Die falsche Fährte - Ein Wallander-Hörspiel

Mörder ohne Gesicht - Ein Wallander-Hörspiel

Die weiße Löwin - Ein Wallander Hörspiel

Wallanders erster Fall - Ein Wallander-Hörspiel

Hunde von Riga - Ein Wallander-Hörspiel

Vor dem Frost - Ein Wallander-Hörspiel

Die Pyramide - Ein Wallander Hörspiel

Die Rückkehr des Tanzlehrers

Die Brandmauer - Ein Wallander-Hörspiel

Der Mann, der lächelte - Ein Wallander-Hörspiel

Mittsommermord - Ein Wallander-Hörspiel

Die fünfte Frau - Ein Wallander-Hörspiel

 


Die falsche Fährte - Ein Wallander-Hörspiel



Erster Eindruck: Wissensvorsprung für den Hörer

Im Sommer 1994 muss sich Kurt Wallander erneut einer brutalen Mordserie widmen. Eine junge, verbrannte Frau und der grausame Mord an einem ehemaligen Politiker sind nur die ersten beiden Fälle, die der Ermittler in einen Zusammenhang zu bringen weiß. Doch auch der Mörder schläft nicht und bereitet seine nächsten Taten vor...

Die Hörspielumsetzung des fünften Wallander-Romans "Die falsche Fährte" gehört zu den längsten der Reihe. Stolze 210 Minuten, verteilt auf 3 CDs warten darauf, vom Hörer beachtet zu werden und machen daraus kein Hörspiel für zwischendurch. Wer sich jedoch die Zeit nimmt, wird mit einem außergewöhnlichen Krimi belohnt, der jede einzelne Minute wert ist. Der Aufbau beginnt recht schnell mit dem Bekanntwerden des ersten Todesfalles, sofort ist man mitten im Geschehen. Auch der Zusammenhang mit den weiteren Morden, den Wallander schnell vermutet, gibt zusätzliche Würze und Tempo. Beachtlich ist aber besonders, dass mitten im Hörspiel die Identität des Mörders sowie seine weiteren Planungen bekannt werden, der Hörer also einen deutlichen Wissensvorsprung hat. Das führt aber keineswegs zu einer Minderung der Spannung. Im Gegenteil: Jetzt erscheinen Wallanders nächste Schritte wichtiger denn je, denn ausgeschaltet ist der Mörder noch lange nicht. Vielmehr ist es unglaublich interessant, Wallanders Schlussfolgerungen zu betrachten und sein Pochen auf jedes einzelne Beweisstück zu verfolgen. Das grundlegende Thema ist durchaus heikel und lässt erstaunlicherweise die Taten des Mörders nachvollziehbar werden. Eine hochspannender Krimi, ein dynamischer Verlauf, ein ungewöhnlicher Täter und ein brisantes Thema, "Die falsche Fährte" gehört zu den besten Wallander-Krimis.

In dieser Umsetzung des rbb spricht Hermann Beyer die Hauptrolle und kann mit immer leicht grantigen Unterton, ansonsten aber variabler Stimme den Kommissar sehr genau darstellen. Als Sjösten ist Otto Mellies zu hören, der mit einprägsamer Betonung eine intensive Darstellung abliefert. Jens Wawrczek beweist hier als Stefan sein Talent für ernste Rollen und kann seinem einzigartigen Klang eine weitere Facette abgewinnen. Weitere Sprecher sind Ulrike Krumbiegel, Christine Schorn und Nina Hoss.

Die Musik hält sich unter der Regie von Lutz Volke mehr im Hintergrund als in anderen Wallander-Hörspielen, trumpft an den richtigen Stellen jedoch auf und steigert die Spannung deutlich. Die Geräusche sind sehr passgenau eingefügt und machen das Hörspiel plastischer, ebenfalls ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

In dieser Neuauflage finden sich die drei CDs in einer breiten Plastikhülle, deren eine Seitenlasche schwarz, die andere jedoch rot ist. Stehen alle Wallander-Hörspiele der Auflage im Regal nebeneinander, ist dies sehr auffällig. Das Titelbild mit der Axt gefällt mir jedoch sehr gut und passt zu der Handlung.

Fazit: Ein sehr spannender Wallander-Krimi mit ungewöhnlichem Verlauf und packendem Thema. Krimifans sollten hier unbedingt reinhören

VÖ: Mai 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-597-5


Mörder ohne Gesicht - Ein Wallander-Hörspiel



Erster Eindruck: Ermittler mit Herz und Hirn

Ein in die Jahre gekommenes Bauernehepaar wird auf seinem Hof brutal ermordet. Kurt Wallander, ein Kommissar in der schwedischen Kleinstadt, ist für die Aufklärung zuständig. Doch vorerst muss er sich gegen einen gesteigerten Ausländerhass zur Wehr setzten, der durch diese brutale Tat ausgelöst wurde...

Kurt Wallander, schwedischer Kommissar mit gescheiterter Ehe, Problemen im Umgang mit Tochter Linda, Hang zu depressiven Stimmungen. Kein strahlender Romanheld, sondern ein bodenständiger Ermittler mit seinen Schwächen. Das alles hat Henning Mankell in seinen Bestsellerromanen über den schroffen Ermittler geschaffen, der erste Band "Mörder ohne Gesicht" wurde im Jahr 2002 von Simon Berteling und Christian Hagitte als Hörspiel vertont. Hier wird logischerweise viel Zeit für die Charakterbeschreibung investiert - was zwar auch in den anderen Fällen eine wichtige Rolle spielt, hier aber besonders bedeutsam ist. Das etwas komplizierte Wesen von Kurt Wallander wird sehr genau abgebildet und kommt in den meisten Szenen stark zum Vorschein. Dabei ist der Fall nicht lediglich ein simpler Krimi, vielmehr wird zudem Gesellschaftskritik geübt, die Ereignisse nach dem Mord spielen eine wichtige Rolle. Doch auch die Ermittlungsarbeit in dem Mordfall ist gelungen und spannend geschildert. Dass Wallander den Mord eher durch einen Zufall klären kann, der kaum etwas mit dem vorherigen Spannungsaufbau zu tun hat, mag nicht jedem hartgesottenen Krimifan gefallen, wirkt aber durchaus realistisch. Ein guter Auftakt der Reihe, aber bei weitem nicht das beste Wallander-Hörspiel.

Der wunderbare Heinz Kloss ist in dieser Umsetzung als Kurt Wallander zu hören und vollbringt es, den vielschichtigen Charakter sehr nahe an den Hörer zu bringen, ihn auf seine ganz eigene Art liebenswert zu machen. Nyström, ebenfalls bei der schwedischen Polizei, wird von Friedrich Schoenfelder gesprochen, der mit seiner sehr punktierten Aussprache für genügend Aufmerksamkeit sorgt. Als Erzähler ist Christoph Schobesberger zu hören, der mit seiner ruhigen Art seine Passagen sehr angenehm gestaltet. Weitere Sprecher sind unter anderem Peter Panhans, Angela Hobrig und Katrein Frenzel.

Die musikalische Begleitung der Geschichte ist sehr unterschiedlich und dynamisch. Mal ist kein Hintergrundgeräusch zu hören und die Sprecher stehen im alleinigen Mittelpunkt, in anderen Passagen schwingt sich die Musik zu opulenten Höhen auf und beeinflusst die Stimmung des Hörspiels wesentlich entscheidender.

Ein Mensch, am Rücken an den Händen gefesselt, ist das Titelmotiv zu diesem Hörspiel. Die rote Kleidung harmoniert dabei wunderbar mit den ebenfalls rot gesetzten Akzenten in der Aufmachung. Der schwarze Hintergrund wirkt dabei ebenso schlicht wie edel. Schön ist, dass schon eine erste Sprecherauswahl auf dem Cover zu finden ist.

Fazit: Ein Krimi mit viel Gesellschaftskritik und einem der glaubwürdigsten und interessantesten Ermittler.

VÖ: Mai 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-603-3


Die weiße Löwin - Ein Wallander Hörspiel



Erster Eindruck: Von Schweden nach Südafrika

Der Mord an einer jungen Immobilienmaklerin erschüttert die schwedische Kleinstadt Ystad. Doch für Kurt Wallander ist dies erst der Gipfel des Eisberges, der für ihn äußerst schwer zu durchschauen ist und ihn an seinem Verstand zweifeln lässt. Und ihn weit, weit weg führt - direkt nach Südafrika...

Mit "Die weiße Löwin" dürfen wir ein drittes mal Henning Mankells Kultermittler Kurt Wallander bei einem seiner Fälle begleiten, wie alle früheren Romane ist auch hier das Duo Hagitte/ Berteling für die Umsetzung verantwortlich. Es ist schon erstaunlich, wie gradlinig Mankell die Brücke von einem schwedischen Mord zu politischen Verwicklungen in Südafrika schlägt, wie stimmig sich die einzelnen und vielfältigen Themen zusammenfügen. Denn hier liegt wie auch schon bei den "Hunden von Riga" kein reiner Kriminalfall vor, politische Verwicklungen spielen eine ebenso große Rolle und lassen die Geschichte stellenweise eher wie einen Thriller klingen. Auch das Thema Rechtsextremismus spielt wieder eine Rolle und wird sehr organisch mit den anderen Vorfällen verbunden. Auch steht hier nicht Wallander allein im Vordergrund, des öfteren dürfen wir auch andere Charaktere begleiten. Besonders diese Trennung der Handlungsstränge, die sich zu einem hochspannenden Finale entwickeln, macht "Die weiße Löwin" zu einem äußerst hörenswerten Hörspiel und unterstreicht Mankells Erzählkunst. Ein außergewöhnlicher Wallander-Fall, der vielleicht nicht jeden überzeugen kann, bei mir ist der Funke aber schnell übergesprungen und hat so schnell nicht nachgelassen.

Peter Groeger ist in der wichtigen Rolle des Konovalenko zu hören und lässt seine sonst so warme Stimme hier ganz anders, härter klingen und sorgt so für stimmungsvolle Momente. Auch Heiko Pickowski kann mit markanter Aussprache seinen Charakter Victor Mabasha sehr gut darstellen. Erzähler Christoph Schobelsberger sorgt mit seiner angenehmen Stimme für gelungene Einstiege in die Szenen und kann auch hier die Spannung aufrecht erhalten. Weitere Sprecher sind Heinz Kloss, Dietmar Obst und Heide Simon.

Die Musik wurde wieder mit klassischen Instrumenten eingespielt und fein auf die jeweiligen Stimmungen und den Spannungsbogen zugeschnitten. So wird eine dichte Begleitung der Handlung geboten, die einen roten Faden bildet, ohne zu sehr in den Vordergrund zu treten. Die zweieinhalb Stunden Laufzeit vergehen so recht zügig.

Ein brennendes Haus - nicht nur ein Motiv aus dem Hörspiel, welches hier auf dem Cover zu sehen ist, sondern ein sehr atmosphärisches Cover, das vor dem schwarzen Hintergrund besonders gut zur Geltung kommt und perfekt mit der roten Schrift harmoniert. Sehr auffällig und trotzdem schlicht.

Fazit: Ein spannender Krimi-Thriller, der seinen Reiz aus den unterschiedlichen Blickwinkeln bekommt. Hervorragend erzählt!


Wallanders erster Fall - Ein Wallander-Hörspiel



Erster Eindruck: Es war einmal...

Kurt Wallander, Anfang zwanzig und kurz vor seiner Beförderung, die ihm vom tristen Alltag eines Streifenpolizisten erlösen soll, findet seinen Nachbarn tot in dessen Wohnung, erschossen mit der Waffe, die er selbst noch in der Hand hält. Für alle ist klar, dass es ein Selbstmord war - nur für Wallander nicht, der auf eigene Faust Ermittlungen anstellt...

Wie war eigentlich Kurt Wallanders Leben vor seinem Job als Kommissar bei der schwedischen Polizei? Wer sich diese und andere Fragen rund um Henning Mankells Kultfigur Kurt Wallander gestellt hat, ist mit dem Hörspiel "Wallanders erster Fall" bestens bedient. Christian Hagitte und Simon Berteling erzählen in etwa einer Stunde Laufzeit eine Geschichte, die uns einen jungen, noch recht unverbrauchten und nach mehr strebenden Wallander zeigt. Dieser neue Aspekt aus dem Leben des späteren Ermittlers komplettiert die Figur, immer tiefer dringt man in seine Lebensgeschichte und kann spätere Entwicklungen besser nachvollziehen. Auch der Fall an sich ist spannend wie immer, nur vielleicht etwas simpler aufgebaut als die späteren Romane. Nicht ganz so verzwickte Zusammenhänge, nicht allzu viele falsche Fährten auf dem Weg zur Auflösung. Trotzdem ein guter und interessanter Krminalfall, der sich zum Ende hin zu steigern weiß. Begeisterte Hörer der anderen Wallander-Vertonungen können beruhigt zugreifen und sich an der "jüngeren" Version erfreuen, Neueinsteigern würde ich jedoch zu einem anderen Fall raten.

Andreas Bisowski ist als Kurt Wallander zu hören und zeichnet den Weg zum eigensinnigen und zurückgezogenen Kommissar gut ab, indem er in Ansätzen genau diese Themen aufgreift. Hörspiellegende Jürgen Thormann spricht Hemberg, Wallanders Vorgesetzten, und kann seinen ganz eigenen Klang mit dem Charakter verschmelzen und gibt wie immer eine gute Darstellung ab. Die unverkennbare Stimme von Yara Blümel ist auch hier wieder in kleines Highlight. Weitere Sprecher sind unter anderem Luise Lunow, Jürgen Wolters und Peter Groeger.

Wie immer sehr gut in Szene gesetzt wird bei Christian Hagitte und Simon Berteling die Musik. Nicht eindeutig im Vordergrund nimmt sie gerade so viel Einfluss auf die Handlung, dass eine merkliche Spannungssteigerung spürbar ist. Keine unnötige Effekthascherei, sondern Konzentration auf Sprecher und Dialogen. Und das steht dem Hörspiel äußerst gut.

Auf einem dem Cover eines Kriminalhörspiels ein simples, blutbeschmiertes Messer zu präsentieren, ist ebenso einfach wie genial. Besonders vor dem rein-schwarzen Hintergrund verfehlt das Motiv seine Wirkung nicht. Wie alle CDs der Neuauflagen der Wallander-Krimis ist auch hier die Aufmachung nicht sonderlich aufwändig, aber vollkommen ausreichend.

Fazit: Interessant, diesen jungen Wallander zu erleben. Der Fall ist zwar etwas schlichter angelegt, aber immer noch sehr hörenswert.

VÖ: Mai 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-604-0


Hunde von Riga - Ein Wallander-Hörspiel



Erster Eindruck: Ein Schwede in Lettland

Der neue Auftrag für den Kommissaren Wallander führt ihn aus Schweden heraus nach Lettland, denn von dort wurden zwei Leichen in einem Schlauchboot an die schwedische Küste getrieben. Schnell wird er mit den unterschiedlichen Bedingungen in Riga konfrontiert, merkt jedoch erst spät, was für weitreichende Konsequenzen die Morde haben...

"Hunde von Riga" lautet der Titel des zweiten Wallander-Romans von Henning Mankell und genießt bei seinen Lesern einen zwiespältigen Ruf. Die einen mögen den Stil des Autors, seine Figur sehr lebendig wirken zu lassen und ihn mit einer großen Portion Menschlichkeit auszustatten. So hat er seine kleinen Fehler und Macken, äußerst nachvollziehbare Bedürfnisse und gewinnt somit an Liebenswürdigkeit. Auch das gewählte Thema stößt auf viel Gegenliebe - der politische Aufbruch Lettlands Anfang der 90er Jahre wird hier geradezu erlebbar und fängt viel von der damaligen Stimmung ein, womit ein Stück Zeitgeschichte erzählt wird. Doch der Fall, der darum gestrickt wurde, stößt bei einigen auf Kritik und wird als zu oberflächlich, zu unspannend beschrieben. Wie dem auch sei - die Umsetzung von dem Dreamteam der Hörspielsezne Christian Hagitte und Simon Berteling kann sich allemal hören lassen. Sowohl der Fall als auch die Charakterisierung wird gut untermalt und führt letztlich doch zu spannenden zwei Stunden Hörspiel, besonders die Anfangsszenen können hier überzeugen. Ich persönlich habe auch andere Geschichten um den sperrigen Kommissar als besser empfunden, kann aber auch "Hunde von Riga" viel abgewinnen.

Natürlich wurde viel Wert auf eine gelungene Sprecherauswahl gelegt, sodass sich nur eindringliche Stimmen um das Mikrofon versammelt haben. Till Hagen beispielsweise ist als Putnis zu hören und lässt immer etwas Geheimnisvolles in seinen Texten mitschwingen. Viola Morlinghaus spricht Baiba Liepa und kann mit ihrem Ausdruck und ihrer betonten, aber niemals übertriebenen Sprechweise sehr überzeugen. Peter Groeger als Murniers hat eine sehr eingängige Stimme, die gut zu dem Charakter passt. Weitere Sprecher sind Jürgen Wolters, Angela Hobrig und Heinz Kloss in der Titelrolle.

Wie immer bei den Umsetzungen von Stil dürfen wir klassische Instrumente erwarten, dieses mal aber auch so außergewöhnliche wie die Quena und die Singende Säge. So entsteht eine tolle Mischung aus Gewohntem und Neuem, was einen ganz besonderen Reiz entfaltet. Dass auch die Geräusche sehr gut und glaubwürdig eingefügt sind, muss kaum noch dazu erwähnt werden.

Die Mankell Hörspiel haben alle ein einheitliches Desing das setzt sich auch bei diese Folge fort. Eine Hand, die grauen Sand greift - das Titelbild ist wieder so schlicht wie ergreifend. Im Booklet bekommen wir einen kleinen Lebenslauf von Henning Mankell zu lesen, sowie Sprecherangaben und die Laufzeit der beiden einzelnen CD´s

Fazit: Die politischen Einflüsse und die beschriebene Aufbruchsstimmung, dazu ein sehr menschlicher Ermittler - auch der zweite Mankell-Roman kann in der Hörspielumsetzung überzeugen.

VÖ: 30. April 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-601-9


Vor dem Frost - Ein Wallander-Hörspiel



Erster Eindruck: Der Apfel und der Stamm...

Linda Wallanders Start ins Berufsleben als Polizistin gestaltet sich äußerst schwierig, nicht zuletzt weil ihr Vater Kurt immer wieder dazwischenfunkt. Zusammen ermitteln sie in einem Fall, in dem Tiere mit Benzin übergossen und angezündet werden. Als außerdem eine Frau bestialisch ermordet wird, sieht Linda einen Zusammenhang - im Gegensatz zum Kommissar...

Generationenwechsel bei Henning Mankell: Nach dem eigensinnigen und etwas sperrigen Kurt Wallander steht in dem Roman "Vor dem Frost" seine gefühlvollere Tochter Linda im Mittelpunkt - was nicht bedeutet, dass der Kommissar nicht eine sehr große Nebenrolle einnehmen würde. Durch den immer wieder aufkeimenden Vater-Tochter-Konflikt, in dem Linda um Anerkennung und Eigenständigkeit ringt, liegt die große Stärke der Erzählung, die von Sven Stricker genial umgesetzt wurde. Sowohl im Privaten wie auch im Beruflichen werden die beiden Charaktere dadurch hell beleuchtet und erstrahlen in all ihren Fehlern und Macken, aber auch in ihrer Liebenswürdigkeit. Dennoch sind einige wenige Längen in der Handlung auszumachen, die sich auf eben diese Szenen beziehen. Geglückt ist auch die Einführung von Stefan Lindmann, der bei "Die Rückkehr des Tanzlehrers" der ermittelnde Kommissar ist. Der Fall hinter dem Roman ist dabei sehr spannend gelungen und dreht sich rund um das Thema religiöser Fanatismus. Ein packender Aspekt, der besonders am Ende wunderbar zur Geltung kommt und den Hörer völlig gefangen hält. Ein Hörspiel, das sich deutlich von den anderen Wallander-Krimis unterscheidet, eine andere Atmosphäre hat, die genaue und umfangreiche Charakterisierung aber aufrecht erhält.

Ulrike C. Tscharre ist in dieser Vertonung als Linda Wallander zu hören und kann die gesamte Gefühlswelt ihres Charakters hörbar machen. Sie geht dabei eigene Wege und kann so den Stil des Hörspieles mitprägen. Axel Milberg spricht ihren Vater Kurt, der mit sehr prägnanter und bestimmender Art den übermächtigen Vater gut darzustellen vermag. Hier wurde sich für einen externen Erzähler entschieden, Andreas Fröhlich kann hier sein Gespür für Dramatik und einen ernsteren Grundton beweisen. Weitere der vielen hervorragenden Sprecher sind Traudel Sperber, Marc Degener und Eva Michaelis.

Die Musik setzt sich aus klassischen Instrumenten zusammen und kann so eine sehr dichte und stimmige Atmosphäre erzeugen. Sowohl die Reibereien zwischen Linda und Kurt Wallander als auch die spannenden Krimiszenen werden dabei intensiv in Szene gesetzt und erhalten eine ganz eigene Note, die sich von den anderen Wallander-Produktionen abzugrenzen vermag.

Auch hier diente das Titelbild des Buches als Covervorlage, die so sofort in Zusammenhang gebracht werden. Die geflügelte Frau steht wie ein alten Portrait vor schwarzem Hintergrund und wirkt sehr anmutig. Die Zusammengehörigkeit zu den Hörspielen mit Kurt Wallander wird auf den ersten Blick klar.

Fazit: Der spannende Fall mit höchst interessantem Thema sowie die glaubwürdigen Streiterein zwischen Vater und Tochter machen dieses Hörspiel aus - sehr zu empfehlen.

VÖ: 30. April 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-439-8


Die Pyramide - Ein Wallander Hörspiel



Erster Eindruck: Aus der Anfangszeit

An der schwedischen Küste nahe Ystad stürzt ein Flugzeug in ein Feld und brennt völlig aus. Die zwei Besitzerinnen eines Kurzwarenladens werden mit einem Genickschuss umgebracht. Zwei scheinbar voneinander unabhängige Fälle, aber Kurt Wallander bringt sie trotzdem in einen Zusammenhang. Dabei ist er doch mit seinem Privatleben genügend ausgelastet...

Die Figur des Kommissar Kurt Wallander, erschaffen vom schwedischen Autoren Henning Mankell, lebt zum großen Teil von ihrer Menschlichkeit, ihren Schwächen und ihrer Glaubwürdigkeit. Um dies zu unterstützen hat Mankell eine Sammlung von fünf Kurzgeschichten veröffentlicht, die noch vor der Zeit des ersten Romans spielen und Lücken aus dem Lebenslauf schließen sollen. Christian Hagitte und Simon Berteling haben sich im Jahr 2002 daran gemacht, eine dieser Geschichten zu vertonen, und so ist "Die Pyramide" entstanden. Wunderbar ist der Aufbau des Falles gelungen, der von verschiedenen Standpunkten ausgeht, sich immer wieder verzweigt und schließlich zu einem gemeinsamen Schlusspunkt führt. Dabei gefällt mit besonders der scheinbar fehlende Zusammenhang zwischen den einzelnen Taten, der sich im Laufe der Zeit lüftet und das Hörspiel spannend hält. 72 Minuten lang habe ich so gebannt dem Hörspiel gelauscht. Doch auch der "private" Teil von Wallander konnte mich hier überzeugen, mehrere Episoden mit Wallanders Vater können unterhalten und weitere Einblicke in den Charakter des späteren Kommissars geben. Eine spannende und unterhaltsame Angelegenheit mit einem packenden Ende - Krimiunterhaltung auf hohem Niveau.

Peter Groeger spricht den Vater von Kurt Wallander und übernimmt damit eine wichtige Rolle in dem Hörspiel. Seine sehr warme, eingängige Stimme wird hier um neue Facetten bereichert und kommt wunderbar zur Geltung. Till Hagens finsterer Klang, der immer einen leicht bedrohlichen Unterton hat, passt sehr gut zu seiner Rolle als Nyberg. Auch mit Sven Plate wurde ein Sprecher mit unverwechselbarem Grundton gewählt, als Nymann kann er vollkommen überzeugen. Weitere Sprecher sind Heinz Kloss, Katrein Frenzel und Mark Oliver Bögel.

Das Produzentenduo Christian Hagitte und Simon Berteling verspricht schon einen hohen musikalischen Anspruch. Und tatsächlich sind wieder klassische Instrumente zu hören, die der Handlung einen farbigen Anstrich verpassen und so lebendiger wirken. Leicht kann man sich in die dichten Klangbilder fallen lassen und sich so ganz der Geschichte hingeben.

Der Stil eines alten Gemäldes ist auch hier auf dem Cover zu finden. Vogel und Frau wirken sehr poetisch und werden durch den schwarzen Hintergrund stark in den Fokus gerückt. Die restliche Aufmachung ist eher ebenfalls schlicht in schwarz gehalten, ein Foto von Henning Mankell ziert die Rückseite.

Fazit: Der Rückblick in Wallanders Leben ist nicht nur interessant, sondern auch sehr spannend und gut umgesetzt.

VÖ: 30. April 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-599-9


Die Rückkehr des Tanzlehrers



Erster Eindruck: Blutige Schritte

Kommissar Stefan Lindman hat mit der Diagnose Zungenkrebs zu kämpfen. Doch lange Zeit hat er nicht, sich damit auseinanderzusetzen, denn sein ehemaliger Kollege Herbert Mollin wird ermordet zwischen Blutspuren in Form des Tango-Grundschrittes aufgefunden. Lindman muss tief nationalsozialistisches Gedankengut eintauchen, um den Mörder zu finden...

Fernab von seiner bekanntesten Figur Kurt Wallander hat Henning Mankell noch andere Romane und Figuren erschaffen. Einer seiner erfolgreichsten Romane trägt dabei den Titel "Die Rückkehr des Tanzlehrers" und wurde von Thomas Leutbach für den WDR vertont, der Hörverlag hat eine CD-Version des über 100-minütigen Werkes veröffentlicht. Und dieses steht den berühmten Wallander-Krimis keinesfalls nach, sondern strotzt gerade so vor Spannung. Die Aufbau ist großartig, nach dem kurzen Kennenlernen des Ermittlers mit der harten Diagnose Krebs und den damit einhergehenden Befürchtungen wird man mit dem Fund der Leiche mitten in die Geschichte geworfen, keine Schonung bei den brutalen Details. Die Recherchearbeit ist logisch aufgebaut und zeigt viele interessante Charaktere, alle mit ihren kleinen Abgründen - das Abtauchen in die nationalsozialistische Szene lässt einen fast den Atem stocken. Und immer wieder: Stefan Lindmans Charakter, der vorder- und hintergründig in die Handlung einspielt und sehr tiefgehend und umfassend beschrieben wird. Die Spannung steigert sich immer mehr bis zum packenden Finale, das man schon am Anfang kaum erwarten kann. Gänsehaut und bangen um die Figuren ist angesagt. Ein grandioses Hörspiel, bei dem man nicht mehr mit dem Hören stoppen kann.

Auch die Sprecher sind hevorragend, allen voran Christian Berkel als Stefan Lindman. Sehr zielsicher kann er alle Stimmungen, jede kleine Gefühlsregung des Kommissars auf den Hörer übertragen. Giuseppe, der Lindman bei den Recherchen unterstützt, wird von Andreas Fröhlich gesprochen, der sich in dieser Rolle hörbar entfalten kann und Spaß an dem düsteren Thema hat. Lena Stolze spricht Veronica und lässt dabei tiefe Einblicke in den gespielten Charakter zu. Weitere Sprecher sind Rosemarie Fendel, Dietrich Hollinderbäumer und Matthias Ponnier.

Durch die durchgehend intensive Atmosphäre wird die Spannung des Romanes nicht nur wiedergegeben, sondern zusätzlich gesteigert. Mit tragenden, düsteren Melodien und dynamischen Wechseln wird der Hörer gefesselt und kann leicht in die Geschichte versinken. Die Geräusche tragen ihren Teil zur Glaubwürdigkeit der Handlung bei.

Ein tanzendes Tangopaar ist als Silhouette vor einem großen Fenster zu sehen, die geschmückten Säulen ganz im Hintergrund wirken dabei ebenso stimmungsvoll wie das Cover selbst. Der typische rote Farbschwung der Mankell-Hörspiele ist auch hier wiederzufinden. Die restliche Aufmachung ist sehr schlicht und vornehmlich in schwarz gehalten.

Fazit: Ein geradezu geniales Hörspiel mit einer hochspannenden Vorlage und einer tollen Umsetzung. Zeit nehmen, denn vorzeitig unterbrechen will man hier keinesfalls!

VÖ: 30. April 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-440-4


Die Brandmauer - Ein Wallander-Hörspiel



Erster Eindruck: Hintergründe eines Mordes

Ein brutaler Mord erschüttert die schwedische Polizei: Zwei jugendliche Mädchen ermorden grausam einen Taxifahrer. Kurt Wallander, Leiter der Ermittlungen, muss einen Patzer nach dem anderen ausbügeln und kommt so kaum mit seinen Recherchen und Verhören hinterher. Besonders, als eine der Mädchen verschwindet - und an einem ungewöhnlichen Ort wieder auftaucht...

Ein nahezu depressiver und einzelgängerischer Kommissar - eine ungewöhnliche Hauptfigur hat sich Henning Mankell für seine Wallander-Romane geschaffen. Doch gerade dies macht seine Bücher so außergewöhnlich und gleichzeitig authentisch. In Wallanders achten Fall muss sich der von der Midlife-Crisis gebeutelte Mann immer wieder aus brenzligen Situationen kämpfen - seien es verpatzte Pressekonferenzen oder eine mediale Schlammschlacht. Diese Abstecher - leicht abseits des eigentlichen Falles - üben nicht nur einen unabsprechbaren Reiz aus, sondern tragen ebenfalls zur Glaubwürdigkeit bei, man hat das Gefühl, das komplette Leben Wallanders aus erster Hand mitzuerleben. Die Geschichte ist hochspannend und führt mit immer neuen Entwicklungen den Hörer mal in eine falsche Richtung, gibt dann wieder wichtige Hinweise und hält die fast dreistündige Inszenierung dabei unglaublich kurzweilig und unterhaltsam. Im Gegensatz zu anderen Wallander-Hörspielen ist hier ein externer Erzähler eingefügt, was geschicktere Formulierungen ermöglicht, ohne Tempo aus der Geschichte zu nehmen. Dass die Charakterdarstellung wieder hervorragend ist, muss kaum noch erwähnt werden. Für mich der bisher beste der Wallander-Romane, voller Spannung, Nebenschauplätze und nicht zuletzt versteckter Gesellschaftskritik.

Der Sprechercast bietet nicht allzu viele vertraute Namen, aber sehr prägnante und ausdrucksstarke Sprecher. Thomas B. Hoffmann ist als Martinsson zu hören, ein Kollege Wallanders, und kann mit präzisem Ausdruck und gut dargestellter Gefühlswelt überzeugen. Brunhilde Hansen spricht Lisa Holgersson und gibt ein sehr umfassendes Bild ihres Charakters ab. Der oben erwähnte Erzähler ist Christoph Schobesberger, seine einprägsame Stimme lässt mit viel Dynamik seine Parts alles andere als langwierig wirken. Weitere Sprecher sind unter anderem Till Hagen, Simone Grunert und Gesa Badenhorst.

Geschichte und Sprecher sind schon an sich hervorragend - gekrönt wird das Hörspiel aber durch die feinsinnige musikalische Untermalung. Klassische Instrumente schaffen großartige Atmosphären, mal leise und zurückhaltend, mal forsch nach vorn drängend, immer an die jeweilige Stimmung angepasst. Eine sehr intensive Unterstützung des Storyverlaufes.

Schlichtes Schwarz ist Hauptfarbe der Aufmachung, durchbrochen von roten Akzenten. Das Titelbild ist nicht nur mysteriös, sondern auch sehr passend gewählt und ansprechend. Das beiliegende Blatt mit den wichtigsten Informationen erfüllt durchaus seinen Zweck.

Fazit: Sehr nah an den Figuren wird eine hochspannende Ermittlungsarbeit erzählt, die auch andere Aspekte mit einbezieht. Großartiges Kopfkino!

VÖ: 30.Mai 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-596-8


Der Mann, der lächelte - Ein Wallander-Hörspiel



Erster Eindruck: Aufgeben oder Opfer bringen?

Wallanders Karriere bei der schwedischen Polizei steht kurz vor dem Ende, denn der erschöpfte Kommissar will sich aus dem Beruf zurückziehen. Doch der angebliche Unfalltod des Vaters eines Kollegen ändert seine Meinung, und schon ist er wieder mitten drin in einem Fall, der äußerst gefährlich für ihn wird...

Der vierte Wallander-Roman des schwedischen Top-Autoren Henning Mankell wurde von Christian Hagitte und Simon Berteling im Auftrag des Hörverlages produziert, die nun eine Neuauflage des Hörspiels von 2001 veröffentlichen. Mittlerweile ist das Produzentenduo zum Schwergewicht in der Hörspiellandschaft aufgestiegen, und bei diesem spannenden Kriminalfall zeigt sich der Grund. Schon dort haben sie es verstanden, die Geschichten mit unglaublicher Feinfühligkeit für die Personen zu erzählen und alles in einen festen Kokon aus Stimmungen zu verpacken. Natürlich ist auch die erzählte Geschichte hervorragend. Der nahe Bezug zu Wallander schafft eine gewisse intime Atmosphäre, kann wie nebenbei noch andere Abstecher machen und hat mich von Anfang bis Ende gepackt. Besonders lobenswert ist die liebevolle und detailreiche Darstellung der Charaktere, mehr als nur gelungen. Besonders Wallanders psychische Abgründe, am Anfang sehr intensiv dargestellt, sind außergewöhnlich und verleihen eine starke Glaubwürdigkeit. Ein wunderbares Hörspiel für einen gemütlichen Abend, so schnell wird es einen nicht mehr loslassen.

Mit dem anderen Produzenten kommen auch andere Sprecher. Heinz Kloss spricht in den Inszenierungen von Hagitte und Berteling den Kurt Wallander und bringt besonders seine düstere Seite am Anfang sehr gut zur Geltung, kann aber während der ganzen Geschichte punkten. Seine neue Kollegin Ann Britt Höglund wird hier von Franziska Hayner gesprochen, die mit klarer Stimme und glaubhafter Gefühlspalette überzeugen kann. Sten Torstensson, Sohn des Verstorbenen, ist von Daniel Czernov eingesprochen worden, der in seinen kurzen Passagen ebenfalls eine gute Leistung abliefert. Weitere Sprecher sind Dietmar Obst, Marc Oliver Bögel und Edelgard Hansen.

Auch hier zeigt sich welche Kraft und welche Energie in Hörspielmusik stecken kann. Mit klassischen Instrumenten ließen Christian Hagitte und Simon Berteling sehr weiche Klänge einspielen, die im Laufe der Zeit an Dramatik hinzugewinnen können. Eine nahezu perfekte Umsetzung des Stoffes ist so garantiert.

Für die günstigere Neuauflage wurde die Aufmachung verschlankt, ist aber immer noch schön anzusehen. Das Kreuz als Titelbild ist eher abstrakt und durchaus auffällig vor dem schwarzen Hintergrund. Schon auf dem Cover sind die beiden Regisseure und einige Sprecher aufgelistet, sodass man hiervon gleich einen Eindruck bekommt.

Fazit: Ein packender und überraschender Krimi mit einzigartigen Charakteren und einer wunderbaren Stimmung

VÖ: 30.Mai 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-595-1


Mittsommermord - Ein Wallander-Hörspiel



Erster Eindruck: Aus dem Leben eines Toten

Kurt Wallanders Kolege Svedberg wird mit zerschossenem Gesicht in seiner Wohnung aufgefunden. Der Kommissar ist ratlos, da Svedberg als solide, ja fast langweilig galt. Der Stein kommt erst ins Rollen, als auch die Leichen von drei ermordeten Jugendlichen aufgefunden werden und Wallander schnell eine Verbindung sieht...

Einige Krimis leben von dem zugrundeliegenden Mord. Andere von ihren interessanten und reizvollen Charakteren. Die Romane von Henning Mankell über Kurt Wallander leben von beidem. "Mittsommermord" wurde wie andere Romane des Autors als Hörspiel umgesetzt und ist nun wieder bei "Der Hörverlag" erhältlich - und man sollte es sich nicht entgehen lassen. Das vorangestellte Intro, das den Mord an den drei Jugendlichen zum Thema hat, eröffnet eine packende Story, die den Hörer wie den Ermittler gleichermaßen fordert und einen nicht mehr loslässt. Schon von der ersten Minute an ist man wie gebannt und kann die nächsten Informationen kaum erwarten, obwohl der Spannungsbogen steil nach oben geht, sodass man am Ende beinahe das Atmen vergisst. Das Besondere daran ist, dass die Ermittlungen herrlich unspektakulär ablaufen und nicht auf große Schockmomente oder um Achtung heischende Actionszenen gesetzt wird, sondern auf eine fortlaufende Geschichte, die mit Detailverliebtheit und Sinn für ihre Figuren sehr lebendig wirkt. Wunderbar erzählte Kriminalliteratur in einer mehr als würdigen Umsetzung, die rundum gelungen ist.

Wieder ist Ulrich Pleitgen als Kurt Wallander zu hören und gestaltet seine Figur mit viel Gefühl für seinen Charakter, sodass alles Abgewrackte, alles Tollpatschige, aber auch alles liebenswert Sympathische gezeigt wird. Christian Koerner spricht Wallanders Kollegen Martinsson mit ebensolcher Ernsthaftigkeit und ist fest in seiner Rolle verankert. Udo Schenk kann auch hier mit seiner außergewöhnlichen und einprägsamen Stimme punkten. Weitere Sprecher sind Dietrich Hollinderbäumer, Kathrin Bührung und Petra Redinger.

Die eingesetzte Musik ist vielseitig und perfekt auf die fast schon depressive Grundstimmung des Romans zugeschnitten. Man gerät in eine düstere Welt, die das Psychospiel des Massenmörders noch intensiver und greifbarer wirken lässt. Auch die Geräusche sind wunderbar eingefügt und können an den richtigen Stellen Akzente setzen.

Zur Zweitauflage des Hörspiels von 2001 ist die Aufmachung nicht nur abgespeckt, sondern auch verändert worden. So ist ein komplett neues, ebenfalls sehr passendes Titelmotiv gewählt worden, während das allgegenwärtige schwarz ebenso unaufgeregt ist wie die Story an sich.

Fazit: Eine packende Geschichte, die mit Erzählkunst zu überzeugen weiß und den Hörer in seinen Bann zieht.

VÖ: 30.Mai 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-602-6


Die fünfte Frau - Ein Wallander-Hörspiel



Erster Eindruck: Drei Morde für Wallander

Selbst Kommissar Kurt Wallander ist nicht unberührt, als er einen Hobbyornithologen grausamst ermordet auffindet. Sofort beginnt er, das Leben des Mannes zu erforschen und entdeckt erste Anhaltspunkte. Doch das war nicht die einzige Leiche...

Schwedens momentan erfolgreichster Export-Autor Henning Mankell hat mit seinen Büchern Kommissar Wallander längst Kultstatus erreicht. Das sieht auch der Hörverlag so und veröffentlicht seine Romane. die vom WDR produziert wurden. Der sechste Wallander-Krimi "Die fünfte Frau" stammt zwar schon aus den Jahr 1999, hat aber auch heute nichts von seiner Faszination verloren. Die brutalen Morde, die Wallander in der Geschichte beschäftigen, sind auch für den Hörer schockierend umgesetzt und bilden einen äußerst gelungenen Start in die Handlung. Und danach offenbart sich die ganze Stärke der Mankell-Romane: Eine drückende Stimmung, die sehr gut in Szene gesetzt wurde. Hochspannung, die einen nicht mehr loslässt. Und genau beschriebene Charaktere, glaubhaft, ernstzunehmen und einzigartig. Die Umsetzung von Hans Gerd Krogmann ist dabei ebenso hervorragend, düster und temporeich, und glücklicherweise nicht nur auf Schockmomente fixiert, stellt er auch die Charaktere in den Vordergrund und lässt uns an ihrer Gefühlswelt teilhaben. Ein sehr starker Wallander-Roman in einer ebenso packenden wie überzeugenden Hörspielbearbeitung.

Wunderbar sind die Sprecher, die ihre Charaktere völlig erfassen und ihnen eine ganz eigene Stimme geben können. Allen voran Ulrich Pleitgen mit seinem markanten Ton, immer leicht schroff, er kann sowohl die Dialoge als auch die Ich-Erzähler-Teile gekonnt und mit Feingefühl umsetzen. Anne Weber spricht ihren Charakter Ann Britt Höglund mit ebensolchem Sinn für das Detail und steht in Sachen Intensvität Pleitgen in nichts nach. Auch Matthias Ponnier kann als Tyren völlig überzeugen und steht fest in seiner Rolle. Weitere Sprecher sind Jürg Löw, Ute Rosenbauer und Ilse Strambowski.

Die Musik ist beeindruckend und sorgt für jede Menge düstere Stimmung. Warm und weich wird die Geschichte darin eingebettet und von ihr näher an den Hörer getragen. Sie stammt aus bereits existierenden Blues-Alben, wurde also nicht speziell für diese Produktion angefertigt, und wirkt vielleicht gerade deshalb so lebendig.

Ein zerbrochenes Kreuz ist der Blickfang auf dem Cover zu diesem Hörspiel. Es ist der neuen Taschenbuchauflage entnommen und passt wunderbar zu der Thematik. Die restliche Aufmachung ist eher schlicht, enthält aber einen ausführlichen Infotext über Henning Mankell.

Fazit: Eine sehr spannende Geschichte mit glaubhaften und interessanten Charakteren. So sieht gelungene Krimiunterhaltung aus.

VÖ: 30.Mai 2010
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-86717-598-2