fortsetzungsgeschichten erinnern, sondern mit dieser Box auch neue Freunde finden wird.

In den beiden Geschichten wird Paul Cox von unterschiedlichen Sprechern vertont. Karl-Heinz Schroth wirkt im ersten Teil ungemein pfiffig und verschmitzt und kann dabei eine Menge Charme versprühen. Erwin Linder legt die Rolle etwas ernster an, was sich auch auf die Wirkung des Falles überträgt. Gustl Busch ist als Mrs. Chataway zu hören und ist mit unüberhörbarer Freude an der Sache. Sehr gefallen hat mir Verena Wiet als Helena Bernhardt, die ihren Charakter Tiefe und Glaubwürdigkeit verleiht. Weitere der vielen Sprecher sind Heinz Klingenberg, Hans Zesch-Ballot, Manred Steffen und Inge Franzen.

Die Musik ist auch für die heutigen Ohren alles andere als angestaubt und kann den Fall gut untermalen. Hier zeigt sich, dass kein akkustisches Feuerwerk gezündet werden muss, um den Hörer an ein Hörspiel zu fesseln, denn hier wird mit relativ wenigen Mitteln eine ganze Menge erreicht. Da die Fälle als Fortsetzungsgeschichten für das Radio produziert wurden, ist nach jedem Abschnitt eine kleine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse zu hören, was den Wiedereinstieg in die Handlung ungemein erleichtert.

Zu finden sind die 8 CDs in Doppelhüllen in einem Pappschuber. Dieser trägt jeweils die Coverbilder der vier Hüllen und kann ebenso wie die Hörspiele viel Nostalgie einfangen. Auch hier wurde auf Schnickschnack verzichtet, trotzdem findet man einiges an zusätzlichen Informationen über verschiedene Themen.

Fazit: Zwei Fälle, spannend und mit sehr interessanten Charakteren, pfiffig und gekonnt erzählt. Hörspiel-Nostalgie wie sie sein sollte!

VÖ: 1. August 2005
Label: GoyaLit /Jumbo
Bestellnummer: 978-3-8337-1419-1


Das Gesetz der Straße



Erster Eindruck: Kampf gegen das Verbrechen mal fünf

Pete Anglich ermittelt in seinem neuen Fall in einem Armenviertel in Los Angeles, wo er einem großen Rauschgiftmarkt auf der Spur ist. Seine einzige Zeugin ist eine verängstigte junge Frau... („Straßenbekanntschaft“)
John Dalmas, ein engagierter Privatdetektiv, wird in einen pikanten Fall angeheuert: Ein betrogener Ehemann will, dass er seiner Frau nach spioniert, die mit einem anderen Mann durchgebrannt ist... („Die Tote im See“)
John Carmady wird gebeten, ein vermisstes Mädchen ausfindig zu machen. Die Spur führt ihn in eine Kleinstadt, in der er in einem Netz aus Korruption und offener Gewalt gefangen wird... („Der Mann, der Hunde liebte“)
Philip Marlowe, ein erfolgreicher Privatdetektiv, hat den Kampf gegen die Mafia aufgenommen. Er soll einen Kleinkriminellen vor der mächtigen Organisation beschützen und wird bald selbst bedroht... („Der Bleistift“)
Da er in einem Prozess gegen einen gefährlichen Verbrecher ausgesagt hat, steht Marlowe unter kompletten Polizeischutz. Doch schon bald fühlt er sich eingeengt und besucht einen Nachtclub – mit fatalen Folgen... („Gesteuertes Spiel“)

Raymond Chandler feierte der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Erfolge als Autor von Kriminalromanen, die einen neuen Typen von hart gesottenem Ermittler geprägt haben. Fünf seiner Geschichten, die als Hörspiel von diversen Radiostationen umgesetzt wurden, hat nun der Audioverlag zusammengefasst und unter dem Titel „Das Gesetzt der Straße“ veröffentlicht – eine Anspielung auf die nicht gerade zimperlichen Helden der Geschichten. Dabei muss man sich immer wieder auf andere Hauptfiguren einstellen, nur Chandlers bekannteste Figur Philip Marlowe darf in gleich zwei Geschichten ermitteln. Auch die Produktionsjahre sind völlig unterschiedlich, das früheste entstand 1973, das späteste 1999. Trotzdem haben alle etwas Essentielles gemeinsam: Den gelungenen Spannungsbogen,der die Geschichte gekonnt und ohne allzu viele Schnörkel erzählt, dafür bis zum Ende wichtige Details offen lässt, um so das Interesse des Hörers aufrecht zu erhalten. Mir gefällt diese bunte Mischung aus verschiedensten Themen, besonders der Kampf gegen mächtige Organisationen scheint es Chandler angetan zu haben. Das tritt insbesondere in „Der Bleistift“ zu Tage, die älteste der Vertonungen gefällt mir insgesamt am besten, da die Bedrohung Marlowes hier gut greifbar ist und es sehr hörenswert ist, wie überraschend er manchmal mit dieser Situation umgeht. Doch auch „Straßenbekanntschaften“, die neuste der Produktionen, besitzt viel Charme und einen wunderbaren Ermittler, der nicht immer den gradlinigsten Weg geht. Alle diese fünf Hörspiele sind hörenswert und überzeugen mit ihren ganz eigenen Nuancen, weswegen ich diese Zusammenstellung Krimiliebhabern nur wärmstens empfehlen kann.

Natürlich sind zahlreiche Sprecher in den Produktionen zu hören, trotzdem machen alle ihre Sache insgesamt gut, es gibt mehr Ausreißer nach oben denn nach unten. In „Straßenbekanntschaft“ ist niemand anderes als Ulrich Pleitgen als Pete Anglich zu hören, mit seiner manchmal recht trockenen Art und sehr intensiven Stimmfärbung kann er den Privatdetektiv hervorragend darstellen. Hans Peter Hallwachs hat mit John Dalmas und John Carmady die Hauptrollen in gleich zwei der Produktionen übernommen, er kann jeweils ganz eigene Facetten zeigen und so die Charaktere doch gut voneinander differenzieren. Arnold Marquis spricht den Philip Marlowe in „Der Bleistift“ und betont seine coole Seite, könnte aber manchmal etwas mehr Tiefgang zeigen. Hilmar Thate spricht in „Gesteuertes Spiel“ den gleichen Charakter und ist dabei etwas variabler als sein Vorgänger. In Nebenrollen sind unter anderem Wolfgang Condrus, Marie-Luise Etzel, Sabine Postel, Marius Müller-Westernhagen und Matthias Ponnier zu hören.

Auch die akustische Umsetzung ist sehr unterschiedlich, kein Wunder wenn man die verschiedenen Produktionsjahre bedenkt. So fällt gerade „Der Bleistift“ aus dem Jahr 1973 auf, da hier nur sehr wenige Stilmittel verwendet werden. In den späteren Produktionen ist dann gerade der Einsatz verschiedener Sounds gelungen, die das Geschehen sinnvoll untermalen, aber nicht zu sehr von der Handlung ablenken.

Die Aufmachung der fünf CDs ist sehr schlicht gehalten, wofür diese Zusammenstellung aber sehr preisgünstig zu haben ist. Stets ist exakt das gleiche Titelmotiv gewählt worden, eine schwarz-weiße Fotografie aus einem Film, die den Charme der früheren Folgen einzufangen weiß. Lediglich das Backcover enthält Informationen zu den Geschichten im einzelnen, die wichtigsten Eckdaten werden aber durchaus genannt.

Fazit: Fans von Kriminalhörspielen werden an dieser Box ihre Freude haben, die unterschiedlichen Ermittler sind in fünf spannenden, interessanten und abwechslungsreichen Fällen zu hören.

VÖ: April 2011
Label: Der Audioverlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1010-4


Die Gentleman bitten zur Kasse



Erster Eindruck: Reales Ereignis spannend umgesetzt

England, Anfang der 60er Jahre: Eine Gruppe von Verbrechern plant den größten Coup ihres Lebens, den Überfall auf einen Postzug. Ihre ganze Energie und ihr ganzes Vermögen stecken sie in die Vorbereitung dieses großen Ereignisses. Doch dazu müssen sie weitere Unbeteiligte Einweihen und gehen damit ein nicht unerhebliches Risiko ein...

1966 hat ein Fernsehdreiteiler die Nation begeistert: „Die Gentleman bitten zur Kasse“, welches einen real geschehenen Überfall auf einen englischen Postzug zum Thema hat. Das Besondere dabei ist die akribische Planung gewesen, die auch im Mittelpunkt des nun erschienenen Filmhörspiels steht und den Reiz der Geschichte ausmacht. Jeder einzelne Schritt des Raubüberfalls wird geplant, in seinen Facetten beleuchtet, das Geld dafür in mehreren kleineren Gaunereien gesammelt. Besonders interessant ist das immer wieder aufkeimende Misstrauen zwischen den einzelnen „Gentleman“, besonders wenn neue Komplizen mit in die Gemeinschaft aufgenommen werden müssen. So entwickelt sich eine ganz besondere Gruppendynamik, was sehr unterhaltsam ist. Das hat Flair, das hat Stil und ist mal so ganz anders als andere bekannte Kriminalfälle, schon allein wegen des Perspektivwechsels. Auch als Hörer ist man immer hin- und hergerissen, schließlich sind die „Helden“ des Hörspiels eigentlich Verbrecher. Natürlich ist auch der Überfall selbst sowie eine gewisse Zeit danach im Hörspiel Thema, was die lange Planungsphase krönt und einen ungefähren Eindruck des realen Geschehens abbildet. Obwohl ausschließlich die Dialoge aus dem Film entnommen und mit Erzähltexten versehen wurden, wirkt das Hörspiel sehr organisch und stimmig. Eine gelungene Adaption, die auch in der heutigen Zeit noch überzeugen kann.

Horst Tappert hat in dem Dreiteiler eine der Hauptrollen inne, den Michael Donegan spielt er mit Leidenschaft und viel Engagement, die scharfen Berechnungen des Charakters werden so in den Vordergrund gestellt. Auch Hans Cossy kann mit einer glaubhaften und sehr gelungenen Vorstellung des Patrick Kinsey überzeugen, das Flair der „Gentleman“ kommt bei ihm besonders gut zur Geltung. Hans-Günter Martens und Peter Weis teilen sich die Erzähltexte und lassen sie lebendig und spannend wirken. Weitere Darsteller sind Günther Neutze, Karl-Heinz Hess und Hans Reiser.

Musik wurde kaum in die Handlung eingebaut, sodass ein nüchterner Eindruck des Geschehens entsteht, der sehr passend ist. An einigen Stellen schallen dann aber doch stimmungsvolle Melodien aus den Boxen. Sehr gut ist die Arbeit mit Geräuschen gelungen, die sich wunderbar in die Dialoge einfügen und einige Dinge verständlicher machen.

Die Gestaltung des Cover ist sehr simpel, ein weißer Hintergrund mit leicht abgesetzten Titel, dazu ein Foto aus dem Film in schwarz-weiß – mehr nicht. Trotzdem ist ein insgesamt ansprechendes Titelbild gelungen. Leider sind kaum weitere Infos zu finde, obwohl es sich bei dieser Umsetzung sicherlich angeboten hätte.

Fazit: Die Übertragung des Filmes ist gelungen, die Handlung spannend und die Thematik sehr interessant, besonders das Zusammenspiel der einzelnen Charaktere ist reizvoll.

VÖ: 14. Januar 201
Label: Der Audioverlag (DAV)
Bestellnummer: 978-3-8623-1016-6


Das Geisterhaus



Erster Eindruck: Weltliteratur feinsinnig umgesetzt

Esteban Trueba, ein verarmter chilenischer Mann, ist überglücklich, dass die hübsche Rosa del Valle ihn heiraten will. Rosa stammt aus einer großen Familie, und ihre kleine Schwester Clara besitzt hellseherische Fähigkeiten. Eines Tages sieht die den Tod eines Familienmitgliedes voraus - doch die Geschichte soll noch weiter gehen...

Isabel Allendes Debütroman aus dem Jahr 1982 gehört längst zur Weltliteratur. Nun haben sich SWR und hr2 an eine Hörspielumsetzung des bekanntes Stoffes "Das Geisterhaus" gemacht und aufwendig vertont, der Hörverlag bringt eine CD-Version des über 9-stündigen Werkes auf den Markt. Erzählt wird die Geschichte einer Familie, verteilt über vier Generationen. Dementsprechend viele Charaktere und Schicksale werden behandelt, und jeder wird die nötige Aufmerksamkeit geschuldet. Die Charaktere werden so intensiv und ausführlich beschrieben, dass sie dem Hörer wirklich real vorkommen, die Geschichte ist so detailliert beschrieben, ohne überfrachtet zu sein, dass man viele der Szenen noch lange im Ohr hat. Die vielen dramatischen Ereignisse sind dabei gleichsam faszinierend wie unterhaltsam, sodass die Zeit wie im Fluge umgeht. Die Umsetzung ist dabei sehr opulent und treffend, Figuren und Entwicklungen kommen bestens zur Geltung und wirken voller Leben. Ein großer Roman, sehr aufwendig in Szene gesetzt, der so seine ganz eigene Faszination entwickelt und wärmstens für lange Herbstabende empfohlen werden kann.

Fast 70 (!!!) Sprecher wirken an der Hörfassung des Romans mit, bis in die kleinste Nebenrolle ist er mit äußerst fähigen Schauspielern besetzt. Manfred Zapatka spricht die sehr wichtige Rolle Esteban Trueba mit der ihm eigenen Intensität und Leidenschaft, sodass der vom Schicksal gebeutelte Mann in jeder Situation punktgenau dargestellt wird. Als Clara Trueba ist Angela Winkler zu hören, die derübersinnlich begabten Frau einen leicht ätherischen Klang verleiht, aber nie den Bezug zur Realität verliert - eine grandiose Vorstellung. Erzähler ist Ulrich Matthes, der ruhig und ohne Hast durch die Geschichte führt, logische Verknüpfungen verständlich macht und - nicht zuletzt - eine angenehme Erzählstimme hat. Weitere Sprecher sind Angela Winkler, Lena Stolze und Felix von Manteuffel.

Für die musikalische Umsetzung ist Pierre Oser verantwortlich, dem ebenfalls Großartiges gelungen ist. Seine Melodien weben einen sehr dichten Mantel für die Geschichte, der sie einschließt und einen Rahmen gibt, sich aber nicht in den Vordergrund stellt. Vielmehr schafft Oser Stimmungen, die die Szenen nicht treffender untermalen könnten.

Das Cover strahlt eine große Melancholie aus, und auch wenn es keinen konkreten Bezug zum Hörspiel hat, passt es sehr gut zu der vorherrschenden Atmosphäre. Die stabile Pappbox zum Aufklappen ist schlicht, aber hübsch gestaltet. Vorbildlich ist das Beiliegende Booklet, welches neben den üblichen Informationen noch Bilder von den Aufnahmen sowie viele Infotexte zu Sprechern und anderen Mitwirkenden bereit hält.

Fazit: Ein Klassiker der Weltliteratur wurde hier dramatisch, treffend und opulent in Szene gesetzt. Musik, Sprecher und Geschichte gehen eine enge Verbindung ein.

VÖ: 17. September 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-563-0


Fetzer

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Erster Eindruck: Zombies, Massaker und Filmgesellschaften

Ein schrecklicher Virus hat die Menschheit verändert, Untote und Zombies wandeln auf der Erde. Und schon hat die Filmindustrie einen neuen Trend entdeckt und dreht Filme mit echten, blutigen Massakern. Und die großen Studios schätzen es gar nicht, dass Botschinski versehentlich einen ihrer "Stars" beseitigt...

Lausch, das Hamburger Label, genießt mittlerweile in der Hörspielszene einen äußerst guten Ruf und bestätigt diesen immer mit Hörspielen, die einfach anders sind als der Rest. Neuestes Beispiel hierfür ist "Fetzer", welches mit einer skurrilen Szenerie ziemlich außergewöhnlich ist. Es beginnt mit einer recht heftigen und blutigen Szene, die schon einmal nichts für schwache Nerven ist. Ein Zombiemassaker wird ziemlich detailgetreu und natürlich mit klangvollen Geräuschen unterlegt dargestellt - schon hier setzt Lausch die Richtung des Hörspiels fest und eine Marke für Zukünftiges. Der weitere Verlauf ist eine gekonnte Mischung aus Horror und Krimi, der gradlinige Einsatzleiter "Bot" Botschinski hat allerhand damit zu tun, dass er einen der Film-Zombies ausgeschaltet hat. Dies ist durchaus spannend geschildert und rückt die Skrupellosigkeit der Menschen in den Vordergrund. Faszinierend ist aber besonders die Idee, der Grundgedanke, auf dem "Fetzer" aufbaut: Die "echten" Zombiefilme. Hier wird ein düsteres Zukunftsbild gemalt, das den Hörer sofort in seinen Bann zu ziehen weiß. Im Prinzip ist es ein typisches Hörspiel für Lausch - eine skurille Szenerie, hartee Charaktere und immer wieder überraschende Wendungen. Hier durfte sich Günter Merlau mal wieder austoben, was ihm hörbar Spaß gemacht hat. Und das überträgt sich letztlich auch auf den Hörer, der ein weiteres außergewöhnliches Hörspiel fernab vom Mainstream genießen darf.

Natürlich wurde auch wieder höchster Wert auf eine stimmige Sprecherauswahl gelegt. Jürgen Holdorf ist in der Hauptrolle des "Bot" zu hören und kann mit seiner markanten Stimme und gekonnter Betonung den krassen Charakter sehr gut herausarbeiten. Katharina von Daake spricht Miré sehr intensiv und mit einem sehr guten Sprechrhythmus. Besonders gefallen hat mir erneut die dunkle Stimme von Dorothea Hagena mit ihrer ganz speziellen Einfärbung, die sie auch hier wieder gekonnt einzusetzen weiß. Weitere Sprecher sind Uwe Hügle, Wolfgang Berger und Ranja Bonalana.

Wie bereits oben angesprochen ist gerade die erste Szene sehr anschaulich mit Geräuschen unterlegt, sodass der Hörer nahe am Geschenen zu sein scheint. Auch im restlichen Verlauf wird wieder eine grandiose Mischung aus Musik und Geräuschen geboten, die die Geschichte optimal stützt und mit tollen Effekten für Aufmerksamkeit sorgt.

Das Cover gefällt mir deshalb so gut, weil es auf das Wesentliche reduziert ist. Ein knallroter Schriftzug auf schwarzem Hintergrund, ein Zombie, der aus einem Kasten zu kriechen scheint, ansonsten nur noch Autor, Untertitel und ein wenig Randdeko - fertig ist ein wunderbares Cover. Auch die Gestaltung des Booklets ist schlicht und bietet einen kleinen Text von Autor Markus Heitz.

Fazit: Heftige Szenen, ein außergewöhnliches Szenario, eine spannende Geschichte - Fetzer ist eines jener besonderen Hörspiele, die Günter Merlau immer wieder durch eine dichte Atmosphäre und einer ungewöhnlichen Story zu schaffen weiß.

VÖ: 13. Oktober 2010
Label: Lausch
Bestellnummer: 978-3-9396-0072-5


Die Vögel

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Erster Eindruck: Vögel können grausam sein...

Chili ist ein roter Vogel, doch er lebt in einem Baum, der ansonsten nur von blauen Vögeln bewohnt wird. Ausgrenzungen und Anfeindungen muss er jeden Tag erdulden. Doch als er Lanka, die Tochter des blauen Vogelchefs, das Leben rettet, hat er wenigstens eine gute Freundin gefunden. Da erreicht ihn ein Brief, der alles ändern soll...

Katja Riemann kennen viele vor allem als Schauspielerin, einige vielleicht noch als Sängerin. Nun zeigt sie noch eine ganz andere Seite von sich als Hörspielautorin und -produzentin, herausgekommen ist dabei „Die Vögel“, einer anrührenden Geschichte um die Freundschaft zweier Vögel. Viele Themen werden behandelt, oftmals geht es um Fremdenfeindlichkeit und die Angst vor dem Unbekannten. Gerade im ersten Teil, als Chili im Baum der blauen Vögel wohnt, wird der Rassismus realistisch dargestellt und verhilft Kindern zu einer differenzierteren und einfühlsameren Haltung. Doch dies ist nur der erste Teil der Geschichte, die sich konsequent weiterentwickelt und somit viele verschiedene Aspekte und Szenarien behandelt. Hier geht es um Freundschaft, Mut, Liebe und füreinander Einstehen. Das ist mal anrührend, mal traurig, aber auch fröhlich und sehr lebendig und bietet viele wunderschöne Momente. Die Charaktere sind liebevoll beschrieben und werden mit einer kompletten Gefühlswelt ausgestattet. Besonderes Augenmerk verdienen die Lieder, die in die Geschichte eingefügt wurden und auflockernd wirken, aber auch näher auf die Charaktere und deren Gedanken eingehen. „Die Vögel“ ist ein grandioses Erstlingswerk von Katja Riemann, das für die ganze Familie geeignet ist und gut angenommen wird. Zum Träumen, Nachdenken, Freuen und immer wieder hören.

Die Sprecherliste ist klein, kann aber sowohl große Namen wie neue Stimmen bieten. In der Hauptrolle al Chili ist Sidney Frenz zu hören, der eine sehr vielfältige Stimme hat und somit die jeweilige Gefühlslage des roten Vogel genau auf den Punkt treffen kann. Paula Riemann spricht den blauen Vogel Lanka und hat eine sanfte, warme Stimme, was sehr gut zu der Rolle passt. Aber auch sie kann aus sich herausgehen und fröhlich und ausgelassen klingen. Auch Hörspiellegende Andreas Fröhlich bringt seine charmant-witzige Art als gelber Botenvogel Nane mit ein und klingt locker und gelöst wie eh und je. Peter Sattmann, Lou Rodrian und Katja Riemann als Erzählerin sind ebenfalls mit dabei.

Die akustische Untermalung der Geschichte ist sehr einerseits traditionell gehalten, bricht aber immer wieder auf und lässt neue, innovative Elemente mit einfließen. Das zeigt sich auch in den eingefügten Liedern, die verschiedenste Stimmungen und Rhythmen vorweisen können. Einige Songs erinnern an Salsa-Musik, andere sind verträumt und zurückgezogen. Die Texte stammen ebenfalls von Katja Riemann und bringen die Geschichte große Stücke weiter.

Auch die Aufmachung ist gut gelungen und passt sehr gut zur gesamten Produktion. Das Cover zeigt ein Verbotsschild für Vögel und spielt damit auf die Ausgrenzung der andersfarbigen Vögel an, auch die Rückseite ist in ähnlicher weise gehalten. Das Booklet hat neben einem Vorwort von Joschka Fischer Liedertexte, eine Kapitelübersicht sowie Fotos der Sprecher zu bieten.

Fazit: Fantasievoll, einfühlsam, und sehr vielfältig setzt sich das Hörspiel spielerisch mit sehr ernsten Themen auseinander und ist für die ganze Familie geeignet. Eine ganz klare Empfehlung!

VÖ: 15. Oktober 2010
Label: Lauscherlounge / Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-4286-0


Die Tore der Welt



Erster Eindruck: Liebe und Intrige vor historischer Kulisse

Vier Kinder werden im Wald nahe Kingsbridge Zeuge eines Mordes, doch Jahre später geht jedes von ihnen seinen eigenen Weg. Als beispielsweise die Brücke der Stadt einstürzt, will der eigensinnige Merthin eine neue errichten, während seine Geliebte Caris in das örtliche Nonnenkloster wechselt. Im Hintergrund spinnt der Mönch Godwyn seine Intrigen, um Macht über die Priorei zu gelangen...

"Die Säulen der Erde" ist der wohl bekannteste Roman von Ken Follett und hat auch als aufwändig produziertes Hörspiel große Erfolge gefeiert. Keine Überraschung also, dass der Nachfolger "Die Tore der Welt" eine ebenso umfassende Umsetzung vom WDR erfahren hat und auch wieder bei Lübbe Audio als CD-Box erschienen ist. Dabei haben die beiden Werke nur am Rande miteinander zu tun, sämtliche Protagonisten sind sinnigerweise nach 200 Jahren Zwischenzeit nicht mehr am Leben, dafür bestimmen ihre Nachfahren das Geschehen. Auch die Kulisse der großen Kathedrale und der Umgebung von Kingsbridge ist geblieben, sodass man sich schnell in die Schauplätze hereinfindet. Die Handlung beginnt gleich mit zwei sehr spannenden Szenen: Ein junges Mädchen beklaut einen Ritter, der oben erwähnte Mord im Wald von Kingsbridge. Beides ist sehr atmosphärisch umgesetzt und eröffnet gekonnt das Hörspiel. Nach einem weiteren Zeitsprung um einige Jahre braucht die Handlung dann etwas, um in Fahrt zu kommen, die sehr wichtigen Charakterbeschreibungen hindern den Spielfluss. Auch das Aufteilen in verschiedene Handlungsstränge ist ein gutes und wichtiges Stilmittel, erschwert anfangs aber etwas das Verständnis. Dem wirkt der Einsatz von zwei verschiedenen Erzählern entgegen, die grob gesagt das Geschehen im Mönchskloster und im Nonnenkloster getrennt voneinander begleiten, aber auch gut zusammenarbeiten und gemeinsam dynamische Wechsel erzeugen. So findet man sich schließlich doch in die Geschichte ein und wird mit vielfältigen Themen und einem sehr spannenden Verlauf belohnt. Die tragische Liebesgeschichte zwischen Merthin und Caris, der lange Leidensweg der kämpferischen Gwenda und besonders die Intrigenspinnerei des machthungrigen Godwyn. Das alles mischt sich zu einem verschlugenen Geflecht, alles hängt auf die ein oder andere Art miteinander zusammen und steigert sich im Gleichtakt zu einem hochdramatischen Finale. Die historische Kulisse mit realen geschichtlichen Ereignissen wie dem Ausbruch der Pest schafft eine ebenso faszinierende wie feste Umgebung und lässt den Hörer in eine fremde Welt eintauchen. Eine spannende Geschichte, hervorragend vom WDR inszeniert, eine sehr runde Sache, die Hörspielfreunde sich unbedingt anhören sollten.

Die Sprecherauswahl ist ebenso lobenswert, schon allein die Kinderrollen am Anfang werden sehr glaubwürdig umgesetzt. Die beiden Erzähler Rosemarie Fendel und Peter Matic bringen mit ihrer Stimme zusätzliche Dramatik und Spannung ein, ohne zu übertreiben oder den Protagonisten die Aufmerksamkeit zu stehlen; besonders gelungen ist ihr Zusammenspiel. Irina Wanka spricht Caris und lässt den Weg zur standhaften Ordensschwester nachvollziehbar werden, indem sie eine sehr glaubhafte Interpretation vollbringt. Merthin wird von Wanja Mues gesprochen, der den Kampfgeist, aber auch die emotionale Seite seines Charakters auf den Punkt genau vertont. Besonders beeindruckt hat mich die Leistung von Siemen Rühaak als Godwyn, der seinen Charakter derart skrupellos und machtgierig umzusetzt und mit leicht quäkender Stimme schnell zum perfekten "Bösewicht" wird. Gleiches gilt für Fabian Gerhard als Ralph, der eine ungemeine Würze mit einbringt. Weitere der vielen Sprecher sind Camilla Renschke, Jens Wawrczek und Matthias Koeberlin.

Auffällig ist, dass trotz der Möglichkeit, das epische Werk opulent in Szene zu setzen, eine eher sparsame Instrumentiesirung vorgenommen wurde. Natürlich sind einige Melodien in den Szenenübergängen zu hören, jedoch stehen die - sehr gelungenen - Dialoge klar im Vordergrund. Auch der Einsatz der Geräusche ist nicht übermäßig oft anzutreffen, was zu einer fast schon ruhigen Inszenierung führt. Eine gute Wahl, denn so wird die Konzentration auf die Handlung nicht gestört. Das stimmungsvolle Intro vor jedem der Teile ist jedoch wie der Rest der Musik äußerst gelungen und atmosphärisch.

Die acht CDs finden sich in einem wunderschön illustrierten Digipack wieder, das als Stabilisierung einen Pappschuber um sich trägt. Überall lockern kleine, mittelalterlich anmutende Zeichnungen oder Ornamente den Anblick auf. Im Booklet sind neben einem ausführlichen Infotext zu Ken Follett viele Fotos von den Sprachaufnahmen zu finden.

Fazit: Ein wunderbar inszeniertes Werk, spannende Handlungsbögen, hervorragende Sprecher. Ein kleines Muss für Hörspielfans.

VÖ: 11. August 2009
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-3785-9


Der Sandelf



Erster Eindruck: Vorsicht, Wunsch!

Anthea, Robert und Cyril finden in ihrem Urlaub ein reichlich merkwürdiges Wesen: Klein, pelzig, mit Stielaugen und dazu noch ziemlich grummelig – ein Sandelf. Und mit dem hat es etwas ganz Besonderes auf sich, denn er kann Wünsche erfüllen. Natürlich legen die drei Kinder gleich mit dem Wünschen los, und bekommen bald jede Menge Ärger...

Es gibt Kinderbücher, die einfach zeitlos zu nennen sind. Und dazu gehören nicht nur die großen, bekannten Werke, sondern auch manchmal recht unbekannte Geschichten – wie „Der Sandelf“ von Autorin Edith Nesbit, die im Jahre 1902 veröffentlicht wurde. 2009 ist eine so liebevolle Umsetzung des Buches vom Deutschlandradio entstanden, dass die Veröffentlichung auf CD glücklicherweise nicht lange auf sich warten ließ. Der Audioverlag hat es in seine feine Reihe voller eigenständiger Kinderhörspiele aufgenommen, und auch in dieser wunderbaren Serie ist „Der Sandelf“ ein kleines Highlight. Das fängt bei der Darstellung des Sandelfen an, das stets übel gelaunte und maulige Fabelwesen wird schnell zum Star der Geschichte, es ist einfach zu putzig und niedlich anzuhören. Und auch die Handlung, die in mehrere gut voneinander zu trennende Kapitel unterteilt ist, sprüht nur so vor Charme und sehr guten Einfällen. So sorgen die Wünsche der Kinder, die vom Sandelfen nicht immer ganz gradlinig umgesetzt werden, für großes Chaos und immer wieder für brenzlige Situationen – und das macht einfach richtig viel Spaß. Ganz nebenbei werden noch einige Werte vermittelt, sodass „Der Sandelf“ nicht nur Unterhaltung bietet. Die Umsetzung ist sehr liebevoll und sanft an die heutige Zeit angepasst, sodass man der Vorlage ihr Alter gar nicht anmerkt. Ein Hörspiel, dass einfach Spaß macht und immer wieder mal aus dem Regal hervorgeholt werden wird.

Die Besetzung der einzelnen Rollen ist sehr gut gelungen, auch hier merkt man die Freude an der Arbeit und dem Werk. Boris Aljinovic ist als Sandelf zu hören und trägt damit sehr viel zum Gelingen und zur Wirkung bei. Durch seine sehr durchdachte und putzige Art bekommt die Geschichte erst seine richtige Würze. Die drei Kinder Anthea, Cyril und Robert sind mit Anna Huthmann, Wyn Laurids Engeholm und Anton Kurth besetzt, die allesamt sehr flüssig wirken und in jeder Situation glaubhaft bleiben. Reiner Schöne hat einen kurzen, aber wirkungsvollen Auftritt als Mister Peasemarsh. Weitere Sprecher sind Janush Kotzei, Conny Wolter und Axel Wandtke.

Die akustische Umsetzung des Stoffes wirkt zeitgemäß, ohne zu bunt und laut zu sein. So wird die Vorlage sehr harmonisch umgesetzt und bietet eine schöne Atmosphäre, die die Geschichte zum klingen bringt. Dazu sind einige schöne Melodien eingefügt, die wunderbar zu den jeweiligen Situationen passen, aber auch Geräusche, die die Geschichte wirkungsvoller werden lassen.

Der äußerst knuffige Sandelf ist natürlich auch auf dem Cover zu sehen, sodass man gleich einen ersten Eindruck von dem fabelhaften Wesen hat. Doch auch der Hintergrund ist schön gestaltet, in wesentlich helleren Farben, um den Fokus auf dem Sandelfen zu lassen. Hier ist die Wirkung eines der Wünsche zu sehen. Die Aufmachung ist wie immer sehr schlicht und übersichtlich.

Fazit: Eine bezaubernde Geschichte, die besonders durch die wunderbare Hauptfigur eine ganz besondere Note verliehen bekommt.

VÖ: 18. Februar 2011
Label: Der Audioverlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1041-8


Des Kaisers Nachtigall



Erster Eindruck: Märchenklassiker feinsinnig inszeniert

Einst lebte ein chinesischer Kaiser, dessen Reichtum unermesslich war. Doch trotz aller künstlichen Schönheit seines Palastes neidete er eines Tages die Bewohner eines Dorfes, die von der wunderschönen Stimme einer Nachtigall schwärmten. Und so ließ er seine Boten aussenden, um den Singvogel zu sich in den Palast zu holen...

Die Umsetzungen von Märchen sind seit jeher Bestandteil der Hörspielszene, insbesondere in den 80er Jahren kam eine wahre Flut von Märchenkassetten auf den Markt. In letzter Zeit scheint dies ein wenig aus der Mode gekommen zu sein, doch nun veröffentlicht der Hörverlag ein Märchen von Hans Christian Andersen: Des Kaisers Nachtigall. Diese Umsetzung stammt aus dem Jahr 1955, hat aber auch heute nichts von seinem Zauber verloren. Die Geschichte ist eine sehr anrührende, die die Schönheit der Natur thematisiert und künstliche Errungenschaften in Frage stellt. Viele sehr intensiv-schöne Momente voll von der besonderen Magie, die allen Märchen von Andersen innewohnt, lassen diese Produktion wie im Fluge vergehen. Auch die Umsetzung ist mehr als gelungen und unterstreicht ebendiesen Zauber, lässt ihn mit den eingesetzten zarten Melodien noch mehr in den Vordergrund treten. So stelle ich mir gelungene Märchenhörspiele vor, die nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene bezaubern und bestens unterhalten können.

Die Sprecher schaffen es, die Geschichte voller lebendiger Energie zu gestalten und den märchenhaften Figuren den gewissen Hauch von Magie zu verleihen. Gert Westphal kann beispielsweise mit seiner sehr kräftigen, einprägsamen Stimme eine starke Präsenz erreichen, in den etwas ruhigeren Momenten aber auch zurücktreten, um anderen Charakteren Platz zu machen. Will Quadflieg verströmt eine ähnlich intensive Aura und setzt seine ganz eigenen Nuancen, um die Geschichte zu bereichern. Sehr gut gefallen hat mir die zauberhafte Ingrid Pan, deren sanfte Stimme wunderbar zu dieser Art von Hörspiel passt. Weitere Sprecher sind unter anderem Ernst Ginsberg und Ellen Schwiers.

Die Musik ummantelt die Geschichte sanft mit einzigartigen und sehr fein abgestimmten Klängen, setzt des öfteren aber auch Akzente und tritt in den Vordergrund, um die Atmosphäre des Märchens weiter zu betonen. Christoph von Dohnanyi hat es geschafft, die Seele der Handlung zu erfassen und sie mit seiner Klangwelt fühlbar zu machen.

Auch das Cover sticht aus den heutigen Produktionen hervor und bietet durchaus nostalgischen Charme. In Scherenschnittoptik sind der Kaiser, ein Bediensteter sowie die Nachtigall zu sehen, wobei der Vogel als einziges auch andere Farben als schwarz hat. Auch hier wurde ein wenig von der Atmosphäre des Hörspiels mit recht einfachen Mitteln eingefangen.

Fazit: Ein bezaubernder Märchenklassiker in einer auch heute noch bestechenden Umsetzung, der ich hiermit meine vollste Empfehlung aussprechen kann.

VÖ: 18. Februar 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-729-0


 

Der Spieler



Erster Eindruck: Schleichender Verfall

Alexej Iwanowitsch ist Angestellter einer russischen Adelsfamilie, die jedoch kurz vor der Ruin steht und nur auf die Erbschaft einer reichen Tante wartet. Diese verprasst jedoch ihr Vermögen beim Glücksspiel, und auch Alexej verfällt dem Roulette, nachdem die Tochter der Familie, Pauline, seine Liebe abgewiesen hat...

Fjodor M. Dostojewski, hoch angesehener russischer Autor, hat zahlreiche Romane verfasst, die mittlerweile zu Klassikern geworden sind. „Der Spieler“ ist der Titel eines seiner früheren Werke, welches im Jahr 1956 eine Hörspielfassung vom NDR erhalten hat. Diese hat der Hörverlag nun aus den Archiven ausgegraben und die 78-minütige Umsetzung auf CD veröffentlicht. Wer lockere Unterhaltung bevorzugt, sollte hier nicht zugreifen, denn die Geschichte um Alexej, der nach und nach der Spielsucht verfällt, ist um einiges gehaltvoller als die übliche Hörspielunterhaltung. Oftmals erinnert die Geschichte an eine psychische Studie, so tief dringt man in den Charakter der Hauptfigur ein und kann von dem recht beschaulichen Anfang über die ersten Erscheinungen bis hin zum völligen Absturz jede Station miterleben und nachvollziehen. Dieser Prozess geht dabei recht langsam voran, sodass manchmal nur sich veränderte Nuancen auffallen und so den schleichenden Verfall kennzeichnen. Vorerst wird selbstverständlich erst die Grundsituation erklärt und der Auslöser von Alexejs Spielsucht geklärt, und auch im Verlauf der Geschichte sind immer wieder kleine Nebenschauplätze eingebaut, die nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern auch immer Auswirkungen auf Alexejs aktuelle Situation haben. „Der Spieler“ ist keine leichte Kost (und will es auch gar nicht sein), sondern fordert Aufmerksamkeit und ein gewisses Interesse am Thema, dann jedoch wird man mit einem wirklich sehr intensiven und beeindruckenden Hörerlebnis belohnt, welches in seinem Nuancenreichtum überzeugend ist.

Viele hervorragende Sprecher wurden hier engagiert, die den nicht gerade lockeren Stoff mit einer Ernsthaftigkeit und Präsenz umsetzen, die beeindruckend ist. Alles voran gilt dies für Heinz Reincke als Alexej Iwanowitsch, der mit seinem facettenreichen Spiel den langsamen Verfall seines Charakters nachzeichnet und für den Hörer erlebbar macht. Gisela Zoch-Westphal spricht Pauline und legt gleichsam etwas liebenswert-verführerisches wie abweisendes in ihre Stimme und kann somit sehr dynamisch wirken. Hans Paetsch, der auch in der heutigen Hörspielszene einen sehr guten Ruf innehat, spricht hier Mr. Astley und kann seinen prägnanten Klang auch hier wunderbar zu seinen Zwecken formen. Weitere Sprecher sind Heinz Klevenow, Heinz Piper und Inge Windschild.

Mitte der fünfziger Jahre ist dieses Hörspiel entstanden, und das ist vorrangig in der Akustik spürbar, offenbar herrschten damals völlig andere Ansprüche. Keine Musik wurde hier eingesetzt, die für Ablenkung oder Frohsinn sorgt, nüchtern wird die Geschichte erzählt. Zahlreiche Geräusche sorgen aber immer wieder für die passende Stimmung zu der jeweiligen Situation und gestalten alles noch intensiver.

In gedeckten Brauntönen ist ein schlichtes, aber eindrucksvolles Cover entstanden, welches lediglich den Teil einer Roulettescheibe zeigt. Darüber ist sehr groß der Name des Autors vermerkt, wohingegen der Titel des Hörspiels in geschwungenen Lettern hübsch gestaltet ist. Das Booklet enthält zusätzliche Infos zu Dostojewski und zu den Sprechern.

Fazit: Ein interessanter Rückblick in die Geschichte des Hörspiels, zudem ein sehr nuancierter Einblick in die menschliche Psyche. Anspruchsvoll und bedeutsam.

VÖ: 14. Januar 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-726-9


Die grosse Sams Hörspielbox



Erster Eindruck: Wunschlos glücklich

Nachdem HerrTaschenbier eine Woche mit Sonne, Herrn Mon, Dienst, der Mitte der Woche, Donner und frei hinter sich hat, begegnet ihm am Samstag ein merkwürdiges - und ziemlich freches - Wesen, das sich das Sams nennt. Mit Hilfe seiner blauen Punkte kann es Wünsche erfüllen ,und so beginnt für Herrn Taschenbier eine turbulente Woche ("Eine Woche voller Samstage")
Herr Taschenbier vermisst das Sams nach seinem Abschied mehr, als er vorher gedacht hätte. Uns so setzt er alles daran, das Sams zu sich zurück zu holen. Doch da geht einiges schief, und das Sams gerät in große Gefahr... ("Am Samstag kam das Sams zurück")
So sehr Herr Taschenbier sich auch freut, dass das Sams bei ihm geblieben ist, er braut dringend neue Wunschpunkte. Als die beiden kurz vor Mitternacht auf dem Dachgiebel sitzen, erlebt Herr Taschenbier eine große Überraschung... ("Neue Punkte für das Sams")
Martin Taschenbier bekommt auf seiner Klassenfahrt eine ungewöhnliche Begleitung: Das Sams! Und das stellt so einige Tage völlig auf dem Kopf... ("Ein Sams für Martin Taschenbier")

Wer kennt es nicht, das schweinsasige Sams im Taucheranzug mit blauen Punkten, das das Leben von Herrn Taschenbier ordentlich durcheinander wirbelt? Die Bücher von Paul Maar sind längst zu Klassikern avanciert und die ersten vier Teile der Reihe auch schon seit längerer Zeit als Hörspielversion zu haben. Diese hat nun Oetinger Audio in einer Box versammelt, die sich kein Fan der Kinderbücher entgehen lassen sollte, denn hier kommt der ganze geballte Charme der Geschichten herüber.
Die wunderbar skurrillen Figuren begeistern dabei insbesondere im ersten Band - die keifende Frau Rotkohl, der kauzige Herr Taschenbier und allen voran das ziemlich freche und unkonventionelle Sams. Urkomische Wortspiele und ziemlich haarsträubende Situationen prägen diesen ersten Teil wie die ganze Reihe.
In den Nachfolgebänden wird von der reinen Situationskomik abgelenkt und eine fortlaufende Geschichte erzählt. "Am Samstag kam das Sams zurück" handelt von der gefährlichen Wunschmaschine, die Herrn Taschenbier bei der Abwesenheit des Samses das Leben erleichtern soll. Der Ärger ist vorprogrammiert, und so ist der Schluss gerade für Kinder sehr spannend, man fiebert regelrecht mit. Natürlich kommt auch hier der Spaß alles andere als zu kurz.
"Neue Punkte für das Sams" dreht den Spieß um, und als Neuerung hat dieses mal Herr Taschenbier die blauen Wunschpunkte. Neue, freche Situationen ergeben sich daraus, zumal Herr Taschenbier ziemlich verliebt in eine Kollegin ist. Hier wirkt das Sams ziemlich menschlich in seiner Eifersucht, doch auf seine ganz typische, freche Art wird auch hier wieder viel zum Lachen geboten, bis ein rührendes Ende den Band abschließt.
"Ein Sams für Martin Taschenbier" wechselt komplett die Perspektive und hat nun Martin, den Sohn von Herrn Taschenbier, als Hauptfigur. Geblieben ist das Sams, das frech wie immer Trubel mit sich bringt. Diese Geschichte wirkt etwas gebremster als seine Vorgänger und hat nicht mehr den unkonventionellen Biss. Trotzdem ist es eine spaßige und unterhaltsame Geschichte.
Wunderbare Hörspiele für die ganze Familie, die mit der phantasievollen und unkonventionellen Figur des Sams ganze Generationen verzaubern konnten - und es auch mit dieser Box immer noch können.

Anstatt mit den üblichen Sprechern wurden die Hörspiele von einer Theatergruppe eingespielt, die sich auf Kindertheater spezialisiert hat: Die Kullerköpfe. Und so sind auch recht ungewöhnliche Aufnahmen gelungen, die sich wohltuend von der Masse abheben und ein anderes Hörvergnügen bereiten. Das Sams klingt wunderbar quäkend und kann sich so noch deutlicher von den Menschen abheben. Peter Schiff spricht den Herrn Taschenbier und kann die Wandlung vom verschüchterten Kauz bis zum standhaften Familienvater gut nachvollziehbar machen. Andere Sprecher sind beispielsweise Ingrid Riefer, Andreas Rothe und Uwe Paulsen.

Die Musik zum ersten Teil stammt von Max Roth. Er hat fröhliche und farbenfrohe Melodien gewählt, die so außergewöhnlich wie das Sams selbst sind. Besonders bei den witzigen Reimen des Wesens kann er überzeugen. Danach zeichnet sich Sabine Wüsthoff für die akustische Untermalung verantwortlich, die eine ebenso gelungene Umsetzung geschaffen hat, die sowohl für Kinder wie auch für ihre Eltern (oder andere Erwachsene) ansprechend ist.

Klar, dass das Sams groß auf der Titelillustration prankt, und das gleich in vierfacher Ausführung. Das ist an die Aufmachung der Bücher angelehnt, die einen ähnlichen Look hatten. Ein Schuber aus Pappe schützt die dicke Kunststoffbox, das kleine Booklet enthält weitere Informationen zu Autor Paul Maar.

Fazit: Freche und witzige Familienhörspiele voller Charme. Die Geschichten vom Sams sind sehr hörenswert!

VÖ: August 2010
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0507-4


Das Haus

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Erster Eindruck: Mutiges Gesamtkunstwerk

Will Navidson entdeckt einige Merkwürdigkeiten an seinem neuen Haus. So ist es drinnen um ein paar Millimeter größer als außen. Doch dann taucht auch noch eine Tür auf, die in ein unterirdisches Höhlensystem führt. Voller Neugier beginnt er, das Labyrinth zu erforschen - mit ungeahnten Folgen...

"Das Haus" ist der Titel eines postmodernen Romans, im Original von Mark Z. Danielewski, und ist auf verschiedenen Erzählebenen, mit verschiedenen Schrifttypen, Farben, Fußnoten und anderen Außergewöhnlichkeiten ein recht anspruchsvolles Werk. Der WDR hat sich getraut, dieses als Hörspiel umzusetzen, doch nicht als einfache, fortlaufende Geschichte, sondern ebenfalls auf drei Ebenen, die parallel gelaufen sind. Dieses ungewöhnliche Projekt wurde nun vom Audioverlag veröffentlicht, als passendes Medium hat sich die DVD behauptet, sodass man nun auch hier bequem zwischen den einzelnen Stücken wechseln kann. Im Kern ist "Das Haus" eine Horrorgeschichte, Navidsons Erkundungen des Labyrinths wären an sich schon eine gute Basis für ein spannendes und interessantes Hörspiel. Den besonderen Reiz entfaltet es aber durch das Zusammenspiel mit den Analysen des blinden Wissenschaftlers Zampano und den anderen Textfragmenten, hier erfährt man Hintergrundwissen, Vergangenes oder andere Bezüge, die aber alle direkt oder indirekt mit dem Labyrinth zu tun haben. Verschiedene Stilmittel sorgen, wie beim Buch, für einen teilweise recht surreallen Eindruck. So stammt das Wort "Haus" immer von ein und demselben Sprecher und ist in den normalen Sprachfluss integriert, um nur ein Beispiel zu nennen.

Das Ganze ist sicherlich recht komplex, und beim ersten Durchhören wird man die Geschichte in seiner Gesamtheit kaum erfassen können, hierfür sind schon mehrere Durchgänge möglich. Dazu stellt die DVD drei verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: Man kann sich die einzelnen Bausteine einzeln anhören, was das Verständnis stark erleichtert, aber auch den Reiz des Zusammenspiels nimmt. Dann kann man - im laufenden Hörspiel - zwischen den drei Ebenen wechseln und so immer weiter in die Geheimnisse eintauchen. Oder, als dritte Möglichkeit, vorgespeicherte Wege durch das Hörspiel anwählen, die zufällig ausgewählt werden und auch so immer wieder anders wirken. Ähnlich wie das Labyrinth IN der Geschichte verändert sich so auch die Geschichte selbst immer wieder, neue Informationen werden zugespeist, an anderer Stelle Spannung erzeugt... Die Möglichkeiten sind vielfältig, sodass langfristig diese DVD immer wieder im Player landen wird. "Das Haus" ist fernab von den üblichen, momentan erhältlichen Hörspielen und hat viele künstlerische Aspekte, ist anspruchsvoll und anfangs schwer zu durchschauen, und gerade das macht den großen, den riesigen Reiz dieses engagierten und durchweg gelungenen Projektes aus.

Viele renommierte Schauspieler wurden für "Das Haus" gewonnen, hier wurde auf höchste Qualität geachtet, damit die dreigeteilte Geschichte ihre Wirkung vollends entfalten kann. Als Zampano ist beispielsweise Roberto Ciulli zu hören, er schwankt zwischen wissenschaftlicher Präzision und aufgebrachter Leidenschaft, sehr dynamisch und eingängig. Auf der zweiten Erzählebene ist Tom Schiling als Jonny Truant mit seiner präzisen, intensiven Sprechweise ein starker Bezugspunkt für den Hörer. Auch Anna Thalbach ist auf dieser Ebene als Thumper zu hören, die ihre Wirkung genau auslotet und immer wieder aufregende Akzente setzt. Andere der vielen Sprecher sind beispielsweise Wolfram Koch, Marion Kittel, Sascha Icks, Camilla Renschke und Gerd Köster.

Für die drei Ebenen wurde jeweils ein anderer Musiker engagiert, der der Geschichte seine ganz eigene Wirkung verleiht, einen anderen Stempel aufdrückt. Alle drei sind jedoch beängstigend und auf eine geniale Weise fesselnd. So gewinnt die Geschichte an Intensität, immer wieder setzten Effekte Schockmomente, trägt die verstörende Hintergrundmusik zur vorherrschenden Stimmung einen großen Teil bei.

Der Eindruck eines Gesamtkunstwerkes schlägt sich auch auf die Veröffentlichungsweise nieder - statt einer normalen CD-Hülle wurde eigens ein ganzes Buch entworfen, das in schlichtem Blau hochwertig gebunden wurde. Es enthält etliche leere Seiten, aber auch viele Textfragmente, Notizen, Zeichnungen und anderes. Auf der letzten Seite finden sich alle Informationen zur Produktion und auch kleine Texte über einige Sprecher.

Fazit: Ein vollkommen ungewöhnliches und mutiges Projekt, das sehr faszinierend ist und mit den drei unterschiedlichen Ebenen nicht nur sehr faszinierend ist, sondern auch immer wieder neue Motivtion zum Hören hervorruft.

VÖ: 15. Oktober 2010
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-89813-995-3


Das Angstmacherchen

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Erster Eindruck: Paraderolle für Santiago Ziesmer

Ole hat vor fast nichts Angst - außer vor Gewittern. Als er sich eines Nachts wieder vor Blitz und Donner versteckt, begegnet er einem kleinen Mann, dem Angstmacherchen. Mit seinem schwarzen Pulver sorgt es dafür, dass jedes Kind vor etwas bestimmten Angst hat. Das will Ole nicht auf sich sitzen lassen und und das Angstmacherchen gemeinsam mit seinen Freunden bekämpfen. Doch sein Gegner ist mächtig...

Markus Heitz hat mit seinem Bilderbuch "Das Angstmacherchen" ein Werk geschaffen, welches Kindern den Umgang mit Angst vermitteln soll. Nun wurde es auch als Hörspiel umgesetzt, welches mit 35 Minuten Länge auch schon für die ganz kleinen Zuhörer ab 4 Jahren geeignet ist. Die Geschichte personifiziert die Angst als kleines, graues Männchen, welches auf dem Nachttisch der Kinder sitzt und ihnen mit schwarzem Pulver ihre jeweilige Angst einflößt. Das hilft den Kindern, das abstrakte Gefühl der Angst auf eine greifbare Figur umzuwandeln und damit ihren Schrecken zu nehmen. Der Verlauf der Geschichte ist dabei sehr kurzweilig und auch für Erwachsene (mit gewisser Affinität zum Kinderhörspiel) unterhaltsam. Besonders der letzte Kampf gegen das Angstmacherchen ist sehr gut umgesetzt. Viele Vorschläge werden gemacht, mit seiner Angst umzugehen, beispielsweise Erwachsene fragen. Als besonders wichtig wird jedoch dargestellt, über seine Ängste zu reden und nicht allein damit fertig werden zu müssen, und das alles in dem sehr spielerischen Umfeld. Ein sehr schönes und gelungenes Hörspiel, das Spaß macht, für Kinder durchaus spannend ist und sogar einen Wert vermittelt, ohne den Zeigefinger zu erheben.

Die Sprecher wurden hervorragend besetzt, besonders das Angstmacherchen hat in Santiago Ziesmer seinen idealen Sprecher gefunden. Mit seiner kratzigen, markanten Stimme krächzt und keift er sich durch das Hörspiel und verleiht der Figur so einen gewissen Zauber, ohne ihr ganz den Schrecken zu nehmen - wunderbar! David Kunze ist in der Hauptrolle als Ole zu hören und spricht den Jungen sehr flüssig und glaubhaft, was aufgrund seines hörbar Jungen Alters eine sehr gute Leistung darstellt. Der Erzähler der Geschichte ist Norbert Langer, dessen warme Stimme wieder etwas von dem Schrecken des Angstmacherchen neutralisiert. Weitere Sprecher sind unter anderem Cedrick Eich, Wicki Kalaitzi und Oliver Rohrbeck.

Zuständig in Sachen Musik war Dirk Wilhelm, der eine für Kinder geeignete Atmosphäre geschaffen hat. Die Klänge sind eher leise und hintergründig, um nicht von der Geschichte abzulenken, kann aber die Geschichte an den richtigen Stellen in ihrer Wirkung unterstützen. Auch hier kann es für kleinere Kinder gruselig werden, ohne zu viel Schrecken bereit zu halten.

Auf dem Titelbild ist logischerweise auch das Buchcover abgebildet, das ganz in rot gehalten ist. Es zeigt nicht nur Ole, der verängstigt dreinblickt, sondern auch das Angstmacherchen, das so schrecklich gar nicht aussieht, sondern als grummeliger alterMann dargestellt wird. Ein Booklet ist nicht vorhanden, die Produktionsinfos sind hinter der CD versteckt.

Fazit: Ein wunderbares Hörspiel für Kinder über die Angst und wie man damit umgehen kann. Sehr spannend und kurzweilig.

VÖ: 15. Oktober 2010
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-8339-5226-5


Der verbotene Ort

Erster Eindruck: Krimi aus Frankreich

Kommissar Adamsberg findet auf einem Londoner Friedhof eine Reihe von einzelnen Schuhen - die jeweils einen abgehackten Fuß enthalten. Auch der Pariser Fund einer grausam zerstückelten Leiche gibt dem Ermittler Rätsel auf. Seine Recherchen führen in nach Transsylvanien, wo er auf ein Netz von Aberglaube und menschlicher Grausamkeit stößt...

Fred Vargas, französische Krimiautorin, hat bei ihren Fans schon längst Kultstatus erreicht, indem sie skurrile Situationen in ihren Romanen schildert und so ungewöhnliche Geschichten entstehen lässt. In "Der verbotene Ort", der vom WDR als Hörspiel produziert und von DAV veröffentlicht wurde, sind gleich zwei dieser merkwürdigen Morde geschildert und bilden das Fundament für einen spannenden Krimi. Die Beschreibungen sind nichts für schwache Nerven, sehr genau und Bildreich. Kommissar Adamsberg ermittelt in den beiden Fällen und - wie sollte es anders sein - vermutet einen Zusammenhang. Das klingt beim ersten Hören recht konstruiert, als ob die Autorin nur auf diese beiden Schockmomente setzen würde. Umso überraschter ist man dann, dass eine sehr spannende und ansprechende Geschichte daraus wird, die tief in die Abgründe der menschlichen Seele blicken lässt und mit vielen Kehrtwenden die Handlung dynamisch am Laufen lässt. Die verwendete Sprache ist sehr literarisch, das Hörspiel wirkt so ein wenig spröde, nicht locker-unterhaltsam, sondern verlangt nach Konzentration und Aufmerksamkeit. Und gerade deshalb habe ich mich ihm so gern gewidmet.

Da dies ursprünglich ein Radio-Hörspiel war, sind kaum bekannte Namen aus den üblichen Produktionen zu finden, was Verwechslungen vermeidet. Die Hauptrolle des Kommissar Adamsberg wird von Volker Risch gesprochen. Mit fester, aber variationsreicher Stimme kann er in jeder Situation bestehen und überzeugen. Peter Fricke spricht seinen Kollegen Danglard, auch seine ernste Darstellungsweise trägt zum getragenen Eindruck des Hörspiels bei. Tommi Piper spricht den Emile und sorgt mit seiner markanten Stimme für eindrucksvolle Momente. Weitere Sprecher sind Gabriele Blum, Fabian Sattler und Matthias Ponnier.

Auch die Produktion ist an einigen Stellen sperrig - statt galanter Orchestermelodien sind teilweise Pieptöne zu hören. Anzumerken ist, dass dies vielleicht kein Genuss für die Ohren ist und anscheinend auch nicht sein will, Stimmung und Spannung aber grandios einfangen kann. Auch der französischen Herkunft der Autorin wird in einigen Melodien gedacht, sodass die akkustische Gestaltung insgesamt überzeugen kann.

Auf den ersten Blick ist auf dem Cover erst einmal nicht viel zu erkennen, die Farbe Orange prägt den ersten Eindruck. Erst beim zweiten Hinsehen fällt das Kreissägeblatt auf, welches gut zu der Handlung passt. Das stabile Digipack macht einen guten Eindruck.

Fazit: Poetische Sprache, grausame Schilderungen, menschliche Abgründe, spannende Geschichte - "Der verbotene Raum" ist sperrig, aber absolut hörenswert.

VÖ: 13. Oktober 2009
Label: DAV
Bestellnummer: 978-3-8981-3878-9


Der kleine Lord

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Erster Eindruck: Aufbruch ins alte England

Cedric Errol verbringt eine unbeschwerte Kindheit mit seiner Mutter in Amerika, arm aber glücklich. Das ändert sich schlagartig, als eines Tages Cedrics Großvater, der ein echter Graf in England ist, seinen Enkel auf seinen Landsitz holt. Der griesgrämige alte Mann wird schon bald vom Charme des aufgeweckten Jungen eingefangen...

Für viele gehört „Der kleine Lord“ ebenso zum Weihnachtsfest wie ein Tannenbaum oder Plätzchen. Die Geschichte, die seit Generationen bezaubert, ist vorrangig in seiner filmischen Umsetzung bekannt. Doch auch diverse Hörspiele beschäftigen sich mit der anrührenden Geschichte, beispielsweise in der Produktion des SWR von 1956, veröffentlicht beim Audioverlag. Die wohl bekannte Handlung ist auch heute noch unterhaltsam und bietet viele emotionale und wunderschöne Momente. Kernstück ist die Wandlung des verbitterten Lord Dorincourt zu einem liebenswerten und fröhlichen Mann, allein durch das unbewusste Einwirken seines Enkels, was gleichsam emotionale wie witzige Momente beinhaltet. So ist der Verlauf der Geschichte sehr kurzweilig, die Produktion ist in jeder Sekunde von der Liebe zu diesem einzigartigen Stück Literatur durchdrungen. Sicherlich eine sehr gute Umsetzung voller Gefühl, die bestens für lange Winterabende geeignet ist.

Obwohl dieses Hörspiel über 50 Jahre alt ist, sind auch heute noch einige der Sprecher bekannt. Als Cedric Errol ist Andreas von der Meden zu hören, dessen Stimme als Kind noch nicht ganz so markant war wie heute, der aber auch damals schon eine intensive Interpretation der Rolle vollbracht hat. Frank Elstner, heute eher bekannt als Moderator, hat hier den Dick Tipton gesprochen und überzeugt mit seiner glaubwürdigen Art. Ganz wunderbar ist Albrecht Schönhals als Graf Dorincourt, der die Wandlung vom grummeligen alten Mann zum liebenswerten Großvater miterleben lässt. Weitere Sprecher sind unter anderem Lotte Betke, Trude Tandar und Werner Lieven.

Die musikalische Gestaltung ist eher schlicht gehalten, kann aber mit einigen schönen Melodien den Verlauf des Hörspiels angenehmer gestalten und sorgt für schöne Stimmungen. Die wenigen platzierten Geräusche sorgen ebenfalls für Atmosphäre und lassen das Geschehen greifbarer werden.

Die Aufmachung der CD ist eher schlicht gehalten. So liegt beispielsweise kein ganzes Booklet, sondern nur ein einzelnes Blatt bei. Trotzdem sind alle notwendigen Informationen und sogar eine ausführliche Trackliste zu finden. Das Cover zeigt natürlich Cedric in verschmitzter Pose, zusammen mit dem großen Hund, das alles schön gezeichnet.

Fazit: Die berühmte Geschichte wurde hier feinsinnig und mit viel Gefühl umgesetzt, sodass man gerne lauscht und die ganze Familie um die Lautsprecher versammeln kann.

VÖ: August 2005
Label: Der Audioverlag (DAV)
Bestellnummer: 978-3-8981-3472-9


Don Quijote von der Mancha

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Erster Eindruck: Der berühmte Kampf gegen Windmühlen

Don Quijote de la Mancha - welch klangvoller und beeindruckender Name. Doch ist er nur das Werk der Fantasie, den statt gegen heldenhafte Ritter, grausige Riesen oder Ungeheuer zu kämpfen, greift der Mann mit seinem treuen Begleiter Sancho Pansa Windmühlen und Weinschläuche an - sofern er neben dem Dichten Zeit dafür findet...

"Don Quijote de la Mancha", ein jeder dürfte zu mindestens den Titel dieses Weltklassikers kennen, vielleicht sogar mit Windmühlen in Verbindung bringen. Nun gibt es das Werk des Spaniers Miguel de Cervantes Saavedra auch als Hörversion, entstanden durch Deutschlandfunk und hr2, veröffentlicht vom Hörverlag. Es ist ein mutiges Projekt, denn vom klassischen Hörspiel ist "Don Quijote de la Mancha" weit entfernt, was allein schon durch die Buchvorlage gegeben ist. Don Quijote steigert sich immer weiter in seinen Wahn, seine Fantasiewelt hinein, die Geschichte lebt nicht von ihrer Entwicklung - die kaum gegeben ist - sondern von dem Augenblick, der mal heitere, mal skurrile Momente hervorbringt. Auch die hochtrabenden, aber immer humorvollen Dichtungen fließen mit ein und bilden gekonnte Intervalle. Ein anspruchsvolles Werk, das eine mutige Umsetzung verdient und auch bekommen hat. Regisseur Klaus Buhlert inszeniert es als Mischung aus Hörspiel und - buch, lange, gelesene Passagen wechseln sich mit Dialogen, ausschließlich zwischen Don Quijote und Sancho Pansa, ab. So kommt das Werk wunderbar zum Tragen und versprüht eine ganz eigene Note, allerdings sollte man sich bewusst sein, dass hier trotz viel hintergründigem Humor ein anspruchsvolles Werk vorliegt, das zum Nebenbeihören nicht geeignet ist.

Gerade einmal drei Sprecher sind eingesetzt, ein ebenfalls guter Zug, um das Werk zur Geltung zu bringen. Rufus Beck spricht den Don Quijote de la Mancha und beweist sein Talent für komische Rollen. Er trifft immer genau der Figur auf den Kopf und spricht sehr variabel. Sancho Pansa, sein treuer Begleiter, wird von Thomas Thieme gesprochen, auch er kann mit einer punktgenauen Betonung und einer außergewöhnlichen Stimme Punkten. Die weiblichen Parts übernimmt die grandiose Anna Thalbach, in deren Stimme immer ein bisschen Schwermut mitklingt, der die Geschichte bereichert.

Das Stück spielt in Spanien, und so ist auch die akustische Untermalung ausgefallen. Auch hier wurde Mut bewiesen, teilweise wiederholt sich ein und das selbe Geräusch immer und immer wieder, nur einer von vielen passenden und gelungenen Einfällen. Typische Hörspielmusik sucht man vergebens, eine wirklich außergewöhnliche Leistung.

Die Gestaltung ist sehr gelungen, vor schlicht weißem Hintergrund sieht man auf dem Titelbild Don Quijote und Sancho Pansa als eine Art Strichmännchen. Sehr löblich ist das dicke Booklet, das beiliegt: Mit ausführlicher Trackliste, aufschlussreichen Informationen zu Autor, Darstellern und dem Werk selber sowie einem interessanten Interview ist es bestens ausgestattet.

Fazit: Ungewöhnliches Werk, manchmal eher szenische Lesung, voll hintergründigem Humor und mutig inszeniert - ein Klassiker, der seine verdiente Umsetzung bekommen hat.

VÖ: 15. Oktober 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-291-2


Als Oma seltsam wurde

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Erster Eindruck: Demenz einfühlsam erklärt

Ulf hat seine Oma sehr gern und verbringt viel Zeit mit ihr. Natürlich sagt und macht sie manchmal merkwürdige Dinge, doch eines Tages ist Oma einfach nur seltsam. Sie ist unfreundlich zu ihrem Bäcker und vergisst sogar Ulfs Namen. Doch dann will Oma auch noch zur Bank und ihr ganzes Geld abheben. Ulf weiß langsam nicht mehr, was er machen soll...

Das Thema Altersdemenz ist gerade den Enkelkindern oftmals schwer zu erklären, einen kleinen Beitrag zum Verständnis der Krankheit leistet „Als Oma seltsam wurde“, ein Buch von Ulf Nilsson, vom WDR als Hörspiel produziert. Hier wird Kindern langsam und sensibel erklärt, was mit Großeltern so alles passieren kann, viele Erlebnisse den jungen Ulf hat vielleicht sogar schon der ein oder andere Zuhörer so erlebt. Das Vergessen des Namens ist nur der Anfang, immer verrücktere Sachen stellt Oma im Laufe des knappen 40 Minuten Hörspiel an. Das ist teilweise witzig, teilweise sehr traurig geschildert und spiegelt die Demenz der Oma ziemlich realitätsgetreu wieder. Sehr einfühlsam wird dabei auf die Gefühle von Ulf eingegangen, der dem Verhalten seiner Oma ziemlich rat- und hilflos gegenübersteht. Hier finden Kinder eine erste Orientierung, wenn es auch mit ihren Großeltern die ersten seltsamen Dinge geschehen. Die große Sensibilität, aber auch der Witz einiger Situationen sowie der Unterhaltungswert der Geschichte machen aus „Als Oma seltsam wurde“ ein sehr empfehlenswertes Hörspiel für jüngere Zuhörer.

Die Sprecher sind wichtigstes Element, die Gefühle des Hörspiels zu transportieren. Insbesondere die Wahl der Oma ist dabei sehr geglückt, die wunderbare Regina Lemnitz vermittelt wirklich jede Situation, und sei sie noch so skurril, sehr glaubhaft und lebensnah. Ulf wird von Benedikt Scheffer gesprochen, der den kleinen Jungen gut charakterisiert, manchmal aber noch etwas flüssiger sprechen könnte. Als Erzähler ist Max von Pufendorf zu hören, der seine Part sehr kurzweilig erzählt und ebenfalls mit Einfühlungsvermögen überzeugt. In kleineren Rollen sind unter anderem Thomas Lang, Ernst-August Schepmann und Sigrid Burkholder zu hören.

Die akustische Begleitung des Stückes ist gut gelungen und trägt an vielen Stellen zur Auflockerung der Dialoge bei. Besonders während der Übergänge der einzelnen Szenen ist schwungvolle Musik eingesetzt worden, die sowohl für Kinder als auch für Erwachsene ansprechend ist. Einige glaubwürdige Geräusche tragen zudem zur Glaubwürdigkeit und zum Verständnis bei.

Eine Szene aus der Handlung ist auf dem Cover zu sehen, auch auf der Buchvorlage ist dieses Bild verwendet worden. Oma hat gerade ihr ganzes Geld abgehoben, während Ulf mit der Situation sichtlich überfordert ist. Der schlichte Zeichenstil ist für Kinder genau das richtige, die Aufmachung mit dem weißen Rücken ansprechend und übersichtlich gestaltet.

Fazit: Ein schwieriges Thema wurde hier sensibel und kindgerecht umgesetzt, eine wirklich schöne Geschichte!

VÖ: 14. Januar 2011
Label: Der Audioverlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1034-0


Acht Hercule Poirot Krimis



Erster Eindruck: Acht mal Spannung

Auf einer Kreuzfahrt begegnet der belgische Detektiv Hercule Poirot Oberst Clapperton, der von seiner Frau gedemütigt wird, gleichsam aber mit den beiden Mädchen Kitty und Pamela flirtet...("Eine Tür fällt ins Schloss")
Beim Versuch, in die eigene abgeschlossene Wohnung zu gelangen, landen vier junge Leute in den Zimmern eines Nachbarn - und finden dort eine Leiche. Glücklicherweise wohnt Hercule Poirot im gleichen Haus... ("Tot im dritten Stock)
Hercule Poirot erfährt von der Kellnerin eines Lokals von einem merkwürdigen Fall: Ein alter Mann taucht dort regelmäßig auf und bestellt immer das gleiche - bis sich dies mit schrecklichen Folgen ändert... ("Vierundzwanzig Schwarzdrosseln")
Den Mord an Amelia Barrowby kann Hercule Poirot trotz ihres Hilferufs nicht mehr verhindern. Der Tod der alten Dame wirft aber einige Fragen auf... (Der verräterische Garten")
Der exzentrische Millionär Benedeict Farrlay ruft Hercule Poirot wegen eines immer wieder kehrenden Traumes zu Hilfe. Vorerst kann der Meisterdetektiv mit dem imposanten Schnurrbart nichts feststellen, findet aber merkwürdige Anhaltspunkte im Haus... ("Der Traum")
Poirot muss sich dieses mal mit der Entführung eines Kindes beschäftigen, der Sohn vom Mr. Waverly ist verschwunden. Hat tatsächlich einer aus der Dienerschaft die Tat begangen. ("Poirot und der Kidnapper")
Ein Beziehungsdrama bahnt sich ausgerechnet in Hercule Poirots Urlaub zusammen. Wohin wird das unheilvolle Beziehungsgeflecht zwischen den Golds und den Chantrys nur führen? ("Urlaub auf Rhodos")
Durch einen merkwürdigen Anruf erfährt der belgische Detektiv von dem Selbstmord von Iris Russell. Doch ihr Mann glaubt nicht an diese Version... ("Lasst Blumen sprechen")

Agatha Christie begeistert mit ihren Kriminalgeschichten Millionen von Lesern, auch die Figur des belgischen Detektivs Hercule Poirot entstammt ihrer Feder. Acht der Geschichten wurden 2006 vom SWR und MDR als Hörspiel umgesetzt, und diese sind nun auch auf CD beim Hörverlag erhältlich. Die Hauptfigur trägt dabei viel zum Gelingen der Geschichten bei. Voller Charme, manchmal auch voller Witz ermittelt der Mann mit dem prächtigen Schnurrbart sehr kurzweilig und unterhaltsam. Bei allen Fällen steht er strahlend im Mittelpunkt und verleiht den Geschichten den gewissen Pfiff, was sie erst besonders macht. Denn die Fälle wirken teilweise schon etwas konstruiert oder altbekannt, einige weisen aber auch sehr frische Züge auf und können überraschen. Einer der besten ist wohl "Urlaub auf Rhodos", der Fall mit dem komplizierten Beziehungsgeflecht zweier Paare. Der Verlauf ist recht unkonventionell und kann mit einer dynamischen Erzählweise und einigen Überraschungen überzeugen. Auch "Der Traum" spielt mit dem Genre und weicht vom stromlinienförmigen Verlauf einer typischen Kriminalgeschichte ab. Die Motive aus "Poirot und die Kidnapper" sind hingegen schon aus einigen anderen Kriminalproduktionen bekannt, nichtsdestotrotz ist ein anständiges und vollkommen hörenswertes Hörspiel daraus geworden, hier kann wie eingangs erwähnt die Hauptfigur einige inhaltliche Schwächen wieder wett machen. Acht sehr unterschiedliche Fälle sind es geworden, alle mit ihrem ganz eigenen Anstrich, aber alle von dem wunderbaren Protagonisten beseelt. Schwankend hingegen die Qualität der einzelnen Vorlagen, wobei die positiven Seiten eindeutig überwiegen - zumal hier sehr gut produziert wurde. Eine Box für eingefleischte Krimifans und solche, die es werden wollen.

Felix von Mannteuffel spricht in allen acht Krimis die Hauptrolle und kann diese auf einzigartige Weise anlegen. Voller Charme, aber auch voller Scharfsinn und der Fähigkeit, sich in andere Leute hineinzuversetzen kann Mannteuffel ein sehr genaues Bild seines Charakters zeichnen. Auch Friedhelm Ptok ist wunderbar als Erzähler, steigert die Spannung und gestaltet seine Passagen stets kurzweilig und unterhaktsam. Auch viele andere Sprecher sind in den einzelnen Fällen zu hören, beispielsweise Udo Schenk, Helga Grimme, Annabelle Leip oder Wolfgang Condrs. Allen gemein ist, dass sie Vollprofis sind und ihre Rollen mit Gespür fürs Detail vertonen.

Die Musik fällt recht opulent aus und taucht immer wieder aus der Versenkung auf, was einen sehr dynamischen Eindruck hinterlässt. Sie gewährt Zeit zum Nachdenken und Miträtseln, zögert die weiteren Ereignisse einen Moment weiter hinaus und steigert so die Spannung. Auch während der Dialoge werden die Sprecher oft in eine Hülle aus Musik gewickelt. Geräusche gibt es da wesentlich weniger , die eingesetzten tragen aber zum Verständnis der Geschichten bei und wirken glaubhaft.

Die Aufmachung ist eher schlicht, das Titelbild wurde gleich für die Box sowie die vier CD-Hüllen verwendet. Die verwendeten Blau- und Orangetöne sind aber angenehm ausgewählt, die schlichte Illustration ist durchaus einen Blick wert. Lobenswert zu erwähnen sind neben dem Hinweis auf die Tracks der einzelnen Fälle die Infotexte in den kleinen Booklets.

Fazit: Sehr unterschiedliche Fälle mit interessanter Ermittlerfigur, sehr gut in Szene gesetzt. Ein schöner Hörspielschatz den der Hörverlag hier geborgen hat.

VÖ: 18. Juni 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-609-5


Arsène Lupin - Die hohle Nadel oder Der Schatz der Könige Frankreichs

Erster Eindruck: Meisterdieb gegen Detektiv

Arsène Lupin, französischer Meisterdieb und Kunstliebhaber, hat es auf wertvolle Gemälde abgesehen, die dementsprechend gut abgesichert sind. Doch davon lässt er sich nicht abschrecken - genausowenig wie von dem wenig charmanten Oberinspektor Ganimard und den Detektiv Herlock Sholmes...

Dass man in guten Geschichten die Bösewichte genauso gern mag wie die Helden (und manchmal noch ein wenig mehr), beweist sich häufig. Der französische Autor Maurice Leblanc hat daraus eine Tugend gemacht und doch gleich mal einen Dieb in den Mittelpunkt seines Werkes geschickt, welches vom SWR vertont wurde. Charmant, voller Esprit und keinesfalls schurkenhaft böse ist Arsène Lupin eine wunderbare Alternative zu Detektivgeschichten, denn "Die hohle Nadel" ist mindestens genauso spannend. Lupins Jagd auf die wertvollen Gemälde wird mit viel Witz und noch mehr Charme erzählt, während auch die anderen Elemente der Geschichte nahtlos ineinander passen. Besonders Lupins Gegenspieler haben es mir angetan, der Oberinspektor Ganimard sowie - Achtung, Wortwitz! - Herlock Sholmes, ein Detektiv, der Lupin immer wieder auf die Schliche kommt, letztendlich aber doch den kürzeren zieht. So entsteht eine sehr kurzweilige und wunderbar unaufgeregte Geschichte, die völlig ohne Actionelemente oder platte Auflösungen auskommt und so die Gegenbewegung zu vielen Krimihörspielen bildet. Sehr stilvoll mit viel französischem Flair ist so ein rundum gelungenes Hörspiel entstanden, dass ich sehr gerne gehört habe.

In der Hauptrolle des Arsène Lupin ist Samuel Weiss zu hören, der offensichtlich viel Freude an der Rolle hat und genauso charmant wie punktgenau zu sprechen weiß. Sein Gegenspieler Herlock Sholmes wird von Walter Renneisen gesprochen, der mit seiner einprägsamen Stimme eine tolle Vorstellung abliefert. Doch auch Felix Goeser kann als Oberinspektor Ganimard vollkommen überzeugen. Weitere Sprecher sind Annabelle Leip, Christoph Gawenda und Rüdiger Vogler als Erzähler.

Auch die musikalische Umsetzung der Geschichte kann als sehr gelungen betrachtet werden. Wunderschöne Melodien erinnern an Frankreich, sind mal etwas melancholisch, mal etwas schwungvoller, versprühen aber immer viel Flair. Dabei ist sie stets im Hintergrund, was einen wundervoll unaufgeregten Eindruck hinterlässt.

Eine stilisierte Schwarz-Weiß-Zeichnung von Arsène Lupin ziert das Cover und ist Blickfang, auf das Thema Frankreich wird im Hintergrund mit der Darstellung des Eiffelturms eingegangen. In gewohnt hoher Qualität sind die 2 CDs in einer stabilen und hübsch gestalteten Papphülle untergebracht.

Fazit: Eine gut produzierte und spannende Alternative zum klassischen Kriminalhörspiel, charmant und ruhig.

VÖ: 11. August 2009
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8981-3879-6