Nebelmord (Yrsa Sigurdardóttir)

Seelen im Eis (Yrsa Sigurdardóttir)

Goldene Flammen (Leigh Bardugo)

Blutblume (Louise Boije af Gennäs)

Die Stadt der Seher (Christoph Hardenbusch)

Der Lotuskrieg 1: Stormdancer (Jay Kristoff)

Das weiße Grab (Lotte und Soren Hammer)

Schweinehunde (Lotte und Soren Hammer)

Der Zorn der Regenmacher (Timo Leibig)

Die Eisprinzessin schläft (Camilla Läckberg)

10 Stunden tot (Stefan Ahnhem)

Die Augenzeugin (Anna Bagstam)

Minus 18 Grad (Stefan Anhem)

Leichengrund (Emelie Schepp)

Herzsammler (Stefan Ahnhem)

Totenwinter (Will Dean)

Narrenkrone (Boris Koch)

Imperator (Kai Meyer / Lissanna Surborg)

Dornenthron (Boris Koch)

Fledermausmann (Jo Nesbo)

Irrfahrt (Oistein Borge)

Wings of Fire Graphic Novel #1: Die Prophezeiung der Drachen

Die Chroniken von Alice - Dunkelheit im Spiegelland (Christina Henry)

Der schwarze Sommer (Gard Sveen)

Kakerlaken (Jo Nesbo)

The Age of Darkness - Schatten über Behesda (Katy Rose Pool)

Rotkehlchen (Jo Nesbo)

Der Käfig (Lilja Sigurdardottir)

Rattenkönig (Pascal Engmann)

Tinte & Siegel: Die Chronik des Siegelmagiers (Kevin Hearne)

Der Winter des Propheten (Hakan Östlundh)

Hidden Worlds – Die Krone des Erben (Mikel Robrahn)

Mitternachtsmädchen (Jonas Moström)

Scholomance – Tödliche Lektion (Naomi Novik)

Dominotod (Jonas Moström)

Das Lied der Nacht (C.E. Bernhard)

Die stille Tochter (Gard Sveen)

Forsberg und das verschwundene Mädchen (Ben Tomasson)

So tödlich nah (Jonas Moström)

Der andere Sohn (Peter Mohlin und Peter Nyström)

Bluteiche (Andreas de la Motte)

Blindes Eis (Ragnar Jonasson)

Weiße Nacht (Asa Larsson)

Der Schwarze Thron - 4. Die Göttin (Kendare Blake)

Geiger (Gustav Skördeman)

Sonnensturm ( Asa Larsson)

Der einsame Bote (Gard Sveen)

Teufelskälte (Gard Sveen)

Der letzte Pilger (Gaard Sveen)

Totenstille (Will Dean)

Blutnebel (Thomas Enger und Jorn Lier Horst)

Der Schwarze Thron - Die Kriegerin (Kandare Blake)

Der Schwarze Thron - Die Königin (Kendare Blake)

Cold Case – Das gezeichnete Opfer (Tina Frennstedt)

Eisgrab (Mads Peter Nordbo)

Eisrot (Mads Peder Nordbo)

Todesnacht (Ragnar Jonasson)

Hidden Worlds 1 – Der Kompass im Nebel (Mikkel Robrahn)

Der schwarze Thron - 1. Die Schwestern (Kendare Blake)

Cold Case - Das verschwundene Mädchen (Tina Frennstedt)

Schräge Vögel singen nicht (Lars Lent)

Hinterhalt (Oistein Borge)

Die Rückkehr des Würfelmörders (Stefan Ahnhem)

Der Lärm der Fische beim Fliegen (Lars Lenth)

Eisige Dornen (Jonas Moström)

Der Würfelmörder (Stefan Ahnhem)

Kreuzschnitt (Oistein Borge)

Winterfeuernacht (Andreas de la Motte)

Leichenblume (Anne Mette Hancock)

Die Kinder des Wüstenplaneten (Neuübersetzung, Frank Herbert)

Schneenacht (Helene Tursten)

Hexenjäger (Max Seeck)

Sommernachtstod (Anders de la Motte)

Das Mädchen und der Winterkönig (Katherine Arden)

Der Meister von London (Benedict Jacka)

Kaltes Gold (Cilla und Rolf Börjlind)

Barbarotti und der schwermütige Busfahrer(Hakan Nesser)

Das schwarze Mal (Eyal Kless)

Der Orden des geheimen Baumes - Die Königin (Samantha Shannon)

The Age of Darkness - Feuer über Nasira (Katy Rose Pool)

Reckless - Auf silberner Fährte (Cornelia Funke)

Blindgang (Jorn Lier Horst)

Coldtown (Holly Black)

Dein kaltes Herz(Sharon Bolton)

Die Dunkelheit zwischen uns (Molly und Rolf Böjlind)

Nebel (Ragnar Jonasson)

Blutsfreunde (Kristina Ohlsson)

Blutzahl (Thomas Enger und Jorn Lier Horst)

Die Chroniken von Alice - Die Schwarze Königin (Christina Henry)

Der Orden des geheimen Baumes - Die Magierin (Samantha Shannon)

Flavia de Luce - Halunken, Tod und Teufel (Alan Bradley)

Der Mondscheinmann (Max Bentow)

Biss zur Mitternachtssonne (Stephenie Meyer)

Die Gruft des Tyrannen (Rick Riordan)

Auf den Schwingen des Drachen (Kevin J. Anderson)

Flavia de Luce - Mord ist kein Kinderspiel (Alan Bradley)

Ans andere Ende der Welt (Philip Pullman)

Hagebuttenblut (Lina Bengstdotter)

Die Sekte - Dein Albtraum nimmt kein Ende (Mariette Lindstein)

Insel (Ragnar Jonasson)

Obsidian - Alle fünf Bände (Jennifer L. Armstrout)

Mord im Gurkenbeet (Alan Bradley)

Die Auslese - Die komplette Trilogie (Joelle Charbonneau)

Der Wächter von London (Benedict Jacka)

Die Tribute von Panem: Das Lied von Vogel und Schlange (Suzanne Collins)

Rabenprinz (Margaret Rogerson)

Dunkel (Ragnar Jonasson)

Doktor Maxwells chaotischer Zeitkompass (Jodi Taylor)

Abgrund (Yrsa Sigurdardottir)

Die glorreichen Sechs (Royce Buckingham)

Die Traumdiebe (Cherie Dimaline)

Sündengräber (Kristina Ohlsson)

Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv (Jodi Taylor)

Sühne (Steffen Jacobsen)

Wer zweimal stirbt (Leif Persson)

Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland (Christina Henry)

Der Bär und die Nachtigall (Katherine Arden)

Puppentod (Erik Axl Sund)

Deine Angst ist erst der Anfang (Mariette Lindstein)


Nebelmord (Yrsa Sigurdardóttir)

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Ein einsam gelegener Leuchtturm an der isländischen Küste bedarf einer Reparatur, drei Männer nebst einem Fotografen reisen mit dem Hubschrauber auf die kleine Insel. Doch einer von ihnen sollte den Auftrag nicht überleben. Nina, eine von ihren Kollegen gemiedene Polizistin, hat nicht nur auf der Arbeit einen schweren Stand, auch der Selbstmordversuch ihres Mannes beschäftigt sie sehr. In alten Akten findet sie einen Hinweis auf dessen Vergangenheit, ahnt aber nicht, welch Geheimnis er jahrelang gehütet hat…

Yrsa Sigurdardóttir lässt ihre Thriller in ihrer Heimat Island spielen und dabei die düstere und raue Stimmung des Landes mit einfließen, was sich nur selten besser beobachten lässt als bei „Nebelmord“. Schon im Prolog mit der Suche nach einem vermissten Mann, aber auch in den vielen folgenden Landschaftsbeschreibungen liest man von der kalten Umgebung und düsteren Tagen, was dem Thriller eine sehr markante Atmosphäre verleiht. Das trägt viel zum Gesamteindruck bei, doch auch die Handlung ist sehr spannend. Sie ist dreigeteilt, neben den beiden oben angerissenen Szenerien wird auch von einer isländischen Familie berichtet, die mit einigen Amerikanern für einige Zeit das Haus getauscht hat und nach ihrer Rückkehr einige seltsame Beobachtung machen. Hier kommt noch ein sehr unheimlicher Aspekt mit ein, der gut funktioniert und die Spannung verschärft. Das funktioniert jedoch noch nicht ganz am Anfang, hier müssen sich die drei Stränge erst einmal einspielen, sodass das erste Drittel des Romans noch etwas langsam wirkt.

Anfangs ist noch nicht klar, wie die drei so unterschiedlichen Handlungsstränge zusammenhängen, sie laufen zunächst parallel zueinander. Zugegebenermaßen bekommt man irgendwann eine Ahnung, wie alles zusammenhängt, was sich in meinem Fall dann auch bestätigt hat – der Spannung hat sich dadurch allerdings nicht verringert, weil immer noch viele Fragen offen sind. Die schlussendliche Auflösung hat mich dann leider auch nicht vollständig überzeugt und wirkte an zu vielen Stellen noch etwas roh und ungeschliffen, mit einer kurz darauffolgenden Wendung hat die Autorin aber noch einmal das Ruder herumgerissen und für ein Ausrufezeichen hinter ihrem Roman gesorgt.

In der Kürze der Zeit konnte ich zu den Charakteren keine wirklich intensive Bindung aufbauen, spannend und überraschend ist die dreigeteilte Handlung aber auf allen Ebenen gewesen. Nicht alle eingebauten Ideen konnten mich vollkommen überzeugen, doch lesenswert ist „Nebelmord“ allemal und sorgt mit seiner intensiven Stimmung für einen Thriller mit düsterem Touch.


Seelen im Eis (Yrsa Sigurdardóttir)

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Nach dem Tod seiner Ex-Frau bei einem Sturz aus dem Fenster muss sich Óðinn Hafsteinsson allein um seine präpubertäre Tochter kümmern, doch auch seine Arbeit nimmt ihn vollkommen ein. Er soll den Tod zweier Kinder in einem Erziehungsheim untersuchen, die vermutlich in den 70er Jahren vernachlässigt wurden. Doch je weiter der engagierte Ermittler nach Hinweisen aus der Vergangenheit sucht, desto mehr Parallelen erkennt er zur Gegenwart…

Das Ende eines Buchs vorzuziehen und dem Leser mitzuteilen, ist vormalerweise keine sonderlich clevere Idee und nimmt dem Leser üblicherweise viel Spannung. Yrsa Sigurdardóttir hat genau dies aber im Prolog ihres Thrillers „Seelen im Eis“ vorangestellt. Doch das ungewöhnliche Konzept geht auf, weil man hier eben nicht fieberhaft auf der Suche nach dem Täter ist und so die vielen eingebauten Feinheiten, die man sonst so einfach überliest, sofort ins Auge springen und sich dem Gesamtbild hinzufügen. Die Art der Spannung, die dadurch entsteht, ist eine ganz andere und fühlt sich deswegen umso faszinierender an. Und es ist auch nicht so, als hätte die Autorin keine überraschenden Wendungen eingebaut, die das Geschehen am Laufen halten, immer wieder gibt es neue Hinweise, die die Handlung noch einmal in eine andere Richtung führen. Und auch das Finale ist packend geraten, weil noch einige Enthüllungen auf den Leser warten, die sich hervorragend zusammenfügen und eines dieser Finale entstehen lassen, die noch einige Zeit nach dem Lesen nachhallen und zum Nachdenken anregen.

Das gelingt auch hervorragend durch die Thematik des Romans, der sich um Kindesmisshandlung und Vernachlässigung dreht, um Gewalt und erschreckende Zustände in Kinderheimen. Das ist intensiv geraten, weil eine zweite Handlungsebene direkt von diesen Ereignissen berichtet und den Leser das Leid der Kinder begreifbar macht. Hervorragend dazu passt eine unheimliche, düstere und bedrohliche Stimmung, die ebenfalls ungewöhnlich für einen Thriller ist, sich hier aber sehr stimmig einfügt und für eine intensive Atmosphäre sorgt. Die wenigen, aber durchaus markanten Szenen aus dem Privatleben des Ermittlers sind dazu eine gelungene Ergänzung und bringen eine emotionale Ebene mit ein.

Gepaart mit dem eingängigen Schreibstil der Autorin ist ein lesenswerter Thriller entstanden, der sich zwar etwas langsam entwickelt, aber dafür mit ungewöhnlichen Elementen punkten kann. Denn obwohl der Prolog viel von den Zusammenhängen verrät, gibt es nicht viel Spannung, sondern auch zahlreiche eingebaute Überraschungen. Die Zweiteilung mit Szenen aus Vergangenheit und Gegenwart funktioniert einwandfrei und widmet sich einem weiterhin aktuellen Thema, welches sehr gut umgesetzt wurde.


Goldene Flammen (Leigh Bardugo)

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Alina Starkov steht kurz vor der Beendigung ihrer Ausbildung als militärische Kartographin, für eine der letzten Aufgaben soll ihre Truppe die Schattenflur durchqueren, ein sich ausdehnender Landstrich voller Dunkelheit, in dem furchterregende Wesen ihr Unwesen treiben. Ihr Jugendfreund Malyen wird dabei verletzt, doch plötzlich scheint helles Licht durch die Dunkelheit und vertreibt die Angreifer. Und dieses Licht geht von Alina aus…

Zugegeben, an mir ist die Buchreihe „Die Legende der Grisha“ bisher an mir vorbeigegangen, durch die Verfilmung als Serie für einen Streamingdienst und weitere Romanreihen aus dem Universum ist mein Interesse dann aber doch gestiegen. „Goldene Flammen“ ist der Auftakt der Reihe und mit etwa 350 Seiten recht schnell gelesen, dabei aber auch kurzweilig geraten. Nach einem kurzen Intro aus der Kindheit von Alina und Malyen wechselt die Szenerie und der Leser begleitet Alina zunächst auf einem Fußmarsch durch das Land, bei dem man nicht nur einen Eindruck von den ersten Figuren bekommt, sondern auch erste Details über das Land und das vorkommende Magiesystem erfährt. Dieses dreht sich vor allem um die Grisha, die Elemente befehligen können, Einfluss auf den Körper ihrer Mitmenschen haben oder geschickte Konstrukteure sind, wobei jeder seine eigene Spezialfähigkeit hat, die teilweise auch zwischen den verschiedenen Gruppen angesiedelt sind, sodass der Mensch selbst entscheidet, zu welcher Gruppe er sich zugehörig fühlt. Es sind noch mehr interessante Details eingebaut, aber vieles bleibt leider auch offen, so fehlt mir beispielsweise eine genaue Beschreibung, wie di Grisha ihre Fähigkeiten einsetzen, hier bleibt der Roman einfach zu oberflächlich. Auch manche Beweggründe der Figuren, leider auch teilweise von Alina, bleiben unklar, die Entscheidungen werden aus dem Bauch und plötzlich getroffen, obwohl die Überzeugung zuvor eine andere war. Über ein paar dieser Stolpersteine muss man also hinwegsehen können, um den Roman genießen zu können.

Das klappt dann aber auch sehr gut, da ich den Erzählrhythmus von Autorin Leigh Bardugo mag. Sie muss nicht um jeden Preis ans Ende eines Kapitels einen Ciffhanger setzen, sie kann auch mal einige harmonische Momente einbauen, ohne dass es langweilig wird, kommt dann aber doch mit einigen Überraschungen um die Ecke. Auch mag ich das russisch angehauchte Ambiente, die strenge Rangfolge am Zarenhof, aber auch die einsamen Wanderungen – die Szenerie ist abwechslungsreich erzählt und bietet ganz unterschiedliche Stimmung. Jedoch ist anzumerken, dass einige Motive doch arg bekannt vorkommen, beispielsweise Alina, die mit ihren Gefühlen hin- und hergerissen ist zwischen ihrer geheimen Jugendliebe und dem attraktiven, düsteren und geheimnisvollen Mann, der unerwartet an ihrer Seite auftaucht. Die Lust auf die kommenden Bände ist dennoch geweckt worden, da viele Rätsel offen sind, viele Figuren noch nicht vollständig durchschaubar sind und der weitere Verlauf erst einmal unklar bleibt.

„Goldene Flammen“ ist ein gelungener Start in die Welt der Grisha, selbst wenn es einige Haken gibt und nicht alle Details logisch aufbereitet wurden. Doch der Verlauf ist spannend und abwechslungsreich, die Welt lebendig beschrieben, auch die Ich-Perspektive, aus der erzählt wird, passt gut zu der Geschichte. Ich verstehe jedenfalls, warum momentan so ein Hype um die Bücher entstanden ist.


Blutblume (Louise Boije af Gennäs)

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Nach dem Tod ihres Vaters will die 25-jährige Sara ihr Leben noch einmal umkrempeln und zieht aus einem schwedischen Dorf in ein winziges Apartment in Stockholm. Das Schicksal scheint es gut mit ihr zu meinen, da sie schnell über einen Gast an eine Anstellung in einer angesehenen Werbeagentur kommt. Doch langsam beschleicht Sara das Gefühl, beobachtet zu werden und meint, immer mehr auffällige Begegnungen zu haben. Doch spielen ihr ihre Sinne einen Streich oder droht ihr tatsächlich Gefahr…?

„Blutblume“ ist der Auftakt eines Romandreiteilers von Louise Boije af Gennäs, die hier nach langer Mitwirkung an einer schwedischen Seifenoper damit ihr Debüt als Buchautorin feiert. Und das macht sie durchaus clever, die Konzeption der Geschichte um Sara ist sehr gelungen. Der Start allerdings ist noch verhalten, lange dauert es, bis die junge Schwedin die ersten Verdachtsmomente hat, zunächst wird ausführlich ihr Aufbruch nach Stockholm und der Start ihres neuen Lebens beschrieben. Das liest sich zwar flüssig und interessant, zumal hier die Figuren eine wichtige Charakterisierung für den weiteren Verlauf bekommen, wirklich spannend ist dies aber noch nicht geraten. Doch dann baut sich langsam, aber unaufhaltsam eine bedrohliche und düstere Szenerie auf, die mit Wahrnehmung und Psyche spielt, die vieles im Verborgenen brodeln lässt, während sich anderes explosionsartig in packenden Momenten entlädt. Immer wieder sind Cliffhanger eingebaut, die den Leser bei der Stange halten und einen sehr kurzweiligen Eindruck vermitteln.

Ein wenig zu kurz kommt dabei aus meiner Sicht die Atmosphäre des Romans. Zwar wird der steigende Druck auf Sara in kurzen, prägnanten Sätzen dargestellt, doch die Stimmung Stockholms oder auch manche zwischenmenschliche Beziehung bleiben dabei etwas blass. Doch es ist sehr unterhaltsam zu lesen, wie man langsam den Hintergründen auf die Spur kommt und die einzelnen Puzzlesteine langsam zusammensetzen kann. Dabei hatte ich gegen Ende zwar eine grobe Ahnung, diese wurde aber in einer sehr gelungenen Auflösung doch deutlich verfeinert und mit vielen überraschenden Details ausgebaut. Das weckt die Lust auf den weiteren Verlauf der Reihe.

„Blutblume“ beginnt etwas verhalten, nicht uninteressant, aber doch recht langsam erzählt. Doch ab dem Zeitpunkt, ab dem die ersten Verdachtsmomente aufkommen, entsteht eine sehr spannende Handlung, die mit vielen psychologischen Elementen spielt. Tempo und Aufregung nehmen immer weiter zu, was in einem sehr packenden Finale gipfelt. Sehr lesenswert!


Die Stadt der Seher (Christoph Hardenbusch)

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Marco schlägt sich als Waisenjunge auf den Straßen von Vastona herum, bis er von dem Orden der Seher aufgenommen wird. Der Geheimbund verspricht ihm Sicherheit, ein Dach über dem Kopf und eine eingeschworene Gemeinschaft. Doch Marco spürt, dass hinter den Gemäuern des Ordens nicht alles mit rechten Dingen zugeht und widmet sich gemeinsam mit seiner Freundin Elena viel lieber dem Studium bei einem Gelehrten und Erfinder…

Christoph Hardenbusch hat mit seinen bisherigen Romanen insbesondere die klassische Fantasy bedient, schlägt mit „Die Stadt der Seher“ nun aber einen anderen Pfad ein und versetzt die Handlung in eine alternative Realität, die sehr an unsere Renaissance erinnert und wie in einer süditalienischen Stadt anmutet. Es ist eine Zeit des Aufbruchs, in der alter Glaube und naturwissenschaftliche Erkenntnisse aufeinandertreffen und für einige Konflikte sorgen, was viel vom Reiz des Buches ausmacht und lebendig in Szene gesetzt wurde. Als Zentrum dafür wurde Marco auserwählt, der im Orden und seiner Ausbildung beide Seiten kennenlernt, beides wirkt aber fast, als würde es nebeneinander laufen, anstatt sich wirklich zu verbinden. Leider haben sich dabei auch einige Ungereimtheiten eingeschlichen, denn der als offensichtlich sehr neugierig und wissbegierig charakterisierte Marco scheint sich nur halbherzig für die Geheimnisse des Ordens zu interessieren und stellt keine sonderlich ambitionierten Nachforschungen an, sodass es eher Zufall ist, dass diese im Laufe des Romans aufgedeckt werden. Und auch ansonsten wirken nicht alle Elemente vollkommen stimmig, die Rolle des Elfen scheint beispielsweise keine sonderliche Bedeutung zuzukommen. Er wirkt, als sollten dadurch die Fantasy-Leser als Fans des Autors befriedigt werden, ein Mensch in der gleichen Rolle hätte keinen großen Unterschied gemacht. Ich mag die andere eingeschlagene Richtung, die eher als Mystery gelten könnte – der Autor hätte sich ruhig ganz dafür entscheiden können.

Der Plot entwickelt sich zunächst etwas langsam, da zunächst die vielen verschiedenen Erzählebenen entdeckt und beschrieben werden wollen. Durch die lebendige Stimmung, die dabei vorherrscht, hat mich dies allerdings nicht sonderlich gestört. Ab der Hälfte nimmt der Roman dann deutlich an Fahrt auf und überschlägt sich dann gegen Ende geradezu – und wird dann leider zu schnell. Es wird zu überhastet erzählt, die einzelnen Elemente kommen gar nicht so recht zur Geltung, die losen Enden werden nicht sauber miteinander verbunden. Das ist schade und verschenkt viel Potenzial, um wirklich zu faszinieren.

Im Grunde bietet „Die Stadt der Seher“ einige sehr gelungene Einfälle und ein interessantes Setting, verbindet die vielen Ideen aber nur lose miteinander, sodass diese wie parallel laufende Geschichten wirken. Die Erzählweise ist anfangs eher bedächtig, am Ende dann aber überhastet. Ich mag viele der Figuren und die verschiedenen Perspektiven, die dadurch eingebracht werden, insgesamt wirkt der Roman aber nicht ganz rund.


Der Lotuskrieg 1: Stormdancer (Jay Kristoff)

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Der Kaiser des Inselreiches Shima hat eine Vision von einem Sturmtiger, einem legendären Wesen, welches längst ausgestorben ist. Er schickt den Jäger Masaru aus, um ihm einen Sturmtiger zu brennen, und dieser nimmt unter anderem auch seine Tochter Yukiko mit auf die gefahrvolle Reise. Als die Gruppe nach einiger Suche tatsächlich auf eines der Wesen trifft und ihr Luftschiff stark beschädigt wird, beschließt Yukiko, dem Sturmtiger zu folgen und ihm vor dem sicheren Tod zu bewahren – nicht ahnend, in welche sie sich damit begibt. Denn der Sturmtiger ist wütend…

Mit „Stormdancer“ hat der australische Fantasy-Autor Jay Kristoff nach vielen erfolgreichen Veröffentlichung nun eine neue Buchreihe um den „Lotuskrieg“ gestartet und konzentriert sich dabei zunächst auf die Erschaffung einer sehr vielschichtigen Welt, die ungewöhnliche Elemente miteinander vereint. Angesiedelt in einem Reich, das Japan mit seiner fremdartigen Kultur erinnert, dazu viele Steampunk-Elemente, aber auch eine angedeutete Götterwelt – da gibt es einiges zu entdecken, was sich trotz der unterschiedlichen Ansätze sehr gekonnt zusammenfügt. Beeindruckend ist auch, wie er die zerstörte Natur, die Umweltverschmutzung und die Auswirkungen auf die Menschen sehr eingängig beschreibt und immer wieder zu einem zentralen Thema werden lässt. Auch Diktatur und unterdrückte Meinungsfreiheit sind gesellschaftskritische Aspekte, die er in dieser dystopischen Aussicht gekonnt verbindet und Parallelen zu unserer Welt deutlich macht. Toll auch, wie ein kleines Magiesystem in die technisierte Welt einfließt und für zusätzlichen Reiz sorgt. Die Charaktere hat er vielschichtig und – seitig beschrieben, sie mit individuellen Eigenschaften und Hintergründen ausgestattet und so lebendig und nahbar gestaltet. Viele sind mir ins Herz gewachsen, bei anderen habe ich geliebt, sie zu verabscheuen oder einen Blick hinter die Masken werden zu können.

Bei den vielen Informationen, die eingeflossen sind, entwickelt sich die Handlung naturgemäß etwas langsam und wirkt gerade zu Beginn recht träge. Mich persönlich hat das jedoch nicht gestört, da ich so gerne in die erschaffene Welt eingetaucht bin und die verschiedenen Winkel erkunden konnte. Ab etwa der Hälfte der Handlung ist dann aber auch eine deutliche Steigerung des Tempos bemerkbar und verschärft sich dann immer weiter, jedoch nie auf Kosten der dicht gewebten Stimmung. Das steigert sich zu einem packenden Finale mit einigen unerwarteten Wendungen, in denen der Autor nicht gerade zimperlich mit seinen Akteuren umgeht – genauso, wie ich es von einem Fantasy-Roman erwarte. Noch mehr Eindrücke bekommt man von geschickt eingewebten Rückblicken, die sich organisch zu ergeben scheinen.

„Stormdancer“ hat mich schnell gepackt und nicht wieder losgelassen, sodass mich auch der langsame Start in die Handlung nicht gestört hat – einfach, weil die dystopische Steampunk-Japan-Götterwelt so beeindruckt hat. Später kommen spannende und auch viele humorvolle Momente auf, die Handlung verdichtet sich und hat mich völlig gefesselt, sodass ich mich immer aufs Lesen gefreut habe. Sehr stark!


Das weiße Grab (Lotte und Soren Hammer)

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Konrad Simonsen ist erschüttert über seinen neuen Fall. Und zwar nicht, weil die Leiche der jungen Frau nach Jahren im grönländischen Eis aufgrund der Erwärmung der Erde nur sehr verzögert aufgefunden werden konnte. Sondern weil die Art, wie sie gefesselt und halb entkleidet aufgefunden wird, an einen bereits gelösten Fall erinnert. Doch der vermeintliche Täter saß zum Todeszeitpunkt im Gefängnis und kann unmöglich auch diesen Mord begangen haben…

Nach „Schweinehunde“ und seinem deutlichen Plädoyer gegen Selbstjustiz und für die Rechtstaatlichkeit greift auch der zweite Roman um Konrad Simonsen dieses Thema auf – allerdings in einer ganz anderen Form. „Das weiße Grab“ von Lotte und Soren Hammer beschäftigt sich inhaltlich mit der Unschuldsvermutung und den Problemen, die diese für die Ermittler mit sich bringt. Denn nach dem oben erwähnten Start ist die Identität des Täters schon sehr früh bekannt, es gilt aber, genügend Beweise zu finden, um ihn zu überführen und aus dem Verkehr zu ziehen. Die Autoren lassen keinen Zweifel an seiner Schuld, legen keine falschen Fährten oder versuchen, den Leser zu verwirren. Und dennoch ist ein äußerst lesenswerter Thriller entstanden, der eine ganz eigene Art von Spannung erzeugt und damit ausgetretene Pfade verlässt. Viele gelungene Details und interessante Gedankenspiele reihen sich aneinander und ergeben eine gelungene Ästhetik, die mich schnell gefangen genommen hat.

Dazu gehört auch, dass der Schreibstil des Autorenduos sehr flüssig ist und kurze, aber prägnante Beschreibungen von Personen oder Umgebung bereithält. So entsteht wie nebenbei eine dichte Stimmung und ein gelungener Eindruck von Grönland. Auch der Anteil um die privaten Umstände von Simonsen gefällt mir sehr gut – eher dezent eingebaut und gelungen mit der Handlung verbunden, zudem angenehmerweise ohne psychische, sondern mit rein organischen Problemen. Allerdings irritieren die teilweise etwas unstimmigen Details, beispielsweise wie oft die Ermittler auf nicht ganz legalem Wege ermitteln und dennoch so sehr von der Rechtstaatlichkeit überzeugt sind – der Spannung oder dem Lesefluss hat das bei mir aber nicht geschadet.

Auch „Das weiße Grab“ ist ein starker Thriller mit sehr eigenständigen Elementen. Besonders die lange Gewissheit über die Identität des Täters und den anschließenden Ermittlungen ist sehr gelungen, auch die Geschichte Grönlands ist sehr gelungen eingebunden und bereichert die Handlung mit interessanten Fakten. Eine Prise aus dem Privatleben des Ermittlers und viel Lokalkolorit runden den Thriller gekonnt ab. Lesenswert!


Schweinehunde (Lotte und Soren Hammer)

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Das Bild, das sich zwei Schulkindern in einem Vorort bietet, als sie die Turnhalle ihrer Schule betreten, ist mehr als verstörend: Sorgsam an der Decke baumelnd finden sie grausam verstümmelte Leichen. Konrad Simonsen übernimmt die Ermittlungen und hat bald eine heiße Spur: Bei den Opfern scheint es sich um Täter in Missbrauchsfällen handeln. Während sich in Dänemark schnell eine Welle der Sympathie für die Täter aufbaut, muss Simonsen neben den Ermittlungen auch die aufgeheizte Stimmung beruhigen, um weitere Lynchmorde zu verhindern…

Ich lese gern den klassischen Thriller, aktuell insbesondere diejenigen aus Skandinavien mit ihrer eigenen Ästhetik. Ich mag es aber noch mehr, wenn nicht nur ein spannender Mordfall präsentiert wird, sondern dieser auch gesellschaftliche oder politische Relevanz hat. „Schweinehunde“ von dem dänischen Autoren-Geschwisterduo Lotte und Soren Hammer gehört in diese Kategorie, bindet er doch gleich mehrere brisante Themen ein und führt diese in treffenden Gedankengängen aus. Einerseits wird Pädophilie in die Handlung eingebaut, wobei hier glücklicherweise mit schrecklichen Details gespart wird, sondern ein eher nüchterner Blick darauf geworfen wird, was dennoch eine sehr beklemmende Atmosphäre schafft. Hier wird nicht aufgeheizt und dennoch in aller Deutlichkeit Stellung bezogen. Ähnliches gilt für das Thema der Selbstjustiz, die Funktion des Rechtsstaates – und das ganz ohne trockene Abhandlungen über Politik, sondern sehr lebendig und organisch in die Handlung eingebunden. Das hat Aussagekraft und erschließt sich sehr gut, weil das Thema so lebendig und eingängig aufbereitet wurde.

Der Plot leidet darunter nicht und ist spannend und abwechslungsreich geraten. Die anfängliche Beschreibung über die Zurichtung der Leichen ist schon heftig und setzt ein frühes Ausrufezeichen, doch glücklicherweise ist dies der einzige wirkliche Anflug solch grausiger Details. Später konzentriert sich der Handlung eher auf einen spannenden Verlauf, bei dem durch die Stimmung in Medien und Bevölkerung eine weitere Ebene hinzugefügt wird. Schön ist auch, dass das Ermittlerteam um Konrad Simonsen zwar ein eigenes Profil und eine eigenständige Ausstrahlung haben, das Privatleben aber nicht allzu sehr in den Mittelpunkt gerückt ist und der Fall an sich im Zentrum steht. Ein durchweg spannender und packender Verlauf mit einem furiosen Finale – sehr gelungen!

„Schweinehunde“ ist ein starker Einstieg in die Romanreihe um Konrad Simonsen, bietet gesellschaftliche und politische Themen ebenso wie eine eigenständige Stimmung. Das ist geschickt zusammengefügt und in eine spannende Handlung verpackt, die nie den Druck verliert. An die Erzählweise mit den sehr langen Dialogen musste ich mich zwar etwas gewöhnen und ein paar Passagen erneut lesen, fand diesen dann aber sehr gelungen und lebendig.


Der Zorn der Regenmacher (Timo Leibig)

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Noch lernt Leyna in der Gilde der Siegel, deren Mitglieder mit speziellen Zeichen Magie wirken können. Doch als ihr Vater von einem quallenartigen Gebilde befallen wird und außer einem regelmäßigen Puls und wiederkehrenden Krampfanfällen kaum noch Lebenszeichen von sich gibt, ist sie wild entschlossen, auch ihm zu helfen. Doch der andauernde Regen, der die Stadt von La Harb bereits seit Tagen heimsucht, bringt Unruhe in die Bevölkerung. Währenddessen bekommen Henning und Nante, Schmuggler von den Inseln des Ewigen Schlafs, einen nicht ganz freiwilligen neuen Auftrag…

Timo Leibig hat als Autor bisher vor allem mit Thrillern und Krimis auf dich aufmerksam gemacht, „Der Zorn der Regenmacher“ ist aber ein Fantasy-Roman – und was für einer! Bereits die ersten Kapitel um den schier endlosen Regen und das harte Leben der Bewohner von La Hard hat mich schnell in ihren Bann gezogen, ebenso wie die ersten Szenen um Leyna und später um die Zwillinge Henning und Nante mich fasziniert haben. Die Handlung entwickelt sich schon hier sehr schnell – was auch nötig ist, weil eben kein Mehrteiler vorliegt, sondern die gesamte Geschichte in den knappen 450 Seiten erzählt wird. Dennoch ist die von Leibig erschaffene Welt sehr eingängig geraten, das Leben in der Gilde und in La Harb an der Küste mit ihren vielen Fischern, andererseits die raue Szenerie um die wilden Piraten in heruntergekommenen Kaschemmen oder auf dem Sitz der Schmuggler – alles wirkt sehr lebendig und greifbar. Toll auch, wie die trübe Stimmung des ewigen Regens allgegenwärtig scheint, ebenso wie das Meer eine wichtige Rolle spielt und ebenso die Atmosphäre des Romans beeinflusst. Sehr gelungen finde ich, wie neben den drei erwähnten Hauptfiguren auch immer wieder andere Figuren in einzelnen Abschnitten oder ganzen Kapiteln in den Mittelpunkt gerückt werden – und der Zusammenhang zu den anderen Strängen teilweise sehr überraschend aufgelöst wird. Dabei lernt man noch viele interessante Figuren kennen, wie einer selbstbewussten Piratin oder – besonders gelungen – einem eisernen Richter voller Düsternis, der von persönlichem Anspruch und der Rettung „seiner“ Stadt getrieben wird. Das sind keine einfachen Schablonen, sondern vielschichtige und komplexe Figuren, die sich sehr flüssig in die Handlung einfügen.

Ich mag die Steigerung des Tempos, die immer wieder aufkeimenden Schlachten, die viel Action und temporäre Spannung einbringen, aber auch die immer intensivere Bedrohung und der aufkommende Zeitdruck. Dabei ist dennoch auch Platz für ruhige Momente, ja, ganze Tage der Tatenlosigkeit, gespickt mit einigen heftigen Szenen, in denen der Autor mit seinen Figuren alles andere als zimperlich umgeht. Mit der Zeit schält sich dann auch der Kern der Handlung heraus, der große Feind, dessen Intention immer klarer wird. Das ist richtig packend geschehen und endet in einem furiosen Finale, das mit vielen Überraschungen aufwartet. Auch sprachlich ist das sehr ansprechend geraten, treffend, atmosphärisch und abwechslungsreich, zumal in der Wortwahl gut an die jeweilige Situation und die handelnden Personen angepasst.

„Der Zorn der Regenmacher“ überzeugt mit seiner gut gezeichneten Welt, die viele Geheimnisse offenbart und sehr vielfältig geraten ist – ebenso wie die Charaktere, die mit düsteren Geheimnissen und einer markanten Aura gezeichnet wurden. Die abwechslungsreiche und dynamisch erzählte Handlung weiß schnell zu packen und lässt auch bis zum Ende nicht locker, sodass ein sehr intensives Finale erzählt wird. Ein Roman, der mich vollkommen begeistert hat – Timo Leibig kann sich in diesem Genre gern noch öfter austoben.


Die Eisprinzessin schläft (Camilla Läckberg)

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Nach dem tödlichen Unfall ihrer Eltern ist Autorin und Journalistin Erica Falk wieder in Fjällbacka, dem Dorf ihrer Jugend, um sich um das Haus Eltern zu kümmern. Doch auch ihre Jugendfreundin Alexandra ist gerade zu Besuch und wird ermordet aufgefunden. Als sie gefragt wird, ob sie einen Nachruf auf die Verstorbene verfassen will, beginnt sie sich immer mehr auf den Fall zu konzentrieren und stellt Nachforschungen zum Mörder an. Doch auch Patrick Hedström von der örtlichen Polizei ist dem Täter auf der Spur, sodass die beiden sich immer wieder in die Quere kommen – und bald auch Gefühle füreinander entwickeln…

Die Reihe um Erica Falk und Patrick Hedström ist mittlerweile deutlich angewachsen, den Start hat Autorin Camilla Läckberg aber mit „Die Eisprinzessin schläft“ verfasst. Und wie es bei einer Reihe mit wiederkehrenden Ermittlern nun mal (zumeist) der Fall ist, werden auch hier die Charaktere und deren persönliche Situation ausführlich vorgestellt. Und so ist dieser erste Band auch geprägt von den Umständen vom Tod von Ericas Eltern, später auch immer mehr von ihrer aufkeimenden Beziehung zu Patrick Hedström, den sie ebenfalls noch aus ihrer Jugend kennt. Für meinen Geschmack ist gerade dieser Teil etwas zu ausgeprägt, auch wenn dadurch durchaus einige interessante Noten mit einfließen. Die Charaktere sind sehr intensiv beschrieben, man bekommt viele Einblicke in ihre Gefühle und Gedankenwelt, sie sind stark gezeichnet, auch wenn die Autorin dazu neigt, die Ausprägung von Gut und Böse etwas zu stark einzubringen – Grautöne gibt es nur wenige. Sehr gut hat mir gefallen, dass das Tausend-Seelen-Dorf Fjällbacka sehr lebendig und eingängig beschrieben wird und so eine sehr glaubwürdige Stimmung entsteht.

Der Plot ist Läckberg sehr gut gelungen, von dem noch recht langsam erzählten Start entwickelt sich eine spannende Handlung, die sich immer weiter verdichtet und mit vielen packenden Elementen und gelungenen Finten versehen ist. Mir gefällt, dass mehrere Personen verdächtig sind und Motiv und Gelegenheit für den Mord hätten und am Ende dennoch eine ebenso überraschende wie logisch aufgebaute Auflösung präsentiert wird. Die Gedankengänge, die an den Anfang der einzelnen Kapitel gestellt wurden und von verschiedenen Figuren stammen, sind ein gelungener Stilbruch und fordern den Leser immer wieder zum Mitdenken aus, zumal so einige sehr interessante Ideen eingebunden wurden.

„Die Eisprinzessin schläft“ ist als erster Teil der Reihe um die beiden Ermittler noch mit einem recht langsamen Start versehen, da Lebensumständen und privaten Entwicklungen recht viel Aufmerksamkeit gewidmet werden. Das ist keinesfalls langweilig erzählt, mir persönlich gefallen die späteren, sehr intensiv und spannend erzählten Parts aber deutlich besser. Ein lesenswerter Auftakt, der neugierig auf die weiteren Teile der Reihe macht.


10 Stunden tot (Stefan Ahnhem)

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Fabian Risk riskiert für seine Arbeit als Mordermittler den Zusammenhalt seiner Familie und stürzt sich verbissen in einen neuen Fall, in dem ein Mörder scheinbar zufällig und ohne bestimmtes System in der schwedischen Küstenstadt Helsingborg sein Unwesen treibt. Risk hat kaum einen Ansatzpunkt, da der Mörder seine Taten nur aus reiner Lust am Töten verübt…

Stefan Anhem hat mit „10 Stunden tot“ einen Romanzweiteiler verfasst, der in seiner Reihe um Kommissar Fabian Risk den Band vier und fünf markieren. Man sollte sich also vor dem Lesen bewusst sein, dass der Fall am Ende nicht aufgeklärt wird und viele Fragen offenbleiben. Vorkenntnisse aus den anderen Bänden sind zwar nicht zwingend notwendig, da sich die wichtigsten Zusammenhänge schnell erschließen oder einige kleine Erklärungen mitgeliefert werden. Dennoch: Kennt man die Probleme von Fabian Risk, insbesondere in seiner zerrütteten Ehe, kann man noch mehr mitfiebern, dieser Teil der Handlung erschießt sich dann besser. Schön ist, dass sich die Charaktere hier noch einmal weiterentwickeln können und neue Herausforderungen entstehen, was die Bindung zu ihnen noch einmal verstärkt. Sie sind gut beschrieben und bringen einen individuellen Charme mit ein.

IM eigentlichen Fall vereinen sich gleich mehrere Handlungsstränge, die Idee des Würfelmörders ist nur ein Teil davon. Es ist etwas unübersichtlich, was nun im Fokus steht, was gerade ermittelt wird, was wozu gehört. Und das stört den Lesefluss leider etwas, der Roman wirkt dadurch recht ruckelig. Und dann – auch wenn klar ist, dass das Ende offen ist – bleibt doch ein etwas ratloses Gefühl zurück. Sehr positiv anzumerken ist allerdings, dass hier eben nicht nach Schema F erzählt wird, sondern ein sehr eigenständiger und innovativer Roman entstanden ist, die sich auch von den bisherigen Romanen um den schwedischen Ermittler unterscheiden und viele neue Stimmungen mit einbringen.

Es ruckelt an einigen Stellen, der Erzählfluss will sich nicht so recht einstellen, immer hat man das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Dennoch ist „10 Stunden tot“ von Stefan Ahnhem voller interessanter Ideen, packenden Momenten, gelungenen Wendungen und einer gehörigen Portion Grausen, da die Taten sehr brutal verübt werden. Dass die Grenze zum guten Geschmack zwar – mal wieder – gestreift, aber nie überschritten wird, ist dem Autor ebenfalls positiv anzurechnen.


Die Augenzeugin (Anna Bagstam)

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Harriet Vesterberg kehrt nach einem erfolgreichen Karrierestart als Polizistin in Stockholm in ihr kleines Heimatdorf zurück, um ihren Vater zu unterstützen, der mit einer beginnenden Demenz zu kämpfen hat. Doch die Eingewöhnung in das neue Umfeld fällt ihr nicht leicht, insbesondere ihre herrische Chefin macht ihr das Leben schwer. Und schon bei ihrem ersten Mordfall geraten die beiden einige Male aneinander. Dabei scheint nur Hariett den Fall lösen zu können, da sie sich sicher ist, den Täter zu kennen…

Anna Bagstam hat mit „Die Augenzeugin“ ihren Debutroman neben ihrer schwedischen Heimat nun auch in Deutschland veröffentlichen können – wobei das momentan sehr populären Genres des skandinavischen Krimis sicherlich geholfen hat. Der Roman ist allerdings nicht als Stand-Alone konzipiert, es soll sich eine ganze Reihe und die Ermittlerin Harriet Vesterberg anschließen. Und da ist es nur verständlich, dass diese zunächst recht ausführlich vorgestellt und auch ihr privater Hintergrund näher beleuchtet wird. Mir gefällt, dass eben nicht dem Klischee des vom Leben enttäuschten Ermittler entsprochen wird, sondern Hariett im Gegenteil ihre Karriere noch vor sich hat. Ihr werden dabei einige Steine in den Weg gelegt, wobei sie oft auch noch recht naiv und leicht einzuschüchtern wirkt – gerade zu Beginn, denn die Wandlung des Charakters ist hier bereits deutlich zu merken und überzeugend eingebaut. Auch der Teil um den demenzkranken Vater habe ich als gelungene Idee und willkommene Abwechslung empfunden, zumal mich der weitere Verlauf dieses Handlungsstranges neugierig gemacht hat. Allerdings ist anzumerken, dass mit dem anfänglichen Fokus auf diesen Themen der eigentliche Fall recht langsam erzählt wird, was den Einstieg in die Handlung etwas holprig wirken lässt. Im weiteren Verlauf legt sich dieser Eindruck aber wieder und gipfelt sogar in einem packenden Cliffhanger, der neugierig auf die weitere Entwicklung macht.

Ist der Roman erst einmal bei dem Mordfall angekommen, ist dieser gut überlegt und spannend aufbereitet. Bagstam lässt ihre Ermittlerin keinesfalls nur den einfachen Weg gehen, es sind einige gelungene Finten eingebaut, die den Leser auf falsche Spuren locken. Bis recht kurz vor dem großen Finale hatte ich keine sichere Ahnung, wer Täter oder Motiv sein könnten, was dann überraschend aber durchaus stimmig aufgelöst wird. Dabei liegt der Fokus stets auf Harriet und ihren Erlebnissen, nur wenige Szenen am Ende werden nicht aus ihrer Perspektive erzählt. Ungewohnt ist die gewählte Zeitform des Präsens, was mit anfangs etwas irritiert hat, aber auch zu einem sehr unmittelbaren Eindruck des Geschehens beigetragen hat. Die vielen Landschaftsbeschreibungen sind gut eingebunden und ziehen sich nicht in die Länge, sondern verstärken das Lokalkolorit und die vorherrschende Atmosphäre.

„Die Augenzeugin“ ist ein bemerkenswerter Debutroman, wobei neben einer eingängigen und spannend erzählten Geschichte auch einige individuelle Komponenten eingebaut sind – die Unsicherheit der Hauptfigur und die Probleme mit dem erkrankten Vater beispielsweise. Das ist trotz einiger Längen zu Beginn sehr unterhaltsam erzählt und mit einem packenden Handlungsbogen versehen, zumal die Lust auf kommende Bände geweckt wird.


Minus 18 Grad (Stefan Anhem)

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Als im schwedischen Helsingborg ein Auto in einem Hafenbecken versinkt und der Fahrer nur noch tot geborgen werden kann, scheint alles auf einen Unfall hinzudeuten. Doch die Obduktion macht klar, dass der Mann schon zuvor umgebracht wurde. Fabian Risk, der in dem Fall ermittelt, bekommt jedoch einige undurchsichtige Zeugenaussagen präsentiert, ist sich aber sicher, dass noch weitere Todesfälle geplant sind. Währenddessen beschäftigt sich die dänische Polizistin Dunja Hougaard mit dem Mord an einem Obdachlosen, für den sich ihre Kollegen zu wenig zu interessieren scheinen…

„Minus 18 Grad“ ist der dritte Teil der Reihe um Fabian Risk und als solcher auch in Deutschland erschienen, die Ereignisse schließen jedoch an den ersten Band „Und morgen du“ an, während „Herzsammler“ chronologisch gesehen der erste Teil der Reihe ist. Dabei sollte man die Ereignisse der beiden Bände durchaus auf dem Schirm haben, da hier kein sanfter Einstieg mit einigen Wiederholungen geboten ist, Neueinsteiger in die Reihe dürften sich mit der Vielfalt der Charaktere und deren Hintergründe dann etwas schwer tun – insbesondere, weil in diesem Band schnell viele neue Figuren eingebaut werden, was schnell einen komplexen Eindruck macht. Ich musste immer mal wieder rekapitulieren und mir die Zusammenhänge verdeutlichen, was den Lesefluss leider etwas gestört hat. Ein Fokus des Buchs liegt auch wieder auf Fabian Risk als Privatperson mit seiner verkorksten Ehe und vielen neuen Herausforderungen. Darauf muss man sich einlassen, und auch wenn es mir persönlich ein wenig zu viel war, habe ich auch diese Passagen gern gelesen und fand sie unterhaltsam aufbereitet.

Der Kriminalfall ist in zwei recht streng voneinander getrennte Bereiche geteilt, Fabian und Dunja ermitteln unabhängig voneinander in Fällen, die erst einmal nicht viel miteinander zu tun haben, dann aber doch auf unerwartete und sehr kreative Weise zusammengeführt werden. Mir gefällt, dass beide Fälle für sich genommen einen spannenden und kurzweiligen Aufbau haben, was sich durch die Kombination mit vielen weiteren kleinen Verläufen noch verstärkt und so dynamisch und packend wirkt. Die detaillierten Gewaltbeschreibungen sind dabei wieder fester Bestandteil des Romans und sicherlich nichts für schwache Nerven, fügen sich aber passend in das Gesamtgebilde ein.

Die Reihe um Fabian Risk wird im dritten Band um einen weiteren spannenden Fall erweitert, der stellenweise vielleicht etwas zu kompliziert erzählt wurde, aber mit der Teilung in zwei Erzählstränge aber auch einen dynamischen und spannenden Eindruck hinterlässt. Wieder drehen sich viele Szenen auch um das Privatleben des Ermittlers, was die Handlung aber gelungen ergänzt.


Leichengrund (Emelie Schepp)

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Die Leiche einer jungen Frau wird am Strand des Flusses in der schwedischen Stadt Norrköping angespült, die Beine wurden zusammengenäht, um ihr das Aussehen einer Meerjungfrau zu verleihen. Staatsanwältin Jana Berzelius wurde mit dem Fall beauftragt und muss schon bald einen zweiten, identischen Mord mit untersuchen. Sie sieht Parallelen zu Simon Norell, der seit dem Mord an seiner Familie in der Psychiatrie einsitzt. Doch bei ihren Recherchen sieht sie sich immer wieder mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert…

„Leichengrund“ ist bereits der fünfte Band, den Emelie Schepp über ihre Figur Jana Berzelius geschrieben hat. Und im Gegensatz zu vielen anderen, ähnlich gelagerten Thrillerreihen lohnt es sich hier, die Romane in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen, da diese aufeinander aufbauen und gemeinsam auch die Hintergründe der Staatsanwältin beleuchten. Nicht, dass es dabei bereits zu einer Auflösung käme, immer noch bleiben dem Leser wesentliche Hinweise verwehrt, aber genau aus diesen kleinen Andeutungen, den kleinen Puzzlestücken, die hinzugefügt werden, entsteht eine geheimnisvolle und dichte Stimmung. Es wird gerade so viel hinzugefügt, dass ich diesen Erzählstrang voller Spannung weiter verfolgt habe, was mir sehr gut gefallen hat. Dabei versäumt es die Autorin auch nicht, die Figuren wieder sehr eingängig zu beschreiben und ihnen einen authentischen und markanten Ausdruck zu verleihen, was auch durch die vielen Perspektivwechsel und die damit verbundenen Einblicke in verschiedene Figuren gelingt. Die Atmosphäre ist dicht, die Beschreibungen der Umgebung lebendig und nicht zu ausschweifend, sodass ein flüssiger Verlauf entsteht.

Der Fall an sich ist mit der Idee der „Meerjungfrauen“ sehr gelungen und weckt schnell das Interesse des Lesers, davon geht eine düstere Faszination aus, die durch viel Zeitdruck verstärkt wird – der Mörder scheint nämlich bereits ein weiteres Opfer in seiner Gewalt zu haben. Etwas schade ist es, dass recht zu Anfang ein Hinweis gestreut wird, der mich zu einer bestimmten Vermutung über die Identität des Mörders geleitet hat – und diese hat sich dann auch bestätigt. Leider wurde auch zwischendurch nicht für viel Ablenkung von dieser Spur gesorgt, die eine oder andere falsche Fährte hätte sicherlich für mehr Irritation beim Leser geführt. Spannend und aufregend ist „Leichengrund“ dennoch geraten.

Auch der fünfte Teil um Staatsanwältin Jana Berzelius trägt kleine Fragmente um das große Geheimnis um diese Figur bei, welches dadurch noch rätselhafter wirkt. Auch der Fall an sich ist gut konzipiert und trotz einer recht offensichtlichen Spur zum Täter spannend und packend geschrieben sowie mit einer dichten Atmosphäre versehen. Lesenswert!


Herzsammler (Stefan Ahnhem)
 

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Fabian Risk, angesehener Ermittler bei der Stockholmer Polizei, ist mit seinen Eheproblemen beschäftigt, das ständige Auf und Ab in seiner Beziehung kostet ihn viel Kraft. Und dennoch muss er den Fokus auf einen politisch äußerst brisanten Fall lenken: Der Justizminister ist nach einer Sitzung im Parlament nicht zu Hause angekommen und gilt seitdem als vermisst. Risk, dem eigentlich strenges Stillschweigen auferlegt wurde, muss die eine oder andere Grenze überschreiten, um den Fall zu lösen…

Fabian Risk kennt der geneigte Leser bereits aus „Und morgen du“ aus der Feder von Stefan Anhem, mit „Herzsammler“ hat er den zweiten Band der Reihe vorgelegt – und dieser ist zeitlich vor dem anderen Fall angesiedelt. Sicherlich macht das für die eigentlichen Ermittlungen keinen sonderlich großen Unterschied, in der Entwicklung des Privatlebens des Ermittlers und in Bezug auf einige polizeiinterne Angelegenheiten bringt das aber eine interessante Note mit ein. Vieles ergibt nun einen engeren Sinn, zumal es mir viel Spaß gemacht hat, dass näher auf einige Hintergründe eingegangen wird und viele Zusammenhänge klarer sind. Das Privatleben von Risk nimmt stellenweise etwas zu viel Raum ein, die Streitereien mit seiner Frau sind aber treffend und vielseitig dargestellt. Die Darstellung der Charaktere ist sehr gut gelungen, man bekommt einen offenen Eindruck von ihnen und kann Beziehungen mit ihnen aufbauen – insbesondere da Fabian Risk ein recht bodenständiger und normaler Typ ist, der mal ganz ohne psychischen Knacks auskommt.

Die Handlung ist in zwei verschiedene Stränge aufgeteilt, neben dem Verschwinden des schwedischen Justizministers wird auch der Mord an einer jungen Frau im dänischen Kopenhagen erzählt, in dem die engagierte Polizistin Dunja Hougaard ermittelt. Dem Leser ist natürlich klar, dass es einen Zusammenhang gibt, doch wie sich dieser gestaltet, ist lange Zeit unklar, die Verflechtungen werden aber sehr gekonnt zusammengeführt. Diese dynamische Erzählweise mit seinen recht kurzen Kapiteln und den schnellen Wechseln wird durch Einblicke in die Psyche eines Täters ergänzt, der mit seinen Gewaltfantasien und -beschreibungen schockiert. Das ist schon hart an der Grenze geschrieben und sicherlich nichts für schwache Nerven, durch die Themenwahl bekommt der Roman aber auch eine Schärfe verliehen, die die Spannung merklich erhöht.

„Herzsammler“ lässt sich auch gut vor dem eigentlichen ersten Teil der Reihe um Fabian Risk lesen und erzählt einen früheren Fall des Ermittlers, der spannend, dynamisch und ziemlich heftig erzählt wurde. Da wird mit Leser wie Charakteren nicht gerade zimperlich umgegangen, was für eine düstere Faszination und viele spannende Momente sowie eine markante Entwicklung der Geschichte sorgt. Heftig, aber auch lesenswert!


Totenwinter (Will Dean)

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Der Leiter einer Lakritzfabrik stürzt sich im eiskalten schwedischen Värmland vor den Augen seiner Belegschaft in den Tod. Auch die Journalistin Tuva Moodyson, die zufällig vor Ort war, beobachtet den scheinbaren Selbstmord. Doch nicht nur die fast überhastete Beerdigung lässt sie glauben, dass es eben noch keine Selbsttötung war, sondern ein geplanter Mord. Denn die Familie des Toten scheint in großer Angst zu leben…

Will Dean ist nun nicht unbedingt ein typisch schwedischer Name, und tatsächlich ist der Autor von „Totenwinter“ in Großbritannien aufgewachsen. Dem Roman merkt man dies freilich nicht an, viele klassische Elemente werden aus anderen skandinavischen Krimis entnommen, doch insgesamt hat der Roman auch eine sehr eigenständige Wirkung. Dabei konzentriert sich die Stimmung auf die eisige Kälte, die im Winter im westlichen Schweden herrscht und die Menschen beeinflusst, die düster und leicht bedrückend wirkt. Mir gefällt auch, dass die Charaktere sehr gelungen gezeichnet wurden und eine individuelle Ausstrahlung vermitteln. Dabei tauchen einige zwielichtige Gestalten auf, fast jeder at zumindest einige unsympathische Auftritte, was die Stimmung des Romans noch weiter verdichtet hat. Im Zentrum steht Tuva, die aus der Ich-Perspektive berichtet, sodass man unmittelbaren Einblick in ihre Gedanken hat. Dadurch rückt sie nahe an den Leser heran und zeigt viel Herz und Intelligenz, zudem bekommt man einige Andeutungen aus ihrer Vergangenheit – aber eben auch nicht mehr. Viele der angesprochenen Themen klangen sehr interessant, sodass ich gerne mehr erfahren hätte.

Dazu wäre auch mehr Platz gewesen, wenn man einige offene Handlungsstränge vernachlässigt hätte – diese bekommen nämlich keine wirklich zufriedenstellenden Auflösungen. Da wäre es in meinen Augen besser gewesen, sich auf andere Dinge mehr zu konzentrieren. Leider hakt es bei der Handlung auch an anderen Stellen, es gab doch einige Stolpersteine, die den Lesefluss unterbrochen haben. Oft passiert einfach zu wenig, um den an sich gelungenen und gut durchdachten Spannungsbogen durchgängig aufrecht zu erhalten. Das Ende ist dann wieder spannender geraten, die Auflösung kommt zudem überraschend und ist dennoch sinnvoll ausgeführt.

Ein angenehm unblutiger Krimi, der nicht um Aufsehen heischt, sondern mit einer dichten Stimmung punktet. Leider haben sich einige langwierige Passagen eingeschlichen, ebenso wie zu viele Themen nur angedeutet, aber nicht befriedigend ausgeführt wurden. „Totenwinter“ ist sicherlich lesenswert und unterhaltsam, hat mich aber nicht vollkommen fesseln können.


Narrenkrone (Boris Koch)

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Immer noch ist Ycelan von einer dichten Dornenhecke umgeben, dabei liegt die Prinzessin, die die einzige Hoffnung auf Frieden im Land ist, ist hinter den Dornen verborgen. Doch nachdem Ion und Perle einen wichtigen Sieg gegen eine der Feen erringen konnten, die den Fluch ausgesprochen haben, verliert die Hecke an Kraft – auch, weil Ukalion weitere Geheimnisse der Hecke entdeckt…

„Narrenkrone“ ist der direkte Nachfolger von „Dornenthron“, nur gemeinsam bilden die beiden Romane von Boris Koch ein stimmiges Ganzes. Und so setzt die Handlung dann auch direkt beim Vorgänger an, ein zeitlicher Versatz oder ähnliches ist nicht festzustellen, sofort werden alle losen Fäden wieder aufgenommen, sodass es sich empfiehlt, beide Teile direkt nacheinander zu lesen. Der Einstieg ist hier dann auch deutlich schneller und aufregender, einfach weil man die Charaktere schon kennt und diese in Stellung gebracht wurden, eine ausführliche Vorstellung fällt natürlich aus. Die Herausforderungen, die sich die so unterschiedlichen Figuren dabei stellen müssen, sind ideenreich, kreativ und vielseitig geraten, was für viele spannende Momente sorgt. Besonders gut gefällt mir, dass dabei auch die Hintergründe des Fluchs oder das Leben in dem fantastischen Reich weiter thematisiert werden, aber eben nicht alles bis ins Detail aufgeklärt wird – so bleibt immer eine gewisse Mystik bestehen, die sehr gut zur Atmosphäre des Romans passt. Der kurzweilige Verlauf gipfelt in einem Finale, welches jedoch etwas überhastet wirkt und in meinen Augen zu schnell erzählt wurde, sodass einige Dinge gar keinen richtigen Abschluss bekommen haben.

Die Entwicklung der Charaktere ist Autor Boris Koch nicht nur ein stilistisches Mittel, sondern eng mit der Geschichte verbunden. Nur durch die neuen Erkenntnisse und Seiten, die man an den Figuren entdeckt, kann die Handlung so funktionieren, wie es erdacht ist – sehr gelungen. Lediglich der Handlungsstrang um Ion und Perle verliert ein wenig an Kraft und Ausstrahlung, sodass die beiden Figuren mir nicht weiter ans Herz wachsen können – was ich von den anderen so nicht behaupten kann. Die im ersten Band ausgestreute Saat geht auf und verlieht den Charakteren eine starke Wirkung, die mich hat mitfiebern und mitleiden lassen.

„Narrenkrone“ kann sich gegenüber dem ersten Teil noch einmal steigern, gerade weil das Tempo von Anfang an hoch ist und die Geschichte sofort wieder packen kann – auch dank der liebenswerten wie ausdrucksstarken Figuren. Das Finale ist zwar zu schnell erzählt, um seine Wirkung voll entfalten zu können, schließt den Roman aber dynamisch und aufregend ab.


Imperator (Kai Meyer / Lissanna Surborg)

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Anna lässt ihre Heimatstadt hinter sich und reist nach Rom, der Stadt, in der ihre Eltern groß geworden sind. Doch nachdem ihre Mutter getötet wurde und ihr Vater wegen eben dieser Tat im Gefängnis sitzt, will Anna Licht ins Dunkel bringen. Ihr Onkel nimmt sie bei sich auf und nimmt sie mit auf seine Touren als Papparazzi. Was sie von dem geheimnisvollen Spartaco halten soll, der ebenfalls mit Schnappschüssen der vielen Filmsternchen sein Geld verdient, weiß sie jedoch nicht. Währenddessen wird der ehemalige Polizist Gennaro Palladino, der mittlerweile als Privatdetektiv arbeitet, von einer reichen Witwe damit beauftragt, den Tod an ihrem Geliebten aufzuklären…

„Imperator“ hat Kai Meyer ursprünglich als Hörspielreihe konzipiert, doch die Geschichte sollte nicht nur aus Boxen und Kopfhörern schallen. Und so hat sich Lissanna Surborg daran gemacht, die Manuskripte anzupassen und in Romanform zu bringen. Dem Ergebnis merkt man diese ungewöhnliche Kollaboration nicht an, da nicht nur viele typische Ideen von Kai Meyer eingeflossen sind, sondern auch sein Schreibstil und seine Wortwahl gelungen aufgegriffen wurden. Das wirkt wie aus einem Guss, braucht aber etwas, um in Schwung zu kommen. Die ersten Seiten um Annas Aufbruch und auch danach einige weitere Szenen sind zwar kurzweilig geraten, doch nach ihrer Ankunft und den ersten Einsätzen als Papparazzi gibt es so einige Passagen, die nicht so recht zünden wollen und für meinen Geschmack zu langsam erzählt wurden. Dann kommen die Ereignisse noch ohne übernatürliche Elemente aus, auch insgesamt ist die Geschichte nicht so fantastisch angehaucht wie andere Romane des Autors. Vieles wirkt sehr realistisch und könnte so oder so ähnlich tatsächlich passiert sein, die wenigen Mystery-Anteile und deren Zusammenhänge wissen aber sehr zu überzeugen.

Die Teilung der Handlung in mehrere Stränge sorgt für viel Dynamik. Anna und Palladino sind als Hauptfiguren auszumachen, die meisten Szenen drehen sich um die beiden. Im Laufe der Zeit nimmt aber auch Spartaco eine immer größere Rolle ein. Drei sehr unterschiedliche Figuren, die jedoch nicht immer völlig tiefgreifend ausgeführt wurden. Es gibt zwar einige Passagen, in denen die näher auf die drei eingehen, doch einige Handlungen wirken dennoch nicht ganz stimmig. Interessant ist auch, dass sich die beiden Hauptstränge nur selten und dann auch nur flüchtig kreuzen und trotzdem eine sehr miteinander verbundene Handlung erzählt wird. Die Themenwahl ist dabei ebenso vielfältig wie ungewöhnlich und bestechend: Die italienische Filmindustrie der frühen 60er Jahre mit ihren Auswüchsen, der noch nicht lange zurückliegende Krieg und der Nachhall des Faschismus, Geheimbünde und düstere Rituale, natürlich die Mafia, aber eben auch ein enger Bezug zum römischen Reich und seinen Imperatoren. Das alles unter einen Hut zu bringen ist Kai Meyer hoch anzurechnen. Zudem wirkt das alles sehr frisch und unverbraucht, was eine sehr individuelle Stimmung des Romans erzeugt.

Die Konzeption als Hörspielserie geschuldet bleiben viele Rätsel ungelöst, viele Themen offen, Verbrechen ungesühnt, auch wesentliche Fragen doch ungeklärt. Zwar gibt es gleich mehrere packende Finale – für jeden der drei Hauptfiguren eines – doch das ist höchstens ein Etappenziel. Das hat mich zwar etwas unbefriedigt zurückgelassen, doch der aufregende Epilog macht dann noch mehr Lust auf zu Fortsetzung. Ein lesenswerter Roman, sehr gelungen adaptiert und sehr individuell!


Dornenthron (Boris Koch)

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Das Kaiserreich wird von 13 Königen regiert, doch die Völker leiden unter Dürre, Hunger und Krieg. Doch eine alte Legende scheint Erlösung zu versprechen, denn in der ehemaligen Hauptstadt Ycena soll eine Kaisertochter seit Jahrhunderten schlafen, ihr Retter soll als Erlöser des Reichs erfolgreich sein. Ukalion, der Bastard eines Königs und bei einem Müller aufgewachsen, zieht aus, um der Legende nachzugehen, aber auch die Duftsucherin Tyra sowie das Geschwisterpaar Perle und Ion zieht es in das Zentrum des Reichs…

Als großer Fan der alten Märchen der Gebrüder Grimm und anderen bin ich auch immer wieder interessiert an Neuinterpretationen im modernen Fantasy-Gewand, weswegen mich „Dornenthron“ auch direkt angesprochen hat. Der Roman von Boris Koch ist keine komplette Geschichte, sondern bildet mit dem Nachfolger „Narrenkrone“ einen Zweiteiler. Ich musste mich hier zunächst ein wenig in den Schreibstil des Autors gewöhnen, da die Erzählweise ziemlich langsam geraten ist. Er baut die Schicksale seiner Charaktere sehr sorgfältig auf, fügt viele Feinheiten ein, lässt den Leser an ihren Ängsten, Hoffnungen und inneren Dämonen teilhaben – und das, ohne dass die Handlung dabei wirklich vorangetrieben wird. Das zeichnet ein sehr eindringliches und oft auch bewegendes Bild der Figuren, was schnell eine emotionale Bindung zu mir aufbauen konnte. Ich habe mitgefiebert und mitgelitten, war fasziniert und gefesselt. Aber es hat dann eben doch immer ein kleiner Funke gefehlt, um mich wirklich begeistern zu können.

Die Welt, die Koch gezeichnet hat, ist vielschichtig und bedrückend, eine unheimliche Komponente kommt aber eher gegen Ende des Romans auf. Doch die verschiedenen Beschreibungen des Kaiserreichs und der 13 Königreiche, die Geheimnisse um die versunkene Kaiserstadt und die magischen Aspekte zeichnen ein faszinierendes Bild. Auch die Märchenkomponenten, die eingebaut wurden, haben mir viel Spaß gemacht, so manche große und viele kleine Anspielungen sorgen für einen zusätzlichen Reiz. Die Atmosphäre voller Dürre, Krieg, Unterdrückung und dräuender Revolution steht dazu in einem gelungenen Kontrast und zeigt eine abgründige Version der Märchenmotive.

„Dornenthron“ wirkt über weite Teile zwar eher wie eine Zustandsbeschreibung und ein Rückblick auf die Leben der Charaktere, die Entwicklung ist sehr langsam. Doch die Szenerie ist faszinierend, kombiniert gelungen die bedrückende Stimmung mit Märchenmotiven, das Kaiserreich mit magischen Hintergründen wirkt sehr lebendig, während die Schicksale der Figuren mich berührend konnten. Sehr lesenswert!


Fledermausmann (Jo Nesbo)

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Als ein erfolgreiches norwegisches Model in Australien getötet wird, soll Harry Hole die örtliche Polizei bei den Ermittlungen unterstützen und reist deswegen einmal quer über den Erdball. In Australien angekommen wird er von Polizist Andrew Kensington unterstützt, einem Aborigine. Die beiden verstehen sich zwar gut, geraten in dem Fall aber zunächst an ihre Grenzen. Denn immer mehr hübsche junge Frauen werden vergewaltigt und erwürgt, sodass sie nur die Spitze des Eisberges zu sehen scheinen…

Mit „Fledermausmann“ hat der norwegische Autor Jo Nesbo nach einigen anderen erfolgreichen Romanen eine neue Reihe um seinen Ermittler Harry Hole gestartet, die mittlerweile auf über zehn Bände angewachsen ist und als Neuveröffentlichung vorliegt. Dabei scheint die Figur einige Klischees an den typischen skandinavischen Ermittler zu erfüllen und geht keinesfalls gradlinig durchs Leben, sondern wird von einer Alkoholsucht, depressiven Phasen und dem unbändigen Willen eines Weltverbesserers geplagt. Doch seine Wirkung ist keinesfalls nur destruktiv, sondern auch mit einigen liebenswert verschrobenen Details versehen. Er hat so schnell meine Sympathien bekommen, auch wenn seine Figur hier stellenweise noch etwas oberflächlich betrachtet wird – was in späteren Bänden allerdings noch ausgeschmückt wird. Mir gefällt zudem, dass der Fall eben nicht im düsteren Norwegen spielt, sondern mit Australien als Schauplatz einige ganz andere Stimmungen aufkommen. Auch dass man dabei viel über Geschichte und Kultur der Aborigines erfährt, ist im Grunde genommen lobenswert, wird aber für meinen Geschmack zu ausführlich eingebaut und lenkt zu sehr von der eigentlichen Geschichte ab. Diese wäre auch mit weniger Hintergrundwissen ausgekommen.

Der Plot an sich ist zwar durchdacht und stimmig, erliegt manchmal dann aber doch einigen Klischees in der Handlung und wird dadurch stellenweise vorhersehbar. Auch wirken nicht alle Handlungen der Charaktere vollkommen glaubhaft und verhalten sich eher so, wie es der Spannung zuträglich ist oder die Handlung vorangetrieben wird. Spannung kommt dabei dennoch auf, zumal auf einige gesellschaftskritische Themen gelungen eingegangen wird.

„Fledermausmann“ ist sicherlich nicht der stärkste Teil der Reihe und beginnt noch etwas verhalten. Zu viele Hintergrundinformationen zur Geschichte Australiens sorgen für einige Längen, der an sich spannende Plot wirkt teilweise konstruiert, sodass nicht immer ein stimmiger und logischer Eindruck entsteht. Unterhaltsam war der Roman dennoch, auch dank der charismatischen Hauptfigur und einigen unvorhergesehenen Wendungen.


Irrfahrt (Oistein Borge)

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Der niederländische Kommissar Meijer kommt in dem Mordfall einer norwegischen Studentin nicht weiter. Obwohl sie mitten in einem Park mit einem Bolzenschussgerät getötet wurde, scheint es keinerlei Zeugen zu geben. Auch die Zahl 13, die auf eine nahe gelegene Parkbank gezeichnet wurde, bringt ihn bei seinen Ermittlungen nicht weiter. Europol-Ermittler Bogart Bull wird zur Unterstützung nach Amsterdam gerufen, doch auch seine Nachforschungen scheinen erst einmal in Leere zu laufen…

Oistein Borge hat seine Reihe um Bogart Bull mit „Irrfahrt“ um einen dritten Band erweitert und versetzt die Handlung erneut in ein anderes Land. Nach Frankeich und Irland geht die Reise für den Europol-Ermittler dieses Mal nach Amsterdam, was wieder für neue Stimmungen sorgt. Es ist sehr gelungen, wie er die Mentalität, die Menschen und die Atmosphäre in der niederländischen Großstadt eingefangen hat und auch dieser Band so einige sehr individuelle Züge hat. Zudem ist der Handlungsort eng mit dem Fall verbunden, was die Authentizität noch einmal deutlich erhöht. Und auch die Charaktere sind wieder sehr scharf umrissen – besonders natürlich Bogart Bull, der sich stimmig weiterentwickelt und gleichzeitig seinen Sarkasmus noch weiter schärft und die Lacher so auf seiner Seite hat. Aber auch die Nebenfiguren auf der Ermittler- wie auf der Verdächtigen- oder Zeugenseite haben klare Kanten und eine individuelle Ausstrahlung verpasst bekommen.

Schön, dass dadurch der Plot eher unterstrichen denn überdeckt wird. Denn dieser ist – wie bereits in den beiden Vorgängerbänden – wieder äußerst gut erdacht. Denn neben dem oben erwähnten Mord an der norwegischen Studentin gibt es noch weitere brutale Taten, die offensichtlich in einem Zusammenhang stehen und dennoch sehr unterschiedlich wirken. Die Ermittlungen werden lebendig, aber dennoch glaubwürdig und bodenständig erzählt – vor allem, weil dem Team nichts durch Zufall in die Hände fällt, sondern genaue Recherchen notwendig sind. Die Spannung wird dabei stetig erhöht, ebenso wie der Druck auf die Charaktere und die durchaus düstere Stimmung.

Auch mit „Irrfahrt“ hat Oistein Borge einen weiteren Volltreffer gelandet und erweitert das Genre des skandinavischen Krimis nicht nur geographisch, was allerdings schon für jede Menge zusätzliche Stimmung sorgt. Denn auch beim Plot hat er mehr als nur einmal um die Ecke gedacht und einige ungewohnte Ideen eingebaut, was für Spannung, Individualität und dennoch auch einen realistischen Eindruck sorgt – auch, weil die Figuren so stimmig gezeichnet wurden. Sehr lesenswert!


Wings of Fire Graphic Novel #1: Die Prophezeiung der Drachen

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Gemeinsam mit vier anderen Drachen wächst der Erdflügler Clay in einer unterirdischen Höhle auf. Denn gemeinsam sind sie Teil einer Prophezeiung, die das Ende der Schreckensherrschaft der drei verfeindeten Königinnen vorhersagt. Doch so langsam regt sich Unruhe unter den drei Drachen, denn sie wollen die Welt, den Himmel und die Sterne sehen. Als sie Besuch von einem mächtigen Nachtflügler bekommen, um die fünf zu inspizieren, scheint ihnen jedoch keine andere Wahl mehr zu haben als die Flucht…

„Wings of Fire“ von Tui T. Sutherland ist als Buchreihe bereits äußerst erfolgreich und wurde nun auch als Graphic Novel adaptiert. Ich bin an diese Umsetzung herangegangen, ohne die Vorlage zu kennen und habe mich schnell in der abenteuerlichen Welt zurechtgefunden. Bereits die ersten Szenen, die die fünf Drachen mit ihren strengen Lehrerinnen in der unterirdischen Höhle verbringen, erzählen viel von der magischen Welt und ihren Hintergründen. Dabei sind einige kreative Ansätze gewählt worden, beispielsweise indem die jungen Drachen in einer Art Theaterstück die Geschichte erzählen, was sehr witzig und unterhaltsam geraten ist. Dabei lassen sich die vielen Informationen noch gut verarbeiten und werden im Lauf der Zeit immer weiter verfeinert und mit neuen Details angereichert, sodass man die Übersicht immer gut behalten kann. Die Handlung ist dabei spannend und abwechslungsreich, da die fünf Hauptfiguren (wobei eben besonders aus der Sicht von Clay erzählt wird) vor immer neue Herausforderungen gestellt werden und in zahlreiche gefährliche Situationen geraten. Ich mag es auch, wie man die Figuren immer näher kennenlernt und neue Seiten an ihnen entdecken kann.

Der Zeichenstil des Graphic Novel ist sehr lebendig geraten und wurde mit kräftigen Farben umgesetzt, die die verschiedenen Stimmungen aufgreifen. Ich mag auch die fantasievolle Art, wie die Drachen gezeichnet sind, besonders die fünf Hauptfiguren sind sehr individuell geraten (was bei einer Figur besonders offensichtlich ist). Doch bei manchen Figuren stößt die Individualität auch an ihre Grenzen, sodass ich Probleme hatte, alle auseinanderzuhalten – dazu ist die Drachenmimik anscheinen der menschlichen zu unähnlich. Doch es gibt auch viele sehr kreativ gelöste Seiten mit einem ungewöhnlichen, aber sehr gelungenen Ablauf, beispielsweise wenn Clay durch einen langen, finsteren Tunnel tauchen muss.

„Die Prophezeiung der Drachen“ hat mir sehr gut gefallen, und zwar nicht nur weil die Zeichnungen vielseitig, lebendig und treffend geraten sind. Die Handlung ist zudem sehr spannend und kurzweilig, der abenteuerliche Ablauf wird mit vielen Hintergrundinformationen zu der Welt der Drachen ausgeschmückt. Eine sehr gelungene Umsetzung, die auch ohne Kenntnis der Buchvorlage sehr gut funktioniert.


Die Chroniken von Alice - Dunkelheit im Spiegelland (Christina Henry)

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Mit zwei Bänden von den „Chroniken von Alice“ hat Christina Henry eine zusammenhängende Neuinterpretation des bekannten Jugendbuchs erzählt. Doch die Ideen für ihre Figuren sind ihr danach nicht ausgegangen, sodass sie noch einen dritten Band geschrieben hat, der mit vier Kurzgeschichten mit den von ihr erdachten Charakteren gefüllt wurden.

Hatcher, der als blutiger Axtmörder bekannt ist, steht in einer davon im Mittelpunkt, allerdings wird seine Zeit als Nicolas beschrieben, also eine Art Prequel. Zwar macht es durchaus Spaß, mehr über die Hintergründe der Hauptfigur zu lesen und ihn aus einer anderen Perspektive zu erleben, doch wirkliche Spannung mag dabei nicht aufkommen. Das Interesse ist bei mir zwar geweckt, wird aber durch einige eher langwierige Passagen immer wieder etwas gedämpft.

Zwei weitere Kurzgeschichten legen den Fokus wieder auf Alice, erzeugen aber ganz verschiedene Stimmungen. Dabei ist eine kurze, actiongeladene Handlung mit einer düsteren Ausstrahlung und einer gewohnt großen Prise Horror und Blut, die im bisherigen Stil gestaltet ist und wie ein kleiner Ausschnitt aus den bisherigen Büchern wirkt. Die andere Episode handelt von einem Geheimnis, das Alice bisher vor jedem (inklusive des Lesers) geheim gehalten hat. Auch hier sind einige gelungene Ansätze vorhanden, ist aber wie die Geschichte um Hatcher / Nicolas zu langsam erzählt und lässt so weder Tempo noch Dynamik aufkommen.

Die vierte Kurzgeschichte dreht sich um Alice‘ Schwester Elisabeth und wird somit als neuer Charakter vorgestellt, die ein Wiedersehen mit dem Jabberwock hat. Man ahnt bereits, dass hier wieder eine sehr düstere und bedrohliche Stimmung aufkommt, was auch gut funktioniert, allerdings auch etwas wie ein bereits bekannter Aufguss wirkt. Zwar gibt es ein paar gelungene Twists, wirklich überraschen kann die Geschichte mich aber nicht.

Ich mag wieder die kreative Sprache und die finsteren Gedanken, die Christina Henry der bekannten Geschichte injiziert hat und ihr so eine bösartige Wendung verleiht. Das funktioniert allerdings hier nicht ganz so gut wie in den beiden Vorgängerbänden und gerät etwas zu langatmig, um mich wirklich fesseln zu können. Es macht Spaß, die bekannten Figuren (und einige neue) zu treffen, ein wenig mehr von den bekannten Twists wäre hier aber schön gewesen.


Der schwarze Sommer (Gard Sveen)

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Bei einem Bombenanschlag kommt der ehemalige Botschafter Leif Wilberg ums Leben, während seine Frau spurlos verschwunden ist. Tommy Bergmann, der zufällig in der Nähe des Anschlagsortes wohnt und direkt erste Hinweise sammeln kann, übernimmt für den Verfassungsschutz die Ermittlungen und findet schnell eine Spur in die Vergangenheit, als Wilberg noch in Beirut im Einsatz war. In der vom Bürgerkrieg geprägten Zeit musste der Botschafter mehrfach um sein Leben kämpfen, schien jedoch auch in einige dubiose Machenschaften verwickelt zu sein…

„Der schwarze Sommer“ von Gard Sveen ist Teil einer ganzen Buchreihe um den Ermittler Tommy Bergmann, kann aber dennoch auch unabhängig von den anderen Teilen gelesen werden. Die wichtigsten Informationen um die charismatische Hauptfigur ergeben sich aus dem Zusammenhang, der Fall an sich ist wieder in sich abgeschlossen. Wie bereits zuvor auch wird hier im Umfeld von Diplomatie, Spionage und internationalen Verwicklungen ermittelt, was aber sehr spannend umgesetzt ist und auch die politischen Themen sehr unterhaltsam wirken lässt. Besonders gelungen ist dabei, dass der Leser nicht nur von den aktuellen Ereignissen erfährt, sondern in einem zweiten Handlungsstrang auch von Leif Wilbergs Zeit in Beirut in den 1980er Jahren berichtet wird. Das lässt die Szenerie des Bürgerkriegs sehr lebendig wirken und sorgt mit einigen sehr heftigen Szenen und einem unverblümten Blick auf die dunkle Seite des Menschen für einen sehr prägnanten Eindruck. Ich mag, wie die verschiedenen Themen dabei sehr gekonnt verknüpft werden und so langsam ein komplexes Gesamtbild ergeben.

Auch die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart ist sehr gelungen, da sich beide Handlungsstränge gegenseitig beeinflussen, Stimmungen aufgreifen oder für kleine Cliffhanger sorgen. Die so entstehende Dynamik lässt auch einige Passagen in den Hintergrund rücken, die die Spannung nicht ganz halten können und eher nebensächliche Informationen präsentieren. Dabei gefällt mir auch, wie markant die Charaktere gestaltet sind und wie ihre Aura die Stimmung der Handlung weiter beeinflusst, ohne dass allzu viel aus deren privatem Umfeld erwähnt wird.

Ein weiterer sehr spannender Teil aus der Buchreihe, die neben dem skandinavischen Ansatz auch die fremdartig und erschreckend wirkende Szenerie aus dem Bürgerkrieg in Beirut sehr atmosphärisch darstellt. Die beiden so entstehenden Handlungsstränge ergänzen sich gekonnt und ergeben einen spannenden und abwechslungsreichen Verlauf, wobei die Themenwahl einige düstere Ereignisse zutage fördert. Sehr lesenswert!


Kakerlaken (Jo Nesbo)

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Dass ein Mann in einem heruntergekommenen Stundenhotel in Bangkok stirbt, wäre vielleicht nicht mehr als eine Randnotiz gewesen, wenn es sich nicht ausgerechnet um den norwegischen Botschafter handeln würde. Da dieser zudem gut mit dem Ministerpräsidenten befreundet war, sollen die Ermittlungen nicht nur den örtlichen Behörden überlassen werden. Harry Hole wird ebenfalls nach Thailand beordert und entdeckt schon bald ein paar sehr unschöne Seiten seiner Landsleute in dem asiatischen Land…

Mit „Kakerlaken“ hat der skandinavische Autor Jo Nesbo seinen zweiten Roman über seinen Ermittler Harry Hole recht unappetitlich benannt. Und so viel sei schon einmal verraten: Der Mörder benutzt die kleinen Krabbeltiere nicht als Mordwaffe, und dennoch ist ein witziger (und etwas ekliger) Grund für die Benennung des Romans vorhanden. Interessant ist der Wechsel des Schauplatzes, denn während die meisten „Schweden-Krimis“ eben meist auch im nördlichen Europa spielen, wurde die Handlung hier zu großen Teilen nach Thailand versetzt. Das beeinflusst die Atmosphäre des Thrillers auch merklich und fügt einige sehr ungewöhnliche Stimmungen mit ein, exotisch, aber auch mit einem gelungenen Perspektivwechsel. Mir gefällt aber noch besser, dass die Augen vor den Problemen des Landes nicht verschlossen, sondern knallhart angesprochen werden – für eine große Portion Gesellschaftskritik ist also gesorgt, wobei der Anteil der Europäer keineswegs verschwiegen, sondern eher noch betont wird – sehr gelungen. Dazu passt dann auch, dass die Charaktere wieder sehr markant in Szene gesetzt werden. Vom alkoholkranken Harry Hole kann man noch viel mehr erfahren, beispielsweise eine recht komplexe Beziehung zu seiner Familie, aber auch die anderen Figuren sind sehr individuell gestaltet – innerlich wie äußerlich. Dank prägnanter Beschreibungen bekommt der Leser nämlich auch davon einen guten Eindruck.

Auch der Plot weiß dabei zu gefallen, da bereits schnell eine spannende Handlung entsteht und diese durch einen kontinuierlichen Informationsfluss gehalten werden kann. Dabei hat der Autor nicht an Verdächtigen gespart und einige falsche Fährten ausgelegt, die auch vom Ermittler selbst verfolgt werden. Dennoch wirkt dieser keinesfalls planlos oder konfus, sondern arbeitet sich kontinuierlich weiter voran und erfährt immer weitere entscheidende Details, die langsam ein Komplettbild zusammensetzen. Bis kurz vorm großen Finale ist der Täter dann auch nicht enttarnt, die Aufregung also wirklich bis zum Ende durchgezogen.

„Kakerlaken“ gefällt mir äußerst gut, nicht nur wegen des markanten Ermittlers und den sehr gelungenen Nebenfiguren, sondern auch wegen des Wechsels des Schauplatzes, der eine ganz andere Stimmung mit sich bringt. Der Blick in menschliche Abgründe ist dabei allgegenwärtig und unterstreich die Wirkung der spannenden und abwechslungsreichen Handlung. Sehr lesenswert!


The Age of Darkness - Schatten über Behesda
 

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Während Ephyra nach der Trennung von ihrer Schwester Beru immer noch wild entschlossen ist, ihr das Leben zu retten und sich auf die Suche nach dem geheimnisumwitterten Eleasarkelch macht, hat Jude als Wächter der Garde zwar den wahren Propheten Anton gefunden, seinen Posten jedoch gefährdet. Ihm steht das Urteil des Tribunals kurz bevor, welches über sein weiteres Schicksal entscheiden soll. Währenddessen versucht Prinz Hassan mit allen Mitteln, die Krone über seine Heimatstadt zurückzuerlangen und muss zwischen dem kleineren von zwei Übeln wählen…

Bereits der erste Band von „Age of Darkness“ hat nicht nur eine oder zwei, sondern gleich fünf Hauptfiguren in den Mittelpunkt gerückt, und während sich diese Handlungsstränge im ersten Band immer mal wieder kreuzten, rücken sie hier noch einmal näher zusammen und steuern auf ein großes Finale zu, bei dem alle Figuren erstmals gemeinsam vereint sind. Doch vorher hat jeder von ihnen noch eine andere Herausforderung zu meistern, was in den verschiedenen Sichtweisen gelungen geschildert werden. Dabei gibt es einige aufregende Szenen mit heftigen Kämpfen und heftigen Szenen, im Gegensatz dazu werden aber auch die emotionalen Verwicklungen, die sich im ersten Band bereits andeuteten, noch weiter ausgeführt. Dabei ist besonders berührend, wie Jude zwischen seiner Pflicht und seinem Gefühl hin- und hergerissen ist und sich sein wahres Ich nicht eingestehen kann. Es gibt dazu noch zwei weitere unerwartete Liebesbeziehungen, die allerdings bei weitem nicht so ausgeprägt sind und sich auch nicht vollständig einfühlen sollen, aber dennoch stimmig zur Charakterentwicklung beitragen. Und auf dieser Ebene gibt es überall einiges zu entdecken. So macht Ephyra nach dem Verlust von Beru eine bedrückende Wandlung durch, die einen großen Eindruck hinterlassen hat. In ihrem Handlungsstrang kommt noch eine gelungene Abenteuer-Komponente mit auf, der ebenfalls sehr unterhaltsam geraten ist. In andere Handlungsstränge ist auch ein feiner Humor eingebaut, sodass ein stimmiger Mix aus verschiedenen Stimmungen entstanden ist.

Neben dem aufregenden Plot auf verschiedenen Ebenen gibt es auch viele weitere Informationen zu der Welt von „Age of Darkness“, die die verschiedenen Gaben aus einer anderen Perspektive betrachten lässt, geheime Identitäten auf überraschende Art aufdeckt, weitere Hintergründe über die geheimnisvollen Propheten enthüllt und magische Artefakte in das Zentrum des Interesses rückt. Das macht die Welt noch deutlich komplexer und vielschichtiger, dennoch ist alles gut verständlich und sinnvoll aufgebaut, die einzelnen Teile fügen sich sehr gelungen zusammen. Die Wortwahl ist präzise und abwechslungsreich geraten, wobei in einer Situation die deutsche Sprache eindeutig an ihre Grenzen stößt und einige unpassende Hilfskonstrukte verwendet, die immerhin kreativ gelöst sind: Das amerikanische „they“ für eine Person, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht eindeutig zuordnen lässt, schießt mit einem „sier“ leider am Ziel vorbei.

„Schatten über Behesda“ setzt die „Age of Darkness“-Reihe sehr gekonnt fort und lässt den Leser von mehr über die Charaktere erfahren, die sich stetig weiterentwickeln und neue Seiten an sich selbst entdecken oder zulassen. Doch auch das Wissen über die Welt und ihre Hintergründe wird vertieft und mit vielen gelungenen Details ausschmückt, wobei die Spannung durchgängig hoch ist und auf ein packendes Finale zusteuert, das die Erzählung noch einmal in eine andere Richtung lenkt. Sehr lesenswert!


Rotkehlchen (Jo Nesbo)

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Harry Hole, der erst vor kurzem zum norwegischen Staatsschutz gewechselt ist, bekommt Hinweise auf einen geplanten Anschlag auf ein Mitglied des Königshauses. Schnell kann er einen Zusammenhang zum Nationalsozialismus, der auch in Norwegen immer noch fanatische Anhänger hat. Doch während seiner Ermittlungen stößt er auf Hinweise, die auf ein riesiges Netzwerk hinweisen – und dieses scheint auch Hole ins Visier genommen zu haben…

„Rotkehlchen“ heißt der dritte Teil der Reihe von Jo Nesbo um seinen Ermittler Harry Hole, wobei er seine labile Hauptfigur hier noch intensiver darstellt. Nur schwer bezwingbare Alkoholsucht, Depressionen und manische Züge, die ihn wie besessen in seine Arbeit stürzen lassen, aber auch ein ungewöhnlicher Blick auf die Welt und der Wille, alles und jeden verstehen zu können – so entsteht trotz einiger Klischees des typischen Ermittlers in „Schweden-Krimis“ eine sehr eigenständige Figur, die mit ihrer düsteren Ausstrahlung auch hier eine ganz besondere Stimmung mit sich bringt – übrigens auch wenn man die vorigen Bände nicht gelesen hat, die wesentlichen Zusammenhänge erschließen sich hier auch im Zusammenhang. Dieser Teil ist sehr reizvoll geraten und bereichert besonders die Atmosphäre des Romans, nimmt aber vielleicht etwas zu viel Raum ein und neigt dazu, zu sehr von der eigentlichen Handlung abzulenken – auch wenn mir auch die privaten Probleme von Harry zugesagt haben und diese interessant aufbereitet und vertieft wurden.

Der Fall an sich ist recht komplex geraten und hat viele Verbindungen zur Zeit des Nationalsozialismus, mischt auch immer wieder Szenen aus der Vergangenheit und dem zweiten Weltkrieg unter, lässt die aktuellen Ereignisse durch eine lange Verkettung von Umständen erscheinen. Das ist vielseitig und sehr atmosphärisch geraten und mit vielen Bezügen zur Geschichte gestaltet, sodass der Leser auch noch mehr gut recherchiertes historisches Wissen erlangt. Die Zusammenhänge sind lange nicht klar, was schon viel Aufmerksamkeit vom Leser verlangt, was aber auch sehr spannend geraten ist. Die Auflösung lässt sich dann auch erst kurz vor Schluss erahnen und wird in einem sehr gelungenen Coup aufgedeckt, welcher den Roman gekonnt abschließt.

„Rotkehlchen“ ist mit seinen engen historischen Bezügen und spannenden Entwicklungen gekonnt und abwechslungsreich erzählt, wurde vom Autor sehr gekonnt recherchiert und präsentiert mit dem Nationalsozialismus ein weiterhin aktuelles Thema. Doch auch die Hauptfigur wird gekonnt dargestellt, Harrys innere Dämonen werden noch facettenreicher ausgeführt, was dem Roman zusätzliche Würze verleiht. Sehr lesenswert!


Der Käfig (Lilja Sigurdardottir)

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Obwohl Agla bereits einen großen Teil ihrer Haftstrafe abgesessen hat und kurz vor der Entlassung steht, hat sie ihren Lebensmut fast verloren – der Liebeskummer wegen ihrer Exfreundin Sonja beschäftigt sie immer noch. Doch als sie einen neuen Auftrag bekommt, um über Unregelmäßigkeiten in der Aluminiumbranche Islands zu recherchieren, fasst sie schnell wieder Feuer – vielleicht auch wegen der Bekanntschaft zu einer anderen Insassin…

In „Der Käfig“ wählt die isländische Autorin Lilja Sigurdardottir einen ganz anderen Weg für den Abschluss ihrer Island-Trilogie und macht einen Schwenk von der bisherigen Hauptfigur Sonja weg zu ihrer ehemaligen Partnerin Agla – Haupt- und Nebenfigur tauschen hier ihre Rollen. Der Handlungsstrang um Sonja wird zwar noch fortgeführt und mit einigen gelungenen Wendungen versehen, doch die Handlung konzentriert sich eben mehr auf die inhaftierte Agla. Auch bei ihr gibt es viele neue Herausforderungen im Privatleben, auch ihre Zeit im Gefängnis wird dabei gelungen thematisiert. Dem gegenüber steht noch ein ebenso interessanter Handlungsstrang um die investigative Journalistin Maria, eine Gegenspielerin von Agla, und ihren Sohn Tomas, was noch einmal eine ganz andere Stimmung verbreitet und eine packende Ebene hinzufügt. Die Charaktere kommen dabei sehr gut zur Geltung, wobei niemand so richtig sympathisch und zugänglich wirken will. Diese gesunde Distanz funktioniert aber gut, da man sich so auf die eigentliche Handlung konzentriere kann.

Diese wird konsequent und der spannend erzählt, geht aber wiederum auch völlig weg von der bisherigen Drogenthematik. Wirtschaftskriminalität und Spekulationen mit dem Aluminiumpreis in Island klingen zwar nach einer eher trockenen Angelegenheit, was aber doch spannend und mit einer dichten Stimmung umgesetzt wird. Die Erzählweise in sehr kurzen Kapiteln ist zwar dynamisch und steigert den aufregenden Eindruck, ist aber im Mittelteil auch etwas anstrengend – man hat hier das Gefühl, nicht richtig weiterzukommen. Doch insgesamt ist der Plot gut aufbereitet und wird mit einigen gelungenen Wendungen kurzweilig gehalten.

„Der Käfig“ wendet die Trilogie noch einmal deutlich und verleiht ihr neue Schwerpunkte, rückt andere Figuren in den Mittelpunkt und setzt an einer anderen Thematik an. Das eher trockene Thema wird jedoch spannend erzählt und mit vielen privaten Verwicklungen versehen, was in kurzen, wendungsreichen Kapiteln erzählt wird. Den Charakteren wird Raum zur Entwicklung gegeben, wirklich warm bin ich mit diesen jedoch nicht geworden.


Rattenkönig (Pascal Engmann)

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Als eine junge Frau ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden wird, ist der Täter schnell ermittelt: Ihr rachsüchtiger Exfreund, der gerade Freigang aus dem Gefängnis hatte. Auch Vanessa Frank ist zunächst von seiner Schuld überzeugt, doch spätestens als weitere Frauenleichen gefunden werden, bekommt auch sie ihre Zweifel. Gemeinsam mit Nicolas Paredes beginnt sie mit ihren Ermittlungen und stößt auf eine erschreckende Bewegung im Internet…

Es gibt Thriller, die sich insbesondere mit den Beziehungen zwischen Opfer und Mörder beschäftigen, aber auch solche, die sich aktuellen gesellschaftlichen Themen annehmen. „Rattenkönig“, der zweite Band, den der schwedische Autor Pascal Engmann für seine Ermittlerin Vanessa Frank geschrieben hat, gehört in die zweite Kategorie und greift ein heftiges Problem auf, welches leider sehr real ist. Geschickt baut er viele Fakten über eine Internetbewegung ein und verbindet sie mit ihrer fiktiven Handlung, die gerade dadurch sehr real und sehr bedrohlich wirkt. Dabei ist der Start in die Handlung noch recht ruhig geraten und beinhaltet noch nicht allzu viele Spannungsmomente, dafür kann man die Handlung aus ganz unterschiedlichen Perspektiven betrachten und bekommt so ein dynamisches Bild präsentiert. Trotz der kurzen Kapitel und der immer neuen Situationen, in die man sich hineinversetzen muss, ist das dennoch locker und gut verständlich zu lesen, da die Verknüpfungen zwischen den Erzählebenen schnell klar sind. Später wirkt der Fall dann konzentrierter, verdichteter und zeigt, wie geschickt zuvor die verschiedenen Hinweise ausgelegt wurden. Hier wird es dann so spannend, dass ich das Buch kaum noch aus den Händen legen wollte und unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht.

Auch die Charaktere sind wieder sehr gut gestaltet und überzeugen mit einer sehr eindringlichen Ausstrahlung, was nicht nur für die Hauptfiguren gilt, sondern auch für viele der Nebencharaktere. Die sorgen für weitere Stimmungen und viel zusätzlichen Reiz. Der Schreibstil ist locker und schnell zu lesen, aber keinesfalls profan – es kommen unterschiedliche Atmosphären auf und prägen die Handlung. Auch wie klar der Autor hier Stellung bezieht und wie intensiv er sich mit den gesellschaftskritischen Themen auseinandergesetzt hat, trägt wesentlich zu Gelingen des Thrillers bei.

„Rattenkönig“ ist dank vieler Perspektivwechsel und zahlreicher handelnder Personen dynamisch geraten und nimmt im Laufe der Zeit immer mehr Tempo und Spannung auf. Dabei ist die Verknüpfung fiktiver Ereignisse mit einem aktuellen, gesellschaftskritischen Thema sehr gelungen und mit vielen interessanten Details ausgeschmückt. Gemeinsam mit den ausdrucksstarken Charakteren und atmosphärischen Beschreibungen ist so ein sehr lesenswerter Thriller entstanden, der mich vollkommen überzeugt hat.


Tinte & Siegel: Die Chronik des Siegelmagiers (Kevin Hearne)

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Als Siegelmagier ist Al MacBharrais nicht nur verantwortlich dafür, die Menschenwelt von allerlei übernatürlichen Wesen zu trennen, sondern hat auch bereits einige junge Menschen in seiner Magie ausgebildet. Nur leider sind diese bisher allesamt einen merkwürdigen Tod gestorben. Und so ist Al auch nicht sonderlich überrascht, als sein neuer Schützling Gordie an einem Rosinenscone erstickt ist. Doch als er herausfindet, dass Gordie in finstere Geschäfte verstrickt war, ist er doch erschüttert, denn wie konnten ihm diese kriminellen Machenschaften entgehen…?

Mit „Tinte & Siegel“ hat der amerikanische Fantasy-Autor Kevin Hearne eine neue Reihe gestartet und diese im nördlichen Großbritannien und Irland angesiedelt, wo die Legenden um Feen und Monstern zum Kulturgut gehören. Doch nicht nur diese Mythologie hat er in seinen Roman einfließen lassen, auch zahlreiche andere Ideen hat er aus unterschiedlichen mystischen Geschichten eingebaut – und das auf ziemlich kreative Weise. Es macht Spaß, in diesem gelungenen Mix immer wieder Neues zu entdecken und sich von den unterschiedlichen Einflüssen überraschen zu lassen. Das hatte bei mir den Effekt, mich immer mal wieder näher einem Thema zu widmen und die Hintergründe zu recherchieren, weil mein Interesse an den Themen geweckt wurde. Auch die Art und Weise, wie Magie in der von Hearne erdachten Welt funktioniert und welche Herausforderungen dadurch auf die Protagonisten warten, sind sehr gelungen verknüpft. Ich mag die sehr unterschiedlichen Figuren sehr gern, jeder bringt eine eigenständige Note mit ein – insbesondere natürlich Al, der man kein jugendlicher Held auf der Suche nach seiner Bestimmung ist, sondern schone einiges an Erfahrung gesammelt hat.

Die gesamte Handlung wird durch eine schwarzhumorige Note durchzogen, was für einen lockeren Grundton sorgt und mich oft zum Lachen gebracht hat. Das war gerade am Anfang auch hilfreich, weil das Tempo dort noch sehr niedrig ist und deswegen einige Passagen ohne den Witz etwas zäh geraten wäre. Auch neigt der Autor dazu, immer wieder kleine Nebenarme aufzumachen und sich in gelungen Details zu verlieren. Ich mag es, zu vielen dieser Themen mehr erfahren zu haben, manchmal lenkt es aber etwas zu sehr von der eigentlichen Handlung ab. Gegen Ende ist die Ereignisdichte aber sehr hoch und die Handlung dann sehr spannend, was mir dann sehr gut gefallen hat.

„Die Chronik des Spiegelmagiers“ ist ein sehr unterhaltsamer Vertreter der Urban Fantasy und punktet mit einem treffenden, sarkastischen Humor, kreativen Einfällen, einer gelungenen Verknüpfung verschiedener Mythologien mit der modernen Welt und liebenswert gezeichneten Charakteren. Auch wenn die Handlung anfangs etwas zu langsam erzählt scheint, wird dies durch viele interessante Nebenarme durchgängig sehr unterhaltsam gestaltet.


Der Winter des Propheten (Hakan Östlundh)

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Nach einer Nacht mit ihrem Geliebten explodiert entkommt die schwedische Diplomatin Ylva nur knapp einer explodierenden Bombe in einem Hotel in Sarajevo, während Anders Krantz dabei getötet wird. Ylva lässt die Sache keine Ruhe, sie will unbedingt herausfinden, wer hinter dem Attentat steckt und wem es gegolten hat. Unerwartete Hilfe bekommt sie von Anders‘ Sohn Elias, der nicht nur den Tod seines Vaters zu verkraften hat, sondern selbst schwer erkrankt ist…

Hakan Östlundh hat sich besonders in Schweden bereits einen Namen als erfolgreicher Autor von Kriminalromanen gemacht, mit „Der Winter des Propheten“ hat er allerdings eine neue Buchreihe gestartet, die eher in Richtung Thriller geht. Und so werden in diesem ersten Teil auch die Charaktere ausführlich vorgestellt, mir gefällt allerdings, dass dies innerhalb der Handlung geschieht und so schnell ein hohes Tempo und eine aufregende Szenerie geschaffen wird. Die Bombenexplosion ist ein einschneidender und erschütternder Ausgangspunkt und setzt die Spannung gleich hoch an. Doch der Autor schafft es, diese dann auch fast durchgängig zu halten. Er verknüpft verschiedene Themen mit den Hintergründen der Explosion, beleuchtet die dunkle Seite von internationalen Beziehungen und schafft dabei eine düstere Szenerie, die von der kalten, winterlichen Atmosphäre des Buchs sehr gekonnt unterstützt wird. Lange Zeit ist nicht klar, wer hinter der Tat steckt, was dann nach einigen gelungenen Wendungen gekonnt aufgeklärt wird – und das mit einem überraschenden Effekt, der noch lange nachhallt.

Toll ist, wie er die beiden so unterschiedlichen Hauptfiguren gekonnt einbaut und sie mit Leben füllt, ihnen eine individuelle Lebensgeschichte verleiht und so sehr nahbar wirken lässt, ohne dass es Spannung und Tempo merklich mindern würde. Er lässt den beiden Raum zur Entwicklung, beschreibt gekonnt zwischenmenschliche Beziehungen und passt diese gekonnt an die Themen des Romans an. Dabei wird es stellenweise recht emotional, wodurch besonders Elias aber auch sehr zugänglich wirkt und die Sympathien des Lesers für sich gewinnen kann.

„Der Winter des Propheten“ überzeugt mit einer dichten, winterlichen Stimmung und einem abwechslungsreichen Plot mit vielen Wendungen, die die Handlung kontinuierlich spannend und aufregend gestalten. Die komplexen Hintergründe mit internationalen Bezügen verleihen der Handlung zusätzlichen Reiz. Besonders gefällt mir jedoch, dass die persönlichen Handlungsstränge des ungewöhnlichen Ermittlerduos so stimmig eingebunden sind und dem Roman noch einmal eine andere Ebene verleihen. Sehr lesenswert!


Hidden Worlds – Die Krone des Erben (Mikel Robrahn)

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Mit der Hilfe der Elfe Soleil Boulanger konnte Elliot Craig das Portal nach Avalon öffnen, muss jedoch feststellen, dass die dort lebenden Fabelwesen keinesfalls gewillt sind, die Flüchtlinge aus der Welt der Menschen wieder aufzunehmen. Denn auch Avalon ist gespalten und zwei Parteien ringen um die Macht in der magischen Welt. Elliot hatte auf die Hilfe seiner Mutter gehofft, die er nach vielen Jahren wiedergefunden hat, doch auch hier stellen sich ihm neue Herausforderungen…

Mikel Robrahn, der in der Gaming-Szene bereits viele Fans hinter sich sammeln konnte, hat nun mit „Hidden Worlds“ neues Terrain betreten und erstmals eine Romanserie geschrieben. Nach dem Auftakt im ersten Band und der Vorstellung der beiden Parallelwelten geht es mit „Die Krone des Erben“ nun vor allem in dem geheimnisvollen Avalon weiter. Mein Eindruck von der von Robrahn erschaffenen Welt ist zwiegespalten: Zwar waren bei der Beschreibung der dortigen Gesellschaft und des brüchigen politischen Systems durchaus viele interessante Ansätze vorhanden, die auch im Laufe der Zeit gekonnt ausgeführt werden. Doch leider wirkt Avalon eher wie ein Sammelsurium an unterschiedlichen Ideen, die einem alle recht bekannt vorkommen, aber nicht so recht zusammenpassen wollen. Es gibt zu viele Klischees aus Fantasy-Welten, als dass mich „Hidden Worlds“ richtig in seinen Bann ziehen konnte. Ähnliches gilt für die Charaktere: Nicht unspannend angelegt, aber dann doch für meinen Geschmack zu oberflächlich gestaltet und deswegen nicht wirklich faszinierend.

Leider konnte mich auch die Handlung nicht so recht überzeugend: Viele zu lösende Herausforderungen für Elliot und Soleil wirken konstruiert und aufgesetzt, sie wirken auf mich, als wären sie lediglich eingebaut, um aufregende Situationen zu schaffen und nicht, um die Entwicklung der Handlung oder der Charaktere zu dienen. Zudem wirken die Übergänge etwas holprig, das Tempo insgesamt zu langsam. Doch auch hier zeigen sich viele gelungene Idee und aufregende Ansätze, nur die Ausführung gefällt mir nicht sonderlich – vielleicht auch, weil die verwendete Sprache zu gradlinig ist und keine wirklich bildhafte Stimmung erschaffen kann.

„Die Krone des Erben“ führt den Leser zwar weiter in die Welt von Avalon ein und zeigt, wie sich die dortigen Wesen seit dem Verschluss des Siegels weiterentwickelt haben. Doch auch hier wird nicht nur zu langsam, sondern für meinen Geschmack auch zu oberflächlich erzählt. Wirklich geschickt konstruierte Spannungsbögen sind nicht vorhanden, sondern wirken eher aufgesetzt und gewollt. Schade um die schönen Ansätze, die durchaus vorhanden sind, aber wirklich packen konnte mich auch dieser Band leider nicht.


Mitternachtsmädchen (Jonas Moström)
 

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An der Universität von Uppsala in einem Hörsaal eine ermordete Studentin mit Würgemalen am Hals aufgefunden wird, wird Psychiaterin Nathalie Svensson eingeschaltet. Denn ist nicht die einzige junge Frau, die in letzter Zeit angegriffen wurde – und alle sehen sich sehr ähnlich. Doch Nathalie hat auch noch eine ganz andere Motivation, den Fall aufzuklären: Die tote Studentin ist die Tochter einer guten Freundin…

„Mitternachtsmädchen“ ist bereits der dritte Roman, den Jonas Moström für seine Hauptfigur Nathalie Svensson geschrieben hat. Dass die Handlung wieder in Schweden spielt, ist dabei natürlich nicht überraschend, und wieder hat der Autor die Szenerie der Großstadt Uppsala und deren Umgebung seht gekonnt erfasst, bringt die Stimmung überzeugend herber und lässt Land und Leute lebendig wirken – vielleicht mit Ausnahme ausgerechnet der Hauptfigur. An die Art der Psychiaterin habe ich mich immer noch nicht so recht gewöhnt, ihre kühle und abweisende Wirkung hat sie bereits bisher nur wenig sympathisch wirken lassen. Dass in diesem Band Nathalies Scheidung thematisiert wird, macht die Sache nicht wirklich besser und bringt noch einige unschöne Seiten von ihr zutage – jetzt wird sie auch noch uneinsichtig und kindisch. Diese Passagen haben mir deswegen auch nicht allzu gut gefallen, denn auch wenn sie bei der Arbeit akribisch vorgeht, haben sich die zarten Banden, die ich bisher zu ihr knüpfen können, fast vollständig wieder gelöst. Andere Figuren haben da schneller positive Assoziationen geweckt.

Die Handlung ist hingegen wieder sehr gelungen und geschickt konzipiert. Es gibt einige falsche Fährten und irritierende Richtungen, in die der Leser gelenkt wird, was den Spannungsbogen lange hochhält. Schön ist auch, dass die Einblicke in die Arbeit einer Psychiaterin noch einmal anders sind als bei Kommissaren und so noch einmal andere Schwerpunkte gesetzt werden. Der Fall und die Hintergründe sind gut durchdacht, manche Rahmenbedingungen wirken jedoch etwas konstruiert – beispielsweise dass Nathalie erneut in einem Fall recherchiert, in den die persönlich einbezogen ist. Der Spannung tut dies jedoch keinen Abbruch.

„Mitternachtsmädchen“ ist ein klug durchdachter Thriller, der auch ohne allzu blutige Szenen auskommt und dennoch schnell Spannung aufbaut. Diese hält sich dann auch durchgängig und führt den Leser auf einige falsche Fährten, ohne allzu konstruiert zu wirken. Allerdings sollte man sich nicht auf eine sympathische oder zugängliche Hauptfigur freuen, mit der schroffen Art der Psychiaterin muss man klar kommen.


Scholomance – Tödliche Lektion (Naomi Novik)

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Galadriel, von allen nur El genannt, ist auf der Magierschule Scholomance eine der mächtigsten Schülerinnen. Doch ihre Gabe kann sie nicht einsetzen, da sie nicht nur die umherstreifenden Monster, sondern auch ihre Mitschüler töten würde. Doch die Gefahren, die auf sie lauern, werden immer stärker, und während ihr Kontrahent Orion immer weiter im Ansehen steigt – und Galadriel gerät weiter in die Defensive…

Der Markt an magischen Fantasy-Romanen für Jugendliche hat in den letzten Jahren stark zugenommen, doch nicht immer wird dabei wirklich Neues geboten. Und obwohl man bei dem Stichwort „Magierschule“ direkt Assoziationen zu einer der erfolgreichsten Romanreihen der letzten Jahrzehnte haben dürfte, sollte man sich von diesem Gedanken nicht täuschen lassen: Naomi Novik hat sich für ihren Dreiteiler „Scholomance“ ganz neue Einsätze einfallen lassen und schafft eine ganz eigene Atmosphäre. Die Idee einer Schule ganz ohne Lehrer, die sich von der Energie ihrer Schüler ernährt und immer wieder neue Herausforderungen und Prüfungen bereithält, ist nicht nur faszinierend, sondern auch sehr gut ausgeführt. Zahlreiche Details werden eingebaut und schmücken die erdachte Welt immer weiter aus, das System der Magie wird gekonnt erklärt, die Bedrohung von El und ihren Mitschülern wird überzeugend eingebaut. Die Sache ist nur: Das alles ist so umfangreich, dass zahlreiche Erklärungen notwendig sind – und das bremst gerade zu Beginn die Entwicklung aus. Zwar fügt sich alles interessant und unterhaltsam zusammen, es macht Spaß, diese neue Welt zu erkunden, die Spannung leidet aber unter den vielen Details. So werden vor Kämpfen erst einmal viele Ausführungen eingebaut, bevor es dann auch richtig losgehen kann.

Von Galadriel, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, erfährt man natürlich eine ganze Menge. Sie ist forsch, schroff, aber auch mit einem treffenden Humor gesegnet, der ihr eine wunderbare zusätzliche Ebene hinzufügt. Dabei entwickelt sie sich schon in diesem ersten Band merklich weiter, was stimmig aufgebaut wurde. Ich wurde schnell warm mit ihr und habe mitgefiebert, hingegen sind die meisten anderen Charaktere eher blass geraten. So ist Orion als Els Konkurrent eher eindimensional geraten, einen Blick hinter seine Fassade kann man hier noch nicht werfen – aber das will sich die Autorin vielleicht auch erst für die weiteren Bände aufbewahren. Zum Ende des Romans, wenn die Stimmung richtig ausgereift ist und man unbedingt wissen will, wie es weitergeht, folgt ein wirklich gemeiner Cliffhanger, die das Interesse an dem Nachfolger sehr hochschraubt.

„Tödliche Lektion“ ist ein Aufsehenerregender erster Band der „Scholomance“-Reihe und punktet mit einer sehr ausgefeilten und reizvollen Magierschule mit ganz eigenen Regeln, die sich angenehm von anderen Buchreihen abheben. Das Ganze ist hervorragend ausgearbeitet, was aber auch viele Erklärungen benötigt und die Entwicklung der Handlung bremst. Dennoch: Der Roman macht viel Spaß, ist spannend aufbereitet und mit interessanten Details ausgeschmückt – sehr lesenswert!


Dominotod (Jonas Moström)

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Gleich zwei Ärzte eines nordschwedischen Krankenhauses verschwinden beinahe gleichzeitig. Doch während von Erik Jensen keine Spur zurückbleibt und lediglich ein Dominostein neben seinem Namensschild zurückbleibt, wird Thomas Hoffmann grausam ermordet aufgefunden und vor seinem Tod offenbar mehrere Tage lang gequält. Auch bei ihm wird ein Dominostein gefunden. Psychiaterin Nathalie Svensson soll ein Täterprofil erstellen, doch sie wird bei ihren Ermittlungen gehemmt – ihre eigene Schwester scheint in den Fall verwickelt zu sein…

Mit „Dominotod“ legt der schwedische Autor Jonas Moström bereits seinen zweiten Band um die Psychiaterin Nathalie Svensson vor, nachdem ihm mit „So tödlich nah“ ein durchaus überzeugender Auftakt gelungen ist. Das Privatleben der Hauptfigur nimmt dabei etwas weniger Raum ein als zuvor, wird aber dennoch vertieft, da ihre Schwester eine gute Freundin des verschwundenen Arztes war und sie so selbst zu einer Verdächtigen wird. Die dadurch entstehende Brisanz sorgt für einen zusätzlichen Schub, ist bei näherer Betrachtung aber wohl so nicht möglich – sei es drum. Nathalie Svensson bleibt wie im ersten Band auch sehr kühl und abweisend, sie zeigt nur wenige freundliche oder verletzliche Seiten, sodass es schwerfällt, eine wirkliche Bindung zu ihr einzugehen. Auch hier habe ich wieder einige Zeit benötigt, um mit ihr wirklich warm zu werden. Anders sieht es da schon bei Johan Axberg aus, der als Kommissar in dem Fall ermittelt und eng mit Nathalie zusammenarbeitet, er wirkt positiv, optimistisch und zugänglich. Dieser Kontrast ist reizvoll und bereichert den Fall auf persönlicher Ebene.

Der Plot an sich ist dem Autor sehr gut gelungen und enthält einige spannende Elemente – allein die Idee des Dominosteins bringt gleich zu Beginn ein großes Rätsel mit ein, das erst wesentlich später gelüftet wird. Die Handlung ist sehr unterhaltsam und packend geschrieben, ein stetiger Informationsfluss und ein paar gekonnte Wendungen sorgen für aufregende Momente. Mir gefällt, dass sich der Thriller eher auf der psychischen Ebene abspielt und allzu blutige Details oder aufgesetzte Actionszenen ausgespart wurden, so kann man sich völlig auf die Personen konzentrieren. Mit weiteren Zeitebenen, die in Form von Rückblicken eingebaut sind, wird die Dynamik der Handlung erhöht und sorgt für einen abwechslungsreichen Ausdruck.

„Dominotod“ ist mit seinem packenden Verlauf und der dichten Atmosphäre sehr lesenswert geraten – übrigens auch wenn man den ersten Teil nicht kennt, die wesentlichen Grundlagen ergeben sich aus den Zusammenhängen. Das ermittelnde Duo aus Psychiaterin und Kommissar ist konträr zueinander angelegt, was den Reiz der Handlung deutlich erhöht. Spannung wird schnell aufgebaut und kann dann durchgängig gehalten werden.


Das Lied der Nacht (C.E. Bernhard)

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Es ist nicht mehr sicher im Land, seit die Schatten überhand genommen haben und die Menschen bedrohen, ihnen Schaden zufügen und kein Licht mehr zulassen. Auch der Wanderer Weyd ist entwurzelt und zieht durch das Land – nicht ahnend, dass das Schicksal des Landes eng mit ihm verbunden ist. Er begegnet der Bardin Caer, die mit ihrer Stimme tiefer in die Lieder vordringen kann als andere und auf ein fast vergessenes Lied aus der Vergangenheit gestoßen ist…

„Das Lied der Nacht“ ist das erste Buch, das ich von der Autorin C.E. Bernhard lesen, und es ist auch der erste Band einer Trilogie, sodass man hier zunächst in die so düstere und lichtleere Welt hineingezogen wird – und das gelingt ihr hervorragend. Langsam, aber stetig folgen neue Informationen über die düstere und magische Welt, immer neue Details kommen ans Licht (kleines Wortspiel, welches ich mir nicht verkneifen konnte), sodass sich ein sehr intensives und faszinierendes Bild formt. Bernhard hat es sich nicht nehmen lassen, die von ihr geschaffene Welt sehr eigenständig zu formen, sodass trotz einiger bekannter Elemente ein sehr individueller Eindruck entsteht – zum großen Teil auch wegen der verwendeten Sprache. Diese ist episch, detailverliebt und sehr poetisch geraten, spielt mit Wiederholungen, ungewöhnlicher Wortwahl und sehr eigenen Ideen. Das liest sich nicht durchgängig flüssig, manche Absätze musste ich nochmals lesen – und manche wollte ich unbedingt noch einmal lesen, weil ich kein Detail verpassen und mich ganz in die dunkle Atmosphäre begeben wollte. Das hat mich vollkommen gepackt und habe ich in dieser Form lange nicht mehr gelesen.

Auch die Handlung ist dabei sehr individuell geraten, auch wenn der typische Kampf von Gut gegen Böse (oder eben Licht gegen Dunkelheit) nicht fehlen darf. Eine kleine Heldengruppe aus ganz unterschiedlichen Charakteren, die sich erst einmal zusammenfinden muss und jeder seine eigenen Fähigkeiten einbringt, um Licht in die Welt zu bringen. Ein exzentrischer und sehr markant beschriebener Gegenspieler, der faszinierend geraten ist und von dem ich ebenso gerne gelesen habe wie von den Helden – und das macht einen guten Bösewicht ja aus. Während also auch die Figuren sehr eindrucksvoll geraten ist, hat es bei der Erzählweise der Handlung doch an einigen Stellen, trotz einer tollen Atmosphäre passiert dann etwas zu wenig, um mich wirklich zu fesseln. Doch zum Glück wurde dies immer wieder durch sehr überzeugende Szenen wieder aufgefangen, sodass insgesamt ein sehr lesenswerter Roman entstanden ist.

„Das Lied der Nacht“ ist kein Standard-Fantasy-Roman, sondern bietet viele individuelle Ideen und insbesondere eine eindrucksvolle, düstere und poetische Aura. Mir gefällt, dass auch sprachlich ausgetretene Pfade verlassen werden und ungewöhnliche Elemente eingebaut wurden. Ich war von Anfang an gefesselt, habe mitgefiebert und mich in der dichten Stimmung verloren, auch nach dem Lesen bin ich gedanklich immer wieder zurückgekehrt. Schön, dass auch die beiden anderen Teile der Reihe noch für dieses Jahr angekündigt sind und man so nicht allzu lange auf eine Fortsetzung warten muss.


Die stille Tochter (Gard Sveen)

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Als in Norwegen eine Wasserleiche gefunden wird, die offenbar schon einige Zeit dort gelegen hat, kann diese als Christel Heinze identifiziert werden, die für den KGB als verdeckte Ermittlerin eingesetzt wurde. Nur kurze Zeit darauf wird auch ihr Lebensgefährte Arvid Storholt tot aufgefunden, der als Doppelagent ein noch gefährlicheres Spiel gespielt hat. Tommy Bergmann ermittelt für den norwegischen Geheimdienst in dem Fall und muss tief in die Vergangenheit eintauchen – und entdeckt Geheimnisse, die ihn in seinen Grundfesten erschüttern könnten…

„Die stille Tochter“ ist bereits der vierte Roman von Gard Sveen um seinen psychisch labilen Ermittler Tommy Bergmann, dessen Persönlichkeit natürlich wieder einigen Einfluss auf den Verlauf der Handlung hat und den Leser noch tiefer in seinen Charakter eintauchen lässt, ihn stellenweise deutlich mehr in den Vordergrund rücken lässt. Die Handlung an sich leidet darunter jedoch nicht, sodass mir dieser Einschlag gut gefallen hat und sich organisch in den Roman einfügt. Der Fokus liegt jedoch – wie bereits bei den vorigen Bänden – auf einer recht komplexen Handlung im Umfeld diverser Geheimdienste, wobei zusätzlich viel historisches Wissen der neueren Zeitgeschichte eingebaut wurde. Der KGB und sein Einfluss in der DDR, aber auch der Kampf mit anderen Organisationen bildet eine interessante Kulisse für den Roman. Dabei sind gleich mehrere Erzählebenen eingebunden, deren Struktur leider nicht immer allzu eingängig geraten ist. Bei den vielen eingebauten Details, zahlreichen Geheimnissen und verborgenen Informationen fällt es teilweise schwer, allem zu folgen und auch die Feinheiten richtig einzuordnen.

Hinzu kommt, dass gerade im mittleren Drittel eine gewisse Trägheit in der Entwicklung bemerkbar ist und sich die Handlung nur zögerlich weiterentwickelt – der Spannungsbogen kann hier nicht durchgängig gehalten werden. Hält man hier jedoch durch und liest den Roman bis zum Ende, wird man mit einem packenden Finale belohnt, der die vielen ausgelegten Stränge gekonnt zusammenführt und ein wahrlich beeindruckendes Bild offenbart. Fiktive menschliche Schicksale, die mich berührt haben, werden mit realen Ereignissen verknüpft.

„Die stille Tochter“ braucht Aufmerksamkeit und liest sich nicht locker herunter, zahlreiche Details aus einer anfangs verworrenen Geschichte wollen zusammengesetzt werden. Doch es lohnt sich, das letzte Drittel des Romans ist äußerst spannend geraten und dann entsteht auch ein gelungener Erzählfluss. Die Hauptfigur Tomm Bergmann ist ebenfalls wieder gekonnt in Szene gesetzt und verleiht der Handlung zusätzliche Würze.


Forsberg und das verschwundene Mädchen (Ben Tomasson)

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Als das kleine Mädchen Lisbet von einer beschaulichen Schäreninsel verschwindet, fällt der Verdacht schon bald auf einen Sexualstraftäter, der von seinem Hafturlaub nicht wieder ins Göteborger Gefängnis zurückgekehrt ist. Doch im Gegensatz zu seiner Kollegin Anna Jordt ist Kommissar Frederik Forsberg davon überzeugt, dass der Fall sich doch nicht so einfach gestaltet und ermittelt im Umfeld der Familie von Lisbet, deren Eltern sich gerade einen erbitterten Scheidungskrieg liefern…

Das lesenswerte „Schwedenkrimis“ nicht unbedingt aus Skandinavien kommen müssen, beweist der Kieler Autor Ben Tomasson (dessen Name allerdings schon ziemlich nordeuropäisch anmutet). Mit „Forsberg und das verschwundene Mädchen“ hat er nun eine neue Krimireihe gestartet, was sehr vielversprechend geworden ist. Schon die Eingangsszenen sind aufregend und spannend geraten, das dramatische Setting um das verschwundene Mädchen beeinflusst die Stimmung auch in späteren ruhigen Szenen so sehr, dass die Spannung durchgängig gegeben ist. Zudem spart der Autor nicht mit Wendungen und überraschenden Offenbarungen, sodass einerseits ein steter Informationsfluss das Interesse am Geschehen hochhält, andererseits lässt er sich aber auch Zeit, die einzelnen Elemente wirken zu lassen und so eine lebendige Atmosphäre zu entwickeln. Die Ermittlungen gehen im Laufe des Romans in verschiedene Richtungen, sodass der Leser immer wieder einen neuen Verdacht auf die Auflösung hat, das Ende ließ sich auf diese Weise aber dennoch nicht vorausahnen – sehr geschickt gelöst. Mir gefällt, wie nicht nur reine Fakten gesammelt werden, sondern man einen immer umfassenderen Blick auf die beteiligten Menschen erhält und eine gelungene psychologische Komponente eingebaut wurde.

Frederik Forsberg steht zwar als Ermittler im Mittelpunkt, auch seine Vergangenheit und seine psychische Verfassung spielen dabei eine Rolle, in diesem ersten Band wird aber vieles nur angedeutet und kleine Hinweise gegeben. Mir gefällt, dass dies eine zusätzliche Würze mit einbringt, aber der Fokus nicht zu sehr auf ihm als Person liegt und der Fall weiterhin im Fokus steht. Mich interessiert aber dennoch sehr, wie sich seine persönliche Geschichte im Laufe des Romans weiterentwickeln wird. Auch die anderen Charaktere sind gut beschrieben, so konnte ich beispielsweise auch zu der engagierten Anna Jordt schnell eine Verbindung aufbauen, es gibt aber noch einige Figuren mehr, die Eindruck hinterlassen haben. Die verwendete Sprache passt gut zu der Handlung und liest sich locker und leicht, die eingebaute Stimmung von Göteborg und Umgebung ist ebenfalls gekonnt eingebunden und verleiht der Handlung zusätzliche Würze.

„Forsberg und das verschwundene Mädchen“ ist ein sehr gelungener Einstand in die neue Serie und schafft interessante Grundladen, ohne den Kommissar zu sehr in den Mittelpunkt zu stellen. Dort steht der Fall um die kleine Lisbet, was spannend erzählt ist und mit einigen dramatischen Wendungen einen aufregenden Eindruck hinterlässt, aber eben auf eine eher ruhige Art erzählt wird. Die psychologische Komponente und der genaue Blick auf die Charaktere haben mir hier sehr gut gefallen.


So tödlich nah (Jonas Moström)

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In ihrer Freizeit genießt die Psychiaterin Nathalie Svensson nach der Trennung von ihrem Mann das neu gewonnene Singledasein, auch wenn sie die Gesellschaft von Männern weiterhin sucht. Die Nachricht, einen Liebhaber in Stockholm zu treffen, folgt sie deswegen ohne nachzudenken, muss dann aber mit ansehen, wie dieser auf offener Straße stirbt und in ihren Armen stirbt. Das reißt alte Wunden wieder auf, denn auch vor zehn Jahren wurde bereits einer ihrer Partner auf ähnliche Art getötet…

Der schwedische Autor Jonas Moström hat über seine Figur Nathalie Svensson mittlerweile eine ganze Buchreihe verfasst, „So tödlich nah“ ist dabei der erste Fall für die Psychiaterin und geht noch stärker auf ihr Privatleben ein als die anderen Bände. Einerseits ist das natürlich geschickt gemacht, da die Grundlagen für die kommenden Bände bereits hier gelegt werden, andererseits ergibt sich dies sehr organisch, da der Fall eben in ihrem direkten Umfeld angesiedelt ist. Dabei wird die Hauptfigur nicht einmal sonderlich sympathisch dargestellt, sondern eher schroff und kühl, sodass es mir anfangs schwerfiel, eine wirkliche Verbindung mit ihr aufzubauen. Sicherlich hat sie auch zugänglichere Seiten, ich musste mich dennoch erst an Nathalie gewöhnen. Die Stimmung in Schweden, insbesondere in Stockholm, kommt dabei gut zur Geltung, hier wird ein solides Fundament geschaffen, um die Geschichte wirken zu lassen.

Der oben beschriebene Ausgangspunkt ist sehr interessant verfasst, auch die eingebauten Rückblicke auf die Ereignisse vor zehn Jahren mit dem ersten Mord in Nathalies Umfeld sind sehr gelungen. Die Verwebung dieser beiden Erzählstränge sorgt für eine intensive Stimmung, da sich immer mehr Übereinstimmungen ergeben. Leider ist allerdings schon deutlich vor dem Finale klar, wer der Täter ist, auch sein Motiv ist dann keine Überraschung mehr. Leider kann die anfängliche Spannung deswegen nicht durchgängig gehalten werden. Auch wenn die Handlung durchgängig kurzweilig ist, kommt eben keine Aufregung auf. Zudem hätte ich mir ein wenig mehr Individualität gewünscht, die den Roman wirklich einzigartig machen, einiges ist mir dann doch seltsam vertraut vorgekommen.

„So tödlich nah“ ist mit der Zweiteilung der Handlung und den beiden eng miteinander verknüpften Fällen interessant und unterhaltsam geschrieben, kann allerdings wegen einiger zu offensichtlicher Fährten die Spannung nicht durchgängig halten. Hauptfigur Nathalie Svensson ist komplex beschrieben und eine markante Figur – vielleicht auch gerade, weil sie nicht immer sympathisch ist und ich ein wenig Zeit braucht, um mit ihr warm zu werden.


Der andere Sohn (Peter Mohlin und Peter Nyström)

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Der amerikanische FBI-Agent John Adderley muss sich nach einer Aussage gegen eine Verbrecherorganisation und einem damit verbundenen missglückten Einsatz eine neue Identität zulegen und kehr nach Schweden zurück, welches er noch aus seiner Kindheit kennt. Doch auch in dem skandinavischen Land will er unbedingt weiterermitteln und bearbeitet schon bald einen bislang ungelösten Fall: Ein verschwundenes Mädchen aus gutem Hause. Und als einziger Verdächtiger galt ausgerechnet Johns Halbbruder…

Das Autorenduo Peter Mohlin und Peter Nyström hat in seiner schwedischen Heimat schon große Erfolge mit seinem Debutroman gefeiert, nun ist der erste Teil der Krimireihe um den schwedisch-amerikanischen Agenten John Adderley auch in deutsche Sprache übersetzt worden. Und dabei muss auch der Leser erst einmal mit dem Ermittler warm werden, der eher mit vielen Ecken und Kanten auffällt als mit einer sympathischen Art. Er macht es einem nicht gerade leicht, ihn wirklich ins Herz zu schließen, zu selbstverliebt und kühl ist sein Verhalten. Doch er hat auch andere Seiten, bei den Panikattacken in besonders belastenden Situationen hatte ich sogar Mitleid mit ihm. Durch genau diese Kombination wird ein geschicktes Spiel mit Distanz und Nähe zum Leser erzeugt, die eine sehr reizvolle Figur erschafft. Auch die anderen Figuren werden vielseitig beschrieben und mit einer markanten Ausstrahlung versehen, gepaart mit der dichten Atmosphäre ist ein unterhaltsamer Verlauf der Handlung entstanden.

Und diese ist mit vielen spannenden Momenten und Entwicklungen gespickt und wird in zwei Handlungssträngen erzählt. Einerseits erfährt man natürlich mehr von Johns Ermittlungen, die sich immer weiter intensivieren und mit packenden Details versehen werden. Andererseits wird auch aus der Sicht des Vaters des verschwundenen Mädchens erzählt, was spannende Einblicke in die Vergangenheit erlaubt und zusätzliche Informationen verarbeitet. Beides ergänzt sich sehr gut, allerdings lässt sich für den halbwegs geübten Leser schon nach etwa einem Drittel der Laufzeit erahnen, wer der Täter sein könnte. Ein paar gelungene Überraschungen sind zwar noch eingebaut und die Erzählweise ist dennoch unterhaltsam, die zu offensichtlichen gelegten Spuren verringern aber das Spannungspotenzial der Geschichte.

Die beiden Autoren haben einen kurzweiligen, spannenden und dramatischen Krimi erschaffen, der kurzweilig und spannend erzählt wurde – auch wenn der Täter schon recht früh bekannt ist. Die beiden Handlungsstränge ergänzen einander gekonnt und sorgen für ein intensives Gesamtbild mit einem packenden Hintergrund. Die Hauptcharakter ist dabei durchaus zwiespältig gestaltet und oft recht unsympathisch, dennoch kann man eine Beziehung zu ihm aufbauen und fiebert durchaus mit – ein gelungener Kontrast, der den Roman noch etwas lesenswerter macht.


Bluteiche (Andreas de la Motte)

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Um sich von ihrem Einsatz in Kriegsgebieten zu erholen und sich mit einem noblen Restaurant gemeinsam mit ihrem Mann David ein neues Standbein aufzubauen, kehrt die Ärztin Thea Lind in das Dorf ihrer Kindheit zurück und bezieht ein altes Schloss. Schon bald stößt sie dann auf einen düsteren Ritualmord, der vor über 30 Jahren in der Walpurgisnacht begangen wurde, angeblich vom Stiefbruder des jungen Opfers. Doch Thea spürt, dass mehr hinter dem Mord stecken muss und entdeckt erschreckende Parallelen zu ihrer eigenen Kindheit…

Andreas de la Motte hat seit dem Start seiner Reihe mit „Sommernachtstod“ für jeden Band einen ganz eigenen Fall geschaffen, einziger Verbindung zu den anderen Teilen „Spätsommermord“ und „Winterfeuernacht“ ist der südschwedische Schauplatz – und die wechselnden Jahreszeiten, die die Stimmung der Krimis maßgeblich beeinflusst haben. Mit „Bluteiche“ legt er nun quasi seinen „Frühlingsband“ als Abschluss des Vierteilers vor und hat mit Thea Lind wieder einen eigenständigen Charakter geschaffen. Mir gefällt es, dass weder Polizistin noch Reporterin oder Pathologin im Mittelpunkt steht, sondern eben eine Ärztin, die noch einmal einen anderen Blick auf die Dinge erlaubt. Und Thea war mir mit ihrer zielstrebigen und einfühlsamen Art schnell sympathisch, sodass ich eine Beziehung zu ihr aufbauen und mitfiebern konnte. Da sie auch emotional immer weiter in den Fall hineingezogen wurde, hat sie auch eine deutliche Entwicklung mitgemacht, die die Wirkung des Romans noch einmal verstärkt hat. Doch auch die anderen Figuren sind lebendig, vielschichtig und interessant geraten.

Seine Handlung hat Andreas de la Motte in zwei parallel verlaufende Stränge geteilt: Einerseits verfolgt man Theas Ermittlungen nebst damit verbundenen Szenen aus ihrem Privatleben in der Gegenwart, im zweiten Strang erfährt man mehr über die Vorgänge aus dem Jahr 1985 um das ermordete Mädchen. Das ergibt gerade in Kombination eine sehr dichte und düstere Stimmung, da die Verbindungspunkte immer enger zusammenrücken und der Leser immer mehr Details erfährt, wodurch immer neue Verdächtige beleuchtet werden. Falsche Fährten gibt es einige, sodass am Ende eine überraschende, aber doch stimmige Auflösung präsentiert wird. Und tatsächlich bietet dieser Roman noch einmal eine frühlingshaftere Stimmung, die dennoch die Entwicklung der Spannung nicht verwässert.

„Bluteiche“ ist ein sehr gelungener Abschluss der Reihe geworden. Denn obwohl der Start in die Handlung noch etwas verhalten wirkt und erst später Tempo und Spannung Fahrt aufnehmen, ist die Stimmung schnell dicht und die Charaktere vielschichtig beschrieben. Die Zweiteilung der Handlung in Vergangenheit und Gegenwart ist ebenso geschickt wie die markanten und unheimlichen Motive. Sehr lesenswert!


Blindes Eis (Ragnar Jonasson)

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Der alte Bauernhof in Island, den zwei befreundete Paare in den 1950er Jahren beziehen, sollte ebenso Rückzugsort wie Lebensgrundlage werden. Doch der Traum findet ein jähes Ende, als eine der Frauen stirbt, sie scheint sich das Leben genommen zu haben, doch der Fall blieb lange Zeit undurchsichtig. Als Ari Arason ein altes Foto zu Gesicht bekommt, bei dem neben den beiden Ehepaaren noch ein kleiner Junge zu sehen ist, ist sein Spürsinn geweckt und er versucht, mehr über die Gruppe herauszufinden…

Es ist bereits der dritte Teil seiner „Dark Iceland“-Reihe, die Ragnar Jonasson mit „Blindes Eis“ vorlegt, nach dem großen Erfolg seiner Hulda-Trilogie war man hierzulande bestrebt, schnell auch seine anderen Bücher auf den Mart zu bringen. Wie in den beiden vorigen Bänden auch spielt Island als Schauplatz eine wichtige Rolle und beeinflusst nicht nur die düstere Stimmung, sondern immer wieder mit den Einschränkungen durch die unwirtliche Natur auch die Handlungen der Figuren. Jonasson geht hier aber noch einen Schritt weiter und beschreibt Land und Leute nicht nur in der heutigen Zeit, sondern auch in der Mitte des letzten Jahrhunderts, was noch einmal eine ganz andere Ebene hinzufügt. Das ist auch äußerst lesenswert gelungen und ergibt ein sehr eingängiges Bild, in dem auch ganz unterschiedliche Charaktere ausführlich vorgestellt werden. Nicht jeder von ihnen konnte mich wirklich berühren, insgesamt hat er aber einige interessante Figuren geschaffen.

Der Verlauf des Buches ist sehr langsam – vielleicht sogar zu langsam an vielen Stellen. So kommt kaum Tempo auf, die Entwicklungen wirken verzögert. So kommt leider nur wenig Spannung auf, und auch wenn die Stimmung dicht und die Szenerie intensiv ist, reicht dies nicht aus, um die fehlende Aufregung komplett auszugleichen. Hier hätte ich mir etwas mehr Schwung erwartet, der wirklich erst auf den letzten Seiten kurz vor der Auflösung aufkommt. Auch die Szenen aus Aris Privatleben sind nicht ganz so eindringlich wie in den beiden vorigen Bänden, doch die Entwicklung passt gut zu den beiden vorigen Bänden und vertieft einige der Themen.

„Blindes Eis“ besticht durch eine sehr intensive Beschreibung von Island zu zwei Zeiten, wobei die Szenen aus den 1950er Jahren viel Zeitgeschichte und eine andere Stimmung mitbringen. Das ist sehr lesenswert geraten, doch darüber scheint der Fall etwas zu sehr in den Hintergrund zu rücken. Die Handlung wird sehr langsam erzählt und kommt auch später nur schwer in Gang, dafür gibt es einige interessante Charakterbeschreibungen. Ganz so begeistert wie von den anderen Werken des Autors war ich aber nicht.


Weiße Nacht (Asa Larsson)

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Rebecka Martinsson hat sich noch nicht von den schrecklichen Ereignissen erholt, in die sie hineingezogen wurde und versucht, in ihrer Heimatstadt wieder auf die Beine zu kommen. Doch gerade, als sich ihre psychische Situation zu bessern beginnt, wird ein grausamer Mord verübt: In der Mittsommernacht wird eine Pastorin erschlagen und an der Orgel der Kirche aufgehangen. Doch hat sich die engagierte Feministin und Retterin vieler Frauen in Not tatsächlich derart mörderische Feinde gemacht? Und es sollte nicht der einzige Tod in Rebeckas Heimat sein…

Mit „Weiße Nacht“ hat die schwedische Autorin Asa Larsson bereits den zweiten Krimi um ihre Ermittlerin Rebecka Martinsson vorgelegt und erlaubt der Hauptfigur, sich noch einmal deutlich weiterzuentwickeln. So sind die Folgen des für sie traumatisierenden Ereignisse hier immer noch deutlich spürbar, ihre teilweise Labilität gelungen eingebaut, aber auch wie sie immer mehr lernt, mit der Vergangenheit umzugehen und auch die neuen Ereignisse zu verkraften. Doch sie ist bei weitem nicht der einzige Charakter, der hier umfangreich vorgestellt wird: Im Laufe der Handlung wird aus der Sicht einiger unterschiedlicher Figuren erzählt, die dadurch viel Tiefe erlangen, aber auch einige andere Charaktere bekommen einen umfangreichen Hintergrund und ein individuelles Auftreten verpasst, was sehr intensiv wirkt und stimmig wirkt. Dass dabei das Tempo des eigentlichen Falles etwas verloren geht und gerade die erste Hälfte des Romans deswegen recht langsam wirkt, ist aus meiner Sicht sehr zu verkraften, da immer eine unterhaltsame und interessante Szenerie geboten wird.

Auch die Stimmung ist immer sehr dicht und düster, wobei auch viel schwedisches Lokalkolorit aufkommt und Landschaften wie Einwohner überzeugend eingebunden sind – es würde aus verschiedenen Gründen nicht funktionieren, die Handlung einfach woanders spielen zu lassen. Die vielen Perspektivwechsel erschweren allerdings zu Anfang den Einstieg und wirken noch etwas verworren, doch bald wird alles klarer und die Informationen zu dem Fall fließen langsam, aber stetig. Dabei kommen durchaus einige überraschende Erkenntnisse auf, was beim Finale noch einmal deutlich gesteigert wird. Die Spuren zu den Hintergründen waren vorhanden, wurden aber sehr dezent gelegt, sodass es wirklich überraschend ist, wie sich alles auflöst. Dennoch ist das stimmig geraten und wirkt in der Rückbetrachtung logisch.

„Weiße Nächte“ ist erneut atmosphärisch sehr dicht geraten und überzeugt mit einer intensiven Stimmung und ansprechendem Lokalkolorit, aber auch mit einem aufregenden Verlauf. Wieder ohne unnötig blutige Gewalt, sondern mit einem Fokus auf verschiedenen Charakteren und einem langsamen, aber stetigen Informationsfluss. Die Auflösung ist überraschend, aber stimmig geraten, sodass ein sehr lesenswerter Band der Reihe um die Anwältin Rebecka Martinsson geraten ist.


Der Schwarze Thron - 4. Die Göttin (Kendare Blake)

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Mirabella hat sich entschlossen, Fennbirns Rebellen und damit auch ihrer Schwester Arsinoe den Rücken zu kehren, denn sie ist sich sicher, dass ihr Platz bei ihrer anderen Schwester ist, der gekrönten Königin Katherine. Und diese erscheint gar nicht, wie die blutrünstige Bestie, für die Untote Königin, für die das Volk sie mittlerweile hält. Doch Katherine hütet auch ein finsteres Geheimnis, und dieses will Mirabella unbedingt lösen…

Kendare Blake hat ihre Fantasy-Romanreihe um den „Dunklen Thron“ auf vier Bände ausgelegt (nebst zwei Kurzgeschichten), sodass mit „Die Göttin“ nun der abschließende Band erschienen ist. Nach dem Cliffhanger um Mirabellas Aufbruch aus Sonnenmulde zur Hauptstadt schließt die Autorin dabei direkt an den Vorgänger an und lässt nicht viel Zeit vergehen, um neue Entwicklungen zu präsentieren. Und davon liefert sie im Laufe der Zeit so einige, immer wieder werden die Vorzeichen geändert und die Charaktere vor neue Entscheidungen, Herausforderungen, aber auch Machtverhältnisse gestellt, was den Roman sehr kurzweilig wirken lässt. Beeindruckend ist, dass sich Blake auch nicht scheut, heftige Umbrüche und unerwartete Verluste einzubringen, so einige der Wendungen habe ich nicht oder unter anderen Vorzeichen vorhergesehen, was für gelungene Überraschungen gesorgt hat. Dabei ist die Atmosphäre auf der magischen Insel Fennbirn wieder sehr dicht gehalten, die magischen Elemente und die fünf verschiedenen Gaben werden noch einmal mehr beleuchtet. Die titelgebende „Göttin“ kommt allerdings nur sehr punktuell vor, eher wie ein lenkender Wille im Hintergrund, nur selten wird etwas zu ihren Hintergründen mit eingebaut, was alles noch mysteriöser wirken lässt.

Wieder wird aus der Sicht aus vielen verschiedenen Charakteren erzählt, die bereits aus den vorigen Romanen bekannt sind. Dennoch erfährt man noch neue Facetten von ihnen oder entwickelt sich weiter. An erster Stelle ist dabei wohl Katherine zu nennen, deren Hintergründe zwar bislang angedeutet wurden, nun aber sehr klar in den Mittelpunkt gerückt werden. Dabei sind einige sehr gute Ideen eingeflossen, ihr merkwürdiger Zustand sorgt für unheimliche, aber auch emotionale Momente. Dass alles auf einen großen Showdown zusteuert, ist schnell zu merken, dieser fällt dann auch heftig, brutal und verlustreich aus. Und auch hier kann die Auflösung wieder überraschen und zeigt andere Wege aus den festgefahrenen Situationen, als ich es mir gedacht hätte.

Mit „Die Göttin“ schließt Kendare Blake ihren Fantasy-Vierteiler gekonnt ab, überrascht mit einigen überraschenden Wendungen oder unerwarteten Verlusten, erzählt aber auch mehr von den Hintergründen und gibt den Figuren noch einmal die Möglichkeit, sich zu entwickeln. Keine Seite davon habe ich mich gelangweilt, selbst Nebenarme wurden sehr interessant geschildert und haben ihren Teil zum eindrucksvollen Gesamtbild beigetragen.


Geiger (Gustav Skördeman)
 

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Nach einem Familienbesuch hat sich Stellan zurückgezogen, um ein wenig klassische Musik zu hören. Deswegen merkt er auch nicht, dass im Nebenraum das Telefon läutet und seine Frau Agneta lediglich das Wort „Geiger“ hört – nur um kurz danach eine Pistole mit Schalldämpfer auszustatten und Stellan damit zu erschießen. Als Kommissarin Sara Nowak von dem Fall erfährt, ist ihr klar, dass sie in die Ermittlungen involviert werden muss. Zwar arbeitet sie eigentlich in Sittenverbrechen, doch durch eine enge Freundschaft mit den Kindern von Stellan und Agneta hat sie bereits einige Hintergrundinformationen, womit sie ihren Kollegen einiges voraushat – und mit wesentlich mehr Eifer ermittelt als diese…

„Geiger“ ist der Debütroman des schwedischen Autors Gustav Skördeman, der die Handlung auch in seinem Heimatland spielen lässt. Dennoch ist alles andere als ein klassischer skandinavischer Thriller entstanden, sondern ein überraschend komplexes Werk. Denn was anfangs noch wie in Familiendrama wirken mag, entpuppt sich bald als eine sehr vielschichte Handlung mit Verbindungen zum Kalten Krieg, zu Spionage und miteinander rivalisierenden Mächten. Das hatte ich nicht erwartet, war aber sehr positiv überrascht davon, wie viele interessante Details dabei eingebunden wurden. Immer wieder hat mich das zu kurzen Unterbrechungen beim Lesen veranlasst, um ein wenig zu recherchieren und mehr Details aus dieser Zeit zu erfahren. Aber auch die fiktionalen Anteile, die Skördemann hat einfließen lassen, sich hervorragend konzipiert und sehr fein aufeinander abgestimmt – was man erst ganz am Ende so richtig merkt. Zwar gibt es zwischendurch immer wieder ausführliche Erklärungen und geschickt verbundene Verweise, vielen bleibt aber auch im Unklaren oder entwickelt sich erst einmal parallel voneinander weiter. Dabei den Überblick zu behalten ist stellenweise schon recht anstrengend, da viele Feinheiten eine wichtige Rolle spielen und erst einmal miteinander verknüpft werden wollen, es lohnt sich aber sehr, diese Aufmerksamkeit zu investieren.

Der Rhythmus des Buches ist etwas gewöhnungsbedürftig: Einerseits gibt es so einige überraschende Wendungen, die spannend eingebaut wurden und packend geraten sind, dann gibt es aber andererseits auch Passagen, die sich etwas zu sehr in die Länge ziehen und in denen eher Hintergrundinformationen eingebaut wurden, bis sich die Ereignisse im letzten Drittel zu überschlagen scheinen und das Tempo deutlich angezogen wurde. Die Charaktere hat Skördemann dabei gekonnt ausgearbeitet, sie wirken authentisch und haben ihre ganz eigene Ausstrahlung – allen voran natürlich seine Ermittlerin Sara Nowak, die trotz zahlreicher Ecken und Kanten sowie einer recht harten Ausstrahlung dennoch so sympathisch wirkt, dass man mit ihr mitfiebern kann. Doch auch die anderen wichtigen Figuren sind komplex und recht klischeebefreit gezeichnet worden.

„Geiger“ ist durch seine vielschichtige Handlung und den geschichtlichen Kontext sehr komplex geraten, mit vielen interessanten Themen und faszinierenden Figuren versehen worden, sodass ein sehr lesenswerter und packender Thriller entstanden ist. Auch wenn diese Spannung nicht durchgängig gehalten werden kann und viele Erklärungen und Details zu einem tiefgreifenden Bild zusammengesetzt werden wollen, lohnt es sich sehr, aufmerksam zu folgen. Besonders das sehr gelungene Ende hat mir bestens gefallen, sodass ich mich schon jetzt auf die noch kommenden Teile freue.


Sonnensturm ( Asa Larsson)

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Sanna Strangart gerät selbst unter Mordverdacht, nachdem sie ihren eigenen Bruder brutal ermordet vor dem Altar einer Kirche auffindet. Sie weiß sich nicht anders zu helfen, als ihre Jugendfreundin Rebekka Martinsen anzurufen, die mittlerweile in Stockholm als erfolgreiche Anwältin lebt und sofort in ihre nordschwedische Heimat fährt. Auch Kommissarin Anna-Maria Mella, die hochschwanger in ihrem vorerst letzten Fall vor der Geburt ermittelt, glaubt nicht an Sannas Schuld…

Asa Larsson spielt mit dem Titel „Sonnensturm“ auf die Polarlichter Lapplands an, die man schnell mit eisiger Kälte und verschneiten Landschaften assoziiert, was die Stimmung des Romans dann auch ziemlich gut trifft – mit der Handlung selbst hat der Titel hingegen recht wenig zu tun. Geboten wird hier ein blütenreiner Schwedenkrimi, setzt jedoch zwei starke, weibliche Ermittlerinnen in das Zentrum. Durch die dadurch resultierende Zweiteilung der Handlung kommt eine dynamische Szenerie auf, aber auch charakterlich ergänzen die beiden sich gut. Dabei steht jede vor eigenen, ganz unterschiedlichen Herausforderungen: Anna-Maria Mella mit der bevorstehenden Geburt und dem weiterhin großen Pflichtbewusstsein und ihrer Liebe der Arbeit gegenüber, Rebekka Martinsson wird hingegen an einige äußerst unangenehme Ereignisse aus ihrer Kindheit erinnert und ist dabei sehr eng mit dem Mord und seinen Hintergründen verbunden, was noch einmal eine andere Ebene einbringt. Beide wirken sympathisch, sodass man mit ihnen mitfiebert und schnell eine Bindung aufbauen kann, aber auch die anderen Figuren sind gekonnt beschrieben und bringen ihre eigene Ausstrahlung in die Handlung mit ein.

Diese ist gekonnt erdacht und wird gradlinig erzählt, erlaubt sich aber dennoch einige gekonnte Schnörkel oder verzierende Elemente, um Dinge zu vertiefen oder die Stimmung noch dichter wirken zu lassen. Und diese ist sehr markant und vielschichtig geraten, da sie von ganz unterschiedlichen Seiten beeinflusst wird. Einerseits sind die eisigen Weiten Lapplands sehr stimmungsvoll eingebunden, aber auch die religiösen Strukturen und die sektenartige Stimmung gefällt mir äußerst gut und sorgt für viele sehr eindringliche Momente. Auch die psychologischen Komponenten bringen viel Druck mit ein.

„Sonnensturm“ beeindruckt mit dem detailreichen und sehr stimmigen Plot, der eine immer dichtere und markantere Spannung aufbaut und zudem sehr schlüssig aufgebaut ist. Die Charaktere sorgen für eine ebenso dichte Stimmung wie die beeindruckenden Landschaftsbeschreibungen oder die psychologischen und religiösen Sekten. Ein sehr lesenswerter Roman, der mich die ganze Zeit über sehr gut unterhalten konnte


Der einsame Bote (Gard Sveen)

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Der Fall der verschwundenen Amanda wird von offizieller Seite aus abgeschlosse, das Mädchen für tot erklärt, die angebliche Leiche des Mörders begraben. Allzu gern soll nun alles in Vergessenheit geraten, nur Kommissar Bergmann findet keine Ruhe und ist davon überzeugt, Amanda noch retten zu können. Gegen alle Widerstände ermittelt er weiter und stößt schon bald auch eine obskure Sekte in Litauen, die zur Reinwaschung der Seele den Mord an einem Widder-geborenen Teenager verlangt – genau wie Amanda es ist…

Gard Sveen hat in seiner Reihe um den Ermittler Tommy Bergmann zwar auch einige typische Elemente des skandinavischen Krimis übernommen, schafft aber dennoch eine ganz eigene Stimmung und konzentriert sich auf die psychischen Störungen seiner Protagonisten – auf der Seite der Ermittler ebenso wie bei den Tätern. Besonders im dritten Band der Reihe mit dem Titel „Der einsame Bote“ kommt dies zur Geltung, die Handlung ist nicht nur von einer düsteren Grundstimmung durchzogen, sondern widmet sich dieser noch ausführlicher als in den vorigen Bänden. Was dann auch sehr intensiv wirkt und dem Leser kaum Luft lässt, in einem erdrückenden Gefühl aus Gefahr, Hoffnungslosigkeit, Depression und Selbsthass zurücklässt. Das ist keine so einfache Lektüre und liest sich nicht locker-leicht und spannend herunter, sondern erfordert Reflexion und Auseinandersetzung mit menschlichen Abgründen. Besonders heftig wird dies am Ende des Romans illustriert, wenn die bereits vorhandene Gewalt und Brutalität eskaliert und sich in einigen heftigen Szenen entlädt. Was in anderen Romanen wie ein billiger Schockeffekt wirkt, ist hier erschreckend stimmig und logisch aufgebaut, was den Schrecken noch greifbarer wirken lässt.

Und auch ansonsten ist der Roman anspruchsvoll, da viele parallel laufende Stränge, teilweise nur einzelne Szenenfetzen zu einem sinnvollen Ganzen zusammengesetzt werden wollen. Das fällt anfangs noch recht schwer, wenn man später die wesentlichen Bezüge begriffen hat und mit mehr Tempo erzählt wird, fällt dies aber leichter. Die Charaktere sind sehr eindringlich beschrieben, neben Tommy Bergmann und seiner Kollegin Susanne Bech bekommt besonders ein Täter viel Aufmerksamkeit gewidmet und bedrückende, erschreckende psychische Störungen aufgeschlüsselt. Sveen beschönigt oder entschuldigt dabei nichts, sondern erklärt lediglich, und das ist teils nur schwer verdaulich. Dahinter steht dann auch teilweise die Spannung der Handlung zurück, diese tritt manchmal für meinen Geschmack zu sehr auf der Stelle.

„Der einsame Bote“ ist ein spezieller Roman, obwohl ich die beiden Vorgänger bereits kannte, musste ich mich zunächst einmal an die düstere Erzählweise und die noch tiefer gehenden psychischen Elemente gewöhnen. Doch auch wenn das Lesen manchmal etwas anstrengend auf mich gewirkt hat, hat sich der Roman gelohnt, denn die tiefgreifende und bedrückende Stimmung ist lesenswert.


Teufelskälte (Gard Sveen)

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Tommy Bergmann, erfolgreicher Ermittler in Oslo, ist geschockt. Denn die Frauenleiche, die grausam entstellt gefunden wurde, erinnert stark an seinen ersten Fall. Doch noch immer sitzt der damalig Verurteilte in einer Hochsicherheitspsychiatrie ein. Hat sich Bergmann damals geirrt und den Falschen hinter Gitter gebracht? Immer stärker zweifelt er an sich selbst, als seine neue Kollegin Susanne Bech Unstimmigkeiten in den Ermittlungen aufdeckt…

Hat sich der erst Band der Reihe um Tommy Bergmann noch mit realen historischen Fakten beschäftigt, ist Autor Gard Sveen mit „Teufelskälte“ nun in den rein fiktionalen Raum getreten. Und das nutzt er geschickt, um zwar die Hauptfigur weiter in den Mittelpunkt zu rücken und die innere Zerrissenheit und die starken Selbstzweifel weiterhin darzustellen, ohne jedoch zu weit in sein Privatleben einzudringen. Denn die neuen Ermittlungen in seinem ersten Fall bieten die Möglichkeit, mit seinem früheren Versagen seinen Charakter noch weiter zu verstärken und tiefer in seine Psyche zu gehen. Zusätzlich erlaubt es auch wieder eine Erzählweise über verschiedene Zeitebenen, sodass sich die aktuellen Ermittlungen mit den vergangenen Ereignissen auf verschlungene Weise verbinden. Dabei werden immer neue Impulse gegeben, das Spiel mit der Wahrnehmung des Lesers durch überraschende Offenbarungen geschickt gespielt und so eine spannende Handlung geschaffen – und das, obwohl das Erzähltempo eher langsam ist und die einzelnen Szenen voll ausgekostet wurden.

Die Brutalität der Morde und die Verachtung der Frauen, die darin erkennbar ist, setzt den Ton für den Roman und sorgt für einen intensiven Ausdruck – und auch dafür, dass auch über etwas langsameren Momenten eine spannende Atmosphäre liegt. Dennoch wird die Grenze des Erträglichen nicht ausgereizt, immer noch spielt sich vieles eher im Kopf des Lesers ab. Das Finale ist recht ungewöhnlich und endet offen, ohne eine vollständige Aufklärung des Falles. Vielen bleibt verborgen oder nur angedeutet, was den Leser naturgemäß etwas unbefriedigt zurücklässt, aber natürlich auch das Interesse an den folgenden Bänden weckt.

„Teufelskälte“ setzt den Charakter noch besser in Szene, konzentriert sich aber wieder stark auf den Fall. Die Verbindung zu einem der ersten Fälle von Tommy Bergmann setzt dabei einige sehr gelungene Reizpunkte, auch die Zusammenstellung der Charaktere ist durch die neue Kollegin Susanne Bech noch vielseitiger und interessanter gelungen. Auch wenn die große Faszination des ersten Bandes nicht vollkommen durchkommt, ist auch der zweite Teil der Reihe sehr lesenswert geraten.


Der letzte Pilger (Gaard Sveen)

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Als in Lillehammer die Leiche von Carl Oscar Krogh grausam ermordet aufgefunden wird, wird Kommissar Tommy Bergmann auf den Fall angesetzt. Zunächst ist ihm unklar, warum jemand einen so angesehenen Widerstandskämpfer umbringen sollte, vermutet aber den Grund in der Vergangenheit, in der Krogh die deutsche Besetzung Norwegens im Zweiten Weltkrieg bekämpft hat. Und so zieht sich der Fall bald bis Amerika, wo drei Leichen nach langer Zeit gefunden wurden…

„Der letzte Pilger“ ist das Erstlingswerk des norwegischen Autors Gard Sveen, der damit auch gleich eine Krimireihe um den Ermittler Tommy Bergmann gestartet hat. Doch anstatt sich zunächst vollkommen auf die Vorstellung des Charakters zu stürzen, konzentriert sich der Autor vollkommen auf seinen komplexen und geschichtsträchtigen Fall, die Nebenschauplätze um Bergmann werden lediglich als feine Würze genutzt. Das ist auch gut gelungen, da er für einen skandinavischen Krimi nicht allzu generisch geraten ist – zwar hat auch er mit tief verwurzelten Selbstzweifeln zu kämpfen, diese äußern sich aber auch eine ganz eigenständige Weise und haben mir deswegen sehr gefallen. Auch neben Bergmann finden sich aber einige wichtige Protagonisten wieder, die ebenfalls allesamt sehr markant in Szene gesetzt wurden und ihre eigene Note mit in den Roman einbringen, was das Ganze sehr lebendig und nahbar wirken lässt.

Der Plot ist ziemlich komplex und spielt auf verschiedenen Zeitebenen, sodass aus der Sicht von unterschiedlichen Personen und mit zahlreichen Nebenfiguren erzählt wird. Zunächst sind auch nicht alle Zusammenhänge klar, das erschließt sich erst im Laufe der Zeit, was den Einstieg etwas erschwert. Aber einmal in den Roman eingefunden hilft die klare Gliederung und die jeweils vorherrschende Stimmung weiter, auch die vielen eingebundenen Feinheiten zu erfassen.

Thematisch wird die Besatzung Norwegens und dessen Rolle im zweiten Weltkrieg aufgegriffen, wobei noch ziemlich viel historischer Hintergrund eingebunden wurde und den Reiz deswegen deutlich zu steigern weiß. Das ist durchaus anspruchsvoll und komplex geraten, hat mich auch dazu veranlasst, beim Lesen immer mal wieder zum Themengebiet recherchieren. Und die Aufarbeitung ist hochspannend geraten, auf allen Ebenen geschehen unerwartete, aber passend eingebaute Wendungen und packende Momente, was sehr markant in Szene gesetzt wurde. Und das Finale, das geschickt zusammengeführt wurde, klärt dann alle Elemente geschickt auf und schließt den Kreis, der am Anfang des Romans begonnen wurde.

„Der letzte Pilger“ ist mit der anspruchsvollen Themenwahl und viel geschichtlichem Wissen kein Krimi für zwischendurch, überzeugt aber mit dem packenden Spannungsaufbau und einer lebendigen Atmosphäre. Erzählt wird mit prägnanten Charakteren auf verschiedenen Zeitebenen, was komplex geraten ist, aber gerade dadurch auch viel an Reiz gewinnt. Ein sehr gelungener Roman und ein empfehlenswerter Start in die Krimireihe.


Cold Case – Das gezeichnete Opfer (Tina Frennstedt)

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In einem abgelegenen und lange nicht genutzten Leuchtturm wird durch Zufall die Leiche einer bekannten Künstlerin gefunden, die sich mit ihren provokanten Werken nicht nur Freunde gemacht hat. Tess Hjalmarsson und ihr Team werden auf den Fall angesetzt, wobei die erfahrene Ermittlerin direkt auf die Lehmspuren an der Leiche aufmerksam wird. Denn vor 15 Jahren wurde bereits ein anderer Toter mit den gleichen Spuren gefunden – doch der Mord konnte nie aufgeklärt werden…

Tina Frennstedt hat ihre Krimi-Romanserie nicht wie viele andere Autoren nach der Ermittlerin benannt, sondern greift ein Überthema auf: Cold Cases, also lange ungelöste Fälle. Auch der zweite Band „Das gezeichnete Opfer“ beinhaltet dementsprechend gleich zwei Morde, die im Laufe des Romans ineinander laufen und sich gegenseitig beeinflussen. Das ist hier noch etwas besser verknüpft als im ersten Teil und geht noch näher auf die beiden Opfer ein, man erfährt mehr aus ihrem Leben und dem persönlichen Umfeld. Bei Max, dem Pianisten, der vor 15 Jahren ermordet wurde, geschieht das aus seiner Sicht, gemeinsam mit ihm erlebt der Leser seine letzten Stunden mit. In der Gegenwart ermittelt Tess im Mordfall an der extravaganten Künstlerin und bekommt dabei immer mehr Hintergründe heraus. In beiden Teilen steigert sich die Spannung immer weiter, auch die Stimmung wird dichter, zumal ein angenehmes Tempo vorgelegt wird: Alle Elemente kommen gut zur Geltung und werden nicht überhastet erzählt, dennoch werden stetig neue Informationen eingebracht.

Während sich der erste Band noch intensiv mit dem Privatleben von Tess auseinandergesetzt hat und dabei etwas zu oft ins Private abgedriftet ist, werden hier eher die Vorgänge und Beziehungen im Ermittlerteam beleuchtet. Einigkeit, Streitigkeiten und Reibereien, aber auch kleine Erfolge und fieberhafte Arbeit werden dabei eingebunden, wobei die sehr unterschiedlichen Charaktere jeweils eine eigene Stimmung mit einbringen. Der Schreibstil ist lebendig und treffend, die Szenerien werden intensiv beschrieben, sodass eine dichte Stimmung aufkommt.

„Das gezeichnete Opfer“ verbindet auf geschickte Weise einen aktuellen Mord mit einem ungelösten Fall aus der Vergangenheit, was zwar verschachtelt und komplex ist, durch eine gelungene Struktur und interessante Szenerien ist das aber gut nachvollziehbar und lebendig geraten. Das ist spannend erzählt und mit einer angenehmen Erzählebene im ermittelnden Team versehen, was mir insgesamt sehr gefallen hat.


Totenstille (Will Dean)

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Die junge Journalistin Tuva Moodyson ist gerade vom lebhaften London in ihre aalte Heimat zurückgezogen und will in der Kleinstadt Gavrik Fuß als Journalistin fassen – just zu der Zeit, als eine Leiche mit ausgestochenen Augen gefunden wird. Das erinnert stark an eine Mordserie vor einigen Jahren, die als die „Medusa-Morde“ noch immer als ungeklärt gelten. Tuva wittert ihre Chance und beginnt zu recherchieren, wird jedoch immer wieder von ihrer Gehörlosigkeit an ihre Grenzen gebracht – und von ihrer Angst vor dem allgegenwärtigen Wald…

Der britische Autor Will Dean hat sich dem momentan so populären Genre des „Schweden-Krimis“ angenommen und seinen Roman „Totenstille“ ebenfalls nach Skandinavien versetzt. Er nutzt die Stimmung des Waldes dabei sehr gut aus, der Gavrik umgibt, insbesondere weil er die Angst seiner jungen Protagonistin gekonnt einbaut und so etwa bedrohliche, fast schon mystische Aura für den dichten Wald schafft. Das bildet zudem einen gelungenen Kontrast zu den ansonsten eher skurrilen Figuren, die sich so in dem Roman tummeln. Die Bewohner von Gavrik haben alle einen kleinen Spleen und bringen dabei ein paar lockere und witzige Momente mit ein, was gerade im Mittelteil der Handlung recht viel Raum einnimmt. Stellenweise wirkt es, als wolle der Autor lieber diese Geschichten erzählen als seinen Krimi, er schweift immer wieder etwas ab. Unterhaltsam ist das zwar, nur die Spannung bleibt in diesen Passagen etwas auf der Strecke.

Tuva bringt als Hauptfigur einige neue Elemente mit ein, besonders ihre Hörbehinderung und der Einsatz von Hörgeräten sind sehr gelungen und behindern sie immer wieder bei den Ermittlungen, was für einige sehr spannende Momente sorgt. Mir gefallen auch die Aspekte aus ihrer Familie mit dem verstorbenen Vater, der kranken Mutter und einem durchaus zwiespältigen Bezug zur Presse. Sie ist ein interessanter Charakter, nicht immer sympathisch oder klug agierend, aber lebendig und gut in Szene gesetzt. Der Plot der Handlung hat mir sehr gut gefallen, der Hintergrund ist gut durchdacht und wurde mit einem überzeugenden Spannungsaufbau und einer überraschenden Wendung am Ende versehen.

„Totenstille“ ist mit der hörgeschädigten Journalistin Tuva im Mittelpunkt mit einigen ungewöhnlichen Facetten versehen und gefällt mir auch wegen der sehr dichten Stimmung sehr gut. Ein bedrohlich wirkender Wald auf der einen Seite, skurrile Charaktere auf der anderen – und dazwischen ein spannender Plot mit überraschenden Wendungen und einem sehr gelungenen Finale. Ein lesenswerter Roman, auch wenn im Mittelteil einige Längen vorhanden sind.


Der Schwarze Thron - Die Kriegerin (Kandare Blake)
 

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Nach ihrer Flucht von der Insel Fennbirn auf das Festland sind die beiden Schwestern Arsinoe und Mirabella bei Billys Familie untergekommen. Doch die ihnen völlig fremde Welt fällt besonders Arsinoe schwer, und schon bald bekommt sie düstere Visionen. Währenddessen muss sich die dritte Drillingsschwester Katherine in ihrer neuen Rolle als Königin behaupten, doch in der Bevölkerung gehen düstere Gerüchte über sie herum. Und Jules ist in Bastiansburg angekommen, der Stadt der Krieger, doch die dunkle Prophezeiung ihrer Geburt geht ihr nicht aus dem Kopf…

Nach „Die Schwestern“ und „Die Königin“ geht es in Kandare Blakes Fantasy-Saga um den „Schwarzen Thron“ mit dem dritten Band „Die Kriegerin“ weiter. Wer die beiden ersten Teile kennt weiß bereits, um wen es sich bei der titelgebenden Kriegerin handelt und kennt um den Zwiespalt dieser Figur, der in diesem Band noch weiter ausgeführt wird. Auch wenn dabei über einige Zeit auf der Stelle getreten wird, ist die Entwicklung am Ende umso deutlicher und heftiger umgesetzt, was den Druck der Handlung noch einmal deutlich steigert. Das ist aber nur einer der Handlungsstränge, die sich hier noch etwas differenzierter gestaltet und aus noch mehr Perspektiven geschildert wird als sofort. Gut gefällt mir dabei beispielsweise, wie man immer mehr hinter das Geheimnis von Katherine kommt, was wunderbar düster geraten ist. Dabei wird auch die Verbindung zur Vergangenheit gestärkt, indem der geheimnisvolle Nebel, der die Insel umgibt, ein schreckliches Eigenleben entwickelt. Dabei kommen viele spannende und dramatische Szenen auf, die die typische Atmosphäre der ersten beiden Bände wieder auferstehen lässt.

Anders sieht es da in der Geschichte um Arsinoe und Mirabella aus, die auf dem Festland weitestgehend von ihrer Magie abgeschnitten sind. Diese Szenen haben für mich nicht ganz die Sogkraft entwickelt, die ich an den Romanen so schätze, die Steigerung der Spannung geht dann auch wieder mit einer engeren Bindung zur Insel einher, was aber nur langsam geschieht. Gut hingegen gefällt mir, wie die Rolle der Frau als untergeordnetes Geschlecht auf dem Festland einen so deutlichen Kontrast darstellt – viel aktuelle Sozialkritik, die die Autorin dabei einbaut. Und spätestens im letzten Drittel, wenn sich die Ereignisse wieder in gewohnter Manier überschlagen, findet auch ihr Handlungsstrang zu alter Stärke zurück. Das Ende kommt zugegebenermaßen nicht allzu überraschend daher, birgt aber in vielen Details noch überraschende Wendungen – und einen fiesen Cliffhanger, der viel Lust auf den vierten Teil der Reihe macht.

Das Tempo der ersten beiden Teile konnte hier nicht ganz gehalten werden, dafür wird den Charakteren mehr Raum gegeben, um sich zu entwickeln und andere Seiten von sich zu entdecken. Umso mehr gilt dies, als auch andere Figuren weiter in den Mittelpunkt gerückt werden. Sehr gut gefällt mir dabei der enge Bezug zur Vergangenheit der Insel und insbesondere einer legendären Königin, was die Mystik noch weiter steigert. Lesenswert!


Der Schwarze Thron - Die Königin (Kendare Blake)

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Noch leben die Drillinge Arsinoe, Katharine und Mirabella, doch sie habe auch gerade erst das Beltanefest hinter sich gebracht. Das Jahr des Aufstiegs der neuen Königin hat begonnen, eine von ihnen muss ihre Schwestern umbringen, um die Krone zu bekommen. Katherine ist nach ihrem Sturz in die Brecciaspalte wie verändert, Mirabella hat keine große Lust, ihre Schwestern zu töten, doch Arsinoe hat sich trotz ihrer scheinbaren Chancenlosigkeit noch nicht aufgegeben…

Kendare Blake hat mit ihrer Geschichte um den Schwarzen Thron einen Fantasy-Vierteiler geschaffen, der mit der interessanten Hintergrundgeschichte um die Königinnen-Drillinge mit den verschiedenen Gaben punktet, von denen nur eine überleben und gekrönt werden kann. War der Verlauf des ersten Bandes gerade zu Anfang noch etwas schwerfällig, ist dies in diesem zweiten Teil „Die Königin“ genau andersherum: Auf den ersten Seiten scheinen sich die Ereignisse geradezu zu überschlagen, es gibt heftige Auseinandersetzungen und zwei Offenbarungen, die dem Finale eines Bandes würdig wären und ganz andere Vorzeichen setzt. Das Tempo ist hoch, und natürlich möchte der Leser erfahren, mit welchen Tricks und Intrigen die drei Mädchen versuchen, die Krone zu erlangen, ihre Lieben zu schützen oder schlicht am Leben zu bleiben. Das ist auch anfangs sehr gut gelungen und führt zu einigen dramatischen Ereignissen, die sich aber im weiteren Verlauf zu wiederholen scheinen. Besonders eine Idee wird gleich mehrfach aufgegriffen und sorgt für Verzögerungen in dem Verlauf der Handlung und dafür, dass alle drei Schwestern länger überleben als gedacht. Schade ist auch, dass einige der von der Autorin aufgestellten Regeln gebrochen werden, die im ersten Band noch ganz anders dargestellt wurden.

Macht das aus „Die Königin“ ein schlechtes Buch? Keinesfalls! Immer noch ist die Aufregung zu spüren, die das interessante Setting mit sich bringt, immer noch haben die Charaktere Zeit, um sich weiterzuentwickeln und immer noch hat mich die magische Welt in ihren Bann gezogen. Ich habe die vielen kleinen Details um die Vergangenheit der Insel aufgesogen, vertiefte Regeln um den Aufstieg oder die Beziehung zum Festland verinnerlicht und die Erwähnungen der geheimnisvollen Göttin genossen. Auch die häufig und schnell wechselnden Sprünge zwischen den verschiedenen Handlungssträngen sind sehr gelungen, besonders wenn eine längere Szene aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt werden. Es gibt aber auch ein paar sehr gruselige, unheimliche Szenen, die dann mittendrin enden und erst später wieder aufgegriffen werden – sehr gelungen. Das Ende konnte man zwar ein wenig vorausahnen, doch die genauen Umstände bieten einige Überraschungen, ebenso wie eine heftige Wendung ganz am Ende die Zeichen für den folgenden Band noch einmal umwirft.

„Die Königin“ beginnt äußerst stark, abwechslungsreich und spannend, was zwar nicht den ganzen Roman über gehalten werden kann, was aber immer noch sehr atmosphärisch und dramatisch geraten ist. Den Charakteren wird die Möglichkeit zur Weiterentwicklung gegeben, es gibt viele neue Informationen und spannende Szenen, was mir sehr gefallen hat – und die Lust auf den weiteren Verlauf des Vierteilers noch deutlich gesteigert hat.


Blutnebel (Thomas Enger und Jorn Lier Horst)

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Oslo steht unter Schock, als bei einer Bombenexplosion im Hafen mehrere Menschen umkommen. Schnell steht fest, dass es sich um einen Terroranschlag handelt, sodass Ermittler Alexander Blix auf den Fall angesetzt wird. Dabei begegnet er einer Frau, die nur knapp überlebt hat – und die er noch aus einem früheren Entführungsfall kennt, der nie gelöst werden konnte. Da er alleine nicht weiterkommt, bittet er erneut die Journalistin Emma Ramm um Hilfe, und gemeinsam decken sie ein unglaubliches Verbrechen auf…

Mit „Blutnebel“ hat das Autorenduo Thomas Enger und Jorn Lier Horst bereits seinen zweiten Roman um das ungleiche Duo aus Polizist Alexander Blix und Journalistin Emma Ramm geschrieben und ist dabei wieder in die norwegische Metropole Oslo eingetaucht. Schon gleich zu Beginn erschüttert der Bombenanschlag am Hafen der Hauptstadt im wahrsten Sinne des Wortes die Bevölkerung. Hier wird gleich die Stimmung für den gesamten Roman vorgegeben, die sehr düster und markant ausgefallen ist. Das schockierende Ereignis ist ein guter Startpunkt, doch auch danach entwickelt sich die Handlung sehr gekonnt weiter. Besonders die Verknüpfung zu dem bislang ungelösten Entführungsfall eines kleinen Mädchens ist sehr gelungen aufbereitet. Natürlich ist dem Leser schnell klar, dass ein Zusammenhang zwischen der Vergangenheit und den aktuellen Ereignissen bestehen muss, doch das ist sehr trickreich geraten und verbindet sich im Laufe der Zeit immer enger. Der Plot ist gekonnt zusammengefügt und wartet mit einigen Überraschungen auf – ganz besonders am Ende, als eine unerwartete Wendung ein ganz anderes Licht auf die Ereignisse wirft. Das wirkt dann ruhiger und zurückgenommener als der spektakuläre Beginn, ist aber genau deswegen so gelungen und überraschend.

Im Laufe der Zeit kommt man den Figuren noch deutlich näher als im ersten Band, besonders Emma Ramm und ihre psychischen Probleme bekommen mehr Hintergrund und Substanz, sodass die Figur deutlich klarer umrissen wird. Durchaus feinfühlig geschildert gefällt mir dieser Teil der Geschichte ebenfalls sehr gut, insbesondere weil auch die Beziehung zu Alexander dadurch belastet wird. Doch auch andere Figuren erhalten ihren Moment im Rampenlicht und bekommen so die Aufmerksamkeit gewidmet, dass man mit ihnen mitfiebern kann. Hinzu kommt die gelungene Verwendung der Sprache, die mit ihren atmosphärischen Beschreibungen und dichten Stimmungen die Wirkung der Handlung unterstützt.

„Blutnebel“ stellt die aus dem ersten Teil bekannten Figuren noch einmal intensiver dar und verleiht ihnen mehr Tiefe, was sehr gut zu der düsteren und bedrohlichen Stimmung passt und diese gelungen ergänzt. Die sehr markante Eingangsszene, die Verbindung mit einem ungelösten Fall aus der Vergangenheit und ein spannender Verlauf sorgen für einen abwechslungsreichen und durchgängig interessanten Verlauf. Ein Band der Reihe, der mir wieder äußerst gut gefallen hat.


Hidden Worlds 1 – Der Kompass im Nebel (Mikkel Robrahn)

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Um sich und seinen psychisch kranken Vater über Wasser zu halten, jobbt der 20-jährige Elliot in einem Fast-Food-Restaurant, den er aber bald wieder verliert. Auf der Suche nach einer neuen Anstellung landet er im Merlin-Center, wo ihn eine ganz andere Welt erwartet. Er erfährt, dass zahlreiche Fabelwesen aus Avalon in unserer Welt gefangen sind, seit die Wege dorthin von der Kirche verschlossen wurde. Doch ausgerechnet Elliot fällt ein Kompass in die Hände, der ihn und seine neuen Freunde in die magische Welt zurückführen könnte…

Als Newcomer in der Autorenwelt hat der norddeutsche Mikkel Robrahn gleich eine große Anhängerschar seines Auftretens in den Sozialen Medien im Gaming-Bereich mitgebracht. Für seine Reihe um die „Hidden Worlds“ hat er sich eine Urban Fantasy-Geschichte erdacht, in der die magische Welt mit unserer Realität in Berührung kommt. Das erinnert stellenweise deutlich an andere Vertreter des Genres und enthält einige Ideen, die mir durchaus bekannt vorkommen. Doch insgesamt ist eine durchaus lebendige und gut zusammengestellte Welt entstanden, die mit vielen humorigen Einlagen für eine charmante Stimmung sorgt. Ich mag die lockere Erzählweise und den flüssigen Verlauf, die den ersten Teil „Der Kompass im Nebel“ prägen. Allerdings gibt es auch zahlreiche Passagen, in denen nicht allzu viel passiert und in denen die Handlung ein wenig zu sehr auf der Stelle zu treten scheint. Und obwohl dabei einige neue Informationen über die magische Welt eingebaut sind, ist die Ereignisdichte leider zu gering, um durchgängig packen zu können.

Das mach auch daran liegen, dass ich mit Elliot als Person nicht so recht warm geworden bin, er verhält sich etwas zu oft kindisch und dickköpfig, hat sich unlogisch Verhalten oder die Schuld bei anderen gesucht. Es gibt allerdings einige Nebenfiguren, die durchaus viel Esprit besitzen und denen ich gern begegnet bin, völlig auffangen können sie die Geschichte indes nicht. Der Schreibstil des Autors ist allerdings durchaus ansprechend und flüssig, zumal durch die Kürze des Romans ein angenehmer Lesefluss entsteht.

„Der Kompass im Nebel“ präsentiert eine durchaus stimmige, wenn auch nicht völlig eigenständige Welt mit hübsch zusammengestellten Ideen. Leider ist dieser erste Band noch etwas ereignisarm umgesetzt und konnte mich nicht durchgängig in seinen Bann ziehen – trotz vieler charmanter Momente, die für gute Unterhaltung sorgen. Das Interesse am zweiten Band der neuen Buchreihe ist bei mir insgesamt aber geweckt.


Eisgrab (Mads Peter Nordbo)

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Der dänische Journalist Matthew Cave ist auf der Suche nach seiner verschwundenen Halbschwester erneut in Grönland unterwegs, wieder in Begleitung der geheimnisvollen Inuit Tuparnaaq. Doch statt auf Arnaaq finden sie lediglich Blutspuren, die auf eine grausame Tat hindeuten. Seine Ermittlungen bleiben nicht unentdeckt und ziehen die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich. Denn nicht nur Arnaaq, sondern auch den gemeinsamen Vater umgibt ein düsteres Geheimnis…

Mads Peter Nordbo ist so sehr von Grönland fasziniert, dass er nicht nur selbst dorthin übergesiedelt ist, sondern auch seine Buchreihe um Matthew Cave in seiner Wahlheimat spielen lässt. Der zweite Band „Eisgrab“ kann den positiven Eindruck seines Vorgängers halten und in einigen wichtigen Details sogar noch steigern, dennoch sollte man die Bücher in der Reihenfolge ihres Erscheinens lesen und nicht einfach mit dem vermeintlich stärkeren Band anfangen – wichtige Zusammenhänge gehen dabei nämlich verloren und erschweren dann das Verständnis. Doch eben darin liegt die Stärke und die Steigerung der Stimmung: Man taucht noch tiefer in die Figuren ein, lernt insbesondere Matthew noch besser kennen und wird mit einem überraschend komplexen Hintergrund belohnt. Nun konnte ich auch eine engere Bindung zur Hauptfigur aufbauen und so mehr mitfiebern als im ersten Teil. Deswegen ist es etwas bedauerlich, dass der Autor noch auf äußerst grausame Morde und recht explizite Beschreibungen zurückgreift – was zwar sicherlich die Stimmung steigert, insgesamt aber doch etwas überzogen wird.

Sehr gut gefällt mir die dichte Stimmung Grönlands mit seinen eisigen Weiten und der sehr detailreich und atmosphärisch geraten ist. Die Landschaften, aber auch die Bevölkerung und der Bezug zu den Inuit sind sehr gut geschildert. Auch der Ablauf der Handlung weiß zu überzeugen, immer weitere Wendungen, Informationen und Überraschungen sorgen für viel Spannung. Sicherlich war einiges vorauszuahnen, dennoch wollte ich immer wissen, wie es weitergeht und wie alles zusammenhängt. Besonders gelungen ist das Thema mit einem gesellschaftspolitisch brisanten Thema um Macht, Erniedrigung und Unterdrückungen unter einem perfiden Deckmantel – sehr packend aufbereitet und besonders schrecklich, weil ähnliches immer mal wieder tatsächlich zutage gefördert wird.

„Eisgrab“ ist atmosphärisch genau wie sein Vorgänger sehr dicht erzählt und packend geraten, auch wenn die Brutalität einiger Taten zu dick aufgetragen wirkt. Doch die Gestaltung der Charaktere und besonders Matthews familiärer Hintergrund überzeugen mit deutlich mehr als noch im ersten Band, der enge Zusammenhang zwischen ihm und dem Fall bringt zusätzliche Brisanz mit ein. Wieder wird auf zwei Zeitebenen erzählt, sodass eine komplexe und sehr lesenswerte Geschichte entstanden ist.


Eisrot (Mads Peder Nordbo)

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Der Fund einer lange im Eis konservierten Leiche im kalten Grönland schlägt hohe Wellen, auch der dänische Journalist Matthew Cave will vor Ort von den Ereignissen berichten. Doch kaum dort angekommen wird der wachhabende Polizist brutal ermordet und ausgeweidet. Matthew Cave stellt von Neugier getrieben auf eigene Faust Ermittlungen zu den Zusammenhängen an und trifft dabei auf die ungewöhnliche Tuparnaaq, die gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde…

In Skandinavien hat man einen ziemlichen Hang zu düsteren Thrillern – so zumindest lassen es die zahlreichen Veröffentlichungen hierzulange erscheinen. Mads Peder Nordbo hat die Landkarte dabei weiter gen Norden geöffnet und lässt seine Romanreihe um den Journalisten Matthew Cave in seiner Wahlheimat Grönland spielen. Im ersten Teil mit dem Titel „Eisrot“ legt er ein recht schnelles Tempo vor, durch einen spannenden Prolog wird das Thema der Handlung angerissen, und auch schon wenige Szenen danach befindet sich Matthew selbst in den Ermittlungen um die gefrorene Leiche und den ermordeten Wachmann. Das Tempo kann dabei fast durchgängig gehalten werden, die Ereignisdichte ist recht hoch und sorgt für einen spannenden und flüssigen Verlauf. Ich mag, wie der Autor viel Lokalkolorit eingebaut hat – und das nicht nur in den eisigen Landschaften oder dem speziellen Menschenschlag, der in Grönland lebt. Vielmehr hat er auch zahlreiche gesellschaftspolitische Positionen eingebracht und sogar Hintergrundwissen über das Land und die besondere Beziehung zu Dänemark eingebaut. Ich mag es, wenn ein Land nicht nur bloßer Schauplatz ist, sondern die Geschichte nur an diesem Ort erzählt werden konnte – und das hat Nordbo hier geschafft.

Leider hat dabei aber die Ausgestaltung der Charaktere für meinen Geschmack etwas zu wenig Raum eingenommen. Zwar wurde die geheimnisvolle Tuparnaaq mit einigen individuellen Eigenschaften belegt, die dem aufmerksamen Leser aber unweigerlich an andere, ähnlich gestrickte Figuren denken lassen – manche Parallelen sind so stark, dass es eigentlich kein Zufall sein kann. Sowohl Matthew als auch einige wichtige Nebencharaktere sind in diesem ersten Band aber erst einmal recht blass geblieben, sodass ich keine wirkliche Bindung zu ihnen aufbauen konnte. Und auch die Brutalität einiger Beschreibungen ist mir etwas sauer aufgestoßen du kratzt schon am Rande des Erträglichen, was oft eher wie Effekthascherei wirkt.

Die düstere Stimmung und der beklemmende Hintergrund des Romans können gemeinsam mit zwei Zeitebenen, auf denen erzählt wird, eine spannende Wirkung entfalten. Der Verlauf ist sehr flüssig und mit vielen gelungenen Wendungen versehen, die Zeichnung der Charaktere hätte aber durchaus schärfer sein können. Dennoch ist ein gelungener Einstieg in die Serie gelungen, sodass ich mich auf weitere Teile um Matthew Cave und Tuparnaaq freue.


Todesnacht (Ragnar Jonasson)

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Gerade hat sich der junge Polizist Ari in der kleinen Stadt Siglufjördur eingelebt, als durch einen Mord an einem ortsansässigen Handwerker eine Welle des Schreckens durch den isländischen Ort braust. Denn niemand scheint ein Motiv für die blutige Tat gehabt zu haben, im Gegenteil war Elias Freysson sehr beliebt und angesehen. Doch schon bald zeigt sich bei Aris Ermittlungen, was alles hinter der harmonischen Fassade des Städtchens steckt…

Ragnar Jonasson hat sich als isländischer Krimiautor auch hierzulande mittlerweile einen Namen gemacht, unter anderem mit seiner Romanreihe um den noch jungen und unerfahrenen Ari. Nach dem großen Erfolg der „Hulda“-Trilogie ist nun auch der zweite Teil der Reihe um den isländischen Polizisten mit dem Titel „Todesnacht“ neu veröffentlicht worden. Auch hier schafft er es, die düstere Stimmung Islands gekonnt einzufangen und in die Handlung zu integrieren, aber auch gesellschaftliche Themen der nördlichen europäischen Insel einzubinden – und zeichnet dabei kein Bild, das sich sonderlich gut mit dem romantisch verklärten Nordlichtbild der Tourismusindustrie deckt. Wie bereits der Mord an Elias Freysson sind auch andere angesprochene Themen brutal und hart, was dem Roman aber auch besonderen Reiz verleiht und eine sehr dichte Stimmung heraufbeschwört. Die Charaktere sind sehr fein gezeichnet und sehr glaubhaft und nahbar geschildert, wobei man schnell eine Bindung zu ihnen aufbauen kann.

Der Verlauf des Buches ist insgesamt zwar recht flüssig und angenehm zu lesen, im Mittelteil sind jedoch auch einige Szenen zu finden, die sich in die Länge ziehen und nicht so recht auf den Punkt kommen wollen. Dieser Effekt gibt sich zwar mit der Zeit wieder, wenn das Tempo gegen Ende spürbar ansteigt, hier hätte ich mir aber eine konsequentere Erzählweise gewünscht. Und leider schleichen sich im Laufe der Handlung auch ein paar Ungereimtheiten ein, die in ihrer Summe einen eher unglaubwürdigen Eindruck hinterlassen – die Fähigkeiten einiger Figuren in dem Roman werden zu sehr ausgereizt. Der Plot an sich und die vielen, fein komponierten Zusammenhänge und Hintergründe sind aber sehr stimmig erdacht und geben, ganz am Ende nach einer spannenden Auflösung – ein sehr gelungenes und durchdachtes Gesamtbild ab.

„Todesnacht“ ist trotz einiger Längen im Mittelteil ein aufregender und spannend erzählter Thriller geworden, der besonders mit seiner markanten Einordnung in die isländische Umgebung zu gefallen weiß. Die verschlungenen Hintergründe, die mit der Zeit aufgedeckt werden, sind bedrückend und ergreifend geschildert, ebenso wie die Charaktere zu überzeugen wissen. Ein durchaus gelungener Roman, der für einige spannende Stunden sorgt.


Der schwarze Thron - 1. Die Schwestern (Kendare Blake)

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Katherine, Arsinoe und Mirabella sind die Drillinge der vorigen Königin der Insel Fennbirn, eine von ihnen wird deren Nachfolgerin werden – doch erst, nachdem sie ihre beiden Schwestern umgebracht hat. So will es die Jahrhundertelange Tradition. Im Jahr ihres 16. Geburtstages scheint bereits festzustehen, dass dies Mirabella sein wird, da ihre Gabe der Elementwandlerin sehr stark ausgeprägt ist, während Katherine als Giftmischerin kaum Resistenzen gegen die meisten Gifte zeigt und Arsinoes Gabe als Naturbegabte noch nicht erwacht ist. Und so bereitet sich jede der drei auf ihre eigene Weise auf das Beltanefest vor, das zwei von ihnen den Tod bringen wird…

Mit ihrer Reihe „Der schwarze Thron“ hat die britische Autorin Kendare Blake einen sehr eigenwilligen Fantasy-Epos geschaffen, der mit „Die Schwestern“ ihren Auftakt findet. Dabei hat sie mit der Insel Fennbirn und dem Festland, das nur nebenbei eine Rolle spielt, eine ganz eigene Welt mit eigenen Regeln geschaffen, in der viele Menschen mit einer Gabe ausgestattet sind. Die drei oben bereits genannten – Elementwander, Giftmischer und Naturbegabte – sind die häufigsten, es gibt aber auch weniger häufig vertretene Gaben, aber auch Menschen ohne Gabe, denen nur niedere und gefährliche Blutmagie bleibt. Auf Grundlage dieser menschlichen Besonderheiten hat sie den Hintergrund um eine geheimnisvolle Göttin und der matriarchischen Welt der Königinnen geschaffen, deren drei Kinder dazu bestimmt sind, einander umzubringen – was die mächtigsten Familien der Insel gleichwohl für ihre eigenen Zwecke nutzen wollen. So spinnt sich langsam die dreigeteilte Handlung, in der etwa bis zur Hälfte erst einmal nicht viel passiert, die aber dennoch sehr spannend geraten sind. Denn die voneinander getrennten Drillinge, aber auch andere wichtige Figuren werden zunächst in ihrem eigenen Leben ausführlich vorgestellt, wobei man während dieser Passagen ebenso von dem mystischen Hintergrund und der brutalen Inthronisierung der Königinnen erfährt. Wenn dann das Beltanefest in greifbare Nähe rückt, nimmt die Handlung deutlich an Schwung aus, die Stränge kreuzen sich auf teils unerwartete Weise, es gibt deutlich mehr Wendungen und Überraschungen. Zwar wirken einige Handlungen der Charaktere dabei unüberlegt und wollen nicht recht zu dem bisherigen Eindruck passen, der Spannung tut das jedoch keinen Abbruch.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr gelungen, da sie nicht nur den Figuren, sondern auch der von ihr erdachten Welt in klaren Bildern und mit prägnanter Wortwahl einen sehr markanten Eindruck verleiht. Sie schafft völlig eigenständige Charaktere, dichte Stimmungen und viele einprägsame Szenen, die positiv im Gedächtnis bleiben. Auch das Funktionieren der Magie wird von ihr gut angerissen – es bleiben aber noch genügend Rätsel übrig, die in den Folgebänden geklärt werden können. Und neben der Idee der drei Schwestern sind es auch die Machtspiele und Intrigen des Rates und der Angehörigen des Tempels, die zu überzeugen wissen und der Handlung eine weitere Ebene hinzufügen. Die Kapitel enden oft in kleinen Cliffhanger, bevor zur nächsten Szenerie umgesprungen wird, wobei der Handlungsort immer als Orientierung als Kapitelüberschrift genannt wird. Auch kleinere Zeitsprünge sind geschickt eingebaut, um die Handlung durchgängig interessant zu halten. Zwar habe ich stellenweise den Überblick über einige Nebenfiguren verloren – vor allem wenn sich die drei Handlungsstränge vereinen – doch mit ein wenig Konzentration konnte ich alles sehr gut nachvollziehen,

„Die Schwestern“ ist in der ersten Hälfte zwar durch recht wenige Entwicklungen geprägt, dafür werden die Charaktere, der Schauplatz und der mystische Hintergrund der Welt jedoch sehr gelungen und abwechslungsreich dargestellt. Das hat für mich bereits viel Spannung aufgebaut, da man ja weiß, auf welches Ereignis dieser erste Band hinauslaufen würde. Die Stimmung ist dicht und düster, die Entwicklung im zweiten Teil der Handlung packend, sodass mich diese Buchreihe bereits hier voll in ihren Bann gezogen hat.


Cold Case - Das verschwundene Mädchen (Tina Frennstedt)

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Als sich die Fälle von Vergewaltigungen und Morden von jungen Frauen mehren, geht die Polizei von einem Serientäter aus und setzt die erfahrene Ermittlerin Tess Hjalmarsson auf den Fall an. Diese entdeckt schon bald Zusammenhänge zu einer ähnlichen Tat, in der sie vor vielen Jahren ermittelt hat und den sie nie lösen konnte. Doch sucht sie nur die Parallelen zwischen den Taten, da sie der Mutter des ersten Opfers versprochen hat, den Täter mit allen Mitteln zu fassen…

Die schwedische Kriminalreporterin Tina Frennstedt ist nun auch unter die Autoren gegangen und hat mit „Das verschwundene Mädchen“ den ersten Teil ihrer Reihe von Kriminalromanen veröffentlicht, die nicht nach der Hauptfigur benannt ist, sondern mit dem Titel „Cold Case“ darauf hindeutet, dass ein ungelöster Fall aus der Vergangenheit aufgeklärt werden soll. Hier hat sie diesen jedoch auch mit aktuellen Ereignissen verknüpft, was Spannung und Dramatik noch einmal ansteigen lässt. Die Erzählweise ist zunächst streng chronologisch und konzentriert sich auf die aktuellen Ermittlungen, wobei hier sogar mit Zeitangaben gearbeitet wird – sehr gelungen, um ein Gefühl für die Dauer der Ermittlungen zu bekommen. Später sind aber auch einige Rückblenden zu den Geschehnissen des ersten Falles eingebaut. Wie sich dies parallel weiterentwickelt, immer umfangreicher wird und langsam ein komplettes Bild der Taten und deren Hintergründe zeichnet, ist sehr gelungen. Mir gefällt auch der Spannungsaufbau mit mehreren falschen Fährten und überraschenden Wendungen, was den Unterhaltungswert durchgängig hoch hält.

Einen recht großen Anteil an dem Roman hat auch das Privatleben von Tess Hjalmarsson und ihren Problemen mit ihrer Exfreundin, einer leidenschaftlichen und recht dominanten Frau, wobei bei beiden immer noch offensichtlich eine Anziehungskraft besteht. Zwar gibt das der Handlung noch einmal eine andere Note und sorgt für ein paar kurzweilige Verwicklungen, allerdings scheint dieser Teil oft auf der Stelle zu treten und nimmt für meinen Geschmack etwas zu viel Raum ein und hemmt die Entwicklung der eigentlichen Handlung. Die Atmosphäre des Thrillers ist dicht und stimmig geraten, viele reale Schauplätze oder Details sorgen für einen passenden Eindruck.

„Cold Case – Das verschwundene Mädchen“ ist ein starker Auftakt der Thrillerreihe geworden, auch wenn der Erzählfluss gerade im Mittelteil ein wenig zäh geraten ist und zu viele Details aus dem Privatleben der Ermittlerin eingebaut sind. Die akribischen Ermittlungen und die sich kreuzenden Fälle aus Gegenwart und Vergangenheit sorgen aber dennoch für einen spannenden Verlauf und einen gelungenen Gesamteindruck des Buchs.


Schräge Vögel singen nicht (Lars Lent)

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Leo Vangen lebt nach seinem Jurastudium in einem baufälligen Haus seiner Eltern auf Bærum, einer kleinen Insel vor Oslo. Und genau damit fällt er schon zwischen den ansonsten reichen und erfolgreichen, aber auch recht korrupten Bewohnern auf. Als beim Fischen ausgerechnet vor seinem Haus ein menschliches Ohr auftaucht, das sich als Teil eines ermordeten polnischen Bauarbeiters entpuppt, kann Leo Vangen endlich in seinem ersten großen Fall ermitteln…

„Schräge Vögel singen nicht“ wird hierzulande als zweiter Teil der Reihe um Leo Vangen beworben, im norwegischen Original handelt es sich jedoch um den ersten Band, den Lars Lent verfasst hat. Und so mag es den deutschen Leser vielleicht auch etwas wundern, dass zunächst einige Zeit darauf verwendet wird, Charaktere vorzustellen oder die Beziehung zwischen Leo und seiner Jugendliebe Marieke auf einem ganz anderen Stand ist als zu Ende von „Der Lärm der Fische beim Fliegen“. Wer davon absehen kann und sich auf die dadurch entstehenden kleinen Längen bei Erklärungen von bereits bekanntem absehen kann, wird aber wieder mit einer herrlich überspitzten Szenerie belohnt, die anders als der typische „Schweden-Krimi“ mit viel Humor daherkommt. Dafür sorgen die wunderbar überspitzten Charaktere, die eine sehr markante Note mitbringen, aber dadurch auch stellenweise etwas schablonenhaft wirken – wer böse ist, lässt dies in all seinen Taten durchscheinen, menschliche Grauzonen scheint es nicht zu geben. Auch die Handlung setzt oft eher auf gesellschaftspolitische Kritik denn auf einen spannenden Aufbau mit markanten Thriller-Elementen, aber genau das wollte der Autor ja auch erreichen.

Auch die Verwendung der Sprache ist ungewöhnlich, es wird geflucht, an einigen Stellen etwas ordinär, aber dadurch auch modern und authentisch geschrieben. Ich mag auch hier wieder den bitterbösen und hintergründigen Humor des Autors, der sich immer wieder auch an unerwarteten Stellen zeigt. Das hat für einige Lacher gesorgt und die Geschichte immer wieder aufgelockert und reizvoll werden lassen – selbst wenn sich der Autor in nicht furchtbar interessanten Nebenhandlungen aufhält, die den Verlauf der Geschichte verzögern. Mir gefällt, dass die Stimmung und Norwegen und speziell in Oslo so authentisch dargestellt wird und viele authentische Details eingebunden sind.

Auch in diesem Band gibt es kleinere Schwächen, insbesondere wenn sich die Geschichte zu sehr auf Nebenschauplätze konzentriert und dabei einige langatmige Szenen entstehen. Der eigentliche Plot wirkt aber etwas dichter als im ersten Band der Reihe. Die wundervoll überzeichneten Figuren und die skurrile Szenerie sorgen gemeinsam mit dem schwarzen Humor der Geschichte jedoch für einen unterhaltsamen Roman.


Hinterhalt (Oistein Borge)


Gemeinsam mit seinem Vater ist der norwegische Interpol-Ermittler Bogart Bull nach Nordirland gereist, um nach langen Jahren seinen Großvater zu besuchen. Doch die Urlaubsatmosphäre wird jäh unterbrochen, als er zu einem neuen Fall abkommandiert wird, den er gemeinsam mit der ortsansässigen Chief Inspector Miriam Dixon in einem Mordfall ermitteln soll: In einem abgelegenen Waldstück hat ein altes Ehepaar an einem geschichtsträchtigen Ort eine Leiche entdeckt – und wurde kurz danach offenbar ebenfalls getötet. Doch wer hat Interesse daran, die Vergangenheit zu verschleiern…?

Bereits „Kreuzschnitt“ von Oistein Borge hat mir außerordentlich gut gefallen, und auch „Hinterhalt“, der zweite Band der Reihe um Bogart Bull, ist in meinen Augen ein Volltreffer – selbst wenn der Ablauf dem ersten Teil der Reihe ähnelt: Wieder wird der Ermittler in einen internationalen Fall mit geschichtsträchtigem Hintergrund hineingezogen, in dem sich die Vergangenheit auf äußerst clevere Weise mit fiktionalen Ereignissen aus der Gegenwart verbindet. Doch es gibt noch zahlreiche Elemente, die das Buch trotz vertrauter Atmosphäre anders, neu und frisch wirken lassen. Zum einen ist das der wohltuende Ortswechsel, wobei der Sprung von der französischen Riviera ins nördliche Irland nicht nur eine andere Stimmung, einen anderen Schlag von Menschen mit sich bringt, was der Autor gekonnt einfließen lässt. Auch der historische Hintergrund wird sehr gekonnt dargestellt und mit der gut funktionierenden Zweiteilung der Handlung von Vergangenheit und Gegenwart versehen. Der angenehme Lerneffekt über viele Hintergründe der irischen Separationsbewegung ist dabei clever eingebaut, zu keinem Zeitpunkt fühlt man sich in einer langweiligen Geschichtsstunde gefangen.

Auch der Ablauf der Handlung unterscheidet sich gar nicht mal so sehr von seinem Vorgänger, der Autor folgt einem ähnlichen Rhythmus von neuen Rätseln und packenden Offenbarungen, sodass man immer tiefer in die Handlung und ihre Hintergründe eintaucht. Die eingebauten Überraschungen und Wendungen sind aber dennoch sehr wirkungsvoll, was mit viel Energie und in markanten Szenen umgesetzt wurde. Toll ist auch, dass die Charaktere durchaus ihren Einfluss auf die Handlung haben und ihr eine eigene Färbung geben, man mitfiebert und immer neue Eigenheiten entdeckt, diese sich aber nicht in den Vordergrund drängen. Auch die neue Ermittlerin Miriam Dixon ist eine Bereicherung für den Roman, der Leser lernt eine interessante Figur kennen, auf die sich auch Bogart Bull erst einmal einstellen muss, was für reizvolle Momente sorgt.

Bogart Bull wird in einen ganz neuen Kontext gesetzt, ermittelt in einer anderen Umgebung und wieder in einem Fall, in dem Historie und Gegenwart gekonnt kombiniert werden. Das sorgt nicht nur für eine eigenwillige Stimmung, sondern für viele gut recherchierte und lesenswert aufbereitete Informationen über Irlands Geschichte. Mit authentischen Figuren versehen und vielen Wendungen gespickt ist auch der zweite Teil der Reihe sehr empfehlenswert geraten.


Die Rückkehr des Würfelmörders (Stefan Ahnhem)

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Nicht nur die Ehe von Fabian Risk steht auf dem Spiel, auch sein Sohn Theodor sorgt für Probleme und wird verhaftet. Doch Fabian hat kaum Zeit, sich darum zu kümmern, immer noch versucht er fieberhaft, einen Zusammenhang zwischen Opfern oder Motiv zu finden. Doch als er am Tatort einen Würfel findet, dämmert ihm, dass er es scheinbar mit einem willkürlich mordenden Täter zu tun hat…

Dass es sich bei „Die Rückkehr des Würfelmörders“ um den Nachfolger von Stefan Ahnhems „Der Würfelmörder“ handelt, lässt sich recht leicht kombinieren, der Titel ist dennoch etwas irreführen – der Täter war schließlich nie gefasst oder identifiziert, sodass es sich hier eher um eine zusammenhängende Geschichte handelt. So ist dann auch der Start in den Thriller sehr aufregend geraten und knüpft direkt an den Vorgänger an, setzt begonnene Handlungsstränge fort und damit auch Detailwissen voraus – das Lesen in einem Rutsch empfiehlt sich also dringend. Auf der privaten Ebene ist eine Verschärfung der Situation festzustellen, durch seine Ermittlungen entfernt sich Fabian Risk immer weiter von seiner Familie und kann sich anbahnende Katastrophen deswegen kaum aufhalten, was für einige aufwühlende oder emotionale Szenen mit feiner Beobachtungsgabe der Beziehungen sorgt, aber eben nicht im Vordergrund steht – eine gelungene Ergänzung zu dem eigentlichen Fall. Beziehungsweise zu den eigentlichen Fällen, da hier gleich mehrere Handlungsstränge parallel laufen, jeder von ihnen klug durchdacht und spannend aufbereitet. Es macht Spaß zu lesen, wie sich die verschiedenen Ebenen weiterentwickeln, besonders da der Autor es geschafft hat, zahlreiche spannende und packende Wendungen einzubauen und den Leser damit immer wieder zu überraschen.

Die Idee des Würfelmörders wird dabei natürlich weitervertieft, sein Antrieb und seine Vorgehensweise formen dabei einen sehr interessanten Charakter, dessen Vorgehen immer wieder für Rätsel sorgt. Und auch die anderen Handlungen im Buch können mit markanter Stimmung und immer dichter werdender Spannung überzeugen, mehr als einmal wird es brenzlig für Risk und sein Team. Das liegt auch an der prägnanten Nutzung der Sprache und der dichten atmosphärischen Gestaltung, die gut auf den Spannungsbogen abgestimmt sind.

„Die Rückkehr des Würfelmörders“ überzeugt mit der weiterhin faszinierenden Idee des Mordes nach dem Zufallsprinzip, aber auch mit einer spannend erzählten und temporeichen Handlung auf mehreren Erzählebenen. Das sorgt für einen dynamischen Eindruck und einen sehr flüssigen Verlauf, in der durchgängig für Spannung gesorgt ist. Sehr empfehlenswert!


Der Lärm der Fische beim Fliegen (Lars Lenth)

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Nach seinem Jura-Studium ist Leo Vangen keine sonderlich nennenswerte Karriere gelungen, sodass sein Leben in Oslo bestenfalls als beschaulich bezeichnet werden kann. Abwechslung bekommt er, als sein alter Freund Axel Platou ihn um Hilfe bittet, da bereits mehrere Anschläge auf seine Lachszucht im Norden Norwegens verübt wurden. Doch nicht nur er ist hinter den Tätern her, auch drei Mitarbeiter der Zucht sind hinter ihnen her – und das mit drastischeren Methoden als die von Leo…

Ja, Autor Lars Lenth kommt aus Skandinavien und ja, er hat einen Krimi geschrieben. Mit dem üblichen „Schweden-Krimi“ sanft psychisch erkranktem Ermittler und düsterer Atmosphäre ist hier aber nichts zu spüren, „Der Lärm der Fische“ schlägt eine ganz andere Richtung ein und ist auch in der Tonalität eine erfrischende Abwechslung. Durchgängig kommt ein bitterböser, schwarzer Humor auf, und auch wenn nicht alle Gags so richtig zünden, ist die lockere Schreibweise des Autors durchgängig unterhaltsam und hat mir beim Lesen zahlreiche Lacher abgerungen. Spannend ist dabei, dass in dem Roman aber auch deutliche Gesellschaftskritik eingebaut ist, an der Beziehung von Gesellschaft und Tier, an der Maxime des größtmöglichen Gewinns, an dem Verlust der ursprünglichen Natur. Man merkt aber auch, dass der Autor kontroverse und markante Charaktere schaffen wollte, wobei er in meinen Augen aber stellenweise über das Ziel hinausgeschossen ist. Gerade die wichtigen Nebenfiguren wirken allzu schablonenhaft und plakativ, die Guten sind durchgängig gut, die Bösen abgrundtief verdorben – Graustufen wie im wahren Leben kommen hier nicht vor.

Die Grundzüge der Handlung und das Setting gefallen mit gut, nur leider ist der Spannungsbogen recht flach geraten und lässt nur in wenigen Momenten mitfiebern. Vieles ist durch offensichtliche Spuren leicht zu durchschauen, überraschende Wendungen lassen sich teilweise auch vorausahnen. Schade ist besonders, dass das Konstrukt hinter der Handlung recht flach wirkt und hinter der humorigen Stimmung und der gesellschaftskritischen Aussage zurücktritt – hier hätte man noch mehr herausholen können und einen komplexeren Plot einbringen können.

„Der Lärm der Fische beim Fliegen“ hält, was der ungewöhnliche Titel verspricht: Eine skurrile Stimmung, viel schwarzen Humor und eine lockere, unkonventionelle Atmosphäre. Leider kann die Handlung nicht sonderlich überzeugend und ist zu vorhersehbar und flach geraten, während die Charaktere konstruiert und eindimensional wirkt. Der Unterhaltungswert ist zwar gegeben, vollkommen überzeugt hat mich der Roman dennoch nicht.


Eisige Dornen (Jonas Moström)

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Die Leiche des aufstrebenden Fußballers Hendrik Borg scheint fast friedlich, still liegt er in seinem Haus und scheint eine blaue Rose in der Hand zu halten. Dass es sich um einen Mord handelt, ist Psychiaterin Nathalie Svensson und ihrem Team zwar sofort klar, im Umfeld des Fußballers finden sie jedoch keine heiße Spur, niemand scheint Motiv und Gelegenheit zu haben. Doch dann nimmt der Fall eine unerwartete Wendung: Es werden noch weitere Leichen mit einer blauen Rose gefunden – Zusammenhänge scheint es bei der Mordserie allerdings nicht zu geben…

Bereits zum vierten Mal lässt Jonas Moström seine psychiatrische Ermittlerin Nathalie Svensson in „Eisige Dornen“ einen Mordfall aufklären, Vorkenntnisse aus den vorigen Romanen des Autors sind für das Verständnis jedoch nicht notwendig – einerseits weil die Fälle nicht aufeinander aufbauen, sondern in sich abgeschlossen sind, andererseits wegen eines übersichtlichen Verzeichnisses der verschiedenen Charaktere, die erneut auftauchen, sodass sich der „unwissende“ Leser vorab einlesen kann. Die anderen Zusammenhänge erschließen sich dann auch den jeweiligen Gegebenheiten, wobei das private Umfeld von Nathalie zwar eine gewisse Würze mit einbringt, ihr neu zu ordnendes Leben als alleinerziehende Mutter nach ihrer Scheidung steht aber keinesfalls im Vordergrund. Dennoch: Schön, dass sich die Reihe hier etwas weiterbewegt und nicht auf der Stelle tritt. Die Zusammenstellung der verschiedenen Charaktere ist sehr gelungen, wieder bringt jedes Teammitglied seine eigene Stimmung mit ein. Das kommt besonders gut zur Geltung, da die Erzählperspektive häufig wechselt und der Leser so die einzelnen Ermittlungsschritte aus erster Hand miterleben kann. Dennoch konnte ich der Handlung immer gut folgen, die klare Struktur ermöglicht eine schnelle Orientierung.

Der Fall an sich scheint zu Beginn etwas auf der Stelle zu treten, dennoch wird auch hier bereits eine spannende Atmosphäre aufgebaut. Mir gefällt besonders gut, dass hier eben keine grausigen Morde begangen werden, die vor Brutalität und Gewalt nur so strotzen, und dennoch eine sehr dichte Spannung aufkommt – spätestens mit dem Auftauchen der weiteren Todesfälle ist der Roman nämlich sehr packend geraten. Die fieberhaften, akribischen Ermittlungen und die unklaren Zusammenhänge sind gekonnt zusammengestellt, es gibt zahlreiche falsche Fährten und überraschende Wendungen, doch erst ganz am Ende ergibt sich dann ein sehr stimmiges Gesamtbild – und dann merkt man, wie wohl konstruiert das Konstrukt ist, wie fein sich die verschiedenen Stränge zusammenführen lassen. Gepaart mit dem flüssigen Schreibstil und einigen packenden Cliffhangern hat mir das sehr gut gefallen.

„Eisige Dornen“ braucht zwar einen Moment, um richtig anzulaufen, ist dann aber ein hochspannender und kurzweilig erzählter Krimi, der ohne überbordende Gewalt oder aufgesetzte Actionmomente auskommt, aber nicht an Spannung und Dramatik eingebüßt hat. Das eingebaute gesellschaftskritische Thema ist dabei das Tüpfelchen auf dem i, sodass mich der Roman von Jonas Moström vollkommen überzeugt hat.


Der Würfelmörder (Stefan Ahnhem)

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Fabian Risk riskiert für seine Arbeit als Mordermittler den Zusammenhalt seiner Familie und stürzt sich verbissen in einen neuen Fall, in dem ein Mörder scheinbar zufällig und ohne bestimmtes System in der schwedischen Küstenstadt Helsingborg sein Unwesen treibt. Risk hat kaum einen Ansatzpunkt, da der Mörder seine Taten nur aus reiner Lust am Töten verübt…

Stefan Anhem hat mit „Der Würfelmörder“ einen Romanzweiteiler verfasst, der in seiner Reihe um Kommissar Fabian Risk den Band vier und fünf markieren. Man sollte sich also vor dem Lesen bewusst sein, dass der Fall am Ende nicht aufgeklärt wird und viele Fragen offen bleiben – und insbesondere auch, dass hinter dem Titel „10 Stunden tot“ der exakt gleiche Roman steckt. Vorkenntnisse aus den anderen Bänden sind zwar nicht zwingend notwendig, da sich die wichtigsten Zusammenhänge schnell erschließen oder einige kleine Erklärungen mitgeliefert werden. Aber es gibt auch Kommentare und Gespräche, die der unwissende Leser nicht verstehen kann, weil dazu ein wenig Detailwissen fehlt. Im Grunde ist das nicht fatal, da das Buch an sich schon recht komplex ist, stellt sich doch ein paar Mal die Frage, ob man nicht doch versehentlich etwas überlesen haben könnte – ein Gefühl, welches sich durch fast die gesamte Handlung zieht.

Es vereinen sich nämlich gleich mehrere Handlungsstränge, die Idee des Würfelmörders ist nur ein Teil davon. Es ist etwas unübersichtlich, was nun im Fokus steht, was gerade ermittelt wird, was wozu gehört. Und das stört den Lesefluss leider etwas, der Roman wirkt leider recht ruckelig. Und dann – auch wenn klar ist, dass das Ende offen ist – bleibt doch ein etwas ratloses Gefühl zurück. Die Charaktere der Reihe sind gut beschrieben und bringen einen individuellen Charme mit ein. Auch gefällt mir, dass hier eben nicht nach Schema F erzählt wird, sondern ein sehr eigenständiger und innovativer Roman entstanden ist.

Es ruckelt an einigen Stellen, der Erzählfluss will sich nicht so recht einstellen, immer hat man das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Dennoch ist „Der Würfelmörder“ von Stefan Ahnhem voller interessanter Ideen, packenden Momenten, gelungenen Wendungen und einer gehörigen Portion Grausen, da die Taten sehr brutal verübt werden. Dass die Grenze zum guten Geschmack zwar gestreift, aber nie überschritten wird, ist dem Autor ebenfalls positiv anzurechnen.


Kreuzschnitt (Oistein Borge)

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Nach dem Unfalltod seiner Frau und seines Kindes verfällt der norwegische Ermittler Bogart Bull dem Alkohol, bekommt aber eine letzte Chance zur Rehabilitation: Ein Einsatz für Interpol in Südfrankreich, wo ein einflussreicher Geschäftsmann in seinem Anwesen ermordet wurde. Bull ahnt jedoch, dass es sich nicht um das erfolgreiche Unternehmen des Toten dreht, sondern um seine wertvolle Kunstsammlung…

Das Grundkonstrukt des typischen skandinavischen Krimis ist geprägt von den dunklen Momenten des nördlichen Europas, einer gewissen Melancholie und einigen psychischen Knacksen der Hauptfigur. Und auch „Kreuzschnitt“ des norwegischen Autors Oistein Borge scheint zunächst in diese Kategorie zu fallen, macht dann aber einige Dinge doch entscheidend anders und wirkt so alles andere als klischeebeladen. Denn statt eines depressiven Ermittlers wird Bogart Bull engagiert, psychisch stabil und durchweg sympathisch. Zwar spielt der tragische Hintergrund seiner Familie ab und an eine Rolle, ist aber eher eine interessante Randnotiz, die gelungene Würze einbringt statt sich zu sehr in den Vordergrund zu spielen. Ungewöhnlich ist aber auch der Umschwung von Oslo ins sonnige Frankreich, wo der Großteil der Ermittlungen stattfindet. Das sorgt für viel Flair und einen ganz anderen Ausdruck als trübe Herbstabende in Norwegen, was viel Abwechslung in die Handlung einbringt – vor allem, weil eine zweite Zeitebene eine ganz andere Stimmung mit sich bringt.

Hier werden die Ereignisse vor und während des zweiten Weltkriegs eingebunden, in der Zeitgeschichte mit künstlerischen Werken kombiniert werden. Die damalige Zeit kommt dabei sehr intensiv und ungefiltert zur Geltung, auch der aufkommende Nationalsozialismus und der spätere Krieg werden gekonnt platziert und beschwören vielfältige Bilder (und zusätzliches Wissen) herauf. Besonders gut gefällt mir jedoch, wie eng beides ineinandergreift und wie sich beide Stränge parallel zueinander steigern können. Etwa hundert Seiten vor dem Ende des Romans steht zwar eine erste Theorie über das Verbrechen im Raum, doch auch danach reißt der Spannungsbogen nicht ab, es werden noch zahlreiche Details aufgeklärt.

Der kurzweilige Schreibstil, die lebendige Atmosphäre und die spannende Handlung gefallen mir in „Kreuzschnitt“ sehr gut, gewürzt wird das durch authentische und markante Charaktere. Die beiden Zeitebenen befeuern sich gegenseitig und bringen viele spannende Entwicklungen mit sich, auch der kunstgeschichtliche Ansatz gefällt mir äußerst gut. Ein lesenswerter Roman und ein gelungener Auftakt zu einer neuen Reihe.


Winterfeuernacht (Andreas de la Motte)

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Als Laura ein heruntergekommenes Feriendorf ihrer Tante Hedda erbt, ist sie nicht gerade sehr begeistert – neben der Trauer um die geliebte Verwandte, mit der sie jedoch seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte, sind auch die Erinnerungen an die Ereignisse ihrer Jugend nicht positiv. Denn damals kam eine Freundin Lauras bei einem geheimen Luciafest nach einem Streit um einen Jungen bei einem Feuer ums Leben, das Laura nur schwer verletzt überlebt hat. Und auch jetzt scheint noch ein düsteres Geheimnis über dem kleinen Dorf zu schweben…

Auch wenn Andreas de la Motte mit „Sommernachtstod“ und „Spätsommermord“ eine kleine Reihe an Kriminalromanen gestartet und nun mit „Winterfeuernacht“ fortgesetzt hat, handelt es sich jeweils um abgeschlossene Bücher, wiederkehrende Charaktere oder gemeinsame Ereignisse gibt es nicht, sodass man jeden Teil auch unabhängig von den anderen lesen kann – eine wohltuende Abwechslung von den vielen Reihen um ein festes Ermittlerteam. Aber nicht nur deswegen fühlt sich „Winterfeuernacht“ sehr frisch und neu an, denn auch ansonsten werden keine eingetretenen Pfade beschritten, sondern ein sehr eigenständiger Ablauf konstruiert. Dabei werden zwei Zeitebenen parallel erzählt – einmal aus Lauras Jugend mit dem schrecklichen Todesfall, das andere spielt in der Gegenwart mit Lauras Rückkehr und vielen neuen Ereignisse. Beides wird sehr gelungen verbunden, die beiden Teile spornen sich gegenseitig an und beeinflussen sich auf clevere Weise. Ich gebe es gerne zu: Der Autor hat mich im Laufe des Romans immer wieder auf falsche Fährten geführt, sodass ich trotz einiger Ahnungen am Ende doch sehr überrascht war, viele wirklich unerwartete Wendungen und überraschende Ereignisse sorgen für viel Kurzweil.

Mir gefällt der Schreibstil des Autors auch hier wieder ausnehmend gut, er schafft es, sehr dichte Stimmungen zu erzeugen und so einen lebendigen Eindruck von den Ereignisse darzustellen. Die Wortwahl ist prägnant und abwechslungsreich, die Kennzeichnung der beiden Handlungsebenen sehr deutlich, sodass man dem Verlauf gut folgen konnte. Bei den Figuren hat sich der Autor natürlich vor allem auf Laura konzentriert und verleiht ihr viele Facetten, da in dem Konstrukt aber auch viele andere Personen auftauchen, die wichtig für den Verlauf sind, hat er auch diese mit individuellen Eigenschaften ausgestattet und so lebendig wirken lassen.

„Winterfeuernacht“ ist ein sehr clever konstruierter Krimi mit einer sehr prägnanten Stimmung, die auf beiden Zeitebenen sehr präsent ist. Beide entwickeln sich parallel weiter und sorgen so für eine spannende, dynamische und undurchsichtige Handlung, die mit vielen spannenden Momenten und überraschenden Wendungen überzeugt – und tatsächlich erst ganz am Ende eine stimmige und packende Auflösung präsentiert. Sehr lesenswert!


Leichenblume (Anne Mette Hancock)

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Gerade als die Karriere der Investigativ-Journalistin Helouise Kaldan durch einen fehlerhaften Artikel einen Knick bekommt, erhält sie einen merkwürdigen Brief mit vielen Details aus ihrem eigenen Privatleben, die eigentlich niemand kennen kann. Absenderin ist ausgerechnet Anna Kiel, die nach einem brutalen Mord vor einigen Jahren spurlos verschwunden ist. Helouise geht der Sache nach und trifft dabei auf den Ermittler Erik Schäfer, der den Fall endlich lösen will. Und sie merken schnell, dass sie zu zweit leichter weiterkommen als allein…

Die dänische Autorin Anne Mette Hancock hat mit „Leichenblume“ einen beeindruckenden Erstlingsroman veröffentlicht, der nach großem Erfolg in ihrem Heimatland nun auch in Deutschland erschienen ist – hierzulande mit der ikonischen Meerjungfrauenstatue an Kopenhagens Hafen auf dem Titelbild, anscheinend um den Bezug zum Schauplatz des Romans stärker wirken zu lassen. Das oben beschriebene Szenario wird zu Beginn recht schnell aufgebaut, sodass die Spannung schon früh sehr markant eingebaut ist. Dass sie danach nicht wieder nachlässt, sondern eine durchgängig aufregende Geschichte präsentiert, ist besonders bemerkenswert, da der Roman ohne brutale Elemente oder aufgezwungene Actionszenen auskommt, die Spannung ist eher aus psychologischer Sicht reizvoll.

Die Autorin schafft es hervorragend, mit dem Leser zu spielen, Fährten zu legen und ihn zu Schlussfolgerungen zu verführen, die sich dann wegen gut eingebauter Wendungen als falsch entpuppen. Dennoch wirkt der Roman auch im Rückblick nicht konstruiert, alles fügt sich stimmig zusammen und ist nachvollziehbar erklärt. Die dabei entstehende Dynamik gefällt mir besonders, da sehr abwechslungsreiche Stimmungen entstehen und immer neue Voraussetzungen gegeben sind. Die Charaktere sind dabei sehr ausgefeilt beschrieben und bringen eigenständige Noten in die Handlung ein, was nicht nur für das ungewöhnliche Ermittlerduo gilt, sondern beispielsweise auch für Anna Kiel und andere Nebenfiguren.

„Leicheblume“ überzeugt von Anfang an mit einer spannenden Handlung und vielen markanten Momenten. Die Szenerie wird sorgsam aufgebaut und mit immer neuen Elementen verstärkt, überraschende neue Erkenntnisse oder markante Umbrüche sorgen für einen sehr spannenden Eindruck des Romans. Auch die Charaktere sind sehr gekonnt beschrieben und drücken der Handlung immer wieder ihren Stempel auf. Sehr lesenswert!


Die Kinder des Wüstenplaneten (Neuübersetzung, Frank Herbert)

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Paul Atreides ist verschwunden, in die Wüste gegangen und hat sich somit seinem Schicksal entwunden, durch große Opfer zu einem neuen Gott zu wandeln. An seiner statt regiert nun seine Schwester Alia den Wüstenplaneten mit eiserner Hand und unter unheilvollem Einfluss. Das entgeht auch Pauls Zwillingsgeschwistern Ghanima und Leto nicht, die zwar das Wissen von Generationen in sich tragen, wegen ihres jungen Alters aber noch nicht als Regenten eingesetzt werden können…

Mit seiner Sience Fiction-Reihe um den Wüstenplaneten Dune hat Frank Herbert einen Klassiker des Genres erschaffen, die aktuell in einer leicht angepassten Neuübersetzung erscheinen – aber inhaltlich natürlich keine wesentlichen Änderungen vollzogen wurden. Der dritte Band muss nun erstmals ohne Paul als dominante Hauptfigur im Fokus des Interesses auskommen und weitet die vielen verschiedenen Szenerien noch einmal deutlich aus – sehr deutlich. Neben einigen bekannten Baustellen werden auch neue Handlungsstränge aufgemacht, die oft parallel laufen und sich nur selten kreuzen, dazu gibt es einige Ausflüge zu Nebenschauplätzen, und das alles sorgsam erdacht, sodass wirklich jedem handelnden Charakter die Zeit gegeben wird, sich und seine Gedankenwelt vor dem Leser zu offenbaren. Klingt umfangreich? Ist es auch! Und das vielleicht schon zu detailverliebt, zu wuchtig in den Ausführungen, zu langsam in der Erzählweise. Die teils seitenlangen inneren Monologe drehen sich oft um die gleichen Gedankengänge, und so sehr wohl jeder von uns ein solches inneres Gedankenkarussell kennt: Das sorgt auch für einige langwierige Passagen. Davon abgesehen ist es auch gar nicht so einfach, alle Personen und Details parat zu haben, allein das Glossar umfasst unzählige Seiten, und nachschlagen musste ich darin des Öfteren.

Warum „Die Kinder des Wüstenplaneten“ mir insgesamt dennoch gefallen hat? Das liegt vor allen an der ungemein atmosphärischen und dichten Erzählweise. Alles ist mit Sinn geschrieben und führt den Leser (wenn auch langsam) an sein Ziel, die Charaktere handeln aus nachvollziehbaren und glaubhaften Motiven, können mit ihrer Aura faszinieren. Zudem werden Gesellschaftsstruktur und viele weitere Details noch weiter aufgefächert und erlauben einen Blick auf das wuchtige, gelungene Konstrukt. Zudem gefällt mir der dystopische Ansatz mit einigen Parallelen zur heutigen Zeit sehr gut, ebenso wie die philosophische Herangehensweise an die vielen Themengebiete wieder sehr gelungen ist.

Ein wenig mehr Tempo, mehr Handlung statt Statusbeschreibungen, eine Fokussierung auf die wesentlichen Schauplätze hätte dem Roman sicherlich zu mehr Spannung verholfen. Andererseits wäre dann auch der sehr intensive Blick auf die Vorgänge verwehrt geblieben, wäre die Welt von Dune etwas blasser geblieben, wären die Charaktere nicht so intensiv geraten. So richtig konnte mich der Roman zwar nicht fesseln, als Teil des Epos gehört er aber natürlich dennoch zum Zyklus und bringt wichtige neue Elemente mit ein.


Schneenacht (Helene Tursten)

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Bei ihrem Onkel Nisse wollte die Ermittlerin Embla Nyström eigentlich ein paar entspannte Tage verbringen. Doch als in der schwedischen Abgeschiedenheit ein ermordeter Mann aufgefunden wird, beteiligt sich Embla wegen der Überforderung der örtlichen Polizei an den Ermittlungen – umso mehr, als sie in ihm den Entführer einer Jugendfreundin erkennt. Embla selbst war ebenfalls bei ihrem Verschwinden dabei, war aber stark betrunken und hat viele Details erinnern – doch nun kommen viele Erinnerungen wieder…

Helene Tursten hat mit „Schneenacht“ bereits den dritten Band über die schwedische Ermittlerin Emba Nyström geschrieben und veröffentlicht, wobei die Umgebung der weiten und kalten Landschaften in Nordschweden hier nicht nur ein atmosphärischer Schauplatz sind, sondern einen wesentlichen Teil der Handlung bestimmen. Denn der immer stärker werdende Schneefall bestimmt nicht nur die Stimmung wesentlich mit, sondern verwischt auch wichtige Spuren, schränkt Beweglichkeit ein. Mir gefällt auch, wie die Bewohner so eigentümlich, verschlossen, verschroben sind und nicht gerade zum Plaudern aufgelegt sind. So werden wichtige Erkenntnisse erst im Laufe der Zeit aufgedeckt, was aber sehr authentisch und nicht konstruiert wirkt. Da auch die Charaktere sehr eingängig beschrieben werden und ihr eigenes Charisma mitbringen, wird der Reiz der eigentlichen Handlung noch einmal deutlich gesteigert.

Und auch diese hat es in sich, da die Ereignisse um die Entführung und das aktuelle Geschehen sehr eng zusammenhängen. Es gibt auch noch einen zweiten Handlungsstrang, der gekonnt eingeflochten wird und für Abwechslung sorgt, der Mord an dem ehemaligen Entführer steht aber immer im Fokus des Interesses. Dass dabei noch einige Überraschungen aufkommen, die Emblas Nachforschungen durcheinanderbringen, ist hervorragend gelöst und sorgt für eine sehr spannende Erzählweise. Der Fall kann übrigens auch unabhängig von den vorigen Bänden gelesen werden, da er in sich abgeschlossen ist und sich die wichtigsten Zusammenhänge der bekannten Charaktere im Laufe der Zeit erklären – natürlich macht es aber mehr Spaß, wenn man auch die Vorgängerbände gelesen hat.

„Schneenacht“ ist mal ein so richtig passender Titel, die Dunkelheit, das dichte Schneetreiben, die vielen Verschleierungen und Geheimnisse – das ist sehr atmosphärisch gelungen und packend geschrieben, da für viel Abwechslung gesorgt ist. Es gibt überraschende Wendungen, Einblicke in die Vergangenheit und einen zweiten Handlungsstrang, was sehr abwechslungsreich wirkt. Ein sehr lesenswerter Roman, der mich gepackt hat.


Hexenjäger (Max Seeck)

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Kommissarin Jessica Niemi und ihr Team untersuchen einen aufsehenerregenden Fall, bei dem ein Mensch mit mittelalterlich wirkenden Methoden zu Tode gefoltert wurde. Als sich ein zweiter, ähnlich gelagerter Fall ereignet, findet Jessica Parallelen zu einem Roman, in dem auf die gleiche Art und Weise gemordet wurde. Schnell wird klar, dass die beiden Opfer nicht die einzigen sind, und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

Max Seeck hat mit „Hexenjäger“ seinen Debutroman nun auch in deutscher Sprache veröffentlicht, der sich zwar nahtlos in das momentan äußerst populäre Genre des skandinavischen Thrillers einfügt, aber eben doch viele Dinge anders angeht und eine beeindruckende Handlung geschaffen hat. Das liegt in meinen Augen vor allem an der düsteren Faszination, die von den penibel geplanten Morden ausgeht, die detailreich beschrieben sind und dennoch nicht die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten. Das Grauen, welches erzeugt wird, spielt sich eher im Gedächtnis des Lesers ab und ist so viel effektiver als bei allzu genauen Beschreibungen. Auch die Verbindung des Romans in der Handlung mit den geschilderten Verbrechen ist spannend geschildert – dass dieser Zusammenhang von den Ermittlern schon früh erkannt wird, tut der Handlung sehr gut und verschärft die Spannung noch weiter, weil klar ist, dass weitere Morde geplant sind. Ich mag das Hexenthema sehr gern, welches eine gewisse Mystik mit einbringt und so de Reiz des Romans noch weiter steigert.

Doch auch die Charaktere sind sehr umfangreich und authentisch beschrieben, allen voran natürlich Jessica Niemi, die mit einigen aktuellen Problemen zu kämpfen hat, von der man aber auch immer wieder in Rückblenden einen Einblick in ihre Vergangenheit bekommt. Dabei eröffnen sich einige interessante Nebenarme, die zwar nicht sonderlich eng mit dem eigentlichen Fall verknüpft sind, aber einen sehr lebendigen und markanten Eindruck der Figur hinterlassen. Sehr gut gefällt mir auch die kurzweilige Erzählweise, die immer wieder zwischen verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen wechselt und auch von dem in der Handlung beschriebenen Roman einen gelungenen Eindruck erzeugt.

„Hexenjäger“ hat mir außerordentlich gut gefallen, die temporeiche Entwicklung, die schnellen Szenenwechsel und die lebendigen Beschreibungen unterstützen die spannende Handlung in ihrer Wirkung. Die Verbindung der mittelalterlichen Morde, dem Bezug zu einem populären Roman und dem mystischen Hexenthema ist äußerst gelungen, ebenso wie der enge Zusammenhang zur Ermittlerin. Sehr lesenswert!


Sommernachtstod (Anders de la Motte)

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Vor vielen Jahren ist der fünfjährige Billy Nielsson aus seinem Heimatdorf verschwunden, die damaligen Ermittlungen liefen ins Leere, die Familie musste sich mit seiner Abwesenheit abfinden. So auch seine Schwester Vera, die mittlerweile als Psychologin arbeitet und ihrer Heimat den Rücken gekehrt hat. Als sie jedoch von einem Patienten Hinweise auf ihren Bruder bekommt, will die den Fall noch einmal aufrollen und stellt eigenständig Nachforschungen an…

Kaum ein Genre ist gefühlt momentan in den Bücherregalen der Nation zu finden wie der lapidar getaufte „Schweden-Krimi“, wobei auch die anderen skandinavischen Länder diesen Trend entscheidend mitbestimmen. Auch Anders de la Motte greift die wesentlichen Elemente dieser Gattung in seinem Roman „Sommernachtstraum“ auf, allen voran eine Hauptfigur, die psychisch – nun ja – angeknackst ist. Veras mentale Gesundheit spielt eine große Rolle in der Handlung, immer wieder wird auf ihre krankhaften Verhaltensweisen und die depressiven Gedankengänge eingegangen – und das kann ganz schön anstrengend werden. Ich mag es im Grunde ja, wenn die Figuren nicht als die strahlenden Helden dargestellt werden, aber ich muss etwas sympathisches an ihnen entdecken, einen positiven Wesenszug oder eine charmante Verschrobenheit, um wirklich mitfiebern zu können. Bei Vera ist mir das über weite Teile leider nicht gelungen, sie wirkte auf mich sehr anstrengend, ich konnte keinen rechten Zugang zu ihr finden. Die anderen Charaktere sind jedoch recht vielschichtig dargestellt.

Der Plot an sich beinhaltet sicherlich einige bekannte Elemente, die dem halbwegs geübten Leser bekannt vorkommen (was ja an sich erst einmal nichts Schlechtes ist, weil man sich dann schnell zurechtfindet). Gut gefällt mir aber, dass einige sehr gelungene eigenständige Ideen eingeflossen sind – beispielsweise die Briefe, die immer mal in die Handlung eingestreut sind und die sich offenbar mit Billys Verschwinden beschäftigen, bei denen aber weder Autor noch Empfänger klar sind. Auch ansonsten gibt es viel zu kombinieren, einige falsche und einige richtige Fährten, gegen Ende immer deutlichere Hinweise und dennoch einige gelungene, authentische Überraschungen. Der Lesefluss ist sehr hoch, die kurzen Kapitel vergehen sehr schnell, was auch an der lebendigen Wortwahl des Autors liegt.

„Sommernachtstraum“ bietet mit der sperrigen Hauptfigur leider einen dicken Stolperstein, mit der ich leider erst gegen Ende eine Bindung aufbauen konnte. Der Plot ist jedoch spannend und flüssig geschrieben, die Stimmung dicht, die Auflösung clever und überraschend. Und so ist dann doch noch ein lesenswerter Roman entstanden, der gerade zu Ende richtig stark wird.


Das Mädchen und der Winterkönig (Katherine Arden)

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Obwohl Wasja ihr Heimatdorf vor der Zerstörung und dem Irrsinn gerettet hat, ist sie dort nicht mehr erwünscht – zu sehr ist sie als Hexe verschrien. Und so reitet sie mit ihrem treuen Begleiter, dem Hengst Solowej durch Rus, unterstützt durch Morosko, dem sie immer näherkommt und zu dem sie bald eine innige Bindung hat. Als sie jedoch zufällig ihren Bruder wiedertrifft, begleitet dieser ihn in die Hauptstadt Moskau, wo die beiden schnell in die Intrigen am Zarenhof hineingezogen werden…

„Der Bär und die Nachtigall“ habe ich sehr geliebt, die märchenhafte Stimmung mit den vielen Geisterwesen und die dichte Atmosphäre sind mir nachhaltig in Erinnerung geblieben. Natürlich wollte ich deswegen auch den Nachfolgeband lesen und war gespannt, was sich Autorin Katherine Arden als nächstes für das wilde Mädchen einfallen lassen würde. Nun, meine Erwartungen wurden leider nicht vollständig erfüllt, zu sehr unterscheidet sich dieser Band von seinem Vorgänger. Statt russischer Mythen stehen und dem Konflikt mit der katholischen Kirche, dem einfachen und harten Leben auf dem Land und einem ganzen Reich im Umbruch steht hier über weite Teile eine wilde Abenteuergeschichte mit immer neuen Gegebenheiten im Vordergrund. Sicherlich ist es interessant dabei zu beobachten, wie Wasja sich dabei verändert, erwachsener wird und neue Erfahrungen sammelt, es geht aber viel von dem Zauber des ersten Bandes verloren. Gut hingegen gefällt mir jedoch die sich entwickelnde Bindung zwischen Wasja und Morosko, der so noch mehr Tiefe erhält – man hat das Gefühl, ab und an hinter seine eisige Fassade blicken zu können.

Im weiteren Verlauf des Bandes wird noch Wasjas Aufenthalt am Zarenhof thematisiert, was einige interessante Konflikte mit sich bringt und noch einmal eine ganz andere Stimmung offenbart. Hier hatte ich ein wenig Mühe, allen Gedankengängen sofort zu folgen, da es schon einige Verflechtungen gibt, die ich als nicht sehr eingängig empfunden habe. Doch Wasjas ungewöhnliche Position und ein wenig mehr von dem Charme des ersten Bandes haben mir dabei sehr gut gefallen. Der Schreibstil der Autorin ist wieder sehr eindringlich, sie hat es wieder geschafft, sehr markante Bilder zu beschreiben und viel „russische Seele“ zu vermitteln, immer eine gewisse Schwermut durch die Zeilen wabern zu lassen.

Im Vergleich zum ersten Band der Reihe fällt „Das Mädchen und der Winterkönig“ etwas ab, ist nicht so verschlungen oder mystisch, sondern eher abenteuerlich geraten. Mir gefällt die ungewöhnliche Liebesgeschichte, die erst angedeutet und dann weiter vertieft wird, aber auch die Zeichnung der Charaktere und später die dichte Stimmung am Zarenhof. Das Ende ist nicht ganz so markant und fesselnd geraten, insgesamt hat mir der Roman dennoch gut gefallen.


Der Meister von London (Benedict Jacka)

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Als Alex Verus von der Entführung seiner Vertrauten Anne erfährt, ist er sofort fest entschlossen, sich der Schwarzmagierin Crystal entgegenzustellen und Anne zu befreien. Doch immer noch betrachtet der Hohe Rat der Weißmagier ihn als suspekt, sodass er sich größtenteils allein durchschlagen muss. Als dann unerwartet Richard wieder auftaucht und Alex für seine Zwecke einspannen will, hat Alex alle Hände voll zu tun…

Mit „Der Meister von London“ hat der britische Autor Benedict Jacka bereits den sechsten Band seiner Reihe um den Magier Alex Verus geschrieben und versorgt so seine Fans zeitnah mit neuem Stoff. Dabei gelingt es ihm, einige aus vorigen Bänden gelegte Stränge wieder aufzugreifen und die Szenerie weiter zu verdichten, sodass man sich schnell wieder im Roman zurechtfindet und das typische Flair der Serie wieder aufkommt. Allerdings scheinen sich auch einige Ideen zu wiederholen, besonders der Konflikt zwischen Alex und Richard entwickelt sich zwar weiter und ist unterhaltsam erzählt, wesentliche Neuerungen sind dabei aber nicht vorhanden. Dafür ist die Entführung Annes ein gelungener Aufhänger für die Handlung dieser Geschichte und sorgt für einige spannende Entwicklungen und Wendungen, sodass eine unterhaltsame Geschichte entstanden ist, die besonders im letzten Drittel an Fahrt aufnehmen und eine lesenswerte Episode aus Alex Vargas Leben erzählen.

Die Stimmung in London, die sonst eine so große Stärke der Romanreihe war, fällt hier leider ein wenig hinten über und ist nicht ganz so prägnant wie in den anderen Bänden. Dafür sind die Charaktere wieder sehr gut ausgebaut und erhalten hier einen noch tieferen Ausdruck, die Beziehungen von Alex werden noch näher beleuchtet. Und da ich einen Hang zu psychotischen Bösewichtern habe, hat mir auch die Rolle der Crystal äußerst gut gefallen, sie bringt eine sehr düstere und bedrohliche Note mit sich, die durch das ganze Buch wabert und eine markante Stimmung hinterlässt.

Auch mit dem sechsten Band seiner Reihe u, Alex Vargas erlaubt sich Benedict Jacka keine Schwäche und erzählt eine spannende und unterhaltsame Handlung, auch wenn sich einige Elemente zu wiederholen scheinen und mir bekannt vorkommen. Durch die Vertiefung der zwischenmenschlichen Beziehungen, das erneute Auftauchen bekannter Figuren und insbesondere die wunderbare Gegenspielerin Crystal ist aber ein lesenswerter Teil der Reihe entstanden, der mich gut unterhalten hat.


Kaltes Gold (Cilla und Rolf Börjlind)

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Im nördlichen Schweden mitten in Lappland wird bei der Schneeschmelze die Leiche eines Mannes freigelegt. Dieser muss vor zwei Jahrzehnten erschossen worden sein, die meisten Spuren sind also längst verwischt. Olivia Rönning soll die Ermittlungen aufnehmen, verunglückt jedoch mit einem Hubschrauber auf dem Weg zur Fundstelle. Sie muss sich allein in den eisigen Schneemassen durchschlagen, findet aber glücklicherweise einen Unterschlupf. Doch der Mörder ist aufmerksam geworden und versucht zu verhindern, dass das Verbrechen aufgeklärt werden kann…

Das Autorenduo Cilla und Rolf Börjlind hat mit seiner Buchreihe um die engagierte Olivia Rönning bereits viele Fans gesammelt, die mit dem sechsten Band „Kaltes Gold“ Nachschub bekommen haben. Dabei nimmt das Privatleben der engagierten Ermittlerin gerade zu Beginn eine recht große Rolle ein, ihre Rückkehr aus einem Liebesurlaub in Mexiko ist dann allerdings der Auftakt zu einem sehr stimmungsvollen und spannenden Fall. Denn die eisigen Weiten Lapplands und die bedrohliche Atmosphäre, die durch die markanten Beschreibungen sehr gut zur Geltung kommen, ergänzen die rätselhafte Szenerie. Dass dabei einiges anders kommt als zunächst geahnt, gehört bei diesem Autorenduo keine große Überraschung. Das beginnt schon damit, dass Olivia in der Kindheit bei ihrem Vater von dem Verschwinden eines Mannes erfahren hat, der tatsächlich der Tote aus dem Eis sein könnte, enthält aber noch viele weitere Verweise und Überraschungen, die das Geschehen lebendig halten – insbesondere, da natürlich auch Tom Stilton wieder seine Finger im Spiel hat und Olivia aus ihrer misslichen Lage befreien will. Das sorgt für dynamische Wechsel und einen gelungenen Spannungsaufbau, der mit einigen Cliffhangern versehen ist.

Dennoch wurde auch wieder viel Wert auf die Entwicklung der Charaktere gelegt, sodass lieb gewonnenen Figuren wieder überzeugende Auftritte haben und ihren ganz eigenen Charme in der Handlung einbringen. Mir gefällt, dass sie dabei eben nicht auf der Stelle treten, sondern neue Ansätze gefunden werden, um sie zu präsentieren. Das gilt auch für die Handlung an sich, die häufig ausgetretene Pfade verlässt und neue Wendungen und Überraschungen einfließen lässt. Natürlich wird der Leser dabei einige Male auf eine fasche Fährte gelockt, die Identität des Täters und sein Motiv sind aber dennoch überzeugend und fügen sich stimmig in die Geschichte ein.

„Kaltes Gold“ bringt zwar wieder die vertraute Stimmung der vorigen Bände mit sich, hebt diese aber noch einmal auf ein anderes Niveau. Mir gefällt, wie dicht und markant die Szenerie gestaltet ist und wie dramatisch und spannend sich die beiden Handlungsstränge entwickelt. Die Atmosphäre ist zudem sehr dicht geraten und sorgt dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.


Barbarotti und der schwermütige Busfahrer(Hakan Nesser)

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Die internen Polizeiermittlungen gegen Eva Backman – Kommissar Gunnar Barbarottis Partnerin, beruflich wie privat – setzen dem Paar deutlich zu, sodass sie gemeinsam ein paar ruhige Tage in der Abgelegenheit Gotlands verbringen wollen. Doch die Entspannung der Situation hält nicht lange, als Gunnar in einem Radfahrer einen Busfahrer erkennt, der nach einem schweren Verkehrsunfall seit einigen Jahren verschwunden schien…

Nach mehreren Jahren ohne weitere Geschichten um Gunnar Barbarotti legt der schwedische Erfolgsautor Hakan Nesser nun den sechsten Band der Reihe vor, der mit „Barbarotti und der schwermütige Busfahrer“ einen etwas sperrigen und ungewöhnlichen Titel bekommen hat, der inhaltlich aber die Stärken der Reihe betont. So ist die verwendete Sprache auch hier wieder sehr geschliffen, poetisch und ausdrucksstark, sodass die gewisse Schwermut der Handlung sehr gut zur Geltung kommt. Mir gefällt auch sehr gut, dass der Band völlig ohne brutale Momente oder um Spannung heischende Szenen auskommt, der Tenor des Buches ist ausnahmslos ruhig und beständig, dennoch aber auch spannend und unterhaltsam. Es ergeben sich im Laufe der Zeit ganz unterschiedliche Spannungsfelder, verschiedene Ebenen, auf denen sich die Handlung weiterentwickelt, sodass mein Interesse am weiteren Verlauf immer sehr hoch war – auch wenn es zugegebenermaßen einige Passagen gab, die nicht allzu viel hergaben und etwas langwierig gewirkt haben.

Der Plot, den Nesser sich erdacht hat, ist mit vielen emotional relevanten Momenten versehen und geht so sehr gekonnt auf die Charaktere ein, die im Laufe der Zeit immer mehr an Tiefe gewinnen. Der typischen Schwermut von Schwedenkrimis wird hier noch einmal ein anderer Dreh verliehen, der sich hier in dem titelgebenden Busfahrer manifestiert und einige interessante Facetten zeigt. Zudem ist der Aufbau vielseitig und dynamisch gelungen, wenn es auch ein paar Logiklücken an der einen oder anderen Stelle gibt – insgesamt hat das alles schon Hand und Fuß.

„Barbarotti und der schwermütige Busfahrer“ überzeugt mit einem ruhigen, bedächtigen Aufbau und detaillierten Ermittlungen, was zwar einige etwas langwierige Passage mit sich bringt, insgesamt aber sehr spannend und unterhaltsam geraten ist. Die Sprache ist von poetischer Schönheit, viele Sätze habe ich zweimal gelesen, um ihre Wirkung vollkommen entfalten zu lassen. Ein lesenswerter Krimi!


Das schwarze Mal (Eyal Kless)

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Nur noch wenige kennen die Geschichte den kleinen Rafik, die übellaunige ehemalige Söldnerin Vincha gehört aber dazu und berichtet von seiner Jugend in einer abgelegenen Wüstenstadt, die anders als der Rest der Welt die Veränderung der Menschen nicht gutheißt und auch die seltsamen Tätowierungen, die bei manchen Menschen plötzlich auftauchen, verabscheut. Als dies auch bei Rafik geschieht, wird er von seinen Eltern weit weggebracht – nicht ahnend, wie wertvoll der Junge durch die Symbole an seinen Fingerspitzen geworden ist…

Eyal Kless hat mit „Das schwarze Mal“ einen Debutroman veröffentlicht, der durchweg erstaunlich ist und keinem anderen Buch gleicht, das ich bislang gelesen habe – nicht nur, weil er Genregrenzen sprengt und wild miteinander kombiniert, sondern auch weil der Verlauf der Handlung so ungewohnt ist. Angesiedelt ist der erste Teil der „Puzzler“-Reihe in einer dystopischen Zukunft, und allein diese ist es wert, genauer betrachtet zu werden. Denn sie erlaubt sich zahlreiche Gedankenspiele, wie es mit fortschreitender Technik und dem Selbstoptimierungswahn der Menschen weitergehen würde – in dieser Welt ist es üblich, dass sich Menschen mit Maschinenteilen modifizieren lassen, um schneller, stärker, tödlicher zu werden. Und auch der Hintergrund der Welt ist sehr interessant erdacht, gibt es in dessen Historie doch einen starken Bruch, der das Leben völlig verändert hat und katastrophale Auswirkungen hatte. Gesellschaftsstruktur, alltägliches Leben, Berufe und viele weitere Besonderheiten sind sehr lebendig geschildert und kombinieren Science-Fiction, ein klassisches Abenteuersetting und einen Hauch orientalisches Flair – und dennoch passt dies äußerst gut zusammen.

Die Erzählweise mit der Rahmenhandlung um Vincha und Funkelauge ist viel mehr als nur ein Anlass, die Geschichte von Rafik zu erzählen, auch sie hat ihren festen Teil im Gefüge des Romans und bildet eine zweite Erzählebene mit eigenen Geheimnissen und Handlungen. Das macht das Ganze natürlich recht komplex, zumal man sich erst einmal an die vielen fremdartigen Figuren gewöhnen muss, durch den gelungenen Aufbau und die sehr lebendige, bildhafte Sprache ist es mir aber gelungen, schnell in die Geschichte hineinzufinden und auch die eingebauten Feinheiten genießen zu können – und derer gibt es viele. Der Verlauf ist äußerst spannend und dicht, die Charaktere markant und voller Ecken und Kanten, sodass es nur wenige klare Helden gibt, dennoch habe ich schnell mit ihnen mitgefiebert.

„Das schwarze Mal“ bietet eine sehr ungewöhnliche Kombination verschiedener Genres aus Science-Fiction, Fantasy, Abenteuer und Märchen, kombiniert mit einer anspruchsvollen und doch gut leserlichen Handlung. Der Raum für faszinierende Gedankenspiele ist gegeben, der Verlauf ist vielseitig und abwechslungsreiche, sodass mich der Auftakt der Reihe schnell gepackt hat – sehr lesenswert!


Der Orden des geheimen Baumes - Die Königin (Samantha Shannon)

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Die Königin Sabran sucht weiterhin nach einem Weg, den namenlosen Drachen unschädlich zu machen und so die Bedrohung von ihrem Reich abzuwenden. Doch gefangen in ihrem eigenen Palast kann sie zunächst nichts ausrichten und muss auf die Hilfe von Ead hoffen. Die junge Novizin ist noch immer im Kloster des geheimen Baumes bei ihrem Orden…

Die englischsprachige Originalausgabe von „Der Orden des geheimen Baumes“ ist in einem Band erschienen, aufgrund der anderen Lesegewohnheiten (und sicherlich auch einer anderen Veröffentlichungspolitik der Verlage) ist er aber auf zwei Bücher aufgeteilt worden. „Die Königin“ schließt die Geschichte um Sabran, Ead und die magische Welt der beiden Reiche also ab – und startet deswegen auch deutlich schneller als ihr Vorgänger. Durch das nahtlose Ansetzen der Handlung und ohne große Wiedereinführung sollte man die Ereignisse aus dem ersten Band also noch präsent haben und im Idealfall beide Bücher direkt hintereinander lesen. Das gestiegene Tempo zu Beginn wird zwar nicht auf der Handlungsebene gehalten, hier kehrt im Gegenteil sogar wieder etwas mehr Ruhe ein – aufregend ist das Ganze dennoch, da es immer wieder überraschende Erkenntnisse oder krasse Wendungen gibt. Vieles ergibt erst danach ein stimmiges Bild und passt nun richtig zusammen – toll, wie fein Autorin Samantha Shannon das zusammengesponnen hat. Und auch die Welt der beiden Königreiche wird noch detaillierter und sehr farbenreich dargestellt, was mich sehr gut unterhalten hat.

Auch die Charaktere bekommen eine noch größere Vielschichtigkeit, da auch sie mit neuen Erkenntnissen und Herausforderungen konfrontiert werden, was die wichtigen Personen noch einmal deutlich wachsen lässt. Ich habe gemerkt, wie meine innere Bindung zu ihnen stärker geworden ist und ich noch mehr mitgefiebert habe. Es spricht für den Roman, dass sie nicht alle den leichten Weg gehen und nicht jeder unbeschadet aus den Ereignissen hervorgeht, sondern herbe Verluste zu verzeichnen sind – und genau das schürt die Emotionen, die ich bei einem guten Buch spüren möchte. Das Finale fällt allerdings leider etwas ab, hier wird aus meiner Sicht doch etwas zu schnell erzählt, sodass einiges im Unklaren bleibt oder nicht vollkommen logisch erscheint. Das ist aber nur ein kleiner Wermutstropfen, insgesamt kann der Abschluss der Geschichte sehr überzeugen.

„Die Königin“ schließt die Geschichte um den „Orden des geheimen Baumes“ gekonnt ab, lässt die erschaffene Welt und die mystische Hintergrundgeschichte noch lebendiger erscheinen. Dabei werden viele neue Details eingefügt, die mehr Tiefe verleihen und für zahlreiche Überraschungen sorgen. Mir gefällt sehr, dass die Charaktere sich deutlich weiterentwickeln können und der spannenden Handlung so einen zusätzlichen Mehrwert verleihen. Ein Buch, das auch nach dem Lesen noch lange bei mir nachgehallt ist.


The Age of Darkness - Feuer über Nasira (Katy Rose Pool)

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Nachdem die sieben Propheten, die einst die Welt regierten, vor über einhundert Jahren verschwunden sind, hat der düstere Prediger Hierophant die Macht an sich gerissen und verfolgt Menschen, die mit einer Gabe der Propheten gesegnet sind. Denn auch er weiß von der Prophezeiung, dass in Zeiten der Dunkelheit ein neuer Prophet geboren wird, um die Welt zu retten – oder ihr den Untergang zu bringen. Fünf junge Menschen werden durch diese Prophezeiung zusammengeführt, doch das ist erst der Anfang ihres Abenteuers…

Mit „The Age of Darkness“ hat die US-amerikanische Autorin Katy Rose Pool ihre erste Romanreihe geschrieben, der erste Teil „Feuer über Nasira“ ist nun auch in Deutschland erschienen – und es lohnt sich, ihn zu lesen. Die Autorin hat eine Welt erschaffen, die sehr vielseitig und vor allem gut durchdacht ist, die einzelnen Elemente greifen sehr eng ineinander. Es ist beeindruckend, welche Vielfalt dabei einfließt, so ziemlich jeder größere Schauplatz hat eine eigene Kultur, eine eigene Gesellschaftsstruktur ihre eigene Stimmung. So viele Details gibt es zu erkunden, dass die Welt sehr real wirkt, dennoch ist das Ganze nicht überladen, sondern einfach nur wundervoll. Das gilt auch für die Hintergrundgeschichte, die sich dem Leser stückchenweise offenbart. Die Prophezeiung wirkt sehr mystisch, aber auch die verschiedenen Gaben oder die Regeln der magischen Aspekte werden sehr gelungen eingebunden. Die Handlung entwickelt sich dabei gerade zu Anfang eher langsam weiter und zieht ihre Spannung auch nicht aus blutigen Schlachten oder überzogen wirkenden Intrigen, sondern ist subtiler und vielschichtiger angelegt. Dabei werden durchaus einige ungewöhnliche Wege gegangen, die zu einigen überraschenden Wendungen führen.

In diesem Band stehen fünf Charaktere im Mittelpunkt, die jeweils ihren eigenen Blickwinkel mit einbringen und so ebenfalls eine vielschichtige Erzählweise erlauben. Die Grundzüge der Charaktere werden auch gekonnt erzählt, sodass sie in sich stimmig wirken und mir als Leser ans Herz gewachsen sind. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass die Autorin hier noch etwas an der Oberfläche gekratzt hat und sich noch Potenzial für die kommenden Bände aufspart, sodass sie sich dann hoffentlich mehr an das Innerste ihrer Figuren heranwagt. Der Schreibstil ist allerdings wunderbar flüssig und eingängig, die Kapitel lesen sich schnell hintereinander, große Bewegungen in der Handlung werden dabei ebenso sorgsam beschrieben wie feine Details – sehr lebhaft, bildhaft und eingängig.

„Feuer über Nasira“ hat mich von Anfang bis Ende begeistert und überzeugt durch die sehr vielfältige und detaillierte Gestaltung der Welt mit ihrem mystischen Hintergrund und den verschiedenen Kulturen. Die Geschichte wird langsam, aber sehr unterhaltsam und flüssig erzählt, unerwartete Wendungen sorgen für lebendige Momente, während Abenteuer, tiefe Gefühle und Mystik gekonnt ineinandergreifen. Sehr lesenswert – ich habe jetzt schon Lust auf den zweiten Teil bekommen.


Reckless - Auf silberner Fährte (Cornelia Funke)

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Gerade wollten Fuchs und Jacob die Suche nach seinem Bruder Will aufgeben und einfach nur gemeinsam durch die Welt hinter den Spiegeln streifen, als sie doch noch seinen Namen auf einer Passagierliste einer Fähre entdecken und die Fährte doch wieder aufnehmen. Doch dabei stoßen sie auch auf ganz neue Abenteuer, denn selbst wenn die Dunkle Fee besiegt werden konnte, treibt Spieler weiterhin sein Unwesen – und hat noch einen Trumpf in der Hinterhand…

Es sind einige Jahre vergangen, fünf an der Zahl, seit Cornelia Funke den dritten Band ihrer „Reckless“-Reihe veröffentlicht hat. Darin wurden einige der wichtigsten Handlungsstränge beendet, doch viele Fragen blieben noch offen und haben die Möglichkeit einer Fortsetzung gelassen – und diese ist nun in Form von „Auf silberner Fährte“ erschienen. Dabei hat sich auch die Rahmenhandlung der Geschichte weiterentwickelt, sodass man Fuchs und Jacob zu Beginn des Romans an einem fremden Ort wiederfindet, die seither einige andere Abenteuer erlebt haben. Darauf gibt es einige Hinweise im Laufe der Geschichte, wird aber nicht sonderlich ausführlich erzählt, die Handlung konzentriert sich auf die neuen Entwicklungen im Land hinter den Spiegeln. Dabei werden einige Fäden natürlich wieder aufgegriffen, aber auch neue hinzugefügt, was wieder eine Vielzahl an interessant konzipierten und märchenhaften Gestalten mit sich bringt. Neue Freunde werden ebenso eingeführt wie neue Feinde, besonders aber viele neue Ortschaften – die Protagonisten bewegen sich im asiatischen Raum, was einen ganz eigenen, zauberhaften und doch vertrauten Flair mit sich bringt. Die Geschichte ist dabei etwas langsamer als gewohnt erzählt, die Autorin baut hier spürbar neue Handlungsstränge auf, doch einige überraschende Wendungen und Plottwists sind enthalte, sodass ein unterhaltsamer Verlauf entstanden ist.

Ich mag, wie intensiv Funke ihre Welt ausgestaltet und mit zahllosen liebenswerten Details versieht. Dabei verknüpft sie die neue Umgebung mit den vielen märchenhaften Abwandlungen, nimmt beispielsweise die Legende um Drachen weiter ins Visier, lässt aber auch neue und unerwartete Elemente einfließen. Besonders gut gefällt mir wieder die differenzierte Betrachtung der Charaktere, jeder hat seine ganz eigene Ausstrahlung und hat die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. So bekommt der Leser einen noch intensiveren Eindruck von ihnen und kann neue Seiten an ihnen entdecken.

„Auf silberner Fährte“ setzt die Geschichte der Spiegelwelt gewohnt märchenhaft und lebendig um, wobei viele neue Ideen einfließen und die Welt so noch vielfältiger wirken lassen. Die Geschichte entwickelt sich etwas langsam weiter, ist aber wieder sehr spannend geraten und überzeugt mit ihrem verwinkelten Verlauf. Schnell habe ich mich in der Buchreihe wieder sehr wohl gefühlt und freue mich jetzt schon auf die kommenden Bände.


Blindgang (Jorn Lier Horst)

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Nur durch einen Zufall wird Kommissar William Wisting auf eine Spur aufmerksam, die zu dem ungelösten Fall eines verschwundenen Taxifahrers führt. Bei seinen Ermittlungen muss er feststellen, dass seine Kollegen nicht sonderlich akribisch gearbeitet haben und findet viele unentdeckte Spuren. Und auch, als seine hochschwangere Tochter Line ihm eine Waffe zur Vernichtung überreicht, kommt noch mehr Arbeit auf ihn zu. Denn mit eben dieser Waffe wurde eine junge Studentin erschossen…

Jorn Lier Horst hat mit „Blindgang“ einen weiteren Roman aus seiner Reihe um Kommissar Wisting veröffentlicht, der aber auch losgelöst von der restlichen Buchserie bestens funktioniert. Zwar gibt es einen leichten roten Faden durch die Romane, dieser bezieht sich aber eher auf das Privatleben des norwegischen Ermittlers, was sich auch aus dem Zusammenhang heraus erschließt. Es verleiht der Geschichte dennoch an Würze, wenn der engagierte Kriminologe sich lieber auf seine Rolle als Großvater vorbereiten will und dennoch gezwungen ist, gleich zwei Fällen nachzugehen. Die beiden Ansatzpunkte – der verschwundene Taxifahrer und die ermordete Studentin – scheinen zunächst keine Gemeinsamkeiten haben, die Ermittlungen laufen dementsprechend auch in unterschiedliche Richtungen. Erst später werden Hinweise eingebaut, dass die beiden Handlungsstränge enger miteinander verbunden sind als gedacht – und das ist auf sehr clevere und scharfsinnige Weise geschehen.

Die Herangehensweise an den Fall ist durch Wisting ist sehr penibel und genau, sodass sich oft gleich mehrere Ansatzpunkte ergeben. Und dennoch ist das Tempo des Romans sehr hoch, da der Informationsfluss stetig ist und sich die Stimmung immer weiter verdichtet. So ergibt sich im Lauf der Zeit ein immer vollständigeres Bild eines komplexen und vielschichtigen Verbrechens, was die Spannung immer weiter zu steigern versteht. Dabei ergeben sich überraschende Zusammenhänge und unerwartete Wendungen, wird der Herzschlag immer höher und der Druck gewaltiger – ebenso, wie ich es von einem guten Krimi erwarte. An den Schreibstil des Autors musste ich mich jedoch erst ein wenig gewöhnen, sachlich, nüchtern, fast ein wenig spröde schildert er den Fortlauf der Handlung, was aber gut zu der aufgebauten Stimmung passt.

„Blindgang“ ist ein sehr gut durchdachter und vielschichtiger Roman, der mit seinen überraschenden Wendungen punkten kann. Die leichten Ergänzungen aus dem Privatleben des Ermittlers sind am Rande eingebaut und nehmen nicht zu viel Platz ein, sodass die Konzentration voll auf den spannenden Ermittlungen liegt. Ein sehr lesenswerter Krimi, der sich immer weiter zu steigern versteht.


Coldtown (Holly Black)

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Nach einer langen Partynacht wacht Tana in der Badewanne auf und kann sich kaum noch an den gestrigen Tag erinnern. Doch als sie die vielen blutleeren Leichen entdeckt, ist ihr klar, dass Vampire die Party gestürmt haben müssen. Nur ihr Ex-Freund Aiden hat überlebt, hat sich aber mit dem Vampir-Virus infiziert, und auch Tana kann nicht ausschließen, dass sie sich nicht auch angesteckt hat. Und so wollen sie gemeinsam nach Coldtown reisen, so Vampire und infizierte Menschen in Quarantäne leben. Begleitet werden sie von Gabriel, den sie ans Bett gefesselt auffinden – und der ebenfalls ein Vampir ist…

Wenn man in letzter Zeit die Nase voll hat von den Vampirgeschichten, in denen sich ein sterblicher Teenager in eines der übernatürlichen Wesen unsterblich verliebt, wird momentan nur wenige Alternativen haben, einen wirklich spannenden Roman über die Geschöpfe der Nacht in die Finger zu bekommen. „Coldtown“ ist ein solcher, und ein hervorragender noch dazu. Zwar gibt es auch hier eine Liebesgeschichte, diese ist aber mehr nebenbei erzählt und drängt sich nicht in den Vordergrund, sodass sie eher wie ein sich organisch ergebendes Element des Romans wirkt als aufgesetzt und erzwungen. Im Zentrum steht vielmehr eine aufregende und spannende Geschichte, in der die drei Protagonisten von einer gefährlichen Situation in die nächste stürzen und die die von Autorin Holly Black erdachte Welt sehr nahbar und packend wirken lassen. Mir gefällt die Idee, wie hier mit den blutsaugenden Vampiren umgegangen wird, wie sie in eine Gesellschaft integriert werden, die unserer sehr ähnlich ist, wie sie aber immer noch die unberechenbaren Blutsauger sind, die auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Das ist clever durchdacht und birgt immer wieder neue Überraschungen, sodass ein sehr stimmiges Bild der Welt gezeichnet wird.

Gleiches gilt auch für die Charaktere, die zwar nicht immer durchdacht und logisch handeln, die aber dennoch in sich stimmig sind und deren Beweggründe und Gefühle nachvollziehbar bleiben. Und das ist bei der Handlung keinesfalls selbstverständlich, denn die Protagonisten werden vor immer neue Herausforderungen gestellt, die sie bewältigen müssen – und das gibt ihnen viel Raum für Entwicklung. Am deutlichsten ist das natürlich bei Hauptfigur Tana zu bemerken, die sich immer öfter für den richtigen und nicht für den selbstsüchtigen oder bequemen Weg entscheiden muss. Um sie noch besser kennenzulernen, wurden immer mal wieder Kapitel mit kleinen Rückblicken auf ihr voriges Leben eingebaut, die die aktuelle Handlung gekonnt ergänzen und den Blick noch einmal auf bestimmte Aspekte lenken.

„Coldtown“ ist ein moderner, packender und auch blutiger Vampirroman, der mit drei charmanten Charakteren und einer schnellen, effektvollen Entwicklung punktet. Mir gefällt die nüchtern wirkende Betrachtungsweise der Vampire, die eine ganz besondere Welt mit einer eigenständigen Stimmung schafft. Und schließlich hat es die Autorin geschafft, eingetretene Pfade zu verlassen und so für wirkliche Überraschungen und Wendungen zu sorgen. Sehr lesenswert!


Dein kaltes Herz(Sharon Bolton)

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Felicity hat eine Stelle in einer Forschungseinrichtung auf einer abgelegenen Insel nahe der Antarktis angenommen, um ihrem Ehemann zu entkommen, der erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen wurde. Als sich ihre Befürchtungen bestätigen und sie seinen Namen auf einer Passagierliste findet, beginnt sie eine waghalsige Flucht durch das ewige Eis. Ihr Therapeut Dr. Joe Grant sorgt sich hingegen sehr um seine ehemalige Patientin, ahnt aber nicht, welche Gefahren ihr alle bevorstehen…

Mit „Dein kaltes Herz“ hat Sharon Bolton einen Thriller geschrieben, der einer meiner absoluten Entdeckungen dieses Jahres ist und mich nicht mehr losgelassen hat. Denn schon die oben beschriebene Grundidee ist äußerst reizvoll, Felicitys Ängste sind dabei sehr genau beschrieben und geben dem Leser einen sehr detaillierten Einblick in ihre Gefühlswelt, auch wenn immer ein Hauch des Unbekannten bleibt. Man leidet mit der erfolgreichen Polarforscherin, kann ihre Handlungen nachvollziehen, kann aber eben nicht alles durchblicken – ein sehr gelungener Widerspruch, den die Autorin gekonnt auszukosten versteht. Felicitys Flucht wird immer dramatischer, bis ein harter Umschwung zu einer anderen Szenerie um ihren Therapeuten eingebaut ist. Hier lernt der Leser die Figur noch einmal von einer anderen Seite kennen, erfährt Unerwartetes von ihr und bekommt einen Rückblick auf ihre Therapiesitzungen, kann im weiteren Verlauf aber auch den Ermittlungen in einer Mordserie beiwohnen – Joes Mutter soll Todesfälle an obdachlosen Menschen aufklären. Dass hier ein stärkerer Zusammenhang besteht und die Fäden irgendwie zusammenlaufen, ist zwar vorauszusehen, Bolton hat aber immer noch genügend Überraschungen parat, um den Druck nicht geringer werden zu lassen – zumal sich die Szenerie dann schon so sehr zugespitzt hat, dass man unbedingt die weiteren Ereignisse erfahren möchte.

Die Atmosphäre, die die Autorin besonders im ersten Teil schafft, ist fesselnd und beeindruckend geraten. Die Beschreibungen der eisigen Weiten der Antarktis verbinden sich hervorragend mit Felicitys Ängsten, und auch ansonsten reißt die Stimmung nicht ab – von einigen etwas zu langsam erzählten Momenten im zweiten Teil mal abgesehen. Mir gefällt auch, wie realistisch und detailverliebt die Charaktere beschrieben sind und mit wie viel Background diese gestaltet wurden. Auch der psychologische Aspekt der Serie wurde akkurat angelegt, sodass sich der Leser auch noch etwas Fachwissen aneignen kann.

„Dein kaltes Herz“ fesselt von Anfang an, bietet hochdramatische Szenen und psychologischen Einschlag, besticht durch eine dichte Stimmung und lebensnahe Charaktere. Die beklemmende Szenerie wird durch einige Ereignisse aus der Vergangenheit fast unerträglich beschrieben, doch auch der aktuelle Verlauf ist der Autorin bestens gelungen. Vielschichtig, komplex, aber dennoch flüssig geschrieben – ein sehr empfehlenswerter Thriller!


Die Dunkelheit zwischen uns (Molly und Rolf Böjlind)

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Seit dem Verschwinden ihres Bruders Robin in Kindertagen ist aus Emmie kein glücklicher Mensch mehr geworden, die letzten Jahre hat sie in einer Psychiatrie verbracht. Nun kehrt sie mit 25 Jahren in die Ferienvilla ihrer Eltern in die schwedische Einsamkeit zurück, um endlich Antworten auf ihre Fragen zu erhalten. Doch das Geheimnis hinter dem angeblichen Unfalltod Robins ist schrecklicher, als es sich Emmie befürchtet hätte…

Rolf Böjlind hat mit „Die Dunkelheit zwischen uns“ zum ersten Mal einen Roman gemeinsam mit seiner Tochter Molly geschrieben, abseits der bekannten Buchreihe um Rönning und Stilton. Und man merkt, dass er dadurch noch einmal ganz andere Inspirationen bekommen hat, schlägt das Buch doch eine gänzlich andere Richtung ein. Sehr psychologisch gehalten werden verschiedene innere Abgründe erkundet, wobei sowohl Emmie als auch ihre beiden Eltern über weite Teile rätselhafte Figuren bleiben, der Leser weiß nie, wem man trauen kann, wer ein falsches Spiel spielt. Die Fokussierung auf nur wenige Schauplätze und Charaktere wirkt sehr reduziert und erlaubt den Autoren, jeden Zwischenton klar erklingen zu lassen und die einzelnen Momente auszukosten. Zwar weiß ich es zu schätzen, wenn Autoren ihre Geschichte so genau durchdenken und dies dann auch so zu Papier bringen, hier ist manches jedoch zu ausufernd geraten und nimmt Fahrt und Spannung aus der Geschichte. Leider sitzt das Ende dann auch nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte, zu wenig Raum wird überraschenden Wendungen eingeräumt. Vieles lässt sich vorausahnen, sodass so mancher Effekt verpufft.

Der Schreibstil des Autors zeichnet sich auch hier mit seiner bildhaften, lebendigen Sprache aus, sodass die Szenerie sehr eindringlich wirkt. Mir gefällt, wie düster und markant de heraufbeschworene Stimmung ist und wie gut sie sich mit der Handlung verbindet. So entsteht ein sehr genauer Eindruck von Landschaften, von den Figuren und derer Gefühlswelt, sodass die Szenen ihre Wirkung durchaus entfalten können. Durch die genaue psychologische Betrachtung werden die Figuren dann auch sehr markant gezeichnet und wirken greifbar und lebendig.

Bemerkenswert bei „Die Dunkelheit zwischen uns“ ist, dass die neue Konstellation den Fokus auf eine Spannung zwischen Eltern und Kindern legt und diese Beziehung sehr genau beleuchtet wird. Der psychologische Einschlag sorgt für eine düstere Stimmung und eine eingängige Szenerie, kann aber nicht die ganze Zeit über einen spannenden Verlauf ermöglichen, zumal wesentliche Elemente der Auflösung schon vorausgeahnt werden können.


Nebel(Ragnar Jonasson)

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Erst spät werden die Leichen entdeckt, die in einem abgelegenen Bauernhaus ermordet wurden. Die weihnachtliche Dekoration im Inneren lässt sofort darauf schließen, wann die Morde stattgefunden haben, ansonsten tappt die Polizei zunächst im Dunkeln. Erst als Hulda Hermannsdottir dem Fall zugeteilt wird und sich mit vollem Eifer den Ermittlungen hingibt, werden die Umrisse der Tat schärfer. Dabei hat die Ermittlerin nach einem Schicksalsschlag eigentlich genug mit sich selbst zu tun – und mit ihrer Tochter…

Ich gebe es offen zu: Nach dem zweiten Teil von Ragnar Jonassons Romantrilogie um seine isländische Ermittlerin Hulda Hermannsdottir war ich skeptisch ob sein Konzept auch aufgeht. Denn die drei Fälle der Hauptfigur wurden rückwärts-chronologisch erzählt, von ihrem Karriereende über den Höhepunkt ihrer Laufbahn kehrt der Leser in „Nebel“ dementsprechend zu der jüngeren Hulda zurück. Man weiß von ihrem persönlichen Schicksal, worauf dieser Band zusteuert und steht dem doch hilflos gegenüber. Die Katastrophe, die sich anbahnt, wird aber noch von den anderen persönlichen Umständen der Ermittlerin ergänzt, was ihr eine psychologische Tiefe verleiht und jetzt erst einige Verhaltensweisen der ersten beiden Romane erklärt. Beeindruckend ist auch, wie geschickt der Autor die Handlung um Hulda mit dem eigentlichen Fall verknüpft und beide Themen und Stimmungen gekonnt ineinanderfließen lässt. Beides passt so genau zusammen, ist sorgsam und glaubwürdig konstruiert, dass „Nebel“ in meinen Augen der stärkste Band dieser sehr gelungenen Serie ist.

Das liegt auch an der eindrucksvollen Stimmung, die Jonasson geschaffen hat. Denn durch einige Rückblenden erfährt der Leser, was zu Weihachten in dem Bauernhaus tatsächlich geschehen ist – und das ist nervenaufreibend und hochspannend geraten. Diese Gefühle übertragen sich auf den Leser, der Spannungsbogen kann dabei über den gesamten Roman tragen und lässt in seiner Intensität nicht nach. Durch die verwendete klare, aber dennoch anspruchsvolle Sprache werden intensive Bilder geschaffen, was das Profil des Romans noch weiter schärft.

„Nebel“ ist ein herausragender Abschluss einer sehr lesenswerten Romantrilogie und zeigt, dass das ungewöhnliche Konzept nicht nur interessant klingt, sondern vom Autor auch sehr geschickt ausgearbeitet wurde. Das persönliche Schicksal von Hulda als Ermittlerin greift gekonnt die Stimmung des eigentlichen Falles auf und lässt beides wie eine untrennbare Einheit wirken. Eine klare Leseempfehlung – aber unbedingt in der Reihenfolge der Veröffentlichung.


Blutsfreunde (Kristina Ohlsson)

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Unerwartet verstirbt ein enger Freund des Anwalts Martin Brenner, ebenso unerwartet bekommt er seinen Anteil an eine erfolgreichen Antiquitätengeschäft vererbt. Doch schon bald bekommt Martin Hinweise darauf, dass Henry keinesfalls eines natürlichen Todes gestorben ist, sondern Opfer eines Mordes geworden ist. Bei seinen Ermittlungen stößt Martin auf einige Ungereimtheiten und erfährt immer neue Details aus dessen Leben, die ihn an seiner Freundschaft zweifeln lassen…

Nachdem Kristina Ohlsson in den ersten beiden Bänden um den charismatischen Anwalt Martin Brenner einen zusammenhängenden Fall erzählt und schließlich aufgelöst hat, hat sie für „Blutsfreunde“ eine ganz neue Szenerie schaffen und hatte so auch die Freiheit, die Stimmung in eine andere Richtung zu lenken. Gelungen ist ihr dies, ohne die zeitweise sehr erheiternde Atmosphäre zu vernachlässigen, immer noch gibt es Stellen, an denen die in ihren Eigenheiten überspitzten Charaktere ihren Charme entfalten und für einen gelungenen Humoranteil sorgen können. Der Fall an sich überzeugt dadurch, dass er noch näher an das Privatleben des Anwalts heranrückt und in seinem direkten Umfeld spielt, was teilweise für einen recht scharfen und emotionalen Eindruck sorgt. Das federt etwas ab, dass mich die eigentlichen Hintergründe nicht vollkommen überzeugen konnten, sie wirken in vielen Details leider etwas konstruiert und aufgesetzt. Besonders gegen Ende zeigt sich, dass für einen effektvollen Beginn und überraschende Wendungen zu oft zu merkwürdigen Hilfsmitteln gegriffen wurde.

Dennoch ist der Fall spannend und flüssig geschrieben, die Handlung kommt zu keinem Punkt ins Stocken und liest sich so locker weg. Die knappen 500 Seiten vergehen so recht schnell, insbesondere weil Ohlsson ihren Protagonisten noch mehr Facetten verleiht und die in den ersten beiden Teilen gelegten Grundlagen weiter zu verfeinern versteht. Gut gefällt mir, dass sie ihren Figuren dabei einige Ecken und Kanten andichtet, keiner wirkt durchgängig sympathisch oder zugänglich, dennoch schließt man die Charaktere mit der Zeit ins Herz.

„Blutsfreunde“ ist spannend geschrieben, wurde mit interessanten und ausdrucksstarken Figuren versehen und überzeugt mit dem kurzweiligen Verlauf. Allerdings schleichen sich dabei auch einige Ungereimtheiten ein, die unstimmig wirken und einen konstruierten Eindruck hinterlassen. Dass der Fall dabei noch näher an die Hauptfigur heranrückt, gefällt mir sehr gut und würzt den Thriller mit einigen markanten Szenen.


Blutzahl (Thomas Enger und Jorn Lier Horst)
 

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Als die erfolgreiche Buchautorin Sonja Nordstrom nicht zur Premiere ihres neuen Romans erscheint, beschließt die engagierte Reporterin Emma Ramm, sie in ihrer Wohnung aufzusuchen, findet diese aber verlassen vor. Lediglich die Ziffer 1 an ihrem Fernsehen deutet auf einen merkwürdigen Zwischenfall hin. Bei ihren Ermittlungen stößt sie auf den Ermittler Alexander Blix, der bei der Untersuchung einer Leiche die Ziffer 7 vorfindet…

Die beiden norwegischen Autoren Thomas Enger und Jorn Lier Horst waren bereits beide getrennt voneinander mit eigenen Buchreihen erfolgreich, nun haben sie sich zusammengetan und eine neue Serie mit zwei markanten Ermittlern gestartet. „Blutzahl“ ist das Erstlingswerk der beiden und stellt – nach einer aufregenden Introszene mit spannungsgeladenem Cliffhanger – die beiden Hauptfiguren ausführlich vor. Beide haben durchaus ihren eigenen Charme, was durch einige private Momente aus ihrem Leben unterstrichen wird, was die Passagen zwar unterhaltsam wirken lässt, den Spannungsbogen des eigentlichen Falles aber größtenteils vernachlässigt. So nimmt auch das Interesse an der eigentlich sehr guten Idee mit dem kodierten Countdown immer weiter ab, was sich erst später wieder ändert. Die Fokussierung auf den eigentlichen Fall ab der Hälfte des Romans tut diesem zwar spürbar gut, wirkt dann aber immer noch etwas konstruiert. Es scheint, als seinen einige interessante Ideen eingeflossen, diese aber nicht bis zum Ende durchdacht gewesen.

Auch die Auflösung des Ganzen hat mich leider nicht so recht begeistert und kam dann etwas plötzlich. Ich bin zwar kein Fan davon, wenn man den Täter und sein Motiv bereits nach einigen Seiten erahnen kann, die hier ausgelegten Spuren sind in der Rückschau aber kaum existent gewesen, sodass die Zusammenhänge etwas zu lose wirken. Immerhin wird im Verlauf das Verhältnis der beiden Hauptfiguren reizvoll ausgeführt und mit einigen Konflikten aufgeladen, sodass das Interesse an weiteren Thrillern der Reihe durchaus geweckt wird – dann aber gerne mit einer schlüssigeren Handlung, deren Hintergründe ähnlich gut durchdacht sind wie das ungleiche Duo der Hauptfiguren.

„Blutzahl“ startet stark, lässt dann aber auch schnell wieder nach – etwas zu ausführlich ist die Vorstellung der beiden Hauptfiguren geraten, selbst wenn diese besonders gemeinsam ihren Reiz entfalten können. Der durchaus interessante Plot enthält zwar gute Ansätze, die aber leider nicht zu Ende gedacht wurden und nicht ihre volle Wirkung entfalten können, ebenso wie die Handlung etwas konstruiert wirkt. Dennoch ein kurzweiliger Roman, was auch an der lockeren und authentischen Sprachverwendung liegt.


Die Chroniken von Alice - Die Schwarze Königin (Christina Henry)

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Gemeinsam konnte Alice gemeinsam mit ihrem neuen Freund, dem Axtmörder Hatcher, die Alte Stadt verlassen und sich auf die Suche nach seiner Tochter machen. Doch der Weg führt sie durch das Reich der Weißen Königin, die ihrer Schwester, der Schwarzen Königin, in Sachen Grausamkeit und Unerbittlichkeit in nichts nachsteht. Und so nimmt Alice den Kampf aus – und das obwohl sie ihre Kräfte noch nicht vollständig entwickelt hat…

Christina Henry hat mit den „Dunklen Chroniken“ eine Buchreihe geschaffen, in der sie bekannte Kindergeschichten auf eine verdrehte, düstere und brutale Art neu erzählt. Die ersten beiden Bände ergeben dabei im Grunde genommen eine Einheit, widmen sie sich doch gemeinsam der Geschichte um Alice im Wunderland, Vorkenntnisse aus dem ersten Teil sind also notwendig, um der Handlung folgen zu können. Der Schreibstil der Autorin hat mir auch hier wieder gut gefallen und setzt den düsteren und mysteriösen Ansatz der Geschichte gekonnt um, sie schafft intensive Atmosphären und klare Bilder, sodass alles sehr greifbar und gut vorstellbar geschildert ist. Die Handlung an sich wirkt aber noch stärker episodenhaft, als es der erste Band getan hat. Es gibt zwar einen roten Faden durch die Handlung, die verschiedenen Teile stehen aber eher im Vordergrund, die Übergänge sind deutlich zu spüren. Das ist nicht weiter schlimm, da sich so ein dynamischer, wellenförmiger Spannungsaufbau entsteht, hat mich am Ende aber etwas ernüchtert zurückgelassen – ein wirkliches Highlight konnte am Ende nicht gesetzt werden.

Die Figuren des Romans haben wieder eine gelungene Aura bekommen, insbesondere natürlich Alice, die nicht nur weitere Facetten von sich zeigen kann, sondern die sich auch in magischen Dingen konsequent weiterentwickelt. Doch nicht alle Charaktere wurden von der Autorin wirklich mit Leben gefüllt, manche sind doch etwas blass geraten und geraten zu bloßen Statisten, was den Eindruck von ungenutztem Potenzial hinterlässt. Ansonsten gefällt mir die Lebendigkeit des Romans, der immer wieder für neue Überraschungen und Wendungen sorgt – auch wenn das Ende des Romans unausweichlich wirkt und dann auch wie vermutet eintritt.

Mit „Die Schwarze Königin“ hat die Autorin einen ebenfalls lesenswerten Nachfolgeband ihrer „Chroniken von Alice“ veröffentlicht, der einige spannende Aspekte und wieder eine wunderbar düstere und verdrehte Atmosphäre enthält. Das kann trotz einiger Längen und einer episodenhaften Erzählweise gut unterhalten und Spannung aufkommen lassen – und macht Lust auf die weiteren Ideen der Autorin.


Der Orden des geheimen Baumes - Die Magierin (Samantha Shannon)

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Ead lebt am Hofe der Königin Sabran, die im Westen des Reiches regiert. Ead ist aber nicht die gewöhnliche Kammerzofe, als die sie sich ausgibt, sondern eine mächtige Magierin, eine Novizin eines geheimen Ordens, die abgestellt wurde, um die Königin zu schützen. Doch die eigentliche Gefahr lauert nicht in den Intrigen bei Hofe, auch nicht in dem verfeindeten Reich im Osten, in dem Drachen als weise und gerechte Wesen angesehen werden. Die wahre Gefahr kommt aus der Vergangenheit und bedroht beide Reiche…

Samantha Shannon hat für ihr neues Fantasywerk eine komplett neue Welt erschaffen und begibt sich dabei auf das Terrain der High Fantasy, mit einer ganz eigenen Kultur und komplexen politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen – genau genommen sogar zwei verschiedene Gesellschaften, da zwei benachbarte, in ihren Grundzügen aber sehr unterschiedliche Königreiche Schauplatz der Handlung sind. Dabei gibt es zahlreiche interessante Elemente zu entdecken – von einer matrialistisch geprägten Struktur über magische Vorgänge bis hin zu Intrigen und offenen Kämpfen an den Herrscherhäusern. Doch diese Vielfalt resultiert auch in einer schier endlos wirkenden Zahl an verschiedenen Charakteren – und nicht jede hat so viel Eindruck hinterlassen, dass man sie direkt in Erinnerung behält. Das ist ja erst einmal kein Schwachpunkt, wenn eben diese Rollen aber später wieder auftauchen, ist es nicht immer einfach, die Zusammenhänge zu erfassen. Das wird dadurch verschärft, dass gleich vier wichtige Handlungsstränge parallel zueinander laufen, da diese Problematik gleich mehrfach auftaucht. Das ausführliche Glossar hilft zwar beim Verständnis gut weiter, sodass ich im Laufe der Zeit doch immer besser in die Handlung gekommen bin.

Der Erzählstil ist stellenweise etwas zäh, gerade zum Start des jeweiligen Handlungsstranges. Denn dann wird erst einmal ausführlich die jeweilige Grundsituation erklärt, was zwar durchaus einige spannende Aspekte aufweist, aber eben auch nicht wirklich spannend geraten ist. Das bessert sich aber ebenfalls im Laufe der Zeit und lässt die Ereignisse enger zusammenrücken und bildet das ein faszinierendes Konstrukt, bei dem immer wieder unterschiedliche Noten aufkommen. Gerade die vier Hauptcharaktere und insbesondere die oben erwähnte Ead sind mir dabei ans Herz gewachsen, mit jedem konnte ich mitfiebern und mich in seine Lebensumstände einfinden. Und es ist gerade diese Diversität, die so faszinierend ist, da man langsam einen Blick auf die Zusammenhänge bekommt – und welche wichtige Rolle die jeweiligen Figuren einnehmen.

„Die Magierin“ ist nur der erste Teil von „Der Orden des geheimen Baumes“ und braucht dann auch etwas, um in Fahrt zu kommen, zeichnet aber ein komplexes und vielschichtiges Bild der beiden Königreiche und der Menschen, die in ihnen leben. Der sanfte Anklang an Magie, die Präsenz der Drachen, die langsam aufkommende, düstere Bedrohung – all das wächst zu einer wirklich spannenden Geschichte an, in die ich immer wieder gerne eingetaucht bin.


Es war einmal ein blauer Planet (Francois Lloyd)
 

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Robin lebt auf einer Kolonie auf dem Mars und wird ausgewählt, den fernen blauen Planeten zu besuchen, der einst die Heimat der Menschen war und seit Generationen unbewohnbar gilt. Nachdem bereits ein Forscherteam nicht zurückgekehrt ist, soll nun Robin die Qualität des Planeten begutachten und beurteilen, ob die Erde nun lebenswert ist. Neben wunderschönen Landschaften findet er auch ganz unterschiedliche Menschen – und stellt sich schon bald die Frage, was Glück eigentlich ist…

Wenn Francois Lloyd einen neuen Roman vorlegt, kann man schon davon ausgehen, dass keine simple Belletristik dabei herauskommt. Tatsächlich ist die Kategorisierung von „Es war einmal ein blauer Planet“ schwierig und enthält Elemente von Science Fiction, Dystopie und Märchen, gemischt mit vielen philosophischen Ansätzen. Das klingt zunächst etwas anstrengend, wird durch die sehr genauen und authentischen Beschreibungen aber sehr klar aufbereitet. Die Darstellung von Robins Raumkolonie und den gesellschaftlichen Zuständen mit ihrer ganz anderen Struktur und vielen Änderungen zu unserem heutigen Leben nehmen einen großen Teil des Romans ein, was immer wieder zum Nachdenken anregt – insbesondere weil einige Entwicklungen erschrecken realistisch wirken. Doch auch im Zwiegespräch mit den verschiedenen Lebensformen auf der Erde kommen sehr unterschiedliche Ansätze des gesellschaftlichen Zusammenlebens hervor.

Verpackt ist das in einer Sprache, die nicht immer ganz eingängig ist, sondern Zeit braucht, um sie zu erkunden und aufzunehmen, die aber auch von poetischer Schönheit ist. So entstehen prägnante Bilder und eine ganz besondere, eingängige Atmosphäre, die den ungewöhnlichen Roman unterstreicht. Und über allem steht die Frage nach dem Glück: Für den einzelnen und die Gemeinschaft, für eine kurze Dauer und langfristig, welche Opfer dafür gebracht werden können und müssen. Beeindruckend ist, dass der Autor diese Fragen sehr klar stellt, aber eben nicht abschließend beantwortet. Durch die Ereignisse und Gespräche bekommt der Leser verschiedene Lösungsansätze geboten, präferiert oder besonders betont wird im Roman aber keiner von ihnen. Diese Offenheit und Nachdenklichkeit beeindruckt mich sehr und sorgt dafür, dass es eins dieser Bücher ist, die lange im Gedächtnis nachhallt.

Man muss sich Zeit für diesen Roman nehmen, sich auf die offenen Fragestellungen einlassen und Lust am Erkunden ungewöhnlicher Wege haben, dann ist „Es war einmal ein blauer Planet“ von großem Wert – durchaus auch für das eigene Leben. Die vielen ungewöhnlichen Ideen und die philosophische Ausstrahlung der Geschichte verlassen eingetretene Wege und mögen bisweilen etwas anstrengend wirken, haben mir aber insgesamt äußerst gut gefallen.


Flavia de Luce - Halunken, Tod und Teufel (Alan Bradley)
 

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Obwohl Flavia de Luce als Giftmischerin und Detektivin definitiv andere Hobbys hat als andere Elfjährige, will auch die sofort den Jahrmarkt in ihrer Heimatstadt besuchen. Doch nachdem sie sich die Zukunft einer Wahrsagerin hat lesen lassen, steckt sie versehentlich deren Zelt an, das vollkommen abbrennt. Als Wiedergutmachung bietet sie an, dass Fanella in ihrem Garten zelten kann. Und Flavia hat deswegen schon bald einen neuen Fall aufzuklären, denn ihre neue Freundin wird seit Jahren bezichtigt, ein Kind entführt zu haben…

Mit „Helden, Halunken und Tod“ hat Alan Bradley bereits den dritten Teil der Buchreihe um seine ungewöhnliche Hauptfigur Flavia de Luce veröffentlicht, der sich trotz des jungen Alters von Flavia keinesfalls ausschließlich an Kinder richtet – im Gegenteil werden auch Erwachsene das morbide Setting zu schätzen wissen. Auch in diesem Band wird dies natürlich weiter fortgeführt und die junge Detektivin als potente Giftmischerin dargestellt, die fasziniert von dem Tod ist und sich liebend gern der Qual ihrer verzogenen Schwestern widmet. Der Fall, der dabei erzählt wird, wirkt noch etwas vielschichtiger als in den beiden Vorgängerromanen, da Flavia tief in die Vergangenheit eintauchen muss. Das ist durchaus trickreich erzählt und bietet einige überraschende Wendungen, die das Geschehen kurzweilig halten. Auch die Auflösung des Ganzen ist gelungen und bietet noch einmal eine andere Sichtweise auf die Ereignisse.

Besonders gut gefällt mir aber, dass die lieb gewonnenen Figuren noch mehr an Tiefe gewinnen, was besonders für Flavia und ihre Familie gilt. Es werden einige Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit aufgedeckt, auch was mit ihrer früh verstorbenen Mutter passiert ist. Erst in diesem Band wird so richtig klar, welche Spuren das alles hinterlassen hat, beispielsweise warum Flavias Schwestern so agieren, wie sie es nun einmal tun. Auch die finanzielle Situation der Familie wird stärker beleuchtet, und auch Flavias Trauer um die verlorene Mutter bekommt mehr Tiefe. Das sorgt für einige emotionale Momente, die sich allerdings stimmig und dezent einfügen und die verschrobene Szenerie eben nur um eine gelungene Facette erweitern.

„Helden, Halunken und Tod“ führt die Rahmenhandlung um die morbide Titelheldin gekonnt fort und verleiht ihr mehr Tiefe, konzentriert sich aber dennoch auf einen eigenständigen Fall. Dieser ist spannend erzählt und mit vielen markanten Szenen gespickt, die im Gedächtnis bleiben und die düstere und humorvolle Szenerie gelungen gestalten. Wieder sehr lesenswert, wobei sich der gesamte Charme entfaltet, wenn man die beiden Vorgänger gelesen hat (was sich ebenfalls lohnt).


Der Mondscheinmann (Max Bentow)

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In einer gewöhnlichen Berliner Wohnung wird eine Leiche gefunden, sorgsam in ihrer Badewanne mit Kerzen und Lilien inszeniert – und bedeckt von unzähligen Weinbergschnecken. Das ist auch für den hartgesottenen Ermittler Nils Trojan ein Schock – zumal nur kurze Zeit später eine ähnlich sorgsam hergerichtete Leiche gefunden wird. Dabei hätte Nils gerade eher Ruhe nötig, doch um dem Täter zuvorzukommen, muss er Vollgas geben…

In ziemlich schnellem Tempo veröffentlicht Max Bentow neue Fälle von seinem Ermittler Nils Trojan, sodass nun mittlerweile bereits der achte Band aus der Reihe erschienen ist. „Der Mondscheinmann“ startet dann auch recht schnell in die eigentliche Handlung, von der oben beschriebenen Szenerie geht sofort eine düstere Faszination aus. Das wirkt auch noch lange Zeit nach und bestimmt die Stimmung des Romans, wird aber noch um zahlreiche weitere gelungene Ideen erweitert. Das fängt bei der charakterlichen Entwicklung Nils Trojans an, der von der Arbeit zermürbt ist, von Panikattacken und Ängsten heimgesucht wird, dem deswegen auch sein Privatleben deswegen immer weiter entgleitet. Doch auch die restlichen Figuren werden gekonnt entwickelt, sodass man im Laufe der Zeit einen immer tieferen Einblick in ihr Wesen bekommt.

Der Fall an sich ist ebenfalls sehr gelungen und wird auf mehreren Ebenen erzählt, die erst im Laufe der Zeit ein komplettes Bild ergeben. Die Spannung steigert sich dabei immer weiter und wird dichter, wird durch einen stetigen Informationsfluss am Laufen gehalten und ist clever durchdacht. Zugegeben kann man irgendwann einige Hintergründe erahnen, doch auch danach gibt es noch zahlreiche Überraschungen und Wendungen, die das Geschehen spannend halten. Sehr gelungen ist, wie die verwendete Sprache dies unterstützt und mit authentischen und abwechslungsreichen Ausdrücken und atmosphärischen Beschreibungen die verschiedenen Blickwinkel sehr gut zur Geltung kommen.

Auch „Der Mondscheinmann“ aus der Buchreihe um Nils Trojan hat mir sehr gut gefallen – nicht nur, weil das Verbrechen ebenso faszinierend wie spannend ist. Auch die Entwicklung der Charaktere hat mir sehr gut gefallen, von der Hauptfigur bis hin zu Nebenfiguren und dem Antagonisten, dessen Hintergründe stimmig erklärt werden. Wieder einmal ist es sehr gelungen, wie alles zusammengefügt wird, sodass ein lesenswerter Band entstanden ist.


Biss zur Mitternachtssonne (Stephenie Meyer)

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Edward Cullen, ein seit vielen Jahren auf der Erde wandelnde Vampir, hat sich als Schüler an der Forks Highschool eingeschrieben, um sein Dasein zu verheimlichen und den Anschein eines normalen Lebens zu erwecken. Als jedoch die schöne Bella Swan ebenfalls an der Schule angenommen wird, gerät seine Tarnung ins Wanken. Denn so tollpatschig und nervig er sie zu Anfang auch finden mag, stellt er doch bald fest, dass er sich in das Mädchen verliebt…

Nur wenige Buchreihen haben in den letzten Jahren einen solchen Hype ausgelöst wie die Twilight-Romane aus der Feder von Stephenie Meyer, die ersten vier Bände, die die Handlung aus der Sicht von Bella Edward erzählen, haben eine nicht minder erfolgreiche Filmreihe und den ungebrochenen Trend zur mystisch-romantischen Teenagerliteratur gestartet. Im Prinzip war es nur eine Frage der Zeit, bis(s) Nachschub für die riesige Fanschar geliefert werden würde, was die Autorin jetzt höchstpersönlich mit „Biss zur Mitternachtssonne“ erledigt hat. Doch statt Vorgeschichte oder Fortsetzung zu schreiben, hat sie die bereits bekannten Ereignisse aus dem ersten Band noch einmal erzählt, jedoch aus der Sicht des attraktiven Vampirs Edward Cullen. Ein interessanter Ansatz, den die Autorin jedoch nicht überfrachtet hat – allzu einfach wäre es gewesen, durch zahlreiche Zusatzinformationen aus dem früheren Leben des Vampirs künstliche Spannung zu erzeugen. Zwar gibt es auch hier einige sehr interessante Zusatzinformationen zu den anderen Mitgliedern der „vegetarischen“ Vampir-Sippe der Cullens, die Fanherzen höher schlagen lassen und sich fast durchgängig als Bereicherung beweisen, ohne zu viel Raum einzunehmen. Denn der Fokus soll hier eben auf dem Perspektivwechsel zu den bekannten Ereignissen liegen. Und genau darüber kann man hier einen neuen Zugang zu der Figur des Edward Cullen gewinnen, der glaubhafter macht, warum der Vampir innerlich so zerrissen ist, warum er Bella gerade zu Beginn so unnahbar erscheint und wie sein Charakter geformt ist.

Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, die bekannte Geschichte noch einmal zu erleben und die vielen eingebauten Feinheiten auf mich wirken zu lassen. Sicherlich ist die Spannung dabei nicht so prägnant umgesetzt wie im ersten Band der Reihe, auch funktionieren die Überraschungsmomente natürlich nicht, wenn man die Ereignisse des Romans schon kennt. Das ist aber auch nicht das Ziel der Erzählung und hat mich deswegen nicht gestört. Mir gefällt sehr gut, dass sich die Autorin eng an die (eigene) Vorlage hält und dennoch kleine Feinheiten ändert. So sind die Dialoge zum großen Teil nicht eins zu eins übernommen worden, was nicht nur Redundanz vermeidet, sondern auch sehr logisch ist: Zwei verschiedene Individuen haben schließlich oft andere Erinnerungen an ein und den selben Moment. Das wirkt lebendig und in sich stimmig, bringt sanft neue Elemente mit ein und wirkt eben nicht wie ein bloßes Abschreiben voriger Ideen.

„Biss zu Mitternachtssonne“ ist ein kleines Experiment, da eine bekannte Geschichte neu erzählt wird. Genau dieser Perspektivwechsel ist aber sehr gelungen, da zwar viele zusätzliche Informationen eingebunden sind, die aber die eigentliche Handlung nicht überdecken. Die neu gesetzten Akzente und die sehr intensive Aufarbeitung des Charakters des Edward Cullen hat mir gut gefallen und hat mich in die bekannten Gefilde der Biss-Welt zurückgeführt.


Die Gruft des Tyrannen (Rick Riordan)

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Um als vollwertiger Gott auf den Olymp zurückkehren zu können, muss er noch die restlichen Orakel aus den Fängen des Triumvirats aus römischen Kaisern befreien und so seine restlichen Kräfte zurückerlangen. Doch dazu ist er auf die Hilfe seiner neuen Freunde angewiesen, die sich jedoch zunächst einer ganz anderen Bedrohung stellen müssen. Und so kämpft Apollo Seite an Seite mit ihnen, um Camp Jupiter vor dem Untergang zu bewahren…

Auch wenn „Die Abenteuer des Apollo“ eine eigenständige fünfteilige Buchreihe ist, gehört sie eigentlich zu einem wesentlich größeren Komplex. Gestartet mit „Percy Jackson“ und fortgesetzt mit „Helden des Olymp“ greift Autor Rick Riordan darin zahlreiche Elemente aus der griechischen und römischen Mythologie auf. Und um alle Querverweise zu verstehen und sich zu freuen, bekannte Charaktere wieder zu treffen, sollte man insbesondere vor dem Lesen des vierten Bands „Die Gruft des Tyrannen“ auch die beiden Vorgängerreihen gelesen haben. Denn die Rückkehr zum Camp Jupiter kann noch besser genossen werden, wenn man eben schon einige Vorkenntnisse hat. Wie immer schafft es der Autor, eine ebenso kindgerechte wie actionreiche Handlung zu schaffen, die mit recht kurzen Szenen kompakt erzählt wurde. Immer wieder passiert etwas Neues, der Leser wird ständig bei Laune gehalten, Langeweile kommt dabei nicht aus. Das funktioniert hier noch besser als in den ersten Teilen der Reihe und setzt besonders die brutalen und grausamen Gegenspieler ins rechte Licht – toll, dass dabei auch ein wenig Geschichtsunterricht wie nebenbei stattfindet. Nicht nur, dass der Verlauf sehr kurzweilig geraten ist, alles steuert auch noch auf eine heftige Schlacht zu, in der der Autor mit seinen Figuren mal wieder alles andere als zimperlich umgeht und starke Verluste in den eigenen Reihen thematisiert.

Die verwendete Sprache ist Rick Riordan wieder sehr gut gelungen, er passt sich dabei an die Bedürfnisse seiner jüngeren Zielgruppe an und schreibt sehr lebendig und humorvoll. Immer wieder gibt es flapsige Sprüche oder bitteren Humor, was mich immer wieder zum Lachen gebracht hat. Die Einfälle sind dabei oft sehr schräg, aber immer passend und nie allzu flach geraten. Allerdings fallen einige Male häufige Wortwiederholungen auf, auch in der Satzstruktur gibt es in manchen Passagen nur wenig Abwechslung, was aber durch die spannende Geschichte und die vielen humorvollen Einschübe nicht weiter negativ auffällt.

„Die Gruft des Tyrannen“ ist ein sehr gelungener Teil der Reihe, die die Kenntnisse der griechischen Mythologie vertieft und dennoch eine sehr spannende und kurzweilige Handlung präsentiert. Schön, dass die Charaktere dabei eine Weiterentwicklung durchmachen können und Wert auf Apollos Göttlichkeit gelegt wird. Auch der Abschluss des Bandes ist gelungen, da viele Enden zusammengeführt werden, aber noch genügend Fäden für die kommende Fortsetzung offen gelassen werden.


Auf den Schwingen des Drachen (Kevin J. Anderson)

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Seit Jahrhunderten liegen zwei Reiche im Krieg, während doch beide Herrscher nur Frieden wollen. Doch die Gräben zwischen dem Imperium der Drei Königreiche mit ihren magisch begabten Einwohnern und Ishara, dem Reich der Menschen, scheinen zu tief, um überwunden werden zu können. Doch unerwartet tauchen die Wreth auf, die seit Jahrtausenden nicht mehr gesichtet wurden und mittlerweile als Legende gelten. Und sie wollen die Menschen der beiden Reiche wieder zu ihren Untertanen und Sklaven machen, denn auch zwischen den Wreth herrscht erbitterter Krieg...

"Auf den Schwingen des Drachen" als Titel, dazu ein Coverbild, das an ein Abenteuer auf dem Rücken einer geflügelten Echse denken lässt - wer bei diesem Roman von Kevin J. Anderson nach dem äußeren Anschein geht, wird sich schon bald verwundert die Augen reiben. Denn statt einem lockeren, klassischen Abenteuer mit Burgen, Rittern und eben Drachen ist der High-Fantasy-Roman weit entfernt. Vielmehr wird ein sehr komplexes Bild der erschaffenen Welt gezeichnet, die durch ihren Detailreichtum äußerst vielfältig ind lebendig wirkt. Völlig kann man sich in den unterschiedlichen Gegenden, Städten und Königshöfen wiederfinden, lernt die magischen Grundsätze kennen, erfährt von gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen und darf im Laufe der Zeit auch einen Blick auf die Schöpfungsgeschichte dieser Welt werfen. Und genauso eingängig ind intensiv wie diese Beschreibungen sind auch die Charaktere dargestellt - und von denen gibt es einige. Hier gibt es nicht nur einen oder zwei Hauptfiguren, aus deren Blickwinkel erzählt wird, sondern deutlich mehr. Und so gibt es auch völlig verschiedene Sichtweisen der Vorgänge, was mal wieder eindrucksvoll beweist, dass Menschen nicht nur gut oder böse sind, sondern es unzählige Schattierungen von Grau gibt. Dinge, die zunächst als hinterhältig und böse wirken, bekommen später einen Sinn, während scheinbare Helden plötzlich eine nicht mehr ganz so reine Westen haben.

Der Verlauf des Romans ist insgesamt sehr flüssig, nur ab und an wirkt die Handlung etwas sperrig - bei dem Umfang des Romans aber nur wenig verwunderlich, zumal sich dies wirklich in Grenzen hält. Manchmal ist es mir auch schwergefallen, die Übersicht über die vielen Charaktere zu bewahren, besonders da einige scheinbare Nebenfiguren erst später an Bedeutung gewinnen und ihren Platz im Gefüge der Geschichte einnehmen. Doch der stimmige Aufbau und die kleinen Erinnerungsstützen helfen sehr weiter, sodass ich nur selten zurückblättern musste. Und es zeigt sich immer mehr, wie fein die Geschichte gewebt wurde, wie eng alles zusammenhängt und wie stimmig und glaubhaft die Komposition geraten ist. Es fasziniert mich, was der Autor alles bedacht hat und wie genau er sich an die Regeln seiner Welt hält, die mit dem Auftauchen der Wreth immer mehr an Tiefe gewinnt. Hervorragend auch, wie dann schließlich auch ein Drache auf unerwartete Weise auftaucht und die Lust auf die kommenden Bände weckt.

Der flüssige Schreibstil und die detaillierten Beschreibungen lassen die Zeit beim Lesen nur so verfliegen, die sehr stimmige Konstruktion der Handlung fasziniert, Spannung ind Druck erhöhen sich immer mehr - "Auf den Schwingen des Drachen" ist ein hervorragender High Fantasy-Roman, der mich schnell begeistert hat. Viele Szenen und Ideen sind bestechend und bleiben noch lange im Gedächtnis haften. Ein sehr lesenswertes Werk, das mir sehr viel Freude bereitet hat.


Flavia de Luce - Mord ist kein Kinderspiel (Alan Bradley)

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Flavia de Luce ist begeistert von dem Puppentheaterstück aus der örtlichen Gemeindehalle, doch nach dem letzten Applaus kommt es zu einem folgenschweren Unfall: Der Puppenspieler wird durch einen Stromschlag getötet. Und da die Polizei in Flavias Augen alles andere als einen guten Job macht, beschließt sie, selbst Ermittlungen anzustellen – und findet in seiner Vergangenheit einige düstere Geheimnisse…

„Flavia de Luce“ ist eine ziemlich überzeichnete Figur, die als Mittelpunkt der nach ihr benannten Buchreihe allerdings gerade deswegen bestens funktioniert: Sie ist höchst clever, eigensinnig, selbstständig, schlagfertig und mit viel düsterem Humor ausgestattet. Der zweite Band der Reihe trägt den Titel „Mord ist kein Kinderspiel“ und entwickelt diese Figur gekonnt weiter und fügt ihr einige neue Facetten zu, ebenso wie auch die anderen bereits bekannten Charaktere mehr Tiefe gewinnen – oder eben ihre Oberflächlichkeit weiter entlarvt wird. Ich mag das Setting sehr, das so überzeichnet ist und die Erwachsenen (fast) durchgängig als ziemlich inkompetent dargestellt werden, während Flavia einen fast zynischen Blick auf sie hat und dazu noch mit einigen erstaunlichen Fähigkeiten in der Chemie aufwartet.

Die Handlung dieses Teils ist jedoch gänzlich unabhängig, sodass der Fall auch als erstes gelesen werden kann – die wichtigsten Zusammenhänge ergeben sich im Laufe der Zeit, ein paar witzige Anspielungen auf „Mord im Gurkenbeet“ dürfen aber dennoch nicht fehlen. Die Handlung kommt recht schnell ins Rollen, sodass Flavia bald mitten in dem neuen Fall steckt, der dann auch clever und kurzweilig aufgebaut ist. Spannung und Spaß wechseln sich gekonnt ab, die immer weiter fließenden Informationen zu den Hintergründen sind mit witzigen Dialogen und spöttischen Kommentaren verwoben. Und da die Stimmung so dicht und unterhaltsam geraten ist, können die kleineren Längen in der Handlung gelungen überbrückt werden, eine leichte Straffung des Mittelteils hätte dem Band aber gut zu Gesicht gestanden. Dafür ist das große Finale des Buches dann so gekonnt und spanend geschildert, zumal eine sehr überraschende Auflösung hinter dem Ganzen steckt. Das wurde bereits vorher so clever konstruiert, dass alles stimmig erscheint, ohne dass der Leser zuvor eine Ahnung über den Täter gehabt hätte.

„Flavia de Luce“ gefällt mir auch in diesem zweiten Band richtig gut – insbesondere, da sich einige Elemente aus dem ersten Band weiterentwickeln und die Figuren so noch facettenreicher dargestellt werden. Auch der Krimi an sich ist lesenswert und spannend zu lesen – für die Zielgruppe der jüngeren Leser, aber auch Erwachsene können ihren Spaß mit dem düsteren Humor und dem schrägen Setting haben. Ein lesenswerter Band mit vielen witzigen Überraschungen.


Ans andere Ende der Welt (Philip Pullman)

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Aus Lyra Listenreich ist mittlerweile eine gewöhnliche Studentin geworden, die das Abenteuer ihrer Kindheit aber nie vergessen hat. Als sie sich mit ihrem Dämonen Pantalaimon zerstreitet und dieser seinen eigenen Weg geht, beginnt auch für Lyra eine neue Reise. Doch die Stadt, in der einsame Dämonen herumstreichen sollen, getrennt von ihren menschlichen Verbündeten, ist nicht nur äußert beschwerlich zu erreichen, sondern birgt für Lyra einige unerfreuliche Überraschungen…

Mit der Reihe „His Dark Materials“, hierzulande besser bekannt unter dem Titel des ersten Bandes „Der goldene Kompass“ hat Philip Pullman einen vielbeachteten Klassiker der modernen Fantasy-Lektüre erschaffen. Die ersten Ereignisse waren nach drei Bänden abgeschlossen und behandelten Lyras Abenteuer als junger Teenager, während der einige Jahre später entstandene Band „Über den wilden Fluss“ die Vorgeschichte erzählt – Lyra ist zu dieser Zeit noch ein Baby. „Ans andere Ende der Welt“ ist nun der Nachfolger, der die Hauptfigur als junge Frau darstellt, als Studentin, die ihren Platz im Leben noch nicht vollständig gefunden hat. Dieser Band wirkt dann tatsächlich auch erwachsener, härter und nicht mehr so kindlich romantisiert, was aber leider auch einigen Reiz aus der fantastisch erdachten Welt nimmt. Sicherlich: Dämonen als Sinnbild der Seele eines Menschen sind untrennbar mit der Buchreihe verbunden und kommen auch hier wieder vor, aber von Hexen, Aeronauten oder Panzerbären liest man hier erstaunlich wenig.

Vielmehr konzentriert sich der Autor auf eine noch genauere Darstellung der politischen Vorgänge in der Welt mit dem geheimnisvollen Magistrat, auf die Rolle der Frau in der von Männern dominierten Gesellschaft, auf Unruhen und Missstände, die ihre Spuren in der Welt hinterlassen. Das fördert einige interessante Aspekte zutage, gerade wenn man die politische Situation aus den ersten Bänden noch gut vor Augen hat, bietet aber leider auch einige eher langsam erzählte Passagen, die die Spannung aus den ersten Bänden leider nicht ganz halten können. Auch hat Lyra einiges von ihrem eigensinnigen und kratzbürstigen Charme verloren, wird allzu oft eher zu einer Statistin degradiert als dass sie die Ereignisse selbst beeinflusst. Sicherlich ist das Ende spannend geraten und weiß, die Neugier auf den (sicherlich folgenden) zu wecken, da wieder einige düstere Geheimnisse angedeutet werden, die wieder eng mit dem Staub verbunden sind, ein wenig mehr Spannung und Erzählfluss wären aber schön gewesen.

Als großer Fan der ursprünglichen Trilogie habe ich auch diesen Band genossen und mich sehr gefreut, wieder in die fantastische Welt einzutauchen und neue Facetten von ihr zu entdecken. Doch gerade viele liebenswerte Elemente sind weggefallen, was eine erwachsenere und leider auch nicht mehr ganz so packende Stimmung erzeugt. Vollkommen überzeugt hat mich dieser Band im Gegensatz zu den grandiosen Vorgängern nicht, lesenswert und unterhaltsam fand ich ihn dennoch.


Hagebuttenblut (Lina Bengstdotter)
 

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Unwillig kehrt Charlie Lager in ihr Heimatdorf Gullspang zurück, um einen ungelösten Fall zu lösen. Denn vor über 30 Jahren verschwand ein Teenager aus der Gegend – und Charlie hat vage Erinnerungen daran, das Mädchen gekannt zu haben. Immer mehr aus Charlies Vergangenheit kommt wieder an die Oberfläche, sodass sie sich bald die Frage stellt, ob sie nicht weiter in den Fall verstrickt ist, als sie sich eingestehen will…

Mit „Löwenzahnkind“ hat die schwedische Autorin Lina Bengstdotter den ersten Teil ihrer Trilogie vorgelegt, der eng mit ihrem Heimatdorf Gullspang verbunden ist. So ganz scheint sie ihre Kindheit darin noch nicht verarbeitet zu haben. Denn auch der zweite Teil „Hagebuttenblut“ ist mit vielen düsteren Geheimnissen eben dieses Dorfs gespickt. Und wie bereits im ersten Teil ausgeführt, hat die Hauptfigur so einige psychische Probleme aus der Vergangenheit, die sie immer noch quälen und in diesem Band noch mehr denn zuvor quälen. Das ist intensiv umgesetzt und interessant aufbereitet, manchmal aber allzu bruchstückhaft umgesetzt. Die Gedankenfetzen, die eingestreut wurden, stören immer wieder den Erzählfluss und lassen sich teils nur schwer einordnen und erschließen sich nur im Laufe der Zeit erschließen. Diese psychische Komponente nimmt viel Raum ein und verleiht der Geschichte einen düsteren Touch, was eine Stärke ist, sich in der Umsetzung aber einige Schwächen erlaubt.

Der Kriminalfall an sich über das vor 30 Jahren verschwundene Mädchen tritt dabei schon etwas in den Hintergrund, weil Charlies Psyche eng mit der Handlung verbunden ist. Leider wird der Spannungsaufbau auch dadurch gehemmt, dass die Ereignisse schon so lange zurückliegen und sich in der Gegenwart keine neue Entwicklung aufbaut (mit Ausnahme des zunehmenden Erkenntnisgewinns der vergangenen Ereignisse). Schade, denn die Idee hinter der Geschichte ist packend und dramatisch, zumal eben nicht so viele Klischees und Stereotypen des Genres vorhanden sind. Das Finale ist dann auch wirklich spannend geraten und lässt die vorigen Ereignisse in einem anderen Licht erscheinen. Doch ein Quäntchen mehr davon hätte der eigentlichen Handlung auch sehr gutgetan.

„Hagebuttenblut“ fällt gegenüber seinem Vorgänger zwar etwas ab, da ein Verbrechen aus ferner Vergangenheit ohne zusätzlichen Spannungsaufbau in der Gegenwart nicht durchgängig aufregend wirkt. Die Vertiefung von Charlies psychischen Problemen und die Verknüpfungen mit der Vergangenheit sind jedoch sehr gelungen und sorgen für einige sehr markante Momente, die in Erinnerung bleiben. Es macht Spaß, das zu erkunden, was den Roman dann auch lesenswert macht, auch wenn die eigentliche Handlung nicht so stark ist wie beim Vorgänger


Die Sekte - Dein Albtraum nimmt kein Ende (Mariette Lindstein)
 

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Sofia konnte sich endlich ein normales Leben aufbauen, mit einer liebevollen Familie und fernab von der Sekte von Franz Oswald. Doch gerade als ein Sturm ihr zuhause zerstört, taucht der manipulative Mann wieder in Sofias Leben auf und bietet ihr Unterstützung an. Im Gegenzug will er wissen, wer der leibliche Vater von Sofias Tochter ist. Diese ist damit vollkommen überfordert und weiß nicht, wie sie mit der neuen Situation umgehen soll – doch dann handelt Franz Oswald auf seine ganz eigene Weise…

Mariette Lindstein hat ihre eigenen Erfahrungen als Mitglied einer Sekte in ihre Romanreihe „Die Sekte“ einfließen lassen. Der dritte Teil „Dein Albtraum nimmt kein Ende“ ist 15 Jahre nach den Ereignissen der zeitlich deutlich enger zusammenliegenden ersten beiden Bände angesiedelt und beschreibt sehr eindringlich, dass die Gefahr eines Rückfalls für ehemalige Sektenmitglieder allgegenwärtig ist. Dabei legt Lindstein nicht nur wieder sehr viel Wert auf den Charakter des Franz Oswald, dem Antagonisten der Reihe, seine manipulative und gewinnende Art und seine Hartnäckigkeit, aber auch seine Skrupellosigkeit. Es tun sich weitere, noch dunklere Seiten an ihm auf, er entwickelt sich noch einmal deutlich weiter, bleibt aber dennoch glaubhaft nahe an der Figur aus den ersten Bänden. Faszinierend ist es aber insbesondere, wie die Autorin die Rolle der Sofia angelegt hat und glaubhaft vermittelt, wie sie in Versuchung gerät, den Manipulationen nachzugeben und auf die wohlklingenden Versprechungen Oswalds zu hören.

Spannung zieht der Roman aus dem neuen Plan des Sektenführers, der wieder geschickt die Fäden in der Hand hält und sich einen neuen Weg nach Macht und Kontrolle ebnet - rücksichtslos und intrigant wie eh und je. Auch hier baut sich bald wieder ein Psychospiel mit Sofia auf, der sich noch emotionaler gestaltet als zuvor und andere Aspekte ihrer Beziehung beleuchten. Während der Verlauf im ersten Drittel noch etwas stockend und nicht sehr temporeich ist, ändert sich dies später und „Dein Albtraum nimmt kein Ende“ nimmt mehr Fahrt auf. Das Finale ist dann wieder sehr stark erzählt und mit einigen Überraschungen gespickt, sodass ich auch diesen Teil sehr lesenswert empfunden habe.


Insel (Ragnar Jonasson)

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Vor zehn Jahren haben sich vier Jugendfreunde zum letzten Mal gesehen, doch das erneute Zusammenkommen für ein gemeinsames Wochenende auf einer abgelegenen isländischen Insel endet tragisch: Die psychisch labile Klara stürzt von einer Felsenkante und stirbt. Hulda Hermannsdottir wird auf dem Höhepunkt ihrer Karriere als Kriminalkommissarin zu dem Fall hinzugezogen und untersucht, ob es ein Unfall, Selbstmord oder gar Mord war…


Die Trilogie von Ragnar Jonasson um seine ehrgeizige Ermittlerin Hulda Hermannsdottir besticht mit einer interessanten Reihenfolge: Statt sich chronologisch ihren Fällen zu widmen und dabei ihre persönliche Entwicklung nachzuzeichnen, hat der Autor die Reihenfolge umgedreht. Zum Start des zweiten Teils „Insel“ weiß der Leser also bereits einiges über Huldas Endphase ihrer Karriere, hier kann man sie auf deren Höhepunkt erleben. So interessant dieser Ansatz auch sein mag – das Potenzial wird zumindest hier nicht ganz ausgeschöpft. Ich hätte ein paar mehr Wendungen oder überraschende Erkenntnisse erwartet, die den Blick auf Hulda als alte Frau ändern würden. Vielmehr erkennt man schon deutlich den Charakter aus dem ersten Band wieder, der zwar in einigen Facetten noch einmal verschärft wurde, im Grunde hat sich ihr Wesen aber kaum verändert. Auch ihre Lebensgeschichte wird eher um einige Details ausgeschmückt als wirklich voranzukommen.

Anders sieht es da schon mit dem eigentlichen Fall aus, den Huld hier lösen muss. Dieser ist recht komplex erdacht und spielt insbesondere mit den Beziehungen zwischen den vier Jugendfreunden, der immer neue menschliche Abgründe offenbart. Der Plot hat mir sehr gut gefallen und ist spannend aufgebaut, auch die düstere Stimmung und die Thematik der psychischen Erkrankungen sind gelungen eingebaut. Hinzu kommt ein interessanter weiterer Aspekt: Hulda als starke Frau inmitten einer von Männern dominierten Domäne, die immer wieder auch gegen Vorurteile ankämpfen muss. Wie sich dies im Laufe der Jahrzehnte entwickelt hat, in der die Bücher angesiedelt ist, ergänzt den Reiz der Serie.

Auch hier ist die Stimmung dicht, die Charaktere hätten jedoch nuancierter dargestellt werden können. Auch der Ansatz der Buchreihe, das Leben von Hulda Hermannsdottir rückwärts zu erzählen, wird nicht vollständig ausgenutzt. Dennoch ist „Insel“ lesenswert, nicht nur wegen der melancholischen isländischen Mentalität und den malerischen Beschreibungen der Landschaft, sondern auch wegen eines spannenden Plots, der viele interessante Themen aufgreift.

Obsidian - Alle fünf Bände (Jennifer L. Armstrout)

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Von ihrem Umzug von Florida ins ländliche West Virginia ist Katy alles andere als begeistert, noch nicht einmal das Internet für ihren Buch Blog scheint in dem verschlafenen Ort zu funktionieren. Als sie auf ihren Nachbarn, den höchst attraktiven, aber missmutigen und unfreundlichen Daemon trifft, beschließt sie, lieber auf seinen schnellen Anschluss zu verzichten als weiterhin Zeit mit ihm zu verbringen. Doch sie ahnt nicht, welche Wendung diese Begegnung ihrem Leben gegeben hat und welche Gefahren auf sie zukommen…

Jennifer L. Armstrout hat ihren Debutroman „Obsidian“ gleich zu einer mehrteiligen Fantasy-Reihe gemacht, die mittlerweile vollständig nicht nur als Einzelbände, sondern auch gemeinsam mit allen Teilen erhältlich sind. Dabei greift sie den momentanen Trend zu übernatürlich beeinflussten Liebesgeschichten unter Teenagern auf und geht dabei auch nicht immer eigene Wege. Viele Elemente des Fünfteilers erinnern stark an andere Vertreter des Genres romantischer Urban Fantasy – anderes wirkt aber auch sehr kreativ und einzigartig. So ist der Komplex der fantastischen Welt, die neben der uns bekannten Realität existiert, äußerst clever und vielschichtig erdacht. Sie hat merklich viel Mühe und Gedanken investiert, um hier ein sehr sauberes und stimmiges Konstrukt zu schaffen, von Mitstreitern und Gegenspielern, von Gut und Böse, von rivalisierenden Parteien und ihren ganz eigenen Methoden, den Kampf für sich zu entscheiden. Das ist wirklich auf den Punkt gebracht und sorgte bei mir als Leser für einen großen Reiz, diese Welt weiter zu erkunden.

Armstrout schafft es auch gelungen, markante und präsente Charaktere zu zeichnen. Nicht nur die Hauptfiguren, sondern auch viele Nebenrollen sind mit ihren speziellen Eigenheiten und einem sehr persönlichen Hintergrund dargestellt und bringen ihre eigene Aura in den Roman mit ein. Nicht jede Wandlung und Entwicklung wird dabei stimmig dargestellt, dabei sei vor allem Daemons doch recht rasche Umkehr im ersten Band der Reihe zu nennen. Doch insgesamt hat sie Charaktere erschaffen, die Emotionen hervorrufen und mit denen man mitfiebern kann.

Der Verlauf der fünf Romane ist insgesamt sehr gelungen. Jeder Band hat einen erkennbaren Schwerpunkt und einen eigenen Spannungsverlauf, dennoch funktioniert auch der rote Faden über die Bände hinweg hervorragend – auch wenn dabei durchaus einige Dellen nach unten erkennbar ist. So gab es während des dritten Bandes eine Phase, in der die Handlung nicht mehr richtig fließen wollte und festzustecken schien, in denen sich die Autorin in zu vielen Einzelheiten verloren hat und so nicht mehr dazu gekommen ist, wirkliche Spannung zu erzeugen. Von solchen kleineren Schwächen abgesehen bietet die Reihe aber eine aufregende Handlung.

Der Schreibstil der Autorin gefällt mir ebenfalls gut, da sie sehr nahbar schreibt und den Fokus auf die Emotionen der Charaktere lenkt, ohne dabei kitschig oder übertrieben romantisch zu wirken. Die Bilder, die sie mit ihren Worten zeichnet, wirken lebendig und eingängig, die Wortwahl ist treffend und sorgt für einen guten Lesefluss. Die unterschiedlichen Stimmungen der Handlung kommen so sehr gut zur Geltung.

Die „Obsidian“-Reihe ist zwar nicht vollkommen originell, sondern orientiert sich eng an einigen (scheinbaren) Vorgaben des Genres, bietet aber auch einige sehr gelungene Ideen und eine komplexe, beachtliche magische Welt. Auch die Charaktere agieren sehr markant und lebhaft, wecken Emotionen und sorgen für Spannung, sodass trotz kleinerer Flauten im Aufbau eine sehr lesenswerte Geschichte entstanden ist.


Mord im Gurkenbeet (Alan Bradley)

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Als ein Mann vergiftet im Gurkenbeet ihres Hauses liegt, steckt die elfjährige Flavia de Luce in ihrem ersten Kriminalfall. Denn ausgerechnet ihr Vater gerät unter Verdacht, nach einem Streit den Mord begangen zu haben. Mit ihren Kenntnissen der Chemie und verschiedenster Gifte, aber auch einer gehörigen Portion Mut und Besserwisserei will Flavia ihren Vater unbedingt entlasten. Doch auch sie ist bald nicht mehr überzeugt, dass er unschuldig ist…

Ein elfjähriges Mädchen als Hauptfigur, das im Dauerclinch mit ihren Schwestern liegt und auch ansonsten allerlei vorpubertäres Gebaren zeigt – wer jetzt schon naserümpfend den ersten Band von „Flavia de Luce“ weglegen möchte, weil er von einem Kinderbuch ausgeht (was aufgrund der hübschen, aber ungewöhnlichen Covergestaltung sogar noch wahrscheinlicher wird), sollte seine Entscheidung noch einmal dringend überdenken. Denn mit seinem wunderbar britischen Humor und herrlich vielen Skurrilität ist „Mord im Gurkenbeet“ ein herrlicher Krimi für so ziemlich alle Altersklassen. Denn der Kriminalfall, der hier erzählt wird, ist komplexer und vielschichtiger, als es zunächst den Anschein hat. Es spielen viele Elemente mit ein, es gibt einige falsche Fährten, und auch wenn mich die Auflösung dann nicht mehr allzu sehr überrascht hat, habe ich mich von Anfang bis Ende gut unterhalten gefühlt.

Sehr gut gefallen hat mir auch die Ausgestaltung der Charaktere, allen voran natürlich Flavia de Luce. Sie wird so überspitzt dargestellt, mit zahlreichen ungewöhnlichen Fähigkeiten versehen, stellt sich furchtlos aufkommenden Problemen und ist hochintelligent – ein skurriler und sehr präsenter Charakter, der jedoch auch anderen Figuren Platz gibt. Nun sind die allermeisten beteiligten Erwachsenen als etwas dümmlich oder langsam denkend dargestellt, was den Kontrast noch schärfer wirken lässt.

Ich mag den Schreibstil des Autors Alan Bradley sehr gern, der Flavia als Ich-Erzählerin auftreten lässt und so sehr detailreich seine Hauptfigur strahlen lassen kann. Ihre oft verqueren Gedanken, der Scharfsinn, die Aufmüpfigkeit – all das habe ich schnell zu schätzen gelernt. Er schafft es, die vielen Widersprüche der Figur sinnvoll zu vereinen und gleichzeitig eine sehr dichte Stimmung zu schaffen. Die vielen Metaphern und die lebendig wirkenden Szenerien entführen den Leser in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, ohne altbacken zu wirken. Im Gegenteil: Der erfrischend trockene Humor ist eine wunderbare Zugabe zu dem starken Skript.

„Mord im Gurkenbeet“ ist ein sehr ungewöhnlicher Krimi mit einer besonderen Hauptfigur und einem einzigartigen Schreibstil. Für Puristen ist das sicherlich zu viel, nicht jeder wird sich in die skurrile und schwarzhumorige Szenerie einfinden – ich fand den Roman aber schlicht großartig. Dazu hat vor allem die hervorragend erdachte Hauptfigur beigetragen, auf deren weitere Abenteuer ich mich sehr freue!


Die Auslese - Die komplette Trilogie (Joelle Charbonneau)
 

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Als Cia Vale für die Auslese ausgewählt wird, ist sie stolz darauf, dass ihr diese Ehre zuteilwird. Denn darüber werden die künftigen Führer des Landes ausgewählt, beobachtet von Psychologen sollen die Teilnehmer in verschiedenen Aufgaben ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Trotz der dringlichen Warnung ihres Vaters, niemandem zu vertrauen, lässt sich die auf ihre Mitkandidaten ein – bis der erste Teilnehmer stirbt und sich langsam Misstrauen breit macht…

Mit „Die Auslese“ hat Autorin Joelle Charbonneau eine Romantrilogie geschaffen, die auf dieser aktuell sehr beliebten Kante zwischen Jugendroman und Buch für Erwachsene balanciert. Die Parallelen zu anderen Romanreihen sind nicht von der Hand zu weisen: Auch hier wird eine dystopische Zukunft berichtet, in der sich eine neue Weltordnung aufgebaut hat und Menschenleben deutlich weniger zählen als heute. Praktischerweise gibt es dabei auch eine weibliche Hauptfigur, die im Laufe der Zeit an einem Umbruch des Systems beteiligt, nachdem sie zunächst selbst in den Fängen dieser Strukturen gefangen ist. So weit, so bekannt, aber die Autorin versteht es, diese Idee mit eigenem Leben zu füllen und ganz eigene Akzente zu setzen. Sie hat mit Cia eine durchaus individuelle Titelfigur geschaffen, doch auch viele andere wichtige Figuren haben eine präsente Aura und fügen der Handlung ein Stück Individualität hinzu. Auch der Aspekt des immer weiter aufkommenden Misstrauens untereinander hat mir gut gefallen,

Auch die Welt des zukünftigen Commonwealth mit seinem gesellschaftlichen Aufbau hat mir gut gefallen und wird lebendig dargeboten, wobei in jedem der drei Bände neue Elemente hinzugefügt wurden. So bekommt man von der anfänglich oberflächlichen Betrachtung eines einfachen Bürgers immer mehr schreckliche Details präsentiert. Man hat das Gefühl, gemeinsam mit Cia hinter die Kulissen blicken zu können, wobei man schon selbst einige Hinweise kombinieren kann und deswegen einige Offenbarungen nicht mehr allzu überraschend sind.

Verlauf und Schreibstil sind flüssig geraten, die prägnante Wortwahl und die bildhafte Spreche gefallen mir sehr gut. Nur einige Actionszenen wirken allzu überhastet, sodass man die Übersicht und den Fortlauf nicht ganz überblicken kann. Und auch der inflationäre Einsatz von Satzzeichen stößt stellenweise sauer auf –um Erstaunen und Entsetzen auszudrücken gibt es bessere Möglichkeiten als mehrere Ausrufezeichen.

„Die Auslese“ ließ sich zwar an einigen Stellen recht deutlich von anderen, ähnlich gestrickten Romanserien inspirieren, ist aber mit viel Leben gefüllt und überzeugt mit der düsteren Ausstrahlung ihrer dystopischen Zukunftsvision. Die Spannung ist recht schnell sehr hoch und kann sich über die drei Bände halten – mit Ausnahme einiger eher langwieriger Entwicklungen im zweiten Teil. Eine durchaus lesenswerte Reihe, ein wenig mehr Originalität und der Mut, eingetretene Pfade zu verlassen hätten aber gutgetan.


Der Wächter von London (Benedict Jacka)
 

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Alex Verus hat in der Vergangenheit einem Schwarzmagier gedient und dabei Taten vollbracht, auf die er alles andere als stolz ist. Der Tod einer jungen Frau gehört dazu – und genau dieser soll nun von einer Gruppe aufgebrachten Adepten gesühnt werden. Alex steht dabei im Mittelpunkt des Fadenkreuzes und muss sich wehren – und dass, obwohl er seine finsteren Taten selbst bereut…

Der vierte Band der Buchreihe um Alex Verus von Benedict Jacka mit dem Titel „Der Wächter von London“ ist noch einmal düsterer geraten als seine Vorgänger, was besonders an der Vergangenheit der Hauptfigur liegt, die hier noch einmal aus einer anderen Perspektive beleuchtet wird. Mir gefällt, dass die Figur so noch mehr Tiefe erhält und dennoch die geheimnisvolle Aura bewahrt, die so sorgsam in den vorigen Bänden aufgebaut wurde. Auch den anderen Charakteren wird die Gelegenheit gegeben, sich zu entwickeln, beispielsweise indem sie in einen Konflikt mit Alex geraten oder vor neue Herausforderungen gestellt werden. Da ist viel Bewegung in der übergeordneten Serienhandlung, sodass man die vorigen Bände schon gelesen haben sollte, um hier alle Details auch verstehen und genießen zu können. Doch auch die Geschichte dieses Bandes kann überzeugen und ist mit einer gehörigen Portion Düsternis ausgestattet. Die Figuren werden vor harte Entscheidungen gestellt und müssen sich dabei mit moralischen Fragen beschäftigen, ohne dass dieser Aspekt zu sehr in den Fokus gerückt wurde. Zwar gibt es im Mittelteil einige Szenen, in denen die Handlung nicht recht vorankommt und die auch keine nennenswert aufregende oder besondere Atmosphäre haben, insgesamt ist „Der Wächter von London“ aber ein sehr starker Teil der Reihe.

Das liegt auch an dem Schreibstil, der mir besser gefallen hat als in den Vorgängern. Ob dies daran liegt, dass ich mich an die besondere Stilistik des Autors gewöhnt habe oder er noch flüssiger und prägnanter schreibt, kann ich nicht abschließend beurteilen, mir gefällt aber das insgesamt höhere Tempo mit der größeren Dichte an Ereignissen. Auch die Atmosphäre ist dicht, düster und leicht skurril, was der Handlung eine gelungene Ausstrahlung verleiht.

Die Reihe steigert sich im Laufe der Zeit immer weiter, zumal ihr hier die Gelegenheit gegeben wird, noch einmal ganz neue Aspekte der von Benedict Jacka erschaffenen Welt zu beleuchten. Es wird eine neue, düstere Szenerie erschaffen, weiter in die Vergangenheit von Alex Verus eingetaucht und neue, interessante Charaktere eingeführt, aber auch alte Bekannte in ein neues Licht gerückt. Auch wenn der Spanungsbogen nicht durchgängig gehalten werden kann, ist „Der Wächter von London“ sehr lesenswert geraten.


Die Tribute von Panem: Das Lied von Vogel und Schlange (Suzanne Collins)

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Corolianus Snow kommt aus einer angesehenen, aber verarmten Familie aus dem Kapitol von Panem. Verzweifelt versucht er, auch nach dem großen Krieg den Schein zu halten und die Familie, die nur noch aus seiner leicht senilen Großmutter und seiner engagierten Cousine besteht, zu altem Ruhm zurückzuführen. Da kommt ihm eine Neuerung bei den zehnten Hungerspielen recht: Den Tributen aus den zwölf Distrikten werden Mentoren aus dem Kreis der Schüler der Abschlussklassen zur Seite gestellt – nicht die einzige Neuerung, die eingeführt wird…

Mit ihrer Trilogie um Katniss und die anderen „Tribute von Panem“ hat Autorin Suzanne Collins eine der erfolgreichsten Romanreihen geschaffen, was ebenso für die äußerst beliebten Verfilmungen und vieles andere Merchandise gilt. Einige Jahre später ist nun ein weiterer Roman aus der Welt von Panem erschienen, der ziemlich exakt 64 Jahre vor dem ersten Teil spielt und ausgerechnet den späteren Präsidenten und Gegenspieler Corolianus Snow zur Hauptfigur hat. Das ist insofern interessant, als dass man durchaus sympathische Seiten an dem jungen Mann entdeckt und doch stets im Hinterkopf hat, zu welchem Tyrannen er sich entwickeln wird. Die Ansätze des durchaus menschenverachtenden Bildes von Snow scheinen früh durch, seine Einstellung zu den Hungerspielen sind gerade zu Anfang jedoch auch zwiegespalten und ändern sich im Laufe der Zeit, ebenso wie Corolianus durch verschiedene Einflüsse und Ereignisse entscheidend geändert wird. Es ist genau diese Gratwanderung, die den Roman so interessant machen.

„Das Lied von Vogel und Schlange“ hat aber noch eine zweite Hauptfigur: Lucy Gray, der weibliche Tribut aus Distrikt 12, die Corolianus zugeteilt wird. Ihr Auftreten ist durchaus exzentrisch, sie ist ebenso gefühlvoll wie vorlaut, ebenso bedächtig wie impulsiv und ebenso liebevoll wie kaltblütig. Man lernt sie im Laufe der Zeit immer besser kennen – natürlich aus der Perspektive von Snow – und entdeckt immer neue Seiten an ihr, auch noch ganz am Ende.

Die zehnten Hungerspiele machen etwa die Hälfte des Romans aus, sind noch deutlich roher und technisch bei weitem nicht so ausgefeilt, die Bestrafung der Distrikte für den Krieg steht noch deutlich weiter im Vordergrund als das mediale Spektakel, wie es in der Trilogie geradezu zelebriert wird. Das bringt einige reizvolle Aspekte mit ein und ist äußerst spannend, lebendig und flüssig beschrieben, auch wenn die Entwicklung von Corolianus und seinen Kameraden hier oft im Mittelpunkt steht. Sehr gut beschrieben ist auch hier, wie manipulativ und menschenverachtend die Regierung des Landes agiert, wie Intrigen und starre Höflichkeitsfloskeln das Leben bestimmen, aber auch wie der Krieg die Menschen erschüttert hat und welche Pläne vom Kapitol verfolgt werden.

Nach den Hungerspielen nimmt der Roman noch einmal eine deutliche Wendung. Die Szenerie spielt ab dort in Distrikt 12, ist aber nicht minder unterhaltsam geraten. Eine Romanze unter erschwerten Bedingungen ist ebenso zu lesen wie viele weitere Hintergrundinformationen und das so unterschiedliche Leben in den Distrikten. Äußerst spannend ist das Talent der Autorin, einen hoffnungsvollen Moment in nur wenigen Sätzen immer wieder zunichte zu machen, das hält die Handlung sehr lebendig und kurzweilig. Die vielen Anspielungen auf die Trilogie sind hervorragend untergebracht und lassen Fanherzen höherschlagen, wobei es manchmal ein paar Seiten dauert, bis man einen Zusammenhang herstellen kann. Toll, wie das alles fein, aber unaufdringlich miteinander verwoben ist.

Durch das Fehlen eines wirklichen Helden ist dieser Band vielleicht nicht ganz so zugänglich wie die Romantrilogie, der dystopische Ansatz und die raue Szenerie funktionieren aber bestens. Auch der Verlauf der Handlung und die intensive Darstellung der Charaktere sind Collins wieder hervorragend gelungen, sodass man sich selbst schnell in der Welt von Panem zurechtfindet. Ich fand es äußerst spannend zu lesen, wie die Hungerspiele zu Anfang ihrer Geschichte war, und auch wenn nur ein Zeitraum von wenigen Monaten behandelt wird, bekommt man einen sehr guten Eindruck davon, wie aus Snow der Tyrann geworden ist, der auch nach über 70 Jahren noch jährlich fast ein Dutzend junge Menschen in den Tod schickt. Sehr lesenswert!


Rabenprinz (Margaret Rogerson)

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Isobel hat sich trotz ihrer jungen Jahre bereits einen Namen als talentierte Portraitmalerin gemacht, was besonders von den Elfen sehr geschätzt wird. Denn die unsterblichen Wesen können nichts erschaffen, ohne zu Staub zu zerfallen. Als Isobel Rook, den Prinzen des Herbstlandes, portraitieren soll und eine menschliche Schwäche hineinzeichnet, ist unvermittelt sein Leben in Gefahr – und auch Isobel muss harte Konsequenzen spüren. Und so müssen die beiden zusammenarbeiten, um ihr Leben zu schützen…

Margaret Rogerson hat sich für ihr Buch „Rabenprinz“ offensichtlich von dem ungebrochenen Hang meist weiblicher Teenager zu Büchern inspirieren lassen, in denen sich eine normale junge Frau in ein übernatürliches Wesen verlieben zu lassen. Dennoch hat sie ein neues und interessantes Setting gewählt, denn bis auf den Namen hat das Volk der Elfen auf dem Roman wenig mit der allgemeinen Vorstellung aus anderen Mythologien oder Büchern zu tun. Die Wesen sind hier herrisch, zerstörerisch, haben einen Hang dazu, Menschen mit gemeinen Streichen zu quälen und blicken voller Arroganz und Hochmut auf die anderen Wesen der fantastischen Welt herab. Dieser Grundsatz ist unterhaltsam aufbereitet und mit vielen gelungenen Details ausgeschmückt, sodass man die fremdartige Aura der Elfen und ihre ungewohnten Sitten nach und nach entdecken kann. Atmosphärisch ist das gelungen dargeboten und ist besonders mit dem Vergleich zur mutigen und aufrechten Isobel unterhaltsam.

Die Handlung selbst ist zwar gut erdacht und bietet dem Leser zahlreiche starke Momente, allerdings auch einige langwierige Szenen, in denen sowohl die Handlung als auch die Entwicklung der Charaktere auf der Stelle zu treten scheinen. Hinzu kommt, dass die Liebesgeschichte zwischen Isobel und Rook zwar unausweichlich scheint, aber dann doch so plötzlich kommt, dass es recht unglaubwürdig wirkt. Innerhalb weniger Seiten wird aus offener Ablehnung ohne weitere Erklärung die große Liebe – schade besonders, da die Charaktergestaltung ansonsten sehr stimmig geraten ist und einen überzeugenden und glaubwürdigen Eindruck hinterlässt.

„Rabenprinz“ bietet ein starkes Setting und eine sehr reizvolle Welt mit prägnanten Charakteren, allerdings auch ein paar langatmige Szenen und ein paar nicht sonderlich gut erklärte Wendungen. Doch die große Faszination, die von den düsteren Elfen ausgeht, kann den Roman tragen, da es einfach Spaß macht, ihr Wesen und ihre Welt zu erkunden. Ein solider Roman, der sich aber eher an eine jüngere Leserschaft richtet.


Dunkel (Ragnar Jonasson)
 

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Um Platz für einen neuen – jüngeren und männlichen – Kollegen zu machen, soll Hulda Hermansdottir bis zu ihrer Pensionierung bezahlt freigestellt werden, darf sich allerdings noch einen letzten, bislang ungelösten Fall aussuchen. Der Mord an einer russischen Asylantin scheint der scharfsinnigen Ermittlerin nur schlampig aufgeklärt worden zu sein, weswegen sie in ihren verbliebenen zwei Wochen alle Hebel in Bewegung setzt, um die Ungereimtheiten aufzudecken…

Für seine Romantrilogie um die isländische Mordermittlerin Hulda Hermansdottir hat sich Ragnar Jonasson ein ungewöhnliches Konzept ausgedacht und das Ende ihrer Karriere an den Start gesetzt. „Dunkel“ beschäftigt sich mit dem letzten Fall seiner Hauptfigur, in den beiden kommenden Bänden wird man mehr in der Zeit zurückgehen und frühere Episoden aus ihrem Leben erfahren. Und so kommt es, dass in „Dunkel“ vieles angedeutet wird, was Hulda zu einer harten, rauen und abweisenden Frau am Rande des Eremitentums gebracht hat, nur stellenweise wird dabei aber ins Detail gegangen. Es ist durchaus spannend zu erkunden, wie schroff Hulda sein kann, wie sehr Kollegen unter ihrer oft herrischen und herabwürdigenden Art leiden müssen, wie einfühlsam sie sich aber auch bei den Ermittlungen in Opfer und Täter hineinversetzen kann. Ein paar reizvolle Widersprüche werden also eingebunden, insgesamt bleibt Hulda für meinen Geschmack in diesem ersten Band aber zu oberflächlich skizziert und etwas zu klischeebeladen dargestellt – bleibt zu hoffen, dass in den Folgebänden noch mehr Tiefgang aufkommt.

Der Fall, der in diesem Band behandelt wird, ist gut konstruiert und wird ebenso flüssig wie spannend erzählt. Es gibt einige Finessen und Wendungen, die das Geschehen lebendig halten, aber leider auch hier ein paar Stolpersteine. So sind einige Entwicklungen auch zu vorhersehbar und schlicht geraten, gerade die recht überschaubare Anzahl an potenziellen Tätern tut der Handlung nicht immer gut. Das Ende ist dann dennoch packend geraten und schließt den Roman gekonnt und unerwartet ab – zumal die drei Erzählstränge des Romans noch gekonnt zusammengeführt werden.

Der Auftakt der Romantrilogie ist insgesamt gelungen und weckt mein Interesse zu erfahren, wie das frühere Leben von Huldar war und wie sie zu der Person geworden ist, die hier dargestellt wird. Das ungewohnte Konzept steigert den Reiz dieses ersten Teils merklich, während die Charaktere noch differenzierter sein können und auch der Plot einige kleinere Schwächen offenbart. Ein unterhaltsames Werk, das aber eher im oberen Durchschnitt anzusiedeln ist.


Doktor Maxwells chaotischer Zeitkompass (Jodi Taylor)
 

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Madeleine Maxwell, von allen nur Max genannt, begleitet ihre Freundin Kal an ihrem letzten Tag am Institut für Zeitreisen, bei dem sie sich ihr Ziel selbst aussuchen konnte. Und so reisen die beiden ins viktorianische London, um Jack The Ripper zu treffen. Mit ihrer Ausbildung und den modernen Waffen fühlen sie sich sicher, haben aber nicht mit der Heimtücke des Prostituiertenmörders gerechnet. Nicht die einzige Herausforderung, die Max mit ihrem Team zu meistern hat – auch wenn sie plötzlich ganz allein dasteht…

Mit „Doktor Maxwells chaotischer Zeitkompass“ hat Jodi Taylor bereits den zweiten Band ihrer Zeitreise-Buchreihe geschrieben und bringt dabei – wie der Titel bereits andeutet – einige Neuerungen mit sich. So ist Hauptfigur Max nicht mehr nur eine Miss, sondern hat voller Stolz einen Doktortitel erlangt und muss sich auch schon bald als Leiterin des Instituts behaupten. Der rote Faden durch die Serie ist aber eher dünn, die Erzählung konzentriert sich vor allem auf die aktuellen Ereignisse und erzählt dabei wieder eher episodenhaft. Es gibt mehrere in sich abgeschlossene Abenteuer, die auch allein oder in einem anderen Band der Reihe funktionieren würden, es baut sich also kein Spannungsbogen über das gesamte Buch hinweg auf. Dieser kleine Kniff ist nur ein Merkmal des ungewöhnlichen Schreibstils der Autorin, auch die fast vollständige Fokussierung auf ihren Hauptcharakter und die oft stakkatohafte Berichterstattung zeichnen sie als sehr individuelle Autorin aus. Das ist durchaus erfrischend, manchmal aber auch etwas anstrengend zu lesen.

Wie auch schon der erste Band ist Nummer zwei nicht sonderlich tiefgründig oder logisch aufgebaut und will das auch gar nicht sein. Hier geht es ganz allein um den Spaß an der skurrilen Geschichte und die vielen sehr gelungenen Einfälle, die von großer Kreativität zeugen. Es macht Spaß, dies alles in recht komprimierter Form zu lesen, ich hätte mir an einigen Stellen jedoch eine bessere Einbettung in den historischen Kontext gewünscht – einerseits in Sachen Atmosphäre, die eine durchgängig moderne Wirkung hat, andererseits auch, um mehr über die jeweiligen Zeitsprünge zu erfahren. Ein wenig zusammengestückelt wirkt der Roman mal wieder, der Spaß leidet darunter nicht – seien es die flotten Sprüche, die Kontraste zwischen den Figuren oder ein kleiner Hang zum Slapstick.

Mir hat auch der zweite Band der Buchreihe sehr gut gefallen, der wieder mit vielen sehr starken Einfällen und einer herrlich skurrilen Szenerie punkten kann, leider aber auch die Schwächen des ersten Bandes nicht ausgleichen kann. So wirkt das Ganze manchmal etwas unausgegoren und zu sehr auf den witzigen Moment bedacht, eine Spur mehr Tiefgang hätte ich mir gewünscht. Dennoch: „Doktor Maxwells chaotischer Zeitkompass“ hat mir viel Spaß gemacht und ist sehr kurzweilig zu lesen.


Abgrund (Yrsa Sigurdardottir)
 

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Mitten in einer surrealen Landschaft aus erstarrter Lava wird Helgi auf einer alten Hinrichtungsstätte erhängt und ein Nagel durch seine Brust getrieben. Die ersten Ermittlungen laufen ins Leere, scheinen Freunde und Familie doch nichts Negatives berichten zu können. Doch als in der Wohnung des Ermordeten ein dreijähriges Kind aufgefunden wird, der sich an nichts erinnern kann, bekommt der Fall eine überraschende Wendung. Wieder müssen sich Kommissar Huldar und Psychologin Freyia zusammentun, um das Rätsel zu lösen…

Mir „Abgrund“ hat Yrsa Sigurdardottir bereits ihren vierten Roman um Huldar und Freyia geschrieben, und wie der Titel bereits andeutet, geht es dieses Mal noch etwas düsterer zu. Dafür wird in einer packenden Introszene um die Ermordung von Helgi direkt eine dichte Stimmung heraufbeschworen – sowohl was die Tat an sich angeht, aber auch die markante Landschaft wird sehr atmosphärisch beschrieben. Ein Element, dass auch hier wieder einen festen Platz im Romangefüge hat und so einen sehr individuellen Ausdruck erhält. Nach diesem sehr gelungenen Start geht es zwar etwas ruhiger und weniger temporeich weiter die Spannung wird aber konsequent hochgehalten, da immer neue Details über die Hintergründe des komplexen Falls auftauchen. Sehr gut gefällt mir, dass die einzelnen Elemente gar nicht so recht zusammenzupassen scheinen und man als Leser lange im Dunkeln tappt, wie alles zusammenhängen könnte. Das stellt sich später aber alles als sehr durchdacht und clever konstruiert heraus und man ist erstaunt, dass man die Zusammenhänge nicht vorhergesehen hat. Mich hat die Handlung vollkommen gepackt und nicht mehr losgelassen, ich musste mich ab und an zwingen, das Buch aus der Hand zu legen.

Vielleicht auch, weil die Charaktere wieder so gelungen beschrieben sind. Das Team um Freyia und Huldar wird weiter beleuchtet, ihr Schicksal und ihre Entwicklung weitergetrieben, auch neue Charaktere stoßen hinzu und sorgen für neuen Trubel und einige markante Auftritte. Ich mag, aber ebenso, dass die Figuren, die um den Fall erfunden wurden, ebenso viel Aufmerksamkeit bekommen und der Handlung ihre persönliche Note verleihen. Das nimmt alles nicht zu viel Raum ein, dass es den Fall an sich überdecken würde, sorgt aber für noch mehr dichte Stimmung und einen sehr unterhaltsamen Rahmen.

Die eher ruhige, aber sehr eindringliche Erzählweise ihrer Thriller hat Sigurdardottir in ihrem vierten Band um die beiden Hauptcharaktere noch einmal intensiviert, was mir sehr gefallen hat. Sehr spannend geschildert, mit vielen Rätseln ausgestattet und clever zusammengefügt ergibt sich langsam ein komplettes Bild des komplexen Falles. Sehr lesenswert und ein echter Pageturner!


Die glorreichen Sechs (Royce Buckingham)
 

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Prinz Casper hatte mit einer ebenso einfachen wie angesehenen Position am Hofe seiner Tante gerechnet. Doch stattdessen schickt sie ihn als Steuereintreiber durch ihr Königreich, was dem verwöhnten jungen schwer fällt – nicht nur wegen der Unannehmlichkeiten der Reise, sondern auch weil er sich bei seinen neuen Untergebenen erst Ansehen erarbeiten muss. Dabei lernt er mehr über das Land, seine Sitten und überraschenderweise auch seine Tante, die Königin…

Royce Buckingham hat mit „Die glorreichen Sechs“ einen neuen Fantasy-Roman verfasst, der wie schon „Die Klinge des Waldes“ in sich abgeschlossen ist und dem Leser ein komplett neues Setting bietet – mal eine Abwechslung zu den zahlreichen Mehrteilern. Unter 600 Seiten hat er dafür vorgesehen und schafft es, das Königreich, in dem Hauptfigur Prinz Casper lebt, sehr lebendig wirken zu lassen. Verschiedene Völker, unterschiedliche Landschaften, zahlreiche fremdartige Sitten und Gebräuche – das alles wirkt sehr lebendig und abwechslungsreich. Durch verschiedene Erzählstränge hat der Autor es auch geschafft, die sehr organisch einzubauen, doch an einigen Stellen hätte ich mir mehr Informationen zu einem bestimmten Aspekt gewünscht. Man merkt, wie liebevoll und detailreich er diese Welt gestaltet hat, wie umfangreich sie erdacht wurde, aber eben auch, dass an der einen oder anderen Stellen zugunsten der Handlung und einer nicht aus dem Ruder laufenden Seitenanzahl Details weggelassen werden mussten. Verständlich und nicht so ausgeprägt, den Roman nicht zu mögen, mein Wissensdurst ist aber nicht ganz gestillt.

Im Gegensatz dazu sind die Charaktere sehr gut ausgearbeitet und hinterlassen jeder seine eigenen Spuren in der Handlung – allen voran natürlich Prinz Casper, der sich vom verhätschelten und naiven Prinzen zu einem wahren Anführer und klug entscheidenden Mann entwickelt. Diese Wandlung ist gekonnt in die Gruppendynamik der titelgebenden „glorreichen Sechs“ eingebunden und schreitet mit ihr voran. Es ist sehr anschaulich geschildert, wie die Gruppe immer weiter zusammenwächst und Casper langsam integriert wird. Toll ist auch, wie der Humor funktioniert und man nach ernsten oder bedrohlichen Passagen wieder etwas zu lachen hatte – auch wenn dies anfangs etwas zu ausgeprägt ist, was auf Kosten der Handlung und des Tempos geht.

„Die glorreichen Sechs“ ist ein lebendiger und lesenswerter Roman, der mich mit seiner Charakterentwicklung, aber auch mit der Vielschichtigkeit der Welt und der clever erzählten Handlung überzeugt. Ein paar langatmige Passagen zu Beginn und eine gewisse Vorhersehbarkeit einiger Entwicklungen stören nur wenig, da auch immer mit viel Humor und Wortwitz für Stimmung gesorgt wird.


Die Traumdiebe (Cherie Dimaline)
 

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Nach einer großen Klimakatastrophe, die die Hälfte der Erdbevölkerung ausgelöscht hat, hat auch Frenchie seine Familie verloren. Er hat zwar in einer Gruppe von ganz unterschiedlichen Personen neuen Halt gefunden, wird aber wie die anderen auch gnadenlos von der kanadischen Regierung gejagt. Denn nur den indigenen Ureinwohnern der Wälder ist die Fähigkeit zu Träume geblieben, und nur durch ihr Knochenmark können die anderen Menschen diese Fähigkeit zurückerlangen...

Mit „Die Traumdiebe“ hat die kanadische Schriftstellerin Cherie Dimaline ihren Debütroman vorgelegt und dabei besonders in ihrem Heimatland für Aufsehen gesorgt. Auch hierzulande ist das Buch mittlerweile erschienen und bietet auch für mich einige vielversprechende Ansätze, auch wenn der ganz große Wurf für meinen Geschmack nicht gelungen ist. „Die Traumdiebe“ setzt dabei nur wenige Jahre nach der heutigen Zeit an, die zwischenzeitlichen Ereignisse um Klimawandel und Naturkatastrophen, aber auch die von Menschen geführten Kriege werden (leider) nur sehr kurz angerissen. So entsteht der Eindruck, dass die Idee mit der fehlenden Fähigkeit zu Träumen etwas aus der Luft gegriffen scheint, anders als bei ähnlich gelagerten Dystopien wird zumindest mir der Zusammenhang nicht ganz klar. Auch die Handlung wirkt nicht immer auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet, oft geht es einfach nur um die Flucht von Frenchie und seiner neuen Familie vor dem Zugriff der Regierung. Das sorgt zwar für einige spannende Momente, ist aber mit der Zeit ein wenig repetitiv geraten und bringt dann nur wenige neue Elemente mit ein.

Doch es gibt auch viele positive Aspekte von „Die Traumdiebe“. So hat mir besonders die sehr dichte und greifbare Atmosphäre des Romans sehr gut gefallen, man kann sich sehr gut in den Wald versetzen, in dem die Handlung zu großen Teilen spielt. Auch die Bedrohung für Frenchie und die anderen Charaktere ist immer greifbar, durch die Geschichten, die die anderen erzählen, wird auch stückchenweise die Idee mit den Träumen und der Rolle der indigenen Bevölkerung darin aufgedeckt. Während einige Figuren Statisten bleiben, beschreibt Dimaline andere ausführlich und greifbar, allen voran natürlich Ich-Erzähler Frenchie, aber auch andere Charaktere werden interessant geformt und mit einem präsenten Ausdruck versehen. Etwas schade fand ich, dass einige Ideen verpufft sind und nicht so recht zu einem Ende geführt werden. So gibt es aber auch noch genügend Lücken, die mit einer Fortsetzung des Romans gefüllt werden können.

„Die Traumdiebe“ wartet mit einigen reizvollen Ideen auf, führt aber leider nicht allesamt vollständig aus. So bleiben manche der durchaus interessanten Grundsätze recht blass, weil sich die Geschichte im Mittelteil nur wenig fortzubewegen scheint. Etwas mehr Tempo hätte dem Roman da gutgetan, die Atmosphäre ist aber sehr dicht und eindringlich geraten. Auch die Charaktere sind insgesamt gut ausgearbeitet. Der letzte Funke wollte bei mir dennoch leider nicht überspringen.


Sündengräber (Kristina Ohlsson)
 

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Der Tod eines Mannes, der den Ehering seiner Tochter am Finger trägt, wirft einige Fragen auf – nicht nur nach dem Schützen, der den Mord begangen hat. Federika Bergmann wird auf den Fall angesetzt, doch zunächst fehlt ihr noch die heiße Spur. Federikas Partner Alex Recht wird währenddessen von einem Bestatter um Hilfe gebeten, der verzweifelt auf der Suche nach seiner Familie ist. Nur langsam erkennen die beiden, dass beide Fälle zusammenhängen müssen...

Mit „Sündengräber“ schließt Kristina Ohlsson ihre Thriller-Reihe um Federika Bergmann ab – vorerst zumindest, denn das Ende ist nicht vollständig abschließend, sondern ermöglichen durchaus noch die Rückkehr zu den lieb gewonnenen Figuren. Und diese bekommen von der schwedischen Autorin auch wieder jede Menge Aufmerksamkeit geschenkt und werden mit einer großen Herausforderung in ihrem Privatleben konfrontiert. Und obwohl dies besonders im Mittelpunkt recht viel Raum einnimmt, wirken diese Passagen nicht störend, sondern fügen sich stimmig ein – insbesondere, wenn man die vorigen Teile der Buchreihe kennt. Mir gefällt, wie einem die Charaktere dabei noch näher rücken und man mit ihnen mitfiebert, was eine ganz neue Art von Spannung in den Roman mit einbringt. Der Fall an sich ist ebenfalls sehr dynamisch umgesetzt und bietet ein anfangs undurchsichtiges Geflecht, dessen Zusammenhänge sich erst nach und nach erschließen. Viele überraschende Erkenntnisse sorgen dabei für Abwechslung, manches wirkt dann aber doch eine Spur zu konstruiert und aufgesetzt. Und leider zerfranst die Geschichte auch mehr, als man es von der Autorin kennt. So werden einige Nebenschauplätze aufgemacht, die reizvoll wirken, aber schlussendlich nicht aufgelöst werden, was deren Wirkung leider verpuffen lässt.

Der Schreibstil von Kristina Ohlsson hat mir auch in „Sündengräber“ sehr gefallen, da er so nahbar und lebendig ist. Durch viele eingebaute Details werden die beschriebenen Szenen vor dem inneren Auge lebendig. Ähnliches gilt auch für die Charaktere: Federika und Alex bekommen neue Facetten verliehen und deutlich weiterentwickelt, die Nebenfiguren wirken präsent und haben eine individuelle Ausstrahlung, die die Stimmung des Romans gekonnt beeinflusst. Durch die kurzen Kapitel und den damit verbundenen vielen Szenenwechsel entsteht eine dynamische Stimmung, der Leser muss sich immer wieder auf neue Situationen einstellen. Die einzelnen Stränge lassen sich dabei aber gut verfolgen, sodass es nicht unübersichtlich wird.

„Sündengräber“ ist trotz kleinerer Kritikpunkte sehr lesenswert, nur die vielen Nebenschauplätze, die dann nur wenig zum Gesamtwerk beitragen, sind mir nicht ganz gelungen in Erinnerung geblieben. Der lebendige Schreibstil, ein geschickt zusammengesetzter Fall und lebendige Charaktere sorgen aber für eine spannende Handlung, die durch das Privatleben der beiden Hauptfiguren gekonnt ergänzt wird. Ein lesenswertes Buch, selbst wenn man die vorigen Teile der Reihe nicht kennt.


Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv (Jodi Taylor)
 

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Madeleine Maxwell – von allen schlicht „Max“ genannt – hatte sich ihr Dasein als Archäologin anders vorgestellt, definitiv abenteuerlicher und mit weniger staubigen Büchern. Als sie ein Angebot an St. Mary's Institut zu arbeiten, sieht sie trotz harter Arbeit die Chance, dem eher tristen Arbeitsalltag zu entkommen – ahnt aber noch nicht wirklich, was da alles auf die zukommt. Nicht nur in den Laboren, wo eigentlich immer irgendetwas schiefgeht, sondern auch auf den Zeitreisen, die Max bald antritt...

Es gibt Menschen, die erwarten von Büchern einen logisch durchdachten Plot, ein in sich stimmiges Gesamtkonzept und eine Stringenz in der Erzählweise. Diese werden mit dem Debütroman von Jodi Taylor nur wenig anfangen können. Denn „Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv“ ist alles andere als glattgebügelt und wirkt herrlich anarchisch – zugegeben hätte ein guter Lektor aber auch noch mehr aus dem Urban-Fantasy-Roman herausholen können. Beispielsweise, indem er nicht nur den Charakter der Hauptfigur betont hätte, sondern auch ihre Kollegen oder anderen Nebenfiguren mehr Raum gegeben hätte. Diese wirken nämlich ziemlich blass, sodass man keine wirkliche Bindung zu ihnen aufbauen konnte. Im Gegensatz hierzu Max, die mit viel Witz, Charme und einem Hauch zum Chaos sehr lebendig gestaltet ist. Ihr wunderbarer schwarzer Humor und die Fähigkeit, sich irgendwie aus den schwierigsten Situationen zu befreien, machen sie zu einem sehr gelungenen Zentrum der Handlung – umso mehr, da sie aus der Ich-Perspektive erzählt und dem Leser so noch näher rückt.

Die Handlung ist nicht gerade fortlaufend, sondern eher eine Aneinanderreihung von vielen Ideen der Autorin. Immer neue Situationen, zahlreiche einzelne Abenteuer, aber kein fortlaufendes Problem, das gelöst werden muss, kein Endgegner mit finsterem Plan, keine Bedrohung für die Menschheit. Das ist zugegeben gewöhnungsbedürftig, aber gerade deswegen ist der Roman auch so anders und bietet ein neues Leseerlebnis, das ausgetretene Pfade verlässt. Und die Atmosphäre ist sehr dicht und immer leicht, oft sogar stark skurril, was die Einzigartigkeit des Romans unterstreicht.

So gerne ich es auch würde, ich kann diesem Roman leider nicht die volle Punktzahl geben. Am fehlenden roten Faden liegt es nicht, ich fand es im Gegenteil sogar erfrischend, hier mal Abwechslung geboten zu kommen. Aber bis auf die wundervolle Hauptfigur konnte ich zu keinem Charakter eine Bindung aufbauen, dazu sind alle viel zu blass geblieben und bekommen kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Dennoch ist „Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv“ lesenswert, skurril und äußerst charmant.


Sühne (Steffen Jacobsen)
 

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Krebs im Endstadium – die Diagnose für den Pharmaunternehmer Frank Linden weckt Gewissensbisse über Taten aus seiner Vergangenheit. Er entschließt sich, einige brisante Informationen an einen Journalisten auszugeben. Doch die Übergabe endet für beide Seiten tödlich. Michael Sander, der ein Freund des getöteten Journalisten war, will den Fall in Eigenregie lösen. Doch auch seine Frau, die Kommissarin Lene Jensen, wird auf den Fall angesetzt und stößt auf ein gut gehütetes Geheimnis...

Es ist bereits der fünfte Band, den Steffen Jacobsen mit „Sühne“ für seine beiden Protagonisten Lene Jensen und Michael Sander verfasst hat. Wieder kann das ungewöhnliche Ermittlerduo dabei überzeugen, umso mehr, da sie an verschiedenen Ansatzpunkten beginnen und der Fall so aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet wird. Das sorgt für viel Dynamik, zumal man durch die einzelnen Puzzleteile immer nur einen kleinen Teil der Informationen erhält, die erstmal zu einem sinnvollen Ganzen zusammengesetzt werden wollen. Da die Handlung jedoch stimmig aufgebaut ist, fällt es dem Leser leicht, dem Ganzen zu folgen. Dabei ist „Sühne“ durchaus komplex, viele Schichten an privaten wie beruflichen Ereignissen aus Frank Lindens Vergangenheit fügen sich dabei ineinander. Doch durch die klare Struktur und die prägnanten Szenen bleiben die vielen Informationen im Gedächtnis, zumal das Interesse schon früh durch einige gelungen gesetzte Reizpunkte geweckt wird. Die Handlung entwickelt sich dabei recht temporeich weiter, durch die Kürze der Kapitel und die vielen dynamischen Wechsel zwischen den verschiedenen Erzählebenen wird viel Spannung erzeugt, die sich durch das komplette Buch zieht und nicht nachlässt – auch, weil die Auflösung des Ganzen wirklich erst ganz am Ende präsentiert wird und der Leser zuvor höchsten Bruchstücke oder Teillösungen kannte.

Die Themenwahl sorgt dabei für zusätzliche Spannung, da die Vorgänge hinter den Kulissen der Pharmaindustrie näher beleuchtet werden – natürlich rein fiktiv, aber so realistisch geschildert, dass man sich alles sehr gut vorstellen kann. Die Geheimnisse, die dabei im Laufe der Zeit aufgedeckt werden, sind erschreckend, menschenverachtend und nur auf Profit erdacht. Das ist sicherlich ein wenig klischeebeladen, wird durch einige gelungene Ideen aber durchaus differenziert betrachtet. Dazu tragen auch die Charaktere bei – neben dem sehr gelungen konzipierten Duo aus Lene und Michael im Vordergrund sind es auch die Nebenrollen dieses Bandes, die für eine dichte Stimmung sorgen. Sehr interessant ist es auch, wie immer mehr Details über Frank Linden und sein Leben ans Licht kommen und sich auch von ihm ein lebendiges Bild formt.

„Sühne“ überzeugt nicht nur durch den gelungenen Spannungsaufbau und viele packende Szenen, sondern auch durch die interessante Themenwahl. Die düsteren Geheimnisse der modernen Pharmaindustrie, aber auch gelungen eingestreute Elemente aus dem Privatleben des Unternehmers fügen sich zu einem sehr stimmigen Ganzen zusammen. Ergänzt durch die dynamische Erzählweise mit den beiden unterschiedlichen, und doch eng verbundenen Hauptfiguren ist ein sehr lesenswerter Thriller entstanden, der auch nach dem Lesen noch einige Zeit nachhallt.


Wer zweimal stirbt (Leif Persson)
 

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Statt Pilzen findet der junge Pfadfinder Edvin bei einem Waldausflug einen Totenkopf. Geistesgegenwärtig nimmt er ihn mit und präsentiert ihm seinem Nachbarn Evert Backström, der als Kommissar bei der Stockholmer Polizei tätig ist und den Fall direkt übernimmt. Doch zunächst muss er natürlich erst einmal herausfinden, um wen es sich bei dem Opfer handelt – und schon dabei stößt er seinen Kollegen nicht nur einmal mit seiner arroganten Art vor den Kopf...

Mit „Wer zweimal stirbt“ hat der schwedische Autor Leif Persson bereits den vierten Roman seiner Krimi-Reihe um Ermittler Evert Backström veröffentlicht. Und ganz im Stile auch anderer Vertreter des skandinavischen Krimis ist seine Hauptfigur alles andere als ein klassischer Held, sondern im Gegenteil sogar reichlich unsympathisch. So ist er vollends von sich und seinem Können überzeugt, was er auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit seinen Mitmenschen präsentiert – und zugegeben ist er mit seinem Scharfsinn tatsächlich ein fähiger Ermittler. Doch auch seine rückständige Weltsicht, seine diskriminierenden Kommentare und sein unbestreitbares Alkoholproblem sprechen nicht gerade für seinen Charakter. Leider fällt es gerade deswegen schwer, eine Bindung zu der Figur aufzubauen, da er kaum in positiven Momenten gezeigt wird. Das ist sicherlich ein interessantes Stilmittel des Autors, der so den Fall differenzierter betrachten kann, hat bei mir an einigen Stellen aber die Freude an dem Buch merklich gemindert. Sprachlich ist der Roman allerdings gut und stilsicher geschrieben, besonders der fein eingebaute Wortwitz kann überzeugen.

Der Fall in diesem Roman geht nur von wenigen Indizien aus und baut sich dann immer weiter auf. Interessanterweise ist dabei der Start mit den geringen Hinweisen spannender geraten als der spätere Verlauf – vielleicht weil die Handlung dort mehr auf den Punkt gebracht ist. Persson neigt im Mittelteil zu zu langen Ausführungen, die nur wenige neue Informationen einbringen und auch die Figuren nicht prägnanter erscheinen lassen. Auch wird die Dynamik hier heruntergefahren, manche Abschnitte in dem Roman wirken eher starr. Doch am Ende fängt sich die Geschichte wieder und präsentiert dann ein spannendes und packendes Finale, das die gut durchdachten Hintergründe ebenso kurzweilig wie unterhaltsam aufdeckt. Und auch wenn man einige Teillösungen vorausahnen konnte, gibt es viele erstaunliche Überraschungen, die sich jedoch gut in das Gesamtbild einfügen.

„Wer zweimal stirbt“ kann von mir nicht uneingeschränkt empfohlen werden, dafür ist die Hauptperson zu unsympathisch, verlaufen manche Passagen zu starr. Doch zu Beginn und am Ende wird eine atmosphärische Spannung erzeugt, auch der Fall ist gut durchdacht und führt in einige überraschende Richtungen. Durch den gekonnten Schreibstil und den eingebauten Witz habe ich das Buch dennoch als lesenswert empfunden.


Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland (Christina Henry)

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Seitdem Alice mit 16 Jahren verschwunden und nach zwei Wochen blutüberströmt und völlig verwirrt wieder aufgetaucht ist, lebt sie in einer Irrenanstalt, kann sich selbst aber kaum an die damaligen Ereignisse erinnern. Nur ein weißes Kaninchen ist ihr in Erinnerung geblieben. Als ein Feuer ausbricht, nutzt sie gemeinsam mit ihrem Freund, dem Axtmörder Hatcher, die Gelegenheit zur Flucht und kehrt an den Ort ihres Verschwindens zurück – in das düstere Wunderland...

Zugegeben, völlig neu ist die Idee nicht, bekannte Werke der Kinder- und Jugendliteratur zu nehmen und diese in einen neuen, meist deutlich düsteren Kontext zu setzen. Christina Henry ist dieser Ansatz mit „Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland“ jedoch sehr lesenswert gelungen. Sie knöpft sich Lewis Carrols sowieso schon skurriles Werk vor, treibt seine Ideen auf die Spitze und fügt eine große Portion Splatter hinzu. Gewalt, Sex, düstere Bedrohungen – der Roman strotz nur so vor überhaupt nicht kindgerechten Themen und behält sich dennoch eine gewisse Märchenhaftigkeit bei. Diese Gratwanderung ist erstaunlich gut gelungen: Stets erkennt man noch die Grundzüge der aus der Kindheit lieb gewonnenen Geschichte und freut sich, die Charaktere wiederzutreffen, ist dann aber doch so abgestoßen von der Finsternis, der Bösartigkeit, die diese ausstrahlen. Die Stimmung ist dabei sehr dicht, und zumindest Alice und Hatcher bekomme dabei auch eine gewisse Tiefe verliehen. Ich mag den oft eher nüchternen Schreibstil der Autorin, der sehr gut zu diesem Roman passt und genügend Raum für viel düsterer Stimmung lässt.

Die Handlung entwickelt sich oft eher langsam weiter, daher bleibt genügend Raum, diese verdrehte Version des Wunderlandes zu erkunden und Freude an dem Schrecken zu finden, der dabei verbreitet wird. Sicherlich gibt es dabei auch Szenen, die mich nicht wirklich fesseln konnten, das ist aber glücklicherweise die Ausnahme gewesen. Zwar zieht sich dabei ein Bogen durch die gesamte Handlung, eine sich aufbauende Spannung konnte ich weniger ausmachen – der Roman lebt von dem Moment, in dem er gerade spielt. So wirkt dann auch der eigentliche Showdown eher wie eine weitere Episode auf Alice Weg, ohne zum wirklichen Höhepunkt des Romans zu werden.

„Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland“ ist ein sehr gelungener Vertreter seines Genres und übertritt einige Grenzen, die andere Varianten von Kinderbüchern nicht zu übertreten gewagt haben. Gerade die heftigen Gewaltszenen und die Verkommenheit der Welt fügen sehr interessante Facetten des Wunderlandes hinzu. Gepaart mit einer zwiespältigen Heldin und den reichhaltigen Ideen Carrols ist so ein lesenswerter und unterhaltsamer Roman entstanden.


Der Bär und die Nachtigall (Katherine Arden)
 

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Wasja wächst als jüngstes von fünf Geschwistern auf dem Hof ihres Vaters auf, nachdem ihre Mutter kurz nach ihrer Geburt verstorben ist. Ihre Brüder und Schwestern können aber ihre Wildheit und ihre Abenteuerlust kaum verstehen, sie lauschen lieber den Geschichten der Dienerin Dunja über die alte Märchen- und Sagenwelt. Wasja weiß aber mehr darüber als ihre Geschwister, denn nur sie kann die Geister sehen, die in den Weiten der Wälder, aber auch ganz nahe an ihrem Haus leben...

Auf dem Fantasy-Büchermarkt türmen sich die immer wieder gleichen Themen (wenn auch oft sehr gekonnt umgesetzt), sodass es schwierig ist, an etwas völlig Neues heranzukommen. In meinen Augen hat Katherine Arden jedoch genau dieses geschafft und mit ihrem Erstling „Der Bär und die Nachtigall“ einen Roman geschaffen, der mich mal wieder völlig fasziniert hat. Sofort zieht sie den Leser in die eigentümliche fremdartige Stimmung Russlands im 14. Jahrhundert hinein, beschreibt aber eben bei weitem nicht nur da harte alltägliche Leben, sondern konzentriert sich vor allem auf die reichhaltige Märchen- und Sagenwelt. Kenner der Materie werden auf zahlreiche Ideen treffen, die die Autorin daraus entliehen, aber zu einem sehr stimmigen Ganzen geformt hat. Das ist mystisch, märchenhaft und sehr atmosphärisch geraten, wofür sich Arden dann auch die entsprechende Zeit lässt. Hier überschlagen sich keine Handlungen, alles geht eher bedächtig voran, doch das ist so fesselnd und eingängig geraten, dass ich mich nicht in einer Zeile gelangweilt habe. Dafür sorgt auch ihr lebendiger Sprachstil auf hohem Niveau, die Texte wirken sehr geschliffen und durchdacht.

Die Handlung hangelt sich an Wasjas Leben entlang. Zunächst stehen noch andere Figuren im Fokus, Wasjas Kindheit, ihr Aufwachsen in der großen Bauernfamilie wird gekonnt beschrieben. Einige besonders einprägsame Erlebnisse bestimmen später auch ihr Handeln, ihr ganzes Wesen, was für den Leser sehr spannend zu lesen ist. Doch natürlich gibt es auch eine große Gefahr für Wasja und ihre Familie, und diese bringt dann auch einige sehr gruselige Momente mit ein, selbst wenn dieser Handlungsfaden erst spät richtig an Bedeutung gewinnt. Die Vielfalt an Charakteren ist schon etwas erschlagend, insbesondere da die Namen naturgemäß etwas fremdartig in unseren Ohren klingen. Doch durch den klaren Aufbau und die markante Wirkung der Figuren – jede mit ihrem ganz eigenen Hintergrund versehen – wirkt das Ganze gut verständlich, etwas Konzentration ist dabei aber durchaus gefordert.

„Der Bär und die Nachtigall“ verbindet russische Märchen, eine mysteriöse, fast schon sehnsuchtsvolle Stimmung und eine spannende Handlung miteinander, präsentiert bis ins Detail ausgearbeitete Charaktere und eine langsame, dafür umso fesselndere Geschichte. Ich konnte völlig in das Buch eintauchen und war fast ein wenig enttäuscht, als das Buch ausgelesen war. Doch da es sich um den ersten Teil einer Reihe handelt, darf man sich auf eine Rückkehr in die liebgewonnene Welt freuen.


Puppentod (Erik Axl Sund)
 

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Als in Stockholm ein Teenager von einem Balkon stürzt, wird zunächst von einem Selbstmord ausgegangen – tragisch, aber nicht weiter beachtlich. Doch der Ermittler Kevin Jonsson glaubt nicht daran und entdeckt, dass sich das Mädchen zuvor mit einem Unbekannten zum Sex verabredet hat. Die Spuren deuten auf einen Serientäter hin, und schließlich gerät Jonsson immer mehr unter Zeitdruck. Denn auch andere Teenager scheinen sich auf den „Puppenspieler“ eingelassen zu haben...

Auch in ihren vorigen Romanen hat das Autorenduo mit dem Pseudonym Erik Axl Sund keine leichte Kost vorgesetzt und explizite, brutale Gewalt dargestellt. Auch „Puppentod“ bildet davon keine Ausnahme, dennoch habe ich das Buch als noch heftiger wahrgenommen, da die Gewalt darin deutlich sexualisierter ist. Es geht um junge Frauen und Mädchen, die schlimmstes erleben müssen, völlig unter die Kontrolle von machthungrigen Männern geraten und ihr Leben lag mit den Folgen zu kämpfen haben – und das auf verschiedenste Weise. Das ist starker Tobak und an vielen Stellen kaum zu ertragen, stellt aber genau deswegen das Leid der Opfer umso lebendiger dar. Manche Schilderungen wirken dabei nüchtern, kühl, sodass dem Leser Raum für Abstand gegeben wird, andere Male wird eher angedeutet als direkt beschrieben – was die Sache oft nur schlimmer wirken lässt. Dabei ist aber auch nicht jede Formulierung, jeder Dialog stimmig, wirkte sprachlich manchmal nicht ganz ausgereift, der Lesefluss wurde dadurch zumindest für mich aber nicht allzu sehr gestört.

Die Handlung entwickelt sich oft nur langsam voran und legt dann Wert auf die Beschreibung der Situationen, die Gefühlswelt der Figuren, dann wiederum geht es sprunghaft voran, sodass man kaum mitkommt. Nicht alle Zusammenhänge wurden dabei klar beschrieben, das durchaus komplexe Geflecht war nicht immer leicht zu durchschauen, was das Verständnis jedoch eher erschwert hat, als dass es die Handlung vorangebracht hat. Spannung kommt dabei streckenweise durchaus auf, gerade gegen Ende zieht das Tempo noch einmal an. Viele Szenen haben jedoch eher die Wirkung eines Dramas. Eine interessante Mischung, die Genregrenzen verwischen zu lassen, und zu großen Teilen ist das auch gelungen.

Der Leser sollte sich hier auf ein heftiges Werk einstellen, dass mich auch nach dem Lesen noch weiterbeschäftigt hat – die erzeugten Bilder sind schon wuchtig, das muss man ertragen können. Die oftmals eher dramatischen Züge, dass allseits vorherrschende Gewaltthema, die vielen gut geschilderten Charaktere helfen über die eine oder andere konzeptionelle und inhaltliche Schwäche hinweg, sodass „Puppentod“ durchaus lesenswert ist. Stimmung und eine spannende Handlung miteinander, präsentiert bis ins Detail ausgearbeitete Charaktere und eine langsame, dafür umso fesselndere Geschichte. Ich konnte völlig in das Buch eintauchen und war fast ein wenig enttäuscht, als das Buch ausgelesen war. Doch da es sich um den ersten Teil einer Reihe handelt, darf man sich auf eine Rückkehr in die liebgewonnene Welt freuen.


Deine Angst ist erst der Anfang (Mariette Lindstein)
 

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Auch nachdem Sektenführer Franz Oswald aufgrund der Aussage von Sofia Baumann im Gefängnis gelandet ist, leidet die junge Frau unter Albträumen und Panikattacken. Schon bald fühlt sie sich auch im realen Leben bedroht. Doch schafft der skrupellose Mann es tatsächlich, aus dem Hintergrund, die Fäden weiter in der Hand zu halten? Sofia fasst einen radikalen Entschluss...

Wer dachte, im ersten Band "Es gibt kein Entkommen" aus der Reihe "Die Sekte" sei die Geschichte um Sofia Baumann zu Ende erzählt, der irrt gewaltig. Denn auch wenn die Verhaftung des Sektenführers theoretisch das Ende bedeuten könnte, legt Autorin Mariette Lindstein mit "Deine Angst ist erst der Anfang" eine sehr gelungene Fortsetzung vor. Nach einer kurzen Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse wird zunächst von Sofias Leben nach ViaTerra beschrieben, welche inneren Narben sie in ihrer Zeit davongetragen hat, wie sie immer noch unter dem psychischen Druck leidet. Das ist feinfühlig und psychologisch angehaucht erzählt, die Spannung hält sich dabei jedoch in Grenzen - das ist aber überhaupt nicht schlimm, da die Autorin hier so nahbar schreibt und den Lesern an den Ängsten ihrer Hauptfigur teilnehmen lässt. Das ist sehr eingängig geraten, zumal auch hier schon Andeutungen gemacht werden, wie groß der Einfluss des Inhaftierten immer noch ist.

Auf dessen perfides Spiel geht der Thriller in zweiten Teil näher ein und webt ein enges Netz um die beiden so konträren Hauptcharaktere. Die Attacken von Oswald sind mal subtil, werden aber immer heftiger und bedrohlicher, er beeinflusst Sofias Leben auf sehr präsente Weise. Es ist unglaublich packend zu lesen, wie der Kampf der beiden willensstarken Charaktere vorangetrieben wird, welche Dynamik sich trotz der räumlichen Trennung zwischen ihnen entwickelt. Dass dabei moderne Medien ihren Einfluss nehmen, ist umso gelungener, auch wenn Sofias Verhalten nicht immer nachvollziehbar ist. Oft läuft sie sehenden Auges in ihr Verderben, ohne aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt zu haben. Das tut dem Spannungsaufbau sicherlich gut, schadet aber zumindest in den Details der Glaubwürdigkeit. Dennoch ist der Verlauf packend, sehr gut geschrieben und mit einer immer bedrohlichen Stimmung versehen.

Zwar kann dieser zweite Teil nicht in allen Punkten mit dem Vorgänger mithalten, die Handlung ist dennoch packend, dramatisch und clever durchdacht erzählt. Es wird in vielen eingängigen Bildern von Sofias labiler Gefühlslage beschrieben, bis Oswald schließlich zum neuen Schlag gegen sein ehemaliges Mitglied ausholt. Beide Teile sind sehr lesenswert, sodass es Thriller entstanden ist, der nachhaltig im Gedächtnis bleibt.

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