Sherlock Holmes – 27. Das Musgrave-Ritual

Sherlock Holmes – 26. Die Gloria Scott

Sherlock Holmes – 25. Der Angestellte des Börsenmaklers

Sherlock Holmes – 24. Das gelbe Gesicht

Sherlock Holmes – 23. Silberblesse

Sherlock Holmes – 22. Das Haus bei den Blutbuchen

Sherlock Holmes – 21. Die Beryll-Krone

Sherlock Holmes – 20. Der adlige Junggeselle

Sherlock Holmes – 19. Der Daumen des Ingenieurs

Sherlock Holmes – 18. Der Mann mit der entstellten Lippe

Sherlock Holmes – 17. Die fünf Orangenkerne

Sherlock Holmes – 16. Der blaue Karfunkel

Sherlock Holmes – 15. Das Rätsel von Boscombe Valley

Sherlock Holmes – 14. Eine Frage der Identität

Sherlock Holmes – 13. Der Bund der Rotschöpfe

Sherlock Holmes – 12. Ein Skandal in Böhmen

Sherlock Holmes – 11. Das Zeichen der Vier

Sherlock Holmes – 10. Der Vampir von Sussex u.a.

Sherlock Holmes – 9. Die Elfen von Cottingley

Sherlock Holmes – 8. Walpurgisnacht

Sherlock Holmes – 7. Der Smaragd des Todes

Sherlock Holmes – 6. Spurlos verschwunden

Sherlock Holmes – 5. Die Affenfrau

Sherlock Holmes – 4. Der Engel von Hampstead

Sherlock Holmes – 3. Das entwendete Fallbeil

Sherlock Holmes – 2. Spuk im Pfarrhaus

Sherlock Holmes – 1. Im Schatten des Rippers

Sherlock Holmes – Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs – Box 1


Sherlock Holmes – 27. Das Musgrave-Ritual



Erster Eindruck: Ein Blick zurück

Bisher hat sich Sherlock Holmes bei seinen Berichten seiner früheren Fälle gegenüber seinem Chronisten Dr. Watson sehr zurückhaltend gegeben. Doch als dieser beim Aufräumen auf einige alte Dokumente stößt, berichtet ihm der Meisterdetektiv von einem Rätsel, das ihm sein alter Studienkollege Reginald Musgrave aufgegeben hat, nachdem sowohl sein langjähriger Butler als auch sein Dienstmädchen verschwunden sind...

Neben dem bekannten Duo aus Sherlock Holmes und Dr. Watson nimmt auch deren Haushälterin Mrs. Hudson eine wichtige Rolle in der Serie von Titania Medien ein. Doch was tun, wenn die beiden letztgenannten in einer der Vorlagen von Sir Arthur Conan Doyle kaum vorkommen, weil die Geschichte in der Zeit spielt, bevor die Hauptfigur seine treuen Begleiter kennenlernt? Buchautor Marc Gruppe hat sich da einen sehr gelungenen Kniff einfallen lassen und lässt beide in der Introszene als Erzähler fungieren, die so nicht nur auf die Geschichte einstimmen, sondern auch auf höchst amüsante Art die Macken von Sherlock Holmes kommentieren. Dieses Intro ist dabei recht lang geraten, ist aber sehr unterhaltsam und kurzweilig geraten. Der Übergang zum eigentlichen Fall ist dann ebenso elegant gelöst, auch wenn es etwas dauert, bis dieser wirklich in Schwung kommt. Zwar wurde die Handlung von Doyle gekonnt gestrafft, dennoch hat dieser einfach gebraucht, um bei seiner Geschichte auf den Punkt zu kommen. Dabei steht ein altes Rätsel im Vordergrund, das mit einer gelungenen Hintergrundgeschichte vernüpft ist und Holmes durchaus herausfordert. Beschränkt auf nur wenige Figuren und fast ausschließlich auf dem alten Anwesen der Familie Musgrave spielend kommt die reduzierte Atmosphäre sehr gut zur Geltung, und auch die eher ruhige, aber klare Erzählweise haben mir gut gefallen.

Regina Lemnitz ist als Mrs. Hudson in der oben beschriebenen Introszene wieder sehr gut besetzt, sie ist sehr resolut und sorgt mit ihren bissigen Kommentaren für einige Lacher. Roman Wolko ist als Reginald Musgrave zu hören, seiner angenehme Stimme habe ich gern gelauscht, zumal er den jungen Mann mit einer überzeugenden Sprechweise ausstattet. Auch Julian Tennstedt, der wieder den jungen Sherlock Holmes spricht, macht seine Sache sehr gut und findet trotz der typischen Attribute des späteren Meisterdetektivs eine eigene Herangehensweise an den Charakter. Weitere Sprecher sind Axel Lutter, Kristine Walther und Detlef Bierstedt.

Auch akustisch wurde hier eine sehr saubere Leistung abgeliefert. Während die Dialoge meist ohne Hintergrundbegleitung umgesetzt sind und nur von passenden Geräuschen untermalt werden, ist die Musik in den Szenenübergängen sehr stimmungsvoll und unterstützt die Handlung in ihrer Wirkung. Das wirkt alles wie aus einem Guss und setzt den positiven Eindruck der Serie fort.

Auf dem Cover ist mal nicht die Hauptfigur der Serie zu sehen, sondern Reginald Musgrave, der in einer dunklen Nacht seinen Butler beim Studium einiger geheimner Dokumente beobachtet. Die düstere Beleuchtung mit nur wenigen Kerzen hinterlässt einen intensiven Eindruck, während auch die beachtliche Bibliothek der Musgraves gekonnt in Szene gesetzt wurde.

Fazit: Die Introszene sorgt für die sehr unterhaltsame Darstellung der Charaktere, die im weiteren Verlauf sehr in den Hintergrund treten. Die Entwicklung der Geschichte um Holmes Studienkollege ist recht langsam, aber durchaus unterhaltsam umgesetzt, während das spätere Rätsel den gelungenen Höhepunkt darstellt. Eine sehr solide Folge der Serie.

VÖ: 18. November 2016
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5383-5


Sherlock Holmes – 26. Die Gloria Scott



Erster Eindruck: Ein Blick zurück

Obwohl Sherlock Holmes und Dr. Watson bereits seit langer Zeit befreundet sind, hat der Mediziner und Chronist noch nicht vom ersten Fall des noch jungen Detektivs erfahren, was nun bei einer Kanne Tee von Mrs. Hudson nachgeholt werden soll. Und so berichtet Holmes von seinem Studienfreund Victor Trevor, dessen Vater und einem unwillkommenem Gast, der sich bei den Trevors im Haus einnistet...

Sherlock Holmes kennt man als abgeklärten Detektiv, den so leicht nichts mehr erschüttern kann, der sich in unzähligen Fällen bewähren konnte. Doch selbst Arthur Conan Doyle hat es gereizt, auch seine Jugend zu erkunden, sodass er mit „Die Gloria Scott“ eine Episode aus seinem Leben erzählt, in der er zum ersten mal seine Deduktionskünste nutzt. Titania Medien hat diese Geschichte nun als 26. Folge seiner erfolgreichen Serie um den Meisterdetektiv als Hörspiel umgesetzt. Der Einstieg ist etwas lang geraten – schließlich gilt es, neben der einleitenden Szene mit Watson und Mrs. Hudson auch noch die damaligen Lebensumstände von Holmes aufzudecken. Trotz dieser Länge sind die ersten Szenen sehr unterhaltsam gelungen, da man in der Tat einige gelungene Details entdeckt und eine angenehme Grundstimmung vorherrscht. Auch das Kennenlernen von Victor und den anderen Nebencharakteren der Folge geht recht gediegen von statten, Marc Gruppe und Stephan Bosenius lassen sich viel Zeit, um alles gründlich vorzustellen und legen auf eine umfangreiche Darstellungsweise wert. Für den Hörer gibt es derweil einiges zu errätseln, denn vieles liegt im Dunkeln und ist gar nicht so einfach in Zusammenhang zu setzen. Nur langsam lichtet sich das große Geheimnis und wird – ganz untypisch für die Erzählungen von Doyle – erst aufgeklärt, als es eigentlich schon zu spät ist. Keine spektakuläre Auflösung, bei dem Holmes in einem Geniestreich die Verdächtigen überführt, sondern eine fast schon stille Antwort auf die aufgeworfenen Fragen. Das führt die Handlung in eine ganz andere Richtung als bisher gedacht und hat mich sehr überzeugt, da mal andere Facetten als bisher im Vordergrund stehen und dennoch ein trickreicher Kriminalfall erzählt wird.

Julian Tennstedt hat nicht nur einen wohl bekannten Vater, der gerade den Hörern dieser Reihe etwas sagen dürfte, sondern spricht auch den jungen Sherlock Holmes in dieser Folge. Das macht er auf eine sehr charmante Weise und lässt die Grundzüge des schillernden Charakters durchklingen, findet aber seine ganz eigene und überzeugende Weise der Interpretation. Dirk Petrick ist als Victor Trevor zu hören, der sehr freundlich und agil klingt, er spricht sehr glaubhaft und mit eingängigem Rhythmus. Berd Rumpf hat mir als Hudson äußerst gut gefallen, seine laute und polternde Stimme sowie seine fordernde und unverschämte Art formen einen sehr ausdrucksstarken Charakter. Weitere Sprecher sind Jochen Schröder, Maximiliane Häcke und Jannik Endemann.

Auch wenn die Sprecher und ihre Dialoge hier stets im Mittelpunkt stehen und sich wegen der ruhigen Erzählweise sowieso keine hochtrabende akustische Umsetzung anbietet, wurde wieder ein feines Netz gewoben, das die Szenen in ihrer Wirkung sehr gut unterstützt und durch einige wohl platzierte Geräusche für eine lebendige Stimmung sorgt.

Wie ein altes Ölgemälde wirkt das Cover in seinem goldenen Rahmen und dem schwarzen Hintergrund, auch sind dieses mal keine menschlichen Gesichter zu sehen. Ein lodernd brennendes Segelschiff hat Ertugrul Edirne hier gezeichnet und es mit den dicken Rauchschwaden und den hellen Flammen sehr gekonnt in Szene gesetzt.

Fazit: Die Reise in die Jugend von Sherlock Holmes erreicht zwar nicht ganz den Witz, der sonst von Dr. Watson so liebevoll eingebracht wird, ist aber eine ungewöhnlich erzählte und sehr ruhige Folge, die mit ihrem langsamen Aufbau und den sich steigernden Spannungsbögen gut unterhalten kann und zudem einen interessanten Blick auf den jungen Holmes erlaubt.

VÖ: 14.Oktober 2016
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5380-4


Sherlock Holmes – 25. Der Angestellte des Börsenmaklers



Erster Eindruck: Denkaufgabe für Holmes und Hörer

Hall Pycroft hat gerade eine neue Anstellung als Börsenmakler bekommen, als ihm ein anderes, lukratives Angebot gemacht wird: Ein Unternehmen bietet ihm für die neu aufzubauende Niederlassung nicht nur eine hochdotierte Position, sondern auch gleich den Posten des stellvertretenden Geschäftsführers. Doch mit der Zeit kommen dem jungen Mann Zweifel an der Aufrichtigkeit seiner Arbeitgeber, sodass er sich an Sherlock Holmes wendet...

Mit „Der Angestellte des Börsenmaklers“ hat Titania Medien eine recht bekannte Geschichte um Sherlock Holmes als 25. Folge der gleichnamigen Serie vertont, die einige sehr klassische Grundzüge hat und den Scharfsinn des Meisterdetektivs sehr gut umreißt. Dabei findet das Geschehen ziemlich lang in den Gemächern von Holmes statt, wobei hier eine sehr sinnige Lösung für eine Auflockerung gefunden wurde: Statt eines einfachen Monologs ist der Bericht des neuen Mandanten so oft es geht als Dialog umgeformt worden, sodass ein durchaus lebendiger Eindruck entsteht. Zwar dauert es ein wenig, bis die Folge in Gang kommt, vor allem weil der anfängliche Dialog von Holmes und Watson eher gediegen denn spitzzüngig ist. Der Bericht von Pycroft fängt aber schon durchaus interessant an, dem Hörer wird dabei eine gelungene Denkaufgabe präsentiert – er kann durchaus Miträtseln und sich seinen eigenen Reim auf die Ereignisse machen. Der Verlauf ist dabei recht gleichförmig, da wenige Highlights oder dramatische Szenen in der Erzählung von Arthur Conan Doyle vorkommen, dennoch ist der Verlauf durchaus kurzweilig. Das Ende ist ungewöhnlich und konnte dabei bei mir voll punkten. Und da auch die Inszenierung des Klassikers gelungen ist, zeigt der Daumen bei der Bewertung nach oben!

Gerade einmal fünf Sprecher sind für die Vertonung der Geschichte notwendig, sodass bei jedem einzelnen natürlich viel Wert auf eine lebendige Darstellungsweise gelegt wird. Das wunderbare Duo aus Joachim Tennstedt und Detlef Bierstedt macht seine Sache wie immer äußert vergnüglich und eingängig, besonders im Zusammenspiel entfalten sie ihre komplette Stärke. Florian Jahr ist als Hall Pycroft zu hören, er setzt dabei gekonnte Akzente und kann mit einer glaubwürdigen Performance punkten. Matthias Lühn spricht Arthur Pinner mit einer sehr akzentuierten und betonten Stimme, die gut zu der Rolle passt. Auch die kurze Nebenrolle von Marc Gruppe konnte überzeugen.

Auch wenn sich das Produzententeam bei dieser Reihe etwas zurückhält, ist ein gewisser Hang zur Dramatik nicht abzusprechen. So ist die Musik, auch wenn sie nicht allzu häufig eingesetzt wurde, sehr stimmungsvoll und unterstützt die Szenen in ihrer Wirkung. Und auch die eingesetzten Geräusche treffen jeweils genau den richtigen Ton und bringen mehr Lebendigkeit mit ein.

Eine eingetretene Tür, Sherlock Holmes in dynamischer Läuferpose, Waston dicht hinter ihm, Hall Pycroft mit verdutztem Gesicht im Türrahmen – das Cover deutet mehr Action an, als dann in der Folge wirklich vorhanden ist. Dennoch sind die gedeckten Farben und der nostalgische Zeichenstil sehr passend gewählt und stimmen den Hörer gekonnt auf die Atmosphäre der Serie ein.

Fazit: „Der Angestellte des Börsenmaklers“ ist zwar nicht die aufregendste Geschichte aus dem Portfolio des Meisterdetektivs, punktet aber mit einer rätselhaften Handlung und markanten Szenen. Besonders das ungewöhnliche Ende konnte mich dabei überzeugen, und auch die Umsetzung von Titania Medien muss wieder lobens hervorgehoben werden.

VÖ: 12.August 2016
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5258-6


Sherlock Holmes – 24. Das gelbe Gesicht



Erster Eindruck: Ruhige, hörenswerte Folge

Jack Grant Munro wendet sich an Sherlock Holmes, da sich seine Frau äußerst merkwürdig verhalten hat. Nicht allein, dass sie ihren Gatten um eine große Menge Geld bittet, sie verschwindet auch immer wieder tagsüber für mehrere Stunden. Als Munro seiner Frau eines Tages zu einem Haus folgt, kann er im Fenster nur ein Gesicht erblicken, das ganz gelb ist...

Auch bei der Veröffentlichung von Sherlock Holmes von Titania sind in diesem Jahr kleine Vezögerungen aufgetreten, sodass die Folgen nun geballt in der zweiten Jahreshälfte erscheinen. Mit „Das gelbe Gesicht“ ist die nunmehr 24. Folge der Reihe mit einer klassischen, aber eher weniger bekannten Geschichte von Arthur Conan Doyle auf den Markt gebracht worden. Die Handlung präsentiert sich dabei angenehm unaufgeregt, auch der Ort der Handlung ist wieder recht begrenzt: Der Hauptteil der Handlung spielt in den Gemächern des Meisterdetektivs, der Bericht von Munro wird dabei gekonnt durch einige gespielte Szenen aufgelockert. So ist die Handlung recht flüssig geraten, ist mit einer guten dreiviertel Stunde auch nicht die längste Produktion der Serie, sodass keinerlei langwierige Stellen auftreten. Das Geheimnis von Munros Gattin wird auch lange Zeit im Verborgenen gehalten, sogar Holmes selbst tappt hier lange Zeit im Dunkeln und lässt sich sogar zu einer falschen Spekulation hinreißen. Umso interessanter ist dann die Auflösung des Falles geraten, die recht emotionale Züge trägt und damit eine ungewöhnliche Färbung in die Serie bringt.

Johannes Raspe kann sich auch in diesem Hörspiel gehaupten, seine Sprechweise als Jack Grant Munro sehr eingängig, wobei er gekonnte Akzente setzt und gerade am Ende noch einmal eine andere Seite von sich zeigen kann. Seine Ehefrau Effie wird von Melanie Hinze gesprochen, die in ihren kurzen Passagen einen bleibenden Eindruck hinterlassen kann, auch sie passt sich gut an die Atmosphäre der Serie an. Joachim Tennstedt und Detlef Bierstedt sind wieder kongenial als Holmes und Watson zu hören, mit viel Charme und einer dynamischen Sprechweise interpretieren sie ihre Rollen sehr eigenständig. Weitere Sprecher sind Regina Lemnitz, Anita Lochner und Clara Fischer.

Auch hier übt sich Titania Medien eher in Zurückhaltung, und gerade dadurch wirkt die erschaffene Szenerie so stimmig. Leise Hintergrundklänge untermalen die Dialoge und treten nur selten in den Vordergrund, Musik ist nur selten, dann aber sehr gezielt eingesetzt und die jeweilige Stimmung gekonnt unterstützend. Das wirkt alles sehr stimmig und wie aus einem Guss.

Die entscheidende Szene, in der Munro das gelbe Gesicht erblickt, ist auf dem Cover dargestellt, und dabei wird das viktorianische Ambiente durch seine Kleidung und das Haus sehr gut ausgekostet. Die eher blassen Farben können diesen Eindruck noch weiter hervorheben. Das Innenleben und die CD selbst sind mit den bereits bekannten Illustrationen ebenfalls stimmig gestaltet.

Fazit: Ein rätselhafter und angenehm unaufgeregter Fall für Holmes, bei dem weder politische Verstrickungen noch enormer Zeitdruck eine Rolle spielen. Vielmehr wird das Geheimnis einer Familie aufgedeckt, was über kleine falsche Fährten und eine flüssige Erzählweise zu einem emotionalen und sehr gelungenen Finale geführt wird.

VÖ: 14.Juli 2016
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5255-5


Sherlock Holmes – 23. Silberblesse



Erster Eindruck: Rätsel um ein verschwundenes Pferd

Kurz vor einem wichtigen Rennen verschwindet das Pferd Silberblesse spurlos, während sein Trainer tot im nahe gelegenen Moor aufgefunden wird. Sherlock Holmes wird zu dem Fall hinzugezogen, und sebstverständlich wird er von Dr. Watson begleitet. Auf der Zugfahrt tragen die beiden ihren gemeinsamen Wissensstand zusammen...

Titania Medien widmet sich weiterhin den originalen Geschichten über Sherlock Holmes und geht dabei in chronologischer Reihenfolge vor, sodass als 23. Folge „Silberblesse“ erschienen ist. Auch hier hält sich das Label in weiten Teilen sehr eng an die Vorlage von Arthur Conan Doyle, lediglich einige Kunstgriffe für die Übertragung ins Medium Hörspiel wurden vorgenommen. Gut gefällt mit vor allem, dass trotz der langen Szenen eine dynamische Stimmung entsteht. So wird der Dialog zwischen Holmes und Watson während der Zugfahrt zum Tatort immer wieder von kleinen Szenen unterbrochen, die den Hörer an die Hintergrunde des Falles herangeführt und mit viel Stimmung gut unterhalten werden. Das nimmt schon mal einen großen Teil des Hörspiels ein, doch auch danach geht es unterhaltsam und durchaus spannende weiter. Denn hier liegt ein Fall vor, in dem die Spuren nicht allzu offensichtlich gelegt wurden und der Täter nicht allzu schnell feststeht. Zudem ist die Handlung recht verzwickt, sodass die langsame Aufdröselung durch Holmes erneut sehr unterhaltsam gelungen ist. Hübsch auch wieder, wie gut die beiden Hauptcharaktere wieder ihre ganz speziellen Eigenschaften entfalten können. Silberblesse ist ein klassischer Fall für Holmes und Watson, der hier in einer atmosphärischen Umsetzung zu hören ist.

Jürgen Thormann ist in dieser Folge als Colonel Ross zu hören, seine kantige Stimme nimmt hier wieder eine individuelle Färbung an und sorgt für einige eindringliche Momente. Julia Stoepel spricht die Rolle der Edith Baxter sehr glaubhaft und mit einem eingängigen Sprechrhythmus, sodass eine in sich stimmige Figur entsteht. Marc Gruppe, einer der kreativen Köpfe hinter dem Label, ist als Fitzroy Simpson zu hören, auch dies meistert er gekonnt und macht eine wirklich gute Figur in der eher ungewohnten Rolle. Weitere Sprecher sind Pacal Breuer, Anita Lochner und Johannes Raspe.

Wieder einmal beweist Titania Medien, dass sie ihren Hörspielen einen sehr atmosphärischen Klang verleihen und die Geschichten damit erlebbar machen. Sei es das Wiehern von Pferden, das stetige Rattern eines Zuges oder das schaurige Schweigen im nahegelegenen Moor, jede Szene bekommt ihren unverkennbaren und sehr intensiven Klang, wobei Musik nur sehr sparsam eingesetzt wurde.

Das Cover zu dieser Folge ist ebenfalls bestens gelungen, Ertugrul Edirne hat wieder zum klassischen Zeichenwerkzeug gegriffen und eine stimmungsvolle Szenerie geschaffen. Die kühlen Blautöne lassen die nebenverhangene Nacht düster wirken, die ängstlich dreinblickende Frau mit der antiken Lampe und der sich ihr nähernde Gentleman sind wirklich gut umgesetzt.

Fazit: Auch diese Geschichte wurde sehr stimmig und atmosphärisch umgesetzt, wobei die Charaktere ebenso wie die düsteren Szenen gut zur Geltung kommen. Die Handlung ist durch kleine Rückblicke aufgefrischt und spannend erzählt, wobei die durchaus komplexe Handlung locker umgesetzt wurde.

VÖ: 10.Juni 2016
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5252-4


Sherlock Holmes – 22. Das Haus bei den Blutbuchen



Erster Eindruck: Komplexer als es erscheint...

Sherlock Holmes ist über seinen neuesten Auftrag alles andere als erfreut, zu banal erscheint ihm die Frage von Violet Hunter, ob sie eine Stelle als Gouvernante in einem abgelegenen Landsitz übernehmen soll. Doch bei seinen Ermittlungen merkt der Meisterdetektiv bald, dass hinter den Kulissen etwas ganz anderes abläuft als anfangs vermutet...

Dass sich Sherlock Holmes von manchen Fällen deutlich unterfordert fühlt, wird in den Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle ja des öfteren erwähnt. In einer sehr gelungenen Introszene, in der der Meisterdetektiv so richtig aus sich herausgeht, wird dies auch in der 22. Folge der entsprechenden Serie von Titania Medien thematisiert. Dieser sehr engagierte Start führt in einer nicht minder gelungene Geschichte, die im Laufe der Handlung immer komplexer wird und durch die bald ein sehr reizvolles Konstrukt hindurchscheint. Wie fast immer ist Sherlock Holmes seinen Hörern wie Dr. Watson einen Schritt voraus, was auch hier wieder für zusätzliche Spannung sorgt. Die prägnanten Charaktere kommen hier in kurzweiligen Dialogen gut zur Geltung und haben durchaus ihren Charme, die verzwickte Handlung erweitert sich um immer neue Facetten und prägt so ein in sich stimmiges und spannendes Bild. Schön, dass mit wenigen Änderungen auch hier sehr nah am Original umgesetzt wurde, die Dynamik allerdings besser an das Medium Hörspiel angepasst wurde.

Hörspielurgestein Reinhilt Schneider beweist, dass sie immer noch völlig glaubwürdig junge Frauenrollen übernehmen kann, Violet wirkt durch sie äußerst sympathisch und liebenswürdig, ihrer außergewöhnlichen Stimme habe ich in ihren Berichten wieder sehr gern gelauscht. Helmut Krauss kann als Jephro Rucastle ebenso überzeugen, sein unverwechselbarer Klang passt wunderbar in das Ambiente der Folge. Kaspar Eichel ist als Mr. Toller ein kleines Highlight, mit seinem rauen Klang und der vierschrötigen Art verleiht er dem Diener eine sehr präsente Note. Weitere Sprecher sind Dorothea Walder, Ulrike Möckel und Doris Gallart.

Wieder schaffen es Stephan Bosenius und Marc Gruppe, mit recht wenigen Geräuschen eine sehr stimmungsvolle Atmosphäre zu zaubern, die jede Szene ein eigenes Gewand gibt und sie sehr lebendig und nahbar wirken zu lassen. Auch die eingesetzte Musik verdient wieder großes Lob, sie trennt die Szenen harmonisch voneinander ab und kann dabei noch mehr Atmosphäre schaffen.

Eine ungewöhnliche Perspektive wird auf dem Cover geboten, durch ein Fenster des Landsitzes blickt man auf dessen Bewohner, die in heimeliger Atmosphäre beieinander sitzen. Sinnbildlich passt dies wunderbar zu der sehr begrenzten Kenntnis, die Violet über die dortigen Vorgänge hat. Die restliche Gestaltung ist wie immer eher schlicht gehalten, die verwendeten Grafiken sind bereits aus den vorigen Folgen bekannt.

Fazit: Ein typischer Fall für den Meisterdetektiv, der langsam recht komplexe Beziehungen aufdeckt und so wesentlich mehr zu Tage fördert, als man anfangs gedacht hätte. Die gelungene Erzählweise steigert dabei die Spannung, die ausdrucksstarken Charaktere sorgen für zusätzliches Interesse.

VÖ: 12.November 2015
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5172-5


Sherlock Holmes – 21. Die Beryll-Krone



Erster Eindruck: Ungewöhnliches Pfand

Alexander Holder, der Besitzer einer Londoner Bank, sucht Sherlock Holmes auf, da sein Anliegen in den Händen der Polizei deutlich zu viel Aufmerksamkeit erregt hätte, denn schließlich hat ein Mitglied der englischen Königsfamilie eine kostbare Krone mit Beryll-Steinen als Pfand für einen Kredit hinterlassen. Doch das wertvolle Stück wurde beschädigt, und der Verdacht fällt zunächst auf Holders Sohn Arthur...

Die mittlerweile auf den Ursprungsgeschichten von Sir Arthur Conan Doyle Reihe um Sherlock Holmes von Titania Medien geht mit „Die Beryll-Krone“ in die mittlerweile 21. Runde, und wieder zeigt sich, dass sich Marc Gruppe und Stephan Bosenius den Vorlagen mit viel Respekt nähern und diese sehr originalgetreu umsetzen, lediglich einige Anpassungen an das Medium Hörspiel werden vorgenommen. Und das tut auch dieser Geschichte sehr gut, die sich ziemlich temporeich anfühlt und viele Informationen in kurzer Zeit preisgibt – natürlich nicht, ohne weitere Fragen zur Steigerung der Spannung aufzuwerfen. Der Fall hat einen interessanten und reizvollen Ausgangspunkt, der mit der Konzentration auf wenige vorkommende Charaktere überraschend reduziert fortgeführt wird. Und genau darin liegt aus meiner Sicht die Stärke der Geschichte, die sich in einem überraschenden Finale noch einmal steigern kann. Der bestechende Witz der beiden Protagonisten und das wunderbar geschaffene Ambiente machen auch diese Umsetzung zu einer klaren Empfehlung für Freunde des klassischen Krimis.

Uli Krohm ist als Alexander Holder eine sehr gute Wahl, er wirkt in seiner Rolle recht gehetzt und kann die Verzweiflung des Mannes gelungen darstellen. Auch sein Sohn Arthur wird durch Jan Makino treffend dargestellt, mit Sinn für das richtige Timing und eine glaubhafte Aussprache kann er sich gut neben den bekannten Sprechern behaupten. Die wunderbare Maria Koschny zeigt hier mal wieder eine andere Facette ihrer Stimme, wirkt als Mary eher kühl und abweisend, was sehr gut zu der Rolle passt. Neben Joachim Tennstedt und Detlef Bierstedt ist auch Regina Lemnitz natürlich wieder mit dabei.

Durch den Einsatz recht weniger, aber prägnanter Hintergrundgeräusche hat Titania Medien wieder eine bestechende und glaubwürdige Kulisse für die Figuren geschaffen, in denen man sich dennoch voll auf die Dialoge konzentrieren kann. Auch die eingesetzte Musik hat wieder großes Lob verdient, die klassischen Instrumente können in lebendigen Arrangements für die richtige Stimmung sorgen.

Natürlich ist die titelgebende Beryll-Krone auch auf dem Cover dieser Folge zu sehen, reichlich verziert und detailreich steht die hier im Mittelpunkt, die nach ihr greifende Hand und der dezente Hintergrund ergeben ein weiteres ansehnliches Titelbild. Wie immer sind in der restlichen Gestaltung weitere Zeichnungen zu sehen, die schon aus den früheren Folgen bekannt sind.

Fazit: Eine sehr reduzierte Geschichte, die sich auf das Wesentliche konzentriert und die Handlung dabei schnell vorantreibt. Die Ermittlungen sind wieder spannend und mit dem gelungenen Detektivduo recht witzig umgesetzt, die wenigen handelnden Protagonisten bestens ausgewählt, die bringen die Handlung zum Atmen.

VÖ: 12.November 2015
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5169-5


Sherlock Holmes – 20. Der adlige Junggeselle



Erster Eindruck: Die verschwundene Braut

Lord Robert Saint Simon sucht Hilfe bei Sherlock Holmes, denn kurz nach seiner Hochzeit mit der reichen Amerikanerin Hatty Doran ist diese noch von der Feier verschwunden. Holmes Interesse ist geweckt, doch nach einigen Details scheint er die Sache schon völlig durchschaut zu haben, nur sein treuer Freund Dr. Watson kommt nicht so schnell auf die Lösung des Falles...

Neben zahlreichen anderen Serien mit neuen Fällen widmet sich Titania Medien dem Ursprungsmaterial über den wohl bekanntesten Detektiv Sherlock Holmes, Folge 20 der Reihe widmet sich Sir Arthur Conan Doyles Geschichte „Der adlige Junggeselle“. Die Handlung ist hier sehr ruhig und wird zu weiten Teilen von dem Dialogen zwischen Holmes und seinem Klienten Lord Saint Simon dominiert. Nach einer witzigen Introszene, in der auch Watsons Interesse an Klatschgeschichten thematisiert wird, taucht der Adlige recht schnell auf und berichtet von der Liason mit der reichen Hatty, der Hochzeitsfeier und dem anschließenden Verschwinden seiner Angetrauten. Dabei hat der Hörer wie so oft kaum eine Chance, dem Fall zu folgen, er hinkt Holmes immer einige Schritte hinterher, hat aber in Watson eine Romanfigur, der es ähnlich ergeht. Ich hätte mir an einigen Stellen eher eine Rückblende samt Dialogen statt eines einfachen Berichtes gewünscht, ansonsten ist diese Folge wieder nahe am Original und stimmig umgesetzt worden. Besonders das Ende, bei dem es ziemlich emotional wird, kann dabei überzeugen und klärt die vielen kleinen Spuren auf, die vorher so sorgsam gestreut wurden. Die Rolle des Inspector Lestrade wird hier etwas ruppiger und unfreundlicher umgesetzt als man es ansonsten gewohnt ist, was aber bestens in das Ambiente der Folge passt.

Simon Jäger ist als Lord Robert Saint Simon eine gute Wahl, mit seiner prägnanten Stimme und der eingängigen Betonung kann er den Adligen gekonnt in Szene setzen, wobei besonders die Gefühlsausbrüche zum Schluss sehr authentisch gelungen sind. Uschi Hugo ist als Hatty Doran zu hören, mit ihrer hellen und klaren Stimme kann sie in den kurzen Szenen gut zur Geltung kommen. Und auch Regina Lemnitz kann als Mrs. Hudson einmal mehr gefallen, ihre raue und kratzige Stimme strahlt wieder sehr viel Energie aus. Weitere Sprecher sind Lutz Reichert, Bodo Wolf und David Nathan.

Marc Gruppe und Stephan Besoenius haben auch für diese Folge einen sehr stimmigen und eingängigen Klangteppich geschaffen, der bestimmte Szenen gekonnt unterstreicht und insgesamt eine heimelige, manchmal sogar etwas mysteriöse Stimmung schafft. Besonders die eingebauten Melodien sind hierfür maßgeblich, doch auch einige geschickt platzierte Geräusche können zum Gelingen der Produktion beitragen.

Das Coverdesign wurde hier natürlich wieder übernommen – ein schwarzer Hintergrund mit einem rot-golden gefärbten Rahmen und einem ansehnlichen Schriftzug. Das eigentliche Motiv zeigt das zerrissene Hochzeitsfoto von Lord Saint Simon und seiner Braut, abgelegt auf einem dicken Stapel Zeitungen, die im Vorfeld mit Freude von der Hochzeit berichteten. Das Innere ist wie immer schlicht und übersichtlich gestaltet.

Fazit: Eine ruhige Folge um den Meisterdetektiv, die fast ausschließlich von langen Dialogen bestimmt wird. Der rätselhafte Fall und die emotionale Auflösung passen sehr gut zusammen, wobei auch die Charaktere stark in Szene gesetzt wurden. Besonders der grantige Inspector Lestrade kann dabei im Gedächtnis bleiben.

VÖ: 10.September 2015
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5166-4


Sherlock Holmes – 19. Der Daumen des Ingenieurs



Erster Eindruck: Ein unmoralisches Angebot

Mit einem blutigen Verband kreuzt Victor Hatherley bei Dr. Watson auf, sein Daumen wurde vor kurzem abgetrennt. Bei der Behandlung versucht der Arzt, mehr über den Hergang der Verletzung zu erfahren und merkt schnell, dass hier ein Fall für seinen Freund, Sherlock Holmes ansteht. Denn Hatherly, der als Ingenieur noch recht unerfahren ist, wurde mit einem sehr lukrativen Angebot in ein abseits gelegenes Haus gelockt...

Titania Medien veröffentlicht in erfreulicher Regelmäßigkeit die Originalfälle aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle, mittlerweile ist man bei „Der Daumen des Ingenieurs“ angekommen, einer sehr besonderer Fall – wie Dr. Watson in der kurzen Introszene selbst anmerkt. Denn ausnahmsweise macht er seinen Freund Sherlock Holmes selbst auf einen neuen Fall aufmerksam, und so hat der bekannte Detektiv hier auch recht wenig zu sagen. Der größte Teil der Handlung wird auf den Bericht der merkwürdigen Ereignisse verwendet und aus der Sicht von Victor Hatherley erzählt, was sehr kurzweilig und vergnüglich gelungen ist. Der Erzählstil ist dabei sehr flüssig, wobei dennoch viele Details mit eingeflossen sind. Die detailreichen Beschreibungen lassen die einzelnen Szenen sehr lebendig und greifbar werden, wobei auch die Gestaltung der Charaktere wieder sehr prägnant geworden ist. Das regt natürlich auch zum Miträtseln ein – nicht unbedingt wer die Täter sind, sondern was sie vorhaben und wie es mit Hatherley weitergeht - doch Holmes ist wie immer einige Schritte voraus – ein typisches Stilelement der Reihe. Ungewöhnlich auch, dass die Täter im Gegensatz zu den übrigen Geschichten hier nicht gefasst werden können, auch dies übt einen großen Reiz aus und bricht bekannte Grundstrukturen auf. Ein sehr solide erzählter Fall, bei dem auch einige eingebaute humorvolle Stellen nicht fehlen dürfen.

Patrick Bach wertet als sehr professioneller Sprecher auch dieses Hörspiel auf, wobei er als Victor Hatherley einen sehr großen Teil der Handlung übernimmt. Sehr überzeugend und mit eingängiger Sprechweise kann er einen glaubwürdigen Charakter erschaffen. Lutz Mackensy spricht Lysander Stark mit seiner sehr markanten Stimme und bringt dabei seine ganz eigene Note mit ein. Arianne Borbach hat mir als Elise ebenfalls sehr gut gefallen, die eingeschüchterte junge Frau bekommt durch sie gegen Ende eine gelungene Wendung. Weitere Sprecher sind Janina Sachau, Andreas Mannkopff und Christian Stark.

Auch dieser Geschichte haben Stephan Bosenius und Marc Gruppe ein maßgeschneidertes Kleid gefertigt und eine dichte Atmosphäre geschaffen. Zwar hält sich die Musik recht dezent im Hintergrund, beeinflusst aber dennoch die Stimmung wesentlich. Auch die Geräusche sind hier sehr passend eingebaut und lassen die Handlung lebendiger wirken.

Eine wesentliche Szene aus dem Hörspiel wird auch auf dem Cover präsentiert, wobei hier schon recht viel vom Inhalt verraten wurde, hier wurde für meinen Geschmack etwas zu viel vorgegriffen. Dennoch ist der Mann mit der erhobenen Axt vor dem Fenster, an dessen Sims sich der gut gekleidete Hatherley mit einer Hand klammert, durchaus stimmungsvoll in Szene gesetzt worden. Die restliche Gestaltung ist bereits bekannt, aber immer noch hübsch anzusehen.

Fazit: Die Geschichte um den Ingenieur Victor Hatherley steht hier im Mittelpunkt, an Ermittlungen oder gar der Überführung der Täter wurde nur wenig Zeit aufgewendet. Dennoch ist ein sehr unterhaltsames Hörspiel entstanden, das zudem noch perfekt inszeniert und mit vielen starken Sprechern auch in den Nebenrollen umgesetzt wurde.

VÖ: 15.Mai 2015
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5122-0


Sherlock Holmes – 18. Der Mann mit der entstellten Lippe



Erster Eindruck: Watsons Begegnung in der Opiumhöhle

Für eine Freundin seiner Gattin sucht Dr. Watson in einer Juninacht eine heruntergekommene Opiumhöhle in einer dunklen Ecke von London auf, weil dort deren Ehemann verschollen ist. Zwar ist der Vermisste schnell gefunden, doch Watson trifft dort auch Sherlock Holmes, der verdeckt in dem Fall eines weiteren verschwundenen Mannes ermittelt – und seinen Freund gleich in den Fall einweiht...

Es ist immer wieder erstaunlich, mit wie wenig Handlung Sir Arthur Conan Doyle seiner bekannten Romanfigur Sherlock Holmes spannende und kurzweilige Geschichten auf den Leib geschrieben hat. Und ebenso erstaunlich ist es, wie atmosphärisch dicht Titania Medien diese Fälle in der gleichnamigen Hörspielrehe erzählt. Der Inhalt von „Der Mann mit der entstellten Lippe“ ließe sich beispielsweise in wenigen Sätzen zusammenfassen, wobei der oben beschriebene Besuch in der Opiumhöhle zudem kein wirklicher Bestandteil des eigentlichen Falles darstellt, sondern eher als Einführung dient. Doch die Ermittlungen sind auf verschiedenen Zeitebenen erzählt, der Start in das Thema ist sehr dynamisch und kurzweilig geraten, die auftretenden Charaktere sind sehr lebendig dargestellt. Auch die Auflösung des Ganzen, die doch etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt als man es von dem Meisterdetektiv erwartet, kann mit einer interessanten Wendungen überzeugen. Besonders schön ist, dass sich die Macher sehr nah an die Vorlage gehalten haben und nur wenige Details verändert haben. So entsteht ein sehr rundes und gelungenes Hörspiel, in dem die Ermittlerarbeit von Holmes und Watson bestens zur Geltung kommt.

Lutz Riedel ist eine hervorragende Wahl für die Rolle des zwielichtigen Laksaren, der mit seiner harten und unnachgiebigen Stimme einige sehr stimmungsvolle Momente erzeugen kann. Jacques Breuer spricht die titelgebende Figur und kann diese mit viel Energie und einer variablen Klangfarbe sprechen. Die zauberhafte Janina Sachau ist als Watsons Ehefrau Mary zu hören, ihre helle und ausdrucksstarke Stimme kommt auch hier sehr gut zur Geltung. Weitere Sprecher sind Antje von der Ahe, Melanie Pukass und Hans Bayer.

Behutsam, aber doch sehr atmosphärisch ist die Umsetzung der Geschichte gelungen. Sanfte Melodien breiten sich im Hintergrund aus und beeinflussen von dort die Stimmung, legen einen warmen Klangteppich für die Dialoge aus. Auch die Geräusche werden nie drängend nach vorn gestellt, sondern verleihen den Szenen sanft eine passende Kulisse.

Sehr gelungen ist das Cover zu dieser Folge, die auf die anfängliche Szene in der Opiumhöhle anspielt. Während der Hintergrund in diffuses Licht getaucht und in Rottönen gehalten ist, sticht Watson aus der Masse an liegenden Männern deutlich hervor. Die restliche Gestaltung ist bereits bekannt und enthält einige Illustrationen zu Holmes und Watson.

Fazit: Der Klassiker von Arthur Conan Doyle besticht durch eine interessante und kurzweilige Geschichte, besonders aber durch eine intensive Stimmung, die durch die Umsetzung von Titania Medien noch weiter hervorgehoben wird. Die verschiedenen Zeitebenen und die geschickte Auflösung machen „Der Mann mit der entstellten Lippe“ zu einem lohnenswerten Hörspiel.

VÖ: 16.April 2015
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5121-3


Sherlock Holmes – 17. Die fünf Orangenkerne



Erster Eindruck: Ungewöhnliche Todesdrohung

John Openshaw fungiert als rechte Hand seines Onkels, sowohl in dessen Firma als auch im Haus arbeitet er eng mit ihm zusammen. Doch als der zurückgezogen lebende Mann einen geheimnisvollen Brief bekommt, der fünf Orangenkerne enthält, gerät er in Panik und verschließt sich seinem Neffen völlig. Nach einigen schrecklichen Ereignissen sucht John Openshaw schließlich den Meisterdetektiv Sherlock Holmes auf...

Mit „Die fünf Orangenkerne“ hat Titania Medien nun einen recht ungewöhnlichen Fall für die Sherlock Holmes-Reihe vertont. Auch hier wird wieder auf einen Originalfall von Sir Arthur Conan Doyle zurückgegriffen, der nur geringfügig an das Medium Hörspiel angepasst wurde. Der Anfang und der Mittelteil dieser Folge sind noch recht klassisch, ein kurzes Gespräch zwischen Holmes und Watson eröffnet die Handlung, danach kommt John Openshaw hinzu und berichtet recht ausführlich über die seltsamen Vorkommnisse bei seinem Vater. In diesen langen Dialog sind immer wieder Rückblenden eingebaut, was die Erzählung dennoch dynamisch wirken lässt – zumal die Ereignisse einige Rätsel aufgeben, die nicht allzu offensichtlich gelöst werden können. Ungewöhnlich ist jedoch insbesondere das Ende: Nach einigen Recherchen kommt Sherlock Holmes den Hintergründen auf die Spur, jedoch ohne die klassische Überführung eines Täters. Und auch das weitere Schicksal John Openshaws wird anders dargestellt als sonst – sehr gelungen und ein echter Leckerbissen für Krimifans. Die angesprochenen Themen und der starke Realitätsbezug können dabei für eine sehr präsente Stimmung sorgen – gerade gegen Ende.

Und auch die Sprecher sind hier wieder lobend zu erwähnen, zumal das ganze Stück mit gerade einmal sechs verschiedenen Rollen auskommt. Einen großen Part spricht Jannik Endemann als John Openshaw, der von den merkwürdigen Ereignissen berichtet und damit auch eine Art Erzähler darstellt. Das kann er mit seiner angenehmen und ruhigen Stimme sehr gut vermitteln und auch die aufkommende Besorgnis des jungen Mannes gekonnt darstellen. Elias Openshaw, Johns Onkel, wird sehr präsent von Horst Naumann gesprochen, der abweisend und grantig klingt und dem Kriegsveteranen so eine eingängige Persönlichkeit verleiht. Johns Vater Joseph wird von Max Schautzer gesprochen, der in dieser kurzen Rolle durchaus überzeugen kann. Natürlich sind auch Joachim Tenstedt, Detlef Bierstedt und Regina Lemnitz mit von der Partie.

Die akustische Gestaltung ist durchaus passend umgesetzt und beeinflusst die Stimmung der Folge, hält sich aber eher im Hintergrund und überlässt den Sprechern so den Großteil der Wirkung. Sanfte Melodien ziehen sich durch die gesamte Handlung und treten nur selten in den Vordergrund, während die Geräusche die Szenen lebendiger wirken lassen, aber selten als Hintergrundgeräusche auftreten.

Die Szene, in der John Openshaw die Vorgänge in seiner Familie schildert, ist sehr stimmig auf dem Cover umgesetzt worden. Beleuchtet vom Kaminfeuer und einigen Öllampen wird eine sehr heimelige Atmosphäre geschaffen, die gut zu der nostalgischen Ausstrahlung von Sherlock Holmes passt. Die restliche Gestaltung ist wieder auf das wesentliche beschränkt und enthält die bereits bekannten Zeichnungen zum Detektivduo.

Fazit: Ein sehr starker Fall für Holmes und Watson, der zwar klassisch beginnt und wieder einen recht langen, aber dynamisch umgesetzten Bericht eines neuen Klienten enthält, am Ende aber durch eine ungewohnte Auflösung ein sehr interessantes Bild zeichnet. Der starke Realitätsbezug weiß dabei ebenso zu überzeugen wie die recht dramatische Schlusssequenz. Sehr gelungen“

VÖ: 12.März 2015
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5120-6


Sherlock Holmes – Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs – Box 1



Erster Eindruck: Drei ausgewählte Folgen von Titania Medien

Sherlock Holmes und Dr. Watson sind ein eingespieltes Team und ermitteln immer wieder in Fällen, die für andere schier nicht zu lösen wären. So müssen sie die geisterhafte Gestalt in einem alten Kloster enttarnen, im Fall zahlreiche getöteter Menschen im Umfeld einer freundliche Dame ermitteln und ein verschwundenes Adoptivbaby aufspüren...

Sherlock Holmes, eine der bekanntesten fiktiven Figuren überhaupt, wurde von Sir Arthur Conan Doyle erdacht, doch gleich mehrere Hörspiellabels haben eigene Fälle für den Meisterdetektiv erdacht und vertont. Titania Medien setzt dabei insbesondere auf eine dichte Atmosphäre, was auch an der ersten Box mit bereits vorher einzeln erschienenen Folgen gesehen werden kann. So unterschiedlich die drei Fälle auch sein mögen – Thema, Erzählweise, Ausgang -, eine dichte und packende Stimmung können alle drei aufweisen. Dabei überzeugt „Spuk im Pfarrhaus“ zusätzlich mit einer sehr undurchsichtigen, spannenden Handlung, die mit einigen gelungenen Wendungen und einer mysteriösen Ausstrahlung zusätzlich überzeugen kann. „Der Engel von Heamstead“ hingegen präsentiert gleich zu Beginn recht offensichtlich den Täter, der Reiz wird hier eher durch die nebulösen Hintergründe und die Abgründe der menschlichen Psyche generiert. Auch in „Spurlos verschwunden“ wird der Täter nicht gerade verheimlicht, doch ist es unglaublich spannend, wie sich die Geschichte weiter entwickelt und ob am Ende das verschwundene Kind wiedergefunden werden kann. Das heftige und emotionale Thema wird gekonnt ausgebaut und entlädt sich in einem packenden Finale. Allen drei Hörspielen ist zudem das wunderbare Zusammenspiel der beiden Protagonisten gemein, sodass auch immer wieder heitere Szenen und sarkastische Kommentare die Handlung auflockern.

Gleich drei Sprecher haben in den Produktionen von Titania Medien eine entscheidende Rolle, neben den beiden Hauptcharakteren rückt auch noch die Haushälterin von Holmes, Mrs. Hudson, in den Mittelpunkt gesprochen wird sie von der wunderbaren Regina Lemnitz, die mit ihrer leicht brüchigen Stimme und dem präzisen, energiegeladenen Auftreten eine sehr gelungene Figur schafft. Joachim Tennstedt spricht Sherlock Holmes anders als gewohnt, ein wenig emotionaler und spitzzüngiger, er schafft damit eine ganz eigene und sehr passende Interpretation des Meisterdetektivs. Gut gefällt mir auch Detlef Bierstedt als Dr. Watson, der liebenswert und lebendig wirkt, wobei er auch die Erzählteile sehr kurzweilig und interessant gestaltet. Weitere Sprecher dieser drei Folgen sind Lutz Riedel, Anja Kruse und Reinhilt Schneider.

Wie oben bereits erwähnt stattet Titania Medien seine Hörspiele über Sherlock Holmes etwas opulenter aus als die oft nüchternen Umsetzung anderer Labels. So gibt es eine Vielzahl verschiedener Melodien, die auch während einiger Dialoge zu hören sind und so die Atmosphäre deutlich beeinflussen, jedoch ohne die Dialoge zu überdecken oder den Fokus abzulenken. Auch die eingebauten Geräusche verfehlen ihre Wirkung nicht und sind gut auf die Handlung abgestimmt.

Das Cover, das auch schon die Folge „Spurlos verschwunden“ zierte, wurde auch hier verwendet. Ein goldener Rahmen umgibt das aufwändig gezeichnete Motiv eines Zeitungsjungen im alten London, auf den der Schatten einen hochgewachsenen Mannes samt Zylinder fällt. Die restliche Gestaltung ist hier sehr schlicht und auf das Mindestmaß beschränkt, in der dicken Plastikhülle befindet sich als Bonus aber noch die Folge „Die Spinne“ aus der Serie Gruselkabinett – ebenfalls sehr lohnenswert!

Fazit: Die neu erdachten Fälle orientieren sich zwar an den Geschichte von Arthur Conan Doyle, gehen aber ganz eigene Wege. Die hier vereinten drei Folgen sind in ihrer Wirkung sehr unterschiedlich und zeugen von Kreativität und Gespür für gutes Timing. Besonders „Spurlos verschwunden“ kann dabei wegen der guten Inszenierung und des packenden Themas überzeugen.

VÖ: 21.November 2014
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5130-5


Sherlock Holmes – 16. Der blaue Karfunkel



Erster Eindruck: Ungewöhnliches Versteck zur Weihnachtszeit

Peterson, ein grundehrlicher Mann und mit Sherlock Holmes befreundet, wird kurz vor den Weihnachtsfeiertagen Zeuge davon, wie eine Gruppe junger Raufbolde einen einsamen Passanten bedrängen. Er kann diese in die Flucht schlagen, doch auch der Überfallene sucht schnell das Weite. Peterson nimmt den Hut und die Weihnachtsgans des Mannes an sich und bringt diese zu Sherlock Holmes, der schnell einige Indizien zur Identität des Unbekannten herausfindet...

Einen guten Monat vor Weihnachten 2014 erscheint bei Titania Medien quasi die „Weihnachtsfolge“ von Sherlock Holmes: Der blaue Karfunkel. Die Geschichte spielt auch schon in der Originalversion von Sir Arthur Conan Doyle zur Weihnachtszeit und wird hier gerade am Ende mit noch etwas mehr festlicher Stimmung versehen, auch die Handlung hat direkten Bezug zu diesem Thema – auch wenn es während der Handlung weitaus weniger besinnlich zugeht. Zu Anfang wird wieder Holmes Kombinationsgabe dargestellt, der aus dem Hut des überfallenen Henry Baker zahlreiche Details ablesen kann. Auch wenn dies in einigen Punkten etwas überzogen wirkt, ist damit ein gelungener Einstieg in die Handlung ermöglicht. Während der Ermittlungen von Holmes und Watson stehen die Dialoge im Vordergrund, die auch mal etwas länger ausfallen, aber immer unterhaltsam und kurzweilig gestaltet wurden. Immer weiter dringt das Detektivgespann in die Hintergründe des Falles vor, sodass der Hörer häppchenweise neue Hinweise bekommt und sich so ständig selbst fragt, worum es geht, später wer der Täter ist. Die gewitzten Tricks von Holmes, mit denen er an die gewünschten Informationen kommt, sind dabei sehr gut eingebunden und lockern die Stimmung immer wieder auf. Das gefällt und ist hier wie immer mit viel Liebe zum Detail und sehr stimmungsvoll umgesetzt.

Sascha Wussow hat mir als Henry Baker äußerst gut gefallen, seine Stimme nimmt einen sehr dunklen Klang an, er spricht langsam und betont, sodass der Mann, der viel seines Lebensmutes verloren hat, bestens zur Geltung kommt. Axel Malzacher spricht hier den Peterson angenehm unaufdringlich, kann seine Szenen aber dennoch sehr präsent und glaubwürdig gestalten. Tom Deininger ist hervorragend in der Rolle des unfreundlichen und abweisenden Händlers Mr. Breckinridge, durch seine ausdrucksstarke Inszenierung bleibt diese Szene länger im Gedächtnis nachhallen. Weitere Sprecher sind Marc Gruppe, Jochen Schröder und Johannes Berenz.

Akustisch ist Stephan Bosenius und Marc Gruppe von Titania Medien wieder ein kleines Glanzstück gelungen. Denn in die dichte, warme und dunkle Atmosphäre haben sie einige instrumentale Weihnachtslieder eingebaut, die man erst beim genauen Hinhören als solche identifiziert. Durch aufwändige Instrumentalisierung mit vielen klassischen Klängen entsteht diese ganz besondere Stimmung der Serie.

In dem dunklen Rahmen mit dem ansprechenden Schriftzug ist wieder ein detailverliebtes Bild aus der Feder von Firuz Askin zu sehen, das eine schlichte Szene zeigt. Sherlock Holmes steht dabei voll im Mittelpunkt und blickt mit finsterem Blick auf den blauen Karfunkel, während sein Zimmer das viktorianische Zeitalter andeutet, der Blick aus dem Fenster macht das verschneite London sichtbar.

Fazit: Titania Medien hält sich eng an die Vorlage von Sherlock Holmes und schafft dafür eine sehr dichte und stimmungsvolle Atmosphäre, die den rätselhaften Charakter der Geschichte unterstützt. Das langsame Aufdecken der Hintergründe ist gelungen und lässt den Hörer immer tiefer in die Handlung eintauchen.

VÖ: 14.November 2014
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5032-2


Sherlock Holmes – 15. Das Rätsel von Boscombe Valley

 

Erster Eindruck: Auf der Suche nach der Unschuld

Dr. Watson bekommt eine Einladung von Sherlock Holmes, diesen zu einem neuen Fall nach Westengland zu begleiten. Zwar hat sich der Meisterdetektiv durch verschiedene Zeitungsartikel einen Überblick über den Mord an Charles McCarthy machen können, doch er zweifelt an der Richtigkeit der Version der dortigen Polizei. Demnach soll McCarthys eigener Sohn nach einem heftigen Streit der Täter sein...

Titania Medien hat sich nach einigen selbstverfassten Fällen für den bekannten Detektiv Sherlock Holmes auf die Vorlagen von Sir Arthur Conan Doyle konzentriert und veröffentlicht diese in chronologischer Reihenfolge, sodass auch die Entwicklung der Charaktere, wie beispielsweise Dr. Watsons Ehe, mit eingebracht werden können. So orientiert sich auch die Vertonung von „Das Rätsel von Boscombe Valley“, die als Nummer 15 der Reihe erschienen ist, sehr nah am Originalwerk und wurde lediglich behutsam an das Medium Hörspiel angepasst. In einer der ersten Szenen, die die Zugfahrt zum Tatort thematisiert, wird der Hörer nicht nur in den Mordfall eingeführt und erhält erste Informationen, sondern wird auch durch die ganz besondere Beziehung zwischen Holmes und Watson bestens unterhalten. Langsam baut sich von diesem Ausgangspunkt die Handlung auf, die tatsächlich deutlich komplexer ist als es anfangs den Anschein hat. Das wird langsam, aber sehr kurzweilig und zielgerichtet aufgeklärt, das Bild setzt sich Schritt für Schritt zusammen – und immer ist Holmes den Hörern und den anderen Figuren ein Stück voraus. So entsteht ein typischer Holmes-Fall, der stimmig verfasst und gekonnt umgesetzt wurde.

Inspector Lestrade, dem Watson amüsanterweise nicht sonderlich zu vertrauen scheint, wird von Lutz Reichert gesprochen, der dem Mann noch mehr Tiefe verleiht als nur einen leicht schusseligen Ermittler und weitere, gelungene Facetten hinzufügt. James McCarthy wird von Julian Tennstedt gesprochen, dessen markante Stimme wohl in der Familie legt. Mit viel Nachdruck und passender Rhythmik wählt er eine passende Sprechweise für den Mordverdächtigen. Maximiliane Häckle hat mir auch hier sehr gut als Alice Turner gefallen, ihre helle Stimme passt sehr gut in das Ambiente der Folge und kann mit passendem Ausdruck überzeugen. Weitere Sprecher sind unter anderem Helmut Winkelmann, Frank-Otto Schenk und Janina Sachau.

Wunderbar auch wieder die Umsetzung des Hörspiel von Marc Gruppe und Stephan Bosenius, zusammen schaffen sie einen sehr gelungenen Mittelweg aus atmosphärischer Umsetzung und der nüchternen Betrachtungsweise des Meisterdetektivs, die sich auch in der Stimmung wiederfindet. So sind die Dialoge größtenteils ohne musikalische Untermalung gestaltet, die dafür in den Übergängen umso stimmiger wirken.

Auf dem Cover kommt ein sehr romantischer Zeichenstil zum Einsatz, der sehr gut zum viktorianischen Zeitalter passt, in dem die Geschichten des Meisterdetektivs spielen. Zu sehen sind Holmes, Watson und Inspector Lestrade vor der Haustür einen hübsch anzusehenden Fachwerkhauses, die Haushälterin steht in typischer Kleidung samt weißer Haube auf der Türschwelle. Weitere Einzelheiten spielen auf Details der Handlung an.

Fazit: Auch wenn der Fall recht schlicht beginnt, kann er dennoch mit einem gelungenen Spannungsbogen, einer kurzweiligen Erzählweise und einer sehr angenehmen Grundstimmung überzeugen. Kleine Wortgefechte und bissige Kommentare sorgen für weitere unterhaltsame Momente.

VÖ: 8.Oktober 2014
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5031-5


Sherlock Holmes – 14. Eine Frage der Identität



Erster Eindruck: Verzweifelte Verlobte auf der Suche

Bei einem der in letzter Zeit wieder häufigeren Besuche von Watson bei seinem Freund Sherlock Holmes trifft eine neue Mandantin der Meisterdetektivs ein. Mary Sutherland ist auf der verzweifelten Suche nach ihrem Verlobten, der am Tag ihrer Hochzeit aus seiner Kutsche verschwunden ist. Von ihrem herrischen Stiefvater und ihrer Mutter bekommt sie keine Unterstützung bei der Suche, und so ist Sherlock ihre letzte Hoffnung...

Titania Medien geht bei ihrer Serie über Sherlock Holmes weiter streng chronologisch in der Veröffentlichung von Arthur Conan Doyle vor, sodass als 14. Folge „Eine Frage der Identität“ erschienen ist. Besonders gefällt, dass eine leichte Rahmenhandlung in die Serie eingebaut wurde, die die Beziehung zwischen Holmes und Watson thematisiert, in anderen Produktionen ist dies oft nicht erwähnt worden. Der Fall an sich beginnt wieder auf die gewohnt charmante Weise, in der der Meisterdetektiv durch scheinbar unwichtige Details viel über seine neue Mandantin herausfindet. Die Geschichte an sich wird durch die Erzählungen von Mary begonnen, unterbrochen von einigen Nachfragen und Kommentaren des Ermittlergespanns. Dies nimmt einen großen Teil der Folge ein, und auch danach geht es sehr ruhig weiter, und doch (oder gerade deswegen?) liegt eine sehr spannende Episode vor. Viele Szenen, die in der Vergangenheit lagen, wurden als Dialoge erzählt, sodass dennoch eine sehr dynamische Stimmung entsteht. Schnell rätselt man mit, wie alles zusammenhängt, setzt die einzelnen Teile zusammen, doch Holmes scheint einem immer einen Schritt voraus zu sein. Selbst wenn man den Fall schon kennt, ist diese Umsetzung durch ihre atmosphärische Ausstrahlung und die sehr ruhige Erzählweise äußerst gelungen.

Auch die Sprecher machen ihre Sache ganz hervorragend, durch sie entstehen starke, einprägsame Charaktere. Solveig Duda ist mit ihrer zarten, verletzlichen Stimme als Mary Sutherland zu hören, ihr heller Klang passt wunderbar zu der Rolle. Johannes Steck ist wunderbar als ihr Stiefvater Mr. Windibank, der mit harter, schmieriger Stimme spricht und die verschiedenen Szenen sehr gekonnt umsetzt. Mrs. Windibank wird von Kathrin Ackermann gesprochen, die sich hinter diesen beiden hervorragenden Umsetzungen nicht zu verstecken braucht. Neben einer kleinen Nebenrolle von Manfred Lehmann besteht die sonstige Besetzung lediglich aus dem Hauptcast aus Joachim Tennstedt, Detlef Bierstedt und Regina Lemnitz.

Ganz wunderbar ist die akustische Umsetzung, die deutlich atmosphärischer ist als bei anderen Serien, mit einigen sehr passenden Musikstücken arbeitet, durch Geräusche gezielt Akzente setzt oder geflüsterte Worte sehr stimmungsvoll einbindet. So entsteht eine sehr dichte Atmosphäre, die die Geschichte sehr gut unterstützt und sich wohltuend von in die Gehörgänge schmiegt.

Die anfängliche Szene mit Mary Sutherland, die Sherlock Holmes und Dr. Watson von ihrer mysteriösen Geschichte berichtet, ist auch auf dem Cover zu sehen. Mit vielen Details, aufwändigen Kostümen und dem Sinn für eine sehr stimmungsvolle Optik hat Erugrul Edirne eine lebendig wirkende Szene gestellt. Ergänzt um den schlichten, aber wirkungsvollen Rahmen ist ein ansprechendes Cover entstanden.

Fazit: Die hervorragende Umsetzung des Falles mit einer sehr stimmigen Atmosphäre, dazu eine lebendige Erzählweise, die viele Rückblicke einbaut und zahlreiche rätselhafte Details offenbart, bis zur Auflösung spannend umgesetzt – so entsteht eine sehr gelungene Folge der Serie.

VÖ: 16.September 2014
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5030-8


Sherlock Holmes – 13. Der Bund der Rotschöpfe



Erster Eindruck: Weiterer Klassiker aus der Sammlung von Arthur Conan Doyle

Jabez Wilson, dessen Pfandleihe mehr schlecht als recht läuft, wird durch eine Zeitungsannonce auf ein lukratives Jobangebot aufmerksam. Lediglich vier Stunden am Tag muss er Einträge aus einem Lexikon abschreiben, hat aber ansonsten nur die Verpflichtung, die Büroräume nicht zu verlassen. Zunächst denkt er sich nichts dabei und freut sich über den hohen Nebenverdienst, doch als ihm Zweifel kommen schaltet er den Meisterdetektiv Sherlock Holmes ein...

Als dreizehnte Folge der Sherlock Holmes-Geschichten aus dem Hause Titania Medien haben sich Stephan Bosenius und Marc Gruppe eine der beliebtesten Erzählungen aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle ausgesucht: „Der Bund der Rotschöpfe“. Der Aufbau der Handlung ist dabei schon klassisch zu nennen, nach einer kurzen Kostprobe des Könnens von Sherlock Holmes - er analysiert eindrucksvoll diverse Details aus dem Leben seines neuen Auftraggebers – schildert Jabez Wilson den Fall. Seine liebevolle Naivität und Gutgläubigkeit macht dem Hörer schnell klar, dass bei der Sache etwas nicht stimmen kann und hat auch gleich einen Verdacht, wer der Übeltäter sein könnte – und liegt dabei goldrichtig. Doch wie sich dies alles zusammensetzt, finden Sherlock Holmes und Dr. Watson erst langsam im Verlauf der Handlung heraus, die überaus kurzweilig erzählt wurde und immer wieder neue Anhaltspunkte für die Lösung bietet. Die Überführung des Täters ist spannend in Szene gesetzt und führt alle losen Enden der Handlung geschickt zusammen. Dabei muss auch ein großes Lob an die Umsetzung des Labels geschehen, die die Handlung sanft auf etwa eine Stunde Laufzeit gekürzt und zahlreiche gelungene Elemente eingebaut haben. So entstand ein wirklich hörenswertes Hörspiel, dass mich wegen des sehr flüssigen Verlaufs begeistern konnte.

Jabez Wilson, der gutgläubige Rotschopf, wird von Guido Hoegel gesprochen, der seinem Charakter eine ordentliche Portion Kauzigkeit verleiht und den Fall sehr charmant schildern kann. Tobias Lelle spricht seinen Assistenten Vincent, der seine Figur markant und in den passenden Szenen mit Nachdruck umgesetzt hat. Hans Bayer ist als Inspector Jones zu hören, der in der letzten Szene mit seiner ausdrucksstarken Stimme und dem auffälligen Atmen für Aufmerksamkeit sorgt. Natürlich ist auch das Stammtrio aus Joachim Tennstedt, Detlef Bierstedt und Regina Lemnitz mit dabei.

Die szenische Gestaltung des Hörspiels ist erneut äußerst gut produziert worden und kann eine sehr eingängige Stimmung für die unterschiedlichen Szenen schaffen. Die Musik ist sanft eingebaut und beeinflusst die Atmosphäre aus dem Hintergrund, setzt manchmal leise Akzente anstatt vordergründig und drängend zu sein. Das lenkt den Fokus auf die Dialoge, was bestens zu den Geschichten um Holmes passt.

Eine Szene aus dem Hörspiel wird auf dem Cover dargestellt, das von Ertugrul Edine passend zu der Stimmung der Serie gezeichnet wurde. Jabez Wilson steht darauf vor der verschlossenen Tür zu seinem Büro, die wichtige Notiz, die er dort vorfindet, ist gut zu lesen. Der ansprechende Zeichenstil passt sehr gut zu dem schlichten Rahmen, der das Motiv einfasst. An der restlichen Gestaltung wurde nichts verändert.

Fazit: Von dem rätselhaften Ausgangspunkt, der von Jabez Wilson sehr unterhaltsam geschildert wurde, geht eine kurzweilige Geschichte aus, die immer mehr von den Hintergründen offenbart und langsam das Gesamtbild zusammenbaut. Im spannenden Finale entlädt sich dann die ausgebaute Stimmung, sodass eine sehr runde und gut erzählte Folge entstanden ist.

VÖ: 16.Mai 2014
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4971-5


Sherlock Holmes – 12. Ein Skandal in Böhmen



Erster Eindruck: Ebenbürtige Gegenspielerin für Holmes

Nach seiner Heirat ist Dr. Watson kein viel gesehener Gast mehr in der Baker Street. Doch nach einer zufälligen Begegnung mit Mrs. Hudson kehrt er bei seinem Freund Sherlock Holmes ein und wird gleich in einen neuen Fall hineingezogen: Ein Brief kündigt die Ankunft eines geheimnisvollen Besuchers an, den der Meisterdetektiv jedoch schnell identifizieren kann. Und er hat eine ungewöhnliche Bitte….

„Ein Skandal in Böhmen“ gehört zu den bekanntesten Erzählungen, die Sir Arthur Conan Doyle seiner Figur Sherlock Holmes auf den Leib geschneidert hat. In der Umsetzung von Titania Medien fällt auf, dass sich hier sehr eng an ebendiese Vorlage gehalten wird, beispielsweise wird Dr. Watsons Heirat hier nicht verschwiegen, sodass das Bild der ewigen Junggesellen nicht aufrechterhalten wird, und auch Holmes‘ Drogensucht wird hier ausführlich behandelt und nicht nur angedeutet. Der Einstieg in die Handlung ist sehr klassisch, nach der Begegnung mit Mrs. Hudson und einigen Sticheleien von Holmes trifft der Besucher ein und weiht das Gespann in die Rahmenbedingungen des Falles ein. Doch danach entwickelt die Handlung ganz eigene Elemente und geht insbesondere gegen Ende andere Wege als einige andere Fälle. Die Verkleidungskunst von Sherlock wird gefordert, ebenso sein detektivischer Scharfsinn, doch an seiner Gegenspielerin beißt er sich die Zähne aus. Sie scheint ihm immer einen halben Schritt voraus zu sein, und so kann der Fall auch nicht zur vollen Zufriedenheit gelöst werden. Das ist sehr kurzweilig und spannend erzählt, zumal auch der bissige Humor hier nicht zu kurz kommt. Das sehr gut geschriebene Dialogbuch mit dem flüssigen Verlauf kann vollkommen überzeugen und diese Umsetzung sehr gelungen wirken.

Hervorragend ist auch wieder die Besetzung der Sprecher. Pascal Breuer macht als unbekannter Besucher eine sehr gute Figur, mit Nachdruck und einem gelungenen Sprechrhythmus kann er die Figur sehr rund darstellen. Johannes Raspe spricht in einer Nebenrolle den Godfrey Norton, den er mit seiner volltönenden Stimme gekonnt in Szene setzt. Besonders gut gefallen hat mir jedoch Traudel Haas als Irene Adler, der Gegenspielerin dieser Geschichte. Mit einer sehr energischen und energiegeladenen Stimme kann sie ihr viele Facetten und zahlreiche Eigenschaften verleihen. Weitere Sprecher sind Tim Schwarzmaier, Liane Rudolph und Manfred Lehmann.

Dezent und unaufdringlich präsentiert sich auch hier wieder die akustische Gestaltung, die aber trotzdem ihre Wirkung nicht verfehlt und eine stimmige Atmosphäre schaffen kann. Dabei sind während der Szenenübergänge leise Melodien eingebaut worden, während die Dialoge durch passende und glaubhafte Geräusche untermalt werden. Dabei stehen die Gespräche der Protagonisten jedoch stets im Vordergrund.

Der Hintergrund des Cover ist reich verziert und zeigt das Zimmer des Meisterdetektivs, zahlreiche Details sind hier eingebaut worden, beispielsweise die Geige, die Holmes manchmal spielt. Das reichliche Zierwerk überdeckt aber nicht Holmes im Fokus des Bildes, der mit einer Lupe dem ihm überreichten Brief überprüft, während der geheimnisvolle Besucher im Sessel vor ihm nur halb von hinten zu sehen ist. Ein ansprechendes und gelungenes Cover.

Fazit: Die Geschichte wird hier sehr eingängig und lebendig umgesetzt, hält sich dabei nah an das Original und kann sowohl die spannende als auch die sarkastische Seite der Handlung betonen. Mit Irene Adler ist ein sehr gelungener Gegenspieler aufgetaucht, die jede Menge Würze mit einbringt und sehr eigenständige Elemente mit einbringt. Eine sehr gelungene Umsetzung!

VÖ: 15.April 2014
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4970-8


Sherlock Holmes – 11. Das Zeichen der Vier



Erster Eindruck: Geheimnisvolle Perlen und ein Blick in die Vergangenheit

Der Vater von Mary Morstan ist unter mysteriösen Umständen verschwunden, seitdem bekommt die junge Frau jährlich ein Paket mit einer wertvollen Perle. Als sie eines Tages eine weitere Nachricht von ihrem unbekannten Gönner bekommt und dieser sie zu einem Treffen auffordert, sucht Mary Hilfe bei Sherlock Holmes und seinem treuen Freund Dr. Watson, der der anmutigen Schönheit schnell verfallen ist…

Bei der Sherlock Holmes-Reihe von Titania Medien ist mit der elften Folge wieder ein Klassiker erschienen, der aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle stammt. „Das Zeichen der Vier“ ist zudem auch schon in den Anfängen des Labels in der Reihe „Krimi Klassiker“ erschienen, dort aber längst vergriffen. Die Geschichte um die rätselhaften Perlen wurde hierfür leicht überarbeitet und insbesondere mit neuer Musik versehen, dabei an akustisch an die neuen Folgen und den mittlerweile gestiegenen Produktionsstandart angepasst. Der Einstieg gerät mit der Schwärmerei von Dr. Watson recht launig, doch auch der Drogenkonsum des Meisterdetektivs, der in anderen Umsetzungen oft verschwiegen oder zumindest nicht so direkt angesprochen wird wie hier. Danach baut sich die Handlung langsam, aber stetig auf. Der erste Bericht von Mary Morstan gibt erste Hinweise, das Treffen mit dem geheimnisvollen Fremden gibt die Marschrichtung noch deutlich vor und enthüllt erste Hintergründe. Doch bis sich alles komplett aufgedröselt hat, vergehen über zwei Stunden, die sehr interessant und spannend aufbereitet wurden. Immer weitere Details werden dem Gesamtbild hinzugefügt, was eine klassische Krimistimmung ergibt. Interessante Figuren und geschliffene Dialoge runden diesen positiven Eindruck ab. Die Produktion ist sehr gelungen, sodass ein sehr rund wirkendes Gesamtbild entsteht.

Janina Sachau ist die Sprecherin, die die Rolle der Mary Morstan spricht und dabei nicht nur eine hohe Professionalität an den Tag legt, sondern auch die Figur sehr sympathisch und liebenswert darstellt. Besonders die kleinen, scheinbar unbewussten Flirts mit Watson werden durch Sachau gekonnt dargestellt. Detlef Bierstedt geht darauf ebenso gut ein, mit seinem lockeren, prägnanten Sprachstil lässt er neben den Dialogen auch die Erzählteile gekonnt wirken. Christian Rode, der in einer anderen Umsetzung des Stoffes die Hauptrolle gesprochen hat, ist hier als Inspector Jones zu hören und zeigt dabei seine Wandlungsfähigkeit, hier nimmt er sich mehr zurück und spricht auf einer eher sachlichen Ebene. Weitere Sprecher sind unter anderem Peer Augustinski, Jürg Löw und Heinz Ostermann.

Stephan Bosenius und Marc Gruppe haben wieder passende und stimmige Musik ausgewählt, die den typischen Stil des Labels unterstreicht und trotzdem eng auf diese Handlung angepasst ist. Es wird ein Klangteppich ausgerollt, der die Kulisse für die Dialoge darstellt, aber eher im Hintergrund bleibt und die Sprecher in den Vordergrund stellt. Auch die Geräusche sind vielfältig und gut eingefügt, ohne zu viel Raum einzunehmen.

Ein dunkler Rahmen umgibt das Titelmotiv zu dieser Folge, der zusätzlich noch einmal von einem goldenen Bilderrahmen umgeben scheint. Zu sehen sind Holmes und Watson, die in einer dunklen Nacht Fußabdrücke untersuchen. Die Szenerie wird von einer Laterne erleuchtet, was ein ansehnliches Wechselspiel von Licht und Schatten ergibt.

Fazit: Der klassische Holmes-Fall hat mit einer Länge von über 2 Stunden viel Raum sich zu entfalten und legt dabei auch auf Details großen Wert, ist dabei spannend und kurzweilig erzählt. Die Handlung entwickelt sich stetig weiter und fügt neue Informationen zum Gesamtbild hinzu. Durch die sehr gute Produktion und die hervorragenden Sprecher kommen auch die Figuren und die Dialoge bestens zur Geltung.

VÖ: 14.März 2014
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4969-2


Sherlock Holmes – 10. Der Vampir von Sussex u.a.



Erster Eindruck: Vier klassische Geschichten des Meisterdetektivs

Sherlock Holmes und Dr. Watson werden zu einem seltsamen Fall gerufen: Die neue Ehefrau des verwitweten Robert Ferguson scheint ihrem neugeborenen Kind das Blut auszusaugen. Ist sie wirklich ein Vampir? (Der Vampir von Sussex)
Kurz vor ihrer Hochzeit wird Julia Stoner tot von ihrer Zwillingsschwester aufgefunden. Mit ihren letzten Worten weist sie Helen auf das „gesprenkelte Band“ hin. Was hat das pfeifende Geräusch damit zu tun, das in der Todesnacht erklang? (Das gesprenkelte Band)
Lady Brackwell wird kurz vor ihrer Hochzeit von dem professionellen Verbrecher Charles Augustus Milverton erpresst. Holmes und Watson müssen zur Klärung des Falles selbst das Gesetz brechen… (Der Fall Milverton)
Eigentlich sollte Sherlock Holmes sich in seinem Urlaub gründlich erholen, doch als er von einem seltsamen Vorfall erfährt, ist sein Detektivsinn wieder geweckt: Nach einer langen Nacht sitzt eine Frau erstarrt und tot an einem Tisch, während ihre beide Brüder dem Wahnsinn verfallen sind… (Der Teufelsfuß)

In ihrer Serie über Sherlock Holmes haben Stefan Bosenius und Marc Gruppe bisher neu erdachte Fälle über den berühmtesten aller Meisterdetektive erzählt. Die zehnte Folge der Serie fällt aus diesem Schema und ist gleich in mehrfacher Hinsicht als klassisch zu bezeichnen: Einerseits werden hier vier der Originalgeschichten von Sir Arthur Conan Doyle erzählt, die lediglich als Hörspiel bearbeitet wurden. Andererseits wurden diese Episoden schon im Jahr 2005 vertont, damals noch in den „Krimi Klassikern“ des Labels. Da nun aber nach und nach weitere Originalwerke in die Serie aufgenommen werden sollen, ist diese Veröffentlichung der erste logische Schritt und dürfte insbesondere diejenigen erfreuen, die die Krimi Klassiker noch nicht kennen. Hier wurden vier sehr gelungene und vertrackte Fälle ausgewählt, die allesamt ihren eigenen Charme haben. In dreien von ihnen – Der Campir von Sussex, Das gesprenkelte Band und Der Teufelsfuß – werden scheinbar mysteriöse und unerklärliche Vorfälle in kleinlicher Detektivarbeit von Holmes aufgedeckt, der für alles eine sehr rationale Lösung findet. Hier geht es auch mal um menschliche Abgründe, insbesondere beim ersten Fall, was dem Hörer einige Gedankenanstöße liefert. Der Fall Milverton ist etwas anders gelagert, hat nicht diese mysteriöse Ausstrahlung, bringt Holmes aber auch in Gefahr und kann damit eine ähnlich packende Geschichte erzählen. Allen vier Geschichten ist die prägnante, auf das Wesentliche reduzierte Erzählstil, der sich nicht mit Nebensächlichkeiten aufhält und es so schafft, in 154 Minuten vier runde, spannende Fälle zu erzählen. Bleibt noch zu erwähnen dass man sich beim Label dazu entschlossen hat aus Ursprünglich zwei Einzel CDs nun eine Doppel CD zu machen und diese auch günstiger anzubieten.

Das wunderbare Gespann aus Detlef Bierstedt als Dr. Watson, der gleichzeitig Erzähler ist, und dem oft scharfzüngigen Joachim Tennstedt als Holme bildet auch hier wieder ein hervorragendes Gespann. Sie ergänzen sich sehr gut und spielen einander gekonnt die Bälle zu, treten deutlich in den Vordergrund ohne den Gegenpart zu überdecken. Auch die Nebenrollen sind hier gut besetzt, so ist beispielsweise Evelyn Maron als geheimnisvolle Isabelle Ferguson zu hören, die es weder Holmes noch dem Hörer allzu leicht macht, sie zu durchschauen. Arianne Borbach überzeugt als Helen Stoner mit ihrer sehr präsent wirkenden und markanten Stimme. Weitere Sprecher sind unter anderem Charles Rettinghaus, Heinz Ostermann und Christian Rode.

Die Aufnahmen aus dem Jahr 2005 wurden hier noch einmal überarbeitet. Zwar hat sich am Schnitt der Dialoge nichts geändert, dafür wurden neue Musikstücke eingefügt, die besser in das jetzige Konzept passen und insgesamt stimmiger und atmosphärischer wirken. Die Betonung liegt zwar auch hier wieder mehr auf den Dialogen, die leicht veränderten Nuancen wirken sich aber durchaus positiv aus.

Und natürlich wurde dem ganzen auch ein anderes, aufwändigeres Cover verliehen. In dem schlichten aber prägnanten Rahmen der Covergestaltung ist eine Szene aus der ersten Episode „Der Vampir von Sussex“ zu sehen. Isabelle Ferguson, die temperamentvolle und schwarzhaarige Sudamerikanerin hält hierauf ihr Baby über der Wiege und hat einen undeutbaren, aber sehr ernsten Blick. Die restliche Gestaltung ist schon von den restlichen Folgen bekannt.

Fazit: Vier klassische Detektivgeschichten von Sir Arthur Conan Doyle werden hier sehr gradlinig und ohne unnötige Nebenschauplätze erzählt. Die dabei entstandene Stimmung ist sehr atmosphärisch und rückt gern die mysteriöse Stimmung von drei der Geschichten in den Mittelpunkt. Bei dieser „Neuauflage“ wurden die Folgen neu Gemastert, Gemischt und zudem mit neuen Musikstücke unterlegt . So fügen sich die Folgen nun perfekt in die Serie ein.

VÖ: 22.November 2013
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4909-8


Sherlock Holmes – 9. Die Elfen von Cottingley



Erster Eindruck: Geistiger Vater zu Besuch

Die beiden Cousinen Elsie Wright und Frances Griffith sind trotz des Altersunterschieds von einigen Jahren sehr eng befreundet und verbringen ihre Zeit am liebsten am Flussufer. Da Elsies Mutter ihnen nicht glaubt, dass dort Elfen umherwandeln, nehmen sie ein Foto der ätherischen Wesen auf. Dieses bekommt Arthur Conan Doyle zu Gesicht und präsentiert es seinem alten Freund Dr. Watson und dem berühmten Detektiv Sherlock Holmes, um es auf Echtheit zu überprüfen…

Neben einigen anderen Labels hat auch Titania Medien momentan eine Sherlock Holmes-Reihe im Programm, in der dem berühmten Detektiv neue Fälle auf den Leib geschneidert werden. In der neunten Folge wird ein Experiment gewagt, das wirklich außergewöhnlich ist: Die beiden Romanfiguren Watson und Holmes treffen dabei auf ihren geistigen Vater und Schöpfer, Sir Arthur Conan Doyle persönlich. Er wird als alter Kriegskamerad von Watson vorgestellt, der die von Watson verfassten Geschichten veröffentlich und so einer breiten Masse zugänglich macht. Hier wurden durchaus gelungen einige Charaktereigenschaften der realen Figur eingebaut, die beweist, wie intensiv sich die Macher des Hörspiels mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Der Fall spielt nach einer kurzen Introszene, in der die beiden Cousinen vorgestellt werden, ausschließlich in den Gemächern des Meisterdetektivs, Szenen außerhalb kommen nicht vor, wie es auch in eingen der Originalgeschichten vorgekommen ist. Der Fall an sich startet recht interessant, da vom Hörer schnell die Existenz der Zauberwesen ausschließen kann, geht es hier eher darum, wie die beiden Mädchen einen klugen Kopf wie Arthur Conan Doyle zum Narren halten konnten. Die Auflösung des Ganzen ist dann nach den zahlreichen Gesprächen sehr ausführlich gehalten und bietet den einen oder anderen Aha-Effekt, der interessante Wendungen erlaubt. Bisher sicherlich die außergewöhnlichste Folge der Serie, die neue Wege beschreitet und neuen Elementen Platz macht. Eine pfiffige Idee , die neugierig macht.

Die Sprecher sind wieder sehr gut besetzt und spielen ihre Rollen sehr glaubwürdig. Sehr gut zusammen spielen Luisa Wietzorek und Maria Koschny als leicht aufgedrehte Cousinen Frances und Elsie, die mit ihrer spontanen und liebenswerten Art die beiden Mädchen gekonnt darstellen können. Elsies Mutter, Polly Wright, wird von Anita Lochner gesprochen, die hier einen recht harten Klang annimmt, ihre leicht raue, sich manchmal überschlagende Stimme passt gut zu der Rolle. Sir Arthur Conan Doyle wird von Sigmar Solbach gesprochen, der sich wunderbar in das Stammensemble einfügt und den beiden starken Stimmen – Joachim Tennstedt und Detlef Bierstedt - eine markante Modulation entgegensetzen kann.

Passend zu dem Elfenthema werden auch in der musikalischen Begleitung des Stückes sanftere, verspieltere Klänge eingesetzt als bisher gewohnt. Wieder wird dies mit einem klassischen Orchester umgesetzt und passend in die einzelnen Szenen eingebaut. So wirkt der recht lange Dialog in Sherlock Holmes‘ Zimmer deutlich aufgelockert, eine entspannte und leicht phantastische Stimmung entsteht.

Ebenso verträumt und romantisch wie die Träumereien der beiden Mädchen ist auch das Cover aus der Feder von Firuz Askin geflossen. Polly und Elsie sind darauf, wie sie von zahlreichen durchscheinenden Elfenwesen umschwirrt werden. Die Kleidung der Mädchen ist von reichlich Rüschen bedeckt und spielt damit auf die Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts an, in dem die Geschichten den Meisterdetektivs angesiedelt sind.

Fazit: Die Grundidee mit den Elfen ist gelungen und setzt, dadurch das hier eine historische Gesichte mit den fiktiven Doyle Figuren verwoben worden sind, andere Akzente als es in den Doyle Geschichten der Fall ist. Die hervorragenden Sprecher und die gute Inszenierung sind lobend zu erwähnen. Der Verlauf, die Dialoge und die facettenreiche Auflösung sind außergewöhnlich und gut durchdacht. Eine Folge die durch ihre Erzählweise punkten kann und dadurch ihren eigenen Charme entwickelt.

VÖ: 22.November 2013
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4818-3


Sherlock Holmes – 8. Walpurgisnacht



Erster Eindruck: Sein oder Nichtsein

Mary Anne Stirling, die Schauspiellehrerin von Meisterdetektiv Sherlock Holmes, tritt am Lyceum Theatre in London im Bühnenstück Faust zu sehen. Doch eine dramatische Reihe von Unglücksfällen während der Aufführungen versetzt die Schauspieler und Intendant Henry Irving in Angst und Schrecken - nun ist sogar eine der Hexen schwer verletzt worden. Natürlich wollen Holmes und Dr. Watson die Ereignisse aufklären…

Zu Anfang der „geheimen Fälle des Meisterdetektivs“, wie der Untertitel der Serie von Titania Medien zum berühmten Sherlock Holmes lautet, erklärt Dr. Watson, dass einige der Fälle des Meisterdetektivs auf Wunsch der Auftraggeber nicht der Öffentlichkeit preisgegeben wurden. Folge 8 präsentiert dazu ein interessantes Gedankenspiel und siedelt die fiktive Geschichte in dem äußerst realen Lyceum Theatre an, das von dem ebenso realen Henry Irving geführt wurde, der hier eine wichtige Rolle spielt. Die Verknüpfung von Realität und Fiktion ist sehr gut in Szene gesetzt worden, hier wird ein interessanter Fall um gefährliche Ereignisse auf der Theaterbühne gestrickt, der nicht gleich durchschaubar ist und mit interessanten Dialogen die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dabei sind auch zahlreiche Szenen aus dem Faust von Goethe zu hören, der gerade an Irvings Theater aufgeführt wird. Diese sind von den Sprechern sehr gut umgesetzt worden, hätten aber zugunsten der Dynamik des Hörspiel kürzer ausfallen können. Die Schlussszene, in der Mrs. Hudson aus ihrer längeren Abwesenheit zurückkehrt, ist wiederum sehr heiter gehalten. Wieder eine sehr gelungene Folge der Serie, die trotz vieler Neuerungen den Geist der alten Holmes-Geschichten bewahren kann.

Hörspiellegende Dagmar von Kurmin spricht hier die Rolle der Mary Anne Stirling und zeigt, dass sie nicht nur in Hörspielrollen glänzen kann, sondern auch die Szenen aus dem Faust mit viel Leidenschaft und Talent darbietet. Friedrich Georg Beckhaus ist als Henry Irving zu hören, den man den strengen Intendanten absolut abnimmt und der standfest in seiner Rolle steht. Die interessante Rolle des jungen Bram Stoker, der mit Irving befreundet ist, wird von Kaspar Eichel gesprochen, auch er kann voll überzeugen. Weitere Sprecher sind Wolfgang Pampel, Kristine Walther und David Nathan.

Im Gegensatz zu den anderen Serien von Titania Medien ist hier die Ausstattung mit Musik und Geräuschen recht zurückgefahren, kann aber immer noch mit atmosphärischen Stücken und eindringlichen Momenten punkten. So sind gerade die Szenenübergänge sehr stimmig gehalten, aber auch die Bühnenaufführungen sind aufwändig und eindringlich wie gewohnt umgesetzt.

Das Titelbild ist sehr passend und kann die Lust auf das Hörspiel wecken. Zu sehen ist das Plakat zu der Theateraufführung, auf der Henry Irving in dramatischer Pose in rotem Anzug steht. Ein scharfer Dolch steckt darin und hält den Drohbrief fest, der auch im Hörspiel eine Rolle spielt. Die restliche Aufmachung ist bereits bekannt und enthält einige Zeichnungen, die Holmes und Watson zeigen.

Fazit: Faust und Henry Irving als Aufhänger, dazu eine spannende Geschichte mit einigen dramatischen Momenten und einer gut erzählten Auflösung – das ist moderne und gut gemachte Krimiunterhaltung.

VÖ: 17.Mai 2013
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4817-6


Sherlock Holmes – 7. Der Smaragd des Todes



Erster Eindruck: Schüsse auf die schöne Inderin

Mrs. Hudson musste für einige Tage verreisen, als Vertretung hat sie ihre Cousine Margery in die Bakerstreet geschickt, um Sherlock Holmes und Dr. Watson den Haushalt zu führen. Um der aufdringlichen Person zu entgehen, flüchten die beiden Männer in die Vorstellung der indischen Schönheit Tahi Swawi. Doch plötzlich fallen Schüsse – was hat der wertvolle Stein damit zu tun, den Tahi vor kurzem in eines ihrer Kostüme integriert hat?

Neben Sherlock Holmes und Dr. Watson haben sich Marc Gruppe und Stephan Bosenius dazu entschlossen, eine weitere Figur in den Mittelpunkt zu stellen und immer wieder in die Handlungen ihrer neuen Fälle des Meisterdetektivs zu integrieren: Die Haushälterin Mrs. Hudson. In Folge 7 der Serie kommt diese aber kaum vor, nur in einem kleinen Brief, der ihre Abwesenheit erklärt, ist ihre Stimme zu hören. Und so wird nach einer kleinen Introszene, in der Tahi Swawi vorgestellt wird, viel Zeit darauf verwendet, die neue Grundsituation mit Margery Mapleton zu erklären und zahlreiche heitere Momente zu diesem Thema einzubauen – was insgesamt sehr unterhaltsam ist und die Figuren noch mehr in den Mittelpunkt stellt. Erst nach etwa der Hälfte geht es dann richtig mit dem Fall los, der natürlich von dem scharfsinnigen Verstand von Sherlock Holmes geprägt ist. In einigen langen Dialogen kommt er der Tat langsam auf die Spur und scheint nicht den anderen Personen, sondern auch seinen Zuhörern immer einen Schritt voraus zu sein – wie es in den ursprünglichen Geschichten auch schon immer war. Das Ganze ist spannend erzählt, gut durchdacht und birgt einige Überraschungen. Eine sehr gelungene Folge, die erst die Figuren und dann den Fall in den Vordergrund stellt.

Sabine Jaeger ist hier als Tahi Swawi zu hören, sie verleiht der indischen Frau je nach Situation etwas Geheimnisvolles oder Nahbares verleiht, aber immer sehr sympathisch wirkt, sodass man mit ihr mitfiebert. Uwe Büschken spricht Prinzipal mit seiner einprägsamen und ausdrucksstarken Stimme, er fügt sich sehr gut in die Atmosphäre der Serie ein. Sehr gut gefallen hat mir Philine Peters-Arnolds als Margery Mapleton, die mit ihrer aufgekratzen und etwas überheblichen Art einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Weitere Sprecher sind Joachim Tennstedt, Detlef Bierstedt und Tayfun Bademsoy.

Titania Medien ist bekannt für seine dichten Atmosphären, die ihre Produktionen prägen. Auch hier wurde eine dichte Stimmung geschaffen, doch hier gibt es zahlreiche Momente, in denen „nur“ die Dialoge zu hören sind, sich alles auf die Sprecher konzentriert. Musik wurde eher als Szenenübergang eingesetzt, ist dann aber sehr stimmungsvoll gehalten. Geräusche sind passend eingefügt und gestalten die Szenen lebendiger.

Hübsch gelungen ist auch das Cover, auf dem die indische Schönheit Tahi Swawi in einem ihrer aufwändigen Kostüme zu sehen ist – natürlich samt dem wertvollen Smaragd des Todes auf ihrer Stirn. Im Hintergrund ist ebenfalls auf ihre orientalischen Auftritte mit Figuren und Säulen angespielt, während ein düsterer Mann mit Zylinder eher unauffällig bleibt – ganz so, wie im Hörspiel beschrieben.

Fazit: Mrs. Husons fehlen wird hier groß thematisiert, was dem Hörer die beiden Hauptfiguren noch näher bringt, während der eigentliche Fall mit Scharfsinn erzählt wird und mit spannenden Dialogen gut unterhalten kann.

VÖ: 17.Mai 2013
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4722-3


Sherlock Holmes – 6. Spurlos verschwunden



Erster Eindruck: Krimi-Drama mit heftigem Thema

Fanny Ross, die Cousine von Mrs. Hudson, tritt mit einem brisanten Fall an Sherlock Holmes und seinen Freund Dr. Watson heran. Eine Bekannte hat in großer Not ihr Neugeborenes zur Adoption freigegeben, doch kann die Adoptivmutter ihr bei einem Besuch nicht mehr das richtige Kind präsentieren. Sofort machen sich die beiden Detektive an die Ermittlungen und müssen auch ungewöhnliche Wege gehen, um der Sache auf die Spur zu kommen…

Im Intro zu jeder der neuen Sherlock Holmes-Folgen spricht Dr. Watson von den Gründen, warum diese Fälle bisher nicht der Öffentlichkeit bekannt waren: Sie sind zu brisant. Dies kann man vom sechsten Fall der Titania-Serie auch mit Fug und Recht behaupten, denn hier geht es um ein wirklich hartes Thema: Kindsentführungen, Menschenhandel, Zwangsadoption – besonders im späteren Verlauf gibt es dann auch einige Szenen, die richtig heftig sind und starke Emotionen mit sich bringen. Die Einbettung reeller Tatsachen, zum Beispiel von widersinnigen Gesetzen, ist dabei sehr gelungen und verleiht der Geschichte einen glaubhaften Hintergrund. Der Verlauf der Handlung ist spannend, auch wenn die Täterin von Anfang an offensichtlich preisgegeben wird. Hier kommt es mehr auf das Wie an, auf die Charakterstruktur der herzlosen Frau sowie das Mitfiebern mit der Auftraggeberin von Sherlock Holmes. Das am Ende dann eine derart intensive Auflösung erfolgt, kommt zwar nicht unerwartet, verfehlt seine Wirkung aber deswegen keinesfalls. Schön übrigens, dass selbst bei diesem sehr ernsten Thema einige heitere Szenen nicht fehlen dürfen sowie auch das tolle Detektivgespann noch weiter charakterisiert wird. Eine nachdrückliche Folge mit sehr ernstem Hintergrund, gut erzählt und mit grandiosen Sprecher in Szene gesetzt.

Sonja Deutsch spricht in dieser Folge die Amelia Dyer und hat damit die Rolle der kaltherzigen Übeltäterin übernommen. Ihre dunkle Stimme versieht sie mit einer harten Aussprache, kann aber auch die vorgespielte Freundlichkeit der alten Dame vortrefflich zeigen. Eine sehr intensive und eindringliche Interpretation. Ihre Tochter Polly wird von Reinhilt Schneider gesprochen, die alle Fröhlichkeit und Leichtigkeit aus ihrer Stimme verbannt hat und hier mal ganz anders klingt als gewohnt. Zu Beginn gibt es in einer heiteren Szene Anna Griesebach als Fanny Ross zu hören, die aufgedrehte Cousine vom Mrs. Hudson bekommt durch sie viel Pfiff verliehen. Weitere Sprecher sind Jessy Rameik, Henri Farber und Regina Lemnitz.

Wie gewohnt kann man hier wieder einem dichten Klangteppich lauschen, der sich dicht um die Handlung legt und so das typische Titania-Feeling verbreitet, das zu dem momentan besten Produktionen gehört. Die Ausgewählten Musikstücke sind eingängig und sehr passen zur Handlung ausgewählt, werden durch vielfältige und glaubwürdige Geräusche ergänzt, ohne jemals von den Dialogen abzulenken.

Das Cover zeigt einen erschreckten Zeitungsjungen, wie er in einer der ersten Szenen vorkommt, auf den der unheilvolle Schatten einen Mannes geworfen wird. Das hat nur bedingt mit der Folge zu tun, thematisiert aber immerhin das Thema Kindsentführung und gibt uns einen Eindruck vom London der damaligen Tage. Die übrigen Illustrationen sind schon von den anderen Folgen bekannt.

Fazit: Das Thema wird hier sehr ernst und eindringlich umgesetzt, die Ermittlungsarbeit tritt dabei ein wenig in den Hintergrund. Eine intensive und sehr gelungene Folge.

VÖ: 16. November 2012
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4721-6


Sherlock Holmes – 5. Die Affenfrau



Erster Eindruck: Ermittlungen auf dem Jahrmarkt

Eine seltsame Schar steht eines Tages vor der Tür von Sherlock Holmes und jagt Mrs. Hudson einen gehörigen Schreck ein. Sie stammen aus einer Kuriositätenshow des Rummels, der momentan in London gastiert. Doch ihr Besuch hat einen sehr ernsten Hintergrund: Die bekannte Affenfrau wurde entführt und bedroht den Erfolg der nächsten Shows...

Nachdem von der neuen Krimiserie um Sherlock Holmes zu Beginn gleich drei Folgen veröffentlicht wurden, folgen auf den nächsten Schlag wieder zwei neue Geschichten um den wohl berühmtesten Privatdetektiv aus London. Nummer fünf mit dem Titel „Die Affenfrau“ findet in einem recht ungewöhnlichen Ambiente statt, die Charaktere der „Freakshow“ geben eine sehr interessante Würze. Und das schon gleich am Anfang, als die Kuriositäten auf dem Rummel angepriesen werden, dass man sich sie sehr genau bildlich vorstellen kann. So geht es gleich stimmungsvoll los, und kurz darauf ist man schon mitten im Fall und darf die Zeit kurz nach der Entführung erleben anstatt sie, wie so oft, nur erzählt zu bekommen. Und auch danach geht es erst einmal recht schwungvoll weiter mit einer kurzen Szene um Holmes und Watson, die wieder sehr bezeichnend für deren Beziehung ist, bevor die außergewöhnlichen Charaktere wieder ihre ganz eigene Würze mit einbringen und so immer wieder für sehr gelungene Unterhaltung sorgen. Auch ist diese Folge nicht so vorhersehbar wie ihr Vorgänger, erst im späteren Verlauf kann man den Täter erahnen – und selbst da ist noch nicht alles aufgeklärt, eine Überraschung wird bis ganz zum Schluss aufgespart. Geschickt hat Autor Marc Gruppe hier eine Fährte gelegt, die er am Ende gut auskostet, die Spannung wird also auch über die Aufklärung der Tat aufrecht erhalten. Ein nettes Gimmcik: Toby, der Hund, der auch schon in einer der Originalgeschichten auftaucht, findet auch hier wieder seine Rolle. Die sehr präzise Übernahme der Hauptfiguren von den Vorlagen, die wunderbare Grundidee der Folge, die viele Spielereien zulässt, sowie die gut aufgebaute Geschichte lassen „Die Affenfrau“ zu einer der bisher besten Folgen der noch recht jungen Serie werden.

Nicodemus, ein Kleinwüchsiger, der Sherlock Holmes um Hilfe bittet, wird von Dirk Petrick gesprochen. Er klingt durchweg glaubwürdig und passt auch stimmlich gut zu dieser Rolle, mit seiner anfänglichen Rede sorgt er gleich zu Beginn für die richtige Atmosphäre und lässt die Jahrmarkt-Stimmung gut auf den Hörer wirken. Wie schon in „Die Maske des roten Todes“ aus dem Gruselkabinett spricht Daniela Reidies hier ebenfalls eine Kleinwüchsige, ihre sehr helle und klare Stimme setzt sie geschickt ein und klingt dabei sehr durchsetzungsfähig. Susanne Trempler ist als Zenora Pastrana ebenso gut besetzt, auch sie findet sich hörbar schnell in die Rolle ein. Weitere Sprecher sind Matthias Keller, Susanne Uhlen und Hildegard Meier.

Wie immer trägt auch die akustische Untermalung wesentlich zum Gelingen der Produktion bei. Hier wird nicht allzu viel Musik eingesetzt, die Dialoge bleiben zum größten Teil für sich stehen. Bei den Szenenübergängen und an einigen wichtigen Passagen sorgt sie aber für eine sehr angenehme Atmosphäre. Auch mit Geräuschen wird nicht allzu viel, dafür umso präziser gearbeitet: Wieder hat Titania Medien den Nagel auf den Kopf getroffen.

Interessant ist hier die Covergestaltung: Während dieses mal der Hintergrund, der eine Jahrmarktszene zeigt, hell beleuchtet ist, sind die Figuren im Vordergrund im Schatten und nur schwer zu erkennen. Die gerade entführte Affenfrau gibt dabei einen guten Eindruck von der Kuriositätenshow, ist aber ebenfalls in bunten Farben und hell gestaltet, sodass sie ein wenig fehl am Platze wirkt.

Fazit: Eine sehr gute Grundlage wird stimmig und spannend erzählt, sogar eine kleine Überraschung für den Schluss wird bereit gehalten. Eine richtig guter neuer Fall für den Meisterdetektiv.

VÖ: 18.Mai 2012
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4643-1


Sherlock Holmes – 4. Der Engel von Hampstead



Erster Eindruck: Merkwürdige Todesfälle und eine Schwärmerei

Sibyl Price ist verzweifelt, immer wieder sterben ihr nahe stehende Angehörige und Freunde. Als ihre Haushälterin und deren Tochter von einem schlimmen Fieber dahingerafft wurden, sucht sie den Rat des bekanntes Privatdetektivs Sherlock Holmes. Dr. Watson ist gleich bezaubert von der charmanten Art ihrer Auftraggeberin, doch Sherlock Holmes betrachtet die Sache skeptischer...

Seit einiger Zeit wird wieder eine Krimiserie von Titania Medien produziert und veröffentlicht, sie benutzt die bekannten Figuren von Sir Arthur Conan Doyle und seinen Geschichten um Sherlock Holmes, setzt aber neue Fälle des Privatdetektivs um, die meist ausführlicher sind als die eigentlichen Vorlagen. Auch „Der Engel vom Hampstead“ ist mit fast 75 Minuten kein kurzes Hörspiel, Langeweile kommt aufgrund der flüssigen Erzählweise und den sehr gut inszenierten Charakteren trotzdem nicht auf. Doch diese Folge besitzt ein Manko, das den weiteren Verlauf doch trübt: Schon gleich zu Beginn wird ein recht offensichtlicher Hinweis auf den Täter der Folge gestreut. So wird eigentlich fast jedem klar sein, wie die Geschichte enden wird, nur einige Details sind – aus Sicht des Hörers – noch zu klären. Holmes und Watson ermitteln sich aber ziemlich ausführlich durch das Umfeld von Sibyl Price, was recht unterhaltsam ist, aber aufgrund des klaren Ausgangs der Geschichte auch um einige Minuten hätte gekürzt werden können. Die Auflösung bringt dann ein wenig Fahrt in die Handlung, da einige Personen unerwartet handeln und wir in die seelischen Abgründe des Täters blicken dürfen. Was bietet aber ein Krimi, der durchschaubar ist und so jede Menge Spannung nimmt? Hier hätte man vielleicht noch eine kleine Wendung am Schluss einbauen können.

Regina Lemnitz kommt hier als Mrs. Hudson eine größere Rolle zu. Ihre unverkennbare Stimme passt wunderbar zu der energischen Haushälterin, ihre Eigenheiten kommen sehr gut zur Geltung. Anja Kruse legt als Sibyl Price einen verdammt guten Auftritt hin und kann die Spannung ihrer Figur die ganze Zeit halten – schön, dass Marc Gruppe und Stephan Bosenius sie für ihre Hörspiele entdeckt haben! Marcel Colle kommt als Vermieter Colin Foster eine etwas kleinere Rolle zu, die aber ebenso markant umgesetzt wurde. Joachim Tennstedt, Detlef Bierstedt und Uli Krohm sind ebenfalls zu hören.

Für die akustische Untermalung wurden wieder Musikstücke herangezogen, die nicht eigens für die Serie komponiert wurden. Dies merkt man auch im direkten Vergleich zu so produzierten Hörspielen nicht, so geschickt wurden die Melodien zusammengestellt und auf die Handlung angepasst. Auch die eingefügten Geräusche sind wie immer passend eingebaut.

Das Titelbild stammt von dem mittlerweile leider verstorbenen Firuz Askin und greift viele Aspekte des viktorianischen Zeitalters auf, sei es aufgrund von Kleidung, Architektur oder der Kutsche. Das melancholische Gesicht von Sibyl Price kommt dabei gut zur Geltung und vom Drumherum nur geschmückt, nicht überdeckt. Die restliche Aufmachung ist dabei ebenso stimmig.

Fazit: Eine durchaus interessante Folge mit gutem Ansatz, aber leider ist nach 10 Minuten klar wer hier für die gehäuften Todesfälle verantwortlich ist. Hier hätte man einige kluge Wendungen einbauen können.

VÖ: 18.Mai 2012
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4527-4


Sherlock Holmes – 3. Das entwendete Fallbeil



Erster Eindruck: Kopfloses Durcheinander

Das bekannte Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds, mittlerweile von ihrem Nachfahren John geführt, sucht die Hilfe von Sherlock Holmes, um einen Diebstahl diskret aufklären zu können. Das Fallbeil, mit dem einst Marie Antoinette enthauptet wurde, ist in einer Nacht gestohlen worden. Zunächst vermutet der Privatdetektiv den Täter unter den entlassenen Mitarbeitern des Museums...

Wie der erste Teil der noch recht jugendlichen Sherlock Holmes-Serie von Titania Medien spielt die dritte Folge mit bekannten Thema und bringt auch historische Fakten mit in die fiktive Handlung ein – dieses mal wird gerade zu Beginn auf die Geschichte des berühmten Wachsfigurenkabinetts von Madame Tussauds eingegangen, das sich auch heute noch großer Beliebtheit erfreut. Dieses einbringen von zahlreichen Fakten wirkt etwas gezwungen, was dem späteren spannenden Verlauf jedoch keinen Abbruch tut. Bei den Ermittlungen ist der Meisterdetektiv voll in seinem Element, und hier kann tatsächlich stark an die Vorlagen von Sir Athur Conan Doyle erinnert werden. Wissenschaftliche Analysen und scharfe Beobachtungsgabe führen Holmes und Watson langsam auf die richtig Spur, was sehr unterhaltsam dargestellt ist. Als Hörer rätselt man begeistert mit und hat selbst den einen oder anderen Verdachtsmoment – bis man einen großen Wissensvorsprung vor den Protagonisten erhält und schon einige Kapitel vor Schluss die eigentliche Lösung präsentiert bekommt. Schade, denn hier fällt die Spannung stark ab, das Unbekannte weicht aus der Folge und macht einer zwar kurzweilig erzählten, aber eben nicht mehr spannenden Schlusssequenz Platz. Hier hätte man mehr herausholen können, zumal das schlichte Weglassen eben jeder Szene definitiv noch mehr Verwirrung beim Hörer gestiftet hätte. Die ungewohnt gewalttätige Darstellung ist aber ein gelungener und unerwarteter Schockmoment. Lange Zeit kommt hier wirklich neben der tollen Atmosphäre der Gedanke an die klassischen Geschichten auf, bis diese leider doch noch einknickt.

Till Endemann spricht die Rolle des John Tussaud und prägt das Bild des gradlinigen Charakters mit einer präzisen Aussprache und einer glaubhaften Anpassung an die jeweiligen Umstände. Auch Marie Koschny macht eine gute Figur als Ellen Tussaud, die mal emotional gefühlvoll, mal sachlich und etwas kühl einen gelungenen Wandel vollzieht. Auch Michael Pan kann als Edward White überzeugen, seine prägnante Stimme sorgt auch hier wieder für einen hohen Wiedererkennungswert. Weitere Sprecher sind Simon Jäger, Axel Lutter und Christian Stark.

Passend zu den neuen, von Marc Gruppe verfassten Geschichten bekommt Sherlock Holmes auch akustisch ein neues Gewand geschneidert, das ihm sehr gut steht. Wie vom Label gewohnt geht es hier recht atmosphärisch zu, was insbesondere durch den Einsatz von zahlreichen Musikstücken erzielt wird. Dennoch drängen sich die Melodien hier keineswegs auf, sondern beeinflussen die Stimmung dezent aus dem Hintergrund.

Auf dem Cover, das wie immer von Firuz Askin stammt, ist Marie Antoinette zu sehen, das besagte entwendete Fallbeil ziert den Hintergrund. Wieder wurde hier eine hübsche Stimmung erzeugt, während der schlichte schwarze Rahmen und der unaufdringliche Schriftzug eher Sachlichkeit vermittelt. Die restliche Illustrationen auf CD und Booklet sind bekannt, aber auch hier hübsch anzusehen.

Fazit: Eigentlich ein typischer Sherlock Holmes-Fall, bis der Hörer durch eine zusätzliche Szene und nicht durch Holmes' Schlussfolgerungen den Täter präsentiert bekommt. Trotzdem gute Krimiunterhaltung.

VÖ: 11.November 2011
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4526-7


 Sherlock Holmes – 2. Spuk im Pfarrhaus



Erster Eindruck: Geist oder Gaunerei?

Reverend Bull sucht die Hilfe des bekannten Detektivs Sherlock Holmes und seines Freundes Dr. Watson. Sein Anwesen, das ehemals ein Kloster beherbergt hat, wird von einer geisterhaften Nonne heimgesucht. Nicht nur, dass die Töchter des Gottesmannes die Gestalt fürchten, sein Ansehen in der Gemeinde droht zu schwinden. Doch anfangs tappt der Meisterdetektiv im Dunkeln...

„Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs“ - so lautet der Untertitel der neuen Serie aus der Schmiede von Titania Medien, die neue Geschichten um Sherlock Holmes erzählt und zum Start gleich zwei Folgen veröffentlicht hat. Wie oft bei den Originalvorlagen von Sir Arthur Conan Doyle ist bei der Nummer 2 „Spuk im Pfarrhaus“ eine merkwürdige Erscheinung der Ausgangspunkt, die schon in der stimmungsvollen und sogar etwas gruseligen Introszene eingeführt wird. Das anschließende Gespräch mit dem Reverend klärt wichtige Fakten, doch danach dauert es ein wenig, bis die Geschichte richtig in Fahrt kommt. Nach der Ankunft auf dem alten Anwesen schließt Holmes erst einmal etliche mögliche Tathergänge aus, was deutlich Zeit einnimmt. Das ist durchaus unterhaltsam und macht Spaß, richtig gut wird die Folge aber erst ab dem Moment, an dem auch der Hörer eine Ahnung hat, was hinter dem Spuk stecken könnte. Diese Spur erweist sich dann auch als richtig und fast möchte man ein wenig denken „Hab ich's doch gewusst“ - bis dann am Ende in einer grandiosen Kehrtwende alles einen überraschenden Verlauf findet und den Hörer erstaunt zurücklässt. Der Ermittlungen liegen hier näher an der Vorlage als der erste Teil, dennoch wurden auch hier wieder eigene Wege eingeschlagen, was sich auch an dem emotionalen Ende ablesen lässt. Eine Folge, die richtig Spaß macht und an einigen Stellen richtig Spannung bietet.

Die Auswahl der Sprecher ist wieder mehr als geglückt, allesamt sorgen sie für ungetrübten und eingängigen Hörgenuss. Als Dr. Watson ist ist Detlef Bierstedt zu hören, mit viel Feingefühl und Gespür für das richtige Timing lässt er den stetigen Begleiter sehr lebendig und liebenswert erscheinen. Holmes Haushälterin Mrs. Hudson wird von der wunderbaren Regina Lemnitz gesprochen, ihr resoluter Unterton und die kräftige Stimme prägen so diese wunderbare Nebenrolle. Lutz Riedel spricht in dieser Folge den Reverend Bull, wieder beweist er seine Wandlungsfähigkeit und kann eine weitere Facette seines Könnens darbieten. Marianne Groß, Tobias Nath und Sarah Riedel sind ebenfalls zu hören.

Titania Medien hat hier einen gelungenen Kompromiss zwischen der eher nüchternen Stimmung in Sir Arthur Conan Doyles Vorlagen und ihren atmosphärischen Produktionen gefunden. So wirkt zwar alles sehr stimmungsvoll und fließend, behält aber immer noch den rationalen Charakter von Holmes bei.

Die geisterhafte Nonne wurde auf dem Cover gekonnt in Szene gesetzt: Im typischen romantischen Stil des Labels streift sie mit trauriger Miene über den Garten des Anwesens, das sich im Hintergrund düster empor erhebt. Der Rahmen der Serie ist in schlicht schwarz, die Ränder wie bei einem Gemälde mit goldenem Rahmen ausgeschmückt.

Fazit: Recht nah an den Originalen, mit einer interessanten Wendung am Ende und der typischen Titania-Atmosphäre.

VÖ: 14.Oktober 2011
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4525-0


Sherlock Holmes – 1. Im Schatten des Rippers



Erster Eindruck: Neue Fälle für den Meisterdetektiv

Seit sein Freund und Partner Dr. Watson geheiratet hat und ausgezogen ist, versinkt Sherlock Holmes in seinem Selbstmitleid. Erst als er erfährt, dass Watson in einem pikanten Fall verdächtigt wird, findet er zu alter Stärke zurück. Und das muss er auch, denn er hat nun einen ebenso gefährlichen wie unberechenbaren Gegner: Jack, the Ripper...

Nach wie vor ist Sherlock Holmes eine der bekanntesten und beliebtesten Figuren – doch der Vorrat an Geschichten ist begrenzt und geht irgendwann zu Neige. Und so liegt es nahe, dem genialen Meisterdetektiv neue Fälle auf den Leib zu schneidern und so für weiteren Stoff zu sorgen. So hat nun Marc Gruppe von Titania Medien zu Stift und Papier gegriffen und dann zusammen mit Stephan Bosenius die entsprechenden Hörspiele produziert, das erste Ergebnis trägt den Namen „Im Schatten des Rippers“ und verbindet die Geschichten um Sherlock Holmes mit dem realen Fall des Prostituiertenmörders. Die beiden Themen passen nicht nur sehr gut zueinander, sondern sind auch ebenso so geschickt miteinander verknüpft worden. Dabei weicht das Hörerlebnis schon von den originalen Geschichten ab, die scharfsinnige Ermittlungsweise wird hier zu einem erlebnisorientierten Handlungsverlauf. Sherlock wirkt nicht mehr wie ein Übermensch, die Lösung liegt auch für ihn nicht gleich auf der Hand – und gerade das macht diese Version menschlicher und zugänglicher, ermöglicht ganz andere Spannungsbögen. Auch die anfangs abgeänderte Ausgangssituation löst sich weiter von der Vorlage und schafft so etwas neues anstatt bloß zu kopieren. Überraschende Wendungen und Spannung bis zum Schluss mit einer tollen und unerwarteten Auflösung sind bei diesem mehr als nur gelungenen Experiment herausgekommen. Eine Übersetzung des bekannten Themas in die Sprache von Titania Medien, die eine klare Empfehlung wert ist.

Natürlich darf man sich auch hier wieder auf namhafte und beliebte Sprecher freuen, die passgenau zu ihren Rollen ausgewählt wurden. Als Sherlock Holmes ist Joachim Tennstedt zu hören, der den Charakter mit seiner ganz eigenen Herangehensweise ausstattet. Er klingt ein wenig emotionaler und kann viele Gefühlsregungen deutlich machen – beispielsweise der herrlich genervte Unterton in der Eingangsszene. Christian Stark spricht Inspektor Abberdine und kann mit seiner einprägsamen Stimme dem Charakter etwas eigenes verleihen. Axel Lutter ist als Ripper zu hören und sorgt für zahlreiche unheimliche Momente, spielt insbesondere mit seiner Lautstärke. Weitere Sprecher sind Marianne Groß, Hannes Maurer und Eva Michaelis.

Die musikalische Umsetzung der Geschichte ist wieder typisch für Titania Medien und nimmt einen direkt für sich ein. Atmosphärische Musik, die für zusätzliche spannungsgeladene oder unheimliche Stimmung sorgt, untermalt die Dialoge und sorgt für weiche Szenenwechsel. Alles rückt so eng zueinander und macht es leicht, sich in die Geschichte versinken zu lassen.

Das Cover stammt – wie sollte es anders sein – von Firuz Askin und zeigt eine dunkle Londoner Straße, die viktorianisch anmutenden Kleider der Prostituierten und Rippers langer Mantel sorgen für die nötige Stimmung. Auf der CD und der Rückseite des Boklets findet man zusätzlich Illustrationen von Sherlock Holmes und Dr. Watson, die der klassischen Vorstellung der beiden Charaktere entsprechen.

Fazit: Atmosphärisch, gut durchdacht und sehr spannend ermöglicht diese Produktion einen anderen Blickwinkel auf die bekannte Figur – für Krimifans ein Hochgenuss!

VÖ: 14.Oktober 2011
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4524-3