Arsène Lupin - Die hohle Nadel oder Der Schatz der Könige
Frankreichs

Erster Eindruck: Meisterdieb gegen Detektiv
Arsène Lupin, französischer Meisterdieb und Kunstliebhaber, hat es
auf wertvolle Gemälde abgesehen, die dementsprechend gut
abgesichert sind. Doch davon lässt er sich nicht abschrecken -
genausowenig wie von dem wenig charmanten Oberinspektor Ganimard
und den Detektiv Herlock Sholmes...
Dass man in guten Geschichten die Bösewichte genauso gern mag wie
die Helden (und manchmal noch ein wenig mehr), beweist sich häufig.
Der französische Autor Maurice Leblanc hat daraus eine Tugend
gemacht und doch gleich mal einen Dieb in den Mittelpunkt seines
Werkes geschickt, welches vom SWR vertont wurde. Charmant, voller
Esprit und keinesfalls schurkenhaft böse ist Arsène Lupin eine
wunderbare Alternative zu Detektivgeschichten, denn "Die hohle
Nadel" ist mindestens genauso spannend. Lupins Jagd auf die
wertvollen Gemälde wird mit viel Witz und noch mehr Charme erzählt,
während auch die anderen Elemente der Geschichte nahtlos ineinander
passen. Besonders Lupins Gegenspieler haben es mir angetan, der
Oberinspektor Ganimard sowie - Achtung, Wortwitz! - Herlock
Sholmes, ein Detektiv, der Lupin immer wieder auf die Schliche
kommt, letztendlich aber doch den kürzeren zieht. So entsteht eine
sehr kurzweilige und wunderbar unaufgeregte Geschichte, die völlig
ohne Actionelemente oder platte Auflösungen auskommt und so die
Gegenbewegung zu vielen Krimihörspielen bildet. Sehr stilvoll mit
viel französischem Flair ist so ein rundum gelungenes Hörspiel
entstanden, dass ich sehr gerne gehört habe.
In der Hauptrolle des Arsène Lupin ist Samuel Weiss zu hören, der
offensichtlich viel Freude an der Rolle hat und genauso charmant
wie punktgenau zu sprechen weiß. Sein Gegenspieler Herlock Sholmes
wird von Walter Renneisen gesprochen, der mit seiner einprägsamen
Stimme eine tolle Vorstellung abliefert. Doch auch Felix Goeser
kann als Oberinspektor Ganimard vollkommen überzeugen. Weitere
Sprecher sind Annabelle Leip, Christoph Gawenda und Rüdiger Vogler
als Erzähler.
Auch die musikalische Umsetzung der Geschichte kann als sehr
gelungen betrachtet werden. Wunderschöne Melodien erinnern an
Frankreich, sind mal etwas melancholisch, mal etwas schwungvoller,
versprühen aber immer viel Flair. Dabei ist sie stets im
Hintergrund, was einen wundervoll unaufgeregten Eindruck
hinterlässt.
Eine stilisierte Schwarz-Weiß-Zeichnung von Arsène Lupin ziert das
Cover und ist Blickfang, auf das Thema Frankreich wird im
Hintergrund mit der Darstellung des Eiffelturms eingegangen. In
gewohnt hoher Qualität sind die 2 CDs in einer stabilen und hübsch
gestalteten Papphülle untergebracht.
Fazit: Eine gut
produzierte und spannende Alternative zum klassischen
Kriminalhörspiel, charmant und ruhig.
VÖ: 11. August 2009
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8981-3879-6