Midnight Tales – 33. Einsam an der Spitze



Als Tess ins Halbfinale einer Castingshow für Models einzieht, ist ihr ganzes Umfeld in Aufregung, besonders ihre Mutter will unbedingt dafür sorgen, dass ihre Tochter reich und berühmt wird. Doch auch räumlich und zeitlich weit entfernt bekommt Teza, eine Ureinwohnerin Südamerikas, wird wegen ihrer Schönheit in eine besondere Position gehoben und dafür auserwählt, mit den Göttern zu sprechen…

Zu Beginn des neuen Jahres 2021, dem zweiten Jahr des Bestehens von „Midnight Tales“, zeigt sich die Serie mal wieder von ihrer experimentierfreudigen Seite und präsentiert eben keine klassische Grusel- oder Horrorgeschichte mit stringentem Verlauf. Vielmehr ist die Geschichte zweigeteilt, enthält dabei jeweils eher Momentaufnahmen aus dem Leben zwei hübscher Mädchen, die zwar an Intensität zunehmen, aber eben keine fortlaufende Handlung im klassischen Sinn bilden. Tess wird dabei in unserer modernen Welt von ihrer Mutter zu einem Leben als bekanntes Model gedrängt und wird von ihrer zunehmend unter Druck gesetzt. Währenddessen ist Teza bei den Ureinwohnern Südamerikas als Repräsentantin einer Göttin ausgewählt und muss sich für diese Position in Perfektion üben und ebenfalls einiges Leid über sich ergehen lassen. Die Sprünge zwischen den beiden Handlungssträngen kommen unvermittelt und beinhalten dabei immer ähnliche Schritte in der Entwicklung, doch beide Mädchen gehen dabei völlig unterschiedlich mit der Situation um. Übernatürliche Elemente kommen dabei lediglich mit der Götterwelt in die Geschichte mit ein, ansonsten macht „Einsam an der Spitze“ einen sehr sozialkritischen Eindruck – und das hat mir sehr gut gefallen. Man kann sich sehr gut in die beiden Figuren hineinversetzen und ihren Weg mitgehen, die Emotionen der Figuren bekommen viel Aufmerksamkeit und wirken deswegen umso intensiver. Schön, dass hier mal wieder so sehr von den üblichen Schemata abweicht und eine ganz eigene Szenerie schafft, die dazu auch noch hörenswert umgesetzt wurden.

Luisa Wietzorek ist in dieser Episode in den beiden Hauptrollen der Tess und Teza zu hören und sorgt dabei für eine sehr ausdrucksstarke Wirkung der beiden jungen Frauen, deren Zusammenhang durch die gleiche Stimme natürlich sehr eng ist, dennoch verleiht sie beiden Figuren etwas Individuelles und Unverkennbares. Susanna Clasen spricht in beiden Teilen der Geschichte die Rolle der Mutter und trifft dabei den Kern der Figur, die Ambitionen und den Ehrgeiz sehr gut, wobei dies besonders in den monologischen Zwischensequenzen zur Geltung kommt. Auch die jeweils beste Freundin hat in Uta Dänekamp nur eine Sprecherin, die aber ebenfalls sehr gut in das Konzept passt und einen positiven Eindruck hinterlässt. Weitere Sprecher sind Matthias Keller und für Intro und Outro Peter Flechtner und Alex Bolte.

Akustisch wird die Wirkung der Episode sehr gekonnt umgesetzt und setzt mit zahlreichen passenden Elementen die Wirkung gekonnt um – und das immer stärker und intensiver. Musik mit Trommelgeräuschen, aber auch sphärisch-verstörende Klänge oder leise Hintergrundgeräusche werden gelungen zusammengefügt. Besonders gilt dies auch für die gesprochenen Zwischensequenzen der Mutter, die ihre Ambitionen gekonnt widerspiegeln.

Das Thema der Episode mit den beiden Frauen, die sich so ähnlich sind und doch so unterschiedlich ist, wird auf dem wie immer grobkörnigen Cover mit der individuellen Optik gekonnt dargestellt. Diagonal verläuft eine Trennlinie, auf jeder Seite ist eine der beiden Mädchen in typischer Pose zu sehen – und interessanteweise beide gesichtslos, was die Aussage der Handlung gekonnt unterstreicht. Ein sehr gelungenes Titelbild.

Fazit: „Einsam an der Spitze“ überrascht mit einer gänzlich ungewöhnlichen Geschichte, die zweigeteilt ist und zwei Mädchen in ähnlicher Position in zwei verschiedenen Zeiten zeigt. Schnelle Schnitte, ähnliche Verläufe, aber ganz unterschiedliche Ausgänge für die Schicksale sorgen für einen sehr markanten und gelungenen Eindruck, die sozialkritisch geprägte Aussage kommt dabei bestens zur Geltung – sehr hörenswert!

VÖ: 01.01.2021
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 978-3-96762-129-7

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