Der zweite Schlaf

Unten am Fluss

Im Westen nichts Neues

Der Grolltroll

Chaos Walking (Patrick Ness)

Der geheime Garten (Frances H. Burnett)

Die Jahre

Die große Miss Marple Edition

Schändung – Das Thriller-Hörspiel

Theodor Fontane – Die große Hörspiel-Edition

Kleine Hexe Klavi-Klack – Box 1

Monster 1983 – Staffel 2 – Tag 1-5

Krokodilwächter (Katrine Engberg)

Head Hunter – Das ungekürzte Hörspiel

Unter Haien – Das ungekürzte Hörspiel

Die Chroniken von Narnia – Das Wunder von Narnia

Verachtung - Das Hörspiel

Erlösung - Das Hörspiel

Jim Knopf und die wilde 13

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

Die Chroniken von Mistle End – Der Greif erwacht

Käpt'n Sharky – Das Geheimnis der Schildkrötenkönigin

Das Gerücht (Lesley Cara)

An den Mauern des Paradieses

Das Evangelium der Aale

Der Todeskünstler – Die komplette Hörspielserie

Baron Münchhausen

Der Zauberer von Oz

Das Böse in uns

Caiman Club – Staffel 2

Caiman Club – Staffel 1

Die Blutlinie – Die komplette Hörspielserie

Das Lächeln der Fortuna – Robin Teil 3 – Die Rückkehr

Das Lächeln der Fortuna – Robin Teil 2 – Die Wende

Das Lächeln der Fortuna – Robin Teil 1 – Die Flucht

Papa, Kevin hat gesagt... Staffel 3

Doktor Dolittle

Das Fundament der Ewigkeit – Das Hörspiel

Tiger und Bär, es weihnachtet sehr!

Don Quijote von der Mancha

Das Geheimnis des Bermuda-Dreieck

Als die Autos rückwärts fuhren

Lucky Luke – Hörspielbox Vol. 2

H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens – Box 3: Berge des Wahnsinns und andere Horrorgeschichten

Lucky Luke – Hörspielbox Vol. 1

Kleine Hexe Klavi Klack – Box 2

H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens – Box 2: Der Schatten über Innsmouth und andere Horrorgeschichten

Northanger Abbey

Task Force Hamm II

Tod unter Gurken 2

Die Maschine steht still

Das hässliche junge Entlein (Livekonzert)

Odyssee

Honoré de Balzac – Die große Hörspiel-Edition

Der goldene Handschuh

Janosch – Der kleine Tiger und der große Mut

Das Phantom der Oper

Star Wars - Die letzten Jedi

Achtung! Hurrikan-Gefahr

Unterleuten - Das Hörspiel

Antares 8

Janosch – Als der Tiger einmal Bär sein wollte

Peter Pan

Homo Faber

Sodom und Gomorrha

Tinnitus

Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete

Gullivers Reisen

Väter und Söhne

Die feuerrote Friederike

Pinocchio

Hörbe und sein Freund Zwottel

Pandora und der phänomenale Mr Philby

Janosch – Der kleine Tiger wünscht sich Tigerfreunde

Janosch – Als Tiger und Bär beinahe das Beste verpassten

Geronimo (Leon de Winter)

Landung auf dem Mond und weitere Abenteuer

Käpt'n Konny in der Klemme und weitere Abenteuer

Erbarmen – Das ungekürzte Hörspiel

Rotes Bayern – Es lebe der Freistaat!

Geschichten aus der Murkelei (Hans Fallada)

Vertigo – Aus dem Reich der Toten

Die Marzipanpiraten

Titanic – 24 Stunden bis zum Untergang

Sturmhöhe

Gold. Revue

Faustinchen

Zum Leuchtturm (Virginia Woolf)

Tod unter Gurken

Maigret & Co - Die rätselhaftesten Fälle

Fiete – Die ersten drei Abenteuer

Rebecca Gable – Die großen Hörspiele

Die große Hörspiel-Kiste für Entdecker

Der Kinderfresser

Der Kaugummigraf

Der Krieg der Welten

Die geheimen Fälle – Auf den Spuren von Sherlock Holmes & Co

Sherlock Holmes und das Geheimnis des weißen Bandes

Monster 1983 – Tag 6 – Tag 10

Monster 1983 – Tag 1 – Tag 5

Die Schöne und das Tier

Der kleine Prinz

Der Sängerkrieg der Heidehasen - Live

Der Geheimagent

Auerhaus

Hörbe mit dem großen Hut

Sartana - Noch warm und schon Sand drauf

Krieg und Frieden

Der Name der Rose

Winnetou

König der Piraten

Eine Billion Dollar

Der Herr der Ringe – Das Hörspiel

Drachenreiter – Das Hörspiel

Tom Sawyers Abenteuer

Ein Weihnachtslied

Krieg und Frieden

Otherland – Das Hörspiel

Papa, Kevin hat gesagt...

Terror

Chicken Highway und drei weitere Krimi-Hörspiele

Tintenwelt – Die große Hörspielbox

Siddhartha

Die große Kommissar-Beck-Box

Die Kinder der verlorenen Bucht

Doktor Proktors Pupspulver – Das Hörspiel

Schneewittchen

Der kleine Prinz

Sophiechen und der Riese

November 1918 – Eine deutsche Revolution: Karl und Rosa

Alice im Wunderland (SWF 1958)

Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika

Jane Eyre

The Cruise – Staffel 2

Das kleine Gespenst – Tohuwabohu auf Burg Eulenstein

Igraine Ohnefurcht - Das Hörspiel

Pippi Langstrumpf – Die große Hörspielbox

Robinson Crusoe

Metamorphosen – erzählt nach den Geschichten des Ovid

Der Orientzyklus

Die vierzig Tage des Musa Dagh

Die grosse Abenteuer-Hörspiel-Kiste

Tintentod – Das Hörspiel

Königsallee

Der Hobbit – Das Hörspiel als Vinyl-Edition

Die Theogonie des Hesiod

Vier Fälle für Sherlock Holmes

Vier Fälle für das Triumvirat

Hände weg von Mississippi

Pater Brown: Der Marquis von Marne

Elser

Jugend ohne Gott

Arthur Miller – Die Hörspiel-Edition

Krimi-Kult-Kiste 4

Die Zeit – Der große Hörspaß

The War of Worlds (H.G. Wells)

Peterchens Mondfahrt (SWR 1963)

Der Mentor

Ida, Paul und Frankensteins Katze

Doktor Schiwago

Die unendliche Geschichte

Paul Tempel und der Fall Gregory

Die Schatzinsel

Der Räuber Hotzenplotz - Live

Sultan und Kotzbrocken in einer Welt ohne Kissen

November 1918. Eine deutsche Revolution

Krimi Kult Kiste – Die fünfte Staffel

Unter dem Milchwald – Drei legendäre Hörspielinszenierungen

Orlando

Der kleine Wassermann – Sommerfest im Mühlenweiher

Porterville – Staffel 2 (Folge 7-12)

Beim Leben deines Bruders (Peter May)

Tintenblut – Das Hörspiel

Der Gott des Gemetzels

Krimi Kult Kiste – Die sechste Staffel

Die Verwirrungen des Zöglings Törleß

Die Reise nach Sundevit / Lütt Matten und die weiße Muschel

Das Beste von Erich Kästner

1001 Nacht – Scheherzad und der Brunnen der Geschichten

Das Phantom des Alexander Wolf

Raskolnikow - Schuld und Sühne

Othello

Die Otfried Preußler Hörspiel-Box

Pinocchio

Der Hund der Baskervilles

Die Blendung

Das Decamerone

Der geheimnisvolle Fremde

Die seltsame Gräfin (Edgar Wallace)

Hilfe, die Herdmanns komme

Starke Stücke – Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem

Starke Stücke – Richard Wagner: Der fliegende Holländer

Immer lustig in Bullerbü

Drachenreiter – Das Hörspiel

Pu der Bär – Das Hörspiel

Geschichten von Rittern und Helden

Die neue Schatztruhe der Abenteuer

Eine Weihnachtsgeschichte

Aladin und die Wunderlampe

Die kleine Seejungfrau

Die verschollenen Fälle - Neue Abenteuer von Sherlock Holmes & Dr. Watson

Meta Morfoß / Armer Ritter

Jacobs Zimmer (Virginia Woolf)

Leonce & Lena

Tintenherz – Das Hörspiel

Rosalie und Trüffel – Vom Glück zu zweit

Till Wiesentroll

Nullzeit (Juli Zeh)

Unterm Birnbaum

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Die Schläfer – Unheimliches Erwachen in der Antarktis

Söhne und Liebhaber

Olivia - Manchmal kommt das Glück von ganz allein

Gespensterjäger – 4 Hörspiele

Georg Büchner – Die Hörspiel-Edition

Wenn die Gondeln Trauer tragen

Der Zauberer von Oz

Kaminski ON AIR - Der Ring des Nibelungen

Der kleine Wassermann – Frühling im Mühlenweiher

Warum ist Schnodder grün?

Prometheus – Griechische Sagen

Der große Kinderhörspielschatz

Klassische Erzählungen für Kinder

Der Zauberer von Oz

Nimmerklug im Knirpsenland

Prinzessin Sara (Frances H. Burnett)

Sturmhöhe

Wir Kinder aus Bullerbü

Astrid Lindgren – Die schönsten Abenteuer

Herr der Fliegen

Hermann Hesse – Die großen Romane

Grabeskalt – Klassische Horror- und Schauergeschichten

Gerhart Hauptmann – Die große Hörspiel-Edition

Geisterritter - Das Hörspiel

Farm der Tiere

Die Welle

Das Mal – Das Geheimnis vom Totenkopfstein

Die Island Saga vom weissen Njal

Die Füchse von Andorra

Das Pferdemädchen

Dracula

Dracula

Die Wolke

Die Schatzinsel

Die schönsten Hörspielklassiker für Kinder

Die grosse Dramenbox (Heinrich von Kleist)

Die Nacht des Zorns (Fred Vargas)

Die Biene Maja

Charles Dickens – Die große Hörspieledition

Clockwork Orange

Böses Ende

Bullerbü - Die große Hörspielbox

Bulle und Pelle

Bertolt Brecht Dramen

Baudolino

Agatha Christie – Drei Hörspiele

Anton taucht ab

Die dumme Augustine

Fennymores Reise

Rheinsberg

Plan B

Der Prinzessin

Die Pest

Potilla

Road to Hell

Das Spiel der Könige

Thomas Mann – Die großen Hörspiele

Tom Sawyer und Huckleberry Finn

Tödliche Intrige

Von Opfern und Tätern

Wie Kater Zorbas der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte

Wie man unsterblich wird

Das Wunder von Björn

Das zweite Königreich

Schatztruhe der Märchen

Schatztruhe der Abenteuer

Märchenmond – Das Musical

Jeder stirbt für sich allein

Frau Jenny Treibel

Krimi Kult Kiste – 7. Neues von Dickie Dick Dickens / Die vielgeliebte Dame / Die Dame ist leichtfertig

Ungeduld des Herzens

Melissa

Mr. Shady – 1. auf der Suche nach den neuen Wundern dieser Welt

Die geheime Asservatenkammer - 1. Permuto, Laptop des Todes

Agatha Christie – Vier Hörspiele

Adams Pech, die Welt zu retten

Osman – Der Dschinn in der Klemme

Öland

Mutig, mutig

Moby Dick (Audio Verlag Version)

Moby Dick (Hörverlag Version)

Lok 1414 geht auf Urlaub

Leo Kaplan

Kurze Interviews mit fiesen Männern

Krabat

Die Konferenz der Tiere

35 Kilo Hoffnung / 35 kilos d'espoir

Kalt wie der Tod - Skandinavische Krimihörspiele von Henning Mankell & Co

Jim Knopf und die Wilde 13

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

Jesus und die Mühlen von Cölln

Das Halstuch

Hallo, ist da jemand?

Gestatten - mein Name ist Cox

Das Gesetz der Straße

Die Gentleman bitten zur Kasse

Das Geisterhaus

Fetzer

Als Oma seltsam wurde

Die Vögel

Die Tore der Welt

Der Sandelf

Des Kaisers Nachtigall

Der Spieler

Die grosse Sams Hörspielbox

Das Haus

Das Angstmacherchen

Der verbotene Ort

Der kleine Lord

Don Quijote von der Mancha

Acht Hercule Poirot Krimis

Arsène Lupin - Die hohle Nadel oder Der Schatz der Könige Frankreichs



Der zweite Schlaf



Der junge Priester Christopher Fairfax hat sich aus seiner Heimat in einen etwas weiter entfernten Ort aufgemacht, um einem verstorbenen Kollegen die letzte Ehre zu gewähren und ihn in Würde zu bestatten. Doch unter seinen letzten Habseligkeiten findet er viele verbotene Dinge und Schriften aus der alten Zeit. Zwar weiß er nicht, was es mit den kleinen Kästen aus Plastik oder den Münzen aus Metall auf sich ahnt, Christopher ahnt jedoch, dass es sich wegen der ketzerischen Gegenstände um einen Mord und nicht um einen Unfall gehandelt hat…

Robert Harris hat mit „Der zweite Schlaf“ einen aufsehenerregenden Roman geschaffen, der es auch kurze Zeit nach seiner Veröffentlichung in Großbritannien hierzulande zu viel Beachtung bekommen hat. Der Radiosender hr2 hat den Roman aufwendig als Hörspiel vertont, welches nun auch beim Hörverlag auf CD erhältlich ist. Die Handlung ist in einer fernen Zukunft angesiedelt, in der unsere Zivilisation untergegangen ist und die Menschheit in mittelalterlichen Strukturen mit einer sehr starken und autokratischen Kirche zurückgefallen ist. Spuren aus der Vergangenheit gibt es einige, Christophers Sicht auf diese und die offiziellen Lehren der Kirchen offenbaren einen sehr erstaunlichen Blick auf unsere Zeit. Das ist packend und facettenreich geraten, bringt aber zuweilen auch humorvolle Elemente mit ein, wenn Anspielungen auf heute völlig alltägliche Gegenstände eine völlig andere Bedeutung bekommen. Dass Christopher selbst Mitglied dieser Kirche ist, verleiht dem Ganzen düsteren Flair, aber auch die Beschreibungen des alltäglichen Lebens sind faszinierend geraten. Und weil davon am Anfang recht viele untergebracht sind, ist das Tempo zunächst recht langsam, doch dieser intensive Blick auf die neue Gesellschaft und die Menschen ist sehr lohnenswert geraten – insbesondere weil in kurzen Zwischensequenzen der Untergang unserer modernen Welt mit apokalyptischen Themen aus der Bibel verknüpft werden. Erst später kommt dann auch die Handlung schneller und dichter herüber, was spannend geraten ist und viele überraschende Wendungen offenbart. Zwar geht der Geschichte am Ende ein wenig die Luft aus, doch der Weg dorthin ist derart faszinierend und facettenreich, dass dies nicht weiter negativ auffällt.

Max Mauff ist in der Rolle des Christopher Fairfax zu hören und gestaltet die Hauptfigur der Handlung sehr markant und präsent. Er bekommt viele glaubhafte Facetten verliehen und zeichnet den Spannungsbogen des Romans ebenso überzeugend nach wie er situationsgerecht und mit passender Attitüde agiert. Die wunderbare Anna Thalbach ist mit ihrer unverkennbaren Stimme als Lady Sarah Durston zu hören, die Gutsherrin mit Nachdruck spricht und sehr gut in die düstere Atmosphäre der Geschichte passt. Richard Pole wird von Bernhard Schütz gesprochen und sorgt mit sehr präziser Betonung und ausdrucksstarkem Klang für zusätzliche Reizpunkte. Weitere Sprecher sind Steffi Kühnert, Mechthild Großmann und Fritzi Haberland.

Die Stimmung des Romans wird durch die aufwendige akustische Umsetzung sehr gekonnt unterstrichen, sie wirkt sehr düster und markant, lässt mittelalterliches Flair ebenso entstehen wie eindrucksvolle kirchliche Musik und imposante Melodien, die oft auch während der Dialoge im Einsatz sind. Kleine Halleffekte verstärken diesen Eindruck, aber auch die Geräuschkulisse ist sehr abwechslungsreich geraten und überzeugt mit sehr glaubhaften und stimmig eingefügten Sounds. Eine sehr runde, aufwendige und passende Umsetzung, die dem Roman absolut gerecht wird – besonders wenn Szenen aus der Vergangenheit mit Krieg und Zerstörung eingebaut wurden.

Die CDs sind jeweils in dünnen, schlicht gestalteten Papphüllen untergebracht, die gemeinsam Platz in einer dicken und stabilen Pappbox zum Aufklappen verstaut sind. Das Cover mit dem rein weißen Hintergrund wirkt mit dem rötlich eingefärbten Motiv sehr kontrastreich, auch die Silhouette von einem Mann auf seinem Pferd und dem Kirchenturm ist sehr gelungen. Lobenswert sind aber vor allem die weiteren Extras: Eine Bonus-CD mit umfangreichen Interviews mit Wissenschaftlern, die den Roman noch einmal mit einem anderen Ansatz diskutieren, aber auch ein dickes Booklet mit vielen Informationen zu den Mitwirkenden und einem Gespräch zur Produktion des Hörspiels.

Fazit: Der Blick auf unsere Welt auf einer dystopischen Zukunft ist nicht nur sehr faszinierend und markant geraten, sondern beinhaltet auch interessante philosophische Ansätze. Die hervorragende Produktion mit dem intensiven Ausdruck kann nicht nur die dargestellte Welt sehr eindringlich zur Geltung bringen, sondern auch die erst spät Fahrt aufnehmende Handlung treffend umsetzen. Eine überraschende und äußerst hörenswerte Produktion, die mich sehr faszinieren konnte.

VÖ: 15. März 2021
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 9783844539882


Unten am Fluss



Fiver, ein junges Kaninchen, spürt ganz deutlich, dass ihm und seinem Volk in ihrer bisherigen Wohnstätte große Gefahr droht. Seine Angst ist so groß, dass er schon bald seinen Bruder Hazel und einige Freunde davon überzeugen kann, sich eine neue Heimat zu suchen. Doch der Weg dorthin gestaltet sich äußerst gefahrvoll, sodass die Kaninchen in große Gefahr geraten – und nicht alle Situationen unbeschadet überstehen…

„Unten am Fluss“, der deutsche Titel des weltbekannten Romans „Watership Down“, hat auch heute, fast 50 Jahren nach seiner Erstveröffentlichung, nichts von seiner Faszination und seinem Charme verloren, sodass er sich zu einem zeitlosen Klassiker entwickelt hat. SWR2 hat ein Radiohörspiel nach der Vorlage von Richard Adams produziert, welches nun auch beim Audio Verlag als Kaufversion erhältlich ist. Herausgekommen ist eine sehr sorgsam inszenierte Umsetzung, die eine sehr markante Atmosphäre heraufbeschwört und sich eng an die Vorlage hält. Schon direkt in den ersten Szenen wird mit den düsteren Vorahnungen von Fiver eine wundervoll düstere Stimmung erschaffen, die mich direkt in seinen Bann gezogen und die Eckpfeiler für die kommende Handlung setzt. Doch danach geht es keineswegs vorhersehbar weiter (außer natürlich man kennt die Geschichte bereits…), die eingebauten Ereignisse sind sehr abwechslungsreich und mehr als nur eine abenteuerliche Reise einiger Kaninchen. Es geht auch um Intrigen, Freundschaft und Verrat, Zusammenhalt und immer neue Gefahren. An der Oberfläche ist es eine spannende Geschichte mit hohem Unterhaltungswert, es schimmert aber eine deutlich tiefgründigere Ebene hindurch, in dem es beispielsweise um Umweltschutz, unterschiedliche Gesellschaftssysteme oder den Begriff der Heimat geht. Durch den Transport in die Kaninchenwelt ist das dennoch sehr kindgerecht geraten und überzeugt mit einer unterhaltsamen Ansprache für viele Altersgruppen. Gepaart mit einer hervorragenden Inszenierung und einer ausdrucksstarken Sprache mit vielen markanten Bildern ist so ein sehr unterhaltsames Hörspiel entstanden, das ein Kinderhörspiel mit viel Anspruch ist.

Der wundervolle Jens Wawrczeck ist in der Rolle des hellsichtigen Fiver zu hören, wobei einer seiner unverkennbaren Stimme eine eindringliche Ängstlichkeit verleiht und den Charakter so sehr gut zur Geltung kommen lässt – besonders in den späteren gefährlichen Szenen ist er sehr stark. Marc Hosemann spricht seinen Bruder Hazel ebenfalls sehr engagiert und passt seinen Ausdruck dynamisch an die verschiedenen Szenen an, sodass eine lebendige und markante Figur entsteht. Erzähler Peter Fricke führt mit seiner markanten Stimme gekonnt durch die Handlung und setzt gekonnte Spannungsmomente, überlässt aber auch den Sprechern der Rollen die große Bühne. Weitere Sprecher sind Gottfried Breitfuß, Matthias Haase und Hans Georg Panczak.

Die akustische Umsetzung ist sehr genau an die Handlung angepasst und verleiht ihnen einen eindringlichen und sehr passenden Klang. Die Musik ist orchestral und dynamisch, sie schafft unterschiedliche Stimmungen und illustriert auch einige Handlungen der Figuren, beispielsweise bei einer wilden Flucht. Es gibt aber auch klassische Geräusche, die die vordergründige Musik gelungen ergänzen.

Ein wunderschönes Titelbild wurde für das Hörspiel geschaffen, das mit seinen dunklen Farben und der Sonnenuntergangskulisse eine romantische und leicht dramatische Stimmung beschwört, was bestens zur Atmosphäre der Umsetzung passt. Die Kaninchen, die neugierig und ängstlich ihre Köpfe recken, sind dabei ein ebenso passendes wie eindringliches Motiv dafür. Auch die restliche Aufmachung ist sehr ansprechend und hübsch geraten.

Fazit: „Unten am Fluss“ ist ein wundervoller Roman voller Poesie, ausdrucksstarker Motive und liebenswerter Szenerien. Das ist spannend erzählt und mit vielen markanten Momenten versehen, ist aber auch voller starker Aussagen und zudem in dieser Umsetzung sehr hörenswert geraten. Die aufwendige Musikuntermalung und die hervorragenden Sprecher sorgen für eine lebendige und atmosphärische Wirkung – sehr hörenswert!

VÖ: 19. Februar 2021
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3742419408


Im Westen nichts Neues



Kurz nach seinem Abitur meldet sich Paul Bäumer gemeinsam mit einigen Freunden zum Kriegsdienst – vorrangig wegen ihres Lehrers Kantorek, der mit seinen patriotischen Reden allerdings ein ganz anderes Bild von der Zeit an der Front mit seinen Schützengräben, dem Hunger und dem Tod gezeichnet hat. Und auch Paul muss schon bald einen harten Verlust hinnehmen…

Seit seinem ersten Erscheinen im Jahr 1928 hat sich „Im Westen nichts Neues“ zu einem wichtigen Antikriegsroman gewandelt und ist nicht nur wegen der bekannten Verfilmung immer noch ein wichtiger Teil der deutschen Literatur. Radio Bremen hat nun eine neue Umsetzung des Romans von Erich Maria Remarque produziert, die beim Audio Verlag auch in einer Version auf zwei CDs mit über 100 Minuten Laufzeit erschienen ist. Dabei wird – wie auch schon in der Vorlage – nicht sonderlich viel Wert auf eine fortlaufende Handlung gesetzt, selbst wenn natürlich durch die Erlebnisse an der Front ein roter Faden mit einigen Entwicklungen zu bemerken ist. Doch darin eingebunden sind viele Erinnerungen Pauls an die Zeit vor dem Krieg, Gedanken zu der Rolle des Menschen im Krieg oder ruhige Momente, die zwischenmenschliche Beziehungen näher beleuchten. Nicht alles lässt sich dabei sofort einer bestimmten Erzählebene zuordnen, fügt sich dann aber doch immer klar in das Konstrukt der Geschichte ein und hat dadurch seinen festen Platz im Gefüge des Romans. Dazu trägt auch bei, dass einige Wörter öfter wiederholt werden, Sätze zwischendurch unterbrochen und erst nach einigen Momenten fortgesetzt werden und sehr dichte Klangbilder entstehen. Immer intensiver wird die Auseinandersetzung mit dem Tod, immer heftiger werden die Szenen, immer mehr von dem Schrecken überträgt sich dabei auch auf den Hörer. Sehr gelungen, wie sich hier alles zusammenfügt, wie die Möglichkeiten des Mediums ausgenutzt werden und wie klar der Roman trotz einiger Kürzungen umgesetzt ist. Eine anspruchsvolle, aber auch sehr hörenswerte Produktion voller Kraft.

Die Sprecher sind hervorragend und lassen sich voll auf die heftige Szenerie ein, wobei Patrick Güldenberg als Paul Bäumer den weitaus größten Teil der Handlung umsetzt, da er nicht nur in den Dialogen zu hören ist, sondern auch die Erzähltexte übernimmt. Dabei spricht er einige Passagen sehr neutral und betont gerade dadurch die Kraft der Worte, legt in andere Momente aber auch viel Energie oder tiefgreifende Gefühle – von leiser Hoffnung über bittere Enttäuschung zu Desillusion. Er findet auch für die vielen Wortwiederholungen immer neue Betonungen und bringt dabei die Wirkung der Vorlage bestens zur Geltung. Aber auch Peter Jordan, Tino Mewes oder Matti Krause sind sehr überzeugend.

Akustisch wird alles andere als gewöhnliche Kost geboten, die verschiedenen Klangelemente fügen sich sehr gut ineinander – und davon gibt es viele. Neben klassischen Geräuschen in den Dialogszenen werden die Momente um das Kriegsgeschehen deutlich markanter, lauter und beeindruckender umgesetzt. Es gibt aber auch militärisch beeinflusste Musik, die sehr wohldosiert eingesetzt wurde. Interessant sind auch die Gedanken von Paul Bäumer, die mit verschiedenen Lautstärken spielen oder aus unterschiedlichen Boxen kommen, was sehr dynamisch wirkt.

Der Audio Verlag hat die beiden CDs in ein stabiles und ansehnlich gestaltetes Digipack verpackt, welches mit seinem schlicht roten Hintergrund direkt die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Als kleines Motiv in einer Ecke ein stilisierter kahler Wald zu sehen, von dem sich eine dichte Rauchwolke über das gesamte Cover ausbreitet – alles nur in Rot, Schwarz und Weiß. Das Innere ist nicht nur mit einigen Fotos, sondern auch einem Booklet mit vielen weiteren Informationen sehr gut ausgestattet.

Fazit: „Im Westen nichts Neues“ überzeugte bereits seit Generationen als Buch, nun ist auch diese hervorragende Hörspielumsetzung hinzugekommen. Die Kürzung des Textes hat der Aussagekraft nicht geschadet, im Gegenteil wurden durch die geschickt eingesetzten Möglichkeiten des Mediums eine sehr eindringliche Szenerie geschaffen, die den Schrecken des Krieges begreifbar macht, aber auch die Rolle jedes einzelnen darin beleuchtet. Sehr hörenswert!

VÖ: 21. August 2020
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742416452


Der Grolltroll



Eigentlich könnte der Grolltroll sehr zufrieden mit der Welt und sich selbst sein: Die Sonne scheint, ein plätschernder Bach ist in der Nähe seiner Höhle, die Blumen blühen auf der Wiese und auch der junge Vogel mit dem hübschen Gefieder oder die neugierige Maus sind freundlich zu dem kleinen, blauen Wesen. Doch es reicht eine Kleinigkeit, dann bekommt der Grolltroll schlechte Laune und wird richtig wütend…

Fast jede Kindergeschichte hat eine kleine Moral, eine Lehre, die zu bestimmten Verhaltensweisen führen sollen. Doch je offensichtlicher das eingebaut ist, desto schneller wird das von Kindern durchschaut, was nicht unbedingt zur Begeisterung beiträgt. Anders ist das wohl bei „Der Grolltroll“, ein Kinderbuch aus dem Jahr 2018, das auch bei Europa in einer liebevollen Hörspielversion erhältlich ist. Hier ist es offensichtlich, das Kinder lernen soll, wie man mit frustrierenden und ärgerlichen Gefühlen umgehen und diese bewältigen kann – nur stört das überhaupt nicht, da der Grolltroll derart niedlich und liebenswert geraten ist. Viele Kinder werden sich in ihm wiedererkennen und erfahren hier, wie das blaue Wesen mit seiner Frustration umgeht – indem es ein Lied singt, zählt oder sich auf positive Aspekte konzentriert. In dieser ersten CD, die zwei der kurzen Bücher umfasst uns insgesamt 50 Minuten umfasst, sind gleich mehrere kleine Situationen zu hören, die auf sehr charmante Weise aufgelöst werden. Auch die niedliche Umgebung mit den tierischen Freunden hat mir gut gefallen, ebenso wie die eingebauten, eigens geschriebenen Lieder witzig gesungen werden und wie die Handlung auch für viele Lacher sorgen. Und das ist sehr liebenswert geraten und hat mir wirklich gut gefallen.

Kai Hohage ist in der Rolle des Grolltrolls zu hören und lässt seine Stimme ein wenig knarrig und dunkel klingen, wobei er sowohl die ausgeglichenen Momente des blauen Wesens als auch seine Wutausbrüche überzeugend und liebenswert umsetzt. Als Erzähler ist Achim Schülke zu hören, der mit seiner freundlichen Stimme und dem lebendigen Ausdruck eine warme Stimmung mit einbringt und gut auf die Bedürfnisse der zuhörenden Kinder eingeht. Tomke Hohage hört man das junge Alter deutlich an, er bringt viel Energie mit ein und schafft so eine weitere niedliche Figur – wenn er diese jetzt noch gezielter kanalisiert und ein wenig spontaner wirkt, ist das schon sehr ordentlich. Weitere Sprecher sind Karl Wolfram, Fenno Buffon und Frida Engels.

Neben den bereits erwähnten Liedern während der Handlung und dem witzig inszenierten Titelsong, hält sich die musikalische Gestaltung eher etwas zurück, verbreitet dann aber eine passende und positive Stimmung. Der Einsatz von Geräuschen ist da schon deutlich reichhaltiger und baut immer wieder lebendige Naturgeräusche ein oder untermalt die Handlungen der Charaktere, was mir sehr gut gefallen hat.

Natürlich bekommt man auf dem Cover zum Hörspiel auch optisch einen Eindruck von dem titelgebenden Grolltroll, der trotz verschränkter Arme und mürrischem Gesichtsausdruck mit seinem blauen Fell sehr niedlich wirkt. Auch in der restlichen Gestaltung sind einige Bilder aus der Buchvorlage eingebunden, sodass man auch Hase, Vogel, Maus und Igel zu sehen bekommt. Eine in sich stimmige und hübsche Aufmachung, die gut zu der Stimmung des Hörspiels passt.

Fazit: „Der Grolltroll“ mit seinen wütenden Momenten und der oft frustrierten Art lernt hier, wie er mit negativen Gefühlen umgehen kann. Trotz der sehr offensichtlichen Moral ist das witzig, liebevoll und kurzweilig geraten. Die Umgebung der hübschen Natur, die aufgeweckten tierischen Freunde und die eingebauten Lieder sorgen für zusätzlichen Reiz, sodass ein sehr hörenswertes Kinderhörspiel entstanden ist.

VÖ: 28. August 2020
Label: Europa
Bestellnummer: 4050003720098


Chaos Walking (Patrick Ness)



Todd Hewitt lebt in der Siedlung Prentisstown als jüngster der Gemeinschaft, die meisten anderen Siedler sind vor vielen Jahren vom Planeten Erde dorthin gekommen. Der Kampf gegen die Ureinwohner des neuen Planeten ist zwar siegreich gewesen, doch hat ein Virus alle weiblichen Siedler vernichtet und dafür gesorgt, dass alle Männer ununterbrochen den Gedanken ihrer Mitmenschen hören müssen. Todd kennt seine Welt nicht anders als mit diesem Lärm und ist umso faszinierter von Viola, eine Frau, die sich in einer abgelegenen Höhe verborgen hält, und in deren Gegenwart Todd nur Stille wahrnimmt – nicht ahnend, dass diese Begegnung sein Leben auf den Kopf stellen wird…

„Chaos Walking“ wurde als Science Fiction-Spektakel verfilmt, und ohne den Film gesehen zu haben, empfiehlt es sich ja meist, sich zunächst so mit einer Geschichte vertraut zu machen und erst im Nachgang die Verfilmung zu sehen. Möglich ist dies dank des Audio Verlags, der eine Hörbuchversion mit Sprecher David Nathan veröffentlicht hat. Schon die Einführung mit den Eröffnungsszenen der oben beschriebenen dystopischen Welt sind packend und eindringlich geraten, die Beschreibung des Lärms, der rein männlichen Gesellschaft und insbesondere der Charakter Todds mit sadistischen Anleihen und äußerst aggressiven und unsympathischen Zügen wissen schnell zu faszinieren. Da Todd aus der Ich-Perspektive erzählt, bekommt man seine Gedankenwelt ungefiltert, und da er diese wegen der Umstände sowieso nicht geheim halten kann, sind ihm Verschleierung und Lüge fern. Mir gefällt aber auch, wie dieser Kern im Laufe der Zeit aufgebrochen wird, wie er durch sein Abenteuer und besonders durch die Anwesenheit von Viola lernt und sich entwickelt, wie er neue Seiten an sich und seiner Umgebung erkennt. Die Handlung ist dann kurzweilig und temporeich geraten, dennoch wird den eingebauten Elementen genügend Zeit gegeben, um sich vollständig zu entfalten und ein interessantes Gedankenspiel in Gang zu setzen. Der Spannungsaufbau ist sehr gelungen, da immer wieder Momente der Ruhe genutzt werden, nur um den Hörer kurz danach mit neuen Erkenntnissen oder eine veränderten Grundsituation zu konfrontieren. Das ist alles gut durchdacht, in sich logisch und führt zu einigen überraschenden Erkenntnissen. Der philosophische Hauch, der trotz aller Düsternis und Spannung herauszuhören ist, gefällt mir hervorragend und macht „Chaos Walking“ zu einem herausragenden Hörbuch – übrigens nicht nur für die ursprünglich jugendliche Zielgruppe, sondern auch für Erwachsene.

Zugegeben: Dass ein 12-jähriger mit David Nathans Stimme dargestellt wird, ist zunächst gewöhnungsbedürftig, ist sein dunkler und volltönender Klang dich nicht allzu jugendlich-frisch. Doch dafür schafft er es hervorragend, die Stimmung des Romans aufzugreifen und der neuen Welt ein Gesicht zu geben. Aber auch die Gefühle von Todd und den Spannungsbogen der Handlung werden von ihm sehr gekonnt dargestellt, sodass er sich schnell dennoch als exzellente Wahl für das Hörbuch herauskristallisiert.

Der Aufdruck „Das Hörbuch zum Film“ ist etwas irreführend, da es sich um eine eigenständige Lesung des Romans handelt und nicht etwa um die Tonspur zum Film – und dazu wird auch noch das Filmplakat als Covermotiv verwendet. Für das Marketing sicherlich eine gute Wahl, zumal das stimmungsvolle Bild gut zum Ausdruck des Hörbuchs passt. Als Medium wurde eine MP3-CD gewählt, sodass für die über 19 Stunden Laufzeit deutlich weniger Platz im heimischen Regal benötigt wird.

Fazit: „Chaos Walking“ hat mich nachhaltig beeindruckt, die dystopische Welt wird von Anfang an sehr realistisch, bedrohlich, erschreckend und greifbar geschildert, insbesondere natürlich durch Hauptfigur Todd. Während der Druck in der Handlung durchgängig hoch ist und die Ereignisdichte für immer neue Situationen sorgt, wird dennoch viel Zeit zur Charakterentwicklung und weitere Details aus dem neuen Kosmos aufgewendet, was sehr stimmig wirkt. Ein äußerst hörenswertes Hörbuch!

VÖ: 22. Januar 2021
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742414991


Der geheime Garten (Frances H. Burnett)



Nach dem Tod ihrer Eltern bei einer Colera-Epidemie in Indien zieht Mary zu ihrem Onkel auf den alten Landsitz der Familie nach England. Doch statt aufmerksamer Diener, die sie verwöhnen, hat sie nun einen abweisenden Onkel und eine herrische Haushälterin, bei denen sie aufwächst. Doch in Dickon, dem Bruder eines Hausmädchens, findet sie bald einen guten Freund. Als sie in dem riesigen Anwesen ein verschlossenes Tor zu einem abgesperrten Teil des Gartens entdecken, können sie ihre Neugier nicht zurückhalten und wollen unbedingt wissen, was dahintersteckt…

„Der geheime Garten“ aus der Feder von Frances H. Burnett hat sich seinem ersten Erscheinen im Jahr 1911 zu einem wahren Kinderbuchklassiker entwickelt, zahlreiche Umsetzung in diversen Medien sind bereits erschienen. Beim Audio Verlag ist nun ein weiteres Exemplar erschienen, die sich aber als komplette Lesung in einer sorgsamen Übersetzung sehr eng an den Originaltext hält. So kann man nicht nur die wundervolle Geschichte komplett erleben, sondern ist auch vor den kleinen, wenn auch oft interessanten Eigeninterpretationen der Regisseure gefeit. Die Geschichte an sich ließe sich im Wesentlichen auch in wenigen Sätzen erzählen, hier kommt es weniger auf spannende Wendungen oder überraschende Momente an. Der Text lebt von der feinen Beobachtung der Figuren, von einer langsamen und dennoch deutlich spürbaren Wandlung der Figuren – insbesondere natürlich von Hauptfigur Mary. Verzogen, kränklich und eigensinnig zu Beginn, später dann empathisch, lebensfroh und selbstbewusst. Es geht aber auch um die Liebe zur Natur, um Achtsamkeit seinen Mitmenschen gegenüber, um Freundschaft und Familie, was sehr gefühlsbetont und fernab von Kitsch oder Klischee geschildert wurde. Eine romantische Geschichte, nicht nur für Kinder, die auch über einhundert Jahre nach dem Erscheinen nichts von seinem Reiz verloren hat.

Rainer Strecker wurde als Sprecher für das Hörspiel ausgewählt und versetzt sich sehr gekonnt in das Wesen von Mary hinein, ihre ruppige und verwöhnte Art, aber auch die Wandlung zu einem liebevollen und aufgeweckten Mädchen voller Empathie. Er schafft es aber auch, den anderen Rollen Charakter und Ausdruck zu verleihen und gibt so jedem ein eigenes Auftreten. Schön auch, wie lebendig er den Garten, das Leben darin und die erblügende Natur beschreibt, zumal seine Stimme sehr angenehm und warm ist, was bestens zur Geschichte passt.

Der Audio-Verlag hat ein neues und modern wirkendes Titelbild für den Kinderbuchklassiker geschaffen, welches nicht nur durch die markante Farbgebung und die hübschen ornamentartig angeordneten Pflanzen auffällt, sondern auch durch die witzige Darstellung von Mary. Schön, dass auch im Inneren des hübschen Pappschubers Wert auf eine ansehnliche und einheitliche Gestaltung gelegt wurde, das macht einen stimmigen und liebevollen Eindruck.

Fazit: In dieser liebevollen Umsetzung „Der geheime Garten“, die sich sehr nahe an die Originalgeschichte hält, ist die Wandlung von Mary, aber auch von ihren Freunden und den Erwachsenen deutlich zu spüren und wird sehr empathisch erzählt. Gepaart mit der lebendigen Beschreibung des geheimen Gartens und der erblühenden Tier- und Pflanzenwelt ist ein sehr gelungenes Hörbuch entstanden.

VÖ: 19. Juni 2020
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742415905


Die Jahre



Wer als Mädchen im Jahr 1940 in einem kleinen Dorf in Frankreich geboren ist, bekommt nicht nur die Nachkriegsjahre mit, sondern auch eine sich stetig wandelnde Gesellschaft. Und so berichtet die Schriftstellerin Annie Ernaux von ihrem eigenen Leben, von Sittsamkeit bis zur sexuellen Emanzipation, von Entbehrungen bis zum Überfluss, von Liebe, Enttäuschungen und dem Leben...

Mit „Die Jahre“ hat Annie Ernaux eine beachtliche Autobiografie verfasst, nicht aufgeräumt oder die Betonung auf einzelne Episoden legend, sondern bruchstückhaft, mit vielen Erinnerungen und Gefühlen beschreibt sie ihren Lebensweg. hr2 hat sich an dieses ungewöhnliche Buch herangewagt und eine sehr gelungene Hörumsetzung produziert, die nun auch beim Audio Verlag erschienen ist. Dort steht zwar „Hörspiel“ auf dem Cover, dennoch ist es eher eine Lesung – zwar von vier verschiedenen Sprecherinnen gelesen, es gibt aber eben keine klassischen Dialoge. Alle lesen gemeinsam den gleichen Text, mal fast wortweise einander abwechselnd, mal ist für einen ganzen Abschnitt nur eine Stimme zu hören. So entsteht ein Puzzle, das die Aufmerksamkeit immer wieder auf andere Aspekte legt. Dabei werden sehr private Momente aufgegriffen, der erste Sex, die Heirat, eine unglückliche Ehe, die Befreiung daraus. So setzt sich nach und nach ein komplettes Bild zusammen, das aber auch immer den Fokus auf gesellschaftliche Entwicklungen legt. Besonders gefällt es mir dabei, die Rolle der Frau zu erleben, die eine so starke Wandlung durchgemacht hat. Wie hatte sie sich zu verhalten, was ging wirklich in ihnen vor, wie hat sich die in den Jahren verändert. Die zeitliche Einordnung ist eher durch bestimmte Ereignisse geprägt denn durch die Nennung von Jahreszahlen. So dauert es vielleicht auch etwas, bis man sich an die ungewöhnliche Erzählweise gewöhnt hat und die Struktur durchschaut hat. Es erlaubt aber auch sehr intensive Momente, die sich sehr gut zusammenfügen und sehr lebendig erzählt wurden – eine hervorragende Produktion!

Corinna Harfouch, Nicole Heesters. Constanze Becker und Birte Schnöik – jede der vier Sprecherinnen hat einen ganz eigenen Stil, eine eigene Sprechweise und eine eigene Dynamik. Da wird mal sehr klar und fokussiert, mal nachdenklich, mal melancholisch gesprochen. So herrschen ganz verschiedene Stimmungen vor, was den Fokus immer wieder auf andere Aspekte des Romans lenkt. Die schnellen Wechsel zwischen den Sprecherinnen, die auch mal einzelne Wörter wiederholen, mag anfangs etwas sperrig wirken, ich habe mich jedoch schnell daran gewöhnt und konnte diesen cleveren Zug der Produzenten genießen.

Geräusche sind in dem Hörspiel nicht zu hören, dafür werden die Stimmen durchgängig durch Musik begleitet, die den experimentellen Anklang unterstützt. Fast durchgängig ist dabei ein Beat zu hören, der an das Ticken einer Uhr erinnert und so die verrinnende Zeit verdeutlicht, während mit ganz unterschiedlichen Instrumenten Melodien dazukommen. Das ist stimmungsvoll und dicht geraten, zumal die Wirkung der Sprecherinnen sehr gut unterstützt wird.

Das schwarz-weiße Foto der nachdenklich, aber besonnen wirkenden Annie Ernaux ist als Covermotiv ausgewählt worden, weitere Aufnahmen ergänzen im Inneren diesen positiven Eindruck. Das Booklet, welches sich neben der CD in dem hübschen Digipack befindet, ist gespickt mit vielen zusätzlichen Informationen und ist eine sehr gelungene Ergänzung zum Hörspiel selbst.

Fazit: „Die Jahre“ ist weder eine gewöhnliche Biografie noch ein gewöhnliches Hörspiel. In kleinen Sätzen und Kommentaren wird der Fortgang der Zeit, große und kleine Veränderungen und eine Frau mitten in gesellschaftlichen Wandel thematisiert. Das ist eindringlich und lebendig geraten, wobei auch die hervorragende Produktionsweise sehr gelungen ist.

VÖ: 31. Januar 2019
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-1032-0


Die große Miss Marple Edition (Agatha Christie)



In dem beschaulichen Örtchen St. Mary Mead wohnt Miss Marple in ihrem kleinen Cottage und trifft sich liebend gern an den Dienstagabenden mit ihren Freunden – am liebsten, um ihnen die vielen Fälle zu lösen, die sie im Laufe der Zeit gelöst hat. Und so werden ihr immer neue merkwürdige Geschichten erzählt, die sie mit Scharfsinn und einem Gespür für die wichtigsten Details lösen kann...

Mit der Figur der Miss Marple hat Agatha Christie eine Figur geschaffen, die sich auch heute noch großer Beliebtheit erfreut. Umso lobenswerter ist es, dass der Hörverlag nun eine hochwertige Sammlung mit allen Kurzgeschichten um die detektivisch veranlagte alte Dame in Lesungen mit Ursula Illert veröffentlicht hat, die auf etwas über elf Stunden Laufzeit kommt. Viel Zeit also, die liebenswerte und charmante Dame bei ihrem Hobby zuzuhören, die die unterschiedlichsten Fälle zu bieten hat. Der Aufbau ist dabei allerdings immer ähnlich, denn eigenständige Ermittlungen vermeidet die zierliche Dame, wo es nur geht. Meist kann sie bereits aus den Schilderungen ihrer Gesprächspartner die richtigen Schlüsse ziehen. Die Hinweise sind dabei mal mehr, mal weniger offensichtlich eingebaut, sodass auch der Hörer oft zumindest eine Ahnung bekommt, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Hinzu kommt, dass die Lösung keinesfalls immer so logisch und zwingend ist, wie es vermittelt wird. Das tut dem Unterhaltungswert jedoch keinen Abbruch, da der stilvolle Charme und die ebenso bezaubernde wie leicht bissige Hauptfigur so gut zur Geltung kommen. Und in 20 Kurzgeschichten gibt es eben auch jede Menge zu entdecken, was sowohl in Häppchen genossen als auch in längeren Höreinheiten für sehr gute Unterhaltung sorgt.

Ursula Illert trifft mit ihrer Sprechweise die Stimmung der Geschichten sehr genau und arbeitet so den Esprit sehr gut heraus. Dabei verleiht sie der Hauptfigur eine eigene Stimme, die ältere Dame wirkt so sehr lebendig und greifbar. Auch die anderen Charaktere sind von den Erzählpassagen gut unterscheidbar, was mir sehr gut gefallen hat. Das angenehme Erzähltempo und die sehr gelungene Grundstimmung machen diese Lesungen zu einem echten Genuss.

Sehr hochwertig ist auch die Aufmachung des Hörbuches, das Cover zeigt das bekannte Konterfei der Filmfigur von Miss Marple in einem schwarz-weißen Scherenschnitt. Dieses kreisrunde Logo wird von einem pinken Rahmen umgeben, der mit schwarzen, samtenen Ornamenten verziert wurde. Im Inneren findet sich noch ein umfangreiches Booklet mit zusätzlichen Informationen und einer übersichtlichen Trackliste, um einzelne Geschichten oder Abschnitte schnell wiederzufinden – eine sehr lobenswerte und passende Aufmachung!

Fazit: Die charmanten Erzählungen um die scharfsinnige Miss Marple werden hier sehr stimmungsvoll und lebendig vorgetragen, was die Atmosphäre der Geschichten sehr gut zur Geltung bringt. Auch die Zeit, zu der die Episoden spielen, wird eingängig aufgegriffen und kommt dank der hervorragenden Ursula Illert bestens zur Geltung. Die tolle Aufmachung rundet den sehr positiven Eindruck ab.

VÖ: 29. Oktober 2018
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2991-3


Schändung – Das Thriller-Hörspiel



Carl Morck findet auf seinem Schreibtisch eine Akte eines längst abgeschlossenen Falles – inklusive Verurteilung. Denn der Mörder zweier bestialisch getöteter Geschwister hat sich nach einigen Jahren selbst gestellt. Doch Morck hat Zweifel über den Ablauf der Tat und nimmt die Ermittlungen bald wieder auf und stößt auf immer mehr Ungereimtheiten...

Jussi Adler-Olsens Buchreihe um seinen Ermittler Carl Morck im Sonderdezernat Q hat sich längst zu modernen Klassikern der Thriller-Literatur erhoben und erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Sein zweiter Teil „Schändung“ wurde nicht nur von audible aufwendig als Hörspiel produziert, sondern auch beim Audio Verlag auf MP3-CD veröffentlicht – die deutlich über elf Stunden Laufzeit hätten auf gewöhnlichen CDs wohl auch etwas zu viel Platz weggenommen. Es ist schon ungewöhnlich, einen so umfangreichen Roman ungekürzt zu vertonen, trifft dann aber eben auch genau den Ton, den der Autor sich vorgestellt hat, nimmt jeden Winkelzug, jeden Seitenarm mit und wirkt genau deswegen so eindringlich. Die Handlung lässt sich Zeit, auch Nebencharaktere zu entwickeln, in vielen Szenen wird eine harte und realistische Szenerie aufgebaut – Obdachlosigkeit, Diebstahl, Prostitution sind nur einige der Themen, und nicht sofort lassen sich die einzelnen Puzzleteile zusammenfügen, die Verweise zum Geschehen um Carl Morck ergeben sich erst im Laufe der Zeit. Dieser treibt seine Ermittlungen langsam und mit genauem Blick auf Details voran, was aber keineswegs langwierig geraten ist. Im Gegenteil, durch die fein gesponnenen Verweise, kleine Sackgassen, die sich später noch als wichtig herausstellen und vielen Hinweisen wird ein komplexes und unterhaltsames Bild gezeichnet. Und auch die Charaktere werden wieder sehr intensiv eingebracht, sei es die schroffe Art von Carl, das gewitzte Vorgehen von Asad oder die erstmals auftretende, ziemlich respektlose Rose – alles macht die Handlung noch lebendiger, eindringlicher, aber mit seinem bösen Humor auch unterhaltsamer. Die Geschichte ist hervorragend, die Umsetzung kann dabei mithalten.

Justus von Dohnanyi ist in der Rolle des Carl Morck bestens besetzt und schafft es, die Widersprüchlichkeiten des Charakters sehr geschickt zu vereinen, klingt mal fiebrig und voller Eifer, mal sarkastisch und tief vom Leben enttäuscht, mal genervt und grantig, aber immer glaubhaft und sehr präsent. Katrin Heß ist als Rose Knudsen ebenfalls eine Erscheinung, mit ihrem energiegeladenen und hochnäsigen Auftreten bleibt sie in Erinnerung und kann doch die Sympathien des Zuhörers erlangen. Erzähler Thomas Balou Martin setzt mit seiner ruhigen und ausdrucksstarken Stimme gekonnt Akzente, bleibt vom Grundtenor eher ruhig und steigert die Spannung eher subtil, dafür umso effektiver. Nicht alle der vielen Nebenrollen haben mich sprecherisch vollkommen überzeugt, insgesamt ist aber ein sehr guter Schnitt vorhanden. Weitere Sprecher sind Denis Moschitto, Che Koch und Edda Fischer.

Timo Ackermann und Dominik Kapahnke zeichnet sich für das Sounddesign verantwortlich, „Ededemic Sound“ für die Musik. Beides zusammen funktioniert sehr gut und schafft sehr geschliffen wirkende Atmosphären für die Szenen. Egal ob ein überfüllter Bahnhof oder die Stille einer abgelegenen Hütte, alles fügt sich gekonnt zusammen und wird durch treibende, stimmige Melodien ergänzt.

Ein Foto von Justus von Dohnanyi und Denis Moschitto ist auf dem Cover zu sehen, beide blicken sehr ernst drein, was durch den gräulichen Schimmer und die entsättigten Farben noch unterstrichen wird. Das Innere bietet neben zwei atmosphärischen Fotos und der Auflistung aller Beteiligten keine weiteren Extras, die CD wird im Inneren des hohen Digipacks von einer Papplasche gehalten.

Fazit: „Schändung“ funktioniert auch als Hörspiel bestens, da die Anpassungen an dieses Medium sanft, aber sinnvoll vorgenommen wurden. Die Charaktere werden sehr gut dargestellt, die vielen Winkelzüge und die harte Atmosphäre sorgen für Spannung. Es ist faszinierend, wie sich hier langsam aus vielen Einzelteilen ein komplettes Bild zusammensetzt und so eine sehr spannende und vielseitige Produktion entstanden ist.

VÖ: 31. Januar 2019
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0733-7


Theodor Fontane – Die große Hörspiel-Edition



Ein gutaussehender Offizier mit Hang zu amourösen Abenteuern, der Fund einer jahrelang vergessenen Leiche und ein daraus folgendes Possenspiel, eine nervenkranke Frau auf einer Reise mit zahlreichen schicksalhaften Begegnungen, eine stürmische Liebschaft ohne Aussicht auf eine glückliche Zukunft, ein adeliger Lebemann mit äußerst sittsamer Ehefrau, das Aufleben einer alten Jugendliebe, eine junge Braut, die sich selbst noch nicht in einer Ehe sieht, eine pragmatische Vermieterin mit dem Wunsch nach mehr...

Theodor Fontanes Geburtstag jährt sich im Jahr 2019 zum 200. Mal – für den Audio Verlag ein lobenswerter Anlass, um eine dicke Hörspiel-Edition um den deutschen Autor zu veröffentlichen. Generationen von Schülern haben sich im Unterricht mit seinem Werk auseinandergesetzt, und auch heute noch sind die starken Bilder seiner Romane sehr lohnenswert. Ganze acht seiner Stücke sind hier untergebracht, mehr als ein Überblick über sein umfangreiches Werk kann dies gleichwohl nicht sein. Die Auswahl ist aber sehr gelungen – einerseits weil einige seiner prägnantesten Werke ausgewählt wurden, andererseits weil der Querschnitt mit unterschiedlichen Themen und Figuren sehr treffend ist. So ist mit „Unterm Birnbaum“ ein sehr unterhaltsamer Kriminalroman vorhanden, der hier mit Schwung umgesetzt ist, während auch viele starke und tragische Frauenfiguren versammelt sind. Besonders beeindruckt hat mich dabei die junge „Effie Briest“, die am Schicksal ihrer frühen Heirat wächst, was in der Produktion sehr lebendig und treffend dargestellt wurde. Und auch „Frau Jenny Treibel“ berichtet von einer Art Emanzipation, wobei das Profil der handelnden Figuren hier besonders scharf und klar umrissen ist. Jede der Geschichten bringt einen starken Ausdruck mit sich und ist eng am Original gehalten, wenn auch teilweise die Kürzungen nicht ganz glücklich geraten sind. So wirkt vor allem „Irrungen, Wirrungen“ nicht mehr ganz rund, was auch an der etwas sperrigen Umsetzung des BR aus dem Jahr 1955 liegen mag. Zwischen 1948 und 1988 sind die hier zu hörenden Produktionen entstanden, was zudem noch einen Überblick über das Medium Hörspiel gibt. Eine lohnenswerte und sehr gelungene Sammlung der Werke von Theodor Fontane, die auf lebendige Weise das Werk des Ausnahmeautors vereint.

Albert Bassermann ist im Hörspiel „Effie Briest“ als ihr Vater zu hören und spricht diese Rolle sehr intensiv und mit viel Ausdruck, was den komplexen Charakter zum Leben erweckt und mit gelungenen Verzierungen versieht. Gerd Westphal ist der Erzähler in „Unwiederbringlich“ und setzt seine markante Stimme sehr gekonnt ein, lässt seine Passagen unterhaltsam und kurzweilig wirken und lenkt die Aufmerksamkeit auf die essenziellen Aspekte der Erzählung. Auch Hans Paetsch ist hier in jungen Jahren zu hören, wobei ihm die Spielfreude und der Sinn für das richtige Timing bereits anzumerken ist. Weitere Sprecher sind Klaus Maria Brandauer, Carl Raddatz und Christiane Felsmann.

Die unterschiedlichen Epochen des Hörspiels sind in diesen Radio-Produktionen deutlich anzuhören, sodass sich bei der akustischen Umsetzung der Werke kein wirklicher roter Faden ausmachen lässt. Mal recht spartanisch, mal etwas opulenter mit Musik und Geräuschen, aber immer mit dem Fokus auf den Sprechern. Dabei klingen auch die älteren Aufnahmen recht klar und haben höchstens einen leicht blechernen Unterton, kommen aber ohne störende Nebengeräusche aus.

Die zwölf CDs dieser umfassenden Edition stecken jeweils in einer dünnen, biegsamen Plastikhülle, wobei die zusammengehörigen CDs mit einer übereinstimmenden Farbe gekennzeichnet sind. Der Box liegt aber auch ein Booklet bei, das viele zusätzliche Informationen enthält. Das Titelbild mit dem vom Mond beschienenen Winterweg hat mir sehr gut gefallen.

Fazit: Der Querschnitt durch das Werk von Theodor Fontane in lebendigen und kurzweiligen Hörspielumsetzungen ist sehr lohnenswert und bietet gleich acht seiner Romane auf einmal. Da gibt es viel zu hören und zu entdecken, was mir nicht immer gleich gut gefallen hat, insgesamt aber mit den starken Persönlichkeiten und gelungenen Vertonungen überzeugt.

VÖ: 30. November 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0729-0


Kleine Hexe Klavi-Klack – Box 1



Die Hexe Klack ist zwar noch nicht voll ausgebildet und muss noch viel lernen, ist aber ständig unterwegs, um zur Mitternacht zu spuken oder Menschen zu besuchen. Dabei deckt sie so manches ziemlich gemeines Verhalten auf, ist aber auch äußerst hilfsbereit und steht gerade Kindern oft zur Seite. Das merkt auch der kleine Fritz, dem Klack beim Klavierspielen hilft und von ihm den Spitznamen Klavi-Klack erhält...

Klavi-Klack hat es vielleicht nicht zu der größten Berühmtheit geschafft, aber immerhin in hörspielaffinen Kreisen einen sehr guten Ruf. Die Folgen der witzigen Kinderserie sind nicht nur auf Platte oder Kassette gepresst worden, sondern auch in dicken Boxen auf CD erhältlich. Dazu wurden diese von Tom Steinbrecher remastered zu je vier Episoden zusammengefasst. Die Grundzüge der Serie ähneln zwar anderen bekannten Vertretern ihrer Art, verbreiten aber eben doch ihren ganz eigenen Charme. Klavi-Klack trifft dabei in jeder Episode auf ganz verschiedene Menschen, wobei ganz unterschiedliche Situationen im Mittelpunkt stehen. Pro Folge sind dabei mehrere kleine Geschichten lose miteinander verknüpft, in denen Klavi Klack mit ihrer etwas frechen und herausfordernden Art kleinen und großen Gemeinheiten auf die Spur kommt. Für Kinder ist das gleich auf mehrere Arten unterhaltsam: Einerseits, weil die Figuren alle leicht skurril ist und gerade die Hauptfigur einen ganz eigenen Charme verbreitet. Andererseits aber auch, weil oft genug Erwachsene entlarvt werden und mit ihrem eigenen Fehverhalten konfrintiert werden. Die Lehre, dass Erwachsene eben auch nicht immer perfekt sind, ihr Handeln aber meist einen Hintergrund hat, ist dann auch lehrreich, ebenso wie immer wieder vergeben (aber nicht vergessen) wird. Aber auch eine ganz andere Seite wird hier jenseits der realen Welt geboten, so sind zahlreiche andere Hexen zu hören. Das wird dann für Kinder auch schon mal gruselig, aber auch mit viel Charme und sehr gelungenen Einfällen umgesetzt. Die Szenerie ist dabei sehr lebendig und unterhaltsam geraten, was die Folgen so unterhaltsam. Mir gefällt vor allem, dass der Ausgang der Handlung eben nicht immer im Voraus feststeht und immer wieder kleine, unerwartete Wendungen eingebaut wurden. Sicherlich wird diese Serie von viel Nostalgie begleitet, was über die eine oder andere etwas langwierige Szene hinwegtäuscht. Trotz dieses eher geringen Tempos funktioniert die Serie aber auch heute noch und macht einfach Spaß.

Die wunderbare Ursela Monn ist in der Hauptrolle der Klavi-Klack zu hören und klingt immer ein bisschen frech, immer ein bisschen aufgedreht und sorgt so für einen lebendigen Ausdruck der Hauptfigur, die einem durch sie schnell ans Herz wächst. Gerda Gmelin ist in zwei Folgen als Morgana zu hören, sie passt sich sehr gut der Atmosphäre der Handlung an und stellt einen gelungenen Gegenpart zur fröhlichen Klavi-Klack dar. Auch die wunderbare Gisela Trowe bereichert zwei der Folgen in unterschiedlichen Rollen, ihre unverkennbare und ausdrucksstarke Stimme sorgt dabei für einen sehr gelungenen Eindruck. Weitere Sprecher sind Edith Teichmann, Klaus Dittmann und Gabrielle Libbach.

Die Überarbeitung der Hörspiele ist gut gelungen, störendes Knacken oder ein die Dialoge begleitendes Grundrauschen ist nicht vorhanden. Auch ist der Klang recht klar, lediglich die zweite Episode ist recht dumpf geraten. Die akustische Umsetzung der Geschichten ist lebendig geraten und punktet mit fröhlichen Melodien und vielen Geräuschen, die die Dialoge lebendiger wirken lassen.

Die vier Hörspiele sind auf drei CDs untergebracht, wobei sich die Episoden zwei und drei eine Disc teilen. Untergebracht sind diese in einer dicken Plastikhülle, in der auch ein kleines Booklet zu finden ist. Hier sind die wichtigsten Produktionsinformationen untergebracht, was optisch sehr schlicht und nicht sonderlich ansprechend umgesetzt ist. Das Cover wird von den vier Originaltitelbildern im Kleinformat geziert.

Fazit: Schön, dass es die Hörspiele wieder zu kaufen geht, wobei hier auf eine günstige und damit erschwingliche Umsetzung gesetzt wurde. Die Folgen sind nichtsdestotrotz sehr unterhaltsam geraten und überzeugen mit ihrem liebevollen Humor und charmanten, aussagekräftigen Charakteren. Die Ansätze sind immer wieder unterschiedlich, sodass es viel zu entdecken gibt.

VÖ: 29. April 2016
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-945624-53-1


Monster 1983 – Staffel 2 – Tag 1-5



Nach den schrecklichen Ereignissen um den vierten Juli ist in der Kleinstadt Harmony Bay eine trügerische Ruhe eingekehrt. Die Bewohner finden sich wieder in ihrem Alltag zurecht und verarbeiten das Geschehen auf ihre eigene Weise. Während beispielsweise der Bürgermeister mit der Sache abschließen will, stellt Deputy Landers immer mehr Fragen nach den Hintergründen – und stellt fest, dass die Bedrohung noch lange nicht vorbei ist...

Schon die erste Staffel von „Monster 1983“ aus der Feder von Ivar Leon Menger hat dem Medium Hörspiel mal wieder eine neue Facette verliehen und kann in puncto Ausstrahlung und Komplexität vielen hochwertigen TV-Serien die Stirn bieten. Und obwohl die ersten zehn Folgen auch für sich selbst stehen können, wurde fleißig weiter produziert, sodass man nach der Veröffentlichung als Stream nun auch die ersten fünf Folgen der zweiten Staffel auf CD in den Händen halten kann. „Monster 1983“ ist ziemlich komplex und verfolgt eine Vielzahl unterschiedlicher Charaktere, ohne Kenntnisse der Vorgänger wird man hier nichts verstehen können – aber dank eines Überblicks am Anfang wieder schnell in die Szenerie hineinfinden. Der Start ist noch recht ruhig geraten, doch schnell verdichten sich die Ereignisse wieder und nehmen eine unheilvolle Richtung an. Sehr gut gefällt mir dabei, dass dabei die Grundstimmung der ersten Staffel aufgegriffen wird, aber dennoch viele neue Elemente eingebaut wurden. So sorgt der undurchsichtige Mr. Marzini für Aufregung und verfolgt seine eigenen Pläne, die sich nur langsam aufdecken. Aber es gibt auch Rückblenden, die die bisherigen Ereignisse näher beleuchten und neue Erkenntnisse bringen. Das Ganze wird sehr intensiv dargeboten und baut ein neues, schreckliches Szenario auf. Wahrlich geschieht dies noch ohne wirklichen Höhepunkt, da dies nur der erste Teil der zweiten Staffel ist und die Figuren auf den großen Höhepunkt vorbereitet werden. Ein, zwei Längen haben sich dann auch eingeschlichen, dennoch konnte mich diese dritte Box der Serie wieder überzeugen.

Die Besetzung der Staffel umfasst mehrere Dutzend Sprecher und setzt dabei auch auf viele bekannte Sprecher, was eine sehr hochwertige Sprecherliste ergibt. Nana Spier, Patrick Bach, Andreas Fröhlich, Detlef Bierstedt, Tobias Kluckert und viele weitere Stimmen sind dabei bis in die kleinen Nebenrollen zu hören. Sehr gut gefallen hat mir beispielsweise Gerrit Schmidt-Foß als Mr. Marzini, der sich völlig auf die unheimliche Szenerie einlässt und seiner Figur eine ebenso präsente wie geheimnisvolle Aura verleiht. Udo Schenks markante Stimme prägt auch hier seine Szenen wieder, Mr. Fisher bekommt durch ihn viel Ausdruck verliehen und überzeugt mit einer sehr treffenden Interpretation. Luisa Wietzoreks sanfte Stimme fällt in der dunklen Grundstimmung deutlich auf, auch die lässt die Rolle der Flower Miller sehr gekonnt wirken.

Akustisch wird wieder eine sehr dichte Atmosphäre geschaffen, die derjenigen der ersten Staffeln in nichts nachsteht. Die Musik ist düster und kündigt dräuendes Unheil an, drängt sich aber nie in den Vordergrund, sondern bildet eben nur eine Kulisse für die Sprecher und ihre Dialoge. Darin eingebaut ist noch eine Vielzahl von Geräuschen, die in den richtigen Momenten auch mal deutlich anschwellen und die dramatischen Szenen betonen.

Die fünf CDs finden sich in einzelnen Hüllen wieder, die in einem Pappschuber gesammelt werden. Die Gestaltung ist wieder eher schlicht geraten, alle Titelbilder sind identisch. Dafür gibt es jeweils eine eigene Beschreibung der einzelnen Folgen und neben der Übersicht aller Mitwirkenden auch ein Glossar der wichtigsten Charaktere und weitergehenden Informationen zum Team um Ivar Leon Menger.

Fazit: Der Auftakt zur zweiten Staffel von „Monster 1983“ ist sehr vielversprechend gelungen und geht von der anfangs recht ruhigen Szenerie bald über zu einer bedrohlichen Szenerie. Dabei sind Rückblicke auf die vorigen Ereignisse ebenso vorhanden wie eine konsequente Weiterentwicklung der Handlung mit neuen, spannenden Charakteren und einer ebenso intensiven Atmosphäre.

VÖ: 31. August 2018
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-5760-4


Krokodilwächter (Katrine Engberg)



Der Tod einer jungen Studentin erschüttert Stockholm: Erstochen, gebrandmarkt und mit zerschnittenem Gesicht wird sie in ihrer kleinen Wohnung in der dänischen Hauptstadt gefunden. Die Ermittlungen der Polizei übernimmt das Duo aus Jeppe Korner und Anette Werner, die bald einen Hinweis auf den Mord bekommen: Die Vermieterin von Julie hat ein Manuskript geschrieben, in dem genau dieser Mord detailliert aufgeführt wurde…

„Krokodilwächter“ ist der erste Teil der Buchtrilogie von Katrine Engberg um ihre beiden Ermittler Jeppe Korner und Anette Werner, die beim Audio Verlag auch in Lesungen mit Dietmar Bär erhältlich sind. Auch wenn jeder der drei Teile auch für sich allein stehen kann, da jeweils ein in sich abgeschlossener Fall erzählt wird, ein paar private Entwicklungen im Leben der Ermittler sind aber vorhanden. In diesem ersten Band agiert die Autorin jedoch diesbezüglich sehr zurückhaltend und bringt nur einige Randnotizen ein, konzentriert sich dafür deutlich mehr auf den Fall. Löblich natürlich, wenn man einen spannenden Plot erzählen möchte und stetig dabeibleibt, Engberg verpasst hier aber die Chance, den beiden Hauptfiguren eine individuelle Aura zu verleihen. Jeppe und Anette wirken zwar sympathisch, bleiben aber zu neutral, um wirklich fesseln zu können. Die Handlung ist da schon deutlich stärker und überzeugt mit vielen spannenden Entwicklungen und einem gelungen konstruierten Hintergrund, der zunächst langsam, dann zunehmend temporeich aufgedeckt wird. Immer mehr Hinweise bekommen die Ermittler gemeinsam mit dem Leser, kombinieren, schließen aus, nehmen neue Fährten auf und bekommen so langsam ein immer kompletteres Bild. Dieses ist detailreich und vielschichtig gezeichnet und bietet einige Überraschungen, ebenso wie Kopenhagen als Handlungsort stimmungsvollen Einfluss nimmt. Viele Orte werden ortkundige Leser wiedererkennen, die anderen können zumindest das Flair der Stadt in sich aufnehmen. Schade, dass dennoch der erste Teil etwas blass bleibt, da die Charaktere insgesamt zu wenig Individualität mitbringen.

Dietmar Bär findet sich schnell in die Stimmung des Romans ein und gestaltet diese mit seiner ebenso angenehmen wie ausdrucksstarke Stimme aus. Er geht dabei nicht nur auf die verschiedenen Stimmungen und Szenarien ein, sondern verleiht den Charakteren auch immer einen leicht anderen Klang, sodass man der Handlung gut folgen kann. Auch die gelungene sprachliche Stilistik der Autorin greift er dankbar auf und spricht dynamisch und lebendig.

Der Audio Verlag hat ein hübsches Digipack für das acht CDs umfassende Hörbuch hergestellt und sich beim Cover auf die Buchvorlage gestützt. Auf weißem Hintergrund sind fünf rote Striche zu sehen, einer von ihnen leicht zur Seite gekippt. Der Sinn dahinter erschließt sich während der Handlung, was ich sehr gelungen finde. Auf der Rückseite der CD ist ein Foto des Sprechers zu finden, auch die üblichen Infos zu Autorin und Sprecher dürfen nicht fehlen, ansonsten ist das Innere eher schlicht gestaltet.

Fazit: „Krokodilwächter“ hat mir durchaus gefallen und hat viele spannende Momente und einen gelungenen Plot, nur leider bleiben die Charaktere zu blass, was sowohl für die Haupt- als auch für die Nebenfiguren gilt. Die Autorin hat in den weiteren Bänden zwar noch viele Entwicklungen in der Hinterhand gehalten, hätte hier aber früher mit starten können. Die Sprechweise von Dietmar Bär passt sehr gut zur Atmosphäre des Romans und sorgt für einen dynamischen Eindruck.

VÖ: 29. März 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 97833742404831


Head Hunter – Das ungekürzte Hörspiel



Roger Brown hat sich als Head Hunter den Ruf eines hervorragenden Vermittlers gemacht, er bringt Top-Bewerber mit erfolgreichen Unternehmen zusammen. Doch das ist nur Fassade, denn im Hintergrund bringt er seine Klienten um wertvolle Kunstwerke. Doch in dem holländischen Geschäftsführer Clas Greve hat er einen mächtigen Gegner gefunden, als er einen verschollen geglaubten Rubens aus seinem Besitz stiehlt…

Audible hat sich nicht nur als Streaming-Plattform für Hörspiele und -bücher etabliert, sondern längst auch als Produzent ebensolcher Umsetzungen. Die Veröffentlichung von „Head Hunter“, einem Thriller des schwedischen Autoren Jo Nesbö, wurde nun auch von HörbucHHamburg auf zwei MP3-CDs veröffentlicht, über 400 Minuten läuft das Hörspiel. Zunächst wird Roger Brown ausführlich vorgestellt, wobei es wichtig für den weiteren Verlauf ist, woher der Head Hunter und Kunstdieb kommt, wie seine Weltanschauung ist, wie er auf seine Mitmenschen blickt. Dabei hilft es, dass er aus der Ich-Perspektive erzählt und man so seine Gedanken direkt mitgeteilt bekommt – so wirken die teils recht langen Monologe dennoch nahbar und spannend. Dabei ist er alles andere als ein typischer Held, sondern hat im Gegenteil mehr unsympathische Seiten und wird mit seiner überheblichen Art sehr differenziert betrachtet. Und auch wenn es etwas dauert, bis die eigentliche Handlung in Schwung kommt, ist dieser erste Teil hörenswert und mit einer gewissen Spannung versehen. Das Kennenlernen von Clas Greve bringt dann aber noch einmal mehr Zündstoff ein, sowohl auf geschäftlicher als auch auf krimineller Ebene fühlt sich Roger Brown herausgefordert, was ein heftiges Machtspiel zwischen den beiden Kotrahenten entfacht. Die Bandagen werden immer härter und locken unerwartete Seiten hervor, die eingebauten Wendungen sorgen für viel Dynamik und Spannung. Toll ist, dass der zynische Grundton des Romans dabei gekonnt aufgegriffen wird und trockenen Humor entstehen lassen. Ein fesselnder Thriller, der mit seinen markanten Charakteren, der harten Atmosphäre und dem sehr gelungenen Spannungsaufbau überzeugt

Devid Striesow ist in der Hauptrolle des Roger Brown sehr gut besetzt, sowohl während der Erzähltexte aus der Ich-Perspektive als auch während der Dialoge bringt er den harten und analytischen Charakter hervorragend zur Geltung und gestaltet die zwiespältige Rolle sehr eindringlich. Sein Gegenüber Clas Greve wird von Gerrit Hamann ebenso intensiv gesprochen, dessen Stimme mal einen nüchternen, dann wieder einen kühlen oder leidenschaftlichen Klang annimmt und so einen markanten Charakter schafft. Mit ihrer sanften Stimme bildet Yara Blümel als Rogers Frau Diana einen gelungenen Kontrast dazu, sie passt sehr gut in die harte Atmosphäre und schafft eine weitere spannende Figur. Weitere Sprecher sind Matti Klemm, Oliver-Kim Hasper und Christoph Banken.

Die Umsetzung der Geschichte ist stimmungsvoll geraten, wofür besonders die Musik sorgt. Sie ist in den Szenenübergängen zu hören, ebenso wie in besonders betonenswerten Momenten im Hintergrund. Das sorgt für viel zusätzliche Dynamik, da andere Dialoge nur für sich allein stehen. Auch die Geräuschkulisse ist stimmig eingebaut und sorgt für einige passende Kulissen, was alles sehr gut zusammenpasst und die Handlung gekonnt unterstreicht.

Der starre Blick des Mannes auf dem Cover scheint den Betrachter direkt aufzuspießen und hinterlässt so einen gelungenen Eindruck des skrupellosen Roger Brown. Das schwarz-weiße Bild wird nur durch den roten Schriftzug des Titels unterbrochen. Auch in der restlichen Gestaltung des mehrfach aufklappbaren Digipacks herrschen Schwarz und Weiß vor, was mit Zitaten und Informationen zu einige Mitwirkenden gelungen ergänzt wurde. Das wirkt stimmig und passt gut zu der Stimmung des Hörspiels.

Fazit: Ein berechnender und zynischer Hauptcharakter, eine spannungsgeladene Handlung mit einem heftigen Machtspiel, packende und unerwartete Wendungen – die Romanvorlage von Jo Nesbö funktioniert auch als Hörspiel hervorragend, auch dank der lebendigen und intensiven Umsetzung. Eine sehr lohnenswerte Produktion, die mit seiner unmittelbaren Atmosphäre punktet.

VÖ: 29. Juni 2020
Label: HörbucHHamburg
Bestellnummer: 9783957131874


Unter Haien – Das ungekürzte Hörspiel



In Zeiten der aufkommenden Globalisierung zu Ende des 20. Jahrhunderts hat sich Alex Sontheim einen Namen als erfolgreiche Investmentbankerin an der Wall Street gemacht. Als der Milliardär Sergio Vitali sie umwirbt, ist sie von seiner Macht fasziniert und beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit ihm. Doch mit der Zeit ahnt sie, dass sein Imperium nicht mit sauberen Methoden aufgebaut wurde und holt einige Nachforschungen über die ein – mit erschreckenden Ergebnissen…

Bereits vor über zehn Jahren hat Nele Neuhaus den Grundstein ihrer Karriere als Thriller-Autorin gelegt, als mit „Unter Haien“ ihr erstes Buch dieses Genres veröffentlicht wurde. Eben diesen Roman hat sich audible nun vorgenommen und als Hörspiel umgesetzt – ungekürzt und deswegen mit über 1.000 Minuten recht lang geraten. HörbucHHamburg hat nun eine CD-Version der Produktion veröffentlicht, sodass man nicht immer auf das Streaming angewiesen ist. Die Handlung beginnt mit einem Ausblick auf ein Schreckensszenario, der Hörer kennt also schon einmal den Ausgang der folgenden Geschichte – ein gelungener Startpunkt, der die Spannung direkt hochhält. Danach wird der Hörer erst einmal gekonnt mit der Szenerie vertraut gemacht, die Stimmung des ausgehenden 20. Jahrhunderts wird gekonnt thematisiert und mit Leben gefüllt. Der Schauplatz ist New York mit der weltbekannten Wall Street, wobei im Laufe der Zeit immer mehr kriminelle Machenschaften aufgedeckt werden. Manches konnte man erahnen, es gibt aber auch große Überraschungen und schockierende Erkenntnisse. Gut gefällt mir, dass der Roman zwar als Wirtschaftsthriller angelegt ist und ein sehr realistisches Bild skrupelloser Menschen zeichnet und die Zusammenhänge akribisch aufbereitet, mit der Affäre von Alex und Sergio aber auch eine sehr private Ebene eröffnet wird. Alex als Ermittlerin gibt sich dem Geschäftsmann immer wieder ungeschützt hin, steht oft vor der Entdeckung und ahnt schon bald, in welcher Gefahr sie schwebt – und der Hörer bekommt das ungefiltert mit. Es ist lobenswert, dass hier nicht gekürzt wurde und so das gesamte Werk der Autorin vollumfänglich Platz gefunden hat, da führt aber auch zu vielen langen Erzähltexten, die dann eben doch eher wie ein Hörbuch wirken. Dennoch ist „Unter Haien“ hervorragend umgesetzt und sorgt für einige unterhaltsame Hörspielabende.

Marleen Lohse wurde für die Hauptrolle der Alex Sontheim ausgewählt und überzeugt dabei mit einer standfesten Stimme und passendem Ausdruck. Sie kann verschiedene Facetten der jungen Bankerin hervorheben und zeichnet zudem gut die steigende Dramatik nach, hätte aber in manchen Szenen noch etwas mehr Energie einbringen können. Till Hagens markante Stimme passt wunderbar zu der Rolle des Sergio Vitali, er schafft eine geheimnisvolle und dubiose Aura um den Geschäftsmann, kann die Härte der Figur ebenso gekonnt betonen wie die zugängliche Seite, die er Alex entgegenbringt. Nina Petri bringt die Erzähltexte lebendig und spannend herüber, bringt spannende Momente ebenso wie nüchterne Betrachtungen passend herüber und hält dabei die Dynamik ihrer Stimme aufrecht. Weitere der zahlreichen Sprecher sind Alexander Döring, Robert Gallinowski und Barbaby Metschurat.

Die Umsetzung als Hörspiel ist recht dynamisch gelungen, wobei viele der Szenen eher ruhig untermalt sind. Manche Dialoge werden kaum von Geräuschen begleitet, andere wurden mit einem passenden Hintergrund versehen –von Möwengeschrei und Wellengang über die Hektik an der Wall Street bis zu typischen Bürogeräuschen gibt es da eine stimmige Bandbreite. Die Musik ist abwechslungsreich und hat mal Hip-Hop-Anleihen, dann wieder einen klassischen Ausdruck oder typische Hörspielmusik, was die Übergänge aber auch viele Erzähltexte mit einer passenden Stimmung versieht. Insgesamt ist das stimmig geraten, manche Momente sind für meinen Geschmack aber etwas zu ruhig geraten.

Ganze vier MP3-CDs sind für das über 1.000-minütige Hörspiel nötig, die gemeinsam in einem Digipack untergebracht ist, das etwas höher ist als eine gewöhnliche CD-Verpackung. Das wirkt leider etwas instabil, und auch das Titelbild ist wirkt mit der computergenerierten Optik mit den roten Schuhspitzen in einer Pfütze an der Wall Street nicht sonderlich ansprechend. Im Inneren sind die Mitwirkenden am Hörspiel übersichtlich aufgelistet, ebenso wie es eine Kurzbiographie zur Autorin gibt.

Fazit: „Unter Haien“ ist sehr nah an der Vorlage gehalten und folgt der Dynamik des Buches, die sich in Hörspielform leider nicht immer optimal entfaltet, besonders einige Erzähltexte nehmen Fahrt aus der Handlung. Doch die Spannung ist durchgängig zu spüren, die Verbindung von wirtschaftskriminellen Themen und der brisanten Affäre sind gelungen – insbesondere weil auch die beiden Hauptcharaktere sehr reizvoll und vielschichtig beschrieben werden. Hörenswert!

VÖ: 2. Juni 2020
Label: HörbucHHamburg
Bestellnummer: 9783957132048


Die Chroniken von Narnia – Das Wunder von Narnia



Weil sein Vater einen kranken Verwandten in Indien pflegen muss, zieht Digory mit seiner Mutter nach London. In Polly findet er bald eine Freundin und erkundet mit ihr die Dachböden der Stadt, die allesamt miteinander verbunden sind. Dabei treffen die beiden auf Digorys Onkel Andrew, der mit Magie experimentiert und die Kinder in eine fremde Welt schickt. Doch diese scheint im Sterben zu liegen und wird von der bösen Hexe Jadis regiert…

„Die Chroniken von Narnia“ gehören zu den absoluten Klassikern der Kinderbuchliteratur, vor allem in den USA, spätestens mit den erfolgreichen Verfilmungen der Bände von C.S. Lewis aber auch hierzulande. In Zusammenarbeit von SWR2 und NDR kultur ist nun ein aufwendiges Hörspiel des ersten Bandes entstanden. „Das Wunder von Narnia“ ist auch beim Audio Verlag als CD erhältlich – und es lohnt sich, da die fantastische und liebevolle Atmosphäre des Buches auch hier sehr gut zur Geltung kommt. Nach einer kurzen Vorstellung von Digory, Polly und Onkel Andrew geht das Abenteuer für die beiden Kinder auch schon los, von da an ist die kindgerechte Spannung allgegenwärtig. Mal gibt es aufregende Szenen um die böse Hexe Jadis, mal sind abenteuerliche Szenen eingebaut, mal geht es aber auch ruhiger zu. Beeindruckend ist beispielsweise die Schöpfungsszene geraten, in der die neue Welt von Narnia geschaffen wird, voller Poesie und berührender Szenen. Schön ist, dass auch die beiden Hauptfiguren weiter ausgearbeitet werden und beispielsweise Digorys Sorge um seine Mutter ein stetiger Begleiter ist. Die Moral, die in die Handlung eingebunden ist, ist gerecht und einfühlsam erzählt, drängt sich aber nicht vor den fantasievollen Hintergrund. Die magischen Elemente, die unverkennbaren christlichen Bezüge und der ungewöhnliche, vielschichtige Verlauf sind auch in diesem Hörspiel hervorragend umgesetzt. Besonders die entscheidende Szene um Digory und Jadis ist beeindruckend umgesetzt und bietet mit seiner ruhigen Ausstrahlung und sehr gelungenen akustischen Elementen einen Höhepunkt, der lange im Gedächtnis bleibt. Man kann vollkommen in diese neue Welt eintauchen, mit den Charakteren mitfiebern und mit ihnen ein spannendes Abenteuer erleben, aber eben auch wichtige Werte in dem Handeln erkennen. „Das Wunder von Narnia“ ist ein äußerst hörenswertes Hörspiel und wird der Buchvorlage vollkommen gerecht.

Dazu tragen auch die Sprecher bei, die ihre Rollen gekonnt auszukleiden wissen. Das gilt auch für den jungen Sprecher von Digory, Valentin Karow, der mit fester und glaubhafter Betonung einen glaubhaften Charakter erschafft und dabei noch einige Facetten des neugierigen, aber nicht immer ganz selbstsicheren Jungen einbinden kann. Emily Strohmann klingt als Polly zwar etwas hölzerner, macht aber insgesamt dennoch einen glaubhaften Eindruck und kann die Eigenheiten des Mädchens gekonnt einbinden. Als Erzähler führt der wunderbare Friedhelm Ptok durch die Handlung, seine warme und angenehme Stimme führt in seinen kurzen Texten sehr gelungen durch die Handlung und bringt die vorherrschende Stimmung bestens zur Geltung. Weitere Sprecher sind Valery Tscheplanowa, Martin Engler und Lars Rudolph.

Akustisch wurde ein sehr dichter Klangteppich für die Handlung geschaffen, die sich jedoch nie zu sehr in den Vordergrund drängt. So gibt es fast durchgehend fein eingewobene Melodien, die mit klassischen Instrumenten eingespielt wurden und die fantastische Atmosphäre unterstreichen. Schön, dass die Dynamik der Szenen dabei sehr gut eingefangen wurde. Auch die Geräusche sind vielfältig und aussagekräftig eingebaut, was den Szenen mehr Leben verleiht. Lediglich die eingebauten Lieder mit Gesang wirken etwas deplatziert, deren Produktion hätte noch etwas stimmiger sein können.

Motive einer hochwertigen Buchausgabe wurden auch für das Cover des Hörspiels verwendet, sodass der majestätische Kopf des Löwen Arslan auf weißem Hintergrund im Zentrum steht. Viele goldene Elemente und kleine weitere Zeichnungen ergänzen das Titelbild und lassen es sehr wertig wirken. Auch im Inneren gibt es neben den üblichen Produktionsangaben noch eine weitere Zeichnung mit Polly und Digory auf ihrer abenteuerlichen Reise.

Fazit: Eine dichte und fantastische Stimmung, die durch klassische Melodien, eine sehr gekonnte akustische Umsetzung entsteht. Die Sprecher sind hervorragend, die Geschichte ausdrucksstark umgesetzt, die den Geist der Buchvorlage gekonnt transportiert. Fast 110 Minuten, die mich von Anfang bis zum Ende gefesselt haben.

VÖ: 18. September 2020
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742415165


Verachtung - Das Hörspiel



Als Carl Morck den lange in Vergessenheit geratenen Fall einer verschwundenen Prostituierten aus dem Jahr 1987 auf den Schreibtisch bekommt, bleibt ihm aufgrund fehlender Zeugen nur die Recherche am Computer. Dabei stößt er auf weitere Fälle von insgesamt fünf Personen, die nie wieder aufgetaucht sind. Fieberhaft versucht er, das Verschwinden der Menschen aufzuklären, was ihn bis hin zum aktuell laufenden Wahlkampf führt…

Audible hat sich längst nicht nur als Streaming-Plattform für Hörspiele und – bücher einen Namen gemacht, sondern auch als Produktionsstudio eben solcher. Zum Repertoire gehört auch die Buchreihe von Jussi Adler-Olsen um Ermittler Carl Morck, deren vierter Teil „Verachtung“ wie auch schon dessen Vorgänger als vollständige und aufwendig produzierte Hörspielversion erhältlich ist – beim Audio Verlag auch als physischer Datenträger auf MP3-CD. Zwölfeinhalb Stunden dauert das Ganze und ist mit zahlreichen ineinander verwobenen Handlungssträngen angefüllt, von denen jeder einzelne an sich schon eine große Komplexität und Tiefe aufweist. Gemeinsam ergeben sie einen ebenso hochspannenden wie psychologisch angehauchten Fall, in dem die Figuren wahrlich durchleuchtet werden. Auch wenn die Idee des Autors, nicht alles bis ins letzte Detail aufzuklären, auch hier wieder bestens funktioniert, bekommt man doch einen sehr intensiven Eindruck von Tätern, Opfern und Ermittlern. Beeindruckend ist, dass die verschiedenen Stränge in mehreren Jahrzehnten spielen und dennoch so gut zusammenpassen, was zudem auch für unterschiedliche Stimmungen sorgt. Die Auflösung des Ganzen ist sehr fein gesponnen und beeindruckt mit dem cleveren Aufbau, aber auch das Ansprechen gesellschaftspolitischer Themen und die feine Skizzierung eines ziemlich egozentrischen Charakters sorgen für einen sehr hörenswerten Thriller.

Die große Zahl der Sprecher ist beeindruckend, der weitaus größte Teil davon ist dann auch sehr überzeugend in der Charakterdarstellung, nur einige kleinere Nebenrollen wirken eher statisch. Hervorragend ist beispielsweise Katrin Heß in der Rolle der Rose Knudsen, die mit sehr prägnanter und ausdrucksstarker Stimme den leicht exzentrischen Charakter sehr gut zu verkörpern versteht und ihr trotzdem feine Facetten verleiht. Auch Matthias Koeberlin hat mir als Marcus Jacobsen sehr gut gefallen, seine intensive Sprechweise passt seht gut in die Ausstrahlung der Handlung und schafft einen starken Charakter. Justus von Dohnanyi ist natürlich wieder in der Hauptrolle des Carl Morck zu hören, seine starke Ausstrahlung und die treffsichere Dynamik seiner Stimme haben mich auch in dieser Produktion wieder überzeugt. Weitere Sprecher sind Martin Baltscheid, Rolf Berg und Edda Fischer.

Akustisch wird dem Hörspielhörer hier eine breite Palette an verschiedenen Sounds geboten, die sich gelungen in das Gesamtkonzept einfügen. Dabei wird auf zahlreiche Geräusche und Sounds gesetzt, die die Szenen meist gelungen unterstreichen, wobei sich Musik ebenfalls stimmig ausgewählt wurde, sich manchmal jedoch zu sehr in den Mittelpunkt zu drängen scheint. Zudem wäre an einigen Stellen etwas mehr Individualität wünschenswert gewesen.

Wie bereits bei den vorigen Teilen der Reihe wird das Cover von zwei Gesichtern dominiert, die den Sprechern Justus von Dohnanyi und Denis Moschitto gehören, aber auch sehr gut zu den von ihnen dargestellten Rollen passt. Die violette Einfärbung macht das Cover dennoch gut von den anderen unterscheidbar, während das eigentliche Motiv am unteren Rand etwas verloren geht. Im Inneren des Digipacks wäre auch durchaus noch Platz gewesen, um noch ein paar mehr Sprechern ihren Rollen zuzuordnen.

Fazit: „Verachtung“ ist auch in der Hörspielumsetzung ein äußerst gelungener Thriller, der mit verschiedenen Zeitebenen langsam eine in sich verzahnte Handlung aufbaut und dabei mehrere Jahrzehnte umspannt. Faszinierend ist, wie stimmig sich das alles ineinander fügt und wie kontrastreich die verschiedenen Charaktere dabei zur Geltung kommen. Sehr hörenswert!

VÖ: 28. Juni 2019
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742415097


Erlösung - Das Hörspiel



Lange Zeit lag eine Flaschenpost vergessen in den Polizeistationen von Dänemark und England, bis schließlich Carl Morck vom Sonderdezernat Q darauf aufmerksam gemacht wird. Denn die mit Blut geschriebene, kryptische Nachricht auf dem Zettel konnte endlich durch sein Team entschlüsselt werden. Doch die darin angedeutete Entführung liegt schon einige Jahre zurück, sodass Carl Morck weit in der Vergangenheit ansetzen muss, dabei jedoch auf viel Misstrauen stößt…

Jussi Adler-Olsen hat mit seiner Buchreihe um das Sonderdezernat Q, in dem unter dem Leiter Carl Morck ungelöste Kriminalfälle gelöst werden, einen modernen Klassiker geschaffen. Auch der dritte Band der Reihe mit dem Titel „Erlösung“ wurde als aufwendiges Hörspiel von Audible umgesetzt und ist auf platzsparender MP3-CD beim Audio Verlag erhältlich. Der Rhythmus des Buches ist für ein Hörspiel fast ein wenig zu langsam, sodass es an einigen Stellen etwas zu langsam voran geht. Das liegt daran, dass die zahlreichen Nebenhandlungen und Erweiterungen der eigentlichen Geschichte beim Lesen gut funktionieren, was hier aber etwas überladen wirkt. Besonders der Start gerät deswegen etwas zu unaufgeregt, die ruhige Entwicklung der Handlung wird aber im Laufe der Zeit immer spannender und druckvoller. Dazu trägt auch bei, dass die Figuren sehr gelungen entwickelt wurde. Dabei sticht der Antagonist positiv heraus, der eben nicht nur als psychopatisches Monster dargestellt wird. Auch schon im Laufe der Geschichte bekommt er einen Hintergrund, der seine aktuelle Situation erklärt und verstehen lässt, wie aus ihm ein skrupelloser Entführer geworden ist. Auch seine Opfer bekommen einen passenden Hintergrund verliehen, sodass die Taten erschreckend real und glaubhaft wirken. Und natürlich sind auch die Hauptfiguren der Buchreihe wieder in gelungenen Facetten ausgeführt, der Hörer bekommt einen tieferen Einblick in die Figuren. Glücklicherweise wird auch der Sarkasmus der Reihe wieder gekonnt bedient, die eingestreuten Kommentare erden die Handlung auf angenehme Weise. Und so gefällt mir „Erlösung“ trotz des etwas behäbigen Starts sehr gut.

Justus von Dohnányi hat die Rolle des Carl Morck übernommen und klingt dabei sehr überzeugend und glaubhaft, er trifft die Beschreibung des Charakters auf den Kopf und setzt auch seine Gefühlswelt sehr authentisch um, sodass ein lebendiger Mittelpunkt entstanden ist. Denis Moschitto begeistert nicht minder als Assad, spricht die Rolle sehr dynamisch und passt Tempo und Intensität gelungen an die jeweilige Szene an, was den Spannungsbogen der Handlung gekonnt unterstreicht. Auch Erzähler Thomas Balou Martin hat mir sehr gut gefallen, sein ruhiger Klang setzt seine Texte sehr atmosphärisch um und verleiht ihnen düsteren Flair. Weitere Sprecher sind Katrin Heß, Sascha Tschorn und Gruschenka Stevens.

Die Klangkulisse, die als Hintergrund für die Geschichte geschaffen wurde, ist sehr vielfältig geraten und drängt sich an einigen Stellen vielleicht sogar schon etwas zu sehr auf, unterstützt aber ebenso die vielen Spannungsbögen der Geschichte. Die Musik ist düster und dramatisch, die Geräusche sind passgenau eingefügt und lassen die Szenen lebendiger wirken. Manchmal wäre aber eben ein deutlicherer Fokus auf die Stimmen wünschenswert gewesen.

Auf dem Cover der MP3-Version wird die Flaschenpost mit dem grausigen Inhalt an der unteren Seite angedeutet, während der obere Teil von Fotos der beiden Hauptsprecher dominiert wird. Die bläuliche Färbung verleiht dem Ganzen eine kühle Ausstrahlung, die gut zu der Stimmung der Geschichte passt. Eine passende Gestaltung für die MP3-CD-Version dieses Hörspiels.

Fazit: Der Plot der Vorlage wurde sehr gelungen erdacht und funktioniert auch in dieser Umsetzung hervorragend, auch wenn die Spannung am Anfang nicht sonderlich präsent ist und sich erst später wirklich durchsetzen kann. Die vielen Nebenarme der Handlung bremsen zwar die eigentliche Entwicklung, sorgen aber für einen umfassendes und faszinierendes Bild auf den Täter und den Fall. Die Umsetzung ist dank der hervorragenden Sprecher äußerst gelungen.

VÖ: 28. Juni 2019
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3742410290


Jim Knopf und die wilde 13




Als ein Postschiff mit Lummerland zusammenstößt, beschließt König Alfons, dass ein Leuchtturm fehlt, allein das Geld fehlt. Jim Knopf und Lukas schlagen vor, dass der Scheinriese Herr Tur Tur eine bessere Idee wäre, um einen Neubau zu verhindern. Mit Lokomotive Emma tuckern sie wieder durch das Meer und begegnen allerhand merkwürdigen Gestalten - und geraten in große Gefahr!

"Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" ist eines der erfolgreichsten Bücher von Autor Michael Ende - und natürlich gibt es mit "Jim Knopf und die Wilde 13" eine Fortsetzung, die ebenfalls als liebevolle Neuvertonung bei Silberfisch erhältlich ist – anlässlich des 90. Geburtstags des Autors Michael Ende- Produziert wurde das über vierstündige Werk vom WDR, glücklicherweise genauso liebevoll und mit Sinn für das Detail wie der erste Band es schon bewiesen hat. Neben dem Kampf gegen die Wilde 13, die den Hauptteil der Geschichte einnimmt, sind noch etliche andere Handlungsbögen integriert, besonders gelungen ist das Zusammentreffen mit der Meerjungfrau Sursulapitschi. Die einfallsreiche Geschichte und vor allem ihre vielen Versuche, Lokomotive richtig auszusprechen, führen zu bester Hörspielunterhaltung. Doch auch die Introszene auf Lummerland mit den vielen bekannten Personen ist ein frühes, kleines Highlight. Wunderbar spannend ist die Entführung der kleinen Lok Molly durch die Wilde 13, die nachfolgende Verfolgungsjagd strotzt vor Dramatik und erzählerischem Können. So entstand ein rundum gelungenes Hörspiel für die ganze Familie, das ich bedenkenlos weiterempfehlen möchte.

Für die vielen unterschiedlichen Charaktere sind mehr als 20 Sprecher eingesetzt, die allesamt einen hervorragenden Job machen. Sursulapitschi, die kleine Meerjungfrau, wird von Anne Kanis gesprochen, die mit sehr viel Charme und Witz ihre Rolle wunderbar gestaltet und so für einprägsame Momente sorgt. Ihr Vater Uschaurischuum wird von Heinrich Schmieder gesprochen, der mit seiner tollen Darbietung ebenfalls viel zum Gelingen der Szene beiträgt und eine sehr markante Stimme hat. Sehr gut gefallen hat mir Oliver Stritzel als Piratenhauptmann, der mit viel Präsenz und poltender Stimme einen wunderbaren Bösewicht abgibt, aber dennoch auch für Kinder nicht zu unheimlich wirkt. Weitere Sprecher sind unter anderem Wolfgang Völz, Laura Maire und Ulrich Noethen als Erzähler.

In Sachen Akkustik haben Mike Herting (Musik) und Wilmont Schulze (Geräusche) ebenfalls Tolles Überzeugendes geleistet. Beides ist sehr gut aufeinander abgestimmt, was eine dichte Atmosphäre mit vielen kleinen liebevollen Details erschafft. Die Geschichte wirkt deswegen sehr lebendig wirken, man kann sich schnell so in sie hineinversetzen. Schön auch, dass so viele unterschiedliche Stimmungen geschaffen wurden, was einen dynamischen Eindruck hinterlässt.

Anstatt des blauen Balkens auf dem ersten Teil wurde hier als Grundfarbe ein kräftiges Rot gewählt, welches Autor und Titel enthält. Das eigentliche Motiv des Covers zeigt aber Jim Knopf (mit seiner eigenen Pfeife – oha!) vor dem entspannt daliegenden und ebenfalls paffenden Lukas. Eine entspannt wirkende Szenerie, die die beiden Hauptfiguren auf hübsche Weise darstellt.

Fazit: Auch die Fortsetzung des Romans hat eine liebevolle Umsetzung erfahren, die nicht nur die vielen ausdrucksstarken Figuren und Momente gekonnt umsetzt, sondern auch den Spannungsbogen der Handlung auskostet. Die gekonnt eingepasste Akustik sorgen für einen dynamischen Ausdruck und sind eine gelungene Kulisse für die sehr guten Sprecher – hörenswert!

VÖ: 1. August 2019
Label: Silberfisch
Bestellnummer: 978-3-7456-0128-2


Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer



Im kleinen Lummerland leben neben dem König nur zwei Untertanen sowie Lukas der Lokomotivführer und seine Dampflok Emma - und eines Tages auch Jim Knopf, der mit einer merkwürdigen Botschaft als Baby in Lummerland gestrandet ist. Schnell freundet er sich mit Lukas an und beschließt eines Tages, mit ihm auf eine abenteuerliche Reise aufzubrechen, um mehr über seine Herkunft zu erfahren…

"Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" ist seit Generationen in Deutschland bekannt und verzaubert nach wie vor viele Kinderzimmer (und auch einige Erwachsene...) mit seinem Charme – insbesondere, da es mittlerweile sehr viele Umsetzung des Stoffes zum Anschauen oder Hören gibt. Eine sehr gelungene Hörspielvertonung gibt es beispielsweise aus der Produktion des WDR, die bei Silberfisch als CD-Version erhältlich ist. Bei 246 Minuten Laufzeit darf von einer sehr umfassenden Umsetzung des Kinderbuchklassikers von Michael Ende gesprochen werden, die trotzdem zu keiner Zeit langweilig wirkt. Das liegt zum großen Teil an der bezaubernden und liebevollen Umsetzung, die den Geist des immerhin Jahrzehnte alten Buches zu transportieren, ihm aber auch neue Seiten abzuringen weiß. Die Geschichte ist - obwohl gut bekannt - immer noch interessant und aufregend. Besonderes Augenmerk verdient die Umsetzung der Charaktere, ihre individuelle und fantasievolle Aura wird sehr gekonnt eingebaut und sorgt für viele eindrucksvolle Momente. Die Geschichte wird sehr kurzweilig erzählt, was die Qualität der Vorlage unterstreicht – große Abweichung von ihr gibt es hier nämlich nicht. Dabei wird es an einigen Stellen richtig spannend und gefährlich für Lukas und Jim, der Bogen des Erträglichen wird aber auch für jüngere Zuhörer nicht überspannt. Für einen langen Familienabend oder geruhsame Entspannung allein kann ich diese Umsetzung wärmstens empfehlen.

Die Sprecherauswahl ist hervorragend, sodass jeder Charakter entsprechend seiner Persönlichkeit gestaltet wird. Dante Selke - mir bis dahin völlig unbekannt - spricht dabei den Jim Knopf so sicher und treffend, als wäre er seit Jahrzehnten im Geschäft. Sein bester Freund Lukas wird von Jörg Schüttauf gesprochen, der ebenfalls in jeder Situation standhaft bleibt und seinen Charakter gut herausarbeitet, dabei auch immer sympathisch wirkt. Imponiert hat mir die Leistung von Frank Köllges als Lokomotive Emma. Mit wenigen Geräuschen, die tatsächlich stark an eine alte Eisenbahn erinnern, eröffnet er eine ganze Gefühlswelt. Auch die anderen Sprecher sind hervorragend ausgewählt und mache ihre Sache sehr gut, beispielsweise Henriette Thiming, Manon Straché oder Wolfgang Völz.

Das Hörspiel wird von einer sehr geglückten Geräuschkulisse begleitet, die dezent, aber auch wirkungsvoll ist. Die Geräusche stammen von Wilmont Schulze, die Musik von Mike Herting, und beides ergänzt sich wunderbar zu einer stimmigen Atmosphäre, die sowohl auf hoher See als auch in den Fängen des bösen Drachen Frau Mahlzahn glaubhaft und intensiv ist. Jede Szene bekommt so einen individuellen Klang, sodass man völlig in die Handlung eintauchen kann.

Das Cover ist im typischen Stil der Neuauflagen einiger Kinderklassiker des Labels gehalten, sodass ein farbiger Block an der oberen Seite den Titel verrät, während unten das eigentliche Motiv zu finden ist. Dieses ist hier in einem sehr nostalgischen Zeichenstil gehalten, wobei Jim, Lukas und Emma in einfachen Posen dargestellt sind. Vielleicht nicht vollkommen zeitgemäß, durch den weißen Hintergrund aber dennoch ansehnlich gelungen.

Fazit: Eine sehr liebevolle Umsetzung des Kinderbuchklassikers mit sehr guten Sprechern, die viel Charme versprühen und die Essenz der Charaktere einfangen. Sehr gut gefällt mir auch, wie nahe die Handlung am Original gehalten ist und wie lebendig und flüssig erzählt wird. Dabei kommen sehr gelungene Stimmungen auf, sodass das Hören sehr viel Spaß macht.

VÖ: 1. August 2019
Label: Silberfisch
Bestellnummer: 978-3-7456-0127-5


Die Chroniken von Mistle End – Der Greif erwacht



Als Cedriks Vater seinen Job als Bibliothekar verliert, müssen die beiden gemeinsam in das kleine schottische Dorf Mistle End ziehen, wo eine Anstellung als Lehrer auf ihn wartet. Cedrik ist alles andere als begeistert, merkt jedoch schnell, dass die Ortschaft nur auf den ersten Blick verschlafen wirkt. Denn allerlei mystische Gestalten tummeln sich dort, was auch für Cedrik einige Herausforderungen birgt – insbesondere als er Besuch von einem Greif bekommt…

Mit den „Chroniken von Mistle End“ hat der Autor Benedict Mirow einen vielversprechenden Auftakt zu einer neuen Jugendromanserie voller Magie und Witz geschaffen, die vom Audio Verlag auch schnell als aufwendig produziertes Hörspiel erhältlich sind. Mit satten sechseinhalb Stunden wird dem Hörer da ganz schon etwas geboten – was sich aber auch sehr lohnt. Das liegt nicht nur an der hervorragenden Produktion, sondern auch an der wundervollen Handlung. Die Idee, dass ein scheinbar normaler Junge plötzlich Teil einer magischen Welt wird und dort einen entscheidenden Platz einnimmt, den er gemeinsam mit seinen ebenfalls magischen Freunden findet, ist zwar nicht ganz neu, wird hier aber auf vielfältige Weise sehr gekonnt variiert. Die vielen Ideen, die dabei eingeflossen sind, lassen Referenzen zu verschiedenen Mythologien erkennen, wirken aber sehr frisch, modern und dennoch sehr mystisch. Die Welt, die der Autor in dem kleinen schottischen Dorf erschaffen hat, ist sehr vielseitig und intensiv dargestellt, es ist ein lebendiger Ort, an dem es überall etwas zu entdecken gibt. Toll auch, dass die Charaktere so sorgsam ausgearbeitet sind und mit vielen Facetten gespickt sind. Das gilt für Cedrik ebenso wie für seine Freunde, Schulkollegen und die vielen anderen Wesen, die hier vorkommen. Die Handlung startet zunächst etwas langsam, was aber nicht negativ auffällt, da die Stimmung und die Atmosphäre bereits dort äußerst dicht sind. Und die Geschichte nimmt dann auch schon bald Fahrt auf und reiht viele aufregende und gefährliche Szenen aneinander, was die Spannung immer wieder in die Höhe treibt. Aber es gibt auch Phasen, in denen das Leben in Mistle End mehr im Vordergrund steht, die Schultage von Cedrik beschreiben oder eine lockere Stimmung schaffen, was dem Hörer nicht nur notwendige Verschnaufpausen verschafft, sondern es auch ermöglicht, dass einem die Figuren wirklich ans Herz wachsen. Zum Ende hin spitzt sich die Szenerie natürlich noch weiter zu und präsentiert ein packendes Finale, dass viel Lust auf die kommenden Teile der Reihe macht. Die Marschrichtung, wohin sich alles ungefähr entwickelt, lässt sich zwar schon erahnen, lässt aber noch viel Spielraum für Überraschungen – und auf diese freue ich mich jetzt schon.

Über 15 Sprecher saßen für die Aufnahmen vor dem Mikrofon, wobei einige von ihnen gleich mehrere Rollen übernommen haben, unter ihnen Sebastia Mirow, Madeleine Stolze und Johannes Steck. Man merkt diese Doppelbesetzung aber nicht, da jeder Charakter einen sehr individuellen Klang bekommen hat. In der Hauptrolle des Cedrik O’Connor ist Maxi Belle zu hören, der den Jungen sehr aufgeweckt und lebendig klingen lässt. Sein Charme kommt dabei schnell zur Geltung und schafft einen sehr gelungenen Mittelpunkt der Handlung. Auch Maresa Sedlmeir macht als Emily Golden eine sehr gute Figur, wirkt spontan und bringt den Witz der Handlung gut zur Geltung, auch wenn sie an einigen Stellen den Faden zu verlieren scheint und ein paar etwas schwächere Stellen aufweist. Ihr Bruder Elliot wird von Malte Wetzel gesprochen, der das Trio gelungen ergänzt und seine ganz eigene Note mit einfließen lässt.

Akustisch wird hier wirklich einiges aufgefahren. Besonders beachtlich ist dabei, dass die lange Laufzeit von über sechs Stunden wie aus einem Guss wirkt und eine einheitliche Wirkung hat, es aber nie repetitiv wirkt. Dafür sorgen die orchestralen Melodien von Audio Network, die sehr gut an die verschiedenen Stimmungen angepasst sind und für eine magische Atmosphäre sorgen. Gemeinsam mit der reichhaltigen Geräuschkulisse kann es auch schon mal etwas düsterer zugehen, was die Spannungsmomente weiter unterstreicht.

Das Hörspiel ist auf einer MP3-CD untergebracht, was viel Platz spart – so konnte als Verpackung ein hübsches DIgipack gewählt werden, welches nicht nur das Cover der Romanvorlage mit einem ersten Eindruck des Greifen, der drei Freunde und der schottischen Umgebung zeigt. Im Inneren gibt neben der Auflistung der Mitwirkenden noch weitere Bilder zu sehen – unter anderem ein ebenso düsteres wie farbenfrohes Bild des Greifen.

Fazit: „Der Greif erwacht“ hat mir außerordentlich gut gefallen, die Atmosphäre ist so dicht und mystisch, wie es nur wenige Romane bieten können. Die spannende Handlung und Charaktere, mit denen man mitfiebert, funktionieren auch in dieser ausführlichen Hörspielversion sehr gut. Ich mochte es sehr, in die Geschichte einzutauchen und freue mich schon auf die kommenden Teile.

VÖ: 21.08.2020
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742416575


Käpt'n Sharky – Das Geheimnis der Schildkrötenkönigin



Käpt’n Sharky ist ziemlich langweilig, sodass er froh ist, dass die Schildkröteninsel auftaucht, von der auch seine Freundin Isi stammt. Doch bereits bei ihrer Ankunft schlägt ihnen eine bedrohliche Stimmung entgegen, da die Eingeborenen die für Skogger halten, die Schildkröten von der magischen Insel stehlen wollen, um die nächste Schildkrötenkönigin unter ihre Kontrolle zu bringen. Klar, dass Sharky und seine Freunde helfen wollen…

Piraten und Seefahrer kommen wohl nie aus der Mode, immer noch sind Kinder fasziniert von den Geschichten von geheimnisvollen Inseln, gefährlichen Schlachten und abenteuerlichen Reisen. Genau dieses Thema greift auch „Käpt’n Sharky“ auf, die mittlerweile bei Europa ins Programm aufgenommen wurde. „Das Geheimnis der Schildkrötenkönigin“ heißt die neue Episode, wobei die Handlung recht schnell am Anfang aufdreht und einen spannenden Verlauf präsentiert. Denn neben einem kurzen Intro beginnt auch schon das Abenteuer auf der geheimnisvollen Insel, die Bedrohung durch die skrupellosen Skogger ist dabei ständig präsent und bedroht auch direkt die bunt zusammengewürfelte Crew von Sharky. Natürlich wissen diese ihren Gegenspieler mit Pfiff, Scharfsinn und Mut etwas entgegenzusetzen, sodass eine dynamische und flott erzählte Handlung entsteht, die unter immer neuen Vorzeichen steht und dabei für viel Abwechslung sorgt. Doch die Folge zeichnet aus, dass eben noch mehr hinter diesem abenteuerlichen Flair steckt: Es werden immer wieder neue Werte präsentiert, die Kindern eine moralische Orientierung bieten. Seien es Zusammenhalt, Durchhaltevermögen, aber auch die Fähigkeit, eigene Schwächen einzugestehen und sich von anderen helfen zu lassen. Das wird locker und unterhaltsam vermittelt und nicht mit dem erhobenen Zeigefinger präsentiert, was mir sehr gefallen hat. Die markanten Charaktere der Episode und viele spannende Szenen machen kombiniert mit einer großen Portion Humor und einem Hauch Mystik viel Spaß.

Der wunderbare Axel Prahl ist als Sprecher des Käpt’n Sharky wieder sehr überzeugend und bringt die Abenteuerlust des Seefahrers, seine Lebensfreude, aber auch die aufgebaute Spannung der Handlung gekonnt zur Geltung. Besonders gefällt mir sein humoristisches Talent und die Fähigkeit, alles spontan und glaubhaft wirken zu lassen. Thomas Nicolai beweist seine Wandlungsfähigkeit, indem er gleich vier verschiedene Tiere in Sharkys Begleitung spricht und jedem eine absolut einzigartige Aura verleiht. Die Überdrehtheit, die er dabei präsentiert, bringt jede Menge Charme in die Handlung ein. Marko Bräutigam hat mir als Rufus ebenfalls gut gefallen, er passt sich gekonnt an die Stimmung der Geschichte an und verstärkt diese mit einer flüssigen Sprechweise. Weitere Sprecher sind Jennifer Breitrück, Christian Giese und Jens Mandalski.

Die Musik nimmt eine wichtige Rolle in dem Hörspiel ein, immer wieder singen die Charaktere auch zu den verschiedenen Szenen passende Lieder. Komponiert und getextet von Rainer Bielfeldt präsentieren sich diese abwechslungsreich, witzig und kindgerecht, während auch die kleinen Melodien zur Szenentrennung für Heiterkeit sorgen. Die vielen eingebauten Geräusche sind sehr gut auf die verschiedenen Szenen abgestimmt, sie sorgen für passende Hintergründe und viel Seefahrerflair.

Klar, dass das Käpt’n Sharky auf dem Cover zu sehen ist, mit verwegenem Gesichtsausdruck und gezücktem Säbel läuft er in Begleitung von dem bunten Papagei Coco über die Schildkröteninsel, während ein riesiges Exemplar der gepanzerten Tiere nebst einigen Eingeborenen im Hintergrund zu sehen sind. Wie immer ein ansprechendes und farbenfrohes Titelbild, das mir gut gefällt – ebenso wie die vielen Zeichnungen im Inneren.

Fazit: Schnell entwickelt sich die Geschichte um „Das Geheimnis der Schildkrötenkönigin“ zu einem abenteuerlichen Kampf gegen die gemeinen Skogger, aber auch mystische Themen finden hier Platz. Gespickt mit vielen witzigen Liedern und geschickt eingebauten moralischen Werten macht die Folge einfach Spaß, vor allem weil viele starke Charaktere vorgestellt werden, die im Gedächtnis bleiben.

VÖ: 7. Februar 2020
Label: Europa
Bestellnummer: 4050003719276


Das Gerücht (Lesley Cara)



Der Umzug von London in eine kleine Küstenstadt sollte für Joanna und ihren Sohn Alfie eigentlich Entschleunigung bringen, was zunächst auch gelingt. Schnell findet sie sich dort zurecht und hat Kontakt zu gleichgesinnten Frauen. Als sie dabei eher beiläufig von dem Gerücht erzählt, dass eine junge Frau, die in Kindheitstagen einen Jungen umgebracht haben soll, unter falscher Identität ebenfalls in der Stadt wohnt, sorgt sie zunächst für Erstaunen und Sorge – doch die Emotionen kochen immer weiter hoch, sodass das bislang friedliche Zusammenleben ernsthaft gefährdet wird…

Als Debutroman hat Lesley Cara „Das Gerücht“ veröffentlicht, eine sehr interessante Variante eines Thrillers. Das Hörbuch ist beim Audio Verlag erschienen und wird von Britta Steffenhagen gelesen, die die dichte Atmosphäre gekonnt aufgreift – und davon gibt es jede Menge. Zu Beginn der Handlung beschreibt die Autorin die idyllische Stimmung, das beschauliche Kleinstadtleben und die freundliche, zugewandte Art der Bewohner sehr treffend und stellt dabei wie nebenbei einige wichtige Charaktere vor. Zugegeben, hier wird etwas Zeit vertan, um den Hörer auf Spannung zu bringen, langatmig wird es aber wegen der flüssigen Erzählweise auch hier nicht – und die vermittelte Stimmung ist wichtig für den weiteren Verlauf. Denn ab dem Zeitpunkt, in dem das titelgebende „Gerücht“ um die junge Mörderin die Runde macht, zerbröckelt die Atmosphäre zusehends, es kommen Misstrauen und Verdächtigungen auf, so manche freundliche Fassade bröckelt dahin. Die Bewohner zeigen ihr wahres Gesicht, doch diese kleine Sozialstudie wird von Lesley Cara um einige sehr spannende Komponenten angereichert. Das verläuft zunähst eher subtil und hintergründig, nimmt aber im Laufe der Handlung immer mehr Raum ein und ist dann sehr präsent und fesselnd geraten. Ich mag sehr, dass es sich hier eben nicht um bereits vielfach bekannte Motive aus Thrillern handelt, sondern ganz neue Wege beschritten werden und eine ganz andersartige Szenerie beschrieben wird. Toll auch, wie gelungen und rund Cara die meisten Figuren zeichnet und ihnen komplexe und in sich stimmige Handlungsmuster verleiht, auch wenn manch ein Statist eher blass bleibt – die wirklich wichtigen Charaktere wurden sehr lebendig beschrieben. Ich mag auch das ansteigende Tempo des Romans und die vielen Facetten, die im Laufe der Zeit eingebaut werden, ebenso wie das eingängige Ende, das zwar in Teilen vorauszuahnen war, aber eben doch noch einige Überraschungen bietet.

Britta Steffenhagens ausdrucksstarke Stimme passt sehr gut zu dem Hörbuch, da sie die Stimmung der Handlung sehr gekonnt aufgreift und sehr facettenreich einsetzt. Dabei passt sie Tempo, Dramatik und Eindringlichkeit immer wieder an und geht dabei gut auf den Handlungsbogen des Romans ein, aber auch die Atmosphäre in der Kleinstadt wird durch Steffenhagen stimmig aufgegriffen, ebenso wie die Charaktere in der wörtlichen Rede lebendig wirken. Eine überzeugende Leistung, da die Spannung durchgängig hochgehalten wird.

Natürlich wurde das Titelbild der Romanvorlage auch für das Hörbuch genutzt, ein regnerischer Tag mit dunklem, wolkenverhangenem Himmel setzt dabei die Kleinstadtidylle mit den hübschen Häuschen in ein düsteres Licht, wobei auch der Strand und der Wiesenstreifen dorthin angedeutet werden. Ein Foto von Britta Steffenhagen auf der Rückseite ist ein kleines Extra in dem Digipack, welches die MP3-CD mit über acht Stunden Laufzeit enthält.

Fazit: Genüsslich entblättert die Autorin hier die Fassade einer Kleinstadt und erschüttert so das Bild, das zunächst gezeichnet wird. Hier startet der Roman zwar etwas verhalten, nimmt aber bald mehr Fahrt auf und wird dann richtig spannend. Der Fokus liegt dabei eher auf psychologischen und gruppendynamischen Prozessen und verleiht der Handlung eine ganz eigenständige Stimmung, sodass mir „Das Gerücht“ sehr gefallen hat.

VÖ: 21. Februar 2020
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742411914


An den Mauern des Paradieses



Beim Bau eines neuen Staudamms nahe des Persischen Golfes wurden antike Steintafeln gefunden, die sofort das Interesse des kanadischen Historikers David Ostrich wecken. Doch bevor er vom Herrscher Thaut die Erlaubnis bekommt, diese untersuchen zu dürfen, soll er zunächst deren verschwundene Tochter Evita finden. Doch bei seinen Nachforschungen stößt er auf einige gut gehütete Geheimnisse, die nicht nur sein Leben in Gefahr bringen…

Einen einzigen Roman hat der französisch-deutsche Autor Martin Schneitewind in seinem Leben verfasst: „An den Mauern des Paradieses. Der bayrische Rundfunk hat 2019 eine Hörspielumsetzung der Kombination aus Dystopie, Religionsgeschichte und Science-Fiction gewagt, die auch beim Hörverlag als CD-Version mit zwei Discs erhältlich ist. Die Mischung ist so konträr und ungewohnt, wie sie klingt, was den Zugang zu dem Werk auch etwas erschwert, da durchaus etwas Fachwissen über die verschiedenen Themen hilfreich ist. Die Schöpfungsmythen tauchen schnell in der Handlung auf und nehmen einen ungewohnten, aber sehr reizvollen Einfluss auf das Werk, ebenso wie die von Dürre und Flüchtlingsströmen aus den Fugen geratene Welt immer mehr Faszination verbreiten, die Schneitewind als Kulisse gewählt hat. Die Handlung schreitet dabei nur langsam voran, nicht immer wird auch am eigentlichen roten Faden um die Suche nach Evita und der Erforschung der antiken Steintafeln gearbeitet, es gibt zahlreiche Nebenarme und Ausflüge in andere Richtung, beispielsweise technische Details zum Bau des Staudamms. Hinzu kommt, dass auch die Sprache nicht allzu leicht zugänglich ist, neben vielen Fach- und Fremdwörtern ist auch der Satzbau sperrig und hemmt oft den Hörfluss. Warum mir „An den Mauern des Paradieses“ dennoch sehr gefallen hat, liegt an zweierlei Elementen: Einerseits ist die Atmosphäre sehr dicht und kombiniert die nicht passend scheinende Themenwahl dann doch sehr gut miteinander, die Wüstenstadt und ihre markanten Bewohner, der dystopische Ansatz, der mysteriöse und religiöse Anklang. Und daraus resultiert auch die zweite große Stärke der Geschichte: Die Hintergründe sind sehr faszinierend dargestellt und haben mich – zu Beginn ab und an, zumindest in der zweiten Hälfte vollkommen – in ihren Bann gezogen.

Felix Klare ist in der Hauptrolle des David Ostrich zu hören, der sich gekonnt an die Stimmung des Romans orientiert und den Szenen so viel Leben einhaucht. Er zeichnet den Spannungsbogen geschickt nach und findet für die verschiedenen Szenen den richtigen Tonfall. Auch Michele Cuciuffos Stimme passt als Atam sehr gut in die Produktion und sorgt mit vielen Facetten und einem eindringlichen Klang für einprägsame Momente. Katja Bürkle und Brigitte Hobmeier teilen sich in dieser Produktion die Erzählparts und bringen jeder ihre eigene Stimmung mit ein, interpretieren und sprechen auf unterschiedliche Art, beide machen dies jedoch markant und bedeutungsvoll. Weitere Sprecher sind Krista Posch, Stefan Merkl und Thomas Hauser.

Die akustische Umsetzung ist eher zurückhaltend und hält den Fokus stetig auf den Sprechern. Manchmal sind diese minutenlang ohne zusätzliche Elemente zu hören, mal ist eine leise Hintergrundbegleitung in Form von Geräuschen oder künstlerisch wirkenden Musikstücken zu hören. Das unterstützt den etwas sperrigen Ausdruck der Geschichte und wirkt nicht ganz so zugänglich wie bei anderen Produktionen.

Die beiden CDs des Hörspiels befinden sich in einem für das Label typischen, wertigen Digipacks, das sich mehrfach aufklappen lässt und zudem noch ein Booklet mit weiteren Informationen bereithält. Neben den üblichen Produktionsangaben gibt es dabei noch Kurzbiographien zu einigen Mitwirkenden. Das Titelbild wurde von der Buchvorlage übernommen und zeigt ein geometrisches Muster auf schwarzem Hintergrund, das gleich mehrere Interpretationsmöglichkeiten zulässt.

Fazit: „An den Mauern des Paradieses“ zeigt in einer dystopisch angehauchten Zukunft eine Geschichte, die nicht immer leicht zugänglich ist und einiges Hintergrundwissen erfordert, aber auch auf gelungene Weise eine alterative Schöpfungsgeschichte oder verblüffende Auswirkungen längst vergangener Zeiten miteinander verbindet. Die Stimmung gefällt mir ebenso wie die grundlegende Idee sehr gut, auch wenn das Hörspiel manchmal etwas anstrengend auf mich wirkte.

VÖ: 27. Mai 2019
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 9783844534566


Das Evangelium der Aale



Die Erinnerung an seine Kindheit sind für Patrick Svensson eng mit seinem Vater verbunden, gemeinsam haben die beiden stundenlang an der Küste geangelt oder Reusen aufgestellt. Eine schweigsame Arbeit, die beide eng miteinander verbunden hat. Doch vieles hat Patrick dabei nicht über seinen Vater erfahren. Und so erkundet er ihre Beziehung immer tiefer, indem er sich ihm über einen besonderen Weg nähert: Über das gemeinsame Verhältnis zu den Aalen...

„Das Evangelium der Aale“ einem bestimmten Genre einzuordnen, ist kaum möglich, da der Debütroman von Patrick Svensson so viele verschiedene Elemente enthält. Da gibt es natürlich die Familiengeschichte um Patrick und seinen Vater, in denen man sich mit ihnen ans Wasser begibt, um Aale zu fangen, um die komplexe Beziehung, die Versäumnisse auf beiden Seiten, um durchaus zwiespältige Gefühle und dennoch erfüllt von Liebe. Verbunden wird dies mit dem Thema der Aale, wobei Anleihen an ein Sachbuch anklingen. Die immer noch rätselhafte Vermehrung der faszinierenden Wesen, die ungewöhnlichen Verhaltensweisen werden dabei ebenso thematisiert wie die Forschung über Aale – von der Antike bis in die heutige Zeit, die berühmte Menschen beschäftigt hat. Doch es gibt noch weitere Versatzstücke, beispielsweise über religiöse oder philosophische Themen, was jedoch alles sehr stimmig und organisch zusammengefügt ist. Erstaunlich, wie viel Svensson hier erdacht hat, wie genau er nachgeforscht und sich in die verschiedenen Themen eingearbeitet hat, aber besonders, die stimmungsvoll und dicht er seinen Roman geschrieben hat. Das liegt auch an der direkten und dennoch poetischen Sprache, ein großes Lob gebührt auch der sehr gelungenen Übersetzung. Und auch wenn keine Handlung im eigentlichen Sinne im Mittelpunkt steht, wird der Roman am Ende noch einmal zugespitzt und mit einem ergreifenden Ende versehen.

Die Lesung von Johann von Bülow harmoniert wunderbar mit der ungewöhnlichen Roman, verleiht ihm genau die richtige Stimmung und ist so facttenreich wie der Text selbst. Auch er schafft eine große Bandbreite an Stilen, an Emotionen und Nüchternheit, auch Ausdruck, Tempo und Intensität, sodass alle Passagen sehr atmosphärisch und passend umgesetzt sind. Mir gefällt, wie markant und angenehm seine Stimme dabei klingt, sodass ich den fast acht Stunden Laufzeit sehr gerne gelauscht habe.

Das Covermotiv des Buches wurde natürlich auch für die Hörbuchumsetzung gewählt und zeigt auf schlichtem, türkisblauem Untergrund die Zeichnung eines Aales, was ebenso schlicht wie ansehnlich geraten ist und an die Darstellung in alten Naturkundebüchern erinnert. Die Lesung ist auf einer MP3-CD untergebracht, was die Anzahl der Discs beschränkt und das stabile Digipack angenehm dünn werden lässt.

Fazit: „Das Evangelium der Aale“ ist ein durchweg bemerkenswerter Roman, der Elemente aus zahlreichen Genres vereint und Sachbuch, Familiengeschichte und philosophische Abhandlung gleichzeitig ist. Das fügt sich alles sehr stimmig zusammen und wird mit einer dichten Atmosphäre versehen, was auch in der Lesung von Johann von Bülow hervorragend zur Geltung kommt.

VÖ: 24. Januar 2020
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742413796


Der Todeskünstler – Die komplette Hörspielserie



Das Leben von Smoky Barret läuft gerade in ruhigere Bahnen. Mit ihrer Adoptivtochter Bonnie will sie sich gerade von einigen Dingen ihrer ermordeten Familie verabschieden, als sie zu einem neuen Einsatz gerufen wird. Denn ein Teenager, der gerade scheinbar seine ganze Familie getötet hat, will ausdrücklich nur mit ihr sprechen. Smoky macht sich auf zu dem Tatort, der sogar ihr eigenes Vorstellungsvermögen übersteigt...

Nachdem der erste Roman von Cody Mcfayden bereits als vierteiliges Hörspiel bei Lübbe Audio als Hörspielvertonung erschienen ist, geht es mit dem Nachfolgeroman „Der Todeskünstler“ im gleichen Stil weiter. Und wie auch schon „Die Blutlinie“ ist dieser Vierteiler einige Monate nach der Veröffentlichung der einzelnen Folgen auch als Komplettbox erhältlich. Durch die ausführliche Umsetzung kann die Handlung auch wieder auf deutlich mehr Feinheiten eingehen und eine Dynamik erzeugen, die sowohl der Buchvorlage gerecht wird, als auch dem Medium Hörspiel gut angepasst wurde. So erfährt der Hörer erst einmal vom Privatleben der toughen Ermittlerin, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben steht, gerade als sie unversehens in einen neuen Fall gerät. Recht ausführlich wird dann zunächst die Tötung der kleinen Familie, der Begutachtung des Tatortes, den vielen kleinen Hinweisen und daraus resultierenden Rückschlüssen gewidmet. Die Szenerie ist überraschend ruhig, deswegen aber nicht minder intensiv. Das liegt einerseits an der Wucht der Tat, den grausamen Details, aber auch den Druck auf Sarah und den eingebauten Psychospielen. Man braucht einerseits einen starken Magen, andererseits aber auch viel Aufmerksamkeit, um die vielen Feinheiten zu erfassen. Sehr gelungen auch die Idee von Sarahs Tagebuch, aus dem im Laufe der Zeit immer wieder zitiert wird, sodass sich langsam ein gesamtes Bild ihres zerstörten Lebens zusammensetzt und der Hörer eine Idee von ihrem jahrelangen Leid bekommt. Der Todeskünstler bekommt Kontur, man bekommt den Hauch einer Ahnung von seinem Motiv, erfährt mehr von seinen Taten und Sarahs durch ihn beeinflussten Leben, ihren Leidensweg über verschiedene Stationen. Heftigste Gewalt sind dabei ebenso vorhanden wie kaum zu ertragende Szenen wie einer Vergewaltigung, sodass auch dieser Vierteiler nichts für schwache Nerven ist und bei einigen die Grenze des guten Geschmacks übertreten dürfte. Doch auch die Hoffnungslosigkeit des Mädchens, der enorme psychische Druck auf ihr verschärfen die Szenerie. Der Abschluss ist atmosphärisch sehr dicht geraten, macht aber eine entscheidende Sache anders: Statt extremer körperlicher Gewalt nimmt der psychische Druck immer weiter zu und offenbart nach und nach die ganzen perfiden Feinheiten des grausamen Plans des Todeskünstlers. Weitere Menschen, deren Leben er beeinflusst, zerstört hat, die er auf hinterhältigste Weise benutzt hat, werden eingebunden, viele Zusammenhänge ergeben erst im Laufe der Folge Sinn. Die dynamische Erzählweise der Geschichte ist dabei sehr gelungen: Die Ereignisse scheinen sich zu überschlagen, dennoch wird dem Hörer genügend Zeit gegeben, um die Entwicklungen zu verdauen und richtig einzuordnen.

Katy Karrenbauer ist wie bereits in „Die Blutlinie“ in der Rolle der Smoky Barret zu hören, ihre raue Stimme passt sehr gut zu der außergewöhnlichen Frau. Doch auch ihre glaubhafte, spontan wirkende Sprechweise sorgt dafür, dass die Figur sehr gut zur Geltung kommt. Die junge Sarah wird von Elise Eikermann gesprochen, die mit überspannter, sehr ausdrucksstarker Sprechweise ihre kurze Szene nachhaltig zur Geltung bringt und dabei einen sehr treffenden Eindruck hinterlässt. Julia Foelster ist in der Rolle der Theresa zu hören, wobei sie ihrer Stimme einen für sie sehr ungewohnten Klang verleiht, was mich richtig gefesselt hat. Weitere Sprecher sind Charles Rettinghaus, Kai Hendrik Möller und Eva Michaelis.

Besonders die Musik ist mit vielen unterschiedlichen Stilistiken umgesetzt, sodass gut auf die Stimmungen der Handlung eingegangen wird. Manchmal ist das aber schon fast zu viel des Guten. Denn dadurch werden auch einige durchaus intime Momente zerstört. Die Geräusche fügen sich sehr stimmig in die Handlung ein und schaffen glaubhafte Atmosphären. Die einzelnen Szenen werden dabei gekonnt ausgeschmückt und die Stimmungen so aufgegriffen. Ganz zum Schluss gibt es noch einen abschließenden Song mit Vocals, der einen leichten Hoffnungsschimmer ans Ende setzt.

Die Box um die vier einzelnen CD-Hüllen wird durch ein blutiges Beil geziert, die Aufmachung ist schlicht, aber effektvoll. Auch hier kann man auf der Rückseite ein Foto von Katy Karrenbauer sehen, die aber auch auf den Titelbildern jeder einzelnen Hülle zu sehen ist, in der Rolle der Smoky Barret blickt sie den Betrachter direkt an, was jeweils durch ein weiteres (blutiges) Motiv ergänzt ist. Das Innere bietet keine weiteren Extras, sondern lediglich eine Übersicht der Mitwirkenden.

Fazit: Die dynamischen Erzählweise der Miniserie und vielen eingebauten Winkelzügen sind aufregend und spannend. Der vielschichtige Plan des psychopathischen Mörders wird gemeinsam mit seinen Motiven langsam entblättert, was aufregend und facettenreich geraten ist - und in der Stimmung mal packend, druckvoll und dramatisch, aber auch mal überraschend ruhig, was die Intensität der Serie noch weiter steigert. Nicht zu unterschätzen sind aber die Gewaltdarstellungen und das extreme psychische und physische Leid der Protagonisten, was nichts für schwache Nerven ist. Sehr gelungen!

VÖ: 1. November 2019
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785780022


Baron Münchhausen



Bislang hat der Baron Münchhausen seine Pacht in dem Wirtshaus noch nicht erbracht, die Wirtin vermutet, dass er dies auch gar nicht vorhat. Doch eines kann sie ihm nicht absprechen: Das Erzählen von Geschichten beherrscht er wie kein anderer. Und so spendieren ihm die anderen Gäste immer wieder Speisen und Getränke, nur um ihm weiter lauschen zu können…

Kaum ein Kind in Deutschland wächst ohne Kenntnis von Baron Münchhausen auf, die auf alten Volkssagen begründete Figur mit ihren fantasievollen Lügengeschichten hat auch schon dementsprechend viele Umsetzungen erfahren. In Kooperation verschiedener Radiostationen ist bei den Kinderhörspieltagen eine Live-Aufführung als Hörspiel entstanden, die mitgeschnitten und beim Hörverlag in einer Kaufversion erschienen ist. Als Rahmenhandlung wurde die oben beschriebene Szene im Wirtshaus gewählt, hier finden auch die eigentlichen Dialoge statt. Die Wirtin mit herrlich gezogenem Kölner Dialekt, die aufgeregten Zuhörer und der wunderbar aufschneiderische Baron von Münchhausen übernehmen den größten Teil, aber auch die darin eingestreuten Episoden enthalten eigenständige Dialoge, sodass die sechs Sprecher in verschiedenen Rollen zu hören sind. Es macht Spaß, den kleinen und skurrilen Geschichten zu lauschen, da werden physikalische Grundsätze variiert und mit kleinen und großen Unglaublichkeiten versehen, verschiedene Szenerien und Stimmungen heraufbeschworen und einige recht schnell erzählte, auf das Wesentliche reduzierte Geschichten erzählt. Spannung kommt dabei keine auf, da keine zusammenhängende Handlung im Vordergrund steht, auch eine Entwicklung der Charaktere bietet die Szenerie nicht an. Doch die stimmige und lebendige Umsetzung macht einiges wieder wett und präsentiert eine unterhaltsame knappe Stunde Hörspielunterhaltung für Kinder in klassischer Machart.

Konstantin Graudus wurde als Baron Münchhausen verpflichtet und hat hörbaren Spaß an der Figur, was sich dann auch auf den Hörer transportiert. Er bringt die vielen Lügengeschichten sehr gewitzt und hochtrabend herüber, dass man ihm gerne lauscht. Beate Abraham ist unter anderem als Wirtin Adele Durst zu hören, ihr ebenso bestimmtes wie gutmütiges Auftreten mit dem glaubhaften Dialekt passt wunderbar zur Szenerie, aber auch in den anderen Sprechrollen in den Episoden schafft sie sehr passende Stimmungen. Auch Peter Kaempfe ist in verschiedenen Rollen zu hören, die er sehr unterschiedlich voneinander gestaltet und so für eine lebendige Ausstrahlung sorgt. Das Sextett wird komplettiert von Jürgen Uter, Frank Jordan und Kai Maertens.

Geräusche und Musik wurden während der Aufführung ebenfalls live eingespielt und während der Dialoge erzeugt. Die Geräusche sind klassischer Machart und wirken dabei bunt, lebendig und kindgerecht, insgesamt auch nicht zu stark eingesetzt, sodass sie nicht von den Dialogen ablenken. Gleiches gilt für die Musikstücke, die reizvoll und beschwingt wirken, sodass die Übergänge geschickt gestaltet werden.

Die wohl bekannteste Geschichte des Barons ist auf dem Cover abgebildet, der Ritt auf der Kanonenkugel ist in ansprechendem Zeichenstil mit klaren Formen zu sehen, im Hintergrund in stilisiertes Schloss und eine kantig wirkende Landschaft. Auf der Rückseite des hübschen Digipacks ist ein Foto der Live-Aufführung zu sehen, während im Inneren neben den üblichen Angaben zu den Mitwirkenden auch ein einleitender Text zur bekannten Figur zu finden ist.

Fazit: Eine Neuinterpretation des bekannten Stoffes mit einigen neuen Elementen, wobei die Live-Aufführung eine ganz eigene Energie erzeugt. Die Schauspieler sind in sehr guter Form und bringen den Charme der vielen kleinen Geschichte ebenso überzeugend herüber wie die übergeordnete Szenerie, sodass ein witziger und lebendiger Eindruck entsteht.

VÖ: 10. Februar 2020
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 9783844537109


Der Zauberer von Oz



Erster Eindruck: Klassische Geschichte ebenso klassisch umgesetzt

Als ein Wirbelsturm das Land Kansas heimsucht, wird die kleine Thea in ein wundersames Land namens Oz geweht – und landet mit ihrem Haus direkt auf der bösen Hexe des Ostens. Zwar sind ihr deren Bewohner sehr dankbar, doch zurück nach Hause können sie Thea auch nicht schicken. Deswegen macht sie sich auf zum großen Zauberer von Oz und begegnet schnell drei treuen Gefährten, die sie begleiten…

„Der Zauberer von Oz“ hat auch heute nichts von seiner Faszination verloren, zu der bekannten Geschichte von L.F. Baum gibt es unzählige Umsetzungen, ein großer Hollywood-Blockbuster steht kurz vor der Veröffentlichung. Grund genug, auch mal wieder die alten Hörspiel auszugraben, und so gibt es nun eine Umsetzung von Bayern 2 aus dem Jahr 1977 im Programm des Audio Verlags. Anfangs fällt insbesondere auf, dass die Namen eingedeutscht wurden, aus Dorothy wurde beispielsweise Thea, aus Henry wurde Onkel Heinrich. Erzählt wird aus der Sicht von Hund Toto, der seine Meinung jedoch ziemlich zurücknimmt und dann eben doch eher wie ein neutraler Erzähler agiert. Die einzelnen Charaktere sind sehr liebevoll dargestellt, natürlich insbesondere die drei Begleiter von Dorothy, die Vogelscheuch Aresto, der Blechmann Herkules und der ängstliche Löwe Leo. Die Geschichte ist fantasievoll umgesetzt und kann den ebenso abenteuerlichen wie märchenhaften Charakter der Vorlage bestens aufgreifen. Gegen Ende folgt natürlich die spannende Auseinandersetzung mit der legendären bösen Hexe des Westens, die hier sehr machtvoll und beängstigend, aber dennoch kindgerecht dargestellt wird. Die Umsetzung fühlt sich in der heutigen Zeit etwas gedämpft an, lässt Spannungsmomente eher ungenutzt und wirkt manchmal etwas seicht. Die Geschichte ist natürlich zu recht ein Klassiker und auch in dieser Produktion hörenswert, doch ein wenig mehr Pepp hätte ihr durchaus gut getan.

Die Sprecher sind sehr gut ausgewählt und können ihre Rollen insgesamt gut ausfüllen. Als Thea ist Kathrin Simon zu hören, die eine eher sanfte Stimme hat und diese gut einsetzt, in einigen Szenen aber auch forscher klingt und somit einen lebendigen Eindruck hinterlässt. Mogens von Gadow spricht den Blechmann Herkules, auch er kann mit seiner markanten Stimme seine Szenen gut ausstatten und vorantreiben. Die absolut wunderbare Rosemarie Fendel spricht die böse Hexe des Westens, ihre raue und eindringliche Stimme passt wunderbar zu diesem starken Charakter. Weitere Sprecher sind Hans-Jürgen Diedrich, Hans Quest und Romuald Pekny.

Typisch für ein Radiohörspiel – gerade für die damalige Zeit – ist hier nicht viel Musik zu hören, und auch an Geräuschen wird hier eher gespart. Und gerade hier hätte man aus der Produktion noch mehr herausholen können, die einzelnen Szenen intensiver und dynamischer wirken lassen können. So bekommt die Geschichte einen harmonischen und gefälligen Ausdruck, die aber nicht wirklich mitreißen kann.

Das Cover zeigt eine niedliche Zeichnung von Dorothy, der Vogelscheuche, dem Blechmann und Toto vor dem Hintergrund der grünen Smaragdstadt, umgeben von einem rein weißen Hintergrund. Die Lebensfreude und die skurrilen Charaktere kommen darauf sehr gut zur Geltung und sind hübsch mit dem geschwungenen Schriftzug kombiniert. Die restliche Gestaltung ist wie immer hübsch und klar aufgeteilt.

Fazit: Die Geschichte wird hier sehr nah am Original, aber ein wenig zu seicht und ohne große Spannungsmomente umgesetzt. Ein wenig mehr Pepp wäre wünschenswert gewesen. Doch die fantastische und liebevolle Szenerie der Vorlage mit den vielen fantasievollen Einfällen kommt gut zur Geltung, sodass es viel Spaß macht, der Geschichte zu lauschen. Ein gewisser Nostalgiefaktor ist dem Hörspiel ebenfalls nicht abzusprechen.

VÖ: 22. Mai 2020
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742413437


Das Böse in uns



Smoky Barret wird persönlich von einer einflussreichen Politikerfamilie für die Aufklärung eines Falles angefordert, denn Mutter Rosario erkennt einige Parallelen in Smokys Leben zu ihrem eigenen Schicksal. Denn ihre transsexuelle Tochter wurde ermordet, nur ein kleines Silberkreuz mit einer eingravierten Nummer weist auf einen möglichen Mörder hin. Doch auch in Smokys Team gibt es einige Geheimnisse, die den Erfolg ihrer Recherchen behindern…

Bereits die ersten beiden Teile der Romanserie um die toughe Ermittlerin Smoky Barret aus der Feder von Cody Mcfayden wurden von Lübbe Audio als Hörspiel umgesetzt. Auch „Das Böse in uns“ – Nummer drei der Romanserie – ist auf CD erschienen. Anders als seine Vorgänger sind hier jedoch alle vier CDs in einer Box erschienen. Die Wartezeit auf neue Folgen oder der Kauf mehrerer Artikel fällt also weg, sodass man die vierteilige Mini-Serie direkt am Stück hören kann. Wieder geht es um einen brutalen Serientäter, der eine ganze Reihe brutalster Morde begangen hat und von Smoky und ihrem Team gejagt wird. Auch hier wird dabei nicht an grausigen Details gespart, manche Beschreibungen sind sehr detailliert und bildlich beschrieben, sodass auch dieser Teil nichts für schwache Nerven ist. Das gilt auch für den psychischen Druck auf die Charaktere, die in unvorstellbar beängstigenden Situationen leben – beides packende Elemente, doch insgesamt fällt die Handlung hier etwas ab. Das liegt zum einen daran, dass Smokys Team lange Zeit im Dunkeln tappen, was die Identität des Mörders angeht und auch der Hörer kaum näher an den Fall heranzukommen scheint. Hier hätte man mehr Druck einbauen können, der Autor hat ja bewiesen, dass er das kann, der Fall hätte dies auch hergegeben. Mcfayden hat sich aber dazu entschieden, den Schwerpunkt zu verschieben und einige Charaktere weiterzuentwickeln – und ganz dem Titel des Romans folgend „Das Böse in uns“ allen zu entdecken. Das ist zwar interessant, teilweise schockierend und aufregend, nimmt aber zu viel Raum ein und vernachlässigt oft den eigentlichen Fall. Der Einstieg auf der ersten CD ist zudem sehr ruhig, sodass der Spannungspegel eher niedrig beginnt. Gut gefällt mit hingegen der religiöse Aspekt der Handlung, der mal mehr, mal weniger in den Vordergrund tritt, aber eben doch eine zentrale Rolle einnimmt. Und auch das Thema Transsexualität zu Beginn ist gekonnt eingebaut – überraschend einfühlsam für die Serie, realistisch und markant. Und auch andere Themen sind gut miteinander kombiniert, wirken gut gewählt und haben allesamt genügend Aufmerksamkeit bekommen, um auch für sich allein zu stehen. Die vierte CD der Box ist dann aber doch beeindruckend, spannend und führt die ausgelegten Fäden gekonnt zusammen, kann aber den etwas gebremsten Gesamteindruck von „Das Böse in uns“ nicht ganz negieren.

Natürlich ist als Smoky Barret wieder Katy Karrenbauer zu hören, die die Hauptfigur bereits in den ersten beiden Mini-Serien gesprochen hat. Ihre raue Stimme bildet die sehr gute Grundlage, ihre mal harte, mal gefühlvolle Sprechweise zeigt die verschiedenen Facetten der getriebenen Ermittlerin, wobei sie den Spannungsbogen der Handlung gekonnt aufgreift und die wichtigen Szenen sehr druckvoll umsetzt. Michael Bideller spricht den stellvertretenden Polizeidirektor Jones ebenfalls sehr gelungen und auf den Punkt gebracht, hält sich an den richtigen Stellen aber auch zurück und drängt sich nicht zu sehr in den Vordergrund. Auch Kerstin Draeger hat mir mal wieder sehr gut gefallen, die Rolle der Callie Thorne bekommt durch sie sehr viele glaubhafte Facetten und einen intensiven Ausdruck, wobei sie viele Momente schafft, die in Erinnerung bleiben. Weitere Sprecher sind Lisa Ohm, Charles Rettinghaus und Dietmar Wunder.

Die akustischen Elemente von „Das Böse in uns“ sind oft schlicht, aber sehr effektvoll im Einsatz. Gerade bei den genauen Beschreibungen reichen schon leise Geräusche im Hintergrund aus, um ohne große Effekthascherei eine grausige Szenerie zu erzeugen. Auch ansonsten sind die Geräusche gut auf die Handlung angepasst, ebenso wie die Musik stimmungsvoll und treffend eingebaut wurde. Die Stimmen wirken manchmal aber etwas zusammengestückelt, als aufmerksamer Hörer meint man festzustellen, dass die Sprecher getrennt voneinander aufgenommen wurden. Das ist aus organisatorischen Gründen natürlich völlig legitim – nur heraushören sollte man es nicht.

Auch wenn das Buchcover nicht einfach übernommen wurde, diente es jedoch offensichtlich als Inspiration für das Titelbild der Box: Die Silhouette eines Menschen wie hinter einer Schattenwand, die Arme erhoben – schlicht, aber effektvoll. Dieses Motiv wurde auch für die vier einzelnen CD-Hüllen übernommen, in deren Einlegern jeweils ein Teil der Mitwirkenden oder Werbung für andere Hörspiele zu sehen sind. Schade, dass dabei nicht alle Sprecher ihren Rollen zugeordnet wurden, sondern einige nur aufgelistet wurden.

Fazit: „Das Böse in uns“ ist zwar nicht ganz so packend und druckvoll wie die beiden Vorgängerserien von Cody Mcfayden, zumal der Fokus manchmal zu sehr auf der Entwicklung der bekannten Figuren und weniger auf dem Fall an sich liegt, der dann auch noch nur langsam ins Rollen kommt. Mir gefällt die Auswahl der unterschiedlichen Themen und deren geschickte Kombination sehr gut, zumal alle gekonnt ausgeführt wurden. Durchaus hörenswert, auch wenn der letzte Funke bei mir nicht überspringen wollte.

VÖ: 20. Dezember 2019
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785759912


Caiman Club – Staffel 2



Mitten im Politsumpf von Berlin treibt Hagen von Grau wieder sein ganz eigenes Spiel. Fest mit dem Caiman Club verbunden, in der politische Intrigen ebenso geschmiedet werden wie Lobbyarbeit betrieben wird. Von Grau hat dabei immer seinen eigenen Vorteil im Sinn und nutzt dabei auch die Bankenkrise oder einen Mordfall in seinem Umfeld für seine ganz eigenen Zwecke. Doch zunächst soll er die olympischen Spiele nach Deutschland holen...

Der WDR hat mit „Caiman Club“ eine Hörspielserie produziert, die im Umfeld der Berliner Politik angesiedelt ist. Die zweite Staffel mit vier weiteren Episoden ist wieder bei Folgenreich erschienen, wobei hier ein paar neue Elemente eingebaut wurden. So rücken die einzelnen Geschichten noch etwas näher zusammen und haben in einzelnen Themen mehr Überschneidungen, ohne dass es sich um einen fortlaufenden roten Faden handeln würde – die einzelnen Episoden stehen immer noch für sich allein und bilden eine in sich abgeschlossene Handlung. Sie lassen sich auch ohne Kenntnis der ersten Staffel hören, doch die Entwicklung der Charaktere und einige Zusammenhänge kommen einfach besser zur Geltung, wenn man auch die ersten fünf Folgen gehört hat. Die neuen Schwerpunkte, die hier behandelt werden, bringen wieder neue Stimmungen mit ein und sorgen für neue Facetten des politischen wie gesellschaftlichen Lebens. Mir gefällt, wie dabei immer mehrere Handlungsstränge zusammengefügt werden, auch das Privatleben von Hagen von Grau und den anderen Figuren behandelt wird und alles stimmig miteinander verbunden wird. Langeweile kommt dabei nicht auf, da der Verlauf der Folgen immer wieder anders ist, zum Finale hin aber meist noch ein kleiner Kniff eingebaut ist, der die Durchtriebenheit der Hauptfigur verdeutlicht. Auch die anderen Charaktere kommen allerdings nicht sonderlich gut davon, jeder scheint nur seinem eigenen Vorteil verpflichtet und geht mal mehr, mal weniger über Leichen. Die noch einmal düsterere Szenerie und der immer spannende Verlauf der Handlung machen auch diese zweite Staffel sehr hörenswert.

Natürlich ist auch hier wieder Bernaby Metschurat in der Hauptrolle des Hagen von Grau zu hören und lässt die Facetten des Lobbyisten aufleben. Er bringt den oft nüchternen und berechnenden Charakter gut zur Geltung, erlaubt sich aber auch ein paar weitere Facetten, um eine Weiterentwicklung seiner Rolle zu präsentieren. Richy Müller ist als Ansgar Paulus zu hören, der sehr gut in die düstere Szenerie passt und eine markante, manchmal aber auch etwas trockene Sprechweise anbietet. Ein wenig mehr Schwung wäre an der einen oder anderen Stelle schön gewesen. Lisa Bitter ist auch hier als Judith Wagner-LeBlanche zu hören und legt die Rolle vielschichtig an, klingt immer leicht schmeichlerisch und bringt auch die bitterste Wahrheit noch charmant herüber. Weitere Sprecher sind Jasmin Schwiers, Tom Schilling und Eko Fres – einige ungewöhnliche Namen für eine Hörspielproduktion, aber allesamt durchaus passend ausgewählt.

Das Produktionsteam um Regisseur Stuart Kummer hat auch für diese fünf Episoden eine eingängige Atmosphäre geschaffen. Dabei wirken manche Szenen zurückhaltend und nüchtern, werden nur durch wenige Geräusche untermalt, während in anderen Momenten eine lebendigere Stimmung mit vielen Sounds oder Stimmgewirr im Hintergrund umgesetzt sind. Auch die Musik ist gut abgestimmt, hält sich aber meist zurück, überrascht aber auch in einigen Momenten.

Ähnlich schlicht wie in der ersten Staffel präsentiert sich auch hier das Cover, das wieder das hübsche Ornament als Logo des „Caiman Club“ präsentiert – dieses Mal in Weiß. Der Hintergrund wird dieses Mal von dem schwarz-weißen Foto eines Berges geziert. Im Inneren des kleinen Booklets gibt es keine zusätzlichen Informationen zur Serie oder zur Produktion, aber immerhin eine Trackübersicht und eine ausführliche Auflistung der Sprecher und ihrer Rollen.

Fazit: „Caiman Club“ hat in dieser zweiten Staffel nichts von der düsteren Faszination verloren, wobei die politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge wieder erschreckend real wirken. Hagen von Grau mit seinem skrupellosen Verhalten, die geschmiedeten Intrigen und die markante Atmosphäre überzeugen auch in diesen vier Episoden, wobei aber wieder einige neue Ideen eingeflossen sind.

VÖ: 13. Dezember 2019
Label: Folgenreich
Bestellnummer: 0602508355981


Caiman Club – Staffel 1



Ein Amokschütze dringt mit einer geladenen Waffe in seine Schule ein und richtet ein wahres Massaker unter Schülern und Lehrern an. Hagen von Grau wird direkt informiert und macht sich auf den Weg zum Tatort, ist jedoch keinesfalls bei der Polizei. Vielmehr ist er ein festes Mitglied des Caiman Clubs, der hinter den Kulissen von Berlin an den wichtigsten Strippen zieht. Den Fall will er nicht aufklären, sondern den Schaden von einem Videospielproduzenten abwenden, dessen T-Shirt der Schütze trägt...

Bei der Suche nach lohnenswerten Hörspielproduktionen sollte man auch immer die deutschen Radiostationen im Blick behalten, wie einmal mehr der WDR beweist. Denn mit „Caiman Club“ wurde eine ebenso lohnenswerte wie spannende Serie produziert, deren erste Staffel mit fünf Folgen nach der Ausstrahlung im Rundfunk nun auch bei Folgenreich auf einer MP3-CD erschienen ist. Das Thema der Serie mag anfangs etwas sperrig klingen, doch Lobbyismus konzentriert sich hier nicht nur auf trockene Arbeit in der Politik, sondern bezieht beispielsweise auch Wirtschaft, Medien und Gesellschaft – und das im Umfeld eines elitären Clubs, in der die oberen 10.000 aus der Hauptstadt verkehren. Im Zentrum steht dabei Hagen von Grau, der selbst seit Jahren Mitglied im Club ist und verschiedene Aufträge annimmt, um die Ereignisse für seine Auftraggeber ins rechte Licht zu rücken. Die Tricks, die er dabei anwendet, sind dreckig und unlauter, seine Sicht auf die Dinge nüchtern, kühl und berechnend, sein Charakter unloyal und nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Interessanterweise wird dem kaum etwas entgegengesetzt, auch die meisten anderen Charaktere sind ähnlich gestrickt – nur häufig nicht ganz so clever wie die Hauptfigur, da sie sich trotz einiger Gegenwehr übertölpeln lassen. Von Grau manipuliert, lügt, legt zu seinen Gunsten aus und hat seine Finger an vielen Stellschrauben, wobei er es immer noch schafft, am Ende einen überraschenden Trumpf aus dem Ärmel zu ziehen. Die Episoden sind jeweils in sich abgeschlossen und auf ein einzelnes Thema bezogen, die sehr abwechslungsreich und dramatisch ausgewählt sind. Die moderne Szenerie trägt ebenfalls ihren Teil zum Reiz der Serie bei, der Verlauf der Episoden ist zudem abwechslungsreich geraten – der Verlauf ist immer wieder ein anderer, auch die daraus resultierende Spannung setzt an ganz unterschiedlichen Punkten an. „Caiman Club“ geht sehr eigene Wege und setzt gelungene Akzente, ist manchmal vielleicht etwas dräuge produziert, übt aber auch einen eindringlichen Reiz aus und geht ganz andere Wege als andere Serien.

In dieser ersten Staffel sind ziemlich viele verschiedene Sprecher zu hören, die nicht nur aus den Reihen von Schauspielern stammen – mit Linda Zervakis oder Sabine Heinrich sind beispielsweise auch zwei Moderatorinnen zu hören. Aber auch Dustin Semmelrogge, Thore Schölermann oder Matthieu Carriere haben Gastauftritte. In der Hauptrolle des Hagen von Grau ist Bernaby Metschurat zu hören, der den eher nüchternen und auf seinen Vorteil bedachten Charakter treffend umsetzt und seiner Stimme einen markanten Ausdruck verleiht. Seine Skrupellosigkeit und kühle Analysefähigkeit kommen durch ihn sehr gut zur Geltung. Maximilian Scheidt ist als Max Jung zu hören, der den jungen und noch unerfahrenen Lobbyisten vielseitig spricht und verschiedene Facetten in seiner Sprechweise anbietet. Die Entwicklung seiner Rolle wird durch ihn ebenfalls glaubhaft umgesetzt. Wilfried Hochholdinger ist als Carolus Mangold zu hören, der manchmal etwas hölzern klingt, die kühle Szenerie der Serie aber gekonnt unterstützt.

Die akustische Gestaltung der Serie ist insgesamt eher schlicht geraten, der Fokus liegt so durchgängig auf den Sprechern und den Dialogen. Sicherlich gibt es manchmal Musik, die die Szenenübergänge lebendig gestaltet, besonders spannende Szenen betont oder die Stimmung im Caiman Club erzeugt. Doch ebenso wie die Geräusche sind diese nicht sehr laut gedreht. Das wirkt in sich stimmig und unterstreicht die harte, nüchterne Ausstrahlung der Serie und lässt die Szenen lebendiger wirken.

Berlin ist nicht nur der Schauplatz der Serie, sondern auch dunkel im Hintergrund des Covers eingesetzt. Im Fokus steht jedoch das ornamentartige, quadratische Logo der Serie, das sich mit seiner hellgelben Farbe von dem dunklen Hintergrund gelungen abhebt. Die restliche Gestaltung ist sehr schlicht geraten, zusätzliche Informationen oder ähnliches sind nicht vorhanden. Im Inneren gibt es aber eine Trackübersicht, sodass man die gewünschte Episode schnell wiederfindet, aber auch eine ausführliche Auflistung der Sprecher und ihrer Rollen.

Fazit: Eine Serie mit einem Antihelden als Hauptfigur, der sich durch dreckige Tricks und einen zynischen Blick auf die Welt auszeichnet, um Lobbyarbeit zu machen und seine Gegner durch den Schmutz zu ziehen - „Caiman Club“ setzt auf eine markante Szenerie und unsympathische Charaktere, um eine ganz eigene Art von Spannung zu erzeugen. Das ist ebenso spannend wie ungewöhnlich und funktioniert ist diesen ersten fünf Folgen sehr gut.„Das perfekte Geheimnis“ ist unterhaltsames Popcorn-Kino und will auch gar nicht mehr sein. Die witzige Grundstimmung, Verwechslungen, Situationskomik, aber auch einige stille und emotionale Momente prägen den Film, der mir deswegen gut gefallen hat. Sicherlich ist einiges vorhersehbar, anderes etwas flach geraten, dem Unterhaltungswert tut das aber keinen Abbruch.

VÖ: 13. Dezember 2019
Label: Folgenreich
Bestellnummer: 062508355974


Die Blutlinie – Die komplette Hörspielserie



Smoky Barretts Leben liegt in Trümmer, nachdem ein Unbekannter in ihr Haus eingedrungen und ihren Mann vor ihren eigenen Augen ermordet, sie selbst vergewaltigt und auch ihr Kind nicht verschont hat. Um wieder auf die Beine zu kommen, besucht die Ermittlerin einen Psychologen, wird aber immer noch als suizidgefährdet eingestuft. Doch dann bekommt sie den entscheidenden Anruf einer Kollegin, die sie völlig aufwühlt: Eine alte Freundin von Smoky wurde bestialisch ermordet, ihre kleine Tochter nach dem Tod an sie gefesselt...

„Die Blutlinie“ hat als Roman von Cody Mcfayden große Erfolge gefeiert, nun wurde auch eine Hörspielfassung für Lübbe Audio produziert. Die Geschichte um die toughe, aber fast gebrochene Ermittlerin Smoky Barret wurde dafür in hörspielübliche vier Teile geteilt, die nun aber auch in einer Komplettbox mit der gesamten Umsetzung des Romans erhältlich ist. Die erste Episode beginnt mit einem Rückblick auf den grausamen Überfall, ein ausführliches Gespräch mit Smokys Therapeuten, einen Besuch bei ihren ehemaligen Kollegen. Das alles dient dazu, die Charaktere und ihre Beziehung zueinander vorzustellen, was unterhaltsam geraten ist, aber etwas langsam erzählt wurde. Bis Smoky von dem Mord an ihrer alten Freundin erfährt, dauert es so etwas, doch dann werden immer mehr grausame Details bekannt, spitzt sich die Lage immer weiter zu, gerät Smoky immer weiter unter Druck. Im Laufe der Folgen wird der enge Bezug des Täters zu Smoky immer klarer, wobei immer nur das Ergebnis beschrieben, nicht die Tat an sich – und das ist schon grausam genug und nichts für schwache Nerven. Eben weil es nicht nur um Brutalität und körperliche Gewalt ist, sondern auch immer die Psyche der Opfer einbezogen wird. Im Laufe der Episoden werden nicht nur Smoky, sondern auch ihre Gefährten immer besser beschrieben, werden komplexer und vielschichtiger, aber auch die Szenerie wird mit harten Schockmomenten und vielen Details am Rande des guten Geschmacks angereichert. Das ist schon heftig, Gewalt und Brutalität sind aber nicht nur billige Showeffekte, die Geschichte an sich würde ohne diese Heftigkeit nicht funktionieren. Alles steuert natürlich auf einen großen Showdown zu, doch vorher wird die Serie mit einigen ruhigen Szenen die Hintergründe des Täters erkundet, seine Kindheit erzählt, wie er schließlich zu dem Menschen geformt wurde, der er heute ist. Das ist schon recht dick aufgetragen, passt aber in die Szenerie und ist zudem sehr gelungen und eindringlich umgesetzt worden. Wer sich auf die heftige Szenerie und die erdrückende Gewalt einlässt, wird mit einem packenden Vierteiler belohnt, der einige Bögen schlägt, die dem Ganzen auch in der Rückbetrachtung einen neuen Dreh verleihen.

Katy Karrenbauer ist bekannt für ihre starken, zwiegespaltenen Frauenrollen und übernimmt auch hier eine solche. Dabei zeigt sie, dass sie auch nur mit ihrer Stimme ohne ihr markantes Gesicht einen spannenden Charakter formen kann, auch wenn sie sich eher auf die toughe Ermittlerin denn auf die zerbrochene Seele konzentriert. Jennifer Böttcher isst als Jenny Chang ebenfalls eine gute Besetzung, die aufgedrehte und herzliche Art kommen bei Smokys Kollegin gut zur Geltung und bringt eine Prise Humor mit in die ansonsten sehr düstere Handlung. Jens Wendland ist als Dr. Child sehr überzeugend, seine präzise Sprechweise und seine kontrollierte Art sorgen für einen passenden Eindruck von Somkys Therapeuten, der für einige sehr intensive Momente sorgt. Weitere Sprecher sind Charles Rettinghaus, Tim Kreuer und Katja Brügger.

Sehr solide ist die Umsetzung des Hörspiels unter Regisseur Douglas Welbat. Dabei wurde harte, markante Musik eingesetzt, was sehr gut zu der Stimmung der Serie passt, sich aber auch in den spannenderen Szenen nicht in den Vordergrund drängt. Die Geräusche sind gut auf die Handlung abgestimmt und sorgen für mehr Lebendigkeit, wirken modern und zeitgemäß. Schön aber auch, dass verstanden wurde, dass es in den besonders spannenden Szenen nicht an allen Ecken und Enden klingen muss. Denn nicht nur der große Showdown, sondern auch einige andere betonenswerten Szenen werden mit recht wenigen akustischen Mitteln umgesetzt, was den Fokus voll auf das diabolische Spiel zwischen Smoky und dem Täter legt.

Die vier CDs finden sich in der bereits bekannten Verpackung der einzelnen Episoden in einer Pappbox wieder, die den blutverschmierten Abdruck einer Hand zeigt. Ansonsten ist auf den einzelnen Covern stets Katy Karrenbauer zu sehen, die dem Betrachter direkt anzuschauen scheint, den Dienstausweis erhoben schlüpft sie auch optisch in die Rolle der Smoky Barret. Im Inneren gibt es kaum weitere Informationen in den Booklets, lediglich eine Auflistung der Sprecher ist dort zu finden.

Fazit: Der Start in die neue Thriller-Miniserie ist aufregend gelungen, da gleich mehrere heftige Verbrechen in kurzer Zeit präsentiert werden. Das geht schon auf die Psyche der Protagonisten und geht auch am Hörer nicht spurlos vorbei. Im Laufe der Zeit wird die Handlung immer heftiger, aber auch komplexer und dramatischer. Neben weiteren schrecklichen Taten des Serienmörders, die mit viel Wucht umgesetzt wurden, gibt es auch einige sanfte Momente, die Smoky Entwicklung unterstreichen, aber auch viel Ermittlungsarbeit. Der Abschluss ist packend und entwickelt sich dynamisch, viele starken Szenen sorgen für viel Spannung - auch wenn der Hörer durchaus auf den richtigen Täter tippen kann. Eine spezielle, aber auch hörenswerte Produktion.

VÖ: 1. November 2019
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785780015


Das Lächeln der Fortuna – Robin Teil 3 – Die Rückkehr



Robin hat es geschafft, seine Reputation in der Welt des Adels wiederherzustellen und wurde als neuer Earl of Burton ernannt – gegen seinen Willen. Denn das neue Amt bürdet ihm auch viele Pflichten auf, sodass er auch die höheren Steuerabgaben aufgrund des Hundertjährigen Kriegs durchsetzen muss. Während sich ein wahrer Ansturm der Bevölkerung anbahnt, muss Robin auch privat immer wieder die Wogen glätten…

Mit „Die Rückkehr“ wird das dreiteilige Hörspiel auf Grundlage von Rebecca Gablés Roman „Das Lächeln der Fortuna“ abgeschlossen, wobei auch hier wieder über 15 Stunden Laufzeit sehr gut produziertes Hörspiel geboten werden. Ohne Vorkenntnis aus den vorigen Teilen wird man natürlich kaum etwas verstehen, dazu sind die Zusammenhänge viel zu komplex und vielschichtig, warum wer wir handelt erschließt sich oft nur im Zusammenhang – aber genau das macht dann eben auch den Reiz aus. Und so fiebert der Hörer sofort den neuen Entwicklungen entgegen, denen Robin nun als Earl of Burton entgegensieht. Und dabei ist der Blick wieder auf verschiedene Bereiche seines Lebens gerichtet und mit unterschiedlichen Themen und Stimmungen belegt. Im privaten Bereich um Robins Liebesleben gibt es noch einige Turbulenzen, sein Familienleben wird mit einigen neuen Aspekten angereichert, was mal emotional, mal spannend, mal ernst geraten ist. Ich mag, wie sich auch hier in vielen Details der mittelalterliche Geist einfindet, wie die Personen miteinander umgehen und wie sie sich gesellschaftlich verhalten (müssen) ist gekonnt eingebunden. Und auch die politische Ebene wird gekonnt aufbereitet und stellt Robin vor neue Herausforderungen. Gerade in Betracht auf die Entwicklung des gesamten Romans kann dieser abschließende Teil überzeugen: Vom armen, mittellosen Jungen über den hart arbeitenden Ritter bis schließlich zum Earl hat er dennoch immer mit harten Herausforderungen zu kämpfen – nur eben an anderen Stellen. Sehr gelungen auch hier, wie geschichtliche Ereignisse eingeordnet und in einen Kontext gesetzt werden, wie man den Hundertjährigen Krieg nicht nur an der Front, sondern auch in den Auswirkungen auf die Bevölkerung erleben kann. Dabei sind mehr denn je reale historische Persönlichkeiten eingebunden, die in die fiktive Geschichte von Robin gesetzt wurden – wahrscheinlich nicht vollkommen den Tatsachen entsprechend, aber doch hervorragend recherchiert. Toll, wie am Ende alles zusammengreift und die Handlung gekonnt abgeschlossen wird, aber dennoch die Grundlagen für eine Fortsetzung geschaffen werden, die als Buch bereits existiert. Wünschenswert wäre es, wenn auch diese als Hörspiel umgesetzt werden, denn das ist hier hervorragend gelungen.

Das liegt auch an der schier unzähligen Flut an Sprechern, die sehr gekonnt agieren – einen Ausreißer nach unten sucht man vergeblich, viele hinterlassen einen positiven Eindruck. Allen voran natürlich Roman Roth in der Rolle des Robin, der die Entwicklung seines Charakters viel Raum gibt und der mit feinen stimmlichen Nuancen eine große Bandbreite anbietet und dennoch immer vollkommen in seiner Rolle bleibt. Auch die wunderbare Yara Blümel hat mir als Blanche äußerst gut gefallen, bringt mit ihrer zarten Stimme eine gewisse Sinnlichkeit mit ein, bringt aber ebenso das harte Leben des Mittelalters gekonnt auf den Punkt. Julien Hagege ergänzt das Ensemble als Edward mit seiner typisch sehr präsenten und markanten Stimme, bringt aber viele bislang unbekannte Facetten mit ein und spricht durchgängig sehr lebendig und treffend. Weitere Rollen haben beispielsweise Ulrich Blöcher, Simon Derksen und Jeremias Koschorz.

Die akustische Umsetzung ist auch in diesem Teil bestechend, was an der eher dezenten, aber dennoch sehr vielfältigen und atmosphärischen Umsetzung liegt. Die Geräusche protzen nicht mit zu viel Lautstärke oder Varianz, sondern bringt die Handlungen der Charaktere oder passende Hintergründe sehr gekonnt ein, ohne von den Dialogen im Mittelpunkt abzulenken. Und die Musik hat ihren mittelalterlichen Flair behalten, wird an den passenden Stellen aber auch etwas dramatischer als noch in den ersten beiden Teilen. Sehr gelungen, wie das alles zusammenspielt und sowohl die Handlung als auch den geschichtlichen Kontext unterstreicht.

Das Titelbild hat auch hier keine Varianz erfahren, auch hier ist das Buchcover mit seinem braunen Hintergrund und der Darstellung eines mittelalterlichen Schicksalsrades zu sehen, lediglich der unten recht klein aufgedruckte Titel unterschiedet das Bild von seinen Vorgängern. Im Inneren wurde die Liste der Sprecher etwas kleiner aufgedruckt, um mehr Platz zu haben, dennoch wurden viele Sprecher in Nebenrollen ohne Nennung der Figur aufgelistet – und es sind so viele, dass dies sogar an zwei verschiedenen Stellen geschehen ist.

Fazit: Der Abschluss des Romans steigert sich in Sachen Dramatik noch einmal deutlich, bleibt aber fest in der damaligen Zeit verankert und setzt die Handlung spannend und authentisch fort. Wie immer ist die Verbindung von Robins Schicksal und geschichtlichen Fakten hervorragend gelungen, das Erleben der damaligen Zeit wird dadurch sehr eingängig. Mir gefällt, wie die Handlung noch einmal einige unerwartete Wendungen nimmt und einen sehr runden Eindruck hinterlässt. Ein wahres Mammut-Projekt (auch für den Hörer), dessen Ergebnis sich aber sehr lohnt.

VÖ: 28. Februar 2020
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785781852


Das Lächeln der Fortuna – Robin Teil 2 – Die Wende



Nicht ganz freiwillig zieht Robin Waringham mehrfach in den Hundertjährigen Krieg nach Spanien und Frankreich, wo er wegen seines Gerechtigkeitssinns mehrfach mit dem Schwarzen Prinzen aneinandergerät und in ihm einen neuen, mächtigen Feind findet. Doch auch die Seite seiner Unterstützer steigt, doch noch vermeidet Robin es, den Konflikt offen ausbrechen zu lassen…

Eine wahre Mammut-Aufgabe hat sich in der Hörspielvertonung von Rebecca Gablés Roman „Das Lächeln der Fortuna“ aus dem Jahr 1997 ergeben, nicht nur wegen des großen Umfangs der Geschichte, sondern auch, weil sie zahlreiche Jahre umspannt und so eine sehr komplexe Geschichte erzählt wird. Der zweite Teil mit dem Titel „Die Wende“ läuft mit über 16 Stunden noch einmal ein deutliches Stück länger als der direkte Vorgänger, die Geschichte verdichtet sich dabei aber auch immer weiter und setzt die Protagonisten noch mehr unter Druck – und das nicht nur, weil der Hundertjährige Krieg in all seinen Grausamkeiten und Entbehrungen geschildert wird. Auch die persönliche Geschichte um Robin wird noch einmal komplexer, erwachsener und härter dargestellt. Mir gefällt dabei, dass durch Robins seherisch begabte Tochter Anne eine leichte, aber nicht zu dominante übernatürliche Komponente erweitert wird, aber auch dass dadurch der Konflikt mit Robins Frau weiter aufbricht und für einige sehr intensive Szenen sorgt. Es ist diese Kombination aus persönlichem Schicksal und Einordnung in den Verlauf der realen Geschichte, die den Reiz der Geschichte ausmacht, die mit ihren vielen Stationen sehr komplex geraten ist. Es erfordert natürlich viel Aufmerksamkeit, allem zu folgen, dafür bekommt man aber auch das Gefühl, sehr nahe an die Charaktere heranzurücken und vollkommen in Robins Welt einzutauchen. Die Umsetzung als Hörspiel ist dabei – wie auch schon im ersten Teil- gut gelungen. Dass man dabei auf eine Bearbeitung des Textes verzichtet hat, ist Fluch und Segen zugleich. So bleibt man zwar so nahe am Original wie es nur irgend möglich ist, allerdings ziehen sich manche Erzählpassagen auch etwas in die Länge und wirken für ein Hörspiel einfach zu starr. Der Anteil an Dialogen ist in diesem zweiten Teil allerdings gefühlt etwas höher, was diesen Aspekt etwas ausgleicht. Die komplexere Erzählstruktur mit den härteren Themen entwickelt zudem die Stimmung des zweiten Teils deutlich weiter, was „Die Wende“ noch intensiver wirken lässt.

Auch hier beeindruckt die Sprecherliste wieder nicht nur mit der Vielzahl an Namen, sondern auch mit vielen bekannten oder starken Stimmen. So ist Wolfgang Wagner als John of Gaunt zu hören, der seinen markanten und volltönenden Klang geschickt einsetzt, um seiner Figur zahlreiche Facetten zu verleihen und ihn sehr präsent wirken zu lassen, er nimmt sich an den richtigen Stellen aber auch zurück und lässt anderen Protagonisten die Bühne. Julia Lowack ist als Julia ebenfalls sehr gut besetzt, sie setzt gekonnt Akzente und lässt ihre Figur damit sehr lebendig wirken, zumal sie viele verschiedene Auren um sich entstehen lässt. Lina Isabell Sturm bringt als Robins Tochter Anne noch einmal eine ganz andere Stimmung mit, ihre junge Stimme nimmt eine präsente Farbe an und bringt besonders die leicht mystische Aura des Kindes sehr gut zur Geltung. Weitere Sprecher sind Marie Bierstedt, Richard Barenberg und Rainer Fritzsche.

Auch die akustische Umsetzung ist in diesem zweiten Teil etwas intensiver geraten, was besonders an den eingesetzten Geräuschen von Jörg Klinkenberg liegt. Sie sind sehr treffend auf die Handlung abgestimmt und lassen die vielen verschiedenen Szenarien lebendiger wirken, konzentrieren sich aber eher auf die Handlungen der Figuren als auf Hintergrundkulisse. Die Musik wirkt authentisch auf das mittelalterliche Ambiente abgestimmt und ist mit seiner Vielschichtigkeit sehr opulent, drängt sich aber ebenso wenig in den Vordergrund.

Für die fast 1.000 Minuten Laufzeit waren ganze drei MP3-CDs notwendig, die gemeinsam in einem Digipack untergebracht sind. Die schier endlos wirkende Zahl an Sprechern konnte aus Platzgründen dabei nicht komplett ihren Rollen zugeordnet werden – dies ist nur bei den wichtigsten Figuren der Fall. Dennoch wurde neben den vielen Mitwirkenden auch noch an eine kurze Biographie der Autorin gedacht.

Fazit: In „Die Wende“ geht es für Robin noch intensiver, bedrohlicher, kämpferischer und spannender weiter, wobei der Fokus noch einmal auf andere Themen gelegt wird und besonders der Hundertjährige Krieg lebendig und erschreckend umgesetzt wurde. Das ist sehr ergreifend und erzählerisch auf den Punkt umgesetzt, auch wenn die Umsetzung stellenweise etwas starr wirkt. Doch die sehr treffende und opulente Geräusch- und Musikkulisse sorgt auch für viele imposante Szenen.

VÖ: 28. Februar 2020
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785781845


Das Lächeln der Fortuna – Robin Teil 1 – Die Flucht



Robin Waringham, ein junger adeliger Novize, ist nach dem Tod seines Vaters in Ungnade gefallen, da der Earl of Waringham wegen eines Verbrechens an der Krone verurteilt wurde. So muss er sich als Straßenjunge und Pferdeknecht verdingen, um sein Überleben zu sichern. Doch er hat Glück und wird von Geoffrey Dermond, Nachfolger seines Vaters, unter seine Fittiche genommen, um ihn dennoch zum Ritter zu machen und in die Kreise des Adels zurückzukehren. Doch Mortimer, Geoffreys Sohn, schikaniert Robin, wo er nur kann…

Mit „Das Lächeln der Fortuna“ wurde ein äußerst umfangreicher historischer Roman vollständig als Hörspiel umgesetzt, was wegen der Länge in drei Teilen geschehen ist, die nun auch bei Lübbe Audio auf MP3-CDs erschienen sind. Den Anfang macht „Die Flucht“ und setzt in der Kindheit des zum Zeitpunkt des Starts zwölfjährigen Robins um, der zunächst in einer Klosterschule aufwächst, später aber von dort vertrieben wird und sein Glück anderswo suchen muss. Und schon allein dieser Startpunt sorgt für zahlreiche Themen, die stark in die Geschichte mit eingebunden sind. Der strenge christliche Glauben beispielsweise, mit dem Robin so seine Probleme hat und viele Dinge anders sieht, aber auch das alltägliche und harte Leben im 14. Jahrhundert. Beides hat Autorin Rebecca Gablé sehr gekonnt in ihren Roman eingebaut und lässt die Zeit damit sehr lebendig wirken. Das wirkt manchmal in den großen Zusammenhängen, die diesen Teil umspannen, oft genug aber auch in kleinen Szenen, die noch nicht einmal besonders in den Vordergrund gerückt werden, aber eben den Geist dieser Zeitepoche atmen lassen. „Die Flucht“ trifft den Titel dieses Abschnitts von Robins Geschichte sehr gut, ist er doch häufig rastlos, getrieben und von den (angeblichen?) Taten seines Vaters in Ungnade gefallen. Der Spannungsbogen entwickelt sich dabei durch sehr unterschiedliche Stationen von Robins Kindheit weiter und birgt immer wieder neue Herausforderungen. Zwar sind einige davon durchaus vorhersehbar, was aber den Unterhaltungswert nicht mindert, eben besonders weil die Handlung so detailreich und spannend geraten ist. Die Hörspielumsetzung arbeitet dabei viel mit einem Erzähler, der die meisten Vorgänge sehr genau beschreibt, die Dialoge nehmen dabei gefühlt den geringeren Teil der Handlung ein. Das funktioniert beim Lesen eines Buches natürlich wunderbar, das Hörspiel wirkt dadurch manchmal aber etwas gebremst oder starr - selbst wenn Detlef Bierstedt hervorragend spricht. Die über neun Stunden Laufzeit dieses ersten Teils wollen natürlich auch erst einmal gehört werden, idealerweise auch in nicht allzu langem zeitlichen Abstand und mit viel Aufmerksamkeit, um auch später der durchaus komplexen Handlung und den vielen feinen Nuancen folgen zu können – ein längeres Projekt also auch für den Hörer. Das lohnt sich aber, da man mit einer spannenden und meist kurzweiligen Handlung, besonders aber auch mit viel Zeitgeist und einer packenden Stimmung gut unterhalten wird.

Die Rolle des Robin Waringham wird von Roman Roth übernommen, der mit seiner betonten und ausdrucksstarken Stimme den Hörer schnell für sich einnimmt und sehr präsent wirkt, vor allem aber die Entwicklung des Jungen zu einem jungen Mann erlebbar macht. Die vielen harten Schläge des Schicksals (oder der Fortuna) lässt er sehr präsent wirken. Als Mortimer Dermond ist Moritz Grove zu hören, der viel Härte in seine junge Stimme legt und so schnell zu einem gelungenen Antagonisten wirkt, der gleich die richtige Aura für die Rolle erschafft und wirken lässt. Wie oben bereits kurz erwähnt ist auch Detlef Bierstedt in Hochform und bringt viel Leben und Dynamik in seine langen Erzähltexte, macht beschriebene Gefühle greifbar, ebenso wie er mit seiner Stimme das harte Leben im Mittelalter zum Leben erweckt – eine sehr gute Leistung. Weitere Sprecher sind Oliver Nitsche, Ulrike Kapfer, Ana Purwa und zahllose mehr.

Die 586 Minuten Laufzeit konzentrieren sich vor allem auf die Sprecher und ihre Stimmen, doch auch Geräusche sind beigemischt – klassisch produziert und extra von einem Geräuschemacher eingespielt. Das ist dann auch dementsprechend treffend geschehen und sorgt schnell für einen glaubhaften Ausdruck. Die Musik ist – natürlich – mittelalterlich angehaucht und sorgt so in den Szenenübergängen für die passende Stimmung, hätte für meinen Geschmack aber auch während einiger Dialoge mehr im Einsatz sein können.

Die beiden CDs dieses ersten Teils finden sich in einem stabilen Digipack hinter zwei Papplaschen wieder, wobei für das Cover natürlich der Romanvorlage entnommen wurde und eine mittelalterlich anmutende Darstellung eines Schicksalsrades zeigt. Im Inneren gibt es zwar keine weiteren Informationen, aber eine übersichtliche Auflistung der Mitwirkenden an der Produktion.

Fazit: Eine äußerst umfangreiche Produktion, die nicht mal eben zwischendurch gehört werden kann, dafür dann aber auch eine komplexe und sehr detailliert geschilderte Geschichte bietet. Nicht nur das gekonnt geschilderte Schicksal von Robin, sondern vor allem auch die lebendige Stimmung des Mittelalters mit ihren vielen für uns ungewohnten Werten und Normen lassen diesen ersten Teil lebendig wirken – und machen Lust auf das weitere Schicksal von Robin.

VÖ: 28. Februar 2020
Label:Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785781838


Papa, Kevin hat gesagt... Staffel 3



Bereits die dritte Staffel der wunderbaren Radio-Hörspiel-Serie "Papa, Kevin hat gesagt..." ist produziert und beim Audio-Verlag veröffentlicht worden. An dem Grundsatz hat sich dabei nichts geändert, wieder werden Gespräche zwischen Vater und Tochter Greta dargeboten, die sich zudem alle an einem bestimmten Schema orientieren: Meist präsentiert die Tochter eine Aussage von Kevins Vater, die dann genüsslich auseinandergenommen wird. Und immer wieder wird dabei die nur scheinbar durchdachte und korrekte Haltung des Vaters entlarvt, indem Greta hartnäckig nach- und hinterfragt oder ihren Vater mit den eigenen Waffen schlägt. So weit, so gut, aber davon abgesehen, dass dies auch hier wieder hervorragend, witzig und intelligent umgesetzt wurde, gibt es einige Neuerungen, die gelungene Ergänzungen zu dem Konzept bieten. So rückt die Jugendsprache weiter in den Mittelpunkt und sorgt für einige Missverständnisse, aber auch die Themenwahl ist aktueller als zuvor. So gibt es konkrete Nennungen von bekannten Namen aus Politik und Unterhaltung, der Zeitgeist der Friday for Future-Bewegung zieht sich gleich durch einige der kurzen Episoden, die meist nur unter fünf Minuten dauern. Aber auch kleine Entwicklungen über mehrere Folgen hinweg sind eingebaut, die mal nur in Nebensätzen, mal aber auch mehr im Vordergrund eingebaut sind. Das ist wieder treffend und sehr unterhaltsam umgesetzt, was mir erneut sehr gut gefallen hat. Sicherlich ist der Humor sehr speziell – meiner wurde aber genau getroffen. Und zugegeben: Das eine oder andere Mal habe ich mich selbst mit meinen Ansichten hinterfragen müssen. Dass dies so humorvoll geschieht und dabei noch ernste gesellschaftliche Fragen gestellt werden, ist die größte Errungenschaft dieser Serie.

Das wunderbare Duo, das bereits die vorigen Staffeln so lebendig gestaltet hat, ist natürlich auch hier wieder in den beiden Hauptrollen zu hören (die auch meist die einzigen beiden Rollen sind). Der wunderbare Bastian Pastewka mit seiner belehrenden Art, der immer wieder Verwirrung andeutet, wenn er mal wieder mit seinen eigenen Mitteln geschlagen wurde, spricht genau das hervorragend, lebendig und charmant. Der Witz, der davon ausgeht, macht viel von dem Reiz der Serie aus. Ihm zur Seite steht Mia Carla Oehring, selbstbewusst, rotzig und ziemlich clever, was durch sie sehr lebendig und markant umgesetzt wird. Ihre Energie ist dabei bestechend, zumal sie in jeder Szene authentisch wirkt.

Bei dieser Serie stehen die Dialoge vollkommen im Vordergrund, was aber dezent mit einigen Geräuschen oder ein wenig Musik untermalt ist. Das ist aber alles eng auf die Gespräche abgestimmt und auf ein Minimum reduziert. Das passt sehr gut zur den ungewohnten Vater-Tochter-Gesprächen und bringt eine passende Grundstimmung mit ein.

Auf dem Cover ist natürlich auch hier wieder eine Zeichnung von Bastian Pastweka und Mia Carla Oehring in einem witzigen Comicstil zu sehen, seinem verdatterten Gesichtsausdruck zu entnehmen hat er sich gerade selbst entlarvt. Das ist sehr hübsch geraten, während die restliche Gestaltung des Digipacks eher schlicht gehalten ist und nur durch einige grafische Elemente aufgelockert wird. Es gibt jedoch ein paar Informationen zu den beiden Sprechern sowie eine Trackübersicht hinter der CD.

Fazit: Wie scheinbare Weltoffenheit und Gewandtheit hier entlarvt wird, ist wieder äußerst charmant und witzig umgesetzt. Das wunderbare Sprecherduo füllt die pointierten Dialoge gekonnt mit Leben, die Themenwahl ist ebenso wie die ganz sanfte Entwicklung einiger Themen über mehrere Folgen hinweg sehr gelungen. Dass mehr populäre Themen und noch mehr die Sicht der Jugend eingebaut wurde, ist ebenfalls sehr gelungen.

VÖ: 23. Dezember 2019
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742412720


Doktor Dolittle



Menschen sind nicht gerade die große Stärke von Dr. John Dolittle. Viel lieber kümmert er sich in seiner Tierarztpraxis um seine Patienten, die er dank des Sprachunterrichts bei Papagei Polly alle versteht. Schnell spricht sich seine besondere Fähigkeit herum, sodass Dr. Dolitte bei immer mehr tierischen Patienten auch Hausbesuche macht. Diese führen ihn an ziemlich exotische Orte und in halsbrecherische Abenteuer...

Durch einen aufwendigen Hollywood-Film hat „Dr. Dolittle“ aktuell einen enormen Popularitätsschub bekommen, das Kinderbuch von Hugh Lafting ist aber seit vielen Jahren fester Bestandteil in vielen Kinderzimmern. Der Audio Verlag hat nun eine Neuinterpretation in Form einer Lesung produziert, die den Charme der Vorlage vollkommen transportiert – nicht zuletzt aufgrund der Lesekunst von Rufus Beck. Die Geschichte entwickelt sich anfangs nur recht langsam weiter, es wird viel Zeit darauf verwendet, die Grundsituation zu erklären und die liebevoll gezeichneten Figuren einzuführen. Besonders die tierischen Begleiter des Doktors werden dabei mit unglaublich vielen Details ausgeschmückt und bekommen so eine einzigartige, liebenswerte Ausstrahlung. Sie sind die Würze in der Handlung, die später deutlich mehr an Fahrt aufnimmt und den Doktor und sein Reiseteam in viele spannende Situationen bringt. Mir gefällt die lockere Erzählweise mit dem witzigen Unterton, der dennoch eine spannende, zusammenhängende Handlung mit sich bringt und den Hörer so völlig in seinen Bann zieht. Besonders, wenn gegen Ende das Tempo noch einmal angezogen wird und die Geschichte spürbar Fahrt aufnimmt, Dolittle und seine Gefährten in eine gefährliche Situation geraten und sich nur knapp daraus befreien können, ist ein spannungsgeladener Verlauf garantiert. Da die Handlung ohne langwierige Stellen auskommt und durchgängig mit Witz und markanten Momenten bezaubert, ist ein sehr unterhaltsames Hörbuch entstanden.

Der fabelhafte Rufus Beck nutzt sein mannigfaltiges Repertoire, um die Geschichte und die wunderbaren Figuren zum Leben zu erwecken. Für jeden Menschen vor allem aber für jedes Tier findet er eine eigene Betonung und Stimmfarbe, was unglaublich vielfältig und sehr treffend geraten hat. So schließt der Hörer die Figuren schnell in sein Herz und baut eine Bindung zu ihnen auf, der Niedlichkeitsfaktor ist hoch – überdeckt aber nie die abenteuerliche Stimmung, die Beck ebenso zu transportieren weiß. Eine hervorragende Leistung, die mich vollkommen überzeugt hat,

Das Cover zu dem Hörspiel zeigt Dr. Dolittle und einige seiner tierischen Freunde inmitten von Bilderrahmen, wobei jeder seine ganz eigene Ausstrahlung hat. Das ist nicht nur in einfachem, witzigen Zeichenstil gehalten, sondern zieht sich auch durch den Rest der Gestaltung, auf der Rückseite ist noch ein Foto von Sprecher Rufus Beck in einem ebensolchen Rahmen zu sehen. Die liebevolle Gestaltung passt sehr gut zum Hörbuch, auch wenn ein Booklet mit zusätzlichen Informationen schön gewesen wäre.

Fazit: Die Hörversion des Buchklassikers transportiert den Charme und den Witz der Vorlage in hervorragender Weise. Die Handlung wirkt temporeich, humorvoll und liebevoll – und es gibt einige Lebensweisheiten, die sich zwischen den Zeilen verstecken. Das lebendige Spiel von Rufus Beck, der mühelos in die unterschiedlichsten Rollen schlüpft, macht die Lesung besonders hörenswert.

VÖ: 23. Dezember 2019
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742409416


Das Fundament der Ewigkeit – Das Hörspiel



Ned Willard aus Kingsbridge verlässt 1558 seinen Heimatort, da er sich mit seiner Verlobten Margery entzweit hat. Denn die unterschiedlichen Konfessionen zerreißen nicht nur Europa, sondern auch die Liebe zwischen den Menschen. Ned landet über einige Umwege am englischen Königshof bei der Elisabeth Tudor, die jedoch den ganzen Kontinent gegen sich zu haben scheint...

Ken Follet hat mit seinen beiden Romanen um den fiktiven Ort Kingsbridge „Die Säulen der Erde“ und „Die Tore der Welt“ zwei viel beachtete historische Romane geschrieben. Aber eine Buchreihe aus nur zwei Teilen ist nicht Fisch und nicht Fleisch, weswegen fast zehn Jahre später noch „Das Fundament der Ewigkeit“ erschienen ist. Und natürlich gibt es davon auch wieder eine aufwendige Hörspielumsetzung des WDR, die bei Lübbe Audio etwas zeitversetzt auch auf CD veröffentlicht wurde. Noch einmal über zwei Jahrhunderte später angesiedelt sind die Romane untereinander lediglich über einige Querverweise verbunden, es gibt gleiche Schauplätze und dreht sich um die Nachfahren der Charaktere aus den vorigen Bänden, doch bei diesem dritten Teil sind die Verbindungen noch etwas blasser als im zweiten Band. Doch der historische Kontext ist wieder so beeindruckend dargestellt, so detailliert recherchiert, dass man sich völlig in die Zeit von vor fast 500 Jahren versetzen kann. Der Krieg zwischen Katholiken und Protestanten, zwischen Machthabern und dem einfachen Volk, zwischen Fortschritt und Rückständigkeit ist sehr lebendig erzählt. Auch die Charaktere – von denen es reichlich gibt – sind sehr eindringlich geschildert und haben ihren festen Platz im Gefüge der Handlung. Deren Eigenschaften sind vielseitig und prägnant, sodass sie einem schnell ans Herz wachsen – oder eben die geborenen Gegenspieler darstellen. Hier ist die Geschichte manchmal etwas einfach gehalten: Wer gut ist, ist gut. Wer böse ist, ist böse. Da gibt es keine Wendungen, kein Platz zwischen den Stühlen. Und es gibt auch ein paar Stellen, die langwierig wirken, an denen die Handlung nur schrittchenweise vorankommt. Gerade der Mittelteil ist davon betroffen. Doch insgesamt ist auch die Geschichte sehr gelungen, punktet mit ihrer Komplexität und ihrem spannenden Aufbau.

Die Hörspielumsetzung ist wieder hochkarätig und zahlreich besetzt, allein die Liste der vier verschiedenen Erzähler liest sich beeindruckend: Jürgen Thormann, Regine Vergeen, Stefan Kamsinski und Regina Lemnitz. Allesamt geben ihren Texten eine ganz eigene Not und bereichern das Hörspiel mit einer ganz eigenen Note. Gerd Wameling ist in der Rolle des Ned Willard zu hören und setzt seine markante Stimme sehr gekonnt ein, um eine sehr präsente Figur zu schaffen, mit der man mitfiebert, die aber auch ihre vielen Facetten präsentieren kann. Als Mergery Fitzgerald ist Therese Hämer zu hören, die sehr treffsicher und vielseitig spricht und dem Hörer so einen gekonnten Zugang zu der Figur anbietet. Susanne Pätzold hat mich als Elisabeth I. ebenfalls sehr überzeugt, mit ihrer harten, prägnanten Sprechweise kann sie die historische Figur sehr lebendig wirken lassen.

Wie bereits die vorigen Teile ist auch hier eigens Musik komponiert und eingespielt worden, neben klassischen Instrumenten sind dabei auch einige Gesangsspuren eingesetzt worden. So entsteht nicht nur ein Eindruck der damaligen Zeit, an die sich die Musik immer wieder anlehnt, sondern der Verlauf der Handlung wird auch gekonnt unterstrichen und der Spannungsbogen gut herausgearbeitet. Die Geräusche sind vielfältig und treffend eingebaut, sodass die Dialoge eine lebendigere Wirkung bekommen.

Natürlich dient das Cover der Buchvorlage auch hier als Titelbild, wurde aber zur Unterscheidung von der gelesenen Version um den Zusatz „Das Hörspiel“ ergänzt. Das Logo mit der schematischen Abbildung in der ornamentreichen Optik ist nicht nur ansehnlich, sondern ergibt gerade nach dem Hören der Geschichte einen sehr durchdachten Sinn. Die sechs CDs finden sich in einem sehr ansehnlichen Digipack von gewohnt hoher Qualität wieder.

Fazit: „Das Fundament der Ewigkeit“ unterscheidet sich deutlicher von seinen Vorgängern und ist im Grunde kein wirklicher Kingsbridge-Roman mehr, zu sehr entfernt sich die Handlung von dem Ort. Doch wieder wird Geschichte lebendig gemacht, werden historische Ereignisse und Personen in einen lebendigen Kontext gesetzt, entstehen starke Bilder vor dem inneren Auge des Lesers. Und das beweist einmal mehr, dass Ken Follet sein Handwerk beherrscht. Die Hörspielumsetzung ist sehr aufwendig und sehr gelungen.

VÖ: 28. Februar 2019
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785759554


Tiger und Bär, es weihnachtet sehr!



An einem ungemütlichen Wintertag bekommen der kleine Tiger und der kleine Bär Besuch von dem Reiseesel Mallorca, der ihnen von einem Fest erzählt, das in anderen Ländern zur kalten Jahreszeit gefeiert wird. Tiger und Bär wollen auch Geschenke vom Herrn Weihnachtsmann bekommen und laden alle ihre Freunde ein, doch zunächst müssen sie von Mallorca mehr über das Fest erfahren...

Florian Fickel hat die Aufgabe übernommen, die wohl bekanntesten Figuren von Janosch zu übernehmen und neue Geschichten für den kleinen Tiger und den kleinen Bär zu erdenken - sowohl als Buch als auch als Hörspiel. Mit „Tiger und Bär, es weihnachtet sehr!“ hat er nun auch eine Folge geschaffen, die sich rund um das Weihnachtsfest dreht, welches dort allerdings gar nicht bekannt ist. Dass sich Tiger, Bär und die anderen Figuren auf die (nicht immer richtigen) Berichte des Reiseesels Mallorca verlassen, erlaubt so manchen ungewöhnlichen Blick auf die liebgewonnenen Traditionen. Dabei geht es ein wenig episodenhaft zu, in den einzelnen Szenen wird erst ein Thema zu Ende behandelt, bevor es zum nächsten übergeht. Diese Struktur erleichtert der Zielgruppe der jüngeren Kinder das Verständnis, lässt es aber auch zu, die kleinen Geschichten einzeln zu hören (was wegen der guten Aufteilung in Tracks auch bestens funktioniert). Besonders gut gelungen ist jedoch, wie sich in den Geschichten ganz nebenbei kleine Kommentare einschleichen, die moralische Aspekte einbinden, manch merkwürdiges Verhalten von Erwachsenen hinterfragen oder auch nur den Zauber von Weihnachten zur Geltung bringen. Das ist sehr liebevoll an den Schreibstil von Janosch angepasst und lässt Erzähler Jürgen Kluckert ab und an direkt mit dem Zuhörer kommunizieren. Diese ganz besondere Atmosphäre ist gemeinsam mit dem herzerwärmenden weihnachtlichen Grundgedanken sehr hörenswert geraten und sorgt für richtig gute Episode der Serie.

Die Sprecher sind es, die das tolle Buch mit Leben füllen und den Figuren ihren individuellen Ausdruck verleihen. Bernd Gnann bringt die gutmütige und gemütliche Figur des kleinen Bären bestens zur Geltung, spricht langsam und mit niedlicher Betonung, wobei er für eine sehr angenehme Stimmung sorgt. Der Reiseesel Mallorca wird von Claudio Maniscalo gesprochen, er bringt den Witz der Figur sehr gut zur Geltung und bringt einige liebenswerte Eigenheiten mit ein. Erzähler Jürgen Kluckert schafft mit seiner warmen Stimme eine sehr liebenswerte Grundstimmung und hat hörbaren Spaß an der unverkennbaren Erzählweise mit den witzigen kleinen Kommentaren. Weitere Sprecher sind Fritz Rott, Stefan Kalinski und Cathlen Gawlich.

Bei der Atmosphäre der Geschichte ist eigentlich immer etwas los, die Dialoge und kurzen Erzähltexte sind zudem oft sehr eng zusammengeschnitten. Dennoch wird die Aufmerksamkeit der zuhörenden Kinder nicht überansprucht, da die Geräusche sehr gut aufeinander abgestimmt sind und die Handlung lebendig untermalen. Die Musik ist fröhlich und schwungvoll, was die Stimmung der Geschichte unterstreicht.

Das Cover der Folge ist wieder der Buchvorlage entnommen und zeigt die Figuren von Janosch in einem sehr liebenswerten Kontext. Tiger und Bär übergeben inmitten des hübsch dekorierten Wald ein Geschenk, der Fuchs ist ebenso zu sehen wie viele weitere niedliche Details. Das Innere des kleinen Booklets enthält neben einer übersichtlichen Trackübersicht natürlich auch die üblichen Angaben, die schlicht und übersichtlich dargestellt sind.

Fazit: Die liebevollen Figuren und die ganz besondere Stimmung zu Weihnachten sind hier auf sehr besondere Weise miteinander verbunden. Unsere Traditionen werden von Tiger, Bär und ihren Freunden gelungen hinterfragt und in einen anderen Kontext gesetzt. Toll, dass die einzelnen Figuren dabei so liebenswert in Szene gesetzt wurden und so eine rundum gelungene Folge mit vielen kleinen Episoden entstanden ist.

VÖ: 23. September 2019
Label: Floff
Bestellnummer: 9783837311112


Don Quijote von der Mancha



Quijote hat sich in den Kopf gesetzt, ein echter Ritter zu werden und ist sich sicher, dass er neben einem Pferd und einer Angebeteten auch einen besseren Namen braucht, sodass er sich ab sofort Don Quijote de la Mancha nennt und gemeinsam mit seinem treuen Freund Sancho Panza durch die Lande zieht. Und dieser kann den selbsternannten Ritter nicht von allen Dummheiten abhalten...

„Don Quijote von der Mancha“ ist als einer der bekanntesten spanischsprachigen Romane überhaupt schon die Inspiration für so einige Umsetzungen gewesen. Beim Hörverlag ist nun ein weiteres Hörspiel aus einer Produktion des SWR2 erschienen, das sich auf drei CDs mit immerhin fast drei Stunden Laufzeit befindet. Die Handlung wurde dabei entsprechend ausführlich umgesetzt, die episodenartigen Abschnitte sind klar voneinander abgegrenzt, sodass viele kleine Szenen Platz finden und für Unterhaltung sorgen. Dabei ist die Geschichte sicherlich nicht jedermanns Sache, dafür sind die Einfälle wohl zu skurril und merkwürdig, die Figuren balancieren zu sehr an der Grenze zum Irrsinn. Aber gerade dadurch wird auch ein feiner Humor erzeugt, der mit starken Bildern und dem windungsreichen Aufbau der Handlung punktet. Diese schreitet zwar nur recht langsam voran und hinterlässt einige zu lange Abschnitte, in denen einfach zu wenig passiert, dadurch kommen die verschiedenen Szenen aber auch gut zur Geltung. Die Umsetzung weist aber noch einige Besonderheiten auf, die einen sehr individuellen Ausdruck auf und hat gelungene, kreative Ansätze. So wird die eigentliche Erzählebene ab und an verlassen, um von dem Autor Miguel de Cervantes und der Entstehung des Romans zu berichten. Aber auch die Fortführung der Erzähltexte durch die Figuren selbst ist ein gelungenes Mittel, um die Struktur des Kaffees darauf zu lang. Die fantasievolle Ausstrahlung und die markante Vorlage sorgen für einen unterhaltsamen Urlaub, auch wenn mir persönlich die Geschichte trotz gelungener Aufbereitung etwas zu unstrukturiert wirkt.

Der leichte Irsinn und die oft unbedachte Art der Titelfigur wird von seinem Sprecher Christian Brückner sehr gekonnt umgesetzt und mit einer einprägsamen Aura umgesetzt. So wird die skurrile Szenerie unterstrichen und mit vielen Facetten versehen. Auch Daniel Zillmann hat mir als Sancho Panza äußerst gut gefallen, er bringt die Komik der Figur greifbar und sehr präsent herüber, sodass seine Szenen ziemlich witzig wirken, was durch seine ungewöhnliche Stimme noch verstärkt wird. Erzählerin Tina Engel wird mit ihrer ruhigen Stimme gekonnt in die Szenerie eingebettet und bringt einen gewissen Ruhepol ein, zumal sie angenehm durch die Handlung führt. Unterstützt wird sie durch Adolfo Assor als Cervantes, der mit spanischem Akzent und starker Aura die Erzählebene auf einem anderen Level ergänzt. Weitere Sprecher sind Peter Fricke, Horst Hildebrandt und Heidi Kriegskotte.

Die akustische Umsetzung des Literatur-Klassikers ist vielfältig gelungen, fast alle Dialoge und Erzähltexte werden durch passende Musik oder vielseitige Geräusche begleitet – mal im Hintergrund, mal lauter und prägnanter. Die Melodien sind oft spanisch angehaucht, unterstreichen aber auch die skurrile Szenerie der Geschichte.

Die drei CDs befinden sich in einem stabilen Pappschuber, welches von einem witzigen und passenden Cover geziert wird. Neben den beiden Hauptfiguren dürfen die zum Sprichwort gewordenen Windmühlen im Hintergrund nicht fehlen. Im Inneren gibt es eine übersichtliche Auflistung aller Beteiligten, aber auch ein Booklet mit vielen weiteren Informationen, Bildern und Sonetten aus dem Hörspiel.

Fazit: Der zum Klassiker gewordene Roman von Miguel de Cervantes ist hier in einer vielschichtigen und stimmigen Umsetzung erschienen, die nicht nur viel spanisches Flair verbreitet, sondern auch die vielen großen und kleinen Skurrilitäten durch eine lebendige akustische Gestaltung unterstreicht. Die Sprecher haben mir dabei ebenso gut gefallen wie die verschiedenen Erzählebenen, sodass die kleinen Längen in der Handlung verkraftet werden können.

VÖ: 16. September 2019
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 9783844535259


Das Geheimnis des Bermuda-Dreieck



Erneut ist ein Flugzeug mitten im Bermuda-Dreieck verschwunden, doch dieses Mal konnte bis zum Schluss Funkkontakt mit dem Piloten gehalten werden. Captain Harald Kneeshaw möchte unbedingt das Rätsel um die kleine Inselgruppe lösen, stößt aber immer wieder auf Widerstände. Erst nach einiger Zeit findet er in dem Ozeanografen Marlow einen Verbündeten, der seine Besessenheit von dem Thema teilt...

Mit „Das Geheimnis des Bermuda-Dreieck“ hat Imaga ein weiteres klassisches Hörspiel vor dem Verschwinden von der Bildfläche gerettet und die Maritim-Produktion erstmals auf CD veröffentlicht. Dabei kommen bei vielen Hörern unweigerlich Erinnerungen an die Anfänge des Hörspiels in seiner heutigen Form auf, da die Produktion schon einige Jahre hinter sich gebracht hat und mit ihrer Machart herrlich nostalgisch wirkt. Das Thema wird dabei recht ernst und nur sehr selten humorige Sprüche aufweist. Kombiniert mit den vielen technischen Details und einer teils unheimlichen, bedrohlichen Stimmung entsteht dabei ein ausdrucksstarkes Hörspiel. Der Verlauf über gleich mehrere Jahrzehnte, in denen die beiden Forscher Kneeshaw und Marlow teilweise nur langsam bei ihren Recherchen vorankommen, ist gut inszeniert. Die aktuellen Entwicklungen bekommen dabei ebenso viel Aufmerksamkeit wie der rote Faden durch die gesamte Handlung. Mir gefällt, wie immer neue kleine Details das Rätsel ergänzen, sich die Charaktere ebenso wie die Technik weiterentwickelt und besonders, wie sich das Finale deutlich verdichtet. Der Ausgang ist wirklich packend geraten und überzeugt mit dem Wahn der Charaktere ebenso wie mit der Auflösung des Rätsels, das noch einmal eine ganz andere Facette mit sich bringt. „Das Geheimnis des Bermuda-Dreieck“ ist sicherlich kein Hörspiel für die breite Masse, hat mir aber äußerst gut gefallen.

Das Hörspiel ist mit vielen Sprechern umgesetzt, konzentriert sich aber vorrangig auf zwei Charaktere: Captain Kneeshaw wird von Rolf E. Schenker gesprochen, der mit einem sehr markanten Klang und präzisem Ausdruck die ernsthafte Stimmung des Hörspiels gekonnt aufgreift, sich aber auch dynamisch an die verschiedenen Stimmungen anpasst. Rene Genesis spricht Mr. Marlow ebenso ausdrucksstark und setzt besonders die bedrohlichen Szenen mit viel Energie um, wobei er besonders am Ende noch einmal eine andere Facette zeigen kann. Erzähler Wolf-Dieter Stubel führt den Hörer mit seiner angenehmen Stimme und gelungenen Facetten durch die Handlung. Weitere Sprecher sind Horst Stark, Rolf Mamero und Joachim Richert.

Die akustische Gestaltung des Hörspiels kommt - wie zur Zeit der Produktion durchaus üblich - fast ohne Musik aus. Das wirkt aber nur sehr selten dröge, da die meisten Dialoge mit zahlreichen passenden Geräuschen unterlegt sind. Diese fügen sich recht dynamisch ein, sind auch mal etwas lauter, wenn es passt, und sorgen für unterschiedliche Stimmungen. Das wirkt schon sehr stimmig und unterstreicht die Atmosphäre der Handlung.

Das Cover der CD-Version ist stimmigerweise der Plattenveröffentlichung entnommen und liegt sogar gleich zweimal vor, einmal mit gelbem Rahmen um das eigentliche Motiv, im Inneren auch einmal als Wendecover ohne diesen. Toll, dass auch das originale Backcover seinen Platz gefunden hat und die Sprecher im Booklet noch einmal übersichtlich aufgelistet sind.

Fazit: Eine markante Stimmung, die Konzentration auf die Dialoge und die Wandlung von einem technisch wirkenden Ausgangspunkt zu einem mysteriösen Finale sorgt für viel Wucht und einen markanten Ausdruck von „Das Geheimnis des Bermuda-Dreieck“. Die klassische Inszenierung und sehr engagierte Sprecher verstärken die Wirkung der Handlung, was mir sehr gut gefallen hat.

VÖ: 11. Oktober 2019
Label: Imaga
Bestellnummer: 9783946207528


Als die Autos rückwärts fuhren



Zu seinem elften Geburtstag entschließt sich Laßdas Pinökel, seine Memoiren aufzuzeichnen - schließlich will er keine wichtigen Details aus seiner Kindheit vergessen. Denn er ist überzeugt, dass sein ganzes Leben auf Missverständnissen beruht, da er wegen der häufigen Wiederholung der Worte „Lass das“ dies für seinen Namen hält...

Im Jahr 1977 ist beim WDR das Einzel-Hörspiel „Als die Autos rückwärts fuhren“ erschienen, ein typisches Kinderhörspiel für diese Zeit. Im Jahr 2019, 42 Jahre nach der Produktion, wurde erstmals eine CD und zusätzlich eine LP-Version vom Audio Verlag veröffentlicht, was bei vielen Kindheitserinnerungen wecken dürfte. Die Szenerie ist herrlich skurril geraten und reiht eine Vielzahl an kuriosen Gedanken aneinander. Das ist sehr bunt und abwechslungsreich geraten, enthält aber auch keinen rechten roten Faden. So kann sich an ein kleines Gespräch eine ganz andere Szenerie anschließen, nur um im Anschluss wieder das erste Gespräch zu wiederholen. Das wirkt zwar etwas wirr, da der Hörer sich immer wieder neu einstellen muss, um die chaotischen Gedankengänge zu verfolgen, man kann aber wegen der Kürze der verschiedenen Ideen auch immer wieder einsteigen, falls man kurz den Faden verloren hat. Dabei geht es von Schülerstreichen über Diskussionen mit den Eltern bis hin zu ziemlich kuriosen Ideen, die die Hauptfigur sich so einfallen lässt. Das zeichnet ein ziemlich freches Bild von dem Charakter, der schlagfertig und schlitzohrig, aber niemals respektlos wirkt. Bei der Zielgruppe der Kinder dürfte dies für einige Lacher sorgen, da Laßdas eine treffende Identifikationsfigur ist, bei Erwachsenen sorgt es zumindest für Schmunzeln. Nicht unterschätzen sollte man dabei den Nostalgiefaktor, selbst wenn man das Hörspiel nicht aus Kindertagen kennt, aber die „alte“ Machart mag. Ob Kinder von heute mit ihren anderen Hörgewohnheiten immer noch wirklich begeistert sind, ist aber wieder eine andere Frage.

Stephan Chrzescinski spricht in dem Hörspiel die Hauptrolle des Laßdas Pinökel und übernimmt dabei auch die Erzähltexte. Beides bringt er glaubhaft herüber und schafft eine schnodderige Aura um den Jungen, in manchen Szenen wirkt er allerdings etwas hölzern und „abgelesen“. Henning Venske ist als sein Vater zu hören, der einige wunderbare Klischees erfüllt, indem er das Interesse vor allem seiner Zeitung widmet, dann aber auch reichlich energisch spricht. Das passt alles gut zusammen und hinterlässt einen sehr gekonnten Eindruck. Christine Teelen ist als Laßdas' Mutter zu hören, auch die passt sich sehr gut an die Szenerie an und setzt den Skurrilitäten eine bodenständige Ausstrahlung entgegen. Weitere Sprecher sind Ursula Vogel, Rainer Schmitt und Werner Klein.

Akustisch geht es hier ebenso bunt und abwechslungsreich zu wie die Ideen eingebaut sind. Da spielt mal eine schrebbelige E-Gitarre, dann wird eine Art Werbejingle eingespielt, dann taucht plötzlich ein ungewöhnliches Kirchenlied mit Reggae-Anleihen auf. Die vielfältige Geräuschkulisse steht dem in nichts nach und ist sehr prägnant eingesetzt. Die Abmischung ist sehr deutlich mal auf dem einen, mal auf dem anderen Lautsprecher, was bei Kopfhörern in einigen Szenen recht anstrengend wirkt.

Etwas Besonderes bietet das Digipack der CD, die mal nicht farbig und mit einem schützenden Lack versehen ist. Bilder und Texte sind in schwarzer Farbe direkt auf den braunen, unbehandelten Karton gedruckt, was den nostalgischen Effekt unterstreicht und mir sehr gut gefällt. Die Zeit wird zeigen, ob das genauso haltbar ist wie eine der üblichen Digipacks. Neben dem witzigen Cover und der übersichtlichen Auflistung der Mitwirkenden ist hinter der CD auch eine kleine Trackliste zu finden.

Fazit: „Als die Autos rückwärts fuhren“ ist ein herrlich nostalgisches Hörspiel mit vielen ungewöhnlichen Einfällen und einer lebendigen Ausstrahlung, die Erzählweise ist aber recht verschachtelt und wirr, sodass der Übergang zwischen den einzelnen Episoden etwas sperrig wirkt. Aber auch wenn die Erzählweise nicht mehr heutigen Ansprüchen entspricht, macht die Produktion durchaus Spaß, wird aber wohl eher nicht zum Dauerbrenner bei mir werden.

VÖ: 20. September 2019
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742411976


Lucky Luke – Hörspielbox Vol. 2



In Fort Weakling fürchtet sich die gesamte Bevölkerung von Billy the Kid, der die kleine Stadt fest in der Hand hat. Das soll sich ändern, als Lucky Luke als Hilfssheriff anheuert. Doch es ist gar nicht so leicht, an Billy the Kid heranzukommen, sodass sich Lucky Luke eine List überlegt. Nicht das einzige Abenteuer, das der Westernheld erlebt...

Lucky Luke ist auch heute noch eine der beliebtesten Comicfiguren, schon seit einigen Jahrzehnten feiert der Westernheld große Erfolge. Und so hat Karussell im Jahr 2002 eine Hörspielserie nach den Vorlagen produziert, deren insgesamt 12 kurze Episoden nun erneut aufgelegt werden. In der zweiten Hörspielbox sind weitere drei CDs enthalten, sodass man hier die letzten sechs Geschichten zu hören bekommt. Dabei sind einige recht stark und unterhaltsamen geraten, wie beispielsweise die oben erwähnte Geschichte um Billy the Kid oder auch die letzte Folge dieser Box „Nitroglycerin“, in der zwei konkurrierende Eisenbahnunternehmen mit nicht ganz fairen Mitteln spielen. Wo Licht ist, ist in dieser Serie allerdings auch Schatten, sodass nicht alle Folgen wirklich zu zünden wissen. Die sonst so gelungenen Slapstick-Momente wirken dann noch flacher und bringen in den Humor der Serie nicht so recht zur Geltung. Insgesamt gefällt mir aber die bunte und lebendige Umsetzung der Folgen aber gut, die viel Humor bereithält, aber auch einige Actionmomente mit einfließen lässt. Sicherlich merkt man den Hörspielen an, dass die Produktion nicht die hochwertigste war, wie es bei vielen Umsetzungen des Hörspielbooms dieser Zeit der Fall ist. Doch die Serie entwickelt durchaus Charme - ich habe mich gefreut, die Folgen hier noch einmal hören zu können.

Der wunderbare Reent Reins ist in der Hauptrolle des Lucky Luke zu hören und verleiht der Figur ein markantes Auftreten. Dabei kann er die forsche und clevere Art des Cowboys gut zur Geltung bringen und gleichzeitig für viele Gags sorgen. Christian Stark ist in der ersten Episode als Billy the Kid mit dabei und legt einen sehr überzeugenden und witzigen Auftritt hin, sodass ein prägnanter Gegenspieler für Lucky Luke entsteht. Erzähler der Reihe ist Wolf Frass, der sehr locker an die Szenerie herangeht und die witzige Stimmung gekonnt unterstreicht. Weitere Sprecher sind Michael Harck, Thomas Schüler und Robert Missler.

Die akustische Umsetzung in der sechs hier enthaltenen Episoden ist solide, findet aber nicht immer eine gekonnte Balance zwischen Geräuschen und Sprechern. So wirken manche Szenen überfrachtet, während andere ein wenig mehr Pep vertragen hätten. Insgesamt kommen die verschiedenen Sounds aber meist gut zur Geltung und sorgen für eine lockere und lebendige Atmosphäre.

Für die Neuauflage hat Karussell die sechs CDs in einer dicken Plastikhülle untergebracht, wobei das Cover mit seinen zwei verschiedenen Rottönen und den großen Farbblöcken etwas unruhig wirkt. Die Silhouette von Lucky Luke und seinen Begleitern von dem weißen Mond ist allerdings recht ansehnlich geraten. Im Inneren findet sich noch ein kleines Booklet wieder, bei dem die Sprecher aufgelistet sind.

Fazit: Ohne Frage macht Lucky Luke viel Spaß, das gilt für die Comics wie für die Hörspiele. Auch die sechs hier vorhandenen Episoden punkten mit einem lockeren und witzigen Verlauf, auch wenn einige Handlungen etwas zu flach geraten sind oder die akustische Untermalung nicht immer auf den Punkt getroffen wurde. Für einen günstigen Kurs bekommt man jedoch mehr als zweieinhalb Stunden witziges Hörspiel geboten, sodass Lucky Luke durchaus eine Empfehlung wert ist.

VÖ: 8. März 2019
Label: Karussell
Bestellnummer: 0602577170713


H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens – Box 3: Berge des Wahnsinns und andere Horrorgeschichten



William Dyer, ein angesehener Geologe, erfährt von neuen Plänen für eine Expedition in die Antarktis. Nur aufgrund dessen bricht er sein jahrelanges Schweigen und berichtet von seinen eigenen Erfahrungen in den eisigen Weiten des Südpols. Denn die zunächst harmlos erscheinenden Fossilien, die er dort gemeinsam mit seinem Forscherteam gefunden hat, bergen ein Geheimnis, das die gesamte Menschheit auslöschen könnte...

Der riesige Fundus aus Geschichten, die H.P. Lovecraft hinterlassen hat, hat nun zu einer dritten Edition der nach ihm benannten „Bibliothek des Schreckens“ geführt. Die Veröffentlichung mit zwei MP3-CDs stammt wieder von Folgenreich und enthält neben der Titelgeschichte „Berge des Wahnsinns“ noch diverse Kurzgeschichten, sodass wieder ein dickes Paket geschnürt wurde. Allein die Titelgeschichte füllt eine der beiden CDs und läuft über fünf Stunden, die ungekürzte Lesung gibt dabei die langsame Entwicklung und den sich stetig aufbauende Schrecken gekonnt wieder. Feine Nuancen in der Zusammensetzung der Charaktere, sich entwickelnde Dynamiken, aber auch die unheilvollen Vorzeichen sorgen für eine dichte Stimmung, die gegen Ende völlig hervorbricht und ein heftiges, sehr intensives Szenario präsentiert. Insgesamt ist das manchmal etwas zäh, kann aber mit den vielen Feinheiten und einem packenden Finale punkten. Auf der zweiten MP3-CD werden noch sieben Kurzgeschichten dargeboten, die zwischen sieben Minuten und guten eineinhalb Stunden dauern. Besonders begeistert hat mich dabei „Die Katzen von Ulthar“, das in zwölf Minuten eine interessante und lebendige Szenerie aufbaut und interessante Gedankenanreize bietet. Doch auch die anderen Produktionen punkten mit ihrem teils eigenwilligen Aufbau, überraschenden Wendungen und sich immer intensiver werdenden Stimmungen. Und dann ist da noch „Der Schatten aus der Zeit“, eine eher unbekannte Geschichte des Horror-Großmeisters, die in über drei Stunden Laufzeit mit viel Wucht und feinen Abstufungen des dargestellten Grauens sehr hörenswert geraten ist.

Erzähler der Geschichten ist David Nathan, der mit seiner volltönenden und markanten Stimme bestens zu den düsteren Szenerien passt und diese gekonnt und auf den Punkt präsentiert. Seine Stimme nimmt dafür einen passenden, natürlich wirkenden düsteren Klang an, wobei er mit Tempo und Tonhöhe spielt, um in die teils trockenen Passagen mehr Leben zu integrieren, was ihm sehr gut gelingt. Er geht völlig in der jeweiligen Szene auf und schafft so viel Atmosphäre, wobei der Spannungsbogen gekonnt nachgezeichnet wird.

Wer bereits die beiden vorigen Teile der Serie kennt, wird beim Covermotiv keine große Überraschung erleben, lediglich die Farbe wurde hier zu einem düsteren Braun verändert, der schlichte Rahmen und der ansehnliche Schriftzug sind geblieben. Im Inneren gibt es eine ausführliche Auflistung der Tracks, sodass man die gewünschte Geschichte schnell wiederfinden wird.

Fazit: Auch der dritte Teil der Serie ist sehr lohnenswert und überzeugt mit der epischen, intensiven Geschichte „Berge des Wahnsinns“, das auch mit seinen feinen Facetten in den Beziehungen überzeugt. Aber auch die zweite MP3-CD mit weiteren, kürzeren Geschichten ist ein Kleinod für Fans des Horror-Autors, viele unterschiedliche, aber immer sehr intensive Stimmungen sorgen für Abwechslung und sehr gute Unterhaltung.

VÖ: 5. April 2019
Label: Folgenreich
Bestellnummer: 0602577308864


Lucky Luke – Hörspielbox Vol. 1



Gemeinsam mit seinem treuen Pferd Jolly Jumper ist Lucky Luke unterwegs im wilden Westen, um für Recht und Ordnung zu sorgen. Das ist auch dringend notwendig, denn Korruption, Diebstahl und Schmuggel sind an der Tagesordnung. Doch Lucky Luke greift auch immer wieder ein, um in Not geratenen Menschen zu helfen und lässt nicht locker...

Lucky Luke ist eine der bekanntesten Comicfiguren überhaupt, doch neben diesem Medium gibt es auch filmische Umsetzungen als Trickfilm und in Realverfilmungen – und auch deutsche Hörspiele sind im Jahr 2002 entstanden. Karussell hat nun einige von diesen in einer Hörspielbox veröffentlicht, auf drei CDs sind insgesamt sechs Geschichten zu hören, was immerhin 160 Minuten ausfüllt. Wie auch schon die Vorlagen steht hier der Humor im Vordergrund, die lockere und lustige Atmosphäre enthält aber auch immer wieder durchaus spannende Momente, die in einigen actionreichen Momenten aufgelöst werden. Die Mischung ist gelungen, zumal der Verlauf der sechs Produktionen durchaus abwechslungsreich ist. Für den Revolverhelden wurden immer neue Situationen geschaffen, in denen er Menschen in Not beisteht oder Verbrecher dingfest macht. Immer wieder tauchen auch reichlich kauzige oder skurrile Charaktere auf, die Schwung in die Handlung bringen und der Szenerie zusätzlichen Charme verleihen. Das Wild-West-Thema der Serie kommt durchgängig gut zur Geltung und wird immer wieder durch Saloons, Schießereien oder Goldgräber unterstrichen, Begriffe wie Greenhorn oder Namen wie Calamity Jane ergänzen dies gelungen. Die Handlungen sind immer sehr einfach gestrickt, komplexe Zusammenhänge dürfen hier nicht erwartet werden – gemeinsam mit der jeweils kurzen Laufzeit und den jeweils in sich abgeschlossenen Geschichten ergibt das lockere und witzige Unterhaltung für zwischendurch.

Reent Reins ist hier als Lucky Luke zu hören, seine Stimme klingt wie immer markant und sehr präsent, von dem oft düsteren Unterton hat sich der wandlungsfähige Sprecher hier aber getrennt und passt damit sehr gut in die Atmosphäre der Serie und unterstreicht den plakativ dargestellten Charakter gekonnt. Wolf Frass ist der Erzähler der Geschichten und schlägt einen heiteren Ton an und führt damit betont und locker durch die Handlung. Robert Missler ist in verschiedenen Rollen zu hören, unter anderem auch als Jolly Jumper. Mir gefällt, wie er jeder Rolle etwas Einzigartiges verleiht und ihnen Witz und Esprit verleiht. Auch Ursula Vogel, Gerd Hinze und Kai Henrik Möller haben gleich mehrere Rollen in den sechs Geschichten inne.

Bei diesen Hörspielen merkt man deutlich die Entwicklung, die das Medium in den letzten Jahren durchgemacht hat. Zwar ist auch hier alles recht sauber zusammengesetzt und stimmig untermalt, die Geräusche wirken aber immer eine Spur zu plakativ. Musik ist nur spärlich eingesetzt und klingt ebenfalls eher schlicht, entwickelt dabei aber immerhin eine eigene Identität. Insgesamt eine durchaus charmante Umsetzung.

Was vielen zuerst zu Lucky Luke einfallen dürfte, ist der Spruch, dass er schneller als sein eigener Schatten schießt. Genau dieses Motiv ist vor rotem Hintergrund mit klaren Formen im typischen Comicstil der Serie umgesetzt. Die drei CDs befinden sich in einer dicken Plastikbox mit einem kleinen Booklet, das die wichtigsten Informationen zur Produktion, im Inneren aber auch ein weiteres Motiv aus den Comics und eine kleine Trackübersicht bietet.

Fazit: Schön, dass die Hörspiele wieder erhältlich sind, da sie unterhaltsam und kurzweilig geraten sind. Die kurzen Geschichten mit der oft temporeichen Entwicklung und einer großen Portion Action sind charmant umgesetzt und sind bestens zum Abschalten geeignet, aber auch Kinder werden ihre Freude an den sechs recht kurzen und prägnanten Geschichten haben. Die Atmosphäre des Wilden Westens kommt dabei immer gut zur Geltung.

VÖ: 8. März 2019
Label: Karussell
Bestellnummer: 0602577170676


Kleine Hexe Klavi Klack – Box 2



Pünktlich zur Mitternachtsstunde muss die kleine Hexe Klavi Klack als Spukgespenst Menschen heimsuchen – beispielsweise den gemeinen Ladenbesitzer Ede Schlitzohr. Doch was machen, wenn man doch mitten am Tag aufwacht oder sich etwas schlapp fühlt. Klavi Klack sucht dann die Hilfe anderer Menschen auf, doch muss immer wieder feststellen, dass nicht jeder mit offenen Karten spielt...

Von „Die kleine Hexe Klavi Klack“ sind Anfang der 80er Jahre acht Folgen entstanden und vorrangig auf LP und Kassette erschienen. Bei Maritim ist aber auch 30 Jahre später eine CD-Version in zwei Boxen erschienen, wobei auch in der zweiten Box vier Folgen auf drei CDs enthalten sind. Und immer wieder trifft Klavi Klack dabei auf Erwachsene, die sich falsch verhalten: Sie lügen, sind geizig oder sind einfach gemein zu ihren Mitmenschen. Klavi Klack weiß dies dank ihrer magischen Fähigkeiten meist schon vorher und stellt mit ihrer vorlauten Art entlarvende Fragen, fühlt ihnen auf den Zahn und erreicht damit meist, dass sie ihr Fehlverhalten einsehen oder zugeben. Besonders gut gefällt mir aber, dass es damit eben nicht zu Ende ist, sondern meist auch erklärt wird, dass das Handeln eine Ursache hat – und das ohne zu verschweigen, dass ihr Verhalten eben doch falsch war. Die einzelnen Episoden sind dabei meist voneinander getrennt und berühren sich nur in den Übergängen, in denen Klavi Klack von Ort zu Ort reist. Deswegen hat mir die dritte Episode besonders gut gefallen, da am Ende ein Bogen zwischen den kleinen Geschichten geschlagen wird. Die vierte Episode mit den verlassenen Tieren hingegen hängt enger zusammen, die ursprüngliche Szene zieht immer weitere Kreise. Insgesamt gefallen mir diese Folgen sogar noch etwas besser als die ersten vier, sodass mich diese Box sehr überzeugt hat.

Ursela Monn ist als Klavi Klack ganz wunderbar und legt viel Charme in ihre Stimme. Sie ist vorlaut, aber auch verständnisvoll, immer ein bisschen frech, manchmal sogar eine Spur arrogant, ist aber eben auch immer sympathisch und schafft so eine tolle Figur, die nicht nur Kinder auf ihre Seite zieht. Klaus Dittmann ist in verschiedenen Rollen zu hören und kann sowohl die anfängliche streitlustige Art als auch die spätere Zerknirschtheit seiner Charaktere sehr plakativ und treffend darstellen. Auch Gabriele Libbach ist in mehreren Rollen zu hören, auch sie greift die verschiedenen Stimmungen gekonnt auf und sorgt für einen lebendigen Ausdruck. Weitere Sprecher sind Edith Teichmann, Michael Maertens und Michael von Rospatt.

Der Titelsong der Serie wird in der gleichen schnodderigen Art gesungen, wie Ursela Monn die kleine Hexe spricht und bleibt mit der fröhlichen Melodie schnell im Ohr. Ansonsten sind die Szenenübergänge mit kleinen Heimorgel-Stücken gestaltet, während der Hintergrund mit vielen Geräuschen ausgestattet ist – nicht immer passend und manchmal etwas drüber, aber insgesamt gelungen.

Die Aufmachung der Box ist sehr schlicht geraten, auch die sehr dicke Plastikhülle nimmt recht viel Platz im Regal weg. Die Cover der Original-LPs sind hier abgebildet und werden durch einen etwas merkwürdigen Hintergrund und den einfachen Schriftzug ergänzt, während das beiliegende Booklet nur die wichtigsten Informationen enthält und nicht sehr ansehnlich gestaltet.

Fazit: Vier Folgen mit sehr vielen Episoden um Klavi Klack, die dabei meist die Untaten von Erwachsenen enthüllt, ihnen eine kleine Strafe angedeihen lässt, aber auch vergeben kann, sofern Besserung gelobt wird. Das macht Spaß und ist vielfältig geraten, wobei besonders die letzten beiden Folgen mit den enger zusammenhängenden Episoden punkten können. Schön, dass es diese Serie wieder zu kaufen gibt!

VÖ: 3. Juni 2016
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-945624-54-8


H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens – Box 2: Der Schatten über Innsmouth und andere Horrorgeschichten



Ein junger Mann unternimmt eine Reise durch Neuengland, um Land und Leute kennenzulernen. Dabei strandet er auch in der verfallenen Hafenstadt Innsmouth, die schnell eine düstere Faszination auf ihn ausübt. Doch je länger er in der kleinen Stadt verweilt, desto mehr erfährt er über den Schrecken, den die Bewohner freiwillig auf sich genommen haben...

H.P. Lovecraft hat einen riesigen Fundus an Geschichten hinterlassen, dessen düstere und bedrohliche Stimmungen immer wieder deutlichen Einfluss auf die moderne Pop-Kultur. Folgenreich hat von der ihm gewidmeten Reihe „Bibliothek des Schreckens“ eine zweite Produktion veröffentlicht, die viele weitere Vertonungen seiner Geschichten enthält. Den größten Teil nimmt der titelgebende „Schatten über Innsmouth“ ein, der als inszenierte Lesung umgesetzt sind. Einige Rollen sind dabei verteilt, doch da die Erzählung an sich schon eher als Bericht, als Monolog umgesetzt ist, wirkt es doch eher wie ein Hörbuch mit einigen geschickt eingebundenen Geräuschen. Doch man kann sich sehr gut auf Lutz Riedel einlassen, der die Stimmung sehr intensiv wirken lässt und den steigenden Schrecken gekonnt umsetzt. Anschließend gibt es noch über eine halbe Stunde an Hintergrundinformationen über die Novelle, die ebenfalls sehr lebendig und interessant aufbereitet wurden. Mit etwa drei Stunden und 20 Minuten ist auf der ersten MP3-CD noch „Das Flüstern im Dunkeln“ an, wobei David Nathan als Erzähler ebenfalls eine sehr packende Atmosphäre schafft, zumal wieder ein ganz anderes Szenario aufbaut, das eine ganz andere Facette von Lovecrafts Schaffen zeigt. Muriel E. Eddys persönliche Erinnerungen an Lovecraft nehmen eine weitere halbe Stunde ein und sorgen für eine Annäherung an den Autor selbst. Die zweite CD bietet die komplette Geschichten-Sammlung „Jäger der Finsternis“ mit sechs weiteren Lesungen, die mal unter einer halben Stunde, mal knapp 120 Minuten laufen und an ganz unterschiedlichen Punkten ansetzen. Auch hier werden sehr starke, einprägsame Szenerien aufgebaut, die mit vielen Details ausgeschmückt sind und als Lesungen sehr gut funktionieren.

David Nathan ist mit seiner markanten Stimme eine Bereicherung für diese Produktion, er schafft es, die verschiedenen Stimmungen einzufangen und immer weiter auszubauen, wobei er auch die vielen Feinheiten der Geschichten gekonnt betont. Lutz Riedel spricht die Titelgeschichte sehr düster und dräuend, konzentriert sich immer voll auf den Moment, baut aber dabei auch den Spannungsbogen gekonnt auf. Gefreut habe ich mich sehr über die wunderbare Dagmar Berghoff, die Muriel E. Eddys Erinnerungen an den Autor sehr lebendig und betont spricht, was mir sehr gut gefallen hat. Auch Nana Spier, Torsten Michaelis und Frank Gustavus sind zu hören.

Die beiden MP3-CDs befinden sich in einem stabilen und ansehnlichen Digipack, welches natürlich ziemlich düster gestaltet und eher nüchtern gehalten ist. Neben dem Logo der Serie mit den beiden Totenschädeln gibt es keine weitere Zeichnungen, sodass das Cover fast schwarz mit nur wenigen Verzierungen am Rand spärlich geraten ist. Im Inneren gibt es eine übersichtliche Trackliste, sodass man die einzelnen Geschichten schnell wiederfindet.

Fazit: Diese Sammlung bietet zahlreiche unterschiedliche Geschichten, mal abendfüllend, mal als Kurzgeschichte, aber immer wird eine sehr düstere und bedrohliche Stimmung erzeugt. Die Lesungen sind mit starken Stimmen besetzt, die die jeweilige Atmosphäre sehr intensiv umsetzen. Gekonnt ergänzt durch zwei andere Texte bekommt man noch viel Hintergrundwissen über den Autor und sein Werk.

VÖ: 1. März 2019
Label: Folgenreich
Bestellnummer: 0602577308826


Northanger Abbey



Die verträumte Catherine Morland liebt die unheimlichen Schauergeschichten der großen Autoren ihrer Zeit, von Geistern, Schlössern und der großen Liebe. Umso erfreuter ist sie, als sie von ihrer neu gewonnenen Freundin Isabella Thorpe in ein solches Gemäuer eingeladen wird, um dort ein paar unbeschwerte Tage zu verbringen. Doch die ersten Liebesbanden stehen bald zwischen den beiden jungen Frauen...

Jane Austens Roman ist immer noch ein viel geliebter Klassiker und eine sanfte Persiflage auf die Geschichten der Schauerromantik. Genau diese Vorlage wurde nun von hr2 als aufwendiges Hörspiel umgesetzt, was atmosphärisch und lebendig geraten ist. Hauptfigur Catherine Morland wird mit ihrer liebenswerten Naivität und dem Hang zur leichten Überdramatik sehr gekonnt in den Mittelpunkt gerückt und sorgt für einen lebendigen Ausdruck der Handlung, wobei eben auch die unheimlichen Momente für Abwechslung sorgen. Die dann vorherrschende Stimmung wird intensiv und mit leisem, gut inszenierten Grusel versehen und oft mit einem Augenzwinkern aufgelöst. Es ist genau diese Kombination aus den Verwirrungen eines Teenagerlebens mit ihren ersten zarten Banden innerhalb einer Gruppe Gleichaltriger und den kleinen Gruselelementen, kombiniert mit einem sehr gelungenen Eindruck der damaligen Zeit mit gesellschaftlichem Dünkel sorgt für eine ausdrucksstarke Stimmung. Die Handlung konzentriert sich dabei immer voll auf die jeweilige Szenerie, in der sich Catherine befindet, die sich gekonnt miteinander verbinden und so eine dynamische Szenerie erschaffen. Dabei werden meist die geschliffenen Dialoge der Autorin umgesetzt, aber auch einige längere Erzählpassagen um Catherines fantasievolle Gedankenwelt sind sehr treffend und atmosphärisch umgesetzt. Die wunderbare Stimmung des Romans wird sehr gekonnt auch auf das Hörspiel übertragen und mit der sehr respektvollen Umsetzung vor dem Werk und den Figuren zum Leben erweckt. Eine sehr hörenswerte Produktion, die ich sehr gerne gehört habe.

Die Hauptfigur Catherine Morland wird von Anna Drexler sehr gelungen und lebendig umgesetzt, die sowohl ihre zarte und unsichere, aber auch die etwas überspannte Art mit feinen Facetten in der Stimme umsetzt und sich sehr variabel an die jeweilige Szenerie anpasst. Isabella Thorpe wird von Anne Müller gesprochen, die ihre Rolle ebenfalls mit viel Leben füllt und die Stimmung des Hörspiels dabei gekonnt aufgreift. Erzähler Ulrich Noethen geht sehr gut auf die Gefühlswelt der jungen Figuren ein und schafft mit seiner ruhigen Art sehr gezielt und treffend verschiedene Atmosphären, wobei er auch in den längeren Passagen die Spannung aufrechterhält. Weitere Sprecher sind Max Bretschneider, Julius Foster und Robert Dölle.

Die akustische Gestaltung des Hörspiels ist sehr eingängig und atmosphärisch geraten, was insbesondere durch die stimmungsvolle Musik unterstrichen wird. Oft sind es Streicherarrangements, die die Dialoge voneinander trennen oder während der Erzähltexte zu hören sind, aber auch vielfältige Geräusche und glaubwürdige Halleffekte für die Stimmen sind treffend eingebaut, die die Szenerien in den alten Gemäuern zum Leben erwecken.

Die wunderschöne Aufmachung, die der Hörverlag dem Hörspiel auf den Leib geschneidert hat, ist durch die Bindung wie in ein kleines Buch sehr hochwertig umgesetzt. Dafür sorgt auch die Goldfolie, die das Cover ziert, die dicke und stabile Pappe sowie das umfangreiche, eingeklebte Booklet mit einem sehr ausführlichen Einleitungstext und vielen Zeichnungen und Fotos.

Fazit: Die ausführliche Umsetzung der bekannten Vorlage von Jane Austen ist mit fein verwobenen Stimmungen und vielseitigen Szenerien umgesetzt, sodass die Liebesverwicklungen ebenso treffend umgesetzt sind wie die unheimlichen Momente und das Erwachsenwerden der Charaktere. Die Handlung entwickelt sich gekonnt und unterhaltsam über verschiedene Stationen weiter, zumal auch die Umsetzung des hr2 sehr gelungen ist.

VÖ: 14. Oktober 2019
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 9783844534498


Task Force Hamm II



Ruhm erntet man nicht gerade bei der Polizei in Hamm, zu verschlafen ist die Stadt, um wirkliche Verbrecher anzuziehen und für brutale Morde ist Hamm auch nicht gerade bekannt. Latotzke will aber wenigstens eine Gehaltserhöhung und übernimmt deswegen den Fall um einen ermordeten Mann, bei dem nur ein Laptop der Hinweisfindung dient. Er erhofft sich eine gute Bewertung von Vorderbäumen, der wiederum undercover in ein Altenheim einzieht...

Der sonntägliche Tatort in der ARD hat längst Kultstatus erlangt und fesselt Millionen von Zuschauern vor dem Fernseher. Als eigens produziertes Hörspiel mit eigenen Fällen hat die Krimireihe diese Popularität noch längst nicht erreicht, was die Veröffentlichung von weiteren sechs Episoden von „Task Force Hamm“ vermutlich nicht ändern wird – ein Schritt in die richtige Richtung ist es allemal. Und auch wer die erste Staffel nicht kennt, wird schnell in die Szenerie hineinfinden – die Figuren sind in jeder der sechs Folgen sehr prägnant dargestellt, sodass man sofort mit ihnen warm wird. Der Tonfall ist eher heiter, die Figuren foppen sich mit Vorliebe gegenseitig, es gibt Streitereien und Hassliebe zwischen den Ermittlern, was immer treffend in Szene gesetzt wurde. Es gibt dabei in jeder Folge verschiedene Schwerpunkte, sodass jeder der Charaktere mal im Mittelpunkt steht. Das wirkt lebendig und sorgt für zahlreiche Lacher, auch wenn die Figuren ab und an etwas überzogen wirken – allein der Dialekt ist beispielsweise etwas „drübba“. Neben diesen atmosphärischen Elementen gibt es natürlich auch Kriminalfälle zu lösen, und diese punkten mit einigen sehr guten Einfällen. Seien es die vielen eingebauten Chatnachrichten in „Dead Link“, der herrlich ironische Einsatz von Vorderbäumen samt nicht ganz logischer Schlussfolgerungen oder die vielen Reminiszenzen an klassische Krimis in „Cascabel“ - jede Folge ist sehr individuell gestaltet. Auch wenn die Fälle nicht sonderlich komplex sind, die Erzählweise sehr gradlinig ist und auf solche „Kinkerlitzken“ wie falsche Fährten kaum Wert gelegt wird, haben sie immer einen kleinen eingebauten Dreh, eine treffende Wendung, die „Task Force Hamm“ sehr eigenständig macht. Ein wenig Hang zu schrägen, humorbetonten Krimis sollte man schon haben, dann sind die sechs hier vorhandenen Episoden mit einer Laufzeit von immerhin über fünf Stunden aber ziemlich unterhaltsam.

Niemand anderes als Uwe Ochsenknecht übernimmt die Rolle des Kommissar Scholz, womit das Hörspiel der prominenten Besetzung der Fernseh-Tatorte in nichts nachsteht. Mit lockerer Sprechweise und humorigem Unterton schafft er einen sehr gelungenen Charakter, der sowohl im Fokus als auch im Hintergrund bestens funktioniert. Hans-Peter Hallwachs ist in der Rolle des Vorderbäumen sehr gut aufgehoben und hat hörbaren Spaß an dem Dienststellenleiter mit dem Hang zum einfachsten Weg, was sich schnell auch auf den Hörer überträgt. Sönke Möring bringt die Figur des Latozke ebenfalls auf den Punkt und unterstreicht die unterhaltsame Ausstrahlung der Handlung mit vielen witzigen Momenten. Weitere Sprecher Matthias Leja, Jasmin Schwiers und Serdar Somuncu.

Auch akustisch heben sich die Radio-Tatorte deutlich von den kommerziellen Hörspiel-Produktionen ab und gehen gerade in den Details oft andere Wege. Die Chatnachrichten in der ersten Episode sind mit zahlreichen elektronischen Geräuschen unterlegt, die Musik wirkt unangepasst und individuell, die Szenen wirken mal kühl und werden nur wenig untermalt, dann kommen wieder viele Geräusche zusammen – aber gut auf die Handlung abgestimmt ist es eigentlich immer.

Das gezeichnete Cover zeigt einen Mann am Steuer, während im Hintergrund ein Auto dem Ortsschild Richtung Hamm folgt. Auch das wirkt eher unangepasst, was durch die dicken, gelben Lettern auf schwarzem Untergrund noch unterstrichen wird. Die MP3-CD findet sich in einem etwas höheren Digipack wieder, wobei die einzelnen Folgen im Inneren neben den jeweiligen Sprechern auch eine kurze Inhaltsangabe verpasst bekommen haben.

Fazit: Der Tatort funktioniert als Hörspiel hier deutlich anders als die Filme, witziger, lockerer und auch nicht so komplex und vielschichtig. Die Charaktere machen Spaß, die Fälle bietet interessante Ansätze, die Umsetzung ist modern und unkonventionell. Und dann kommt noch jede Menge Lokalkolorit hinzu, sodass Hamm vielleicht auch in Zukunft nicht der place to be ist, aber hier gut zur Geltung kommt.

VÖ: 20. Mai 2019
Label: Schall & Wahn
Bestellnummer: 9783837143492


Tod unter Gurken 2



Der Hobbydetektiv Friedrichsberg und seine Freunde sind in einer dunklen Nacht aneinander gefesselt und beobachten einen Serienmörder, der gerade ihre Gräber aushebt. Doch besonders der schwergewichtige Friedrichsberg ist davon überzeugt, dass sie dem Irren entkommen werden und erinnert seine Freunde daran, welche Fälle sie schon gemeinsam gelöst haben...

„Never change a running system“ dachte sich auch Kai Magnus Sting, als er von seinem erfolgreichen Hörspiel „Tod unter Gurken" einen zweiten Teil produziert hat. Auch dieser ist natürlich wieder beim Hörverlag erschienen und punktet mit der gleichen Sprecherriege wie der erste Teil. Natürlich gibt es auch hier wieder charmante Oldschool-Krimis, an der Erzählweise hat sich allerdings doch etwas verändert. So gibt es eine Rahmenhandlung, die einen weiteren skurrilen Fall für den Hobbydetektiven Friedrichsberg darstellt und in einer nächtlichen Szenerie eine schier ausweglose Situation für ihn bereithält. Dass er diese wieder mit Witz und Scharfsinn löst, ist kaum verwunderlich, die Art und Weise wie dies geschieht, ist allerdings bemerkenswert und das macht schließlich auch den Reiz dieser Produktion aus. Denn auch die anderen hier präsentierten Fälle überzeugen mit sehr ungewöhnlichen Ansätzen und Themen, die ziemlich verdreht und verschroben wirken. Als Beispiel genannt sei ein Kongress von Kannibalen, bei dem der berentete Friedrichsberg zufällig landet und die Teilnehmer mit seinen wortgewaltigen Argumentationsketten völlig durcheinander bringt. Das ist auf den Punkt gebracht und sehr witzig, mit vielen frechen Sprüchen unterhaltsam geraten und bringt Schwung in das Genre. Und das auch, obwohl die Erzählweise durchgängig recht langsam ist und die Betonung auf den einzelnen Szenen liegen, nicht auf einem großen Zusammenhang. Die häppchenweise Darbietung dieser Szenen gefällt mir ebenfalls sehr gut, da durch die kurze Laufzeit der einzelnen Episoden der Reiz nie verloren geht. Dieser zweite Teil von „Tod unter Gurken" hat bei mir sogar noch etwas mehr gezündet als der Erste.

Die vier Sprecher machen auch hier wieder ihre Sache ganz hervorragend, wobei Jochen Malmsheimer in der Hauptrolle bis Friedrichsberg den größten Part hat und den robusten Rentner mit viel Charme, dem Hang zu großen Reden und einer wär prägnanten Sprechweise ausstattet. Bastian Pastewka sprüht wieder nur so vor Witz und seiner ganz eigenen Ausstrahlung, wobei besonders gut ist, wenn seine verschiedenen Charaktere einen verdatterten Ausdruck haben. Die wunderbare Anette Frier schlüpft mühelos in die unterschiedlichen Frauenrollen, mal streng oder zurückhaltend, mal extrovertiert und witzig, aber immer sehr treffend und vor allem humorvoll. Kai Magnus Sting ist ebenfalls in einigen Nebenrollen zu hören, auch er überzeugt mit seinen lebendigen Einsätzen.

Bei diesem Hörspiel kommt es vor allem auch die witzigen Momente und die schrägen Dialoge an, aber auch die akustische Umsetzung kann überzeugen. Die verschiedenen Szenerien werden mit effektiven Mitteln umgesetzt, sodass sowohl das nächtliche Begräbnis als auch der Kongress und die anderen Umgebungen gut zur Geltung kommen. Musik ist ab und an auch vorhanden und punktet dann mit zur Stimmung passenden Melodien.

Das Cover ist im gleichen Stil wie der erste Teil gehalten, sodass der Zusammenhang schnell deutlich wird. Wieder ist im Hintergrund eine Spirale aus gedeckten Farben zu sehen, während der Schriftzug in einem Banner von einem wilden Schwein geziert wird. Die mitwirkenden Sprecher sind neben einer Zeichnung der Hauptfigur auf sympathischen Fotos abgebildet. Der positive Eindruck zieht sich auch durch die restliche Gestaltung.

Fazit: Der zweite Teil von „Tod unter Gurken“ ist vielleicht noch einen Hauch skurriler und flüssiger erzählt als der erste, sodass er mir sogar noch besser gefallen hat. Ausdrucksstarke Charaktere und markante Szenerien sorgen dabei für ungewöhnliche Unterhaltung und einen flüssigen Verlauf, wobei die vielen witzigen Momente sehr gut zur Geltung kommen. Die Leistung der gerade einmal vier Sprecher in vielen verschiedenen Rollen ist dabei sehr lobenswert!

VÖ: 18. März 2019
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 9783844531824


Die Maschine steht still



Wie auch der Rest der Menschheit lebt Vashati in einer kleinen Zelle im Inneren der Maschine, die sich unter der Oberfläche der Erde erstreckt. Die Kommunikation mit anderen Menschen erfolgt vor allem über ein gigantisches Datennetzwerk, sodass sie ihre Zelle seit der Geburt ihres mittlerweile erwachsenen Sohnes Kuno nicht mehr verlassen musste. Als dieser beginnt, die Maschine zu hinterfragen, kommen auch bei Vashati Zweifel auf...

Der Roman „Die Maschine steht still“ stammt aus dem Jahr 1908, das nun eine Hörspielversion des NDR von dem erst kürzlich wiederentdeckten Werk produziert wurde, ist also eher ungewöhnlich – der ganz große Erfolg ist dem Werk ja nicht gelungen. Doch der dystopische Ansatz der Handlung hat im heutigen Kontext noch einmal eine ganz andere Wirkung und ist in Zeiten immer größerer Digitalisierung aktueller denn je. Die Handlung ist zu Beginn noch sehr langsam und ließe sich in wenigen Worten zusammenfassen, dafür gibt es einen sehr intensiven Eindruck von der Maschine und Hauptfigur Vashanti, deren Emotionen die sich veränderten Bedingungen des menschlichen Lebens sehr deutlich machen. Der fast komplett eingestellte zwischenmenschliche Kontakt, die völlige Abhängigkeit von der Maschine und die sinkende Menschlichkeit sind in vielen erschreckenden Äußerungen dargestellt. Mit dem Aufeinandertreffen mit ihrem Sohn Kuno und seinen Berichten bekommt die Handlung noch einmal einen neuen Dreh und erlaubt einen weiteren Blick auf die düstere Szenerie. Hinter allem steht natürlich ein noch größerer Knackpunkt, eine Bedrohung, die ebenso in der langsamen und auf den Moment bedachten Erzählweise vermittelt wird. Die technisierte Sprache, der Verlust der Individualität und die merkwürdig emotionslosen Menschen sorgen für eine Distanz des Hörers zu den Charakteren, ob man mit ihnen mitfiebert, von ihnen angeekelt ist oder Mitleid empfindet, wird wohl sehr unterschiedlich wahrgenommen. Das Ende führt unweigerlich zu einem Punkt, den man schon vorher präsentiert bekommt (und ja auch schon im Titel angedeutet wird), was ihr jedoch nichts von ihrer Intensität nimmt. Der philosophische Ansatz, die ausdrucksstarke Wortwahl, die ungewöhnliche Szenerie - „Die Maschine steht still“ ist bei weitem keine Massenware, sondern eine aufrüttelnde Produktion, die einen sehr fremdartigen Ausdruck hat.

Susanne Sachse übernimmt als Vashati eine der wichtigsten Rollen der Handlung und macht den neuen Typus Menschen begreifbar, lässt Empörung und Distanziertheit herausklingen und lässt ihre abgeflachte Gefühlswelt gekonnt zur Geltung kommen. Ihr Sohn Kuno wird von Rafael Stachowiak gesprochen, der sehr eindringlich klingt und so die Szenerie des Hörspiels unterstreicht. Sein Bericht lässt den Schrecken der Handlung ebenso wie seine tiefe Enttäuschung aufleben. Als Erzähler ist Achim Buch zu hören, der sich auf die technisierte Ausdrucksweise des Hörspieles einlässt, aber auch kommentierend und beurteilend einen sehr guten Eindruck hinterlässt. Weitere Sprecher sind Susanne Reuter, Jörn Rüter und Josef Ostendorf.

Akustisch wird eine sehr beeindruckende Gestaltung geboten, eine stetige Geräuschkulisse vermittelt einen eingängigen Eindruck vom Leben in der Maschine. Auch die teils doppelten Stimmen und Verzerreffekte sind im Einsatz, was sehr vielfältig wirkt. Die Musik ist absolut ungewöhnlich und kombiniert mechanische Technoklänge mit hektischem Sprechgesang, andererseits aber auch harmonische Choralgesänge im Stil von Kirchenmusik. Das alles ist sehr eindringlich geraten und verpasst der Produktion einen sehr individuellen Klang, wodurch die Geschichte gekonnt unterstrichen wird.

Der Audio Verlag hat die CD-Version zu dem Hörspiel veröffentlicht und dazu ein stabiles Digipack gewählt, das auf dem Cover die vielen unterirdischen Waben mit kühlen Blautönen andeutet, während oben ein schmaler Bereich von einer stilisierten Sonne beherrscht wird - ein passenderes Cover hätte ich mir kaum vorstellen können. Im Inneren gibt es noch ein umfangreiches Booklet mit vielen weiteren Informationen und Fotos.

Fazit: „Die Maschine steht still“ ist keine leichte Kost, aber dennoch unbeschwert zu hören. Die Handlung ist auf ein Minimum eingedampft und konzentriert sich ganz auf den Moment, die Szenerie um die Maschine und das Leben in ihr. Dennoch ist ein hoch spannendes Werk entstanden, das die dystopischen Ansätze gekonnt betont und sehr eindringlich umgesetzt ist, wobei die überbordende Geräusch- und Musikkulisse sehr eigenständig wirkt. Ein künstlerisch wertvolles Hörspiel!

VÖ: 23. August 2019
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742409737


Das hässliche junge Entlein (Livekonzert)



Eine Entenmutter brütet sorgfältig ihre Eier aus, auch wenn ihr bereits auffällt, dass eines deutlich größer ist als die anderen. Auch als eben jenes Ei deutlich länger braucht, bis das Küken schlüpft, lässt sie sich nicht beirren. Als ihr Kind viel größer und unförmiger ist als ihre anderen Küken, verteidigt sie es vor den anderen Enten. Das hässliche junge Entlein hat irgendwann genug von dem bösartigen Spott...

Eine Konzertreihe mit dem WDR Big Band Orchester hat sich eine Reihe treuer Zuschauer (und Zuhörer) erarbeitet und ist dabei nicht nur bei Kindern, sondern wegen des musikalischen Anspruchs auch bei deren Eltern sehr beliebt. Beim Audio Verlag ist nun die Aufzeichnung eines dieser Live-Konzerte auf CD erhältlich, welche das bekannte Märchen von Hans Christian Andersen "Das hässliche Entlein" zum Inhalt hat. Zunächst wird aber vom Moderator, einem verrückten Professor, und seiner Assistentin eine lange Einführung geboten, die sich erst einmal nicht direkt dieser Geschichte widmet. Wer die beiden dargestellten Figuren kennt, wird sicherlich seine Freude an diesem Intro haben, etwas von dem Charme geht aber verloren, wenn man die Optik des Professors nicht vor Augen hat. Auch so wird aber gekonnt und mit einer gut erklärten Weisheit auf die Handlung eingestimmt. Der Hauptteil ist dann eine Mischung aus Konzert, Lesung und Spielszenen, die manchmal etwas sperrig wirkt und die Handlung oft gebremst wirken lässt, aber eben auch einen ganz eigenen Reiz entfaltet. Die Geschichte an sich ist ja meist eher traurig bis deprimierend, da das kleine Küken so viel Ablehnung verspürt, durch seinen Lebenswillen, die Freude auch an kleinen Dingen und einige eingebaute Gags wird dieser Eindruck aber immer wieder aufgelockert.

Dominik Freiberger übernimmt bei diesem Konzert zahlreiche Rollen und auch die Erzähltexte, die er locker und mit viel Charme präsentiert. Dabei zeigt er sich als echter Stimmkünstler und schlüpft mühelos in die unterschiedlichen Stilistiken, sodass eine lebendige Stimmung erzeugt wird. Doch auch alle anderen Sprecher machen ihre Sache hier richtig gut und lassen die kleine Geschichte für die Zuhörer lebendig werden.

Die Musik spielt hier natürlich eine sehr große Rolle - allein schon, weil sie so häufig zum Einsatz kommt. Die Stimmung wird dabei immer wieder gekonnt aufgegriffen und mal in kleinen Musikschnipseln, mal in längeren Passagen gekonnt ausgeweitet. Der Big Band Sound ist wohl gerade für Kinder etwas gewöhnungsbedürftig, aber gerade darum geht es bei diesem Projekt ja auch: Kindern durch die Kombination mit einer Geschichte für die Musik zu begeistern.

In klaren Formen ist das Cover gestaltet, das sehr stilisiert das Entlein inmitten eines Teiches zeigt, aber auch einen fliegenden Schwan im Hintergrund vor der untergehenden Sonne. Ob die gedeckten Farben und der ungewöhnliche Look für Kinder sonderlich ansprechend sind, bezweifle ich, qualitativ ist da Digipack aber gewohnt hochwertig – und das Cover ist ja nicht das einzige, bei dem hier neue Wege gegangen werden.

Fazit: Eine sehr besondere Neuinterpretation des bekannten Märchens, das locker erzählt ist und die traurigen Aspekte der Vorlage auch viele heitere Momente bietet. Die Musik als wichtigstes Stilelement ist sehr gelungen und bringt klassische Klänge, die so auch für die kleinen Zuhörer ihren Reiz bekommen. Eine hörenswerte Produktion, auch wenn man die bisherigen Teile noch nicht kennt.

VÖ: 24. Mai 2019
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742409034


Odyssee



Odysseus bricht von seiner Heimat Ithaka auf, lässt Frau und Kind zurück, ahnt aber noch nicht, dass seine Heimreise viele Jahre dauern soll. Immer wieder strandet er auf fremden Inseln, begegnet Zyklopen und Zauberinnen, trifft auf gefährliche Ungeheuer und muss sogar bis hinab in die Unterwelt steigen. Und auch seine Mannschaft sorgt für so einigen Aufruhr...

Die Odyssee ist eines der bekanntesten Werke der griechischen Mythologie und eine der wichtigsten Quelle für die Götter- und Heldensagen des Altertums. Doch daneben ist es auch eine sehr spannender und unterhaltsamer Mythos, der nichts von seiner Faszination verloren hat. Beim Audio Verlag ist nun ein klassisches Radiohörspiel des SWR2 erschienen, das genau diese Geschichten vertont hat und mit über drei Stunden Laufzeit recht umfangreich geraten ist – was für die Menge an präsentierten Episoden noch ziemlich wenig ist. Und so ist der Erzähler hier im Dauereinsatz, erzählt beispielsweise die Sage vom trojanischen Pferd fast allein und erhöht so zwar das Tempo, was aber leider etwas auf die Stimmung der Folge geht. Das Ganze wirkt deswegen stellenweise etwas nüchtern erzählt und bekommt einen hölzernen Ausdruck. Doch immer wieder gibt es auch Spielszenen, in denen die vielen Sprecher deutlich mehr zu tun haben und den Fokus so auf einzelne Elemente der langen Erzählung legen. So ist der Aufenthalt bei Circe recht ausführlich und stimmungsvoll geraten, aber auch die recht kurze Begegnung mit den Sirenen ist sehr gelungen umgesetzt worden. Beim Hören hilft es schon, eine Grundahnung der griechischen Mythologie zu haben, allein um die vielen Götternamen schnell einordnen zu können. Denn diese greifen immer wieder ins Geschehen ein, auch wird von ihren Eskapaden oder dem Spiel mit den Menschen berichtet. Der umfangreiche Bericht seiner langen Seereise wird natürlich mit seiner Rückkehr nach Ithaka und den damit verbundenen Herausforderungen beendet, für die noch einmal genügend Zeit eingeplant wurde, um dieses richtig zur Geltung kommen zu lassen. Die manchmal etwas gemächliche Erzählweise, die dann wiederum andere Episoden in einem schnellen Tempo durchpflügt, mal etwas aus der Zeit gefallen sein, mir hat das Hörspiel dennoch viel Freunde gemacht.

Eine Vielzahl unterschiedlicher Sprecher ist hier zu hören, die vom einfachen Bauern bis zur mächtigen Göttin eine große Bandbreite präsentieren. Nicht jeder Sprecher wirkt dabei auch authentisch oder lebendig, einige Male wirkt der Text einfach nur abgelesen. Michael Degen macht seine Sache in der Hauptrolle des Odysseus aber sehr gut, mit intensiver Betonung und stimmig intonierten Abenteuerwillen ist so seine runde Titelfigur entstanden. Gudrun-Carola Frank hat ihre Stimme der Leukothee geliehen, sie macht ihre Sache sehr solide, hätte aber ab und an mehr Energie mit einbringen können. Wilhelm Borchert hat mir als Erzähler gut gefallen, indem er der Produktion eine passende Atmosphäre verleiht. Weitere Sprecher sind. Wolfgang Breitenstein, Monika Kroll und Hans-Gerd Kübel.

Das lange zurückliegende Produktionsdatum bedingt, dass hier noch alles analog aufgenommen wurde, auch die Geräusche sind noch sehr „klassisch“ aufgenommen und recht vordergründig eingefügt. Auch die Musik ist mit klassischen Instrumenten eingespielt und nimmt einen eher geringen Anteil an der Produktion ein. Das versprüht einen sehr eigenen und nostalgischen Charme, den man mögen muss – mir hat er sehr gut gefallen.

Der Audio Verlag hat den vier CDs ein hübsches Digipack spendiert, dessen schwarze Grundfarbe kontrastreich mit weißen und roten Elementen kombiniert wurde. Das Cover zeigt dabei eine Szene mit verschiedenen Helden der Geschichte und vermittelt altertümliches Flair. Und natürlich sind im Inneren wieder einige weitere Informationen zu finden.

Fazit: Homers „Odyssee“ wird hier in einer klassischen Radioproduktion dargeboten, die sehr abenteuerlich wirkt und die verschiedenen Stationen dieser berühmten Reise gekonnt darbietet. Es gibt viele unterschiedliche Situationen, heftige Kämpfe, mystische Begebenheiten, Intrigen und Ränkespiele, was sehr lebendig umgesetzt ist. Wer tiefer in die griechische Mythologie eintauchen möchte, kann dies hier auf sehr unterhaltsame Weise tun.

VÖ: 31. Januar 2019
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742409478


Honoré de Balzac – Die große Hörspiel-Edition



Geizig und eifersüchtig über sein Vermögen wachend verkennt das Oberhaupt der Familie Grandet die Macht der Leidenschaft, die seine weltfremde Tochter Eugenie beim ersten Zusammentreffen mit ihrem Cousin verspürt... (Eugenie Grandet)
Als liebender Vater hat sich Gariot völlig dem Leben seiner Töchter gewidmet. Der ehemalige Nudelfabrikant merkt aber nicht, wie sehr das Geld auch seine privaten Beziehungen durchdrungen hat (Vater Gariot)
Lucien Chardon wird durch seine hübsche Gestalt und sein Talent als Schriftschneller zum Günstling einer Dame aus der besseren Gesellschaft. Doch als die beiden sich verlieben, droht ein Skandal auszubrechen, der ihren Ruf völlig ruinieren könnte... (Verlorene Illusionen)
Ihren angeheirateten Cousin, den Baron von Hulot, zu vernichten, seine gesellschaftliche Stellung zu schwächen und seine sexuelle Gier bloßzustellen, hat Lisbeth zu ihrer Lebensaufgabe gemacht und spinnt dafür einige Intrigen... (Cousine Lisbeth)

Honoré de Balzac hat in seinem Romanzyklus „Die menschliche Komödie“ sein Lebenswerk gesehen und über 90 Romane verfasst, um die damalige Gesellschaft möglichst facettenreich und entlarvend darzustellen. Auch heute noch gehört er damit zu den angesehensten französischen Schriftstellern, zumal seine Werke immer noch gesellschaftliche Relevanz haben. Der Hörverlag hat nun vier Hörspiele nach seinen Romanen in einer Box veröffentlicht, von denen drei vom Deutschlandfunk stammen und aktuelle Produktionen sind, aber auch aus dem Jahr 1971 ist eine Umsetzung zu hören.
„Eugenie Grandet“ widmet sich dabei vor allem der Tochter aus reichem Hause, die von ihrem Vater streng bewacht weltfremd und ohne eigenes Leben aufwacht. Dass sie sich davon nicht erholt und nie so recht ins wahre Leben findet, ist ebenso ein Kernelement wie die Erkenntnis, das Geld allein eben nicht glücklich macht. Die Umsetzung konzentriert sich sehr auf die Sprecher und die meist recht langen Dialoge. So erkennt man bald kleinste Gefühlsregungen an den Charakteren, deren unterschiedliches Auftreten für den Reiz dieser Produktion sorgt.
Diese Themen werden auch bei „Vater Goriot“ aufgegriffen, der gesellschaftliche Kontext aber stärker betont. Dadurch wird das persönliche Schicksal etwas breiter gefächert über verschiedene gesellschaftliche Schichten präsentiert. Moral sowie das Streben nach Erfolg und Ansehen werden in einen gelungenen Kontrast gesetzt. Die Umsetzung aus dem Jahr 2017 hält sich auch sprachlich eng an die Vorlage und wirkt dadurch etwas sperrig, wird in den vermittelten Emotionen aber immer wieder zugänglicher gemacht.
Die Umsetzung von „Verlorene Illusionen“ stammt aus dem Jahr 1971 und fällt deswegen ein bisschen aus dem Rahmen, ist durch die lebendige Handlung aber recht zugänglich und unterhaltsam geraten. Aufstieg und Fall der Personen liegen hier nahe beieinander, sodass sich der Hörer auf immer neue Voraussetzungen einstellen muss. Das braucht einiges an Konzentration, lohnt sich aber wegen der hintergründigen Symbolik des Werkes.
„Cousine Lisbeth“ ist das dynamischste und lebendigste Werk dieser Sammlung, die zahlreichen Eskapaden, die fein gesponnenen Intrigen und die Boshaftigkeit der Hauptfigur sorgen für einen unterhaltsamen Verlauf. Auch die eingebauten psychologischen Aspekte sind sehr reizvoll eingebaut. Die Umsetzung wirkt modern und lässt die damalige Zeit greifbar werden.

Felix von Manteuffel ist als Baron Hulot einer der vielen Sprecher in den vier Hörspielen, seine unverkennbare Stimme und seine scharfe, treffende Sprechweise sorgen für einen intensiven Eindruck seiner Figur und rücken seine Emotionen sehr nahe an den Hörer heran. Astrid Meyerfeld setzt mit ihrer Stimme als Lisbth Fischer eine beachtliche Bandbreite an verschiedenen Stimmungen sehr treffend um und spielt dynamisch mit Unterton, Schnelligkeit und Energie. Auch Peter Weis hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen, auch seine Stimme sticht positiv hervor und sorgt für einen eingängigen Ausdruck. Weitere Sprecher sind Gerd Wameling, Leonie Rainer und Peter Matic.

Der Klang aller vier Produktionen ist sehr klar, auch die Aufnahmen von 1971 kommen ohne störendes Grundrauschen aus. Die akustische Gestaltung ist hier jeweils sehr unterschiedlich, aber immer treffend gelungen. Musik und Geräusche halten sich aber eher zurück und lenken den Fokus immer auf die Sprecher und ihre Dialoge.

Die insgesamt 12 CDs finden sich in einem dicken Schuber wieder, das neben diesen noch ein umfangreiches Booklet beinhaltet. Darin sind nicht nur die Mitwirkenden an den Produktionen aufgelistet, sondern auch ein umfangreicher Begleittext von Barbara Vinken ist vorhanden, der hilft, das Gehörte besser einzuordnen.

Fazit: Eine sehr umfangreiche Sammlung, die vier Umsetzungen des Autors beinhaltet. Die scharfen Beobachtungen und die gesellschaftlichen Themen, die fein gezeichneten Charaktere kommen in jeder der Produktionen gut zur Geltung. Am besten hat mir „Cousine Lisbeth“ gefallen, das mit seinem bissigen Unterton am lebendigsten wirkt.

VÖ: 1. Oktober 2018
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2975-3


Der goldene Handschuh



Jeden Abend verbringt Fiete in der Hamburger Kneipe „Der goldene Handschuh“, wo sich der Bodensatz der Hamburger Unterschicht sammelt und Fanta-Korn trinkt. Doch neben dem Alkohol ist Fiete auch den Frauen zugetan und lockt diese in seine verdreckte Wohnung, nur um sie dann zu schlagen, zu vergewaltigen und zu Sklavinnen zu machen...

„Der goldene Handschuh“ hat in seiner Verfilmung für Furore gesorgt, einige Jahre zuvor wurde der Roman von Heinz Strunk aber bereits vom NDR als Hörspiel umgesetzt, welches nun vom Audio Verlag auf CD veröffentlicht wurde. Für Zartbesaitete ist die Geschichte dabei übrigens nichts – explizite Gewaltdarstellung, derbe Sexszenen, ein Frauenbild voller Verachtung und Fäkalsprache vermischen sich und sorgen für zahlreiche Tabubrüche. Die Handlung wird dynamisch aufbereitet, die eigentlichen Szenen werden durch einen Erzähler und Schnipsel aus einer Gerichtsverhandlung ergänzt, es gibt ein paar Zeitsprünge und schnelle Wechsel. Doch es gibt auch recht lange Szenen, in denen der Zuhörer tief in den Charakter von Fiete eindringt, seine inneren Mechanismen erkundet und dabei einen abgewrackten Trümmerhaufen entdeckt. Dieser wird durch Szenen aus seiner Kindheit und Jugend erklärt, aber keinesfalls entschuldigt. Und auch der Umgang mit den richtig heftigen Gewaltdarstellungen ist gelungen: Es wird nicht an grausigen und frauenverachtenden Details gespart, aber in neutralem Tonfall darüber berichtet – der Hörer wird dadurch gezwungen, sich selbst sein Urteil zu bilden. Sympathieträger findet man hier nirgends, höchstens Mitleid wird mit den Opfern geweckt. Die Handlung ist nicht sonderlich ausgeprägt, sondern geht nur langsam voran, was den Blick auf psychologische Feinheiten erlaubt. Es bleibt ein sehr heftiger Eindruck, der noch durch die Erkenntnis verschärft wird, dass die Handlung auf wahren Begebenheiten basiert.

Das Sprecherensemble widmet sich dem anspruchsvollen Stoff mit Feingefühl und ohne Scheu vor unprätentiösen Figuren. Lars Rudolph steht als Fiete im Mittelpunkt und verleiht seiner Figur unglaublich viele Facetten – von seinen Gewalt- und Machtphantasien über die bodenlose Enttäuschung über das Leben bis hin zu seiner Gleichgültigkeit menschlichem Leben gegenüber ist das sehr packend und nuanciert geraten. Ulrike Krumbiegel ist als Gerda, eines seiner Opfer zu hören, auch sie spricht sehr detailreich, weckt aber auch keinerlei Sympathie für ihre Figur, was den Reiz des Hörspiels noch weiter erhöht. Christoph Romanek setzt mit scharfer, schneidender Stimme als Rechtsanwalt in der Gerichtsverhandlung ein deutliches Gegengewicht und kommentiert die Vorgänge mit viel Wucht. Weitere Sprecher sind Sebastian Rudolph, Katja Brügger und Elga Schütz.

Kontrastreich geht es bei der akustischen Umsetzung zu, die oft den Fokus ganz auf die Dialoge legt und lediglich einige passende Geräusche hinzufügt, dann aber auch bei den Szenen im goldenen Handschuh mit bekannten Schlagern der 70er Jahre für Abwechslung sorgt. Eine packende Herangehensweise, die die Wucht der Erzählung noch weiter unterstreicht.

„Dieses Hörspiel ist nur bedingt jugendfrei“ steht als Aufdruck auf der Rückseite des stabilen Digipacks, was meines Erachtens ziemlich tief gestapelt ist – als Film wäre zu Recht ein dicker „FSK 18“- Aufkleber vorhanden gewesen. Das Cover setzt das Motiv der Buchvorlage um und zeigt ein schwarz-weißes Porträt von Fiete auf rotem Untergrund, aus genau diesen drei Farben besteht auch die restliche Gestaltung, die noch ein Foto von Lars Rudolph bereithält.

Fazit: „Der goldene Handschuh“ wühlt tief in den Abgründen der menschlichen Seele, reiht eine Ungeheuerlichkeit an die nächste. Brutalste Gewalt, Abgestumpftheit und Allmachtsphantasien reihen sich aneinander, geben den Blick auf kaputte Seelen preis, was oft in einem überraschend neutralen Ton und dennoch sehr eindringlich geraten ist. Die Umsetzung als Hörspiel ist wegen der hervorragenden Sprecher bestens gelungen.

VÖ: 18. April 2019
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742411877


Janosch – Der kleine Tiger und der große Mut



In einer dunklen Nacht hört der kleine Tiger auf einmal ein merkwürdiges Geräusch – und es stammt nicht von dem friedlich schnarchenden Bären. Unbedingt will der kleine Tiger herausfinden, woher dieses Geräusch kommt... (Der kleine Tiger und der große Mut)
Eigentlich verbringen der kleine Tiger und der kleine Bär den ganzen Tag gemeinsam. Doch auch der Maulwurf fühlt sich manchmal einsam, weswegen der Bär einige Zeit mit ihm verbringen will. Und so bleibt dem Tiger nur, mit der Tigerente zu sprechen... (Mein Freund, die Tigerente!)

Die Geschichten von Janosch haben sich zu Klassikern der heimischen Kinderliteratur entwickelt, besonders die Figuren des kleinen Bären und des kleinen Tigers haben sich ins kollektive Gedächtnis eingeprägt. Florian Fickel hat sich nun für Oetinger Audio neue Geschichten um die beliebten Figuren ausgedacht und setzt diese als Hörspiel um, wobei der zweite Schwung mit zwei neuen CDs recht kurz nach dem Start erschienen ist – und auch diese enthalten wieder zwei kürzere Episode. Die Titelgeschichte von „Der kleine Tiger und der große Mut“ spielt sogar noch auf einige andere Geschichten des Autors an, was die große Liebe unterstreicht, mit der diese Hörspiele umgesetzt werden. Die Handlung ist natürlich wieder recht simpel geraten und konzentriert sich schnell auf die unheimlichen Nächte, die für Kinder genau das richtige Maß an Spannung enthalten. Toll ist auch, dass das Geheimnis bald aufgelöst wird und die Geschichte dennoch nicht aufhört, sondern noch zu einem richtig schönen und ein bisschen lehrreichen Ende geführt wird. „Mein Freund, die Tigerente“ ist sogar noch ein bisschen kürzer geraten und wird in 16 Minuten erzählt, wodurch auch ein eher knapper Ausdruck entsteht. Doch auch hier kommen die Charaktere sehr gut zur Geltung und wird am Ende eine stimmige und passende Moral geboten, zumal gleich mehrere kindliche Verhaltensweisen in den kleinen Tiger herein projiziert werden. Wortwahl, Erzählweise und Tempo wirken wie bei den Originalgeschichten, sodass auch nach vielen Sätzen ein „sagte der kleine Bär“ nicht fehlen darf – was aber in der zweiten Episode etwas zu oft im Einsatz ist.

Stefan Kaminski steht in beiden Episoden als kleiner Tiger noch ein bisschen mehr im Mittelpunkt als in den vorigen Episoden, füllt die Rolle aber auch mit so viel Charme, Witz und Frechheit aus, dass man den liebenswerten Charakter sofort ins Herz schließt. Ingo Albrecht ist als listiger Fuchs zu hören und spricht die Rolle durchaus hinterhältig und verschlagen, ohne aber dabei die zuhörenden Kinder zu erschrecken. Michael Pans aufgeweckte Sprechweise passt wunderbar zum Schnellen Hasen, auch er fügt sich sehr gut in die Atmosphäre der Serie ein. Weitere Sprecher sind Fritz Rott, Santiago Ziesmer und Bern Grimm.

Nach dem aufgedrehten und sehr schwungvollen Titellied vor den beiden Episoden geht es während der Handlung etwas ruhiger zu. Die Umsetzung fokussiert sich dann auf eine stimmige und lebendige Geräuschkulisse, die aber nie zu sehr in den Vordergrund tritt und von den Dialogen ablenkt. So entsteht eine sehr ausgewogene Mischung, die gut durchdacht ist.

Zu den beiden Geschichten gibt es ein hübsches Titelbild, welches auch gut zu den meisten anderen Episoden gepasst hätte: Tiger und Bär spazieren darauf über einen Baumstamm über einen Fluss, was mit vielen hübschen Details ausgeschmückt ist. Das Innere ist übersichtlich aufgebaut und enthält die üblichen Angaben zur Produktion.

Fazit: Zwei weitere Episoden der Serie, die mit ihrer Kürze und der so liebenswerten Atmosphäre wieder nicht nur Kinder erfreuen. In den kleinen Geschichten passiert nicht fürchterlich viel, dennoch ist immer eine kleine Moral eingebaut. „Mein Freund, die Tigerente!“ ist nicht ganz so stark wie die erste Episode, eine sehr hörenswerte ist aber allemal gelungen.

VÖ: 25. Februar 2019
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 9783837310955


Das Phantom der Oper



Schon seit Jahren scheint ein geheimnisvolles Phantom der wahre Herr über die Pariser Oper zu sein. Doch als der neue Intendant sich weigert, seine ihm angestammte Loge freizuhalten und die von ihm protegierte Sängerin Christine in wichtigeren Rollen zu besetzten, zeigt das Phantom, welche Macht er tatsächlich über das weitläufige Gebäude hat...

„Das Phantom der Oper“ gehört auch heute noch, über 100 Jahre nach seinem Erscheinen, zu den bekanntesten Romanen – und zu einem mit den meisten Umsetzungen. Eine weitere ist nun dazu gekommen, beim Audio Verlag ist eine Vertonung des rbb kultur als „Kunstkopfhörspiel“ vor. Wer dies über Lautsprecherboxen hört, wird kaum einen Unterschied zu einem „normalen“ Hörspiel feststellen, bei einem Kopfhörer ist das aber schon ganz anders: Stimmen und Geräusche kommen hier aus allen Ecken, von oben und unten, rechts und links, auch Bewegungen lassen sich dabei sehr genau erhören. Das allein ist schon sehr gelungen, die Umsetzung an sich aber ist es ebenfalls. Der bekannte Stoff wird hier sehr ausführlich in immerhin zwei Stunden Laufzeit erzählt, was sehr viele Feinheiten zulässt. So wird beispielsweise deutlich intensiver als sonst die unheilvolle Beziehung zwischen Christine und dem Phantom betont, noch mehr Seitenarme hinzugefügt und eine sanfte Modernisierung der Erzählung umgesetzt. So sind viele Feinheiten hinzugekommen, wurde die Handlung mit feinsinnigen Details ausgeschmückt, wobei sehr behutsam mit dem ursprünglichen Werk umgegangen wurde. Betont werden außerdem die vielen unheimlichen Szenen der Geschichte, was sich besonders im letzten Drittel zeigt, wenn das Phantom ein sehr perfides Spiel mit den Protagonisten zeigt. Toll, wie dieser Charakter hier noch intensiver beschrieben wird und eben nicht das unnahbare Monster bleibt, dennoch aber nichts von seiner düsteren Faszination verloren hat. Mir gefällt außerdem die Dynamik dieser Umsetzung – da wird auch mal ein Zeitungsbericht zitiert, der Erzähler gewechselt oder die spannende Wirkung einer Szene voll ausgekostet. Sicherlich eine der besten Umsetzungen, die es von „Das Phantom der Oper“ aktuell gibt.

Die Sprecherliste ist beeindruckend und sehr gut zusammengestellt, so sind beispielsweise Regina Lemnitz, Gerd Wameling und Udo Schenk zu hören. Die Hauptsprecher sind jedoch andere: Mirco Kreibich übernimmt die Rolle des jungen Raoul mit viel Energie und einem sehr präzisen Sinn für das richtige Timing. Sein älteres Pendant wird von Matthias Habich übernommen, der viel Emotionen in seine Stimme legt und damit sehr eng mit der Geschichte verbunden ist, obwohl er seinen Bericht so viele Jahre später verfasst hat. Marina Frenk ist als Christine ebenfalls sehr gut besetzt, ihre feine und doch kraftvolle Stimme setzt sie sehr lebendig ein, um die vielen Zwiespälte ihrer Figur treffend einzufangen. Fabian Hinrichs sorgt als Phantom gerade zu Anfang für viele mystische Momente und wohliges Gruseln. Im späteren Verlauf, besonders in einer besonders dramatischen Szene, hat er meinen persönlichen Geschmack nicht immer getroffen, die Gefühle, die dargestellt werden sollten, aber mit viel Wucht vermittelt.

Die Produktion des Hörspiels ist sehr hochwertig gelungen und versetzt die Sprecher in absolut glaubwürdige Kulissen und Klangbilder, die faszinieren. Die Aufnahmen fanden in den jeweils passenden Umgebungen statt, was den authentischen Eindruck unterstreicht. Doch auch die Geräusche wirken sehr greifbar und sind absolut gelungen. Ebenfalls eine große Rolle spielt natürlich die Musik, die bei diesem Thema natürlich klassisch anmutet und die damalige Zeit aufleben lässt.

Sehr hübsch ist die Gestaltung der Doppel-CD gelungen, die sich in einem mehrfach aufklappbaren Digipack befindet. Das Titelbild ist künstlerisch und ansprechend, die stilisierte Maske und die Rose passen sehr gut zu dem schwarzen Hintergrund und den auffälligen Schriftzug. Im Inneren gibt es neben den Angaben zur Produktion und einem Filmfoto noch einige einleitende Worte zu Hörspiel und Autor sowie Fotos vom den Aufnahmen.

Fazit: Das klassische Werk von Gaston Leroux ist hier in einer hervorragenden Umsetzung vorhanden, die mit sehr guten Sprechern und einer sanften Modernisierung überzeugt. Die Schwerpunkte der Handlung wurden gelungen gewählt und sorgen für eine große Facettentiefe. Auch die Vertonung als Kunstkopfhörspiel ist mit dem dreidimensionalen Eindruck sehr hörenswert.

VÖ: 18. April 2019
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742410016


Star Wars - Die letzten Jedi



Zwar hat die junge Schrottsammlerin Rey einen der letzten verbliebenen Jedi-Ritter Luke Skywalker ausfindig gemacht, dieser weigert sich aber standhaft, dem Imperium die Stirn zu bieten. Erst als er einen Hilferuf seiner Schwester Leia Organa erhält, die von den immer weiter zurückgedrängten Widerständlern berichtet, ist er bereit, Rey auszubilden...

Mit „Die letzten Jedi“ wird die Hauptreihe der Star Wars-Filme um ein weiteres Kapitel fortgesetzt – das vorletzte. Und wie auch schon der direkte Vorgänger und die anderen Filme der Saga gibt es „Die letzten Jedi“ auch als Filmhörspiel. Die Handlung ist dabei gut durchdacht und beachtet sowohl die „alten“ wie auch die neuen Helden. Sehr gefällt mir die Rolle von Leia Organa als Führerin des Widerstands, der in dieser Episode noch einmal an Bedeutung gewinnt und in eindrucksvollen und spannenden Szenen dargeboten wird. Aber auch ihr Bruder Luke hat gemeinsam mit Rey einen starken Handlungsstrang, der sich sehr gut mit den anderen Teilen verbietet. Und neben den wilden Schlachten und den erbitterten Kämpfen wird eben auch wieder von Intrigen, Verrat und Schachzügen im Verborgenen berichtet. Das clevere Konstrukt wartet mit einigen Überraschungen auf. Dabei wurden für die Anpassung als Hörspiel mit einer Kürzung von 152 auf 76 Minuten zahlreiche Nebenarme weggelassen, was einerseits die Handlung strafft, aber eben auch viele Details zur Seite fallen lässt. Die fehlenden optischen Informationen werden von einem zusätzlichen Erzähler vorgetragen, der recht schnell in die Dialoge geschnitten ist und diese so ergänzt, ohne dass sich die Szenen in die Länge ziehen würden. Das ist nicht schlecht gelöst, kann aber natürlich nicht die optimale Umsetzung wie in eigens produziertes Hörspiel bieten.

Stefan Günter übernimmt die Rolle den Finn mit viel Engagement und Energie, sodass er viele Feinheiten des Charakters herausarbeitet und eine lebendige Sprechweise präsentiert. Julien Haggege hat mir als Kylo Ren sehr gut gefallen, der vielschichtigen Rolle verleiht er einen treffenden Klang, was auch ohne die Mimik von Adam Driver sehr gut funktioniert. Susanna Bonasewicz ist natürlich wieder als Leia Organa zu hören, lässt ihre Stimme kraftvoll und gereift gleichzeitig klingen, sodass sie die Entwicklung der mutigen Frau greifbar macht. Weitere Sprecher sind Alexander Doering, Kaya Marie Möller und Torsten Michaelis.

Da hier die Original-Tonspur des Filmes zu hören ist, bekommt man natürlich auch die aufwendige Geräuschkulisse zu hören. Das täuscht nicht darüber hinweg, dass gerade die Actionszenen ohne die Bilder gebremst wirken, sorgt aber für die passende Weltraum-Atmosphäre. Die Musik ist pompös und aufwendig produziert und verfehlt ihre Wirkung auch hier nicht.

Das Cover zum Hörspiel zeigt wenig überraschend das Filmplakat im typischen Stil der Filmreihe. Die wichtigsten Charaktere sind darauf in einer Art Collage zu sehen, umgeben von rot leuchtenden Laserschwertern, zahlreichen fliegenden Raumschiffen und deren Laserstrahlen und dem unverkennbaren Schriftzug der Reihe. Im Inneren des kleinen Booklets gibt es zahlreiche weitere Fotos aus dem Film zu sehen.

Fazit: Die Handlung an sich ist spannend erzählt und wird hier auf das Wesentliche reduziert dargeboten. Das erhöht zwar das Tempo, lässt aber auch einige wichtige Details außer Acht, sodass man hier nur die grobe Richtung der Geschichte geboten bekommt. Die Umsetzung als Filmhörspiel ist gelungen, nimmt aber die Dynamik aus den Kampfszenen, manchmal fehlen dann eben doch die Informationen durch die Bilder.

VÖ: 30. November 2018
Label: Folgenreich
Bestellnummer: 0050087406004


Achtung! Hurrikan-Gefahr



Die Wetterstationen an der amerikanischen Küste melden sinkenden Luftdruck und eine Kaltfront – ein Hurrikan kündigt sich an. Sofort werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Schaden von der Bevölkerung abzuwenden. Auch ein Flugzeug hebt ab, um die Sturmfront aus der Luft im Auge zu behalten...

„Die original Hörspiele“ von Sándor Ferenczy haben nun auch in einer kleinen Reihe beim Audio Verlag ihren Platz auf CD gefunden, wobei „Achtung! Hurrikan-Gefahr“ bereits der letzte Teil ist und den Abschluss bildet – mehr von den kleinen Episoden sind Ende der 50er Jahre einfach nicht entstanden. Es ist natürlich sehr erfreulich, dass nun alle dieser Hörspiele erhältlich sind, dennoch ist es ärgerlich, dass diese CD mit nur zwei Episoden gerade einmal 24 Minuten läuft – diese hätten noch locker auf die anderen Teile der Reihe gepasst. Die erste Episode, die der CD dann auch ihren Namen gegeben hat, ist dabei nach dem gleichen Muster wie die anderen Hörspiele aufgebaut: Es wird beschrieben, wer in einer Extremsituation wem Meldung macht, was daraufhin passiert, wie eine ganze Kette aus Ereignissen in Gang gesetzt wird und wie alles zusammenläuft. Doch es gibt hier eine deutliche Änderung: Einige der Protagonisten geraten selbst in höchste Gefahr, was die Dramatik noch einmal deutlich steigert. „Am Marterpfahl“ ist die zweite Episode und sicherlich nett gemacht, aber dann eben doch sehr unspektakulär und deutlich konventioneller. Erzählt wird ein Indianerabenteuer, das einer der Protagonisten allerdings nur träumt – die Zeit der Kämpfe und Überfälle ist nämlich auch schon zur Zeit der Entstehung der Hörspiele längst vorbei, wie auch gleich zu Anfang berichtet wird. Schade, dass diese recht schwache Episode ganz am Ende steht und dann auch noch die Hälfte dieser sehr kurzen CD einnimmt.

Wolfgang Schwarz ist in der ersten der beiden Episoden als Erzähler im Einsatz und führt im Stile eines Radiomoderators durch die Handlung, spricht ernst und nüchtern, was den Eindruck einer Reportage noch weiter verstärkt. Diverse andere Sprecher haben meist nur Nebenrollen für wenige Sätze, beispielsweise als Funker. Unter ihnen sind Hans Irle, Charles Brauer und Kurt Langanke. Die zweite Episode wird von Max Schweigmann erzählt, der ein bisschen mehr Schwung und Dramatik einbringt und das Abenteuer der drei Jungen so lebendiger erscheinen lässt. Michael Klapsch ist als jüngster der Brüder Niki zu hören und spricht seine Passagen leider recht hölzern und aufgesetzt.

Musik findet in diesen Hörspielen kaum statt, der Fokus der akustischen Gestaltung liegt eindeutig auf den Geräuschen. Diese erklingen eher im Hintergrund und wirken manchmal etwas blechern, was wohl vor allem dem Alter der Aufnahmen geschuldet ist. Die vielen Sounds sorgen aber für eine glaubhafte Atmosphäre, sei es das Prasseln des Regens, das Piepen der Funkgeräte oder das wilde Geheul des Indianerstammes.

Das Cover zeigt das Flugzeug, das auch im Hörspiel beschrieben wird, inmitten eines stürmischen und mit Wolken verhangenen Himmels. Die kühle und bläuliche Farbgebung mit den wenigen roten Elementen ist stimmig umgesetzt, während die restliche Gestaltung schlicht und übersichtlich in einer ähnlichen Farbgebung gehalten ist.

Fazit: Schade, dass diese CD so kurz geraten ist und dann auch noch eine der schwächsten Episoden der Reihe enthalten ist. „Am Marterpfahl“ weicht mir zu deutlich vom sonstigen Konzept ab, während „Achtung! Hurrikan-Gefahr“ einen sehr starken Eindruck macht – wie immer nüchtern und im Stil einer Reportage.

VÖ: 22. März 2019
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742409027


Unterleuten - Das Hörspiel



Linda Franzen ist mit ihrem Partner Frederik Wachs aus der großen Stadt in das beschauliche Örtchen Unterleuten gezogen, musste allerdings vorerst ihren geliebten Hengst Bergamotte zurücklassen. Der Hof soll zu einem Gestüt ausgebaut werden, doch schon kurz nach der Ankunft wird ihnen der Umbau seitens der örtlichen Behörden verweigert. Als dann auch noch ein Windpark in dem brandenburgischen Dorf gebaut werden soll, beginnt die so heile Fassade der Bewohner immer weiter zu bröckeln...

Julie Zehs Roman „Unterleuten“, benannt nach dem Dorf, in dem die Handlung angesiedelt ist, hat sich über viele Wochen in den Bestseller-Listen gehalten und für Gesprächsstoff gesorgt. In Kooperation von rbb und NDR ist daraufhin ein Hörspiel nach dem Roman entstanden, der im Nachgang auch beim Hörverlag als Kauf-Version mit sechs CDs und einer Laufzeit von über fünf Stunden erschienen ist. Der Roman bildet das Leben in dem kleinen Dorf gekonnt ab, wobei einige Wandlungen der Strukturen und insbesondere der geplante Bau des Windkraftwerkes für den Antrieb sorgen. Wie es in Dörfern dieser Größe nun einmal ist, sind die Beziehungen untereinander komplex und vielschichtig, aktuelle Entwicklungen gründen auch hier nicht selten auf jahrzehntealte Ereignisse. Das wird hier sehr gekonnt dargestellt und in einer recht verschachtelten Erzählweise dargeboten. Dafür wird auch gesorgt, indem die Geschichte aus ganz verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Viele Charaktere werden in den Mittelpunkt gerückt, von jedem erfährt man häppchenweise Motivation und Hintergrund, natürlich nebst der aktuellen Handlung. Das ist gerade am Anfang etwas unübersichtlich, zumal hier auch kein Namensregister oder ähnliches beiliegt. Die recht häufige Wiederholung von Namen tut aber gut und sorgt mit der Zeit für ein besseres Verständnis. Diverse Intrigen, undurchsichtiges Gebaren und auch der Konflikt zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen sind unterhaltsam aufbereitet, wobei das Tempo recht schwankend ist – mal scheinen sich die Ereignisse zu überschlagen, mal kostet die Autorin eine bestimmte Szene, eine Emotion oder ein Beziehungsgeflecht voll aus. Durch die vielen Perspektivwechsel, die eingebauten Rückblenden und die sich immer weiter aufheizende Stimmung ist das sehr dynamisch und unterhaltsam geraten, sodass „Unterleuten“ nicht nur wegen des sehr gelungenen Wortspiels im Titel überzeugt.

Hilmar Eichhorn ist in der Hörspielumsetzung als Rudolf Gambrowski zu hören und versucht erst gar nicht, dem unsympathischen Geschäftemacher mit seinem umtriebigen Verhalten positive Seiten abzugewinnen, sondern spricht ihn hart und abweisend, was einen sehr präsenten Eindruck der Figur hinterlässt. Sehr gut als sein Gegenspieler Kron ist Jaecki Schwarz besetzt, der mit markantem Auftritt und gekonnten Akzenten für viel Aufsehen sorgt. Axel Prahl konnte als Bodo Schaller gewonnen werden und beweist, dass er mit seiner Stimme sehr feinsinnig glaubhafte Stimmungen erzeugen kann. Weitere Sprecher sind Ulrike Krumbiegel, Boris Aljinovic und Tanja Wedhorn.

Musik wird hier recht sparsam eingesetzt und nur an sehr wenigen Stellen zur Steigerung der Stimmung eingesetzt, sodass dies von den Sprechern selbst sehr gelungen erledigt wird. Die Szenerien sind aber allesamt mit einer passenden Geräuschkulisse unterlegt und wirken so sehr realistisch und eingängig. Gut gefällt mir auch, dass die Sprecher in ihren kurzen Erzählpassagen einen leicht anderen Klang haben, sodass man diese gut von den Dialogen unterscheiden kann.

Die sechs CDs finden sich in einer dicken, aufklappbaren Pappbox wieder, die von dem Titelbild des Buches geziert wird und den seltenen Vogel aus Unterleuten porträtiert. Das beiliegende Booklet hat nicht nur Kurzbiografien zu zahlreichen Sprechern und Autorin Juie Zeh parat, sondern auch einige Fotos, die bei den Aufnahmen zum Hörspiel entstanden sind.

Fazit: „Unterleuten“ ist ein ungewöhnliches Hörspiel geworden. Der Einstieg fällt dabei durch die vielen handelnden Personen und das komplexe Beziehungsgeflecht nicht gerade leicht, das Dranbleiben lohnt sich aber. Denn die vielseitig eingebrachten Themen sind sehr gut miteinander verbunden und sorgen für einen sehr unterhaltsamen Verlauf mit vielen fein abgestimmten Winkelzügen und Wendungen. Sehr schön, dass mal nicht heile Dorfidylle gezeigt wird, sondern diese Fassade immer weiter bröckelt.

VÖ: 29. Oktober 2018
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2980-7


Antares 8



Ein letzter Einsatz steht für den Raumtransporter „Antares 8“ an, bevor die bereits eingespielte Besatzung das Nachfolgemodell übernehmen soll. Doch die Kontrollüberprüfung eines Meteoriten gerät zum Desaster, als sich herausstellt, dass ein feindlich gesinntes Volk außerirdischer Wesen die Antares 8 in eine hinterhältige Falle lockt...

Fast alle der heutigen Hörspielproduzenten sind selbst mit dem Medium aufgewachsen, wobei einige Produktionen einen besonders prägenden Effekt hatten. Bei Oliver Döring war dies das Science Fiction-Hörspiel „Antares 8“, welches er nun gemeinsam mit Tontechnikers digital restauriert und in seinem eigenen Label Imaga veröffentlicht hat. Das Setting ist sehr klassisch geraten und bietet eine sehr spannende Handlung an. Sicherlich ist es nicht sonderlich innovativ, dass ein außerirdisches Volk eine Invasion der Erde plant, um an einen wichtigen Rohstoff zu kommen, doch allein die Wahl dieses auf ihrem Heimatplaneten raren Elementes ist ungewöhnlich – nicht das einzige sehr interessante Element. Denn die Invasoren sind auf die Besatzung angewiesen, um ihren Plan durchzuführen, sodass ein erbittertes Kräftemessen beginnt. Jede Partei versucht, die Lage zu ihren Gunsten zu drehen und so den Ausgang zu kontrollieren, was sehr spannend und dramatisch geraten ist. Eine tolle Produktion, die noch durch den direkten Nachfolger „Antares 9“ auf einer zusätzlichen CD ergänzt wird. Der Auftrag ist ein ganz anderer, es kommt eine politische Note mit ein, aber durch eine sehr prägnante Figur aber auch eine sehr amüsante Note. Die Gags zünden ebenso wie die geheimnisvolle Note um einen vermuteten Verräter, dennoch kann der ganze Reiz des ersten Teils nicht erreicht wird – die Handlung zerfranst dazu etwas zu sehr und wird nicht so stringent erzählt. Dennoch handelt es sich hier um eine sehr gelungene Veröffentlichung, die mit wirklich viel Spaß gemacht hat.

Ursela Monn hat als Tatjana eine der wichtigsten Rollen und gehört direkt zur Besatzung der Antares. Sie spricht sehr ausdrucksstark, in den passenden Momenten aber auch mit einer gehörigen Portion Ironie und Bissigkeit, was immer sehr lebendig wirkt. Auch Klaus Dittmann ist als Claude in einer der Hauptrollen zu hören, er wirkt immer sehr präsent und zeichnet den Spannungsbogen der Folge gekonnt mit seiner Stimme nach. Edith Teichmann ist in der Rolle einer Außerirdischen zu hören und setzt gekonnte Akzente, klingt wunderbar kühl und bösartig, was sie zu einer sehr gelungenen Antagoistin werden lässt. Weitere Sprecher sind Michael von Rospatt, Rüdiger Schulski und Heidi Schaffrath.

Die Restauration und das neue Mastering der beiden Hörspielen hat sich definitiv gelohnt, der Klang beider Produktionen ist sehr klar und von störendem Rauschen befreit. So kommt die sehr klassische Umsetzung des Hörspiels sehr gut zur Geltung, was sowohl für die überraschend wuchtige Musik als auch für die vielen eingebauten Geräusche gilt, die sich stimmig in die Handlung einfügen.

Das Cover wurde von der Plattenveröffentlichung übernommen und um einige grellgelbe grafische Elemente ergänzt, ist im Inneren aber noch einmal als alternatives Titelbild ohne diese Aufdrucke zu finden – ebenso wie das Cover zum Nachfolger. Auch ein einleitender Text und eine ausführliche Übersicht der Mitwirkenden ist zu finden.

Fazit: Science Ficiton in Reimform verpackt in zwei in sich abgeschlossenen Geschichten, dazu ziemlich kultig und einen Hauch nostalgisch erzählt: „Antares 8“ ist mit seinem hohem Tempo und der gradlinigen Erzählweise äußerst unterhaltsam, während sein Nachfolger noch einen ziemlich schrägen Humor einbaut. Eine sehr gelungene Veröffentlichung – sei es zum wieder- oder neuentdecken.

VÖ: 25. Januar 2019
Label: Imaga
Bestellnummer: 978-3-9462-0742-9


Janosch – Als der Tiger einmal Bär sein wollte



Der kleine Tiger ist fest davon überzeugt, dass er auch ein wunderbarer kleiner Bär wäre. Und so beschließen die beiden in einer Wette, die Rollen zu tauschen. Doch schon beim Frühstück merkt der kleine Tiger, dass das Bär-Sein ganz schön anstrengend ist... (Als der Tiger einmal Bär sein wollte)
Der kleine Bär und der kleine Tiger finden ein Rätsel, das auf einen geheimnisvollen Schatz hindeutet. Bald sind auch ihre Freunde voller Feuer und Flamme, sodass sie sich gemeinsam aufmachen, um den Schatz zu finden. Doch leider kann keiner von ihnen so recht die Himmelsrichtungen auseinander halten... (Der größte Schatz der Welt)

Neben seinem eigenen Label floff hat Florian Fickel nun auch Hörspiele für Oetinger Audio produziert, die sich nach der Geschichtenwelt von Janosch richten, aber eben neue und bisher unbekannte Geschichten präsentieren. Nachdem die ersten beiden CDs schon überzeugt haben, geht es nun mit „Als der Tiger einmal Bär sein wollte“ ebenso stark weiter. Fickel beweist dabei, dass er sich nicht nur wunderbar in dieser nicht von ihm erdachten Welt zurechtfindet und den Charme der Figuren absolut treffend umsetzen kann. Er zeigt vielmehr auch, dass sein Wortwitz einfach treffend ist und er sehr kreativ verschiedene Stimmungen schaffen kann. Dazu sind auch hier wieder zwei kürzere Episoden vorhanden, die die Aufmerksamkeitsspanne der mitunter sehr jungen Zuhörer nicht überfordern und dennoch nicht zu einfach oder eindimensional geraten sind. „Als der Tiger einmal Bär sein wollte“ spielt mit der Idee, in eine andere Rolle zu schlüpfen und spielt dabei sehr mit der besonderen Beziehungen und den Eigenschaften der beiden Hauptfiguren. In vielen kleinen Dialogen, die vom Erzähler stimmig verkettet werden, zeigt sich bald schnell, dass jeder seine eigenen Stärken hat – und dass das auch gut so ist. Nicht minder liebevoll ist „Der größte Schatz der Welt“ aufbereitet, in dem die Freunde auf eine turbulente Schatzsuche gehen und dabei mit Pfiff und Geduld so einige Hindernisse überwinden. Dass Ende dieser Episode ist dann wieder so herzerwärmend und putzig, wie man es von den Janosch-Geschichten gewohnt ist. Wieder ein sehr gelungenes Hörspiel, dass modern wirkt und dennoch die zeitlosen Ideen Janoschs umsetzt.

Zum Gelingen tragen auch wieder die wundervollen Sprecher bei, die die Figuren so charmant und liebenswert klingen lassen. Stefan Kaminski ist wunderbar als kleine Tiger und bringt die positive Energie, das Spielerische und auch etwas Eigensinnige der Figur bestens zur Geltung, sodass der kleine Kerl einem schnell ans Herz wächst. Uwe Büschken ist als müder Maulwurf zu hören und passt wunderbar in die Stimmung der Folge, bringt aber auch eine ganz eigene Note mit ein. Erzähler Jürgen Kluckert hat mir sehr gut gefallen, seine Stimme klingt sehr warm und liebevoll, wodurch auch seine Passagen sehr lebendig wirken. Weitere Sprecher sind Michael Pan, Cathlen Gawlich und Ingo Albrecht.

Der sehr fröhliche und schwungvolle Titelsong der Serie ist auch hier wieder eine gelungene Einleitung und greift die fröhliche und unbeschwerte Grundstimmung auf. Auch die Umsetzung der Handlung gefällt mir sehr gut, viele Geräusche und einige harmonisch eingebaute Melodien unterstreichen die lebendige Atmosphäre, lenken aber nicht von der eigentlichen Geschichte ab, was gerade für die kleinen Hörer wichtig ist.

Das Cover greift natürlich die sehr hübsche Optik der ursprünglichen Janosch-Zeichnungen auf, wurde aber extra für dieses Hörspiel angefertigt. Zu sehen sind Tiger und Bär, die sich gegenseitig in den jeweiligen Farben anmalen. Das Innere ist sehr schlicht geraten, enthält aber alle wichtigen Informationen sowie eine übersichtliche Trackliste.

Fazit: Der kleine Tiger und der kleine Bär sind auch hier wieder äußerst liebenswert und mit viel Witz umgesetzt, wobei sich Florian Fickel eng an die Vorlagen hält und dennoch seinen eigenen Stil mit einbringt. Denn auch die anderen Figuren haben mir sehr gut gefallen, zumal die sehr liebevollen Geschichten auch noch eine hübsche Moral enthalten. Sehr gelungen!

VÖ: 18. März 2019
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 9783837310948


Peter Pan



Alle Menschen werden älter – bis auf Peter Pan. Eines Nachts verirrt sich der Junge in das Schlafzimmer der Kinder der Familie Darling und überredet Wendy und ihre Brüder John und Michael dazu, ihn nach Nimmerland zu begleiten. Dort lebt er mit einer Truppe wilder Kinder und lebt sorglos und mit vielen Abenteuern, nur bedroht durch die Piraten der Jolly Rogers und ihren Kapitän Hook...

„Peter Pan“ aus der Feder von J. M. Barrie ist einer der absoluten Klassiker der Kinderliteratur. Auch Umsetzungen zum Hören gibt es schon einige, der WDR hat im Jahr 2018 eine neue produziert, die auch beim Audio Verlag auf zwei CDs erschienen ist. Da stellt sich die: Braucht es ein weiteres Hörspiel nach der bekannten Vorlage? In diesem Fall lässt sich die Frage mit einem klaren Ja beantworten, denn die Umsetzung ist sehr liebevoll geraten, klingt wunderschön und beleuchtet noch einmal andere Aspekte, die manchmal etwas untergehen. Mit 82 Minuten Laufzeit sind dabei andere Dinge kürzer ausgefallen oder werden kaum behandelt, so ist beispielsweise die anfängliche Szene im Haus der Darlings recht kurz, die Kinder brechen schnell in Richtung Nimmerland auf. Auch die Figur der Tinkerbell kommt nicht allzu viel Aufmerksamkeit, ihre Wut und ihre boshafte Eifersucht werden aber gut eingebracht. Und dafür gibt es dann eben andere Schwerpunkte, das Hörspiel konzentriert sich auf einige innere Konflikte der Protagonisten und besonders auf Peter Pan, dessen Grundzüge sehr gut zur Geltung kommen – und eben nicht nur als abenteuerlustiger und witziger Junge, sondern auch als Egoist und selbstsüchtiger Junge, der sein Glück über das seiner Freunde stellt. Besonders die letzten Szenen, in denen es um die Rückkehr der Darling-Kinder zu ihren Eltern geht, haben mich sehr überzeugt und bilden ein ruhiges, aber sehr intensives Finale. Auch die abenteuerliche Atmosphäre der Vorlage kommt hier sehr gut zur Geltung, Piraten, Indianer, wilde Verfolgungsjagden, exotische Orte, das alles fügt sich sehr stimmig zusammen. Toll ist dabei besonders die markante Figur des Kapitän Hook mit dem ihn ständig verfolgenden Weckerticken, was mal einen leicht anderen Einschlag bekommen hat. In dieser Umsetzung gibt es viel zu entdecken – für Hörer, die Peter Pan zum ersten Mal entdecken als auch für solche, die die Geschichte schon auswendig können.

Neben vielen unbekannten, aber sehr engagierten und passenden Sprechern gibt es auch gestandene Sprecher, allen voran Andreas Fröhlich als Erzähler. Mit seiner charmanten und witzigen Art bringt er einen gewissen Zauber in seine Passagen mit ein, hat hörbare Freude an der Geschichte und macht seine Sache so richtig gut. Kilian Land ist als Peter Pan zu hören und legt besonderen Wert auf die Zwiespältigkeit der Figur. Vordergründig fröhlich und abenteuerlustig kann er eben auch die eigensinnigen und schnell beleidigten Züge des Jungen hervorheben. Michael Kessler ist als Kapitän Hook zu hören, der sich laut durch die Handlung poltert, aber auch lustige und fast ein wenig nachdenkliche Passagen spricht und so eine sehr interessante Figur schafft, die sich von einem reinen, klassischen Bösewicht abhebt. Weitere Sprecher sind Paula Fritz, Arved Birnbaum und Arnd Klawitter.

Auch akustisch wird in dieser Umsetzung das volle Programm geboten, was sich insbesondere in dem vielfältigen Einsatz der Geräusche zeigt. Im Hintergrund ist hier fast immer etwas los, ohne von den Dialogen abzulenken, sodass man schnell das Gefühl hat, mitten in Nimmerland zu stehen. Ebenso ist die Musik sehr stimmig ausgewählt, die eingesetzten Melodien passen sehr gut zur Handlug und schmücken diese weiter aus.

Wunderschön ist das Covermotiv zu der Veröffentlichung, bei dem Peter, Wendy und ihre Geschichte durch den nächtlichen Himmel schweben und sich ihre Silhouetten von einem riesigen Mond abheben. Ergänzt durch das geöffnete Fenster, durch das der Betrachter zu schauen scheint, ist das ein tolles Titelbild für das insgesamt sehr hübsch gestaltete Digipack. Warum es hier aber unbedingt zwei CDs sein mussten, erschließt sich mir nicht ganz – 82 Minuten aufzuteilen wäre vielleicht nicht unbedingt notwendig gewesen.

Fazit: Diese Neuinterpretation des Kinderbuchklassikers überzeugt mit einigen Schwerpunkten, die man vorher vielleicht nicht so auf dem Schirm hätte. Dabei wird das Original mit viel Respekt an das neue Medium angepasst, wobei eben nicht nur die abenteuerliche und magische Handlung im Vordergrund steht, sondern eben auch die Charaktere und ihre ganz eigenen inneren Konflikte. Sehr hörenswert!

VÖ: 26. Oktober 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0472-5


Homo Faber



Der Schweizer Ingenieur Walter Faber ist auf seiner Flugreise nach Venezuela alles andere als begeistert, neben dem aufdringlichen Herbert Hencke zu sitzen und überlegt sogar, bei einem Zwischenhalt nicht noch einmal an Bord zu gehen. Erst als er herausfindet, dass es sich um den Bruder seines alten Studienfreundes handelt, ist er aufgeschlossener. Doch dann kommt es zu Turbulenzen, und das Flugzeug muss notlanden...

In Zusammenarbeit von Hessischem Rundfunk und dem Hörverlag ist 2018 eine Hörspielversion von Max Frisch' Werk „Homo faber“ erschienen – und damit über 60 Jahre nach der Veröffentlichung der Vorlage. Bei dem Transport in das neue Medium sind alle Beteiligten sehr sorgfältig vorgegangen und haben sich immer eng an die Vorlage gehalten und eben doch die Vorteile des Hörspiels mit der Konzentration auf Dialoge genutzt. Auch hier gibt es noch einige monologartige Passagen, auch sind die vielen sprachlichen Feinheiten mit der sehr differenzierten Verwendung einiger Worte erhalten geblieben, wie ein schlicht vorgelesenes Buch wirkt diese Produktion aber nie. Zwei große Abschnitte sind hier auszumachen, einerseits die oben angerissene Bekanntschaft zu Herbert Hencke und seinem Bruder, andererseits die Begegnung mit einer schönen Fremden, die ihn an seine Jugendliebe erinnert und eine unheilvolle Beziehung zu ihm aufbaut die – so viel sei verraten – tragisch endet. Beides wird sorgfältig aufgebaut und demontiert den zunächst so rationalen und technisch orientierten Ingenieur, konfrontiert ihn mit einigen Zufällen und einer dramatischen Liebe voller wechselhafter Emotionen, was ihn in seinen Grundfesten erschüttert. Zahlreiche andere Motive sind ebenfalls mit eingebunden und können entdeckt werden, auch beim mehrfachen Hören entdeckt man immer neue Details oder Bezüge. Dabei hilft es, sich ein wenig in der griechischen Mythologie auszukennen, um die diversen Querverweise zu erkennen – wenn nicht wird man zwar trotzdem allem folgen können, wird aber eben einige Kommentare nicht verstehen. Im Grunde stellt Frisch jedoch auf sehr interessante Art und Weise die Frage, was den Menschen glücklich macht – sich damit zu beschäftigen und sich gleich mehrere Stunden intensiv mit den Charakteren und ihren Entscheidungen auseinanderzusetzen sorgt auf jeden Fall nicht nur für unterhaltsame Momente, sondern regt auch den einen oder anderen Gedankenanstoß an.

Matthias Brand übernimmt die Hauptrolle des Walter Faber und spricht sehr präzise, jede Betonung hat ihre Bedeutung und gibt das von Frisch erdachte Wortgefüge sehr genau wieder. Und er macht auch auf emotionaler Ebene die Figur begreifbar, lebendig und wechselt bald von der nüchternen Sprechweise zu gefühlsbetonteren Momenten hin. Paula Beer ist in der Rolle der Sabeth zu hören, sie klingt sehr natürlich und frisch, auch sie bringt die Figur auf den Punkt und arbeitet die Rolle akribisch aus. Eva Mattes ist als Hanna zu hören, Walters Jugendliebe, die in ihren Szenen sehr präsent wirkt und durch ihr Aura auch darüber hinaus im Gedächtnis nachhallt. Weitere Sprecher sind Ueli Jäggi, Valery Tscheplanova Sascha Nathan.

Die hr-Bigband sorgt bei dieser Produktion für die musikalische Begleitung, wobei viele Musiker mit ihren Instrumenten natürlich auch eine Vielzahl unterschiedlicher Stimmungen erzeugen können. So wird für jede Szene ein passendes Kleid geschneidert, wobei die Bläser oft im Vordergrund stehen, sich aber auch in das klangvolle Gesamtgebilde einfügen können.

Ganze sechs CDs umfasst diese Produktion, wobei eine noch einmal die tolle Musik Revue passieren lässt und einige Stücke ohne die Sprecher zu Gehör bringt. Zudem ist auf der vorletzten CD noch ein Werkstattbereicht enthalten, neumodisch wohl Making Of genannt was einige interessante Aspekte an den Tag bringt und eine neuartige und sehr gelungene Ergänzung ist. Die dicke Box ist mit dünnen Plastikhüllen für die einzelnen CDs gefüllt, ergänzt um ein umfangreiches Booklet mit zusätzlichen Informationen und Bildern.

Fazit: „Homo faber“ als eines der zentralsten Werke von Max Frisch wurde in diese Hörspieladaption sehr sorgfältig behandelt, der Transport in das Medium ist bestens gelungen. Nicht nur, weil die Sprecher ihre Sache hervorragend machen, sondern auch weil alles so respektvoll angegangen wurde und sich nicht allzu weit vom Original entfernt wurde. Ein Stück Weltliteratur in einer stimmigen Umsetzung.

VÖ: 1. Oktober 2018
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2976-0


Sodom und Gomorrha



Marcel ist nach langer Zeit in die Kreise des Adels aufgestiegen und entdeckt, dass hinter der zurückhaltenden Kulisse zahlreiche Eskapaden vorherrschen – insbesondere auch zwischen Männern. Zunächst hat er große Freude daran, dem Treiben distanziert und analysierend zuzuschauen, doch als er sich in die faszinierende Albertine verliebt, wird auch er in diese lasterhafte Welt hineingezogen...

Das zentrale Werk des französischen Schriftstellers Marcel Proust in der siebenteilige Romanzyklus „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, welchen er in einem Zeitraum über 14 Jahre schrieb und der mit fast 7.000 Seiten die eigene Sicht Prousts auf sein Leben beschreibt. Einen Teil daraus, „Sodom und Gomorrha“, wurde vom Hörverlag in Zusammenarbeit mit SWR und dem Deutschlandfunk nun als aufwendige Hörversion produziert, herausgekommen sind über fünf Stunden Laufzeit. Dabei sind die einzelnen Rollen zwar mit zahlreichen Sprechern besetzt, der Hauptteil wird jedoch von Michael Rotschopf als Ich-Erzähler getragen, sodass die Produktion stellenweise eher wie ein Hörbuch wirkt – zumal die wörtliche Rede bei dieser Rolle auch sehr zurückhaltend eingesetzt wird. Proust ist zudem nicht gerade dafür bekannt, leicht zugänglich zu sein, was sich auch hier bewahrheitet. Denn er legt nur wenig Wert auf eine temporeiche Handlung, sondern seziert eher genüsslich die Charaktere, breitet den Moment in allen Einzelheiten vor dem Hörer auf, setzt scheinbare Kleinigkeiten in den Mittelpunkt des Geschehens und schafft es so, den Blick hinter die Oberfläche, hinter den schönen Schein zu lenken. Das erfordert vom Hörer dann auch einiges an Durchhaltevermögen und Konzentration. denn trotz des langsamen Tempos fällt es überraschend schwer wieder in die Handlung zu finden, wenn man einmal den Faden verloren hat. Man muss offen für die langen Ausführungen sein, sich aufmerksam den präzise gewählten Worten widmen, in denen jede Silbe wichtige Bedeutung zu haben scheint. Dann aber bekommt man nicht nur ein umfassendes Bild der damaligen höheren Gesellschaft und den handelnden Charakteren, sondern wird auch mit der mal subtilen, mal offenkundigen erotischen Komponente konfrontiert, die nicht den Mittelpunkt der Handlung ist, sondern stets Mittel zum Zweck ist.

Michael Rotschopf trägt die Rolle des Marcel Proust mit einer präzisen und scharfkantigen Sprechweise vor, immer mit Würde, mit Volumen in der Stimme, sodass ein intensiver Eindruck entsteht. Er lenkt die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf den Kern des Romans, auf die genaue Beobachtung der Charaktere und nimmt sich dabei selbst keinesfalls aus. Lilith Stangenberg ist in der Rolle der Albertine zu hören und schafft eine sehr gekonnte Balance zwischen Ernsthaftigkeit und kecken Momenten, sie passt sich immer an die jeweilige Szenerie an und bringt ihre Rolle zum Strahlen. Gerd Wamling bringt den Aspekt der subtilen Erotik besonders gut zur Geltung, auch der Baron de Charlus bekommt durch ihn eine präsente Aura verliehen. Zahlreiche weitere starke Sprecher sind zu hören , unter ihnen Corinna Kirchhoff, Gabriele Heinz und Matthias Habich.

Ebenso aufwendig wie das umfangreiche Sprecherensemble ist auch die musikalische Umsetzung der Produktion geraten, die mit nicht weniger als 20 Musikern nebst Dirigent Pablo Druker besetzt ist. Da gibt es viele klassisch anmutende Momente mit kleinen, eingebauten Melodien, die einen Monolog oder sanft ein Gespräch untermalen, Szenen voneinander trennen und dabei die Stimmung unterstreichen. Doch es gibt auch ungewöhnliches zu hören, wie eine singende Säge oder eine neues Zusammenspiel der Instrumente, sodass auch experimentelle und sehr passende Momente entstehen.

Die fünf CDs lagern in einzelnen, dünnen Plastikhüllen in einer dicken, stabilen Klappbox, die sehr hübsch gestaltet ist und auf einem Grund die Nahaufnahme einer exotischen Blume zeigt. Der Star der Aufmachung ist jedoch das umfangreiche Booklet mit vielen Infos zu den Mitwirkenden und einigen einleitenden Worten – unter anderem auch, warum man sich hier für eine neue Übersetzung des Werkes entschieden hat.

Fazit: Sehr kleinteilig seziert Marcel Proust in seinem Werk die gehobene Gesellschaft mit ihren vielen kleinen und großen Geheimnissen, was einerseits einen scharfen Blick erlaubt, andererseits aber auch etwas mühsam sein kann. Die Sprecher sind großartig, die Inszenierung ist es ebenfalls, man braucht aber schon einen langen Atem, um sich ganz auf das komplexe und getragen erzählte Gesamtwerk einzulassen.

VÖ: 27. August 2018
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2202-0


Tinnitus



Mit 16 feiert man auf dem Land hart, mit viel Alkohol und Drogen. Und während einer solchen begegnet Tim seinem Schwarm Lena an einer abgelegenen Stelle und vergewaltigt sie. Etwas mehr als vier Jahre später wird er aus dem Gefängnis entlassen, wo er seine Strafe verbüßt hat. Mühsam versucht er, sich an das Leben zu gewöhnen, plötzlich erwachsen und für sich selbst verantwortlich. Doch schon einige Tage später bekommt er Post von Lenas Anwalt – und will ein Treffen mit Tim...

Seit 15 Jahren hat die Lauscherlounge ein Alleinstellungsmerkmal in der Hörspiellandschaft ein (und erwähnt dieses Jubiläum am Ende dieser Produktion ganz unprätentiös, an dieser Stelle: Herzlichen Glückwunsch!). „Tinnitus“ aus der Feder von Max Benyo unterstreicht dies noch weiter und ist nicht nur in seiner Machart sehr besonders, sondern vor allem in der Themenwahl. Sehr realistisch wird hier eine Vergewaltigung beschrieben – nicht der Vorgang an sich, sondern die Umstände, wie es so weit kommen konnte, wie der eigentlich ganz vernünftige Tim zu so einer Tat fähig war. Dabei wird keinesfalls eine Entschuldigung gesucht, sondern einfach erzählt. Dass am Ende dieser Szene eben auch die Schreie und das Flehen von Lena zu hören ist, muss so sein, um die Dramatik der Situation klarzumachen, es hat mir mehr Schauer über den Rücken gejagt als so manches Gruselhörspiel. Viele Medien hören an dieser Stelle auf zu erzählen, beschreiben vielleicht noch die ersten Tage und Wochen nach der Tat. Tinnitus geht aber weiter und macht ganz bewusst eine Pause von vier Jahren, rückt also die Langzeitfolgen der Tat in den Mittelpunkt. Und zwar gar nicht mal so sehr die von Lena, die eher am Rande behandelt werden. Einblick in ihre Gedankenwelt bekommt der Hörer nur selten, aber genau das ist es, was das so intensiv wirken lässt: Sie ist zurückgezogen und lässt aber in kleinen Gesten, Kommentaren ihre wahren Gefühle durchblicken. Der Fokus liegt auf Tim, der sich nicht nur mit dem völlig neuen Leben nach dem Knast zurechtfinden muss, sondern auch mit den Folgen seiner Tat abfinden muss – nicht nur mit sich selbst, sondern gerade in den Schlusssequenzen auch mit seiner Umwelt. Auch hier: Keine Entschuldigungen, sondern eher viele Fragen, die aufgeworfen werden und nachdenklich stimmen. Die Themenvielfalt ist beeindruckend und sehr realistisch, der Erzählweise dicht, wobei es keinen Erzähler gibt, der durch die Handlung führt. So fällt es manchmal schwer, sich in einer neuen Szenerie zurechtzufinden, kaut dem Hörer aber auch nicht alles stückchenweise vor, sondern zwingt ihn zum Nach- und Mitdenken – ein ungewöhnliches Hörspiel, welches mich völlig gefesselt hat.

Jonathan Berlin ist in der Rolle des Tim zu hören, der diese anspruchsvolle Rolle mit Bravour meistert. Er fühlt sich völlig in die komplexe Gefühlswelt des jungen Mannes ein, agiert eher nüchtern, wie man es von dem Charakter nicht unbedingt erwartet und findet so seinen ganz anderen Zugang zu den Zuhörern. Auch Elisa Schlott macht ihre Sache als Lena hervorragend, macht Emotionen begreifbar, gerade weil sie sich manchmal zurücknimmt und die Kommentare knapp angebunden präsentiert. Vera Teltz ist als Kerstin Sattelmeier nicht direkt in die tief greifende Beziehung der beiden vorigen Charaktere eingebunden, setzt aber dennoch energische Kontraste und verleiht der Rahmenhandlung etwas mehr Kontur. Weitere Sprecher sind Cathlen Gawlich, Anian Zollner und Christian Koerner.

Dieses Hörspiel wurde nicht im Studio produziert, sondern in der direkten Kommunikation der Sprecher an den passenden Schauplätzen. Das lässt „Tinnitus“ sehr anders klingen als andere Hörspiele, nahbarer, unmittelbarer, ergreifender. Manchmal gibt es viele Sekunden lang nur atmosphärische Geräusche, die auch während der Dialoge sehr treffend eingebaut sind. Dabei gibt es auch viel Musik verschiedener Künstler, auch diese nicht künstlich hinzugefügt, sondern organisch eingebunden. Und es gibt eben auch immer wieder den „Tinnitus“ zu hören, der vielleicht eine kleine Idee davon entstehen lässt, wie es klingt, wenn man einen dauerhaften Ohrton hat.

Das Weiß, das als Grundfarbe der Gestaltung gewählt wurde, ist reinweiß, auf dem Cover ist ein verwischtes Foto eines jungen Mannes zu sehen, nur angedeutet von hinten, dazu klare, unaufgeregte Schrift. Dieses Konzept wird auch im Inneren fortgesetzt, wobei ein umfangreiches Booklet mit ein paar Hintergrundinformationen und vielen Fotos von den Aufnahmen enthalten ist – sehr gelungen.

Fazit: Mit „Tinnitus“ ist ein Hörspiel erschienen, welches einfach anders ist als die meisten anderen Produktionen. Die Themenwahl ist heftig und wird auch mit viel Wucht umgesetzt, die Gefühle werden nicht vor dem Hörer ausgebreitet, sondern wollen entdeckt und mitempfunden werden. Keine Entschuldigungen, keine Ausflüchte, kein Versuch, Schuld abzuwälzen, sondern interessante und realistische Gedanken, wie das Leben für alle weitergehen kann.

VÖ: 12. Oktober 2018
Label: Lauscherlounge
Bestellnummer: 978-3-9479-6601-1


Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete



Bei ihrem Weg zurück aus dem Wald, voller Freude über die gefundenen Pilze, lachen Kasperl und Seppel noch über das Fahndungsplakat von Räuber Hotzenplotz – schließlich ist dieser sicher im Spritzenhaus eingebuchtet. Doch ein Gespräch mit Wachtmeister Dimpfelmoser bringt Gewissheit: Es handelt sich keineswegs um ein Versehen – der Räuber ist tatsächlich entkommen. Doch schaffen es die beiden erneut, ihn gefangen zu nehmen?

Otfried Preußlers wundervolle Figuren werden immer noch und immer wieder gerne in den Kinderzimmern lebendig und haben mittlerweile gleich mehrere Generationen beim Großwerden begleitet. Und natürlich liegt da der Wunsch nach neuen Geschichten der beliebten Figuren nahe. In „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“, welches als Buch und nun auch als Hörspielumsetzung erschienen ist, wird ein Schritt in diese Richtung gemacht. Die Idee und die Dialoge stammen dabei tatsächlich aus der Feder Preußlers und wurden von ihm ursprünglich für ein Puppentheater geschrieben. In die neue Form gebracht wurde es von seiner Tochter, die schon an anderen Stellen sein Werk fortgesetzt hat. Schon allein der ursprüngliche Zweck der Geschichte sorgt dafür, dass diese deutlich einfacher gestrickt ist, auch wird der wunderbare Wortwitz nicht ganz erreicht und bleibt hinter den Originalen zurück. Dennoch macht dieses Hörspiel sehr viel Spaß, schon allein weil die Zusammenstellung der Figuren auch hier sehr gut funktioniert. Dazu gibt es viele Erinnerungen an den ersten Teil, bekannte Figuren tauchen in überraschender Art auf. Und auch der neue Plan von Kasperl und Seppel ist sehr gut inszeniert und sorgt für viel Spaß. Dem Einfall, den die beiden Lausebengel haben, wird viel Aufmerksamkeit gewidmet und recht ausführlich beschrieben und füllt das Finale sehr gekonnt aus. Kurzweilig und witzig, aber eben nicht so brillant wie die bekannten Geschichten und den Räuber Hotzenplotz.

Max von der Groeben ist in der Rolle des Kasperl zu hören und überzeugt mit seiner sehr lebendigen und lausbubenhaften Sprechweise, er bringt eine sehr heitere Grundstimmung in die Geschichte mit ein. Auch Daniel Rothaug kann als Seppel überzeugen und spricht mit viel Charme, zumal die beiden zusammen sehr locker und spontan agieren. Waldemar Kobus ist in der Rolle des Räuber Hotzenplotz zu hören und gibt sich ganz der grimmigen Stimmung der Figur hin, wobei seine Gemeinheiten und sein polterndes Auftreten immer sehr kindgerecht sind. Weitere Sprecher sind Sigrid Burkholder, Alexander Hauff und Traute Hoess.

Die Umsetzung der Geschichte ist dem WDR sehr stimmig gelungen, wobei die Dialoge vor allem durch sehr gut angepasste Geräusche unterstrichen werden. Das ist lebendig gelungen und greift die leicht nostalgische Atmosphäre der Handlung auf, ist aber doch modern geraten. Auch ein paar Melodien sind zu hören und lockern die Szenen gekonnt auf.

Natürlich wurde das Buchcover auch für die Hörspiel-CD übernommen, Thorsten Saleina hat sich dabei von den ursprünglichen Illustrationen inspirieren lassen, aber seine ganz eigene Note eingebracht. Der Räuber Hotzenplotz steht darauf mit seinem Gewehr und seinen Säbel samt hinterlistigem Lächeln auf dem Gesicht vor einem riesigen Mond, der Rest des Covers deutet mit dunklem Blau den Nachthimmel an. Im Inneren bekommt man dann noch einen optischen Eindruck von den beiden Helden der Geschichte.

Fazit: Mir hat „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ wegen der vielen liebevoll inszenierten Figuren und den vielen witzigen Einfällen gut gefallen. Besonders der Einfall zur Überrumpelung des Räubers ist sehr gelungen umgesetzt. An die Originale reicht diese Geschichte zwar nicht heran, doch die hübsche Grundstimmung kommt dennoch gut zur Geltung.

VÖ: 26. Oktober 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0669-9


Gullivers Reisen



Als Arzt hat Gulliver auf einem Schiff angeheuert, welches jedoch auf hoher See Schiffbruch erleidet. Das nächste, woran er sich erinnert, ist dass er gefesselt am Boden liegt, umgeben von zahlreichen menschlichen Wesen, die um ein Vielfaches kleiner sind als er selbst. Zunächst wird er als Bedrohung empfunden, doch bald kann er sich in die Kultur der Lilliputaner integrieren – doch dies ist noch nicht die letzte Station seiner Reise...

Neben aktuellen Hörspielproduktionen bringt der Audio Verlag auch immer wieder hübsche Fundstücke auf den Markt, von denen viele erstmals auf CD erhältlich sind. Eines davon ist „Gullivers Reisen“, die die berühmten Geschichten von Jonathan Swift zur Grundlage haben. Ursprünglich vom Sender Freies Berlin im Jahr 1985 als Reihe konzipiert ist der Aufbau eher episodenhaft gestaltet, jeweils ein unfreiwilliges Reiseziel der Hauptfigur wird dabei abgehandelt. Abgetrennt wird dies von kleinen Abschnitten, in denen Gulliver von seinen Reisen berichtet, was dann hier für ein paar Dopplungen und Wiederholungen sorgt. Die wohl bekannteste Geschichte um Gulliver ist wohl sein Aufenthalt bei den Lilliputanern, was hier auch gleich der Auftakt ist. Doch auch im Land der Riesen und einigen anderen Kulturen muss sich Gulliver zurechtfinden und lernt dabei einiges um den Umgang miteinander – besonders da scheinbar absurde Handlungsweisen nur ein wenig anders betrachtet werden müssen und sich dann wunderbar auf die heutige Zeit übertragen lassen. So entsteht eine gelungene Mischung aus einer spannenden und phantasievollen Handlung, die von einiger Gesellschaftskritik durchzogen ist und so zum Nachdenken anregt. Die Erzählweise dieser Umsetzung ist manchmal etwas holprig geraten, manche Sequenzen etwas zu beliebig erzählt, was der Spannung nicht gerade immer tut. Die Atmosphäre hat mir jedoch gut gefallen, und da es einiges zu entdecken gibt, kann man mit „Gullivers Reisen“ hier viel Spaß haben.

Friedhelm Ptok ist in dieser Umsetzung als Hauptfigur Gulliver zu hören und übernimmt dabei sowohl Erzähltexte als auch Dialoge. Beides lässt sich durch seine Sprechweise gut unterscheiden, beides bringt er lebendig und eingängig herüber, sodass ein stimmiger Mittelpunkt der kleinen Reihe entstanden ist. Joachim Nottke ist als Admiral zu hören, seine warme Stimme nimmt hier einen Klang an, der etwas härter als gewohnt ist und gut in die abenteuerliche Szenerie passt. Susanna Bonaswicz spricht ein Riesenmädchen mit ihrer typischen Energie und hörbarer Freude an dieser Rolle. Auch ansonsten sind viele Sprecher zu hören, die man aus den früheren Kiosk-Produktionen kennt, beispielsweise Evelyn Meika, Gisela Fritsch und Frank Schaff.

1985 waren die technischen Mittel für Hörspielmacher noch ganz andere als heute, doch diese wurden geschickt genutzt, um eine dichte Atmosphäre zu erzeugen. Da gibt es Unterschiede in der Lautstärke der Stimmen, um die Größenunterschiede deutlich zu machen, da werden viele Geräusche eingebaut, die eine abenteuerliche Stimmung erzeugen, und es gibt so einige Musikstücke, die passend in den Szenenübergängen plaziert wurden.

Das Cover zeigt in einer sehr nostalgischen Zeichnung, wie die Lilliputaner mit ihrem großen Heer in den Kampf ziehen, während Gullivers Stiefel den Unterschied in der Körpergröße zur Geltung bringen. Die beiden CDs sind in einem Digipack untergebracht, das schlicht und übersichtlich gestaltet wurde. Die Sprecher sind dabei leider nicht ihren Rollen zugeordnet, auch die übrigen Mitwirkenden ließen sich anscheinend nicht komplett ausmachen.

Fazit: Die verschiedenen Stationen von „Gullivers Reisen“ werden hier sehr lebendig und abwechslungsreich dargestellt, wobei der Fokus immer auf den scheinbaren Unterschieden zwischen den Kulturen gelegt wurde. Das ist durch viele starke Dialoge gut erzählt, selbst wenn die Spannung an einigen Stellen nicht ganz optimal herausgearbeitet wurde. Schön, dass es diese Produktion wieder käuflich zu erwerben gibt!

VÖ: 26. Oktober 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0379-7


Väter und Söhne



Im Jahr 1958 kehrt der Student Arkadij Kirsanow nach Hause zurück und wird von seiner Familie herzlich aufgenommen – ganz im Gegensatz zu seinem Kommilitonen Bazarow, den er zu Besuch mitgebracht hat. Insbesondere sein Vater stört sich an dessen Weltanschauung, die alles in Frage stellt, woran er glaubt. Doch bei seinem Aufenthalt gerät Bazarow nicht nur durch die vielen Diskussionen ins Grübeln, sondern auch durch die Begegnung mit der jungen Witwe Anna...

„Väter und Söhne“ gehört unzweifelhaft zu den wichtigsten russischen Gesellschaftsromanen, der seit 1861 Bestand hat und auch heute noch mit seiner sehr detaillierten Beschreibung des Generationenkonflikts. Der Hörverlag hat nun eine Audioversion des Klassikers veröffentlicht, die 1974 in Kooperation des bayrischen und saarländischen Rundfunks mit Starbesetzung produziert wurde. Der Verlauf der Handlung ist dabei – für diese Epoche üblich – recht langsam, die Dialoge stehen immer im Mittelpunkt. Sehr ausführlich erklären die Protagonisten dabei ihre Ansichten, diskutieren über die Gesellschaft, über Kunst und Wissenschaft. Gerade zu Anfang wird die Handlung dadurch geprägt, ein Großteil der ersten CD handelt auf dem Gut der Kirsanows. Sehr facettenreich wird dabei nicht nur herausgearbeitet, wie das russische Volk zu dieser Zeit gespaltet ist zwischen Tradition und Aufbruch, zwischen dem eigenen kulturellen Erbe und der Anpassung an westliche Gepflogenheiten. Doch dahinter steckt eben noch mehr: Der ewige Konflikt zwischen Eltern und ihren Kindern, die sich aneinander aufreiben und ihre Lebensweise für die einzig wahre halten. Beides kommt sehr gut zur Geltung, sodass man die Charaktere im Laufe der Zeit sehr gut kennenlernt. Später nimmt die Handlung ein bisschen mehr Fahrt auf und konzentriert sich vor allem auf Bazarow und Arkadij, die mit Anna erstmals die Liebe kennenlernen – was so gar nicht in ihr bisheriges, nihilistisches Weltbild passen mag. Wie die beiden sich durch die Liason verändern, ist ebenfalls sehr intensiv umgesetzt und überzeugt mit vielen starken, bildhaften Sätzen.

Gerd Böckmann ist in der Rolle des Bazarow zu hören und setzt diese mit viel Energie um, sodass seine Sätze mit viel Überzeugungskraft und einer präsenten Aura zur Geltung kommen. Willi Kowalj arbeitet sehr gut heraus, dass seine Überzeugungen nicht ganz so stark ausgeprägt sind, er drückt die Bewunderung für seinen Kommilitonen und die Hingabe für Anna sehr gekonnt aus. Horst Tappert ergibt sich als traditionsbewusster Pawel in leidenschaftlichen Diskussionen, wobei seine traditionelle Sichtweise ebenfalls immer Platz findet. Weitere Sprecher sind Gert Westphal, Siegfried Lowitz und Mechthild Großmann.

Produktionen aus dem Jahr 1974 klingen natürlich ganz anders als moderne Hörspiele, der Klang ist jedoch gut und die Stimmen klar, wenn auch vielleicht etwas leiser als gewohnt. Eine Handvoll Geräusche setzen in einigen Dialogen Akzente, ebenso wie ab und an eine sanfte Klaviermelodie eingebaut ist. Die Dialoge stehen aber zu jeder Zeit im Vordergrund und stehen meist für sich allein.

Ein klassisches Ölgemälde ist für das Cover ausgewählt worden, welches tatsächlich den Flair des damaligen Russlands einfangen kann. Die beiden CDs finden sich in einem hübschen Digipack mit weiteren Fotos, Infos zu einigen Mitwirkenden, einer Kurzbiographie des Autors, einige Gedanken zum Stück selbst sowie einem Stammbaum der Hauptfiguren überzeugt.

Fazit: „Väter und Söhne“ zeigt in dieser sehr gelungenen Umsetzung, warum es einen Platz unter den bekanntesten russischen Werken gefunden hat. Nicht nur kommt die Stimmung der damaligen Zeit sehr gut zur Geltung, es werden viele gesellschaftliche Themen angesprochen, ebenso wie die Charaktere und ihre Konflikte sehr nahe beleuchtet werden. Sicherlich muss man sich auf die langsame Entwicklung einlassen, wird dann aber viele lohnenswerte Details entdecken.

VÖ: 3. September 2018
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-3012-4


Die feuerrote Friederike



Von den Kindern in der Straße wird Friederike ausgelacht und gehänselt – und das nur wegen ihrer feuerroten Haare, die ihr in wilden Locken vom Kopf abstehen. Sie wächst bei ihrer Annatante auf und findet bei ihr und dem Kater Geborgenheit und immerhin einen Freund: Der Briefträger Bruno ist völlig egal, welche Haarfarbe sie hat – vielleicht auch, weil er farbenblind ist...

Bis ins hohe Alter hat die 2018 verstorbene Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger gearbeitet und neue Bücher veröffentlicht, vollkommen zurecht gilt sie als eine der wichtigsten Vertreterinnen ihres Genres. 2018 ist auch ein Hörspiel von SWR und NDR produziert und vom Audio Verlag auf CD gepresst worden, welches ganz an den Anfang ihres Werkes zurückblickt und ihr allererstes Buch vertont: Die feuerrote Friederike. Die Geschichte hat nichts von ihrer Aktualität verloren, im Kern geht es um ein Kind, das gehänselt wird, Außenseiter ist und nirgendwo richtig Anschluss findet. Ein wenig von dem Beiwerk wirkt dabei einen Hauch nostalgisch, aber auf sehr angenehme Art und so, dass auch „Kinder von heute“ sich in der Geschichte wiederfinden können – insbesondere weil die Umsetzung modern und ansprechend geraten ist. Das fängt schon bei den rhythmisch-melodischen Hänseleien der Kinder an und hört bei den lebendig agierenden Sprechern noch lange nicht auf. Schön sind besonders die magischen und geheimnisvollen Elemente, die eingebunden sind, beispielsweise die Fähigkeit, die Friederike durch ihre Haare hat, oder der Aufenthaltsort einer wichtigen Figur, die durch ein kleines Wortspiel eingebaut wurde. Viele liebenswerte Momente und eine wundervolle Grundstimmung bei Friederike zu Hause prägen das Hörspiel, dazu in hartem Kontrast die Gemeinheiten der anderen Kinder – in „Die feuerrote Friederike“ geht es sehr dynamisch und ein bisschen spannend zu, was durch das ungewöhnliche Ende noch unterstrichen wird. Nicht nur als Buch, sondern auch als Hörspiel ist das Erstlingswerk von Nöstlinger sehr empfehlenswert.

Die Sprecherauswahl ist dem Produktionsteam sehr gut gelungen, bekannte und neue Stimmen wechseln sich hier ab. Toni Lorentz gehört wohl eher zur zweiten Kategorie, hat als Friederike aber eine sehr gute Leistung abgeliefert: Mit dem nötige Feuer, um enttäuschte Hilflosigkeit und ebenso treffend darzustellen wie eine ordentliche Portion Starrsinn setzt sie die Figur wild und entschlossen um. Toll auch Sandra Schwittau, die ihre Stimme hier besonders kratzig klingen lässt und so dem Kater zu einer ganz besonderen Ausstrahlung zu verhelfen. Die wunderbare Brigitte Grothum ist als Erzählerin zu hören, sie verleiht ihren Passagen viel von der Warmherzigkeit, die auch in den Spielszenen zu hören ist und lässt diese sehr lebendig wirken. Weitere Sprecher sind Sewtlana Schönfeld, Heiko Pinokowski und Leo Knizka.

Wie bereits erwähnt wirkt die Umsetzung der Handlung sehr treffend, besonders die rhythmisch vorgetragenen Beleidigungen von Friederike sind perfekt umgesetzt. Aber auch andere Protagonisten sind mal singend zu hören, dann ist mal eine kleine instrumentale Melodie zu hören, dann gibt es eine mit Geräuschen hübsch gestaltete Szene, sodass eigentlich immer etwa los ist, was sehr stimmig wirkt.

Klar, dass das Buchcover auch für diese Audioausgabe verwendet wurde. Ein dicker, natürlich roter Rahmen fasst das Bild von Friederike ein, die mit herrlich einfachen Formen gezeichnet wurde und deren buschige Haare bestens zur Geltung kommen. Das Innere des schlichten und hübschen Digipacks ist übersichtlich gestaltet.

Fazit: „Die feuerrote Friederike“ ist eine wundervolle Geschichte voller Fantasie und Kraft, in der sich Kinder mit einem wichtigen Thema konfrontiert sehen – sei es, weil die selbst geärgert werden oder ihr eigenes Verhalten reflektieren müssen. Die Umsetzung ist dank toller Sprecher und einer lebendigen Gestaltung sehr gut gelungen und macht einfach Spaß.

VÖ: 21. September 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0762-7


Pinocchio



Bei dem armen Puppenbauer Geppetto taucht eines Tages die Fee Franka auf und will ihm unbedingt einen Wunsch erfüllen. Doch sie ist im Zaubern noch ziemlich ungeübt, sodass ihr Versuch ziemlich schief geht, ein Kind für den alten Mann zu erschaffen. Traurig zieht sie von dannen und merkt nicht, dass ihr Wirken doch funktioniert hat: Ein Holzscheit aus der Werkstatt ist tatsächlich zum Leben erwacht...

Seit vielen Jahrzehnten begeistert die Geschichte um Pinocchio zahllose Kinder, sei es die Originalgeschichte von Carlo Collodi oder in einer der zahlreichen Umsetzungen. Eine weitere davon wurde 2014 vom Deutschlandradio Kultur produziert und ist vier Jahre später beim Hörverlag als Kauf-CD erschienen. Dabei wurde die Grundstruktur der Vorlage beibehalten, aber sanft modernisiert und mit witzigen Elementen angereichert. Ein Beispiel hierfür ist Fee Franka, die herrlich schusselig ist, ihre Güte ist zwar weiterhin vorhanden, aber hinter einer ziemlich kessen Sprechweise verborgen. Ergänzt durch viele Wortspiele freut man sich, dass die Figur hier mehr Raum einnimmt. Auch ansonsten istd ei Wortwahl und das Tempo gut an heutige Hörgewohnheiten von Kindern angepasst, die so die Geschichte auf eine neue Art erleben können. Auch diese Umsetzung findet dabei moralisch ziemlich deutliche Worte und zeigt, dass das Leben eben nicht nur aus Spaß und Gemütlichkeit bestehen kann und man auf Erwachsene hören sollte, der Grundtenor ist aber eben etwas lockerer. Die Laufzeit ist mit etwas über 50 Minuten gut gewählt und strapaziert die Aufmerksamkeit der Zielgruppe nicht zu sehr, sodass einige Teile des Originals wegfallen oder in Kurzform erzählt werden. Die Idee, dem Erzähler eine ganz besondere Rolle zuzuweisen ist ebenso gelungen und ein weiteres Beispiel für die sehr gelungene Umsetzung des Kinderbuchklassikers.

Leo Knizka ist in der Hauptrolle des Pinocchio zu hören und überzeugt dabei, indem er der Figur eine freche und spontane Art verleiht, die alles andere als hölzern wirkt (für das Wortspiel bitte ich um Entschuldigung). Mandy Rudski hat mir als Fee Franka richtig gut gefallen, da sie eine sehr breite Palette an Emotionen leistet und zwischen Engagement, Tollpatschigkeit, Herzenswärme und einer ruppigen Art spielend und sehr glaubhaft wechselt. Jens Wawrczeck wurde als Erzähler ausgewählt und setzt seine markante Stimme sehr gekonnt ein, um eine witzige und liebevolle Stimmung zu schaffen, wobei er seine ganz besondere Rolle gut einbaut. Weitere Sprecher sind Ulrich Noethen, Lyonel Holländer und Markus Meyer.

So modern die Geschichte auch manchmal umgesetzt wurde, die akustische Gestaltung ist insgesamt eher nostalgisch geraten. Der Einsatz von Musik ist recht zurückhaltend, was den Fokus mehr auf die Stimmen und ihre Dialoge lenkt. Die Geräusche sind zwar durchgängig zu hören, wirken traditionell und klassisch. Das passt alles gut zusammen und erfreut die Ohren aller Generationen.

Eine niedliche Zeichnung von Pinocchio und Gepetto wurde als Titelbild ausgewählt, auch diese wirkt eher klassisch denn modern. Viele kleine Details und die warme, erdige Farbgebung sorgen für eine angenehme Stimmung. Im Inneren des hübschen Digipacks befindet sich noch ein eingeklebtes, umfangreiches Booklet mit vielen weiteren Informationen, Fotos und Zeichnungen.

Fazit: Die Geschichte funktioniert auch heute noch sehr gut, die sanfte Bearbeitung mit der moderneren und humorvolleren Art bringt aber zusätzliche positive Aspekte mit ein. Der Verlauf ist sehr kurzweilig, auch weil einiges verkürzt wurde. Die allzu moraltriefenden Szenen wurden abgeschwächt, sodass die Lektionen noch gut zu spüren sind, aber eben nicht mit dem erhobenen Zeigefinger präsentiert werden.

VÖ: 1. Oktober 2018
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2819-0


Hörbe und sein Freund Zwottel



Hörbe, ein bodenständiger Hutzelmann, der in einem gemütlichen Häuschen mitten im Wald lebt, hat in dem lebendigen und aufgedrehten Zottelschrat Zwottel einen neuen Feund gefunden, beide sind seit einigen Tagen unzertrennlich. Doch die anderen Hutzelmänner sind alles andere als begeistert von Zwottels Einzug in das Haus, allein schon wegen seines ohrenbetäubenden Schnarchens...

Die ganz große Aufmerksamkeit haben die „Hörbe“-Bücher von Otfired Preußler bisher nicht bekommen. Das ist zwar einerseits bedauerlich, wenn sie den ganzen großen Klassikern in nichts nachstehen. Aber es reicht eben manchmal, wenn sich dann eben doch Menschen zusammenfinden, die ein tolles Hörspiel aus einem Buch machen, wie es nun mit „Hörbe und sein Freund Zwottel“ geschehen ist. Die Veröffentlichung beim Audio Verlag kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, da das Grundthema perfekt zu so einigen gesellschaftlichen Entwicklungen passt. Zwottel wird herrlich lebensfroh, witzig, charmant und loyal dargestellt, fällt aber eben in der Gemeinschaft der alteingesessenen Hutzelmänner immer wieder auf. Dabei will er nur Teil des Waldes sein, mit seinem Freund Hörbe zusammen sein und das Leben genießen. Da gerade Kinder das aufgedrehte Kerlchen ins Herz schließen, ist es ihnen unverständlich, warum die anderen Hutzelmänner ihn ablehnen. Schön, dass auch sie bald auftauen und ebenso viel Zuneigung für Zwottel finden, sogar in vielen Dingen unterstützen, dass er bei ihnen bleiben kann, selbst wenn es für sie mit kleinen Einschränkungen verbunden ist. Und dann gibt es am Ende eben noch eine wundervoll weihnachtliche Stimmung, die das Hörspiel gekonnt abrundet und viel Harmonie (und ein bisschen Hektik) verbreitet.

Dass Sandra Schwittau eine hervorragende Sprecherin für ernste wie heitere Charaktere ist, beweist sie hier einmal mehr als Zwottel, der durch sie eine unglaublich niedliche und liebenswerte Aura verliehen bekommt – zumal sie seine vielen Wortspiele mit den Vokalverdrehereien absolut natürlich wirken lässt. Nico Holonics arbeitet den Gegensatz dazu als geerdeter Hörbe sehr gut heraus, spricht eingängig und ruhig, aber auch sehr liebenswert. Brigitte Hobmeier ist als Erzählerin im Einsatz und sorgt für Kurzweil in ihren Passagen, die sie mit ihrer warmen und angenehmen Stimme ausfüllt. Weitere Sprecher sind Jirka Zett, Ernst Konarek und Marek Harloff.

Akustisch ist hier schon ziemlich viel los, was die lebendige Aura der Figuren unterstreicht. Dennoch stehen immer die Dialoge und die Handlung im Vordergrund, sodass auch Kinder nicht allzu sehr vom eigentlichen Verlauf abgelenkt werden. Da gibt es aber eben auch einige treffend ausgewählte Geräusche und flotte Melodien, die die Stimmung der Geschichte unterstreichen.

Das Buch ist vor einiger Zeit neu veröffentlicht worden, und hiervon wurde auch das überarbeitete Cover übernommen. Hörbe und Zwottel gehen darauf Hand ind Hand durch den Wand, der herbstlich und freundlich wirkt, während in die Zeichnung auch die Eigenschaften der beiden Hauptfiguren eingeflossen sind. Die Farbgebung hiervon zieht sich durch die gesamte Aufmachung des stabilen Digipacks.

Fazit: Ein wundervolles Buch, eine wundervolle Vorlage. Die liebevollen Figuren, eine gut erzählte Geschichte mit eher langsamem Tempo , sodass auch Kinder gut folgen können, dazu das Thema, das hochaktuell ist und in angenehmer Atmosphäre sehr gut verpackt wurde. Hier passt alles sehr gut zusammen, zumal die Sprecher sehr viel Spaß an ihren Rollen haben. Sehr hörenswert!

VÖ: 21. September 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0670-5


Pandora und der phänomenale Mr Philby



Pandora macht sich große Sorgen, als ihre Mutter ihr erzählt, dass ihr Hotel nicht mehr genug einbringt und vielleicht verkauft werden muss. Und obwohl die Ferien gerade begonnen haben, sind die Gäste tatsächlich ziemlich übersichtlich. Zu ihnen gehört der verwöhnte Ashley, der zwar gut kochen kann, Pandora aber dennoch auf die Nerven geht. Und dann ist da noch Mr Philby, ein Maler, der sich von der Gegend inspirieren lassen möchte und Pandoras besten Freund Zack einen ziemlichen Floh ins Ohr setzt...

Krimis mit viel Lokalkolorit und leicht verschrobenen Charakteren funktionieren für Erwachsene schon ziemlich gut – warum dieses Konzept nicht auch für Kinder adaptieren? Autorin Sabine Ludwig hat genau dies in „Pandora und der phänomenale Mr Philby“ gemacht, nach dem erfolgreichen Start als Buch ist nun auch eine Hörspielumsetzung bei Oetinger Audio erschienen. Zuerst wird dem Hörer dabei viel Zeit gegeben, die charmante Szenerie, die wildromantische Umgebung Cornwalls und die liebevollen Charaktere kennenzulernen – zunächst nur mit einem unsympathischen Eindruck von Mr Philby, aber noch ohne rechte Krimi-Elemente. Der Einstieg ist dennoch sehr gut gelungen, der drohende Verlust des Hotels, Pandoras Auftrag auf Ashley aufzupassen, der aufkommende Streit mit Zack – das passt alles gut zusammen und sorgt für stimmige Unterhaltung. Doch noch vor dem Ende der erste CD verdichtet sich der Verdacht gegen Mr Philby, und dann kommt auch ein seltsamer Todesfall hinzu, der mehr als geheimnisvoll wirkt. Pandora und ihre Freude stellen einige Ermittlungen an, erkunden die Gegend, eignen sich wichtiges Wissen an, befragen mögliche Zeugen – all das wirkt ziemlich abenteuerlich und erinnert an einige Klassiker der Hörspielunterhaltung. Auf die Fünf Freunde wird dabei sogar namentlich eingegangen, dennoch entwickelt diese Geschichte ihr eigenes Profil – besonders weil die Charaktere so herrlich verschroben sind und jeder seine ganz eigene Note mit einbringt. Die Auflösung des Ganzen ist gut erzählt und bietet zuhörenden Kindern einige Überraschungen, wobei die geheimnisvolle Stimmung noch einige Zeit anhalten kann. Und so ist auch der guten Vorlage ein ebenso starkes Hörspiel geworden, das angenehme Abwechslung in den Hörspielmarkt bringt.

Die Sprecher sind gut auf die verschiedenen Rollen abgestimmt, und da auf einen Erzähler verzichtet wird, sind zahlreiche unterschiedliche Stimmen zu hören. Katharina Kron passt sehr gut in die Hauptrolle der Pandora, kann das recht grantige und willensstarke Mädchen mit viel Energie umsetzen und punktet mit einer facettenreichen Sprechweise. Jakob Roden bringt die etwas skurrile Aura von Ashley sehr gut zur Geltung und spricht meist mit authentischer Wirkung, in einigen Szenen wirkt er aber noch etwas hölzern. Marc Hosemann ist als Mr Philby zu hören, er baut eine mysteriöse Atmosphäre um den Maler auf, sodass man gerade zu Anfang gar nicht weiß, was man von ihm halten soll. Weitere Sprecher sind Barbara Philipp, Friederike Kämper und Janina Sachau.

Die akustische Umsetzung der Folge ist sehr vielfältig, wobei nur recht wenige Melodien im Einsatz sind. Vielmehr sind immer sehr präsente Hintergrundgeräusche zu hören, die für meinen Geschmack manchmal zu laut eingestellt sind, aber eben auch für eine dichte Atmosphäre sorgen. Auch die Handlungen der Personen sind damit ausführlich untermalt, was für einige sehr präsente Momente sorgt.

Die Kinder, die mit dem Licht eines Smartphones zu Gegend erkunden, Mr Philby, mal von vorne, mal einen steilen Felsen erkundend. Die stilisierte Silhouette eines fallenden Mannes, dazu noch viele weitere Szenen aus dem Hörspiel – das collagenhafte Cover im witzigen Comicstil ist gut zusammengestellt. Das Innere bietet neben einer Übersicht aller Mitwirkenden auch eine ausführliche Trackübersicht.

Fazit: Der abenteuerliche Kinderkrimi punktet mit vielen wunderbar gestalteten Figuren, die alle ihre eigene Note mit einbringen. Es dauert zwar etwas, bis die Handlung richtig losgeht, doch alles ist spannend und geheimnisvoll umgesetzt, während auch die Stimmung Cornwalls sehr gut zur Geltung kommt. Eine sehr gelungene Produktion mit vielen gelungenen Finessen.

VÖ: 20. August 2018
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-1030-6


Janosch – Der kleine Tiger wünscht sich Tigerfreunde



Nicht nur mit dem Bären, sondern auch mit dem schnellen Hasen, dem müden Maulwurf und den anderen Bewohnern des Tals ist der kleine Tiger ziemlich gut befreundet. Dennoch wünscht er sich manchmal einfach ein paar Tigerfreunde zum Spielen. Der kleine Bär will ihm diesen Wunsch gern erfüllen, doch wie soll er das anstellen...?

Oetinger Audio hat schon zahlreiche sehr liebevolle Hörspielumsetzungen produziert und nun eine neue Serie um die liebevollen Figuren von Janosch auf den Markt gebracht. Zwei Folgen sind zum Start erschienen, wobei auf „Der kleine Tiger wünscht sich Tigerfreunde“ neben der Titelgeschichte noch zwei weitere Episoden befinden. Produziert wurde wieder von Florian Fickel, der den Charme der Figuren sehr gekonnt einfängt, aber auch auf eine neue Ebene transportiert. Die erste Geschichte orientiert sich noch sehr an den Ideen von Janosch und liefert eine sehr putzige Handlung, in der die Figuren voll im Mittelpunkt stehen und ihre Eigenheiten sehr witzig zur Geltung bringen. Doch auch hier gibt es natürlich eine spielerisch eingebundene Moral, die einen für Kinder wichtigen Wert vermittelt. Wie man während eines Streits miteinander umgeht, wenn keiner nachgibt, wird in „Der kleine Tiger ist beleidigt“ gezeigt. Hier stehen die moralischen Aspekte deutlicher im Vordergrund, die Handlungen der beiden Figuren werden auch immer wieder dahingehend kommentiert, dennoch ist eine weitere, herzerwärmende Geschichte um die Figuren entstanden. Bei „Der fremde Maulwurf“ kommt dann eine dicke Überraschung auf den Hörer zu, hier wird auf sehr verständliche, kindgerechte und auch witzige Weise ein sehr aktuelles Thema angesprochen. Das hätte ich so nicht erwartet (auch wenn ich diese Folge als zweites gehört habe und das Medien-Thema schon sehr gut umgesetzt fand), doch durch die sehr feinsinnige Erzählweise ist das sehr zugänglich geschehen. Drei sehr gelungene Episoden, die den positiven Start in die neue Serie unterstreichen.

Der wunderbare Stefan Kaminski ist in der Rolle des kleinen Tigers bestens aufgehoben und schafft es spielend, viele Facetten aus der Figur herauszukitzeln und sie vollkommen liebenswert und ein bisschen aufgekratzt wirken zu lassen. Michael Pan spricht den schnellen Hasen mit seiner sehr prägnanten Stimme, drängt sich aber nicht in den Vordergrund und kann auch den anderen Figuren die Bühne überlassen. Fritz Rott ist bisher noch nicht allzu sehr in Hörspielen in Erscheinung getreten, schafft aber als Riesengrauer Elefant eine weitere sehr niedliche Figur, die in seinen Szenen gut zur Geltung kommt. Weitere Sprecher sind Jürgen Kluckert, Claudio Maniscalo und Ingo Albrecht.

Mir gefällt nicht nur die Geschichte gut, sondern auch wie diese akustisch unterlegt ist. Viele Geräusche lassen die Dialoge sehr lebendig wirken, wobei nicht nur die einzelnen Handlungen unterlegt werden, sondern auch die Kulisse für die Sprecher sehr hübsch dargestellt wird. Dabei geht es mal natürlich, mal witzig und comichaft zu, was einen sehr runden Eindruck hinterlässt.

Ein rotes Sofa mitten auf einer grünen Wiese – eine typische Idee für Janosch. Bär und Tiger sitzen Arm in Arm darauf, während noch einige weitere gestreifte Großkatzen darum tollen. Alles natürlich im typisch, leicht struppig wirkenden Zeichenstil von Janosch, der die liebevollen Figuren sehr gut zur Geltung bringt. Im Inneren herrscht übersichtliche Schlichtheit, eine ausführliche Tracklist ist aber vorhanden.

Fazit: Drei wundervolle Geschichten mit Herz und Hirn, denn nicht nur sind die Figuren sehr liebevoll dargestellt, die einzelnen Episoden vermitteln auch noch wichtige Werte für Kinder. Auf spielerische Art ist das sehr herzlich umgesetzt und punktet mit einer guten Länge für Kinder, allerdings werden auch zuhörende Erwachsene viel Spaß an dieser CD haben.

VÖ: 24. September 2018
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-1070-2


Janosch – Als Tiger und Bär beinahe das Beste verpassten



Der kleine Tiger und der kleine Bär besuchen an einem Tag alle ihre Freunde, den müden Maulwurf, den schnellen Hasen, Tante Gans und all die anderen. Dabei merken sie, dass sie den ganzen Tag über ziemlich viel verpassen und mehr mit ihnen in Kontakt bleiben wollen. Da hat der Tiger eine wunderbare Idee, wie sie das schaffen können...

Seit Jahrzehnten begleiten die Figuren von Janosch ganze Generationen durch die Kindheit, wobei der kleine Tiger und der kleine Bär besondere Beliebtheit erlangt haben. Oetinger Audio hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, neue Geschichten für genau diese Figuren zu entwickeln, wofür sich Florian Fickel als Autor und Regisseur verantwortlich zeigt, der im eigenen Verlag bereits viel Erfahrung mit Kinderhörspielen gesammelt hat. Zum Start sind gleich zwei CDs erschienen, wovon „Als Tiger und Bär beinahe das Beste verpassten“ zwei Geschichten beinhaltet. Die Figuren sind wunderbar getroffen und werden um liebevolle Figuren ergänzt, wobei viele witzige Ideen mit eingeflossen sind. Das Ganze versprüht eine sehr putzige Aura, alles ist sehr liebevoll und mit viel Charme umgesetzt, was an den tapsigen, leicht verschrobenen Charakteren liegt. Die Erzählweise hat Fickel gut vom großen Original adaptiert, so sind die Aussagen der Sprecher oft mit einem „sagte er“ versehen. Bei den gewählten Themen zeigt sich aber die sanfte Modernisierung, die vorgenommen wurde, ohne den alten Charme vermissen zu lassen. Und so kann hier problemlos Kritik an sozialen Medien (!) geübt werden, ohne die große Naturverbundenheit zu vernachlässigen. Beide Geschichten sind zudem sehr kurzweilig und unterhaltsam geraten, die Länge ist sehr angenehm – pro Episode werden etwas über 20 Minuten veranschlagt. Doch besonders toll ist, dass es sich hier um ein Hörspiel für Kinder handelt, bei dem aber auch Erwachsene gern zuhören.

Die Auswahl der Sprecher ist hervorragend, wobei sich viele bekannte und beliebte Sprecher eingefunden haben. Beispielsweise ist der wunderbare Santiago Ziesmer als Fisch zu hören und findet wieder eine neue Facette für seine außergewöhnliche Stimme, womit er sich sehr gut in die warme Atmosphäre einfügt. Bernd Gnann spricht den Bären mit einer tappsigen, sehr freundlichen und ruhigen Art, was schnell Sympathien weckt und sehr rund wirkt. Toll ist auch Cathlen Gawlich als Tante Gans, auch sie findet in einem Repertoire einen sehr herzlichen und etwas aufgekratzten Klang, in ihren Szenen ist sie sehr präsent. Weitere Sprecher sind Stefan Kaminski, Michael Pan und Ingo Albrecht.

Auch akustisch hat mich die Umsetzung vollkommen überzeugt, sie betont die naturverbundene und herzliche Atmosphäre, bringt aber auch an den richtigen Stellen mit feschen Melodien neuen Schwung in die Handlung. Die Dialoge sind mit vielen Geräuschen untermalt und erhalten so viel Lebendigkeit, für Kinder wird aber auch das Verständnis zu erhöht – beispielsweise wird am Anfang jeden neuen Tages ein lauter Hahnenschrei eingespielt.

Klar, dass eine der niedlichen Zeichnungen von Janosch auf dem Cover zu sehen ist. Bär und Tiger halten sich darauf an den Händen und tanzen halb im Regen, halb im Sonnenschein, was die Aussage der ersten Episode bestens unterstreicht. Im Inneren gibt es eine kleine Trackübersicht sowie eine ausführliche Übersicht aller Mitwirkenden. Ein paar der niedlichen Bildchen wären noch schön gewesen.

Fazit: Der Start in die neue Serie ist sehr gut gelungen und überzeugt mit seiner sehr niedlichen Ausstrahlung. Die Figuren sind sehr gut erdacht und machen einfach Spaß, besonders in der Interaktion untereinander entfalten sie ihren vollen Charme. Die Geschichte zeigt, dass auch diese klassischen Figuren für aktuelle, sozialkritische Themen geeignet sind, was ideenreich und witzig umgesetzt wurde. Ein sehr hübsches Hörspiel!

VÖ: 24. September 2018
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-1071-9


Geronimo (Leon de Winter)



Am 2. Mai 2011 hat die lange Suche nach Osama Bin Laden Erfolg, ein Trupp von Elitesoldaten stürmt sein Versteck in Pakistan. Doch dies ist nur der Gipfel des Eisbergs, die langen Vorbereitungen hat auch der ehemalige CIA-Mitarbeiter Tom geprägt. Neben diversen Konflikten mit seiner Ex-Frau gerät er unversehens zwischen die Fronten des erbitterten Krieges...

Leon de Winter hat sich bereits seit langen einen Namen als international erfolgreicher Autor gemacht und baut immer wieder neue Ideen in seine Romane ein. „Geronimo“ bietet wieder eine handfeste Überraschung und hat sich aktuellster Zeitgeschichte angenommen: Der Tod Osama Bin Laden, Kopf von Al Quaida, Hintermann der Anschläge vom elften September, Drahtzieher einer globalen Terrororganisation. All das wird in der Geschichte, die in einer aufwändigen Hörspielfassung auch beim Audio Verlag erhältlich ist, zu großen Teilen ausgespart und eben nur die Entwicklungen präsentiert, die schließlich zur Exekution des wohl meistgesuchten Mannes führten – und zwar in einer sehr alternativen Version, die deutlich von offiziellen Versionen abweichen. Er hat seine ganz eigene Sicht der Dinge präsentiert, Bin Laden wird beispielsweise als herrischer Hausmann mit Hang zu Eiscreme dargestellt. Da blitzt dann auch immer wieder Humor mit auf, bei dem man sich unweigerlich fragt: Darf er das? Vor dem Hintergrund des Todes unzähliger Menschen? Die Antwort wird jeder für sich selbst beantworten müssen, die Qualität des Hörspiels beeinflusst dies jedenfalls nicht. Der Aufbau ist dynamisch, da zwischen verschiedenen Erzählperspektiven gewechselt wird, die Charaktere sind sehr klar und greifbar (wenn auch manchmal etwas eindimensional). Es haben sich allerdings auch einige langwierige Szenen eingeschlichen, die die Handlung ins Stocken bringen. Wie immer bei Romanen von Leon de Winter ist die Verwendung der Sprache vielseitig, treffend und flüssig, was über die kleinen Stolpersteine hinwegtrösten kann.

Tom Johnson wird von Sylvester Groth gesprochen, der sehr gut in die Rolle passt und mit viel Ausdruck zum Leben erweckt. Er verändert seinen Klang immer wieder um feine Nuancen, sodass auch die Entwicklung seines Charakters nachvollzogen werden kann. Barbara Nüsse bildet als Ruth Florentino einen markanten Gegenpart zu ihm, auch sie trifft immer genau den richtigen Ton und vertieft die Stimmung der Handlung noch weiter. Matthias Bundschuh schafft einen sehr gelungenen Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und bitterer Satire, was seinen Szenen ein sehr eindringlichen Eindruck verleiht. Weitere Sprecher sind Stephanie Eidt, Birte Schöink und Sebastian Urzendowsky.

Die Umsetzung des NDR, der das Hörspiel produziert hat, ist stimmig und einem modernen Thriller sehr angemessen. Dabei halten sich Musik und Geräusche die Waage, die endgültige Entscheidung ist dabei immer zugunsten der Dialoge gefallen. Dennoch wird der Spannungsbogen gekonnt untermalt und nachgezeichnet, was insgesamt gut gelungen ist.

Der strahlend weiße Hintergrund der Buchvorlage wurde auch hier übernommen, ebenso wie das Motiv mit dem stilisierten Hubschrauber, dessen Rotoren rot leichten und einen der wenigen Farbtupfer bildet. Die vier CDs sind in einem Digipack mit Papplaschen untergebracht, wobei neben einem Foto aus den jüngeren Jahren von Bin Laden auch ein unvergessenes Motiv der von ihm initiierten Anschläge zu sehen ist.

Fazit: Ein ungewöhnliches und durchaus heikles Thema, Osama Bin Laden einerseits auch in privaten Momenten zu zeigen – als auch seinen Tod unter anderen Blickwinkeln zu betrachten. Das ist über weite Teile spannend und dynamisch, lässt aber an einigen Stellen auch nach und kann den Nervenkitzel nicht durchgehend halten. Die Umsetzung ist ebenso wie die sprachliche Verwendung gelungen, doch vollkommen ist der Funke nicht übergesprungen.

VÖ: 20. Juli 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0642-2


Landung auf dem Mond und weitere Abenteuer



Auf dem Schrottplatz suchen die beiden Jungen Frank und Boris nach neuen Teilen für ihre Rakete, die sie bis zum Mond fliegen soll. Dort treffen sie auf den gleichaltrigen Michael, mit dem sie sich nach anfänglichen Reibereien schnell anfreunden. Und da sie einen wichtigen Motor inmitten all des Schrottes gefunden haben, können sie schon bald auf den Flug in den Weltall starten...

Der Audio Verlag hat schon für „Die Marsrakete“ tief in den Archiven gekramt und dort einige Hörspiele aus der Anfangszeit des Mediums ausgegraben. Mit „Landung auf dem Mond“ ist nun eine ähnliche CD auf den Markt gekommen, in der man so richtig in einer Nostalgiewelle schwimmen kann. Die vier enthaltenen Geschichte richten sich an Kinder, erzählen aber keine wirkliche Geschichte, sondern bieten viele Erklärungen an. Die erste Geschichte um die drei Kinder mit ihrem Flug zum Mond startet mit der Introszene auf dem Schrottplatz recht launig, zumal man hier einen interessanten Einblick in den Umgang der damaligen Kinder untereinander bekommt. Später wird hier gut aufbereitet, wie ein Flug auf den Mond mit dem stetigen Kontakt zur Erdbasis ablaufen könnte, wobei die drei Kinder vor Abenteuerlust glühen und dennoch sehr rationale Entscheidungen treffen. Das Hörspiel ist 1966 entstanden, als der „Mondfieber“ kurz vor ihrem Höhepunkt stand. Die anderen Geschichten widmen sich anderen Themen, sind aber inhaltlich ähnlich aufgebaut: Immer geht es darum, welche Meldungen gemacht werden, wie eine Informationskette zwischen verschiedenen Personen entsteht, um eine bestimmte Mission zu erfüllen. Da geht es um die Suche nach zwei Jungen auf hoher See, eine Agentenmission im U-Boot und die Notlandung eines Flugzeuges. Das mag für heutige Verhältnisse etwas dröge wirken, zumal keine wirkliche Handlung erzählt wird, ein interessanter Ausflug in eine ganz andere Art von Hörspielen wird aber allemal geboten.

In der ersten Episode ist die sehr junge Michael Harck als Boris zu hören und kann sowohl die anfänglich ziemlich raubeinige Art als auch die spätere, fast schon abgeklärte Sprechweise gekonnt präsentiert. Heidi Kabel gehört zu den prominentesten Sprechern der Besetzung, sie spricht in der zweiten Episode die Mutter und bringt ihre Aufregung dabei sehr glaubhaft zur Geltung. Friedrich Georg Backhaus ist als Konstrukteur des U-Bootes zu hören, er liefert eine sehr saubere Leistung ab und setzt seine schon damals markante Stimme gekonnt ein. Weitere Sprecher sind Wolfgang Schwarz, Rolf Mamero und Florian Kühne.

Jede der vier Episoden ist in den Jahren 1959 oder 1966 entstanden und hat damit schon viele Jahre hinter sich gebracht. Man hört dann auch, dass die Stimmen recht blechern wirken und sich ein leises Grundrauschen eingeschlichen hat. Musik ist dabei nicht im Einsatz, dafür sind zahlreiche Geräusche zu hören, die die einzelnen Vorgänge lebendiger gestalten.

Die Rakete, mit der die drei Jungen den Mond erreicht haben, ist in den Mittelpunkt des Covers gerückt und in einer detailreichen Zeichnung umgesetzt worden. Die zerklüftete Mondlandschaft und die Erde im Hintergrund sind gut dazu ergänzt. Auch die restliche Gestaltung ist um viele kleine Zeichnungen angereichert, die sich allesamt auf das Science Fiction-Thema stürzen.

Fazit: Vier unterschiedliche Geschichten, die die Neugier von Kindern nach genauen Informationen befriedigen, wie bestimmte Dinge ablaufen. Das ist gut aufbereitet und nachvollziehbar, aber auch recht speziell, da keine wirkliche Handlung eingebaut ist. Ein sehr interessanter Blick in sehr frühe Hörspielproduktionen.

VÖ: 31. August 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0395-7


Käpt'n Konny in der Klemme und weitere Abenteuer



Der kleine Konny wird von seinen Freunden nur mit Käpt'n angeredet und erlebt mit seiner Crew ein großes Abenteuer, als sie auf einem Segelschiff, das sie erobern, von Schmugglern überrascht werden. Die Jungs brauchen all ihren Mut und ihren Einfallsreichtum, um der Situation noch entkommen zu können...

Der Audio Verlag hat in seinen Archiven einen wahren Schatz ausgegraben und eine Vielzahl an kurzen Hörspielen aus der Anfangszeit des Mediums gefunden. Wunderbar, dass daraus so etwas wie eine kleine Reihe entstanden ist (jeweils erkennbar an dem Zusatz „und weitere Abenteuer“), aber auch, dass bei der Veröffentlichung mit dem Titel „Käpt'n Konny in der Klemme“ andere Ansätze gefunden wurden. So wirken die hier erzählten Episoden nicht so „technisch“, indem viele Abläufe erklärt werden, hier kommt der abenteuerliche Charakter besser zur Geltung. Zu diesem Eindruck trägt besonders die Titelgeschichte bei, die ein richtiges Lausbuben-Abenteuer mit einigen spannenden Szenen geworden ist und etwa eine Viertelstunde lang sehr temporeich geraten ist, aber auch den Charakteren eigene Züge verleiht. „Kidnapper gejagt von Scotand Yard“ hält, was der Titel verspricht und lässt die Suche nach einem entführten Jungen lebendig werden, legt den Fokus dabei auf die Polizeiarbeit, ohne wie einige Vorgänger reine Befehlsketten zu thematisieren. „Peterwagen ruft Libelle 7“ dreht sich um die Jagd auf einen Bankräuber, die etwas temporeicher hätte ausfallen können, während „Polizeihund Rex“ auch recht erzählerlastig ist und an einigen Stellen mehr Schwung vertragen hätte, mit dem gut gewählten Thema aber dennoch neue Akzente setzen kann. Eine gute Veröffentlichung der charmant-nostalgischen Reihe.

Michael Klapsch ist als Konny in der Titelgeschichte zu hören und bringt mit seiner direkten Art viel Lausbuben-Charme mit sich und verleiht der Handlung eine passende Ausstrahlung. Karl-Heinz Kreienbaum ist als Kidnapper der Antagonist der zweiten Episode zu hören und bringt das auch gut zur Geltung, übertreibt es aber nicht und ist so immer noch kinderfreundlich. Joachim Wolff ist als Erzähler in Abschnitt drei zu hören, wobei er eine klare Sprechweise wählt und so seine Passagen geradeheraus spricht. In den anderen Episoden erzählen Gottfried Kramer, Heinz Pieper und Max Schweigmann.

Die vier Produktionen stammen aus den Jahren zwischen 1959 und 1968 und klangen somit noch sehr anders als heutige Produktionen. Keine Musik und nur wenige Geräusche, die essentiell nötig sind, ergeben eine recht nüchterne Atmosphäre, die aber eben auch viel nostalgischen Charme verbreitet. Der Klang ist klar, nur manchmal wirken die Stimmen etwas blechern.

Ein nostalgisch gezeichnetes Cover ziert das Digipack und zeigt Konny und seine Freunde, die gerade das Segelschiff kapern. Der verwendete Zeichenstil gefällt mir gut und passt wunderbar zum Hörspiel. Im Inneren sind die Sprecher übersichtlich aufgelistet, zudem hat die CD eine hübsche Schallplatten-Optik verpasst bekommen.

Fazit: Vier weitere Episoden, mit jeweils etwa einer Viertelstunde Länge, die viel nostalgischen Charme verbreiten und etwas lebendiger geraten sind als andere Teile dieser Folge. In den letzten beiden Geschichten stockt es zwar ab und an, es macht dennoch viel Spaß, wieder diese alte Machart von Hörspielen erkunden zu können.

VÖ: 31. August 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0396-4


Erbarmen – Das ungekürzte Hörspiel



Carl Morck hat sich nach einem schrecklichen Vorfall bei seiner Arbeit bei der Kopenhagener Polizei sehr verändert und soll unbedingt von seinen bisherigen Kollegen getrennt werden. Deswegen soll er fortan das Sonderdezernat Q eigenständig leiten und sich mit ungeklärten Kriminalfällen beschäftigen. Gemeinsam mit seinem kleinen Team macht er sich an die Arbeit und versucht einen lange zurück liegenden Mord aufzuklären...

Hörbücher sind bereits seit langem etabliert, auch Hörspiele nach Romanvorlagen finden immer öfter den Weg in die Regale der Plattenläden – dann aber meist deutlich gekürzt. Bei Audible ist nun allerdings die komplette Umsetzung von Jussi Adler-Olsens erster Geschichte um Carl Morck erschienen. Es war auch für mich als Hörer zunächst ungewöhnlich, dem Hörspiel mit dem Tempo eines Buches zu folgen, was noch einmal deutlich weit schweifender und verwinkelter ist. Doch daran gewöhnt man sich schnell, zumal der Einsatz des Erzählers vergleichsweise klein ausgefallen ist und fast alle Szenen aus Dialogen bestehen. So ist die Szenerie lebendig und nahbar, als Hörer war ich schnell in der Handlung angekommen und konnte in ihr neue Feinheiten entdecken. So ist das Hörspiel auch immer noch sehr lohnenswert, wenn man die Geschichte bereits kennt, denn durch das authentische Spiel der Sprecher und die reichhaltige Klangkulisse kommt eine sehr dichte Atmosphäre auf. Und die Geschichte an sich ist natürlich auch schon sehr reizvoll, da auf verschiedenen Zeitebenen erzählt wird, was die Spannung immer weiter ansteigen lässt. Und trotz des stetigen Informationsflusses, der die Handlung kurzweilig wirken lässt, bleibt der Hörer bis zum Ende im Ungewissen, wie sich alles zusammenfügt. Eine sehr gelungene und ausführliche Umsetzung des populären Romans, der mich völlig überzeugen konnte.

Justus von Dohnanyi ist in der Hauptrolle des Carl Morck bestens aufgehoben und hat den nötigen Ernst für diese komplexe Figur, kann die innere Zerrissenheit ebenso gekonnt darstellen wie den Wahn, den Fall unbedingt lösen zu wollen – eine sehr treffende Darstellung. Sehr positiv überrascht war ich von Caroline Kebekus, die ihren spritzigen Humor vollkommen abgelegt hat und sich vollkommen auf die düstere Atmosphäre einlässt, sodass die resolute Politikerin Merete Lyngaard schillernd und ausdrucksstark wirkt. Der wundervolle Erich Räuker ist als Erzähler im Einsatz und gestaltet seine Szenen sehr intensiv, lenkt die Aufmerksamkeit auf die wichtigsten Elemente und ist in seiner Betonung sehr sicher. Weitere Sprecher sind Michael Che Koch, Matthias Koeberlin und Dennis Moschitto.

Ebenso wichtig für das Gelingen dieser Produktion ist neben der Vorlage und den Sprechern auch die akustische Gestaltung, die sich reichhaltig und treffend präsentiert. Auch während vieler Dialoge sind kleine Melodien eingewoben, die die vorherrschende Stimmung verstärken und sehr abwechslungsreich sind. Auch die zahlreichen Geräusche sorgen für viel zusätzlichen Eindruck und klingen absolut authentisch, wobei die besonders spannenden Szenen besonders gut gelungen sind.

Auch bei der Gestaltung ist man eigene Wege gegangen und hat statt eines gezeichneten Motivs oder des Buchcovers wurden Fotos der beiden Hauptsprecher gewählt, die eigens hierfür entstanden sind. Besonders die intensive Blick von Dohnányi sticht dabei sofort ins Auge, die gräuliche Farbwahl unterstützt dabei die Wirkung der Geschichte.

Fazit: Mit der kompletten Hörspielumsetzung von „Erbarmen“ ist ein sehr hörenswertes Hörspiel entstanden, welches mit dem Tempo des Buches bestens zurechtkommt und so einen verschlungenen, vielschichtigen und intensive erzählten Thriller bietet. Die Figuren sind nicht nur sehr sorgfältig konstruiert, sondern auch mit hervorragenden Sprechern besetzt, auch die vielfältige Klangkulisse ist bestechend.

VÖ: 31. August 2018
Label: Audible
Bestellnummer: 978-3-7424-0732-0


Rotes Bayern – Es lebe der Freistaat!



Der erste Weltkrieg hat Deutschland auch wirtschaftlich ruiniert, die Bevölkerung ist der alten Staatsordnung müde. Dass dabei gerade im konservativen Bayern eine Revolution angezettelt wird, die unblutig zur Demokratie führt, ist kaum bekannt, und doch hat Kurt Eisner genau dies geschafft und mit Hilfe seiner Unterstützer den Freistaat modernisiert...

Geschichte wird immer noch oft als trockenes und langweiliges Auswendiglernen von Daten verstanden, da dies oft genug in der Schule so gelehrt wird. Dass das aber auch anders geht, zeigt das Hörspiel „Rotes Bayern – Es lebe der Freistaat“, einer Produktion des Hörverlags aus dem Jahr 2018. Denn hier wird Geschichte lebendig, man folgt einigen Charakteren auf ihrem Weg zur Demokratie, lernt die Zusammenhänge kennen und bekommt den Weg aufgezeichnet, der seine Auswirkungen bis in die heutige Zeit hat. Die Erzählweise ist dabei sehr gelungen, die einzelnen Teile fügen sich stimmig zusammen und ergeben mit der Zeit ein immer vollständigeres Bild der Zeit bekommt, gut nachvollziehbar und lebendig. Schön ist, dass das in eine Rahmenhandlung eingebunden ist und dennoch kleinere Episoden als Nebenschauplätze ihren Platz gefunden haben, was lebendig und dynamisch wirkt. Aber natürlich gibt es hier auch nicht den Aufbau eines gewöhnlichen Hörspiels, dazu ist die Produktion zu realitätsbezogen, sodass es eben auch einige Längen gibt, in denen die Handlung ins Stocken kommt. Es lohnt sich dann aber durchzuhalten und dennoch alles in sich aufzunehmen, denn in der Gesamtbetrachtung ist ein sehr hörenswertes und gleichzeitig lehrreiches Stück entstanden, das mit Anspruch und historischen Momenten überzeugt.

Johanna Bittenbender ist in kommerziellen Hörspielen bisher nicht in Erscheinung getreten, sorgt in dieser Produktion aber für eine sehr dichte Atmosphäre und überzeugt mit ihrer kraftvollen und ausdrucksstarken Stimme. Auch Gisela Schneeberger macht ihre Sache sehr gut, sie taucht tief in die Atmosphäre der damaligen Zeit ein und punktet mit glaubhafter und eingängiger Sprechweise. Heinz-Josef Braun trifft ebenso in jeder Szene den richtigen Ton und bereichert die Sprecherriege mit seinem prägnanten Klang. Weitere Sprecher sind Bernhard Butz und Grd Heidenreich.

Akustisch ist eine sehr passende Atmosphäre geschaffen worden, die die Dialoge in den Mittelpunkt stellt, aber auch authentische Musik einfließen lässt – klassische bayrische Volksmusik, mit Schwung gespielt von den „Wellbappn“, die immer sehr gut die jeweilige Stimmung getroffen haben. Es sind auch O-Töne mit eingeflossen, die sich natürlich vom Rest unterschieden, aber für noch mehr Authentizität verleihen.

Der Hörverlag hat der Eigenproduktion eine sehr ansehnliche Verpackung spendiert und ein mehrfach aufklappbares Digipack entworfen, das mit seinem schwarz-weißen Cover mit einigen roten Absetzungen gut gestaltet ist. Im Inneren gibt es neben den beiden CDs, Zitaten und Quellenangaben noch ein eingeklebtes Booklet mit einer Einführung in das Thema, Informationen zu Zeitzeugen, den Mitwirkenden und einem sehr informativen Zeitstrahl zur Orientierung.

Fazit: „ Rotes Bayern – Es lebe der Freistaat!“ ist eine sehr hörenswerte Art, sich sowohl dem Medium Hörspiel als auch der Historie auf eine ganz neue Art zu nähern – lebendig, authentisch und sehr gekonnt erzählt. Viele Zitate untermauern die Handlung, die zwar einige Längen hat, insgesamt aber unterhaltsam geraten ist.

VÖ: 29. Mai 2018
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2867-1


Geschichten aus der Murkelei (Hans Fallada)



Ein kleines, unartiges Kind will nicht mit seinen Geschwistern am Tisch sitzen und essen, obwohl die Mutter eine kleine Geschichte dazu erzählt. Ein Hühnchen, das bei einem Zauberer lebt, kann keine Eier legen und ist darüber sehr traurig. Seit eine Katze einem Mäuschen nicht nur das Ohr zerfetzt hat, sondern auch alle Geschwister, fühlt es sich ganz allein. Der kleine Peter nuschelt nur und spricht sehr undeutlich, was anderen Leuten immer wieder zum Verhängnis wird. Ein Waisenmädchen bekommt viel vom legendären goldenen Taler erzählt, sodass sie sich irgendwann auf die Suche nach diesem macht.

Hans Fallada ist eigentlich für gesellschaftskritische Werke bekannt, doch auch seine „Geschichten aus der Murkelei“ haben es zu einiger Bekanntheit gebracht. Der Audio Verlag hat ausgewählte Episoden mit Dieter Mann vertont und nun in einer Neuauflage als CD-Version veröffentlicht. Und in dem kurzen Intro wird auch gleich die Entstehungsgeschichte der Sammlung erzählt: Ursprünglich als Erzählungen für seine Kinder beim Essen gedacht, mussten diese bald aufgeschrieben werden, wobei vor der Veröffentlichung seine Kinder auch auf die passenden Illustrationen bestanden haben. Schon allein das wirkt sehr herzlich und besonders, wobei auch die Geschichten einen sehr individuellen Eindruck machen. Da wird man eine Alltagssituation in einer Familie beschrieben (wohlgemerkt aus einer ganz anderen Zeit als heute), dann wieder auf eine märchenhafte Stimmung umgewechselt. Typische Tierelemente und magische Momente sind ebenso vorhanden wie klare Erziehungsmethoden, in denen Kindern die Folgen eines bestimmten Verhaltens aufgezeigt wird. Auch wenn das Ganze heute ein wenig aus der Zeit gefallen scheint, funktioniert die besondere Stimmung immer noch dank der liebevollen Einfälle und der gut eingebundenen moralischen Komponente. Und nicht zuletzt ist auch der Humor der Geschichten immer noch bestechend. Schade nur, dass hier nur eine Auswahl und nicht alle Episoden zu hören sind.

Dieter Mann spricht die „Geschichten aus der Murkelei“ mit seiner sehr angenehmen Stimme und bringt dabei immer einen liebevollen, leicht ironischen Unterton mit ein, der sehr gut funktioniert. Er legt die Betonung auf besonders wichtige Stellen, sorgt für magische Momente und auch mal eine traurige Stimmung, was die Varianz der Erzählungen betont. Ein sehr gute Leistung, die die Geschichten zum Leben erweckt.

Auch eine Neuauflage der Buchvorlage ist erschienen, und an dieser orientiert sich auch die Gestaltung des hübschen Digipack. Der Hintergrund in kräftigem Gelb wird von vielen kleinen Zeichnungen mit Motiven aus den Geschichten geziert, was sich auch im Inneren fortsetzt. Neben einer Auflistung der Mitwirkenden ist auch eine Aufteilung der Tracks auf die einzelnen Geschichten im Inneren zu finden.

Fazit: Die „Geschichten aus der Murkelei“ sind zauberhaft, witzig, ein bisschen skurril und lehrreich, verleihen klassischen Märchenmotiven eine ganz besondere Stimmung. Dabei überzeugt nicht nur die Varianz der Themen, sondern auch die unterschiedliche Länge der Episoden, sodass mal eine kurze Geschichte für einige Minuten, mal ein längeres Werk über eine halbe Stunde lang geht. Eine schöne Sammlung!

VÖ: 20. April 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0374-2


Vertigo – Aus dem Reich der Toten



Nach dem tödlichen Unfalls seines Partners und den damit einhergehenden Ängsten schlägt sich Roger Flavieres in Paris als Privatdetektiv durch. Der Besuch seines alten Freundes Paul beschert ihm einen neuen Auftrag, denn seit einiger Zeit geht eine merkwürdige Wandlung mit seiner Frau vor. Sie scheint völlig abwesend und fasziniert von einer längst verstorbenen Vorfahrin zu sein. Bei seinen Ermittlungen kommt Roger Madeleine auch privat immer näher...

„Vertigo“ ist besonders durch die Verfilmung von Alfred Hitchcock bekannt geworden, die Vorlage stammt aber aus dem Jahr 1954 und wurde von Pierre Boileau und Thomas Narcejac verfasst. 2018 hat das Kulturradio des rbb eine Hörspielvertonung produziert, die kurz nach der Sendung auch beim Audio Verlag in einer CD-Version erschienen ist. Dabei werde eindeutig viele Anleihen an das klassische Radiohörspiel genommen, der Klang, die Ästhetik erinnern sehr an frühere Zeiten – allerdings ohne deren oftmals zähe und langsame Erzählweise. Diese wirkt in dieser Produktion sehr gestrafft und auf den Kern gebracht, jede Szene hat ihren Platz und bringt die Geschichte auf die eine oder andere Weise weiter. Dabei gliedert sich die Handlung auf drei Zeitebenen: Zunächst wird in einem kurzen Intro der oben beschriebene Unfall von Rogers Partner beschrieben, später geht es mit der Beschattung von Madeleine weiter. Hier sind einige wunderbar mysteriöse Elemente eingebaut, die Psyche von Madeleine wird fragil und wechselhaft dargestellt. Auch der Hörer weiß bald nicht mehr, was er glauben soll, immer mehr verfällt die attraktive Frau in ihren Wahn bis zu einem vorläufigen Höhepunkt – und einem anschließenden Zeitsprung von mehreren Jahren. Ab dann wird die Handlung noch geheimnisvoller, verschachtelter, Roger verfällt nun seinerseits in einen Wahn. Das Spiel mit der Psyche wird hier noch weiter geführt und nach einem sehr guten Spannungsaufbau in einem bestens inszenierten Finale zur Spitze getrieben. Ein hörenswerter Krimi mit vielen ungewöhnlichen, aber sehr gut komponierten Elementen.

Alexander Radszun ist in der Hauptrolle des Roger Flavieres sehr gut besetzt und kann seinen Charakter sehr feinsinnig darstellen, auch kleine Gefühlsregungen treffen darstellen und so sehr vielschichtig und glaubhaft wirken. Patrycia Ziolowska ist als Madeleine ebenfalls eine sehr gute Wahl, ihre Stimme nimmt einen melancholischen Unterton an, auch die steigende Unsicherheit der jungen Frau und die spätere Wandlung werden sehr treffend von ihr aufgegriffen. Erzähler ist Matthias Scherwenikas, der eine eher ruhige, neutrale Sprechweise wählt und so den Fokus auf die komplex angelegten Figuren legt. Weitere Sprecher sind Michael Rotschopf, Margit Bendokat und Katja Teichmann.

Wie oben bereits erwähnt wurde die akustische Gestaltung gut an alte Radiohörspiele angepasst und würde unter ihnen kaum auffallen, nur dass der Klang sehr klar ist. Die Musik ist recht reichhaltig eingebaut und verleiht den Szenen viel Aufmerksamkeit, auch Geräusche sorgen für eine lebendige Atmosphäre, wobei die Sprecher und ihre Dialoge immer im Vordergrund stehen.

Das Cover setzt das Konzept weiter fort, die Silhouette des fallenden Mannes und die sich spiralförmig ineinander bewegenden geometrischen Formen in schwarz, weiß und rot werden erinnern ebenfalls an eine Veröffentlichung eines alten Radiohörspiels. Diese Optik setzt sich auch im Inneren vor, weitere Informationen sind nicht vorhanden. Der Raum hinter der CD wurde für ein Foto aus der Verfilmung reserviert.

Fazit: „Vertigo“ hat mit wegen seines Spiels mit der Psyche der Protagonisten sehr gut gefallen. Die Handlung ist spannend aufbereitet und vielschichtig, zumal sie sich über mehrere Jahre erstreckt und so unterschiedliche Ebenen erzählt. Toll, wie sich am Ende alles überraschend und doch sehr sinnvoll auflöst. Ein sehr gelungenes und hörenswertes Hörspiel.

VÖ: 20. Juli 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0721-4


Die Marzipanpiraten



Um der ständigen Verfolgung auf hoher See zu entgehen, entschließt sich eine Piratengruppe dazu, eine Stadt zu belagern. Während es an Deck um erste Streitigkeiten kommt, müssen sich die Bewohner der Stadt deutlich einschränken, die Lebensmittel werden eingeteilt. Gerade noch in die Stadt gekommen ist der junge Bäckerlehrling Antonio von Toledo, der bei der robusten Hedwig und ihrer charmanten Tochter Lisa unterkommt...

So richtig aus der Mode gekommen sind Piraten wohl noch nie, immer noch faszinieren die Geschichten von wilden Seeabenteuern mit einer großen Portion Freiheit gerade die junge, männliche Zielgruppe. Neues Futter hierfür bietet nun der Audio Verlag, der mit „Die Marzipan Piraten“ ein aufwändiges Musical-Hörspiel in sein Programm aufgenommen hat. Die Introszene konzentriert sich dann auch auf die Piraten, ihre Geschichte und ihr neues Ziel, während sie ansonsten in der ersten Hälfte eine eher untergeordnete Rolle spielen. Hier stehen die Bewohner der Stadt und insbesondere der spanische Bäckerlehrling Antonio im Mittelpunkt, was insgesamt unterhaltsam, aber an einigen Stellen leider etwas träge erzählt wurde, es fehlt es bisschen Pfiff und Tempo. Es gibt allerdings auch heitere Szenen und geheimnisvolle Momente, sodass eine gute Mischung verschiedener Stimmungen geboten wird. Gut gefällt mir dabei, dass die Geschichte aus der Sicht eines Piraten erzählt wird, wobei erst später klar ist, wie sehr er mit der Handlung verbunden ist. Später schwenkt die Handlung dann auch mehr zu den Piraten um, der Kontakt mit den Stadtbewohnern wird auf überraschende Weise mit einer Wendung versehen. Auch die interne Zerrissenheit der Piraten wird gekonnt eingebaut. Auch hier hält sich die Geschichte ein paar mal zu oft an Kleinigkeiten auf, die dann zu sehr ausgewalzt werden, doch mit netten Spannungsbögen und einer abwechslungsreichen Stimmung gibt es auch einiges Positives zu berichten.

Der wunderbare Helmut Krauss ist in dieser Produktion als Pirat Niederstrecker zu hören und übernimmt dabei nicht nur Dialoge, sondern auch die Erzähltexte. Mit seiner präsenten, ausdrucksstarken Stimme kann er auch diesen Charakter gekonnt formen und den Spannungsbogen der Handlung geschickt nachzeichnen. Daniel Szeili ist als Antonio von Toledo zu hören, den er mit glaubhaftem spanischen Akzent und lebhaften Auftreten ausstattet, manchmal aber auch zu kleinen Übertreibungen neigt. Diese werden der Zielgruppe kaum unangenehm aufstoßen, haben mich aber manchmal aus dem Erzählfluss gerissen. Imke Looft hat mir als Hedwig sehr gut gefallen, ihre resolute, selbstsichere Art und der immer wieder aufklaffende Humor sorgen für einen sehr gelungenen Auftritt. Weitere Sprecher sind Frank Zander, Sara Wortmann und Lucas Kunze.

Auch in dieser Produktion gibt es klassische akustische Elemente – Meeresrauschen, das Knarzen von Planken, Fußgetrappel in der Stadt. Das alles ist stimmig zusammengestellt und gut auf die Handlung abgestimmt. Doch es gibt auch viele eingebaute Musikstücke, die sehr unterschiedliche Stimmungen herbeiführen – leider etwas zu unterschiedlich. Zwar gibt es einige fröhliche Melodien, die die Zielgruppe sehr gut ansprechen, und auch die etwas gruselig angehauchten Momente passen sehr gut, wenn es dann aber in die Richtung von klassischem Gesang geht, wirkt das Ganze nicht mehr allzu stimmig.

Das Cover ist in der momentan so modernen CGI-Optik gehalten und passt mit dem witzigen Ausdruck gut zum Hörspiel, zumal man sich von einigen Charakteren direkt ein Bild machen kann. Das Innere listet sehr ausführlich die Mitwirkenden der Produktion auf und enthält hinter den beiden CDs eine ausführliche Trackliste. Ein hübsch gestaltetes und stabiles Digipack!

Fazit: Die Handlung ist nicht schlecht und ist ebenso witzig wie spannend und geheimnisvoll, leider aber manchmal zu ausführlich und damit langatmig geraten. Auch der Einsatz der Musik konnte mich trotz einiger gelungener Stücke nicht so ganz überzeugen. Mit vielen atmosphärischen Szenen und einem treffend erzählten Ende, bei dem es auch ein bisschen was zu lernen gibt, ist „Die Marzipanpiraten“ aber insgesamt gelungen.

VÖ: 20. Juli 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0634-7


Titanic – 24 Stunden bis zum Untergang



Jimmy bewohnt mit seiner Mutter und seinem Bruder eine Kabine auf der Jungfernfahrt der Titanic, um den nach Amerika ausgewanderten Vater zu folgen. Eines Nachts treibt es den Jungen auf einer der legendären Partys, die in der dritten Klasse stattfinden sollen, und dort lernt er den gleichaltrigen Omar kennen. Gemeinsam erkunden sie das Schiff bis in den letzten Winkel – bis sie ein folgenschweres Gespräch belauschen...

Die Titanic, das bis dato größte Passagierschiff der Welt, ist durch seinen Untergang zur Legende geworden. Immer noch fasziniert die Jungfernfahrt, die so viele Menschenleben gekostet hat, sodass sich auch Autor Stephen Davies dem Thema angenommen hat und ein Buch für Jugendliche und ältere Kinder um das Thema geschrieben hat. Der Audio Verlag hat hierzu eine Lesung produziert und mit Musik unterlegt, bei der die abenteuerliche Atmosphäre des Romans sehr gut zur Geltung kommt. Überhaupt wird hier viel Stimmung eingefangen, man kann sich das Leben auf dem riesigen Schiff sehr gut vorstellen. Es werden auch viele geschichtliche Details eingebaut, was aber so nebenbei geschieht, dass man gar nicht merkt, dass man auch etwas lernt. Denn vordergründig ist hier eine Abenteuergeschichte entstanden, in der die beiden neugierigen Freunde das Schiff erkunden, allerlei neue Bekanntschaften machen und natürlich auch den Untergang miterleben. Dieser ist sehr intensiv umgesetzt, trotz der ruhigen Erzählweise kommt die schreckliche Katastrophe sehr nah an den Hörer heran. Das Leid, der Tod ist sehr gut und dennoch kindgerecht beschrieben, hinzu kommen sehr emotionale Momente, und ein nachdenklich machendes Finale. Ein Hörbuch, das noch einige Zeit nachhallt.

Rainer Strecker wurde als Sprecher des Hörbuchs ausgewählt, und mag es in den ersten Minuten noch etwas befremdlich sein, doch in der wörtlichen Rede stellt er alle Charaktere inklusive Jimmy so authentisch und lebendig dar, dass alle vor dem inneren Auge des Hörers entstehen. Seine Neugier, seine Abenteuerlust, seine Lebensfreude werden durch Strecker wunderbar dargestellt, aber auch die dramatischen Momente am Ende kommen durch ihn sehr gut zur Geltung.

Die Musik wird hier nur als Garnitur eingesetzt, untermalt längere Monologe und Erzählpassagen ebenso wie Szenenübergänge. Dabei ist die gut auf die verschiedenen Stimmungen angepasst, wobei eine der ersten Szenen mit einer lebendigen Party unter Deck besonders hervorsticht. Doch auch wenn Strecker allein zu hören ist, reicht dies völlig aus, um eine intensive Stimmung zu erzeugen.

Natürlich hat man das für die Buchversion entstandene Cover auch für die Hörversion verwendet, das die charakteristische Lage des Schiffes beim Untergang zeigt. Jimmy beobachtet sie Szene aus einem der Rettungsboote, die durch die dunklen Farben und die nächtliche Stimmung sehr eindringlich wirkt. Im Inneren des stabilen Digipacks gibt es noch ein umfangreiches Booklet mit vielen zusätzlichen Informationen.

Fazit: Hier verbinden sich Realität und Fiktion zu einer sehr dichten und eingängigen Geschichte, wenn der Hörer den neugierigen Jimmy und seinen Freund Omar durch die Gänge der Titanic begleitet, die verschiedensten Stimmungen aufschnappt und dabei den Geist des Schiffes atmet – natürlich auch mit dessen Untergang, der sehr intensiv und dramatisch aufbereitet wurde.

VÖ: 9. März 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0455-8


Sturmhöhe (Emily Bronte)



Mr. Lockwood ist in die abgelegenen Hochmoore von Yorkshire gezogen und macht die Bekanntschaft mit dem mürrischen Mr. Heathcliff, der schon seit Jahren auf einem alten Anwesen wohnt. Er fragt sich, wie der Mann so hartherzig und abweisend werden konnte und bekommt von der Haushälterin Ellen die Geschichte seines Lebens erzählt. Denn als er als Findelkind auf eben diesem Gut aufgenommen wurde, hat er zwar schnell eine enge Freundschaft mit Cathy, der Tochter des Hauses geschlossen, im leiblichen Sohn des Gutsbesitzers jedoch einen harten Konkurrenten...

„Sturmhöhe“ wurde nur ein Jahr vor dem Tod seiner Autorin Emily Bronte veröffentlicht und vom damaligen Publikum nicht sonderlich gut aufgenommen – mittlerweile hat sich der Roman jedoch zum Klassiker entwickelt. Tatsächlich lohnt sich ein Griff nach dem Buch und auch nach der Lesung, die 1988 vom ndr produziert wurde und unlängst beim Hörverlag in einer Version mit 10 CDs und einer Laufzeit von über 11 Stunden erschienen ist. Zeit sollte man also mitbringen, aber es gibt auch viel zu entdecken. Denn die Handlung erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte und verfolgt die Geschichte zweiter Familien, wobei Heathcliff als Hauptfigur im Mittelpunkt steht und als Katalysator der Handlung dient. Seine Kindheit mit dem dominanten Bruder und der innigen Beziehung zu seiner Ziehschwester leitet nach dem oben beschriebenen Intro die Handlung ein, hier werden viele Grundlagen erklärt und die Strukturen eingebaut, auch hier gibt es schon einiges zu entdecken. Der Tod des alten Earnshaw, der sich als neuer Herr grausam verhaltende Hindley, die sehr enge Beziehung zu Cathy, die sich daraus entwickelnde Liebesgeschichte. Sehr gelungen sind die immer wieder auftretenden Brüche in der Handlung, Wendepunkte, die bei den Protagonisten ihre Spuren und Narben hinterlassen und so das spätere Verhalten erklären, wenn auch nie entschuldigen. Denn Heathcliff verschwindet einige Jahre aus Yorkshire und kehrt zurück, um Rache zu nehmen an denen, die ihn enttäuscht, verletzt, herabgewürdigt haben. Seine Zerstörungswut steht allerdings auch in krassem Kontrast zu der Liebe, die er einigen wenigen Personen entgegenbringt. Er intrigiert, manipuliert und schreckt auch vor der völligen Vernichtung von unschuldigem Leben nicht zurück. Das ist schon hart erzählt, wirkt streckenweise schon abstoßend, von dem allen geht aber auch eine große Faszination aus – und wird mit einem leisen, positiven Ende abgeschlossen, das wieder an die Eingangsszene anknüpft.

Rolf Boysen ist vor allem als gefeierter Theaterschauspieler bekannt, hat aber auch dieses lange Werk als Erzähler eingesprochen. Das macht er sehr intensiv und mit viel Leidenschaft, sodass man ihm förmlich an den Lippen hängt. Durch den flüssigen Sprachgebrauch der Autorin findet er schnell ein passendes Tempo und für jeden Charakter ein eigenes Auftreten – nicht indem er seine Stimme sonderlich verstellt, sondern durch feine Frasierungen, denen er immer neue Facetten entlockt. Das ist sehr lebendig und eingängig geraten, sodass man der Geschichte gern folgt – ein zeitloser Klassiker.

Der Hörverlag hat den zehn CDs eine sehr ansehnliche und stabile Box verpasst, die durch ein sehr hübsches Cover geziert wird. Im Stile einer Bleistiftradierung ist ein Mann mit hartem Gesichtsausdruck an einen Baum gelehnt, wellenartig ist ein heftiger Herbststurm um ihn herum angedeutet. Die CDs sind zwar lediglich in dünnen Plastikschubern verpackt, dafür liegt noch ein umfangreiches Booklet bei, das Informationen zu Autorin und Sprecher sowie dem Auszug eines Essays über den Roman enthält.

Fazit: „Sturmhöhe“ weiß in dieser Lesung von der ersten Minute an zu fesseln. Boysen greift die dichte Stimmung dankbar auf, die Bronte mit ihrer Geschichte geschaffen hat und lässt Landschaft, Charaktere und Dialoge lebendig werden. Die Handlung selbst fasziniert mit der sehr intensiven Atmosphäre und der genauen Betrachtung der Rollen, der im zweiten Teil nach der Rückkehr Heathcliffs noch einmal besondere Bedeutung bei seinem Intrigenspiel zukommt. Sehr hörenswert!

VÖ: 11. Juni 2018
Label: der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2210-5


Gold. Revue



Seit Jahrhunderten liegt das Gold im Fluss, doch nun wurde es erstmals entdeckt. Was erst wie ein Glücksgriff für einen einzelnen Mann wirkt, zieht schon bald weitere Kreise. Unzählige brechen auf, lassen ihr altes Leben hinter sich, um dem Ruf des Goldes zu folgen, in der Hoffnung auf Reichtum. Doch die Massenflucht zu den Goldflüssen bringt neue Probleme mit sich...

Der Hörverlag hat „Gold. Revue“ in die Kategorie Hörspiel einsortiert, offensichtlich in Ermangelung eines besser treffenden Begriffs. Denn mit einem klassischen Hörspiel hat die Inszenierung nicht viel zu tun, Autor Jan Wagner hat vielmehr einzelne Szenenschnipsel zusammengefügt und so den Verlauf des großen Goldrausches nachgezeichnet. Die einzelnen Sprecher wechseln sich dabei schnell ab, übernehmen oft das Wort direkt vom Vorgänger und erzählen ihren eigenen Teil. Eine wirkliche Geschichte zeichnet sich dabei nicht ab, man folgt keinem einzelnen Charakter, sondern dem Rausch, der sich immer weiter aufbaut und seine eigenen Probleme mit sich bringt. Zu Anfang ist eine wundervolle Introszene zu hören, in der aus der Sicht des Goldes die Entstehung des Universums, die Entwicklung von Leben, der eigene Weg an die Oberfläche verfolgt wird. Auch danach geht es durchaus poetisch weiter, was eine sehr eigenständige Stimmung heraufbeschwört. Man kann sich schnell in die unterschiedlichen Atmosphären fallen lassen, wobei der Verlauf des Goldrausches sehr gut recherchiert wurde und so ein authentisches, detailreiches Bild gezeichnet wird. Daraus ergibt sich dann auch der Spannungsbogen der Erzählung, der mich fast eineinhalb Stunden sehr gut unterhalten hat.

Da man keinem Charakter folgt und auch nur wenige Namen genannt werden, fällt die Zuordnung von Sprechern natürlich weg. Das intensive Intro wird von der wunderbaren Mechthild Großmann gesprochen, die eine sehr mystische Stimmung erzeugt, der Ewigkeit der Erde eine neue Dimension verleiht und sehr gut auf die kommende Handlung einstimmt. Heikko Deutschmann spricht seine Szenen mit einer sehr treffenden Betonung und viel Energie, er zeichnet die Dynamik des Hörspieles mit seiner Stimme sehr gekonnt nach. Auch Marek Harloff hat mich überzeugt, wie der Rest des Ensembles lässt er ich völlig auf die neuen Ansprüche an einen Sprecher ein und vertont die kurzen Momente mit viel Energie. Weitere Sprecher sind Henning Nöhren, Rosa Enskat und Sonja Beißwenger.

Der künstlerische Anspruch des Hörspiels wird auch bei der akustischen Begleitung fortgesetzt. Es gibt auch die klassischen Geräusche, die beispielsweise mit dem Schlagen von Spitzhacken oder Glockengeläut den Hintergrund untermalen. Die Musik hingegen ist sehr präsent und mit wenigen Instrumenten umgesetzt, wobei durch E-Gitarre oder Percussion sehr unterschiedliche, aber immer passende Stimmungen erzeugt werden – auch beispielsweise das Auftauchen von riesigen Läusen.

Auf dem Cover ist ein glänzendes Goldnugget zu sehen, wobei auch der Fluss angedeutet wird – ein ebenso schlichtes wie passendes Titelbild. Die beiden CDs finden sich in einem hübschen Digipack mit eingeklebtem Booklet wieder, in dem sich viele weitere Informationen zu den Mitwirkenden und einige einleitende Worte finden lassen.

Fazit: „Gold. Revue“ ist ein sehr gelungenes Experiment, von dem üblichen Verlauf eines Hörspiels abzuweichen und in einzelnen Szenenfetzen den Verlauf des Goldrausches nachzuzeichnen. Das ist mit viel Wucht und einer sehr abwechslungsreichen akustischen Untermalung und vielen guten Sprechern umgesetzt worden. Sehr hörenswert!

VÖ: 16. April 2018
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2957-9


Faustinchen



Dass Mephisto, ein Teufel der Hölle, bei Gott vorspricht und darum bat, den gelehrten Professor Faust auf seine Seite ziehen zu dürfen, ist ja allseits bekannt. Überraschend für Mephisto ist allerdings, dass Faust bei ihrer ersten Begegnung eine zehnjährige Tochter hat, die seinem Plan deutlich im Weg steht. Denn ganz wie ihr Vater ist auch Johanna ziemlich aufgeweckt und wissbegierig...

Goethes „Faust“ ist einer der ganz großen Klassiker der deutschen Literatur, Generationen von Schülern kennen das Werk als Lektüre im Unterricht, doch auch so erfreut sich die Geschichte großer Beleibtheit. Dabei hat sich Goethe von einer bekannten Legende seiner Jugend inspirieren lassen und diese nacherzählt. Nun hat sich Thilo Reffert dem Stoff erneut angenommen und eine kindgerechte Version des Klassikers als Hörspiel geschrieben, die viele wesentliche Elemente des Originals enthält, mit Fausts Tochter jedoch ein entscheidendes neuen hinzugefügt hat. Gut gefällt mir die besondere Erzählweise, denn immer ist klar, dass es sich um ein Hörspiel handelt. Da wird ein Sprecher vom Mikrophon verscheucht, weil er noch gar nicht dran ist, da unterhält sich der Regisseur mit Mephisto, da werden vom Toningenieur verschiedene Klänge ausprobiert. Das ist nicht nur witzig, sondern sorgt auch dafür, dass man sich etwas differenzierter mit der Handlung auseinandersetzt anstatt sich nur berieseln zu lassen. Auch andere Einfälle sind sehr gelungen, beispielsweise eine Audienz bei Gott oder dessen Warteschleife, will Mephisto ihn erreichen. Die Handlung folgt im Wesentlichen der Vorlage von Goethe, anfangs werden allerdings natürlich auch Johanna und die anderen Charaktere ausführlich vorgestellt. Später wird es dann durchaus spannend, wie sich Faust und seine Tochter den Verlockungen Mephistos erwehren. Da gibt es einiges zu entdecken, es ist eben nicht nur eine witzige Geschichte für Kinder, sondern enthält viele wichtige Aspekte, die sich einem hier sehr zugänglich erschließen. Toll auch die sprachliche Verwendung: Die wirkt zwar modern und einfach, sodass auch Kinder diese gut verstehen, dennoch wird an vielen Stellen mit Reimen und Versmaß gearbeitet, was das Ganze sehr stimmig abrundet.

Auch die Sprecher gefallen mir ausnahmslos sehr gut, Lou Tillmanns bringt beispielsweise den neugierigen und kindlich aufgeregten Charakter der Johanna sehr gut zur Geltung, spricht die Rolle flüssig und glaubhaft, kommt auch bei den Reimen nicht aus dem Tritt und hat eine sehr gute Leistung abgeliefert. Christian Kuchenbuch spricht ihren Vater Faust, der zwar auch die getragene Stimmung des Originals gekonnt vermitteln kann, sich aber eben vorrangig auf die lockere Grundstimmung der neuen Umsetzung einlässt. Ernst Konarek passt als Mephisto ebenfalls wunderbar in die Stimmung des Hörspiels, bringt durchaus eine diabolische Art mit sich, sorgt aber auch für viele heitere Momente und versteht es, auch den Dialogen mit dem Regisseur seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Weitere Sprecher sind Heinrich Giskes, Kai Taschner und Svenja Liesau.

Durch die Idee, auch die Metaebene des Hörspiels stattfinden zu lassen, wird hier besonders viel mit verschiedenen Geräuschen gespielt, die immer sehr präsent wirken und mit ihrer Vielfalt überzeugen. Der Anteil zwischen witzigen und atmosphärischen Momenten ist dabei ausgeglichen, wobei sich der Klang immer sehr stimmig anpasst.

Die drei CDs wurden vom Hörverlag in einem sehr ansehnlichen Digipack verpackt, dessen Titebild zwar eine nostalgische Ausstrahlung hat, mit der witzigen Szene um Faust, Johanna, Mephisto und einen Kessel aber auch sehr kindgerecht wirkt. Im Inneren ist ein Booklet eingeklebt, welches Informationen zu Goethe und vielen Mitwirkenden sowie ein Interview zwischen Thilo Reffert und seiner Tochter bereit hält, welches sehr witzig und lesenswert geraten ist.

Fazit: „Faustinchen“ hat mich mit der tollen Idee neugierig gemacht, mit der tollen Umsetzung dann aber richtig begeistert. Viele sehr gute Ideen ergeben ein ebenso unterhaltsames wie spannendes Gesamtbild, die Dialoge mit dem Regisseur, der wunderbare Charakter der Johanna, viele witzige Sprüche, aber auch einiges Tiefsinniges. Das macht der Zielgruppe der Kinder wohl ebenso viel Spaß wie Erwachsenen, die sich auf dieses sehr gelungene Experiment einlassen sollten.

VÖ: 12. März 2018
Label: der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2814-5


Zum Leuchtturm (Virginia Woolf)



Erster Eindruck: Szenische Impressionen um ein Ferienhaus

Seit vielen Jahren verbringt die Familie Ramsay ihre Urlaub in einem Ferienhaus an der schottischen Küste. Und seit Jahren wird James, einem der acht Kinder, eine Fahrt zum nahe gelegenen Leuchtturm versprochen. Doch auch in diesem Jahr fällt der Ausflug wegen eines Unwetters aus, wie der herrische Mr. Ramsay bereits vorausgesagt hatte...

Aus dem recht großen Portfolio, das Virginia Woolf hinterlassen hat, hat sich der Bayrische Rundfunk einen bestechende Roman ausgesucht und als Hörspiel vertont: „Zum Leuchtturm“. Die CD-Version ist ein Jahr später beim Hörverlag erschienen, wobei hier die drei Abschnitte auf jeweils einer eigenen Disc gepresst ist, die Trennung der Teile wird so noch deutlicher. „Die Tür aus Glas“ macht dabei den Anfang und zeigt anhand einiger typischer Situationen der Familie in ihrem Urlaub keine wirkliche Handlung, dafür aber ein sehr intensives und stimmiges Bild der Charaktere und ihrer Beziehung zueinander. Das ist oft fragmenthaft, bruchstückhaft zusammengesetzt und beschreibt einzelne Gefühlsmomente, kleine Szenen, Rückblicke und Gedanken der Figuren. Besonders die beiden Figuren der Mr. und Mrs. Ramsay werden dabei sehr ausführlich dargestellt, jedoch ohne ein Urteil zu fällen – diese Aufgabe obliegt hier dem Hörer. „Zeit vergeht“, der zweite Teil, setzt an einem ganz anderen Punkt an und behandelt die Zeit des ersten Weltkrieges – wurden im ersten Teil also wenige Tage behandelt, sind es hier mehrere Jahre. Während die Familie völlig zerbricht, Mitglieder sterben oder großes Leid erdulden müssen, verfällt auch sinnbildlich hierfür auch das Ferienhaus immer mehr. Die Veränderungen der überlebenden Charaktere sind hier Kernstück und wichtig für den dritten Teil, der „Der Leuchtturm“ heißt und wieder dichter erzählt ist, denn hier findet der lange geplante Ausflug doch noch statt. In dieser einen Szene verändern sich insbesondere die Beziehungen der Kinder zu ihrem patriarchischen und herrischen Vater, einige Figuren erlangen eine wichtige Erkenntnisse für ihr Leben oder können mit der Vergangenheit ihren Frieden schließen. Die drei so unterschiedlichen Teile fügen sich unheimlich eng aneinander und ergeben ein untrennbares Ganzes, jedes Stück ist wichtig und an seinem Platz. Es ist nicht leicht, dem allen zu folgen, die teils verworrenen Gedanken zu ordnen und über die drei CDs in Einklang zu bringen. Aber es lohnt sich, genau zuzuhören, sich auf die Charaktere ebenso einzulassen wie auf die Erzählstruktur und immer neue Aspekte zu entdecken.

Walter Hess ist in der Rolle des Mr. Ramsay zu hören und porträtiert den harten und unnachgiebigen Mann sehr intensiv und präsent, seine Aura strahlt in allen drei Teilen kräftig, dennoch kann auch er zurücktreten und anderen Figuren den Vortritt überlassen. Krista Posh spricht Mrs. Ramsay mit einer sehr akzentuierten Stimme, sodass sie auch unterschwellige Gefühlsregungen sehr genau darstellt und mit viel Gefühl punktet. Die Rolle der Erzählerin teilen sich Zoe Hutmacher und Wiebke Puls, die beide mit gedämpfter und ebenso ausdrucksstarker Stimme sprechen. Weitere Sprecher sind Irina Wanka, Elisabeth Schwarz und Sven Gey.

Akustisch wird die Umsetzung dem Roman völlig gerecht, die Stimmung wird durch die sehr gekonnte Zusammenstellung aus Musik und Geräuschen noch unterstützt. Das stetige Wellenrauschen an der stürmischen schottischen Küste, die fein eingewobenen Melodien und wenige, aber prägnant eingesetzte Geräusche ergänzen sich sehr gut und unterstützen die Sprecher in ihrer Wirkung.

Auch die Aufmachung der CD-Version ist äußerst gelungen und stimmig. Nicht nur das Cover mit dem Foto eines Leuchtturms, den grell orangefarbenen Elementen, die sich durch die gesamte Optik ziehen, gefällt mir gut. Im Inneren gibt es nicht nur die üblichen Informationen zu den Produktionsinformationen, sondern auch ein mehrseitiges Booklet mit Kurzbiographien und anderen informativen Texten.

Fazit: Die drei Teile dieser Produktion sind allesamt sehr unterschiedlich und individuell umgesetzt, ergeben aber dennoch ein sehr intensives und stimmiges Bild der Beziehungen der Familie Ramsey. Keine wirkliche Handlung, aber eindrucksvolle Charakterstudien und Beziehungsgeflechte, die einen völlig gefangen nehmen, sofern man sich auf die experimentelle Machart einlassen kann.

VÖ: 26. Juni 2017
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2553-3


Tod unter Gurken



Erster Eindruck: Humorvolle Oldschool-Krimis

Nach seiner Pensionierung hat Alfons Friedrichsberg keine Lust auf Müßiggang, wenn er nicht gerade mit seinen Freunden ein üppiges Festmahl zu sich nimmt oder dem Alkohol verfällt, löst er liebend gern Kriminalfälle, mal mit Scharfsinn, mal mit Glück, aber immer mit seiner ganz eigenen Art, die Fälle zu einem Abschluss zu bringen...

Kai Magnus Sting hat sich mit seinen Produktionen mittlerweile einen Namen und Hörspielhörern gemacht und überrascht immer wieder mit ungewöhnlichen und leicht skurrilen Produktionen. Und auch Bastian Pastewka hat schon mit viel Witz in einigen Hörproduktionen mitgewirkt. Beide zusammen sind nun bei „Tod unter Gurken“ zusammengetroffen, mit dem Ziel, ein Hörspiel der klassischen Machart mit ziemlich schrägem Humor zu kombinieren. Herausgekommen sind einige Episoden um Hobbydetektiv Alfons Friedrichsberg, die mit ganz unterschiedlichen Ansätzen beginnen und meist kurzweilig fortgeführt werden. Das ist sehr abwechslungsreich, was auch bei den Auflösungen nicht aufhört – hier waren hörbar kreative Köpfe am Werk, die immer neue Ideen eingebaut haben. Garniert wurde dies mit ziemlich schrägem Humor und teils derben Sprüchen, die mich immer wieder zum Lachen gebracht haben. Dies zieht sich durch das gesamte Hörspiel und endet auch bei den Verbrechen nicht – da werden Leichen falsch zusammengesetzt und unersättliche Kleingartenbesitzerinnen werden recht unschmeichelhaft beschrieben. Die Kürze macht hier die Würze, flott und kurzweilig erzählt wird auch schon zum nächsten Fall übergegangen, die auch durch die wunderbar schrägen Charaktere so gut zur Geltung kommen.

Lediglich vier Sprecher sind hier zu hören, nur Jochen Malmsheimer hat mit Alfons eine feste Rolle zugeteilt bekommen. Diese versieht er mit viel Charme und lässt die Ironie der Figur bestens zur Geltung kommen. Bastian Pastewka beweist einmal mehr seine Wandlungskunst und verleiht jeder ganz spezielle Eigenheiten, lässt aber immer seinen spitzbübigen Humor durchscheinen. Auch Anette Frier hat mir sehr gut gefallen, die weiblichen Rollen bekommen durch sie viel Ausstrahlung verliehen. Kai Magnus Sting, der Autor der Geschichten, ist ebenfalls in einigen Rollen zu hören und hat hörbaren Spaß daran, seine Ideen auch zu vertonen.

Die Umsetzung ist absichtlich „oldschool“ geraten, sodass keine ausgeklügelte Klangkulisse oder verwobene Musik zu hören ist, sondern die Dialoge stets klar im Vordergrund und oft auch für sich allein stehen. Die eingebauten Geräusche verleihen dann aber doch einiges Atmosphäre und lassen die Gespräche lebendiger wirken.

Die beiden CDs sind in einem sehr hübschen und stabilen Digipack verpackt. Das Cover zeigt neben der gezeichneten Hauptfigur auch Fotos der Sprecher, alles ist vor einem nostalgisch wirkenden Farbstrudel zu sehen. Toll ist das kleine Booklet, dass neben einem unterhaltsamen einleitenden Text noch Fotos und Kurzbiographien der Mitwirkenden enthält.

Fazit: Bei den vielen kreativen Köpfen, die hier mitwirken, ist es keine Überraschung, dass eine äußerst schräge und humorvolle Produktion herausgekommen ist. Doch auch die kleinen Krimis und die toll ausgearbeiteten Charaktere sorgen für viel Kurzweil, zumal man allen Sprechern den Spaß an der Sache deutlich anhört.

VÖ: 20. März 2017
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2592-2


Maigret & Co - Die rätselhaftesten Fälle



Erster Eindruck: Zwei von fünf für den Kommissar

Wenn auf dem Titel „Die große Georges Simenon-Box“ geprangt hätte, wären viele wohl stirnrunzelnd weitergegangen (oder hätten sich weitergeklickt). Denn der Name des belgischen Autors ist bei weitem nicht so bekannt wie seine berühmteste Figur, der etwas andere Kommissar Maigret, sodass der Audio Verlag für diese Veröffentlichung seinen Namen benutzt hat. Zwei der fünf Hörspiele widmen sich auch dem Ermittler ist zwei klassischen Fällen.

Zunächst ist der Spürsinn von Maigret gefragt, als er eine ganze Serie von Einbrüchen aufklären muss, bei denen jedoch nie etwas gestohlen wird. Lange Zeit ist dabei nicht klar, wohin sich die Geschichte entwickeln wird, und auch der Charakter des gemütlichen und etwas tollpatschig wirkenden Kommissars ist hier sehr gut dargestellt. Das Ganze ist in knapp über einer dreiviertel Stunde für diese Zeit recht flott erzählt und hat dabei ein sehr angenehmes Tempo, die vielen kleinen Wendungen machen dabei einen sehr unterhaltsamen Eindruck.
Weiter geht es mit „Maigret und der Minister“, in der der Politiker Auguste Point eine Verschwörung gegen sich wittert, als ein wichtiges Dokument aus seinem Besitz verschwindet. Auch diesem Hörspiel liegt ein sehr gut durchdachtes und trickreiches Skript zugrunde, dessen Auflösung gelungen konstruiert wurde. Doch der Weg dahin ist stellenweise etwas holprig geraten, manche Dialoge sind eine Spur zu lang, doch insgesamt kann auch diese Maigret-Erzählung überzeugen.
Die letzten drei Hörspiele kommen ohne den populären Ermittler aus, „Die schwarze Kugel“ sticht dabei am meisten heraus, weil es sich weitgehend vom Genre Krimi abkehrt. Vielmehr geht es um einen Mann, der sich aus den Slums nach oben gekämpft hat, wegen einer einzigen schwarzen Kugel in der Wahlurne nicht in einen angesehenen Country-Club aufgenommen wird. Voller Eifer kämpft er um gesellschaftliche Anerkennung, was emotional und eingängig geschildert wurde. Durch einige Kniffe wird die Handlung immer wieder geschickt in eine andere Richtung gelenkt, was mich gut unterhalten hat.
„Die Brüder Rico“ ist ein Mafia-Drama, bei der Eddie unter Druck gerät, als er seinen eigenen Bruder an die Organisation verraten soll. Zwar ist sein Dilemma sehr gut geschildert und bringt einige reizvolle Gedankenspiele mit sich, wirklich mitreißen konnte mich das aber nicht. Zwar solide Unterhaltung, aber dennoch die schwächste Produktion dieser Box.
Richtig stark ist dafür „Die Ehe der Bebe Donge“, die sich um eine zerrüttete Beziehung dreht, in der die Gattin ihren Mann sogar vergiften will. In vielen Rückblenden wird auf die Beziehung geschaut, analysiert, wie es so weit kommen konnte und welche Verletzungen die Ehepartner sich im Laufe der Jahre gegenseitig zugefügt haben. Das hat mich richtig gefesselt und hatte genau die richtige Dosis Emotionen, aber auch sehr gelungene Krimielemente.

In dieser Geschichte ist Hans Paetsch als Francois, dem Ehemann von Bebe, zu hören und beweist, dass er auch schon Anfang der 50er Jahre eine sehr sonore, eingängige Stimme hatte, die er hier sehr geschickt und ausdrucksstark einsetzt. Georg Mark-Czimeg ist in der ersten Geschichte als Kommissar Maigret zu hören, er lässt den außergewöhnlichen Ermittler sehr charmant wirken und verleiht ihm eine ganz besondere Aura. Hans Christian Blech ist in der Mafia-Geschichte als Eddie Rico zu hören und verleiht seiner Rolle viel Ausdruck und kann seine Gewissensbisse authentisch darstellen. Weitere Sprecher sind Walter Sprünglin, Leopold Biberti und Herbert Stass.

Alle fünf Produktion stammen aus den Anfängen der 50er Jahre, wie in dieser Zeit üblich ist die akustische Umsetzung deswegen recht schlicht. Ein paar handgemachte Geräusche hier und da, das war es dann im Wesentlichen. Das hat seine ganz eigene Ausstrahlung, hat mir aber gut gefallen. Der Klang ist teilweise aber etwas blechern, insgesamt ist aber alles in erwartbarer Qualität.

Die Pfeife, die ein Markenzeichen des Kommissars ist, ist stilisiert auf dem Cover abgebildet, aus der drei ebenso stilisierte Rauchkringel steigen. Das wirkt modern und hübsch, was durch den schwungvollen Schriftzug ergänzt wird. Die CDs haben eine recht wackelig wirkende Hülle verpasst bekommen, die in einem einfachen Einleger die mitwirkenden Sprecher und Produzenten enthält.

Fazit: Fünf Hörspiele mit jeweils ganz anderem Ansatz. Maigret ist zwar eine tole und schillernde Figur, doch auch die drei Geschichten ohne ihn können überzeugen. Besonders gefallen hat mir dabei „Die Ehe der Bebe Donge“, welches ganz eigene Wege entwickelt. Für Krimifans eine äußerst lohnenswerte Box mit Hörspielen, die unverdient fast in der Versenkung verschwunden sind.

VÖ: 5. Mai 2017
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-992-3


Fiete – Die ersten drei Abenteuer



Erster Eindruck: Abenteuer eines Seefahrers für die ganz kleinen Zuhörer

Mit seinen besten Freunden Hinnerk und Hein lebt der Seemann Fiete auf einer kleinen Insel, gemeinsam erleben sie so allerlei Abenteuer. So erleben sie eine Überraschung, als sie das gesunkene Schiff des alten Leuchtturmwärters heben wollen, schippern mit der Botilda ungewollt auf hoher See und messen sich bei einem Wettrennen mit anderen Seefahrern.

Dass Bücher auch als Hörversion umgesetzt werden, ist mittlerweile völlig normal – sofern es sich um Bücher für Erwachsene, vielleicht noch für Jugendliche handelt. Bei Kinderbüchern oder gar Bilderbüchern ist dies eine große Ausnahme, die für Lübbe jetzt aber mit den Abenteuern vom Seemann Fiete umgesetzt wurde. Gleich drei seiner Bücher passen auf eine CD mit 34 Minuten, sodass auch bei kleineren Kindern die Aufmerksamkeitsspanne nicht überbeansprucht wird. Dabei wird Fiete als sehr sympathischer und abenteuerlustiger Seemann dargestellt, der auch mal etwas tollpatschig ist. Die Geschichten sind natürlich sehr einfach gehalten und erzählen in einigen Szenen eine kleine Handlung, die Geschichten bauen dabei auch nicht aufeinander auf. Die Erzählungen sind dabei sehr charmant und mit liebenswerten Charakteren versehen. Das Seefahrer-Flair kommt dabei gut zur Geltung, wobei auch viele Themen aus der Welt von Kindern eingebaut sind. Leider fehlen die vielen liebevollen Bilder aus den Büchern, sodass Kindern hier eine Erzählebene fehlt, so geht auch ein wenig von dem Witz und der Ausstrahlung der Geschichten verloren. Für Kinder ab drei Jahren ist dies genau das richtige, ältere Grundschulkinder dürften sich wegen der Einfachheit der Geschichten jedoch schnell langweilen.

Jonas Minthe ist in der Rolle des Fiete zu hören, er setzt dies sehr solide um und lässt die Figur liebenswert und locker wirken, im Mittelpunkt des Interesses fühlt er sich hörbar wohl. Tom Raczko ist als Hinnerk zu hören, auch er hinterlässt einen positiven Eindruck, zudem kann man ihn wegen der Stimmfarbe gut von der Hauptfigur unterscheiden. Als Erzählerin ist Claudia Gahrke im Einsatz, sie geht gut auf die zuhörenden Kinder in und lässt ihre Stimme weich und warm klingen. Weitere Sprecher sind Julian Horeyseck, Bernd Kuschmann und Theresia Singer.

Akustisch sind die drei hier vorhandenen Geschichten sehr zurückhaltend umgesetzt, nur wenige Elemente sind hier als Verzierung im Einsatz. Die Musik beschränkt sich auf wenige einfache Melodien, die die Stimmung der Handlung dennoch gut einfangen. Die Geräuschkulisse ist passend zum Seefahrer-Flair der Geschichten im Einsatz, lenkt aber nicht von den Sprechern und ihren Dialogen ab.

Klar, dass das Titelbild einer der Buchvorlagen auf dem Cover zu sehen ist. Fiete stiefelt darauf, gefolgt von Hinnerk und Hein, über den Strand, viele kleine Elemente sorgen dabei für die passende Stimmung – ein Leuchtturm, ein kleiner Krebs und viele Möwen. Die einfache Zeichnung versprüht sehr viel Charme, und auch im Inneren setzt sich dieser niedliche Zeichenstil in dem kleinen Booklet fort.

Fazit: Drei kleine Geschichten, die zusammen oder einzeln gehört werden können – mit etwa 10 Minuten pro Geschichte genau das richtige für ganz kleine Zuhörer. Dabei kommt viel Seefahrer-Stimmung herüber, und auch die Charaktere kommen charmant herüber. Die Sprecher sorgen ebenso für eine passende Umsetzung.

VÖ: 16. März 2017
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-5376-7


Rebecca Gable – Die großen Hörspiele



Erster Eindruck: Zwei aufwändige Hörspielinzenierungen

Der junge Caedmon wird bei einem Piratenüberfall in seiner Heimat Dänemark schwer verletzt und hinkt von nun an. Sein Vater schickt ihn daraufhin in die entfernte Normandie, wo seine Mutter herstammt. Als Übersetzer soll er für den Earl of Wessex tätig sein. Doch er wird überfallen und gerät in Gefangenschaft... (Das zweite Königreich)
England im 15. Jahrhundert, die Rosenkriege erschüttern die englischen Adelshäuser. Mittendrin befinden sich Julian und Blanche of Waringham, die gegen das Adelshaus der Yorks kämpfen und König Edward an die Macht bringen wollen. Doch dieses Spiel der Könige wird auch für die Zwillinge äußerst gefährlich... (Das Spiel der Könige)

Rebecca Gable hat sich seit langem einen Namen als Autorin von historischen Hörspielen gemacht und ist zu einer der erfolgreichsten Vertreterinnen des Genres geworden. Einige ihrer Werke gibt es auch in Hörspielumsetzungen, und zwei davon hat der Hörverlag nun gemeinsam in einer Box veröffentlicht. Zum einen ist da „Das zweite Königreich“, das eine gewisse Ruhe ausstrahlt, gerade am Anfang kann man sich in die harmonische Stimmung einfügen und sich in der fremden Welt des Mittelalters verlieren. Auch die Geschichte ist gelungen und weiß den Hörer zu unterhalten, das Leben von Caedmon zieht weite Kreise und ist unterhaltsam, teilweise sogar recht spannend dargestellt. Die anfängliche Ruhe verfliegt nie so ganz und zieht den Hörer aufgrund der sehr guten Produktion in seinen Bann
Bei „Das Spiel der Könige“ fällt es anfangs ein wenig schwer, die vielen Charaktere zu verinnerlichen und zu unterscheiden, wer für die Geschichte wichtig ist. Nach recht kurzer Zeit jedoch findet man sich leicht zurecht und kann das königliche Intrigenspiel genießen. Die Geschichte strotzt nur so vor interessanten Charakteren, viele von ihnen werden detailliert mit ihren Gewissensnöten, ihrer Machtgier oder ihrer Beeinflussbarkeit dargestellt und hinterlassen so einen ausgeprägten Eindruck auf den Hörer. Der Verlauf ist sehr kurzweilig und an vielen Stellen richtig spannend, das eigentlich trockene und komplizierte historische Thema der Rosenkriege wird stimmungsvoll, realitätsnah und vor allem unterhaltsam aufgearbeitet.
Beide Hörspiele haben mir sehr gut gefallen, zumal auch der sprachliche Gebrauch gelungen ist – nicht allzu schwülstig, sondern gut nachvollziehbar und dennoch authentisch. Auch schafft es die Autorin, die Lebenswelt des Mittelalters heraufzubeschwören und mit einer spannenden Handlung zu verknüpfen.

Beide Hörspiele sind mit einer Vielzahl an Sprechern umgesetzt, und jede Rolle ist sehr gut besetzt. In der Hauptrolle des Caedmon of Helmsby ist in „Das zweite Königreich“ Matthias Koeberlin zu hören, der variationstreich und präzise spielt und damit der Rolle viel Tiefe verleihen kann. Udo Schenk spricht Wiliam, den grausamen Herzog der Normandie und kann mit seiner finsteren Stimme viel Atmosphäre erzeugen und eine intensive Darstellung erreichen. In „Das Spiel der Königin“ wird Julian of Warringham von Max von Pufendorf gesprochen, der mit seinem variationsreichen Spiel und der treffenden Betonung eine hervorragende Darstellung des vielfältigen Charakters gibt. Blanche of Waringham, seine Zwillingsschwester und zweite Hauptfigur, wird von Christina Kühnreich gesprochen, auch sie hat eine intensive und ausdrucksstarke Stimme, die sie gekonnt einzusetzen versteht. Weitere Sprecher sind Volker Lechtenbrink, Hans-Michael Rehberg und Doris Kunstmann.

Beide Inszenierungen sind mit glaubhaften Mittelalter-Klängen ausstaffiert und schaffen so detaillierte Stimmungen, die sich sehr gut an die jeweilige Handlung anschmiegen. Auch die Geräusche sind sehr authentisch eingefügt und lassen die Szenen lebendiger werden, ohne sich allerdings in den Vordergrund zu schieben und von den Dialogen abzulenken.

Für diese Veröffentlichung wurde ein hübscher Pappschuber gestaltet, der mit dem Medaillon in der Mitte und den Blumenornamenten tatsächlich mittelalterliches Flair verbreitet. Innen sind die beiden Erstveröffentlichungen der Hörspiele in dicken Plastikhüllen zu finden, wobei neben einem ansehnlich gestalteten Titelbild auch einige weitere Informationen zu finden sind.

Fazit: Beide Romane von Rebecca Gable sind sehr hörenswert umgesetzt, erfordern aber wegen der komplexen Handlung auch einiges an Aufmerksamkeit. Doch hat man sich erst einmal in die eher ruhig erzählten Geschichten eingefunden, ist es ein wahrer Genuss, die Entwicklungen zu verfolgen und noch viel mittelalterliches Flair einzuatmen.

VÖ: 22. August 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-775-7


Die große Hörspiel-Kiste für Entdecker



Erster Eindruck: Viel Wissen zu interessanten Themen

Volker Präkelt hat beim Hörverlag eine Box mit vier Hörspielen auf den Markt gebracht, die Hörspiele für Kinder enthalten. Jede dieser CDs hat dabei einen anderen Schwerpunkt und vermittelt dazu jede Menge Wissen und interessanter Fakten. Neben zwei eher klassischen Themen zu den alten Ägyptern und den Piraten sind dabei auch die eher ungewöhnlichem Gebiete Drachen und Magie entstanden. Allen vier Hörspielen ist gemein, dass zumindest ein Hauch des Geheimnisvollen, Mysteriösen mitschwebt und die Zuhörer in andere Welten entführt. So gelungen dieser Ansatz auch klingen mag, in der Ausführung gelingt dies leider nicht so recht. Zu wenig atmosphärisch ist die Umsetzung, zu sehr erinnern Teile der Hörspiele an eine Schulstunde, in der die Fakten zwar nicht uninteressant, aber eben etwas zu trocken aufbereitet werden. Zudem gelingt der Versuch nur mäßig, die beiden Themen Drachen und Magie aus einer wissenschaftlichen Perspektive zu betrachen, zu unbeständig wechselt man hier zwischen Fakten und Mysterien hin und her. So bleibt von der Box leider nur ein durchwachsener Eindruck, der durchaus gelungene Ansatz wird durch einige Stolpersteine leider getrübt.

Die Sprecher sind gut ausgewählt worden und können die jeweilige Stimmung der Hörspiele gut herüberbringen. Besonders Stefan Kaminski tut sich positiv hervor und bringt viele gelungene Nuancen in die Produktion mit ein, zumal er auch sehr gut auf die Zielgruppe eingeht. Auch Robert Missler kann seinen markanten Klang geschickt einsetzen, um ein wenig mehr Atmosphäre zu erzeugen und das vermittelte Wissen unterhaltsam wirken zu lassen. Wolf Frass punktet ebenso mit einer gradlinigen und überzeugenden Sprechweise, die lebendig und pointiert wirkt.

Die eingesetzte Musik trifft durchaus immer das jeweilige Thema und kann dabei einzelne Akzente setzen, sei es ein mysteriöser Klang beim Thema Magie oder wilde Seefahrermusik bei den Piraten. Auch die Geräusche sind stimmig inszeniert und geben verschiedene Stimmungen wieder, können aber nicht über die etwas trockene Inszenierung hinwegtäuschen.

Der Pappschuber, der die vier CDs umgibt, ist hübsch gestaltet worden und zeigt auf einem stilisierten Kompass die Themen der Box, im Hintergrund ist eine angedeutete Landkarte in Sepia-Tönen zu sehen. Die einzelnen CDs haben ein jeweils eigenes Cover erhalten, das passend zur gewählten Geschichte gestaltet wurde.

Fazit: Die gewählten Themen sind sehr gelungen ausgewählt, können ihr Potenzial aber nicht so ganz entfalten. Oft werden die Fakten einfach zu trocken umgesetzt. Um wirklich begeistern zu können. Die Atmosphäre kann zwar in den Ansätzen überzeugen, bleibt aber oft zu zurückhaltend.

VÖ: 21. Mai 2012
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-850-1


Der Kinderfresser



Erster Eindruck: Das nette Monster unter dem Bett...

Cilly hat furchtbare Angst, denn sie weiß, dass unter ihrem Bett ein Monster lauert. Während ihre Mutter ihr jeden Abend lange Geschichten vorliest, um sie zum Einschlafen zu bewegen, ist ihr Vater ziemlich ärgerlich und meint, mit ihren neun Jahren müsste sie mit den Geschichten aufhören. Doch in einer Nacht kriecht das Monster tatsächlich unter dem Bett hervor, entpuppt sich aber schnell als ziemlich freundliches Wesen, dass Cilly helfen will...

Mit „Der Kinderfresser“ hat Klaus Strenge das Skript zu einem wundervollen Hörspiel geschrieben, dass sich mit einem Thema auseinandersetzt, dass bei Kindern oft sehr präsent ist: Die Angst vor einem Montser unter dem Bett. Das ist ein sehr gelungener Aufhänger, aber hintergründig geht es noch um viel mehr, ums Erwachsenwerden, darum, sich Problemen zu stellen. Verpackt ist das in eine ziemlich phantasievolle Geschichte, die zunächst einige Alltagssituationen aus Cillys Familie zeigt und so die Charaktere vorstellt. Dieser Einstieg ist schon sehr gelungen, doch später mit dem Auftauchen des Kinderfressers wandelt sich die Geschichte in ein Märchen mit ziemlich niedlichen Figuren, Ideen und Wortspielereien: Der Frosch im Hals, die Akrobarden und natürlich die titelgebende Figur sind nur einige Beispiele hierfür. Neben Cillys Abenteuern in dem fremden Land, in die sie der Kinderfresser mitnimmt, sind auch immer wieder Episoden von anderen Figuren zu hören, was ein sehr kreatives Gemisch ergibt. Und man bekommt die Entwicklung von Cilly hautnah mit, erlebt, wie sie mutiger wird und sogar ihren Vater retten kann. Der Verlauf ist kindgrecht spannend und unterhaltsam, immer wieder sind kleine Weisheiten eingestreut, und auch ein wenig subtile Kritik an der modernen Welt sind zu finden.

Cilly wird von Noe Marie Vondey gesprochen, die ihrem hellen Klang viel Energie verleiht und trotz ihres jungen Alters ihre Figur meist sehr flüssig und authentisch spielt. Doch auch viele prominente Stimmen sind zu hören, so spricht Christoph Maria Herbst ihren Vater und legt eine gewisse Strenge und viel von seinem typischen Humor in seine Stimme, er hat mir auch in dieser Rolle sehr gut gefallen. Berhard Hoecker ist als Blindenschweinchen zu hören, auch er trifft genau den Humor der Vorlage und liefert eine lebendige und liebenswerte Leistung ab. Weitere Sprecher sind Hella von Sinnen, Jürgen von der Lippe und Markus Maria Profitlich.

Die phantasievolle Geschichte kommt auch durch den sehr gelungenen Einsatz von Musik und Geräusche so gut zur Geltung. Die Musik kann die Spannung der Handlung gut transportieren und hat zaubert viele passende Klänge hervor, während die Geräusche die Dialoge lebendiger wirken lassen und den Szenen einen individuellen Klang verleihen.

Ganze drei CDs mit über 200 Minuten Laufzeit umfasst das Hörspiel, und diese sind in sehr ansehnliches Digipack verpackt. Mehrfach aufklappbar und mit vielen witzigen Zeichnungen und Zitaten versehen macht dieses einen sehr guten Eindruck, den das Booklet mit Fotos der Sprecher und weiteren Informationen ergänzt. Die dunkelblaue Gestaltung ist auch auf dem Cover zu sehen, das eine liebevolle Zeichnung des Kinderfressers mit Cilly und dem Frosch im Mund vor dem vollen Mond zeigt.

Fazit: „Der Kinderfresser“ ist eine spannende, märchenhafte Erzählung voller liebevoller Elemente, die von dem Loswerden der Angst eines kleinen Mädchens erzählt. Das macht richtig viel Spaß und entführt die Kinder in eine fremde Welt, enthält aber auch viele tolle Weisheiten, die versteckt eingebaut wurden. Die wundervollen und engagierten Sprecher lassen alles sehr gut wirken.

VÖ: 16. Februar 2017
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-5452-8


Der Kaugummigraf



Erster Eindruck: Leben im alten Bahnhof...

Zurückgezogen in einem verlassenen Bahnhof wohnt ein alternder Graf, der sein Leben mit Teezeiten und viel Grübeln sehr durchgeplant hat. Doch dann taucht Eli wie aus dem Nichts aus, eine kleine Ausreißerin, die sein Leben durcheinander bringt, ihn aber sogar dazu bringt, was es mit seiner großen Kaugummisammlung auf sich hat. Doch nur plaudern können beide nicht lange, denn bei beiden stehen einschneidende Veränderungen an...

Schon der Debutroman der Kinderbuchautorin Kirsten Reinhardt wurde recht schnell auch als Hörspiel umgesetzt, genauso ging es nun auch „Der Kaugummigraf“, das vom WDR vertont und bei Silberfisch auf CD auf den Markt gebracht wurde. Es ist die Begegnung von zwei sehr unterschiedlichen Charakteren, einem alten, etwas grummeligen Mann und einem aufgeweckten jungen Mädchen. Dies wurde gespickt mit vielen kleinen Geschichten, die der Graf zu erzählen weiß und die nicht nur sehr liebenswert sind, sondern auch einige sehr schöne Werte transportieren – versteckt und hintergründig, aber dennoch auch für Kinder greifbar. Doch später kommen noch weitere Probleme auf, die sowohl den Kaugummigrafen als auch Eli betreffen und ihr Leben ordentlich aufwirbeln können. Umso schöner ist es zu hören, wie beide schnell zusammenwachsen, füreinander einstehen und helfen. So löst sich am Ende alles in einem wunderschönen Ende auf, was nach 53 kurzweiligen Minuten passiert. Die sanfte und liebevolle Atmosphäre der Produktion, die vielen eingängigen Momente und die skurrilen Figuren lassen „Der Kaugummigraf“ zu einer sehr hörenswerten Produktion für Kinder werden, dem auch Erwachsene mit Hang zu solchen Geschichten gern lauschen werden.

Horst Sachleben ist in der Rolle des Kaugummigrafen zu hören, aus seiner Sicht wird erzählt, sodass er den größten Redeanteil an der Geschichte hat. Zunächst klingt er noch etwas reserviert, taut aber immer weiter auf und lässt dies auch in seiner Stimme hörbar werden, indem er wärmer klingt und seine skurrilen Seiten mehr nach vorne rückt. Lia Danisch ist sein Gegenpart als aufgeweckte Eli, die sehr authentisch spricht und das aufgedrehte Mädchen sehr gekonnt darstellt, besonders in den späteren Szenen habe ich sie als sehr stark empfunden. Auch Ulrike Bliefert liefert in einer Nebenrolle eine sehr solide Leistung ab. Karin Buchali und Astrid Meyerfeldt ergänzen das Sprecherquintett.

Die Musik stammt von Felix Rösch, der sehr gut auf die Stimmung der Buchvorlage eingegangen ist. Die sehr gute Anpassung der Melodien an die Szenen schafft hier eine dezente, aber sehr passende Atmosphäre. Gut gelungen auch der vorsichtige Einsatz von Geräuschen, die einige der Geschichten lebendiger wirken lassen.

Die beiden Hauptfiguren sind auf dem Cover in schlichtem Comicstil abgebildet, wobei der ovale Rahmen ein altes Portait andeutet. Das kräftig hellblaue Design deutet am oberen Rand und im Inneren noch eine Kaugummiverpackung an. Dort sind auch die Sprecher und die weiteren Produktionsdaten aufgelistet, weitere Informationen sind in dem Digipack leider nicht enthalten.

Fazit: Zwei Charaktere wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, und dennoch läuft ihr Aufeinandertreffen freundlich und tiefgehend ein. Denn nicht nur die vielen kleinen Geschichten beleuchten ihre ganz besondere Beziehung, sondern auch die ganz persönlichen Veränderungen. Das ist liebevoll und eingängig geschildert, sodass ein sehr hörenswertes Hörspiel gelungen ist, das an einigen Stellen aber etwas zu schnell erzählt wurde.

VÖ: 28. April 2017
Label: Silberfisch
Bestellnummer: 978-3-86742-332-8


Der Krieg der Welten



Erster Eindruck: Science Fiction-Klassiker in ausführlicher Hörspielumsetzung

London, Ende des 19. Jahrhunderts, mitten im viktorianischen Zeitalter: Einige Meteroriten schlagen auf dem Planeten ein, werden aber lediglich von einer Gruppe Polarforscher entdeckt. Doch der Reporter Alfred Harmsworth entdeckt Parallelen zu einem weiteren Fall und stellt Nachforschungen an – nicht ahnend, welcher Schrecken sich ihm noch offenbaren wird...

Um „Krieg der Welten“ ranken sich so einige Mythen, so soll eine als Radiobericht inszenierte Hörspielumsetzung eine Massenpanik ausgelöst haben, da einige Hörer die Geschichte für Realität gehalten haben sollen. 70 Jahre nach dem Tod von Autor H.G. Wells hat die Mediabühne nun eine Neuinszenierung produziert und im Vertrieb bei Lübbe Audio veröffentlicht. Satte vier CDs mit einer Laufzeit von viereinhalb Stunden sprechen schon für eine sehr detaillierte Umsetzung des Romans, und tatsächlich wurde allen Szenen, allen Elementen viel Raum gegeben, um sich zu entfalten. Schon die ersten Szenen um die Polarexpedition sind sehr intensiv umgesetzt und offenbaren einigen Schrecken, wobei diese Szene in eine leicht andere Richtung geht als der Rest. Spätestens mit dem Schwenk auf Alfred verdichtet sich die Stimmung dann immer weiter, die Invasion der Außerirdischen wird mit viel Wucht und einer stetig steigenden Spannung umgesetzt. Mir gefällt besonders, dass die Charaktere nicht nur bloße Figuren in einem Action-Spektakel sind, sondern viel Wert auf ihren Hintergrund, ihre Eigenschaften und ihre Entwicklung gelegt wird. Und so präsentiert sich diese Umsetzung sehr ausgewogen, ist zwar an einigen Stellen etwas lang geraten, bringt dafür aber auch die verschiedenen Versatzstücke des Romans gut zur Geltung.

Gordon Piedesack ist in der Rolle des Alfred Harmsworth zu hören und gestaltet diese mit viel Energie und setzt seine markante Stimme sehr gut ein, um auch die kleinsten Regungen des Reporters authentisch darzustellen. Auch Sascha Rotermund überzeugt mit einem sehr eingängigen Klang und setzt immer wieder gekonnt Akzente, um die Role des Cillian McBiggs eine sehr präsente Aura zu verleihen. Andreas Fröhlich passt sich sehr gut diesem für ihn ungewohnten Genre an, verbannt die Heiterkeit aus seiner Stimme und liefert eine sehr ernstafte und eindringliche Darstellung ab. Weitere Sprecher sind Santiago Ziesmer, Michael Bideller und Rüdiger Schulski.

Die Mediabühne hat eine sehr solide akustische Umsetzung abgeliefert und hat eine sehr lebendige Stimmung für die Szenen geschaffen. So ist die Musik geschickt eingesetzt, überdeckt nie die Dialoge und beeinflusst dennoch stark die Atmosphäre. Auch die Geräusche konnten mich überzeugen, sie sind gut ausbalanciert und schaffen es immer wieder, die Gespräche lebendiger wirken zu lassen.

Eine dicke, stabile Pappbox zum Aufklappen ist als Verpackung gewählt worden, die die vier CDs in jeweils einer normalen Plastikhülle beinhaltet. Dabei wurde jeweils ein individuelles Cover geschaffen, die sich durch die Aufteilung und den Schriftzug jeweils ähneln, im oberen Teil aber jeweils ein passendes Motiv zur Handlung zeigen. Im Inneren gibt es einen kurzen, einleitenden Text über das Hörspiel sowie Informationen über die Mediabühne.

Fazit: Der Klassiker der Science Fiction-Literatur ist hier sehr ausführlich und eingängig umgesetzt worden, wobei auch die Charaktere sehr gut zur Geltung kommen. Die Geschichte entwickelt sich stückchenweise weiter und entfaltet so langsam ihren Schrecken, ist dabei dynamisch und spannend umgesetzt worden. Sehr gelungen!

VÖ: 24. April 2017
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-5513-6


Die geheimen Fälle – Auf den Spuren von Sherlock Holmes & Co



Erster Eindruck: Ein Blick auf den Autor

Sherlock Holmes ist schon seit Jahren ein Phänomen, das in den letzten Jahren aber noch einmal deutlich gesteigert wurde – durch Fernsehserien, Hollywood-Verfilmungen und hierzulande zahlreiche Hörspielfortsetzungen ist der Meisterdetektiv noch einmal deutlich präsenter. Der Audio Verlag hat nun eine äußerst interessante Hörspielbox veröffentlicht, die zwar den Namen des Meisterdetektivs im Namen trägt, in der diese Figur aber nur eine Randerscheinung ist. Vielmehr konzentrieren sich die vier Produktionen eher auf den Autor der bekannten Geschichten, Sir Arthur Conan Doyle.

Den Auftakt macht jedoch mit „Dr. med. Hiob Prätorius“ aus der Feder von Curt Goetz ein noch recht klassischer Fall, mit dem bekannten Gespann aus Holmes und Watson. Ihr Redeanteil ist jedoch nicht sehr hoch, der Großteil stammt vom Klienten der beiden. Das macht einen recht statischen Eindruck und kann die Spannung nicht wirklich aufrecht halten, zumal die Auflösung äußerst untypisch für die Storys ist: Es gibt keine wirkliche Auflösung, kein Entwirren der gelegten Fährten, keine Überführung eines Täters. Ein durchaus interessanter Fall, man sollte aber mit einer anderen Erwartungshaltung an das Hörspiel herangehen und sich auf dieses Experiment einlassen.
Es folgen zwei Hörspiele, die thematisch und stilistisch sehr ähnlich sind: „Der Mann, der Sherlock Holmes war“ sowie „Sir Arthur Conan Doyle“, die sich mit dem Autoren selbst beschäftigen. Dafür wurde keine durchgängige Handlung erzählt, sondern setzt in kleinen Versatzstücken, in episodenhaften Szenen langsam ein Bild des Autors zusammen. Zwischendurch werden auch immer wieder Dialoge aus Holmes-Geschichten eingeflochten, die einen interessanten Kniff einbringen und für Kurzweil sorgen. Beide Produktionen haben mir wegen ihrer Andersartigkeit gut gefallen, zumal man tatsächlich das Gefühl bekommt, mehr über Doyle zu erfahren.
Den Abschluss bietet „Die Herausforderung“, in der Holmes gar keine Rolle spielt, sondern in einem interessanten Fall die Beziehung zwischen Doyle und dem bekannten Zauberkünstler Houdini beleuchtet. Kernelement ist die Erpressung von Houdini, in den Dialogen erfährt man jedoch auch sehr viel über die Freundschaft der beiden. Das ist lebendig erzählt und mit zahlreichen starken Sequenzen versehen, sodass man die Abwesenheit von Holmes gar nicht vermisst. Ein gelungener Schlusspunkt für diese Box, die jedoch anders als der Titel vermuten lässt, keine verloren geglaubte Fälle von Holmes erzählt, sondern eine bunte Mischung aus ganz unterschiedlichen Produktionen bietet und dem Hörer mehr über das Leben seines Schöpfers berichtet.

Der großartige Peter Pasetti ist in den beiden Hörspielen über Doyle als Sherlock Holmes zu hören, er verleiht der bekannten Figur eine sehr intensive Ausstrahlung und sorgt mit seinen Kommentaren für sehr gute Unterhaltung. Wolfgang Kieling ist im gleichnamigen Hörspiel als Dr. med. Hiob Prätorius zu hören, seine Schilderungen wirken durch die eingängige Sprechweise lebendig und authentisch. Klausjürgen Wussow ist in „Die Herausforderung“ als Houdini zu hören und setzt seine markante Stimme sehr geschickt ein, um jede Szene zu etwas besonderem zu machen. Weitere Sprecher sind Walter Schmidinger, Paul Hoffmann und Heinz Reincke.

Die vier Produktionen stammen von unterschiedlichen Radiostationen aus den 60er und 70er Jahren, sodass die Qualität der Aufnahmen recht eingeschränkt ist. Zwar stört kein Grundrauschen die Szenerie die Dialoge wirken aber meist etwas blechern. Auch in Sachen Akustik wurde – typisch für die damalige Zeit – nur wenig getan, um dies aufzulockern, sodass die Dialoge meist für sich allein stehen.

Der Pappschuber, der die drei Hörspiele fasst, ist vorrangig in schwarz-weiß gehalten, wird aber von einigen türkisen Schriftzügen aufgelockert. Zu sehen sind einige typische Motive aus den Holmes-Geschichten. Diese Stilistik setzt sich auch in den Titelbildern der einzelnen CDs fort, in denen jeweils die notwendigen Produktionsinformationen, aber keine weiteren Extras zu finden sind.

Fazit: Holmes spielt hier eine eher untergeordnete Rolle, worauf für meinen Geschmack etwas zu wenig hingewiesen wird. Dennoch ist der Blick auf seinen Autor sehr gelungen, sowohl was die beiden episodenhaften Überblicke über sein Leben als auch die Geschichte um ihn und Houdini angeht. Und dann gibt es eben doch noch einen Fall des Meisterdetektivs, der jedoch mit einer etwas merkwürdigen Auflösung einige Fragezeichen hinterlässt.

VÖ: 10. März 2017
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0065-9


Sherlock Holmes und das Geheimnis des weißen Bandes



Erster Eindruck: Meisterliche Umsetzung einer gelungenen Vorlage

Eigentlich wollte Dr. Watson für immer den Mantel des Schweigens über die Ereignisse aus dem aufkommenden Winter des Jahres 1890 legen. Doch Jahrzehnte später drängt es ihn, die Geschichte doch noch zu erzählen, bei dem Sherlock Holmes bei seinen Ermittlungen immer wieder ein weißes Band begegnet. Nicht ahnend, welches Ausmaß an menschlichen Abgründen sich auftun wird, tappt der Meisterdetektiv offenen Auges in eine perfide Falle...

Mit seiner Neuvertonung um Paul Temple hat sich Bastian Pastewka bereits einen Namen in Hörspielkreisen gemacht. Umso gespannter durfte man sein, dass er jetzt einen Roman über Sherlock Holmes für den WDR und Radio Bremen vertont hat, die Kaufversion ist bei Goya Lit erschienen. Sehr erstaunlich ist, dass er eine sehr ernste Erzählweise gewählt hat, der sonst als sehr humoristisch bekannte Schauspieler hat sich hier völlig auf die Erzählung von Anthony Horowitz eingelassen. Bereits die Rahmenhandlung, in der der deutlich gealterte Dr. Watson als Erzähler auftritt, strahlt eine große Melancholie aus, die tragende Wortwahl und die schwermütige Gedankenwelt des Chronisten sind sehr intensiv in Szene gesetzt. Und auch der Grund, warum Watson sein Schweigen bricht, ist gut erklärt und stärkt die Glaubwürdigkeit der Szenerie. Hauptaugenmerk liegt aber natürlich auf der Handlung, und diese schafft es schnell, den Hörer in ihren Bann zu ziehen. Vom ersten Besuch seines Mandanten an entwickelt sich eine sehr dichte Erzählung, die über unterschiedliche Stimmungen und Szenarien führt und dabei sehr abwechslungsreich bleibt. Dabei gibt es Tote, harte Maßnahmen gegen Holmes, aber auch viele Bekannte aus den ursprünglichen Geschichten tauchen auf. Die Spannung steigt dabei stetig und endet auch mit der Auflösung nicht – immer weitere Geheimnisse werden dabei aufgedeckt. Dabei wird tief in die Abgründe der menschlichen Seele geblickt, es gibt erstaunliche und dennoch sehr passende Wendungen, und am Ende ist dann jedes noch so kleine Detail aus der Handlung aufgeklärt. Das ist geradezu meisterhaft erzählt und hat mich vollkommen begeistert, zumal auch die Atmosphäre äußerst eingängig und düster geraten ist.

Das Sprecherensemble setzt nicht auf die üblichen bekannten Sprecher aus kommerziellen Hörspielen, allesamt wurden sehr sorgfältig ausgewählt und verkörpern ihre Rollen auf der eingängige Weise, unter ihnen beispielsweise Rainer Boch, Cathlen Gawlich und Christoph Maria Herbst. Frank Röth ist in der Rolle des Sherlock Holmes zu hören und findet seinen ganz eigenen Weg, diesen zu interpretieren – sehr ernst und konzentriert, nur manchmal transportiert er einen Funken Spott über seine Stimme. So zeigt er eine andere Seite des Meisterdetektivs, die sehr stimmig wirkt. Gerhard Gerbers ist als Dr. Watson zu hören, der in seinen Erzählszenen düster, melancholisch, fast schon depressiv spricht, was sehr intensiv auf den Hörer wirkt, und auch ansonsten eine sehr starke und eingängige Leistung abliefert. Sehr gut gefallen hat mir auch Walter Sittler in der Rolle des Mycroft Holmes, der eine überhebliche, einprägsame Sprechweise wählt und dabei schnell im Gedächtnis haften bleibt.

Fast schon klassisch konzentriert sich auch diese Sherlock Holmes-Vertonung auf die Dialoge, die größtenteils ohne musikalische Begleitung auskommen. Doch in den Übergängen wurde ein orchestraler Soundtrack eingespielt, der ebenso düster ist wie die Handlung selbst und immer wieder mit neuen Feinheiten überrascht. Dabei wird auch der Spannungsbogen gekonnt nachgezeichnet. Großes Lob verdient auch die Geräuschkulisse, die sich sehr lebendig in die Dialoge integriert.

Schlicht, und dennoch ergreifend ist das Cover dieser Folge gelungen. Die Silhouette des Pfeife rauchenden Meisterdetektivs hebt sich nur leicht von dem dunkelgrauen Hintergrund ab, teils in verschnörkelter Schrift sind Titel und Mitwirkende in weiß aufgedruckt. Der dicken Plastikhülle liegt neben den drei CDs auch noch ein Booklet mit Trackübersicht und Kurzinformationen zu vielen Sprechern bei.

Fazit: „Sherlock Holmes und das Geheimnis des weißen Bandes“ hebt sich stark von den bekannten, lockeren Umsetzungen ab und präsentiert sich ausgesprochen düster und melancholisch. Das Thema ist sehr eindringlich umgesetzt, die Spannung in jeder Minute spürbar, die Umsetzung eindringlich und atmosphärisch. Eine herausragende Produktion und fast schon ein Muss für Hörspielhörer.

VÖ: 13. Januar 2017
Label: Goya Lit
Bestellnummer: 4012144372628


Monster 1983 – Tag 6 – Tag 10



Erster Eindruck: Der Nervenkrieg in Harmony Bay geht weiter

Den Tod seiner Frau hat Sheriff Cody noch nicht verkraftet, doch sein neues Revier Harmony Bay gestaltet sich als äußerst schwieriges Pflaster. Denn eine Serie brutaler Todesfälle hält die Stadt in Atem, die scheinbar von einem Serientäter verübt wurde. Immer weitere Leichen tauchen auf, und Cody muss sich tief in die Abgründe der menschlichen Seele begeben, um den Fall zu lösen...

Ivar Leon Menger – ein Name, der in Hörspielkreisen für Aufsehen sorgt. Denn der Autor steht für äußerst kreative und atmopshärisch dichte Produktionen, wie auch „Monster 1983“ beweist. Die ersten fünf Folgen der Audible-Serie ist bereits bei Lübbe Audio erschienen, doch auch „Tag 6 – Tag 10“ gehört untrennbar zu der Handlung um einen düsteren Serienmörder. Diese Folgen sollte man nicht nur gehört, sondern auch die wesentlichen Inhalte parat haben, denn die Handlung ist sehr komplex, wer einmal ausgetiegen ist, hat es schwer, wieder hereinzufinden. Doch schnell ist man wieder völlig in der Geschichte verwurzeltund fiebert mit den Charakteren mit – und es sind mittlerweile viele, denn die Handlung ist in mehrere Stränge aufgeteilt. Das erlaubt eine große Dynamik, immer wieder ist auf dem Höhepunkt der Spannung ein Szenenwechsel eingebaut, was die Dramatik nur noch weiter erhöht. Zudem hat jede der Folgen einen eigenen Schwerpunkt, erzählt einen wichtigen Teil der kompletten Story. Diese spitzt sich immer weiter zu und endet in einem äußerst packenden Finale, das einige Überraschungen bietet. Die mysteriöse Stimmung, die vielen angesprochenen Themen von Spionage bis zu einer Liebesgeschichte, fügen sich sehr gut zusammen, sodass „Monster 1983“ eine absolute Hörempfehlung darstellt.

Ekkehardt Belle ist in der Rolle des Deputy Landers äußerst gut aufgehoben, seine ausdrucksstarke Stimme verleiht der Figur viel Präsenz, auch die Entwicklung seines Charakters treibt er gelungen voran. Bernd Rumpf ist als Doc Schulz zu hören, auch er schafft einen einzigartigen Charakter mit ganz eigener Ausstrahlung, indem er seine Stimme sehr feinsinnig an die unterschiedlichen Situationen anpasst. Luisa Wietzoreks sanfte Stimme steht in gelungenem Kontrast zu der harten und rauen Stimmung, sie unterstützt die Handlung gekonnt in ihrer Wirkung. Weitere Sprecher sind Till Hagen, Udo Schenk und Florian Halm.

Passend zu der geheimnisvollen und düsteren Handlung ist auch die akustische Gestaltung gehalten, die sich parallel zum Spannungsbogen entwickelt. Dabei bleibt auch die Musik eher ruhig und beeinflusst die Stimmung aus dem Hintergrund, zudem ist sie sehr gut auf die einzelnen Szenen abgestimmt. Die Geräusche sind ebenfalls zurückhaltend, aber sehr treffend eingefügt.

Genau das gleiche Cover wie bei den ersten fünf Folgen ist auch hier im Einsatz, und das sowohl für die Pappbox als auch für die Titelbilder der einzelnen CDs. Hier hätte man durchaus einen Mehrwert gegenüber den Download-Versionen schaffen können, ein paar mehr Extras als Fotografien der mitwirkenden Sprecher wären sicherlich machbar gewesen.

Fazit: Ivar Leon Menger beweist einmal mehr sein Gespür für eingängige und mytseriöse Hörspiele, lässt vieles im Dunkeln und überrascht seine Hörer immer wieder mit neuen Elementen der Handlung. Alles fügt sich sehr gut ineinander und hat mich völlig begeistert – zumal sich die Handlung hier noch einmal mehr steigern kann.

VÖ: 13. Januar 2017
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-5397-2


Monster 1983 – Tag 1 – Tag 5



Erster Eindruck: Mysteriöses aus einer kleinen Küstenstadt

„Harmony Bay“ heißt das kleine Küstenstädtchen in Oregon, das die neue Wirkungsstätte von Sheriff Cody ist. Doch der Name täuscht, es geht alles andere als harmonisch zu, denn eine Mordserie erschüttert die Gegend, sodass Cody kaum die Gelegenheit bekommt, sich zusammen mit seiner Familie einzuleben. Als dann auch noch ein Gefangenentrasporter verunglückt und die Insassen spurlos verschwinden, ist es mit der Ruhe endgültig vorbei...

„Monster 1983“ ist eine ursprünglich für Audible entstandene Hörspielserie, die nun jedoch auch bei Lübbe Audio in einer CD-Version erschienen ist. Die Idee für den Stoff hatte Ivar Leon Menger, was allein schon fast ein Qualitätsmerkmal ist. So auch hier, denn wieder hat er es geschafft, eine atmosphärisch sehr dichte und ungewöhnliche Geschichte zu schreiben, die einen kaum loslässt. Schon zu Beginn dieser ersten fünf Tage der Serie wird dabei eine dichte Stimmung aufgebaut, die viele Geheimnisse im Hintergrund wirken lässt – durchschauen lässt sich die Handlung auch für geübte Hörer nicht. Neben diesen sehr mysteriösen Elementen sind noch Versatzstücke aus zahlreichen anderen Genres vorhanden, was einerseits sehr abwechlunsgreich wirkt, aber auch viel Aufmerksamkeit vom Hörer fordert. Die komplexe Handlung sorgt für viele Einzelheiten, die noch eine wichtige Rolle spielen und deswegen behalten werden wollen. Doch es lohnt sich, der Serie diese Zeit zu widmen, immer war ich sehr gespannt auf die kommenden Entwicklungen und von so mancher Wendung völlig überrascht. Die ruhige Erzählweise ohne großartige Actionelemente lässt „Monster 1983“ zudem sehr „erwachsen“ wirken. Wer sich nach diesen fünf Folgen wundert, dass kein wirkliches Ende vorliegt: Tag 6 bis 10 schließen direkt an diese Staffel an und sollten schnell danach gehört werden.

Zahllose Sprecher wirken an dieser immerhin über fünfsstündigen Produktion mit, zwei Seiten des Booklets sind nötig, um diese aufzuzählen. Im Mittelpunkt steht jedoch David Nathan in der Rolle des Sheriff Cody, der mit seiner markanten Stimme für genügend Aufmerksamkeit sorgt, andererseits aber auch eine sehr glaubwürdige Sprechweise wählt, die die Gefühlswelt des recht harten Mannes gekonnt wiedergibt. Luise Helm überzeugt mit ihrer Darstellung von Tylor Dunford, ihre Stimme nimmt unterschiedliche Färbungen an und schafft so einen interessanten Charakter. Auch Jonathan Lade hat mich begeistert, Michael Cody bekommt durch ihn seinen ganz eigenen Stempel aufgedrückt. Weitere Sprecher sind Ekkehardt Belle, Helen Blaschke und Jonas Schmidt-Foß.

Passend zur Handlung ist auch die akustische Gestaltung mysteriös und leicht diffus, sodass die Stimmung sehr gut unterstützt wird. Immer wieder werden dabei neue und ungewohnte Klänge angeschlagen, immer sind sie jedoch eher unheimlich und sind sehr gut auf die einzelnen Szenen angepasst. Auch der Einsatz von Geräuschen ist stimmig und lebendig gelungen.

Der düstere Schatten eines Mannes mit einer langen Schrotflinte fällt auf ein Bett mit weißen Laken – das Titelbild ist stimmig und passt gut zu der Handlung. Aufgedruckt ist dieses nicht nur auf den großen Pappschuber, sondern wird auch für jede der fünf einzeln verpackten CDs verwendet. Im Inneren der Booklets gibt es neben den üblichen Informationen noch einige Fotos der Sprecher mit Ivar Leon Menger

Fazit: Ivar Leon Menger hat es wieder geschafft und eine sehr eindringliche und mysteriöse Stimmung geschaffen, in der sich starke Charaktere und zahlreiche Geheimnisse tummeln. Die komplexe Handlung ist sehr spannend und ruhig erzählt und strahlt eine ganz eigene Stimmung aus, die mich sofort gepackt hat. Sehr hörenswert.

VÖ: 13. Januar 2017
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-5396-5


Die Schöne und das Tier



Erster Eindruck: Klassiker in wunderschönem Gewand

Das Leben eines Kaufmanns wandelt sich stark, als seine Schiffsflotte untergeht und ihm nur ein einfaches Leben auf einem Bauernhof bleibt. Während einer Handelsreise muss er in einem einsam gelegenen Schloss Halt machen und erinnert sich an den Wunsch seiner Tochter Belle, ihr eine Rose mitzubringen. Doch kaum hat er eine Blüte von den vielen Sträuchern abgebrochen, steht der wütende Hausherr hinter ihm – ein riesiges, schrecklich anzusehendes Tier...

Ein Zufall dürfte es wohl nicht sein, dass 23 Jahre nach der Aufnahme des WDR-Hörspiels „Die Schöne und das Tier“ beim Audio Verlag auf CD erscheint, denn fast zeutgleich bringt ein bekannter amerikanischer Filmkonzern die Realverfilmung eines Trickfilmklassikers in die Kinos, die auf dem gleichen Märchen beruht. Dass man hiermit ein wenig von dem großen Popularitätsschub profitieren möchte ist verständlich – und auch für den Hörer lohnenswert, denn das Märchen wird hier sehr gekonnt und auf ganz eigene Weise erzählt. Es hält sich an die Variation des Märchens von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont, was einerseits bedeutet, dass keine singende Teekanne vorkommt, andererseits, dass viel mehr auf die Familie von Belle eingegangen wird, neben ihrem Vater kommen hier noch ihre beiden verzogenen und arroganten Schwestern vor, was die Bescheidenheit und Herzensgüte von Belle noch weiter unterstreicht. Die beiden nehmen auch gegen Ende noch einen großen Teil der Handlung ein und zeigen recht finstere Seiten der menschlichen Seele, eine Ergänzung, die sich sehr stimmig in das Grundmotiv einfügt. Denn im Mittelpunkt steht natürlich auch hier die Liebesgeschichte zwischen Belle und dem Tier. Hinter dessem herrischen und unfreundlichen Auftreten entdeckt die Schöne nach und nach einen weichen, liebenswerten Kern, sie überwindet Vorurteile und sieht den Schlossbesitzer schon bald als das, was er wirklich ist. Das ist herrlich unpathetisch umgesetzt, sondern setzt auf ehrliche Gefühle und morlaische Prinzipien, ohne den Zeigefinger erhoben zu halten. Eine zauberhafte Variante des Märchens, die in knappen 33 Minuten flott erzählt wird und dennoch dessen Kern sehr gut herausarbeitet.

Nina Hoger hat die Hauptrolle der Belle übernommen, sie legt nicht nur einen sehr warmen und gutherzigen Klang in ihre Stimme, sondern kann auch die pflichtbewusste und kluge Art des Mädchens sehr gut in Szene setzen. Otto Sander ist als Tier zu hören, seine anfängliche Grobheit nimmt langsam immer mehr ab, sodass man seine weiche Seite gemeinsam mit Belle entdecken kann. Alois Garg hat mir sehr gut als Belles Vater gefallen, der eine charmante und authentische Sprechweise abliefert. Weitere Sprecher sind Anna Magdalena Fitzi, Christiane Bachschmidt und Hannelore Hoger als Erzählerin.

Auch akustisch gibt es viel positives zu berichten, besonders die eingesetzte Musik ist sehr gelungen. Die orchestralen Klänge klingen ebenso verspielt wie romantisch und rahmen die Szenen so sehr gekonnt ein. Auch die Geräusche sind passend eingefügt und lassen die Dialoge lebendiger wirken. Doch nichts davon lenkt von der Geschichte ab, alles wirkt in sich sehr stimmig.

Das Artwork zu diesem Hörspiel gefällt mir sehr gut, in blauen Farben ist eine recht skurrile Szenerie zu sehen, nur die angedeuteten roten Blüten spielen auf den Rosengarten an. Zu sehen sind die Schöne und das Tier, scheinbar einander sehr zugetan, vor dem Schloss, dass sich mit zahlreichen Erkern und Türmen vor dem hell scheinenden Mond abhebt. Schade ist nur, dass mit der Aktualisierung des Covers auch der typische weiße Rücken für Kinderhörspiele des Labels verzichtet wurde.

Fazit: Auch wenn das Märchen bekannt ist, geben hier einige Variationen neue Impulse, unterstreichen aber dabei den Grundgedanken anstatt ihn zu verfälschen. Die klassische Liebesgeschichte, in der hinter das äußere Bild geblickt werden muss, ist nicht nur sehr romantisch, sondern auch sehr sinnbildlich. Die gekonnte Umsetzung sorgt für einen sehr positiven Gesamteindruck.

VÖ: 10. Februar 2017
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0055-0


Der kleine Prinz



Erster Eindruck: Klassiker in moderner Umsetzung

Der kleine Prinz lebte ganz allein auf einem winzigen Planeten, auf dem es neben einigen Vulkanen nicht viel gab, doch diese waren sehr praktisch, um sein Essen zuzubereiten. Eines Tages beschließt er, seine Heimat zu verlassen, um auch andere Planeten kennenzulernen. Und auf seiner Reise begegnet er zahlreichen Gestalten, und jede von ihnen hilt dem kleinen Prinzen, das Wesentliche zu erkennen...

„Der kleine Prinz“ ist wohl einzigartig, die bekannte Geschichte von Antoine de Saint-Exupery ist so poetisch, so voller Weisheit und dennoch so zugänglich, sodass sie einen festen Platz in den Herzen vieler erlangt hat. Und eben diesem Stoff hat sich floff angenommen – eine spannende Kombination, war das Label doch bisher für die aufgedreht-fröhliche Kinderserie „Die Playmos“ bekannt. Doch hiervon hat sich Regisseur Florian Fickel vollkommen entfernt und geht sehr gut auf die melancholische und nachdenkliche Stimmung der Vorlage ein, ohne ins Trübsinnige zu verfallen. Und auch die Tücken, die dieses Buch für eine Hörumsetzung bietet, werden sehr gelungen umschifft, indem zum Beispiel die berühmte Zeichnung zu Anfang gut beschrieben wird. Den vielen teils skurrilen Figuren wird viel Leben eingehaucht, sie kommen sehr gut zur Geltung. Die Umsetzung bezieht sich auf eine Neuübersetzung des Stoffes, die moderner und frischer wirken soll. Doch dabei geht leider auch ein wenig von dem Zauber verloren, der durch die poetischen, fast schon altmodischen Worte generiert wurde. Doch dafür wirkt dieses Hörspiel nun auch deutlich kindgerechter und ist dennoch für die ganze Familie geeignet.

Die Rolle des Erzählers, der hier nur „Der Pilot“ genannt wird, ist mit Christoph Maria Herbst äußerst prominent besetzt, zumal der sonst oft so ironische Schauspieler hier eine sehr zurückhaltende und ruhige Sprechweise wählt. Eine sehr überzeugende Leistung! Nicolas Artajo ist ebenso gut in der Rolle des kleinen Prinzen aufgehoben, mit seiner aufgeweckten und eingängigen Stimme bringt er diese ganz besondere Figur sehr gut zur Geltung. Auch die Nebenrollen sind mit sehr engagierten Sprechern besetzt, die Szene um den Laternenanzünder kommt beispielsweise durch Detlef Bierstedts markanter Klang sehr lebendig und berührend beim Hörer an. Weitere Sprecher sind Claudia Urbschat-Mingues, Christian Rode und Gerrit Schmidt-Foß.

Die akustische Umsetzung des Klassikers weiß ebenso zu überzeugen, wobei die Sprecher und ihre Dialoge immer im Mittelpunkt stehen. Besonders Geräusche sind nur sehr punktuell eingesetzt worden. Der Großteil der Atmosphäre wird durch die sanften, verträumten Melodien erzeugt, die sich sehr eng um die Szenen schmiegen und ihnen die passende Stimmung verleihen.

Ebenso bekannt wie die Geschichte sind auch die simplen, aber sehr ansehnlichen Zeichnungen des Buches, und natürlich werden diese auch für das Titelbild verwendet. Der kleine Prinz steht darauf auf seinem Heimatplaneten, während der Hintergrund in schlichtem Weiß gehalten ist. Auch ein Foto von Christoph Maria Herbst ist hier zu sehen, im Inneren werden weitere grafische Elemente verwendet.

Fazit: Ein wahrer Klassiker, den floff da sehr sensibel und feinfühlig umgesetzt hat. Die sanfte Modernisierung und Anpassung an die Bedürfnisse von Kindern ist gelungen, die Figuren und deren einzigartige Geschichten kommen immer noch bestens zur Geltung. Poetisch, emotional und nachdenklich stimmend ist eine sehr hörenswerte Produktion entstanden.

VÖ: 21. April 2017
Label: floff
Bestellnummer: 4260229661956


Der Sängerkrieg der Heidehasen - Live



Erster Eindruck: Komplott gegen Lodengrün

Jedes Jahr tragen die Heidehasen einen Wettstreit über den besten Sänger aus, doch dieses mal gibt es einen ganz besonderen Preis zu gewinnen: Der siegende Hase soll die Prinzessin des Reiches heiraten. Der Minister für Hasengesang und Direktor Wackelohr wollen jedoch unbedingt den Sieg des aussichtsreichen Lodengrün verhindern und greifen zu so einigen Intrigen...

Schon 1952 gab es ein Hörspiel um den Sängerkrieg der Heidehasen aus der Feder von James Krüss, 65 Jahre später war es scheinbar an der Zeit für eine Neuauflage, sodass der Audio Verlag eine Produktion des WDR auf CD gepresst hat. Und dabei handelt es sich um eine Besonderheit, denn das Hörspiel wurde live vor Publikum aufgeführt und dabei aufgezeichnet. Das führt einerseits dazu, dass einige visuelle Informationen fehlen, andererseits aber auch zu einer ganz speziellen Stimmung – die zuschauenden Kinder werden zum Mitmachen aufgefordert und sind immer wieder lautstark zu hören. Durch die Handlung wird von zwei Erzählern geführt, Nina Kawalun und Peter Saurbier, die sich auch miteinander unterhalten und so ales auch für Kinder gut verständlich aufbereiten. Die Geschichte um die Hasen, die in einem Wettstreit den besten Sänger küren wollen, ist dann auch recht simpel und wird mit viel Musik begleitet, die Handlung wird in vielen Liedern vorangetrieben – und auch das wird den Kindern vorher gut erklärt. Sicherlich ist es keine große Überraschung, wie die Handlung verläuft und wie sie endet, aber für Kinder ist es spannend erzählt und macht richtig Spaß.

Nina Kawalun macht ihre Aufgabe als Erzählerin sehr gut, sie klingt immer sehr freundlich, bringt aber auch etwas Spannung mit ein und geht gut auf zu Kinder ein, durch sie wirkt alles sehr lebendig. Auch Peter Saurbier konnte mich überzeugen, mit seinem exaltierten Auftreten als Professor Plem bringt er immer wieder neuen Schwung in die Geschichte. Manfred Bittner singt die Rolle des Lodengrün und wirkt dabei sehr sympathisch, schnell fiebert man mit ihm mit. Auch Robert Blank, Harald Martini und Michaela Dobmeier sind zu hören.

Wie bereits erwähnt spielt Musik eine wichtige Rolle in der Geschichte, es wird viel gesungen und dabei die Geschichte weitererzählt. Dies wird harmonisch und mit klassischen Instrumenten begleitet, jeder Charakter bekommt hierdurch auch seinen eigenen Audruck verpasst. Geräusche sind dabei wenig eingefügt, was manchmal etwas starr wirkt.

Das Titelbild der Produktion ist in einfachem Comicstil gehalten, gezeigt wird dabei die entscheidende Szene, in der Lodengrün nach einigen Querelen doch noch sein Lied vortragen darf. Die verschiedenen Figuren sind dabei gut getroffen, auch das Bühnenbild wird witzig dargestellt. Ein paar Bilder der Live-Show im Inneren wären aber noch eine gelungene Ergänzung gewesen.

Fazit: Eine einfache, aber witzige Geschichte, in die man sich dank dem ungewöhnlichen Einsatz der beiden Erzähler schnell hereinfindet. Die vielen eingebauten Lieder bringen viel Spaß, die Charaktere sind sehr klar dargestellt, sodass auch Kinder allem gut folgen können. Die Live-Atmosphäre bringt noch einmal eine ganz andere Note in die Handlung mit ein.

VÖ: 10. Februar 2017
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0013-0


Der Geheimagent



Erster Eindruck: Ruhige Umsetzung einer spannenden Geschichte

Adolf Verloc lebt im London des ausgehenden 19. Jahrhunderts ein scheinbar ruhiges, beschauliches Leben mit seiner Frau Winnie und dem gemeinsam betriebenen Ladenlokal. Doch hinter der bürgerlichen Fassade ist Adolf ein Geheimagent, der sich allerdings eher als Beobachter sieht und nicht aktiv ins Geschehen eingreift. Das ändert sich, als er von seinem Auftraggeber einen brisanten Plan vorgelegt bekommt: Er selbst soll einen Anschlag verüben...

110 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung wurde „Der Geheimagent“ des britischen Schriftstellers Joseph Conrad nun als Hörspiel vom Audio Verlag umgesetzt – scheinbar eine ungewöhnliche Wahl, der der Autor mit polnischen Wurzeln hierzulande noch nicht die gleiche Popularität wie hinter dem Ärmelkanal. Und dennoch ist die Wahl eine sehr gute, denn der Roman ist nicht nur unterhaltsam geschrieben, sondern wirkt mit seiner Thematik auch ziemlich aktuell. Zunächst wird aber erst Hauptfigur Adolf Verloc vorgestellt, sein Leben, seine etwas lasche Haltung, was durchaus unterhaltsam gelungen ist. Doch nur kurz darauf wird auf das Thema des Anschlags eingegangen, und hier entwickeln sich die Charaktere dann schnell weiter. Dabei trifft Verloc noch weitere, moralisch zweifelhafte Entscheidungen – und natürlich geht bei dem Plan nicht alles glatt. So wird die Beziehung zwischen Verloc und seiner Frau stark erschüttert, was eine emotionale und sehr bewegende Komponente mit einbringt. Doch auch die politischen Aspekte sind sehr gut eingebaut und halten der Gesellschaft den Spiegel vor. Das alles bleibt in der Umsetzung sehr ruhig und fast schon etwas gleichförmig, nur selten wird die Dramatik der Handlung nach oben geschraubt. Hier hätte ich mir manchmal etwas mehr Druck gewünscht, doch auch in dieser ruhigen Umsetzung konnte mich „Der Geheimagent“ überzeugen.

Felix Vörtler ist in der Rolle des Adolf Verloc zu hören, seine Stimme nimmt hier sehr variable Ausdrücke an, sodass er in jeder Situation den passenden Ausdruck erzeugen und so eine sehr überzeigende Leistung abliefern kann. Die wunderbare Cathlen Gawlich spricht seine Frau Winnie zunächst noch sanft, fast zurückhaltend, kann später aber auch die aufgewühlte Emotionalität ihrer Figur sehr gekonnt aufgreifen. Peter Fricke ist als Erzähler im Einsatz und bringt viel Dynamik in seine Texte mit ein, die so lebendig und kurzweilig gestaltet sind. Weitere Sprecher sind Robert Dölle, Patrick Mölleken und Ralf Drexler.

Julia Komflaß ist für die Komposition der begleitenden Musik verantwortlich und hat es geschafft, die Atmosphäre des Romans aufzugreifen. Die Melodien umschmeicheln sanft die Dialoge und treten nur in den Szenenübergängen mehr in den Vordergrund, beeinflussen die Stimmung eher subtil. Auch die Geräusche sind sehr treffend eingefügt und lassen die Szenen lebendiger wirken.

Die beiden CDs dieser Produktion sind in einem stabilen Digipack untergebracht, das neben den üblichen Produktionsinformationen zwar keine weiteren Extras enthält, aber mit stimmungsvollen Fotografien ausgestattet ist. Diese sind wie das Titelbild in Orange eingefärbt und erhalten so eine sehr intensive Ausstrahlung.

Fazit: Die Umsetzung ist ziemlich ruhig geworden, was der spannenden Atmosphäre jedoch nur wenig nimmt. Die gut inszenierten Charaktere und die kurzweilige Handlung rund um einen Terroranschlag bieten viele reizvolle Momente, zumal auch die Perspektive eine interessante ist. Besonders das emotionale Ende konnte mich überzeugen.

VÖ: 10. Februar 2017
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0064-2


Auerhaus



Erster Eindruck: In der Mitte der Straße...

Kurz vor dem Abitur will der hochintelligente Frieder seinem Leben ein Ende setzen, der Suizidversuch gelingt jedoch nicht. Und so beschließen fünf seiner Freunde, mit ihm in ein verlassenes Bauernhaus zu ziehen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Gemeinsam stehen gegen alle Widrigkeiten zusammen, doch Frieder kommt von seinen düsteren Gedanken nicht immer los...

Es lohnt sich immer wieder, abseits der populären Serienproduktionen oder dem Umsetzungen von Bestsellern nach Hörspielumsetzungen zu suchen, denn oft wird man dabei mit ungewöhnlichen Produktionen belohnt – Auerhaus ist dafür ein perfektes Beispiel. Einfach, weil keine große Geschichte mit dramatisch inszenierten Wendungen erzählt wird, sondern eher eine Momentaufnahme. Ein Portrait von sechs Jugendlichen, die ihr Leben auf unkonventionelle Weise leben. Und eine sehr sensible und feinfühlige Darstellung einer psychischen Erkrankung, die unter die Haut geht und auch Außenstehenden die Tücken begreiflich machen. Es gibt Aufs und Abs, fröhliche und ungezwungene Momente, dann wieder ein tiefer Fall und die Sorge um einen Menschen, den man gern hat und dem man nicht so sehr helfen kann, wie man es gern möchte. Das ist sehr bewegend und dennoch sehr authentisch umgesetzt, da viele Themen angesprochen werden und die Charaktere so bald eine sehr eigenständige Ausstrahlung haben. Dabei konzentriert sich die Erzählung stark auf deren Zusammenleben, sodass der Hörer bald selbst ein Teil dieser Gemeinschaft ist – so sehr fiebert er mit und hofft auch bei dem eher düsteren Finale noch auf ein Happy End für die Protagonisten. Dieses wird dann unkonventionell aufgelöst, was das Hörspiel nur umso intensiver und hörenswerter macht.

Bei den Sprechern hat der produzierende Radiosender rbb nicht auf bekannte Stimmen gesetzt, sondern auf Newcomer, deren Klang dementsprechend bisher unbesetzt ist, so wirken sie frisch und unverbraucht. Christoph Letkowski ist in der Hauptrolle des Höppner zu hören, der auch für die Erzähltexte verantwortlich ist. Er spricht sehr locker und kann die Gefühlswelt des jungen Mannes dennoch sehr intensiv herüberbringen. Lisa Hrdina ist als Vera zu hören und bringt eine sehr eigene, mal charmante, mal etwas kratzbürstige Art mit ein. Wirklich begeistert hat mich Anton Weil als Frieder, der die so widersprüchliche Gefühlswelt seiner Figur und seine psychische Erkrankung sehr greifbar und erlebbar umsetzt. Weitere Sprecher sind Marthe Lola Deutschmann, Alina Stiegler und Maximilian Brauer.

Auch beid er akustischen Umsetzung geht das Hörspiel einen anderen Weg, als man ihn von anderen Produktionen kennt, und setzt einen bekannten Welthit ein, zunächst nur als instrumentales Riff, später auch mit Gesang. Es zieht sich als Leitmotiv durch die Handlung und ergänzt sich wunderbar mit der ansonsten eher auf Geräusche konzentrierten Umsetzung. Das ist in sich sehr stimmig und passt wunderbar zu der Handlung.

„Auerhaus“ steht nebst dem Namen des Autoren in orangenen Lettern auf weißem Grund, als einziges Motiv ist eine stilisierte Regenwolke im Einsatz. Das ist sehr reduziert, aber auch ansprechend umgesetzt – zumal erst im Laufe des Hörspiels der Titel auf äußerst charmante Weise erklärt wird. Die CD ist in einem stabilen Digipack untergebracht, das neben einem Foto von Christoph Letkowski auf der Rückseite und einigen Zitaten keine weiteren Extras enthält.

Fazit: Das Hörspiel versprüht so viel Charme, Lebensfreude und Eigenständigkeit, stellenweise auch viel Witz, dass der Fall in die düsteren Ecken der menschlichen Seele umso heftiger ausfällt. Es wird sehr sensibel mit dem schwierigen Thema einer psychischen Erkrankung umgegangen, sodass ein äußerst empfehlenswertes Hörspiel entstanden ist.

VÖ: 13. Januar 2017
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-996-1


Hörbe mit dem großen Hut



Erster Eindruck: Kleiner Gnom auf großer Reise

Der kleine Hutzelmann Hörbe will sich eigentlich auf den nahenden Winter vorbereiten und Preißelbeermarmelade einkochen. Doch die Herbstsonne ist so verlockend warm, dass er sich seinen großen Hut aufsetzt und ein Stück Hutzelmannsbrot einpackt, um den Wald zu erkunden. Zwar trifft er dabei auch einen neuen Freund, aber er erlebt auch spannende Abenteuer...

Es gibt hierzulande wohl kaum jemanden, der nicht mit den Geschichten von Otfried Preußler aufgewachsen ist. „Das kleine Gespenst“, „Der Räuber Hotzenplotz“, „Krabat“ - viele seiner Kinderbücher sind zu zeitlosen Klassikern geworden. Doch es gibt auch einige Bücher, die nicht ganz so bekannt sind wie andere Vertreter, und dazu gehört beispielsweise „Hörbe mit dem großen Hut“, welches 2016 vom SWR als liebevolles Hörspiel umgesetzt worden ist, die CD-Version ist beim Audio Verlag erschienen. Und schon nach wenigen Minuten fühlt man sich in den herbstlichen Wald versetzt und wandert mit dem kleinen Gnom durch die Gegend. Die Atmosphäre ist dabei sehr dicht, warm und fröhlich, mit einigen für Kinder richtig spannenden Highlights. Dabei ist die Handlung eher zweitrangig, im Mittelpunkt stehen einzelne, fast schon episodenhafte Szenen, in denen Hörbe immer neuen Gestalten begegnet. Und natürlich gibt es darin einige Weisheiten zu entdecken, die sich eher nebenbei erschließen und wie immer bei dem Autor nicht mit dem erhobenen Zeigefinger aufgezeigt werden. Aber Hörbe lernt auf seiner aufregenden Reise so viel, dass man nicht nur aufmerksam lauscht, sondern auch ganz selbstverständlich einiges von ihm mitnimmt. Ein wunderschönes Hörspiel, das mit seiner liebevollen Umsetzung und der putzigen Handlung punktet.

Nico Holonics ist in der Hauptrolle des Hörbe zu hören. Er spricht ihn sehr niedlich und ausdrucksstark, sodass eine wundervolle Figur entsteht. Dabei geht er sehr gut auf die zuhörenden Kinder und ihre Bedürfnisse ein und wirft all seinen Charme in die Waagschale. Sandra Schwittau spricht Zwottel mit ihrer rauen, kratzigen Stimme, aus der sie alle Härte nimmt und so eine ebenso präsente und niedliche Figur erschafft. Als Erzählerin ist Brigitte Hobmeier eine sehr gute Wahl, mit ihrer sanften und freundlichen Stimme sorgt sie für angenehm stimmige Momente. Weitere Sprecher sind Jirka Zett, Ernst Konarek und Michael Tregor.

Das Hörspiel sprüht geradezu vor sanften, magischen Momenten, und genau das wird auch in der eingefügten Musik deutlich. Verspielte Melodien und sanft eingesetzte Instrumente sorgen für eine sehr stimmige Atmosphäre, die durch einige wohl platzierte Geräusche verstärkt wird. Das passt alles sehr gut zusammen und hält die Spannung über die Stunde Laufzeit aufrecht.

2016 ist auch eine Neuauflage des Buches mit neu designtem Titelbild erschienen, und natürlich wurde dieses auch für die Hörspieladaption verwendet. Der kleine Hutzelmann mit seinem unverkennbare Hut sitzt inmitten des Waldes und näht, was in einem sehr ansprechenden und niedlichen Zeichenstil gehalten ist. Das Innere enthält alle wichtigen Produktionsinformationen, aber keine weiteren Extras.

Fazit: Die Geschichte von Hörbe ist schlicht und ergreifend zauberhaft, die Abenteuer des kleinen Hutezgnoms sind abwechslungsreich und reativ erdacht. Die Hörspielversion steht dem in nichts nach, man merkt allen Beteiligten die Liebe zur Geschichte an, sodass alles sehr stimmig und eingängig wirkt.

VÖ: 11.November 2016
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1834-6


Sartana - Noch warm und schon Sand drauf



Erster Eindruck: Ein Haudegen ohne Halleluja

Ein kleines, aber wertvolles Stückchen Land gerät in das Interesse einer Bande aus Schurken, die sich zusammentun, um die Nichte des ermordeten Landbesitzers um ihren Besitz zu bringen. Doch dabei haben sie ihre Rechnung ohne Sartana gemacht, der zwar ein ziemlich derber Revolverheld ist, aber auch unerschrocken für Gerechtigkeit kämpft...

Bela B., Gründungsmitglied der Punk-Band Die Ärtze in einem Hörspiel, das auch noch dem fast ausgestorben scheinenden Genre Western zugeordnet ist – der Hörverlag kann mit seiner Veröffentlichung von „Sartana – Noch warm und schon Sand drauf“ sein Programm um eine ziemlich ungewöhnliche Produktion erweitern. Dass dann noch Hörspielgrößen wie Stefan Kaminski und Oliver Rohrbeck oder Synchronsprecher Rainer Brandt mitwirken, macht die Sache nur noch interessanter. Und schon nach einigen Momenten wird klar: Hier geht es sogar noch schräger zu als erwartet, denn die Sprecher agieren nicht nur in der Geschichte, sondern auch als sie selbst in Dialogen über das Hörspiel. Das hat natürlich viel Witz und Charme, da Rohrbeck beispielsweise den Stempel eines leicht schnöseligen Sprecher-Stars aufgedrückt bekommt, den die Handlung nur mäßig interessiert, und auch die restlichen Rollen sind humorvoll und überspitzt dargestellt. Das macht richtig Spaß, und auch die eigentliche Handlung bietet viele witzige Momente. Da wird mit Klischees nur so um sich geschmissen, natürlich wird gepoket, geflucht, und gerade die Hauptfigur ist auch nie um einen flotten Spruch verlegen. Das gibt dann natürlich keine tiefgreifenden Erkenntnisse preis (was es auch gar nicht will), sondern sorgt für lockere Unterhaltung im Italowestern-Stil. Eine kleine Steigerung des Tempos wäre allerdings wünschenswert gewesen, da einige Szenen einfach zu langatmig wirken und die Gesamtwirkung etwas trüben.

Man merkt den Beteiligten an diesem ungewöhnlichen Projekt sofort die Begeisterung und das Herzblut an. Besonders Bela B. ist mit seiner tiefen Stimme, dem smarten und coolen Auftreten eine sehr gelungene Hauptfigur, fehlende Routine in dem Sprechen von Hörspielen macht er mit Witz und Charme wieder wett. Peta Devlin versetzt sich in den klassischen Hörspielszenen vollkommen in ihre Rolle, in den Szenen im Gespräch zwischen den Sprechern legt sie aber eine ganz andere Facette an den Tag und überzeugt dabei vor allem mit ihrer Wandlungsfähigkeit. Oliver Rohrbecks unverkennbare Stimme kommt auch hier sehr gut zur Geltung, er lässt sich vollkommen auf die ungewöhnliche Materie ein. Ach Stefan Kaminski und Rainer Brandt machen ihre Sache sehr gut.

Wenn ein Bela B. schon an einem Hörspiel mitwirkt, steuert er natürlich auch etwas Musik bei. Das ist mitten in die Handlung eingebettet, was für mehr Dynamik sorgt und bestens in die Stimmung passt. Zudem sind zahlreiche Geräusche eingefügt, die das Geschehen lebendig halten, und auch hier merkt man jeder Szene die Hingabe für das Projekt an – alles ist perfekt aufeinander abgestimmt und harmonisiert miteinander.

Dieser Eindruck setzt sich auch in der Gestaltung fort. Denn für die beiden CDs wurde keine einfahe Plastikhülle gewählt, sondern eine kleine Pappbox, die nicht nur witzig im Comicstil gestaltet ist, sondern auch ein ebenso ansehnliches und umfangreiches Booklet mit weiteren Illustrationen im gleichen Stil und einigen Hintergrundinformationen zur Produktion.

Fazit: „Sartana – Noch warm und schon Sand drauf“ haucht Hörspielen neues Leben ein und zeigt, wie anders dieses Medium angegangen werden kann: Mit einem ungewöhnlichen Thema, einer Meta-Ebene und viel Witz und Charme. Darauf muss man sich einlassen können, dann verzeiht man aber auch die kleinen aufkommenden Längen.

VÖ: 14. November 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2475-8


Krieg und Frieden



Erster Eindruck: Irrungen in Zeiten des Krieges

Nach einigen Jahren in Frankreich, wo er in adeligen Kreisen erzogen wurde, kehrt Pierre nach Sankt Petersburg zurück. Doch er findet in der dortigen Oberschicht keinen Anschluss, sodass er schon bald nach Moskau zieht und dort endlich Anschluss findet. Doch während der Querelen des Krieges nimmt sein Leben noch einmal eine dramatische Wendung...

„Krieg und Frieden“ von Lew Tolstoi gehört zu den bedeutendsten Werken der Weltliteratur, nach der Veröffentlichung folgen zahlreiche Umsetzungen als Oper, Film und Theaterstück – und natürlich auch als Hörspiel. Die erste deutsche Hörspielfassung des WDR stammt aus dem Jahr 1965 und wurde nund vom Hörverlag auf 10 CDs veröffentlicht, die jeweils den einzelnen Folgen entsprechen. Und so gibt es zu Anfang jeder CD eine kurze Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse, sodass man immer wieder gut in die Handlung findet – und die Übersicht nicht verliert, denn das Werk ist ziemlich komplex. Mehrere Adelsfamilien mit zahlreichen Vertretern werden über einen Zeitraum von vielen Jahren begleitet, wobei auch geschichtliche Ereignisse mit einbezogen werden. Doch die gute Strukturierung und die sinnvolle Kürzung des Stoffes erleichtern hier das Verständnis. Die Handlung ist atmosphärisch sehr dicht erzählt und entführt in die Welt des russischen Adels, mit Intrigen, Animositäten, Liebeleien, aber eben auch mit schrecklichem Krieg und Verlusten. Das ist sehr dramatisch und eingängig erzählt und begeistert mit lebensnahen, sehr präsenten Charakteren, an deren Schicksal man immer wieder hängt.

Die Umsetzung punktet dabei insbesondere mit den starken Sprechern, die ihre Sache ganz hervorragend machen. Klausjürgen Wussow ist beispielsweise als Fürst Andrej Bolkonskij zu hören, mit seinem markanten Klang und der sehr betonten Sprechweise schafft er eine lebendige Figur, dessen Tun man gern folgt. Irmgard Först ist als Gräfin Natalie Rostowa zu hören, auch sie setzt ihre Stimme seh geschickt ein, um alle Facetten ihres Charakters hervorzukitzeln. Volker Brandt überzeugt als NikolajRostow mit viel Ausdruck und einer sehr punktierten Aussprache. Weitere Sprecher sind Marus Müller-Westernhagen, Peter Oehme und Roswitha Krämer.

Die Musik stammt von Bernd Stolz und wurde eigens für diese Produktion erschaffen, sodass sie sehr gut an die verschiedenen Stimmungen angepasst ist. Dabei wurde auf klassische Instrumente zurückgegriffen, die die Atmosphäre der Handlung weiter verdichten. Geräusche sind eher weniger im Einsatz und kommen nur an wenigen Stellen zur Geltung.

Die dicke Pappbox dieser Veröffentlichung ist mit einem hübschen Motiv versehen: Ein schaukelnder Kronleuchter, der vor schwarzem Hintergrund sehr edel wirkt. Die CDs sind in schlichten Plastikhüllen verpackt, aber das beiliegende dicke Booklet ist sehr lobenswert: Es enthält zahrleiche zusätzliche Informationen zu den Mitwirkenden, den handelnden Personen und dem geschichtlichen Hintergrund.

Fazit: Die umfangreiche Geschichte wird geschickt gekürzt erzählt, sodass sie gut zugänglich ist und dennoch die Essenz des Originals enthält. Dafür sorgen vor allem die herausragenden Sprecher, die die Charaktere sehr zugänglich darstellen. Die dramatischen Wendungen und die komplexe Handlung sorgen für eine anspruchsvolle und sehr hörenswerte Produktion.

VÖ: 28. November 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2050-7


Der Name der Rose



Erster Eindruck: Morde in düsterem Kloster

William von Baskerville, ein Fransiskanermönch und ehemaliger Inquisitor, besucht gemeinsam mit seinem Novizen Adson von Melk eine Benedektinerabtei, in der ein Treffen hochrangiger Kirchemitglieder stattfinden soll. Doch vor kurzem hat sich ein Mord in den Mauern des Klosters ereignet, und auf Bitten des Abtes widmet sich William des Falles. Doch schon bald wird ein weiterer Toter aufgefunden...

Umberto Eco hat mit „Der Name der Rose“ einen äußerst bekannten Vertreter der Weltliteratur erschaffen, auch heute noch ist der Roman sehr populär. Das aufwändige Radiohörspiel, das in Kooperation verschiedener Sender im Jahr 1986 entstanden ist, ist zudem fester Bestandteil des Programms des Hörverlages und auch heute noch sehr hörenswert. Denn schnell wird der Hörer in die düsteren Gemäuer des Klosters entführt, streift mit William und Adson durch die unterirdischen Gänge, die riesige Bibliothek oder den Klostergarten, befragt die Mönche und kommt dem Mörder dabei immer ein Stückchen näher. Der Plot an sich ist schon sehr unterhaltsam, doch seinen vollen Reiz entfaltet das Werk durch die vielen Nebenarme, die in dieser Umsetzung zwar deutlich gekürzt wurden, aber immer noch eine sehr intensive Atmosphäre erzeugen. Es ist ein Hörspiel voller Düsternis geworden, voller Geheimnisse und Intrigen, voller Rätsel, dabei ist der theologische Aspekt sehr gelungen eingeflossen. Regisseur Otto Düben hat einen zeitlosen Klassiker geschaffen, der auch 30 Jahre nach seiner Produktion noch fesseln kann.

Das liegt auch an den sehr guten Sprechern, die ihre Charaktere sehr intensiv verkörpern. Heinz Moog ist als Erzähler zu hören, wobei er die alte Version des Adson verkörpert. Mit seiner warmen, angenehmen Stimme kann er gekonnzte Akzente setzen und die Stimmung des Hörspiels sehr genau einfangen. Sein jüngeres Ich wird von Christian Schulz verkörpert, der energiegeladen seine Passagen facettenreich umsetzt und ein genaues Bild seines Charaters zeichnet. Pinkas Braun spricht William von Baskerville mit dunkler, eindringlicher Stimme, er verstärkt die Spannung noch weiter, bringt aber auch eine gewisse Ruhe mit ein. Weitere Sprecher sind Helmut Stange, Manfred Steffen und Ernst Jacobi.

Bei diesem Hörspiel wird besonderer Wert auf die Geräuschkulisse gelegt, sodass man oft das Schlurfen durch die weiten Gänge hört, aber auch mit Halleffekten oder hintergründigem Stimmgewirr wird hier gearbeitet. Musik ist ebenfalls ein gut inszeniertes Stilmittel, um die düstere Abtei gekonnt wiederzuegeben. Etwas störend ist allerdings die sehr differierende Lautstärke, mal sind dabei einzelne Sätze sehr leise geflüstert, sodass man sie auch bei ruhiger Umgebung kaum verstehen kann, mal wird in heller Panik geschrien, sodass man versucht ist, den Lautstärkeregler nach unten zu korrigieren.

Verpackt sind die sechs CDs dieser Veröffentlichung in einer dicken Plastikhülle, die sich mehrfach aufklappen lässt. Im Inneren findet sich zudem ein dünnes Booklet, das neben einer kurzen Biographie zu Umberto Eco und den üblichen Produktionsinformationen leider keine weiteren Informationen bereit hält. Das Cover ist hübsch gestaltet und zeigt eine Szene aus dem bekannten Folm zum Buch, sodass durchaus eine Verwechslungsgefahr zu einem Filmhörspiel besteht.

Fazit: Dieses Hörspiel schafft es, die Stimmung des Romans sehr gekonnt einzufangen und trotz einiger Kürzungen dessen Geist zu transpotieren. Dabei fühlt man sich aufgrund der atmosphärischen Gestaltung schnell in das düstere Gemäuer versetzt. Die starken Charaktere und die vielen eingestreuten Nebenarme lassen diese Umsetzung zu einer sehr lobenswerten Produktion werden.

VÖ: 11. Oktober 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-792-4


Winnetou



Erster Eindruck: Klassiker in modernem Gewand

Als junger Mann wird Karl als Landvermesser für eine Eisenbahngesellschaft aus Deutschland in die USA versetzt. Zunächst macht er sich keine Gedanken über die Indianer, denen ihr Terretorium weggenommen wird, doch als er einige der Ureinwohner kennen lernt, beginnt sich sein Denken zu wandeln. Besonders die Freundschaft zu Winnetou, dem Sohn des Stammeshäuptlings, prägt ihn, und schon bald bekommt er den Spitznamen Old Shatterhand verpasst...

Karl Mays Geschichten erfreuen sich auch heute noch großer Beliebtheit, besonders seine berühmteste Figur Winnetou ist nachwievor in aller Munde. 2010 wurde eine neue Hörspielumsetzung des bekannten Stoffes vom rbb und Radio Bremen in Auftrag gegeben, eine Kaufversion ist beim Hörverlag erschienen – und diese lohnt sich. Denn wo andere Umsetzungen manchmal etwas verstaubt wirken, wurde hier behutsam modernisiert und bekam so einen frischen Anstrich. Dabei hält sich das Hörspiel enger an die Vorlage, sodass besonders die Charaktere eine andere Wirkung entfalten als in den bekannten Filmen. Das ist zunächst noch etwas überraschend, stellt sich im Nachhinein aber als sehr gekonnter Schachzug dar: Man lernt so einige neue Facetten kennen, zumal auch der feine Humor der Geschichte mit weniger Pathos besser zur Geltung kommt. Dabei werden natürlich auch Fans des Genres nicht enttäuscht, die große Freiheit der Prärie ist immer noch genauso gut zu spüren wie der abenteuerliche Charakter des Romans. Besonders gefällt mir die Reduziertheit der Umsetzung, die sich voll auf die Dialoge konzentriert und gerade damit die Fantasie des Hörers.

Konstantin Graudus ist in dieser Umsetzung als Old Shatterhand zu hören, mit seiner markanten Stimme setzt er die Figur sehr präsent um und unterstützt gekonnt den Spannungsbogen der Handlung. Auch Max Hopp hat mir als Winnetou sehr gut gefallen, er wirkt sehr frisch und entlockt dem Charakter so einige sehr interessante Facetten. Auch Effi Rabsilber kann als Nscho-tschi überzeugen, ihre helle Stimme sticht immer etwas heraus und bringt so diese ganz besondere Figur gut zur Geltung. Weitere Sprecher sind Wolfgang Väöz, Joachim Bliese und Reiner Schöne als Erzähler.

Wie bereits erwähnt ist die Umsetzung eher reduziert, sodass der Fokus immer auf den Sprechern und den Dialogen liegt. Dennoch sind einige Geräusche eingefügt, die das Geschehen lebendiger und realistischer wirken lassen und die Sprecher in ihrer Wirkung unterstützen. Und auch einige Melodien sorgen für einen angenehmen akustischen Background, und natürlich darf dabei eine Neuinterpretation der bekannten Titelmelodie nicht fehlen.

Das Cover wird durch eine klassische Zeichnung geziert, die Winnetou und Old Shatterhand auf ihren Pferden durch die weite Prärie reitend zeigt, wobei alles sehr detailreich anzusehen ist. Verpackt sind die beiden CDs in einem hübschen Digipack, das größtenteils in dunklem Grün gehalten ist. Alle produktionstechnischen Details sowie eine Kurzbiographie über Karl May sind im Inneren abgedruckt.

Fazit: Eine Umsetzung, die behutsam gekürzt wurde, aber dennoch sehr nah an der Originalvorlage umgesetzt ist. Die Sprecher machen ihre Sache sehr gut und lassen die Charaktere bestens zur Geltung kommen, wobei sie nicht in bekannte Klischees verfallen, sondern eigene Wege suchen. Auch die Handlung ist sehr hörenswert umgesetzt, sodass eine rundum gelungene Neuinterpretation entstanden ist.

VÖ: 11. Oktober 2011
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-774-0


König der Piraten



Erster Eindruck: Ein Abenteuer mit musikalischer Untermalung

Seitdem Freddys Vater vor Jahren auf hoher See verschollen ist, hat der Junge den sehnlichen Wunsch, ihn auf den Weltmeeren zu suchen. Diese Chance bietet sich ihm, als er den alten Kapitän Kork trifft und ihm von einem Schatz berichtet, zu dem er den Weg kennt. Und so machen die beiden sich auf den Weg und treffen bald auf den alten Seemann Wutz, die mutige Tiah und den finsteren Schwarzen Kosar...

Santiano ist einer der erfolgreichsten deutschen Acts der letzten Zeit und mischen die Musikszene mit ihren Seemannsliedern auf. Dass sie auch ein Herz für ihre kleinen Fans haben, beweisen sie mit „König der Piraten“, einem Hörspiel, für das sie zwölf neue Songs geschrieben und mit einer abenteuerlichen Piratengeschichte verknüpft haben. Als Identifikationsfigur für die kleinen Zuhörer dienst dabei Freddy, ein pfiffiger und mutiger Junge, der mit einer kleinen Hintergrundgeschichte ausgestattet in sein Abenteuer startet und dabei schnell neue Freunde findet. Und dass bei einer richtigen Piratengeschichte auch ein Bösewicht eingebaut wird, versteht sich von selbst. Durch die immer wieder eingebauten Songs wird natürlich besonders die Atmosphäre unterstützt, die schwungvoll umgesetzt ist und wahres Seefahrerflair verbreitet, die Themenwahl von Freundschaft, Zusammenhalt und Abenteuerlust ist ebenfalls gesetzt. Das hilft dann auch darüber hinweg, dass die Entwicklung der Handlung anfangs ziemlich langsam vorangeht und eine recht eindimensionale Geschichte präsentiert. Erst im letzten Drittel nimmt die Handlung richtig an Fahrt auf und wird dann auch mit einigen reizvollen Elementen angereichert. Dies ist sicherlich dem Aufbau geschuldet, der anfangs die Charaktere ausführlich vorstellt und viel auf die Musik und die Atmosphäre setzt.

Neben den musikalischen Parts haben die Mitglieder von Santiano auch Sprecherrollen übernommen, beispielsweise ist Björn Both in einer der Hauptrollen als Käpt'n Kork zu hören. Seine raue Stimme passt wirklich gut zu dem Charakter, den er mit Leidenschaft interpretiert und auch in dieser Aufgabe überzeugt. Leon Mancilla ist als Freddy zu hören und bringt sehr viel Schwung mit ein, er bringt die abenteuerliche Stimmung gut zur Geltung, auch seine gesanglichen Anteile setzt er gekonnt um. Senta-Sophia Delliponti, die als Musikact Oonagh gut mit Santiano befreundet ist, trägt ebenfalls als Sängerin und Sprecherin der Tiah ihren Teil zum Gelingen bei, sie ist mit viel Herzblut bei der Sache und kann sowohl die sanfte als auch die wilde Seite des Piratenmädchens zur Geltung bringen. Weitere Sprecher sind Jan Dreyer, Benjamin Eberling und Joachim Kerzel als Erzähler.

Im Mittelpunkt der akustischen Umsetzung stehen natürlich die zwölf Santiano-Songs, die im typischen Stil der Band mit vielen Geigen, Gitarren, Chören und Akkordeon sehr viel Piratenflair verbreiten. Doch auch während die Dialoge ist alles stimmig umgesetzt, leise Melodien und viele Geräusche sorgen auch hier für einen lebendigen Ausdruck, sodass man sich völlig in die Geschichte fallen lassen kann.

Richtig viel Mühe hat man sich auch bei der Getaltung gegeben, was schon das Titelbild ansehnlich macht: Die drei Hauptfiguren im Adlernest des Segelschiffs im CGI-Look und mit vielen niedlichen Details. Im Inneren des dicken Booklets gibt es dann nicht nur eine sehr ausführliche Trackliste, sondern auch zahlreiche weitere Zeichnungen mit viel Flair, die mit ihren ganz unterschiedlichen Stimmungen zum Stöbern sorgen – und natürlich sind auch alle Songtexte vorhanden. Wer sich nur die Musik der Band ohne die Geschichte anhören will, kann auch auf die zweite CD ausweichen, die hier noch einmal in voller Länge vorhanden sind.

Fazit: Auch wenn die Geschichte etwas benötigt, um richtig in Schwung zu kommen, dafür werden die Charaktere sehr genau vorgestellt und mit liebenswerten Eigenschaften versehen. Und im letzten Drittel wird dann auch mehr Spannung in einer kurzweiligen Handlung präsentiert. Die vielen eingebauten Musikstücke sind aber dabei natürlich im Mittelpunkt und bringen ihre ganz eigene Stimmung mit ein.

VÖ: 4.November 2016
Label: Universal Music
Bestellnummer: 0602557039368


Eine Billion Dollar



Erster Eindruck: Ein unglaubliches Erbe

John Fontanelli schhlägt sich so durchs Leben und lebt oft von der Hand in den Mund, bis ihm der Notar McCaine eine Erbschaft anbietet, in der es um Unsummen von Geld geht – eine Billionen Dollar. Diese wurden vor etlichen Generationen von seinem Vorfahren angelegt und sind für den jüngsten männlichen Erben der Familie gedacht, der damit die Geschicke der Menschheit in die richtige Bahn lenken soll. Doch je mehr John in die politische Welt eintaucht, desto gefährlicher wird es für ihn...

Andreas Eschbach hat mit einigen seiner Romane für Aufsehen gesorgt, viele von ihnen wurden auch in Verfilmungen oder Hörspielen umgesetzt. 2003 hat der SWR beispielsweise „Eine Billion Dollar“ als Hörspiel umgesetzt, die Produktion ist bei Lübbe Audio auf CD erhältlich. Der Anfang ist noch recht beschaulich, auf die Umstände des ungewöhnlichen Erbes wird in den ersten Szenen sehr genau eingegangen, wobei auch die wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahrhunderte eingebaut wurden. Doch der Fokus liegt natürlich auf den nachfolgenden Ereignissen, die einige reale Entwicklungen beinhalten, was die Glaubwürdigkeit des Ganzen noch steigert und einige interessante Bögen schlägt. Nachdem John einige ganz private Bedürfnisse gestillt hat, beeinflusst er doch noch das Weltgeschehen in der von seinem Vorfahren erdachten Weise. Ohne zu viel verraten zu wollen, erlebt er dabei Erfolge wie Enttäuschungen, gewinnt einige gewichtige Erkenntnisse und beginnt mit interessanten Ansätzen. Er erfährt noch mehr über seinen geheimnisvollen Vorfahren und trifft auch harte, unbarmherzige Entscheidungen – eine sehr umfangreiche Erzählung, die trotz einiger Kürzungen des Romans eine sehr interessante Vision aufbaut und dabei stets seinem Hauptcharakter in den Mittelpunkt stellt. Das ist sehr hörenswert, anspruchsvoll und konnte mich über die gesamte Laufzeit von vier Stunden sehr gut unterhalten.

Andreas Pietschmann übernimmt in der Hauptrolle gleichzeitig auch einige Erzähltexte, beides wirkt sehr organisch und kann mit einer sehr glaubhaften Sprechweise überzeugen. Auch die Entwicklung des Mannes zeichnet er sehr gekonnt durch seine intensive Art nach. Felix von Manteuffel ist als McCaine zu hören, den er mit seiner markanten Stimme sehr ausdrucksstark wirken lässt und eine ganz eigene Note in die Handlung einfließen. Auch Maria Schrader konnte mich als Ursula Valen vollkommen überzeugen, sie wirkt sehr authentisch und setzt ihre Szenen gekonnt um. Weitere Sprecher sind Ingo Hülsmann, Hansi Jochmann und Hans-Peter Hallwachs.

Der Roman ist sehr modern umgesetzt worden, wobei viele Geräusche im Einsatz sind. Diese sind nicht immer nur zur Versinnbildlichung der Handlungen eingefügt, sondern sind auch manchmal passend zum Thema eingebaut, um gekonnte Akzentpunkte zu setzen. Die Musik ist stimmig eingefügt und sorgt für eine eingängige Atmosphäre.

Das Digipack, in dem die vier CDs in Papplaschen eingesteckt werden, ist in einem knalligen Orange gehalten und wird nur von einigen schwarzen Elementen durchbrochen – auf dem Cover ist dies neben den Schriftzügen, die an Dollar-Scheine erinnern, auch das Gesicht eines jungen Mannes, der dem Betrachter ernst entgegenblickt. Das Innere enthält neben den üblichen Produktionsangaben noch Informationen zu Andreas Eschbach samt einem Bild des Autors.

Fazit: „Eine Billion Dollar“ ist nicht nur ein sehr hörenswertes Hörspiel, sondern auch ein sehr interessantes Gedankenexperiment, das nach einem spannenden Ansatz ebenso unterhaltsam und spannend weitergeführt wird. Neue, packende Erkenntnisse und heftige Entwicklungen sorgen für vier Stunden anspruchsvolle Hörspielunterhaltung.

VÖ: 21.April 2015
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-5207-4


Der Herr der Ringe – Das Hörspiel



Erster Eindruck: Hörspiel erstmals im MP3-Format

Seit Jahren hat der Hobbit Bilbe Beutlin einen machtvollen Ring aufbewahrt, den er einst auf einer abenteuerlichen Reise von dem Geschöpf Gollum erhalten hat. Doch an seinem 111. Geburtstag verschwindet er unerwartet vor den Augen seiner zahlreichen Gäste, den Ring erhält sein Neffe Frodo. Als dieser vom weisen Zauberer Gandalf erfährt, was es mit diesem auf sich hat, ist ihm noch nicht klar, wie tief er in die Geschehnisse eingebunden ist, denn der finstere Herrscher Sauron greift wieder nach den Macht – und dem Ring...

J.R.R. Tolkiens Herr der Ringe gilt auch heute noch als Urahn des heutigen Fantasyromans, seine Faszination auf Leser, Hörer und Zuschauer ist ungebrochen. Und obwohl der ganz große Hype abgebrochen ist, sind die Abenteuer von Frogo, Gilmi und Legolas noch in aller Munde. Der Hörverlag hat deswegen die opulente Hörspielversion aus dem Jahr 1991/1992 (die mein Vater damals noch auf Kassette aus dem Radio aufgenommen hat – wie sehr sich die Zeiten doch ändern...), nun als MP3-Version auf den Markt gebracht, die sich deutlich platzsparender im Regal aufbewahren lässt als bisher, denn deutlich über 11 Stunden Laufzeit wollen hier gepresst werden. Es ist kein Geheimnis, dass das Werk sehr komplex ist, dass es unzählige Charaktere und ebensoviele Querverbindungen gibt, dass eine ganze Mythologie aufgebaut wird, dass viele Handlungsstränge einander bedingen, wieder auseinandergleiten und erst deutlich später wieder zusammenfinden, sodass beim Hören durchaus Konzentration verlangt wird, dass man sich auf die Geschichte völlig einlassen muss, um ihren ganzen Reiz zu ergreifen. Das wird einem hier jedoch sehr einfach gemacht, da die Umsetzung so lebendig, eindringlich und präsent ist, dass man kaum weghören kann, dass man immer noch ein paar Kapitel weiter hören möchte. Der düstere, abenteuerliche und vielschichtige Verlauf kommt dabei sehr gut zur Geltung. Dabei wurde zu Beginn eine eher langsame Erzählweise gewählt, die alles sehr deutlich und greifbar werden lässt, später wird dann deutlich schneller durch die Ereignisse geführt, dennoch sind auch diese sehr atmosphärisch erzählt und haben ihren festen Platz im Gefüge des Hörspiels. Und ja, natürlich musste hier auch gekürzt werden, das ist aber nicht sinnentfremdend, sondern sehr behutsam geschehen. Der Einsatz des Erzählers ist dabei unverzichtbar, aber in genau dem richtigen Maß gehalten, vieles wird eher über die Dialoge vermittelt. Dies gilt insbesondere für die anfänglichen Szenen bei den Hobbits, in denen das Getuschel sehr lebendig umgesetzt wurde. Eine sehr runde, stimmige Produktion des Meisterwerkes, das diesem noch einen ganz neuen Reiz abgewinnt.

Die Auswahl der Sprecher ist vielfältig und sehr treffend, für jeden einzelnen Charakter wurde eine passende Stimme gefunden. Gandalf beispielsweise wird von Manfred Steffen gesprochen, sein leicht kratziger Klang und die sehr präsente Sprechweise, mal gütig und ruhig, mal donnernd, mal energetisch aufgeladen, sind sehr vielfältig und begleiten den Hörer so durch alle Teile der Handlung. Matthias Haase ist als Frodo im Einsatz, der aufgeweckt, gradlinig und ernst wirkt, die Veränderung des Hobbits mit seiner Stimme erlebbar macht und in jeder einzelnen Szene einen sehr positiven Eindruck hinterlässt. Eine der prägnantesten Figuren des Romans ist Gollum, der hier von Dietmar Mues sehr düster und mit volltönender Stimme unheimlich und bedrohlich umgesetzt wird. Weitere Sprecher sind Rufus Beck, Gustl Halenke und Ernst Schröder als Erzähler.

Auch die akustische Umsetzung ist hervorragend und sehr treffend. Sie hält sich oft eher zurück, ist während der Dialoge nur teilweise eingebaut, sodass der Fokus immer klar auf den Sprechern liegt. Doch die orchestrale, extra angefertigte Musik ist magisch und düster, die Geräukulisse passend und vielfältig, sodass immer genau die richtige Stimmung getroffen wird – herausragend!

Ein stabiles und merhfach aufklappbares Digipack wurde als Verpackung ausgewählt, dieses ist noch einmal von einem hübschen Pappschuber umgeben. Zahlreiche unterschiedliche Zeichnungen wurden verwendet, es gibt Informationen zu Autor und Sprechern, eine ausführliche Trackliste und alle wesentlichen Produktionsinformationen übersichtlich zusammengefasst – sehr ansehnlich und gelungen!

Fazit: Eine herausragende Produktion, die den Weg Frodos, die Welt Mittelerdes, den erbitterten Kampf um den Ring perfekt in Szene setzt. Besonderes Lob verdienen dabei die herausragenden Sprecher, die mit Leidenschaft und Spielfreude dabei sind und jedem Charakter eine individuelle Ausstrahlung verleihen. Sehr hörenswert!

VÖ: 14.November 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2476-5


Drachenreiter – Das Hörspiel



Erster Eindruck: Neuauflage des wunderbaren Hörspiels

Für die Drachen ist kein Platz mehr in ihrer Heimat, die Menschen breiten sich immer mehr aus und vertreiben die Fabelwesen zusehends. Nur die alte Legende vom „Saum des Himmels“, die ursprüngliche Heimat der Drachen, gibt noch Hoffnung. Und so macht sich der Silberdrache Lung auf, um den wundervollen Ort zu finden. Mit dem Koboldmädchen Schwefelfell und dem Menschen Ben findet er zwar tapfere Gefährten, doch auch eine große Gefahr droht ihnen…

Cornelia Funke ist bekannt für ihre fantasievollen Romane, die sie seit Jahrzehnten verfasst. Immer wieder werden ihre Werke auch für den Hörbuchmarkt umgesetzt, 1997 entstand beispielsweise eine Hörspielfassung der „Drachenreiter“, die 2016 in einer neuen Auflage bei Oetinger Audio erneut veröffentlicht wurde. Die Umsetzung ist dabei sehr gut gelungen, die ruhige, oft recht ernsthafte Ausstrahlung des Hörspiels wird nicht nur der Stimmung des Buches gerecht, sondern unterstreicht auch den Charakter eines modernen Märchens. Zudem ist der Anteil des Erzählers sehr stark zurückgefahren, die Dialoge stehen hier im Vordergrund und werden nur durch die notwendigsten Informationen ergänzt. Das führt zwar anfangs dazu, dass das Hereinfinden in die Geschichte seine Zeit dauert, lässt aber auch eine sehr lebhafte und handlungsbetonte Stimmung aufkommen. So kommt die Geschichte von Funke sehr gut herüber, zumal sich nahe ans Buch gehalten wurde. Die verzweifelte Lage der Drachen, der Aufbruch von Lung, die Begegnung mit seinen neuen Gefährten und deren abenteuerliche Reise, gespickt vor Gefahren, aber auch der Begegnung mit sehr interessanten Figuren, ist sehr unterhaltsam geschildert und kann über die gesamte Laufzeit von immerhin fast 160 Minuten tragen und dabei eine interessante Entwicklung darstellen. Sehr zu empfehlen!

Michael Tregor spricht die Hauptrolle des Lung und verleiht der ganzen Geschichte etwas Nachdenkliches, Melancholisches und kann die Gefühle des Drachen stets sehr genau und umfassend zur Geltung bringen. Sehr gut gefallen hat mir auch Sascha Icks als freches und motziges Koboldmädchen Schwefelfell, die mit ihrer unkomplizierten und spontanen Art positiv auffällt. Jens Wawrczek hat ebenfalls einen gelungenen Auftritt als Fliegenbein, den er mit seiner einzigartigen Stimme gut ausstatten kann. Weitere Sprecher sind unter anderem Gerd Wameling, David Weyl und Helmut Krauss.

Auch die akustische Umsetzung ist äußerst gut gelungen, die Dialoge, die Geschichte und die Geräuschkulisse sind eng miteinander verwoben und wirken wie eine untrennbare Einheit. Dazu tragen besonders die etwas düsteren, melancholischen Melodien bei, die immer wieder eingefügt sind und stets präsent wirken, sie beeinflussen die Stimmung stark und lassen die einzelnen Szenen so sehr stark wirken. Auch die Geräusche sind bestens eingefügt und lassen die Handlung lebendiger wirken, ohne von den Dialogen zu sehr abzulenken.

Die Neuauflage hat eigens ein neues Titelbild bekommen, das sich mit der Neuveröffentlichung des Buches deckt und sich auf die Darstellung von Lung als mächtigen Drachen konzentriert. In dunklen, tiefblauen Farben ist dieser sehr detailreich gestaltet, und auch Schwefelfell und Ben haben auf seinem Rücken Platz gefunden. Diese Darstellung wirkt moderner, passt aber ebenso gut zum Hörspiel und fängt viel von dessen Atmosphäre ein. Im Inneren sind neben den üblichen Angaben noch eine ausführliche Trackliste zu sehen, in der jeweils die ersten Worte des Tracks als Titel benannt werden.

Fazit: Eine wundervolle Geschichte voller Abenteuer, Mut, aber auch Melancholie, Missverständnissen und Vorurteilen. Durch die spannende Handlung merkt man kaum, wie sehr man zum Nachdenken angeregt wird. Hinzu kommt, dass die Umsetzung mit dem reduzierten Erzähleranteil und der dichten Atmosphäre äußerst gelungen ist.

VÖ: 22.August 2016
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0964-5


Tom Sawyers Abenteuer



Erster Eindruck: Gelungene Umsetzung des Klassikers

Tom Sawyer wächst bei seiner Tante Polly auf, die sich nach dem Tod seiner Eltern um ihren Neffen kümmert. Doch immer wieder schwänzt der Junge die Schule und trifft sich mit Huckleberry Finn, einem Herumtreiber, der Tom immer wieder auf dumme Gedanken bringt. Doch die Lage wird deutlich ernster, als die beiden durch Zufall einen Mord beobachten...

Die Abenteuer von Tom Sawyer gehören zu den Klassikern der Jugendliteratur, ganze Generationen sind mit den Geschichten über den Lausbuben groß geworden. Und auch Hörspielumsetzungen gibt es mittlerweile einige, wobei der Audio Verlag eine ziemlich gelungene Produktion des Rundfunks der DDR aus dem Jahr 1990 in seine Serie mit dem weißen Rücken auf den Markt gebracht hat – ein Blick in diese wunderbare Reihe lohnt sich eigentlich immer. So auch hier, denn die Geschichte wird sehr flüssig erzählt und gibt das Original gekonnt wieder, die Handlung wurde sanft gekürzt. Gut gefällt mir, dass der genaue Blick auf die Charaktere erhalten geblieben ist, alle Figuren sind mit viel Liebe dargestellt und bekommen einen einzigartigen Ausdruck verliehen. Sei es die mütterlich-besorgte Polly, der wilde Huckleberry Finn oder der zwielichtige Indianer-Joe, das wirkt sehr stimmig und wertet die spannend erzählte Handlung noch einmal auf. Besonders der Mordfall bringt viel Schwung in die Handlung und festigt die ganz eigene Stimmung des Buches von Mark Twain. Eine stimmige und hörenswerte Umsetzung, die mit fast 80 Minuten genau die richtige Länge hat.

Robert Mende ist in der Rolle des Tom Sawyer zu hören, der viel Charme in die Handlung mit einbringt. Durch seine liebenswerte und unbedarfte Art ist er ein wunderbarer Hauptcharakter, der sowohl die verträumte als auch die ernste Seite des Jungen zur Geltung bringen kann. Timo Tolkmitt spricht Huckleberry Finn mit einer sehr spröden Art, was die halsstarrige und dennoch warme Art des Herumtreibers sehr gut unterstützt. Ursula Werner ist eine sehr gute Besetzung für die Tante Polly, deren resolute und mütterliche Art gleichsam umsetzt. Weitere Sprecher sind Kaspar Eichel, Gunter Schoss und Stefanie Sende.

Akustisch wird eine sehr sanfte Umsetzung des Stoffes geboten, die sich sehr auf die Dialoge konzentriert und den Sprechern eine gelungene Kulisse bietet. Das Intro ist mit etwas stimmungsvoller Musik untermalt, ansonsten gibt es vor allem eine runde Geräuschkulisse, die alle Szenen passend untermalt und eher unauffälig bleibt.

Das Cover wirkt im Gegensatz zu der Vorlage und der Umsetzung sehr modern und zeigt Tom Sawyer und Huckleberry Finn in einer sehr entspannt wirkenden Zeichnung, mit einem Getreidehalm im Mund oder der Angel am Fluss. Das wirkt sehr detailreich und ist hübsch anzusehen, dabei wird sogar die ansonsten so strenge Aufteilung des Covers aufgebrochen.

Fazit: Die wundervolle Vorlage wird sehr gelungen umgesetzt, die Stimmung kommt dabei sehr gut zur Geltung und wird mit sehr passenden Sprechern umgesetzt. Das ist mal herzergreifend, mal spannend, mal düster umgesetzt und kann so nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene sehr gut unterhalten.

VÖ: 23.September 2016
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-839-1


Ein Weihnachtslied



Erster Eindruck: Drei Geister werden dich heimsuchen

Ebenezer Scrooge ist ein ebenso reicher wie hartherziger Geschäftsmann, der auch am Heiligen Abend keine Gnade mit seinen Kunden oder seinem treuen Mitarbeiter Bob Cratchett kennt. Doch des abends, als sich alle anderen auf das Weihnachtsfest vorbereiten, begegnet ihm der Geist seines verstorbenen Geschäftspartners und warnt ihn vor den Folgen seiner Hartherzigkeit...

Charles Dickens hat mit seiner Geschichte um Ebenezer Scrooge einen absoluten Klassiker geschaffen, der auch in zahlreichen Umsetzungen seine Popularität unterstreicht. Eine davon wurde nun vom Hörverlag auf CD veröffentlicht, welches ursprünglich vom Bayrischen Rundfunk im Jahr 1953 umgesetzt wurde. Dabei hält sich die Handlung sehr nah am Original und setzt die Szenen sehr detailliert um. So ist auch das Intro, in denen Scrooge als verhärmter alter Mann gezeigt wird, recht ausführlich geraten, was aber in sehr unterhaltsamer und plastischer Weise geschehen ist. Die nachfolgenden Begegnungen mit den Geistern – von Scrooges ehemaligem Geschäftspartner sowie den Geistern der Weihnacht – sind nicht allzu unheimlich umgesetzt, dafür gehen diese Szenen sehr gut auf die Persönlichkeit der Hauptfigur ein. Sie zeichnen seinen Lebensweg nach, zeigen, wie er zu dem hartherzigen Mann geworden ist, wie ihn die Leute jetzt sehen und wie es nach seinem Tod weitergehen könnte. Clever dabei, wie Scrooge und der jeweilige Geist als Erzähler kommentieren und das Geschehen kommentieren, wie gleichsam die Wandlung Scrooges nachvollzogen kann. Das ist sehr stimmig umgesetzt und funktioniert auch heute noch, über 60 Jahre nach der Produktion noch genau so wie damals.

Paul Bildt ist als Ebenezer Scrooge zu hören, der seine deutlich gealterte Stimme sehr gekonnt und zielgerichtet einsetzt, um ihn habgierig und kalt wirken zu lassen, kann aber auch die spätere Wandlung zum gutmütigen und großzügigen Gönner glaubhaft umsetzen. Seine jüngere Version wird vom wunderbaren Hans Clarin gesprochen, der mit viel Ausdruck spricht und seine Szenen sehr intensiv wirken lässt. Bobby Todd ist als Bob Cratchett zu hören, der sich sehr gut in die Stimmung der Szenerie einfügt und eine überzeugende Leistung abliefert. Weitere Sprecher sind Gertrud Kückelmann, Edith Teichmann und Max Eckard.

Die Produktionstechnik war 1953 natürlich noch nicht so weit fortgeschritten wie heutzutage, dennoch ist die Klangqualität hier sehr überzeugen. Die Aufnahme klingt frisch und hat nicht diesen dumpfen Unterton wie andere Hörspiele aus dieser Zeit. Zudem ist auch die akustische Umsetzung sehr gelungen, einige harmonische Melodien fügen sich sehr stimmig ein und sorgen auch schon einmal für festliche Weihnachtsstimmung, während die Geräusche präzise und effektvoll die Dialoge bereichern.

Der Hörverlag hat sich eine sehr schöne Verpackung für diese Produktion ausgedacht und mit einem hübschen Cover geziert, in denen im Comicstil Ebenezer Scgrooge durch die winterkalte Stadt läuft. Die kühle Fargebung passt bestens zu der Stimmung der Handlung. Das Digipack lässt sich gleich mehrfach aufklappen und enthält im Inneren einige weitere Zeichnungen sowie zusätzliche Informationen zu den Mitwirkenden.

Fazit: In 85 Minuten wird die bekannte Geschichte von Charles Dickens sehr eingängig und stimmungsvoll erzählt, wobei die Figur des Ebenezer Scrooge noch intensiver und greifbarer dargestellt wird als in anderen Produktionen. Besonders seine Wandlung während der geisterhaften Begegnungen kommt sehr gut zur Geltung.

VÖ: 11.Oktober 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2081-1


Krieg und Frieden



Erster Eindruck: Klassische Umsetzung des bekannten Werkes

Pierre, der Sohn einen wohlhabenden russischen Adeligen, kommt nach seiner Erziehungszeit in Paris nach St. Petersburg zu seinem im Sterben liegenden Vater zurück. Doch er kann sich in den gesellschaftlichen Kreisen nicht etablieren und wird von den anderen Adeligen belächelt. In Moskau lernt er dann auch den Fürsten Andrej kennen, der sich in seiner Ehe eingeengt fühlt und deswegen in den dritten Koalitionskrieg nach Frankreich ziehen will...

„Krieg und Frieden“ ist eines der bedeutendsten Werke der russischen Literatur, zahlreiche Verfilmungen sind bereits aus dem bekannten Stoff entstanden. Doch auch eine fast vergessene Hörspielumsetzung des DDR-Rundfunks aus dem Jahr 1967 existiert, die nun eine CD-Veröffentlichung erhalten hat. Was sehr begrüßenswert ist, denn die Umsetzung ist sehr treffend und setzt die Geschichte mit sehr guten Sprechern in Szene. Und so kommen gerade die Charaktere sehr gut zur Geltung, es ist sehr interessant, ihre Entwicklung zu verfolgen – was allerdings auch ziemlich viel Aufmerksamkeit benötigt, sofern man den Stoff noch nicht gut kennt. Denn die Beziehungen untereinander sind vielfältig und komplex, handelnde und für die Geschichte bedeutende Personen gibt es zu Hauf, sie alle richtig einzuordnen fällt nicht immer einfach. Doch es lohnt sich, auch weil ein sehr umfassendes Bild der russischen Gesellschaft zeichnet und die Welt der Adeligen mit ihrer ganz eigenen Ausstrahlung gekonnt nachzeichnet. Auch die starke Orientierung an geschichtlichen Fakten ist sehr passend, sodass ein sehr genaues und eindringliches Bild gezeichnet wird, das insbesondere durch ihre ausdrucksstarken Charaktere überzeugt.

Hans-Peter Minetti ist in der Rolle des Pierre zu hören, den er mit sehr eindringlicher Stimme spricht und den sehr speziellen Charme des Charakters mit seiner facettenreichen Umsetzung herauskitzelt. Auch Andrej ist mit Fred Düren sehr gut besetzt worden, mit seinem markanten Klang nimmt er den Hörer sofort gefangen und kann seine Entwicklung über die gesamte Laufzeit gelungen nachzeichnen. Jutta Wachowiak spricht Natascha mit sehnsuchtsvoller Stimme, ihr bewegtes Leben kommt durch ihre lebendige Sprechweise gut zur Geltung. Weitere der zahlreichen Sprecher sind Annegret Golding, Waltraud Kramm und Klaus Manchen.

Die Musik zu der zehnstündigen Produktion stammt von Dimitrij Schostakowitsch, der einen klassischen und eingängigen Weg gewählt hat, um der umfangreichen Geschichte die passende Atmosphäre zu verpassen. Während der Szenenübergänge, aber auch dialogbegleitend sind stimmungsvolle Melodien eingeflossen, die die Stimmung des Moments aufgreifen. Geräusche spielen dabei einer eher untergeordnete Rolle, der Fokus liegt stetig auf den Dialogen und ihren Sprechern.

Als Verpackung wurde eine dicke Pappbox ausgewählt, die mit einer glänzenden Lackschicht überzogen wurde und sehr stabil ist. Das Cover wird von der Kriegsszenerie eines alten Gemäldes geziert wird, die rote Gestaltung passt sehr zut dazu. Im Inneren sind die zwölf CDs in dünnen Papphüllen untergebracht, die auf den Rückseiten umfangreiche Informationen zum Autoren, dem Werk und einigen Mitwirkenden bereit hält.

Fazit: Auch wenn die ursprüngliche Geschichte aus verständlichen Gründen gekürzt werden musste, verliert die komplexe Handlung mit den ausdrucksstarken Charakteren keinesfalls an Reiz. Im Gegenteil: Durch die sehr eingängige Umsetzung mit den hervorragenden Sprechern kommt die Stimmung des Romans sehr gut zur Geltung.

VÖ: 15.Februar 2016
Label: Icestorm Audiobooks
Bestellnummer: 4028951804429


Otherland – Das Hörspiel



Erster Eindruck: Ein Meisterwerk

Ende des 21. Jahrhunderts hat sich Otherland, eine virtuelle Welt voller unterschiedlicher Orte, als Paralleluniversum etabliert. Eine Gruppierung aus Reichen und Industriellen hat sich zur Gralsbruderschaft zusammengeschlossen, um dort ewiges Leben zu erlangen. Nur eine Gruppe von Rebellen bietet ihnen die Stirn und versucht, den Plan zu vereiteln...

Tad Williams gehört zu den ganz großen Namen der Fantasy-Literatur, wozu neben den zahlreichen klassischen Vertretern des Genres auch sein Meisterwerk „Otherland“ beigetragen hat. Das komplexe Werk wurde von hr2 als Hörspiel umgesetzt, was mit über 200 Sprechern und einem enormen Aufwand zu einem wahren Mammuth-Projekt geworden ist. Der Hörverlag hat die Produktion, die am Stück fast einen ganzen Tag laufen würde, nun in einer schicken MP3-Version auf den Markt gebracht. Das Hörspiel ist nichts zum Nebenbei-Hören, keine lockere Unterhaltung, sondern ein anspruchsvolles Gesamtkonzept, in dem alles seinen festen Platz hat und zur Entwicklung der Handlung beiträgt. Es ist herausfordernd, alle Zusammenhänge zu durchschauen und über einen so langen Zeitraum parat zu halten, dafür wird man auch mit einem hervorragenden Spannungsbogen belohnt, und auch der skurrile Ausdruck der verschiedenen Welten ist beeindruckend und unterhaltsam. Da gibt es zahllose Anspielungen auf die andere Geschichten, da werden verschiedene Geschichten miteinander verknüpft, da schlüpfen die Protagonisten in ganz unterschiedliche Rollen – und alles beeinflusst sich gegenseitig. Da geht natürlich viel Leichtigkeit verloren, ist aber ein ganz eigenes Hörerlebnis, durch immer neue Elemente und eine eindringliche, bedrohliche und gänzlich unverwechselbare Atmosphäre bekommt der Hörer einen Eindruck, was man aus dem Medium Hörspiel noch alles herausholen kann.

Die Vielzahl an Sprechern ist erschlagend, es gibt allein zwölf Erzähler, die verschiedene Handlungsstränge erzählen und so für etwas Orientierung sorgen, unter ihnen finden sich auch prominente Namen wie Nina Hoss, Wolfgang Condrus und Hans Peter Hallwachs. Und auch die restlichen Stimmen sind hervorragend besetzt. Sylvester Groth ist als Paul Jonas zu hören, mit seiner intensiven und ausdrucksstarken Stimme viel Aufmerksamkeit auf seine Figur zieht und in jedem Momente sehr glaubhaft wirkt. Ingrid Andree ist als Quan Li zu hören, ihre reifer und markanter Klang setzt noch einmal neue Akzente, zumal auch sie sehr intensiv spricht. Matthias Habich ist als Felix Jongleur zu hören, er bietet immer wieder neue Facetten an und sorgt für einen beeindruckenden Ausdruck der Figur.

Auch die akustische Umsetzung ist ein Hochgenuss, die Klangvielfalt, die hier an den Tag gelegt wird, sucht seinesgleichen und wirkt dennoch sehr kompakt, sehr stimmig und wie aus einem Guss. Dabei unterstützt der Klang auch das Verständnis der Handlung, indem einzelne Szenen eine völlig eigenständige Klangwelt bekommen haben. Sowohl Musik, Geräusche und Sounds sind perfekt aufeinander abgestimmt.

Die Aufmachung des Hörspiel ist hochwertig. Der kühle Blauton des Covers zieht sich durch die gesamte Gestaltung, auch die stilisierte Computerplatine wird als Motiv immer wieder aufgegriffen. In dem Pappschuber befindet sich ein stabiles Digipack, das die vier MP3-CDs fasst und zusätzliche Informationen zu einigen Mitwirkenden parat hält. Lobenswert ist auch das Booklet, das vorrangig die Sprecher auflistet – allerdings nach Gruppierungen oder Welten sortiert, sodass man schnell die richtige Person findet.

Fazit: Mit „Otherland“ liegt keine Massenware vor, sondern eine perfekte Umsetzung einer phantastischen Vorlage. Die Geschichte ist spannend, ausdrucksstark und düster, die Szenerie eindringlich in Szene gesetzt, die Sprecher leben für ihre Rollen. Das erfordert ungeteilte Aufmerksamkeit, aber weniger hat dieses Meisterwerk auch nicht verdient.

VÖ: 7.November 2015
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-819-8


Terror



Erster Eindruck: Der Zuhörer entscheidet

Ein Terrorist hat eine Passagiermaschiene gekapert und lenkt diese auf ein voll besetztes Fußballstadion zu. Ein Kampfpilot der Luftwaffe hat sich über den Befehl seiner Vorgesetzten hinweg gesetzt und die Maschine im letzten Moment abgeschossen, alle Insassen sind ums Leben gekommen. Nun muss sich der Soldat vor Gericht verantworten, es wird über schuldig oder nicht schuldig entschieden...

Mit „Terror“ hat Ferdinand von Schirach ein ungewöhnliches Theaterstück geschaffen, in dem die Zuschauer selbst Schöffen des Gerichs sind und über den Ausgang des Prozesses entscheiden. Von der ARD verfilmt gibt es das Stück nun auch als Filmhörspiel mit der Originaltonspur beim Hörverlag, welches sogar kurz vor der TV-Ausstrahlung im Handel erhältlich ist. Normalerweise bin ich kein großer Fan von Filmhörspielen, doch hier ist dies anders: Es kommt bei der Verfilmung nicht auf eine bildgewaltige Umsetzung an, im Gegenteil: Diese ist sehr reduziert gehalten und spielt lediglich im Gerichtssaal, alles Wesentliche wird über die Stimmen der Schauspieler transportiert. Dennoch wurde ein Erzähler eingefügt, der einige Dinge kommentiert – für meinen Geschmack schon etwas zu viel, denn die Sprecher leisten hervorragendes und lassen jede noch so kleine Gefühlsregung in ihrer Stimme erklingen. Und auch der Prozess ist äußerst interessant und stützt sich im Wesentlichen auf drei Aussagen: Dem Vorgesetzten des Kampfpiloten, seine eigene Aussage sowie die einer Nebenklägerin, die ihren Mann bei dem Absturz verloren hat. Die Vorgänge am betreffenden Tag werden dabei sehr ausführlich beschrieben, viele Details hinzugefügt, Argumente ausgetauscht, der Hintergrund des Piloten und seine Gedankenwelt dargestellt. Und auch, wer eine vorgefertigte Meinung hat, kommt sicherlich einige Male ins Wanken, spätestens bei den Schlussplädoyers von Staatsanwältin und Verteidiger. Beide tragen stichhaltige Argumente vor, begründen mit Beispielen aus der Rechtswissenschaft, nehmen eine moralische Beurteilung der Handlungsweise vor. Und danach wird auch hier der Zuhörer selbst aufgefordert, sein Urteil zu fällen, zu entscheiden, ob er dem Piloten für schuldig oder unschuldig hält. Für beide Versionen findet sich im Nachgang ein Urteil mit einer entsprechenden Begründung wieder, die beide ebenfalls sehr hörenswert sind.

Es sind gerade einmal sechs Schauspieler am Werk, ergänzt durch die Erzählerstimme von Micheal Bideller, der sich sehr zurückhält und wertneutral die Informationen zu Handlungen im Gerichtssaal darbeitet. Burghart Klaußner ist als Richter zu hören, der ebenso neutral an den Fall herangeht, ale Zeugen in viele Richtungen befragt und dabei gerade bei der Aussage der Nebenklägerin ein wenig Emotion einfließen lässt. Martina Gedeck ist als streitbare Staatsanwältin zu hören, die mit harten Nachfragen den Vorgängen auf den Grund geht und dabei auch überraschend Pfeile in andere Richtungen verschießt – eine sehr gute und packende Leistung. Florian David Fitz ist als Angeklagter zu hören und bringt die Emotionen des jungen Mannes sehr gekonnt auf den Punkt, setzt mal mit Abgeklärtheit, mal mit Wut und Engagement seine Rolle um. Auch Lars Eidinger als Verteidiger, Rainer Bock als Zeuge und Jördis Triebel als Nebenklägerin machen ihre Sache ausgezeichnet.

Die Geräuschkulisse ist sehr reduziert gehalten, man hört mal ein aufgeregtes Murmeln aus dem Zuschauerraum, Schritte beim Eintreten der Zeugen, ein leises Husten – doch genau das braucht das Stück auch, um zur Wirkung zu kommen. Die volle Konzentration auf die Dialoge sorgt für die Konzentration auf das Wesentliche und destilliert den Kern der Aussagen heraus.

Das Cover ist in reinem Weiß zu halten, unterbrochen von einer geschwungenen roten Linie und der stilisierten Silhouette eines Mannes, der zu Boden zu fallen scheint. In schlichten Lettern steht aber der Titel des Stücks im Mittelpunkt. Das stabile Digipack enthält einige Szenenfotos und Aufnahmen von der Produktion, zudem auch einige Informationen zum Autor – eine stimmige Umsetzung!

Fazit: „Terror“ ist ein fesselndes und packendes Experiment, denn die eigenen Moralvorstellungen werden hinterfragt und auf die Probe gestellt. Dadurch dass der Zuschauer gezwungen wird, selbst ein Urteil zu fällen, ist er selbst Teil der Erzählung, die durch diese reduzierte und prägnante Umsetzung bestens zur Geltung kommt.

VÖ: 10.Oktober 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2447-5


Chicken Highway und drei weitere Krimi-Hörspiele



Erster Eindruck: Ein Duo für alle Fälle

Bettina Breuer ermittelt für das LKA gleich in vier Bundesländern, ihr zur Seite steht der Pianist und leidenschaftliche Hobbydetektiv Jac Garthmann, der sich immer wieder mit ungewöhnlichen Methoden in ihre Fälle einmischt. Dabei geht es auch schon einmal gefährlich zu, wenn ein Lebensmittelskandal aufgedeckt wird oder in einem Schmuggelfall ermittelt werden muss...

Gleich vier Hörspiele von Elisabeth Herrmann enthält die Box „Chicken Highway“, die sich allesamt um die von Herrmann erdachte Kommissarin Bettina Breuer drehen. Der Hörverlag hat die Produktionen des NDR aus den Jahren 2010 bis 2015 erstmals auf CD gepresst, und hier sollten Krimifans durchaus mal einen Blick riskieren. Denn die Geschichten sind sehr aktuell und beschäftigen sich mit modernen Themen, wobei auch schon einmal ein Blick in die Vergangenheit gewagt wird. „Schlick“, ein Krimi um das Verschwinden eines Schiffoffiziers, punktet mit den dynamischen Wechseln zwischen den beiden Hauptfiguren, die an unterschiedlichen Stellen ermitteln und gut zusammenarbeiten. Dennoch ist dies für mich der schwächste Fall der Box, die anderen Geschichten sind deutlich spannnender. „Versunkene Gräber“ beispielsweise, denn hier ist lange nicht klar, was hinter dem Mord an einem Schmuggler steckt, die kurzweilige Handlung hält verschiedene Theorien bereit und klärt in einem spannenden Finale gekonnt auf. „Chicken Highway“ hat mit allein wegen des Themas am besten gefallen, es geht um die schreckichen Zustände in Hühnerfarmen und hangelt sich am Mord eines Tierarztes entlang, was mit einigen Wendungen und immer neuen Informationen für viel Abwechslung gesorgt hat. „Das Grab der kleinen Vögel“ ist ein Fall um eine Gruppe älterer Damen, die Jac bei einer Kur kennenlernt. Der charmente Einstieg gefällt mit sehr gut, auch die spätere langsame Aufklärung mit den vielen Verstrickungen ist sehr kurzweilig gelungen.

Sandra Borgmann ist in der Hauptrolle der Bettina Breuer zu hören und setzt ihre angenehme, sanfte Stimme sehr gekonnt ein, verleiht ihr auch einmal einen schärferen Klang und kann in allen Szenen glaubhaft agieren. Martin Reince spricht ihren Freund und Hobbydetektiv Jac Garthmann, der sehr charmant wirkt und eine ganz eigene, unkonventionelle Note in die Handlung einbringt. Auch Sven Stricker, der Regie geführt hat, ist als Sprecher zu hören und bewegt sich auch auf diesem Terrain sicher und mit geschliffenem Ausdruck. Weitere Sprecher sind Celine Fontages, Michael Prelle und Isabelle Grothe.

Die akustische Umestzung ist – typisch für die Hörspiele von Stricker – sehr stimmig und kann mit vielen passenden Geräuschen für eine runde Atmosphäre sorgen. Doch dabei liegt die Konzentration immer auf den Sprechern und ihren Dialogen, diese werden auch nicht von den stimmungsvollen und lebendigen Melodien überdeckt, die die Stimmungen der Szenen unterstreichen.

Die vier CDs haben jeweils eine eigene Hülle bekommen, die gemeinsam in einem Pappschuber untergbracht wurden. Das Cover zeigt vier Hühner auf einer Stange vor einem rötlichen Nachthimmel, auf der Rückseite sind bereits Fotos der beiden Hauptsprecher abgedruckt. Die Cover der einzelnen Folgen zeigen den jeweiligen Titel auf schwarzem Hintergrund, die schlichten weißen Letter werden durch farbige Absetzungen verziert. Im Inneren gibt es jeweils zusätzliche Informationen samt Foto von einigen Mitwirkenden.

Fazit: Gleich vier Hörspiele um Bettina Breuer und Jac Garthmann, die sich als ebenso eingespieltes wie dynamisches Duo präsentieren und schnell ihre eigene Identität entwickeln. Die Fälle sind rehct knackig erzählt, bieten jedoch auch einige Fallstricke und Wendungen, sodass die jeweilige Themenwahl kuzweilig umgesetzt wurde.

VÖ: 1.Juli 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2102-3


Tintenwelt – Die große Hörspielbox



Erster Eindruck: Die komplette Trilogie als stimmige Hörspielproduktion

Maggie, die nach dem Verschwinden ihrer Mutter allein bei Mo, ihrem Vater, aufwächst, fährt mit diesem zu ihrer Tante Elinor, wo der Buchbinder einige wertvolle Schätze vor dem Verfall retten will. Doch unheimliche Gestalten tauchen auf, und nur langsam erfährt Maggie, warum das so ist: Der finstere Capricorn will Mo in seine Gewalt bringen, denn er hat eine seltene Fähigkeit...

Cornelia Funke hat mit ihrer Tintenwelt-Trilogie einen modernen Klassiker geschaffen, der für allerlei Wirbel gesorgt und die Vorreiter-Stellung der deutschen Kinderbuchautorin noch weiter ausgeprägt hat. Oetinger Audio hat die drei Romane Tintenherz, Tintenblut und Tintentod jeweils als Hörspiel umgesetzt, erstmals sind nun alle drei Teile zusammen in einer Box erschienen. Und es lohnt sich, denn die Produzenten entführen den Hörer schnell in die von Funke erdachte Welt, die phantastisch und poetisch ist, aber auch vielerlei Gefahren birgt. Da werden Elemente aus so einigen Geschichten vermischt, doch im Mittelpunkt steht die Tintenwelt, ein mittelalterlich angehauchter Ort voller Magie und insbesondere voller lebendiger Rollen. Jeder einzelne von ihnen hat eine sehr eigene Ausprägung, einen unverkennbaren Charakter, eine ausdrucksstarke Aura bekommen, sei es auf der guten wie auf der bösen Seite – und ebenso all die Grautöne, die ebenso ihre Rolle spielen. Zudem ist auch die Handlung packend, wobei jeder Band seine eigene Note bekommt. Über etliche abenteuerliche Szenen entwickelt sie sich und führt zu einem Ende, das man anfangs nicht erahnen konnte. Die Kürzung, die trotz einer über siebenstündigen Laufzeit vorgenommen werden musste, ist sanft geschehen und verfälscht die Aussage und die Stimmung der Romane nicht, auch wenn jeder Leser natürlich auf die eine oder andere Lieblingsszene verzichten muss.

Die Sprecher sind herausragend und setzen ihre Rollen mit viel Energie um, von der Hauptrolle bis zum kleinsten Nebencharakter ist dabei auf eine stimmige Besetzung geachtet worden. Alle die tollen Stimmen auszuzählen würde den Rahmen sprengen, aber jeder einzelne hat großes Lob verdient. Leonie Landa ist als Maggie zu hören, sie spricht die Rolle sehr vielschichtig und kann auch die Entwicklung des Mädchens zur jungen Frau kann sie sehr genau nachzeichnen. Robin Brosch hat die Rolle des Mo übernommen, dessen Stimme eine so entscheidende Rolle in der Handlung spielt – Brosch nimmt man dies sofort ab. Er spricht sehr intensiv, betont und schafft so Szenen voller Leben, voller Inbrunst. Besonders gut gefallen hat mir auch Barbara Nüsse als Mortola, die sich mit herrischer und stets herausfordernder Stimme Gehör verschafft. Weitere Sprecher sind Rainer Strecker, Gerlinde Dillge und Stephan Schad als Erzähler.

Die Musik wurde extra für diese Mini-Serie angefertigt, sodass sie perfekt auf die verschiedenen Stimmungen angepasst wurden. Die orchestralen Klänge sind mal sanft und verspielt, mal bedrohlich und düster, sodass dynamische Wechsel entstehen. So wird der Spannungsbogen gekonnt unterstützt, während leise Hintergrundgeräusche und präzise Sounds für eine lebendige Stimmung sorgen.

Ein hübscher Pappschuber fasst die sechs CDs, dieser ist im Stile der Buchvorlagen gestaltet und zeigt auf einem sanften Bordeaux-Rot mehrere Großbuchstaben, wie sie in alten Büchern reichlich verziert an jedem Kapitelanfang standen. Im Inneren finden sich dicke Platikhüllen mit den Discs, neben einer ausführlichen Trackliste gibt es nur die notwendigen Informationen.

Fazit: Vom geheimnisvollen Anfang über den phantasievollen und spannenden Mittelteil bis zum tragischen Ende ist hier ein Stück perfekter Hörgenuss gelungen, der nicht nur durch die kreative Geschichte und die lebendigen Figuren überzeugt, sondern auch durch die stimmungsvolle und eingängige Produktion mit fabulösen Sprechern. Wer dies noch nicht im Regal stehen hat, sollte hier unbedingt zugreifen!

VÖ: 26.September 2016
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0974-4


Siddhartha



Erster Eindruck: Auf der Suche nach Sinn, Erleuchtung und Seele

Schon als Kind wird Siddartha im sechsten Jahrhundert vor Christus mit den religiösen Lehren der indischen Priester in Kontakt gebracht, und auch später ist er immer auf der Suche nach der Erleuchtung. Sein enger Freund Govinda kann ihm zwar auf diesem Weg nicht immer folgen, begleitet ihn jedoch weiter, als Siddartha zum Asketen und Bettler wird...

Mit „Siddartha“ hat Hermann Hesse 1922 eines seiner bekanntesten Werke veröffentlicht, gleichzeitig ist es auch eines seiner phliosophischten und anspruchsvollsten geworden. Immer noch fasziniert die Geschichte des indischen Mannes auf der Suche nach der Erleuchtung viele Menschen, bringt es einem noch die Lehren des Buddhismus näher und begreifbarer. Der hr2 hat eine aktuelle Hörspielproduktion angefertigt, die auch beim Hörverlag als CD-Version erschienen ist. Dabei wurde sehr behutsam der ursprüngliche Text an das neue Medium angepasst, sodass nichts von der Seele, von Hesses Gedankenwelt verloren geht. Siddarthas Suche nach seiner ganz eigenen Gedankenwelt, nach Sinn und Einklang mit der Welt, ist vielschichtig und sinnlich, der stufenweise Aufbau über verschiedene Ebenen der Selbstfindung und Erkenntnis beeindruckend und intensiv. Über die literarische Qualität von Hesses Meisterstück müssen nicht mehr viele Worte verloren werden, die Umsetzung ist jedoch ebenso gelungen, mit vielfältigen Klangwelten versehen und mit engagierten Sprechern versehen.

Die wunderbare Iris Berben ist als Erzählerin zu hören und übernimmt dabei viele recht lange Passagen, durch ihre tiefgründige Stimme und einen eingängigen Klang setzt sie diese aber sehr gekonnt und mit viel Intensität um. Matthias Koeberlin ist über weite Teile als Siddartha zu hören, sein markanter Klang passt wunderbar zu den tiefgründigen Gedanken, zu dem Zweifeln, zu der Neugier des jungen Inders und kann auch die Entwicklung mit seiner Stimme erlebbar machen. Ulrich Noethen ist als Govinda zu hören, auch er passt wunderbar in die philosophische Atmosphäre und begleitet Siddartha durch die Handlung. Christian Friedel, Hans-Michael Rehberg, Steffen Siegmund und Wolf-Dietrich Sprenger sind ebenfalls zu hören.

Die akustische Umsetzung wurde von Regisseur Leonhard Koppelmann und Komponist Ali N. Askin sehr stimmungsvoll umgesetzt. Der indische Anklang ist dabei auch hier deutlich umgesetzt worden, die Klänge sind sphärisch und melodisch gelungen. Dabei werden auch manche Dialoge von Musik begleitet, was ihnen noch einmal mehr Dramatik, mehr Bedeutung verleiht. Geräusche sind dabei eher wenig zu hören, was der Eingängigkeit allerdings keinen Abbruch tun.

Die Gestaltung der Box ist dem Hörverlag exzellent gelungen, hier hat man sich wie bei der Produktion selbst viel Mühe gegeben. Siddharthas Kopf mit den geschlossenen Augen ist im Stil einer typisch indischen Statue zu sehen, der leicht goldene Schimmer wirkt dabei edel und passt sehr gut zu der dicken Pappbox. Im Inneren findet sich ein umfangreiches Booklet mit vielen Hintergrundinformationen und Fotos, doch ein wahres Highlight ist die fünfte CD mit einem äußerst hörenswerten, 80-minütigem Feature.

Fazit: Die herausfordernde Aufgabe, ein solches Werk als Hörspiel umzusetzen, ist hervorragend gelungen, die engagierten Sprecher verstehen ihr Handwerk und sind mit viel Begeisterung dabei, die vielfältige akustische Umsetzung ist eingängig und verleiht eine ganz besondere Atmosphäre. Anspruchsvoll, aber dennoch leicht zugänglich.

VÖ: 24.Mai 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2121-4


Die große Kommissar-Beck-Box



Erster Eindruck: Zehn Fälle für den Urvater des Schwedenkrimis

Martin Becks Ehe ist nicht gerade das, was man als erfüllt bezeichnen würde. Deswegen stürzt er sich immer mehr in seine Arbeit als Kriminalassistent und löst gemeinsam mit seinem Team aus ganz unterschiedlichen Charakteren Mordfälle. Der erste Fall führt sie zum Göta-Kanal, wo eine junge Frau vergewaltigt und ermordet aufgefunden wird...

Die Krimireihe „Roman über ein Verbrechen“ des schwedischen Autorenduos Maj Swöwall und Per Wahlöö gilt als Startschuss für den modernen „Schwedenkrimi“. Hier wurde mal kein fast übermenschlicher Ermittler gezeigt, der mit genialer Kombinationsgabe die Fälle spielend löst, sondern deutich realitätsnähere Beschreibung von Ermittlungen. Auch das Motiv des nicht immer sympathischen und von privaten Problemen gebeutelten Polizisten wird hier eingeführt– wenn auch nicht so exzessiv wie in heutigen Romanen. Zehn der Fälle um Martin Beck wurden von verschiedenen deutschen Radiostationen als Hörspiel vertont, und diese wurden nun vom Audio Verlag aus den Archiven geholt und gemeinsam in einer dicken Box mit 16 CDs veröffentlicht. Die Fälle sind dabei allesamt gut erdacht, auch wenn es naturgemäß einige sehr starke und einige weniger aufregende Geschichten gibt. Doch gerade in den späteren Fällen herrscht fast durchgängig eine sehr intensive Stimmung vor, die sich auch auf den Zuhörer überträgt. Die ganz unterschiedlichen Fälle folgen keinen speziellen Muster, allerdings steht die Ermittlerarbeit immer im Vordergrund. Das ist gut gelungen, zumal auch das Privatleben von Beck immer wieder eingebaut ist und sich im Laufe der Zeit auch weiterentwickelt, sodass es keine starren Vorgaben gibt. Die starken Charaktere seiner Mitstreiter bringen zusätzliche Würze in die Geschichten. Allerdings ist das Tempo manchmal doch etwas zu sehr gedrosselt und einige Spannungsmomente kommen nicht so recht zur Geltung. Für Fans von gepflegtem, eher ruhigen Krimi wird hier aber eine gute Auswahl geboten.

In den meisten Fällen ist Charles Wirths als Kommissar Beck zu hören. Er wählt eine recht betonte und einigängige Sprechweise, sodass sein Charakter gut zur Geltung kommt, nimmt sich aber an den entscheidenden Stellen auch immer wieder zurück und lässt den anderen Sprechern den Vortritt. Hans Peter Hallwechs ist immer mal wieder als Erzähler zu hören, seine getragene und ausdrucksstarke Stimme wirkt dabei dynamisch und seine Passagen kurzweilig und eingängig wirken. Heta Mantscheff ist als Inga Beck zu hören, die sehr gefühlsbetont die problematische Beziehung zu ihrem Mann thematisiert und dabei sehr authentisch wirkt. Weitere Sprecher sind Matthias Ponnier, Heinz Schimmelpfennig und Horst Frank.

Die meisten der Produktionen stammen aus den späten 70ern oder den frühen 80ern, sodass sie einen ganz anderen Grundklag besitzen als heutige Produktionen. Besonders die Musik fällt dabei oftmals aus dem Rahmen, ist zu laut und zu lang, sodass der Erzählfluss gebremst wird. Die Geräusche wirken manchmal etwas hölzern und bringen wegen ihres eher seltenen Einsatzes nicht sonderlich viel Leben in die Handlung.

Verpackt sind die CDs in einzelnen Plastikhüllen, die gemeinsam mit einem gut aufbereiteten Booklet in einer stabilen Pappbox zum Aufklappen untergebracht sind. Ein einsames schwedisches Haus in nächtlicher Kulisse kommt durch das dominante dunkle Blau sehr gut zur Geltung. Wie immer bei dem Label ist alles gut strukturiert und übersichtlich ausgebaut.

Fazit: Die zehn hier erzählten Fälle über Kommissar Beck stellen die Ermittlungen in den interessanten Fällen in den Mittelpunkt und sind erzählerisch gut aufbereitet. Das Tempo wirkt dabei zwar manchmal etwas gedrosselt und auch die Umsetzung kann nicht immer überzeugen, dafür sind die gut durchdachten Erzählungen meist sehr kurzweilig und können auch die Charaktere gelungen darstellen.

VÖ: 21.August 2015
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-0623-1590-


Die Kinder der verlorenen Bucht



Erster Eindruck: Erkundung einer fremden Welt

Red und Max kommen beide neu in die Klasse von Lilly, und nachdem die drei sich gegen einen fiesen Lehrer gewehrt haben, freunden sie sich schnell an. Bei einem Ausflug treffen sie auf eine geheimnisvolle alte Dame, die ihnen eine unglaubliche Geschichte von einem bösen Herrscher in einer fremden Welt erzählt. Diese scheint mit einem Abschnitt des nahegelegenen Strandes verbunden zu sein, sodass die drei Kinder die Abenteuerlust packt...

„Die Kinder der verlorenen Bucht“, ein Kinderbuch des italienischen Autors Luca d Fulvio, wurde von Lübbe Audio als Hörspiel mit zahlreichen Sprechern umgesetzt und gleichzeitig zum Erscheinungstermin der gebundenen Ausgabe veröffentlicht – eine hübsche Alternative zum klassischen Hörbuch, die gerade für Kinder sehr ansprechend sein dürfte. Das Abenteuer der drei neuen Freunde kommt zwar nur über einige Umwege richtig in Gang, spätestens nach der Erzählung der mysteriösen Dame um den bösen Egon Dragon kommt aber viel stimmige Atmosphäre auf. Es ist genau diese Mischung aus mystischen Elementen und einer abenteuerlichen Grundstimmung, die sich sehr reizvoll auf die Handlung auswirkt. Diese entwickelt sich über verschiedene Stationen immer weiter und führt die Kinder in eine fremdartige Welt voller merkwürdiger Wesen, aber sie entdecken auch selbst Kräfte an sich – nicht nur solche magischer Art. Mir gefällt, dass die Kinder neue Seiten an sich entdecken und sich weiterentwickeln, allerdings wirkt alles manchmal doch etwas schablonenhaft und an ähnliche Geschichten angelehnt.

Lutz Schnell ist in der wichtigen Rolle des Mastino zu hören, sein rauer Klang und die harsche Art passen sehr gut zusammen und sorgen für einen starken Ausdruck der Figur. Luise Lunow sorgt mit ihrer dunklen Stimme für eine sehr geheimnisvolle Stimmung als alte Frau und lässt die Geschichte um Egon Dragon bestens wirken. Leider konnten mich die drei Hauptsprecher Simon Kunze, Lenio Einbeck und Sarah Kunze nicht so sehr überzeugen, sie wirken recht gekünzelt und an einigen Stellen sogar etwas hölzern. Weitere Sprecher sind Oliver Rohrbeck, Helmut Krauss und Oliver Siebeck als Erzähler.

Der Transport in das neue Medium Hörspiel ist Lübbe Audio recht gut gelungen, auch wenn manche Dialoge insgesamt etwas steif wirken. Dafür wurde eine recht vielfältige Geräuschkulisse geschaffen, die die einzelnen Szenen gekonnt untermalt und ihnen Leben einhaucht. Auch die eingebaute Musik steigert den abenteuerlichen Charakter der Handlung und wirkt hübsch unheimlich.

Natürlich wurde zur Steigerung des Wiedererkennungswerts das Buchcover angepasst und übernommen. Zu sehen ist eine hübsche Kulisse mit einem Sonnenuntergang und dem kleinen Boot, das eine wichtige Rolle in der Handlung spielt. Im Vordergrund steht aber der mit einem Banner unterlegte Schriftzug, in den auch die Gesichter der drei Protagonisten eingebunden sind.

Fazit: Die mysteriöse und abenteuerliche Stimmung der Handlung kann besonders Kinder schnell fesseln, die sich auch gut mit den drei Hauptcharakteren identifizieren können. Allerdings wirken die jungen Sprecher etwas überfordert, sodass die Umsetzung manchmal etwas holprig wirkt. Das spannende Finale schließt die Handlung gekonnt ab.

VÖ: 12.Februar 2016
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-5268-5


Doktor Proktors Pupspulver – Das Hörspiel



Erster Eindruck: Skurriles Vergnügen mit gelungener Umsetzung

Der ziemlich kleingewachsene Bulle zieht in eine neue Stadt, wo er schnell Freundschaft mit dem Nachbarsmädchen Lise schließt. Und auch mit dem Wissenschaftler Doktor Proktor verbringt er viel Zeit, der in seinem Labor ein neues Pulver entdeckt hat, dass einen innerhalb von zehn Sekunden ordentlich Pupsen lässt. Bulle und Lise sind überzeugt davon, dass viele Kinder völlig begeistert wären, und helfen Doktor Proktor bei seinen Tests...

Nach einer Umsetzung als Hörbuch hat sich der WDR nun auch dem erfolgreichen Kinderbuchimport aus Norwegen, „Doktor Proktors Pupspulver“ angenommen und ein einstündiges Hörspiel dazu produziert. Für ein Kinderbuch ist die Handlung überraschend verschachtelt und zeigt neben den Szenen um Doktor Proktor und den Kindern auch die beiden fiesen Zwillinge Truls und Trym mit ihrem Vater, aber eben auch eine Anaconda, die mit der eigentlichen Handlung aber erst einmal nicht viel zu tun hat, hinterher aber mehrfach den Weg der Protagonisten kreuzt. Die Handlung ist dabei sehr kurzweilig erzählt, entwickelt sich konsequent weiter und beinhaltet viele kleine Spannungsbögen, die für einige aufregende Momente sorgen. Und besonders der Humor kommt dabei nicht zu kurz, neben der ziemlich skurrilen Erfindung von Doktor Proktor, die später sogar noch gesteigert wird, sind auch so immer wieder lustige Sprüche eingebaut, die auch Erwachsenen viel Spaß bereiten und manchmal sogar fast hintergründig wirken. Am Ende ist man erstaunt, wie gut sich alles zusammenfügt, wie jeder Handlungsstrang zum Ende geführt wird und wie sehr alles miteinander vernetzt ist. Die Charaktere sind dabei sehr stark dargestellt und entfalten ihre eigene Persönlichkeit. Besonders Bulle ist dabei eine echte Identifikationsfigur, da er seine geringe Körpergröße mit Gewitztheit und selbstbewussten Auftreten auszugleichen weiß. Eine sehr spaßige Produktion für die ganze Familie.

In der Titelrolle des Doktor Proktor ist der wunderbare Jens Wawrczek zu hören, der mit seiner ungewöhnlichen Stimme sehr gut zu dem verschrobenen Wissenschaftler passt und viel Spaß in die Handlung einbringt. Samuel Gerst hat eine sehr überzeugende und glaubwürdige Aussprache, klingt passend zu der Rolle etwas hochtrabend, aber sehr natürlich, was bei so jungen Sprechern nicht immer so gekonnt der Fall ist. Erzählerin Laura Maire passt mit ihrer verträumt wirkenden Stimme sehr gut in das Ambiente der Geschichte und gestaltet ihre Passagen sehr kurzweilig, lässt aber auch die Anaconda hübsch bedrohlich wirken. Weitere Sprecher sind Thyra Bonnuchsen, Martin Bross und Martin Brambach.

Bei einer Geschichte, bei der es ums Pupsen geht, dürfen die entsprechenden Geräusche natürlich nicht fehlen. Hiervon wurde dann auch ausgiebig Gebrauch gemacht, ebenso wie von anderen Sounds, die immer passend eingebaut wurden. Musikalisch hält sich die Produktion aber eher zurück und konzentriert sich so auch die Sprecher und ihre Dialoge.

Das Cover wirkt insgesamt etwas sperrig, ob hiervon junge Menschen sofort neugierig gemacht werden, zweifle ich eher an. Dabei haben die mit erkennbaren Strichen gezeichneten Figuren durchaus ihren Reiz, wobei Bulles Test am Pupspulver vor grünem Hintergrund zu sehen ist, während es sich Doktor Proktor in roter Umrandung gemütlich macht. Im Inneren gibt es neben den üblichen Produktionsinformationen noch eine Kurzbiographie zu Autor Jo Nesbo.

Fazit: Neben der witzigen und spannenden Geschichte kann hier auch die sehr gelungene Umsetzung überzeugen, wozu besonders die passenden und energiegeladenen Sprecher beitragen können. Viele witzige Momente und eine kurzweilige Handlung mit einigen Überraschungen sorgen für eine knappe Stunde Hörspielspaß.

VÖ: 15.Juni 2015
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1719-4


Schneewittchen



Erster Eindruck:

Eine eifersüchtige neue Königin ist nach dem Tod ihrer Vorgängerin ins Schloss eingezogen, neidet aber ihrer Stieftochter, die wegen ihrer weißen Haut nur Schneewittchen genannt wird. Gemeinsam mit Ihrer Zofe schmiedet sie den Plan, sich des ungebliebten Kinds mit Hilfe des ihr treu ergebenen Jägers zu entledigen...

Die Geschichte von Schneewittchen ist wohl jeden wohl bekannt, und auch diverse Hörspielumsetzungen des Märchens der Gebrüder Grimm existieren mittlerweile. Der Audio Verlag hat nun eine weitere aus den Archiven des DRA gerettet und als Teil seiner Kinderreihe mit dem weißen Rücken auf CD veröffentlicht. Einer solch bekannten Geschichte neue Facetten zu entlocken ist natürlich schwierig und wird hier auch nur stellenweise geschafft – beispielsweise ist die Unterredung der bösen Königin mit ihrer Zofe ganz zu Anfang neu erdacht und kommt im Original nicht vor. Und auch ein neuer Schluss wird gefunden, die Königin wird hier weder mit glühenden Schuhen bestraft noch von einem Felsen erschlagen, es wurde eine kinderfreundlichere aber auch etwas angestaubte Schlussversion erzählt. Auch die wohl gruseligste Szene, in denen die Königin die Innereien des Mädchens verlangt, ist hier abgemildert umgesetzt worden. Schön auch, dass die sieben Zwerge keine namenlosen Geschöpfe bleiben, sondern jeder seine speziellen Eigenheiten hat. Ansonsten gibt es nur wenige eigenständige Kniffe, sodass sich diese Produktion in die Reihe vieler solider Märchenhörspiele einreiht, die sich durch eine passende Stimmung auszeichnen, aber eben leider wenige Überraschungen parat haben.

Schneewittchen wird in dieser Version von der unvergessenen Gisela Fritsch gesprochen, die mit viel Schwung bei der Sache ist und das Mädchen sehr lebendig spricht. Die böse Königin bekommt ihre Stimme von Inge Keller geliehen, die eine ausdrucksstarke Leistung abliefert und das eifersüchtige Herz der Figur sehr gut darstellt. Erzähler ist Hans Hildebrandt, der ein klassischer Märchenerzähler ist und mit seinem warmen Farbton für hübsche Momente sorgt. Weitere Sprecher sind leider namentlich nicht mehr bekannt.

Natürlich sollte hier bedacht werden, dass das Hörspiel bereits über ein halbes Jahrhundert alt ist, sodass es nicht verwundert, dass die Dialoge nicht mehr glasklar klingen, dennoch ist kein störendes Grundrauschen zu vernehmen. Die akustische Untermalung ist dabei eher schlicht ausgefallen, die sieben Zwerge bringen aber ein fröhliches Liedchen mit, das sich gut in die Handlung integriert.

Das Cover zeigt eine Szene mit Schneewittchen in blutrotem Ballkleid im Haus der sieben Zwerge, die ihr Blumen anreichen oder sie voller Freude anschauen. Der schlichte Zeichenstil weckt nostalgische Erinnerungen und wird durch die strenge Aufteilung der Serie mit den beiden unteren Balken nicht gestört. Im Inneren gibt es noch eine weitere Zeichnung zu sehen.

Fazit: Schneewittchen liegt hier in einer klassischen Umsetzung mit wenigen neuen Elementen vor, ist aber stimmungsvoll und mit engagierten Sprechern umgesetzt worden. An den grausameren Stellen wurde auf kinderfreundlichere Alternativen ausgewichen, sodass diese Produktion auch als Einstieg in die Welt des Hörspiels mit einer bekannten Geschichte dienen kann.

VÖ: 23.September 2016
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-838-4


Der kleine Prinz



Erster Eindruck: Moderner Klassiker in moderner Umsetzung

Der kleine Prinz kommt von einem winzigen Planeten, den er ganz allein bewohnt hat. Eines Tages trifft er in einer einsamen Wüste einen Piloten und freundet sich schnell mit ihm an. Der kleine Prinz berichtet von der Rose, die er so sehr geliebt hat, von dem Fuchs, der so gern gezähmt werden wollte, von dem König, der seinen Untertanen immer die besten Befehle gab. Doch irgendwann geht der Wasservorrat der beiden zur Neige...

„Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupery ist längst zu einem modernen Klassiker geworden, dieses kleine Buch steckt voller Poesie und Weisheiten, seit über 70 Jahren verzaubert das Kundtmärchen die Menschen überall auf der Welt. Der WDR hat nun eine neuer Hörspielversion der Geschichte vertont und bei Silberfisch auf VD veröffentlicht. Der Transport in das neue Medium ist sehr gelungen, da dessen Möglichkeiten sehr gut genutzt wurden. Das kommt der Geschichte sehr zu gute, da sie ihren verträumten und nachdenklichen Charakter bewahrt. Die verschiedenen Geschichten, die der kleine Prinz erzählt, sind dabei recht episodenhaft, dennoch besteht eine enge Bindung zwischen ihnen, auch wird teilweise später darauf zurückgegriffen. Dabei gibt es so viele starke Figuren – die eitle Rose, die der kleine Prinz so sehr liebt und die ihm niemand ersetzen kann, ist ein so eingängiges Bild, dieser Teil hat mir am Besten gefallen. Und in all diesem Phantastischen, Märchenhaften finden sich viele Weisheiten, viel Gesellschaftkritik und ein starkes Plädoyer für Zwischenmenschlichkeit. Wirklich bewegend wird es dann am Ende, als der Prinz von großem Heimweh befallen wird und den einzigen Weg sucht, auf den er glücklich werden kann – ohne zu viel verraten zu wollen, wird es sehr tragisch und melancholisch. Und auch wenn das Buch viel von den Zeichnungen des Autors lebt, fehlen diese Bilder hier nicht, da sie entweder gut beschrieben sind oder durch die dichte Klangwelt adäquat ersetzt wurden. Eine wunderbare Erzählung, die zudem sehr gekonnt in Szene gesetzt wurde.

Dafür sorgen zu einem großen Teil natürlich auch die Sprecher, die allesamt mit Herzblut bei der Sache sind und so liebevoll und ausdrucksstark sprechen, dass wirklich jeder Charakter eine ganz eigene Note bekommt. Martin Wuttke ist als Pilot zu hören und übernimmt damit auch einige Erzählertexte. Ich habe ihm wegen seiner sanften und warmen Stimme sehr zu schätzen gelernt, seine eingängige Sprechweise begleitet den Hörer gekonnt durch die Geschichte. Alexander Fehling spricht den kleinen Prinzen auf so wundersame und zauberhafte Art und Weise, so lebendig und voller Strahlkraft, dass es eine wahre Freude ist. Und auch der wundervolle Jens Wawrczeck ist hier mal wieder als Fuchs zu hören, er passt seine ungewöhnliche Klangfarbe bestens an das Ambiente und seinen Charakter an. Weitere Sprecher sind Paula Beer, Dieter Hallervorden und Otto Mellies.

Die Musik zu diesem Hörspiel stammt von Alva Noto und Tarwater, die den träumerischen Charakter der Geschichte unterstreichen und mit klangvollen Momenten gekonnt in Szene setzen. Dabei ist die Musik ständiger Begleiter, sodass das Hörspiel eng umschlossen wird und es leicht macht, in die Handlung einzutauchen. Geräusche sind dabei ebenfalls dezent eingesetzt, auch diese fügen sich sehr gut in das Gesamtkonzept ein.

Die Aufmachung der CD ist sehr ansehnlich und hochwertig, was den äußerst stimmigen Gesamteindruck abrundet. Matte Pappe, vorrangig in strahlendem Weiß bestimmt die Aufmachung, wobei immer wieder Sternenbilder eingebaut sind – sehr prominent und träumerisch auf dem Cover, in Form einer Sternenkarte im Inneren des sehr hübschen Digipacks.

Fazit: Wunderbar, wie sehr hier der Geist von Antoine de Saint-Exupery aufgegriffen wird, wie alle beteiligten mit viel Herzblut bei der Sache sind und jeder seinen Part in Perfektion umsetzt: Sprecher, Regie und Musikanten sind bestens aufeinander abgestimmt, sodass man sich sofort in die poetische Geschichte fallen lassen kann.

VÖ: 1.September 2016
Label: Silberfisch
Bestellnummer: 978-3-8674-2309-0


Sophiechen und der Riese



Erster Eindruck: Wortspielerisches Kinderhörspiel

Sophie, die in einem Waisenhaus wohnt, beobachtet eines nachts eine riesige Gestalt mit einer Trompete, der sich zu den Kindern schleicht – und Sophie samt ihrer Decke aus dem Bett in ein fremdes Land mitnimmt. Und auch wenn die Gestalt anfangs ziemlich furchteinflößen wirkt, stellt sich bald heraus, dass es sich um einen guten Riesen handelt, doch nicht alle Riesen sind so freundlich wie GuRie...

„Sophiechen und der Riese“ des britischen Schriftstellers ist 1982 zum ersten mal erschienen, genau 20 Jahre später hat der WDR diesen Roman als Hörspiel umgesetzt, doch erst 2016 ist dieses auch auf CD erhältlich, pünktlich zum Start des Kinofilms, der nach dem Buch gedreht wurde. Schön, dass es doch noch geklappt hat, denn die Geschichte ist nicht nur spannend und kurzweilig, sondern steckt auch voller feinem Humor. Dafür sorgen nicht nur die liebevollen Figuren, sondern auch herzige Einfälle wie die Kotzgurke oder die vielen Wortspiele – ob Leberwesen oder Furzelbäume, ob verdrehte Sätze oder falsch verwendete Sprichwörter, das alles ist sehr spaßig und für Kinder recht anspruchsvoller, aber dennoch zündender Witz. Im Kontrast dazu steht, dass die Geschichte auch ganz schön gruselig ist, GuRie wirkt am Anfang sehr bedrohlich, und auch die anderen Riesen, die liebend gern kleine Kinder fressen, sind nicht zu verachten und für jüngere Kinder schon ziemlich deftig, „Blutschlucker“ und „Fleischfetzenfresser“ sind da die passenden Namen. Zum Glück verfliegt die Angst bei den vielen witzigen Momenten schnell und weicht der Spannung, wie Sophie und GuRie die bösen Riesen besiegen wollen. Toll auch, dass Sophie ziemlich taff dargestellt wird und mit viel Energie und Mut allen Situationen begegnet. Sie ist so ein echtes Vorbild für Mädchen und entspricht mal so gar nicht dem typischen Rollenklischee. „Sophiechen und der Riese“ dauert in dieser Umsetzung über dreieinhalb Stunden und ist nichts zum Nebenbei-Hören, macht aber mächtig Spaß und kann mit den vielen Wortspielereien ebenso wie mit der ungewöhnlichen Handlung punkten.

Verena Wurth verleiht Sophie jede Menge Energie und Präsenz, sie fühlt sich in der Hauptrolle hörbar wohl und bringt jede Menge Spielfreude mit die sie sehr glaubhaft wirken lässt. Michael Habeck ist als GuRie zu hören, mit seiner sanftmütigen und warmen Stimme schafft er einen wunderbaren Charakter der die vielen Wortspiele vollkommen natürlich wirken lässt – wunderbar! Erzähler ist Peer Augustinski, der mit aufgeweckter und lebendiger Stimme durch die Handlung führt und die Handlung durch treffende Betonung unterstützt. Weitere Sprecher sind Hans Holzbrecher, Alexander May und Marianne Rogée.

Matthias Thurow ist für die Musik in dem Hörspiel verantwortlich, und er hat hier einen ganz eigenen Weg gefunden, die Stimmung zu unterstreichen ohne die Dialoge in den Hintergrund zu drängen. Die eingesetzen Melodien wirken verspielt und märchenhaft, ohne ins Kitschige oder Niedliche abzurutschen. Und auch die Geräusche haben den richtigen Pegel in Häufigkeit und Lautstärke, um einen lebendigen Ausdruck zu erschaffen.

In einer dicken Plastikhülle sind die drei CDs aufbewahrt, und diese wird von einem ungewöhnlichen Cover geziert: Skizzenhaft gezeichnet, die einzelnen Striche noch erkennbar, mit blassen Farben versehen – charmant und liebevoll. Im kleinen Booklet sind neben den Sprechern und anderen Mitwirkenden auch einige Informationen über den Autor zu finden, auch eine Trackliste zur besseren Übersicht gibt es hier.

Fazit: Sophiechen und der Riese ist ganz schön gruselig, aber auch sehr humorvoll und lebendig erzählt. Die mutige Sophie und ihr gutmütiger Freund erleben ein spannendes Abenteuer, das flüssig und in angenehmen Tempo erzählt wird. Ganiert mit wunderbaren Wortspielen entsteht so ein sehr hörenswertes Kinderhörspiel, das auch Erwachsenen viel Freude bereitet.

VÖ: 24.Mai 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2114-6


November 1918 – Eine deutsche Revolution: Karl und Rosa



Erster Eindruck: Ein Blick in die Geschichte

Deutschland im November 1918: Der erste Weltkrieg ist vorbei, das Reich muss sich neu formieren. Und so kämpfen die verschiedenen Strömungen um die Vorherrschaft, und auch Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg versuchen, ihre sozialistische Idee zu verwirklichen. Doch inmitten der Wirren schlagen ihre Ansätz fehl, und ihre Gegenspieler trachten den beiden Revolutionären nach dem Leben...

Mit „November 1918“ hat sich der Hörverlag die Rechte an einem sehr ambitionierten Radiohörspielprojekt gesichert, das Alfred Döblins Werk aus der deutschen Geschichte sehr intensiv in Szene gesetzt hat. Doch ein Abschnitt aus dem Roman wurde dabei nicht berücksichtigt, dieser wird nun zwei Jahre später nachgereicht. Im Gegensatz zum Vorgänger wurde hier nicht auf eine enorme Vielfalt verschiedener Einzelschicksale gesetzt, sondern die Geschichte von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg nacherzählt. Aus diesem Grund unterscheidet sich dieser abschließende Teil deutlich von der Vertonung der ersten drei Bände, auch wenn die Machart eine ähnliche ist: Der weitgehende Verzicht auf akustische Elemente, eine collagenhafte Erzählweise, die Konzentration auf die Stimmen. Es wird nicht ganz so emotional, da nicht so sehr auf die Verfolgung von Einzelschicksalen gesetzt wird, dafür rücken mehr und mehr geschichtliche Aspekte in den Mittelpunkt. Aus diesem Grund fand ich „Karl und Rosa“ noch etwas anstrengender als den Vorgänger, auch fordert er dem Zuhörer noch mehr Aufmerksamkeit ab. Zudem wird hier nur ein Anriss aus dem Gesamtwerk Döblins gegeben, sodass einige wesentliche Informationen nur sehr verknappt wiedergegeben werden – auch das erhöht den Hörfluss nicht gerade.

Judith Hofmann ist als Rosa Luxemburh zu hören, die ihrer Figur die nötige Energie verleiht, um den starken Charakter glaubhaft darzustellen. Sie spricht sehr nuanciert und betont, sodass alle Gefühlsregungen der mutigen Frau sehr gut zur Geltung kommen. Dem in nichts nach steht Wolf-Dietrich Sprenger als Karl Liebknecht, der eien starke Präsenz besitzt und den Hörer ganz in seinen Bann ziehen kann, er hält ebenso das Interesse sehr hoch. Eine überraschende, aber sehr gelungene Bestzung ist Tagesschausprecher Jan Hofer, der einige erklärende Texte beisteuert und diese mit viel Leben füllt, diese Mischung aus Information und Emotion hat mich sehr überzeugt. Weitere Sprecher sind Werner Wölbern. Laura Maire und Florian Lukas.

Wieder ist das Hörstück sehr reduziert umgesetzt worden, der fast völlige Verzicht auf Musik und Geräusche lullt den Hörer nicht ein, sondern fordert ihn zum aktiven Mithören auf. Allerdings wäre ab und an eine klarere Trennung zwischen den Szenen wünschenwert gewesen, um der Handlung besser folgen zu können.

Das Cover ist im Stil des Vorgängers gehalten, sodass neben schwarz und weiß einzig ein akzentgebendes Lila in einigen grafischen Elementen vorhanden ist. Der untere Teil des Titelbildes ist für die Portraitaufnahmen der beiden Hauptfiguren gesichert, während die dominierende Jahreszahl des Titels von einigen ergänzenden Schriftelementen aufgelockert wird. Das Innere wartet mit einigen Zusatzinformationen auf.

Fazit: Wer lockere Unterhaltung im geschichtlichen Ambiente erwartet, ist eindeutig falsch. Denn „Karl und Rosa“ verlangt dem Hörer nicht nur einiges Vorwissen ab, sondern auch viel Aufmerksamkeit und Konzentration. Diese Mischung aus Emotionalität und Geschichte ist beeindrucken und bringt einem die beiden Figuren sehr nahe. Speziell und mutig, aber auch durchaus hörenswert.

VÖ: 24.Mai 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1459-9


Alice im Wunderland (SWF 1958)



Erster Eindruck: Phantasievolle Reise mit skurrilem Anklang

Als Alice ein weißes Kaninchen entdeckt, das eilig über die Wiese hoppelt, ist ihre Neugier geweckt, und sie folgt dem Tier. Durch einen tiefen Sturz durch dessen Bau landet sie schließlich in einem Raum mit einer einzigen Tür, doch diese ist viel zu klein für sie. Dabei liegt dahinter das Wunderland, und Alice möchte unbedingt dorthin gelangen...

Alice im Wunderland hat sich zu einem immerwährenden Klassiker der Kinderlirteratur entwickelt, besonders amerikanische Kinder wachsen mit der Geschichte auf wie hierzulande mit den Märchen der Brüder Grimm. Pünktlich zum Kinostart des zweiten Teils der aufwändigen Hollywood-Neuverfilmung bringt der Audio Verlag ein Radiohörspiel des SWF aus dem Jahr 1958 auf den Markt, der viel von dem Charme des Romans von Lewis Carroll in sich trägt. Die vielen, teils recht skurrilen Figuren, die Alice auf ihrer Reise begegnet, sind mit viel Zauber versehen und kommen gut zur Geltung. Schon der Verlauf des Buches ist recht konfus und ist eher episodenartig gehalten, da Alice einfach immer neuen Figuren begegnet, ein wirklicher roter Faden, ein Ziel ist nicht erkennen. Dieser Eindruck wird hier noch verstärkt, da in den 52 Minuten Laufzeit natürlich einige Passagen aus dem Roman gekürzt werden mussten. Dennoch kann diese Umsetzung des Kinderbuchklassikers überzeugen und mit sowohl drolligen als auch düsteren Szenen abwechslungsreiche Stimmungen schaffen.

Karen Wellmann ist in dieser Umsetzung als Alice zu hören, die die Figur mit robustem Charme ausstattet und mit ihrer neugierigen Art die Figur sehr gut charakterisiert, besonders in den Szenen mit der Herzkönigin kann sie mit ihrer Energie punkten. Hannes Tannert hat als Grinsekatze – in dieser Übersetzung Lachkatze genannt – die wohl populärste Rolle der Geschichte übernommen, er spricht diese auf seine ganz eigene Weise und kann dabei den Charme der Figur nicht so recht treffen. Als Erzähler fungiert Hans Söhnker, der seine Passagen sehr gradlinig vorliegt und einen angenehmen Märchenonkel-Klang hat. Weitere Sprecher sind Hermann Pfeiffer, Hans Mahnke und Edith Heerdegen.

Das Hörspiel hat bereits über 50 Jahre hinter sich, sodass die technischen Mittel natürlich ganz andere waren als heute. Dafür klingen die Dialoge recht klar und auch die Musik, die recht sparsam eingesetzt ist, ist gut abgemischt. Die akustische Gestaltung wird vorrangig durch einige Geräusche bestimmt, die sinnvoll in die Handlung eingebaut sind, aber nicht immer ihren Zweck erfüllen.

Die Gestaltung des für das Label typische Digipack ist sehr ansehnlich gelungen. Vir himmelblauem Hintergrund reckt sich ein stilisierter, schwarzer Baum als zentrales Motiv in die Höhe, dessen Blätter rote Herzen sind. Die Lachkatze grinst darauf sitzend Alice an, die in klassischem Zeichenstil von hinten mit verschränkten Armen zu sehen ist. Im ebenfalls blau gestalteten Innenleben werden einzelne Motive hiervon wiederholt.

Fazit: Einer der klassischen Kinderbücher schlechthin in einer etwas angestaubt wirkenden, aber durchaus netten Hörspielumsetzung. Nicht alle Figuren können hier ihren typischen Charme entfalten, dennoch wird die Welt sehr vielfältig und phantasievoll beschrieben. Der Geist der Vorlage wird auf jeden Fall eingeatmtet.

VÖ: 22.April 2016
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-6861


Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika



Erster Eindruck: Abenteuerliches Afrika

In einer stürmischen Gewitternacht bemerken die Geschwister Joscha und Marie einen dunklen Schatten vor ihrem Fenster, der sich bei näherem Hinsehen als der Rüssel des Elefanten Abuu herausstellt. Dieser ist aus dem Zoo ausgebrochen und will nun nach Afrika um seine Verwandten zu besuchen. Die beiden beschließen, Abuu zu helfen und ihn dorthin zu begleiten. Vorher hinterlassen sie aber natürlich ihren Eltern einen Zettel mit einem Hinweis...

Der WDR ist gerade bei der Produktion von Kinderhörspielen seit einigen Jahren sehr aktiv, auch das Buch mit dem etwas sperrigen, aber niedlichen Titel „ Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika“ von Oliver Scherz wurde von dem Radiosender vertont, eine Kaufversion ist nun bei Silberfisch erschienen. Beschrieben wird dabei die abenteuerliche Reise von Joscha und Marie gemeinsam mit ihrem neuen Freund Abuu, die sie durch ganz unterschiedliche Landschaften führt und mit verschiedenen Tieren in Berührung kommen – und nicht alle davon sind ihnen freundlich gesonnen. Da gibt es Kämpfe zu bestreiten, Prüfungen zu bestehen, das Gegenüber von der eigenen Persönlichkeit zu überzeugen. Und auch die Gegenden reichen von verschneiten Bergen über reißende Flüsse bis hin zu sengenden Wüsten, der Verlauf ist so sehr kurzweilig und abwechslungsreich gelungen. Doch die große Stärke der Geschichte sind die liebenswerten Charaktere und die niedlichen Details, die sich Schwerz erdacht hat: Die wird ein Globus als einzige Orientierungshilfe genommen, Abuu als Schlitten benutzt, aber eben auch eine Menge gelernt. Die vielen eingebauten Lebensweisheiten ergänzen die Geschichte sehr stimmig, zudem lernen die Kinder nebenbei etwas über Flora und Fauna. Sehr phantasievoll und charmant, ein sehr hörenswertes Kinderhörspiel!

Jaro Kaulmann und Lia Danisch machen ihre Sache als Joscha und Marie richtig gut, sie sind mit viel Energie mit dabei und haben hörbar Spaß an der Geschichte, sodass die eine oder andere etwas hölzerne Stelle nicht so sehr ins Gewicht fällt. Alexander Hauff ist als Abuu zu hören, mit viel Charme und einer ausdrucksstarken Sprechweise bringt er die Handlung sehr gut zur Geltung. Erzählerin ist Ulrike Bliefert, die mit einer sanften und einfühlsamen Stimme spricht, in den dramatischeren Szenen aber auch mal etwas lauter werden kann. Weitere Sprecher sind Eva Mannschott, Ursula Wüsthof und Thomas Balou Martin.

Die akustische Umsetzung ist dem WDR sehr gut gelungen, jede Szene ist sehr stimmig umgesetzt worden. Schon das Intro mit der Gewitternacht wirkt düster und ein bisschen bedrohlich, später wird sehr auf die jeweilige Landschaft und die vorkommenden Tiere mit passenden Geräuschen reagiert. Das ist vielfältig und lässt alles sehr lebendig wirken.

Wie üblich wurde das Buchcover auch hier verwendet, allerdings in einer leicht abgewandelten Version. Als Hintergrund wurde nämlich statt dem blassen gelb ein lindgrün gewählt, die Zeichnung von Abuu mit den beiden Kindern – beide noch im Schlafanzug – ist kindgerecht und niedlich. Die restliche Gestaltung ist recht unauffällig und enthält eine knappe Biographie des Autors.

Fazit: Eine phantasievolle Reise durch Europa und Afrika, wobei viele interessante Begegnungen mit Tieren eingebaut sind. Dabei wird es spannend und gefährlich, aber auch werden wichtige Werte vermittelt. Ein liebevolles und unterhaltsames Hörspiel, bei dem sicherlich auch einige Erwachsene gern zuhören werden.

VÖ: 1.Juli 2016
Label: Silberfisch
Bestellnummer: 978-3-86742-308-3


Jane Eyre



Erster Eindruck: Gefühlsbetonter Klassiker

Das Waisenkind Jane Eyre wächst nach dem Tod ihrer Eltern bei Verwandten auf, die jedoch nicht sehr liebevoll mit dem Kind umgehen. Doch ihre Situation verbessert sich auch nicht, als sie in das Waisenhaus Lowood gegeben wird, denn auch hier wird den Kindern keine Wertschätzung entgegengebracht. Doch mit ihrem starken Willen und ihrer Freundin Helen meistert Jane bald ihr Leben und wird sogar Lehrerin in Lowood...

Während aktuelle Romane meist als Hörbücher umgesetzt werden, gibt es für klassische Romane auch häufig Hörspielbearbeitungen. Der Hörverlag hat nun mit „Jane Eyre“ eine Produktion des des SR in Zusammenarbeit mit weiteren Radiostationen als CD-Version veröffentlicht, der auf dem gefühlsbetonten Roman von Charlotte Bronte basiert. Die Handlung begleitet die titelgebende Hauptfigur über weite Teile ihres Lebens, von der Kindheit und Jugend bis hin zur Erwachsenen Frau. Sie ist sehr mutig und stemmt sich gegen das Frauenbild der damaligen Zeit, ist wissensdurstig, liebevoll und freiheitsliebend – eine Kombination, die ihr immer wieder Schwierigkeiten bereitet und vor neue Probleme stellt. Ruhe stellt sich nur selten für Jane ein, aus scheinbar harmonischen Verhältnissen wird sie immer wieder durch äußere Umstände oder die eigene innere Zerrissenheit herausgetrieben. Dabei wächst sie einem schnell ans Herz, man fiebert mit ihr und wünscht ihr, endlich ihr Glück zu finden und halten zu können. Schnell habe ich mich in die Handlung hereingefunden und konnte mich völlig in hineinfallen lassen, habe mitgelitten und mich mitgefreut, habe Jane immer besser kennengelernt, sodass ich die fast vierstündige Produktion sehr kurzweilig empfunden habe.

Sascha Icks ist in der Hauptrolle der erwachsenen Jane Eyre zu hören, die sie mit viel Gefühl umgesetzt hat. Sie beherrscht laute Gefühlsausbrüche ebenso sehr wie leise Zwischentöne, versetzt sich völlig in den Charakter hinein und wächst dem Hörer so schnell ans Herz. Christian Redl hat mir ebenfalls sehr gefallen, trotz seiner manchmal etwas mürrischen Art schafft er einen sympathischen Ausdruck, der bestens in das Ambiente der Geschichte passt. Sylvesther Groth mit seiner tiefen und sonoren Stimme sorgt für viel Ausdruck und eine kraftvolle Art, was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat. Weitere Sprecher sind Angelika Thomas, Dietrich Mattausch und Witta Pohl.

Musikalisch wird das Hörspiel durch sehr prägnante Musik begleitet, wobei besonders eine tragische Blechbläsermelodie heraussticht. Für sich gesehen eine sehr eindringliche Untermalung, diese wird aber leider auch in unpassenden, eher fröhlichen Situationen eingesetzt. Zudem ist die Musik manchmal deutlich zu laut gestellt, sodass die Dialoge in den Hintergrund gedrängt werden und so eine gewisse Disharmonie entsteht.

Das Cover kehrt sich völlig von den Buchausgaben ab und wirkt sehr modern, sehr Titel ist in recht verschnörkelter Schrift in den Mittelpunkt gerückt, umgeben von ornamentartig angeordneten Blättern, die sich kreisförmig darumlegen. Die lindgrünen Töne des Cover erzeugen einen romantischen Ausdruck, der sehr gut zur Atmosphäre des Hörspiels passt. Im Inneren sind die wichtigsten Produktionsinformationen zusammengefasst.

Fazit: Die Geschichte ist wunderschön und lebendig, die Charaktere wachsen einem schnell ans Herz und man fiebert mit ihnen mit. So wird jeder Abschnitt aus Janes Leben mit vielen Emotionen umgesetzt, der kurzweilige Verlauf wird durch die ausdrucksstarken Sprecher noch unterstrichen, nur die Musik wirkt nicht immer passend.

VÖ: 25.Januar 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2067-5


The Cruise – Staffel 2



Erster Eindruck: Das Spiel geht weiter...

Das tödliche Spiel auf der Princess of Wales läuft, und obwohl der Initiator des Ganzen enttarnt wurden, hat dieser nichts von seiner Gefährlichkeit verloren. Denn das Spiel läuft gnadenlos weiter. und während das Kreuzfahrtschiff auf einige riesige Katastrophe zusteuert, müssen sich die Protagonisten mit ihrer mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen...

Mit der ersten Staffel von „The Cruise“ hat der WDR in Schwarze getroffen und eine der spannendsten Produktionen des Jahres vorgelegt. Die CD-Veröffentlichung der zweiten Staffel ist dabei glücklicherweise gleichzeitig mit der ersten erschienen – was wegen des heftigen Cliffhangers sehr zu begrüßen ist. Natürlich werden die bisherigen Ereignisse fortgeführt, wobei die unheimlichen Vorgänge auf dem Kreuzfahrtschiff eher in den Hintergrund rücken. Dafür werden die Charaktere noch schärfer gezeichnet, bekommen noch deutlichere Konturen – mal durch die Extremsituationen in die sie geraten, mal durch Rückblicke in ihre Vergangenheit, mit der sie konfrontiert werden. Doch auch andere Handlungselemente spielen herein, die die Hintergründe aufklären und dynamische Wechsel erzeugen. Und wieder wird äußerst kreativ mit der Grundsituation umgegangen, denn die Handlung führt in eine ganz andere Richtung als anfangs vermutet. Die Protagonisten kommen dabei in einer sehr ungewöhnlichen Umgebung an, die ebenfalls einige Geheimnisse birgt. Das Finale ist – fast schon erwartungsgemäß – sehr explosiv und eindrucksvoll gelungen, doch auch danach lässt die Spannungskurve nicht nach, sondern legt noch eine ordentliche Schippe nach. Wieder ist mir ab und an der Atmen gestockt, wieder ist die Handlung wendungsreich und unerwartet, wieder sind die Charaktere äußerst facettenreich gestaltet, wieder ist die Umsetzung des Drehbuches auf allen Ebenen bestens gelungen.

Tobias Meister ist als Thomas Jefferson Cleary zu hören und setzt dabei den positiven Eindruck der ersten Staffel nahtlos fort, seine Stimme wirkt sehr präsent und hart, sodass ein sehr gelungener Charakter entstanden ist. Lutz Mackensy hat als Dr. Montgomery eine Schlüsselrolle und wirkt sehr undurchsichtig, lässt seine Stimme auf dem sehr schmalen Grad zwischen Freundlichkeit und einem bedrohlichen Unterton wandern – hervorragend! Auch Barbara Auer hat mir als June sehr gut gefallen, sie spricht sehr dynamisch und kann in den unterschiedlichen Situationen immer sehr glaubhaft wirken. Weitere Sprecher sind Christoph Maria Herbst, Marie Bierstedt und Jens Riewa.

Auch akustisch bin ich wieder begeitert, hier passt alles sehr stimmig zusammen, sodass die Handlung optimal ausgeleuchtet wird. Dafür sorgen zahlreiche opulente Musikstücke, die die jeweilige Stimmung unterstützen, sich aber nie zu sehr in den Vordergrund drängen. Auch die Geräuschkulisse hat mir sehr zugesagt, diese ist lebendig geraten und wird mit viel Energie eingebaut. Wieder gibt es auch kleine Einschübe, die nichts mit der Handlung direkt zu tun haben, aber die Stimmung gekonnt vorantreiben.

Das Cover ist mit dem zur ersten Staffel fast identisch, nur die Einfärbung wurde geringfügig geändert. Dabei hätte es hier genügend andere Themen gegeben, die hätten abgebildet werden können, da die Handlung sich thematisch von der Kreuzfahrt entfernt. Im Inneren sind wieder die wichtigsten Produktionsinformationen, insbesondere die lange Sprecherliste zu finden.

Fazit: Die sehr frisch und unverbraucht wirkende Serie setzt in ihrer zweiten Staffel wieder ganz neue Akzente, wendet sich von der reinen Kreuzfahrt ab und präsentiert neben der fortlaufenden Handlung auch Rückblicke und ergänzende Nebenarme, was wieder sehr spannend und dramatisch umgesetzt wurde. Sehr zu empfehlen!

VÖ: 17.Juni 2016
Label: Folgenreich
Bestellnummer: 0602547790729


Das kleine Gespenst – Tohuwabohu auf Burg Eulenstein



Erster Eindruck: Neues Abenteuer mit putzigen Details

Wie jede Nacht erwacht das kleine Gespenst von Burg Eulenstein um Punkt Mitternacht und trifft sich mit seinem Freund, dem Uhu Schuhu. Dieser berichtet ihm, dass das Burgmuseum umgestaltet wurde – und das muss sich das kleine Gespenst natürlich anschauen. Dabei gerät es so in Aufruhr, dass es ein ziemliches Chaos anrichtet – was den Burgverwalter Finsterwalder nicht gerade erfreut...

50 Jahre, nachdem erstmals das wundervolle Kinderbuch „Das kleine Gespenst“ aus der Feder von Otfried Preußler erschienen ist, gibt es eine neue Geschichte von Burg Eulenstein, die Preußlers Tochter ursprünglich als Bilderbuch konzipiert hat. Ähnlich wie beim „kleinen Wassermann“ wurde diese Geschichte auch vom Audio Verlag als Hörspiel umgesetzt, welches mit seiner Laufzeit von etwa 45 Minuten auch für die ganz kleinen Hörer gedacht ist. So gibt es anfangs eine Einführung in die Thematik, die sehr an der ursprünglichen Formulierung von Preußler angelehnt ist und gleich eine liebevolle Aura erschafft. Die staubige Dachkammer der Burg, der nächtliche Weg zu Uhu Schuhu, als neues Element einige aufgeweckte Fledermäuse, die eine humorvolle Komponente einbringen – der Einstieg gelingt kindgerecht und locker. Die eigentliche Handlung beginnt dann mit dem Besuch im neu gestalteten Burgmuseum, dies ist sehr atmosphärisch gelungen und enthält einige sehr putzig erdachte Details, die Kinder jedoch nicht überfordern. Besonders gut gefällt mir, dass es wieder einen Bezug zu Thorsten Thorstenson gibt und die Vergangenheit der Burg auflebt. Auch der spätere Versuch des Burgverwalters, das kleine Gespenst zu vertreiben, ist spannend und liebevoll erzählt, was nicht nur an dem kleinen Sprachfehler des Mannes liegt. Eine kindgerecht erzählte und sehr unterhaltsame Geschichte aus der Welt von Preußler, die mir sehr gut gefallen hat.

Anna Thalbach, die dem kleinen Gespenst bereits vor einigen Jahren in einer Neuvertonung die Stimme geliehen hat, ist auch hier in der Titelrolle zu hören. Sie hat hörbaren Spaß daran, mit ihrer kratzigen Stimme das freche Gespenst zum Leben zu erwecken und sich durch die Handlung zu spuken. Auch Santiago Ziesmer macht mit seinem speziellen Klang einen sehr guten Eindruck als gutmütiger Uhu Schuhu, der die Geschichte auch erzählt. Auch Hans-Jürgen Schatz und Erich Räuker sind in weiteren Rollen zu hören.

Die Umsetzung als Hörspiel ist dem Audio Verlag äußerst gut gelungen, da eine lebendige Atmosphäre geschaffen wurde, die die zuhörenden Kinder jedoch nicht überfordert. Besonders die eingebauten Lieder sind dabei sehr liebevoll eingespielt worden, sie sind richtige Ohrwürmer und können mit den witzigen Texten für zusätzliche Lacher sorgern.

Das Cover ist der Buchvorlage entnommen und zeigt das kleine Gespenst in einer etwas modernen Version. Weiß leuchtend und mit seinem Schlüsselbund in der Hand schwebt es am nächtlichen Himmel über Burg Eulenstein. Das ist wirklich sehr niedlich gelungen und vermittelt zudem eine schaurige Atmosphäre. Auch bei der restlichen Gestaltung sind immer wieder Zeichnungen aus dem Bilderbuch eingebaut.

Fazit: Schön, wie die bekannte Geschichte etwas reduziert wurde und so auch kleinere Kinder den Abenteuern des kleinen Gespentes lauschen können. Die vielen liebevollen Details, der kurzweilige Verlauf und die toll gesprochenen Charaktere lassen eine gelungene Fortsetzung entstehen, die Otfried Preußlers Werk gerecht wird.

VÖ: 19.Februar 2016
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-689-2


Igraine Ohnefurcht - Das Hörspiel



Erster Eindruck: Abenteuerliche Reise im Mittelalter

Igraine wächst auf Burg Bibernell auf, doch ihre Eltern und ihr Bruder beschäftigen sich lieber mit der Zauberei als mit Rittern und Abenteuern. Doch versehentlich verzaubern sich ihre Eltern in Schweine, sodass die alte Burg nicht vor Feinden geschützt werden kann. Endlich bietet sich für Igraine Ohnefurcht die Möglichkeit, ein Abenteuer zu bestehen, denn für den Gegenzauber benötigen die Eltern eine ganz besondere Zutat...

Nach der Buchvorlage und der Hörbuchversion ist von „Igraine Ohnefurcht“, dem neuen Kinderbuch von Cornelia Funke, nun mit dem zugehörigen Hörspiel die dritte Version erschienen – fast wie selbstverständlich bei der erfolgreichen Autorin bei Oetinger Audio. Die Ritterzeit, die von so vielen Kindern als abenteuerlich und faszinierend empfunden wird, wird durch einige sehr gelungene Elemente angereichert. Besonders die Zauberei übt großen Einfluss auf die Handlung aus, niedliche sprechende Zauberbücher und diverse magische Wesen sorgen immer wieder für lustige oder spannende Momente. Viel wesentlicher für die Stimmung ist aber das große Abenteuer, das Igraine bestehen muss. Durch ihre wilde und mutige Art wächst sie dem Hörer schnell ans Herz, unerschrocken stellt sie sich so einigen Gefahren entgegen – und besteht diese manchmal nur knapp. Das bringt viel Dynamik mit sich, zumal die Idee einer weiblichen, jungen Heldin in der Ritterzeit nicht allzu selbstverständlich ist. Ich mag die vielen witzigen Momente und das spannende Finale besonders, aber die gesamte Geschichte zeugt wieder von Funkes großem Einfallsreichtum und ihrem Hang zu klaren, gradlinigen Kindergeschichten.

Die Sprecherauswahl ist sehr gut gelungen, jede Figur bekommt eine ausdrucksstarke und passende Stimme verliehen. Den Großteil übernimmt Laura Maire als Igraine Ohnefurcht, sie legt viel Leidenschaft in ihren Klang und bringt die Hauptfigur sehr lebendig herüber. Rainer Strecker ist als trauriger Ritter zu hören, er klingt wie sein Name schon vermuten lässt eher niedergeschlagen und ängstlich, kann aber auch andere Seiten von sich zeigen. Die wunderare Cathlen Gawlich ist als Melisande zu hören, ihre prägnante Stimme kommt auch hier wieder sehr gut zur Geltung. Weitere Sprecher sind Felix von Mannteuffel, Peter Kirchberger und Monty Arnold.

Die akustische Umsetzung ist vielfältig und sehr passend gelungen, der abenteuerliche Charakter wird dabei unterstrichen. Dafür sorgen einige eindrucksvolle Melodien, die an das Mittelalter erinnern und doch recht zeitgemäß wirken. Die Geräusche sind zahlreich und treffend eingefügt, und auch einige Stimmverzerreffekte sorgen für gelungene Momente – insbesondere bei den witzigen sprechenden Büchern.

Natürlich wurde hier das Buchcover auch für die Hörspielversion genutzt, wobei zur besseren Unterscheidung zum Hörbuch ein entsprechender Aufdruck vorhanden ist. Die schlichte Zeichnung zeigt Igraine in voller Rüstung nebst einigen weiteren Motiven aus dem Hörspiel. Die übrige Gestaltung ist wie immer bei diesem Verlag übersichtlich geraten, wobei im Inneren eine kurze Biographie über die Autorin zu lesen ist.

Fazit: Eine weibliche Heldin in der Ritterzeit, unerschrocken und unangepasst – eine wunderbare Vorstellung, die Cornelia Funke in eine sehr lebendige und aufregende Geschichte gefasst hat. Die liebevolle und vielseitige Umsetzung als Hörspiel ist ebenso gelungen, sodass alles wie aus einem Guss und sehr eingängig wirkt.

VÖ: 21.März 2016
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0588-3


Pippi Langstrumpf – Die große Hörspielbox



Erster Eindruck: Liebevolle Umsetzungen des Klassikers

Für Annika und ihren Bruder Tommy ist es ziemlich langweilig in der schwedischen Kleinstadt, jedenfalls bis ins Nachbarhaus Pippi Langstumpf einzieht, ein ziemlich freches und unkonventionelles Mädchen, das allerlei Flausen im Kopf hat. Und so schüttelt nicht nur bald die Nachbarschaft den Kopf über die Bewohnerin der Villa Kunterbunt, sondern auch die Lehrerin, der Besitzer eines Ladens und die Verwandschaft von Annika und Tommy...

Pippi Langstrumpf übt auch heute noch eine große Faszination aus, nicht nur Kinder schätzen die lustigen Abenteuer des rothaarigen Mädchens, sie ist mittlerweile fast zu einer Ikone geworden, die sich über gesellschaftliche Konventionen hinwegsetzt . Oetinger Audio hat in den letzten Jahren die Geschichten aus der Feder von Astrid Lindgren neu vertont und nun auch zusammen in einer dicken Hörspielbox veröffentlicht, die alle drei Bände der schwedischen Autorin enthält. Dabei sind die Geschichten episodenhaft erzählt, was sehr abwechslungsreich daher kommt und sich auch zum „Zwischendurch-Hören“ eignet. Dabei wird der große Humor aus der wunderbaren Figur der Pippi Langstrumpf gezogen, die immer wieder sehr schräge Einfälle hat, sich auch von Erwachsenen nichts sagen lässt und für alles ihren ganz eigenen Weg findet. Die Umsetzung als Hörspiel ist Oetinger Audio dabei eher sanft gelungen, die Geschichten bekommen eine zauberhafte, sehr leichte Ausstrahlung und entfalten so einen ganz eigenen Reiz als beispielsweise die eher rauen Verfilmungen. Ein interessanter Ansatz, der gelungen und mit viel Liebe fortgeführt wurde.

Laura Maire ist als Pippi Langstrumpf zu hören, die ihren sanften Grundton gekonnt variiert und das unkonventionelle Mädchen immer wieder anders, neu und aufregend umsetzen kann. Lea Sprick macht ihre Sache als Annika ebenfalls sehr gekonnt, die Zurückhaltung und die Ängstlichkeit der Figur kommen dabei gut zur Geltung. Flemming Stein ist als Tommy eine ebenso gute Wahl, er spricht seine Rolle souverän und ohne den Fokus von der Hauptfigur zu nehmen. Weitere Sprecher sind Peter Fricke, Marion Elskis und Pia Werfel.

Die Musik stammt von Dieter Faber und Frank Oberpichler, die hübsch melodiöse Stücke verwendet haben, sodass eine sehr angenehme Grundstimmung entsteht. Geräusche wurden recht wenige eingefügt, diese sind aber treffsicher und verleihen den Geschichten zusätzliche Stimmung. Der Fokus liegt aber während der gesamten Produktion aus den Dialogen und den wunderbaren Sprechern.

Die sechs CD befinden sich in einer dicken, mehrfach aufklappbaren Plastikhülle, die recht schlicht gestaltet ist. Das beiliegende Booklet enthält alle notwendigen Informationen und einen kurzen Text über Astrid Lindgren. Umgeben ist das Ganze von einem Pappschuber, der einige Zeichnungen der Einzel-CDs enhält und mit der knallorangen Farbgebung sofort ins Auge sticht.

Fazit: Pippis Geschichten machen einfach nur Spaß, immer wieder lässt es sich über ihre kreativen Einfälle und die witzigen Szenen herzlich lachen. Die Umsetzung ist sehr liebevoll gelungen und zeigt die drei Bücher von Lindgren in einem recht sanften Kontext, wobei die Charaktere sehr gut zur Geltung kommen. Sehr hörenswert!

VÖ: 25.Januar 2016
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0933-1


Robinson Crusoe



Erster Eindruck: Klassiker in kindgerechter Umsetzung

Schon als Kind hat Robinson Crusoe von der Seefahrt geträumt. Doch bei seinem ersten Trip auf einem Segelboot tobt ein fürchterliches Unwetter, dasss das Schiff kentern lässt. Gemeinsam mit dem Schiffshund und einer Katze wird Crusoe als einziger Überlebender an den Strand einer einsamen Insel gespült – und muss sich fortan in der Wildnis behaupten...

Von Daniel Defoes Roman über den gestrandeten Robinson Crusoe hat wohl schon jeder etwas gehört, er ist zu einem echten Klassiker geworden. Deutschlandradio Kultur hat hierzu ein Hörspiel produziert, das sich vorrangig an Kinder richtet – und damit bestens in die Reihe mit dem weißen Rücken des Audio Verlages passt. Der Start ist dabei im Schnelldurchlauf erzählt, sodass man schon recht bald nach dem Start gemeinsam mit Robinson auf der Insel strandet. Sehr gut gelungen ist dabei, wie es geschafft wurde, die Geschichte nicht als Monolog zu erzählen: Robinson hat mit Hund, Katze und Papagei gleich drei Tiere an seiner Seite, die sprechen können und sich mit dem Gestrandeten unterhalten, die kleinen und großen Probleme thematisieren, ihm die Zeit vertreiben. Später kommt natürlich noch Freitag hinzu, der nicht nur ein Gefährte ist, sondern auch ganz andere Sichtweisen erlaubt – beispielsweise in einem sehr gelungenen Gespräch über Religion. Das Ende ist versöhnlich, was bei einem Kinderhörspiel natürlich besonders wichtig ist. Die Produzenten haben es geschafft, die dem Roman Schärfe zu nehmen, die Handlung zu straffen und dennoch die wesentlichen Elemente zu behalten, sodass mit diesem gelungenen Hörspiel auch schon Kinder in die Welt auf der einsamen Insel eintauchen können.

Tonio Arango ist in der Hauptrolle als Robinson zu hören, wobei er nicht nur Dialoge, sondern auch Erzähltexte übernimmt. Er spricht mit einer überzeugenden Selbstverständlichkeit, mit einem positiven Gemüt und mit einer kraftvollen Stimme, sodass seine Rolle wirklich gut zur Geltung kommt. Roman Knizka ist als Freitag zu hören, mit treffendem, nie überzogen wirkendem Akzent und ausdrucksvollem Klang ist er nicht nur bloßer Sidekick, sondern ein interessanter und ernstzunehmender Gegenpart. Katrin Wehlisch hat mit als Katze Moll ebenfalls gut gefallen, sie spielt sehr abwechslungsreich und bringt viel Leben in die Handlung. Die übrigen Rollen übernehmen Axel Wandtke, Nico Holonics, Hans Teuscher und Michael Hanemann.

Akustisch wurde eine sehr stimmige Atmosphäre erzeugt, die die unterschiedlichen Szenen sehr stimmig umsetzt. Zu Anfang wird mit passender Musik ein wenig Seefahrerattitüde erzeugt, später wird dann eher auf Hintergrundgeräusche gesetzt, die das einsame Dasein auf der Insel mit Leben füllen. Das ist alles sehr stimmig umgesetzt und bringt die Geschichte kindgerecht rüber.

Im witzigen Comicstil ist das Cover gehalten, Robinson sitzt darauf samt Fernrohr auf seiner Insel, die mit viel Vegetation und dem Sandstrand recht idyllisch wirkt. Auch die drei Tiere sind zu sehen, Papagei Poll deutet mit seinem Flügel auf ein in der Ferne segelndes Schiff – das ist ansprechend und passt zudem gut in die hübsche Covergalerie der Reihe.

Fazit: Defoes Roman wurde hier auf das Wesentliche heruntergebrochen ohne seinen Charakter zu verlieren. Kinder werden mit sprechenden Tieren und einer entschärften Handlung bei Laune gehalten, wobei sogar einige philosophische Ansätze sinnvoll eingebunden sind. Das ist unterhaltsam umgesetzt und macht viel Spaß!

VÖ: 22.Januar 2016
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-659-5


Metamorphosen – erzählt nach den Geschichten des Ovid



Erster Eindruck: Ausflug zu den alten Römern

In längst vergangener Zeit hatten die Götter noch starken Einfluss auf das Leben der Menschen, sie gaben ihnen Aufgaben, stellten sich ihnen in den Weg oder zeugen sogar Nachfahren mit ihnen. Und so lernt der eigensinnige König Midas, dass nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen sollten, Theseus erkundet ein undurchdringliches Labyrinth und Perseus sucht nach den mächtigen Gorgonen...

Auch heute noch sind die Menschen von den alten Göttern fasziniert, die Heldensagen der Griechen und Römer finden weiterhin große Verbreitung. Und so hat sich der WDR dem Werk von Ovid angenommen und als Hörspiel umgesetzt, das sich wohl vorrangig an Erwachsene richtet, dem auch Kinder lauschen können. Ovid hat die vielen einzelnen Sagen zu einem gesamten Werk zusammengefasst, sie in Kontext gesetzt. Dies wurde vom Autor Karlheinz Koinegg in fünf Hörspiele unterteilt, die jeweils einen ganz eigenen Ausdruck haben: Während im ersten Teil König Midas vorrangig den Erzählungen des Waldgeiset Silenus lauscht und erst am Ende „seine“ Geschichte erzählt wird, ist die Handlung um Perseus nicht in Episoden, sondern fortlaufend erzählt. Dabei begegnen dem Hörer viele bekannte Gestalten – Dädalus und Ikarus, der Minotaurus, Charon – aber auch einige eher unbekannte Geschichten werden dabei erzählt, sodass eine sehr gelungene Mischung gelungen ist. Das ist mystisch, manchmal spannend, aber immer sehr unterhaltsam gelungen, wobei besonders die Auftritte der Götter selbst bleibenden Eindruck hinterlassen – diese sind eher rar gesät und bekommen dadurch besondere Bedeutung. Und natürlich steckt immer ein wenig Moral in den Geschichten, mal offensichtlich, mal eher im Verborgenen. Unglücklich ist jedoch, dass gerade die erste Geschichte recht blutrünstig ist und Kinder eventuell eher abgeschreckt werden.

Eine Vielzahl unterschiedlicher Sprecher ist hier vertreten, auch der Erzähler wurde für jede der Folgen ausgetauscht. Doch allesamt machen ihre Sache ganz hervorragend und sehr individuell: der lebendig wirkende Torben Kessler, die wundervolle Irm Hermann mit ihrem knarzigen Klang, der vielseitige Stefan Kaminski, Henning Nöhren, der gleichsam die Hauptrolle des Perseus spricht und sehr intensiv klingt. Yvon Jansen hat mich als Minerva sehr beeindruckt, in ihren kurzen Szenen kann sie einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen und setzt mit ihrer Stimme gekonnte Akzente. Ernst-August Schepmann übernimmt die Rolle des Waldgeistes Silenus, den er mit einem sehr warmen und weisen Unterton versieht. Andreas Pietschmann ist als Orpheus zu hören, den er ebenso verträumt wie verzweifelt und kämpferisch klingen lassen kann.

Auch Regisseure und Musiker wurden für jede Folge individuell ausgesucht, sodass keines der Hörspiele genau wie das andere klingt, überall gibt es etwas anderes zu entdecken. Doch überall sind die Geräusche sehr stimmig eingefügt, sie lassen die Szenen lebendig und greifbar erscheinen, betonen eindrucksvoll den Auftritt eines Gottes oder geben sanft eine Wald- und Wiesenstimmung wieder. Auch die Musik folgt keinem einheitlichen Bild, ist man verträumt und mystisch, mal kraftvoll und drängend, aber immer mit klassischen Elementen sehr stimmig eingefügt.

Die immerhin vier CDs befinden sich in einer dicken Plastikhülle, die mit einer antik wirkenden Zeichnung des Minotaurus versehen ist – schwarz und mit gelbem, kreisförmigen Hintergrund. Angedeutet dahinter ist eine Landkarte, die sehr passend dazu wirkt. Zudem liegt ein umfangreiches Booklet bei, das neben Informationen zu den Produktionen und einigen Sprechern auch die Entstehung der Geschichten thematisiert und die römischen Hauptgötter sowie einige andere Sagengestalten erklärt. Schade nur, dass nicht für jede Folge eine eigene CD eingesetzt wurde, so sind einige Geschichten auseinandergerissen worden.

Fazit: Dass die römischen Legenden immer noch spannend sind und erzählenswert sind, beweist diese Sammlung unterschiedlicher Geschichten. Die Idee, überall andere Produzenten einzusetzen, geht auf und sorgt für einen sehr lebendigen Eindruck. Das ist sehr kurzweilig erzählt und transportiert die Geschichten in einen flüssigen Verlauf.

VÖ: 20.Juni 2016
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2139-9


Der Orientzyklus



Erster Eindruck: Gelungene Hörspielfassung des Klassikers

Gemeinsam mit seinem Führer Hadschi Halef Omar bereits der junge Deutsche Kara Ben Nemsi die Wüste Tunesiens, wo sie die Leiche einer wohlhabenden Kaufmannsgattin finden. Sie nehmen die Spur der Mörder auf und begeben sich dabei in ein gefährliches Abenteuer – nicht ihr letztes, denn Kar Ben Nemsi bereits große Teile des Orients und stößt dabei auf immer neue Widrigkeiten...

Karl May hat auch heute, über 100 Jahre nach seinem Tod, noch seine Spuren hinterlassen, immer neue Leser seiner abenteuerlichen Werke erfreuen sich an seinen Erzählungen. Aus diesem Grund hat der WDR im Jahr 2007 seinen berühmten Orientzyklus – das nach den Geschichten um Winnetou und Old Shatterhand wohl wichtigste Werk des Autors – als aufwändiges Hörspiel mit über 140 Sprechern umgesetzt. Eine Kaufversion des mehrstündigen Spektakels ist beim Hörverlag erhältlich. Dabei wurden notwendigerweise die Vorlagen des Autoren gekürzt, was den Geschichten aber viel Dynamik verleiht, die Handlung strafft und langwierige Passagen verkürzt, ohne den Grundgedanken zu verfälschen. Das hat mir sehr gut gefallen und lässt das Werk eine Spur moderner wirken. Die klassische Abenteuergeschichte zeichnet über verschiedene, fast episodenartige Abschnitte die Reise von Kara Ben Nemsi nach, sodass fast jede Folge ihren eigenen Charme, ihre eigene Ausstrahlung hat. Dass die Hauptfigur dabei als strahlender und gerechter Held dasteht, ist wohl dem Genre geschuldet, das zu dieser Zeit noch keine allzu differenzierte Darstellung der Charaktere kannte. Die Geschichten sind spannend erzählt und entführen den Hörer schnell zu exotischen Plätzen, zu starken Charakteren und enthalten viele ausdrucksstarke Szenen. Dabei gibt es auch einige Geschichten, die mich nicht völlig begeistern konnten. Hinzugefügt wurde noch eine kleine Rahmenhandlung, die jeweils als Introszene dient und eine Gerichtsverhandlung mit dem Autor selbst beinhaltet. Dieses ist eine durchaus reizvolle Ergänzung, insgesamt ist eine hörenswerte und kurzweilige Umsetzung der Handlung gelungen.

Unglaubliche sechs Seiten im Booklet werden allein für die Auflistung der Sprecher und ihrer Rollen verwendet, viele namhafte Schauspieler sind hier zu hören, unter anderem Felix von Mannteuffel, Hans Peter Hallwachs und Udo Schenk. In der Hauptrolle des Kara Ben Nemsi ist Sylvester Groth zu hören, der den Reisenden sehr abenteuerlustig und voller Elan spricht. Durch seine sympathische und gradlinige Art wird er zu einem guten Mittelpunkt der Handlung, schnell fiebert man mit ihm mit. Sein treuer Freund Hadschi Halef Omar wird von Matthias Koeberlin gesprochen, dessen markante Stimme und eingängiger Rhythmus sehr gelungen ist. Rufus Beck kann als Sir David Lindsay wieder eine weitere Facette seines Könnens zeigen und bewegt sich auch in diesem Genre sehr sicher und überzeugend.

Die akustische Umsetzung des WDR ist sehr aufwändig, wobei besonders die Geräuschkulisse viel zum Gelingen der Handlung beiträgt. Durch vielfältige Sounds fühlt man sich mitten in die jeweilige Situation versetzt, die so sehr lebendig wirkt. Doch auch Musik kommt immer wieder vor, eingespielt mit klassischen Instrumenten und sehr dynamisch und mitreißend gestaltet bietet sie einen gelungenen Mix aus Nostalgie und deren moderne Interpretation.

Es braucht zwei dicke CD-Hüllen aus Plastik, die sich mehrfach ausklappen lassen, um die 12 CDs zu fassen. Deren Gestaltung ist recht klassisch und mit bekannten Motive der Biuchauflage geschmückt, während der die beiden Hüllen umgebende Pappschuber etwas wackelig wirkt. In Booklet gibt es kleinere Informationstexte zur Entstehung der Produktion.

Fazit: Die behutsame Anpassung des Geschichtenzyklus an das Medium Hörspiel ist gerade wegen der Straffung der Handlung sehr gut gelungen, sodass die Geschichte komprimierter und recht spannend wirkt. Die kurzweilige Interpretation und die vielen engagierten Sprecher machen dieses Hörspiel zu einem echten Leckerbissen, das eine kurzweilige Umsetzung der Geschichten bietet.

VÖ: 5.August 2009
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-445-9


Die vierzig Tage des Musa Dagh



Erster Eindruck: Erinnerung an einen Völkermord

Gabriel Bagradian kehrt zusammen mit seiner Familie in sein Heimatdorf zurück, das am Fuße des Berges Musa Dagh in Armenien liegt. Doch der erste Weltkrieg steht kurz bevor, die Stimmung ist aufgeladen, und plötzlich kann die kleine Familie nicht mehr weiterreisen. Und Gabriels Befürchtungen werden wahr, bald werden die Bewohner des Dorfes eingekesselt und müssen Unterschlupf auf dem nahe gelegenen Berg suchen...

„Die vierzig Tage des Musa Dagh“ von Franz Werfel beschreibt in einer eindringlichen Geschichte den Völkermord an den Armeniern, der sich 2015 zum 100. mal jährt. Aus diesem Grud haben SWR, HR und NDR gemeinsam ein Hörspiel zu der Buchvorlage produziert, das nun auch beim Hörverlag als Kaufversion erhältlich ist. Die sich langsam entwickelnde Geschichte ist anspruchsvoll in Szene gesetzt worden und setzt den Fokus auf den Erzähler, der im Fortlauf der Handlung als roter Faden dient. Dabei hilft es ungemein, wenn man die Buchvorlage bereits kennt, denn die Handlung ist stark auf das Wesentliche verknappt, sodass viele Zusammenhänge im Unklaren bleiben, das Hörspiel bekommt etwas fragmenthaftes. Dennoch kann man auch so folgen, benötigt dann aber viel Aufmerksamkeit und Konzentration. Einfache Kost ist „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ nun wahrlich nicht, aber die sehr intensive Szenerie und die dramatischen Entwicklungen lohnen und machen das Hörspiel sehr hörenswert. Die schrecklichen Folgen des Krieges, die Unterdrückung eines Ganzen Volkes, grausame Morde – im Gegensatz dazu auch Zusammenhalt, tiefgehende Liebe und Aufopferung sind hier Themen und Leitmotive, die die historischen Entwicklungen begleiten und am sehr eindringlichen Beispiel des Gabriel Bagradian festmachen, aber auch andere Figuren sehr gelungen ausleuchten und facettenreich darstellen. Die bildhafte Sprache weiß dabei zu gefallen und setzt die Geschichte noch prägnanter in Szene.

Sebastian Blomberg ist als Erzähler eingesetzt und übernimmt dabei weite Teile des Hörspiels. Seine sehr markante, aber auch einfühlsame Stimme kann die Handlung in ganz verschiedenen Farben leuchten damit sehr gut wirken lassen. Alexander Fehling spricht Gabriel Bagradian mit einer sehr präzisen Sprechweise und einem Gespür für das richtige Timing, sodass seine Figur nicht nur glaubhaft, sondern auch sehr treffend und tiefgreifend umgesetzt wurde. Auch Vincent Leittersdorf kann als Ter Haigasun vollkommen überzeugen, mit einer gelungenen Betonung und viel Ausdruck in seiner Stimme passt er sehr gut in die Atmosphäre des Hörspiels. Weitere Sprecher sind Stefan Viering, Valery Tscheplanowa und Christian Grashof.

Die Übertragung des Buches in das Medium Hörspiel ist dezent und unaufdringlich, kann aber mit zahlreichen sehr stimmigen Melodien die Atmosphäre unterstützen. Auch die Geräusche sind sehr gelungen eingefügt und unterstreichen einige Szenen, wobei die Sprecher und ihre Dialoge niemals überdeckt werden und so unangefochten im Mittelpunkt stehen.

Der Hörverlag hat sich hier für ein sehr schlichtes Cover entschieden, der schwarze Hintergrund wird mit großen weißen Lettern und einigen roten Absetzungen in Szene gesetzt, was zusammen stimmig wirkt. Neben einigen Fotos von Sprechern auf der Rückseite liegt dem stabilen Digipack noch ein Booklet bei, das weitere Hintergrundinformationen zu dem fast dreistündigen Hörspiel enthält.

Fazit: Ein sehr eindringliches Hörspiel über ein schreckliches Verbrechen an einem ganzen Volk, über Krieg und Angst, aber auch über Zusammenhalt und Aufopferung. Das ist mit sehr ausdrucksstarken Sprechern und einer gelungenen Untermalung umgesetzt, wirkt aber wegen der starken Kürzung etwas mosaikstückhaft.

VÖ: 14.April 2015
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1829-0

 

 

Die grosse Abenteuer-Hörspiel-Kiste



Erster Eindruck: Fünf Literaturklassiker in stimmigen Umsetzungen

Oliver Twist wächst in einem Waisenhaus auf, ist dort aber alles andere als glücklich. Er beschließt, nach London zu gehen und gerät dort an den zwielichtigen Fagin... (Oliver Twist)
Das Schiff, auf dem auch Robinson Crusoe reist, erleidet Schiffbruch. Der Engländer strandet allein auf einer verlassenen Insel und beginnt, sich dort ein Leben aufzubauen... (Robinson Crusoe)
D'Artagnan ist ein ziemlicher Hitzkopf und legt sich an einem Tag gleich mit mehreren Männern an, die ihn zu einem Duell herausfordern. Doch sein Mut überrascht, sodass er bald bei den Musketieren aufgenommen wird (Die drei Musketiere)
Jim Hawkins findet eine geheimnisvolle Schatzkarte und wittert ein besseres Leben für den Gasthof seiner Mutter. Doch dort tummeln sich allerlei merkwürdige Gestalten, und bald geht Jim selbst an Deck eines Schiffes... (Die Schatzinsel)
Huckleberry Finn und sein Freund, der entflohene Sklave Jim, wollen eigentlich nur das süße Leben genießen, doch allerlei Querelen machen ihnen immer wieder einen Strich durch die Rechnung... (Huckleberry Finn)

In den Jahren 2002 bis 2005 hat der Hörverlag einige Klassiker der Literatur neu vertont, fünf von Ihnen sind zusammen auch in der „grossen Abenteuer-Hörspiel-Kiste“ erschienen. Die Auswahl ist sehr gut gelungen und richtet sich mit seinen Geschichten an ältere Schulkinder und Erwachsene, die in gelungenen Umsetzungen präsentiert werden.
„Oliver Twist“ überzeugt dabei mit seiner anrührenden Geschichte und den schrecklichen Umständen von Waisenkindern im 19. Jahrhundert, die fast überall schlecht behandelt und sogar zum Diebstahl gezwungen wurden. Mit seiner aufrichtigen und gutgläubigen Art findet Oliver Twist über mehrere Umwege jedoch doch noch Erwachsene, die es gut mit ihm meinen. Die Handlung ist hier flüssig und ohne Längen erzählt, die Wendungen sind gut betont und der Ausdruck dank des Happy Ends sehr warmherzig.
„Robinson Crusoe“ ist wohl den meisten ein Begriff, doch wie seine gesamte Geschichte abseits des Gestrandetseins verläuft sind unbedingt bekannt. Genau darauf wirft diese Umsetzung ihr Hauptaugenmerk, aber auch sein Leben auf der Insel wird lebendig und eingängig beschrieben. Nur ab und an schleichen sich kleinere Längen in die Handlung ein, in denen sich die Geschichte zu wenig voranbewegt.
Auch die erlebnisreiche Geschichte der „drei Musketiere“ und ihrem neuen Kameraden D'Artagnan ist sehr stimmig umgesetzt worden, der abenteuerliche Charakter der Handlung wird dabei gut herausgearbeitet. Kernthemen wie Ehre, Zusammenhalt und Intrigen machen dabei richtig Spaß, auch die Entwicklung der Handlung ist gut vorangetrieben.
„Die Schatzinsel“ wurde schon häufig als Film und Hörspiel umgesetzt, dennoch kann diese Produktion der Handlung einige neue Facetten abgewinnen. Die Charaktere sind sehr prägnant in Szene gesetzt worden, der Schwerpunkt liegt auf der düsteren Stimmung und den Mut von Jim Hawkins, sodass eine gelungene Umsetzung entstanden ist.
„Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ unterscheidet sich in seiner Wirkung am deutlichsten von den anderen Geschichten dieser Box und ist deutlich gesellschaftskritischer, der Hintergrund ernster. Dennoch kann die Geschichte mit ihrer kurzweiligen Ausstrahlung sehr überzeugen, auch die Freundschaft von Huckleberry und Jim wird sehr gekonnt dargestellt.

Die fünf unterschiedlichen Produktionen haben natürlich eine Vielzahl an Sprechern zu bieten, aber allesamt sind diese sehr gut ausgewählt und können die jeweilige Zeit zum Leben bringen. Jörg Pleva beeindruckt beispielsweise als Fagin mit schmierischem und bösartigem Unterton, er verlieht der Geschichte um Oliver Twist sehr viel Ausdruck. Konstantin Graudus ist als Robinson Crusoe gesprochen, er liegt viel Ausdruck in seine Stimme und legt dynamische Wechsel in seinen Klang. Als D'Artagnan kann Andreas Fröhlich mit seiner prägnanten Stimme überzeugen, er kann die Wildheit des Charakters sehr gekonnt in Szene setzen. Dietmar Mues sorgt als John Silver in „Die Schatzinsel“ für zahlreiche eindringliche und unheimliche Momente, passt seine Stimme sehr variabel der jeweiligen Situation an. Marc Hosemann bringt die Figur des Huckleberry Finn regelrecht zum Strahlen, legt viel Lebensfreude und glaubhaften Ausdruck in seiner Stimme. Weitere Sprecher sind Anton Sprick, Felix von Manteuffel, Jens Wawrczeck, Christian Stark und Calvin Burke.

Sehr gelungen ist auch die akustische Umsetzung der Hörspiele dieser Box, jeder wurde ein individuelles Kleid geschneidert, das die jeweilige Zeit gekonnt einfängt und dabei die Stimmung der Handlung noch weiter betonen kann. Sei es das England des 19. Jahrhunderts mit seinen beeindruckenden Klängen, das jazzig angehauchte Abenteuer am Mississippi oder die raubeinige und abenteuerliche Atmosphäre der drei Musketiere – alles ist mit stimmiger Musik und zahlreichen, perfekt eingebundenen Geräuschen hochwertig umgesetzt worden.

Die fünf einzelnen Hüllen lagern in einer Pappbox, die wie eine Schatzkiste gestaltet ist und so Assoziationen an Piratenabenteuer weckt. Im Mittelpunkt steht dabei jedoch der auffällige, in gelben Lettern aufgedruckte Schriftzug. Das Innere wirkt da schon deutlich dezenter, wobei die einzelnen Doppel-CDs hübsch gestaltet wurden. In Pastelltönen wird dabei jeweils ein Bild aus dem Hörspiel gezeigt, das aus einer jeweils passenden Filmprodutkion entnommen ist.

Fazit: Eine umfangreiche Box mit etwa 11 Stunden Laufzeit, die die fünf Klassiker sehr stimmig und hörenswert umgesetzt hat. Der abenteuerliche Charakter der Geschichten wird dabei deutlich betont, sodass dynamische und kurzweilige Geschichten zu hören sind, die älteren Kindern und Erwachsenen gleichermaßen Spaß machen.

VÖ: 18.August 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-663-7


Tintentod – Das Hörspiel



Erster Eindruck: Phantasievoller Abschluss der Trilogie

Staubfinger ist tot, und Maggie, Mo und Resa haben sich auf einen verlassenen Hof zurückgezogen. Doch bald wird diese Idylle gestört, denn immer noch bedroht der Natternkopf das ganze Land. Umso mehr, seit Mo ihn hereingelegt und das Buch, das ihm Unsterblichkeit verleihen sollte, ihm unsägliche Qualen bereitet. Und so lässt der Natternkopf die Kinder von Ombra einfangen, im Gegenzug soll ihm der Eichelhäher ausgeliefert werden...

„Tintentod“ ist der Abschluss der wunderbaren Trilogie von Cornelia Funke um Meggie und Mo, und auch dieser dritte Band wurde von Oetinger Audio als aufwändiges Hörspiel vertont. Wie bei den beiden Vorgängern ist die Handlung hier deutlich vereinfacht und gekürzt worden, und immer noch sind satte 155 Minuten Laufzeit entstanden, die es in sich haben. Die Kürzung ist glücklicherweise behutsam geschehen, sodass man der Handlung auch so noch gut folgen kann, auch wenn das Tempo ein sehr hohes ist. Die einzelnen Szenen kommen mit ihren intensiven Stimmungen sehr gut zur Geltung, besonders die wundervollen und sehr stark dargestellten Charaktere können hier überzeugen. Kaum eine Rolle, die nicht im Gedächtnis haften bleibt und eine starke Faszination ausüben kann. Die Handlung ist dann auch für ein Kinderbuch überraschend komplex und erstreckt sich über mehrere Handlungsstränge, die sich zu einem sehr stimmigen und eindrucksvollen Ganzen ergänzen. Viele märchenhafte Elemente reihen sich dabei ein, und auch der Humor kommt nicht zu kurz, wenn dieser auch eher hintergründig ist. Immer weiter kann sich die Geschichte steigern, wobei alles auf den Kampf mit dem Natternkopf hinausläuft. Doch auch die Rückkehr eines alten Bekannten, die Bedrohung durch einen bisher unterschätzten Gegner und einige neue Charaktere sorgen für einen sehr spannenden und wendungsreichen Verlauf. Tintentod lässt einem in dieser Umsetzung den Atem anhalten, ist fantastisch und eindringlich, emotional und spannend, fesselnd und packend und eine herausragende Produktion.

Über 40 Sprecher sind hier zu hören, darunter eine Vielzahl an bedeutenden Charakteren, und jeder einzelne ist mit starken und zu der Rolle passenden Stimmen besetzt worden. Die bezaubernde Cathlen Gawlich ist wieder in der Rolle der Resa zu hören, sie spricht ihre Rolle sanft und gefühlsbetont, kann aber auch viel Kraft und Stärke vermitteln. Rainer Strecker kann als Staubfinger einen sehr eindrucksvollen Eindruck hinterlassen, in jeder Szene wirkt er sehr glaubhaft und passt wunderbar in das märchenhafte Ambiente der Handlung. Besonders beeindruckt hat mich jedoch trotz der relativ kurzen Szenen Mechthild Großmann als Tod, die mit ihrer rauen und ausdrucksstarken Stimme sehr geheimnisvoll und bedrohlich, aber auch weise wirkt und ihre Momente sehr intensiv wirken lässt. Weitere Sprecher sind Ugur Tasbilek, Santiago Ziesmer und Patrick Mölleken.

Cornelia Funke hat ihr Buch in zahlreichen schimmernden Facetten erstrahlen lassen, und das hat der Oetinger Verlag auf auf die atmosphärische Gestaltung des Hörspiel übertragen. Die zahlreichen Melodien wirken zauberhaft und sehr stimmungsvoll, mal verspielt, mal bedrohlich. Und auch die zahlreichen eingebauten Effekte und Geräusche verfehlen ihre Wirkung nicht und sorgen so für ein sehr intensives Hörerlebnis, das das Prädikat „Kino für die Ohren“ wahrlich verdient hat. Besonders die geheimnisvollen weißen Frauen mit ihren flüsternden Stimmen kommen so sehr gut zur Geltung.

Natürlich wurde das Buchcover auch für diese Umsetzung als Titelmotiv ausgewählt und leicht angepasst. Zu sehen sind zahlreiche wunderschön gestaltete Buchstaben zu sehen, wie sie früher oft zum Kapitelbeginn in Büchern abgedruckt wurden, doch auch ein Einhorn, das einem Buch entsteigt sowie kleine Momentaufnahmen aus der Handlung sind zu sehen. Im Inneren gibt es eine ausführliche Kapitelübersicht sowie einige Fotos der Sprecher bei ihren Aufnahmen.

Fazit: „Tintentod“ setzt die Ereignisse aus den vorigen Bänden sehr gelungen um, wobei diese durch die sehr intensive Umsetzung hervorragend zur Geltung kommt. Die wunderbaren Sprecher sowie die eindringliche akustische Gestaltung lassen diese eindringlich wirken und lassen die ganz unterschiedlichen Stimmungen bestens zur Geltung kommen. Eine absolut empfehlenswerte Produktion.

VÖ: 20.August 2015
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0867-9


Königsallee



Erster Eindruck: Thomas Mann und sein ehemaliger Geliebter

Der bekannte Thomas Mann soll im Düsseldorf der Nachkriegszeit eine Lesung halten. Im dem Hotel, in dem er untergebracht wird, herrscht helle Aufregung, denn auch Manns ehemaliger Geliebter Felix Heuser gastiert im gleichen Hotel. Ein Zusammentreffen der beiden soll um jeden Preis verhindert werden, was auch Manns Gattin Katia unterstützt...

Es gibt zahlreiche Romane von Thomas Mann, aber nur wenige über Thomas Mann. Dazu gehört „Königsallee“ aus dem Jahr 2013, das vom WDR auch als Hörspiel umgesetzt wurde. Die Kaufversion ist nun beim Audio Verlag erschienen und enthält die 106-minütige Produktion auf 2 CDs. Die Grundsituation ist interessant dargestellt und kann die lebendige Gefühlswelt einiger Charaktere sehr gelungen darstellen, wobei insbesondere Katia, die Ehefrau von Thomas Mann, mit ihrer resoluten und sehr bestimmenden Art in den Vordergrund tritt. Doch auch in der erheiternden Introszene um die Hotelbediensteten und das gelungene Ende, das einige Wendungen parat hält, sind sehr gelungen dargestellt. Das Zusammentreffen der beiden ehemaligen Geliebten läuft dann wunderbar reibungslos, sodass die vorige Aufregung wunderbar karikiert wird. Und auch ansonsten blitzt immer wieder leiser Humor durch, da sich die Charaktere oft anders verhalten als von ihnen erwartet wird. Wunderbar wird die Stimmung des Düsseldorf der 50er Jahre dargestellt, die Wortwahl sorgt für einen eher lockeren Gesamteindruck, der jedoch alles andere als simpel ist. So erfordert „Königsallee“ schon einiges an Aufmerksamkeit, lehnt sich auch immer wieder an die Werke von Thomas Mann an. Autor Hans Pleschinski hat ein sehr gelungenes Werk erdacht, das hörenswert an das Medium des Hörspiels angepasst wurde.

Wolf-Dietrich Sprenger ist in der anspruchsvollen Rolle des Thomas Mann zu hören, der mit seiner deutlich gealterten und rauen Stimme eine sehr gelungene Darbietung und mit feinsinnigen Facetten eine sehr umfassenden Charakterdarstellung abliefert. Barnaby Metschurat spricht die Rolle des Klaus Heuser, prägnant, ausdrucksstark und mit Sinn für das richtige Timing. Susanne Barth ist als Katia Mann eine ebenso gute Besetzung, ihre Stimme passt sehr gut zu ihrem Charakter. Weitere Sprecher sind Lena Stolze, Matthias Bundschuh und Berndt Hahn.

Der WDR hat einen sehr interessanten Weg gefunden, um das Hörspiel umzusetzen. Einerseits klingt es ein wenig nach einem alten Radiohörspiel, andererseits sorgt die hochwertige Produktion für einen sehr klaren Klang. Stimmungsvolle Musikstücke und zahlreiche treffende Geräusche sorgen für eine dichte Atmosphäre, die die Szenerie gut in ihrer Wirkung unterstützt.

Die beiden CDs sind in einer stabilen Papphülle untergebracht, die sehr hübsch gestaltet ist. Natürlich wurde das Titelbild der Romanvorlage – die Fotografie einer Statue, um das einige Menschen in der Kleidung nach der Mode der 50er Jahre gruppiert sind – auch für die Hörversion übernommen, während sich im Inneren neben den üblichen Produktionsinformationen auch Kurzbiographien zu einigen Mitwirkenden befinden.

Fazit: „Königsallee“ ist ein ebenso anspruchsvolles wie lockeres und humorvolles Werk. Das Auftreten von Thomas Mann ist dabei ebenso gelungen wie die Anlehnung an einige seiner Werke. Die sehr interessante Ausgangssituation und das starke Ende trösten über einige Längen im Mittelteil hin. Der Transport in das Medium Hörspiel ist dem WDR sehr gut gelungen.

VÖ: 1.Juni 2015
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-527-7


Der Hobbit – Das Hörspiel als Vinyl-Edition



Erster Eindruck: Altes Hörspiel in sehr liebevoller Gestaltung

Bilbo Beutlin, ein Hobbit, lebt ein friedliches und ruhiges Leben im Auenland, als eines Tages der Zauberer Gandalf bei ihm auftaucht – gemeinsam mit einer Horde von Zwergen, die sich bei Bilbo einquartieren. Von ihrem Willensdrang angesteckt packt auch ihn die Abenteuerlust, sodass er die Gruppe begleitet. Die Reise geht bis zum Berg Erebor, der dem Drachen Smaug als Versteck für einen unermesslichen Schatz dient...

„Der Hobbit“, das Vorgängerwerk zum legendären „Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien, ist momentan aktueller denn je – der aufwändigen Verfilmung in drei Teilen sei Dank. Aber es gibt auch andere Umsetzungen des Stoffes, die ihre Daseinsberechtigung haben, dazu gehört auch das sehr stimmig inszenierte Hörspiel des WDR, das beim Hörverlag auch als eine sehr ansehnliche Vinyl-Edition erschienen ist. Ursprünglich handelt es sich hierbei um eine Erzählung für Kinder, sodass die Geschichte oft einen heitereren Ausdruck hat als die anderen Abenteuer aus Mittelerde. Ein leiser Humor zieht sich durch die Handlung, besonders der liebevolle Ausdruck von der Hauptfigur Bilbo Beutlin sorgt für viele lockere Momente. Doch vor allem wird eine sehr abenteuerliche Handlung erzählt, in der weite Reisen zu fernen Orten, gefährliche Kämpfe und fantastische Wesen im Mittelpunkt stehen. Dabei verläuft die Handlung sehr flüssig und kurzweilig, was durch die vielen unterschiedlichen Situationen für Bilbo und seine Begleiter gewährleistet wird. Besonders Smaug wird dabei sehr gelungen dargestellt, seine ebenso machtvolle wie eindringliche Art kommt hier sehr gut zur Geltung und sorgt für einige Highlights innerhalb der Geschichte. Dabei wird natürlich auch der Bogen zum Herr der Ringe geschlagen, der Eine Ring kommt hier in den Besitz Bilbos, auch andere Elemente werden hier aufgegriffen. Die sehr spannende Produktion besitzt sehr viel Charme und eine eingängige Ausstrahlung, auch heute noch ist sie sehr hörenswert.

Die Sprecherauswahl ist hervorragend getroffen, wobei einige Sprecher mehrere Rollen sprechen. Diese verleihen den Rollen zwar eine jeweils ganz eigene Ausstrahlung, dem aufmerksamen Hörer fällt dies aber dennoch auf. Martin Benrath ist als Erzähler eingesetzt, seine Passagen sind teilweise recht lang, werden von seiner eindringlichen Stimme aber dynamisch und sehr gekonnt gestaltet. Horst Bollmann spricht Bilbo Beutlin mit viel Freude und Charme in der Stimme, sodass er den Hörer immer wieder mitreißen und tief in die Welt Tolkiens entführen kann. Bernhardt Minetti spricht den Zauberer Gandalf. Seine Stimme klingt sehr hoch, was mir nicht ganz so gut gefallen hat, aber dennoch kann er eine sehr machtvolle Aura um sich herum aufbauen. Gollum ist die wohl prägnanteste Werk des ganzen Werkes, dieser wird von Jürgen von Manger gesprochen, der sehr expressiv und mit viel Leidenschaft spricht. Weitere Sprecher sind Herbert Grünbaum, Heinz Schacht und Wolfgang Spier.

Klassische Geräusche, wie man sie aus den meisten Hörspielen kennt, sind hier nicht zu hören. Dafür wurde mit zahlreichen Orchesterklängen gearbeitet, die hierfür als Ersatz eingebaut wurden und beispielsweise Naturphänomene und Schlachtklänge darstellen. Das wirkt sehr stimmungsvoll und schafft seine ganz eigene Atmosphäre, was durch die vielen Chöre und Lieder noch unterstützt wird. Zusammen wirkt dies eigenwillig, experimentell und sehr gelungen. Der Klang ist zwar etwas dumpf, durch den typischen Vinyl-Klang kommt eine sehr nostalgische Stimmung auf.

Die Vinyl-Edition wirkt sehr hochwertig und edel. Die sieben Schallplatten sind in einer stabilen und wunderschön gestalteten Box untergebracht, die auch im Inneren mit einigen Zeichnungen versehen sind. Auch die Hüllen der einzelnen Scheiben sind liebevoll anzusehen, Karten, Stammbäume und Infos zu zahlreichen Mitwirkenden sind hier zu finden und geben so zahlreiche Zusatzinformationen zu der Produktion.

Fazit: Die liebevolle Umsetzung in dieser Vinyl-Edition passt wunderbar zu dem sehr gelungenen Hörspiel, das die Welt Tolkiens lebendig macht. Die eindringlichen Sprecher und die ungewöhnliche Instrumentalisierung sind experimentierfreudig und sehr gelungen in Szene gesetzt, wobei besonders Smaug und Gollum sehr prägnant zur Geltung kommen.

VÖ: 8.Oktober 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1218-2

 

Die Theogonie des Hesiod



Erster Eindruck: Der Stammbaum der griechischen Götter

Hesiod, ein einfacher Schäfer, trifft auf die Musen, die von der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft wissen. Diese berichten ihm vom Geschlecht der Titanen und der Götter, von der Entstehung der Welt und von den verschiedenen Gestalten, die die Geschicke der Menschheit beeinflussen. Und nun berichtet Hesoid seinerseits von der griechischen Theogonie...

In Zusammenarbeit von SWR2 und NDR ist „Die Theogonie des Hesiod“ als Hörspiel vertont worden, eine der ältesten Ausführungen der griechischen Mythologie, die sehr genau recherchiert und durch weitere Quellen ergänzt wurde. Die Erzählweise ist dabei sehr nüchtern, statt auf eine Handlung wird dabei eher auf Momentaufnahmen und die verwandtschaftlichen Beziehungen gesetzt. So kommt es häufiger vor, dass die Namen der Nachfahren eines bestimmten Gottes aufgezählt werden, die weder näher beschrieben noch irgendwann noch einmal erwähnt werden. Das kommt insgesamt recht trocken herüber und ist nicht immer leicht zugänglich – aber genau das will es wohl auch gar nicht sein. Es richtet sich eher an Hörer, die schon einen Einblick in die griechische Mythologie bekommen haben, denn die Lebendigkeit der Charaktere oder die aufregenden Geschichten werden sehr verknappt dargestellt, deren Zusammenhänge aber durchaus klarer. Durch das sehr langsame Tempo mit den vielen Wiederholungen und Aufzählungen kommen diese gut zur Geltung, und einige Szenen können dann doch eine sehr eindringliche Wirkung entfalten.

Gerade einmal drei Sprecher bestreiten die fast zweistündige Produktion, sie wechseln sich dabei immer wieder ab, wiederholen die Worte des Vorgängers und führen sie weiter, geben teilweise nur einzelne Worte in diese Klangcollage. Auch sprechen die drei sowohl in der neutralen Erzählersicht als auch als einige ausgewählte Götter und verleihen ihren Stimmen dabei immer wieder neue Nuancen. Manfred Zapatka entfaltet dabei eine sehr intensive und undurchdringliche Aura, die den Hörer schnell in ihren Bann ziehen kann. Valery Tscheplanowa lässt ihre Stimme sehr variabel klingen, mal sanft und weich, mal sehr hart und unnachgiebig, mal voller Gefühl und mal neutral und kühl. Jens Harzer ergänzt die beiden sehr gut, sorgt mit seinem vielfältigen Klang für eine sehr eingängige Aussprache.

Die Musik ist völlig anders als in den meisten kommerziellen Hörspielen, wurde mit klassischen Instrumenten eingespielt und teilweise nur als Klangfetzen eingebaut, die einige Stellen gekonnt betonen. Doch auch harmonischere Klänge sind hier zu hören, wobei die Stimmung der jeweiligen Szenen und dem jeweiligen Charakter sehr gut angepasst sind. Auch die wenigen Momente der Stille verfehlen ihre Wirkung nicht.

Der Hörverlag hat eine sehr gelungene Aufmachung für die beiden CDs gewählt, deren Herzstück das fest eingeklebte Booklet mit zahlreichen zusätzlichen Informationen zur Entstehung des Hörspiels und weiteren Kommentaren ist. Doch auch das stabile Digipack mit den erdigen Tönen und dem ansprechenden Titelmotiv – einer stilisierten Darstellung eines Gottes in Schwarz – ist sehr gelungen und enthält eine Übersicht über die Kapitel.

Fazit: Bei dieser Produktion gewöhnliche Maßstäbe anzusetzen ist schwierig, denn es handelt sich eher um eine Klangcollage, um Bruchstücke einer großen Geschichte, um einen lebendigen Stammbaum. Das ist interessant aufbereitet und künstlerisch anspruchsvoll, aber eben auch anstrengend und durch die vielen Wiederholungen oft eher monoton.

VÖ: 27.April 2015
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1624-1

 

Vier Fälle für Sherlock Holmes



Erster Eindruck: Gute Auswahl ungewöhnlicher Fälle

Sherlock Holmes hat sich mittlerweile weit über die Grenzen von London hinaus einen hervorragenden Ruf als Meisterdetektiv erarbeitet, sodass immer wieder neue Auftraggeber in geheimnisvollen Angelegenheiten auf ihn zukommen. Und dank seines Freundes und Chronisten Dr. Watson sind seine Fälle auch für die Nachwelt dokumentiert. Hier bekommt er es mit einer verschwundenen Braut, einer verfolgten Radlerin, einem ermordeten Lehrer und einem auf eine Harpune aufgespießten Kapitätn zu tun...

Sherlock Holmes scheint momentan auf dem Höhepunkt seiner Popularität angekommen zu sein, gleich mehrere Fernsehreihen, Hörspieladaptionen und Kinofilme beschäftigen sich mit der bekannten Figur, wobei meist neue Fälle erdacht wurden. Der Audiobuch-Verlag hat inmitten dieser Welle eine Box mit vier Hörspielen auf den Markt gebracht, die der SWR nach den Vorlagen von Sir Arthur Conan Doyle produziert hat. Die Auswahl ist dabei bestens gelungen, da hier vier Fälle erzählt werden, die nicht unbedingt zum Standartrepertoire gehören und dennoch sehr gut erzählt wurden. Es ist zudem die Abwechslung, die hier überzeugt, sowohl die Hintergründe als auch die Handlungsverläufe sind hier sehr unterschiedlich dargestellt. Besonders gut gefällt mir dabei der Fall um den „adeligen Junggesellen“, der kurz nach der Eheschließung von seiner Frau spurlos verlassen wird. Die sehr gelungene und kurzweilige Ermittlungen und die trickreiche Auflösung sind sehr flüssig zu hören. Und auch der letzte Fall um den „schwarzen Peter“, der zu Anfang ziemlich brutal daherkommt, ist eine der besten Erzählungen von Holmes und hat völlig zu recht diese gelungene Umsetzung erfahren. Auch die beiden anderen Fälle sind hörenswert, wobei der SWR dem zugrunde liegenden Stoff keine wirklich neuen Facetten abgewinnen konnte.

Walter Renneisen ist in der Rolle des Sherlock Holmes in allen vier hier enthaltenen Fällen zu hören. Er setzt den Meisterdetektiv recht ernst um, kann auch die leicht arrogante Note des Charakters in seine Sprechweise einfließen lassen, ohne ihn deswegen gleich unsympathisch darzustellen. Er hat hörbaren Spaß an der Rolle gefunden und hinterlässt einen positiven Eindruck. Ihm zur Seite steht Peter Fitz als Dr. Waton, der das leise humoristische der bekannten Figur deutlich zurücknimmt, aber immer noch sehr gutmütig klingt. Auch die Nebenrollen sind durchweg mit passenden Sprechern umgesetzt worden.

Der Fokus liegt hier eindeutig auf den Sprechern und den Dialogen, sodass nur wenig mit anderen akustischen Elementen gearbeitet wird. So entsteht ein recht nüchterner Eindruck, der nur ab und an von etwas Musik unterbrochen wird. Diese ist dann durchaus stimmungsvoll und kann die Wirkung der Szenen unterstützen, ein wenig mehr von diesen Melodien hätte mich jedoch noch besser gefallen.

Die vier CDs sind in einer dicken Plastikhülle untergebracht, deren Gestaltung sehr schlicht ist. Die wichtigsten Produktionsinformationen sind im Raum hinter den CDs untergebracht, wobei hier nicht einmal die Nebenrollen den entsprechenden Sprechern zugeordnet wurden. Das Titelbild gefällt mir gut, auf dem weißen Hintergrund ist das Konterfei des bekannten Detektivs in Schwarz abgesetzt, wobei natürlich der typische Hut und die Pfeife nicht fehlen dürfen. Hierin ist auch der Titel der Box in großen Lettern untergebracht.

Fazit: Die Auswahl der hier enthaltenen Folgen ist sehr gut getroffen worden, da noch recht unverbrauchte und sehr gut erzählte Fälle enthalten sind. Die recht schlichte Umsetzung wird durch die sehr engagierten Sprecher sehr lebendig, wirklich neue Facetten des Meisterdetektivs bekommt man jedoch nicht zu Ohr.

VÖ: 31.März 2015
Label: Audiobuch
Bestellnummer: 978-3-89964-909-3


Vier Fälle für das Triumvirat



Erster Eindruck: Drei Männer beim Skatspielen

Dr. Korff, der mittlerweile pensionierte Oberst Albrecht und Pfarrer Bargmann treffen sich regelmäßig, um gegeneinander Skat zu spielen. Dass dabei auch aktuelle Ereignisse besprochen werden, versteht sich von selbst, mit besonderer Vorliebe widmen sich die drei Herren jedoch Kriminalfällen, die sich in ihrem Heimatort zugetragen haben. Vom ermordeten Apotheker über die Verwüstung des Heimatmuseums bis hin zum Verschwinden einer angeblichen Hexe, in jedem der Fälle stellen sie ihre Theorie auf...

Audiobuch hat mit der CD-Box „Vier Fälle für das Triumvirat“ äußerst interessante Radiohörspiele des WDR veröffentlicht, die zwar eindeutig dem Krimi-Genre zuzuordnen sind, von ihrer Grundstruktur und ihrem Verlauf aber gänzlich anders aufgebaut sind. Es sind immer nur drei Sprecher zu hören, die in den oben genannten Rollen agieren und sich über die Fälle unterhalten. Zeugenbefragung oder ähnliche Ermittlungsmethoden sind dabei nicht vorhanden, und auch eine Entlarvung des Täters findet nicht statt. Auch der schlussendliche Beweis für die Richtigkeit der aufgestellten Theorien wird nicht erbracht, es bleibt dem Hörer überlassen, diese zu glauben oder sich weitere Gedanken zum möglichen Verlauf zu machen. Dieser ungewöhnliche Ansatz wird durch die Lebendigkeit der Gespräche unterstützt, mit bissigen Humor und teilweise sehr persönlichen Kommentaren versuchen die drei Herren, ihre Gegenüber von ihrer Sichtweise zu überzeugen. Stückchenweise werden dem Hörer dabei neue Umstände über die Toten oder Verschwundenen gegeben, sodass sich langsam ein komplettes Bild zusammensetzt. Die vor Esprit sprühenden Folgen stammen aus drei Jahrzehnten und haben eine dementsprechende Entwicklung mitgemacht, die Themen sind moderner, die Kommentare noch ein bisschen bissiger geworden. Dennoch können alle vier Folgen gleichermaßen überzeugen und sind eine sehr gelungene Abwechslung in der Krimilandschaft.

Im Laufe der Zeit haben die Sprecher auch mal gewechselt, wobei die ersten beiden Folgen Peter Pasetti als Bargmann mit seiner knarzigen, sehr markanten Stimme positiv auffällt und dem Pfarrer so seine ganz eigene Note verleiht. Harald Leipnitz und Dietmar Mues übernehmen die Rolle in den weiteren Folgen. Hans Korte spricht den Oberst Albrecht in den ersten drei Folgen mit einer zackigen und kräftigen Stimme, kann aber auch den Humor der Rolle gekonnt darbieten. Peter Fricke ist in der letzten Folge als Dr. Korff zu hören, in Sachen Bissigkeit und Ausdruck steht er seinem Vorgänger Heinz Trixner nur wenig nach.

Die eingesetzte Musik ist für eine Radioproduktion recht ungewöhnlich, meist erklingen klassische Klänge, die von einem Orchester eingespielt wurden. Diese bilden oft einen interessanten Kontrast zu der von den Sprechern ausgeformten Stimmung, sodass ich mich erst ein wenig an sie gewöhnen musste. Mittlerweile gefällt sie mir sogar ziemlich gut, wobei sich die Folgen hier auch stark voneinander unterscheiden.

Audiobook hat die vier CDs in einer dicken Plastikhülle untergebracht, die recht schlicht aufgemacht ist und keine weiteren Informationen enthält. Die wichtigsten Produktionsinformationen sind im Raum hinter den CDs untergebracht. Das Titelbild passt gut zu der Handlung, zu sehen ist eine Szene aus einem Skatspiel, wobei nur der Tisch mit den Karten und die Hände der drei Männer zu sehen sind.

Fazit: Vier ungewöhnliche Kriminalfälle, die mit ihrem interessanten Ansatz für viel Abwechslung sorgen. Die Fälle sind gut erdacht, die aufgestellten Theorien klingen plausibel. Besonders gefällt mir aber die Stimmung zwischen den drei Protagonisten, die sich immer wieder necken und mit bissigen Kommentaren überhäufen. Ein sehr geglücktes Experiment!

VÖ: 24.Februar 2015
Label: Audiobuch
Bestellnummer: 978-3-89964-905-5


Hände weg von Mississippi




Erster Eindruck: Gefahr durch einen Alligator

Endlich sind wieder Ferien, den diese verbringt Emma immer bei ihrer Oma Dolly, die so ganz anders ist als andere Omas. Auch in dem Dorf fühlt sie sich pudelwohl und kennt alle Menschen, die dort leben. Deswegen ist auch Emma traurig, dass der alte Mann gestorben ist, der regelmäßig mit seinem Pferd Mississippi durch die Straßen geritten ist. Sein Neffe, der alles erben soll, will Mississippi an einen Schlachter verkaufen, doch dann entschließt sich Dolly, das Pferd in ihre Obhut zu nehmen...

Oft taucht Cornelia Funke in ihren Büchern in fremde Welten mit phantastischen Kreaturen ein, doch zahlreiche ihrer Werke sind auch in der Realität angesiedelt. Hierzu gehört „Hände weg von Mississippi“, das bei Oetinger Audio nun auch als Hörspiel erhältlich ist. Die liebenswert erzählte Geschichte enthält zahlreiche starke Charaktere, die sehr gut zur Geltung kommen. Die unkonventionelle Oma Dolly, der unsympathische Erbe Albert Gansmann, die beiden frechen Brüder aus der Nachbarschaft, der engagierte Tierarzt Dr. Knapps und natürlich Emma. Über ihr eigentliches Leben bei ihren Eltern erfährt man nur Andeutungen, was sehr passend ist, sie wird als mutig und willensstark charakterisiert – eine Identifikationsfigur nicht nur für pferdeliebende Mädchen. Denn hier geht es nicht um romantische Ausritte, lediglich die liebevolle Beziehung zwischen Emma und Mississippi geht in diese Richtung. Vielmehr müssen sich Dolly und Emma den Angriffen von Gansmann erwehren, der so allerlei Schurkerei ausheckt. Dabei entwickelt sich die Geschichte kontinuierlich weiter und geht über verschiedene Stationen, dem kann man während des fast zweistündigen Hörspiels sehr gut folgen, da immer wieder entspannte Momente eingebaut sind. Lange Zeit ist – zumindest den zuhörenden Kindern – nicht ganz klar, worauf alles hinauslaufen wird, und auch in einigen Szenen kommt viel Spannung auf. Funke schafft es, den Zuhörer mit der Geschichte zu verzaubern und lebendige Charaktere zu erschaffen, und auch die Umsetzung als Hörspiel ist sehr gut gelungen.

Finja Ufer ist als Emma zu hören, und trotz ihres jungen Alters spricht sie sehr lebendig und wirkt spontan, ohne zu übertreiben. So kann sie das mutige Mädchen sehr glaubhaft wirken lassen und bringt die nötige Energie mit. Ganz wunderbar ist Carmen-Maja Antoni als Oma Dolly, ihre raue Stimme nimmt einen sehr warmherzigen Klang an, kann aber auch energisch und bestimmt klingen, dabei schwebt immer ein bisschen Exzentrik mit. Stephan Schad gibt als Albert Gansmann den unsympathischen Gegenspieler, was er sehr leidenschaftlich darstellt. Weitere Sprecher sind unter anderem Michael Prelle, Fabian Busch und Walter Kreye.

Die eingesetzte Musik während der Szenenübergänge ist sehr atmosphärisch und überzeugt mit leichten Anleihen an der Country-Musik. Zahlreiche Gitarrenklänge und ab und an eine Mundharmonika sorgen für einen sehr stimmigen Eindruck. Geräusche werden hier recht wenig eingesetzt, sodass die Dialoge eher für sich allein stehen. Hier hätte man noch mehr Lebendigkeit einbringen können. Insgesamt wirkt das Sounddesign aber stimmig und passend.

Das Cover zeigt zwar das gleiche Motiv wie die Buchvorlage, durch den einfarbig grünen Hintergrund bekommt er aber einen ganz eigenen Ausdruck. Zu sehen ist Emma, die im Pferdestall Nachtwache hält und inmitten von Hunden und Pferden einen besorgten Gesichtsausdruck macht. Der Zeichenstil wirkt nostalgisch und passend für ein Kinderbuch.

Fazit: In diesem Buch stechen insbesondere die starken Charaktere hervor, die mit ihren ganz speziellen Eigenheiten für viele gelungene Momente sorgen, Oma Dolly wächst einem sehr schnell ans Herz. Aber auch die Geschichte ist oft spannend und kurzweilig erzählt, nur ab und an schleichen sich langwierige Passagen ein. Eine sehr runde und hörenswerte Produktion.

VÖ: 20.Januar 2015
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0841-9

 

 

 


Pater Brown: Der Marquis von Marne



Erster Eindruck: Klassisches Radiohörspiel

Seit einigen Jahren hat sich James Mair völlig von der Außenwelt abgeschnitten und lebt zurückgezogen auf seinem Anwesen. Gerüchte besagen, dass er nach dem tödlichen Duell mit seinem Vetter dem Schuldenwahn der katholischen Kirche verfallen ist. Der kriminalistisch engagierte Pater Brown will dies nicht auf der heiligen Institution sitzen lassen und beginnt mit seinen Ermittlungen...

Pater Brown ist vielen insbesondere durch die Verfilmungen bekannt, und auch als Hörspiel wurden seine Fälle umgesetzt. Doch neben den recht modernen Produktionen hat beispielsweise der WDR im Jahr 1956 den Fall des „Marquis von Marne“ als Radiohörspiel umgesetzt, das bei Audiobook-Verlag auch als Kaufversion erschienen ist. Der Einstieg in die Handlung ist dabei gut gelungen, in einem zusammenfassenden Dialog wird die Grundsituation gut erklärt, wobei dem Alter der Produktion entsprechend die Dialoge wesentlich länger und ausführlicher sind als man es heutzutage gewohnt ist. So schleicht sich während der gesamten Handlung oft ein gewisser Leerlauf ein, das Tempo wirkt deutlich gedrosselt. Dennoch ist die Geschichte gut erzählt, man bekommt einen sehr umfassenden Eindruck von der Handlung, die sich konsequent weiterentwickelt. Dabei fließen immer neue Aspekte des Gesamtbildes ein, der stetige Fluss an neuen Informationen sorgt auch für eine sehr gute Charakterbeschreibung. An dieses klassische Radiohörspiel sollte man sich nur wagen, wenn man schon andere Produktionen des Genres gehört hat, ansonsten wird einen die spröde Umsetzung nur wenig Freude bereiten. Kann man allerdings eine gewisse Affinität zu dieser Art Hörspiel aufweisen, bekommt man eine runde und sehr gelungene Produktion zu Ohr, die ohne Audiobook wohl in den Archiven verschollen wäre.

Walter Richter ist in der Titelrolle des Pater Brown zu hören, mit seiner recht energischen und freundlichen Art macht er seine Sache gut, kann sich aber auch zurücknehmen und so die anderen Charaktere ebenso gut wirken lassen. Inge Meysel spricht Lady Outram, sie liefert den Beweis, dass sie auch in jungen Jahren schon sehr viel Ausdruck und Leidenschaft in der Stimme hatte. Sigrun Höhler als Viola Grayson hat mir leider nicht so gut gefallen, ziemlich überdreht, fast schon mit überschlagener Stimme bringt sie jede Menge Unruhe mit. Weitere Sprecher sind Kaspar Brüninghaus, Peter Lühr und Kurt Meister.

Akustische Untermalung ist hier zu keiner Zeit gegeben, keine Musik, kein Geräusch, kein Effekt lockert hier die Dialoge aus. Diese sehr puristische Ausführung lenkt zwar den Fokus deutlich auf die Dialoge, wirkt aber auch sehr spröde und vermittelt nur wenig Atmosphäre. Die sehr guten Sprecher machen ihre Sache zwar gut, ein wenig akustische Untermalung hätte dem Hörspiel aber gut getan.

Die Gestaltung der Verpackung ist sehr schlicht gehalten, statt eines Booklets gibt es hier einen kleinen Einleger, der nur die notwendigen Informationen enthält. Das Titelbild zeigt die Fotografie einer romantischen Gasse, die bläulich eingefärbt wurde. Als Logo ist neben dem Titel des Hörspiels noch die Silhouette des Pfarrers zu sehen.

Fazit: Pater Brown in einem sehr klassischen, reduzierten Hörspiel. Die Vorlage ist gut durchdacht und enthält einen gelungenen Spannungsbogen sowie eine spannende Auflösung. Der Weg dorthin ist zwar etwas zu lang geraten, die meisten Sprecher bringen mit ihrer lebendigen Darstellung Schwung in die Handlung.

VÖ: 1.August 2014
Label: Audiobook
Bestellnummer: 978-3-89964-790-7


Elser



Erster Eindruck: Das Verhör eines vergessenen Helden

Der idealistische Schreiner Georg Elser ist unglücklich verliebt in die unglücklich verheiratete Else Härlen, die ihn trotz des prügelnden Ehemannes immer wieder zurückweist. Doch ähnlich hartnäckig wie bei ihr ist Elser auch bei seinem Plan, Hitler auf dem Höhepunkt seiner Macht durch einen Anschlag mit Dynamit umzubringen. Unermüdlich gräbt er heimlich des nachts einen Schacht, um dort den Sprengstoff zu platzieren...

Fast gleichzeitig mit dem gleichnamigen Film erscheint auch die Radio-Hörspielproduktion „Elser“ um den nicht mehr allzu bekannten Hitler-Attentäter Georg Elser. Doch hier ist keinesfalls ein O-Ton-Höspiel entstanden, auch wenn die Sprecher exakt mit den Filmschauspielern übereinstimmen. Vielmehr wurde ein ganz eigenes Drehbuch geschrieben, eine ganz eigene Ästhetik geschaffen, ganz andere Schwerpunkte gesetzt. Hier erfährt man viel über Elsers Innenleben, seinen Idealismus, seinen Traum von einer friedlicheren Welt. Dabei werden kleine Szenen aneinandergereiht, die nicht immer in zeitlicher Kontinuität erzählt sind, es sind auch mal größere Zeit- und Logikbrüche vorhanden. Der Verzicht auf einen Erzähler erschwert dabei etwas den Einstieg, so muss man sich als Hörer aber auch deutlich intensiver mit Elser auseinandersetzen und sich sein eigenes Bild des engagierten Mannes schaffen. So setzt sich langsam ein komplettes Bild zusammen, das die Charaktere in den Vordergrund stellt und diese sehr facettenreich darstellt. Diese Konzentration auf das Wesentliche ist sehr gut gelungen und setzt neue Akzente, die fernab von flachen Heldentum angesiedelt sind. Dabei wurden die Originalmitschriften der Verhöre verwendet, sogar einige Passagen übernommen, was dem Hörspiel einen sehr realistischen Anstrich verleiht. Das Zusammenspiel mit der sehr privaten Szenen mit Else Härlen ergibt dazu einen krassen Kontrast - gerade im ersten Teil des Hörspiels – während später die Verhörszenen dominieren. Auch das politische Geflecht, die Macht Hitlers und Goebbels, sind sehr lebensnah zu spüren und lassen einen tief in die damalige Zeit eintauchen. Elser ist alles andere als leicht verdauliche Kost, verlangt Aufmerksamkeit und Ruhe, dann kann man zahlreiche Feinheiten erspüren, die sehr bewegend dargestellt sind.

Christian Friedel ist in der Hauptrolle des Elser zu hören und spielt diesen sehr eingängig, sehr intensiv und voller Leben. Mit vielen unterschiedlichen Nuancen leuchtet er die Szenerien sehr gekonnt auf, gibt den gefühlvollen Außenseiter ebenso überzeugend wie den mutigen Revoluzzer. Katharina Schüttler spricht die Else mit einer sanften, streckenweise schon zerbrechlich wirkenden Stimme, im späteren Verlauf kann sie aber auch hart und kalt klingen, wobei man ihr diesen Kontrast sofort abnimmt. Johann von Bülow ist in der ebenfalls sehr interessanten Rolle des Heinrich Müller zu hören, seine feinsinnige Interpretation kann dabei voll und ganz überzeugen. Weitere Sprecher sind Burghardt Klaußner, David Zimmerschied und Simon Licht.

Die sehr reduzierte Umsetzung der Handlung zeichnet sich durch den fast vollkommenen Verzicht auf Musik aus, nur am und an sind sehr kleine Musikfetzen eingebaut, nicht harmonisch, weder beruhigend noch Aufmerksamkeit heischend, sondern schlicht und eindringlich. Zahlreiche Geräusche, auch mal sehr leise im Hintergrund oder als kleiner Störton eingebaut, vermitteln trotz ihrer Sachlichkeit eine Menge Atmosphäre.

Um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen wurde für das Cover das Filmplakat übernommen. Obwohl dieses mit dem einzigen lebendig wirkenden Gesicht von Elser unter all den gleichförmigen Männern aussagekräftig und passend ist, wurde die Chance verpasst, sich als eigenständige Umsetzung des Stoffes zu präsentieren. Im umfangreichen Booklet sind zahlreiche Hintergrundinformationen sowie einige Bilder aus dem Film zu sehen.

Fazit: „Elser“ ist kein sonderlich populärer Stoff und zudem recht schwer verdaulich, kann dafür aber mit einem Stück Zeitgeschichte und einer sehr intensiven Charakterdarstellung überzeugen. Im Umfeld des geplanten Attentats treten nicht nur einige Menschen ins Licht und werden intensiv beleuchtet, auch die Umstände der Tat werden sehr detailliert und fast kunstvoll beschrieben.

VÖ: 1.April 2015
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-469-0


 

Jugend ohne Gott



Erster Eindruck: Einprägsames Drama in einer Schulklasse

In der Zeit, in der Hitler gerade die Macht ergreift, äußert sich ein Lehrer im Unterricht gegen nationalsozialistisches Gedankengut. Seine Schüler und deren Eltern plädieren für seinen Austausch, der Direktor jedoch steht zu ihm und schickt ihn mit in ein Zeltlager, in der die Jungen auf den Militärdienst vorbereitet werden sollen. Doch eines Tages wird einer der Schüler tot aufgefunden...

Der dritte Roman von Ödön von Horváth mit dem Titel „Jugend ohne Gott“ aus dem Jahr 1937 wurde 2013 vom WDR als Radiohörspiel umgesetzt, noch einige Zeit später ist es beim Hörverlag auch als Kaufversion erschienen. Und dabei wird gleich Vielfältiges geboten: Ein Stück Zeitgeschichte, ein klares Statement gegen Rechtsradikalismus, ein Kriminalfall und dazwischen zahlreiche philosophische Gedankengänge. So kurios diese Mischung auch klingen mag, so wunderbar verflechten sich die einzelnen Elementen im Laufe der Handlung zu einem sehr ansprechenden Ganzen. Erzählt wird aus der Sicht eines Lehrers, dessen Namen ebenso wie die aller anderen Charaktere nicht genannt wird. Doch während sein Charakter deutlich zur Geltung kommt, verschwinden andere in der gesichtslosen Masse, gleichen sich dem nationalsozialistischen Gedankengut an. Der sich anschließende Mord im Zeltlager bringt dann noch ganz andere Facetten mit ein, zeigt interessante Charaktere und stellt auch den Lehrer in ein anderes Licht. Die Kürzung des Romans ist gut gelungen und erhält trotz des Wegfalls einiger prägnanter Szenen sein Wesen und seine Aussagekraft. Ein in seiner Botschaft kraftvolles Hörspiel, sehr gelungen in Szene gesetzt und trotz der eher ruhigen Ausstrahlung sehr unterhaltsam. Sehr hörenswert!

Matthias Bundschuh ist in der Rolle des Lehrers zu hören und übernimmt neben den Dialoge auch eine Art Erzählerfunktion und innere Monologe, was er mit sehr eindringlicher Betonung und treffender Charakterdarstellung gelingt. Durch ihn gewinnt das Hörspiel viel an Kraft und Lebendigkeit. Jean Paul Baeck ist als Schüler N zu hören und kann dessen recht komplexe Gefühlswelt sehr gelungen darstellen und ihn so facettenreich beleuchten. Sehr ausdrucksstark spricht Daniel Rotaug als Schüler Z, der gerade gegen Ende eine sehr imposante Leistung hinlegt. Weitere Sprecher sind Lucie Heinze, Wolf Aniol und Josef Tratnik.

Das Hörspiel konzentriert sich sehr auf die Dialoge, die Sprachaufnahmen stehen zu jeder Zeit im Vordergrund. Diese sind technisch sehr hochwertig aufgenommen worden und bieten einen sehr klaren Klang. Durch den Verzicht auf Musik und Geräusche entsteht eine ruhige, fast schon spröde Atmosphäre, die durch die sehr fähigen Sprechern geprägt wird.

Wie fast immer bei dem Hörverlag ist die Hörspiel-CD in einem sehr ansehnlich gestalteten Digipack untergebracht, dessen Titelbild von einem jungen Mann in einem schlichten Anzug geprägt ist. Die schlichten Lettern stehen hier jedoch im Vordergrund. Auch das Innere ist sehr strukturiert aufgebaut, die Fotos zweier Sprecher sind dabei auf der Rückseite abgedruckt.

Fazit: Die Geschichte um den Lehrer und seine Schulklasse ist sehr eindringlich erzählt worden und enthält zahlreiche sehr gelungene Elemente, die bestens ineinander greifen. Die hervorragende Charakterdarstellung und die intensive Aussagekraft der Handlung machen „Jugend ohne Gott“ zu seinem sehr hörenswerten Radiohörspiel.

VÖ: 27.April 2015
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1576-3


Arthur Miller – Die Hörspiel-Edition



Erster Eindruck: 8 sehr hörenswerte Dramen

Für seine zahlreichen Dramen wurde Arthur Miller unter anderem mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Dabei arbeitet er immer wieder Kritik an dem „American Way of life“, dem Streben nach Erfolg und Reichtum, in seine Geschichten ein und schafft dabei prägnante und interessante Charaktere. Der Hörverlag hat dem Amerikaner nun eine dicke Hörspiel-Edition gewidmet, in dem 8 Werke in Radiohörspielvertonungen vorhanden sind. Zusätzlich gibt es sein wohl bekanntestes Werk „Tod eines Handlungsreisenden“ in einer Lesung der Autoren.

Schon die erste Umsetzung mit dem Titel „Brennpunkt“ weiß vollkommen zu überzeugen und kann mit einem interessanten Gedankenspiel zum Nachdenken anregen. Durch seine neue Brille sieht der Personalchef Newman plötzlich wie ein Jude aus und muss sich im New York der 40-Jahre gegen allerlei Vorurteile und Diskriminierungen zur Wehr setzen. Dieser Perspektivwechsel bewegt so einiges in dem Mann, der durch die Brille nun auf vielerlei Weise besser sehen kann. Die klare Sprache und die eindringlichen Schilderungen sind sehr bewegend aufbereitet und lassen die gut einstündige Produktion sehr flüssig verlaufen.
Hexenjagd spielt Ende des 17. Jahrhunderts und zeichnet die Hexenverfolgung in Salem nach. Eine farbige Sklavin zeigt einigen Mädchen okkulte Rituale, doch als der Pfarrer dabei auch seine eigene Tochter erkennt, entbrennt ein richtiger Wahn. Miller schreibt dabei nicht nur eine recht spannende Handlung, sondern zeigt auch, wie bigott manche der Dorfbewohner sind und die Angst vor Hexen für ihren eigenen Willen benutzen.
„Eine Art Liebe“ hingegen dringt sehr tief in die beiden Hauptcharaktere ein, die die gesamte Handlung allein bestreiten. Der Dialog zwischen den beiden offenbart ein sehr komplexes Beziehungsgeflecht mit zahlreichen leisen Untertönen, die sehr empathisch und mit viel Gefühl umgesetzt wurden. Die kurze Laufzeit lässt den beschränkten Handlungsspielraum sehr knackig wirken.
Und auch die anderen Hörspiele sind sehr hörenswert und bieten eine sehr breite Palette an verschiedenen Stimmungen und Emotionen, zeigt ganz verschiedene Schauplätze und stark beschriebene Charaktere. Und so habe ich hier keinerlei langwieriges oder uninteressantes Stück gefunden und habe jede der Produktionen sehr genossen.

Zu hören ist dabei natürlich eine Vielzahl von Sprechern zu hören. Erich Ponto ist beispielsweise in der deutschen Version von „Tod eines Handlungsreisenden“ als Willy Lohmann zu hören. Er spricht der präzise und eindringlich, sodass er den durchaus komplexen Charakter facettenreich und lebendig umsetzen kann. Der wunderbare Hans Paetsch spricht in „Hexenjagd“ Pastor John Hale mit seinem typischen, markanten Klang, seine eindringliche Betonung lässt seine Szenen intensiv wirken. Peter Fricke ist in dem eher unbekannten Stück „Clara“ als Kommissar Fine zu hören, auch er liefert eine sehr glaubwürdige, stimmige und sehr professionelle Vorstellung ab. Weitere Sprecher sind Felix von Mannteuffel, Michael Habeck und Hans Quest.

Viele der Produktionen stammen noch aus dem 50er Jahren, hier wirkt der Klang etwas blechern und unsauber, dennoch sind auch diese gut hörbar, zumal die Dialoge hier stets im Vordergrund stehen. Die späteren Hörspiele klingen dann deutlich klarer, und auch die Musik und die Geräusche sind hier lebendiger und treffender eingesetzt.

Die 11 CDs befinden sich jeweils in einzelnen Papphüllen, die zusammen in einer dicken und stabilen Box untergebracht sind. Alles ist übersichtlich und ansehnlich gestaltet, als Titelbild wurde eine schwarz-weiß Aufnahme des Autors vor orangenem Hintergrund gewählt. Highlight der Box ist jedoch das dicke Booklet, das das Leben des Autors an einem Zeitstrahl nachzeichnet, einen Text des Autor selbst enthält und zu jedem Hörspiel detaillierte Informationen und Kurzbiographien von teilnehmenden Mitwirkenden enthält.

Fazit: Die acht Dramen von Arthur Miller haben sehr unterschiedliche Ansatzpunkte und Verläufe, können aber durchgehend mit sehr gut ausgearbeiteten Charakteren, lebendigen Dialogen und beeindruckenden Aussagen überzeugen. Die sehr gute Auswahl und die gelungenen Umsetzungen machen diese Hörspiele sehr hörenswert!

VÖ: 9.Februar 2015
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1655-5


Krimi-Kult-Kiste 4



Erster Eindruck: Drei Gentleman auf Mörderjagd

Paul Temple hat nicht viel Zeit, um Howard Gilbert vor seiner Hinrichtung zu retten, denn der Hobbydetektiv und Autor glaubt nicht, dass er seine Verlobte getötet hat. Ein Damenschuh bringt Temple und seine Frau Steve schließlich auf die richtige Spur... (Paul Temple und der Fall Gilbert)
Ricky McMara soll sich selbst umgebracht haben – soweit jedenfalls die Theorie der Polizei. Doch seine Schwester Heather glaubt nicht so recht daran und beauftragt den Privatdetektiv Philip Odell, denn Fall aufzuklären... (Die Dame im Nebel)
Paul Cox gerät in Verdacht, Herbert Wallings getötet zu haben – schließlich steckt das Messer des Ermittlers noch im Rücken des Anwaltes. Er muss jetzt alles daran setzen, seine Unschuld zu beweisen und greift dabei tief in die Trickkiste... (Gestatten, mein Name ist Cox: Mord ist strafbar)

Bei der Krimi-Kult-Kiste veröffentlicht der Hörverlag bekannte Radioproduktionen aus der „guten alten Zeit“ der Hörspiele, den 50er bis 70er Jahren. Box vier enthält Hörspiele zu einigen der bekanntesten Ermittler, die auch heute noch zahlreiche Fans haben: Philip Odell von den „Dame“-Hörspielen, Paul Cox und der unvergessene Paul Temple. Alle drei Geschichten sind im typischen Stil der damaligen Zeit gehalten und somit recht lang, mit zahlreichen Nebenarmen, Verdächtigungen und überraschenden Wendungen. Trotz dieser Gemeinsamkeiten hat jedes der Hörspiele eine ganz eigene Note und erzählt eine spannende Handlung. Während bei Paul Temple der unglaubliche Charme der Charaktere im Vordergrund steht und auch die Nebenrollen allesamt eine leicht exzentrische Ausstrahlung haben, ist das Cox-Hörspiel von viel Humor durchzogen und lockert die Geschichte immer wieder mit wunderbar trockenem Witz auf. Währenddessen ist „Die Dame im Nebel“ der schwächste Fall dieser Box und will nicht so recht in Schwung kommen, die Handlung kommt erst recht spät auf den Punkt. Dennoch ist diese Box sehr lohnenswert und ist nicht nur für Nostalgiker geeignet – die drei Hörspiele funktionieren auch heute noch bestens.

Der grandiose René Deltgen ist hier als Paul Temple zu hören und bringt jede Menge britischen Gentleman-Charme mit ein. Durch seine eingängige Sprechweise kann er den Hörer schnell an sich binden. Albert Carl Weiland spricht den Philip Odell mit viel Nachdruck und einer flüssigen und authentischen Betonung, sodass er einen markanten Charakter formen kann. Reiner Schöne kann als Paul Cox ebenfalls überzeugen, er spricht recht locker und humorvoll, was bestens zu dem Charakter passt. Die Damen an der Seite der Gentleman-Detektive sind Annemarie Cordes, Brigitte Dryander und Heidelinde Weis.

Drei Hörspiele, drei unterschiedliche Produktionsteams, dennoch lässt sich in der akustischen Gestaltung ein roter Faden erkennen. Während der Handlung sind einige sehr präzise Geräusche eingebaut, die auch mal etwas lauter sein dürfen und alles lebendiger wirken lassen. Während der Szenenwechsel wird dann oft auf atmosphärische Orchestermusik gesetzt, die die Dramatik gut unterstützt. Leider klingen die Aufnahmen manchmal etwas blechern, besonders das Odell-Hörspiel ist hiervon betroffen.

Jedes der Hörspiele ist in einer dicken Plastikhülle verpackt – was beim Cox-Hörspiel wegen der nur zwei verwendeten CDs etwas zu viel wirkt. Die schlichte und einheitliche Gestaltung enthält alle notwendigen Informationen, die in einem separaten Booklet untergebracht sind. Alle zusammen sind in einer Bix untergebracht ist, deren Pappkarton recht dünn ist und glänzende Silhouetten auf dunklem Untergrund zeigt.

Fazit: Drei britische Gentleman, die mit Stil und Charme ermittlen. Während der Fall des charmanten Temple und des humorvollen Cox voll überzeugen können, weist Philip Odells Dame im Nebel trotz einiger interessanter Ansätze langwierige Passagen auf. Dennoch sind alle drei Hörspiele hörenswert und können spannende Fälle erzählen.

VÖ: 8.August 2008
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-289-9


Die Zeit – Der große Hörspaß



Erster Eindruck: Bunte Mischung an Kinderhörbüchern

Oetinger Audio hat zusammen mit der Zeitung „Die Zeit“ ein dickes Hörbuchpaket für Kinder zusammengestellt und dabei ganz unterschiedliche Produktionen ausgesucht. 12 Hörbücher sind es geworden, die zusammen in einem kleinen Koffer aus Pappe untergebracht sind und für etliche Stunden Unterhaltung sorgen. Durch die große Bandbreite ausgewählter Themen und Autoren ist sicherlich nicht jedes Hörbuch ein Volltreffer für jeden Geschmack – andersherum wird jeder hier schnell seine ganz persönlichen Lieblinge finden. Sei es das orientalisch angehauchte Märchen „Sultan und Kotzbrocken“ um einen ziemlich exaltierten Herrscher, das ungewöhnliche Wissenshörbuch „Kuckuck, Krake, Kakerlake“ oder das skurrile, aber herzergreifende Hörspiel „Fennymores Reise“, schnell wird man fündig und bekommt zusätzlichen einen Überblick über verschiedene Genres. So ist „Nenn mich nicht Ismael!“ ein sehr mutmachender Roman, der sich mit der eigenen Stärke, der Überwindung von Angst aber auch mit Fremdenfeindlichkeit beschäftigt und für Kinder recht anspruchsvoll ist. „Onkel Alwin und das Sams“ stammt aus der Reihe um das bekannte rothaarige Fabelwesen, ist unkonventionell und witzig, richtig zur Geltung kommt die Geschichte aber nur, wenn man auch andere Teile um das Sams kennt. „Tintenherz“, der großartige Roman von Cornelia Funke, sticht hier etwas heraus und wurde als Hörspielversion beigelegt, die sehr phantasievoll und atmosphärisch ist, aber auch mit Abstand das komplexeste Werk, das hier vorgestellt wird. Und so kann man ganz unterschiedliche Produktionen entdecken, auf die man ansonsten nicht aufmerksam geworden wäre, zumal die Auswahl auf qualitativ hochwertige und flüssig verlaufende Geschichten gefallen ist.

Eine Vielzahl an unterschiedlichen Sprechern ist hier zu hören, insgesamt ist das Niveau hier sehr hoch. In Fennymores Reisen ist beispielsweise Udo Kroschwald als unheimlicher Doktor Uhrengut sehr gut besetzt worden, mit düsterem Charme kann er die Figur sehr lebendig wirken lassen. Robin Brosch ist bei Tintenherz als Mo zu hören und spricht seine Rolle mit viel Elan und trägt zur phantasievollen Wirkung des Hörspiels bei. Jens Wawrczek liest unter anderem das Hörbuch „Die fabelhafte Miss Braitwhistle“ mit seiner unverkennbaren Stimme und kann dabei gelungen den Handlungsbogen nachzeichnen. Weitere Sprecher sind Ulrich Noethen, Friedhelm Ptok und Martin Baltscheit.

Die vielen Produktionen sind ganz unterschiedlich umgesetzt worden. Während einige Hörbücher ohne akustische Begleitung auskommen, gibt es streckenweise Musikstücke oder eingebaute Geräusche, und beispielsweise mit Tintenherz sind auch aufwändig produzierte Hörspiele vorhanden. Allen gemein ist aber die technisch sehr runde und gelungene Umsetzung, die alle Dialoge sehr klar aus den Boxen kommen lässt.

Die einzelnen CDs sind in den üblichen Verpackungen jeweils mit eigenem Cover und Booklet in einem stabilen Pappkoffer untergebracht. Dieser hat an der Vorderseite eine Schnalle, die den Deckel hält, aber auch Kinder haben keine Probleme, ihn zu öffnen. Auf dem gelben Untergrund sind einige Motive aus den Produktionen zu sehen, alles ist hübsch gestaltet. Da der Koffer sehr breit ist und die CDs innen noch von Pappeinlegern gehalten werden, ist noch viel Platz für andere Hörspiele.

Fazit: Eine gelungene Auswahl an moderner Kinderliteratur, meist gelesen, mal als Hörspiel. Eine bunte Mischung, sodass nicht jede Produktion den eigenen Geschmack trifft, die es aber auch erlaubt, einige Perlen zu entdecken. 12 Geschichten für Kinder, lebendig, mutmachend, abenteuerlich oder herzergreifend, aber eigentlich immer unterhaltsam.

VÖ: 19.September 2014
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0805-1


The War of Worlds (H.G. Wells)



Erster Eindruck: Englischer Hörspielklassiker

„The War of Worlds“ dürfte eines der bekanntesten, jemals produzierten Hörspiele sein. Legenden zufolge soll es bei der Erstausstrahlung zu Massenpaniken geführt haben. Auch wenn sich dies mittlerweile eher als Mythos herausgestellt hat: Dass das Hörspiel Aufsehen und einige besorgte Anrufe beim Radiosender hervorrief gilt als gesichert. Denn hier wurde der fiktive Roman von H.G. Wells als Radiohörspiel in Form einer Reportage umgesetzt, sodass alles sehr realistisch klingt. Aliens vom Mars erobern darin die Erde in riesigen, dreibeinigen Kampfmaschinen, Giftgas entströmt, New Yersey wird langsam erobert. Das alles wird von Radioreportern berichtet, mit Geräuschen unterlegt. Die Dramatik steigert sich dabei immer weiter, die Aufnahmen reißen ab und lassen nur noch den Tod der Reporter vermuten. Kommentare von Wissenschaftlern ergänzen diese beklemmende Szenerie. Und genau die ist es auch, die den Reiz des Hörspiel ausmacht, diese diffuse Berichterstattung, die einzelnen Szenen, die zusammen das bedrohliche Gesamtbild ergeben. Diese sehr realistische Darstellung funktioniert auch heute noch gut, die schnell gesprochenen Texte, die sich ausbreitende Panik sorgen für eine sehr intensive Stimmung.

Die vielen Sprecher machen ihre Sache dabei sehr gut und stellen ihre Rollen realistisch dar. So wirken die Szenen wirklich wie Ausschnitte aus einer Radioreportage, sodass alles sehr nahbar wirkt. Die schnelle Sprechweise und die aufkommende Panik in den Stimmen unterstützt das Wirken der Handlung und trägt maßgeblich zum Gelingen des Ganzen bei.

Die Klangqualität ist – wie bei einer so alten Aufnahme nicht anders zu erwarten – nicht an den heutigen Standards zu messen, sondern wirkt insgesamt recht dumpf. Zudem ertönt das typische Knacken von Radioaufnahmen aus dieser Zeit. Zudem wirkt die Wiedergabe in Mono recht roh, was aber einen interessanten Effekt mit sich bringt und seinen ganz eigenen Charme entwickelt. Die eingefügten Geräusche sind dabei durchaus laut und kraftvoll in den Vordergrund gestellt und verfehlen ihre Wirkung so nicht.

Sehr ansehnlich ist die Verpackung zu dieser ungewöhnlichen Veröffentlichung geraten: Das stabile Digipack ist oben halb rund geformt, darauf abgebildet ist ein altes Radio aus der Zeit der Ausstrahlung. Das dunkle Holz wurde auch auf der Rückseite übernommen, hier ist zudem ein Photo von Sprecher Orson Welles zu sehen. Im Inneren gibt es Informationen zu Wells, Welles und einen Auszug aus einem Buch über das Werk. Außerdem sind einige Zeichnungen aus dem Roman zu finden.

Fazit: Die Veröffentlichung von dem englischen Originalhörspiel zu „Krieg der Welten“ beim Hörverlag ist wohl eine kleine Überraschung, doch die als Reportage inszenierte Geschichte um den Alieninvasion ist auch heute noch sehr unterhaltsam und spiegelt einen ganz anderen Charme als heutige Produktionen wieder.

VÖ: 13.Oktober 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1601-2


Peterchens Mondfahrt (SWR 1963)



Erster Eindruck: Auf der Suche nach dem verlorenen Beinchen

Peterchen und seine kleine Schwester Annelies bekommen in einer Nacht Besuch vom freundlichen Maikäfer Sumsemann. Doch er hat nur fünf Beine, wie alle seiner Verwandten. Das sechste Bein des Maikäfers befindet sich bei dem bösen Mann im Mond, der er vor vielen Jahren geraubt hat. Und nur zwei Kinder, die nie ein Tier gequält haben, können es wiederholen. Natürlich wollen Peterchen und Anneliese helfen...

Peterchens Mondfahrt ist zu einem Klassiker der deutschen Kinderliteratur geworden und schon einige Male als Hörspiel umgesetzt. Eine dieser Produktionen stammt vom SWR aus dem Jahr 1963 und wurde nun vom Audio Verlag auf CD herausgebracht, sodass die wunderbare Reihe an Kinderhörspielen mit dem weißen Rücken Zuwachs bekommt. In 47 Minuten wird die Handlung hier erzählt, was sich genau als die richtige Länge herausstellt. Denn so kommen die einzelnen Elemente gut zur Geltung, ziehen sich aber nicht in die Länge. Zahlreiche märchenhafte Gestalten bevölkern die Geschichte und machen sie bunt und phantasievoll, besonders die personifizierten Wetterphäomene sind hier liebevoll umgesetzt worden und bringen ihre ganz eigene Charakteristiken bestens mit ein. Der Verlauf ist dabei kurzweilig und ist für Kinder spannend, da im Mann im Mond ein mächtiger und rücksichtsloser Gegenspieler zu besiegen ist. Und auch die Rolle von Peterchen, Anneliese und Herrn Sumsemann wird nicht vernachlässigt. Eine sehr gelungene und warmherzige Produktion, die die Geschichte sehr gelungen umsetzt.

Mit Thomas Rosengarten und Antje Hagen wurden zwei talentierte Kinder für die Hauptrollen ausgesucht, die Peterchen und Anneliese durchaus lebendig und mit viel Energie umsetzen können. Hans Timerding ist als Herr Sumsemann zu hören, klingt etwas schusselig und ängstlich, kann aber auch Freude und Dankbarkeit gut vermitteln. Gut gefallen hat mir Maja Scholz als Nachtfee, die sehr warmherzig und liebenswert klingt, aber auch eine mysteriöse Aura um sich herum aufbaut. Weitere Sprecher sind Kirt Ebbinghaus, Walter Prüssig und Carola Erdin.

Bei Umsetzungen dieser Geschichte ist die akustsiche Gestaltung besonders wichtig, und diese ist hier gut gelungen. Die Musik ist klassisch angehaucht und mit einem Orchester umgesetzt worden, ist aber auch verspielt und kindgerecht umgesetzt. Geräusche werden auch hierdurch erzeugt, sodass die Wetterphänomene sehr eindrucksvoll umgesetzt wurden.

Das Titebild ist recht künstlerisch und ansprechend umgesetzt worden und passt sehr gut zu der strengen Aufteilung des Covers. In verschiedenen Violetttönen wird ein Nachthimmel samt großem Mond und vieler Sterne dargestellt. Während Herr Sumsemann im Vordergrund auf der Violine spielt, fliegen Peterchen und Anneliese durch die Luft. Der scherenschnittartige Look gefällt mit dabei sehr gut.

Fazit: Blitzhexe, Donnermann, Regenfritz und all die anderen phantastischen Figuren sind hier liebevoll und einprägsam umgesetzt worden, und auch die eigentliche Geschichte um das verlorene Beinchen des Maikäfers ist spannend und kurzweilig. Die sehr gute akustische Umsetzung macht aus dem Kinderbuchklassiker eine sehr hörenswerte Produktion für die ganze Familie.

VÖ: 1.April 2015
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-478-2


Der Mentor



Erster Eindruck: Alternder Schriftsteller und aufstrebendes Talent

Eine Kulturstiftung hat den gealterten Schriftsteller Benjamin Rubin, dessen erstes und erfolgreichstes Stück Pflichtlektüre in der Schule ist, mit dem aufstrebenden Jungtalent Martin Wegner zusammengebracht, um an dessen neuen Stück zu feilen. Beide scheinen jedoch nicht sonderlich glücklich mit diesem Arrangement, sodass es unvermeidlich zu den ersten Spannungen kommt...

Daniel Kehlmann hat sein neues Bühnenstück „Der Mentor“ getauft und schreibt darin über seine eigene Zunft, über zwei Schriftsteller, einer alteingessesen, ein anderer momentan angesagt. Nach der Theaterpremiere folgte auch ein Radiohörspiel, das nun beim Audio Verlag veröffentlicht wurde. Gerade einmal vier Personen kommen in diesem dialoglastigen Hörspiel vor, und gerade deshalb dringt Kehlmann so tief in sie ein: Benjamin Rubin als recht arroganter Altstar des Theaters, vergrämt, dass seine Stücke nur noch als Reclam-Hefte existieren, seine eigenen Witze gebetsmühlenartig wiederholend, immer im Mittelpunkt stehen wollend. Im Gegensatz dazu Martin Wegener, der die aktuelle Kunstszene durchschaut und überall nur Oberflächlichkeit sieht, trotz großem Erfolg unsicher in seinem Tun. Als Randfiguren Martins Frau Gina, die vom Werk ihres Mannes nicht viel hält und sich mit Gedankenlosigkeit entschuldigt sowie Stiftungsmitglied Wangenroth (mit th) als Vermittler und enthusiastischer Kunstliebhaber. Doch es steckt noch mehr in „Der Mentor“, es wird die Frage nach der Bewertbarkeit von Kunst gestellt, es werden Beziehungen hinterfragt, und es zeigt sich, dass Geld doch über alles geht. Das ist bitter-böse geschildert, von feinem Humor durchzogen und hört sich trotz des ungewöhnlichen Themas sehr kurzweilig. Ein sehr gelungenes Projekt, dem ich – ganz subjektiv - meine volle Sympathie ausspreche.

Die vier Sprecher sind hervorragend ausgesucht und Treffen das Innerste ihrer Charaktere. Besonders im Gedächtnis bleibt dabei Franz Xaver Kroetz als Benjamin Rubin, der ebenso sanft und charmant wie raubeinig und arrogant klingen kann, mit scharfer Stimme verletzt und mit weichem Klang umschmeichelt. Ilja Richter spricht Erwin Wangenroth mit viel Enthusiasmus, Energie und setzt trotz seiner eher kleinen Rolle gekonnte Akzente. Christoph Bach ist als Martin Wegner zu hören, er kann besonders die Selbstzweifel, das Aufbäumen gegen die eigene Mittelmäßigkeit sehr treffend darstellen. Stephanie Schönfeld kann als Gina Wegner mit ihrem prägnanten Klang und ihrer sehr treffenden Umsetzung ihres Charakters überzeugen.

Das Hörspiel ist sehr sparsam umgesetzt, sodass der Charakter eines Theaterstücks erhalten bleibt. Musik ist nicht zu hören, nur einige Geräusche sind zu hören, um einige Vorgänge verständlicher zu machen. So konzentriert sich alles auf die Sprecher, sodass diese noch mehr im Vordergrund stehen und mit ihren vielfältigen Stimmungen für die notwendige Atmosphäre sorgen.

Franz Xaver Kroetz ist auf dem Cover porträtiert, er schaut seitlich in die Kamera und blickt reichlich ernst drein, das schwarz-weiße Foto vor dunklem Hintergrund passt sehr gut zu der Figur den Benjamin Rubin. Die restliche Gestaltung ist sehr schlicht gehalten, lediglich der Platz hinter der CD wird von dem Foto einer alten Villa in einem weitläufigen Park eingenommen und gibt so einen Eindruck von dem Schauplatz des Geschehens.

Fazit: Scharfsinnig und scharfzüngig wird das Aufeinandertreffen zweier Schriftstellergenerationen inszeniert, beide egoman und engstirnig, beide offenbaren im Laufe der Zeit wenig Respekt voreinander. Das Durchleuchten der Charaktere, die sich verändernden Beziehungen und die Frage nach dem Sinn von Kunst sorgen für ein herausragendes Stück, das mich in seinen 57 Minuten gefesselt hat.

VÖ: 1.Februar 2015
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-506-2


Ida, Paul und Frankensteins Katze



Erster Eindruck: Ein nerviger Bruder und ein Hexenhaus...

Ein Kater ist aus der Nachbarschaft von Ida und Paul verschwunden, eine Belohnung von 500 Kronen will die Besitzerin dem Finder geben. Da findet es Ida nicht mehr ganz so schlimm, dass ihr Vater arbeitslos ist und nimmt die Sache kurzentschlossen selbst in die Hand. Doch trotz einiger Bemühungen findet Ida den Kater nicht. Vielleicht kann ja der seltsame Hassan, der Hausmeister von Idas Schule, helfen...

Auch der dritte Teil der Kinderbuchreihe um Ida und Paul wurde vom SWR als Hörspiel vertont und ist nun beim Audio Verlag erhältlich. Und wie die beiden Vorgänger steckt deutlich mehr in der Handlung als lediglich eine vergnügliche Suche nach der entlaufenen Katze. Viele Themen werden dabei aufgegriffen, vordergründig ist beispielsweise die Beziehung zwischen Ida und ihrem Bruder Zappel beleuchtet. Zappel geht ihr ziemlich auch die Nerven, weil er ständig Witze falsch erzählt und recht quengelig wirkt. Im Laufe der Handlung schleicht sich auch eine kleine Geschichte um den merkwürdigen Hausmeister ein, der ein wenig verrückt erscheint. Was anfangs wie ein netter Nebenschauplatz mit Charme und Witz wirkt, bekommt hinterher noch deutlich mehr Tiefe und zeigt auch die Hintergründe auf. Die Einbindung des Märchens Hänsel und Gretel ist dabei ebenso gelungen und erstreckt sich von den ausgelegten weißen Steinen bis zu dem einsamen Hexenhaus. Am Ende der Geschichte wird es richtig traurig, der philosophische Ansatz, der schon in der vorigen Handlung durchschimmert, tritt hier noch deutlicher an den Tag und bietet auch kleineren Kindern einige verschiedene Sichtweisen. Ein sehr warmherziges und liebevolles Kinderhörspiel, das mich sehr überzeugen konnte.

Die Sprecher sind wieder sehr gut ausgewählt, sowohl in den Haupt- wie auch in den Nebenrollen. So kann Elisabeth Juhnke in der Rolle der Ida mit einer sehr präsenten und ausdrucksstarken Stimme überzeugen, die unterschiedlichen Gefühlslagen werden sehr glaubhaft wiedergegeben. Aufgekratzt und energiegeladen wirkt Maja Schäfermeyer als Zappel, der nervige kleinen Bruder erwacht so zum Leben und bringt Schwung mit ins Hörspiel. Ilja Richter schafft als Hausmeister Hassan eine sehr interessante und vielschichtige Figur, all Verwirrtheit und seine spätere Verzweiflung bekommen so noch mehr Gewicht. Weitere Sprecher sind Luca Baron, Fabian Busch und Doris Wolters.

Die Umsetzung des SWR ist sehr behutsam geschehen und stellt die Dialoge immer klar in den Vordergrund, die eingesetzten Erzählpassagen sind kurzweilig und nicht übermäßig. Musik wurde hier nicht verwendet, dafür lockern einige Geräusche die Handlung auf – mal um eine passende Atmosphäre zu schaffen, mal um Vorgänge deutlicher zu machen. Leider wirken einige wenige Sounds deplatziert und etwas übertrieben, beispielsweise beim Werfen eines Stockes.

Die sehr stilisierte Zeichnung auf dem Cover wurde von der Buchvorlage entnommen und wirkt recht düster und bedrückend. Der tiefblaue Hintergrund lässt die Mäntel von Ida und Paul – beide recht breit geraten – hell hervorstechen. Mir persönlich gefällt der Zeichenstil nicht allzu gut. Die restliche Gestaltung folgt wieder der strengen Aufteilung des Labels und enthält die üblichen Produktionsinformationen.

Fazit: Eine kleine Perle unter den Kinderhörspielen, das sowohl sehr lustig als auch traurig und nachdenklich wirken kann. Viele Elemente sind hier sehr gelungen aneinandergefügt und geben trotz der unterschiedlichen Stimmungen ein sehr rundes Bild ab. Am Ende gibt es noch einige Überraschungen und einen eleganten Ausstieg aus der Handlung. Sehr hörenswert!

VÖ: 1.Februar 2015
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-479-9


Doktor Schiwago



Erster Eindruck: Weltliteratur in schwerfälliger Umsetzung

Der als Waisenjunge in einer Pflegefamilie aufgewachsene Jurij Schiwago studiert trotz seines Hanges zur Dichtkunst Medizin und heiratet Tonja, die leibliche Tochter seiner Pflegeeltern. Nach dem Ausbruch des ersten Weltkrieges lernt er Lara kennen, die einen Klassenkameraden geheiratet hat, um dem Einfluss ihres Stiefvaters zu entgehen. Lara und Jurij verlieben sich ineinander, doch ihre Wege trennen sich bald wieder...

„Doktor Schiwago“ ist den meisten wohl in der Verfilmung von 1965 bekannt, auch die Neuauflage aus dem Jahr 2002 hat einige Anhänger gefunden. Doch die bekannte Vorlage wurde auch als Radiohörspiel im Jahr 1958 umgesetzt, ein Jahr nach dem Erscheinen des Romans. Die Umsetzung ist sehr trocken, gerade am Anfang sind zahlreiche zähe Passagen vorhanden. Lange Erzählpassagen reihen sich hier aneinander, es finden kaum Dialoge statt, die Handlung wirkt sehr statisch. Erst im weiteren Verlauf der Erzählung wirkt die Umsetzung lebendiger, doch von wirklicher Dynamik ist hier nichts zu spüren. Das erschwert den Zugang zum eigentlichen Stoff deutlich, sodass man viel Aufmerksamkeit und Konzentration aufbringen muss, um der Handlung zu folgen und die Charaktere und Ereignisse richtig zuordnen zu können. Dabei ist der Roman durchaus lohnenswert, die philosophischen Gedankenanstöße und die eindringliche Betrachtungsweise des menschlichen Zusammenlebens, der nachdenkliche und weise Charakter von Jurij sind gut miteinander verflochten, wenn man sich hier auch durch die altertümliche Sprache nicht abschrecken lassen sollte. Doch was als Roman gut funktioniert, lässt sich nun mal nicht einfach auch das Medium Hörspiel übertragen, zumal hier eher von einer Lesung mit verteilten Rollen zu sprechen ist, Geräusche oder gar Musik kommen hier nicht zur Geltung. Mich konnte diese Umsetzung leider gerade wegen des schwerfälligen Anfangs nicht so recht überzeugen.

Ludwig Cremer ist als Jurij Schiwago zu hören und verleiht seiner Figur eine starke Präsenz und einen eindringlichen Ausdruck, kann ihn facettenreich und mit viel Feingefühl erfassen. Auch Joana Maria Gorvin konnte mich als Lara überzeugen, ihre sanfte Stimme und ihre sehr präsente Sprechweise erschaffen eine lebendigen und vielseitigen Charakter. Ingeborg Christiansen wirkt als Tatjana sehr steif, sodass sie mich leider mit ihrer Stimme nicht erreichen konnte. Weitere Sprecher sind Rudolph Birkemeyer, Kaspar Brünunghaus und Paul Hoffmann.

Geprägt wird Das Cover von einer russischen Schönheit, ihr geheimnisvolles, fast schon edles Gesicht mit dem sanften Lächeln ist umrahmt von Pelzmütze und -mantel. Der recht schlichte Schriftzug lenkt hiervon nicht zu sehr ab. Im Inneren des hübsch gestalteten Digipacks findet sich noch ein Booklet mit Informationen zu einigen Mitwirkenden, dem Autor sowie einem sehr lesenswerten einführenden Text über die Geschichte des Werkes.

Fazit: Doktor Schiwago gehört zweifellos zur Weltliteratur und hat mit seiner ausdrucksstarken Handlung und den vielschichtigen Charakteren zurecht diesen Status. Diese Umsetzung ist jedoch zu zäh geraten und erschwert zudem den Einstieg in die Handlung, verliert sich in zu langen Monologen und kann erst im zweiten Drittel der über vierstündigen Erzählung etwas Dynamik präsentieren.

VÖ: 8.Dezember 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1716-3


Die unendliche Geschichte (WDR 2014)



Erster Eindruck: Jugendbuchklassiker neu aufgenommen

Bastian Buchs wird mal wieder von einigen Klassenkameraden verfolgt, als er sich in die Buchhandlung von Herrn Koreander flüchtet. Er entdeckt dort ein Buch namens „Die unendliche Geschichte“ und ist gleich fasziniert. Da er eigentlich Unterricht hätte, versteckt er sich auf dem Dachboden des Schulgebäudes und liest die Geschichte über Phantasien, das in großer Gefahr schwebt und dem unheimlichen Nichts bedroht wird.

Michael Ende hat 1979 seinen wohl bekanntesten und bedeutendsten Roman verfasst: „Die unendliche Geschichte“. Zahlreiche Adaptionen hat es seitdem gegeben, auch eine Hörspielversion von 1980 existiert bereits. Doch im Jahr 2014, 35 nach der Erstveröffentlichung des Romans, hat sich der WDR des Stoffes erneut angenommen und erzählt die Geschichte in viereinhalb Stunden neu. Eine zugehörige CD-Version ist nun bei Silberfisch erschienen. Die Handlung wurde leicht gekürzt, wobei das Wesen des Buches aber dadurch nicht verändert wurde. Vielmehr wurde viel Wert darauf gelegt, die vielen phantastischen Elemente zu bewahren und sie effektvoll umzusetzen. Jedes Wesen, jede besondere Szenerie wurde passend umgesetzt und bekommt so seine ganz eigene Stimmung, alles wirkt sehr lebendig und eingängig. Dabei sind die Szenen in Phantasien gut von denen in der realen Welt getrennt, schnell kann man sich trotz des für ein Jugendbuch recht komplexen Verlaufes gut orientieren. Das liegt auch daran, dass zwei verschiedene Erzähler verwendet werden, die sich gegenseitig ergänzen. Immer tiefer verliert sich Bastian im Laufe der Handlung in „Die unendliche Geschichte“, immer weiter verwischen die Grenzen zwischen Phantasien und der realen Welt, und genauso kann man sich immer weiter in das Hörspiel hineinversinken lassen. Und trotz all der Unterhaltung, trotz all der phantastischen Einfälle, ist die Handlung auch in dieser Umsetzung sehr tiefgründig, stimmt nachdenklich. So hören sicherlich nicht nur Jugendliche gern zu, sondern auch Erwachsene. Eine sehr gelungene Neuinterpretation des Klassikers, die mich vollends überzeugen konnte.

Wunderbare Sprecher wurden ausgesucht, um die vielen Wesen Phantasiens zum Leben zu erwecken. Im Vordergrund steht jedoch Benny Hogenacker als Bastian, der einen nachdenklichen und verträumten Eindruck hinterlässt, gegen Ende aber noch etwas energischer hätte wirken können. Finn Oleg Schlüter ist als Atreju zu hören, der mit viel Nachdruck und einer lebendigen Sprechweise überzeugen kann. Mechthild Großmann hat mir als Morla sehr gut gefallen, spricht langsam und bedächtig mit ihrer sehr klangvollen Stimme. Sehr gelungen auch die großartige Cathlen Gawlich als Ygramul, die ihren kurzen Auftritt sehr nachhaltig gestaltet. Weitere Sprecher sind unter anderem Hans Kremer, Anna Thalbach und Sebastian Rudolph.

Felix Rösch hat eigens für diese Produktion neue Musik komponiert, die mit dem Symphonieorchester des WDR eingespielt wurde. So ergeben sich klassische Töne, die sich sehr gut an die jeweilige Handlung anpassen und mit vielen interessanten Klängen sehr abwechslungsreich gestalten. Hinzu kommen noch zahlreiche sehr gut platzierte Geräusche und Effekte, die die Welt von Phantasien sehr lebendig und greifbar gestalten.

Die sechs CDs dieser Veröffentlichung befinden sich in einzelnen einfachen Plastikhüllen, die in einer stabilen Box lagern. Das Cover orientiert sich dabei an der Buchveröffentlichung und ist zu großen Teilen in einem Olivton gehalten, das von einigen Ornamenten verziert sind. Im Mittelpunkt ist eine mit Aquarellfarben gezeichnete Darstellung von Phantasien und dem Elfenbeinturm zu sehen. Zudem liegt ein Booklet bei, das mit vielen Fotos und kleinen, ergänzenden Kommentaren gelungen gestaltet wurde.

Fazit: Die phantasievolle Geschichte wurde hier vielseitig und sehr stimmig umgesetzt, wobei das Wesen des Buches erhalten geblieben ist. Neben all den phantastischen Elementen wird die Tiefgründigkeit nicht vernachlässigt. Eine sehr gelungene Neuinterpretation mit einer sehr stimmigen Umsetzung.

VÖ: 9.Dezember 2014
Label: Silberfisch
Bestellnummer: 978-3-86742-723-4


Paul Temple und der Fall Gregory



Erster Eindruck: Neuaufnahme des verschollenen Temples mit ganz eigener Note

Eine Serie an Morden und jungen Frauen erschüttert das Land, mindestens drei Leichen sind schon gefunden worden. Dabei gibt es immer wieder Hinweise des Täters, der sich „Gregory“ nennt und die Polizei damit an der Nase herumführt. Auch Kriminalautor und Hobbydetektiv Paul Temple wird auf den Fall aufmerksam gemacht – und das gleich von ganz unterschiedlichen Stellen...

Der Hörverlag veröffentlicht „Paul Temple und der Fall Gregory“ - was vielen wohl nicht sonderlich bemerkenswert vorkommen dürfte, für Kenner aber eine kleine Revolution ist. Denn das erste Hörspiel der Reihe galt lange als verschollen, da die teuren Aufnahmebänder nach der ersten Sendung des NWDR wohl wiederverwendet wurden. Es ist auch nicht das Originalhörspiel, sondern eine Rekonstruktion, die mit erhaltenen Textpassagen und einer noch vorhandenen norwegischen Tonaufnahme zusammengestellt wurde. Und auch die Erzählweise ist eine Revolution, denn der bekannte Schauspieler und bekennender Hörspielfan Bastian Pastewka hat eine Gruppe von vier weiteren Sprechern um sich geschart und neben den „klassischen“ Dialogen auch immer wieder Einwürfe eingebaut, in der das Geschehen kommentiert oder auch einfach nur ein wenig gestritten wird. Temple-Puristen werden hier wohl keine Freude daran finden, ich jedoch empfinde diese Umsetzung als mehr als gelungen. Denn gerade diese Situationen, machen das Salz in der Suppe aus, es werden Hintergrundinformationen gegeben und auch die scheinbar widersinnigen und aufgesetzten Details erklärt. Zudem und vor allem sind sie aber extrem witzig und haben einen vorzüglichen Humor – sowohl was Paul Temple, das Medium Hörspiel als auch die Schauspieler selbst angeht. Das Erstaunliche ist, dass trotz allen Humors auch die Liebe zum Hörspiel und dem Werk von Durbridge durchkommt und eine spannende und komplexe Handlung geboten wird, einige Höhepunkte und viele zwielichtige Figuren sorgen dabei für klassisches Temple-Feeling. Ich bin begeistert von dieser ebenso humorvollen wie traditionellen Umsetzung und finde, dass hier beides bestens vereint wurde.

Fünf Sprecher gestalten das eindreiviertel-stündige Hörspiel und schlüpfen dabei teilweise in viele verschiedene Rollen. Bastian Pastewka ist dabei als Paul Temple zu hören, er lehnt sich dabei an die Interpretation von René Deltgen an, bringt aber auch eine eigene Note mit ein und nimmt die Rolle hörbar ernst. Janina Sachau ist als seine Ehefrau Steve zu hören, sie überspitzt die Figur deutlich und legt sie eher humoristisch an, was mir aber durchaus gut gefällt. Alexis Kara überzeugt in verschiedenen Rollen mit einer großen Wandlungsfähigkeit und verleiht jeder Rolle eine eigene Note. Diverse Sergeants und auch andere Rollen werden von Inga Busch gesprochen, deren prägnante rauchige Stimme gut in das Ambiente der Handlung passt. Kai Magnus Sting ist unter anderem als Sir Graham Forbes zu hören, auch er kann eine breite Palette an unterschiedlichen Klängen anbieten. Gemeinsam, in den scheinbar improvisierten Zwischendialogen, entfaltet jeder noch eine ganz eigene Persönlichkeit.

Die akustische Gestaltung orientiert sich hörbar an den klassischen Temple-Hörspielen, zackige Melodien, laute Blechbläser, pointierte Musikstücke an den spannendsten Stellen sind hierfür Stilmittel. Und auch eine altehrwürdige Geräuschkulisse mit zahlreichen knarrenden Türen unterstützt die Dialoge, die jedoch immer im Vordergrund stehen. Wirklich witzig sind die von den Protagonisten eingesungenen Lieder, die an Schlager der 40er Jahre erinnern, viel Schwung haben und zudem noch urkomisch sind.

Die Veröffentlichung der ursprünglichen Temple-Hörspiele zeigten eine schwarze Silhouette samt Hut und Pistole, hier wurde werbewirksam auf das Gesicht von Pastewka gesetzt, die aber immerhin eben jene Utensilien in die Kamera hält. Und auf dem hellblauen Hintergrund ist dann zumindest ein Schattenriss mit typisch Londoner Motiven zu sehen. Das ins Digipack eingeklebte Booklet enthält noch einige zusätzliche Informationen und Fotos, die CDs haben den Look einer alten Schallplatte – eine sehr stimmige Gestaltung.

Fazit: Der lange verschollene Fall hier in einer Neuinterpretation, die um witzige Details ergänzt wurde. Fünf Sprecher in vielen Rollen, die den klassischen Paul Temple mit kleinen Diskussionen und Anmerkungen anreichern. Trotz allen Witzes kommt von allen Beteiligten die Liebe zu diesem Projekt deutlich herüber. Ein gewagtes, aber ebenso gelungenes Experiment!

VÖ: 10.November 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1718-7


Die Schatzinsel



Erster Eindruck: Gelungene Neuinterpretation des Klassikers

Seit sich der Seefahrer William Bones im Gasthof „Zum Admiral“ einquartiert hat, herrscht dort eine ziemlich raue Stimmung. Zwar ist der kranke Gastwirt alles andere begeistert, doch sein Sohn Jim kann sich wöchentlich einen Silbertaler verdienen, wenn er Ausschau nach einem einbeinigen Piraten hält. Als dieser tatsächlich auftaucht, beginnt für Jim das aufregendste Abenteuer seines Lebens...

„Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson ist längst zu einem Klassiker der Jugendliteratur geworden, schon einige male wurde die Geschichte als Film oder auch als Hörversion umgesetzt. Braucht es da noch eine weitere Vertonung? Der Hörverlag gibt mit der CD-Version einer Produktion des hessischen Rundfunks eine eindeutige Antwort darauf, und die lautet ja! Mit fast 4 Stunden Laufzeit ist diese Vertonung deutlich länger als andere Umsetzung, ist aber zu keiner Zeit langatmig, sondern unterhält immer bestens mit einer sehr dichten Atmosphäre. Die einzelnen Szenen werden sehr genau ausgekostet, sodass der abenteuerliche Charakter der Handlung noch weiter in den Vordergrund gerückt wird. Zahlreiche packende Szenen, doch zwischendrin auch immer wieder ruhigere Passagen, die die Dynamik erhöhen und sich sehr stimmig einfügen. Doch im Vordergrund steht immer dieser sehr abenteuerliche Charakter, der durch treffende Wortwahl und eine wunderbare Inszenierung unterstrichen wird. Der absolute Großteil der Handlung ist in Dialogen erzählt, nur wenige Kommentare durch Jim Hawkins dienen als Erzähltexte, was einen sehr lebendigen Eindruck erzeigt. Für mich die beste Hörspiel-Umsetzung der Schatzinsel, die mich völlig mitreißen konnte.

Maximilian von der Groebe ist eine hervorragende Wahl für die Rolle des Jim Hawkins, der gleichzeitig auch in kurzen Erzählpassagen zu hören ist. Er spricht sehr lebendig, voller Energie und kann dabei die spannenden und dramatischen Szenen besonders gut betonen. Udo Wachtveitl spricht Long John Silver sehr betont und mit viel Nachdruck, schafft einen imposanten Charakter und kann sehr variabel die verschiedenen Szenen meistern. Hervorragend auch Thomas Fritsch, der mit seiner markanten und einprägsamen Stimme Billy Bones immer sehr standfest und prägnant umsetzt. Weitere Sprecher sind unter anderem Sylvester Groth, Gerd Wameling und Ulrich Pleitgen.

Die Inszenierung der Geschichte ist herausragend gelungen, die musikalische Umsetzung voller Vielfalt und Atmosphäre. Eingesetzt werden insbesondere klassische Orchesterklänge, die sich sehr eng um die Dialoge schmiegen und auch während der Gespräche sanft eingesetzt werden. Das legt die Betonung auf die verwegene Stimmung, die Szenen auf hoher See werden zudem mit einer passenden Geräuschkulisse unterlegt.

In schlichten Lettern ist auf dem Cover der Titel auf einer Art Schatzkarte gedruckt, während das eigentliche Motiv einige Männer in der Takelage eines Segelbootes zeigt. Der schwarz-weiße Motiv haftet Patina an, was bestens zu der Stimmung des Hörspiels passt. Das Booklet im Inneren des dicken und stabilen Digipacks enthält einige Fotos, viele zusätzliche Informationen und einen lesenswerten Einleitungstext über die Entstehung der Produktion.

Fazit: Auch wenn die Geschichte bereits bekannt ist, wird ihr hier viele neue Facetten abgerungen. Trotz der Länge ist alles sehr kurzweilig und unterhaltsam erzählt, die Stimmung und die packende Atmosphäre werden in den Vordergrund gestellt. Eine sehr eindringliche und rundum gelungene Produktion.

VÖ: 13.Oktober 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1591-6


Der Räuber Hotzenplotz - Live



Erster Eindruck: Klassiker in Live-Umsetzung

Der Räuber Hotzenplotz hat die Kaffeemühle der Großmutter gestohlen, die beim Mahlen eine schöne Melodie spielt. Als Seppl und Kaspar die verängstigte alte Dame finden, beschließen sie sofort, ihr zu helfen und die Mühle zurückzubekommen. Dafür stellen sie dem Räuber Hotzenplotz eine Falle – doch so einfach lässt sich der gerissene und skrupellose Mann nicht ins Bockshorn jagen...

Der Räuber Hotzenplotz ist wohl eines der bekanntesten Kinderbücher Deutschlands, die Geschichte von Otfried Preußler mit den klassischen Kasperlthater-Figuren wird auch heute noch in vielen Kinderzimmern vorgelesen. Nun ist beim Audio Verlag eine weitere Umsetzung erschienen, die eine kleine Besonderheit hat: Hier wurde ein Live-Hörspiel aufgezeichnet. Die so entstandene Atmosphäre ist eine ganz besondere, da beispielsweise auch Kinderlachen zu hören ist und die Geräusche ungefiltert herüberkommen. Die Macher haben viel Wert auf den Witz der Geschichte gelegt und die entsprechenden Szenen besonders betont. So verliert beispielsweise der böse Zauberer etwas an Schrecken, Kasperl und Seppl steigern sich immer weiter in komische Dialoge herein und haben eine wunderbar rotzige Art an sich. Die Handlung ist dabei spannend in Szene gesetzt und sehr abwechslungsreich gestaltet, da die Geschichte immer wieder zwischen verschiedenen Szenen wechselt. Das ist hier sehr gut umgesetzt worden und kann gerade gegen Ende noch einmal mehr Fahrt aufnehmen. Eine sehr gelungene und lebendige Umsetzung des bekannten Werkes, die mir wegen seiner wunderbaren Stimmung sehr gut gefallen hat.

Wolfram Koch ist als Räuber Hotzenplotz zu hören und gestaltet seine Rolle hervorragend, poltert und grantelt sich durch die Handlung und wirkt dabei trotz des rauen Untertons immer noch sympathisch. Daniel Rotaug und Burak Yigit spielen sich als Kasperl und Seppl immer wieder gekonnt die Bälle zu, sind auch mal ein bisschen albern und gehen sehr gut auf das junge Publikum ein. Hans-Martin Stier hat mit als Zauberer Zwackelmann ebenso gut gefallen, er spricht herrisch, streng und wirkt machtvoll, was sehr gut zu der Rolle passt. Weitere Sprecher sind Kathrin Ackermann, René Heinersdorff und Nagmeh Alaei.

Die Geräusche stammen hier von Max Bauer, der diese live während der Lesung eingebaut hat. Erstaunlich, wie viele verschiedene Klänge er erzeugt und wie gut diese zur Handlung passen. Auch das Timing ist dabei sehr gelungen, sodass alles sehr stimmig wirkt. Auch die Musik wurde live eingespielt, wofür das „Twintett“ verantwortlich ist. Die Melodien wirken fröhlich und ergänzen Sprecher und Geräusche sehr gut.

Eine typische Zeichnung von Otfired Preußler ziert das Cover zu diesem Hörspiel, das wieder in einem hochwertigen Digipack untergebracht ist. Die strenge Aufteilung des Labels wurde auch hier wieder eingehalten und verlieht der gesamten Aufmachung eine klare Linie. Das Titelbild zeigt den Räuber Hotzenplotz vor einem Mikrofon, und auch der rote Vorhang im Hintergrund deutet auf die Live-Aufnahme hin.

Fazit: Die Geschichte ist hervorragend und funktioniert auch Jahrzehnte nach der Entstehung noch wunderbar – auch in dieser ungewöhnlichen und sehr gelungenen Umsetzung. Viele witzige Momente, aber auch eine große Portion Spannung sorgen immer für Spannung und sehr gute Unterhaltung, während die liebevollen Charaktere sehr gut zur Geltung kommen.

VÖ: 1.August 2014
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1426-3


Sultan und Kotzbrocken in einer Welt ohne Kissen



Erster Eindruck: Tausche Luxus gegen simples Leben

In seinem Palast lässt es sich der Sultan richtig gut gehen, er faulenzt jeden Tag und lässt sich von seinen Frauen und Dienern verwöhnen. Bis eines Tages der Richte feststellt, dass der Sultan gar keinen Anspruch auf den Thron hat. Und so muss der Sultan seinen Palast räumen und will fortan bei seinem Diener Kotzbrocken leben – doch keine seiner Frauen will ihn in die kleine Hütte begleiten...

Bereits den ersten Teil von „Sultan und Kotzbrocken“ hat der Audio Verlag als Hörspiel für Kinder in der wunderbare Serie mit dem weißen Rücken veröffentlicht, auch der Nachfolgeband „Sultan und Kotzbrocken in einer Welt ohne Kissen“ - wieder aus der Feder von Claudia Schreiber – wurde vom WDR vertont und auf CD gepresst. Die Geschichte beginnt, wo die vorige aufgehört hat: Der Sultan genießt sein müheloses Leben mit seinen vielen Frauen und Dienern, doch eigentlich hat er von nichts wirklich eine Ahnung. Das macht sich immer wieder bemerkbar, der Sultan muss sich vieles erklären lassen – was den zuhörenden Kindern nicht schaden kann. Kurzum wird er aus dem Palast verbannt und muss lange bis zum Haus seines einstigen Dieners wandern und harter, körperlicher Arbeit nachgehen. Ein wichtiges Thema des Hörspiels ist es, wie er sich langsam daran gewöhnt und sogar Gefallen an dem einfachen und schlichten Leben findet. Das gefällt und ist sehr gelungen umgesetzt, viele erheiternde Momente ziehen sich durch die Handlung. Viele wichtige Werte werden vermittelt, was aber nie mit erhobenem Zeigefinger geschieht, sondern witzig und heiter. Hübsch auch die Auflösung des Ganzen, die Handlung endet mit einem völlig veränderten Sultan, der weise und gutmütig geworden ist. Die über 80 Minuten Laufzeit vergehen so sehr schnell, was bei den vielen liebevolles Details wie der mit kölnischem Akzent sprechenden Frau oder den Vorstellungen des Sultans nicht verwunderlich ist. Eine gelungene Fortsetzung mit einer doch etwas anderen Stimmung als der Vorgänger, aber ebenso unterhaltsam und kurzweilig gelungen.

Als Sultan ist erneut Tommi Pieper zu hören, dessen etwas raue und volltönende Stimme viel Aufmerksamkeit erregt und der den Sultan mit hörbarer Spielfreude verkörpert. Dabei geht er sehr gut auf die Wandlung des eigensinnigen Mannes ein und macht diese regelrecht erlebbar. Albert Kitzl hat die Rolle des Kotzbrockens übernommen, lässt diese Figur zurückhaltend und freundlich, aber auch bestimmend und gegen Ende mit einem Hauch von Schadenfreude klingen. Erzählerin ist Nicole Heesters, die mit ruhiger und sonniger Stimme durch die Handlung führt, ihre Passagen lebendig klingen lässt und die wichtigsten Informationen geschickt vermittelt. Weitere Sprecher sind Jochen Stern, Valentin Stroh und Paul Faßnacht.

Akustisch wurde das Buch behutsam adaptiert, der Fokus liegt dabei deutlich auf den Dialogen, Geräusche und Musik finden eher im Hintergrund statt und lenken nicht von der Handlung ab. Einige stimmungsvolle und kindgerechte Musikstücke wurden eingebaut und sorgen für die passende Stimmung, während die Geräusche die Dialoge an den passenden Stellen lebendiger wirken lassen.

Der Audio Verlag hat das Hörspiel in ein ansehnliches Digipack verpackt, das hübsch gestaltet wurde und in der klare Aufteilung der Serie gehalten ist. Das Cover ist natürlich der Buchausgabe entnommen, vor dem einfarbigen Hintergrund ist beige ist eine lange Straße angedeutet, auf der der dünne, große Kotzbrocken und der kleine, mürrische und dicke Sultan von dem Palast im Hintergrund samt einiger winkender Frauen weg wandern.

Fazit: Eine gelungene Fortsetzung, die mit leicht geänderter Stimmung und anderer Besetzung der Sprecher vielleicht nicht ganz so stark ist, dafür aber viele wichtige Werte auf sehr amüsante Weise präsentiert. Die extravagante Figur des Sultan, der mit dem simplen Leben konfrontiert wird, macht eine glaubhafte Änderung durch, die Geschichte ist mit vielen lustigen Details ausgeschmückt. Witzig und unterhaltsam.

VÖ: 1.November 2014
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-408-9


November 1918. Eine deutsche Revolution



Erster Eindruck: Beeindruckende Nachkriegserzählung

Im November 1918 ist der erste Weltkrieg für Deutschland verloren, es ist eine Zeit der Unsicherheit und des Zweifels. Man hört von einer Revolution, von der Besetzung durch die Franzosen, die Macht der Monarchie nimmt immer weiter ab. Und in all diesen Wirren, den verletzten Menschen, den zerstörten Seelen sind unzählige Einzelschicksale vorhanden, von denen einige hier betrachtet werden...

Alfred Döblins mehrbändiger Roman „November 1918“ wurde von Norbert Schaeffer als Hörstück umgesetzt, neben der Ausstrahlung bei verschiedenen Radiosendern gibt wurde dies auch beim Hörverlag veröffentlicht. Bewusst habe ich den Begriff Hörspiel vermieden, denn obwohl das Produkt so angeboten wird und per Definition wohl so einzuordnen ist, ist „November 1918“ ganz anders und wirkt eher wie eine Hörcollage. Verschiedene Ausschnitte werden hier aneinander gereiht, ganz unterschiedliche Menschen vorgestellt, ihre Situation und damit auch ein Querschnitt durch Deutschland dargestellt. Neben den eingesprochenen Passagen werden auch einige wenige Originalaufnahmen eingespielt, es gibt stille Momente, ruhige Szenen ebenso wie dramatische Momente, packend in Szene gesetzt. Und so entsteht ein bedrückendes, realitätsnahes und auch emotionales Hörspiel, das Geschichte lebendig erlebbar macht, einen in seinen Bann zieht und die schreckliche Nachkriegszeit in vielen Facetten erscheinen lässt.

Über 50 Sprecher wurden hier engagiert, und jeder nimmt seine Sache sehr ernst, steigert sich in jede noch so kleine Rolle hinein und sorgt für einen sehr authentischen Eindruck. Überraschend ist dabei Jan Hofer, den man bisher nur als Nachrichtensprecher und Moderator kannte, der hier als Erzähler aber auch eine sehr gute Figur macht. Er nimmt sich selbst zurück, kann aber mit seiner angenehmen und ausdrucksstarken Stimme die kleinen Texte emotional aufladen. Jakob Diehl beeindruckt mit seiner mitreißenden Stimme, der dynamischen Gestaltung seiner Passagen und der intensiven Klangfarbe. Laura Maires zarte und helle Stimme bildet einen krassen Kontrast zu der bedrückenden Atmosphäre, sie sticht aus dem übrigen Ensemble etwas heraus und kann die Aufmerksamkeit auf ihren interessanten Charakter lenken, den sie mit Nachdruck umzusetzen versteht. Weitere Sprecher sind unter anderem Sebastian Rudolph, Hanns Zischler und Burghardt Klaußer.

Die akustische Umsetzung ist dem Hörstück und der Vorlage sehr angemessen und schlägt ganz andere Wege ein als andere Produktionen. Es schafft dem Hörer kaum Freiräume durch Pausen oder eingebaute Melodien, instrumentalisiert nur sehr sanft und bedächtig, setzt Geräusche sehr effektvoll und passgenau ein, hier ist nichts überflüssig eingebaut, sondern präzise abgestimmt.

Die fünf CDs befinden sich in einem mehrfach ausklappbaren Digipack, dass von der Qualität her dem üblichen Standard des Labels entspricht und ansehnlich gestaltet wurde. Ein umfangreiches Booklet loegt bei, das erfreulich viele und tiefgreifende Zusatzinformationen bietet. Da keine aktuelle Buchausgabe vorliegt, wurde ein eigenes Titelbild designt, das eine schwarz-weiße Fotografie zeigt, auf der eine große Gruppe an Menschen auf einer öffentlichen Straße auf den Betrachter zuzugehen scheint. Das obere Drittel ist für Schriftzug und die Nennung einiger Mitwirkender reserviert.

Fazit: Ein emotional wuchtiges und aufgeladenes Hörspiel, dass die Wirren am Ende des ersten Weltkrieges erlebbar, spürbar, fast greifbar macht und eine packende Collage an verschiedenen Menschen und Schicksalen präsentiert. Die ganz unterschiedlichen Stimmungen wirken insgesamt bedrückend. Eine hervorragende Aufarbeitung eines Stückes Zeitgeschichte.

VÖ: 28.Juli 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1458-2


Krimi Kult Kiste – Die fünfte Staffel



Erster Eindruck: Smarte Detektive im Dreierpack

Paul Temple und seine Frau Steve werden unversehens in einen neuen Mordfall hereingezogen, der sich rund um den Roman „Zu jung zum Sterben“ dreht. Dessen Verleger war in einen tödlichen Unfall verwickelt, doch seine Witwe glaubt an Mord. Je weiter die beiden in den Fall durch ganz Europa eintauchen, desto gefährlicher wird es für sie... (Paul Temple und der Fall Genf)
Paul Cox ist fasziniert von der jungen Dame, die sein Leben ziemlich durcheinander bringt. Sie benutzt verschiedene Namen und führt den Profispieler in einen illegalen Salon, doch wirklich greifbar ist sie für ihn nie – selbst, als er wegen ihr in große Gefahr gerät... (Gestatten, mein Name ist Cox – Die kleine Hexe)
Der Tod der Autorin Margrit verursacht viel Aufsehen – gleich drei Männer, die mit ihr eine Beziehung hatten, suchen Philipp Odell auf und bitten um seine Hilfe. Und dies ist nicht der letzte Mord in diesem undurchsichtigen Fall... (Die Dame schreibt)

Die Krimi Kult Kisten des Hörverlages enthalten „klassische“ Krimiproduktionen aus den Hochzeiten des Hörspiel, den 60er Jahren. Die fünfte Staffel enthält drei wunderbare Geschichten, die bekannte Detektive in den Mittelpunkt stellt und die eine große Fangemeinde angesammelt haben: Paul Temple, Paul Cox und den etwas weniger bekannten Phillip Odell, der in der „Dame“-Reihe mehrere Einsätze hatte. Den drei Hörspielen ist gemein, dass sie schön langsam erzählt werden, hektische Schnitte oder verknappte Dialoge sind hier nicht zu finden. Die einzelnen Szenen gehen meist recht lang, die Dialoge werden ausführlich dargestellt und legen den Schwerpunkt auf die Ermittlungen. Der Paul Temple-Fall ist mit vielen geschickten Winkelzügen versehen und offenbart immer neue Details über die Hintergründe, erzählt von recht ungewöhnlichen Charakteren und offenbart an vielen Stellen wunderbaren trockenen Humor. Bei Paul Cox geht es recht turbulent zu, viele ganz unterschiedliche Situationen inklusive einiger Mordanschläge, die Cox auf seine sehr coole und gelassene Art wegsteckt und sich immer weiter in das gelungene Konstrukt des Falles verstrickt. „Die Dame schreibt“ ist nicht der beste Fall um Philipp Odell, dazu verliert sie gegen Ende zu viel Fahrt. Dennoch sind die dargestellten Charaktere und besonders der herrliche Wortwitz sehr gelungen. Alle drei Fälle sind hervorragend geeignet für Fans des Genres, die lange Laufzeit mit ausführlichen Dialogen, die dementsprechend komplexen und vielschichtigen Fälle und der trockene Humor sind bei allen dreien sehr gelungen.

Drei starke Hauptcharaktere – drei starke Sprecher. Rene Deltgen ist hervorragend in der Rolle des Paul Temple, spricht sehr charmant und liebenswert, bringt den trockenen Humor seines Charakters bestens zur Geltung und hat eine sehr markante Stimme. Arno Assmann lässt als Paul Cox durch all die Coolness, das selbstsichere Auftreten und die lockeren Sprüche hier immer wieder andere Facetten schimmern und schafft so einen vielfältigen Charakter. Albert C. Weiland wählt für seine Rolle als Philipp Odell eine sehr ausdrucksstarke und betonte Sprechweise, legt eine große Schlagfertigkeit an den Tag und kann mit einem gelungenen Timing punkten. Weitere Sprecher in den drei Fällen sind unter anderem Franz Josef Steffens, Elisabeth Linhardt und Brigitte Dryander.

Trotz unterschiedlicher Entstehungsjahre und anderer Produzententeams lässt sich in der akustischen Gestaltung eine einheitliche Linie erkennen. Es geht immer eher ruhig und mit deutlichem Fokus auf die Dialoge zu, nur selten werden Musikstücke eingebaut, dafür gibt es an einigen passenden Stellen eingängige und klare Geräusche. Die notwendige Stimmung wird so durch die sehr guten Sprecher erzeugt.

Die Gestaltung der Krimi Kult Kisten ist immer recht ähnlich: In der schlichten Pappbox stecken drei ebenso schlichte dicke Plastikhüllen. Jedes Cover wird von einem nur leicht variierten Cover geziert. Grundlage ist hier ein knallorangener Farbton, auf dem die schwarzen Silhouetten der Männer samt Hut, Pistole oder Zigarre sehr gut zur Geltung kommen. Jeweils ein eigenes Booklet enthält die entsprechenden Informationen zu den Hörspielen.

Fazit: Die Krimi Kult Kiste wartet in der fünften Staffel mit drei Ermittlern auf, die in klassischen, mehrstündigen Krimis mit Charme, Coolness und Witz überzeugen können. Die Fälle sind immer recht verwickelt und gar nicht so leicht zu durchschauen, die Erzählweise wirkt trotz langer Dialoge kurzweilig und spannend. Sehr hörenswert!

VÖ: 4.März 2009
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8671-7395-7


Unter dem Milchwald – Drei legendäre Hörspielinszenierungen



Erster Eindruck: Phantasievolles Meisterwerk

Das kleine walisische Fischerdorf Llareggubb erlebt einen ganz gewöhnlichen Tag, doch ihre Bewohner erleben ihn sehr unterschiedlich. Ein blinder und einarmiger Kapitän träumt von seinen toten Seekameraden, ein Briefträger liest die Post seiner Empfänger, eine Pensionswirtin weigert sich, Gäste aufzunehmen, da diese das Andenken an ihren verstorbenen Mann beschmutzen könnten...

„Unter dem Milchwald“ war ursprünglich ein englischsprachiges Hörspiel, das Dylan Thomas einige Tage vor seinem Tod geschrieben hat und zu einer großen Popularität gelangt ist – so groß, dass neben einer Verfilmung auch weitere Hörspielumsetzungen folgten. Das britische Original sowie zwei deutsche Umsetzungen, von 1954 und 2003, hat der Hörverlag zusammen in einer Box veröffentlicht, sodass man den Tag in dem kleinen Dorf gleich dreimal erleben kann. Es fällt schwer, „Unter dem Milchwald“ einem Genre zuzuordnen, die die Erzählweise eine ganz besondere ist. Es gibt keine Handlung, vielmehr werden verschiedenste Dialoge mit ganz unterschiedlichen Figuren aneinandergereiht, teilweise nur kleine Ausschnitte und Gedankenfetzen, teilweise ausführlicher. So taucht man nicht nur in eine, sondern in zahlreiche Lebensrealitäten ein, findet sich in immer neuen Situationen wieder und erlebt so eine Vielzahl an Stimmungen. Von traurig melancholischen über romantische oder vor derben Humor triefenden Szenen ist eine sehr breite Palette mit dabei. Interessant auch die schnellen Wechsel, die vom Hörer natürlich einige Aufmerksamkeit verlangt, dafür aber einen ganz eigenen Reiz entfaltet. Schnell findet man sich in den einzelnen Szenen zurecht und ist gespannt, welche kleine Entwicklung auf einen wartet, bis man in die nächste Situation bewegt wird. Eine wunderbar träumerische Erzählung voller Fantasie und Gefühl, das mich völlig mitreißen konnte.

Richard Burton ist in der englischen Fassung in der Rolle eines Erzählers zu hören, er spricht diese mit tragender, volltönender Stimme und verleiht dem Hörspiel eine gewisse Dramatik. Inge Meisel spricht in der deutschen Version von 1954 mit, ihr unverkennbarer Klang war auch damals schon sehr eingängig und präsent, sie liefert eine absolut überzeugende Vorstellung ab. In der neuen Hörfassung von 2003 ist unter anderem Boris Aljinovic zu hören, sein tiefer, sonorer Klang mit den vielen Facetten verleiht dem Hörspiel eine träumerische Note. Weitere zu hörende Sprecher sind Manfred Steffen, Harry Rowohlt und Sophie Rois.

Natürlich sind die drei Hörspiele in ihrer akustischen Gestaltung sehr unterschiedlich geworden. Die beiden älteren Produktionen kommen gänzlich ohne Musik aus, nur einige wenige Klangelemente sind hier zu hören und trennen einzelne Szenen voneinander, sodass die Betonung hier völlig auf den ausdrucksstarken Sprechern liegt und das Ganze den Charme einer Theateraufführung erhält. Die neue Version von 2013 hingegen arbeitet mit ganz unterschiedlichen Klangwelten, untermalt damit auch die gesprochenen Worte. So entsteht ein sehr lebendiger und phantasievoller Ausdruck, da mit prägnanten Instrumenten bestimmte Stellen deutlich betont werden.

Ein wenig von der im Hörspiel erzeugten Stimmung kann auch auf dem Cover wiedergegeben werden, das ähnlich kreativ und phantasievoll wirkt. Auf einem olivgrünen Hintergrund ist ein knorriger Baum zu sehen, ein Seil um Stamm und Äste gewickelt, daran ist ein Anker zu sehen. Autor und Titel sind in einfachen, bunten Lettern aufgedruckt. Die einzelnen CDS befinden sich in einer stabilen, ansehnlichen Pappbox jeweils in einer eigenen Hülle.

Fazit: Ein faszinierendes und ungewöhnliches Werk, das zahlreiche verschiedene Mini-Szenen aneinander reiht und so eine Vielfalt an verschiedenen Stimmungen und Gefühlen erzeugen kann. Darauf muss man sich einlassen können und auch in der passenden Stimmung sein, dann aber ist „Unter dem Milchwald“ ein hervorragendes Werk – und das in gleich drei Umsetzungen, von denen eine auf englisch, eine sehr nüchtern und eine aufwändig inszeniert wurde.

VÖ: 9.Juni 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1410-0


Orlando (Virginia Woolf)



Erster Eindruck: Mann oder Frau?

Orlando, ein junger Adeliger mit Hang zur Poesie, steht hoch in der Gust von Königin Elisabeth I und erhält von ihr einen Landsitz. Doch nach einer enttäuschten Liebe zieht er sich zurück und widmet sich der Schriftstellerei. Wegen einer aufdringlichen Verehrerin flüchtet er nach Konstantinopel – und erwacht nach einem mehrtägigen Schlaf als Frau. Er versucht, sich mit seiner neuen Rolle anzufreunden und erlebt dabei gleich mehrere Epochen der englischen Geschichte...

Mit „Orlando“ hat Virginia Woolf einen Roman erschaffen, der nicht zu ihren ganz großen und bedeutenden Werken gehört, ihr aber dennoch sehr am Herzen lag und viele experimentelle Elemente in sich vereint. Vom Bayrischen Rundfunk stammt eine Hörspieladaption des Romans im Jahr 2013, das nun beim Hörverlag auch als Kauf-CD erhältlich ist. Ich habe etwas gebraucht, bis ich mich hier richtig eingefunden habe, die Handlung startet recht bedächtig, lange Zeit ist nicht klar, in welche Richtung sie sich entwickeln wird. Der angenehme und gut verständliche Erzählstil erleichtert dies aber, und spätestens mit der Verwandlung zur Frau ist Orlando zu einem eingängigen Hörspiel geworden. Die Metamorphose der Hauptfigur steht im Mittelpunkt und erlaubt einige interessante Ansatzpunkte und Betrachtungsweisen, hinterfragt die unterschiedlichen Rollenbilder von Mann und Frau. Und auch der schnelle Verlauf der Zeit ermöglicht eine neue Herangehensweise an die Geschichte, stellt die Entwicklung von Orlando in einen anderen Kontext. So spannend diese beiden Elemente auch sein mögen, so viel bürden sie dem Hörer auch auf, mit diesem Werk muss man sich viel und intensiv beschäftigen, um es zu durchdringen. Für Literaturliebhaber ist es deshalb bestens geeignet, während Hörspielhörer, die kurzweilige Zerstreuung suchen, lieber zu anderen Produktionen greifen sollten.

Die Besetzung des Hörspiels ist sehr gut gelungen, viele starke und einprägsame Stimmen sind hier versammelt. Als Mann wird Orlando von Gabriel Raab gesprochen, der mit viel Ausdruck und einem angenehm warmen Klang für gelungene Eröffnungsszenen sorgt. Recht bald wird die Hauptperson von Georgia Stahl gesprochen, die eine ähnlich weiche Stimmfarbe hat und mit viel Energie und einer feinen Nuancierung spricht. Brigitte Hobmeier hat mir als Sasha ebenfalls gut gefallen, sie wählt eine sehr betonte und eingängige Sprechweise. Weitere Sprecher sind Fabian Gröver, Wiebke Puls und Paul Herwig.

Die Handlung wurde opulent mit Musik ausgestattet, sodass viel Ausdruck und Dynamik hierüber erzeugt werden. Stimmungsvolle, geschmeidige Melodien kommen dabei ebenso vor wie rhythmische, prägnante Momente, sodass alles gekonnt ins rechte Licht gerückt wird. An einigen Stellen drohen die Spreche jedoch etwas in den Hintergrund gestellt zu werden, mit allzu viel Präsenz sind dann die Szenen ausgeleuchtet worden.

Das stilisierte Konterfei einer jungen Frau ist auf dem Cover zu sehen, einige schwarz gefärbte Flächen heben sich hierfür vor dem strahlend weißen Hintergrund ab. Trotz dieser verfremdeten Darstellungsweise strahlt die Frau eine deutlich wahrnehmbare Melancholie aus. Auch die restliche Gestaltung und die Verpackung sind hübsch gestaltet.

Fazit: Ein anspruchsvolles Hörspiel, in das man sich erst hereinfinden muss. Die Wandlung vom Mann zur Frau und das schnelle Vergehen der Jahrzehnte sind zentrale Elemente, für die man sich aber erst öffnen muss. Dann ist „Orlando“ aber eine ungewöhnliche Geschichte, die auch mit ihrer opulenten Instrumentalisierung zu punkten weiß.

VÖ: 9.Juni 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1380-6


Der kleine Wassermann – Sommerfest im Mühlenweiher



Erster Eindruck: Turbulente Vorbereitungen

Der Sommer steht kurz bevor, und die Bewohner des kleinen Mühlenweihers wollen ein rauschendes Fest feiern. Auch der kleine Wassermann steckt mitten in den Vorbereitungen und hat viel zu tun. Für seinen Freund, den Karpfen Cyprinus, will er eine ganz besondere Überraschung vorbereitet. Doch dabei bekommt er Ärger mit dem Müller. Ob dennoch alles rechtzeitig fertig wird…?

„Der kleine Wassermann“ ist bis heute eine der beliebtesten Figuren, die der beliebte Kinderbuchautor Otfried Preußler geschaffen hat. 2011 erschien eine Fortsetzung, die den Frühling im Mühlenweiher thematisierte, 2013 wurde kurz vor dem Tod des Autors noch „Sommerfest im Mühlenweiher“ veröffentlicht. Bei Karussell liegt auch eine Hörspielumsetzung vor. Die Geschichte richtet sich schon an Dreijährige und ist dementsprechend einfach gestrickt. Zwar gibt es den kleinen Zwischenfall mit dem Müller, der etwas Schwung in die Handlung bringt, aber ansonsten dreht sich die Produktion vorrangig um die Vorbereitungen für das Fest. Viele witzige und kurzweilige Passagen sind hier zu hören, die Charaktere sind niedlich dargestellt und bereiten den zuhörenden Kindern viel Freude – allen voran natürlich der aufgeweckte und neugierige Wassermann, aber auch der Karpfen Cyprinus und besonders die vier frechen Frösche werden schnell ins Herz geschlossen. Für Erwachsene ist die Handlung aber doch zu einfach gestrickt, bietet zu wenige Überraschungen. Für die Zielgruppe der jüngeren Kinder ist diese Geschichte jedoch ein großer Spaß mit einer gelungenen Atmosphäre.

Gustav Stolze spricht den kleinen Wassermann und steckt viel Energie und Lebensfreude in die Rolle, sodass der Eindruck eines aufgeweckten kleinen Jungen entsteht. Friedhelm Ptok nutzt seine dunkle, markante Stimme, um dem Karpfen Cyprinus eine sehr interessante Ausstrahlung zu verleihen, die sehr gutmütig wirkt. Thomas Nicolai spricht die frechen Frösche und verleiht jedem von ihnen eine ganz andere Sprechweise, mal sehr tief, fast fistelnd und hoch, sodass der Eindruck von verschiedenen, völlig unterschiedlichen Figuren entsteht. Weitere Sprecher sind Andreas Wrosch, Tania Freitag und Mitch Keller.

Zu Anfang wird ein fröhlicher und sehr kindgerechter Titelsong präsentiert, und auch während der Handlung sind eine Hand voll gesungener Lieder zu hören, die Elemente aus dem Hörspiel thematisieren und von den Rollen vertont werden – für Kinder ein großer Spaß, da die Texte sehr witzig und einfach zu verstehen sind. Auch die Geräuschkulisse während der Handlung kann überzeugen und schafft immer wieder eingängige Stimmungen.

Der kleine Wassermann sitzt fröhlich winkend auf dem Karpfen Cyprinus und reitet durch den Mühlenweiher. Die bunte Kleidung und sein grinsender Gesichtsausdruck, dazu im Hintergrund tanzende und musizierende Bewohner des Weihers – das Titelbild mit den vielen Blau-, Grün- und Türkistönen wirkt sehr stimmig und passt gut zum Hörspiel.

Fazit: Auch diese Fortsetzung der Geschichte um den kleinen Wassermann kann mit ihrer einfachen, aber witzigen Handlung überzeugen. Viele kleine Einfälle sorgen für Abwechslung, die sehr fröhliche und präsente Atmosphäre, die kleinen eingebauten Lieder und die gut dargestellte Charaktere können ebenfalls überzeugen und fesseln kleinere Kinder an die Lautsprecher.

VÖ: 28.März 2014
Label: Karussell
Bestellnummer: 0602537637720


Porterville – Staffel 2 (Folge 7-12)



Erster Eindruck: Weitere Einblicke in die Hintergründe der Kleinstadt

Porterville – eine Kleinstadt, hermetisch von der Außenwelt abgeschottet und von undurchdringlichem Nebel umgeben, der Schmerzen verursacht. Die Bevölkerung wird von ihrem Bürgermeister Takumi Sato in Schach gehalten, und jeder Bewohner erlebt hier seinen ganz persönlichen Albtraum. Und auch der ehemalige Bürgermeister hat seinen Teil zur Abschottung beigetragen, während die Frau von Sato hat ihre machtgierigen Finger im Spiel...

Folgenreich hat sich in Hörspielkreisen als feste Größe etabliert und sich mit zahlreichen beliebten Serien ausgestattet, die meist einen starken Mystery-Anklang haben. Auch Porterville gehört ins Repertoire des Verlages und lässt mit der zweiten Staffel mit weiteren sechs Folgen den Hörer noch weiter in die düstere Welt der Serie eintauchen. Und hier werden viele weitere Fragen geklärt, sodass der Hörer wie gebannt vor den Boxen hängt und den Sprechern an den Lippen klebt. Die Hintergründe der Stadt, deren Entstehung und die Mythologie werden stellenweise sehr deutlich in den Vordergrund gestellt. Das ist sehr fesselnd, erfordert aber auch viel Aufmerksamkeit und den Willen, sich auf die Geschichte völlig einzulassen. Sie ist recht komplex erzählt, es gibt Zeitsprünge, am Anfang jeder Folge braucht es etwas, um die verschiedenen Voraussetzungen zu erfassen. Dass es sich bei Porterville um die Fortsetzung von Darkside Park handelt, wird hier besonders deutlich, denn Folge eins dieser zweiten Staffel setzt genau dort an, wo Darkside Park geendet hat. Diese Verknüpfung ist ein gelungenes Extra und steigert die Attraktivität der Serie, Vorkenntnisse aus dem Vorgänger sind aber nicht zwingend notwendig, um alles verstehen zu können. Und auch die Einzelfolgen können sehr überzeugen, jede kann ein packendes und spannendes Szenario präsentieren, ist eindringlich erzählt, nur selten schleichen sich langatmige Szenen ein. Durch die enge Verknüpfungen hat man immer wieder Aha-Effekte und ist begeistert von der sehr durchdachten Geschichte, die immer neue Querverweise entdecken lässt. Eine sehr starke Staffel mit sechs ebenso starken Einzelfolgen.

Und auch die Sprecher sind hervorragend gewählt, sie füllen ihre Rollen mit Leben und geben der Geschichte ihr Gesicht. Hervorragend ist besonders Jürgen Thormann, der in der ersten Folge der Staffel den ehemaligen Bürgermeister der Stadt spricht. Mit seiner knarrigen und deutlich gealterten Stimme kann er die packende Geschichte sehr eindringlich erzählen. Martina Treger spricht die faszinierende Figur der Eleanor Dare-Sato, die Frau des Bürgermeisters. Mit kühlem, harten Ausdruck in der Stimme kann sie die skrupellose Frau intensiv und mit dem nötigen Nachdruck. Udo Schenk ist in der letzten Folge der zweiten Staffel zu hören, auch er spricht absolut lebendig, ausdrucksstark und charakterstark. Die anderen drei Sprecher sind Norbert Langer, Charles Rettinghaus und Gordon Piedesack.

Die sechs Folgen mit knapp elf Stunden Laufzeit befinden sich auf zwei MP3-CDs, die sich in einer ansehnlich aufgemachten Verpackung befinden. In einem Pappschuber findet sich ein hübsches Digipack, das kleine Zusammenfassungen der Folgen zeigen. Das kleine Booklet enthält eine ausführliche Übersicht über die einzelnen Tracks. Das Motiv, das das Cover ziert, ist das gleiche wie bei der ersten Staffel, es zeigt einen Mann in einer nächtlichen, nur spärlichen beleuchteten Gasse. Nur die Absetzungen sind hier in grellem Pink statt in Gelb gehalten.

Fazit: Die Dystopie um die von der Außenwelt abgeschlossenen Kleinstadt wird hier sehr geschickt weitergeführt, tiefe Einblicke in die Hintergründe der Stadt gewährt. Die unzähligen Verknüpfungen zwischen den einzelnen Geschichten sind packend, die Komplexität ungebrochen, die Faszination für die Charaktere groß. Sehr gelungen!

VÖ: 9.Mai 2014
Label: Folgenreich
Bestellnummer: 0602537463336


Beim Leben deines Bruders



Erster Eindruck: Mord in der Vergangenheit

Kommissar Fin Macleod kehrt seinem Beruf den Rücken und will wieder in der Stadt seiner Jugend sesshaft werden. Doch die raue Landschaft wird bald von dem Fund einer grausam zugerichteten Leiche erschüttert. Bald ist klar, dass der Mord vor 50 Jahren geschehen ist, und als einziger Zeuge ist der Bruder des Toten übrig geblieben – und der leidet an Demenz und kann sich an die vergangenen Ereignisse kaum noch erinnern…

Zugegeben, als ich die Beschreibung von „Beim Leben deines Bruders“ gelesen habe, habe ich einen eher konventionellen Krimi erwartet. Doch beim Hören der 425 Minuten wurde dies nicht bestätigt, vielmehr handelt es sich um einen intelligent erzählten, anspruchsvollen und stellenweise schockierenden Thriller, der mich schnell in den Bann gezogen hat. Zuerst steht die Person des Fin im Mittelpunkt, und auch er vollzieht während der Geschichte ein Wandlung und muss sich mit privaten Problemen und seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzen. Doch das wird nur nebenbei verfolgt, denn bald steht der Mordfall von vor 50 Jahren im Mittelpunkt und fordert die volle Konzentration des ehemaligen Kommissars. Die Handlung ist dabei auf zwei Ebenen erzählt, einerseits die Ermittlungen in der Gegenwart, andererseits der Bericht des demenzkranken Bruders, der aus seiner Kindheit berichtet. Hier kommen schockierende Details ans Tageslicht, die eine dunkle Vergangenheit aufzeigen und sehr eindringlich geschildert sind. Beides verknüpft sich mit der Zeit zu einem untrennbaren Ganzen und entwickelt sich parallel weiter, die Spannungskurve steigt stetig weiter und verdichtet sich zu einer sehr intensiven Stimmung. Auch die Auflösung kann dabei vollkommen überzeugen und all die losen Enden der Geschichte aufgreifen. Die rauen, ursprünglichen Landschaftsbeschreibungen sind dabei eine gekonnte Ergänzung und verleihen zusätzliche Stimmung.

Die beiden Zeitebenen werden von zwei verschiedenen Sprechern übernommen, sodass eine sehr gute Trennung und Unterscheidbarkeit entsteht. Die Rolle des Fin wird von David Nathan übernommen, der wie immer sehr gradlinig spricht und kann mit seiner intensiven Stimme die Rolle sehr gelungen umsetzen und den Spannungsbogen schlagen kann. Den Blick in die Vergangenheit setzt Hans Peter Hallwachs um, auch er spricht eindringlich und absolut glaubhaft, lässt seine Stimme mal brüchig und verwirrt, mal kräftig und klar klingen. Das durchaus sensible Thema kann er mit Nachdruck und ohne Scheu vor Befindlichkeiten umsetzen.

In düsteren, erdigen Farben ist das Cover gehalten, das die so gut beschriebene Landschaft Schottlands wird hier zumindest in einem kleinen Ausschnitt gezeigt. Ein Mann mit wehendem Trenchcoat geht dabei einen Hügel herauf, der mit strohigem Gras bedeckt ist. Der Wind weht stark, der Himmel ist mit Wolken verhangen, ein Schwarm schwarzer Vögel fliegt über die sehr gut dargestellte und ansprechende Szenerie.

Fazit: Neben den privaten Verwicklungen von Fin Macleod kommt hier bald ein verschlungener und undurchsichtiger Kriminalfall auf, der den Hörer fesselt und mit den beiden Ebenen sehr gut durchdacht und sehr spannend erzählt wurde. Die Umsetzung mit den beiden Sprechern ist dem absolut angemessen und kann die eindringliche Stimmung bestens einfangen.

VÖ: 1.März 2014
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-368-6


Tintenblut – Das Hörspiel



Erster Eindruck: Phantastische Hörspielumsetzung des märchenhaften Buches

Einige Monate sind vergangen, seit Mo und Maggie den mächtigen Capricorn vernichten konnten. Doch die Ereignisse lassen Maggie nicht los, immer mehr träumt sie von der geheimnisvollen Tintenwelt. Und auch Staubfinger möchte gern dorthin zurückfinden und sucht Orpheus auf, der ebenfalls die Gabe hat, Menschen zwischen realer und geschriebener Welt zu befördern. In Begleitung hat er den jungen Farid...

Cornelia Funke hat mit ihrer Tintenwelt-Trilogie einer der meist beachteten Jugendbücher der letzten Jahre verfasst. „Tintenblut“ heißt der zweite Teil, und nach der Umsetzung als Hörbuch hat Oetinger Audio nun auch eine Hörspielversion davon produziert. Und wie der direkte Vorgänger „Tintenherz“ ist auch „Tintenblut“ hervorragend umgesetzt worden. Die fehlende Zeit zwischen den beiden Bänden wird nur kurz thematisiert, sodass die Handlung schnell Fahrt aufnehmen kann, nach einigen Minuten steckt der Hörer schon mitten in der abenteuerlichen Geschichte. Diese nimmt noch einmal eine ganz andere Wendung als erwartet, hat eine ganz andere Ausstrahlung als „Tintenherz“ und spielt vorrangig in der Tintenwelt. Und so betreten neben vielen alten Bekannten zahlreiche neue Charaktere die Bühne und mischen sich in die Geschicke ein, tragen ihren Teil zum spannenden und insbesondere märchenhaften Verlauf bei. Fürsten und Prinzen, Heilerinnen, Gaukler und Feuerspucker tragen dazu ebenso bei wie die träumerische Beschreibung der Landschaft. Die Stimmung ist wunderschön und eindringlich, was neben der Geschichte auch von der herausragenden Umsetzung beeinflusst wird. Besonders gelungen sind die Teile, in denen der Erzähler seinen Text vorträgt und gleichzeitig ein Dialog stattfindet, das bringt nicht nur Tempo, sondern auch eine sehr intensive Beschreibung der Situation mit sich. Die grandiose Vorlage von Funke wurde hier zu ihrer Essenz kristallisiert, die wesentlichen Elemente werden beibehalten, vieles jedoch auch weggelassen oder gekürzt, im Schnelldurchlauf erzählt. Dies ist sehr behutsam geschehen, sodass der Charakter der Vorlage nicht verloren geht. Eine wunderbare Umsetzung eines eben so wunderbaren Buches, das Hörspiel hat mich völlig in seinen Bann gezogen.

Wesentlich zum Gelingen tragen auch die vielen begnadeten Schauspieler bei, jede noch so kleine Rolle ist sehr gut besetzt worden. Besonders gut gefallen hat mir Barbara Nüsse, die als Motola zu hören ist. Ihr sehr harter, schneidender Klang kann „die Elster“ die notwendige Achtung verschaffen, sie spricht sehr intensiv und beeindruckend. Peter Weis ist als Fenoglio zu hören, der Autor des Tintenherz-Buches, der sehr freundlich und weise klingen kann, später aber auch sehr eindringlich weitere Seiten von sich präsentiert, Wut und Desillusion sehr gut in Szene setzt. Orpheus, dessen Stimme besonders außergewöhnlich klingen muss, wird von Jens Wawrczeck gesprochen. Sein sehr spezieller Klang und seine mal unterwürfige, mal schmierige Sprechweise wirken lebendig und passen sehr gut zud em Charakter. Weitere Sprecher sind Cathlen Gawlich, Lard Rudolph und Michael Prelle.

Die akustische Umsetzung ist ebenso brillant und eingängig, sodass die mittelalterliche und sehr stimmungsvolle Atmosphäre der Tintenwelt sehr gut zur Geltung kommt. Dafür sorgen insbesondere die zahlreichen Musikinstrumente, aus denen mal eine Flöte, mal eine Laute, mal ein Streichinstrument hervorsticht und die jeweilige Situation bestens in Szene setzen kann, immer neue Akzente setzt. Auch die vielfältigen Geräusche und das Zusammenspiel mit den verschiedenen Stimmung ist ziemlich atmosphärisch.

Das Cover zum Hörspiel ist natürlich an den bekannten Bucheinband angelehnt, auch hier sind hübsch gestaltete, mit Ranken und Motiven verzierte Buchstaben wie aus alten Büchern zu sehe, zwischen den quadratischen Feldern sind auch andere Motive wie eine weiße Burg zu sehen. Im Mittelpunkt setzt ein Buch, auf dem ein kleiner Vogel sitzt. Im Inneren des kleinen Covers ist nicht nur eine Übersicht der einzelnen Tracks zu sehen, sondern auch zahlreiche Fotos der mitwirkenden Sprecher.

Fazit: Eindringlich umgesetzt und mit vielen grandiosen Elementen versehen wird die zauberhafte Geschichte voller Phantasie, Abenteuer und Gefahr sehr stimmungsvoll erzählt und mit viel Leben gefüllt. Die Kürzungen fallen zwar auf, sind insgesamt aber zugunsten wichtiger Elemente ausgefallen. Ein hervorragendes Hörspiel!

VÖ: 21.Juli 2014
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0761-0


Der Gott des Gemetzels



Erster Eindruck: Eine Rauferei und seine Folgen

Zwei Ehepaare treffen sich beim nachmittäglichen Kaffee, doch der Anlass ist kein erfreulicher. Denn der Sohn des einen Ehepaares hat dem Sohn des anderen mit einem Stock zwei Zähne ausgeschlagen. Gemeinsam suchen sie nach einer Lösung und gehen freundlich, ja, kultiviert miteinander um. Doch schnell schleicht sich ein gereizter Unterton ein, und bald offenbart jeder ein wirkliches Gesicht...

Ein Hörspiel von etwa einer Stunde Laufzeit, getragen von lediglich vier Sprecher, begrenzt auf einen Ort und ohne zeitliche Sprünge – kann das funktionieren? Zugegeben, ich war anfangs skeptisch, doch ehe ich es mich versah, war in völlig in der Geschichte gefangen und habe die langsame Sezierung der Charaktere mit Spannung verfolgt. Am Anfang wird die Grundsituation erklärt, daraufhin entwickelt sich langsam, aber sehr konsequent das Gespräch der vier Protagonisten. Anfangs bemüht höflich, sehr kooperativ und trotz des ernsten Themas scheinbar ohne Spannungen. Diese kommen nach und nach zu Tage, bis sich bald alle offen anfeinden, beschimpfen und verbal attackieren. Und trotz des begrenzten Raumes werden hier Nebenarme zu der eigentlichen Handlung aufgemacht: Die Skrupellosigkeit der Pharmaindustrie, die gespannten Beziehungen der Ehepaare oder wie sehr man weltliche, wertvolle Dinge in den Vordergrund stellt. Doch im Mittelpunkt stehen stets die Charaktere, die sich langsam entblößen, bis in ihr Innerstes wird hier vorgedrungen. Veronique voller moralischer Vorstellungen, die aber auch lästert und ziemlich rechthaberisch ist. Anette oberflächlich freundlich, in Wirklichkeit aber falsch und sehr nervös. Andererseits die Männer, Alain wichtigtuerisch und verächtlich gegenüber seinem Gegenüber, Michel ist gewaltbereit ist in jungenhaften Machtkampfvorstellungen gefangen. Eine explosive Mischung, die so einige Wendung mit sich bringt, es wird geschrien, gedroht und – ja – gekotzt, sich betrunken und beleidigt. Das Ende kommt dann abrupt, wie abgeschnitten wirkt das Gespräch, sodass der Hörer sich selbst ausmalen kann, wie das Gespräch weitergeht, ob sich die Jungen noch einmal gegenüberstehen oder wie der Konflikt schließlich gelöst wird. Eine bitterböse Komödie, ein Spiegelbild unserer Gesellschaft und eine wohltuende Oase zwischen den restlichen Hörspielen, da es erfrischend anders ist.

Dieses Stück lebt von seinen genialen Sprechern, die völlig in ihren Rollen aufgehen und sämtliche Eigenschaft nach außen kehren – was man immer wieder neu entdecken kann, denn auch beim zweiten oder dritten Hören gibt es hier Nuancen, die man vorher nicht bemerkt hat. Beeindruckt hat mich vor allem Corinna Harfouch, eine der großen deutschen Schauspielerinnen, die Anette voller Inbrunst, Gespür für den richtigen Moment und Feingefühl spricht. Ulrike Krummbiegel steht ihr in nichts nach, kann den komplexen und von Moralvorstellungen getriebenen Charakter von Veronique in seiner Gesamtheit einfangen. Udo Wachtveitl spricht den gewaltbereiten Michel, der es unter der Oberfläche brodeln lässt und besonders in Streitereien mit seiner Gattin die pure Wut des Mannes auf das Leben anklingen lässt. Und schließlich Sylvester Groth, der als Alain seinem wahren Gefühlen freien Lauf lässt und perfekt den genervten Anwalt umsetzt.

Bei der akustischen Umsetzung wurde hier das absolute Minimum eingesetzt. Keine Musik, nur ab und an ein notwendiges Geräusch, das dann aber seine Wirkung nicht verfehlt – das ständige Handyklingeln beispielsweise reißt auch den Hörer immer wieder aus dem Gespräch heraus. Und genau diese sehr nüchterne Umsetzung ist ideal für den Stoff, der durch seine Schauspieler wirkt und seine Lebendigkeit erhält.

Das Cover hat mich überrascht und hat auf den ersten Blick rein gar nichts mit der Handlung zu tun: Ein fein gekleideter Mann, nur etwa von der Brust bis zum Bauchnabel zu sehen, sitzt an einem aufwändig gedeckten Tisch und schneidet mit Messer und Gabel ein blutiges Steak. Symbolträchtig und ungewöhnlich, aber auf den zweiten Blick durchaus passend – die feine Gesellschaft, aber wie ein Tier fast rohes Fleisch essend.

Fazit: Ein ganz und gar ungewöhnliches Hörspiel, das keinem bekannten Muster folgt und eine ganz eigene Dynamik entwickelt - begrenzt auf ein in Realzeit ablaufendes Gespräch und nur einen Raum. Doch wie die Charaktere langsam ihr wahres Ich zeigen, der Ton immer gereizter wird, die Situation schließlich eskaliert, ist sehr fesselnd und eingängig umgesetzt und hält einem an der einen oder anderen Stelle einen Spiegel vor – eine klare Empfehlung meinerseits!

VÖ: 1.Februar 2014
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1370-9


Krimi Kult Kiste – Die sechste Staffel



Erster Eindruck: Drei Klassiker der Hörspielgeschichte

Paul Cox führt gerade ein recht ruhiges Leben, als ein kurioser Mordfall ihn ordentlich auf Trab bringt. Doch die Leiche ist verschwunden, sodass es für Cox schwierig wird, seine Unschuld zu beweisen... (Gestatten, mein Name ist Cox: Eben war die Leiche noch da)
Philip Odell und Heather McMara geraten in einer kanadischen Grenzkontrolle mitten in einen Konflikt mit dem Drogenkartell und damit in große Gefahr. Und eine geheimnisvolle Dame verdreht Philip den Kopf und weckt Heathers Eifersucht... (Die Dame im Schnee)
Dickie Dick Dickens ist der gefährlichste Mann in Chicagos Unterwelt und hat seinen Einfluss deutlich ausgebreitet. Das weckt natürlich nicht nur das Interesse der Polizei, sondern auch seiner Konkurrenten, sodass er stets alle Hände voll zu tun hat... (Dickie Dick Dickens, Kapitel 1-12)

Die „Krimi Kult Kiste“ aus dem Hörverlag bringt dicke Boxen auf den Markt, die Radiohörsiele aus den 50er und 60er Jahre veröffentlicht – so verrät es jedenfalls der Untertitel. Doch in der sechsten Box befinden sich mit „Gestatten, mein Name ist Cox“ auch eine Produktion aus den 70er Jahren.
Leider ist diese Produktion dann auch der deutliche Schwachpunkt dieser Box. Die Handlung von immerhin über 2 Stunden Laufzeit kommt nicht wirklich in Schwung, sondern wirkt im Gegenteil recht banal. Cox ermittelt vor sich hin, nur Spannung kommt dabei nicht auf – trotz durchaus interessantem Mordfall mit verschwundener Leiche. Doch ein deutlich zu langatmiger Verlauf und hölzerne Dialoge lassen keine Stimmung aufkommen.
„Die Dame im Schnee“ kann da schon deutlich mehr überzeugen. Die Geschichte überzeugt von ihrem interessanten Ausgangspunkt, einem spannenden Verlauf und einigen gekonnten Wendungen. Auch die Auflösung ist sauber zu Ende erzählt und klärt den Fall größtenteils logisch auf. Auch die Darstellung der beiden Hauptcharaktere ist gelungen, gerade durch ihre Gegensätzlichkeit bilden sie ein starkes Gespann: Er kühl und zurückhaltend, die emotional. Schade ist nur, dass sich im Mittelteil doch einige Längen einschleichen und den Erzählfluss deutlich hemmen, einige Passagen hätten deutlich gestrafft werden können. Ein Eindruck, der sicherlich von heutigen Hörgewohnheiten beeinflusst wurde, für meinen Geschmack sind die fast 3 Stunden Laufzeit aber etwas zu lang.
Das Highlight dieser Box ist jedoch unbestritten die Reihe um Dickie Dick Dickens, deren erste zwölf Episoden hier zu hören sind, jede hat dabei eine Länge von etwa 35 Minuten. Es handelt sich dabei um eine Krimiparodie, die einige Klischees des Genres ordentlich aufs Korn nimmt und sehr humorvoll gestaltet ist. Besonders die Figur des Dickie Dick Dickens kann dabei überzeugen und bringt immer wieder sarkastische Sprüche. Erstaunlich ist dabei, dass neben allem Humor auch Spannung und Atmosphäre aufkommen, die temporeich erzählten Geschichten können zum großen Teil mit einem gelungenen Verlauf überzeugen.

Bei drei mehrstündigen Produktionen und durchaus komplexen Handlungen ist natürlich eine Vielzahl verschiedener Sprecher zu hören, darunter Namen wie Michael Habeck, Brigitte Dryander oder Norbert Gastell. Reiner Schöne ist als Paul Cox zu hören und gestaltet seine Rolle durchaus ansprechend, kann das schwache Drehbuch aber leider auch nicht mehr deutlich aufwerten. Albert C. Weiland wählt für seine Rolle als Philip Odell eine ungewöhnliche Sprechweise, nimmt deutlich Emotionen aus seiner Stimme heraus und wirkt so manchmal etwas unbeteiligt am Geschehen. Sehr gelungen ist das agile Spiel von Carl-Heinz Schroth als Dickie Dick Dickens, mit seinem vielfältigen Ausdruck und dem schmutzigen Sarkasmus in der Stimme sorgt er nicht nur für einen flüssigen Verlauf, sondern auch viel Humor.

Die akustische Gestaltung ist bei drei Produktionen aus drei unterschiedlichen Jahrzehnten natürlich sehr variabel, zusammenfassend sind die drei Hörspiele jedoch eher zurückhaltend gestaltet. Leider gefällt mir die Musik bei „Gestatten, mein Name ist Cox“ gar nicht, sie wirkt recht billig zusammengeschustert und kann nicht dazu beitragen, dass die Handlung an Atmosphäre hinzugewinnt.

Schlicht, aber wie immer durchaus ansprechend ist die Gestaltung de dicken Box. Die zwei bis fünf CDs pro Hörspiel finden sich jeweils in einer dicken, mehrfach aufklappbaren Plastikhülle wieder, hier wird leider zu viel Platz verschwendet. Allen gemein ist das tiefe Bordeaux als Grundfarbe, von dem sich als gestalterisches Element die schwarze Silhouette eines Mannes mit Hut in verschiedenen Posen abhebt. Jedes Hörspiel hat ein eigenes Booklet mit den entsprechenden Informationen, ein im gleichen Stil gestalteter Pappschuber hält die Hüllen zusammen und macht die Box erst zur Box.

Fazit: Neben zwei sehr hörenswerten Produktionen tummelt sich mit der Cox-Geschichte „Eben war die Leiche noch da“ auch ein nicht so gelungenes Hörspiel in dieser Box und ist höchstens für Hardcore-Krimifans gedacht. Dafür sind „Die Dame im Schnee“ und die ersten zwölf Teile von „Dickie Dick Dickens“ umso gelungener und bieten entweder spannende oder launige Unterhaltung.

VÖ: 7.Oktober 2009
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-412-1


Die Verwirrungen des Zöglings Törleß



Erster Eindruck: Sadistisches Handeln an einer Militärakademie

Der junge Kadett Törleß besucht eine Militärakademie, doch der Abschied von seinem hochgestellten Elternhaus erfüllt ihn immer wieder mit Einsamkeit. Als er zusammen mit seinen Kameraden Beineberg und Reiting entdeckt, dass der schwächliche und charakterschwache Basini klaut, verraten sie ihn nicht, sondern erpressen ihn fortan. Und während Beineberg und Reiting immer sadistischere Züge an den Tag legen, ist Törleß zunächst von der sinnlosen Brutalität abgeschreckt. Doch auch er findet bald Gefallen an den Machtspielen mit seinem Mitschüler...

„Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“, der Erstlingsroman von Robert Musli, stammt aus dem Jahr 1906, wurde aber erst 2014, über 100 Jahre später, erstmals als Hörspiel umgesetzt. Der SWR hat eine Radioproduktion produziert, die nun auch beim Audio Verlag als Kauf-CD erhältlich ist. Die oben beschriebene Situation ist Kernelement, Handlungsschwerpunkt und der entscheidendste Punkt in der Entwicklung der Handlung. Bis dahin wird sehr ausführlich die Lebenssituation von Törleß dargestellt, sein Leiden von der Trennung der Eltern, die Besuche bei einer Prostituierten, das Verhältnis zu seinen Kameraden. Erst später wird der Diebstahl von Basini entdeckt, woraus sich eine intensive Beschreibung der sadistischen Machtspiele ergeben. Erzählt wird dabei aus der Sicht von Törleß, der sich erst zurückhält, das Handeln seiner Kameraden beobachtet, für sich beurteilt und mit seinen moralischen Maßstäben misst. Es kristallisiert sich immer weiter heraus, dass er nicht vom Handeln an sich abgestoßen wird, sondern von den niederen Motiven. Und auch er selbst missbraucht Basini bald, erniedrigt ihn, und dieser nimmt seine Rolle als masochistisches Opfer langsam an. Diese Beziehung zwischen den Törleß und Basini gibt reichlich Stoff zum Nachdenken, und auch der Ausblick in Törleß' Zukunft, in der er sein damaligen Tun nicht bereut, sondern als Teil seines Lebens, seiner Entwicklung akzeptiert, ist sehr gut integriert. Die Umsetzung orientiert sich dabei sehr eng an dem Originalwerk, möglichst wenig wurde geändert, auch Satzstrukturen wurden übernommen. Das wirkt manchmal etwas anstrengend, da die Sprache ungewohnt altmodisch ist und man sich erst eingewöhnen muss. Diese Einstiegshürde erst einmal überwunden, wird man mit einer eindringlichen und außergewöhnlichen Geschichte belohnt, die die Entwicklung eines jungen Mannes in einer Extremsituation veranschaulicht.

Den weitaus größten Teil dieser Inszenierung übernimmt Michael Rotschopf, der als Erzähler omnipräsent ist und durch einige Dialoge unterbrochen wird. Er schafft es, mit seiner ruhigen und angenehmen Stimme die Gefühlswelt von Törleß mit leichten Veränderungen seines Klanges begreifbar macht und ebenso den roten Faden der Geschichte aufzugreifen und weiter zu führen. Stefan Konarske übernimmt die so anspruchsvolle Rolle des Törleß, lässt sich vollkommen auf diese Rolle ein und kann sie mit Feinsinn und Einfühlungsvermögen umsetzen, lässt seinen Charakter so begreifbar werden und trotz aller seiner Taten nie unsympathisch wirken. Ebenso interessant das facettenreiche Spiel von Florian Teichtmeister als Basini, der den charakterschwachen Zögling sehr umfassen darstellen kann. Weitere Sprecher sind unter anderem Manuel Rubey, Stefano Bernardin und Ursula Strauss.

Musikalisch ist das Hörspiel sehr interessant umgesetzt und erinnert streckenweise an ernsthafte Hörspiele aus früheren Jahren. Immer wieder scheinen aus heiterem Himmel energetische Musikstücke eingespielt, die den Hörer aufschrecken lassen und die Szenen in ihrer Wirkung unterstützen. So gelungen die außergewöhnliche Umsetzung der Musik auch gelungen ist und so gut sie die Wirkung des Hörspiels auch unterstützt, so anstrengend kann diese Art auch sein, sodass man als Hörer noch einmal mehr Konzentration aufwenden muss.

Der Audio Verlag hat sich wieder viel Mühe gegeben, die Gestaltung ansehnlich und gleichzeitig informativ zu halten. Das Cover wird in zwei verschiedenen Farbgebungen gestaltet, einerseits die schwarz-weiße Fotografie eines jungen Mannes, andererseits in Sepia die Gewölbe der Militärakademie. Herzstück des stimmungsvollen Digipacks ist aber das umfangreiche Booklet mit zusätzlichen Informationen und einigen Fotos von der Produktion.

Fazit: Der anspruchsvolle und ungewöhnliche Roman von Robert Musil wird hier feinsinnig und mit viel Sinn für das Details umgesetzt. Die hervorragende Sprecherleistung unterstützt das Erleben dieser Entwicklung, der sich immer weiter steigernden sadistischen Beziehung zwischen den Zöglingen, insbesondere von Törleß und Basini. Ein sehr eindringliches und intensives Hörspiel.

VÖ: 1.April 2014
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-334-1


Die Reise nach Sundevit / Lütt Matten und die weiße Muschel



Erster Eindruck: Zwei Geschichten mit charmanten Ostsee-Anklang

Als Timm, der Sohn des alleinstehenden Leuchtturmwärters einer kleinen Stadt, am Strand eine Gruppe von wandernden Kindern trifft, scheinen die langweiligen Ferien vorbei zu sein. Sein Vater erlaubt ihn, mit ihnen nach Sundevit zu reisen, doch vorher hat er noch eine Aufgabe zu erledigen... („Die Reise nach Sundevit“)
Der kleine Junge Lütt Matten wünscht sich nichts weiter, als mit seiner Reuse einen Fisch zu fangen, doch es will ihm einfach nicht gelingen. Die Kinder im Dorf hänseln ihn, und auch die erwachsenen Fischer belächeln ihn nur noch. Da erfährt er von einer geheimnisvollen Muschel... („Lütt Matten und die weiße Muschel“)

Der Audio Verlag baut sein Programm für Kinder weiter aus und veröffentlicht zwei Radiohörspiele aus den 60er Jahren, produziert vom Rundfunk der DDR, zusammen auf einer CD. Beide stammen von Auto Benno Pludra, und beide werden in leichtem ostfriesischen Dialekt gesprochen, was ziemlich viel Charme verbreitet. Doch beide sind vom Grundsatz her recht unterschiedlich und haben ebenso unterschiedliche Ausstrahlungen.
„Die Reise nach Sundevit“ handelt von Timm, der sehr pflichtbewusst und hilfsbereit ist und dadurch immer mehr in zeitliche Bedrängnis gerät, um die Reise nach Sundevit antreten zu können. Immer mehr kommt ihm dazwischen, und so bangt und hofft der Zuhörer bald mit ihm, wünscht sich, dass er sein Ziel noch rechtzeitig erreicht und lässt sich schnell von der sehr gelungen dargestellten Stimmung im Dorf, wo jeder jedem hilft, einfangen. Das funktioniert natürlich nicht ohne eine große Sympathie für den Hauptcharakter, die hier durch seine offene und sehr freundliche Art erzeugt wird. Der Schluss der Handlung ist dann recht ungewöhnlich gelöst und offen, aber sehr gut aufgelöst und mit interessanten Gedankengängen angereichert.
„Die weiße Muschel“ hat zwar auch den ostfriesischen Charme seines Vorgängers, kann aber nicht ganz so sehr überzeugen. Die Geschichte nimmt einen nicht so sehr gefangen, was vielleicht auch daran liegt, dass Lütt eine deutliche Spur trotziger und verbissener wirkt als Timm. Die eingebauten, märchenhaften Elemente um die weiße Muschel und einen seltsamen Traum sind zwar durchaus stimmig eingebaut, doch auch der Pepp des Vorgängers ist hier nicht zu spüren.
Die beiden Geschichten können leider nicht gleichermaßen überzeugen, nach dem gelungenen Auftakt fällt die zweite Geschichte ab. Diese sorgt zwar auch für Kurzweil, wird aber nicht zu einem Favoriten werden.

Sehr gut gefallen hat mit der Junge, der den Timm spricht – leider wird sein Name hier nicht genannt. Doch er legt eine solche Spielfreude in seine Worte, zeigt viel Energie und eine gelungene Mischung aus Spitzbubigkeit und einem Hauch Melancholie. Sein Vater wird von Bruno Carstens gesprochen, dessen warme und angenehme Stimme den einsamen, aber gutmütigen Mann gekonnt einfangen kann. Als Erzähler der zweiten Geschichte ist Werner Röwekamp im Einsatz, der seine Passagen kurzweilig und unterhaltsam gestaltet. Weitere Sprecher sind unter anderem Manfred Wagner, Maximilian Larsen und Olf Hauschild.

Die akustische Untermalung ist bei beiden Episoden recht sparsam gelungen, Musik wird nur in wenigen Szenen in der zweiten Geschichte eingesetzt, um eine mysteriöse Stimmung zu erzeugen. Ansonsten werden zahlreiche Geräusche eingesetzt, um die jeweilige Szenerie erlebbar zu machen, sodass man mit Timm wirklich auf einem Pferdewagen sitzt oder mit Lütt aufs Meer fährt. Die beiden Geschichten sind gut erhalten, sodass ein vernünftiger Klang ohne Grundrauschen aus den Boxen kommt.

Wie so oft bei diesem Verlag wurde sich bei der Gestaltung des Hörspiels viel Mühe gegeben. Das Titelbild wird von einer sehr hübschen Zeichnung geziert, die Timm auf seinem Weg zurück zum Leuchtturm zeigt, sein zerstörtes Fahrrad auf dem Arm. Im Hintergrund wird die malerische ostfriesische Landschaft dargestellt. Leider sind die Informationen im Inneren nicht vollständig, die meisten der Sprecher werden nicht aufgeführt.

Fazit: „Die Reise nach Sundevit“ kann mit der sehr charmanten Umsetzung und dem lebensfrohen Hauptcharakter überzeugen, während „Lütt Matten und die weiße Muschel“ diese Anziehungskraft leider nicht entfalten kann. Über 70 Minuten Oldschool-Hörspielunterhaltung, die auch bei Kindern von heute noch punkten können.

VÖ: 1.April 2014
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-344-0


Das Beste von Erich Kästner



Erster Eindruck: Drei Umsetzungen seiner Werke

Emil fährt zum ersten Mal alleine nach Berlin, um seine Großmutter zu besuchen. Doch auf der Zugfahrt werden ihm 140 Mark gestohlen, die ihm seine Mutter mitgegeben hat. Sofort packt Emil das schlechte Gewissen, und mit einer ganzen Bande von Kindern sucht er nach dem Dieb… (Emil und die Detektive)
Kurz vor Weihnachten herrscht in einem Internat immer noch ordentlich Trubel. Fünf Freude, Martin, Johnny, Matthias, Ulli und Sebastian, allesamt sehr unterschiedlich, bleiben über die Feiertage in der Schule und proben für ein Theaterstück… („Das fliegende Klassenzimmer“)
Anton lebt mit seiner Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Nachdem diese operiert werden musste, muss Anton auf der Straße betteln gehen. Dort begegnet er Luise, genannt Pünktchen, deren Eltern reich sind, die aber von ihrem Kindermädchen ebenfalls zum Betteln gezwungen wird. Sofort freunden die beiden ungleichen Kinder sich an… (Pünktchen und Anton)

Erich Kästner bleibt Unvergessen, zahlreiche Kinderbücher aus seiner Feder begeistern seit Generationen und wirken auch heute noch wegen ihrer vermittelten Werte und den zeitlosen Charakteren sehr nahbar. Der Oetinger Audio Verlag hat nun drei Hörspiele aus den 60er Jahren in einer Box veröffentlicht und setzt dem beliebten Autor damit ein kleines Denkmal. „Emil und die Detektive“, „Das fliegende Klassenzimmer“ und „Pünktchen und Anton“ sind ausgewählt worden, drei seiner bekanntesten Werke. Nachfolgend ein paar Worte zu den einzelnen Produktionen:
„Emil und die Detektive“ ist eine recht turbulente Geschichte, die ein herrliches Kinderabenteuer ist und mit zahlreichen gelungenen Momenten überzeugen kann. Der Anfang am Bahnhof und im Zug kann sich zwar etwas ziehen, aber spätestens mit der Ankunft in Berlin kommt viel Bewegung in die Handlung. Sehr hübsch sind die Prozesse, die sich innerhalb der Kinderbande ereignen, mit wie viel Herzblut und Eifer alle bei der Sache sind, wie sehr alle Emil helfen wollen. Die Umsetzung mit dem flotten Berliner Dialekt ist ebenfalls sehr gelungen und zu eine zeitlosen Klassiker geworden.
„Das fliegende Klassenzimmer“ hat eine ganz andere Erzählstruktur und keine fortlaufende Handlung, sondern ist episodenhaft angelegt. Dabei wird sehr viel Wert auf die Darstellung der verschiedenen Charaktere gelegt, die so unterschiedlich sind, dass wohl jedes Kind schnell eine Identifikationsfigur findet. Und auch die im Hörspiel angesprochenen Werte wie Mut und Zusammenhalt sind auch heute noch sehr lehrreich, ohne zu moralisierend zu wirken. Die verschiedenen Stimmungen der Episoden sorgen zudem für einen unterhaltsamen Verlauf.
„Pünktchen und Anton“ ist das ernsthafteste und teilweise auch bedrückendste der drei Hörspiele. Zwar bringt die Freundschaft der beiden durchaus Lichtblicke mit ein, und natürlich ist auch das Ende ein gutes. Aber die ärmlichen Verhältnisse von Anton und die Vernachlässigung und die Erpressung von Pünktchen zeigen die unschönen Seiten zweier Kindheiten. Ein Schuss Abenteuer und der Wille, sich niemals aufzugeben, stehen im Vordergrund. Die vorhandene Melancholie der Buchvorlage wird hier sehr behutsam, aber auch deutlich umgesetzt.
Alle drei Hörspiele sind sehr hörenswert und können mit Charme, starke Charakteren und einem interessanten Verlauf überzeugen. Die sehr gelungenen Hörspiele wirken insgesamt zeitgemäß und warmherzig, sodass auch Kinder von heute noch ihren Spaß daran haben – und ihre Eltern ebenso gern zuhören und in Erinnerungen schwelgen können.

Heinz Reincke ist als Erzähler in „Emil und die Detektive“ zu hören, mit seiner sehr einprägsamen und intensiven Stimmfarbe kann er eine gelungene und spannungsreiche Atmosphäre schaffen. Thomas Rosengarten spricht in „Das fliegende Klassenzimmer“ den zurückhaltenden und ängstlichen Uli und kann diesen sehr gekonnt in Szene setzen, schnell gewinnt er die Sympathien der Hörer. Antje Hagen kann Pünktchen sensibel und sanft erscheinen lassen, kann aber auch differenziert ihre verschiedenen Gefühlslagen darstellen. Manfred Steffen, Heinz Schimmelpfennig und Ruth Scheerbarth sind weitere Sprecher, und auch Erich Kästner selbst ist bei „Pünktchen und Anton“ als Erzähler zu hören.

Wie oben bereits erwähnt stammen die Hörspiele aus den 60er Jahren, doch die Klangqualität ist erstaunlich gut. Alle Dialoge kommen sehr klar aus den Boxen. Die akustische Umsetzung ist in alles drei Produktionen recht zurückhaltend, sodass die Dialoge immer im Vordergrund stehen und durch einige Geräusche in ihrer Wirkung unterstützt werden. Bei „Emil und die Detektive“ sind bei Traumszenen recht merkwürdige Effekte eingesetzt, die zudem leider zu sehr in die Länge gezogen wurden.

Das Cover wird von dem wohl berühmtesten Buchtitelbild von Erich Kästner geziert, dem zu „Emil und die Detektive. In der sehr schlichten Zeichnung vor gelben Hintergrund stehen zwei Jungen hinter eine Litfaßsäule und beobachten einen Mann. Die dicke Box aus schlichtem Plastik enthält noch ein kleines Booklet, in dem die Mitwirkenden des Hörspiels aufgeführt sind.

Fazit: Drei warmherzige, liebevolle, unterhaltsame, spannende und ganz und gar wunderbare Hörspiele des bekannten Autors, die zudem in schlichten, aber eleganten Umsetzungen überzeugen können. Ob das abenteuerliche „Emil und die Detektive“, das phantasievolle „Das fliegende Klassenzimmer“ oder das melancholische „Pünktchen und Anton“, alle drei stecken voller Energie und Leben. Eine sinnvolle Anschaffung, die die ganze Familie unterhalten kann.

VÖ: Januar 2014
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0714-6


1001 Nacht – Scheherzad und der Brunnen der Geschichten



Erster Eindruck: 1001 Nacht in 52 Minuten

Scheherban ist schon in jungen Jahren zum König geworden, doch er hat eine grausame Eigenheit entwickelt: Jeden Tag lässt er sich von seinem Wesir eine neue Frau bringen, die ihm die Nacht über Gesellschaft leistet und die er anschließend töten lässt. Damit zieht er den Zorn der Bevölkerung auf sich, doch gerade die älteste Tochter des Wesirs hat einen Plan, den König von seinen Schandtaten abzubringen…

Nach den Märchen der Brüder Grimm sind die Geschichten aus 1001 und einer Nacht die wohl bekannteste Märchensammlung der Welt. Diese berichten von Flaschengeistern, Räubern und Seefahrern, doch die Erzählform ist eine sehr interessante, denn diese sind quasi in einer Rahmenhandlung eingefasst. Und genau diese wird in dem WDR-Hörspiel „1001 Nacht – Scheherzad und der Brunnen der Geschichten“ erzählt, das nun auch beim Hörverlag erhältlich ist. Zu Anfang wird ausführlich die Grundsituation vorgestellt, auf die Beziehung zwischen König und Wesir eingegangen, langsam zu Scheherzad übergegangen – und spätestens dann ist der Hörer gefesselt von der Produktion, die so phantasievoll und lebendig ist, dass man wie der König selbst an Scheherazads Lippen hängt. Dabei liegt der Fokus nicht auf ihren Geschichten. Diese werden zwar anfangs komplett erzählt, später nur noch angedeutet, dann sporadisch erwähnt. Vielmehr erfährt man, wie mutig und unerschrocken die Geschichteerzählerin an ihre Aufgabe geht, wie langsam das Herz des Königs erweicht wird, wie sehr Scherezad und ihre Schwester noch in Bedrängnis kommen. Berührend und eindringlich ist dann auch die letzte Szene gestaltet. Die Stimmung des Hörspiels ist wunderschön, märchenhaft und lebendig, hier passt alles sehr gut zusammen.

Scheherzad wird von der wunderbaren Cathlen Gawlich gesprochen. Ihre klare, freundliche Stimme erweckt die mutige Geschichtenerzählerin zum Leben und ist maßgeblich für die tolle Grundstimmung verantwortlich. Roman Knizka spricht den jungen König, von der anfänglichen harten und gnadenlosen Fassade bröckelt im Laufe der Zeit immer mehr ab, eine Wandlung, die durch ihn nachvollziehbar und glaubhaft gestaltet wurde. Michael Habeck spricht den Wesir mit seiner dunklen und angenehmen Stimme, die auch hier gekonnte Akzente setzt. Weitere Sprecher sind Natalie Spinell, Martin Ammknecht und Gerd Mayen.

Neben den sehr guten Sprechern kann auch die akustische Gestaltung der Geschichte für die notwendige Stimmung des Hörspiels sorgen. Hier werden vorrangig orientalische Klänge verwendet, die während der Szenenübergänge und auch während einiger Dialoge zu hören sind. Besonders gut gelungen ist die akustische Trennung von der Rahmenhandlung zu den einzelnen Geschichten, sodass man diese gut auseinanderhalten kann.

Auch das Cover greift die orientalische Stimmung gekonnt auf, kräftige und lebendige Farben unterstützen dies. In einem prächtig verzierten Säulenraum sitzt der König im Zentrum, Scheherzad und ihre Schwester um ihn herum. Kleine ansprechende Details schmücken das gesamte Cover. Die CD ist in einer hübsch gestalteten Papphülle untergebracht, die einige zusätzliche Infos zum Produzententeam enthält.

Fazit: Eine sehr gelungene Produktion! Die zauberhafte, orientalische Stimmung kommt sehr intensiv beim Hörer an, während er den phantasievollen Geschichten lauscht und Scheherzad bei ihrem Plan begleitet. Sehr stimmig umgesetzt und mit einem gut geschriebenen Ende versehen.

VÖ: 12.Mai 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1393-6


Das Phantom des Alexander Wolf



Erster Eindruck: Ein Mord und seine Folgen…

Als 16-jähriger erschießt ein Weißgardist im russischen Bürgerkrieg einen Soldaten, eher aus Reflex denn aus wirklicher Notwehr. Jahre später verdient er sein Geld als Gelegenheitsjournalist in England, und hier wird er gnadenlos mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Denn er liest die Geschichte eines Alexander Wolf, die deckungsgleich mit den damaligen Ereignissen zu sein scheint – und die alten Dämonen des Mannes kommen wieder hervor…

Im Jahr 2013 hat der mdr in Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk ein interessantes und hörenswertes Hörspiel produziert: „Das Phantom des Alexander Wolf“ nach dem gleichnamigen Roman des russischen Autors Gaito Gasdanow. Hier wird aus der Sicht eines – übrigens namenlosen – Mannes erzählt, der sich mit dem einschneidenden, traumatischen Erlebnis in seine Jugend auseinandersetzen muss. Anfangs steht die zentrale Szene, auf der alles aufbaut. In intensiver, aber schlichter Wortwahl wird der Tod des fremden Mannes geschildert, die Wirkung auf den noch Minderjährigen treffend erfasst. Der Einstieg hat genügend Ausstrahlungskraft, um den Rest der Handlung zu bestimmen und im Gedächtnis zu bleiben. Danach folgt ein kleiner Zeitsprung von einigen Jahren und zeigt die Hauptfigur im Erwachsenenalter. In Gesprächen und Gedankenauszügen werden die Auswirkungen des Vorfalls geschildert, der den jungen Mann die losgelassen und immer verfolgt hat. Die Handlung hangelt sich langsam an der Entdeckung der Geschichte des Alexander Wolf entlang, an dem Schock, den Ereignissen erneut zu begegnen, dem Feuereifer, der ihn die Hintergründe des Autors aufdecken lassen wollen. Mit eingebaut ist eine Liebesgeschichte, die sich jedoch sehr organisch einfügt und einen engen Bezug zum eigentlichen Thema hat, von dieser stark beeinflusst wird. Alles fügt sich bestens zusammen und gibt einen tiefen Einblick in die Seele eines von Phantomen geplagten Mannes, was noch in einer ansprechenden Handlung mit einem sehr gut erzählten, intensiven Ende abgeschlossen wird.

Sebastian Blomberg spricht die Hauptrolle und bestimmt damit den weitaus größten Teil des Hörspiels, neben den Dialogen gibt er als Erzähler auch einen Überblick über die Geschehnisse und vertieft dessen Gedankenwelt. Mit prägnanter und präziser, aber dennoch gefühlsbetonter Stimme meistert er dies hervorragend, besonders der sich steigernde Schrecken des Mannes im Laufe der Handlung kann durch ihn erlebbar gemacht werden. Wolfgang Michael ist als Alexander Wolf zu hören, sein markanter Klang kann diese Rolle sehr präsent wirken lassen und einen starken Charakter formen. Valery Tscheplanowa spricht Jelena Nikolajewna, in die sich der Protagonist verliebt. Ihre helle Stimme passt sehr gut in die Handlung und kann ein sanftes, aber ebenso bestimmtes Wesen formen. In Nebenrollen sind Helmut Krauss und Gerd Wameling zu hören.

Das Thema ist ein sehr sensibles, und so wurde auch das Hörspiel umgesetzt. Effekthascherei oder hochtrabende Musik ist hier nicht zu finden, dafür wurden kleine, leise Melodien eingebaut, die Daniel Dickmeis extra für diese Produktion geschaffen hat. So liegt die Aufmerksamkeit voll auf den Dialogen, und dennoch wurde eine stimmige und passende Atmosphäre geschaffen.

Autor und Titel des Hörspiels werden in schlichten Lettern auf weißem Grund präsentiert, als Hintergrundbild wurde die Fotografie eines Mannes gewählt, der intensiv in die Kamera schaut, hinter ihm ein weiteres, halb verborgenes Gesicht. Das Innere des schlichten und ansehnlichen Digipacks ist hübsch gestaltet und enthält kleine Informationen zu zahlreichen Mitwirkenden sowie eine überraschend ausführliche Biographie zum Autor, in der sich Motive des Hörspiels wiederfinden lassen.

Fazit: Die erste Szene setzt einen prägnanten Startpunkt, von dem der weitere Verlauf ausgeht. Immer wieder wird sich hierauf bezogen, auch die Liebesgeschichte ist involviert. Die Gefühlswelt des jungen Mannes wird gefühlsbetont und realistisch geschildert, sodass ein starker und präsenter Eindruck bleibt. Ein sehr gutes Hörspiel mit Anspruch.

VÖ: 10.Februar 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1170-3


Raskolnikow - Schuld und Sühne (Fjodor Dostojewski)



Erster Eindruck: Zwischen Charakterstudie und Kriminalroman

Rodion Raskolnikow, ein verarmter Student aus Sankt Petersburg, muss zum Bestreiten seines Lebensunterhalts die wenigen Dinge verpfänden, die er noch besitzt. Langsam reift der Plan, die wucherische Pfandleiherin zu ermorden. Damit fühlt sich Raskolnikow auch im Recht, da er lediglich unwürdiges Leben auslöscht. Die Begegnung mit dem Trinker Marmeladow und seiner Tochter Sonja, die sich prosituieren muss, um zu überleben, sowie ein Brief seiner Mutter verfestigen seinen Plan…

„Raskolnikow – Schuld und Sühne“ des russischen Autors Fjodor Dostojewski ist sein wohl größtes und bekanntestes Werk. 1960 entstand beim WDR ein Hörspiel zu der bekannten Vorlage, das der Audio Verlag nun aus den Archiven geholt und auf CD in den Handel gebracht hat. Die Umsetzung ist hier sehr schlicht, es werden keinerlei Musikstücke verwendet, und auch die Geräusche beschränken sich auf einige wenige Stellen, sind die absolute Ausnahme in der Handlung. Und gerade diese Reduziertheit führt zu einem sehr scharfen Ausdruck der Geschichte, zu einem analytischen und auf die Charaktere fokussierten Ausdruck. Der Aufbau dieser klassischen Geschichte vollzieht sich recht langsam, anfangs werden in großer Ausführlichkeit die Armut und das Leiden der Figuren dargestellt. Raskolnikow, der sich gerade so über Wasser halten kann und nicht einmal die Miete für seine winzige Wohnung zahlen kann, aber auch Marmeladow, der alles Geld seiner Familie versäuft, wird mit seinem Hintergrund in tiefschwarzen Farben dargestellt, besonders das Zusammentreffen mit seiner Familie ist ein eindrucksvoller Höhepunkt. Mit dem Mord an der Pfandleiherin beginnt dann der Kern der Handlung, Raskolnikow reagiert ganz anders auf seine Tat, als er vorher gedacht hätte, zergeht langsam aber sicher in seinen Schuldgefühlen, distanziert sich immer weiter von der Gesellschaft. Hinzu kommt später noch eine Gerichtsverhandlung, das fast schon ein psychologisches Drama ist und noch einmal eine Portion Kriminalistik mit einbezieht. Das alles ist in scharfen, treffenden Worten geschildert, die die Gefühlswelt des jungen Mannes sehr eindringlich schildern. Obwohl manche Monologe doch etwas lang geraten sind, kann eine gewisse Dynamik erzeugt werden, die ich im Laufe der Zeit immer weiter steigert. Wer klassische Literaturvertonungen mag, wird auch an diesem sehr reduzierten und punktierten Hörspiel seine Freude haben.

Gerade ein solches Hörspiel, das so sehr von seinen Charakteren lebt, erfordert hervorragende Sprecher, jede Rolle ist mit einer markanten und ausdrucksstarken Stimme besetzt. Rodion Raskolnikow wird von Klaus Kammer sehr intensiv gesprochen. Den Weg vom scheinbar gefestigten jungen Student zum verstörten, von seiner eigenen Tat entsetzten gebrochenen Mann kann er facettenreich und sehr treffend darbieten. Soja Marmeladow wird von Gustl Halenke gesprochen, die in all dem Leid der Figur, all dem Schmerz und all der Erniedrigung noch eine sehr würdevolle und gutherzige Aura verströmen kann. Als Erzähler wurde Siegfried Wischnewski gewählt, der scharfsinnig und analytisch agiert, eher betrachtet denn beurteilt und dem Hörer damit dieses selbst überlässt. Weitere Sprecher sind Johanna Koch-Bauer, Helmut Peine und Ernst Ginsberg.

Die vier CDs dieses Hörspiels sind in einem ansehnlichen Digipack untergebracht, das mit seinen dunklen und erdigen Farben die gedrückte Stimmung dieser Produktion einfangen kann. Als Titelbild wird vor dunklem Hintergrund ein intensiv in die Kamera blickendes Männergesicht gezeigt, das nur zum Teil zu sehen ist. Im Inneren gibt es neben den Sprecherangaben noch zwei kurze Infotexte über Mitwirkende.

Fazit: Hier wurde Weltliteratur sehr schlicht, aber umso treffender umgesetzt, Die fehlenden Geräusche werden durch die hervorragenden Sprecher ausgeglichen, die ihren Charakteren sehr viel Ausdruck geben und deren Leid, insbesondere Raskolnikows Zerrissenheit sehr scharfsinnig darstellen. Geprägt von Leid und Elend, von Schuld und inneren Dämonen wahrlich kein leichter Stoff, aber sehr ausdrucksstark.

VÖ: 1.Februar 2014
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-367-9


Othello



Erster Eindruck: Klassisches Werk in klassischem Gewand

Der dunkelhäutige Othello hat sich in der Armee Venedigs den Rang eines Feldherren erarbeitet, obwohl er wegen seines anderen Aussehens keine leichte Stellung hatte. Als der rachsüchtige Fähnrich Jago bei einer Beförderung übergangen wird, spinnt er eine Intrige gegen seinen Vorgesetzten. Dabei kommt ihm zugute, dass Othello ohne die Zustimmung ihres Vaters die hübsche Desdemona geheiratet hat…

Der Audio Verlag hat eine ganze Reihe einem der bekanntesten Schriftsteller gewidmet: Einige Werke von William Shakespeare sind als Hörspielumsetzungen erschienen. Dabei wird wie so oft bei dem Berliner Verlag nicht auf eigene Produktionen gesetzt sondern Radiohörspiele neu aufgelegt. So ist auch „Othello“ in der Umsetzung des Rundfunks der DDR aus dem Jahre 1970 auf CD erhältlich. Die sprachliche Umsetzung birgt hier einige Tücken in sich, denn man muss sich erst mal an die geschnörkelt wirkende Wortwahl gewöhnen. Das Verständnis wird hierdurch zwar nicht gemindert, aber der Fluss und die damit verbundene Dynamik geraten etwas in den Hintergrund. Hat man sich aber darin eingefunden, hat man teil an einer hörenswerten Tragödie, die von Eifersucht, Machtspielen und Intrigen geprägt ist. Große Leidenschaft spielt darin eine ebenso große Rolle wie große Missgunst, Othello als edler und standfester Mann auf der einen, sein Widersacher Jago auf den anderen Seite. Mit seinem Handeln treibt er die Geschichte an, arbeitet mehr oder weniger im Verborgenen gegen Othello und Desdemona, bringt mit seinem leise diabolischen Auftreten Würze mit. Die Handlung entwickelt sich recht langsam, die einzelnen Teile werden ausgekostet und sehr detailliert dargestellt, bis es zum nächsten Baustein vorangeht. So lässt sich es nicht vermeiden, dass sich für heutige Ohren einige zähe Passagen ausfindig machen lassen. Der Einsatz eines Erzählers beispielsweise hätte einige Dialoge kürzen und die Handlung straffen können. So ist aber wiederum ein Hörspiel entstanden, dass sich sehr nah am Original orientiert und den Geist von Shakespeare in sich trägt.

Noch mehr als sonst sind bei Literaturvertonungen hervorragende Sprecher nötig, um die Handlung lebendig wirken zu lassen. Reimar Johannes Baur ist in der Rolle des Titelhelden Othello zu hören und schafft es, gleichfalls die ehrenwerten und standfesten wie auch die emotionalen, aufbrausenden Momente des Mannes einzufangen. Winfried Wagner spricht seinen Kontrahenten Jago, in seiner Stimme schwingt stets etwas leise Bösartiges mit, sodass diese interessante Figur gekonnt umgesetzt wurde. Desdemona wird von Petra Hinze, deren Stimme mit der als ebenso klug wie hübsch beschriebenen Figur nicht immer ganz mithalten kann. Weitere Sprecher sind Peter Reusse, Klaus Piontek und Fred Düren.

Das Hörspiel hat über 40 Jahre hinter sich, und das hört man auch der Produktionsweise an. Die Stimmen klingen leider etwas dumpf, sind aber gut verständlich. Auf den Einsatz von Musik wurde hier verzichtet, dafür sind einige Geräusche in die Handlung eingebaut, sodass die entsprechenden Szenen lebendiger wirken. Diese wirken sich besonders auf einige Handlungen aus und werden eher weniger dazu eingesetzt, eine stimmige Atmosphäre zu erzeugen.

Eine silberne Maske, die ausdrucksstarken Augen eines jungen Mannes verdeckend, darüber ein ausladende Federschmuck, der an frühere Rüstungen erinnert, alles nur dunkel beleuchtet und in Ausschnitten vor dem rein schwarzen Hintergrund zu sehen – das Cover zu Othello ist effektvoll in Szene gesetzt worden. Der Rest ist, typisch für das Label, recht schlicht gestaltet, zusätzlichen Extras sind hier nicht enthalten.

Fazit: Ein großes Werk eines großen Autors, dass hier schlicht und nahe am Original umgesetzt wurde. Die Schauspieler können ihre Rollen gut ausfüllen und die Intrigen von Jago, die hier im Mittelpunkt stehen, in Szene setzen. Durch die recht trockene Umsetzung nur mit einigen Geräuschen und der hochtrabenden Sprache sind aber durchaus einige Einstiegshürden vorhanden.

VÖ: 1.März 2014
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-374-7


Die Otfried Preußler Hörspiel-Box



Erster Eindruck: Drei Hörspiele nicht nur für Kinder

Einer kleinen Wassermannfamilie wird ein Junge geboren, der schon bald neugierig den Tümpel erkundet und im Karpfen Cyprinus einen wahren Freund gefunden hat. Doch nichts reizt ihn mehr als die Oberfläche und die Menschen… (Der kleine Wassermann)
Die kleine Hexe will unbedingt mit den großen Hexen in der Walpurgisnacht tanzen. Doch als sie entdeckt wird, wird ihr von der Oberhexe zur Strafe der Besen weggenommen. Doch wenn sie bis zum nächsten Jahr zu einer guten Hexe wird, wird sie in den Kreis der großen Hexen aufgenommen… (Die kleine Hexe)
Ein kleines Gespenst wohnt in einem Glockenturm und wacht jede Nacht zur gleichen Zeit auf. Dabei würde es furchtbar gern einmal den Tag erleben. Und als die alte Rathausuhr verstellt wird, bietet sich dazu die Gelegenheit (Das kleine Gespenst)

Otfried Preußler hat wie nur wenige andere deutsche Autoren über Jahre hinweg die Kinderliteratur geprägt und dabei zahlreiche zeitlose Klassiker verfasst. Drei davon wurden neu vertont und sind nun zusammen bei Karussell in einer großen Hörspielbox vereint: Der kleine Wassermann, die kleine Hexe und das kleine Gespenst. Jede Geschichte entfaltet dabei ihren ganz eigenen Reiz, mit über sechs Stunden Laufzeit ist hier zudem für jede Menge Unterhaltung gesorgt.
Den Anfang macht „Der kleine Wassermann“, die Umsetzung lebt von ihrer liebevollen Betrachtungsweise der wunderschön dargestellten Unterwasserwelt. Hier werden die wortgewaltigen Beschreibungen des Autors gekonnt aufgegriffen und in das neue Medium übertragen. Auch der Blick auf die Menschenwelt lohnt sich und enthält einige sehr amüsante Stellen. Erzählt werden dabei kleine, spannende Geschichten, die auch heute nichts von ihrem Zauber verloren haben.
„Die kleine Hexe“ ist gleich am Anfang mit einer recht gruseligen Szene versehen, bei der nicht nur kleinere Kinder wohliges Schauern verspüren dürften. Die Walpurgisnacht mit den großen Hexen ist aber nur der Ausgangspunkt für eine sehr schöne Geschichte. Hier lernt die kleine Hexe ganz verschiedene Charaktere kennen, hilft den Guten und Herzlichen und bestraft die Bösen, Hartherzigen. Dabei geht bei ihren Hexereien nicht immer alles gut, doch mit einer großen Portion Empathie kann sie jede Situation lösen – und in einer ebenso gelungenen Schlussszene für einen wahre Paukenschlag sorgen, der die Geschichte sehr gekonnt abschließt.
„Das kleine Gespenst“ stellt die turbulente und witzige Geschichte in den Vordergrund. Nach den eher ruhigen Eröffnungsszenen, in der das Gespenst und sein Freund, der Uhu Schuhu, vorgestellt werden, dreht die Handlung auf und lässt das schwarz gewordene Gespenst tagsüber spuken und so einiges Unheil anrichten. Das wird sehr gekonnt und dynamisch umgesetzt und findet in einem Fest zum Gedenken an einen kämpferischen Tag sehr hübsch abgeschlossen.
Alle drei Geschichten können in den drei Neuvertonungen ihren vollen Reiz entfalten und sind mit viel Charme und Gespür für die bekannten Originale umgesetzt worden. Hier erhält man drei doppelteilige Hörspiele, die nicht nur Kinder überzeugen dürfte, sondern auch Erwachsene in die gute alte Zeit zurückversetzt.

Bei allen drei Produktionen können die Sprecher vollkommen überzeugen, sehr gefragte und beliebte Schauspieler haben sich dabei die Ehre gegeben. Die recht unbekannte Femke Jovy ist als kleiner Wassermann zu hören und verleiht dem kleinen Junge eine große Portion Lebensfreude, die aus jedem Wort zu sprühen scheint und den neugierigen Jungen sehr präsent wirken lässt. Die wunderbare Anna Thalbach ist als kleine Hexe zu hören, die spricht (und singt) ihren Charakter mit viel Charme und Witz, kann den Gefühlen des Mädchen Nachdruck verleihen. Michael Habeck spricht das kleine Gespenst und setzt diese die Figur recht wild und rau um. Er krächzt und spukt sich mit herrlicher Leidenschaft durch die Handlung und verleiht der Figur eine sehr ausdrucksstarke Note. Weitere Sprecher sind Friedhelm Ptok, Stefan Kaminski und Peter Striebeck.

Da die drei Hörspiele vom selben Produktionsteam umgesetzt wurden, ist eine einheitliche Linie in der akustischen Umsetzung erkennbar. In jeder wird recht viel Wert auf die Musik gesetzt, oft wird gesungen, meist sind die Szenen mit passenden Melodien unterlegt. So bekommen die einzelnen Situationen ihren ganz eigenen Ausdruck, der von passenden und gut eingebauten Geräuschen noch verstärkt wird.

Natürlich tummeln sich die drei Hauptdarsteller der Hörspiele auch auf dem Cover zu sehen. Während der kleine Wassermann im unteren Drittel auf den Grund des Weihers taucht, fliegen mittig die kleine Hexe und das kleine Gespenst durch die dunkle, schwarze Nacht. Oben ist ein einfacher Schriftzug zu sehen. Die einzelnen CDs sind in Papphüllen untergebracht, das beiliegende Booklet enthält die üblichen Angaben zur Produktion und u den Sprechern.

Fazit: Drei ganz wundervolle und bezaubernde Geschichten voller Charme und kreativer Einfälle. Drei starke Hauptfiguren, die in Erinnerung bleiben und ihre ganz speziellen Eigenheiten haben und von anderen spannenden Figuren umgeben werden. Und drei wunderbare Produktionen, die den Geist der Buchvorlagen aufgreifen und sehr markant darstellen. Eine wunderbare Box, die nicht nur Kindern gefallen dürfte.

VÖ: 28.März 2014
Label: Karussell
Bestellnummer: 0602537642243


Pinocchio



Erster Eindruck: Der Weg zum Erwachsenwerden

Meister Geppetto schnitzt aus einem einfachen Holzblock einen kleinen Holzjungen – und dieser ist lebendig. Pinocchio hat zwar sein Herz am rechten Fleck, doch bringt sich selbst immer wieder in Schwierigkeiten und hört nicht immer auf seinen Vater. Und eines Tages lernt er auf dem Weg in die Schule einige finstere Gestalten kennen, die ihm nicht gerade wohlgesonnen scheinen…

Pinocchio gehört zu den bekanntesten Geschichten für Kinder. Das bekannteste Werk des italienischen Carlo Collodi hat schon unzählige Umsetzungen erhalten, als Trickfilm, Realverfilmung, aber eben auch als Hörspiel. 2003 ist beim Südwestrundfunk ein weiteres Hörstück hinzugekommen, das in etwas unter einer Stunde die Geschichte des hölzernen Jungen erzählt. Diese ist zwar etwas gekürzt, bleibt aber sehr nahe am Original und zeigt so, wie der kleine Holzjunge nicht nur erwachsen, sondern auch zu einem richtigen Menschen wird. Die episodenhaft erzählte Handlung stellt nach einem schönen Einstand die Hauptfigur vor immer neue Situationen und Herausforderungen, in denen er moralisch richtig entscheiden muss. Dass er dies gerade zu Beginn nicht tut, versteht sich von selbst, die zu tragenden Konsequenzen sind für eine Kindergeschichte überraschend düster. Nur ein sanfter roter Faden schlängelt sich durch die Handlung, die sich zum Ende steigert und mit einer recht eindrucksvollen Szene endet. Die hier vorliegende Umsetzung ist sehr gelungen und stellt die moralischen Aspekte und die heiteren Momente gleichwertig nebeneinander. So wird das Lehrreiche der Geschichte betont, ohne mit dem Zeigefinger zu drohen.

Niemand anderes als Jens Wawrczeck, einer der momentan beliebtesten Sprecher, ist als Pinocchio zu hören. Mit einer sehr speziellen Stimme kann er die fröhliche Jungenhaftigkeit des Charakters betonen und wirkt dabei stets sehr präsent. Klaus Manchen spricht Geppetto und hat eine markante, ausdrucksstarke Stimme, die sowohl sanftmütig als auch bestimmend wirken kann, eine gute Leistung. Auch Hörspielurgestein Wolfgang Völz ist in mehreren Rollen zu hören und kann diese sehr eigenständig und individuell gestalten. Weitere Sprecher sind Herbert Fritsch, Claus Boysen und Han Diehl.

Auch in Sachen akustischer Gestaltung kann diese Umsetzung von Pinnocchio überzeugen. Ein gelungener Mix aus Musik und Geräuschen untermalt die Geschichte sanft, aber durchaus atmosphärisch. Dabei werden die Dialoge zwar an erster Stelle stehen gelassen, aber durch stellenweise eingesetzte Melodien untermalt, die die Stimmung der Handlung verstärken und weiter ausformen.

Die Gestaltung des Digipacks ist schlicht, aber durchaus wirkungsvoll. Das Cover ist im typischen Stil des Verlages sehr klar strukturiert und wird von einem breiten, orangefarbenen Streifen durchbrochen, auf dem der Titel und weitere Angaben stehen. Der Hintergrund ist in einem kräftigen Türkis gehalten, als Motiv wurde eine einfache Zeichnung des langnasigen Holzjungen gewählt.

Fazit: Eine gelungene Umsetzung des bekannten Kinderbuchklassikers. Die Sprecher bringen Schwung und Fröhlichkeit in die Handlung, die sehr nah am Original ist und die moralischen Aspekte nicht allzu sehr betont. Die kleine Portion Düsternis steht dem Hörspiel recht gut und ist trotzdem für Kinder bestens geeignet.

VÖ: 1.Februar 2014
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-346-4


Sherlock Holmes - Der Hund der Baskervilles



Erster Eindruck: Bastian Pastewkas Hörspieldebut

Sherlock Holmes und Dr. Watson bekommen Besuch von dem Testamentsvollstrecker Dr. Mortimer, der das Erbe des verstorbenen Sir Charles Baskerville verwaltet. Sein einziger Nachkomme hat auf dem alten Anwesen unheimliche Vorkommnisse bemerkt, ein riesiger, dämonisch wirkender Hund scheint dort sein Unwesen zu treiben. Vorerst hat das Detektivduo kein großes Interesse an dem Fall, zu absurd schient die Geschichte. Nur auf Drängen reist zumindest Watson in das abgelegene Herrenhaus…

Bastian Pastewka ist bisher vor allem als Schauspieler und Komödiant bekannt geworden, doch sein Herz scheint auch für Hörspiele zu schlagen. Für den WDR hat er eine Adaption als Drehbuchautor und Regisseur realisiert, der man die Liebe zum Detail anmerkt. Und auch das umgesetzte Stück ist kein unbekanntes, es handelt sich um „Der Hund der Baskervilles“, einem Sherlock Holmes-Roman von Sir Arthur Conan Doyle. Auch wenn die Geschichte dank mehrerer Umsetzungen schon gut bekannt ist, wird sie hier spannend und kurzweilig erzählt, neue Details herausgekehrt und nicht zuletzt auch die Figuren leicht anders angelegt als bisher bekannt. Es sind diese Nuancen, die diese Produktion interessant machen, aber auch die herrlich nostalgische Umsetzung, die an ältere Klassiker erinnert und sich hemmungslos in dieser Schiene suhlt – ganz zum Vergnügen des Hörers. Und auch die Geschichte ist immer noch gut und spannend geschildert, es ist dieses langsame Herantasten an die Hintergründe, dieses schrittweise Annähern an den Kern der Dinge, das langsame Ergründen aller Fakten, die so interessant wirken. Dass Sherlock Holmes der Lösung immer einen Schritt näher zu sein scheint als Watson und der Hörer, lässt den Assistentin immer etwas näher und greifbarer wirken, sodass sich der Meisterdetektiv mit seinem leicht exzentrischen Wesen gekonnt in den Mittelpunkt stellen kann. Eine sehr charmante Produktion, die man neumodisch wohl als „Retro“ bezeichnen würde und die mit ihrer spannenden Vorlage und den glaubwürdigen Charakteren punkten kann.

Besonderes Augenmerk liegt bei den bekannten Romanfiguren natürlich auf den beiden Hauptsprechern, die ihre Charaktere hier sehr gekonnt in Szene setzen. Frank Röth ist als Sherlock Holmes zu hören und betont insbesondere die scharfsinnige Seite des Meisterdetektivs, kann aber auch seine arrogante und bissige Seite zeigen. Ihm zur Seite steht Gerhard Gabers als Watson, er steht gleichwertig neben Holmes und kann mit seiner starken Charakterdarstellung überzeugen. Peter Jordan ist als Sir Henry zu hören, er spricht sehr präzise und kann mit einer facettenreichen Betonung punkten. Weitere Sprecher sind unter anderem Thomas Kügel, Debora Weigert und Susanne Pätzold.

Wie oben bereits kurz erwähnt ist auch die akustische Gestaltung der Produktion hervorragend gelungen, denn statt auf moderne Klänge zu setzen, wird eine wunderbare Retrostimmung verbreitet. Diese manifestiert sich insbesondere in der Musik von Henry Albrecht, die wie aus einem alten Radiohörspiel klingt, aber deutlich moderner und sehr gut produziert wurde. Die Geräusche fügen sich in dieses Gesamtkonzept sehr stimmig ein und unterstreichen einige Szenen.

Die Doppel-CD wird in einem stabilen Digipack angeliefert, bei deren Aufmachung sich sichtlich viel Mühe gegeben wurde. Das Cover nutzt ebenso die nostalgische Stimmung und könnte mit den großen roten und gelben Lettern und der leichten Wellenbewegung der Schrift auch ein altes Kinoplakat sein, im Mittelpunkt der schwarz-weißen Szenerie steht jedoch ein großer, jagender Hund, der mit gelben Akzenten betont wurde. Neben Infos zu einigen Sprechern gibt es in dem fest eingeklebten Booklet auch einen ausführlichen Einleitungstext von Bastian Pastewka.

Fazit: Ein hervorragendes Hörspieldebut des bekannten Schauspielers in ungewohnter Rolle als Produzent und Drehbuchautor. Der bekannte Stoff wird sehr spannend und temporeich aufgeführt, aber auch ausführlich erzählt und mit Humor und Spannung ausgestattet. Die Produktion ist sehr sauber und wird akustisch sehr gut unterlegt. Von dieser Machart hätte ich gern mehr!

VÖ: 10.März 2014
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1515-2


Die Blendung



Erster Eindruck: Intelligent und von zwischenmenschlichen Beziehungen überfordert

Der Sinologe Peter Kien geht hochmütig durch die Welt und hat für alle, die nicht so gebildet sind wie er, nur Verachtung übrig – und das sind seiner Meinung nach alle. Meist verkriecht er sich in seiner Bibliothek und hat wenig Kontakt zur Außenwelt. Doch als er seine Haushälterin Therese Krumbholz bei der liebevollen Behandlung eines Buches beobachtet, beschließt er die zu heiraten. Doch die wenig gebildete Frau verschreckt ihn schon in der Hochzeitsnacht…

Literatur als Hörspiel hat es oft schwierig, denn die 1:1-Übernahme eines hervorragenden Werkes muss nicht gleichzeitig auch als Hörstück überzeugen, folgt dieses doch oft anderen Gesetzmäßigkeiten, braucht neue Reizpunkte und einen gewissen eingängigen Fortlauf. Indes will man das Werk auch nicht zu sehr bearbeiten und es möglichst ursprünglichen wirken lassen. Und gerade das ist die Schwierigkeit bei „Die Blendung“, das so nicht allzu leicht zugänglich wirkt. Zugegeben, die Sprecher sind hervorragend und lassen ihre Figuren sehr intensiv wirken und rücken ihre Charaktere nahe an den Zuhörer. Doch diese sind alles andere als einfach zugänglich, Sympathieträger sucht man hier vergebens. Und es dauert, bis man sich in die Geschichte hineingefunden hat, bis man an ihren Kern vordringt, bis man sich in der hochtragenden Sprache zurechtfindet. Ist diese Einstiegshürde jedoch genommen, wird die unheilvolle Beziehung zwischen Kein und seiner Haushälterin sehr genau und differenziert beleuchtet, wird der sich steigernde Kampf zwischen den beiden intensiv dargestellt, wird auch das gewaltsame Ende erlebbar gemacht. Bei der Laufzeit von über 10 Stunden muss man sich viel Zeit für dieses Werk nehmen, auch nebenbei gehört geht „Die Blendung“ völlig unter. Es fordert viel Aufmerksamkeit und Konzentration, zeigt dann aber auch ein außergewöhnliches Hörspiel voller verschiedener Facetten.

Samuel Finzi ist als Peter Kein zu hören, die verstockte, menschenfremde Art des studierten Intellektuellen kann er mit seiner harten, unnachgiebigen Stimme sehr gut darstellen. Besonders seine gespielte Freundlichkeit am Anfang des Hörspiels ist hervorragend umgesetzt und stellt die Weichen für die nachfolgende Wirkung seiner Figur. Sehr gut gefallen hat mit auch Birgit Minichmayr als Therese Krumbholz, die mit ihrer derben, fast schon ungehobelten Art das genaue Gegenteil zur hochtrabenden Wirkungsweise ihres Gatten bildet und mit ihrem österreichischen Akzent viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Erzähler Manfred Zapatka nimmt sich als Erzähler hier deutlich zurück und setzt auf eine eher neutrale Art, seine markante Stimme und die eingängige Betonung lassen aber auch diese Parts gut wirken. Weitere Sprecher sind Wolfgang Böck, Brigitte Neumeister und Gottfried Breitfuß.

Für die Aufnahme aus dem Jahr 2013 wurde ein eigenes Cover entworfen. Im Vordergrund steht dabei der Titel des Hörspiels sowie dessen Autor, beides wird in einfachen Lettern vor dem beigefarbenen Hintergrund dargestellt. Darunter wird, spiralförmig angelegt, beides oft wiederholt, sodass ein leichter dreidimensionaler Effekt entsteht. Das Booklet im Inneren der Box enthält zahlreiche weitere Informationen.

Fazit: Kein einfacher Stoff, hier wird viel Aufmerksamkeit und eine Affinität zu Werken dieser Art vorausgesetzt. Ungewöhnlich auch im Verlauf, denn die gänzlich unsympathischen Charaktere arbeiten immer weiter gegeneinander und reiben sich aneinander auf. Der langwierige Einstieg ist nötig, um den Charakter des Peter Kein vorzustellen, bildet aber auch eine gewisse Einstiegshürde. Eine interessante Betrachtung zwischenmenschlicher Beziehungen, von denen beide nicht zu einer solchen fähig sind.

VÖ: 18.November 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-893-8


Das Decamerone



Erster Eindruck: 100 Novellen kunstvoll verpackt

Florenz wird von der Pest heimgesucht, und die Bewohner gehen jeder auf seine Art mit der Seuche um. So beschließt eine Gruppe von sieben Schwestern gemeinsam mit drei jungen Männern, der Stadt den Rücken zu kehren und weitab der Stadt in einem Landhaus ihr Leben zu verbringen. Um gesellschaftliche Strukturen zu schaffen, wird jeden Tag ein König oder eine Königin bestimmt, die die Regeln des Tages festlegt. Und täglich werden viele Geschichten erzählt…

„Das Decamerone“ gilt als wichtigstes Werk des italienischen Dichters Giovanni Boccaccio, hat er darin doch nicht nur 100 Novellen gesammelt und in eine hübsche Rahmenhandlung eingekleidet, sondern auch damalige Erzählstrukturen aufgebrochen und durchaus erotische Aspekte eingebaut – was im Mittelalter nicht gerade üblich war. 1984 hat der Norddeutsche Rundfunk das Decamerone als Vorlage für ein Hörspiel genommen, dieses wurde nun vom Hörverlag aus den Archiven befreit und auf zehn CDs gepresst. Die Einleitung mag dabei vielleicht etwas zäh geraten sein, lang und breit erklärt hier der Autor, warum er gerade die Pest als Ausgangspunkt gewählt hat, obwohl die Handlung eigentliche eine verträumte Leichtigkeit ausstrahlt und der Tod und das Leiden nicht ganz dazu passen wollen. Dennoch ist dies wichtig, da die Rahmenhandlung auch einen gewissen gesellschaftlichen Spiegel beinhaltet und die schreckliche Seuche nicht ausgelassen werden sollte. Die oben beschriebene Rahmenhandlung fängt die Stimmung unter den zehn Reisenden sehr gut ein und kann das kleine Experiment mit der Bestimmung des täglichen Königs interessant und reizvoll wirken lassen. Noch mehr gelingt dies mit dem Fortschreiten der zehn Tage, die die kleine Gesellschaft anhält, immer mehr verliert man sich in dieser Idee. Der eigentliche Kernpunkt sind jedoch die kleinen Geschichten, die kunstvoll in diese Handlung eingewoben wurden, jeden der zehn Tage erzählt jeder der Mitreisenden eine Geschichte. Diese sind mal ernst, mal heiter, mal belanglos und mal schwer tragend, aber immer hörenswert. Und auch das Einbauen frivoler und leicht erotischer Bestandteile ist hier gut gelungen und fügt sich bestens in die Geschichtensammlung an. Aufgrund der Erzählstruktur ist der Anteil an Monologen recht hoch. Nach der recht langen Einführung durch einen externen Erzähler übernehmen die zehn Mitglieder der Reisegruppe nicht nur die Dialoge, sondern erzählen eben auch ihre kleinen Novellen. Das mag auf den ersten Blick nicht mehr ganz zeitgemäß erscheinen, ist aber stimmig und sehr passend. Dies ist natürlich kein Hörspiel für zwischendurch und auch keines, das man am Stück hören sollte. Es kann einen einige Tage begleiten, wobei einem die Charaktere immer vertrauter werden, die Geschichten immer gut unterhalten, das Eintauchen in die mittelalterliche Welt immer faszinierender wird. Anspruchsvoll, besonders da man sich erst einmal an die altertümliche Sprache gewöhnen muss, aber auch lohnenswert.

Gert Westphal, der in zahllosen Hörspielen mitgewirkt hat, ist hier in der Rolle des Erzählers zu hören. Er schafft es, die oft langen Monologe kurzweilig und spannend wirken zu lassen, zudem baut er sofort eine direkte Verbindung zum Hörer auf. Beate Lenders ist als Filomena zu hören, eine der sieben Schwestern. Sie schafft mit ihrer einprägsamen Stimme eine gelungene Symbiose aus Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit. Der junge Christian Rode spricht den Panfilo und kann seine erzählten Geschichten mit Nachdruck in der Stimme erzählen. Weitere Sprecher sind Ingeborg Kallweit, Thessy Kuhls und Uwe Friederichsen.

Akustisch hält sich diese Produktion – ganz nach der Konvention der damaligen Zeit – eher zurück, die Sprecher stehen hier klar im Vordergrund. Dennoch ist die musikalische Untermalung durchaus gelungen, leise und sanfte Klänge, die mittelalterlich anmuten, zieren einige Stellen und schaffen eine passende Atmosphäre. Geräusche sind kaum zu hören, was aber aufgrund der Erzählstruktur nicht weiter verwunderlich ist und auch nicht stört.

Ein typisches Portrait einer Frau aus dem Mittelalter ziert das Cover zu dieser Folge. Eine kunstvolle Frisur mit vielen Zöpfen und ineinander verflochtenen Strähnen umrahmt ein hübsches Gesicht, das leicht melancholisch im Profil zu sehen ist und in die Ferne zu schauen scheint. Besonders gelungen ist das umfangreiche Booklet mit vielen Informationen zum Autor und einigen Mitwirkenden sowie einer übersichtlichen Trackliste.

Fazit: Die Rahmenhandlung kann – trotz anfänglicher Schwere – mit einer interessanten Konstellation und einem sanften Verlauf überzeugen. Kernpunkt sind jedoch die 100 kurzen Geschichten, die ganz unterschiedlichen Ansätze und Stimmungen enthalten. Nicht jede kann dabei jedem gefallen, durch die Vielfalt wird aber jeder bald besonders stimmige Geschichten finden. Die Einbindung einiger frivoler Momente sowie die mittelalterliche Sprache können den Reiz noch verstärken.

VÖ: 9.Dezember 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1172-7


Der geheimnisvolle Fremde



Erster Eindruck: Besuch von einem Engel

Im spätmittelterlichen Österreich verbgingen die drei jugendlichen Freunde Theodor, Seppi und Nikolaus eine unbeschwerte Zeit. Doch eines Tages begegnen sie einem jungen Mann, der von sich behauptet ein Engel und der Neffe des Satans zu sein. Zugleich beweist er ihnen seine magischen Fähigkeiten. Die drei sind völlig fasziniert von ihm, und er führt sie immer weiter in seine Welt ein…

Mark Twain ist hierzulande wohl vor allem durch die Geschichten um Tom Sawyer bekannt, doch ein näherer Blick auf sein Werk lohnt sich. Das hat sich auch Deutschlandradio Kultur gedacht und zu einem seiner letzten Werke ein aufwändiges Hörspiel produziert: Der geheimnisvolle Fremde. Auch wenn hier aus der Sicht von Theodor erzählt wird, ist die Hauptperson doch Satan. Mit seiner mysteriösen Art fasziniert er den Hörer, er ist nie ganz durchschaubar, nie ganz greifbar, nur stückchenweise gelingt es, ihn weiter zu durchdringen. Diese Aura des Geheimnisvollen umgibt ihn schon gleich zu Beginn, steigert sich aber immer weiter. Dabei zeigt er den Jungen und insbesondere Theodor seine Weltanschauung, seinen Blick auf die Menschheit, die er für unvollkommen, gewalttätig und primitiv hält. Dazu führt er den Jungen scheinbare Alltagssituationen vor, geht später aber auch weiter und verändert das Schicksal der Menschen. Von seinem Tun ganz gebannt, völlig in Satans Sog gezogen, erlebt Theodor die Begegnungen mit dem Engel wie eine Droge, hängt an seinen Lippen und kann sich auch beim größten Grauen nicht abwenden – und genauso geht es auch dem Hörer. Es ist kein angenehmes Menschenbild, das hier präsentiert wird. Man bekommt den Spiegel vorgehalten und erkennt auch das Bösartige in sich selbst, in der Menschheit und ist erschüttert von den klaren Bildern. Wie am Ende die ganze Welt dargestellt wird, ist sicherlich nicht jedermanns Überzeugung und Geschmack, aber eben auch Teil des Konstrukts, des Kunstwerkes, das Twain hier geschaffen hat. Die eindringlichen Worte, die klaren Bilder und die einfache und doch so vielseitige und aussagekräftige Handlung gepaart mit der hervorragenden Produktion machen „Der geheimnisvolle Fremde“ zu einem extrem guten Hörspiel und einem echten Geheimtipp, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Diese Produktion steht und fällt mit ihren Sprechern, die das Hörspiel mit Leben füllen müssen – und allesamt machen ihre Sache hervorragend. Jannik Schümann spricht den Theodor und hat dabei den mit Abstand meisten Text, ist sowohl als Erzähler als auch als in Dialogen zu hören. Er kann die Faszination, die Besessenheit des jungen Mannes sehr intensiv und greifbar wirken lassen, aber auch den Schrecken und die Angst, die er empfindet. Grandios ist aber insbesondere Alexander Fehling als Satan, mal schmeichelnd, mal deutlich, mal schneidend, aber immer sehr gradlinig und betont. Seine sanfte, angenehme Stimme passt hier sehr gut und verleiht ihm die Rolle des großen Verführers. Doch auch die Nebenrollen sind sehr gut besetzt, so ist in einer Szene der phänomenale Felix von Manteuffel als Richter zu hören und kann seine markante Stimme wieder hervorragend in Szene setzen. Weitere Sprecher sind Robert Gwisdek, Sebastian Urzendowsky und Andreas Schmidt.

Die Musik wurde aufwendig in die Handlung eingebaut und verleiht den Sprechern in ihrer Wirkung den letzten Schliff. Dabei sind insbesondere klassische Instrumente zu hören, neben einer Gitarre ist ein melancholisches, aber auch schon mal energischeres Klavier dominant. Das alles verwebt sich zu einer sehr gelungenen Kulisse für die Handlung. Und am Ende gibt es noch etwas Besonderes, noch nie habe ich mit solcher Inbrunst und Kreativität die Mitwirkenden vorgelesen bekommen.

Auf Hochglanz poliert ist das Cover zum Hörspiel, das stabile Digipack ist komplett mit einer Glanzfolie überzogen. Mit dem stilisierten Gesicht, das spitz und animalisch wirkt. Auch die restliche Gestaltung mit den kleinen Zeichnungen ist sehr gelungen. Besonderes Augenmerk verdient das Booklet, das im Gegensatz zum Digipack aus mattem, griffigem Papier gefertigt ist. Kunstvolle Zeichnungen, kleine Kommentare, Fotos und Infos zu den Sprechern – sehr hübsch und gelungen!

Fazit: Ein durch und durch faszinierendes Hörspiel voller Feinsinn und Gespür für das richtige Timing. Die Geschichte um den dunklen Engel Satan mit seiner recht extremen Weltanschauung und den eindringlichen Taten lässt den Hörer wie gebannt zurück und hält der Gesellschaft einen Spiegel vor, der unbequem ist und aus dem man sich vieles herausziehen kann. Die hervorragende Umsetzung trägt dazu bei, dass die Geschichte so intensiv wirken kann. Fast schon ein modernes Märchen, aber ein düsteres, erschreckendes und erschütterndes. Herausragend!

VÖ: 4.Januar 2014
Label: Hörbuch Hamburg
Bestellnummer: 978-3-89903-883-5


Die seltsame Gräfin (Edgar Wallace)



Erster Eindruck: Ungewöhnliches in alten Gemäuern

Es ist ein ereignisreicher Tag für die Rechtsanwaltsgehilfin Lois Riddle. Zuerst verursacht der junge Mann, der sie seit Tagen zu verfolgen scheint, einen Autounfall mit ihr. Dann lernt sie im Gefängnis, wo sie geschäftlich zu tun hat, eine Frau kennen, die in enger Verbindung mit ihrem eigenen Leben zu stehen scheint. Und zu guter Letzt bekommt sie von der reichen Gräfin Moron ein attraktives Stellenangebot. Noch ahnt sie nicht, wie sehr dieser Tag die nächsten Ereignisse bestimmen soll…

Das kleine Label Zaubermond ist ja nicht nur für qualitativ hochwertige Produktionen bekannt, sondern auch dafür, Risiken einzugehen und Experimente zu wagen. Und so ist eine eher ungewöhnliche Umsetzung einer Edgar Wallace-Geschichte entstanden: „Die seltsame Gräfin“ wurde vorrangig in einer alten Villa aufgenommen und ist zusätzlich einer Theateradaption entsprungen, die mit einem Erzähler versehen wurde und sonst in ihrer ursprünglichen Form beibehalten wurde. Die Handlung ist typisch für den englischen Autoren und enthält einige bekannte Elemente, ist aber auch sehr kurzweilig erzählt und hält so manche Überraschung bereit. Schon gleich zu Beginn werden die drei oben beschriebenen einschneidenden Ereignisse erzählt, sodass man als Hörer gleich mitten in der Handlung verwurzelt ist – und gleich an drei Stellen etwas zum Nachgrübeln auf den Weg bekommt. Am Prägnantesten und am Ausführlichsten behandelt wird vorerst die Thematik der Gräfin, die eine freundliche, aber auch merkwürdige und leicht zwielichtige Aura ausstrahlt und damit einen großen Reiz verbreitet. Daraus entwickelt sich eine Handlung, die immer vielschichtiger und verwobener wird und dem Hörer einige Rätsel aufgibt. Zahlreiche neue Ereignisse sorgen für einen dynamischen Ablauf, der in einem wirklich packenden und sehr gut erzählten Finale gipfelt. Mit über 150 Minuten ist „Die seltsame Gräfin“ nicht mal eben zwischendurch gehört, ist dafür aber sehr lohnenswert und kombiniert die herrlich nostalgische Geschichte mit moderner und ungewöhnlicher Aufnahmetechnik. Schön, dass dieses Experiment eingegangen wurde.

Elga Schütz ist eine herausragende Hörspielsprecherin und kann auch diese Produktion deutlich aufwerten. Ihr leicht exzentrisches, aber ebenso zugängliches Verhalten als Lady Eleonore Moron passt wunderbar zu der Rolle und sorgt für genügend Aufmerksamkeit für die gelungene Figur. Auch zum Theaterensemble gehört Eva Wagner als Lois Reddle, die eine recht sanfte Stimme hat, die trotzdem voller Energie und Ausdruck steckt. Als externer Erzähler wurde Jürgen Thormann verpflichtet, dessen kurze und knackige Passagen durch seine raue, unverkennbare Stimme das gewisse Etwas bekommen. Weitere Sprecher sind Jessica Zang, Ulrich Schaller und Alexx Grimm.

Für die Aufnahmen wurde eine komplette Villa mit Mikrofonen bestückt, sodass die Sprecher sich völlig frei bewegen konnten. Dadurch kommt die Atmosphäre des alten Anwesens sehr gut zur Geltung, die Stimmen werden oft durch einen etwas Hall begleitet, sodass man einen recht räumlichen Eindruck bekommt. Alles wirkt sehr authentisch und bekommt so einen außergewöhnlichen Anstrich. Nur Abmischung hätte an einigen Stellen etwas lauter sein können.

Mit dem herrlich nostalgischen Cover und dem leicht verwischten Zeichenstil ist ein echter Hingucker geglückt, es zeigt das Plakat, das auch vom Imperial-Theater verwendet wurde. Die Gräfin ist leicht nach hinten gebeugt zu sehen, was ihr mit ihrem roten Kleid einen dramatischen Ausdruck verleiht. Erst beim zweiten Hinsehen ist zu sehen, dass sie sich dabei an einen Totenschädel klammert. Das Innere ist schlicht und übersichtlich gestaltet, enthält aber leider keine weiteren Informationen. Besonders Fotos der Aufnahmen hätten mich bei diesem besonderen Projekt interessiert.

Fazit: Die Vorlage des Autors gibt schon einiges her und ist ebenso spannend wie überraschend. Schön, dass die ungewöhnliche Umsetzung noch einiges mehr herausholen kann. Durch den fast schon räumlichen Klang wird eine besondere Atmosphäre erzeugt, die zudem mit sehr guten Sprechern überzeugen kann. Eine spannende und kurzweilige Geschichte, die von einem sehr gut erzählten Finale bestens abgeschlossen wird.

VÖ: 31.Januar 2014
Label: Zaubermond
Bestellnummer: 4047179851725


Hilfe, die Herdmanns kommen



Erster Eindruck: Wilde Rasselbande in der Weihnachtsgeschichte

Familie Herdmann ist im Stadtviertel alles andere beliebt, besonders die sechs Kinder gelten als unhöflich und als echte Problemkinder. Umso überraschter sind alle, als allesamt am Sonntag die Kirche besuchen – und wenig später sogar beim Krippenspiel mitmachen wollen. Dabei haben sie keinerlei Ahnung von der Weihnachtsgeschichte, sind aber die einzigen, die für die großen Rollen zur Verfügung stehen…

„Hilfe, die Herdmanns kommen“, ein Kinderbuch der amerikanischen Schriftstellerin Barbara Robinson, stammt aus dem Jahr 1974, doch erst 2012 entstand ein Hörspiel aus der Vorlage beim NDR, das nun auch bei Oetinger Audio zum Kauf erhältlich ist. Und es ist frech, unkonventionell, aber auch berührend. Schön dargestellt am Anfang wird der Ruf der Herdmanns, die Arroganz und die Oberflächlichkeit der Stadtbewohner gegenüber der Kinder, die es nicht immer leicht haben, ist bezeichnend. Dabei entsteht auch von den Herdmanns ein durchaus zwiespältiger Eindruck, sicherlich hat man auch etwas Mitleid mit ihnen, amüsiert sich über ihre Streiche und die frechen Sprüche, bewundert sie für ihren Mut und ist erstaunt über ihr Interesse an der Weihnachtsgeschichte. Die Handlung erlaubt auch einen ganz anderen Blick auf christliche Werte und lebt einen lockeren Umgang damit, hinterfragt und stellt gerade dadurch einen sehr warmherzigen Bezug her. Schön auch, dass die Geschichte gut an die heutige Zeit angepasst wurde, die Sprache ist locker und spritzig, der Unterschied zwischen den Herdmanns und der übrigen Gesellschaft wird dabei gut deutlich. Und auch das Ende ist sehr gelungen: Ohne die vorige Seele, die aufgebaute Situation zu zerstören wird hier ein Schritt aufeinander zu gemacht, die Differenzen werden kleiner, die Kinder zeigen Gefühle und nähern sich an. Eine gelungene Produktion, die auf nicht ganz alltägliche Weise gesellschaftliche Themen aufgreift und zu einem ebenso unterhaltsamen und witzigen wie nachdenklich stimmenden Hörspiel verknüpft – vorrangig wohl für Kinder gedacht, aber auch für etwas Ältere eine lohnenswerte Dreiviertelstunde.

Zahlreiche verschiedene Stimmen sind hier zu hören, nur wenige sind auch aus anderen kommerziellen Hörspielen bekannt. Laura Lee Ollhorn spricht die älteste Tochter der Herdmanns, Eugenia. Sie spricht mit recht harter Stimme und legt oft Spott oder Verachtung in ihre Stimme, stellt sich aber auch voller Inbrunst vor ihre Geschwister. Christiane Leuchtmann spricht Mrs. Bradley, die das Krippenspiel leitet und mit ihrem sehr präsenten Auftreten ihre verschiedenen Stimmungen gut umsetzen kann. Stephan Schad spricht ihren Gatten, seine sanfte und warme Stimme bringt eine gewisse Ruhe in das Hörspiel. Weitere Sprecher sind Katja Brügger, Leticia Wolfrum und Nicholas Jolly.

Die akustische Umsetzung ist in sich sehr stimmig, im Vordergrund stehen die Dialoge, doch einige Melodien und Geräusche untermalen diese gekonnt und schaffen schöne Stimmungen. Dabei werden – passend zum Thema – natürlich auch einige weihnachtliche Lieder verwendet, bei denen natürlich adventliches Flair durch die Geschichte wabert. Die Geräusche sind recht selten, dann aber präzise eingesetzt worden.

Das Cover zeigt eine einfache Zeichnung, die typisch für Kinderbücher der damaligen Zeit scheint. Zu sehen sind die sechs Herdmann-Kinder in verschiedenen Posen, die machen Räuberleiter, hängen am Rahmen, ziehen einander an den Haaren, einer pinkelt sogar herrlich politisch unkorrekt in einen Eimer. Die restliche Aufmachung ist recht schlicht, im Inneren ist ein kleiner Text über die Autorin zu finden.

Fazit: Eine wilde Horde Kinder, die frech, unhöflich und laut sind, machen den Kindern natürlich Spaß. Doch hier steckt noch deutlich mehr hinter. Denn durch die turbulente und witzige Handlung schimmern immer wieder christliche und gesellschaftliche Werte hindurch, werden auch die scheinbar normalen Erwachsenen kritisch beäugt. Zudem wird ein anderer Blick auf die Weihnachtsgeschichte erlaubt. Hier steckt deutlich mehr drin als anfangs gedacht.

VÖ: 1.September 2013
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0647-7


Starke Stücke – Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem



Erster Eindruck: Verknüpfung von Musik und Geschichte

In einer finsteren Nacht bekommen die beiden Musiker Johann und Ferdinand von einem Unbekannten den Auftrag, ein Requiem von Mozart zu kopieren – für eine außergewöhnlich hohe Entlohnung. Dies kommt den beiden merkwürdig vor, zumal der Komponist kurz nach Fertigstellung des Werkes verstorben ist. Gemeinsam forschen sie nach, wer der geheimnisvolle Auftraggeber sein könnte, und begeben sich damit in große Gefahr…

In der Reihe „Starke Stücke“ werden berühmte klassische Werke zum Thema genommen, um die eine neue Geschichte gestrickt wird. In der vorliegenden Folge wird Wolfgang Amadeus Mozarts berühmtes Requiem behandelt, die Handlung greift die düstere Stimmung der Musik auf und transportiert diese in eine spannende und wendungsreiche Geschichte. Schon der Beginn ist ziemlich unheimlich gestaltet, jünger als die empfohlenen acht Jahre sollten die Zuhörer wirklich nicht sein. Viele unbekannte Faktoren spielen hier eine Rolle und geben einen ziemlich mysteriösen und unheimlichen Ausdruck. Dies wird durch zahlreiche spannende Szenen gesteigert, in denen Johannes und Ferdinand beispielsweise nachts in einer alten Kirche nach Beweisen suchen. Auch die Versorgung der Hörer mit Informationen, die eher tröpfchenweise geschieht und somit den Handlungsbogen sehr interessant gestaltet. Dabei bekommt man auch zusätzlich einen Eindruck von der damaligen Zeit, ohne dass Kinder beispielsweise mit einer überkandidelten Sprache überfordert werden. Auch Mozarts Leben, insbesondere sein Tod, werden hier thematisiert. Ein sehr gelungenes, atmosphärisches und unterhaltsames Hörspiel, das mit dem interessanten Ansatz zu begeistern weiß.

Auch wenn der Sprechercast eher aus unbekannten Namen besteht, wurden hier markante Stimmen und fähige Sprecher gefunden. Als Johann ist Christoph Luser zu hören, der eine sehr eindringliche Vorstellung abliefert und immer wieder atmosphärische Akzente setzt. Stephan Murr ergänzt ihn als Ferdinand bestens, auch er kann die Stimmung stark beeinflussen und seine Rolle glaubhaft darstellen. Die Rolle des Mozarts bekleidet Andreas Wimberger, der sich der düsteren Stimmung sehr gut anpasst. Weitere Sprecher sind Katja Schild, Stefan Merki und Ulrich Frank.

Eine zentrale Rolle in diesem Hörspiel spielt natürlich die Musik, bei der Teile des Requiems eingespielt werden. Die düsteren und manchmal traurigen Melodien schaffen eine sehr dichte und eindringliche Atmosphäre, die sich bestens mit der Geschichte ergänzen. Erwähnenswert ist, dass neben dem Hörspiel von über 40 Minuten noch eine Musik-CD beiliegt, die das Requiem in 54 Minuten Spielzeit wiedergibt und mit klassischen Instrumenten und ausgebildeten Stimmen eingespielt wurde. So wird der Hörer durch das Hörspiel neugierig gemacht und entdeckt so vielleicht auch die klassische Musik für sich.

In dunklen Farben und einer schaurigen Stimmung ist das Cover gestaltet, das eine Szene aus dem Hörspiel zeigt. Im Vordergrund zu sehen ist Mozart, der in seinem Heim mit einer Feder auf Papier schreibt, während im Hintergrund seine Frau einem schattenhaften Mann die Tür öffnet. Das Booklet enthält neben den üblichen Angaben und einer ausführlichen Trackliste noch einen lesenswerten Einführungstext.

Fazit: Um das berühmte Requiem von Mozart wird eine gruselige und spannende Geschichte erzählt, die den Komponisten als wichtige Nebenfigur hat und einiges an Stimmung der Zeit vermittelt. Zwar für Kinder ab acht gedacht, aber auch für Erwachsene ziemlich interessant und kurzweilig.

VÖ: 1.August 2013
Label: Igel Genius
Bestellnummer: 978-3-7313-1013-6


Starke Stücke – Richard Wagner: Der fliegende Holländer



Erster Eindruck: Die Entstehung einer Oper

Kapitän Windpust hat schon so einige stürmische Nacht auf hoher See erlebt und viele Abenteuer bestritten. Doch er weiß auch von dem berühmten Komponisten Richard Wagner zu berichten, der mit seiner Frau Minna wegen seiner hohen Schulden aus seinem Heim in eine andere Stadt flieht, aber immer noch fest an seinen ganz großen Durchbruch glaubt. Auf ihrer Reise legen sie eine Strecke auch auf einem Segelschiff zurück…

In der Reihe „Starke Stücke“ von Idel Genius werden klassische Musikstücke zum Thema genommen. Nicht zum ersten mal ist nun ein Werk von Richard Wagner aufgenommen worden, und zwar seine populäre Oper „Der fliegende Holländer“, die im Kern ja eine Geistergeschichte ist. Hier wird aber zunächst die Seefahrer-Symbolik behandelt, in einer stimmungsvollen Anfangsszene wird Windpust vorgestellt und eine atmosphärische kleine Geschichte über ihn erzählt. Dann kommt der Schwenk auf Wagner, sein Leben als armer Komponist, seine Hoffnung auf ein erfolgreiches Leben, vollkommen überzeugt von seinem eigenen Genie. Seine Leidenschaft und sein Ausblenden aller anderen Probleme werden dabei sehr gut in Szene gesetzt, kommen deutlich zur Geltung. Auch die Liebe zwischen Richard und Minna Wagner und ihre ganz besondere Beziehung zueinander sind treffend dargestellt und tragen zum Unterhaltungswert bei. Kernstück ist aber etwa im letzten Drittel die Schifffahrt, in der Wagner von der Legende des fliegenden Holländers erfährt. Die Entwicklung dieser Handlung geht flott voran und endet in einem spektakulären, atmosphärisch sehr dichten Finale, das zeigt, wie Wagner zu seiner berühmten Oper inspiriert wurde. Die Verknüpfung der verschiedenen Themen, die verschiedenen Erzählebenen, die abwechslungsreiche flüssige Erzählung und das wirklich richtig gut erzählte Finale – hier passt alles nahtlos ineinander und wird zu einer sehr hörenswerten Folge der Serie.

Auch hier wurden zahlreiche in Hörspielen eher unbekannte Sprecher zu hören, die aber allesamt gut gewählt wurden, einen Ausreißer nach unten gibt es hier nicht. Gut gefallen hat mir Nico Holonics als Richard Wager, der den fiebrigen Eifer, die unendliche Leidenschaft zur Musik, aber auch das Abgrenzen von weltlichen Problemen können durch ihn sehr gut auf den Hörer wirken. Seine Frau Minna wird von Katja Schild gesprochen, deren sehr angenehm klare Stimme gut zu der Rolle passt und ihren Partner etwas erden kann. Erzähler und gleichzeitig Kapitän Windpust ist Stefan Wilkening, er kann in beiden Funktionen überzeugende Ergebnisse abliefern. Weitere Sprecher sind Stefan Bissmeier, Kai Taschner und Ferdinand von Canstein.

Selbstverständlich wurde viel Musik aus dem „Fliegenden Holländer“ verwendet, um der Geschichte einen ebenso stimmungsvollen wie passenden Hintergrund zu verleihen. Diese sind recht eindringlich und druckvoll eingebaut, besonders die gruseligen Szenen am Ende sind bestens ausgestattet. Auch hier liegt wieder eine Bonus-CD bei, die über 70 Minuten Musik aus der Oper enthält und so dazu einlädt, nach dem Hörspiel direkt auch der Original-Geschichte zu lauschen.

Ein Mann steht einsam am Sandstrand und schaut hinaus auf das blaue Meer, das zugleich mit dem dunklen Himmel zu verschmelzen scheint. In unheimlichem Licht hebt sich dabei ein über den Wellen fliegendes Schiff ab. Ein ansehnliches und sehr passendes Titelbild für dieses Hörspiel. Überraschend dick ist das Booklet, das neben einem Einführungstext und einer Trackliste noch zahlreiche Passagen aus dem Fliegenden Holländer enthält.

Fazit: Hier wird ein vielfältiger Blick auf die mögliche Entstehung der berühmten Oper geworfen, ein bisschen Seefahrerromantik, ein bisschen Grusel, eine kleine tragische Liebesgeschichte und auch das bewegte Leben von Wagner ergeben ein abwechslungsreiches und spannendes Hörspiel, das bei weitem nicht nur für Kinder geeignet ist, sondern auch Erwachsenen Spaß macht.

VÖ: 1.August 2013
Label: Igel
Bestellnummer: 978-3-7313-1006-8


Immer lustig in Bullerbü



Erster Eindruck: Ein Wackelzahn, ein Paar Schuhe und Krebse

Als die Kinder aus Bullerbü wieder einmal auf ihrem langen Weg von der Schule nach Hause trödeln, holen sie noch schnell die Schuhe einer Magd vom Schumacher ab. Doch schnell kommen sie auf andere Gedanken und erfinden ein witziges Piratenspiel. Einige Tage später hat Ole einen Wackelzahn, hat aber Angst vor dem Ziehen. Alles gute Zureden hilft nichts, und so hecken die anderen fünf einen Plan aus…

„Immer lustig in Bullerbü“ ist die mittlerweile dritte Folge der Geschichten aus dem gleichnamigen kleinen schwedischen Dorf, die von der wunderbaren Astrid Lindgren ersonnen wurde und nun vom Oetinger Audio Verlag eine liebevolle Neuinterpretation als Hörspiel spendiert bekommt. Die Geschichten haben auch heute, über 50 Jahre nach ihrer Entstehung, nichts von ihrem Charme verloren. Dieser entsteht durch vor allem durch das äußerst lausbubenhafte (und lausmädchenhafte) Auftreten der sechs Kinder, die mit ihrer schlagfertigen und lebhaften Art für Stimmung sorgen. Viele spaßige Einfälle, aber auch zahlreiche Momente, die typische Schwedenromantik verbreiten, vereinen sich zu einem sehr kurzweiligen Gesamtwerk. Auch hier werden mehrere verschiedene Episoden zu einer Handlung verknüpft, wobei man sich im Vergleich auch schon mal etwas länger mit einem Thema auseinandersetzt. Besonders gut gefallen haben mit die Szenen beim Fangen vom Krebsen gefallen, hier wird die Stimmung der schwedischen Natur besonders gut dargestellt. Dabei kommen auch die verschiedenen Charaktere sehr gut zur Geltung. Während Lisa sehr einfühlsam ist, agieren Lasse und Bosse sehr wild, und Ole ist eher still und etwas ängstlich. Die Umsetzung ist zwar modern und auf hohem technischen Niveau, verbreitet aber trotzdem eine gemütlich und leicht nostalgische Atmosphäre, in der die kleinen Handlungen gut wirken können.

Carla Sachse spricht als Lisa den größten Teil der Handlung, sie ist nicht nur während der Dialoge zu hören, sondern übernimmt auch die Erzählpassagen. Sie besitzt einen natürlichen Charme und kann immer eine gewisse Leichtigkeit mit. Franz von Otting ist als Ole zu hören, er kann seinen Charakter authentisch wirken lassen und sowohl die ängstliche als auch die vorlaute Seite des Jungen zeigen. Lucas Ascacibar spricht den wilden Lasse mit viel Energie und kann sich gut in ihn hineinversetzen. Florentine Stein, Selina Böttcher und Leon Seibel sind ebenfalls mit dabei.

Die Umsetzung der Geschichte ist dezent, aber wirkungsvoll. Ein eigens für die Serie komponierter Titelsong ist am Anfang und am Ende zu hören, er ist kindgerecht umgesetzt und sehr melodiös. Ansonsten wird nicht viel Musik eingesetzt, nur ab und an erklingt eine kleine harmonische Melodie. Und auch die Geräusche halten sich zurück, sodass der Fokus ganz auf den sehr guten Sprechern liegt.

In fröhlichen Posen sind die sechs Kinder aus Bullerbü auf dem Cover abgebildet, auf einer kleinen Insel in einem ebenso kleinen See – eine Szene, die so auch im Hörspiel vorkommt und so einen direkten Bezug hat. Die Farben sind bunt und fröhlich, aber auch recht pastellig, was dem Bild einen leicht altmodischen, aber auch sehr harmonischen Ausdruck verleiht. Im Inneren gibt es neben kleinen Fotos und Infos zu den Hauptsprechern noch eine übersichtliche Trackliste.

Fazit: Die Geschichten von Astrid Lindgren erscheinen zeitlos und machen auch heute noch viel Spaß. Die Unbekümmertheit der Protagonisten und die vielen lustigen Einfälle machen die Handlung sehr kurzweilig. Und auch bei der Umsetzung ist alles richtig gemacht worden, sodass eine gelungene Mischung aus Moderne und Nostalgie entstanden ist. Wunderbar nicht nur für Kinder.

VÖ: 20.Januar 2014
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0591-3


Drachenreiter



Erster Eindruck: Fantasievolles Märchen mit ernstem Hintergrund

Für die Drachen ist kein Platz mehr in ihrer Heimat, die Menschen breiten sich immer mehr aus und vertreiben die Fabelwesen zusehends. Nur die alte Legende vom „Saum des Himmels“, die ursprüngliche Heimat der Drachen, gibt noch Hoffnung. Und so macht sich der Silberdrache Lung auf, um den wundervollen Ort zu finden. Mit dem Koboldmädchen Schwefelfell und dem Menschen Ben findet er zwar tapfere Gefährten, doch auch eine große Gefahr droht ihnen…

Cornelia Funke ist bekannt für ihre fantasievollen Romane, die sie seit Jahrzehnten verfasst. Immer wieder werden ihre Werke auch für den Hörbuchmarkt umgesetzt, 1997 entstand beispielsweise eine Hörspielfassung der „Drachenreiter“, die nun von Oetinger Audio erneut veröffentlicht wurde. Die Umsetzung ist dabei sehr gut gelungen, die ruhige, oft recht ernsthafte Ausstrahlung des Hörspiels wird nicht nur der Stimmung des Buches gerecht, sondern unterstreicht auch den Charakter eines modernen Märchens. Zudem ist der Anteil des Erzählers sehr stark zurückgefahren, die Dialoge stehen hier im Vordergrund und werden nur durch die notwendigsten Informationen ergänzt. Das führt zwar anfangs dazu, dass das Hereinfinden in die Geschichte seine Zeit dauert, lässt aber auch eine sehr lebhafte und handlungsbetonte Stimmung aufkommen. So kommt die Geschichte von Funke sehr gut herüber, zumal sich nahe ans Buch gehalten wurde. Die verzweifelte Lage der Drachen, der Aufbruch von Lung, die Begegnung mit seinen neuen Gefährten und deren abenteuerliche Reise, gespickt vor Gefahren, aber auch der Begegnung mit sehr interessanten Figuren, ist sehr unterhaltsam geschildert und kann über die gesamte Laufzeit von immerhin fast 160 Minuten tragen und dabei eine interessante Entwicklung darstellen. Sehr zu empfehlen!

Michael Tregor spricht die Hauptrolle des Lung und verleiht der ganzen Geschichte etwas Nachdenkliches, Melancholisches und kann die Gefühle des Drachen stets sehr genau und umfassend zur Geltung bringen. Sehr gut gefallen hat mir auch Sascha Icks als freches und motziges Koboldmädchen Schwefelfell, die mit ihrer unkomplizierten und spontanen Art positiv auffällt. Jens Wawrczek hat ebenfalls einen gelungenen Auftritt als Fliegenbein, den er mit seiner einzigartigen Stimme gut ausstatten kann. Weitere Sprecher sind unter anderem Gerd Wameling, David Weyl und Helmut Krauss.

Auch die akustische Umsetzung ist äußerst gut gelungen, die Dialoge, die Geschichte und die Geräuschkulisse sind eng miteinander verwoben und wirken wie eine untrennbare Einheit. Dazu tragen besonders die etwas düsteren, melancholischen Melodien bei, die immer wieder eingefügt sind und stets präsent wirken, sie beeinflussen die Stimmung stark und lassen die einzelnen Szenen so sehr stark wirken. Auch die Geräusche sind bestens eingefügt und lassen die Handlung lebendiger wirken, ohne von den Dialogen zu sehr abzulenken.

Das bekannte Buchcover der Vorlage wurde auch hier als Titelbild gewählt, sodass man das Hörspiel gleich mit der Autorin und dem bekannten Werk in Verbindung bringt. Darauf zu sehen ist vor dunklem, von Sternen durchzogenen Nachthimmel die kleine Reisegruppe, die durch die Dunkelheit fliegt. Besonders sticht dabei natürlich Lung hervor, der im Mondlicht silbrig schimmert. Im Inneren sind neben den üblichen Angaben noch eine ausführliche Trackliste zu sehen, in der jeweils die ersten Worte des Tracks als Titel benannt werden.

Fazit: Eine wundervolle Geschichte voller Abenteuer, Mut, aber auch Melancholie, Missverständnissen und Vorurteilen. Durch die spannende Handlung merkt man kaum, wie sehr man zum Nachdenken angeregt wird. Hinzu kommt, dass die Umsetzung mit dem reduzierten Erzähleranteil und der dichten Atmosphäre äußerst gelungen ist.

VÖ: 20.Januar 2014
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0779-5


Pu der Bär - Das Hörspiel



Erster Eindruck: Bekannte Figur in charmante Umsetzung

Christoph Robin ist der beste Freund von Winnie Puh, dem tollpatschigen und etwas verfressenen Bären von geringem Verstand. Mit seinen vielen Freunden lebt er im Hundertmorgenwald und erlebt viele spannende Abenteuer. So wird schon der Besuch bei Kaninchen zu einer großen Geduldsprobe, aber auch das Fangen eines Jaguars oder eine Party von Christoph Robin lassen die Zeit schnell vergehen…

Die Abenteuer von Puh, dem Bären haben besonders durch die Zeichentrickfilmumsetzung aus den Disney-Studios Bekanntheit erlangt, die sich auch heute noch großer Beliebtheit erfreuen und zu einer starken Marke mit vielen Merchandise-Produkten herangewachsen ist. Dass es auch anders geht, reduzierter und mehr auf die Buchvorlage von Alan Alexander Milne konzentriert, beweist der Hörverlag mit der Veröffentlichung eines Radiohörspiels aus dem Jahre 1979. Dieses ist sehr ruhig produziert und verzichtet sogar ganz auf musikalische Untermalung oder den Einsatz von Geräuschen, sondern stellt die sehr gut ausgewählten Sprecher in den Vordergrund. Als kleine Rahmenhandlung wird immer wieder zu Christoph Robin und dem Erzähler geblendet, in der der Junge um eine weitere Geschichte bittet. Dies geschieht auf sehr niedliche Weise und mit vielen kleinen Wiederholungen in der Wortwahl, womit sehr spielerisch umgegangen wird. Kernelement sind jedoch die kleinen Geschichten, 15 an der Zahl, die sich um Puh sowie seine Freunde drehen. Dabei haben meist ein oder zwei der anderen Tiere eine größere Rolle. Die Situationen sind dabei meist unverfänglich und werden durch die Tollpatschigkeit des Bären ausgelöst und werden so zu etwas Besonderem. Diese sind sehr kurzweilig und witzig gehalten, sie strahlen eine sehr ruhige und warme Atmosphäre aus. Von dem ängstlichen Ferkel über die aufgekratzte Eule und den traurigen Esel bis hin zum wilden Tiger, die Nebencharaktere sind sehr aussagekräftig gestaltet und bringen ihre ganz eigene Note mit ein. Ein sehr liebevolles Hörspiel mit vielen spaßigen Situationen und gut aufgelegten Sprechern.

Horst Breiter hat die Rolle des Pu-Bären übernommen und verleiht seiner Stimme einen warmherzigen und tollpatschigen Ausdruck. Er sorgt mit seiner unbekümmerten Art immer wieder für Lacher. Günter Lampe spricht I-aah, den traurigen Esel, mit einer tiefen und langsamen Art, die dafür sorgt, dass man die niedliche Figur sofort umarmen will. Aljoscha Flohr spricht Christoph Robin mit einer spontan wirkenden und einnehmenden Art sorgt er in den kleinen Zwischenspielen und auch einigen Dialogen für Aufsehen. Besonders gut gefallen hat mir jedoch die wunderbare Evelyn Hamann als Eule, ihre überdrehte und altkluge Art passt sehr gut in die Stimmung des Hörspiels. Weitere Sprecher sind unter anderem Sabine Postel, Manfred Böll und Ulrich von Bock.

Die gesamte Produktion umfasst vier Stunden, die auf 4 CDs gepresst wurden. Diese befinden sich in einer dicken Plastikhülle, die man mehrfach aufklappen kann. Das Titelbild wird von einer einfachen Zeichnung von Puh, dem Bären geziert, der den Rücken dem Betrachter zugewandt hat und den beigefarbenen Hintergrund zu betrachten scheint. Im Inneren befindet sich noch ein kleines Booklet mit einer weiteren niedlichen Zeichnung, einer ausführlichen Trackliste und kurzen Informationen zu drei der Sprecher.

Fazit: Jede einzelne Figur entfaltet hier eine enorme Melange aus Charme und Witz, die die kurzen Geschichten zu einem sehr hörenswerten und liebevollen Hörvergnügen werden lassen. Die niedliche Rahmenhandlung und die sehr reduzierte Umsetzung mit der vollen Konzentration auf die wundervollen Sprecher sorgen für ungetrübten Hörgenuss. Eine klare Empfehlung für Kinder ab etwa vier Jahre sowie deren Eltern, die ebenso gerne lauschen werden.

VÖ: 21.Oktober 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1071-3


Geschichten von Rittern und Helden



Erster Eindruck: Ritter, Drachen und Intrigen

Uther, König von England, ist so sehr in Igerne, eine verheiratete Adelige, verliebt, dass es schon an Obsession grenzt. Doch ihr Ehemann, der Herzog von Cornwall, versteckt diese vor dem König. Nur durch eine List des Zauberer Merlin kann er Igerne erobern und verlobt sich mit ihr. Aus dieser Beziehung geht bald ein Knabe hervor, der jedoch nicht bei den Eheleuten aufwächst. Doch der Junge soll eine wichtige Rolle im Kampf gegen das Böse spielen. Sein Name ist Artus…
Als dieser viele Jahre später zum neuen König geworden ist, wird ein junger Ritter auf die Probe gestellt. Parzival macht sich auf die Suche nach dem Heiligen Gral, lernt auf seiner langen Reise aber auch viel über sich selbst und was es heißt, ein Ritter zu sein…

Ritter und deren Heldentaten faszinieren seit jeher Kinder und üben mit ihren Heldentaten, tapferen Kämpfen gegen Fabelwesen oder Unholde, aber auch mit höfischen Intrigen einen starken Reiz auf diese aus. Gleich drei Hörproduktionen zu diesem Thema hat der Hörverlag nun in der Box mit dem Titel „Geschichten von Rittern und Helden“ zusammengefasst.
Den Anfang macht „König Artus und die Ritter der Tafelrunde“, in dem Karlheinz Koinegg die berühmte Sage um den großen König nacherzählt. Er findet dabei einen gelungenen Mittelweg zwischen Tradition und Moderne, sodass die Geschichte locker und spannend wirkt, ohne ihren Charme und ihren Hauch von Pathos zu verlieren. Dabei baut er auch immer wieder witzige Slapstick-Elemente mit ein, die besonders bei den zuhörenden Kindern auf offene Ohren stoßen werden. Doch auch Erwachsene werden wegen der Augenzwinkernden Erzählweise gerne zuhören. Das WDR-Radiohörspiel aus dem Jahr 2005 trägt allerdings an einigen Stellen zu dick auf, besonders das inflationär genutzte „Igerne“ in dieser langen, leidenden Betonung von Uther wirkt zu aufdringlich. Ansonsten ist ein rundes Hörspiel entstanden.
Danach werden „Die unglaublichen Abenteuer des Ritters Parzival“ erzählt, die vom gleichen Autor aufgearbeitet wurden und somit einen ähnlichen Erzählstil, eine gleichförmige Wirkung haben. Dadurch, dass hier „nur“ zwei CDs mit etwa eineinhalb Stunden Laufzeit verwendet werden, wirkt diese Erzählung knackiger und prägnanter, die Dialoge sind präziser. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die Handlung an einigen Stellen doch noch mehr in die Tiefe geht.
Den Abschluss macht „Siegfried der Drachentöter“, das sich deutlich von den beiden Vorgängern unterscheidet. Zuerst ist anzumerken, dass die Geschichte aus einem ganz anderen Erzählzyklus keine Gemeinsamkeiten zu den Geschichten um Artus aufweist. Zudem ist es als Lesung umgesetzt und wurde von der Autorin Annelie Knoblauch nacherzählt. Die Geschichte vermag zu überzeugen, weist aber auch einige Längen auf und kann nicht von Anfang bis Ende packen.
Drei Geschichten, von denen die dritte thematisch nur bedingt zu den anderen passt und eine ganz andere Aura vermittelt. Klassische Abenteuergeschichten prägen hier das Bild und können insgesamt gut unterhalten.

Eine große Vielzahl an verschiedenen Sprechern ist hier im Einsatz, besonders in der Geschichte um König Artus tauchen zahlreiche Charaktere auf, die niemals doppelt besetzt sind. Die Hauptrolle des König Artus wird von Konstantin Graudus gesprochen, der mit seiner markanten, etwas kantigen Stimme einen interessanten Charakter formt. In der zweiten Geschichte wird die Hauptrolle der Parzival von Christoph Eichhorn gesprochen, der sich gut in die ritterliche und heldenhafte Atmosphäre einfügt. Als Sprecher des Siegfried-Hörbuches ist Oliver Mallison im Einsatz, der die Geschichte durchaus lebendig und mit Leidenschaft vorträgt. Weitere Sprecher sind Peter Nottmeier, Jens Wawrczek, Anna Thalbach, Julia Lehmann und Peer Augustinski.

Die drei unterschiedlichen Produktionen wurden von unterschiedlichen Produktionsteams umgesetzt, sodass auch Unterschiede in der akustischen Umsetzung festzustellen sind. Bei den ersten beiden stehen jedoch die vielfältigen Geräusche im Vordergrund und gestalten die einzelnen Szenen recht lebendig, während die Lesung über Parzival mit dem Einsatz passender Musikstücke eher auf die stimmige Atmosphäre setzt.

Die drei Einzelhüllen, von denen die erste besonders dick ist, befinden sich in einer Pappbox, die mit einem hübschen Rittermotiv samt Pferd und imposanter Burg im Hintergrund gestaltet ist. Auch die einzelnen CDs haben ein eigenes Titelbild, zudem liegt jeweils ein kleines Booklet bei, das zusätzliche Informationen zu den Mitwirkenden oder eine ausführliche Sprecherübersicht enthält.

Fazit: Der Grundgedanke dieser Box ist sehr gut und kann mit drei gut erzählten und heldenhaften Geschichten überzeugen. Allerdings schleichen sich in die ersten beiden Hörspielen unfreiwillig komische Szenen ein, während einige Passagen im Parzival-Hörbuch zu langgezogen wirken. Gerade ritterbegeisterte Jungen dürften ihre Freude hieran haben.

VÖ: 28.Oktober 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-0981-6


Die neue Schatztruhe der Abenteuer



Erster Eindruck: 25 CDs randvoll mit abenteuerlichen Geschichten

Lederstrumpf und der Richter Marmaduke Temple streiten sich um den Besitz eines frisch erlegten Hirsches, treten aber gegen die Ausbeutung der Natur ein – jeder auf seine Weise. Doch ihr Verhältnis wird nicht besser, als Lederstrumpf gegen die herrschenden Jagdgesetzte verstößt (Lederstrumpf – Die Ansiedler)
Der 14-jährige Nils Holgersson ist ein ungezogener Bengel und spielt alles und jedem einen Streich, besonders die Tiere auf dem schwedischen Hof haben unter ihm zu leiden. Eines Tages verwandelt ihn ein Wichtel zur Strafe ebenfalls in einen Wichtel, und Nils lernt die Welt aus einer ganz eigenen Perspektive kennen… (Selma Lagerlöfs Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen)
Keawe trifft in einem kleinen Geschäft auf ein kleines Fläschchen, in dem ein dunkler Schatten herumzuwirbeln scheint. Von dem Besitzer erfährt er, dass sie vom Teufel persönlich stammt und dass das kleine Teufelchen darin Wünsche erfüllen kann. Doch wer die Flasche am Ende seines Lebens noch besitzt, wird auf ewig im Fegefeuer schmoren… (Das Flaschenteufelchen)

Mit der „Schatztruhe der Abenteuer“ und der „Schatztruhe der Märchen“ hat Membran Music zwei umfangreiche Hörspielboxen veröffentlicht und verfolgt eben dieses Konzept erneut. 25 CDs befinden sich in der „Neuen Schatzkiste der Abenteuer“, die erneut eine sehr umfangreiche Sammlung unterschiedlichster Produktionen bietet, die für jeden Geschmack etwas bereithält. So sind auch hier wieder einige klassische Abenteuergeschichten vertreten, aber auch ein wilder Genremix kann verzeichnet werden. Western-Fans kommen beispielsweise bei „Lederstrumpf“ oder „Buffalo Bill“ auf ihre Kosten, beiden werden in etwa 50 Minuten erzählt und sind dabei auf ihre Grundessenz heruntergebrochen, trotzdem wirken die beiden Produktionen stimmig und rund. Mit der auf 2 CDs gepressten Geschichte um die „Hornblower“ wird ein Seefahrer-Abenteuer erzählt, das zum Träumen einlädt und mit einer spannenden Handlung und starken Charakteren versehen sind. Auch Jules Vernes darf in dieser Box nicht fehlen und ist mit „Der Kurier des Zaren“ vertreten, das mit stimmungsvoller Musik von Peter Tschaikowski unterlegt wurde. Doch auch einige Krimis sind hier zu hören. Mit einer zweiten Geschichte um Meisterdetektivin Julia kehrt eine alte Bekannte aus der ersten Box zurück und muss auch hier wieder ein spannendes Abenteuer bestehen, das sehr charmant erzählt wurde. Über Scherlock Schmidt werden vier kurze Episoden eingebracht. Und auch einige märchenhafte Erzählungen finden ihren Platz, neben Nils Holgersson und Aladin und die Wunderlampe gibt es mit dem phantastischen „Das Flaschenteufelchen“ auch einen unbekannten Vertreter dieser Gattung zu hören. Sicherlich wird nicht jeder Hörspielhörer alles in dieser Box herausragend finden, zwischen den guten Hörspielen tauchen auch nicht so gelungene Vertreter des Genres auf. Doch hier wird sicherlich jeder das eine oder interessante Hörspiel finden, als Erinnerung an seine Jugend oder auch als neu entdeckte Perle. Eine sehr gelungene Mischung, die viele Stunden Hörspielspaß bietet.

25 CDs – dass da eine Unmenge an verschiedenen Sprechern vorkommt dürfte da kaum verwundern. Und auch hier sind nicht alle Einsätze so gelungen, dafür wird man aber auch von einigen sehr bekannten und hochkarätigen Stimmen vertröstet. Die wunderbare Gisela Trowe ist beispielsweise in mehreren Produktionen zu hören und verbreitet mit ihrer markanten, ausdrucksstarken Stimme eine intensive Atmosphäre. Auch Konrad Halver darf hier natürlich nicht fehlen, er trägt mit seinem glaubhaften und prägnanten Spiel stets zum Gelingen der Produktion bei. Astrid Kollex‘ rauer Klang setzt auch hier einige gekonnte Akzente, sie denkt sich wie immer gut in ihre Rollen hinein und kann sie mit Witz und Charme umsetzen. Weitere der scheinbar zahllosen Sprecher sind Lutz Mackensy, Franz Josef Steffens und Karin Lieneweg.

So unterschiedlich die Hörspiele, ihre Geschichten und ihr Ausdruck sind, so unterschiedlich sind auch ihre Produktionsweisen. Während einige von sehr schlichter akustischer Begleitung sind und dort fast nur die Dialoge zu hören sind, werden andere von opulenter Musik untermalt und von Geräuschen begleitet. Sicherlich sagt nicht jede dieser Hörspiele einhundertprozentig zu, wirkliche Totalausfälle nach unten sind aber lobenswerterweise nicht zu verzeichnen.

Eine stabile Pappbox wurde für die Hörspiele gefertigt, sodass alles sicher und platzsparend aufbewahrt werden kann. Mit kratzfester Glanzfolie überzogen zeigt sie vorn eine auffällige Schriftrolle mit dem Titel sowie vor dunklem, meerblauen Hintergrund eine versunkene Schatzkiste. Dieses Motiv findet sich auch an den schmalen Seiten wieder. Die einzelnen CDs stecken dann in einfachen Papphüllen, die aber die wichtigsten Informationen zu Sprechern und Regie bereithalten. Das ist für eine solch umfangreiche Box schon recht aufwendig – zumal auch die jeweilige Dauer aufgedruckt wurde – allerdings hätte ich die Angabe des Produktionsjahres noch wünschenswert gefunden.

Fazit: Zahlreiche Geschichten werden hier erzählt, diese sorgen für lange Zeit guter Hörspielunterhaltung aus früheren Jahren. Abenteuerlich sind sie zwar sicherlich alle, es lässt sich aber ein sehr breites Spektrum vom Märchen über den Western bis zum Krimi feststellen. Für den günstigen Preis eine deutliche Empfehlung wert, da vieles nur darauf wartet, entdeckt zu werden.

Zum Schluss noch eine Übersicht über die enthaltenen Produktionen:

1. Der Kurier des Zaren
2. Matthias Sandorf: Überfall auf das Inselparadies
3. Matthias Sandorf: Ausbruch aus Pisino
4. Zwei Jahre Ferien
5. Das Haus der Krokodile
6. Die Nibelungen: Siegfried der Drachentöter
7. Die Wildhüter: Rettungsfahrt für das Elefanten-Baby
8. Phantom – Der Geist der Nacht: Aufruhr im Dschungel
9. Lederstrumpf: Die Ansiedler
10. Die geheimnisvolle Insel
11. Hornblower 1 – Des Königs Admiral: Der Kapitän
12. Hornblower 2 – Des Königs Admiral: Der Kommodore
13. Der Prinz und der Bettelknabe
14. Das Flaschenteufelchen
15. Aladdin und die Wunderlampe
16. Selma Lagerlöfs Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen: Streit mit dem Wichtel und Abenteuer mit Akka und dem Fuchs
17. Selma Lagerlöfs Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen: Beim Tanz der Kraniche und Gänserich Martins Abenteuer
18. Black Beauty: Mein Liebling Black Beauty und Das Geheimnis der versteinerten Pferde
19. Black Beauty: Eine lebensgefährliche Fuchsjagd, Der Fallensteller und Zirkus in Five Oaks
20. Julia – die Meisterdetektivin: Feuer im Zirkus Molina
21. Scherlock Schmidt & Co: Scherlocks erster Fall und Wo ist Herr Kanini?
22. Scherlock Schmidt & Co: Hau drauf, Lukas! und Aktion Prinz
23. Sturmflut-Gefahr
24. Buffalo Bill: Der weiße Pfadfinder
25. Don Quichotte

VÖ: 27.September 2013
Label: Membran Music
Bestellnummer: 885150337813


Eine Weihnachtsgeschichte



Erster Eindruck: Bekannte Erzählung als Hörspiel von 1968

Ebenezer Scrooge ist nicht nur ein Geizhals, sondern auch stets ziemlich mürrisch und unfreundlich. Besonders dem Weihnachtsfest kann er nicht abgewinnen und vergrault jeden, der ihn auf die Feiertage anspricht. Am Abend des 24. Dezember besucht in der Geist seines verstorbenen Geschäftspartners und warnt ihn vor den Folgen seines hartherzigen Lebens – und er kündigt ihm für die Nacht drei weitere Besucher an…

Die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens gehört für viele zu der dunklen Jahreszeit wie der Duft nach Tannennadeln, das Backen von Plätzchen oder das Schmücken der eigenen Wohnung, kurzum: Sie ist ein Klassiker. Und wie es sich für Klassiker gehört gibt es auch von dieser Geschichte zahlreiche Umsetzungen als Film oder Hörspiel. Eines davon stammt aus dem Jahr 1968 vom Südwestfunk und wurde nun vom Audio Verlag auf CD gepresst und in die Reihe mit dem weißen Rücken übernommen. Die Geschichte dürfte den meisten wohl bekannt sein, trotzdem hat sie nichts von ihrem Reiz verloren und kann auch heutzutage punkten. Es ist immer noch herzerwärmend zu hören, wie sich Ebenezer Scrooge langsam erwärmt und die Freuden des Weihnachtsfestes erkennt und zu einem freundlichen und großzügigen Mann wird. Die drei Reisen mit den Geistern der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht sind lebendig und eindringlich umgesetzt. Diese Produktion läuft etwa 54 Minuten, und so sind einige Nebenschaulätze entfernt worden. Die Geschichte wird so sehr gradlinig und ohne Schnörkel erzählt, sie ist auf das Wesentliche reduziert. So wird auch bei den jüngeren Zuhörern die Aufmerksamkeitspanne nicht überstrapaziert, allerdings geht auch der Charme einiger Szenen verloren, insgesamt wirkt diese Erzählung etwas flacher als das Original. Trotzdem wurde es harmonisch umgesetzt und bringt weihnachtliche Stimmung nicht nur im Dezember.

Ebenezer Scrooge wird in dieser Umsetzung von Leonard Steckel gesprochen, der sehr rau und abweisend klingt. Ihm gelingt es jedoch sehr glaubhaft und lebendig, das Kernelement der Handlung – die Wandlung des hartherzigen Geschäftsmannes zum gutmütigen Gönner – darzustellen und dem Hörer nahe zu bringen. Sein Neffe, der zum Auftauen des Mannes maßgeblich beisteuert, wird von Helmut Abner gesprochen, auch er findet schnell in die Handlung und kann den Geist der Geschichte aufgreifen. Erzähler ist hier Siegmar Schneider, dessen warme und markante Stimme gekonnt durch die Handlung führt, seine kurzen Passagen bekommen durch ihn eine sehr angenehme Grundstimmung. Weitere Sprecher sind Karl Hellmer, Georg Braun und Klaus Miedel.

Typisch für ein Radiohörspiel, besonders in Anbetracht des Produktionsjahres, wird hier nicht allzu viel Musik eingesetzt, sodass der Fokus deutlich auf den Sprechern und ihren Dialogen liegt. Einige Melodien werden dann aber doch eingestreut, und diese können die Stimmung gut aufgreifen und sogar noch verstärken. Auch die eingesetzten Geräusche sind nicht sonderlich zahlreich, aber gelungen eingefügt.

Weihnachtliche Stimmung verbreitet auch das Cover, das das Digipack ziert. Zu sehen ist ein verschneiter, dunkler Abend, der von Straßenlaternen und den Fenstern eines Wohnhauses samt angedeutetem Weihnachtsbaum sanft beleuchtet wird. Im Vordergrund ist Ebenezer Scrooge nach seiner Wandlung zu sehen, freundlich lächelnd und in einen dicken Mantel gehüllt, begleitet von einem kleinen Jungen. Die klare Aufteilung ist auch hier wieder gelungen.

Fazit: Kaum jemand, der diese Geschichte nicht kennt, sie wird hier recht verknappt und auf das Wesentliche beschränkt dargeboten. Die Sprecher sind dabei zu loben, sie können ihre jeweiligen Figuren glaubhaft und ohne zu viel Pathos darstellen. Die zurückhaltende akustische Gestaltung ist dabei gut auf die Handlung abgestimmt.

VÖ: 1.Oktober 2013
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-285-6


Aladin und die Wunderlampe



Erster Eindruck: Bekanntes Märchen in einer Umsetzung fürs Radio

Aladin schlägt sich als Straßenkind mehr schlecht als recht durch. Auch wenn er Unterstützung von seiner Familie bekommt, hat er deshalb von sich selbst nicht die höchste Meinung. Deshalb wundert es ihn umso mehr, als ein Zauberer ihn bittet, eine Höhle aufzusuchen, die nur ein Mensch mit reiner Seele betreten kann. Dort soll er eine alte Öllampe für den Magier besorgen, doch am Ausgang angekommen scheint dieser Aladin betrügen zu wollen…

Die Märchen aus 1001 und einer Nacht faszinieren auch heutzutage noch die Menschen, sind aber bei weitem nicht so bekannt wie beispielsweise die Erzählungen von den Brüdern Grimm oder Hans Christian Andersson. Der Audio Verlag hat deswegen ein Radiohörspiel aus dem Jahr 2006 in seine Kinderserie mit dem weißen Rücken veröffentlicht, das das Märchen von Aladin und der Wunderlampe erzählt. Dieses ist hierzulande wohl besonders durch den Disney-Film bekannt, zeigt hier aber neue Ansätze und andere Elemente. Die orientalische Stimmung wird hier sehr geschickt mit wenigen Mitteln umgesetzt, und schon einige Minuten nach dem Start geht es für Aladin im Auftrag des Zauberers in die wundersame Höhle – und schon ist man mitten in der Geschichte, die vor magischen Wesen nur so wimmelt. Der Wünsche erfüllende Dschinn aus der Wunderlampe sorgt natürlich für allerlei Aufregung in Aladins Leben und bringt zahlreiche Abenteuer mit sich. Im Mittelpunkt steht dabei natürlich weiter die Bedrohung durch den Zauberer, der die Lampe und die damit verbundene Macht nicht aufgeben will. So wirkt dieses Hörspiel recht düster und bedrohlich, für die empfohlene Zielgruppe ab acht Jahre ist dies schon recht deutlich geschildert. Dabei tritt der in der Disney-Version so herausgestellte Lampengeist deutlich in den Hintergrund, ist ernsthaft und nicht so aufgedreht und knallbunt. Zum Ende wird es natürlich noch einmal richtig spannend, der Kampf gegen den Zauberer spitzt sich zu. Eine sehr gelungene, atmosphärische Produktion, in dem vieles richtig gemacht wurde.

Christian Friedel ist hier in der Rolle des Aladin zu hören, er kann den mutigen und kämpferischen jungen Mann mit standfester Stimme und einem starken Ausdruck in der Stimme gekonnt darstellen. Sein Widersacher, der böse Zauberer, wird von Peter Fricke gesprochen, der sehr diabolisch, bösartig und mächtig klingt, seine überhebliche und gnadenlose Art wird durch sein glaubhaftes Spiel unterstützt. Als Prinzessin ist Laura Maire gesprochen, der diese Rolle wegen ihrer sanften und klaren Stimme wie auf den Leib geschneidert scheint. Weitere Sprecher sind Tristan Rehrl, Karin Anselm und Thomas Albus.

Die eingesetzte Musik wirkt wie aus 1001 Nacht entsprungen und kann eine orientalische und passende Atmosphäre schaffen, schlägt an den passenden Stellen aber in bedrohliche und düstere Klänge um. Auch die Geräusche sind passend eingefügt und unterstützen die Handlung gekonnt. Besonders gelungen ist aber der Effekt, wenn durch die einschmeichelnde Stimme des Zauberer dessen wahres, bösartiges Wesen hindurchschimmert – sehr eindringlich.

Natürlich verströmt auch das Cover die Stimmung des Orients, mehrere der typischen bunten Türme mit reichhaltigen Verzierungen und in verschiedenen Höhen sind vor dunkelblauen, sternenübersäten Nachthimmel zu sehen. Auf einem von ihnen steht eine kleine Gestalt und hält die Lampe, aus der funkensprühend der Geist entsteigt, der hell leuchtend und ziemlich groß auf der rechten Seite des hübsch anzusehenden Bildes untergebracht ist.

Fazit: Das Märchen aus 1001 Nacht wird hier in einer recht ernsthaften und stellenweise recht düsteren Umsetzung präsentiert, das sich auf den Kampf mit dem Zauberer konzentriert. Das stimmige Dialogbuch und die gekonnte akustische Umsetzung sorgen zusammen mit den Sprechern für ungetrübtes Hörvergnügen, das für die ganze Familie geeignet ist und orientalisches Flair ins heimische Wohnzimmer bringt.

VÖ: 1.Oktober 2013
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-292-4


Die kleine Seejungfrau



Erster Eindruck: Sprachlosigkeit an Land

Laija, eine kleine Seejungfrau, ist fasziniert von der Welt über den Wellen und träumt die ganze Zeit über davon, selbst einmal die Oberfläche zu erkunden. Ihre Großmutter ist allerdings alles andere als begeistert davon und will ihr diese Flausen austreiben. Doch an ihrem 15. Geburtstag darf Laija zum ersten Mal auftauchen, und dabei verliebt sie sich unsterblich in einen jungen Prinzen. Um ihn lieben zu können, geht sie einen ungewöhnlichen Weg…

Die kleine Seejungfrau gehört zu den populärsten Märchen von Hans Christian Andersen, nicht erst seit der bekannten Disney-Verfilmung, die im Jahr 1990 in Deutschland bekannt wurde. Doch schon lange Zeit vorher, 1956 um genau zu sein, entstand beim BR ein Hörspiel des Märchens, das nun beim Hörverlag auf CD veröffentlicht wurde. Dieses wirkt – trotz seines Alters – noch recht zeitgemäß und kann mit einer für diese Zeit aufwändigen Produktion überzeugen. Der Anfang der Geschichte wirkt hier ein wenig sperrig, da vorerst ein Gespräch zwischen der Seejungfrau und einem weiblichen Windgeist zu hören ist. Hier fällt der Zugang etwas schwer, da man sich erst einmal auf die verschiedenen Gestalten einstellen muss. Auch einleitende Worte fehlen hier, sodass man nur schwer in die Situation hereinfindet und sich einiges zusammenreimen muss. Später wird dieser Dialog als Erzählebene genutzt, sodass Melusinchen auf die Ereignisse zurückblickt. Die Einführung in die Unterwasserwelt ist dabei stimmungsvoll geraten, was durch gute Beschreibungen und eine atmosphärische Wortwahl erreicht wird. Besonders die Idee mit den Gärten der Prinzessinnen sticht hierbei hervor. Die erzählte tragische Liebesgeschichte, für die Melusinchen so viel riskiert, so viel aufgibt, ist wirklich herzergreifend und präsentiert tiefe Gefühle. Auch schön, dass hier kein Zwang zum Happy End besteht, sondern sich eine Tragik breitmacht, die jedoch durch einige versöhnliche Elemente etwas abgemildert wird. Eine wirklich sehr schöne und intensive Erzählung, die sehr schön umgesetzt wurde – eine klare Empfehlung, die nicht nur für Kinder gedacht ist.

Ingrid Pan spricht die Hauptrolle der Laija und kann dabei eine sehr breite Palette an Emotionen vermitteln, die allesamt sehr treffend und glaubwürdig sind. Von Melancholie über Freude, von Trauer bis hin zu Angst, alles spiegelt sich in ihrer Stimme wieder. Trotz eines nicht allzu langen Auftritts hinterlässt Maria Niklisch in der Rolle der Meerhexe Muguur einen bleibenden Eindruck, ihre eindringliche Stimme sorgt für eine unheimliche Atmosphäre. Heide Treutler spricht Melusinchen, einer der Schwestern von Leija, auch sie spricht gekonnt und passt wunderbar in die märchenhafte Stimmung. Weitere Sprecher sind Peter Arens, Margarete Haagen und Ingeborg Wutz.

Wie oben bereits erwähnt ist die akustische Produktion für die damalige Zeit sehr aufwändig und vereint viele Musikstücke und Geräusche zu einer dichten Atmosphäre. Die eingesetzten Melodien verströmen einen sehr melancholischen Eindruck, was besonders eindrucksvolle durch eine einsame Geige zur Geltung kommt. Stets sind aber auch verschiedene Geräusche zu hören, beispielsweise Wellenrauschen.

Mir gefällt das ausgewählte Titelbild sehr gut, durch das schlichte Motiv wirkt es stimmig und nicht überladen. Zu sehen ist eine Meerjungfrau, deren langes blondes Haar ihren Körper umhüllt, der Fischschwanz ist elegant nach hinten gereckt. Einige Unterwasserpflanzen und kleine Fische sind hierzu eine schlichte, passende Ergänzung. Die CD befindet sich in einem zweimal aufklappbaren Digipack aus griffiger Pappe und enthält einige Zusatzinformationen.

Fazit: Das tragische Märchen um die kleine Seejungfrau von Hans Christian Andersen präsentiert sich hier in einer Umsetzung, die dem Original sehr nahe bleibt. Eine aufwändige und wunderschöne Geräuschkulisse, eindringliche Sprecher und natürlich die bekannte Geschichte sprechen sehr für diese Produktion, die man sich unbedingt einmal anhören sollte.

VÖ: 26.August 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1118-5


Die verschollenen Fälle - Neue Abenteuer von Sherlock Holmes & Dr. Watson



Erster Eindruck: Vier mal Holmes, vier ganz andere Geschichten

Als der bekannte Psychoanalytiker Sigmund Freud für einige Zeit in London weilt und Vorträge hält, ist auch Dr. Watson unter den Zuhörern und lernt den Österreicher kennen. Währenddessen steigert sich Watsons alter Freund Sherlock Holmes immer weiter in seinen Verfolgungswahn herein – oder steckt doch mehr dahinter? (In Sachen Sherlock H. gegen Sigmund F.)
Sherlock Holmes bekommt den Auftrag, das verschwundene Manuskript von Karl Marx wiederzufinden, was durchaus hohe politische Wellen schlagen kann. Doch wirklich geweckt ist sein Eifer nicht – das geschieht erst, als auch Marx selbst verschwindet… (Sherlock Holmes und der Fall Karl Marx)
Jack the Ripper treibt sein blutiges Unwesen im Londoner Stadtteil Whitechapel, immer öfter werden Prostituierte bestialisch ermordet. Sherlock Holmes wird als bekanntester Detektiv der Stadt auf den Fall angesetzt. Verdächtige gibt es zahlreiche, die Spur führt in adelige Kreise… (Sherlock Holmes und die Whitechapel-Morde)
Deutlich gealtert sind Sherlock Holmes und Dr. Watson immer noch eng befreundet. Der Sohn von Inspector Lastrade ist nun selbst bei Scotland Yard und zweifelt an der Brillanz des Meisterdetektivs. Beim Tod eines Mannes entbrennt ein Wettstreit zwischen den beiden… (Watson und das Rätsel der Schweinepfote)

Sherlock Holmes ist in aller Munde, sie gehört zu den bekanntesten fiktiven Figuren aller Zeiten und erfreut sich auch heute noch größter Beliebtheit. Momentan gibt es auch gleich mehrere Labels, die neue Geschichten um den Meisterdetektiv erfinden. Doch diese Idee ist keinesfalls erst vor kurzem entstanden, wie die Box „Neue Abenteuer von Sherlock Holmes & Dr. Watson“ vom Audio Verlag beweist. Darin werden vier verschiedene Fälle erzählt, die zwischen den Jahren 1988 bis 2001 bei verschiedenen Radiostationen entstanden sind. Diese spielen nach den Ereignissen der originalen Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle und sind somit nicht in die damaligen Geschichten einzuordnen, weswegen durchaus auch ein Ausblick auf die Zukunft des Detektivgespanns geworfen werden kann – und das erlaubt interessante Gedankenspiele, insbesondere bei der Geschichte mit der Schweinepfote ist dies sehr gelungen. Die Besonderheit bei den anderen Fällen liegt eher in der Einbindung real existierender Personen und Ereignisse. Da wird Sigmund Freud in der Handlung um Professor Moriaty untergebracht, Karl Marx entführt und sogar die bekannten Morde von Jack the Ripper aufgeklärt. Alle Grundsituationen sind interessant und zudem gut ausgeführt, Sprache und die realen Verknüpfungen passen wunderbar zueinander. Doch natürlich gibt es in den Handlungen deutliche Unterschiede. Die erste Episode mit Sigmund Freud besticht durch die Bedrohung von Sherlock Holmes, der die Angriffe auf seinen Erzfeind Moriaty zurückführt, auch Freud scheint in die Ereignisse eingebunden zu sein. Wie genau das passiert – das erzeigt die Spannung in dem Hörspiel. Dagegen flacht die Handlung um Karl Marx etwas ab, interessant geschildert ist dies allemal, wirkliche Spannung kann hier aber nicht aufkommen. Highlight der Box ist aber der Zweiteiler um die Whitechapel-Morde, hier werden die verschiedenen Situationen gut ausgekostet, das Eintauchen in die adelige Welt Londons mit so einigen Intrigen und Ungemach ist sehr spannend gelungen. Der letzte Fall besticht besonders durch das hohe Alter der beiden Protagonisten, ein Gedankenspiel, das sehr gelungen ist. Alle Folgen sind sehr unterschiedlich und lassen sich nicht in ein Schema pressen, allesamt sind ideenreich, unterhaltsam und kurzweilig. Eine gelungene Box, die den Meisterdetektiv von einer ganz anderen Seite betrachtet.

Verschiede Produktionsjahre, verschiedene Rundfunkanstalten, verschiedene Regisseure – und somit natürlich auch eine Vielzahl unterschiedlicher Sprecher. Auch Holmes wird in jedem der vier Fälle von einem anderen Darsteller vertont. Im Fall um Sigmund Freud ist dies Charles Brauer, der mit sehr betonter und ruhiger Stimme eine gute Figur macht. Im Fall um die Schweinepfote spricht der wunderbare Jürgen Thormann die Rolle des gealterten Dr. Watson und kann dabei viel Charme versprühen, findet eine gute Balance zwischen Ernsthaftigkeit und dem Witz der Figur. Friedhelm Ptok spricht im entsprechenden Fall die real existierende Figur des Karl Marx, mit seiner eindringlichen Stimme ist er sehr überzeugend. Die anderen drei Sprecher des Sherlock Holmes sind Ulrich Matthes, Klaus Barner und Wolff Lindner.

Natürlich ist auch dementsprechend die akustische Gestaltung sehr unterschiedlich und differiert von Folge zu Folge, eine einheitliche Linie ist dennoch auszumachen, und diese passt sehr gut zu den Geschichten des Meisterdetektivs: Alles ist hier eher spartanisch in Szene gesetzt, kaum eingesetzte Melodien und nur wenige Geräusche untermalen das Geschehen und lenken so die Aufmerksamkeit auf die Rationalität der Hauptfigur.

Die Aufmachung der Box ist sehr schlicht und einfach gehalten. Ein Pappschuber fasst die fünf einzelnen CD-Hüllen, das Titelbild ist dabei immer identisch: Ein handelt sich um ein fotografiertes Portrait von Holmes aus einem alten Film, das ganze vor schlichtem grünen Hintergrund und wenig ausgeschmückt – durchaus ansehnlich. Booklets sind nicht vorhanden, im Gegenteil, der Einleger ist immer der gleiche, nur das Backcover differiert und enthält die Angaben zu dem jeweiligen Fall.

Fazit: Vier Geschichten über Sherlock Holmes, die nach der Zeit spielen, der Arthur Conan Doyle beschrieben hat. Dabei ist als Aufhänger entweder eine real existierende Person oder das gesteigerte Alter der Hauptfiguren vorhanden, was jeweils einen interessanten Grundgedanken liefert und für Spannung sorgen kann. Als Highlight überzeugt die Recherche im Jack the Ripper-Fall. Sehr hörenswert und ein Muss für Fans des Meisterdetektivs.

VÖ: 1.September 2013
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-308-2


Meta Morfoß / Armer Ritter



Erster Eindruck: Zwei Geschichten für (N)ostalgiker

Meta Morfoß wäre eigentlich ein ganz normales Mädchen, das in die Schule geht und manchmal ziemlich albern ist – wäre da nicht ihre Fähigkeit, sich in alles Mögliche zu verwandeln, zum Beispiel in einen Zug, in einen Engel oder ein Krokodil. Ihre Mitschüler finden das ziemlich lustig, und auch ihre Eltern haben sich längst daran gewöhnt. Nur der Müllmann Herr Kersunke kommt mit Metas Verwandlungen nicht so recht klar…

Es ist der Wunschtraum vieler Kinder, sich verwandeln zu können. Und genau darum dreht es sich in dem kleinen Kinderbuch „MEta Morfoß“ von Peter Hacks. Doch nicht nur das Buch, sondern auch das gleichnamige Radiohörspiel vom Rundfunk der DDR erfreute sich großer Beliebtheit. Keine große Überraschung also, dass das Hörspiel in die Reihe mit dem weißen Rücken des Audio Verlags aufgenommen wurde. Und weil diese Produktion nur etwa eine gute Viertelstunde läuft, hat man kurzerhand noch „Armer Ritter“ des gleichen Autors auf die CD gepresst. „Meta Morfoß“ hat unbestritten viel Charme. Wenn die mit ihrer entwaffnenden Art „Aber ich bins doch nur, die Meta“ nach einem Streich sagt, erobert sie schnell die Herzen der zuhörenden Kinder. Die Geschichte sprüht nur so vor Phantasie und guten Einfällen, in was Meta sich so alles verwandelt und welches Chaos sie damit stiftet. Allzu schnell ist hier aber alles erzählt, gerne hätte man noch mehr von dem kleinen Mädchen und seinen Einfällen gehört – und leider kann sich der ganze Reiz der Geschichte so nicht entfalten. „Arme Ritter“ hat mir – ausnahmsweise bei dieser Reihe – leider gar nicht gefallen. Zu gestelzt die Sprache, zu uninspiriert die Handlung, zu theatralisch die Schauspieler. Da hilft es auch nichts, dass das Geheimnis der Prinzessin am Ende eine hübsche Überraschung in dem ansonsten klassisch angehauchten Rittermärchen darstellt. Und so bleibt von dieser CD ein eher zwiespältiger Eindruck mit einer witzigen und gelungenen sowie einer für mich nicht sehr ansprechenden Geschichte.

Silvie Ebelt spricht hier die Hauptrolle der Meta Morfoß und legt einen etwas rotzigen Charme an den Tag. Mit ihrer frechen und charmanten Art sorgt sie immer wieder für Lacher, besonders ihre Parodie des altklugen Einstein ist gelungen. Erzähler ist hier Günter Naumann, dessen besonnene Art einen gewissen Ruhepol in die Geschichte bringt. Henry Hübchen spricht den armen Ritter in der gleichnamigen zweiten Geschichte, allerdings wirkt er oft theatralisch künstlich und konnte mich so nicht überzeugen. Weitere Sprecher sind Petra Kelling, Peter Dommisch und Walter Lendrich.

Beide Hörspiele sind in den 80er Jahren entstanden, was man ihnen auch deutlich anhört. Zwar ist die sprachliche Qualität vollkommen in Ordnung, man hört alles deutlich und auch die Abmischung ist genügend laut, allerdings wirken die eingesetzten Melodien nicht mehr ganz zeitgemäß. Gerade für die Kinder von heute dürfte dies etwas befremdlich wirken, sodass hier eben insbesondere Nostalgiker auf ihre Kosten kommen.

Wie alle Folgen dieser Reihe ist auch hier die Optik stark durchorganisiert: Auf einem farbigen Balken unten – hier ein kräftiges Lila – ist das Label und das Logo des DRA abgedruckt, darüber in einem weißen Balken Folgentitel und Autor, während die oberen zwei Drittel von der eigentlichen Zeichnung eingenommen werden. Dieses ist hier im sehr nostalgischen Stil gehalten, besonders die Gesichter wirken recht abstrakt.

Fazit: Die Geschichte von Meta Morfoß ist witzig, phantasievoll und kreativ, während die übertriebene Umsetzung von Armer Ritter den sicherlich positiven Grundgedanken der Geschichte erheblich stört. So kommen wohl nur diejenigen wirklich auf ihre Kosten, die die beiden Produktionen in guter Erinnerung haben. Gerade für Kinder von heute sind diese Produktion aber wohl zu tempoarm und auch zu abstrakt.

VÖ: 1.August 2013
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-8623-1314-3


Jacobs Zimmer (Virginia Woolf)



Erster Eindruck: Moderne Umsetzung des experimentellen Romans

Jacob Flanders, den man schon als Kind bei einem Familienurlaub mit seiner Mutter kennenlernt, bricht als junger Mann sein Studium an der Universität von Camebridge ab und flüchtet sich aus dem modernen Leben immer mehr in die Geschichten der griechischen Mythologie. Doch als der erste Weltkrieg ausbricht, holt ihn die Realität schnell wieder ein…

Virginia Woolf hat mit zahlreichen Romanen für Aufsehen gesorgt, ihre experimentellen Romane gelten als Kernstück ihres Schaffens. Dazu gehört auch „Jacobs Zimmer“, der nun auch vom Bayrischen Rundfunk als Hörspiel vertont wurde - 91 Jahre nach seinem Erscheinen. Beim Hörverlag ist die entsprechende Version auf 4 CDs erhältlich. Die Geschichte wirkt collagenhaft, einzelne Szenen, teilweise ohne nennenswerten Zusammenhang, werden hier aneinandergereiht, um so einen ungewöhnlichen, aber sehr intensiven Einblick in das Leben von Jacob gewährt. Die verschiedenen Stationen seines Lebens werden hier beleuchtet, einige ausführlich und genau, andere nur wie nebenbei. Besonders interessant ist dabei, dass nie aus der Sicht von Jacob selbst erzählt wird, sondern stets ein Blick von außen auf ihn geworfen wird. Er wird also nur von außen in seiner Wirkung auf andere charakterisiert, die Spuren, die er im Leben von anderen hinterlässt, nachgezeichnet. Seine Flucht in seine eigene, selbstgeschaffene Welt und deren Zerstörung durch den Krieg sind das Herzstück dieser Erzählung, die Einbindung der Geschichten aus der antiken Welt und die Erzählungen aus Kindheit und Jugend bilden dazu einen teilweise krassen Kontrast. Doch man braucht schon einiges an Aufmerksamkeit, um sich wirklich in „Jacobs Zimmer“ einzufinden. Die collagenartige Zusammensetzung ist nicht ganz so leicht zu durchdringen, immer wieder muss man sich auf andere Situationen einstellen – zumal ein wirklicher roter Faden, eine Haupthandlung, an der man sich entlanghangeln kann, nicht erkennbar ist. Hier muss aber die Übersetzung und Hörspielbearbeitung von Gaby Hartel gelobt werden, die es dem Hörer deutlich erleichtert, dieses komplexe Gebilde zu durchdringen. Ein anspruchsvolles Hörspiel, sehr ernst und eindringlich gehalten, aber es lohnt sich, Jacob durch sein Leben zu begleiten und den verschiedenen Stationen zu lauschen.

Die Vielzahl an Sprechern ist beeindruckend, um nur einige Namen zu nennen seien Andrea Wnzl, Sylvana Krappatsch und Stefan Merki erwähnt. Zwar hat Jacob gleich zwei Stimmen verpasst bekommen, Benedikt Lückenhaus als junger, Johannes Zirner als etwas älterer Jacob, doch beide haben recht wenig Text, da immer eher ein Blick auf ihn geworfen wird. Dennoch können beide mit einem glaubwürdigen und interessanten Spiel überzeugen. Im Mittelpunkt stehen hier insbesondere die gleich drei Erzähler, die sich immer wieder gegenseitig abwechseln. Dies sind Friedholm Ptok, Britta Hammelstein und Wiebke Puls, die sehr eindringlich und intensiv auf die verschiedenen Szenen eingehen und die jeweilige Stimmung einfangen können.

Musikalisch wurde das Hörspiel behutsam, aber konsequent umgesetzt. Stets ordnen sich die Melodien dem gesprochenen Wort unter, sind aber steter Begleiter und trennen nicht nur die Szenen voneinander, sondern schaffen auch verschiedene Atmosphären. Die Geräuschkulisse ist sehr treffend und ausschweifend, sodass der Hörer schneller die jeweilige Situation einordnen kann.

Ein besonderes Hörspiel, wie Jacobs Zimmer es ist, verdient auch ein besonderes Cover. Dieses wurde hier aus einem beigefarbenen Hintergrund und verschiedenfarbigen, breiten Balken geschaffen, die aussehen, als seien sie mit einem breiten Pinsel gemalt worden. Gerade durch diese Schlichtheit wirkt das Cover so beeindruckend. Interessant ist, dass hier dem Namen der Autorin deutlich mehr Raum gewährt wurde als dem Titel des Hörspiels. Das Booklet hält zahlreiche Informationen zu verschiedenen Mitwirkenden bereit.

Fazit: Durch seine collagenhafte Zusammensetzung ein sehr anspruchsvolles, aber eben auch sehr außergewöhnliches und hörenswertes Hörspiel. Zahlreiche interessante Aspekte ergänzen sich hier bestens, die Umsetzung ist durchdacht, die Produktion professionell. Hier muss man sich Zeit nehmen, wird dann aber mit einem spannenden Hörerlebnis belohnt.

VÖ: 15.Juli 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1119-2


Leonce & Lena



Erster Eindruck: Literaturvertonung von 1958

Prinz Leonce von Popo ergeht sich in quälender Langeweile, von den immer gleichen Abläufen am Hof kann ihn nicht einmal die Liebschaft mit der hübschen Tänzerin Rosalie wirklich ablenken. Die Suche nach Abwechslung treibt den melancholischen jungen Mann. Doch als sein Vater ihm offenbart, dass eine Hochzeit für ihn arrangiert wurde, flieht er – und lernt auf seiner Reise die wunderschöne Lena kennen…

Ein Lustspiel aus dem Jahr 1836, eine dazugehörige Radiohörspielproduktion aus dem Jahr 1958 – und eine Wiederveröffentlichung im Jahr 2013: Mit „Leonce & Lena“ aus der Feder von Georg Büchner setzt der Audio Verlag seine Produktstrategie weiter fort, literarisch wertvolle, schon etwas ältere Hörstücke auf dem Markt zu bringen. Auch diesem Stück kann man eine gewisse Schwere nicht absprechen, obwohl es sich eigentlich um eine Komödie handelt. Aber schon der Einstieg fällt recht schwer, denn ein externer Erzähler ist hier nicht vorhanden. Dieser wäre beim Verständnis der Szenerie gerade zu Beginn sehr hilfreich gewesen, so muss man sich die Charakterkonstellation erarbeiten. Hier wurden die reinen Dialoge der Vorlage vertont, nicht beachtend, dass keine optischen Anreize zum besseren Verständnis geboten werden. Hat man sich aber erst einmal in die Handlung eingefunden, kann man das gebotene Schauspiel durchaus genießen. Die poetisch anmutenden, gerade am Anfang stark vertretenen Aussagen von Leonce, in der er sich über die Schwere seines Daseins auslässt, hören sich sehr gut an und haben fast schon philosophische Ansätze. Und auch die Ironie, dass sich Leonce auf der Flucht von einer geplanten Hochzeit gerade in die ungewollte Braut verliebt und diese schließlich ohne eben dieses Wissen heiratet, weiß zu unterhalten. Dabei stolpert man unwillkürlich auch über die eingebaute Gesellschaftskritik über den herrschenden, aber sich langweilenden Adel, der die hart arbeitende Bevölkerung ausnutzt. Nach überwundenen Startschwierigkeiten bietet sich hier ein durchaus unterhaltsames und kurzweiliges Hörspiel, dem ein gewisser Anspruch jedoch keineswegs abzuerkennen ist.

Die Auswahl der Sprecher ist sehr gut gelungen. Besonders positiv fällt dabei Oskar Werner in der Hauptrolle des Leonce auf, dessen verträumte, sanfte Stimme sehr volltönend ist und somit die Figur intensiv charakterisieren kann. Als sein treuer Diener Valerio ist Werner Krauß zu hören, er kann sowohl in ernsten wie auch in lockeren Szenen mit seinem markanten Klang überzeugen. Gertrud Kückelmann wiederum ist als Lena zu hören, klingt sanftmütig und legt viel Charme in ihre klare Stimme. Weitere Sprecher sind Armin Waldeck-Süßenguth, Nicole Heesters und Alma Seidler.

Das Hörspiel konzentriert sich vorrangig auf die Sprecher und die Dialoge, wie es in dieser Zeit absolut üblich war. Trotzdem lockern einige kleine Melodien das gesprochene Wort auf, meist während der Szenenwechsel. Diese sind klassisch instrumentalisiert und schaffen eine hübsche Atmosphäre. Nur wenige Geräusche sind eingebaut, was für heutige Hörgewohnheiten etwas sperrig klingt.

Ein Liebespaar, wie Leonce und Lena am Ende des Hörspiels, ist auf dem Cover zu sehen. Der Mann mit heller Maske steht dabei am linken Rand und scheint seine Angebetete mit dunkler Maske im Arm zu halten, intensiv schauen sich die beiden an. Durch den braunen Hintergrund bekommt das Cover einen sehr erdigen Ausdruck. Das Innenleben ist dafür sehr schlicht gehalten, ein einfacher Einleger hält nur die allerwichtigsten Informationen parat.

Fazit: Ein anspruchsvolles Hörspiel, das einem gerade am Anfang viel abverlangt und dem Hörer den Einstieg durch einen fehlenden Erzähler nicht gerade erleichtert. Doch die Vertonung des literarischen Werkes kann durch seinen poetischen Ausdruck und seinen kurzweiligen Verlauf dennoch überzeugen. Natürlich sollte man ein Interesse an Hörspiele dieser Art haben, dann wird man aber mit einer sehr unterhaltsamen Stunde belohnt.

VÖ: 1.August 2013
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-296-2


Tintenherz – Das Hörspiel



Erster Eindruck: Phantastische Vertonung des bekannten Romans

Gemeinsam mit ihrem Vater Mo reist Meggie zu ihrer Tante Elinor, damit Mo dort einige alte Bücher retten kann. Doch auf dem Weg dorthin begegnen sie einem unheimlichen Mann, den Mo zu kennen scheint. Er berichtet ihnen von dem geheimnisvollen Capricorn, der hinter einem Buch aus Mos Besitz her ist. Und tatsächlich spüren seine Handlanger die kleine Familie in Elinors abgelegenen Anwesen auf…

Nach der Veröffentlichung löste Cornelia Funkes Roman Tintenherz einen kleinen Hype aus, gelobt von Lesern wie Kritikern folgten schnell auch Versionen als Hörbuch und auch eine aufwendige Hollywood-Verfilmung. Ganz neu hinzugekommen ist nun ein Hörspiel, das von Oetinger Audio liebevoll produziert wurde. Kennt man das Buch, wird man sofort einige Unterschiede finden, schon die Introszene ist hinzuerfunden: Hier wird durch einen kurzen Dialog mit Oberbösewicht Capricorn ordentlich Spannung aufgebaut und eine bedrohliche Stimmung erzeugt. Auch die erste Begegnung mit Staubfinger ist hier anders gelöst, dass Meggie und Mo nicht wegen der Bedrohung durch Capricorn zu Elinor reisen, ist schon etwas befremdlich. Ansonsten sind die Abwandlungen spürbar, aber sehr gut umgesetzt – der Kern der Handlung bleibt erhalten, die Spannung kommt gut zur Geltung, zahlreiche atmosphärische Szenen sorgen für einen intensiven Verlauf. Die Spannung baut sich immer weiter auf, die phantastischen Elemente und die zahlreichen Geheimnisse ergänzen sich wunderbar zu einer kurzweiligen Geschichte, der man gebannt lauscht. Angefangen bei Mo, Meggie und Elinor über die Bösewichte bis hin zu den kleineren Nebenrollen, jeder Charakter scheint eigenständig und mit individuellen Eigenschaften und Ausdruck zu sein. Herrlich, wie tief man sich in diese Geschichte versinken lassen kann, die immer etwas poetisch wirkt und hervorragend produziert wurde – so wird aus der sehr guten Vorlage ein ansprechendes, originelles und liebenswertes Hörspiel.

Alle Sprecher sind absolut phantastisch, und eigentlich hätte hier jeder eine nähere Betrachtung verdient. Namen wie Stephan Schad als Erzähler, Rainer Strecker als Staubfinger, Peter Weis als Fenoglio, Barbara Nüsse als Mortola oder Peter Kaempfe als Capricorn zeugen von der hohen Qualität. Doch auch die Hauptrollen sind natürlich bestens besetzt: Leonie Landa, die bisher eher im Fernsehen denn in Hörspielen aufgefallen ist, kann die Meggie sehr lebhaft, sehr realitätsnah, aber auch sehr vielschichtig darstellen. Robin Brosch sorgt mit seiner angenehmen, sonoren Stimme für die richtige Atmosphäre und kann dem Beinamen Mos – Zauberzunge – sehr gerecht werden. Besonders gut hat mit Gerlinde Dillge als Elinor gefallen, die in der Rolle der exzentrischen und durchsetzungsstarken Elinor zu Hochform aufläuft.

Jan-Peter Pflug ist hier für die Musik zuständig, er hat phantastische Melodien erschaffen, die sich wunderbar mit der Geschichte verbinden, verspielt, romantisch, aber auch bedrohlich und düster wirken können und alles in einen engen Mantel kleiden. Man merkt, dass alles passgenau für dieses Hörspiel geschneidert wurde. Auch die Geräusche und Effekte sind bestens eingefügt, die Produktionsweise kann nur gelobt werden.

Das Cover ist der Buchausgabe entliehen und zeigt die Originalzeichnungen von Cornelia Funke. Es ist zusammengesetzt aus Buchstaben, wie sie in vielen älteren Büchern zu Anfang eines Kapitels standen, kunstvoll verziert mit Ranken, Blumen und vielen kleinen Motiven. Die normale CD-Hülle wird von einem Pappschuber umgeben, die dem Ganzen einen hochwertigeren Ausdruck verleiht. Das Booklet ist zwar nicht sonderlich dick, enthält aber eine ausführliche Trackliste und zahlreiche Fotos der Sprecher bei den Aufnahmen.

Fazit: Der wundervolle Roman wurde hier behutsam in das Medium Hörspiel übersetzt, seine Seele wurde erhalten und wunderschön mit tollen Stimmen und einer sehr guten Produktion ausgeschmückt. So entsteht ein sehr warmes, liebevolles Hörspiel, in dem die tollen Charaktere bestens zur Geltung kommen. Ein hervorragendes Hörspiel, das ich uneingeschränkt empfehlen kann.

VÖ: 1.August 2013
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 978-3-8373-0637-8


Rosalie und Trüffel – Vom Glück zu zweit



Erster Eindruck: Zwischen Schweinen und Menschen

Es ist erst einige Stunden her, seit Herr Siebert die Buchhändlerin Frau Dur zum ersten mal getroffen hat. Nun führt er sie nach Ladenschluss in ein nahe gelegenes Restaurant aus. Doch nicht nur das streitende Ehepaar am Nebentisch weckt ihre Aufmerksamkeit, sondern auch wieder die von ihnen gemeinsam erdachte Geschichte von Rosalie und Trüffel, den beiden verliebten Schweinen…

Im ersten Teil von Rosalie und Trüffel haben sich Frau Dur und Herr Siebert gerade kennengelernt, ihre spontane Zuneigung zueinander war auch im ersten Hörspiel genauso wichtig wie die Geschichte von Rosalie und Trüffel. Und nun geht es mit einer zweiten Folge mit dem Untertitel „Vom Glück zu zweit“ weiter, die genau dort wieder ansetzt. Es ist eine herzergreifende Romanze zwischen den beiden Menschen, wie aus einem Hollywood-Film entsprungen. Noch sind beide zurückhaltend, siezen sich noch, aber ihre Herzenswärme und Zuneigung sprießt aus jedem Wort. Die Sprache ist dabei sehr gefühlvoll, gewählt, romantisch angehaucht. Immer wieder freut man sich, wenn wieder auf die beiden umgeschwenkt wird, so herzergreifend ist ihr Zusammentreffen. Und natürlich geht es auch bei Rosalie und Trüffel weiter, doch bei ihnen läuft nicht alles ganz so rosig. Es geht um die Probleme, die eine Beziehung mit sich führt, von den anfangs erlöschenden Freundschaften, über die alltäglichen Verletzungen, die man sich ganz unwillkürlich zufügt, ohne es eigentlich zu wollen, die mangelnde Fähigkeit, sich in den anderen hinein zu fühlen, obwohl man sich dies für sich selbst so sehr wünscht, um erste Streitigkeiten. Das alles ist so lebensnah, so direkt erzählt, dass es sicherlich bei jedem Erinnerungen an selbst Erlebtes hervorruft. Besonders eingängig ist ein Dialog, der sich gegen Ende zwischen den beiden Schweinen wiederholt – nur mit umgekehrten Rollen. Sehr gefühlvoll, sehr charmant, aber auch an einigen Stellen sehr witzig. Ein herzergreifendes Hörspiel, das mit 40 Minuten wirklich gefesselt hat.

Daniela Hoffmann spricht – wie schon in der ersten Produktion von Rosalie und Trüffel – die Frau Dur und legt viel Sanftmut in ihre Stimme, aber auch die ihr eigenes verschmitztes Lachen kann sie in der romantischen Geschichte einbringen. Ihr zur Seite steht Hubertus Bengsch, der den Herrn Siebert mit sehr viel Charme spricht und sowohl die Erzählparts als auch die Dialoge sehr gefühlvoll umsetzt. Nadine Writz und Michael Meyer ergänzen sich als Rosalie und Trüffel sehr gut, beide können die gegenseitigen Verletzungen und Enttäuschungen sehr nah an den Hörer herantragen. Weitere sind Giuliana Jakobeit, David Nathan und Bettina Stäbert.

Sanfte musikalische Klänge malen hier die Szenen aus und verliehen ihnen eine fast schon verspielte, romantische Atmosphäre. Und auch einige Geräusche sind hier eingefügt, sodass die Szenen lebendiger erscheinen und bestimmte Handlungen untermalt werden. Im Allgemeinen hält sich die akustische Untermalung aber eher zurück und unterstreicht lediglich die gefühlsbetonte Geschichte.

Natürlich sind auf dem Cover Rosalie und Trüffel zu sehen, gemeinsam liegen die rosige Hausschweindame und das braune Wildschwein gemeinsam in einem Bett und reiben ihre Nasen aneinander. Alles ist in sanften Pastellfarben gehalten, so auch der rein blaue Hintergrund. Im Inneren sind noch einige Kurzinformationen zu den wichtigsten Mitwirkenden zu finden.

Fazit: Eine sehr gefühlsbetonte Geschichte, die auf zweierlei Ebenen verschiedene Stimmungen schaffen kann. Einerseits die aufkeimende Romanze zwischen den beiden Menschen, andererseits die schwierige Alltagsbeziehung zwischen den beiden Schweinen, die gerade wegen ihrer Einfachheit so ergreifen ist. Hier liegt keineswegs ein Kinderhörspiel vor, wie Cover und Titel vermuten lassen könnten, sondern ein romantisches Hörspiel, das absolut hörenswert ist.

VÖ: 15.Juli 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1223-6


Till Wiesentroll



Erster Eindruck: Naturverbundenes Hörspiel, nachhaltig produziert

Till Wiesentroll ist mit seinem Leben in der kleinen Höhle eigentlich sehr zufrieden, würde der große Donnergroll nicht jede Nacht solchen Lärm veranstalten. Immer wieder spielt er Kegeln mit großen Felsbrocken. Der erste Versuch, sich bei dem Bergtroll zu beschweren, endet in einer kleinen Katastrophe. Doch der Nebeltroll hat eine gute Idee, um den Donnergroll von seinem nächtlichen Treiben abzuhalten…

„Till Wiesentroll“ ist eine kleine Buchserie von Almud Kunert, seit 2005 sind bisher drei Bände der Geschichten um den kleinen Troll erschienen. Bei Lübbe Audio ist nun der erste Teil als liebevoll produziertes Hörspiel vertont worden. Die Geschichte ist auch schon für die ganz jungen Zuhörer ab etwa vier Jahren gedacht, hat aber eine so pfiffige und harmonische Atmosphäre, dass auch ältere Kinder gerne dem Abenteuer lauschen. Nach einer kurzen Beschreibung von Tills Leben in Einklang mit der Natur, in der beispielsweise die Essgewohnheiten des kleinen Wesens phantasievoll beschrieben werden, folgt schnell die erste Szene mit dem Bergtroll – und die hat es für die ganz jungen Hörer durchaus in sich, hier wird Spannung aufgebaut, der kräftige Gonnerdroll wird recht laut und ein bisschen erschreckend dargestellt, aber eben auch kindgerechtem Niveau. Die folgenden Szenen beinhalten viel Witz und viel Kreativität, zum Beispiel bei der Fortbewegungsmethode des Nebeltrolls. Der Aufbau ist natürlich eher langsam, wird aber mit einer lockeren Sprachweise und einigen sehr schönen Szenen sehr kurzweilig für den Hörer. Verschiedene Ideen werden ausprobiert, den Gonnerdroll mit List vom nächtlichen Kegeln abzubringen, doch am Ende gibt es eine wirklich schöne Moral, die den zuhörenden Kindern sicherlich eine Lehre sein kann: Die Auflösung des Ganzen findet nämlich durch Reden und einer guten Erklärung statt, sodass sich Till und Gonnerdroll sogar anfreunden. Eine wirklich wunderschöne Geschichte, sehr schön umgesetzt und ziemlich kurzweilig.

Auch die Sprecher sind sehr gut ausgewählt und können ihre Figuren sehr liebevoll erscheinen lassen. Eric Ventker spricht den Till und klingt sehr pfiffig und fröhlich, kann aber auch die Traurigkeit des Wiesentrolls über die Situation gut zum Ausdruck bringen. Oliver Kraushaar spricht den Gonnerdroll mit tiefer, etwas dröhnender Stimme und kann ihn damit durchaus bedrohlich wirken lassen, bringt aber auch immer einen gewissen Witz mit. Erzählerin ist Sibylle Nicolai und bringt ihre Passagen, die des Öfteren auch mal etwas länger sind, sehr warmherzig und liebevoll herüber. Weitere Sprecher sind Gordon Piedesack, Matthias Keller und Diana Wolf.

Ein eigens für die Serie komponiertes Lied erklingt zu Anfang und auch am Ende des Hörspiels und ist wirklich sehr spaßig und macht nicht nur den kleinsten Zuhörern Spaß. Doch auch die restliche akustische Gestaltung ist sehr gelungen. Da ertönen viele Naturgeräusche wie Vogelgezwitscher und Wasserplätschern, werden die Szenen bunt untermalt und erklingen zahlreiche harmonische Melodien.

Die niedliche Zeichnung auf dem Cover zeigt Till mit seinem Trinkbecher in der freien Natur, seine witzigen grünen Haare und der gelungene Look sind sehr hübsch anzusehen. Im Inneren des Digipacks befindet sich ein Booklet, das neben zahlreichen Zeichnungen aus der Buchvorlage noch eine Bastelanleitung für einen Hampeltroll sowie den Liedtext enthält. Das Besondere ist aber, dass hier viel Wert auf eine nachhaltige Produktion gelegt wurde, so findet sich im Inneren keinerlei Plastikeinsatz.

Fazit: Eine sehr pfiffige und liebevolle Geschichte, die mit ihrer runden Atmosphäre wirklich zu überzeugen weiß. Auch die Moral der Handlung, dass mit Worten deutlich mehr zu erreichen ist als mit Streichen, kann überzeugen und kommt ohne den erhobenen Zeigefinger aus. Natürlich wird hier eher auf kleinere Kinder von vier bis acht Jahren abgezielt, aber dank der sehr guten Produktionsweise werden auch zuhörende Eltern und ältere Geschwister ihren Spaß an „Till Wiesentroll“ haben.

VÖ: 17.Mai 2013
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-4758-2


Nullzeit (Juli Zeh)



Erster Eindruck: Psychospiel um Besessenheit und Macht

Die erfolgreiche Soap-Darstellerin Jola will sich für eine Rolle als Taucherin vorbereiten und reist zusammen mit ihrem langjährigen Lebensgefährten Theo auf die Insel Lanzarote. Dort werden die beiden von Tauchlehrer Sven und seiner Frau Antje aufgenommen und unterrichtet.- Doch die Beziehung von Jola und Theo ist alles andere als harmonisch, und so fühlt sich die Schauspielerin bald zu dem Tauchlehrer hingezogen - mit fatalen Folgen…

Ein Jahr nach dem Erscheinen von Juli Zehs Roman „Nullzeit“ ist dieser vom SWR als Hörspiel vertont worden, ist aber nun auch beim Audio Verlag auf CD erschienen. Aus der anfangs harmlos wirkenden Szenerie entwickelt sich eine richtig spannende Geschichte, die sich um die unheilvolle Dreiecksbeziehung von Jola dreht. Vorerst wird in kurzen, aber schon recht stimmungsvollen Worten die Grundsituation dargestellt, die Ankunft von Jola und Theo auf Lanzarote ist der Ausgangspunkt. Je weiter man in die Geschichte vordringt, umso umfassender lernt man die Charaktere kennen, entdeckt neue Facetten und Manifestationen anderer Züge. Viel interessanter ist jedoch, wie sich die Beziehung zwischen Jola und ihrem Freund Theo entwickeln, hier wird ein Spiel aus Gewalt, Erniedrigung, Demütigung und Hohn, aber auch unheilbringender Zuneigung gezeigt, das sich in immer neue Höhen hochschaukelt. Parallel dazu wird auch die Beziehung zwischen Jola und Sven intensiver, bis nach einem bestimmten Ereignis die Sichtweise auf die Dinge deutlich auseinanderweicht. Kaum weiß man, wem man glauben soll, wer die Wahrheit sagt, ob eine schlichte Lüge oder geistige Verwirrtheit hinter den unterschiedlichen Wahrnehmungen steckt. Immer brisanter wird die Lage, immer heftiger die Auseinandersetzungen, und schnell findet man sich in einem tödlichen Spiel wieder, das nie ganz zu durchschauen ist. Auch ganz am Ende wird nicht alles restlos aufgeklärt, sondern auch einiges den Schlüssen des Hörers überlassen. Ein wirklich gelungenes, spannendes und eindringliches Hörspiel, das mich schon nach kurzer Zeit völlig gefangen genommen hat.

Es sind nur wenige Sprecher, die hier mehr als nur ein paar Worte sprechen, diese bestreiten zusammen fast allein die gesamte Handlung, diese übernehmen dabei sowohl Dialoge als auch eine Erzählfunktion. Jörg Hartmann ist als Theo wirklich fantastisch, kann eine bedrohliche Stimmung schaffen und den zwiespältigen Charakter sehr genau umsetzen. Die grandiose Friederike Kämper als Jola steht ihm in nichts nach, spielt sich in Rage, ist mal heißblütig leidenschaftlich, mal kühl und berechnend, stellt dem Hörer immer die Frage nach ihrem Geisteszustand. Johann von Bülow spricht Sven, dessen Leben durch den neuen Auftrag ins Wanken gerät. Dies kann er nachvollziehbar und sehr glaubwürdig mit seiner Stimme umsetzen. Im Gegensatz zu diesen drei wirklich hervorragenden Sprechern fällt Lena Drieschner als Antje etwas ab und wirkt stellenweise ein wenig steif und unbeholfen.

Ruhige, hintergründige Melodien begleiten die Dialoge und unterstreichen die Geschichte gekonnt, ebenso wie die vielfältige und treffende Geräuschkulisse. Dabei bleibt der Ausdruck der akustischen Gestaltung recht ruhig und ausgeglichen, vor diesem Hintergrund wirken die teilweise heftigen Entwicklungen umso eindringlicher und kommen dadurch bestens zur Geltung. Zudem ist der Kontrast zwischen gedämpfter Gestaltung und ausdrucksstarker Handlung sehr reizvoll und gelungen.

Nullzeit – ein Titel, der für diese Geschichte kaum treffender hätte gewählt werden können. Der Bezug zum Tauchen wird auch auf dem Cover aufgegriffen, hier wird vor einfarbig hellblauen Hintergrund ein kleines Korallenriff samt einiger Fische gezeigt. Die schlichte, aber übersichtliche und hübsch gestaltete Aufmachung ist gelungen, besonders das Foto hinter der CD betrachtet man gern.

Fazit: Die spannende Handlung um Macht, Hingabe und Wahnsinn wird von den Sprechern sehr eindrucksvoll in Szene gesetzt, hinzu kommt eine gelungene, ruhige akustische Gestaltung – ein Psycho-Thriller auf sehr hohem Niveau.

VÖ: 1.Juli 2013
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-316-7


Unterm Birnbaum



Erster Eindruck: Klassische Literatur in klassischer Umsetzung

Das Ehepaar Abel und Ursel Hradschek besitzt einen Kramladen mit angeschlossenem Gasthaus, ist aber hochverschuldet. Als eines ungemütlichen Herbsttages ein Mitarbeiter ihres Gläubigers bei ihnen übernachtet, bringen sie ihn kurzerhand um und lassen seine Leiche verschwinden. Doch ihre Nachbarin, die neugierige Witwe Jeschke, hegt bald Verdacht…

Theodor Fontane gilt auch heute noch als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller, auch über einhundert Jahre nach seinem Tod werden seine Werke gelesen – und auch wiederveröffentlicht. Zu seiner Novelle „Unterm Birnbaum“ wurde in Kooperation des BR und des NDR im Jahr 1961 ein Hörspiel produziert, das der Hörverlag nun auf CD veröffentlicht hat. Vordergründig ist die Geschichte ein Kriminalroman, der Plan vom Ehepaar Hradschek steht hier im Mittelpunkt und ist der Ausgangspunkt der Handlung. Zwar wird nicht gleich alles offenbart, die wirklichen Geschehnisse in der verregneten Novembernacht bleiben zu großen Teilen im Dunkeln. Doch der Hörer kann sich vieles zusammenreimen, sodass der Verlauf nicht wirklich überraschend ist. Die Geschichte zieht ihren Reiz aber auch eher aus der psychologischen Betrachtung der Protagonisten und trägt an einigen Stellen schon die Züge eines Milieustudiums. Genau werden die beiden Charaktere von Abel und Ursel beschrieben, bis in die hintersten Winkel vorgedrungen, die Skrupellosigkeit Abels ebenso gezeigt wie die Gier Ursels. Besonders interessant ist auch die Rolle der Witwe Jeschke, neugierig und aufdringlich, die sich immer weiter in die Geschichte hineinsteigert. Doch auch die anderen Nebenrollen sind beachtenswert und gut ausgeführt. Durch die lebendige Erzählweise wird das Geschehen sehr nah an den Hörer herangetragen, der sich völlig in die Handlung hineinversetzen kann. Natürlich klingt „Unterm Birnbaum“ für heutige Ohren recht ungewohnt, die nüchterne Umsetzung und die getragene Sprache sorgen nicht gerade für lockere Unterhaltung, dafür wird aber ein hochinteressantes Hörstück mit Anspruch geboten, das mich mit seinen starken Charakteren überzeugen konnte.

Sehr treffend ist die Wahl der Sprecher gelungen, sie sorgen für den richtigen Ausdruck ihrer Charaktere. Abel Hradschek wird von Heinz Klevenow gesprochen, dessen volltönende und ausdrucksstarke Stimme die skrupellose und standfeste Rolle sehr glaubhaft vertonen kann. Seine Frau Ursel wird von Ages Fink gesprochen, die immer einen recht undurchsichtigen Zug in ihre Stimme legen kann und Klevenow bestens zu ergänzen versteht. Die wunderbare Tilla Durieux spricht Witwe Jenschke mit viel Leidenschaft und Energie, ihre Passagen kommen sehr einprägsam beim Hörer an. Weitere Sprecher sind unter anderem Wolfgang Büttner, Bruni Löbel und Siegfried Lowitz.

Musik wird hier während der Handlung nicht eingesetzt, wie viele Hörspiele aus dieser Zeit stehen die Dialoge fast für sich allein. Das unterstreicht den ernsthaften Charakter der Erzählung, wirkt aber manchmal steif und trocken. An einigen dramatischeren Stellen hätte ruhig etwas Musik spielen können. Einige Geräusche unterstützen die Sprecher bei den Gesprächen und sind insgesamt gut eungefügt.

Ein junger, bärtiger Mann blickt dem Betrachter ernst und eindringlich vom Cover entgegen, eine Gesichtshälfte ist im Schatten verborgen. Im dunklen Hintergrund sind die knorrigen, blattlosen Äste eines Baumes zu sehen – ein schlichtes, gelungenes Titelbild. Fest in das hübsche Digipack eingefasst ist ein vielseitiges Booklet, das einen ausführlichen Einführungstext sowie Auszüge aus dem Dialogbuch enthält. Auch Informationen zu einigen Mitwirkenden sind hier zu finden.

Fazit: Die Ereignisse aus der Mordnacht sind zwar schnell durchsichtig, viel interessanter sind jedoch die starken Charaktere, die durch hervorragende Sprecher ins rechte Licht gerückt werden.

VÖ: 13.Mai 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-806-8


Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand



Erster Eindruck: Romanvertonung zwischen Krimi und Roadmovie

Die Vorbereitungen für Allan Karlssons Feier zu seinem 100. Geburtstag sind fast abgeschlossen, als das Geburtstagskind plötzlich verschwindet. Eher zufällig nimmt er auf seiner Flucht einen Koffer mit Geld mit – doch das gehört der Mafia. Und so ist nicht nur das ganze Land samt Sonderkommandos hinter dem Mann her, sondern auch gefährliche Verbrecher. Und keiner ahnt, was für ein bewegtes Leben Allan hinter sich hat…

„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ war als Buch ein großer Erfolg und hat bei Lesern wie Kritikern eingeschlagen. Der Roman von Jonas Jonasson wurde nun auch vom hr1 als Hörspiel vertont und ist nun beim Hörverlag erhältlich. Für die außergewöhnliche Vorlage wurde hier ein ebenso außergewöhnliches Gewand gefunden, das mit seinen schnellen Szenenwechsel ein beachtliches Tempo vorlegt. Zahlreiche kurze Passagen sind hier fast schon collagenhaft aneinandergereiht und wechseln schnell zwischen den verschiedenen Schauplätzen, beispielsweise werden auch Telefonate, Notizen oder SMS-Verkehr mit eingebaut. Eine weibliche Stimme sorgt dabei meist für den nötigen Überblick, einiges an Aufmerksamkeit ist für das Verständnis des Hörspiels aber schon von Nöten. Neben den aktuellen Ereignissen gibt es auch immer wieder Rückblicke auf Allans bewegtes Leben, der oftmals eher zufällig die Geschicke der Geschichte beeinflusst hat und einigen bedeutenden Persönlichkeiten begegnet ist. Die eigentliche Handlung berichtet viel von der Suche nach dem Mann, aber eben auch von seiner Sicht der Dinge. Immer wieder tauchen hier sehr humorvolle Stellen auf, die zwischen skurril und zynisch angesiedelt sind und eine sehr heitere Komponente in die Handlung bringen, die das gesamte Hörspiel prägend beeinflussen. Eine sehr interessante Produktion, die mich wirklich beeindruckt hat und viele mutige, gut umgesetzte Ideen enthält. Hörspielfans sollten hier unbedingt mal reinhören.

Sehr gut gelungen ist die Auswahl der Sprecher, sie stellen Lebendigkeit und Verschmitzheit in den Mittelpunkt. Matthias Habich ist als Allan Karlsson zu hören, seine schon leicht gebrochene, aber immer noch kraftvolle und dynamische Stimme verleiht dem Hundertjährigen eine ganz besondere Note. Charly Hübner ist als Benny eine ebenso gute Wahl und kann mit seinem eindringlichen Klang für spannende Momente sorgen. Besonderes Augenmerk verdient der Auftritt von Rosemarie Fendel, ist es doch der letzte der großartigen Schauspielerin. Mit ihrer wie immer markanten, tiefen Stimme kann sie die Rolle der Amanda sehr gut auskleiden und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Weitere Sprecher sind Walter Renneisen, Marion Breckwoldt und Christian Redl.

Die akustische Umsetzung passt sehr gut zu der außergewöhnlichen Vorlage und bedient sich einiger interessanter Ideen. Dabei sind meist nur wenige Geräusche eingesetzt, die die einzelnen Szenen klarer machen oder zur besseren Struktur der einzelnen Szenen eingesetzt wurden. Musik ist dabei eher wenig zu hören, die Sprecher und ihre Dialoge stehen klar im Vordergrund.

Für das Hörspiel wurde das Cover des Buches noch einmal überarbeitet und neu eingefärbt. Statt braun ist dieses nun grün eingefärbt und zeigt nur einen Teil des abgebildeten Elefanten, der im Verlauf des Hörspiels eine kleine Rolle spielt. Die Schrift ist in einem Kofferanhänger abgebildet und verdeckt große Teile des Motivs, das so erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist. Das umfangreiche Booklet enthält einen einleitenden Text sowie Informationen und Fotos einiger Mitwirkender.

Fazit: Der außergewöhnliche Roman wurde hier ebenso außergewöhnlich umgesetzt, ist skurril und spannend, spielt auf verschiedenen Ebenen und ist sehr interessant zu lauschen. Sprecher und Produktion sind ebenso herausragend.

VÖ: 10.Juni 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1010-2


Die Schläfer – Unheimliches Erwachen in der Antarktis



Erster Eindruck: Schrecken im Eis

Dr. Vincent Lürssen, ein erfolgreicher Neurobiologe, stößt bei einem Wechsel der Besatzung zu einem Team, das in der eisigen Antarktis, weitgehend abgeschottet von der Außenwelt, verschiedene Forschungen anstellt. Besonderes Augenmerk bekommt dabei ein unterirdischer See, in dem sich scheinbar ein ganz eigenes Biosystem gebildet hat. Doch was dort verborgen ist, hätte niemals an di Oberfläche gelangen dürfen…

So richtig in den Vordergrund getreten ist das Hamburger Label vitaphon noch nicht, mit „Der Schläfer“ sollte sich dies aber ändern. Das auf sehr hohem Niveau produzierte Hörspiel vereint Elemente aus Thriller und Science Fiction mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und teilweise sogar philosophischen Gedanken. Die Introszene ist sehr gelungen, in einem Radiointerview wird nicht nur die Grundsituation erklärt, sondern auch die wissenschaftliche Theorie von Vincent erklärt. Darauf folgt ein langsamer Aufbau, in dem vorerst die Gemeinschaft in der Antarktis im Vordergrund steht. Hier wird das Zusammenspiel der Charaktere beschrieben, die zwar manchmal etwas zu plakativ und einschichtig wirken, was der Handlung aber auch einen deutlich dynamischeren und spannenderen Verlauf ermöglicht. Mit der Entdeckung der Lebewesen im ewigen Eis startet jedoch eine Verkettung tragischer Ereignisse, der die Protagonisten langsam in den Wahnsinn treibt und zu einer immer stärkeren Bedrohung wird. Die unheimliche Stimmung wird weiter verstärkt, und auch die Umgebung der ewigen Eiswüste kommt hier sehr intensiv zur Geltung. Ein beeindruckendes Finale krönt dann die spannende und stimmungsgeladene Geschichte, schließt sie gekonnt ab. Auch wenn das Thema nicht das Neueste ist und die Charaktere etwas zu plakativ gezeichnet wurden, ist hier ein atmosphärisch dichtes, sehr spannendes und mit vielen interessante n Gedankengängen versehenes Hörspiel, das man sich unbedingt einmal in ruhigen zweieinhalb Stunden zu Gemüte führen sollte.

Die Sprecher wurden sehr gut ausgewählt, wobei hier auf unverbrauchte Stimmen wert gelegt wurde, die in noch nicht allzu vielen Produktionen aufgetaucht sind. Anfangs prägt Andre Beyer als Vincent Lürssen den Verlauf der Geschichte, er kann den Neurobiologen mit treffsicherem Ausdruck darstellen. Samir bin Jalud al Hami, der Koch der Crew, wird von Arno Abd-el Kader Lüning gesprochen, der durchaus etwas Witz mit in die drohende Atmosphäre einbringt und mit seiner spontanen Art die Handlung etwas auflockern kann. Petra Springhorn spricht die Meteorologin Lia Orli Ruben, sie kann eine breite Bandbreite an verschiedenen Emotionen vermitteln und bleibt dabei stets glaubhaft. Weitere Sprecher sind unter anderem Andreas Kleb, Stephan Ziwich und Ralf Bettinger.

Die Produktion kann mit dem momentan populären, bombastisch inszenierten Hörspielen mithalten und bietet eine intensive, dichte Atmosphäre, die aus dem gelungenen Zusammenspiel von Musik und Geräuschen resultiert. Die eingesetzten Melodien wirken manchmal ein bisschen sphärisch, können immer eine treffende Stimmung erzeugen und werden dabei von vielfältigen und passenden Geräuschen unterstützt.

Ein böse dreinschauendes, gelb leuchtendes Auge prägt den wolkigen Himmel auf dem Cover das ansonsten in kühlm Blau und