Midnight Tales – 29. Schatten der Vorahnung



Seit ihrem Umzug leidet die junge Studentin Jessica unter schrecklichen Albträumen, in denen ihre Freundinnen in der gemeinsamen Wohnung tot auffindet, voller Blut und mit Spiegelscherben in den Augen. In der Hoffnung auf Linderung sucht sie den Psychiater Dr. Silver auf, der ihr die Symbolik des Traums erklärt. Doch zunächst werden Jessicas Träume immer heftiger…

„Midnight Tales“, die noch recht junge Hörspielserie von Contendo Media, präsentiert in sich abgeschlossene Geschichten ohne Bezug zueinander, sodass immer wieder neue Figuren und Szenarien eingeführt werden. Aber auch in der Wahl des Genres und der Wirkung hat sich Produzent Christoph Piasecki viele Freiheiten gelassen, sodass die 29. Episode „Schatten der Vorahnung“ eine Reminiszenz an die alten Giallo-Filme der 70er Jahre aus Italien ist – und das bedeutet unter anderem, dass eine ziemlich blutige Szenerie aufgebaut wird. Ausgangspunkt sich die Gespräche zwischen Jessica und ihrem Psychiater, die sich zunächst um die blutigen Träume der jungen Frau drehen, aber natürlich auch immer mehr Zusammenhänge zu Jessicas Leben in der Frauen-WG erlauben. Immer enger werden die Zusammenhänge, immer grausamer die Träume, immer realer die Bedrohung, was sehr prägnant erzählt wurde. Dabei sind die genauen Hintergründe für den Hörer lange nicht bekannt, man hat aber Vorahnungen in verschiedene Richtungen, weiß irgendwann auch nicht mehr, wem man trauen kann und wem nicht. Das wird in knappen 40 Minuten sehr dicht erzählt, wobei sich die Spannung immer weiter aufbaut Die Auflösung des Ganzen wirkt dann etwas verworren und benötigt Aufmerksamkeit, erschließt sich dann aber zu einem düster-faszinierenden Gesamtbild.

In der Hauptrolle der Jessica ist Julia Casper zu hören, der ihre Figur facettenreich und vielseitig darstellt. Sowohl die aufkommende Angst und Panik wegen ihrer schrecklichen Träume als auch in der Interaktion mit ihren Freundinnen macht sie einen sehr überzeugenden Eindruck. Thomas Balou Martin bringt als Dr. Silver eine ruhige, sehr markante Art mit in die Handlung und überzeugt mit der sehr passenden und einfühlsamen Attitüde des Psychiaters. Die wundervolle Ilona Otto spricht Chris, eine Freundin von Jessica, wobei ihr selbstbewusstes Auftreten ebenso gut zur Geltung kommt wie der Schrecken, der in den Träumen von Jessica aufkommt. Weitere Sprecher sind Uta Dänekamp, Stefanie Schumann und Dirk Herdegen.

Die akustische Gestaltung ist recht vielseitig, auch die eher ruhigen Gespräche zwischen Jessica und Dr. Silver werden mit zunehmend unheimlich wirkenden Klängen unterlegt und bekommen so eine sehr intensive Stimmung. Auch die Traumsequenzen entfalten diese Wirkung, während die Szenen in der WG authentisch und passend mit Geräuschen unterlegt sind. Das passt alles gut zusammen und unterstützt die Geschichte in ihrer Wirkung.

Das Titelbild beeindruckt mit der stilisierten Darstellung eines Models in aufreizender Unterwäsche, die stranguliert und mit blutbespritztem Gesicht aus leeren, leuchtend weißen Augen zu starren scheint. Die düstere Farbgebung und die ungewöhnliche Darstellungsweise gefallen mit sehr gut, besonders die teils verwischten Konturen und die grobkörnige Zeichnung machen die interessante Optik aus.

Fazit: „Schatten der Vorahnung“ ist mit seinem psychologischen Anklang von Anfang an reizvoll aufgebaut, wobei sich die Spannung im Laufe der Zeit immer weiter zu steigern weiß. Es ist interessant, langsam die näheren Umstände zu erfahren und zu ahnen, wohin dies alles hinausläuft, wobei durchaus mehrere Ideen dazu aufkommen. Die blutigen Beschreibungen in den Traumsequenzen sorgen für einen intensiven Eindruck. Insgesamt eine sehr stimmige Episode der Serie.

VÖ: 30. Oktober 2020
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 978-3-96762-124-2

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