
Mr. Shady – 1. auf der Suche nach den neuen Wundern dieser Welt
Die geheime Asservatenkammer - 1. Permuto, Laptop des Todes
Agatha Christie – Vier Hörspiele
Adams Pech, die Welt zu retten
Osman – Der Dschinn in der Klemme
Moby Dick (Audio Verlag Version)
Kurze Interviews mit fiesen Männern
35 Kilo Hoffnung / 35 kilos d'espoir
Kalt wie der Tod - Skandinavische Krimihörspiele von Henning Mankell & Co
Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
Jesus und die Mühlen von Cölln
Die Gentleman bitten zur Kasse
Arsène Lupin - Die hohle Nadel oder Der Schatz der Könige Frankreichs
Schatztruhe der Märchen

Erster Eindruck: Riesige Sammlung verschiedenster Märchen
„7 auf einen Streich“, das hat sich ein Schneider auf seine Kleidung gestickt. Dass damit aber Fliegen gemeint waren, sorgt für allerlei Wirbel, denn der König nimmt an, einem Riesenjäger gegenüber zu stehen... (Das tapfere Schneiderlein)
Drei Söhne ziehen – nicht ganz freiwillig - aus, um im Leben ihren Platz zu finden. Jeder von ihnen erhält zum Ende der Lehrzeit ein ganz besonderes Geschenk und kehrt damit zum Hof des Vaters zurück... (Tischlein deck dich)
Eine alte Zauberin verlangt von einem jungen Elternpaar das erste Kind, da diese Salat aus ihrem magischen Garten gestohlen haben. Das kleine Mädchen wird in einen Turm eingesperrt, aus dem es keinen Ausweg gibt – nur seine Haare sind der Weg hinein... (Rapunzel)
Ein Holzschnitzer fertigt eine kleine Marionette an, die ihn stark an einen kleinen Jungen erinnern. Tatsächlich steckt jede Menge Leben in dem Stück Holz, doch die Puppe hat einen großen Wunsch: Ein richtiger Junge zu werden (Pinocchio)
Märchen gehören zu den Klassikern unter den Hörspielen, wohl jeder hat das ein oder andere mal in seiner Kindheit den geheimnisvollen schwarzen Scheiben oder den kleinen Kassetten gelauscht. Eine geradezu riesige Sammlung genau dieser Kindheitserinnerungen lässt sich in der „Schatztruhe der Märchen“ finden, die mit ganzen 20 CDs aufwarten kann. Darunter sind neben den sehr bekannten (und auch oftmals als Hörspiel umgesetzten) Klassikern wie Aschenputtel, Dornröschen und der Froschkönig auch eher unbekannte Werke der Brüder Grimm wie Allerleirauh, Die zertanzten Schuhe oder Jorinde und Joringel zu finden. Ergänzt werden diese von Kindergeschichten und Sagen, beispielsweise Rübezahl, Gullivers Reisen und Pinocchio. Eine bunte Mischung aus 35 Geschichten, bei der wohl jeder seine Lieblinge wiederfindet und neue Seiten entdeckt. Durch die völlig unterschiedlichen Produktionsjahre und -teams wurden natürlich verschiedene Herangehensweisen an das Genre gewählt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist beispielsweise die Verwendung von Reimen in einigen Märchen. Diese Abweichung vom klassischen Hörspiel ist wohl nicht jedermans Sache, passt aber recht gut zu den zauberhaften Geschichten. Einen völlig neuen Ansatz bietet „Hans im Glück“, in dem ein Junge auf einer langen Autofahrt eben jenes Märchen als Hörspiel hört und immer wieder zwischen diesen beiden Ebenen hin- und hergewechselt wird. Eine Modernisierung, die jedoch etwas holprig geworden ist. Ansonsten kann man sich auf zahlreiche klassische Erzählungen freuen, die die Kindheit wieder auferstehen lassen und direkt ein heimeliges Gefühl erzeugen, Kindern ebenso viel Spaß machen wie Erwachsenen und in einem fast unschlagbaren Preis gesammelt angeboten werden. Wer Märchenhörspiele mag, wird mit dieser umfangreichen Sammlung also bestens bedient.
Bei so einer großen Vielzahl an Hörspielen, die unter verschiedenen Bedingungen entstanden sind, wurde natürlich eine große Zahl an Sprechern eingesetzt, mal auch heute noch bekannte Namen, mal völlig neue und bisher ungehörte Stimmen. Dass es dabei auch den einen oder anderen Ausreißen nach unten gibt, ist wohl verständlich, im Allgemeinen ist die Sprecherleistung aber eine gute. Eine Handvoll Stimmen taucht aber immer wieder auf, und dazu gehört auch der unvergessene Hans Paetsch mit seiner typischen Märchenonkel-Stimme, mit der er gleich einen warmen Grundton in die Märchen bringt. Auch Reinhilt Schneider taucht immer wieder in unterschiedlichen Rollen auf, beispielsweise als Aschenputtel, Schneewittchen oder Königstochter. Ihre kindliche, fröhliche Stimme passt sich immer gut der jeweiligen Atmosphäre an. Konrad Halver hat nicht nur zahlreiche Umsetzungen produziert, sondern auch immer wieder mitgesprochen, seiner markanten Ausdrucksweise lauscht man immer wieder gern. Andere Sprecher sind Gerd Holtenau, Franz Joseph Steffens, Dagmar von Kurmin, Joachim Wolff und Ursula Vogel.
Ebenso unterschiedlich wie die Sprecher ist die musikalische Umsetzung der einzelnen Produktionen. Klassische Stücke, wie von Johann Sebastian Bach, sind ebenso zu hören wie Eigenkompositionen. Eines haben die Hörspiele jedoch gemeinsam: Die Musik wird recht wenig eingesetzt, eher zur Einstimmung und während der Szenenwechsel. In den Dialogen tauchen eher Geräusche auf, und auch diese sind von unterschiedlicher Quantität, größtenteils aber sinnvoll eingebaut und geben dem Geschehen ein wenig mehr Gesicht.
Die stabile Pappbox, in der die 20 CDs angeliefert werden, ist tatsächlich wie eine kleine Schatztruhe aufgemacht, von allen Seiten sind goldene Beschläge abgedruckt, hinten ist eine Übersicht über sämtliche Geschichten zu finden. Der Deckel lässt sich dann ganz abnehmen, im Inneren hat jede CD ihre eigene Papphülle bekommen, auf der Produktionsdaten und Sprecher abgedruckt wurden.
Fazit: Eine sehr große Sammlung mit gelungenen Märchen und einer tollen Stimmung. Schön, dass so eine große Vielfalt angeboten wird.
VÖ: 26.August 2011
Label: Membran
Bestellnummer: 978-3-86860-086-5
Schatztruhe der Abenteuer

Erster Eindruck: Von Rittern, Seefahrern und Helden
Wer kennt nicht die Geschichte von Robin Hood, der von den Reichen nahm und es an die Armen verteilte? Und wer kennt nicht die Sage von Nessie, dem Ungeheuer aus dem schottischen Loch Ness? Was allerdings passiert, wenn die beiden aufeinander treffen, ist doch eher unbekannt... (Robin Hood und das See-Ungeheuer von Loch Ness)
Odysseus ist einer der bekanntesten Sagengestalten der griechischen Mythologie. Auf seiner abenteuerlichen Seefahrt begegnet er Hexen, einsamen Frauen und schrecklichen Seeungeheuern. (Die Irrfahrten des Odysseus)
Ein junger Anwalt kommt in der Einsamkeit Rumäniens auf einem alten Schloss an, doch der Hausherr ist ein merkwürdiger Mann, der seltsame Kräfte zu haben scheint. Doch auch nach der Flucht vor dem bedrohlichen Wesen und nach seiner Rückkehr nach London ist er nicht sicher... (Dracula – Jagd der Vampire)
Viele Hörspiele gehen nach einiger Zeit einfach verloren – schade drum, denn viele der Werke sind auch heute noch sehr hörenswert. Das hat sich auch Membran Music gedacht und eine große Sammlung unterschiedlichster Produktionen in der „Schatztruhe der Abenteuer“ vereinigt. Der Mix aus verschiedenen Genres ist groß, neben klassischen Abenteuergeschichten von Jules Verne finden sich auch das oben angesprochene „Die Irrfahrten des Odysseus“ aus der griechischen Mythologie, zwei Wild-West-Abenteuer von Lederstrumpf, Krimi und sogar ein echter Gruselklassiker wieder. Das hat einerseits den Vorteil, das wohl für wirklich jeden etwas dabei ist und man durchaus auch seinen Horizont erweitern kann, allerdings wird man nicht jede der 25 CDs mit Hochgenuss anhören können, da einem das Genre einfach nicht liegt. Das ändert aber nichts daran, dass man bei den 24 Geschichten auf 25 CDs zu einem wirklichen Schnäppchenpreis kaum etwas falsch machen kann. Es macht unglaublichen Spaß, sich durch die große Auswahl zu hören und dabei alte Bekannte zu treffen wie neue Lieblinge kennen zu lernen. Mit Moby Dick, Die Schatzinsel, Meuterei auf der Bounty und anderen sind etliche Seefahrerabenteuer zu hören, die einen in ferne Welten versetzen und die bekannten Handlungen spannend aufarbeiten. Julia – Die Meisterdetektivin unter falschem Verdacht ist ein charmanter Krimi und fällt hier positiv aus dem Rahmen, bringt Abwechslung mit hinein. Die auf 2 CDs verteilte Erzählung über Sindbad, den Seefahrer taucht tief in die berühmte Vorlage ein und ist ein kleines Highlight der Box. Umsetzungen bekannter Stoffe sind ebenso vertreten wie neue Erzählungen – beispielsweise das abenteuerliche „Prinz Arco, der schwarze Ritter“ oder „Kung Fu – Die Rache eines Unbezwingbaren“, das Motive der fernöstlichen Kampfkunst benutzt. So unterschiedlich die Ansätze, so unterschiedlich auch die Qualität der einzelnen Produktionen – eines wohnt aber allen inne: Die Liebe zum Hörspiel. Man merkt, dass hier wirklich mit Herz gearbeitet wurde. So empfiehlt sich die „Schatztruhe der Abenteuer“ für all diejenigen, die den Nostalgiefaktor der Hörspiele zu schätzen wissen, belohnt wird man mit zahlreichen Stunden kurzweiliger Unterhaltung.
24 verschiedene Produktionen, da ist es nur verständlich, dass zahlreiche Sprecher mitgewirkt haben. Häufiger zu hören ist beispielsweise Franz Josef Steffens, der seine gemächliche Stimme hier häufiger variiert und so als Porthos von den „Drei Musketieren“ auch mal recht kämpferisch und dynamisch wirken kann. Auch Hörspiel-Urgestein Dagmar von Kurmin ist des öfteren zu hören, sie spricht wie immer sehr einprägsam und geht sehr gut auf ihre jeweilige Rolle ein. Rainer Schmitt überzeugt mit glaubwürdiger Sprechweise sowohl kleineren Neben- wie in den einigen Hauptrollen. Natürlich fallen auch ab und an Sprecher auf, die etwas hölzern oder unglaubwürdig klingen, der große Teil agiert aber glaubwürdig und ist mit Freude dabei, so auch Gisela Trowe, Manfred Schermutzki und Günther Ungeheuer.
Auch hier zeigt sich, dass in älteren Produktionen Musik besonders zur Gestaltung von Szenenübergängen genutzt wird, sie während der Dialoge nur verstreut eingesetzt wurde. Die atmosphärische Gestaltung wird eher von den Geräuschen übernommen, die oft einen passenden Hintergrund für die einzelnen Szenen bieten. Die Qualität des Sounds ist hier überraschend gut und kann auch in der heutigen Zeit noch überzeugen.
Jede CD hat eine einzelne Papphülle verpasst bekommen, die im einheitlichen Design die wichtigsten Informationen wie die Sprecher bereit hält. Hier erinnert tatsächlich alles ein wenig an eine Schatztruhe, den abnehmbaren Deckel zieren aufgedruckte Holzbretter, was eine witzige Optik ergibt. Als zierendes Motiv taucht immer wieder ein Drache auf, auch wenn diese Fabelwesen kein großes Thema in den Hörspielen sind.
Fazit: Die große Auswahl ist ein Pluspunkt, ebenso die vielen abenteuerlichen, spannenden und unterhaltsamen Geschichten. Viele Stunden Hörspielspaß sind gewiss.
VÖ: 26.August 2011
Label: Membran
Bestellnummer: 978-3-86860-085-8
Märchenmond – Das Musical

Erster Eindruck: Moderner Fantasy-Klassiker in neuem Gewand
Kims Schwester Rebekka liegt im Koma, doch was genau das bedeutet erfährt er von dem weisen Zauberer Themistokles: Im fantastischen Land Märchenmond ist rebekka vom bösen Boraas gefangen genommen und eingesperrt worden. So macht sich Kim auf die abenteuerliche Reise durch Märchenmond in die düstere Schattenwelt, um seine Schwester zu retten...
Märchenmond ist einer der bekanntesten Romane des deutschen Schriftstellers Wolfgang Hohlbein und seiner Frau Heike. Nun folgte sogar eine Musicalumsetzung des mit Preisen überhäuften Stoffes, die als CD nun auch bei Lübbe erhältlich ist. Bei gerade einmal 47 Minuten Laufzeit ist klar, dass die Vorlage stark vereinfacht dargestellt wird und viele Passagen ganz herausfallen. So erreicht diese Version der Geschichte auch nicht die brilliante Tiefe der Vorlage, greift aber die Hauptthemen Mut und das Erkennen des eigenen Selbst gut auf. Fans der Vorlage dürften aber trotzdem viele witzige oder spannende Szenen fehlen. Dafür bietet die Umsetzung als Musical natürlich ganz eigene Vorzüge, die hier bestens genutzt werden. Die Lieder sind mitreißend und sehr eingängig, viele Melodien gehen einem nicht mehr so schnell aus dem Kopf und reichen von schmissigen Rap-Gesängen bis hin zu einfühlsamen Balladen. Auch ziehen sich verschiedene Themen durch das ganze Stück und bilden so einen wiedererkennbaren roten Faden, erinnern immer an den Kern der Geschichte. Auch die fantastischen Figuren werden toll dargestellt und entführen in das Reich der Fantasie. Eine sehr interessante Produktion, die die Vorlage zwar stark kürzt, aber durch neue Wege ihre Aussage gut wiedergibt und kurzweilig zu unterhalten weiß.
Die Schauspieler haben hier natürlich nicht nur die Aufgabe, die Dialoge glaubhaft zu gestalten, sondern auch die Lieder zu singen. Die Hauptrolle des Kim bestreitet Merle Hoch und kann den mutigen Jungen mit Feingefühl und einem Sinn fürs Dramatische gut umsetzen. Michaela Linck ist als Rebekka zu hören und sorgt mit ihrer hellen Stimme immer wieder für mysteriöse Szenen, in denen sie Kim um Hilfe ruft. Sehr gut gefällt mir Jens Krause in einer Doppelrolle als Themistokles und Boraas, dessen markante Stimme sowohl gesprochen als auch gesungen die verschiedenen Facetten seiner Charaktere herausarbeiten kann. Fredrik Wickerts, Jens Plewinski, Annika Dickel und Frank Brunet ergänzen das gelungene Ensemble.
Die musikalische Umsetzung ist hier natürlich Kernstück, und diese ist mehr als nur gelungen. Die verschiedenen Stimmungen werden gekonnt eingefangen, und so ergibt sich ein vielschichtiges Bild des Geschichte, die man so sehr gut mitfühlen kann. Krachige Blechbläser, ein sattes Schlagzeug, tragende Gitarren und verträumte Klaviermelodien ergänzen sich wunderbar.
Passend zum Titel nimmt ein großer Mond einen Großteil des Covers ein. Davor sind drei Silhouetten zu sehen, eines Magiers, eines Bären und eines Jungen. Das wirkt alles sehr ansprechend und geheimnisvoll. Im umfangreichen Booklet sind neben einer ausführlichen Trackauflistung noch einführende Texte, ein Foto der Besetzung und alle Liedtexte zu finden.
Fazit: Eine spannende und fantastische Geschichte wie Märchenmond hier einmal in einem völlig neuen Ton umgesetzt. Außergewöhnlich und experimentell, aber insgesamt sehr gelungen.
VÖ: 10.November 2010
Label: Lübbe
Bestellnummer: 978-3-8339-5408-5
Jeder stirbt für sich allein

Erster Eindruck: Erschütterndes aus dem zweiten Weltkrieg
Anna und Otto Quangel leben ein bodenständiges Leben in der Zeit des zweiten Weltkrieges, bis ihr Sohn im Krieg fällt. Sie beginnen, die vorherrschende Politik zu hinterfragen und begehren gegen das NS-Regime Hitlers auf, indem sie Postkarten drucken und diese an verschiedenen Plätzen verteilen. Schnell wird die Gestapo auf die aufmerksam...
Geschichte kann man in Fakten erfassen, man kann sie aber auch lebendig aufarbeiten und die Atmosphäre der Zeit auferstehen lassen. Ein Werk, das eben dieses schafft, ist der Roman „Jeder stirbt für sich allein“, der auch beim Audio Verlag als Hörspiel erhältlich ist. Die Geschichte von Anna und Otto Quangel ist eine herzergreifende und bringt die damalige Zeit dem Hörer nahe, die geprägt von Unterdrückung, Angst und Misstrauen ist. Mit ihrem Widerstand, und sei er noch so klein und unbedeutend, bricht das engagierte Ehepaar dieses Schema auf, obwohl sie wissen, in welche Gefahr sie sich damit begeben. Alles wirkt hier sehr realistisch und lässt die Atmosphäre der damaligen Zeit greifbar werden. Die einfühlsamen Beobachtungen, die feinsinnige Charakterisierung der Personen ist es, was so ergreifend ist. So wird die Wandlung des Ehepaars gut dargestellt, deren gleichgültige Einstellung zu einer kämpferischen und unnachgiebigen wird. Sie erscheinen dank der genauen Beschreibungen sehr lebendig und wie aus dem Leben heraus gegriffen. Hilfreich dabei ist auch die sehr poetische, bildhafte Sprache, die in treffenden Formulierungen zum tiefen Eintauchen in die Handlung einlädt. Der Kampf der Quangels steht hier im Mittelpunkt, doch viele kleinere Nebenstränge fließen immer wieder mit ein und beschwören ein umfassendes Bild herauf. Der Verlauf ist eingängig, das Ende dramatisch, eine sehr intensive und eingängig Geschichte mit viel Potenzial zum Nachdenken, nah am Original umgesetzt.
Die Sprecher verleihen dem Werk noch mehr Leben und machen es dem Hörer so sehr einfach, sich von der Handlung gefangen nehmen zu lassen. Günter Naumann ist als Otto Quangel zu hören und kann besonders den erwachenden Kampfgeist und den Mut, die Welt gegen alle Widerstände wenigstens ein bisschen besser zu machen, mit seiner markanten Stimme einfangen. Auch das einfühlsame Spiel von Gudrun Ritter als Anna Quangel kann unter die Haut gehen und einen sehr intensiven Eindruck der leidensfähigen Frau abgeben. Gunter Schoß ist als Erzähler und beweist mit seiner eindrucksvollen Art, dass er auch für diese sehr ernste Geschichte wie gemacht ist. Weitere Mitglieder des Casts sind Daniela Hoffmann, Lutz Riemann und Hans-Peter Minetti
Auch die musikalische Umsetzung kann als rundum gelungen angesehen werden. Feinfühlige und ruhige, melancholische Arrangements unterstreichen die Atmosphäre, lassen sie lebendig wirken und sorgen dafür, dass sich der Hörer vollends in die damalige Zeit und die imposante Geschichte fallen lassen kann. Auch die Geräusche sind passgenau eingefügt, drängen sich aber nie in den Vordergrund.
Eine eisige Winterlandschaft ist das Motiv für das Cover dieser Produktion. Zu sehen ist eine verschneite Straße, gesäumt von Bäumen und Laternen, auf der ein einsamer Mensch seinen Weg geht. Berühmte Berliner Wahrzeichen deuten auf den Handlungsort hin, die restliche Aufmachung ist mit kleinen Zitaten aufgelockert und hübsch anzusehen.
Fazit: Eine sehr eindringliche Geschichte, die nicht nur die vergangene Zeit lebendig und erlebbar macht, sondern auch den Mut des Einzelnen herausstellt.
VÖ: 19.August 2011
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1101-9
Frau Jenny Treibel

Erster Eindruck: Fontanes Werk in gelungener Umsetzung
Die aus einfachen Verhältnissen durch eine Heirat mit dem Kommerzienrat zur Bourgeoisie aufgestiegene Jenny Treibel hält in ihren Reden immer noch am Bild der romantischen Liebe und dem Leben in einfachen Verhältnissen fest – sogar als sie von der Verlobung ihres Sohnes Leopold mit der Tochter eines Gymnasiallehrers Corinna erfährt. Mit allen Mittel versucht sie, diese unstandesgemäße Verbindung wieder zu lösen...
Theodor Fontane hat zahlreiche bedeutende Romane verfasst, zu ihnen gehört unter anderem „Frau Jenny Treibel“ aus dem Jahr 1893, der für viele als das humorvollste Werk des Schriftstellers gilt. 1985 wurde der Titel vom Norddeutschen Rundfunk umgesetzt, diese Aufnahme ist nun beim Hörverlag erschienen und passt wunderbar in dessen anspruchsvolles Repertoire. Im Mittelpunkt der Geschehnisse steht die Titelgebende Figur, die in all ihrer Scheinheiligkeit kompromisslos aufgedeckt wird. Sie verwehrt der Tochter eines ehemaligen Freundes genau das, was sie selbst für sich in Anspruch nahm – eine Vernunftehe, um gesellschaftlich aufzusteigen. Sie propagiert die wahre Liebe, macht sich aber immer noch über das schmalzige Gedicht eben jenes damaligen Verehrers lustig. Sie nutzt alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel, um ihren Willen durchzusetzen, will jedoch immer al sanftmütig und liebevoll erscheinen. Trotz all dieser humorvollen Leichtigkeit schimmert immer wieder die Gesellschaftskritik durch, die Fontane in dieses heitere Stück verpackt hat. Doch auch die anderen Figuren sind in aller Deutlichkeit dargestellt, werden in entlarvenden Szenen offen gelegt, ihre Ziele und ihr Streben immer wieder in Frage gestellt. Das vielschichtige Werk wurde behutsam in das Medium Hörspiel umgesetzt, enthält an wichtigen Szenen einen Erzähler, kommt zum großen Teil aber mit der Dialogform aus. Auch – und gerade - bei Respekt vor klassischen Werken bietet Frau Jenny Klein eine recht anspruchsvolle Geschichte auf hohem Niveau, ohne verkopft zu wirken. Vielmehr kann die humorvolle Handlung bestens unterhalten.
Zahlreiche wunderbare Sprecher haben sich hier vor dem Mikrofon versammelt, um dem Hörspiel Leben und Tiefe zu verleihen. Als Frau Jenny Treibel ist Maria Körber zu hören, die das Scheinheilige und Hochmütige ihrer Figur auf den Punkt trifft, all das Zwiespältige und Lächerliche findet sich in ihrer Stimme wieder. Franz Josef Steffens ist als Gymnasiallehrer Prof. Willibald Schmidt zu hören und kann seine einprägsame Stimme gekonnt einsetzen, auch diese Figur von allen Seiten zu beleuchten und den Mann in all seinen Facetten erscheinen zu lassen. Seine Tochter Corinna wird von Imogen Kogge gesprochen, ihr Eifer und Starrsinn, der schließlich doch an Jenny Treibels starken Willen zerbricht, stellt die genau dar. Weitere Sprecher sind unter anderem Gerhard Garbers, Ulrich Matschoss und Ulli Lothmanns.
Regisseur Hans Rosenhauer hat neben den treffenden Dialogen auch für die passende musikalische Untermalung gesorgt, die sich aus Melodien von Jürgen Lamke zusammensetzt. Sie sind meist verspielt und greifen die humorvolle Grundstimmung des Stückes auf, setzen sie noch weiter fort, ohne aufdringlich zu wirken. Alles wirkt hier rund und gut aufeinander abgestimmt.
Natürlich ist auch auf dem Cover ein Abbild von Frau Jenny Treibel zu sehen, die gut bürgerliche Dame wird hier mit stolzem Gesichtsausdruck und einer gewissen Unnahbarkeit dargestellt. Die beiden CDs sind in einem stabilen und hochwertigen Digipack untergebracht, das insgesamt ansehnlich gestaltet wurde und kurze Informationen zum Autor bereit hält.
Fazit: Humor und Kurzweil täuschen hier nicht über die Kritik an den verschiedenen Figuren hinweg, sodass hier bestens Anspruch und Unterhaltung verbunden werden.
VÖ: 22.August 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-737-5
Krimi Kult Kiste – 7. Neues von Dickie Dick Dickens / Die vielgeliebte Dame / Die Dame ist leichtfertig

Erster Eindruck: Dickie Dick Dickens, Philip Odell und Heather McMara
Dickie Dick Dickens ist der gefährlichste Mann, den die Unterwelt Chicagoes je hervor gebracht hat. Mittlerweile hat sich der Taschendieb einen gewissen Ruf erarbeitet, den er aber kaum genießen kann – noch sitzt er im Gefängnis (Neues von Dickie Dick Dickens)
Immer wieder geschehen in einem medizinischen Forschungslabor rätselhafte Morde, die vorerst zusammenhanglos erscheinen. Das ruft den Privatdetektiv Philip Odell und seine Partnerin Heather McMara auf den Plan, deren Interesse bald von einer geheimnisvollen Mitarbeiterin geweckt wird... (Die vielgeliebte Dame)
Paula Ballard, ein berühmtes Fotomodell, ist entführt worden. Privatdetektiv Philip Odell soll sie wieder aufspüren, doch schnell wird er tiefer in den Fall herein gezogen, als ihm lieb ist: Seine Partnerin Heather verschwindet ebenfalls...(Die Dame ist leichtfertig)
Der Hörverlag verwöhnt Freunde von klassischen Krimis mittlerweile zum siebten mal mit einer dicken Krimi Kult Kiste, in der sich gleich drei verschiedene Produktionen tummeln – allesamt stammen aus den 50er und 60er Jahren und haben sich bei Kennern des Genres tatsächlich bereits einen gewissen Kultstatus erarbeitet. Und trotz ihrer Unterschiedlichkeit können sie alle eine Gemeinsamkeit bieten: Jede Menge Charme.
Den Anfang macht „Neues von Dickie Dick Dickens“, der zweiten Staffel der satirischen Serie von Rolf und Alexandra Becker. Hier wird das Genre liebevoll auf den Arm genommen und erzählt trotzdem durchaus spannende Kriminalgeschichten. Diese Mischung ist es, die den reiz der Serie ausmacht – skurrile Figuren, haarsträubende Fälle und jede Menge Situationskomik. Dennoch fallen diese zweiten 13 Folgen gegenüber der ersten Staffel etwas ab und wirken ein wenig wie eine Wiederholung der ersten Fälle. Trotzdem bieten sie insgesamt gute und kurzweilige Unterhaltung.
Es folgt „Die vielgeliebte Dame“ von Lester Powell, durch seine vielen „Damen“-Krimis bekannt geworden ist. Auch dieser hat die ganz besondere Stimmung von Powells Geschichten, dem immer ein Hauch des Ungewissen begleitet. Neben der interessanten Beziehung zwischen Philip Odell und seiner Partnerin Heather McMara sorgt vornehmlich die Figur der titelgebenden vielgeliebten Dame für den Reiz der Geschichte, ihr Charme und das sie umgebende Geheimnis sind ein guter Aufhänger. So wird aus dem doch eher konventionellen Krimi doch etwas Außergewöhnliches, ein lockeres Hörspiel.
Auch „Die Dame ist leichtfertig“, das dritte Hörspiel der Box, gehört zu dieser Reihe und hat Powell und McMara als Ermittler. Auch hier wird ihre Beziehung gut beleuchtet und sorgt für weiteren Zündstoff. Das gefällt, denn so wirken die Figuren wesentlich lebendiger und vielschichtiger. Auch, dass die beiden ebenfalls in das Verbrechen hineingezogen werden, ist ein großer Vorteil dieses Falls, der einige Actionelemente mit einem typischen Aufbau vereinen kann. Das ganze geht neben einigen etwas zähen Passagen flott und unterhaltsam vor sich.
12 CDs umfasst diese Sammlung, über 800 Minuten Laufzeit, und diese sind wirklich gelungen und bieten charmante und kurzweilige Unterhaltung auf hohem Niveau, für Fans des Nostalgischen genau das richtige.
Bei so vielen unterschiedlichen Fällen ist natürlich auch eine Vielzahl an Sprechern vorhanden, und größtenteils wurde hier eine gute Wahl getroffen. Carl-Heinz Schroth sticht dabei als Dickie Dick Dickens positiv hervor und kann eine sehr gelungene Mischung aus Ernst und dem der Serie anhaftenden Humor zeigen, die einen großen Teil des Flairs der Geschichten widerspiegelt. Auch Norbert Gastell ist hier in verschiedenen Rollen zu hören und kann seine ausdrucksstarke Stimme dabei immer gut in Szene setzen. Albert C. Weiland hat bei diesen beiden „Dame“-Krimis nicht nur Regie geführt, sondern auch gleich die Rolle des Philip Odell übernommen. Er spricht mit Leidenschaft und einer unüberhörbaren Freude, sich in die unterschiedlichen Situationen hineinzuversetzen und kann mit einer glaubwürdigen Aussprache überzeugen. Brigitte Dryander ist ihm als Heather McMara zur Seite gestellt, ihre klare Stimme kann mit mehreren Facetten spielen und so einen umfassenden Eindruck ihres Charakters hinterlassen. Fritz Haneke ist als Vater der entführten Paula Ballard zu hören, auch er kann mit flüssiger Aussprache seine Rolle gut darstellen. Weitere der vielen Sprecher sind Thorsten Drees, Werner Wiedemann und Marlies Schönau.
Mehrere Jahrzehnte haben diese Produktionen mittlerweile auf dem Buckel, und trotz des großen technischen Fortschritts klingen die Hörspiele nicht sonderlich veraltet. Zahlreiche Geräusche lockern die Dialoge auf und sorgen für Atmosphäre. Hier wird viel nostalgischer Charme versprüht, wenn beispielsweise eine Wählscheibe erklingt. Musik wird eher spärlich eingesetzt, kann aber während der Szenenwechsel zusätzlich die Stimmung der jeweiligen Passage einfangen.
Die Box,in der die drei einzelnen Hüllen enthalten sind, ist in knalligem grün gestaltet, das von grauen Silhouetten geziert wird, auch hier kommt der Charme der 50er und 60er Jahre zum Tragen. Zusätzlich eingesetzte Glanzfolie wertet den Eindruck noch auf. Zu jeder Folge wurde ein eigener Klappentext verfasst, und auch ein kleines mit den wichtigsten Informationen Booklet liegt jeder Produktion bei.
Fazit: Drei unterschiedliche Produktionen voller Charme, Spannung und auch Witz. Nostalgiker kommen hier voll auf ihre Kosten.
VÖ: 22.August 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-755-9
Ungeduld des Herzens

Erster Eindruck: Liebe aus Mitleid
Leutnant Anton Hofmiller erhält eine Einladung an der ungarischen Hof und lernt dort die Tochter des Magnaten Kekesfalva kennen, die gelähmt ist und schon bald in inniger Liebe zu dem jungen Mann entbrennt. Eher aus Mitleid denn aus wirklicher Sympathie macht dieser Edith immer wieder Hoffnungen auf eine baldige Genesung und verlobt sich schließlich sogar mit ihr...
Stefan Zweigs einziger Roman „Ungeduld des Herzens“ wurde im Jahr 1961 von verschiedenen Radiostationen als Hörspiel umgesetzt, nun endlich gibt es dieses Werk im Handel erhältlich, untergebracht im Sortiment des Audio Verlags. Geschildert werden nur wenige, dafür umso intensivere Monate aus dem Leben von Anton Hofmiller, die dramatische Liebe zwischen ihm und der gelähmten Edith sind der Kernpunkt dieses Stücks. Unverschleiert zeigt Zweig die Folgen dieses falschen Mitleids, dessen Folgen sich im Laufe der Zeit immer weiter verschlechtern und die Situation Hofmillers immer auswegloser erscheinen lassen. Die zarte, zerbrechliche Edith wird in ihrer ganzen hoffnungsfrohen Natur, aber auch der ihr anhaftenden Naivität gezeigt, sie steigert sich immer weiter in diese Liebschaft herein und sieht erst nicht, welche Motive Hofmillers Handeln begründen – all dies wird sanftmütig, aber schonungslos gezeigt. Man lebt und leidet mit den Charakteren, erkennt deren Hintergründe, ohne völlig auf ihrer Seite zu stehen. Doch auch die anderen Szenen, die sich nicht ausschließlich mit den beiden beschäftigen, sind gut geschildert und vermitteln einen lebendigen Eindruck. Das Ende ist sehr dramatisch, aber schon früh kann man diese Entwicklung erahnen und will die Protagonisten aus diesem Teufelskreis herausreißen. Eine mitfühlende und -reißende Inszenierung voller Emotion, die sich stark mit den Fehlern der Charaktere auseinandersetzt.
Die Auswahl der Sprecher ist hervorragend, jeder passt genau zu seiner Rolle und spricht diese mit Leidenschaft und Elan. Erzähler ist Walter Andreas Schwarz, seine ruhige, feste und doch dynamische Stimme führen durch die Handlung, dennoch bleibt er eher im Hintergrund und überlässt den handelnden Personen die Spielfläche. Als Hofmiller ist Matthias Fuchs zu hören, der den weichherzigen Mann mit all seinen Facetten, seinen Fehlern, seinem unüberlegten Handeln gekonnt darzustellen weiß. Am besten hat mir jedoch Gustl Halenke als Edith gefallen, die die ganze Zerbrechlichkeit ihres Charakters in ihre Stimme legt und den Hörer so wirklich zu berühren weiß. Auch Kurt Ebbinghaus, Dagmar von Thomas und Viktor Stefan Görtz sind zu hören.
Ein ganzes Orchester ist zur musikalischen Untermalung eingesetzt worden, und entsprechend eindringlich ist diese dann auch gelungen. Wunderbar fängt sie die einzelnen Stimmungen ein und setzt sie gekonnt in Szene, ist aber eher sparsam eingesetzt und kann so für effektvolle Akzente sorgen. Auch Geräusche wurden im sinnvollen Maß eingebaut und lassen alles lebendiger wirken.
Sehr gelungen ist die hochwertige Aufmachung für dieses Hörspiel. Das Cover ziert die Fotografie einer Frau im Brautkleid, zu sehen lediglich von der Schulter an abwärts und leicht verschwommen. Eine starke Melancholie geht von diesem Motiv aus. Auch im beiliegenden Booklet wird mit diesem Thema gespielt, enthalten sind ausführliche Informationen zu Stefan Zweig.
Fazit: Die dramatischen Entwicklungen wurden gekonnt und feinfühlig umgesetzt, mit sehr präzisen Sprechern und einigen gekonnten Stilmitteln – insgesamt sehr gelungen!
VÖ: 19. August 2011
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1111-8
Melissa

Erster Eindruck: 60er Jahre Krimi als Hörspiel
Der idealistische Schriftsteller Guy Foster lehnt die Einladung eines befreundeten Rennfahrers zu einem rauschenden Fest ab und lässt seine Frau Melissa allein ziehen. Nach einem merkwürdigen Anruf, in dem Melissa ihn zu einem abgelegenen Treffpunkt bestellt, bricht der Kontakt ab, die junge Frau wird kurze Zeit später ermordet aufgefunden – und Guy hat kein Alibi für den Tatzeitpunkt...
Francis Durbridge ist bis heute einer der bekanntesten Krimiautoren, nicht nur wegen seiner wohl bekanntesten Figur Paul Temple, sondern auch wegen zahlreicher Verfilmungen seiner Werke. Eines davon ist „Melissa“ der nun auch beim Audio Verlag als Hörspielbearbeitung vorliegt und die Originaldialoge des dreiteiligen Fernsehfilms verwendet. Viele Geheimnisse ranken sich um den plötzlichen Tod von Melissa Foster, und daraus resultiert die Spannung des Stücks. Immer fragt man sich, wie die Hintergründe der Tat sind, welch dunkle Vergangenheit die lebenslustige Frau gehabt haben muss. Erzählt wird aus der Perspektive ihres Gatten Guy, der selbst unter Tatverdacht gerät und deshalb Nachforschungen zu dem Tathergang anstellt. Stück für Stück tauchen neue Informationen auf, teils rätselhafter Natur und vorerst nur schwer mit dem Rest sinnvoll kombinierbar, insgesamt kommt man dem großen Rätsel aber immer ein wenig näher. Und gerade das hält die Spannung aufrecht und steigert sich bis zum Finale, in der alle Ungereimtheiten aufgedeckt werden und das den Hörer überrascht zurücklässt – natürlich nicht ohne etwas Gerechtigkeit zu schaffen. Die Atmosphäre der 60er Jahre, in dem die Mini-Serie entstanden ist, wird hier sehr gekonnt eingefangen, dieser Charme trägt viel zum Unterhaltungswert bei. Eine gut und spannend erzählte Geschichte mit nostalgischem Flair, gut für das Medium Hörspiel adaptiert.
Die Dialoge sind zwar der filmischen Umsetzung entnommen, haben aber genügend Ausdruckskraft, um auch als Hörspiel zu überzeugen. Günther Stoll ist als Guy Foster zu hören, ihm fällt somit ein großer Teil der Dialoge zu. Er meistert dies souverän und kann viele kleine Gefühlsregungen des Schriftstellers mit seiner Stimme erfassen. Seine Frau Melissa wird von der großartigen Ruth Maria Kubitschek dargestellt, die trotz ihres recht kurzen Auftritts am Anfang einen bleibenden Eindruck hinterlassen kann. Als ermittelnder Inspektor Cameron ist Siegfried Wischnewski zu hören, auch er passt gut zu seiner Rolle und kann diese glaubhaft auskleiden. Weitere Sprecher sind unter anderem Hanne Wieder, Hubert Suschka und Erik Schumann.
Während der Dialoge wird nur wenig Musik verwendet, nur teilweise untermalen tuschartige Trompeten die Dramatik der neuen Informationen. Auch Geräusche finden sich nur marginal, die akustische Begleitung der Handlung konzentriert sich also auf die Szenenübergänge, die mit schnittigen und knappen Blasinstrumenten ausgestattet sind – all dies trägt ebenfalls zum Flair dieses Hörspiels bei.
Schon andere Fernsehspiele von Durbridge wurden beim Audio Verlag in einer ähnlichen Aufmachung herausgebracht, auch hier wurde wieder ansprechend, wenn auch sparsam gestaltet. Zwei Silhouetten sind auf dem Cover zu sehen, dessen weiß ansonsten nur von einem beigefarbenen Balken unterbrochen wird. Die wichtigsten Informationen finden sich auf der Innenseite der Papphülle wieder, während hinter den CDs ein Szenenbild zu sehen ist.
Fazit: Die Übertragung ins Medium Hörspiel ist geglückt, Spannung und Flair der Filmvorlage gut eingefangen, sodass ein kurzweiliger Krimi entstanden ist.
VÖ: 19. August 2011
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1107-1
Mr. Shady – 1. auf der Suche nach den neuen Wundern dieser Welt

Erster Eindruck: Mit Ignaz auf Weltreise
Mr. Shady hat ein aufregendes und erfülltes Leben geführt, seine Arbeit als Wissenschaftler ist auch heute noch bedeutend. Nur leider ist der Gute nicht mehr der Jüngste, neue Abenteuer sind einfach nicht mehr drin. Deswegen spielt er mit seinem Butler Ignaz seine spannendsten Geschichte noch einmal nach – und wir dürfen lauschen!
Trotz aller Unkenrufe, der Hörspielmarkt liege am Boden und keiner würde mehr einen Fuß auf den Boden bekommen, öffnen immer wieder neue Labels ihre Pforten und überraschen den geneigten Hörer mit neuen Ideen oder gut produzierten Hörspielen. hörvorragend! heißt eines dieser engagierten Labels, die mit Mr. Shady ein Kinderhörspiel produziert haben – ebenfalls eine mutige Entscheidung, hört der typische Hörspielhörer doch wohl eher Grusel- oder Krimiserien. Mr. Shady hat jedoch das Potenzial, auch das Publikum anzusprechen, das nicht vorrangig zur Zielgruppe gehört, die detailverliebte Geschichte besitzt ein hohes kreatives Output und kann dadurch gute Unterhaltung weit abseits der momentanen Norm bieten. Die erste Folge mit dem recht langen Titel „Mr. Shady auf der Suche nach den neuen Wundern dieser Welt“ hat eine episodenhafte Struktur, die es erlaubt, viele abwechslungsreiche Geschichten zu erzählen. Von Seefahreratmosphäre über Rätselgeschichten bis hin zu der eisigen Stimmung Grönlands, vieles macht Mr. Shady möglich, aber alles passt auch sehr gut zu dem Setting der Folge. Etwas merkwürdig mutet allerdings die einseitige Rollenverteilung an, in der Ignaz viele Nebenrollen übernimmt – dies mag der Größe des Labels geschuldet sein, ist aber nicht ganz ideal gelöst und wirkt stellenweise etwas steif. In Sachen Geschichte und Ideenreichtum liegt Mr. Shady aber weit vorne, sodass sich die Anschaffung durchaus lohnt – gerade bei einem Preis um die 10 €uro für 2 CDs mit einer Spielzeit von über 100 Minuten bei guter Qualität!
Durch die Erzählstruktur kommen hier nur sehr wenige Sprecher zum Einsatz, die dafür qualitativ extrem gut sind. Gerlach Fiedler spricht den Mr. Shady so voller Freude, Witz, Charme und Lebensweisheit, dass es wirklich Spaß macht, ihm zuzuhören. Konrad Halver schlüpft als Ignaz auch in die vielen kleinen Nebenrollen, hier zeigt sich seine wahre Variabilität, seine Talent für unterschiedlichste Rollen, eine wirklich starke Leistung. Erzählerin ist Katrin Hoffmann, die in ihren wenigen Passagen einen guten Job leistet, sowie Ulf Karsten Schmidt.
Musik wird in dem Hörspiel keine verwendet, die einzelnen Geschichten sind dafür mit etwas längeren Pausen von einigen Sekunden voneinander abgetrennt. Zwar ist es üblich, in Kinderhörspielen nur wenige Melodien einzusetzen, in deren völliges Fehlen muss man sich aber erst einige Zeit hineinhören – zumal auch keine Geräusche verwendet werden, die das Ganze ein wenig auflockern.
Löblich, gerade für ein solch kleines Label, ist die Gestaltung des Booklets. Das Titelbild zeigt neben einer witzigen Zeichnung von Mr. Shady und Ignaz auf einer angedeuteten Weltkarte einige kleinere Motive, die alle mit der Handlung zu tun haben. Diese tauchen auch in dem kleinen Booklet wieder auf und sind sogar als Extra-Malbuch erneut abgedruckt. Hinter den CDs ist zudem eine ausführliche Trackliste zu finden, alles macht einen stimmigen Eindruck.
Fazit: Das etwas andere Kinderhörspiel, das zwar etwas sparsam produziert wurde, aber voller herrlicher Ideen und spannender Geschichten steckt. Eine klare Empfehlung dafür!
VÖ: 3.Juni 2011
Label: hörvorragend!
Bestellnummer: 978-3-8621-2030-7
Die geheime Asservatenkammer - 1. Permuto, Laptop des Todes

Erster Eindruck: Einbruch in der Computerfirma
Stevie ist ein unbedeutender Kleinkrimineller, registriert bei Polizei und Unterweltbossen, aber keine große Nummer. Doch nun hat er Spielschulden bei Joey Fontana, der sein Geld schnell zurückverlangt. Spinne, Stevies Freund und Partner, bricht mit ihm deshalb in eine Computerfirma ein. Doch dort ist einiges anders als erwartet...
Der Hörspielversandhandel Pop.de übernimmt in letzter Zeit zunehmend auch Aufgaben des Vertriebes für kleinere Labels, sodass immer mehr Neuerscheinungen exklusiv auf der Homepage erhältlich sind. Dazu gehört auch die neue Serie "Die geheime Asservatenkammer", geschrieben und produziert von Jan Tappé. Grundsätzlich ist der Erzähler ein Major, der merkwürdige Vorfälle neu katalogisieren soll und sie dafür erneut durchgeht. So weit, so gut - doch die Umsetzung ist nicht gerade optimal. Die Geschichte ist recht langwierig, gerade die erste halbe Stunde ist ziemlich zäh, ein wenig mehr Tempo, ein wenig mehr von den sich später überschlagenden Ereignissen hätten diesem Abschnitt gut getan. Dazu kommt noch eine unglaubwürdige Story um eine Teufelsanbetersekte in einer Computerfirma, die mich nicht überzeugen konnte. Auch hier wäre etwas Arbeit an Storyverlauf und Dialogen wünschenswert gewesen. Der Titel "Laptop des Todes" verspricht schon Hörspiel-Trash - was auch mit jeder Minute gehalten wird. Ein sicherlich engagiertes Projekt eines begeisterten Hörspielfans, nur leider am Ziel vorbeigeschrammt.
Auch in Sachen Sprecher ist nur wenig Gutes zu berichten. Sicherlich sind sie alle engagiert und erfreuen sich am Medium Hörspiel, leider hat das kaum positiven Einfluss auf das Ergebnis. Ohne jemanden besonders hervorheben zu wollen, wirken die Sprecher oft hölzern, teilweise ausdruckslos und schaffen es nicht, ein wirkliches Bild von ihren Charakteren entstehen zu lassen.
Der Hinweis im Inneren gibt Aufschluss über die verwendeten Geräusche - sie wurden kostenlos aus dem Internet geladen. Sie sind weder positiv noch negativ aufgefallen. Allerdings ist die Abmischung ziemlich unglücklich - die Sprecher sind mal extrem leise, dann auf normaler Lautstärke, sodass man immer am Lautstärkeregler sitzen muss. Leider ist auch manchmal der Erzähler leiser als ein Dialog, der lediglich als Untermalung gedacht ist, was das verfolgen der Story erschwert.
Mir ist durchaus bewusst, dass bei solch kleinen Produktionen keine großen Mittel auf die Aufmachung aufgewendet werden können. Deswegen geht das Titelbild schon okay, nur die altertümliche Tür in einer modernen Computerfirma ist merkwürdig. Warum dann allerdings dreimal fast der selbe Inhaltstext abgedruckt wird, bleibt eine offene Frage.
Fazit: An einigen Komponenten muss noch gefeilt werden, um aus einem Fanprojekt ein gutes Hörspiel zu machen. Hier ist noch viel Luft nach oben.
VÖ: März 2010
Label: Pop.de / JTM Records
Bestellnummer: -
Agatha Christie – Vier Hörspiele

Erster Eindruck: Die Meisterin der überraschenden Wendungen
Mrs. Ferrars Tod ruft den Detektiv Hercule Poirot auf den Plan, denn der angebliche Selbstmord sorgt für etliche Rätsel – denn die alte Dame soll ihren Mann ermordet haben... („Der Mord an Roger Ackroyd oder: Alibi“)
Auch in der kleinen Pension vom Ehepaar Ralston ist der Mord an Maureen Lyon in aller Munde. Wegen eines schweren Unwetters ist das Gebäude bald von der Außenwelt abgeschnitten, als Seargent Trotter eintrifft und mitteilt, dass die Spuren des Mörders genau zu dieser Pension führen... (Die Fuchsjagd oder: Die Mausefalle)
Colonel Protheroe ist in seinem kleinen Heimatdorf St. Mary Mead mehr als unbeliebt. Als ermordet in seinem Arbeitszimmer aufgefunden wird, ist gleich eine ganze Schar von Verdächtigen zu überprüfen... (Mord im Pfarrhaus)
Als der Mann seiner Angebeteten tot in seiner eigenen Truhe aufgefunden wird, scheint klar zu sein, dass Major Rich auch der Mörder sein muss. Nur Privatdetektiv Hercule Poirot ist von seiner Schuld nicht überzeugt und beginnt zu ermitteln... (Die spanische Truhe)
Agatha Christie ist eine der wohl bekanntesten Krimi-Autorinnen und hat mit ihren vielen Geschichten begeistert. Vier davon sind in Hörspielumsetzungen nun beim Hörverlag in einer Box erhältlich und zeigen einen schönen Querschnitt durch ihr Schaffen. Den Anfang macht ein Hercule Poirot Krimi, nach Miss Marple ihre bekannteste Figur. In „Der Mord an Roger Ackroyd“ wird von einer verwirrenden und unübersichtlichen Ausgangssituation langsam an die Auflösung herangeführt, indem immer neue Fakten auf den Tisch gelegt werden – darunter natürlich auch etliche falsche Fährten, die das Geschehen interessant und kurzweilig halten. Der absolute Höhepunkt der Folge ist jedoch die Auflösung, die vollkommen überraschend ist und die man so kaum erwartet hätte. Auch in „Die Fuchsjagd“ zeigt Christie, dass sie die Meisterin der unerwarteten Wendung ist. Das als Theaterstück konzipierte Werk setzt einen Personenkreis in ein abgeriegeltes Haus, in dem sich auch der Mörder aufhält. Der Weg zur Enttarnung seiner Identität ist Kernstück der Handlung und sehr hörenswert. „Mord im Pfarrhaus“ stellt dann schließlich die Kult-Figur schlechthin, Miss Marple, vor obwohl diese hier eher eine Nebenrolle einnimmt. Auch hier liegt ein klassischer Kriminalroman vor, in dem ermittelt wird und um die Ecke gedacht werden muss, der Hörer immer wieder kleine Überraschungen erlebt und somit eine spannende Zeit verlebt – hier sogar auf 2 CDs und damit in längerer Spielzeit, wobei auf der zweiten CD noch eine kürzere Geschichte von Hercule Poirot, „Die spanische Truhe“ Platz gefunden hat. Mit dem Produktionsjahr 1994 ist sie in dieser Sammlung mit Abstand die jüngste Umsetzung, was man ihr auch anhört. Hier hat der ORF eine recht knappe Abhandlung schnittig und auf das Wesentliche beschränkt umgesetzt, das Ergebnis überzeugt. Alle vier Fälle, so unterschiedlich sie auch sein mögen, überzeugen mit ihren abwechslungsreichen Geschichten und bereichern das Hörspielregal eines jeden Krimi-Freundes.
Bei den unterschiedlichen Produktionsjahren und verschiedenen Sendeanstalten, die für die Umsetzung verantwortlich sind, sind natürlich eine Vielzahl unterschiedlicher Sprecher zu hören. Joseph Offenbach spricht dabei in dem ersten Fall vom NDR den Hercule Poirot und schafft es, neben allem Witz und Charme auch die ernste Seite der Rolle nicht zu vernachlässigen. Ilse Petri übernimmt in „Die Fuchsjagd“ die Hauptrolle der Mollie Ralston, ihre intensive und abwechslungsreiche Interpretation der Rolle ist beachtlich. Als Pfarrer ist in „Mord im Pfarrhaus“ Hans Quest zu hören, dessen einprägsamer Klang sehr gut in die Szenerie passt und die er sehr gut ausgestaltet. Gustl Weishappel ist ebenfalls als Hercule Poirot in „Die spanische Truhe“ zu hören und vollbringt eine ebenfalls sehr runde Leistung. Weitere Sprecher sind unter anderem Hans Paetsch, Robert Graf, Elmar Wepper und Alexandra Tichy.
Natürlich sind auch die akustischen Umsetzungen der vier Stücke unterschiedlich geraten, weisen jedoch auch einige Gemeinsamkeiten auf. So reduzieren sich die Einsätze von Stilmittel auf das Wesentliche, auf übertrieben viele Geräusche oder hochtrabende Musikstücke wurde zu Gunsten der geschliffenen Dialoge verzichtet.
Wie bei Boxen dieser Art üblich ist die Aufmachung eher sparsam, hier aber durchaus ansehnlich und wirkungsvoll. Ein roter, mit Ornamenten verzierter Rahmen umgibt ein Scherenschnitt-Motiv, auf dem zwei Raben zu sehen sind. Dieses Motiv wiederholt sich auch auf den innen liegenden CDs, wobei überall die einzelnen Sprecher und Produktionsdaten genannt werden. Auch eine Zusammenfassung des Inhaltes wird überall angegeben.
Fazit: Eine wunderbare Box mit spannenden und vielseitigen Fällen für Krimi-Fans. Ein schöner Querschnitt durch das Schaffen der Autorin.
VÖ: 15. April 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-722-1
Adams Pech, die Welt zu retten

Erster Eindruck: Das hat man nun davon...
Aatami Rytmättylä hat eine revolutionäre Erfindung gemacht: Ein hochleistungsfähiger Akkumulator, der sämtliche Energieprobleme in kurzer Zeit lösen könnte. Dabei stößt er auf heftigen Widerstand der Energiekonzerne und Ölscheichs, und schließlich landet er sogar im Gefängnis – wo er seine Strafverteidigerin Eeva Kontupohja trifft, in der er schnell eine Verbündete findet...
Finnischer Humor ist nun nicht unbedingt weltbekannt, trotzdem hat der WDR dem äußerst erfolgreichen finnischen Roman „Adams Pech, die Welt zu retten“ eine gleichnamige Hörspielumsetzung verpasst, die nun auch bei Lübbe Audio als CD-Version erhältlich ist. Das verläuft alles in recht untypischen Bahnen, wirkt neu und unverbraucht und kann vielleicht gerade deshalb so gut unterhalten. Es beginnt mit der Entdeckung des Akkumulators und stellt sogleich die spannende Frage, wie die Welt tatsächlich mit einer solchen Entdeckung umgehen würde – die an ihren eigenen Vorteil denkende Eeva und die um ihren Reichtum besorgten Ölscheichs sind nur zwei Beispiele. Herzstück sind jedoch die vielen komischen Situationen, in die Adam gerät. Sie sind nicht gerade das, was man als hintergründig betiteln würde, aber ungemein unterhaltsam und kurzweilig erzählt. Da stört es kaum, wenn die Geschichte an sich ein wenig seicht daher kommt und das oben erwähnte im Prinzip die ganze Handlung zusammenfasst – mit Ausnahme eines wahrhaft erstaunlichen, unerwarteten und etwas übertriebenen Ende. Allerdings ist fraglich, ob eine Institution wie der WDR wirklich auf Mehrfachbesetzungen der Sprecher angewiesen ist, was teilweise leider schon auffällt – gerade weil der Rest wirklich einwandfrei produziert wurde. Wer lockere und erheiternde Unterhaltung sucht, wird hier mit viel Kurzweil und Situationskomik belohnt, nicht mehr und nicht weniger will „Adams Pech, die Welt zu retten“ bieten.
Matthias Matschke, bisher nicht wirklich in kommerziellen Hörspielproduktionen aufgefallen, hat hier gleich die Hauprolle des Aatami Rytmättylä ergattert und kann diese mit Humor und einer lockeren, glaubhaften Sprechweise gut ausfüllen. Ihm zur Seite gestellt ist Johanna Gastdorf als Eeva Kontupohja. Auch sie geht in ihrer Rolle auf und verleiht ihr ein interessantes Erscheinungsbild. Erzähler der Geschichte ist Michael Wittborn, seine markante und sehr angenehme Stimme lässt seine Passagen ebenso kurzweilig wirken wie die Dialoge. Weitere Einsätze gibt es für Wolfgang Rüter, Andreas Laurenz und Bernd Kuschmann.
Die Musik bildet eine charmante Grundlage für die Erzählung, sie ist unaufdringlich und schafft trotzdem schöne Stimmungen. So kommen die skurrile Wirkung der Handlung und die vielen erheiternden Situationen besonders gut zur Geltung, dem Hörspiel wird so etwas sehr eigenes verliehen. Geräusche wurden hier nicht um Übermaß, sondern in einer guten Mischung verwendet.
Natürlich ist das Buchcover zwecks Wiedererkennungswert auch für das Cover der Hörspielumsetzung verwendet worden, hier wird mit typisch finnischer Stimmung gearbeitet: Ein von Wald umgebener See, darin ein rotes Blockhaus in einem Schwimmreifen. Im Inneren ist neben Werbung, der Wiederholung des Klappentextes, den äußerst kleingedruckten Produktionsdaten noch ein knapper Infotext über Autor Arto Paasilinna zu finden.
Fazit: Stellenweise sehr witzig und mit vielen komischen Situationen bietet dieses Hörspiel kurzweilige Unterhaltung ohne großen Anspruch, aber keinesfalls niveaulos.
VÖ: 20.Mai 2011
Label: Lübbe
Bestellnummer: 978-3-7857-4480-2
Osman – Der Dschinn in der Klemme

Erster Eindruck: Die Wunderlampe aus heutiger Sicht
In einem Laden findet Anton eine gewöhnliche Flasche, die sich jedoch als Behausung für einen wahrhaftigen Dschinn herausstellt, der von nun an Anton zu Diensten ist. Doch Osman kommt mit der neuen Zeit einfach nicht ganz zurecht, und zu allem Überfluss landen Osman, Anton und seine Schwester Fanni auch noch in der Zeit der türkischen Belagerung Wiens...
In der modernen Kinderliteratur wird gerne auf alte Geschichten zurückgegriffen, die in die neue Zeit importiert werden. So hat sich Ute Krause auf das Märchen von dem Dschinn in der Wunderlampe besonnen und schickt ihren Helden Anton, einen gewöhnlichen Jungen, zusammen mit dem Dschinn Osman in wilde Abenteuer, welches nun unter der Bearbeitung von Ulla Illerhaus zum Hörspiel wurde. Doch anstatt die sicherlich erheiternde, aber nicht sonderlich gehaltvolle Geschichte zu erzählen, wie ein Dschinn immer wieder für Ärger sorgt und alles merkwürdig verwandelt, ist ein ernsthaftes und geschichtlich durchaus lehrreiches Abenteuer entstanden. Nur zu Anfang ist ein wenig Chaos in der heutigen Zeit eingeflossen. Danach geht es im Wien vor einigen Jahrhunderten um Leben und Tod, politische Verstrickungen und andere ernsthafte Sorgen. Das verleiht dem Medium Kinderhörspiel eine völlig andere und interessante Note und ist so durchaus auch für Erwachsene interessant. Der Hauptteil der Geschichte spielt während der türkischen Belagerung und zeigt vielseitige Facetten des damaligen Lebens und der politischen Situation, beispielsweise landet Fanni im Harem, während Anton hautnah etwas von den politischen Querelen zu spüren bekommt, während der Dschinn von weiteren Ereignissen berichtet – das ist nicht nur unterhaltsam, sondern führt behutsam an das historische Thema heran. „Osam – Der Dschinn in der Klemme“ besticht durch seine Ernsthaftigkeit, die nur ab und an vom Witz bereichert wird, von seiner wirklich spannenden Geschichte und durch die Vermittlung von etwas Historie – ein wirklich gelungenes Hörspiel.
Die Sprecher sorgen für eine glaubhafte Darbietung der Geschichte, besonders die vielen kleineren Rollen von türkischen Belagerern sorgen mit harter Aussprache für die passende Atmosphäre. Das größte Augenmerk liegt aber natürlich auf den Hauptsprechern wie Jakob Göss als Anton. Er reagiert in den unterschiedlichen Situationen sehr flexibel und kann so einen glaubhaften Eindruck verleihen, könnte aber manchmal noch etwas flüssiger wirken. Albert Kitzl ist als Osman zu hören, er hat nichts von einem allzu übertrieben heiteren Dschinn an sich und verleiht der klassischen Figur eine sehr ernsthafte Note. Als Erzählerin ist Regina Lemnitz im Einsatz, ihre raue und sehr warme Stimme begleitet auf angenehme Weise durch die Handlung. Weitere Sprecher sind unter anderem Gereon Nußbaum, Johanna Bergmann und Caroline Schreiber.
Sehr gelungen ist der Einsatz der Musik, die viele Einflüsse aus dem orientalischen Raum in sich vereint. Das ist natürlich besonders im Lager der türkischen Belagerung mehr als angemessen und verlieht zusätzliche Stimmung, wirkt während der anfänglichen Szenen, die schließlich in der heutigen Zeit spielen, ein wenig fehl am Platze. Auch Geräusche wurden mit Bedacht und in genau dem richtigen Maß eingesetzt.
Natürlich ist ein Ausschnitt des Buchcovers auf der Hülle der Doppel-CD zu sehen, die in einem recht außergewöhnlichen Look daherkommt. Zwar ist der Zeichenstil recht ernsthaft und setzt mit gedeckten Farben nicht gerade auf Witz, ist der Anblick von Osmans nicht gerade kleiner Rückseite recht erheiternd. Die restliche Aufmachung ist insgesamt eher schlicht und hat eine ausführliche Tracklist im Inneren zu bieten.
Fazit: Über 140 Minuten voller Abenteuer, die mal nicht chaotisch-lustig, sondern wirklich ernsthaft und spannend sind. Sehr gelungen auch wegen der guten Umsetzung.
VÖ: Februar 2011
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0535-7

Erster Eindruck: Rückkehr nach 20 Jahren
Vor zwanzig Jahren hat eine Tragödie eine junge Familie zerrüttet, als der Sohn unerwartet verschwand. Nie konnte er gefunden werden. Doch dann erfährt Julia, die Mutter, von neuen Hinweisen und kehrt nach Öland zurück. Doch die Suche deckt Details auf, die die ganze Familie erneut erschüttern...
Schweden und Kriminalromane - diese beiden Begriffe gehören einfach zusammen. Auch die Hörspielwelt setzt immer wieder Romane von schwedischen Autoren um, beispielsweise "Öland" aus dem Jahr 2009, welches nun beim Hörverlag erschienen ist. Die typische gedrückte Stimmung der skandinavischen Werke ist auch hier zu finden, alles wirkt etwas gedämpft und depressiv, die so übermittelte Stimmung ist eines der positivsten Seiten von "Öland". Auch die Geschichte ist recht interessant, das Wiederauftauchen des lange vermissten Jungen wird mit intensiven Gefühlsdarstellungen und interessanten Charakteren weitergesponnen. Unterstützt wird dieser positive Ansatz durch eine sehr langsame Erzählweise, der vielleicht nicht jedermans Sache ist. Die Dialoge sind recht lang und fordern so einiges an Konzentration, bieten dafür aber auch eine intensive Auseinandersetzung mit der Thematik und den Charakteren, allen voran Julia, die Mutter des verschwundenen Jungen. Auch der Spannungsaufbau findet über die Dialoge statt, während sich die akkustische Gestaltung zurück hält und die wunderbar melancholische Stimmung verbreitet. Das Ende ist schön aufgelöst, fügt alle bis dato losen Fäden zusammen und kann so vollkommen überzeugen - wenn man sich vorher auf die Geschichte einlassen konnte. Ein Krimi, dessen melancholische Grundstimmung und langsame Erzählweise man mögen muss, dann wird man aber mit einer spannenden Handlung belohnt.
Astrid Meyerfeldt steht in der Rolle der Julia im Mittelpunkt des Geschehens und kann mit ihrer getragenen Stimme vollends die Stimmung des Romanes einfangen, dabei bleibt sie stets fest in ihrer Rolle verankert. Martin Malm wird von Götz Naleppa ebenso intensiv und gekonnt dargestellt. Den schwierigsten Part hat wohl Andreas Schmidt als Nils Kant, den er ungewöhnlich, aber ebenso aufregend anders löst. Weitere Sprecher sind unter anderem Udo Schenk, Traugott Buhre und Christine Oesterlein.
Die Musik trägt einen großen Teil zum gelungenen und melancholischen Ambiente des Hörspiels bei. Dabei ist sie immer im Hintergrund und tritt an keiner Stelle hervor, lässt den Fokus auf den Sprechern. Ein wenig mehr Mut hätte ich mir gewünscht, um ein lebendigeres Hörspiel zu erhalten, allerdings kann man sich auf diese Weise wunderbar in die Atmosphäre versinken lassen.
An das Buchcover angelehnt, aber in der Anordnung der einzelnen Elemente variiert ist das Titelbild der CD. Die depressive Stimmung des Hörspiels ist gut eingefangen, allerdings droht es so bei der Flut der Neuveröffentlichungen etwas unterzugehen. Das kleine Booklet enthält interessante Kurzbiographien zu Autor und einigen Sprechern.
Fazit: Die sehr melancholische Stimmung ist hervorragend, die Geschichte ist ebenfalls gelungen. Freunde von (schwedischer) Krimis werden es mögen und sollten hier ein Ohr riskieren
VÖ: 18. Juni 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-648-4
Mutig, mutig

Erster Eindruck: Der traut sich was...
An einem schönen Tag treffen sich die Maus, der Frosch, die Schnecke und der Spatz. Doch schnell ist ihnen langweilig, bis die Maus eine Idee hat: Eine Mutprobe. Jeder von ihnen soll etwas machen, vor dem er eigentlich richtig Angst hat. Und so beginnt die Maus, bis zur anderen Seite des Weihers zu tauchen...
Es ist mittlerweile fast eine ganze Serie, die uns der DAV mit der Veröffentlichung von Kinderradiohörspielen beschert. In der Auflage mit dem weißen Rücken sind wunderschöne Klassiker und tolle Neuheiten erschienen, die einen beträchtlichen Teil eines Hörspielregals füllen können. Nun ist mit "Mutig, Mutig" die Umsetzung eines Bilderbuches erhältlich, und auch dieses kann bedenkenlos empfohlen werden. Die kleine, süße Geschichte wurde mit viel Musik aufgepeppt, die von den Protagonisten passend zur jeweiligen Situation gesungen wird. Die Handlung ist liebevoll und kindgerecht, es ist einfach wunderschön mit anzuhören, wie sich die kleine Maus Mut zuspricht oder der Frosch Ekel vor einem Seerosenblatt verspürt. Das Ende der Geschichte offenbart eine ebenso überraschende wie sinnvolle Moral ganz ohne erhobenen Zeigefinger und rundet das tolle, atmosphärische und sehr charmante Hörspiel ab. Im Anschluss daran folgt eine weitere kleine Geschichte, dieses mal als inszenierte Lesung: "Vom Hünchen, das goldene Eier legen wollte" erinnert ein wenig an ein modernes Märchen und versprüht ebensolchen Esprit wie die Hauptgeschichte. Eine wirklich schöne und gelungene CD mit gleich zwei hörenswerten Geschichten, auch schon für sehr kleine Zuhörer geeignet.
Die Sprecher der Geschichte leisten Großartiges und können ihre Charaktere sehr gut gestalten. Richard Oehrmann spricht den Frosch und hat tatsächlich immer ein kleinen Quaken in der Stimme, ohne dies übertrieben wirken zu lassen. Lisa Wagner spricht als Schnecke ganz langsam und bedächtig. Carolin Ebner ist als Maus recht aufgedreht und flippig, während Spatz Paul Herwig gerade das Ende der Geschichte mit einer betonten Stimme toll gestaltet. Als Erzählerin fungiert die junge Mira Dietl, die dies erstaunlich professionell macht.
Wie bereits erwähnt wird die Geschichte immer wieder von kleineren Gesangseinlagen der Sprecher unterbrochen, die sehr gut zu der Geschichte passen und diese stark auflockern. Sie sorgen für Atmosphäre und lassen die einzelnen Charaktere noch weiter hervortreten. Doch auch die restliche akustische Gestaltung ist hervorragend.
Wie sollte es anders sein - bei einem Bilderbuch wird natürlich das Buchcover auch als Titelbild für die Hörspielversion verwendet. Zu sehen sind die vier Hauptdarsteller, und hier bekommt man einen ersten Eindruck von der liebevollen Geschichte, die fernab vom schrill-bunten Entwurf des Unterhaltungsprogrammes für Kinder ist.
Fazit: Gleich zwei tolle und lehrreiche Geschichten, die sicherlich nicht nur Kinder begeistern werden.
VÖ: 27.August 2010
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1003-6
Moby Dick (Audio Verlag Version)

Erster Eindruck: Jagd auf den weißen Wal
Ismael, ein Abenteuerlustiger junger Mann, will auf einem Walfänger anheuern. Durch Zufall macht er Bekanntschaft mit dem starken Quiquec, und gemeinsam gehen sie an Bord von Kapitän Ahabs Schiff. Der geheimnisvolle Mann zieht sich komplett vor seiner Mannschaft zurück, und erst mit der Zeit begreift Ismael, was Ahab antreibt...
Moby Dick - eine Geschichte, die seit ihrem Erscheinen die Menschen fasziniert. Zahlreiche Umsetzungen in Bild und Wort gibt es, eine davon entstand 1985 unter der Leitung des rbb und ist nun beim DAV erhältlich. Die Handlung ist hier auf 130 Minuten Laufzeit gebracht worden und somit recht temporeich, nach wie vor können Spannungsbogen und Charaktere überzeugen. Ismael, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, berichtet in bildreicher Sprache von den Ereignissen und kann damit schon eine wunderbare Atmosphäre schaffen, die durch eine stimmige Geräuschauswahl noch unterstützt wird. Im Mittelpunkt steht natürlich der geheimnisvolle Kapitän Ahab mit seinem sich steigernden Wahn, den weißen Wal Moby Dick aus Rache zu töten - ein bekanntes Motiv aus dem Roman, der trotzdem nichts von seiner Faszination verloren hat. Wunderbar und auf den Punkt gebracht ist dies hier, und auch das Leben an Bord gewinnt aufgrund der hervorragenden Umsetzung eine neue Dimension. Im Gegensatz zu anderen Titeln der Reihe mit dem weißen Rücken ist Moby Dick eher für ältere Kinder und Erwachsene gedacht, kann diese Gruppe dann aber auch mit einer wundervollen Umsetzung für diese Weltliteratur begeistern.
Auch die Sprecherauswahl ist mehr als gelungen, viele der Stimmen sind auch noch in aktuellen Produktionen zu hören - ein eindeutiges Merkmal für Qualität. Als Ismael ist Wolfgang Condrus zu hören, der die Doppelrolle als agierender Charakter und Ich-Erzähler sehr treffsicher meistert und einen sehr einprägsamen Eindruck hinterlässt. Sein Freund Quiquec wird von dem fantastischen Helmut Krauss gesprochen, der seine intensive Stimmfarbe auch hier perfekt einsetzt und einen einzigartigen Klang erzeugt. Herbert Strass ist als Ahab zu hören und stellt diesen sperrigen Charakter mit Bravour da, indem er treffsicher die Veränderung darstellt. Weitere Sprecher sind Wilhelm Borchert, Eric Vaessen und ein sehr jung klingender Oliver Rohrbeck.
Die akustische Gestaltung des Geschichte ist trefflich gelungen und vermittelt eine intensive Atmosphäre. Möwengeschrei, das Plätschern von Wasser oder das Knarzen von Holz vermitteln das Gefühl mitten im Geschehen zu stehen. Dabei wird vornehmlich wert auf die Geräusche gelegt, die wenige eingesetzte Musik ist aber sehr passend ausgewählt.
Wie bei den anderen Folgen der Reihe ist auch hier der Rücken der CD weiß, aber klar gegliedert und mit einem kleinen Bild versehen. Dieses findet sich auch auf der Vorderseite und zeigt Moby Dick, der hier sehr freundlich lächelnd wirkt. Auch Ahab ist zu sehen und setzt mit seiner dunklen Erscheinung einen klaren Kontrast zum hellblauen Hintergrund.
Fazit: Eine fantastische Umsetzung des berühmten Klassikers, wobei Geschichte und Atmosphäre eine enge Symbiose eingehen.
VÖ: 25. September 2010
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1013-5
Moby Dick (Hörverlag Version)

Erster Eindruck: Weltliteratur feinsinnig umgesetzt
Ismael, ein junger Mann aus gutem Hause, zieht es immer wieder aufs Meer hinaus. Und so heuert er eines Tages auf dem Schiff des Kapitän Ahab an. Dieser ist besessen vom Gedanken, den weißen Wal Moby Dick zu töten, der ihm einst das Bein abgerissen hat. Eine wilde Jagd beginnt...
Moby Dick - ein Name, den fast jeder kennt. Die Geschichte über die Jagd auf den Wal fasziniert auch heute noch die Menschen, obwohl er stolze 150 Jahre alt ist. Im Jahre 2002 wurde der Roman für den bayrischen Rundfunk neu bearbeitet und als Hörspiel vertont - herausgekommen ist ein fast neunstündiges (!) Werk, da kaum etwas herausgekürzt wurde. Der Hörverlag hat sich an die CD-Version des Hörspiels gemacht und es einige Jahre später in den Handel gebracht. Die Geschichte, die man kennt, ist die Jagd des Kapitän Ahab auf den Wal, in Wahrheit ist der Roman wie das Hörspiel aber um einiges umfangreicher und komplexer. Erzählt wird aus der Sicht des Matrosen Ismael, aber auch Mieville ist in einigen Exkursen zu hören und erläutert weitere Details. Die Geschichte startet mit einem genialen Intro mit stimmungsvoller Musik und einleitenden Worten, die Sehnsucht Ismaels wird so vortrefflich hörbar gemacht. Auch in der restlichen Umsetzung erfreut besonders die ganz eigene und besondere Stimmung, die es möglich macht, sich vollends in die Geschichte hineinversetzen zu können. Dabei ist der Verlauf manchmal etwas langwierig - was sicherlich an der Buchvorlage liegt. Neben vielen wirklich interessanten und spannenden Szenen werden immer wieder die bereits erwähnten Exkurse behandelt, die den Erzählfluss zum Stocken bringen.Aber besonders ab ca. der Hälfte nimmt die Geschichte noch an Tempo zu, die spannende Jagd auf den Wal und die tiefschichtigen und einprägsamen Charaktere können ihr ganzes Potenzial ausspielen und den Hörer fesseln. Ein Hörspiel, das Zeit braucht, sich zu entfalten, mit der grandiosen Stimmung aber von der ersten Minute an begeistern kann.
Ein ganzes Heer an Top-Sprechern wurde verpflichtet, und allesamt machen sie ihre Sache ganz fantastisch - wunderbar besonders, dass man viele Stimmen hört, die nicht aus den üblichen kommerziellen Produktionen stammen. Rufus Beck spricht beispielsweise den Ismael und beweist einmal mehr sein Wandlungstalent und seine Fähigkeit, in leisen Zwischentönen viel zu offenbaren. Felix von Manteuffel spricht den 2. Erzähler neben den Ich-Passagen von Ismael. Seiner ruhigen, angenehmen Stimme lauscht man auch hier sehr gerne, zumal er diese sehr dynamisch gestaltet. Wunderbares vollbringt auch Manfred Zapatka als Kapitän Ahab, der die anspruchsvolle Rolle mit sehr intensiver Darstellung meistert und den sich steigernden Irrsinn des Mannes umfassend einfangen kann. Weitere Sprecher sind Ulrich Matthes, Ruloph Taruoura Grün und Hermann Lause.
Die Atmosphäre macht in dieser Produktion mit den größten Reiz am Hörspiel aus. Schon am Anfang wird mit Chören gearbeitet, die eine beeindruckende und intensive Stimmung schaffen. Dieser Eindruck reißt auch im Verlauf der Folge nicht ab, mit imposanten und feinsinnigen Arrangements sowie glaubhaften Geräuschen werden die Stimmungen des Buches vortrefflich eingefangen und auf den Hörer übertragen.
Eine riesige Walflosse, die aus dem Meer herausragt, ein malerischer Sonnenuntergang im Hintergrund - das Titelbild ist ähnlich stimmungsvoll wie das Hörspiel. Neben den 10 CDs beinhaltet die stabile Pappbox noch ein kleines Booklet mit Informationen zu einigen Mitwirkenden sowie einem umfangreiches Tracklisting.
Fazit: Ein anspruchsvolles und ganz besonders atmosphärisches Hörspiel, das die interessanten Charaktere in den Vordergrund stellt.
VÖ: Oktober 2009
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-455-8
Lok 1414 geht auf Urlaub

Erster Eindruck: Rhythmischer Ausflug einer Dampflok
Lok 1414 verrichtet seit 60 Jahren unermüdlich ihren Dienst, aber nun ist es genug – sie braucht dringend Urlaub! Das findet auch ihr Lokführer und schickt sie zumindest für eine Nacht auf Urlaub. Und den nutzt Lok 1414 und erkundet auf den Schienen die Landschaft und begegnet so einigen interessanten Gestalten...
Weit über 50 Jahren existiert dieses Hörspiel nun schon, und endlich hat es der Audioverlag in der wunderbaren weißen Serie mit ganz besonderen Kinderhörspielen – meist Radioproduktionen – veröffentlicht. Das spezielle an diesem Hörspiel ist die Rhythmik, die Lok 1414 verwendet und die tatsächlich stark an das Laufen einer alten Dampflokomotive erinnert. Die reimartigen, sich teilweise wiederholenden Sätze prägen sich schnell ein und werden zum unverkennbaren Merkmal, etwas ähnliches habe ich selten gehört. Doch nicht nur hierdurch zeichnet sich die Produktion des Hessischen Rundfunks aus, die die Vorlage von Friedrich Feld so einzigartig umgesetzt haben – es sprüht an allen Ecken und Enden vor zauberhafter Nostalgie und kindgerechten, aber richtig schönen Einfällen, die Lok 1414 da während ihrer Reise erlebt. In gerade einmal 28 Minuten werden kleine wie große Zuhörer in eine ganz andere Welt entführt und werden Lok 1414 und ihre Ansichten sowie die anderen Figuren schnell zu schätzen lernen. Auch mich hat dieses außergewöhnliche Hörspiel verzaubert, es ist eines jener, die man sich nicht unbedingt entgehen lassen sollte.
Die Anzahl der Sprecher beschränkt sich auf lediglich 5, von denen natürlich Lok 1414 am allermeisten zu hören ist. Cilly Bauer schafft es auf unnachahmliche Weise, die Lok darzustellen und das Schnaufen, die rhythmischen Bewegungen allein mit ihrer Stimme darzustellen und so der Lok nicht nur eine Stimme, sondern auch eine ganze Gefühlswelt zu verliehen. Eine ganz hervorragende Leistung! Aber auch Magdalena Stahn-Rouvel, Otto Rouvel, Egon Zehlen und Herbert Ebelt machen ihre Sache hervorragend.
Musik ist während des Hörsiel überhaupt keine eingespielt, die Atmosphäre wird durch zahlreiche Geräusche geschaffen, die die jeweilige Situation glaubhaft zum Leben erweckt. Immer wieder unterstützen beispielsweise Eisenbahngeräusche die Lok und ihre Sprechweise in ihrer Wirkung, aber auch alle anderen Szenen werden sehr genau und vielfältig untermalt.
Die Buchvorlage dient zugleich als Vorlage für das Cover, auf rotem Hintergrund in eine sehr charmante Zeichnung einer alten Dampflok samt Fahrer zu sehen – der Stil ist dabei typisch für eine vergangene Generation an Kinderunterhaltung. Die klare Gliederung dieser Serie kommt auch hier zum Tragen und vereint die Titel trotz fehlendem Namen.
Fazit: Ein ganz außergewöhnliches Kinderhörspiel, das durch die fantastische Darstellung der Lok 1414 lebt und so auch heute noch gut ankommt.
VÖ: 27. Februar 2010
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-89813-933-5
Leo Kaplan

Erster Eindruck: Schriftsteller im Chaos der Gefühle
Leo Kaplan, erfolgreicher Schriftsteller, versucht seit Monaten ein neues Buch zu schreiben – er leidet unter einer Schreibblockade. Abwechslung sucht er in diversen Seitensprüngen, obwohl er seine Frau Hanna eigentlich liebt. Als der Freund einer seiner Geliebten von dem Techtelmechtel erfährt, wird es für Leo Kaplan gefährlich...
Leon de Winters Bücher finden bei Fans wie Kritikern oftmals großen Anklang. Auch sein Roman „Leo Kaplan“ hat viele Anhänger gefunden, nach einer Hörbuchfassung gibt es das Werk jetzt auch als Hörspiel, produziert vom Hessischen Rundfunk. Recht untypisch für die momentane Hörspiellandschaft ist „Leo Caplan“ im Grunde ein Liebesroman, der mit großen Emotionen nicht spart. Da wird es schon einmal etwas rührselig, zum Beispiel in der Beziehung von Leo Kaplan zu seinen Eltern. Doch viel interessanter und auch den größeren Teil der Produktion einnehmend ist die Beschreibung der Charaktere, die allesamt wie aus der heutigen Realität herausgesprungen scheinen und mit Klischees der Neuzeit spielen. Zwar beinhaltet die Geschichte einige überraschende Wendungen, beschreibt das Liebeschaos von Leon aber recht stringent und gradlinig. Das ist voller Gefühle wie Selbstzweifel, Liebe und Sehnsucht und beschreibt in klaren Worten den Kern all dieser Dinge. Ein Hörspiel zum Gernhören und Gernhaben, genau da richtige für einen langen Winternachmittag für Leute, die nicht immer nur Fantasy oder Krimis hören wollen.
Die Sprecher sind hervorragend ausgewählt,viele sehr gute und bekannte Schauspieler lassen sich hier wiederfinden. Axel Milberg ist beispielsweise in der Hauptrolle des Leo Kaplan zu hören, seine sehr eindrucksvolle Sprechweise und die genaueste Betonung lassen die Gefühlswelt des Autors lebendig werden. Seine Frau Hannah wird von Maria Schrader gesprochen, die mit ebenso viel Feingefühl die vielen Facetten der Rolle zeigen kann. Als Erzählerin ist die wunderbare Hannelore Elsner zu hören, ihre warme Stimme passt sehr gut in diese Produktion. Weitere Sprecher sind unter anderem Peter Fricke, Stephanie Eidt und Rosemarie Fendel.
Die musikalische Begleitung stammt von Henrik Albrecht, der viele feinsinnige und passende Melodien zu den einzelnen Szenen geschaffen hat. Es ist ein sehr warmes Kleid, das an die Handlung angepasst wurde und sie nun fest umgibt. Sie lädt ein, die komische wie tragische Geschichte nachzuempfinden und es gelingt ihr, dass man sich im Hörspiel völlig verlieren kann.
Die 3 CDs des Hörspiels befinden sich in einem hochwertigen und stabilen Digipack, welches ansprechend gestaltet wurde. Schon auf der Rückseite sind einige Fotos der Sprecher zu finden, während im eingeklebten Booklet eine langer und interessanter Einführungstext über das Hörspiel zu finden ist.
Fazit: Ein Hörspiel, das Menschen genau beobachtet und ihre witzigen wie traurigen Momente gekonnt und unterhaltsam aufzuzeigen weiß.Ich habe sehr gerne zugehört.
VÖ: 12. November 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-593-7
Kurze Interviews mit fiesen Männern

Erster Eindruck: Bekanntes Buch in Hörversion
Männer sind fies. Weil sie als Einarmige mit der Mitleidstour Frauen ins Bett kriegen und dies auch noch genüsslich ausbreiten. Weil sie ihre Freundinnen verlassen und ein ziemlich geheucheltes Abschiedsgespräch führen, das klischeehafter nicht sein könnte. Weil sie ihre Psychologinnen kaum zu Wort kommen lassen. Aber Frauen sind auch fies...
David Foster Wallace sorgt in letzter Zeit immer wieder für Aufsehen mit seinen Büchern, und wird ebenso harsch kritisiert wie in den Himmel gelobt. Sein Werk "Kurze Interviews mit fiesen Männern" wurde 2004 vom SWR als Hörversion umgesetzt und nun vom Hörverlag veröffentlicht. Dabei handelt es sich nicht um ein Hörspiel im klassischen Sinne, da die Gesprächspartner(innen) der Männer schlicht ausgeblendet und durch Geräusche ersetzt werden. Die Texte in unterschiedlicher Länge werden gekonnt vorgetragen, dennoch fällt der Zugang nicht immer leicht, etliche Fremdwörter hemmen das Verständnis, im Laufe der Zeit gewöhnt man sich aber an die Sprache des Stückes. Inhaltlich sind die fiesen Männer sehr kreativ geschrieben, wohl jeder wird den einen oder anderen Charakterzug an einem bekannten Menschen (oder sich selbst?) feststellen. Wallace' Beobachtungsgabe ist sehr genau, die Männer im Hörspiel aber auf die Spitze getrieben und damit recht Klischeebeladen. So recht in eine Kategorie will sich das Stück nicht einordnen lassen, das kann jeder für sich selbst vornehmen, wenn er sich auf dieses originelle Experiment einlässt.
Klar, dass fast ausschließlich Männer zu hören sind, diese sind aber wunderbar ausgewählt und können die jeweiligen überspitzten Rollen gut darstellen. Milan Peschel, der mir vor dieser Produktion völlig unbekannt war, kann mit gekonnter Akzentuierung einzelner Worte einen sehr lebendigen Vortrag halten. Sehr gut gefallen hat mit auch Jörg Hartmann, seine im Gedächtnis bleibende Stimme und gelungene Betonung würde ich gern öfter hören. Wanja Mues ist ebenfalls als einer der interviewten Männer zu hören und kann mit ungehemmten Redefluss überzeugen. Weitere Sprecher und -innen sind Jacqueline Macaulay, Judith Engel und Max Hopp.
Antje Vowinckel ist zuständig für Regie und den Klang und ist für die eher außergewöhnliche Vorlage ebenso ungewöhnliche Wege gegangen. Die Geräusche sind oft unharmonisch und unterbrechen die Reden von den Männern, sind aber abstrakt und haben nichts mit der Geschichte an sich zu tun. Die Musik ist dabei passenderweise ebenso experimentell und sträubt sich ein wenig, eine sanfte Untermalung zu bieten.
Das Buchcover ist recht bekannt, natürlich wird es dann auch für die Hörausgabe verwendet. Ein Mann, schick in Krawatte und Anzug, allerdings mit einer Papiertüte über den Kopf gezogen, worauf dick der Titel prangt. Das kleine Booklet beinhaltet eine Folgenübersicht sowie Kurzinformationen zum Autor und zur Regisseurin.
Fazit: Das Hörstück ist experimentell und somit vielleicht nicht jedermanns Geschmack. An schwarzem Humor und einer gewissen augenzwinkernden Wahrheit mangelt es aber keinesfalls.
VÖ: 12. November 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-685-9
Krabat

Erster Eindruck: Raben, eine Mühle und jede Menge Zauberei
Der Waisenjunge Krabat wird vom Meister als Lehrjunge in der Mühle im Koselbruch aufgenommen. Erst mit der Zeit bemerkt er, dass sein Meister ein schwarzer Zauberer ist, der seine Gesellen mit übermenschlichen Fähigkeiten ausstattet und allerlei schwarze Magie praktiziert. Krabat beginnt, gegen den Meister aufzubegehren, doch es gibt nur eine Möglichkeit, ihn zu vernichten...
Otfried Preußler ist bekannt für seine zahlreichen erfolgreichen Kinder- und Jugendbücher, die sich gerne auch Motiven aus der Magie bedienen. Doch so stark wie bei „Krabat“ ist dies sonst nicht der Fall, die Geschichte ist seine düsterste. Vom WDR wurde Krabat nun erstmals als aufwändiges Hörspiel produziert, bisher gab es die Geschichte nur als Lesung oder O-Ton Filmhörspiel. Das Hörspiel ist nun beim Audioverlag auf 3 CDs erhältlich. Es überträgt die Stimmung des Buches sehr genau auf das neue Medium und wirkt bedrückend, ja teilweise bedrohlich. Dabei wird nicht mit billiger Effekthascherei gearbeitet, vielmehr ist die Spannung eher subtil, aber immer greifbar und allgegenwärtig. Schnell verliert sich der Hörer in dem dunklen Geflecht zwischen Traum und Wirklichkeit, und kann so eng die Entwicklung Krabats vom einfachen Lehrjungen zum angesehen Gesellen mitverfolgen, ebenso das Treiben des mächtigen Meisters und die merkwürdigen Vorkommnisse in der Mühle. Mit etlichen wirkungsvollen Bildern und Motiven schafft einerseits Preußler mit seiner Geschichte, andererseits aber auch das Produzententeam mit seinen stilistischen Mitteln eine sehr intensive Atmosphäre, die einen gefangen nimmt. Obwohl ein Kinderbuch und somit nicht mit Schockmomenten überfüllt, sind auch Erwachsene bestens unterhalten, ein wahres Familienhörspiel also. Eine grandiose Produktion mit genialer Vorlage, die ich nur wärmstens für lange Winterabende weiterempfehlen kann.
Auch die Sprecherriege tut ihr bestes, um die drückende Stimmung zu vermitteln und die Charaktere zum Leben zu erwecken. Als Krabat ist Max Mauff zu hören, der die Doppelbelastung als handelnde Person und Ich-Erzähler bravurös und sehr eindringlich meistert. Seine facettenreiches Spiel trifft die jeweilige Situation haargenau und beschwört so ein intensives Bild von Krabat hervor. Sein Meister, der dunkle Zauberer, wird von Michael Mendl mit donnernder Stimme gesprochen, der somit die düstere Kraft bestens unterstreicht, die von der Figur ausgeht. Wanja Mues hat eine wichtige Rolle als Tonda, auch hier kann man die nahezu perfekte Leistung nur loben. Weitere Sprecher sind unter anderem Laura Maire, Marion Kittel und Siemen Rühaak.
Die Kompositionen von Rainer Quade schmiegen sich hervorragend an die Geschichte an und unterstreichen mit effektvollen Musikstücken die düstere Stimmung. Auch hier wird nicht mit hochtrabender, lauter Effekthascherei gearbeitet, sondern mit dem Gefühl leisen Grusels und unterschwelliger Gefahr, was die Vorlage ebenso ausmacht. Eine sehr gelungene Umsetzung!
Wie immer in dieser Reihe ist die Gestaltung ein wenig nostalgisch angehaucht, was in reizvollem Kontrast zu der klaren Gliederung im modernen Look steht. Das Titelbild zeigt die alte Mühle, die von vielen Raben umreist wird in einer einfachen Zeichnung. Die übrige Gestaltung wird von ähnlichen Zeichnungen und einem Foto des Autors aufgelockert.
Fazit: Die unterschwellige Spannung, der leise aber stetige Grusel,die wunderbar eindringlichen Bilder – all das macht die Vorlage so reizvoll, die hier wunderbar eindringlich umgesetzt wurde.
VÖ: 27. November 2010
Label: Der Audioverlag (DAV)
Bestellnummer: 978-3-86231-018-0
Die Konferenz der Tiere

Erster Eindruck: Auch heute noch aktuell
Die Tiere beobachten missmutig, dass die Menschen Konferenz um Konferenz einberufen, aber niemals zu einem Ergebnis kommen, die Kriege gehen weiter. Wer denkt da an die Kinder? Die Tiere beschließen, selbst eine Konferenz einzuberufen und den Menschenkindern zu helfen...
Erich Kästner ist einer der bekanntesten deutschen Kinderbuchautoren, und auch heute, über 25 Jahre nach seinem Tod, erfreuen sich seine Werke größter Beliebtheit. Im Zuge des anstehenden Kinofilms wurde nun das Hörspiel zu "Die Konferenz der Tiere" aus dem Jahre 1969 neu aufgelegt und ist nun bei Oetinger Audio erhältlich. Die Geschichte ist eben so einfallsreich wie rührend: Um Kriege und Morde zu beenden, berufen die Tiere ihrerseits eine Konferenz ein. Dabei geht es stellenweise recht witzig zu, den Humor zieht Kästner einerseits aus der Unfähigkeit der Menschen, sich zu einigen (beispielsweise über die Sitzordnung), andererseits aus der Beschreibung der Tiere mit ihren Eigenheiten. Da krächzen die Papageien die Botschaft weiter, während die Tintenfische in großen Buchstaben die Ankündigung der Konferenz in die Meere schreiben. Dies alles ist eher zurückhaltend und subtil, den heutigen eher schrillen Humor für Kinder sucht man hier vergebens. Vor allem ist "Die Konferenz der Tiere" ein wütender Appell an die Menschheit, endlich an die Kinder zu denken und das Übel aus der Welt zu beseitigen - und dies ist heute noch genauso aktuell wie damals. Einige Szenen wurden interessant umgesetzt, beispielsweise klingen einige Passagen des Erzählers wie eine Radiosendung. Die Geschichte ist nicht unbedingt spannend, aber fortlaufend gut erzählt und unterhaltsam. Ein etwas anderes Hörspiel für Kinder, das aufgrund seines Alters vielleicht nicht jedermanns Sache ist, aber mit interessanter Umsetzung und toller Story überzeugen kann.
Die Sprecher sind überzeugend und stellen die Tiere mit ihren Eigenheiten sehr gut dar. Als Löwe ist Georg Thomalla zu hören, der in einigen Passagen wirklich zu brüllen scheint und einer der feurigsten Vertreter in der Konferenz ist. Heidi Treutler spricht die Maus mit ihrer hohen Stimme, die wirklich stark an das Piepen des kleinen Nagetier erinnert. Für die heutige Zeit ungewöhnlich spricht Klaus Havenstein den Erzähler, sehr inbrünstig und leidenschaftlich. Weitere Sprecher sind unter anderem Rosemarie Fendel, Erich Kleiber und Ursula Traun.
Bei einem Hörspiel aus dem Jahre 1969 kann man sicherlich keine perfekte Tonqualität mehr erwarten, und auch die Musik entspricht nicht mehr heutigen Standards. Trotzdem kann auch die akustische Gestaltung der Geschichte mit unterhaltsamen kleinen Melodien und passenden Geräuschen überzeugen, wobei jedoch der größte Wert auf die Sprecher gelegt wurde.
Auf dem Cover ist eine witzige Szene zu sehen, die die Anreise der Tiere zur der Konferenz zeigt, auf riesigen Schiffen und sogar Walen. Witzig gezeichnet und mit spaßigen Ideen ausgestattet entdeckt man immer neue Details beim Betrachten. Im kleinen Booklet ist neben den üblichen Angaben eine ausführliche Beschreibung von Kästner nachzulesen.
Fazit: Politisch aktuell, mit feinem Witz und einer unterhaltsamen Story, ein Hörspiel mit hohem Nostalgiefaktor.
VÖ: September 2010
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0524-1
35 Kilo Hoffnung / 35 kilos d'espoir

Erster Eindruck: Sorgen in der Schule, noch mehr Sorgen zu Hause
David ist nicht nur Außenseiter in der Schule, sondern dort auch ziemlich schlecht. Auch die Lehrer können nichts mit ihm anfangen, sodass er von Schule zu Schule wechselt. Seine Eltern sind genervt und streiten jeden Abend. Nur sein Großvater Leon hält zu ihm und unterstützt ihn. Zum Beispiel, als er an einem ganz bestimmten Gymnasium angenommen werden möchte...
In seiner Serie mit dem weißen Rücken, in der außergewöhnliche Kinderhörspiele veröffentlicht werden, hat sich der Audioverlag mit „35 Kilo Hoffnung“ eine echte Perle herausgepickt. Eine kleine unscheinbare Geschichte, aber so voller Liebe, voller Gefühl, voller Charme und – wie es der Titel schon verspricht – voller Hoffnung. Erzählt werden nicht irgendwelche Heldentaten, sondern der Kampf eines Kindes um die Anerkennung seiner Begabungen, die Liebe seiner Eltern. Und das ist mit einfachen Worten so rührend umschrieben, dass man sich David wirklich nahe fühlt, die Last der Ungerechtigkeit selbst spürt, in einem System zu versagen, dass ihm aufgedrängt wird und das nicht für ihn geschaffen wurde. Besonders die Eltern mit ihren ständigen Kritiken sind hierfür Indikator, während Opa Leon den ruhigen, sicheren Gegenpol bieten, immer ausgeglichen und mit viel Weisheit ausgestattet. Sofort empfindet man Sympathie für ihn und hofft für David, dass er seinen Platz im Leben findet. Das wunderschöne Ende nach etlichen Stolpersteinen rundet die 50 Minuten dann weich ab. Ein wunderbares Hörspiel voller Emotionen, welches durch seine Schlichtheit besticht.
David wird von Davide Brizzi gesprochen, der mit seiner sicheren Stimme und den zielsicheren Gefühlen darin schafft er es, einen sehr lebendigen und glaubwürdigen Eindruck zu hinterlassen und David so den Hörern zugänglich zu machen. Opa Leon bekommt seine Stimme von Klaus Herm geliehen, der den gutmütigen alten Mann mit viel Einfühlungsvermögen und Wärme spricht. Die wunderbare Ilse Strambowski ist als Oma Charlotte ebenso ein Ruhepunkt, eine grundsympathische Frau und legt viel Gefühl in ihre Stimme. Weitere Sprecher sind Jele Brückner, Alexander Hauff und Philip Fuchs.
Die Geräuschkulisse kann ebenso überzeugen wie die Geschichte. Die eingesetzten Melodien sind eher einfach gestrickt, aber gerade wegen ihrer Schlichtheit so eingängig, zumal ihnen immer ein gewisser Zauber innewohnt. Die Geräusche sind eher reduziert eingesetzt und nicht allzu hochtrabend, machen die Geschichte aber glaubwürdiger.
Auf dem Cover sind sowohl David als auch sein Onkel Leon vor einer blühenden Wiese zu sehen, das kleine Gartenhaus im Hintergrund. Auch hier wird mit einfachen Mitteln viel erreicht, etwas, was sich durch die gesamte Produktion zieht. Im Inneren sind wie immer übersichtlich alle notwendigen Informationen zusammengefasst.
Zusätzlich zur deutschen Fassung liegt der CD noch eine französische Fassung des Hörspiel bei, in der Originalsprache der Buchvorlage von Anna Gavalda. Die Inszenierung ist identisch mit der deutschen Version, die Sprecher ebenso eingängig und intensiv. So eignet sich diese CD hervorragend zum Auffrischen der Französischkenntnisse oder zum Neulernen, da der Inhalt und der Verlauf ja schon bekannt sind.
Fazit: Herzergreifend und gefühlvoll, dabei bestechend durch seine Einfachheit und seine wunderschöne Sprache. Sehr zu empfehlen, nicht nur für Kinder.
VÖ: Feburar 2005
Label: Der Audioverlag (DAV)
Bestellnummer: 978-3-8981-3426-2
Kalt wie der Tod - Skandinavische Krimihörspiele von Henning Mankell & Co

Erster Eindruck: Nordische Krimis vom Feinsten
Hasse, ein ganz normaler Junge, freundet sich mit Schwalbe aus seiner Nachbarschaft an, der ohne Regeln in der kleinen Stadt wohnt. Langsam aber sicher zieht Schwalbe den Jungen auf seine Seite, und ihre Streiche werden immer ärger... ("Der gewissenlose Mörder Hasse Karlsson")
Kommissar Beck bekommt die Aufgabe gestellt, für die Sicherheit eines amerikanischen Ministers aus Staatsbesuch zu sorgen. Doch die Stimmung gegen den Politiker ist nicht sonderlich gut, und tatsächlich muss mit einem Anschlag gerechnet werden. ("Die Terroristen")
Der psychisch kranke Errki flieht aus der Anstalt, in der er behandelt wird. Doch auf der Flucht wird er plötzlich des Mordes bezichtigt und flieht nun auch vor der Polizei. Im Bankräuber Morten findet er einen Verbündeten... ("Wer den Wolf fürchtet")
Kommissarin Ann Lindell soll einen Fall von Fahrerflucht untersuchen, bei dem eine Mutter mit ihrer sechsjährigen Tochter um Leben gekommen ist. Fassungslos entdeckt sie immer mehr Details und muss schließlich von einem geplanten Mord ausgehen... ("Das Steinbett")
Vier Krimis präsentiert der Der Audio Verlag in einer Box mit dem Titel "Kalt wie der Tod", die alle eine Gemeinsamkeit haben: Sie stammen von skandinavischen Autoren. Ansonsten sind sie jedoch recht unterschiedlich, auch der Zeitraum, in dem die Werke erstmals erschienen sind, ist recht groß und reicht von 1975 bis 2001.
"Der gewissenlose Mörder Hasse Karlsson" stammt vom Altmeister schwedischer Krimis, Henning Mankell. Er schildert die kurze, aber sehr intensive Freundschaft der beiden unterschiedlichen Jungen und lässt den Hörer tief in seine Figuren, insbesondere Hasse, eintauchen. Immer weiter steigern sich die anfangs harmlosen Streiche, aus der Lausbubengeschichte wird schnell ein kleines Drama. Interessant, wie packend diese kleine Geschichte doch sein kann!
"Das Steinbett" ist von den vieren der klassische Krimi. Die Ermittlerarbeit von Ann Lindell steht klar im Vordergrund, immer weiter baut sich ein komplettes Bild der begangenen Tat vor dem Hörer auf. Es ist spannend anzuhören, wie die Kommissarin immer weitere Fakten sammelt und ihre persönlichen Gefühle dabei keineswegs außer Acht lässt, zumal die Auflösung eine echte Überraschung darstellt.
Ganz anders "Die Terroristen", hier wird kein Mord aufgedeckt, sondern zu verhindern versucht. Besonders spannend wird dies erstaunlicherweise, nachdem man auch Gespräche der Attentäter zu Ohr bekommt. Ein Wettlauf der beiden Parteien entsteht, das Ende bleibt bis zum Schluss offen und ementsprechend packend. Eine ungewöhnliche Erzählweise, die über die Laufzeit von gleich 2 CDs immer noch vollständig zu tragen weiß.
Und dann ist da noch "Wer den Wolf fürchtet", das bei mir den größten Eindruck hinterlassen hat. Der Kriminalfall erhält seine Würze durch die verschiedenen Personen, allen voran der psychisch gestörte Errki, der sich Stimmen einbildet. Fast schon eine psychische Studie über ihn ist eingebaut, doch auch die anderen Charaktere werden ausführlich beschrieben und sind in ihrer Wirkung einzigartig. Überraschende Wendungen sorgen für die nötige Fahrt, die das Hörspiel zu einem der Extraklasse machen - wirklich sehr zu empfehlen.
So unterschiedlich die vier Fälle auch sein mögen, eines haben sie dann doch auch inhaltlich gemeinsam: Allen haftet eine gewisse Melancholie an, die teilweise schon ins depressive abrutscht. Diese tritt stellenweise mehr in den Vordergrund, aber die Grundstimmung ist immer einer eher dunkle - was eventuell an der Herkunft der Autoren liegen mag. Vier ganz unterschiedliche Geschichten, doch keinen von ihnen sollte sich ein Krimifan entgehen lassen.
Natürlich sind bei den Produktionen aus unterschiedlichen Jahren mit komplett anderen Regisseuren und Charakteren eine Vielzahl an Sprechern beteiligt, die sich hier unmöglich alle aufzählen lassen. Namen wie Katja Brügger, Irina Wanka, Winfried Glatzeder, Eva-Maria Hagen und Horst Frank können nur einen Querschnitt darstellen. In der Geschichte über Hasse Karlsson kann besonders das Duo aus Christoph Stadler und Nino Herrlich überzeugen, die die Abgründe der beiden Jungen nach außen kehren können und eine sehr intensive Darstellung abliefern. Chares Wirths ist in "Die Terroristen" als Kommissar Beck zu hören, der ernsthaft und betont ein genaues Bild seiner Rolle zeichnet. Hervorragend ist Lars Rudolph als Errki, der den außergewöhnlichen Charakter detailliert und facettenreich, aber niemals unglaubwürdig darstellt. Ulrike Krumbiegel spricht Ann Lindell sehr gefühlsbetont und voller Leidenschaft.
Natürlich bietet auch die akustische Umsetzung kein einheitliches Bild, zu unterschiedlich sind die Stilistiken, die die Regiesseure verwenden. Während beispielsweise bei "Der gewissenlose Mörder Hasse Karlsson" vornehmliche unangenehm verzerrte Pfeifftöne zu hören sind, die die zunehmende Verstörtheit des Jungen lebendig werden lassen, ist bei "Das Steinbett" eine recht ausgereifte musikalische Untermalung zu hören, die auf die sich steigernde Spannung eingeht. Sehr unterschiedliche Klangwelten wurden da also erschaffen, aber jede einzelne ist passgenau auf die jeweilige Geschichte zugeschnitten und unterstützt diese in ihrer Wirkung.
Geliefert werden die fünf CDs in einer stabilen Pappbox, die eine typische skandinavische Blockhütte vor verschneitem Hintergrund zeigt, farblich darauf abgestimmt ist die restliche Aufmachung in Weiß- und Grautönen gehalten. Die CDs an sich sind in Papierhüllen aufbewahrt, und auch das dünne Booklet gibt nur die notwendigen Informationen preis.
Fazit: Ein interessanter und spannender Querschnitt mit vier ganz unterschiedlichen Geschichten, die jede für sich einzigartig und hörenswert ist.
VÖ: 15. September 2009
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8981-3856-7
Jim Knopf und die Wilde 13

Erster Eindruck: Wieder los geschippert
Als ein Postschiff mit Lummerland zusammenstößt, beschließt König Alfons, dass ein Leuchtturm fehlt. Jim Knopf und Lukas finden, dass der Scheinriese Herr Tur Tur eine bessere Idee wäre, um einen Neubau zu verhindern. Mit Lokomotive Emma tuckern sie wieder durch das Meer und begegnen allerhand merkwürdigen Gestalten - und geraten in große Gefahr!
"Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" ist eines der erfolgreichsten Bücher von Autor Michael Ende - und natürlich gibt es mit "Jim Knopf und die Wilde 13" eine Fortsetzung, die ebenfalls als liebevolle Neuvertonung bei DAV erhältlich ist, produziert wurde das über vierstündige Werk vom WDR. Und das glücklicherweise genauso liebevoll und mit Sinn für das Detail wie die anderen Titel der Serie, die stets in weißem Gewand daherkommt. Neben dem Kampf gegen die Wilde 13, die den Hauptteil der Geschichte einnimmt, sind noch etliche andere Handlungsbögen integriert, besonders gelungen ist das Zusammentreffen mit der Meerjungfrau Sursulapitschi. Die einfallsreiche Geschichte und vor allem ihre vielen Versuche, Lokomotive richtig auszusprechen, führen zu bester Hörspielunterhaltung. Doch auch die Introszene auf Lummerland mit den vielen bekannten Personen ist ein frühes, kleines Highlight. Wunderbar spannend ist die Entführung der kleinen Lok Molly durch die Wilde 13, die nachfolgende Verfolgungsjagd strotzt vor Dramatik und erzählerischem Können. So entstand ein rundum gelungenes Hörspiel für die ganze Familie, das ich bedenkenlos weiterempfehlen möchte.
Für die vielen unterschiedlichen Charaktere sind mehr als 20 Sprecher eingesetzt, die allesamt einen hervorragenden Job machen. Sursulapitschi, die kleine Meerjungfrau, wird von Anne Kanis gesprochen, die mit sehr viel Charme und Witz ihre Rolle wunderbar gestaltet. Ihr Vater Uschaurischuum wird von Heinrich Schmieder gesprochen, der mit seiner tollen Darbietung ebenfalls viel zum Gelingen der Szene beiträgt. Sehr gut gefallen hat mir Oliver Stritzel als Piratenhauptmann, der einen tollen Bösewicht abgibt. Weitere Sprecher sind unter anderem Wolfgang Völz, Laura Maire und Ulrich Noethen als Erzähler.
In Sachen Akkustik haben Mike Herting (Musik) und Wilmont Schulze (Geräusche) ebenfalls Tolles geleistet. Eine dichte Atmosphäre mit vielen kleinen liebevollen Details stützt die Geschichte und lässt sie sehr lebendig wirken, schnell kann man sich so in sie hineinversetzen. Alles spielt perfekt zusammen und schafft unterschiedlichste Stimmungen.
Die Aufmachung ist wieder ebenso schlicht wie gelungen. Das Titelbild entstammt der Buchvorlage und verbreitet den typischen Charme der Michael Ende-Bücher. Die klare Gliederung und die dezente Farbwahl lässt auch Erwachsene nicht vor einem allzu schrillen Cover abschrecken. Ein Foto von Erzähler Ulrich Noethen ist auf der Rückseite zu finden.
Fazit: Auch der zweite Teil ist wieder ein Volltreffer, der sich mit einer vielseitigen und spannenden Geschichte sowie wunderbaren Sprechern und toller Atmosphäre für die ganze Familie eignet.
VÖ: 26. Juni 2010
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8981-3936-6
Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

Erster Eindruck: Kinderbuchklassiker mit neuem Leben
Im kleinen Lummerland leben neben dem König nur zwei Untertanen, Lukas der Lokomotivführer, Dampflok Emma und eines Tages auch Jim Knopf, der mit einer merkwürdigen Botschaft als Baby in Lummerland gestrandet ist. Eines Tages brechen Lukas und Jim mit der Lokomotive Emma auf, und bald finden sie Hinweise auf Jims Herkunft...
"Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" ist seit Generationen in Deutschland bekannt und verzaubert nach wie vor viele Kinderzimmer (und auch einige Erwachsene...) mit seinem Charme. Neben der bekannten Augsburger Puppenkiste gibt es auch schon diverse Audioumsetzungen, von DAV ist eine neue hinzugekommen - und zwar eine, die es in sich hat. Bei 246 Minuten Laufzeit darf von einer sehr umfassenden Umsetzung des Kinderbuchklassikers von Michael Ende gesprochen werden, die trotzdem zu keiner Zeit langweilig wirkt. Das liegt zum großen Teil an der bezaubernden und liebevollen Umsetzung, die den Geist des immerhin 40 Jahre alten Buches zu transportieren, ihm aber auch neue Seiten abzuringen weiß. Die Geschichte ist - obwohl gut bekannt - immer noch interessant und aufregend, die Charaktere einfallsreich, vielfältig und voller Leben. Schnell gerät man ins Träumen, kann sich in die Geschichte hineindenken und freut sich über die wohligen Kindheitserinnerungen. Dabei wird es an einigen Stellen richtig spannend und gefährlich für Lukas und Jim, sodass die ganz kleinen Zuhörer mitfiebert können und das dadurch sicher auch nicht langweilig aufkommt für die kleinen. Für einen langen Familienabend oder geruhsame Entspannung allein kann ich diese Umsetzung wärmstens empfehlen.
Die Sprecherauswahl ist hervorragend, sodass jeder Charakter entsprechend seiner Persönlichkeit gestaltet wird. Dante Selke - mir bis dahin völlig unbekannt - spricht dabei den Jim Knopf so sicher und treffend, als wäre er seit Jahrzehnten im Geschäft. Sein bester Freund Lukas wird von Jörg Schüttauf gesprochen, der ebenfalls in jeder Situation standhaft bleibt und seinen Charakter gut herausarbeitet. Imponiert hat mir die Leistung von Frank Köllges als Lokomotive Emma. Mit wenigen Geräuschen, die tatsächlich stark an eine alte Eisenbahn erinnern, eröffnet er eine ganze Gefühlswelt. Auch die anderen Sprecher könnten in den höchsten Tönen gelobt werden, beispielsweise Henriette Thiming, Manon Straché oder Wolfgang Völz.
Das Hörspiel wird von einer sehr geglückten Geräuschkulisse begleitet, die dezent, aber auch wirkungsvoll ist. Die Geräusche stammen von Wilmont Schulze, die Musik von Mike Herting, und beides ergänzt sich wunderbar zu einer stimmigen Atmosphäre, die sowohl auf hoher See als auch in den Fängen des bösen Drachen Frau Mahlzahn glaubhaft und intensiv ist.
Untergebracht sind die drei CDs in einem hochwertigen Digipack, das einen sehr stabilen Eindruck macht. Das allseits bekannte Buchcover wurde auch hier als Titelmotiv gewählt, ansonsten ist die Gestaltung eher schlicht, auf der Rückseite findet sich lediglich ein Foto von Erzähler Ulrich Noethen.
Fazit: Die mit Abstand beste und detailgetreuste Hörspielumsetzung des berühmten Buches, die wahrlich rundum gelungen ist.
VÖ: 27. Februar 2010
Label: DAV (Der AudioVerlag)
Bestellnummer: 978-3-89813-935-9
Jesus und die Mühlen von Cölln

Erster Eindruck: Angesiedelt im Mittelalter
Die Geschichte von Jesus ist jedem bekannt, sein Leben, sein Tod, seine Auferstehung. Doch nur wenige wissen, dass Jesus ein zweites mal gelebt hat, in Köln, im Mittelalter. Auch hier war sein Leben geprägt von großen Taten, Liebe, Wundern und auch Verrat – das alles behauptet zumindest ein geächteter Mann, der einem Reisenden diese Geschichte erzählt...
Die Geschichte von Jesus wurde schon oft erzählt – meist jedoch die ursprüngliche, die in der Bibel steht. Manchmal wird sie aber auch aus anderen Perspektiven betrachtet, beispielsweise wenn die Handlung plötzlich ins mittelalterliche Köln verlagert wird. Dieses Experiment hat Autor Karlheinz Koinegg in seinem Hörspiel „Jesus und die Mühlen von Cölln“ gewagt. Doch anstatt sich auf die neuen Möglichkeiten zu besinnen, wurde im Prinzip nur eine Nacherzählung der biblischen Geschichten geschaffen, ab und an ergänzt durch gedankenspielerische Nuancen. Wirkliche Neuerungen sind kaum zu finden, lediglich das Ende überrascht und unterscheidet sich deutlich. Doch warum dann die Übersetzung in eine Zeit, die nicht einmal die unsere ist? Neue Erkenntnisse oder Gedankenansätze werden so jedenfalls nicht geschaffen, zumal an einigen Stellen weit vom christlichen Grundgedanken abgewichen wird. Obwohl die Geschichte einen gewissen Zauber verbreitet, kann sie nicht so recht berühren, sodass mich diese Produktion nicht recht überzeugen wollte.
Andreas Pietschmann ist in der gehaltvollen Rolle des Jesus zu hören und kann mit seiner festen und bestimmten, dabei aber nie zu dominanten Art die Rolle in diesem Hörspiel gut füllen. Esther Schweins spricht Maria und kann ihre sanfte und helle Stimme sehr gut einsetzen. Mit Wolf Dietrich Sprenger ist ein wunderbarer Sprecher in die Rolle des Gelben Gastes geschlüpft und kann mit seiner warmen Stimme für angenehme Momente sorgen. Weitere Sprecher sind unter anderem Matthias Koeberlin, Jan-Gregor Kremp und Jens Wawrczek.
Die akustische Umsetzung der Geschichte ist sehr harmonisch gelungen und kann mit seinen vielen schönen Melodien für ruhige Momente sorgen, die immer wieder zum Nachdenken anregen. Sanft und weich kommt diese Produktion daher und ist so eine gute Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen.
Auf dem Cover wird Jesus in einem mittelalterlich anmutenden Zeichenstil zu sehen, dazu im Hintergrund der Kölner Dom und eine weiße Friedenstaube, sodass hier mit einigen christlichen Symbolen gespielt wird. Die restliche Aufmachung ist wie bei den anderen Hörspielen mit dem weißen Rücken klar gegliedert und hübsch anzusehen.
Fazit: Obwohl durchaus schöne Stimmungen und interessante Momente vorhanden sind, kann das Hörspiel nicht so recht überzeugen, da es eher Nacherzählung denn Neufassung ist.
VÖ: Februar 2008
Label: Der Audioverlag (DAV)
Bestellnummer: 978-3-8981-3714-0
Das Halstuch

Erster Eindruck: Straßenfeger als Hörspiel
In einem kleinen Londoner Vorort wird eine junge Frau erwürgt aufgefunden - Tatwaffe ist ein Herrenschal. Harry Yates, der die Ermittlungen leitet, findet in Clifton Morris einen ersten Verdächtigen, indentifiziert durch die Verwandtschaft der Toten. Und tatsächlich - auch das Halstuch findet sich wieder...
"Das Halstuch" ist eine sechsteilige Mini-TV-Serie aus dem Jahr 1962 und prägte erstmals den Begriff "Straßenfeger", denn während der Ausstrahlung versammelten sich viele Menschen vor den Fernsehern und wollten wissen, wer der Mörder von Faye Collins ist. Öffentliche Einrichtungen und Wahlkampfveranstaltungen blieben so gut wie unbesucht. Nun, im Jahr 2010, hat der Audio Verlag sich der Geschichte angenommen und die originalen Tonspuren mit einem Erzähler unterlegt. Auch wenn ich ansonsten kein Fan von O-Ton-Hörspielen bin, sieht die Sache hier ganz anders aus. Denn tatsächlich fügt sich hier alles wie bei einer Eigenproduktion zusammen - keine unerklärlichen Geräusche, sinnvolle Erzählerparts, gute und glaubwürdige Schauspieler. Auch der Fall kann überzeugen - es ist ein klassischer Kriminalfall, wie man es von Francis Durbridge erwarten kann. Viele Verdächtige, falsche Fährten, überraschende Wendungen und ein spannendes Ende. Auch im Medium Hörspiel funktioniert die Geschichte prächtig, die Überarbeitung der Serie ist gelungen, und so ist "Das Halstuch" idealer Stoff für Freunde nostalgischer Krimigeschichten.
Die Stimmaufnahmen erweisen sich als durchaus geeignet für ein Hörspiel, da die Schauspieler intensiv genug gesprochen haben und so keinesfalls farblos wirken - ein Problem, welches bei O-Ton-Hörspielen ansonsten oft auftaucht. Als Harry Yates, der Inspektor von Scotland Yard, ist Heinz Drache engagiert worden, dessen markantes Auftreten auch im Hörspiel zu bemerken ist. Horst Tappert, kein unbekannter Name unter Krimifans, spricht den Vikar Nigel Matthews und bringt seine einzigartige Stimme gut zur Geltung. Als Erzähler wurde Friedhelm Ptok ausgewählt, der sich sehr organisch in die alten Aufnamhen einfügt und seine Parts sehr gekonnt gestaltet. Weiterhin zu hören sind Albert Lieven, Margot Trooger und Eva Pflug.
Die Musik stammt von Hans Jönsson und passt auch in die Hörspielvariante wunderbar. Der Spannungsbogen der Folgen wird dabei sehr gut unterstützt, während die klassischen Melodien helfen, sich in die Geschichte hineinzuversetzen. Schön, dass sich auch hier alles so wunderbar zusammenfügt.
Verpackt sind die drei CDs in einem schicken Digipack mit interessantem CD-Einsatz. Das Titelbild mit den beiden Scherenschnitten ist ebenso schlicht wie auffällig und gelungen, es versprüht den Flair der frühen 60er Jahre. Im Inneren ist noch ein Foto aus der Krimiserie zu finden - herrlich nostalgisch in schwarz-weiß.
Fazit: Spannende Geschichte, quasi ein klassischer Krimi, dazu eine sehr gelungene Übertragung zwischen den beiden Medien. Sehr zu empfehlen!
VÖ: 20.März 2010
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-89813-967-0
Hallo, ist da jemand?

Erster Eindruck: Besuch aus dem All
Joakim ist heute alleine zu Hause, seine Mutter bekommt gerade ein Baby. Überraschend bekommt Joakim Besuch von Mika, einem Jungen aus einer anderen Welt. Schnell freunden die beiden sich an, obwohl sie die Welt des anderen ganz merkwürdig finden. Die ganze Nacht über erzählen sie einander, wie das Leben bei ihnen abläuft und stellen sich ziemlich interessante Fragen...
Dass Kinderhörspiel mehr können als nur spannende Geschichten zu erzählen oder mit witzigen Momenten zu unterhalten, beweist „Hallo, ist da jemand?“, das fast schon philosophische Ansätze hat und im besten Sinne intelligent zu nennen ist. Die Vorlage von Jostein Gaarder wurde wieder vom eingespielten WDR-Team genial umgesetzt, sodass ein wirklich interessantes Hörspiel entstanden ist. Dabei setzt es nicht auf eine fortlaufende Handlung, sondern auf das Gespräch zwischen Joakim und dem Außerirdischen Mika. Hier werden einige spannende Fragen zum Entstehen des Lebens in seiner heutigen Form gestellt und beantwortet, die Gedankengänge sind dabei auf Kinder angepasst und trotzdem alles andere als dumm oder zu stark vereinfacht. Auch zu Mikas Welt werden einige Erklärungen abgegeben, was vornehmlich dazu dient, Vorgänge in unserer Welt zu hinterfragen und gleichzeitig interessante Szenen schafft. Wirklich gelungen, zumal auf einfache Weise Wissenswertes vermittelt wird.
Robert von Zander spricht Joakim und kann den pfiffigen Jungen mit viel Herz und Verstand darstellen, trotz seines jungen Alters ist sein Sprachfluss ungehemmt. Wunderbar ist auch Timon Sitte als Mika, seine neugierige und sehr charmante Art Fragen zu stellen trägt das Hörspiel und gibt immer wieder neue Impulse, auch er wirkt spontan und glaubwürdig. Als Erzähler ist Wolfgang Condrus eingesetzt, dessen warme und einprägsame Stimme seine wenigen Passagen sehr angenehm gestaltet. Christian Giese, Dagmar Sitte und Beate Jensen sind in weiteren Rollen zu hören.
Musik ist in dieser Produktion gar nicht zu hören, allein die Sprecher und ihre Dialoge stehen im Fokus des Interesses. Ab und an wäre aber eine kleine Melodie wünschenswert gewesen, um noch einmal über das gerade Gehörte nachzudenken. Zur atmosphärischen Gestaltung sind jedoch immer wieder Geräusche eingefügt, die sehr passend und glaubwürdig sind.
Joakim steht mit einem Fernglas auf einer ziemlich winzig dimensionierten Erde und beobachtet den vollen Mond und den Sternenhimmel, auf unserem Planeten sind noch einige andere Zeichnungen zu sehen – auch das Titelbild wirkt schon recht philosophisch und ist sehr schön anzusehen. Gut, dass nicht auch noch Mika zu sehen ist, so kann sich jeder sein eigenes Bild von ihm machen.
Fazit: Ein wunderschönes Hörspiel voller Poesie und kluger Gedanken. Nicht nur für Kinder absolut empfehlenswert.
VÖ: 14. Januar 2011
Label: Der Audioverlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1042-5
Gestatten - mein Name ist Cox

Erster Eindruck: Aus der Wirtschaftswunderzeit
Paul Cox schlägt sich pfiffig durch sein Leben, als ihm plötzlich der Mord an einem Anwalt zugeschrieben wird. Nicht verwunderlich, wenn sein Messer im Rücken des Toten steckt. Um sich von der Schuld loszusagen, ermittelt Cox auf eigene Faust... ("Gestatten - mein Name ist Cox")
Ein Koffer aus Schweinsleder - das ist der wichtigste Anhaltpunkt für Paul Cox, als er den Mord an einem Mann aufklären will. Doch wie weit seine ehemalige Geliebte Helena Bernhardt in die Sache verwickelt ist, klärt sich erst nach und nach. ("Mord auf Gepäckschein 3311")
"Gestatten - mein Name ist Cox" war in den 50er Jahren die erste Krimi-Hörspielunterhaltung im deutschen Radio und wurde bei vielen Hörern schnell zum Kult. Grund genug, beide Fälle auf CD zu pressen, so geschehen bei GoyaLit, die die jeweils acht Fortsetzungsfolgen auf vier Doppel-CDs veröffentlichen.
Der erste Fall trägt den gleichen Namen wie die Serie und hat auch heute, über 50 Jahre später, nichts von seinem hohen Unterhaltungswert verloren. Vielmehr kommt der ganze Charme der Zeit wunderbar herüber, trotz aller Spannung transportiert die Geschichte eine gewisse Ruhe, wo heute Hektik herrschen würde. Mit Witz und Pfiff ermittelt sich Paul Cox durch den durchaus verwirrenden Mord, der sich erst im Laufe der Zeit herauskristallisiert. Die Erzählkunst ist hier auf hohem Niveau: Ein Ermittler unter Mordverdacht, viele unerwartete Wendungen und besonders interessante Charaktere. Schon allein die Hauptfigur mit ihrem Charme und ihrer Ausstrahlung vermag zu fesseln. Fast vier Stunden Hörspielunterhaltung werden hier geboten, und die werden Krimifans wie im Fluge vergehen.
Gleiches gilt durchaus auch für den zweiten Teil. Hier ist der Vorteil, dass man die Titelfigur schon kennt und weitere Seiten an ihm entdecken kann - die Charakterisierung ist auch hier sehr gelungen und präsentiert einen außergewöhnlichen Ermittler. Der Fall ist ein wenig verzwickter als sein Vorgänger, wird aber in nicht ganz so langer Zeit gelöst. Das ergibt einen leichten Tempoanstieg, der das Geschehen kurzweiliger wirken lässt. Mir gefällt die Figur der Helena Bernhardt äußerst gut - eine wahre Femme Fatale, die Pfeffer und Leben in den Fall gibt. Schön, dass sowohl aktuelle Entwicklungen wie die Aufklärung des Mordes gleichermaßen beachtet werden. Auch hier liegt ein klassischer Krimi vor, der angenehm nostalgisch wirkt und nicht nur die Leute begeistern wird, die sich noch an die Fortsetzungsgeschichten erinnern, sondern mit dieser Box auch neue Freunde finden wird.
In den beiden Geschichten wird Paul Cox von unterschiedlichen Sprechern vertont. Karl-Heinz Schroth wirkt im ersten Teil ungemein pfiffig und verschmitzt und kann dabei eine Menge Charme versprühen. Erwin Linder legt die Rolle etwas ernster an, was sich auch auf die Wirkung des Falles überträgt. Gustl Busch ist als Mrs. Chataway zu hören und ist mit unüberhörbarer Freude an der Sache. Sehr gefallen hat mir Verena Wiet als Helena Bernhardt, die ihren Charakter Tiefe und Glaubwürdigkeit verleiht. Weitere der vielen Sprecher sind Heinz Klingenberg, Hans Zesch-Ballot, Manred Steffen und Inge Franzen.
Die Musik ist auch für die heutigen Ohren alles andere als angestaubt und kann den Fall gut untermalen. Hier zeigt sich, dass kein akkustisches Feuerwerk gezündet werden muss, um den Hörer an ein Hörspiel zu fesseln, denn hier wird mit relativ wenigen Mitteln eine ganze Menge erreicht. Da die Fälle als Fortsetzungsgeschichten für das Radio produziert wurden, ist nach jedem Abschnitt eine kleine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse zu hören, was den Wiedereinstieg in die Handlung ungemein erleichtert.
Zu finden sind die 8 CDs in Doppelhüllen in einem Pappschuber. Dieser trägt jeweils die Coverbilder der vier Hüllen und kann ebenso wie die Hörspiele viel Nostalgie einfangen. Auch hier wurde auf Schnickschnack verzichtet, trotzdem findet man einiges an zusätzlichen Informationen über verschiedene Themen.
Fazit: Zwei Fälle, spannend und mit sehr interessanten Charakteren, pfiffig und gekonnt erzählt. Hörspiel-Nostalgie wie sie sein sollte!
VÖ: 1. August 2005
Label: GoyaLit /Jumbo
Bestellnummer: 978-3-8337-1419-1
Das Gesetz der Straße

Erster Eindruck: Kampf gegen das Verbrechen mal fünf
Pete Anglich ermittelt in seinem neuen Fall in einem Armenviertel in Los Angeles, wo er einem großen Rauschgiftmarkt auf der Spur ist. Seine einzige Zeugin ist eine verängstigte junge Frau... („Straßenbekanntschaft“)
John Dalmas, ein engagierter Privatdetektiv, wird in einen pikanten Fall angeheuert: Ein betrogener Ehemann will, dass er seiner Frau nach spioniert, die mit einem anderen Mann durchgebrannt ist... („Die Tote im See“)
John Carmady wird gebeten, ein vermisstes Mädchen ausfindig zu machen. Die Spur führt ihn in eine Kleinstadt, in der er in einem Netz aus Korruption und offener Gewalt gefangen wird... („Der Mann, der Hunde liebte“)
Philip Marlowe, ein erfolgreicher Privatdetektiv, hat den Kampf gegen die Mafia aufgenommen. Er soll einen Kleinkriminellen vor der mächtigen Organisation beschützen und wird bald selbst bedroht... („Der Bleistift“)
Da er in einem Prozess gegen einen gefährlichen Verbrecher ausgesagt hat, steht Marlowe unter kompletten Polizeischutz. Doch schon bald fühlt er sich eingeengt und besucht einen Nachtclub – mit fatalen Folgen... („Gesteuertes Spiel“)
Raymond Chandler feierte der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Erfolge als Autor von Kriminalromanen, die einen neuen Typen von hart gesottenem Ermittler geprägt haben. Fünf seiner Geschichten, die als Hörspiel von diversen Radiostationen umgesetzt wurden, hat nun der Audioverlag zusammengefasst und unter dem Titel „Das Gesetzt der Straße“ veröffentlicht – eine Anspielung auf die nicht gerade zimperlichen Helden der Geschichten. Dabei muss man sich immer wieder auf andere Hauptfiguren einstellen, nur Chandlers bekannteste Figur Philip Marlowe darf in gleich zwei Geschichten ermitteln. Auch die Produktionsjahre sind völlig unterschiedlich, das früheste entstand 1973, das späteste 1999. Trotzdem haben alle etwas Essentielles gemeinsam: Den gelungenen Spannungsbogen,der die Geschichte gekonnt und ohne allzu viele Schnörkel erzählt, dafür bis zum Ende wichtige Details offen lässt, um so das Interesse des Hörers aufrecht zu erhalten. Mir gefällt diese bunte Mischung aus verschiedensten Themen, besonders der Kampf gegen mächtige Organisationen scheint es Chandler angetan zu haben. Das tritt insbesondere in „Der Bleistift“ zu Tage, die älteste der Vertonungen gefällt mir insgesamt am besten, da die Bedrohung Marlowes hier gut greifbar ist und es sehr hörenswert ist, wie überraschend er manchmal mit dieser Situation umgeht. Doch auch „Straßenbekanntschaften“, die neuste der Produktionen, besitzt viel Charme und einen wunderbaren Ermittler, der nicht immer den gradlinigsten Weg geht. Alle diese fünf Hörspiele sind hörenswert und überzeugen mit ihren ganz eigenen Nuancen, weswegen ich diese Zusammenstellung Krimiliebhabern nur wärmstens empfehlen kann.
Natürlich sind zahlreiche Sprecher in den Produktionen zu hören, trotzdem machen alle ihre Sache insgesamt gut, es gibt mehr Ausreißer nach oben denn nach unten. In „Straßenbekanntschaft“ ist niemand anderes als Ulrich Pleitgen als Pete Anglich zu hören, mit seiner manchmal recht trockenen Art und sehr intensiven Stimmfärbung kann er den Privatdetektiv hervorragend darstellen. Hans Peter Hallwachs hat mit John Dalmas und John Carmady die Hauptrollen in gleich zwei der Produktionen übernommen, er kann jeweils ganz eigene Facetten zeigen und so die Charaktere doch gut voneinander differenzieren. Arnold Marquis spricht den Philip Marlowe in „Der Bleistift“ und betont seine coole Seite, könnte aber manchmal etwas mehr Tiefgang zeigen. Hilmar Thate spricht in „Gesteuertes Spiel“ den gleichen Charakter und ist dabei etwas variabler als sein Vorgänger. In Nebenrollen sind unter anderem Wolfgang Condrus, Marie-Luise Etzel, Sabine Postel, Marius Müller-Westernhagen und Matthias Ponnier zu hören.
Auch die akustische Umsetzung ist sehr unterschiedlich, kein Wunder wenn man die verschiedenen Produktionsjahre bedenkt. So fällt gerade „Der Bleistift“ aus dem Jahr 1973 auf, da hier nur sehr wenige Stilmittel verwendet werden. In den späteren Produktionen ist dann gerade der Einsatz verschiedener Sounds gelungen, die das Geschehen sinnvoll untermalen, aber nicht zu sehr von der Handlung ablenken.
Die Aufmachung der fünf CDs ist sehr schlicht gehalten, wofür diese Zusammenstellung aber sehr preisgünstig zu haben ist. Stets ist exakt das gleiche Titelmotiv gewählt worden, eine schwarz-weiße Fotografie aus einem Film, die den Charme der früheren Folgen einzufangen weiß. Lediglich das Backcover enthält Informationen zu den Geschichten im einzelnen, die wichtigsten Eckdaten werden aber durchaus genannt.
Fazit: Fans von Kriminalhörspielen werden an dieser Box ihre Freude haben, die unterschiedlichen Ermittler sind in fünf spannenden, interessanten und abwechslungsreichen Fällen zu hören.
VÖ: April 2011
Label: Der Audioverlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1010-4
Die Gentleman bitten zur Kasse

Erster Eindruck: Reales Ereignis spannend umgesetzt
England, Anfang der 60er Jahre: Eine Gruppe von Verbrechern plant den größten Coup ihres Lebens, den Überfall auf einen Postzug. Ihre ganze Energie und ihr ganzes Vermögen stecken sie in die Vorbereitung dieses großen Ereignisses. Doch dazu müssen sie weitere Unbeteiligte Einweihen und gehen damit ein nicht unerhebliches Risiko ein...
1966 hat ein Fernsehdreiteiler die Nation begeistert: „Die Gentleman bitten zur Kasse“, welches einen real geschehenen Überfall auf einen englischen Postzug zum Thema hat. Das Besondere dabei ist die akribische Planung gewesen, die auch im Mittelpunkt des nun erschienenen Filmhörspiels steht und den Reiz der Geschichte ausmacht. Jeder einzelne Schritt des Raubüberfalls wird geplant, in seinen Facetten beleuchtet, das Geld dafür in mehreren kleineren Gaunereien gesammelt. Besonders interessant ist das immer wieder aufkeimende Misstrauen zwischen den einzelnen „Gentleman“, besonders wenn neue Komplizen mit in die Gemeinschaft aufgenommen werden müssen. So entwickelt sich eine ganz besondere Gruppendynamik, was sehr unterhaltsam ist. Das hat Flair, das hat Stil und ist mal so ganz anders als andere bekannte Kriminalfälle, schon allein wegen des Perspektivwechsels. Auch als Hörer ist man immer hin- und hergerissen, schließlich sind die „Helden“ des Hörspiels eigentlich Verbrecher. Natürlich ist auch der Überfall selbst sowie eine gewisse Zeit danach im Hörspiel Thema, was die lange Planungsphase krönt und einen ungefähren Eindruck des realen Geschehens abbildet. Obwohl ausschließlich die Dialoge aus dem Film entnommen und mit Erzähltexten versehen wurden, wirkt das Hörspiel sehr organisch und stimmig. Eine gelungene Adaption, die auch in der heutigen Zeit noch überzeugen kann.
Horst Tappert hat in dem Dreiteiler eine der Hauptrollen inne, den Michael Donegan spielt er mit Leidenschaft und viel Engagement, die scharfen Berechnungen des Charakters werden so in den Vordergrund gestellt. Auch Hans Cossy kann mit einer glaubhaften und sehr gelungenen Vorstellung des Patrick Kinsey überzeugen, das Flair der „Gentleman“ kommt bei ihm besonders gut zur Geltung. Hans-Günter Martens und Peter Weis teilen sich die Erzähltexte und lassen sie lebendig und spannend wirken. Weitere Darsteller sind Günther Neutze, Karl-Heinz Hess und Hans Reiser.
Musik wurde kaum in die Handlung eingebaut, sodass ein nüchterner Eindruck des Geschehens entsteht, der sehr passend ist. An einigen Stellen schallen dann aber doch stimmungsvolle Melodien aus den Boxen. Sehr gut ist die Arbeit mit Geräuschen gelungen, die sich wunderbar in die Dialoge einfügen und einige Dinge verständlicher machen.
Die Gestaltung des Cover ist sehr simpel, ein weißer Hintergrund mit leicht abgesetzten Titel, dazu ein Foto aus dem Film in schwarz-weiß – mehr nicht. Trotzdem ist ein insgesamt ansprechendes Titelbild gelungen. Leider sind kaum weitere Infos zu finde, obwohl es sich bei dieser Umsetzung sicherlich angeboten hätte.
Fazit: Die Übertragung des Filmes ist gelungen, die Handlung spannend und die Thematik sehr interessant, besonders das Zusammenspiel der einzelnen Charaktere ist reizvoll.
VÖ: 14. Januar 201
Label: Der Audioverlag (DAV)
Bestellnummer: 978-3-8623-1016-6
Das Geisterhaus

Erster Eindruck: Weltliteratur feinsinnig umgesetzt
Esteban Trueba, ein verarmter chilenischer Mann, ist überglücklich, dass die hübsche Rosa del Valle ihn heiraten will. Rosa stammt aus einer großen Familie, und ihre kleine Schwester Clara besitzt hellseherische Fähigkeiten. Eines Tages sieht die den Tod eines Familienmitgliedes voraus - doch die Geschichte soll noch weiter gehen...
Isabel Allendes Debütroman aus dem Jahr 1982 gehört längst zur Weltliteratur. Nun haben sich SWR und hr2 an eine Hörspielumsetzung des bekanntes Stoffes "Das Geisterhaus" gemacht und aufwendig vertont, der Hörverlag bringt eine CD-Version des über 9-stündigen Werkes auf den Markt. Erzählt wird die Geschichte einer Familie, verteilt über vier Generationen. Dementsprechend viele Charaktere und Schicksale werden behandelt, und jeder wird die nötige Aufmerksamkeit geschuldet. Die Charaktere werden so intensiv und ausführlich beschrieben, dass sie dem Hörer wirklich real vorkommen, die Geschichte ist so detailliert beschrieben, ohne überfrachtet zu sein, dass man viele der Szenen noch lange im Ohr hat. Die vielen dramatischen Ereignisse sind dabei gleichsam faszinierend wie unterhaltsam, sodass die Zeit wie im Fluge umgeht. Die Umsetzung ist dabei sehr opulent und treffend, Figuren und Entwicklungen kommen bestens zur Geltung und wirken voller Leben. Ein großer Roman, sehr aufwendig in Szene gesetzt, der so seine ganz eigene Faszination entwickelt und wärmstens für lange Herbstabende empfohlen werden kann.
Fast 70 (!!!) Sprecher wirken an der Hörfassung des Romans mit, bis in die kleinste Nebenrolle ist er mit äußerst fähigen Schauspielern besetzt. Manfred Zapatka spricht die sehr wichtige Rolle Esteban Trueba mit der ihm eigenen Intensität und Leidenschaft, sodass der vom Schicksal gebeutelte Mann in jeder Situation punktgenau dargestellt wird. Als Clara Trueba ist Angela Winkler zu hören, die derübersinnlich begabten Frau einen leicht ätherischen Klang verleiht, aber nie den Bezug zur Realität verliert - eine grandiose Vorstellung. Erzähler ist Ulrich Matthes, der ruhig und ohne Hast durch die Geschichte führt, logische Verknüpfungen verständlich macht und - nicht zuletzt - eine angenehme Erzählstimme hat. Weitere Sprecher sind Angela Winkler, Lena Stolze und Felix von Manteuffel.
Für die musikalische Umsetzung ist Pierre Oser verantwortlich, dem ebenfalls Großartiges gelungen ist. Seine Melodien weben einen sehr dichten Mantel für die Geschichte, der sie einschließt und einen Rahmen gibt, sich aber nicht in den Vordergrund stellt. Vielmehr schafft Oser Stimmungen, die die Szenen nicht treffender untermalen könnten.
Das Cover strahlt eine große Melancholie aus, und auch wenn es keinen konkreten Bezug zum Hörspiel hat, passt es sehr gut zu der vorherrschenden Atmosphäre. Die stabile Pappbox zum Aufklappen ist schlicht, aber hübsch gestaltet. Vorbildlich ist das Beiliegende Booklet, welches neben den üblichen Informationen noch Bilder von den Aufnahmen sowie viele Infotexte zu Sprechern und anderen Mitwirkenden bereit hält.
Fazit: Ein Klassiker der Weltliteratur wurde hier dramatisch, treffend und opulent in Szene gesetzt. Musik, Sprecher und Geschichte gehen eine enge Verbindung ein.
VÖ: 17. September 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-563-0
Fetzer

Erster Eindruck: Zombies, Massaker und Filmgesellschaften
Ein schrecklicher Virus hat die Menschheit verändert, Untote und Zombies wandeln auf der Erde. Und schon hat die Filmindustrie einen neuen Trend entdeckt und dreht Filme mit echten, blutigen Massakern. Und die großen Studios schätzen es gar nicht, dass Botschinski versehentlich einen ihrer "Stars" beseitigt...
Lausch, das Hamburger Label, genießt mittlerweile in der Hörspielszene einen äußerst guten Ruf und bestätigt diesen immer mit Hörspielen, die einfach anders sind als der Rest. Neuestes Beispiel hierfür ist "Fetzer", welches mit einer skurrilen Szenerie ziemlich außergewöhnlich ist. Es beginnt mit einer recht heftigen und blutigen Szene, die schon einmal nichts für schwache Nerven ist. Ein Zombiemassaker wird ziemlich detailgetreu und natürlich mit klangvollen Geräuschen unterlegt dargestellt - schon hier setzt Lausch die Richtung des Hörspiels fest und eine Marke für Zukünftiges. Der weitere Verlauf ist eine gekonnte Mischung aus Horror und Krimi, der gradlinige Einsatzleiter "Bot" Botschinski hat allerhand damit zu tun, dass er einen der Film-Zombies ausgeschaltet hat. Dies ist durchaus spannend geschildert und rückt die Skrupellosigkeit der Menschen in den Vordergrund. Faszinierend ist aber besonders die Idee, der Grundgedanke, auf dem "Fetzer" aufbaut: Die "echten" Zombiefilme. Hier wird ein düsteres Zukunftsbild gemalt, das den Hörer sofort in seinen Bann zu ziehen weiß. Im Prinzip ist es ein typisches Hörspiel für Lausch - eine skurille Szenerie, hartee Charaktere und immer wieder überraschende Wendungen. Hier durfte sich Günter Merlau mal wieder austoben, was ihm hörbar Spaß gemacht hat. Und das überträgt sich letztlich auch auf den Hörer, der ein weiteres außergewöhnliches Hörspiel fernab vom Mainstream genießen darf.
Natürlich wurde auch wieder höchster Wert auf eine stimmige Sprecherauswahl gelegt. Jürgen Holdorf ist in der Hauptrolle des "Bot" zu hören und kann mit seiner markanten Stimme und gekonnter Betonung den krassen Charakter sehr gut herausarbeiten. Katharina von Daake spricht Miré sehr intensiv und mit einem sehr guten Sprechrhythmus. Besonders gefallen hat mir erneut die dunkle Stimme von Dorothea Hagena mit ihrer ganz speziellen Einfärbung, die sie auch hier wieder gekonnt einzusetzen weiß. Weitere Sprecher sind Uwe Hügle, Wolfgang Berger und Ranja Bonalana.
Wie bereits oben angesprochen ist gerade die erste Szene sehr anschaulich mit Geräuschen unterlegt, sodass der Hörer nahe am Geschenen zu sein scheint. Auch im restlichen Verlauf wird wieder eine grandiose Mischung aus Musik und Geräuschen geboten, die die Geschichte optimal stützt und mit tollen Effekten für Aufmerksamkeit sorgt.
Das Cover gefällt mir deshalb so gut, weil es auf das Wesentliche reduziert ist. Ein knallroter Schriftzug auf schwarzem Hintergrund, ein Zombie, der aus einem Kasten zu kriechen scheint, ansonsten nur noch Autor, Untertitel und ein wenig Randdeko - fertig ist ein wunderbares Cover. Auch die Gestaltung des Booklets ist schlicht und bietet einen kleinen Text von Autor Markus Heitz.
Fazit: Heftige Szenen, ein außergewöhnliches Szenario, eine spannende Geschichte - Fetzer ist eines jener besonderen Hörspiele, die Günter Merlau immer wieder durch eine dichte Atmosphäre und einer ungewöhnlichen Story zu schaffen weiß.
VÖ: 13. Oktober 2010
Label: Lausch
Bestellnummer: 978-3-9396-0072-5
Die Vögel

Erster Eindruck: Vögel können grausam sein...
Chili ist ein roter Vogel, doch er lebt in einem Baum, der ansonsten nur von blauen Vögeln bewohnt wird. Ausgrenzungen und Anfeindungen muss er jeden Tag erdulden. Doch als er Lanka, die Tochter des blauen Vogelchefs, das Leben rettet, hat er wenigstens eine gute Freundin gefunden. Da erreicht ihn ein Brief, der alles ändern soll...
Katja Riemann kennen viele vor allem als Schauspielerin, einige vielleicht noch als Sängerin. Nun zeigt sie noch eine ganz andere Seite von sich als Hörspielautorin und -produzentin, herausgekommen ist dabei „Die Vögel“, einer anrührenden Geschichte um die Freundschaft zweier Vögel. Viele Themen werden behandelt, oftmals geht es um Fremdenfeindlichkeit und die Angst vor dem Unbekannten. Gerade im ersten Teil, als Chili im Baum der blauen Vögel wohnt, wird der Rassismus realistisch dargestellt und verhilft Kindern zu einer differenzierteren und einfühlsameren Haltung. Doch dies ist nur der erste Teil der Geschichte, die sich konsequent weiterentwickelt und somit viele verschiedene Aspekte und Szenarien behandelt. Hier geht es um Freundschaft, Mut, Liebe und füreinander Einstehen. Das ist mal anrührend, mal traurig, aber auch fröhlich und sehr lebendig und bietet viele wunderschöne Momente. Die Charaktere sind liebevoll beschrieben und werden mit einer kompletten Gefühlswelt ausgestattet. Besonderes Augenmerk verdienen die Lieder, die in die Geschichte eingefügt wurden und auflockernd wirken, aber auch näher auf die Charaktere und deren Gedanken eingehen. „Die Vögel“ ist ein grandioses Erstlingswerk von Katja Riemann, das für die ganze Familie geeignet ist und gut angenommen wird. Zum Träumen, Nachdenken, Freuen und immer wieder hören.
Die Sprecherliste ist klein, kann aber sowohl große Namen wie neue Stimmen bieten. In der Hauptrolle al Chili ist Sidney Frenz zu hören, der eine sehr vielfältige Stimme hat und somit die jeweilige Gefühlslage des roten Vogel genau auf den Punkt treffen kann. Paula Riemann spricht den blauen Vogel Lanka und hat eine sanfte, warme Stimme, was sehr gut zu der Rolle passt. Aber auch sie kann aus sich herausgehen und fröhlich und ausgelassen klingen. Auch Hörspiellegende Andreas Fröhlich bringt seine charmant-witzige Art als gelber Botenvogel Nane mit ein und klingt locker und gelöst wie eh und je. Peter Sattmann, Lou Rodrian und Katja Riemann als Erzählerin sind ebenfalls mit dabei.
Die akustische Untermalung der Geschichte ist sehr einerseits traditionell gehalten, bricht aber immer wieder auf und lässt neue, innovative Elemente mit einfließen. Das zeigt sich auch in den eingefügten Liedern, die verschiedenste Stimmungen und Rhythmen vorweisen können. Einige Songs erinnern an Salsa-Musik, andere sind verträumt und zurückgezogen. Die Texte stammen ebenfalls von Katja Riemann und bringen die Geschichte große Stücke weiter.
Auch die Aufmachung ist gut gelungen und passt sehr gut zur gesamten Produktion. Das Cover zeigt ein Verbotsschild für Vögel und spielt damit auf die Ausgrenzung der andersfarbigen Vögel an, auch die Rückseite ist in ähnlicher weise gehalten. Das Booklet hat neben einem Vorwort von Joschka Fischer Liedertexte, eine Kapitelübersicht sowie Fotos der Sprecher zu bieten.
Fazit: Fantasievoll, einfühlsam, und sehr vielfältig setzt sich das Hörspiel spielerisch mit sehr ernsten Themen auseinander und ist für die ganze Familie geeignet. Eine ganz klare Empfehlung!
VÖ: 15. Oktober 2010
Label: Lauscherlounge / Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-4286-0
Die Tore der Welt

Erster Eindruck: Liebe und Intrige vor historischer Kulisse
Vier Kinder werden im Wald nahe Kingsbridge Zeuge eines Mordes, doch Jahre später geht jedes von ihnen seinen eigenen Weg. Als beispielsweise die Brücke der Stadt einstürzt, will der eigensinnige Merthin eine neue errichten, während seine Geliebte Caris in das örtliche Nonnenkloster wechselt. Im Hintergrund spinnt der Mönch Godwyn seine Intrigen, um Macht über die Priorei zu gelangen...
"Die Säulen der Erde" ist der wohl bekannteste Roman von Ken Follett und hat auch als aufwändig produziertes Hörspiel große Erfolge gefeiert. Keine Überraschung also, dass der Nachfolger "Die Tore der Welt" eine ebenso umfassende Umsetzung vom WDR erfahren hat und auch wieder bei Lübbe Audio als CD-Box erschienen ist. Dabei haben die beiden Werke nur am Rande miteinander zu tun, sämtliche Protagonisten sind sinnigerweise nach 200 Jahren Zwischenzeit nicht mehr am Leben, dafür bestimmen ihre Nachfahren das Geschehen. Auch die Kulisse der großen Kathedrale und der Umgebung von Kingsbridge ist geblieben, sodass man sich schnell in die Schauplätze hereinfindet. Die Handlung beginnt gleich mit zwei sehr spannenden Szenen: Ein junges Mädchen beklaut einen Ritter, der oben erwähnte Mord im Wald von Kingsbridge. Beides ist sehr atmosphärisch umgesetzt und eröffnet gekonnt das Hörspiel. Nach einem weiteren Zeitsprung um einige Jahre braucht die Handlung dann etwas, um in Fahrt zu kommen, die sehr wichtigen Charakterbeschreibungen hindern den Spielfluss. Auch das Aufteilen in verschiedene Handlungsstränge ist ein gutes und wichtiges Stilmittel, erschwert anfangs aber etwas das Verständnis. Dem wirkt der Einsatz von zwei verschiedenen Erzählern entgegen, die grob gesagt das Geschehen im Mönchskloster und im Nonnenkloster getrennt voneinander begleiten, aber auch gut zusammenarbeiten und gemeinsam dynamische Wechsel erzeugen. So findet man sich schließlich doch in die Geschichte ein und wird mit vielfältigen Themen und einem sehr spannenden Verlauf belohnt. Die tragische Liebesgeschichte zwischen Merthin und Caris, der lange Leidensweg der kämpferischen Gwenda und besonders die Intrigenspinnerei des machthungrigen Godwyn. Das alles mischt sich zu einem verschlugenen Geflecht, alles hängt auf die ein oder andere Art miteinander zusammen und steigert sich im Gleichtakt zu einem hochdramatischen Finale. Die historische Kulisse mit realen geschichtlichen Ereignissen wie dem Ausbruch der Pest schafft eine ebenso faszinierende wie feste Umgebung und lässt den Hörer in eine fremde Welt eintauchen. Eine spannende Geschichte, hervorragend vom WDR inszeniert, eine sehr runde Sache, die Hörspielfreunde sich unbedingt anhören sollten.
Die Sprecherauswahl ist ebenso lobenswert, schon allein die Kinderrollen am Anfang werden sehr glaubwürdig umgesetzt. Die beiden Erzähler Rosemarie Fendel und Peter Matic bringen mit ihrer Stimme zusätzliche Dramatik und Spannung ein, ohne zu übertreiben oder den Protagonisten die Aufmerksamkeit zu stehlen; besonders gelungen ist ihr Zusammenspiel. Irina Wanka spricht Caris und lässt den Weg zur standhaften Ordensschwester nachvollziehbar werden, indem sie eine sehr glaubhafte Interpretation vollbringt. Merthin wird von Wanja Mues gesprochen, der den Kampfgeist, aber auch die emotionale Seite seines Charakters auf den Punkt genau vertont. Besonders beeindruckt hat mich die Leistung von Siemen Rühaak als Godwyn, der seinen Charakter derart skrupellos und machtgierig umzusetzt und mit leicht quäkender Stimme schnell zum perfekten "Bösewicht" wird. Gleiches gilt für Fabian Gerhard als Ralph, der eine ungemeine Würze mit einbringt. Weitere der vielen Sprecher sind Camilla Renschke, Jens Wawrczek und Matthias Koeberlin.
Auffällig ist, dass trotz der Möglichkeit, das epische Werk opulent in Szene zu setzen, eine eher sparsame Instrumentiesirung vorgenommen wurde. Natürlich sind einige Melodien in den Szenenübergängen zu hören, jedoch stehen die - sehr gelungenen - Dialoge klar im Vordergrund. Auch der Einsatz der Geräusche ist nicht übermäßig oft anzutreffen, was zu einer fast schon ruhigen Inszenierung führt. Eine gute Wahl, denn so wird die Konzentration auf die Handlung nicht gestört. Das stimmungsvolle Intro vor jedem der Teile ist jedoch wie der Rest der Musik äußerst gelungen und atmosphärisch.
Die acht CDs finden sich in einem wunderschön illustrierten Digipack wieder, das als Stabilisierung einen Pappschuber um sich trägt. Überall lockern kleine, mittelalterlich anmutende Zeichnungen oder Ornamente den Anblick auf. Im Booklet sind neben einem ausführlichen Infotext zu Ken Follett viele Fotos von den Sprachaufnahmen zu finden.
Fazit: Ein wunderbar inszeniertes Werk, spannende Handlungsbögen, hervorragende Sprecher. Ein kleines Muss für Hörspielfans.
VÖ: 11. August 2009
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-3785-9
Der Sandelf

Erster Eindruck: Vorsicht, Wunsch!
Anthea, Robert und Cyril finden in ihrem Urlaub ein reichlich merkwürdiges Wesen: Klein, pelzig, mit Stielaugen und dazu noch ziemlich grummelig – ein Sandelf. Und mit dem hat es etwas ganz Besonderes auf sich, denn er kann Wünsche erfüllen. Natürlich legen die drei Kinder gleich mit dem Wünschen los, und bekommen bald jede Menge Ärger...
Es gibt Kinderbücher, die einfach zeitlos zu nennen sind. Und dazu gehören nicht nur die großen, bekannten Werke, sondern auch manchmal recht unbekannte Geschichten – wie „Der Sandelf“ von Autorin Edith Nesbit, die im Jahre 1902 veröffentlicht wurde. 2009 ist eine so liebevolle Umsetzung des Buches vom Deutschlandradio entstanden, dass die Veröffentlichung auf CD glücklicherweise nicht lange auf sich warten ließ. Der Audioverlag hat es in seine feine Reihe voller eigenständiger Kinderhörspiele aufgenommen, und auch in dieser wunderbaren Serie ist „Der Sandelf“ ein kleines Highlight. Das fängt bei der Darstellung des Sandelfen an, das stets übel gelaunte und maulige Fabelwesen wird schnell zum Star der Geschichte, es ist einfach zu putzig und niedlich anzuhören. Und auch die Handlung, die in mehrere gut voneinander zu trennende Kapitel unterteilt ist, sprüht nur so vor Charme und sehr guten Einfällen. So sorgen die Wünsche der Kinder, die vom Sandelfen nicht immer ganz gradlinig umgesetzt werden, für großes Chaos und immer wieder für brenzlige Situationen – und das macht einfach richtig viel Spaß. Ganz nebenbei werden noch einige Werte vermittelt, sodass „Der Sandelf“ nicht nur Unterhaltung bietet. Die Umsetzung ist sehr liebevoll und sanft an die heutige Zeit angepasst, sodass man der Vorlage ihr Alter gar nicht anmerkt. Ein Hörspiel, dass einfach Spaß macht und immer wieder mal aus dem Regal hervorgeholt werden wird.
Die Besetzung der einzelnen Rollen ist sehr gut gelungen, auch hier merkt man die Freude an der Arbeit und dem Werk. Boris Aljinovic ist als Sandelf zu hören und trägt damit sehr viel zum Gelingen und zur Wirkung bei. Durch seine sehr durchdachte und putzige Art bekommt die Geschichte erst seine richtige Würze. Die drei Kinder Anthea, Cyril und Robert sind mit Anna Huthmann, Wyn Laurids Engeholm und Anton Kurth besetzt, die allesamt sehr flüssig wirken und in jeder Situation glaubhaft bleiben. Reiner Schöne hat einen kurzen, aber wirkungsvollen Auftritt als Mister Peasemarsh. Weitere Sprecher sind Janush Kotzei, Conny Wolter und Axel Wandtke.
Die akustische Umsetzung des Stoffes wirkt zeitgemäß, ohne zu bunt und laut zu sein. So wird die Vorlage sehr harmonisch umgesetzt und bietet eine schöne Atmosphäre, die die Geschichte zum klingen bringt. Dazu sind einige schöne Melodien eingefügt, die wunderbar zu den jeweiligen Situationen passen, aber auch Geräusche, die die Geschichte wirkungsvoller werden lassen.
Der äußerst knuffige Sandelf ist natürlich auch auf dem Cover zu sehen, sodass man gleich einen ersten Eindruck von dem fabelhaften Wesen hat. Doch auch der Hintergrund ist schön gestaltet, in wesentlich helleren Farben, um den Fokus auf dem Sandelfen zu lassen. Hier ist die Wirkung eines der Wünsche zu sehen. Die Aufmachung ist wie immer sehr schlicht und übersichtlich.
Fazit: Eine bezaubernde Geschichte, die besonders durch die wunderbare Hauptfigur eine ganz besondere Note verliehen bekommt.
VÖ: 18. Februar 2011
Label: Der Audioverlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1041-8
Des Kaisers Nachtigall

Erster Eindruck: Märchenklassiker feinsinnig inszeniert
Einst lebte ein chinesischer Kaiser, dessen Reichtum unermesslich war. Doch trotz aller künstlichen Schönheit seines Palastes neidete er eines Tages die Bewohner eines Dorfes, die von der wunderschönen Stimme einer Nachtigall schwärmten. Und so ließ er seine Boten aussenden, um den Singvogel zu sich in den Palast zu holen...
Die Umsetzungen von Märchen sind seit jeher Bestandteil der Hörspielszene, insbesondere in den 80er Jahren kam eine wahre Flut von Märchenkassetten auf den Markt. In letzter Zeit scheint dies ein wenig aus der Mode gekommen zu sein, doch nun veröffentlicht der Hörverlag ein Märchen von Hans Christian Andersen: Des Kaisers Nachtigall. Diese Umsetzung stammt aus dem Jahr 1955, hat aber auch heute nichts von seinem Zauber verloren. Die Geschichte ist eine sehr anrührende, die die Schönheit der Natur thematisiert und künstliche Errungenschaften in Frage stellt. Viele sehr intensiv-schöne Momente voll von der besonderen Magie, die allen Märchen von Andersen innewohnt, lassen diese Produktion wie im Fluge vergehen. Auch die Umsetzung ist mehr als gelungen und unterstreicht ebendiesen Zauber, lässt ihn mit den eingesetzten zarten Melodien noch mehr in den Vordergrund treten. So stelle ich mir gelungene Märchenhörspiele vor, die nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene bezaubern und bestens unterhalten können.
Die Sprecher schaffen es, die Geschichte voller lebendiger Energie zu gestalten und den märchenhaften Figuren den gewissen Hauch von Magie zu verleihen. Gert Westphal kann beispielsweise mit seiner sehr kräftigen, einprägsamen Stimme eine starke Präsenz erreichen, in den etwas ruhigeren Momenten aber auch zurücktreten, um anderen Charakteren Platz zu machen. Will Quadflieg verströmt eine ähnlich intensive Aura und setzt seine ganz eigenen Nuancen, um die Geschichte zu bereichern. Sehr gut gefallen hat mir die zauberhafte Ingrid Pan, deren sanfte Stimme wunderbar zu dieser Art von Hörspiel passt. Weitere Sprecher sind unter anderem Ernst Ginsberg und Ellen Schwiers.
Die Musik ummantelt die Geschichte sanft mit einzigartigen und sehr fein abgestimmten Klängen, setzt des öfteren aber auch Akzente und tritt in den Vordergrund, um die Atmosphäre des Märchens weiter zu betonen. Christoph von Dohnanyi hat es geschafft, die Seele der Handlung zu erfassen und sie mit seiner Klangwelt fühlbar zu machen.
Auch das Cover sticht aus den heutigen Produktionen hervor und bietet durchaus nostalgischen Charme. In Scherenschnittoptik sind der Kaiser, ein Bediensteter sowie die Nachtigall zu sehen, wobei der Vogel als einziges auch andere Farben als schwarz hat. Auch hier wurde ein wenig von der Atmosphäre des Hörspiels mit recht einfachen Mitteln eingefangen.
Fazit: Ein bezaubernder Märchenklassiker in einer auch heute noch bestechenden Umsetzung, der ich hiermit meine vollste Empfehlung aussprechen kann.
VÖ: 18. Februar 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-729-0
Der Spieler

Erster Eindruck: Schleichender Verfall
Alexej Iwanowitsch ist Angestellter einer russischen Adelsfamilie, die jedoch kurz vor der Ruin steht und nur auf die Erbschaft einer reichen Tante wartet. Diese verprasst jedoch ihr Vermögen beim Glücksspiel, und auch Alexej verfällt dem Roulette, nachdem die Tochter der Familie, Pauline, seine Liebe abgewiesen hat...
Fjodor M. Dostojewski, hoch angesehener russischer Autor, hat zahlreiche Romane verfasst, die mittlerweile zu Klassikern geworden sind. „Der Spieler“ ist der Titel eines seiner früheren Werke, welches im Jahr 1956 eine Hörspielfassung vom NDR erhalten hat. Diese hat der Hörverlag nun aus den Archiven ausgegraben und die 78-minütige Umsetzung auf CD veröffentlicht. Wer lockere Unterhaltung bevorzugt, sollte hier nicht zugreifen, denn die Geschichte um Alexej, der nach und nach der Spielsucht verfällt, ist um einiges gehaltvoller als die übliche Hörspielunterhaltung. Oftmals erinnert die Geschichte an eine psychische Studie, so tief dringt man in den Charakter der Hauptfigur ein und kann von dem recht beschaulichen Anfang über die ersten Erscheinungen bis hin zum völligen Absturz jede Station miterleben und nachvollziehen. Dieser Prozess geht dabei recht langsam voran, sodass manchmal nur sich veränderte Nuancen auffallen und so den schleichenden Verfall kennzeichnen. Vorerst wird selbstverständlich erst die Grundsituation erklärt und der Auslöser von Alexejs Spielsucht geklärt, und auch im Verlauf der Geschichte sind immer wieder kleine Nebenschauplätze eingebaut, die nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern auch immer Auswirkungen auf Alexejs aktuelle Situation haben. „Der Spieler“ ist keine leichte Kost (und will es auch gar nicht sein), sondern fordert Aufmerksamkeit und ein gewisses Interesse am Thema, dann jedoch wird man mit einem wirklich sehr intensiven und beeindruckenden Hörerlebnis belohnt, welches in seinem Nuancenreichtum überzeugend ist.
Viele hervorragende Sprecher wurden hier engagiert, die den nicht gerade lockeren Stoff mit einer Ernsthaftigkeit und Präsenz umsetzen, die beeindruckend ist. Alles voran gilt dies für Heinz Reincke als Alexej Iwanowitsch, der mit seinem facettenreichen Spiel den langsamen Verfall seines Charakters nachzeichnet und für den Hörer erlebbar macht. Gisela Zoch-Westphal spricht Pauline und legt gleichsam etwas liebenswert-verführerisches wie abweisendes in ihre Stimme und kann somit sehr dynamisch wirken. Hans Paetsch, der auch in der heutigen Hörspielszene einen sehr guten Ruf innehat, spricht hier Mr. Astley und kann seinen prägnanten Klang auch hier wunderbar zu seinen Zwecken formen. Weitere Sprecher sind Heinz Klevenow, Heinz Piper und Inge Windschild.
Mitte der fünfziger Jahre ist dieses Hörspiel entstanden, und das ist vorrangig in der Akustik spürbar, offenbar herrschten damals völlig andere Ansprüche. Keine Musik wurde hier eingesetzt, die für Ablenkung oder Frohsinn sorgt, nüchtern wird die Geschichte erzählt. Zahlreiche Geräusche sorgen aber immer wieder für die passende Stimmung zu der jeweiligen Situation und gestalten alles noch intensiver.
In gedeckten Brauntönen ist ein schlichtes, aber eindrucksvolles Cover entstanden, welches lediglich den Teil einer Roulettescheibe zeigt. Darüber ist sehr groß der Name des Autors vermerkt, wohingegen der Titel des Hörspiels in geschwungenen Lettern hübsch gestaltet ist. Das Booklet enthält zusätzliche Infos zu Dostojewski und zu den Sprechern.
Fazit: Ein interessanter Rückblick in die Geschichte des Hörspiels, zudem ein sehr nuancierter Einblick in die menschliche Psyche. Anspruchsvoll und bedeutsam.
VÖ: 14. Januar 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-726-9
Die grosse Sams Hörspielbox

Erster Eindruck: Wunschlos glücklich
Nachdem HerrTaschenbier eine Woche mit Sonne, Herrn Mon, Dienst, der Mitte der Woche, Donner und frei hinter sich hat, begegnet ihm am Samstag ein merkwürdiges - und ziemlich freches - Wesen, das sich das Sams nennt. Mit Hilfe seiner blauen Punkte kann es Wünsche erfüllen ,und so beginnt für Herrn Taschenbier eine turbulente Woche ("Eine Woche voller Samstage")
Herr Taschenbier vermisst das Sams nach seinem Abschied mehr, als er vorher gedacht hätte. Uns so setzt er alles daran, das Sams zu sich zurück zu holen. Doch da geht einiges schief, und das Sams gerät in große Gefahr... ("Am Samstag kam das Sams zurück")
So sehr Herr Taschenbier sich auch freut, dass das Sams bei ihm geblieben ist, er braut dringend neue Wunschpunkte. Als die beiden kurz vor Mitternacht auf dem Dachgiebel sitzen, erlebt Herr Taschenbier eine große Überraschung... ("Neue Punkte für das Sams")
Martin Taschenbier bekommt auf seiner Klassenfahrt eine ungewöhnliche Begleitung: Das Sams! Und das stellt so einige Tage völlig auf dem Kopf... ("Ein Sams für Martin Taschenbier")
Wer kennt es nicht, das schweinsasige Sams im Taucheranzug mit blauen Punkten, das das Leben von Herrn Taschenbier ordentlich durcheinander wirbelt? Die Bücher von Paul Maar sind längst zu Klassikern avanciert und die ersten vier Teile der Reihe auch schon seit längerer Zeit als Hörspielversion zu haben. Diese hat nun Oetinger Audio in einer Box versammelt, die sich kein Fan der Kinderbücher entgehen lassen sollte, denn hier kommt der ganze geballte Charme der Geschichten herüber.
Die wunderbar skurrillen Figuren begeistern dabei insbesondere im ersten Band - die keifende Frau Rotkohl, der kauzige Herr Taschenbier und allen voran das ziemlich freche und unkonventionelle Sams. Urkomische Wortspiele und ziemlich haarsträubende Situationen prägen diesen ersten Teil wie die ganze Reihe.
In den Nachfolgebänden wird von der reinen Situationskomik abgelenkt und eine fortlaufende Geschichte erzählt. "Am Samstag kam das Sams zurück" handelt von der gefährlichen Wunschmaschine, die Herrn Taschenbier bei der Abwesenheit des Samses das Leben erleichtern soll. Der Ärger ist vorprogrammiert, und so ist der Schluss gerade für Kinder sehr spannend, man fiebert regelrecht mit. Natürlich kommt auch hier der Spaß alles andere als zu kurz.
"Neue Punkte für das Sams" dreht den Spieß um, und als Neuerung hat dieses mal Herr Taschenbier die blauen Wunschpunkte. Neue, freche Situationen ergeben sich daraus, zumal Herr Taschenbier ziemlich verliebt in eine Kollegin ist. Hier wirkt das Sams ziemlich menschlich in seiner Eifersucht, doch auf seine ganz typische, freche Art wird auch hier wieder viel zum Lachen geboten, bis ein rührendes Ende den Band abschließt.
"Ein Sams für Martin Taschenbier" wechselt komplett die Perspektive und hat nun Martin, den Sohn von Herrn Taschenbier, als Hauptfigur. Geblieben ist das Sams, das frech wie immer Trubel mit sich bringt. Diese Geschichte wirkt etwas gebremster als seine Vorgänger und hat nicht mehr den unkonventionellen Biss. Trotzdem ist es eine spaßige und unterhaltsame Geschichte.
Wunderbare Hörspiele für die ganze Familie, die mit der phantasievollen und unkonventionellen Figur des Sams ganze Generationen verzaubern konnten - und es auch mit dieser Box immer noch können.
Anstatt mit den üblichen Sprechern wurden die Hörspiele von einer Theatergruppe eingespielt, die sich auf Kindertheater spezialisiert hat: Die Kullerköpfe. Und so sind auch recht ungewöhnliche Aufnahmen gelungen, die sich wohltuend von der Masse abheben und ein anderes Hörvergnügen bereiten. Das Sams klingt wunderbar quäkend und kann sich so noch deutlicher von den Menschen abheben. Peter Schiff spricht den Herrn Taschenbier und kann die Wandlung vom verschüchterten Kauz bis zum standhaften Familienvater gut nachvollziehbar machen. Andere Sprecher sind beispielsweise Ingrid Riefer, Andreas Rothe und Uwe Paulsen.
Die Musik zum ersten Teil stammt von Max Roth. Er hat fröhliche und farbenfrohe Melodien gewählt, die so außergewöhnlich wie das Sams selbst sind. Besonders bei den witzigen Reimen des Wesens kann er überzeugen. Danach zeichnet sich Sabine Wüsthoff für die akustische Untermalung verantwortlich, die eine ebenso gelungene Umsetzung geschaffen hat, die sowohl für Kinder wie auch für ihre Eltern (oder andere Erwachsene) ansprechend ist.
Klar, dass das Sams groß auf der Titelillustration prankt, und das gleich in vierfacher Ausführung. Das ist an die Aufmachung der Bücher angelehnt, die einen ähnlichen Look hatten. Ein Schuber aus Pappe schützt die dicke Kunststoffbox, das kleine Booklet enthält weitere Informationen zu Autor Paul Maar.
Fazit: Freche und witzige Familienhörspiele voller Charme. Die Geschichten vom Sams sind sehr hörenswert!
VÖ: August 2010
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0507-4
Das Haus

Erster Eindruck: Mutiges Gesamtkunstwerk
Will Navidson entdeckt einige Merkwürdigkeiten an seinem neuen Haus. So ist es drinnen um ein paar Millimeter größer als außen. Doch dann taucht auch noch eine Tür auf, die in ein unterirdisches Höhlensystem führt. Voller Neugier beginnt er, das Labyrinth zu erforschen - mit ungeahnten Folgen...
"Das Haus" ist der Titel eines postmodernen Romans, im Original von Mark Z. Danielewski, und ist auf verschiedenen Erzählebenen, mit verschiedenen Schrifttypen, Farben, Fußnoten und anderen Außergewöhnlichkeiten ein recht anspruchsvolles Werk. Der WDR hat sich getraut, dieses als Hörspiel umzusetzen, doch nicht als einfache, fortlaufende Geschichte, sondern ebenfalls auf drei Ebenen, die parallel gelaufen sind. Dieses ungewöhnliche Projekt wurde nun vom Audioverlag veröffentlicht, als passendes Medium hat sich die DVD behauptet, sodass man nun auch hier bequem zwischen den einzelnen Stücken wechseln kann. Im Kern ist "Das Haus" eine Horrorgeschichte, Navidsons Erkundungen des Labyrinths wären an sich schon eine gute Basis für ein spannendes und interessantes Hörspiel. Den besonderen Reiz entfaltet es aber durch das Zusammenspiel mit den Analysen des blinden Wissenschaftlers Zampano und den anderen Textfragmenten, hier erfährt man Hintergrundwissen, Vergangenes oder andere Bezüge, die aber alle direkt oder indirekt mit dem Labyrinth zu tun haben. Verschiedene Stilmittel sorgen, wie beim Buch, für einen teilweise recht surreallen Eindruck. So stammt das Wort "Haus" immer von ein und demselben Sprecher und ist in den normalen Sprachfluss integriert, um nur ein Beispiel zu nennen.
Das Ganze ist sicherlich recht komplex, und beim ersten Durchhören wird man die Geschichte in seiner Gesamtheit kaum erfassen können, hierfür sind schon mehrere Durchgänge möglich. Dazu stellt die DVD drei verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: Man kann sich die einzelnen Bausteine einzeln anhören, was das Verständnis stark erleichtert, aber auch den Reiz des Zusammenspiels nimmt. Dann kann man - im laufenden Hörspiel - zwischen den drei Ebenen wechseln und so immer weiter in die Geheimnisse eintauchen. Oder, als dritte Möglichkeit, vorgespeicherte Wege durch das Hörspiel anwählen, die zufällig ausgewählt werden und auch so immer wieder anders wirken. Ähnlich wie das Labyrinth IN der Geschichte verändert sich so auch die Geschichte selbst immer wieder, neue Informationen werden zugespeist, an anderer Stelle Spannung erzeugt... Die Möglichkeiten sind vielfältig, sodass langfristig diese DVD immer wieder im Player landen wird. "Das Haus" ist fernab von den üblichen, momentan erhältlichen Hörspielen und hat viele künstlerische Aspekte, ist anspruchsvoll und anfangs schwer zu durchschauen, und gerade das macht den großen, den riesigen Reiz dieses engagierten und durchweg gelungenen Projektes aus.
Viele renommierte Schauspieler wurden für "Das Haus" gewonnen, hier wurde auf höchste Qualität geachtet, damit die dreigeteilte Geschichte ihre Wirkung vollends entfalten kann. Als Zampano ist beispielsweise Roberto Ciulli zu hören, er schwankt zwischen wissenschaftlicher Präzision und aufgebrachter Leidenschaft, sehr dynamisch und eingängig. Auf der zweiten Erzählebene ist Tom Schiling als Jonny Truant mit seiner präzisen, intensiven Sprechweise ein starker Bezugspunkt für den Hörer. Auch Anna Thalbach ist auf dieser Ebene als Thumper zu hören, die ihre Wirkung genau auslotet und immer wieder aufregende Akzente setzt. Andere der vielen Sprecher sind beispielsweise Wolfram Koch, Marion Kittel, Sascha Icks, Camilla Renschke und Gerd Köster.
Für die drei Ebenen wurde jeweils ein anderer Musiker engagiert, der der Geschichte seine ganz eigene Wirkung verleiht, einen anderen Stempel aufdrückt. Alle drei sind jedoch beängstigend und auf eine geniale Weise fesselnd. So gewinnt die Geschichte an Intensität, immer wieder setzten Effekte Schockmomente, trägt die verstörende Hintergrundmusik zur vorherrschenden Stimmung einen großen Teil bei.
Der Eindruck eines Gesamtkunstwerkes schlägt sich auch auf die Veröffentlichungsweise nieder - statt einer normalen CD-Hülle wurde eigens ein ganzes Buch entworfen, das in schlichtem Blau hochwertig gebunden wurde. Es enthält etliche leere Seiten, aber auch viele Textfragmente, Notizen, Zeichnungen und anderes. Auf der letzten Seite finden sich alle Informationen zur Produktion und auch kleine Texte über einige Sprecher.
Fazit: Ein vollkommen ungewöhnliches und mutiges Projekt, das sehr faszinierend ist und mit den drei unterschiedlichen Ebenen nicht nur sehr faszinierend ist, sondern auch immer wieder neue Motivtion zum Hören hervorruft.
VÖ: 15. Oktober 2010
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-89813-995-3
Das Angstmacherchen

Erster Eindruck: Paraderolle für Santiago Ziesmer
Ole hat vor fast nichts Angst - außer vor Gewittern. Als er sich eines Nachts wieder vor Blitz und Donner versteckt, begegnet er einem kleinen Mann, dem Angstmacherchen. Mit seinem schwarzen Pulver sorgt es dafür, dass jedes Kind vor etwas bestimmten Angst hat. Das will Ole nicht auf sich sitzen lassen und und das Angstmacherchen gemeinsam mit seinen Freunden bekämpfen. Doch sein Gegner ist mächtig...
Markus Heitz hat mit seinem Bilderbuch "Das Angstmacherchen" ein Werk geschaffen, welches Kindern den Umgang mit Angst vermitteln soll. Nun wurde es auch als Hörspiel umgesetzt, welches mit 35 Minuten Länge auch schon für die ganz kleinen Zuhörer ab 4 Jahren geeignet ist. Die Geschichte personifiziert die Angst als kleines, graues Männchen, welches auf dem Nachttisch der Kinder sitzt und ihnen mit schwarzem Pulver ihre jeweilige Angst einflößt. Das hilft den Kindern, das abstrakte Gefühl der Angst auf eine greifbare Figur umzuwandeln und damit ihren Schrecken zu nehmen. Der Verlauf der Geschichte ist dabei sehr kurzweilig und auch für Erwachsene (mit gewisser Affinität zum Kinderhörspiel) unterhaltsam. Besonders der letzte Kampf gegen das Angstmacherchen ist sehr gut umgesetzt. Viele Vorschläge werden gemacht, mit seiner Angst umzugehen, beispielsweise Erwachsene fragen. Als besonders wichtig wird jedoch dargestellt, über seine Ängste zu reden und nicht allein damit fertig werden zu müssen, und das alles in dem sehr spielerischen Umfeld. Ein sehr schönes und gelungenes Hörspiel, das Spaß macht, für Kinder durchaus spannend ist und sogar einen Wert vermittelt, ohne den Zeigefinger zu erheben.
Die Sprecher wurden hervorragend besetzt, besonders das Angstmacherchen hat in Santiago Ziesmer seinen idealen Sprecher gefunden. Mit seiner kratzigen, markanten Stimme krächzt und keift er sich durch das Hörspiel und verleiht der Figur so einen gewissen Zauber, ohne ihr ganz den Schrecken zu nehmen - wunderbar! David Kunze ist in der Hauptrolle als Ole zu hören und spricht den Jungen sehr flüssig und glaubhaft, was aufgrund seines hörbar Jungen Alters eine sehr gute Leistung darstellt. Der Erzähler der Geschichte ist Norbert Langer, dessen warme Stimme wieder etwas von dem Schrecken des Angstmacherchen neutralisiert. Weitere Sprecher sind unter anderem Cedrick Eich, Wicki Kalaitzi und Oliver Rohrbeck.
Zuständig in Sachen Musik war Dirk Wilhelm, der eine für Kinder geeignete Atmosphäre geschaffen hat. Die Klänge sind eher leise und hintergründig, um nicht von der Geschichte abzulenken, kann aber die Geschichte an den richtigen Stellen in ihrer Wirkung unterstützen. Auch hier kann es für kleinere Kinder gruselig werden, ohne zu viel Schrecken bereit zu halten.
Auf dem Titelbild ist logischerweise auch das Buchcover abgebildet, das ganz in rot gehalten ist. Es zeigt nicht nur Ole, der verängstigt dreinblickt, sondern auch das Angstmacherchen, das so schrecklich gar nicht aussieht, sondern als grummeliger alterMann dargestellt wird. Ein Booklet ist nicht vorhanden, die Produktionsinfos sind hinter der CD versteckt.
Fazit: Ein wunderbares Hörspiel für Kinder über die Angst und wie man damit umgehen kann. Sehr spannend und kurzweilig.
VÖ: 15. Oktober 2010
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-8339-5226-5
Erster Eindruck: Krimi aus Frankreich
Kommissar Adamsberg findet auf einem Londoner Friedhof eine Reihe von einzelnen Schuhen - die jeweils einen abgehackten Fuß enthalten. Auch der Pariser Fund einer grausam zerstückelten Leiche gibt dem Ermittler Rätsel auf. Seine Recherchen führen in nach Transsylvanien, wo er auf ein Netz von Aberglaube und menschlicher Grausamkeit stößt...
Fred Vargas, französische Krimiautorin, hat bei ihren Fans schon längst Kultstatus erreicht, indem sie skurrile Situationen in ihren Romanen schildert und so ungewöhnliche Geschichten entstehen lässt. In "Der verbotene Ort", der vom WDR als Hörspiel produziert und von DAV veröffentlicht wurde, sind gleich zwei dieser merkwürdigen Morde geschildert und bilden das Fundament für einen spannenden Krimi. Die Beschreibungen sind nichts für schwache Nerven, sehr genau und Bildreich. Kommissar Adamsberg ermittelt in den beiden Fällen und - wie sollte es anders sein - vermutet einen Zusammenhang. Das klingt beim ersten Hören recht konstruiert, als ob die Autorin nur auf diese beiden Schockmomente setzen würde. Umso überraschter ist man dann, dass eine sehr spannende und ansprechende Geschichte daraus wird, die tief in die Abgründe der menschlichen Seele blicken lässt und mit vielen Kehrtwenden die Handlung dynamisch am Laufen lässt. Die verwendete Sprache ist sehr literarisch, das Hörspiel wirkt so ein wenig spröde, nicht locker-unterhaltsam, sondern verlangt nach Konzentration und Aufmerksamkeit. Und gerade deshalb habe ich mich ihm so gern gewidmet.
Da dies ursprünglich ein Radio-Hörspiel war, sind kaum bekannte Namen aus den üblichen Produktionen zu finden, was Verwechslungen vermeidet. Die Hauptrolle des Kommissar Adamsberg wird von Volker Risch gesprochen. Mit fester, aber variationsreicher Stimme kann er in jeder Situation bestehen und überzeugen. Peter Fricke spricht seinen Kollegen Danglard, auch seine ernste Darstellungsweise trägt zum getragenen Eindruck des Hörspiels bei. Tommi Piper spricht den Emile und sorgt mit seiner markanten Stimme für eindrucksvolle Momente. Weitere Sprecher sind Gabriele Blum, Fabian Sattler und Matthias Ponnier.
Auch die Produktion ist an einigen Stellen sperrig - statt galanter Orchestermelodien sind teilweise Pieptöne zu hören. Anzumerken ist, dass dies vielleicht kein Genuss für die Ohren ist und anscheinend auch nicht sein will, Stimmung und Spannung aber grandios einfangen kann. Auch der französischen Herkunft der Autorin wird in einigen Melodien gedacht, sodass die akkustische Gestaltung insgesamt überzeugen kann.
Auf den ersten Blick ist auf dem Cover erst einmal nicht viel zu erkennen, die Farbe Orange prägt den ersten Eindruck. Erst beim zweiten Hinsehen fällt das Kreissägeblatt auf, welches gut zu der Handlung passt. Das stabile Digipack macht einen guten Eindruck.
Fazit: Poetische Sprache, grausame Schilderungen, menschliche Abgründe, spannende Geschichte - "Der verbotene Raum" ist sperrig, aber absolut hörenswert.
VÖ: 13. Oktober 2009
Label: DAV
Bestellnummer: 978-3-8981-3878-9
Der kleine Lord

Erster Eindruck: Aufbruch ins alte England
Cedric Errol verbringt eine unbeschwerte Kindheit mit seiner Mutter in Amerika, arm aber glücklich. Das ändert sich schlagartig, als eines Tages Cedrics Großvater, der ein echter Graf in England ist, seinen Enkel auf seinen Landsitz holt. Der griesgrämige alte Mann wird schon bald vom Charme des aufgeweckten Jungen eingefangen...
Für viele gehört „Der kleine Lord“ ebenso zum Weihnachtsfest wie ein Tannenbaum oder Plätzchen. Die Geschichte, die seit Generationen bezaubert, ist vorrangig in seiner filmischen Umsetzung bekannt. Doch auch diverse Hörspiele beschäftigen sich mit der anrührenden Geschichte, beispielsweise in der Produktion des SWR von 1956, veröffentlicht beim Audioverlag. Die wohl bekannte Handlung ist auch heute noch unterhaltsam und bietet viele emotionale und wunderschöne Momente. Kernstück ist die Wandlung des verbitterten Lord Dorincourt zu einem liebenswerten und fröhlichen Mann, allein durch das unbewusste Einwirken seines Enkels, was gleichsam emotionale wie witzige Momente beinhaltet. So ist der Verlauf der Geschichte sehr kurzweilig, die Produktion ist in jeder Sekunde von der Liebe zu diesem einzigartigen Stück Literatur durchdrungen. Sicherlich eine sehr gute Umsetzung voller Gefühl, die bestens für lange Winterabende geeignet ist.
Obwohl dieses Hörspiel über 50 Jahre alt ist, sind auch heute noch einige der Sprecher bekannt. Als Cedric Errol ist Andreas von der Meden zu hören, dessen Stimme als Kind noch nicht ganz so markant war wie heute, der aber auch damals schon eine intensive Interpretation der Rolle vollbracht hat. Frank Elstner, heute eher bekannt als Moderator, hat hier den Dick Tipton gesprochen und überzeugt mit seiner glaubwürdigen Art. Ganz wunderbar ist Albrecht Schönhals als Graf Dorincourt, der die Wandlung vom grummeligen alten Mann zum liebenswerten Großvater miterleben lässt. Weitere Sprecher sind unter anderem Lotte Betke, Trude Tandar und Werner Lieven.
Die musikalische Gestaltung ist eher schlicht gehalten, kann aber mit einigen schönen Melodien den Verlauf des Hörspiels angenehmer gestalten und sorgt für schöne Stimmungen. Die wenigen platzierten Geräusche sorgen ebenfalls für Atmosphäre und lassen das Geschehen greifbarer werden.
Die Aufmachung der CD ist eher schlicht gehalten. So liegt beispielsweise kein ganzes Booklet, sondern nur ein einzelnes Blatt bei. Trotzdem sind alle notwendigen Informationen und sogar eine ausführliche Trackliste zu finden. Das Cover zeigt natürlich Cedric in verschmitzter Pose, zusammen mit dem großen Hund, das alles schön gezeichnet.
Fazit: Die berühmte Geschichte wurde hier feinsinnig und mit viel Gefühl umgesetzt, sodass man gerne lauscht und die ganze Familie um die Lautsprecher versammeln kann.
VÖ: August 2005
Label: Der Audioverlag (DAV)
Bestellnummer: 978-3-8981-3472-9
Don Quijote von der Mancha

Erster Eindruck: Der berühmte Kampf gegen Windmühlen
Don Quijote de la Mancha - welch klangvoller und beeindruckender Name. Doch ist er nur das Werk der Fantasie, den statt gegen heldenhafte Ritter, grausige Riesen oder Ungeheuer zu kämpfen, greift der Mann mit seinem treuen Begleiter Sancho Pansa Windmühlen und Weinschläuche an - sofern er neben dem Dichten Zeit dafür findet...
"Don Quijote de la Mancha", ein jeder dürfte zu mindestens den Titel dieses Weltklassikers kennen, vielleicht sogar mit Windmühlen in Verbindung bringen. Nun gibt es das Werk des Spaniers Miguel de Cervantes Saavedra auch als Hörversion, entstanden durch Deutschlandfunk und hr2, veröffentlicht vom Hörverlag. Es ist ein mutiges Projekt, denn vom klassischen Hörspiel ist "Don Quijote de la Mancha" weit entfernt, was allein schon durch die Buchvorlage gegeben ist. Don Quijote steigert sich immer weiter in seinen Wahn, seine Fantasiewelt hinein, die Geschichte lebt nicht von ihrer Entwicklung - die kaum gegeben ist - sondern von dem Augenblick, der mal heitere, mal skurrile Momente hervorbringt. Auch die hochtrabenden, aber immer humorvollen Dichtungen fließen mit ein und bilden gekonnte Intervalle. Ein anspruchsvolles Werk, das eine mutige Umsetzung verdient und auch bekommen hat. Regisseur Klaus Buhlert inszeniert es als Mischung aus Hörspiel und - buch, lange, gelesene Passagen wechseln sich mit Dialogen, ausschließlich zwischen Don Quijote und Sancho Pansa, ab. So kommt das Werk wunderbar zum Tragen und versprüht eine ganz eigene Note, allerdings sollte man sich bewusst sein, dass hier trotz viel hintergründigem Humor ein anspruchsvolles Werk vorliegt, das zum Nebenbeihören nicht geeignet ist.
Gerade einmal drei Sprecher sind eingesetzt, ein ebenfalls guter Zug, um das Werk zur Geltung zu bringen. Rufus Beck spricht den Don Quijote de la Mancha und beweist sein Talent für komische Rollen. Er trifft immer genau der Figur auf den Kopf und spricht sehr variabel. Sancho Pansa, sein treuer Begleiter, wird von Thomas Thieme gesprochen, auch er kann mit einer punktgenauen Betonung und einer außergewöhnlichen Stimme Punkten. Die weiblichen Parts übernimmt die grandiose Anna Thalbach, in deren Stimme immer ein bisschen Schwermut mitklingt, der die Geschichte bereichert.
Das Stück spielt in Spanien, und so ist auch die akustische Untermalung ausgefallen. Auch hier wurde Mut bewiesen, teilweise wiederholt sich ein und das selbe Geräusch immer und immer wieder, nur einer von vielen passenden und gelungenen Einfällen. Typische Hörspielmusik sucht man vergebens, eine wirklich außergewöhnliche Leistung.
Die Gestaltung ist sehr gelungen, vor schlicht weißem Hintergrund sieht man auf dem Titelbild Don Quijote und Sancho Pansa als eine Art Strichmännchen. Sehr löblich ist das dicke Booklet, das beiliegt: Mit ausführlicher Trackliste, aufschlussreichen Informationen zu Autor, Darstellern und dem Werk selber sowie einem interessanten Interview ist es bestens ausgestattet.
Fazit: Ungewöhnliches Werk, manchmal eher szenische Lesung, voll hintergründigem Humor und mutig inszeniert - ein Klassiker, der seine verdiente Umsetzung bekommen hat.
VÖ: 15. Oktober 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-291-2
Als Oma seltsam wurde

Erster Eindruck: Demenz einfühlsam erklärt
Ulf hat seine Oma sehr gern und verbringt viel Zeit mit ihr. Natürlich sagt und macht sie manchmal merkwürdige Dinge, doch eines Tages ist Oma einfach nur seltsam. Sie ist unfreundlich zu ihrem Bäcker und vergisst sogar Ulfs Namen. Doch dann will Oma auch noch zur Bank und ihr ganzes Geld abheben. Ulf weiß langsam nicht mehr, was er machen soll...
Das Thema Altersdemenz ist gerade den Enkelkindern oftmals schwer zu erklären, einen kleinen Beitrag zum Verständnis der Krankheit leistet „Als Oma seltsam wurde“, ein Buch von Ulf Nilsson, vom WDR als Hörspiel produziert. Hier wird Kindern langsam und sensibel erklärt, was mit Großeltern so alles passieren kann, viele Erlebnisse den jungen Ulf hat vielleicht sogar schon der ein oder andere Zuhörer so erlebt. Das Vergessen des Namens ist nur der Anfang, immer verrücktere Sachen stellt Oma im Laufe des knappen 40 Minuten Hörspiel an. Das ist teilweise witzig, teilweise sehr traurig geschildert und spiegelt die Demenz der Oma ziemlich realitätsgetreu wieder. Sehr einfühlsam wird dabei auf die Gefühle von Ulf eingegangen, der dem Verhalten seiner Oma ziemlich rat- und hilflos gegenübersteht. Hier finden Kinder eine erste Orientierung, wenn es auch mit ihren Großeltern die ersten seltsamen Dinge geschehen. Die große Sensibilität, aber auch der Witz einiger Situationen sowie der Unterhaltungswert der Geschichte machen aus „Als Oma seltsam wurde“ ein sehr empfehlenswertes Hörspiel für jüngere Zuhörer.
Die Sprecher sind wichtigstes Element, die Gefühle des Hörspiels zu transportieren. Insbesondere die Wahl der Oma ist dabei sehr geglückt, die wunderbare Regina Lemnitz vermittelt wirklich jede Situation, und sei sie noch so skurril, sehr glaubhaft und lebensnah. Ulf wird von Benedikt Scheffer gesprochen, der den kleinen Jungen gut charakterisiert, manchmal aber noch etwas flüssiger sprechen könnte. Als Erzähler ist Max von Pufendorf zu hören, der seine Part sehr kurzweilig erzählt und ebenfalls mit Einfühlungsvermögen überzeugt. In kleineren Rollen sind unter anderem Thomas Lang, Ernst-August Schepmann und Sigrid Burkholder zu hören.
Die akustische Begleitung des Stückes ist gut gelungen und trägt an vielen Stellen zur Auflockerung der Dialoge bei. Besonders während der Übergänge der einzelnen Szenen ist schwungvolle Musik eingesetzt worden, die sowohl für Kinder als auch für Erwachsene ansprechend ist. Einige glaubwürdige Geräusche tragen zudem zur Glaubwürdigkeit und zum Verständnis bei.
Eine Szene aus der Handlung ist auf dem Cover zu sehen, auch auf der Buchvorlage ist dieses Bild verwendet worden. Oma hat gerade ihr ganzes Geld abgehoben, während Ulf mit der Situation sichtlich überfordert ist. Der schlichte Zeichenstil ist für Kinder genau das richtige, die Aufmachung mit dem weißen Rücken ansprechend und übersichtlich gestaltet.
Fazit: Ein schwieriges Thema wurde hier sensibel und kindgerecht umgesetzt, eine wirklich schöne Geschichte!
VÖ: 14. Januar 2011
Label: Der Audioverlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1034-0
Acht Hercule Poirot Krimis

Erster Eindruck: Acht mal Spannung
Auf einer Kreuzfahrt begegnet der belgische Detektiv Hercule Poirot Oberst Clapperton, der von seiner Frau gedemütigt wird, gleichsam aber mit den beiden Mädchen Kitty und Pamela flirtet...("Eine Tür fällt ins Schloss")
Beim Versuch, in die eigene abgeschlossene Wohnung zu gelangen, landen vier junge Leute in den Zimmern eines Nachbarn - und finden dort eine Leiche. Glücklicherweise wohnt Hercule Poirot im gleichen Haus... ("Tot im dritten Stock)
Hercule Poirot erfährt von der Kellnerin eines Lokals von einem merkwürdigen Fall: Ein alter Mann taucht dort regelmäßig auf und bestellt immer das gleiche - bis sich dies mit schrecklichen Folgen ändert... ("Vierundzwanzig Schwarzdrosseln")
Den Mord an Amelia Barrowby kann Hercule Poirot trotz ihres Hilferufs nicht mehr verhindern. Der Tod der alten Dame wirft aber einige Fragen auf... (Der verräterische Garten")
Der exzentrische Millionär Benedeict Farrlay ruft Hercule Poirot wegen eines immer wieder kehrenden Traumes zu Hilfe. Vorerst kann der Meisterdetektiv mit dem imposanten Schnurrbart nichts feststellen, findet aber merkwürdige Anhaltspunkte im Haus... ("Der Traum")
Poirot muss sich dieses mal mit der Entführung eines Kindes beschäftigen, der Sohn vom Mr. Waverly ist verschwunden. Hat tatsächlich einer aus der Dienerschaft die Tat begangen. ("Poirot und der Kidnapper")
Ein Beziehungsdrama bahnt sich ausgerechnet in Hercule Poirots Urlaub zusammen. Wohin wird das unheilvolle Beziehungsgeflecht zwischen den Golds und den Chantrys nur führen? ("Urlaub auf Rhodos")
Durch einen merkwürdigen Anruf erfährt der belgische Detektiv von dem Selbstmord von Iris Russell. Doch ihr Mann glaubt nicht an diese Version... ("Lasst Blumen sprechen")
Agatha Christie begeistert mit ihren Kriminalgeschichten Millionen von Lesern, auch die Figur des belgischen Detektivs Hercule Poirot entstammt ihrer Feder. Acht der Geschichten wurden 2006 vom SWR und MDR als Hörspiel umgesetzt, und diese sind nun auch auf CD beim Hörverlag erhältlich. Die Hauptfigur trägt dabei viel zum Gelingen der Geschichten bei. Voller Charme, manchmal auch voller Witz ermittelt der Mann mit dem prächtigen Schnurrbart sehr kurzweilig und unterhaltsam. Bei allen Fällen steht er strahlend im Mittelpunkt und verleiht den Geschichten den gewissen Pfiff, was sie erst besonders macht. Denn die Fälle wirken teilweise schon etwas konstruiert oder altbekannt, einige weisen aber auch sehr frische Züge auf und können überraschen. Einer der besten ist wohl "Urlaub auf Rhodos", der Fall mit dem komplizierten Beziehungsgeflecht zweier Paare. Der Verlauf ist recht unkonventionell und kann mit einer dynamischen Erzählweise und einigen Überraschungen überzeugen. Auch "Der Traum" spielt mit dem Genre und weicht vom stromlinienförmigen Verlauf einer typischen Kriminalgeschichte ab. Die Motive aus "Poirot und die Kidnapper" sind hingegen schon aus einigen anderen Kriminalproduktionen bekannt, nichtsdestotrotz ist ein anständiges und vollkommen hörenswertes Hörspiel daraus geworden, hier kann wie eingangs erwähnt die Hauptfigur einige inhaltliche Schwächen wieder wett machen. Acht sehr unterschiedliche Fälle sind es geworden, alle mit ihrem ganz eigenen Anstrich, aber alle von dem wunderbaren Protagonisten beseelt. Schwankend hingegen die Qualität der einzelnen Vorlagen, wobei die positiven Seiten eindeutig überwiegen - zumal hier sehr gut produziert wurde. Eine Box für eingefleischte Krimifans und solche, die es werden wollen.
Felix von Mannteuffel spricht in allen acht Krimis die Hauptrolle und kann diese auf einzigartige Weise anlegen. Voller Charme, aber auch voller Scharfsinn und der Fähigkeit, sich in andere Leute hineinzuversetzen kann Mannteuffel ein sehr genaues Bild seines Charakters zeichnen. Auch Friedhelm Ptok ist wunderbar als Erzähler, steigert die Spannung und gestaltet seine Passagen stets kurzweilig und unterhaktsam. Auch viele andere Sprecher sind in den einzelnen Fällen zu hören, beispielsweise Udo Schenk, Helga Grimme, Annabelle Leip oder Wolfgang Condrs. Allen gemein ist, dass sie Vollprofis sind und ihre Rollen mit Gespür fürs Detail vertonen.
Die Musik fällt recht opulent aus und taucht immer wieder aus der Versenkung auf, was einen sehr dynamischen Eindruck hinterlässt. Sie gewährt Zeit zum Nachdenken und Miträtseln, zögert die weiteren Ereignisse einen Moment weiter hinaus und steigert so die Spannung. Auch während der Dialoge werden die Sprecher oft in eine Hülle aus Musik gewickelt. Geräusche gibt es da wesentlich weniger , die eingesetzten tragen aber zum Verständnis der Geschichten bei und wirken glaubhaft.
Die Aufmachung ist eher schlicht, das Titelbild wurde gleich für die Box sowie die vier CD-Hüllen verwendet. Die verwendeten Blau- und Orangetöne sind aber angenehm ausgewählt, die schlichte Illustration ist durchaus einen Blick wert. Lobenswert zu erwähnen sind neben dem Hinweis auf die Tracks der einzelnen Fälle die Infotexte in den kleinen Booklets.
Fazit: Sehr unterschiedliche Fälle mit interessanter Ermittlerfigur, sehr gut in Szene gesetzt. Ein schöner Hörspielschatz den der Hörverlag hier geborgen hat.
VÖ: 18. Juni 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-609-5
Arsène Lupin - Die hohle Nadel oder Der Schatz der Könige Frankreichs

Erster Eindruck: Meisterdieb gegen Detektiv
Arsène Lupin, französischer Meisterdieb und Kunstliebhaber, hat es auf wertvolle Gemälde abgesehen, die dementsprechend gut abgesichert sind. Doch davon lässt er sich nicht abschrecken - genausowenig wie von dem wenig charmanten Oberinspektor Ganimard und den Detektiv Herlock Sholmes...
Dass man in guten Geschichten die Bösewichte genauso gern mag wie die Helden (und manchmal noch ein wenig mehr), beweist sich häufig. Der französische Autor Maurice Leblanc hat daraus eine Tugend gemacht und doch gleich mal einen Dieb in den Mittelpunkt seines Werkes geschickt, welches vom SWR vertont wurde. Charmant, voller Esprit und keinesfalls schurkenhaft böse ist Arsène Lupin eine wunderbare Alternative zu Detektivgeschichten, denn "Die hohle Nadel" ist mindestens genauso spannend. Lupins Jagd auf die wertvollen Gemälde wird mit viel Witz und noch mehr Charme erzählt, während auch die anderen Elemente der Geschichte nahtlos ineinander passen. Besonders Lupins Gegenspieler haben es mir angetan, der Oberinspektor Ganimard sowie - Achtung, Wortwitz! - Herlock Sholmes, ein Detektiv, der Lupin immer wieder auf die Schliche kommt, letztendlich aber doch den kürzeren zieht. So entsteht eine sehr kurzweilige und wunderbar unaufgeregte Geschichte, die völlig ohne Actionelemente oder platte Auflösungen auskommt und so die Gegenbewegung zu vielen Krimihörspielen bildet. Sehr stilvoll mit viel französischem Flair ist so ein rundum gelungenes Hörspiel entstanden, dass ich sehr gerne gehört habe.
In der Hauptrolle des Arsène Lupin ist Samuel Weiss zu hören, der offensichtlich viel Freude an der Rolle hat und genauso charmant wie punktgenau zu sprechen weiß. Sein Gegenspieler Herlock Sholmes wird von Walter Renneisen gesprochen, der mit seiner einprägsamen Stimme eine tolle Vorstellung abliefert. Doch auch Felix Goeser kann als Oberinspektor Ganimard vollkommen überzeugen. Weitere Sprecher sind Annabelle Leip, Christoph Gawenda und Rüdiger Vogler als Erzähler.
Auch die musikalische Umsetzung der Geschichte kann als sehr gelungen betrachtet werden. Wunderschöne Melodien erinnern an Frankreich, sind mal etwas melancholisch, mal etwas schwungvoller, versprühen aber immer viel Flair. Dabei ist sie stets im Hintergrund, was einen wundervoll unaufgeregten Eindruck hinterlässt.
Eine stilisierte Schwarz-Weiß-Zeichnung von Arsène Lupin ziert das Cover und ist Blickfang, auf das Thema Frankreich wird im Hintergrund mit der Darstellung des Eiffelturms eingegangen. In gewohnt hoher Qualität sind die 2 CDs in einer stabilen und hübsch gestalteten Papphülle untergebracht.
Fazit: Eine gut produzierte und spannende Alternative zum klassischen Kriminalhörspiel, charmant und ruhig.
VÖ: 11. August 2009
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8981-3879-6
