Insel-Krimi – 17. Vampire auf Amrum



Die Sommersaison ist vorbei, auf Amrum kehrt langsam Ruhe ein, auch auf der örtlichen Polizeistation herrscht gepflegte Langeweile – jedenfalls bis die beiden Polizisten Jan Boysen und Hauke Panten einen Anruf bekommen. Denn eine lange Blutspur am Strand sorgt für Aufsehen, noch ist nicht klar, wer diese dort hinterlassen hat – und vom wem das Blut stammt. Die Ermittlungen sind bald im vollen Gange, doch eine Leiche ist immer noch nicht aufgetaucht…

„Vampire auf Amrum“ – der Titel der 17. Episode von „Insel-Krimi“ aus dem Hause Contendo Media lässt zumindest einige übernatürliche Elemente vermuten, bleibt aber gänzlich auf dem Teppich und lässt auch die Ermittler nicht ernsthaft vermuten, dass tatsächlich blutsaugende Ungeheuer auf der nordfriesischen Insel ihr Unwesen treiben. Doch die merkwürdigen Vorkommnisse mit der Blutspur am Anlegesteg der Fähre werden noch weiter ausgeweitet, immer wieder kommt die Episode auf Blut in verschiedenen Varianten zurück. Doch die einzelnen Spannungsmomente hierzu liegen recht weit auseinander, die Erzählweise ist recht langsam und mit vielen langen Dialogen gespickt – und einige davon haben auch auf den zweiten Blick nur wenig mit der eigentlichen Handlung zu tun. Doch während genau dieser Effekt in einigen vorigen Episoden zu Langatmigkeit geführt hat, ist dies hier zu großen Teilen kurzweilig und unterhaltsam geraten – auch wegen der liebenswert verschrobenen Charaktere, die zwar teils etwas klischeehaft geraten sind, aber genau deswegen auch so viel Humor ausstrahlen. Gut gefällt mir auch, dass lange Zeit unbekannt ist, wohin sich der Fall entwickelt und dann eine stimmige Auflösung geboten wird, die vorher durch viele kleine Hinweise angedeutet wurde.

Robin Brosch ist als Hauke Panten einer der beiden Hauptsprecher und sorgt mit seiner freundlichen und zugänglichen Art für eine positive Grundstimmung, spricht dabei aber auch lebendig und geht so gut auf die verschiedenen Situationen ein. Ihm zur Seite steht Tom Steinbrecher, der ebenso locker und authentisch spricht, zumal der norddeutsche Dialekt stimmig und nicht aufgesetzt wirkt. Gut gefallen hat mir Katja Pilaski als Waltraud, die mit ihrer rauen Stimme und viel Energie in einer sehr prägnant wirkenden Szene überzeugt und sich immer weiter in die Szenerie hereinsteigert – sehr treffend und humorvoll, auch im weiteren Verlauf der Handlung. Weitere Sprecher sind Ekkehardt Belle, Sara Wegner und Armin Schlagwein.

Das maritime Flair der Serie wird insbesondere durch die musikalische Gestaltung erzeugt, in der immer wieder mit einem Akkordeon gearbeitet wird. Das erzeugt eine eher gemächliche Stimmung, ebenso wie die anderen Melodien, die auch eher fröhlich geraten sind, was die Atmosphäre der Episode weiter unterstreicht. Die Geräusche sind dezent, aber passend eingefügt, wobei verschiedene Kulissen für die Dialoge geschaffen werden.

Ein langer, mehrfach gebogener Steg, der sich vom dunklen, stürmischen Meer abhebt, während darüber ein wolkenverhangener Nachhimmel zu sehen ist – hübsch anzusehen, die beiden hell erleuchteten Löcher in der Wolkendecke, die an die Augen eines Menschen erinnern, spielen dabei auf den übernatürlichen Titel des Hörspiels an. Dass von dieser Stimmung nur wenig im Hörspiel zu bemerken ist, könnte durch das Cover gesetzte Erwartungen enttäuschen.

Fazit: „Vampire auf Amrum“ wird langsam erzählt, bietet aber mit den verschrobenen Charakteren und launigen Dialogen eine kurzweilige Atmosphäre. Gespickt mit viel Lokalkolorit und charmanten Einfällen ist eine hörenswerte Episode der Krimireihe entstanden, die wieder einmal an einer ganz neuen Szenerie ansetzt.

VÖ: 23. Juli 2021
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 9783967620177

Datenschutzerklärung