Gruselkabinett – 123. Die Zeitmaschine

Gruselkabinett – 122. Die Insel des Dr. Moreau

Gruselkabinett – 120./121. Der Unsichtbare

Gruselkabinett – 118. / 119. 20.000 Meilen unter dem Meer

Gruselkabinett – 117. Ewige Jugend

Gruselkabinett – 116. Der schwarze Stein

Gruselkabinett – 114./115. Der Ruf des Cthulhu

Gruselkabinett – 113. War es eine Illusion?

Gruselkabinett – 112. Der Ebenholzrahmen

Gruselkabinett – 111. Die Grube und das Pendel

Gruselkabinett – 110. Der Drachenspiegel

Gruselkabinett – 109. Heimweh

Gruselkabinett – 108. Der Kapitän der Polestar

Gruselkabinett – Die H.P. Lovecraft-Box II

Gruselkabinett – 107. Der weiße Wolf von Kostopchin

Gruselkabinett – 106. Das Traktat Middoth

Gruselkabinett – 105. Mitternachtsweg

Gruselkabinett – 104. Allerseelen

Gruselkabinett – 103. Das ägyptische Parfüm

Gruselkabinett – 102. Mrs. Amworth

Gruselkabinett – 101. Verlorene Herzen

Gruselkabinett – 100. Träume im Hexenhaus

Gruselkabinett – 99. Die Toten sind unersättlich

Gruselkabinett – 98. Der Schimmelreiter

Gruselkabinett – 96. / 97. Madame Mandilips Puppen

Gruselkabinett – 95. Die Falle

Gruselkabinett – 94. Tobias Guarnerius

Gruselkabinett – 93. Das Haus der sieben Giebel

Gruselkabinett – 92. Zimmer 13

Gruselkabinett – 91. Mary Rose

Gruselkabinett – 90. Die Farbe aus dem All

Gruselkabinett – 89. Heimgekehrt

Gruselkabinett – 88. Die Affenpfote

Gruselkabinett – 87. Alraune

Gruselkabinett – 86. Die Kreatur

Gruselkabinett – 84./85. Die Katze und der Kanarienvogel

Gruselkabinett – 83. Heimgesucht

Gruselkabinett – 82. Der Zombie

Gruselkabinett – 80. / 81. Der Mönch

Gruselkabinett – 79. Lodoiska

Gruselkabinett – 78. Das Ding auf der Schwelle

Gruselkabinett – 77. Das Feuer von Asshurbanipal

Gruselkabinett – 76. Das Teufelsloch

Gruselkabinett – 75. Weiß

Gruselkabinett – 74. Die Macht der Dunkelheit

Gruselkabinett – 73. Das Grauen im Blue-John-Stollen

Gruselkabinett – 72. Markheim

Gruselkabinett – 71. Der Eschenbaum

Gruselkabinett – 70. Schwarze Krallen

Gruselkabinett – 69. Stimme in der Nacht

Gruselkabinett – 68. Die Legende von Sleepy Hollow

Gruselkabinett – 67. Der Schatten über Innsmouth -2-

Gruselkabinett – 66. Der Schatten über Innsmouth -1-

Gruselkabinett – 65. Gesellschafterin gesucht!

Gruselkabinett – 64. Der schreiende Schädel

Gruselkabinett – 63. Besessen

Gruselkabinett – 62. Rappaccinis Tochter

Gruselkabinett – 61. Der Ring des Thot

Gruselkabinett – 60. Der Grabhügel

Gruselkabinett – 59. Das violette Automobil

Gruselkabinett – 58. Pickmans Modell

Gruselkabinett – 57. Aylmer Vance – Neue Abenteuer eines Geistersehers -2-

Gruselkabinett – 56. Aylmer Vance – Neue Abenteuer eines Geistersehers -1-

Gruselkabinett – 55. Aylmer Vance – Abenteuer eines Geistersehers -2-

Gruselkabinett – 54. Aylmer Vance – Abenteuer eines Geistersehers -1-

Gruselkabinett – 53. Die Herrenlose

Gruselkabinett – 52. Tauben aus der Hölle

Gruselkabinett – 51. Die Mumie

Gruselkabinett – 50. Das Gespenst von Canterville

Gruselkabinett - 49. Der weiße Wolf

Gruselkabinett - 48. Die Squaw

Gruselkabinett - 47. Verhext

Gruselkabinett - 46. Die Maske des roten Todes

Gruselkabinett - 45. Berge des Wahnsinns -2-

Gruselkabinett - 44. Berge des Wahnsinns -1-

Gruselkabinett - 43. Das Haus des Richters

Gruselkabinett - 42. Der Sandmann

Gruselkabinett - 41. Northanger Abbey -2-

Gruselkabinett - 40. Northanger Abbey -1-

Gruselkabinett - 39. Der Tempel

Gruselkabinett - 38. Die Spinne

Gruselkabinett - 37. Das Bildnis des Dorian Gray -2-

Gruselkabinett - 36. Das Bildnis des Dorian Gray -1-

Gruselkabinett - 35. Das Schloss des weißen Lindwurms

Gruselkabinett - 34. Die obere Koje

Gruselkabinett - 33. Jagd der Vampire -2-

Gruselkabinett - 32. Jagd der Vampire -1-

Gruselkabinett - 31. Die Gespenster-Rikscha 

Gruselkabinett - 30. Der Vampir

Gruselkabinett - 29. Der Glöckner von Notre Dame - Teil 2

Gruselkabinett - 28. Der Glöckner von Notre Dame - Teil 1

Gruselkabinett - 27.Der Leichendieb

Gruselkabinett - 26. Die liebende Tote

Gruselkabinett - 25.Der Fall Charles Dexter Ward -2-

Gruselkabinett - 24.Der Fall Charles Dexter Ward -1-

Gruselkabinett - 23.Die Bilder der Ahnen

Gruselkabinett - 22.Der fliegende Holländer

Gruselkabinett - 21.Der Hexenfluch

Gruselkabinett - 20.Der Werwolf

Gruselkabinett - 19. Dracula -3-

Gruselkabinett - 18. Dracula -2-

Gruselkabinett - 17. Dracula -1-

Gruselkabinett - 16. Draculas Gast

Gruselkabinett - 15. Der Freischütz

Gruselkabinett - 14. Die Blutbaronin

Gruselkabinett - 13. Frankenstein -2-

Gruselkabinett - 12. Frankenstein -1-

Gruselkabinett - 11. Der Untergang des Hauses Usher- 10. Dr.Jekyll und Mr. Hyde

Grusekabinett - 10. Dr.Jekyll und Mr. Hyde

Gruselkabinett - 9. Spuk in Hill House -2-

Gruselkabinett - 8. Spuk in Hill House -1-

Gruselkabinett - 7. Die Totenbraut

Gruselkabinett - 6. Das verfluchte Haus

Gruselkabinett - 5. Die Unschuldsengel

Gruselkabinett - 3. Die Familie des Vampirs

Gruselkabinett - 2. Das Amulett der Mumie

Gruselkabinett - 1. Carmilla, der Vampir

Gruselkabinett – 123. Die Zeitmaschine



Erster Eindruck: Der Blick in die Zukunft

Bei einer wissenschaftlichen Diskussion zwischen drei befreundeten Forschern entbrennt eine Auseinandersetzung um die vierte Dimension, die Zeit. Dabei überrascht der Gastgeber seine Gäste, indem er ihnen von einer selbst gebauten Zeitmaschine erzählt. Zunächst wird noch an seinen Aussagen gezweifelt, doch dann beginnt der Zeitreisende von der weit entfernten Zukunft zu berichten...

Die Zeit von H.G. Wells ist beim Gruselkabinett gekommen, 2017 erscheinen gleich mehrere Geschichten des bekannten Science Fiction-Autors. „Die Zeitmaschine“ dürfte zu seinen bekanntesten Erzählungen zählen und ist als 123. Folge der Reihe vertont worden und ist lange Zeit recht verhalten. Das Intro ist recht lang und geprägt von vielen Diskussionen der drei Wissenschaftler, die die Handlung nur langsam voranbringen. Bis der Bericht von der Zeitreise beginnt, vergeht also etwas Zeit, und auch dann kommt die Handlung nicht richtig in Schwung, weil viel aus der Sicht des Zeitreisenden im Monolog erzählt wird. Die fremdartige Welt, in die er eintaucht, wird erst nach und nach richtig lebendig. Dann konnte mich die Erzählung aber auch völlig gefangen nehmen, wozu auch die faszinierende Weena beigetragen hat, die für den namenlosen Zeitreisenden schnell eine wichtige Bezugsperson wird. Nur langsam schleicht sich dann ein Gruselfaktor ein, indem die Schrecken der Welt und deren Hintergründe aufgedeckt werden. Ein recht kleiner Teil des Ganzen, der aber sehr gut gelungen und am Ende sehr spannend erzählt wird. Das Ende wird dann wieder recht ruhig und mit einigen fast schon philosophischen Gedanken erzählt, bleibt aber offen und lässt das Schicksal des Zeitreisenden offen, was zusätzlich zum Nachdenken anregt. Mir gefällt die Atmosphäre der Folge, auch wenn hier anfangs zu viel Zeit gebraucht wird, um auf den Kern der Geschichte zu kommen.

Vielleicht stellt sich bei dieser Folge eine bestimmte Frage noch etwas mehr: Was erwarte ich von einem Hörspiel? Zugegeben, wer puren Grusel erwartet, wird hier nicht fündig, und auch eine bis ins Detail vollständige Umsetzung von Buchvorlage oder Film ist hier nicht entstanden. In meinen Augen macht das aber gar nichts, da mir die Stimmung und die akustische Gestaltung sehr gut gefällt, die Sprecher sind richtig gut besetzt, und auch wenn keine Hochspannung aufkommt, ist alles unterhaltsam erzählt. Und so ist in meinen Augen eine allzu negative Bewertung nicht gerechtfertigt, die vielleicht aus der eigenen Enttäuschung in einem der oben genannten Punkte resultiert. Denn bei nochmaliger Betrachtung oder dem direkten Vergleich mit nicht so hochwertig produzierten Hörspielen ist ein völliger Verriss einfach nicht stimmig.

Sascha von Zamelly ist als Zeitreisender die zentrale Figur dieser Folge und füllt diese mit seiner akzentuierten und eingängigen Sprechweise sehr gut aus und kann so eine dichte Atmosphäre schaffen. Annina Braunmüller-Jest ist in der Rolle der Weena in der Zukunft zu hören und setzt ihren sanften Klang auch hier wieder sehr gekonnt ein, um eine faszinierende Persönlichkeit zu schaffen. Claus Thull-Emden hat mir als Filby auch sehr gut gefallen, er nimmt anfangs die Rolle des Zweiflers ein und kann den später empfundenen nachdenklichen Schrecken sehr gut widerspiegeln. Weitere Sprecher sind Matthias Lühn, Marianne Mosa und Johannes Bade.

Das Gruselkabinett steht auch für ein ganz bestimmtes Klangbild, welches natürlich auch hier wieder Anwendung findet. Wie die Geschichte ist der Start auch dabei recht ruhig, erst später schleichen sich auch orchestrale Melodien ein. Besonders auffällig ist dies in den dramatischeren Momenten gegen Ende, bei denen beispielsweise die Blechblasinstrumente auch mal richtig auffahren dürfen.

Sehr ansprechend ist auch das Cover zur Folge gelungen, dass dem Betrachter einen Einblick in die dystopische Welt, die Wells beschrieben hat. Im Mittelpunkt steht dabei die riesige Statue, die an eine Sphinx erinnert, aber auch die fast weißhaarigen Menschen und nicht zuletzt die detailreich gezeichnete Zeitmaschine ergeben ein anziehendes und sehr gelungenes Titelmotiv.

Fazit: Auch wenn sich diese Folge des Gruselkabinetts nur sehr langsam aufbaut, kann die düstere Erzählung mit der erschreckenden Zukunftsvision schnell eine dichte Atmosphäre aufbauen. Das Kernstück kommt dabei fast etwas zu kurz, strahlt aber auch bis ins ruhig erzählte Ende hinein und hinterlässt einige nachdenkliche Momente.

VÖ: 30. Juni 2017
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5455-9


Gruselkabinett – 122. Die Insel des Dr. Moreau



Erster Eindruck: Horror auf abgelegener Insel

Edward Prendick treibt nach einem Schiffsunglück lange Zeit mit einer kleinen Gruppe an Überlebendem auf dem offenen Meer, ihr baldiger Tod scheint bevorzustehen. Doch nach einer heftigen moralischen Auseinandersetzung verlässt Edward die Gruppe und wird von einem Schiff aufgenommen. Das Ziel ist die Insel des Dr. Moreau, der eine neue Ladung an Tieren für seine Experimente erwartet...

H.G. Wells ist insbesondere für seine Science Fiction-Romane bekannt, hat aber auch andere Genres bedient, so ist „Die Insel des Dr. Moreau“ eine Mischung aus Abenteuer- und Horrorelemente. Der Roman wurde nun auch von Titania Medien für das Gruselkabinett vertont und ist dort als 122. Folge erschienen. Die sehr reduzierte Rahmenhandlung mal außer acht gelassen, in der der Neffe des Hauptcharakters Edward eine kurze Einleitung spricht, wird direkt zu Beginn eine düstere Szenerie heraufbeschworen. Die Diskussionen der Schiffbrüchigen nehmen eine ebenso unerwartete wie schreckliche Wendung – doch dies ist nicht mehr als ein Intro, das die spätere Handlung nicht weiter beeinflusst, aber dennoch sehr prägnant umgesetzt wurde. Doch direkt auf dem Schiff, das zur Insel des Dr. Moreau fährt, wird eine dichte Atmosphäre erzeugt, indem ein missgestalteter Diener und einige mysteriöse Andeutungen viele Fragen aufwerfen. Diese Szenerie verdichtet sich dann immer mehr, Edward wird von schrecklichen Schreien geplagt, die über die Insel schallen, und erfährt so langsam die Wahrheit hinter der Abgeschiedenheit des Doktors. Das ist sehr unheimlich und düster, gerade die Offenbarungen des Dr. Moreau haben mich dabei vollkommen überzeugt und viele moralische Fragen aufgeworfen.

Louis Friedemann Thiele zeichnet in der Rolle des Edward Pendrick den Spannungsbogen der Geschichte sehr gekonnt nach. Schrecken, Unverständnis und pure Panik setzt er sehr gekonnt um und verleiht der Handlung etwas sehr Nahbares. Lutz Riedel ist in der Rolle des Dr. Moerau bestens besetzt, in seine Stimme schleicht sich mehr und mehr ein diabolischer Klang ein, besonders gegen Ende spielt er die ganze Stärke der Figur aus. Claus Thull-Emden überzeugt in der Rolle des M'ling mit einer sehr ausdrucksstarken Sprechweise und erreicht damit einen einprägsamen Auftritt. Weitere Sprecher sin Horst Naumann, Detlef Bierstedt und Rainer Gerlach.

Auch bei dieser Umsetzung beweist Titania Medien wieder einmal, dass sie unglaublich dichte und aufreibende Szenerien schaffen können. So bekommt jede Szene eine eindringliche Atmosphäre verpasst und kommt so gut zur Geltung, wobei sich die akustische Gestaltung parrallel zru Handlung steigert. Besonders die dramatischeren Szenen sind sehr mitreißend umgesetzt worden.

Die tiefrote Grundfärbung des Cover fällt direkt ins Auge und zeigt neben der titelgebenden Insel samt Palmen und Sonnenuntergang auch das verzerrte Gesicht eines Tiermenschen, dessen gelbliche Augen von Schmerzen und Pein geprägt sind. Sehr ansprechend, zumal die gewählte, collagenartige Optik an ein altes Filmplakat erinnert.

Fazit: Schon gleich zu Beginn wird hier eine dichte Atmosphäre geschaffen, die sich im Laufe der fast 80 Minuten immer weiter steigert. Die Schrecken, die die Insel im Laufe der Zeit offenbart, werden sehr intensiv dargestellt und stellen wie nebenbei einige moralische Fragen. Wieder eine starke Folge des Gruselkabinetts.

VÖ: 26. Mai 2017
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5451-1


Gruselkabinett – 120./121. Der Unsichtbare



Erster Eindruck: Ein geheimnisvoller Besucher...

In dem Gasthaus von Janny Hall und ihrem Gatten George ist gerade nicht viel los, sodass sie sich sehr über die Ankunft eines neuen Bewohners freuen, selbst wenn dieser nicht nur äußerst unfreundlich ist, sondern auch sein Gesicht immer unter Bandagen verbirgt. Janny möchte unbedingt hinter sein Geheimnis kommen, doch der Fremde ist äußerst misstrauisch und blockt jeden Versuch der Kontaktaufnahme rigoros ab...

H.G. Wells hält nun auch Einzug in das Gruselkabinett von Titania Medien, gleich mehrere Folgen hintereinander werden von dem bekannten Science Fiction-Autoren stammen. Den Auftakt macht der Zweiteiler „Der Unsichtbare“, eines seiner bekanntesten Werke. Dem Hörer ist dabei schon allein wegen des Titels klar, was es mit dem geheimnisvollen Besucher in dem kleinen Ort auf sich hat, für dessen Bewohner ist seine Person jedoch ein großes Mysterium. So wird erst gegen Ende der ersten CD sein Geheimnis gelüftet, bis dahin wird jedoch viel Atmosphäre aufgebaut, nicht nur, was die herrische und unsympathische Art des Unsichtbaren angeht, sondern auch die anderen Charaktere werden sehr gut vorgestellt. Die mütterliche und resolute Janny, der neugierige Vicar, der trickreiche Arzt – alle bekommen eine eigene Ausstrahlung verpasst und sorgen so für einen kurzweiligen Verlauf. Auch dort ist es schon sehr rätselhaft dargestellt, was es mit dem Unsichtbaren auf sich hat, in der zweiten Hälfte wird die Konzentration völlig auf ihn gelegt – und das mit einem sehr gelungenen Kniff, denn von nun an wechseln Charaktere und Schauplätze des öfteren, und auch einige Rückblenden sind zu hören. So wird langsam ein komplettes und sehr stimmiges Bild des Unsichtbaren zusammengesetzt, das nicht nur einfach so aus der Luft gegriffen scheint, sondern auch im Hintergrund seine bisherigen Lebens eingeordnet wird. Und auch der Gruselfaktor ist nicht zu unterschätzen, denn das plötzliche Auftauchen der Hauptfigur wird immer wieder sehr gekonnt in Szene gesetzt, und gerade die letzten Momente des Hörspiel zehren von einer sehr dichten und unheimlichen Stimmung.

Simon Böer ist in der Hauptrolle des Unsichtbaren zu hören, er lässt seine Stimme sehr abweisend und kühl klingen, schafft dem Zuhörer im weiteren Verlauf aber immer wieder kurz Zugang zu seiner Gedankenwelt und schafft so einen umfassend beschriebenen und sehr starken Charakter, der das Geschehen mühelos vorantreibt. Marianne Mosa hat mich in der Rolle der Wirtin Janny ebenfalls überzeugt, mit ihrer freundlichen und neugierigen Art ist sie einem sofort symphatisch, sodass die ersten Szenen noch kurzweiliger wirken. Dr. Kemp, dem im weiteren Verlauf der Geschichte eine wichtige Rolle zukommt, wird von Michael-Che Koch gesprochen. Sein markanter Klang kommt dabei sehr gut zur Geltung, zumal er die Spannung noch weiter steigern kann. Weitere Sprecher sind Bodo Primus, Lutz Reichert und Lutz Riedel.

Auch akustisch hat Titania Medien wieder eine sehr stimmungsvolle Atmosphäre geschaffen, die die Szenerie sehr gut unterstützt. Die Musik setzt immer wieder Akzente und betont die besonders dramatischen Szenen, während die sehr gut eingefügten Geräusche für sehr glaubhafte und intensive Momente sorgen. Auch der Spannungsbogen der Handlung wird gekonnt nachgezeichnet.

Die beiden CDs finden sich – wie immer bei den Doppelfolgen der Serie – jeweils in einer einzelnen Hülle wieder, die zusammen in einem hübsch gestalteten Pappschuber untergebracht sind. Das eine Cover zeigt den Unsichtbaren in der Tür des Gasthauses, vermummt und beeindruckend steht er dort mit wehendem Mantel. Auf dem anderen Titelbild ist eine weitere Szene aus dem Hörspiel zu sehen und zeigt ein Experiment, das sehr detailreich gezeichnet wurde.

Fazit: Der erste Zweiteiler des Gruselkabinetts nach einem Roman von H.G. Wells ist sehr gelungen inszeniert und entfaltet bald eine sehr dichte Stimmung. Der erste Teil widmet sich sehr den Charakteren, während der zweite Teil verschiedene Episoden aus dem Leben des Unsichtbaren zum Thema hat und diese sehr intensiv umsetzt. Ein hörenswertes und sehr atmosphärisches Hörspiel.

VÖ: 26. Mai 2017
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5448-1



Gruselkabinett – 118. / 119. 20.000 Meilen unter dem Meer



Erster Eindruck: Eine Reise in die Tiefe...

Die Berichte über ein riesiges Seeungeheuer, das schon zahlreiche Schiffe zum Untergang gebracht haben soll, reißen nicht ab und faszinieren auch den Meeresbiologen Prof. Pierre Aronnax. Dieser glaubt jedoch nicht so recht an ein mystisches Wesen und begibt sich mit seinem treuen Begleiter Conseil auf eigene Faust auf die Suche nach dem angeblichen Untier...

Jules Vernes Stil wird wohl meist eher dem Genre Abenteuer oder Phantastik zugeordnet, sodass eine Aufnahme von „20.000 Meilen unter dem Meer“ in das Gruselkabinett von Titania Medien zunächst verwundern könnte. Doch dieser Effekt verliert sich schnell beim Hören der fast zweistündigen Produktion auf zwei CDs, denn die Anpassung an das Medium Hörspiel und die düster-bedrückene Stimmung des Originals kommen hier bestens zur Geltung, sodass trotz fehlender Vampire oder Werwölfe eine unheimliche Stimmung entsteht. Der Anfang ist sehr stimmig gelungen und führt dynamisch in das Thema der Folge ein, lässt sich Zeit, die Charaktere und deren Grundsituation vorzustellen. Mit dem Aufbruch auf die hohe See und den ersten merkwürdigen Ereignissen wird die Stimmung verdichtet und findet schließlich mit den Szenen unter dem Meer seinen Kern, der faszinierend und zunehmend auch erschreckend dargestellt wird. Die Handlung konzentriert sich immer weiter, sodass beispielsweise auf der zweiten CD nur noch vier Stimmen zu hören sind. Diese Reduziertheit an Schauplätzen und Charakteren ist sehr gelungen und steigert sich zu einem sehr gut erzählten Finale, die die Geschichte von Verne bestens zur Geltung bringt.

Jürgen Thormann ist in der Rolle des Professor Pierre Arronax zu hören, seine markante Stimme begleitet den Hörer durch das gesamte Hörspiel, da er auch die Erzähltexte übernimmt. Sehr ausdrucksstark und mit facettenreicher Stimme schafft er einen sehr präsenten Charakter. Julian Tennstedt ist als sein Diener Conseil zu hören, der eine dynamisch und glaubhaft spricht. Uli Krohm ist als Kapitän Nemo zu hören, eindringlich und sehr intensiv setzt er diesen interessanten Charakter um und steigert sich dabei immer weiter hinein. Weitere Sprecher sind Dietmar Wunder, Hans Bayer und Sascha von Zambelly.

Dass sie eine Vielzahl von unterschiedlichen Stimmungen erzeugen können und dabei auch durchaus eine bedrückende Unterwasser-Szenerie heraufbeschöwren können, haben die Macher hinter dem Gruselkabinett schön öfters bewiesen. Und so kitzeln sie auch hier einiges aus der Geschichte heraus, setzen mit wuchtiger Musik oder einer passenden Geräuschkulisse immer wieder gekonnt Akzente.

Wieder sind die beiden CDs in einem Pappschuber untergebracht, haben aber beide ein eigenes Cover erhalten, dass ein und dieselbe Szenerie aus zwei verschiedenen Persepktiven zeigt – ein Haiangriff auf das riesige Unterseeboot, einmal im offenen Meer, einmal ein Blick aus dem Inneren heraus. Eine sehr gelungene Idee, die durch die zwei Stimmungen sehr gut funktioniert.

Fazit: Titania Medien haben hier bewiesen, dass auch diese Geschichte bestens in die Serie passt und präsentiere eine atmosphärisch sehr dichte Umsetzung, die die unheimliche Stimmung nach außen kehrt und mit viel Wucht und Ausdruck für zwei unterhaltsame Stunden sorgt. Besonders die zweite, sehr reduzierte Hälfte ist bestens gelungen.

VÖ: 18. November 2016
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5384-2


Gruselkabinett – 117. Ewige Jugend



Erster Eindruck: Die Rückkehr der blutigen Adeligen

Emmerich Kemen, ein junger Gentleman und bisher in Frauendingen sehr unerfahren, lernt im Wien des Jahres 1611 die verwitwete, aber höchst attraktive Grafin Elisabeth Barthory kennen und ist sofort ihrem kühlen Charme und der jugendlichen Schönheit verfallen. Doch obwohl zahlreiche junge Damen zur Ausbildung auf das Schloss der Gräfin geschickt werden, gibt es Gerüchte, dass die Gräfin eine grausame Ader habe. Gerüchte, von denen sich Emmerich schon bald selbst überzeugen kann...

„Die Blutbaronin“ wurde bereits als 14. Folge des Gruselkabinetts von Titania Medien umgesetzt, die bekannte Schauergestalt hatte seitdem noch einige Auftritte in anderen Produkten. Doch in Folge 117 der Serie kehrt sie wieder zurück, in „Ewige Jugend“ wird der Mythos über die ewig junge und schöne Gräfin fortgesetzt, allerdings wird an einer ganz anderen Stelle angesetzt und erst einmal Emmerich Kemen als neue Hauptfigur vorgestellt. Dieser lernt schon nach einigen Minuten die dunkle Baronin kennen und ist ihr schnell verfallen, verbringt viel Zeit mit ihr und erfährt immer mehr von ihr. Die Handlung ist dabei eher gebremst und könnte in wenigen Sätzen zusammengefasst werden, der Reiz ergibt sich aber aus etwas ganz anderem: Der düsteren Faszination, die von der Grausamkeit der Gräfin ausgeht. Das wird in ruhigen, ausführlichen Szenen erzählt und spart nicht an Details, und auch der Hörer kann sich dem kaum entziehen und ist erschrocken, abgestoßen und gebannt zugleich. Die wie immer exzellente Umsetzung sorgt für die typische, eindringliche Stimmung und rundet die unterhaltsame Geschichte gekonnt ab.

Patrick Beahr ist in der Rolle des Emmerich Kemen eine sehr gute Wahl und spricht den jungen Mann mit Leidenschaft und Energie, der anfangs unschuldige Gentleman lässt sich immer tiefer in die düstere Welt hineinziehen und kann dies auch mit seiner Stimme gekonnt ausdrücken. Arianne Borbach, die schon in „Die Blutbaronin“ einen Auftritt hatte, ist hier als Elisabeth Barthory zu hören, es ist erschreckend, wie kalt und abgeklärt sie ihre Stimme klingen lassen kann, damit sorgt sie für eine sehr unheimliche und eingängige Atmosphäre. Maximiliane Häcke hat als Isabella ebenfalls einen gelungenen Auftritt und kann diesen eindringlich umsetzen. Weitere Sprecher sind Joachim Tennstedt, Daniele Bette und Peter Weis.

Dass es manchmal mehr Effekt hat, statt ausgeklügelter Melodien auf die Stimmen zu setzen, hat das Label trotz opulenter Ausstattung schon immer verstanden und stellt auch hier einige sehr eindringliche Szenen, in denen allein die Schmerzensschreie der gequälten Seelen unheilvollen verhallen. Nichts desto trotz ist natürlich auch hier die Musik wieder hervorragend auf die Handlung abgestimmt, die Geräusche sind präzise eingefügt, alles wirkt stimmig und wie aus einem Guss.

Ertugrul Edirne hat die Blutbaronin gleich in eine typischen Szene dargestellt, in einem blutrot schimmernden Bad versunken, welches einen Rahmen für das ebenmäßige und hübsche Antlitz bildet. Dass hier noch vor dem Hören ein wichtiger Part der Geschichte verraten wird, ist verzeihlich, da es hier sowieso mehr um die Stimmung und nicht so sehr um das Entdecken dieser zentrale Gräueltat dreht.

Fazit: Eine zweite Geschichte um die Blutbaronin, voller grausamer Momente, voller düsterer Faszination und voller einprägsamer Momente. Dabei kommt es gar nicht mal so sehr auf die Geschichte an, sondern auf die unheilvoll-wabernde Stimmung, in die sich der Hörer voll versinken lassen kann wie die Gräfin im Blut.

VÖ: 14.Oktober 2016
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5382-8


Gruselkabinett – 116. Der schwarze Stein



Erster Eindruck: Eine Reise in die Karpaten

In einer Bostoner Bibliothek entdeckt Caleb Thomas ein uraltes Buch, das faszinierende Berichte enthält. Besonders die Geschichte um einen schwarzen Monolith wecken sein Interesse, doch die Informationen hierzu sind äußerst dürftig. Von dem Bibliothekar erfährt er mehr über die Herkunft des ledergebundenen Werkes und erhält Unterstützung bei seiner Recherche nach weiteren Hinweisen, doch in ihm wächst der Wunsch, den riesigen Stein mit eigenen Augen zu sehen...

„Der schwarze Stein“ ist nicht die erste Geschichte von Robert E. Howard, die von Titania Medien für das Gruselkabinett umgesetzt wurde, doch vom Vorgänger „Die Kreatur“ unterscheidet sich diese deutlich. Interessant ist, dass hier zuerst etwas „Theorie“ vermittelt wird, Caleb erfährt vorerst nur aus zweiter Hand von dem Stein und seinen schrecklichen Auswirkungen, die zahlreichen Menschen das Leben gekostet haben soll. Dieses dominiert das erste Drittel der Produktion, ist aber eindringlich und unheimlich geraten. Etwas mehr Leben kommt bei der Reise des jungen Bostoners in die Karpaten in die Handlung, wo der Monolith stehen soll, doch auch hier sind viele dunkle Vorankündigungen und eine drückende Atmosphöre vorherrschend, erst ganz am Ende entfesselt die Geschichte in einer nächtlichen Szene ihren ganzen Schrecken. Es ist dieses langsame Herantasten an die Hintergründe, das tröpfchenweise Hinzufügen von neuen Informationen, die den Reiz von „Der schwarze Stein“ ausmachen, wobei der Fortlauf der Ereignisse eher langsam von statten geht. Das ist atmosphärsich wieder sehr dicht erzählt und baut auf viele unheimliche Momente, die allesamt sehr gut zur Geltung kommen und den Hörer stückchenweise in ihren Bann ziehen.

Sascha von Zambelly ist in der Rolle des Caleb Thomas zu hören, der fast schon traditionell als Hauptcharakter auch viele Erzähltexte übernimmt. Er spricht sehr eingängig und kann die Faszination, aber auch den wachsenden Schrecken des jungen Mannes sehr facettenreich darstellen. Dietmar Wunder ist als Bibliothekar gerade in den ersten Szenen ein sehr guter Gesprächspartner, beide zusammen funktionieren sehr gut miteinander und steigern die Atmosphäre gemeinsam immer mehr. Uli Krohm ist als Schulmeister zu hören, seine markante Stimme sorgt immer wieder für Aufmerksamkeit und passt wunderbar in die düstere Szenerie der Handlung. Weitere Sprecher sind Hans Bayer, Jürgen Thormann und Julian Tennstedt.

Wieder einmal beweisen sich Marc Gruppe und Stephan Bosenius als Meister des atmosphärischen Hörspiels und lassen alle Elemente gekonnt ineinanderfließen, um diese typische, dräuende Stimmung zu schaffen. Dafür sorgen insbesondere die ausdrucksstarken Melodien, die sich wie ein Mantel um die Handlung legen, bevor im Finale ein wahres Feuerwerk gezündet wird und die schreckensvolle Abschlussszene perfekt inszeniert wird.

Genau diese ist auch auf dem Cover eindrucksvoll von Ertugrul Edirne dargestellt worden, ohne zu viel von der Handlung zu erfahren. Der schwarze Monolith, verziert mit mysteriösen Schriftzeichen ist unverkennbar im Mittelpunkt, von zuckenden Flammen beleuchtet und von extatischen Gestalten umtanzt – ein sehr ausdrucksstarkes Cover, das mit seinem purpurnen Nachthimmel sehr ansehnlich gelungen ist.

Fazit: „Der schwarze Stein“ entwickelt seinen Schrecken langsam, aber eindringlich, kommt von dem ruhigen Beginn mit den Recherchen über einige unterhaltsame und spannende Szenen mit zum großen Finale, das wieder Schreckliches offenbart und auf das alles zusteuert.

VÖ: 14.Oktober 2016
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5381-1


Gruselkabinett – 114./115. Der Ruf des Cthulhu



Erster Eindruck: Klassiker um den bekannten Mythos

Francis Wayland Thurston ist überrascht, als er zum Nachlassverwalter seines Großonkels bestimmt wird, die beiden hatten seit Jahren keinen Kontakt mehr. In den Unterlagen des ehemaligen Professors findet er Unterlagen zu einem merkwürdogen Kult, die ein Wesen namens Cthulhu gottgleich anbeten. Immer weitere Informationen erhält er über die Forschungen seines Großonkels, und immer größer wird der Schrecken...

Schon einige Geschichten von H.P. Lovecraft wurden bisher für das Gruselkabinett von Titania Medien umgesetzt, aber seine wohl bekannteste Erzählung „Der Ruf der Cthulhu“ hat bisher gefehlt – bisher, denn nun ist dieser als Zweiteiler bei dem Hildener Label erschienen. Ein durchaus anspruchsvolles Projekt, denn das sehr ruhig und erzählerisch geschriebene Werk als lebendig wirkendes Hörspiel umzusetzen, scheint schwierig: Wie den Charakter der Geschichte bewahren und dennoch eine aufregende Umsetzung schaffen? Hier wurde ein sehr einfacher und dennoch effektvoller Kniff angewendet, denn alles, was auch nur annähernd als Dialog umgesetzt werden konnte, ist dementsprechend umgeschrieben wurde. War „Schatten über Innsmouth“ noch sehr hörbuchlastig, ist der Anteil an Gesprächen hier deutlich höher, während die durchaus vorhandenen Erzählteile mit viel stimmungsvoller Musik unterlegt sind. Und auch wenn diese Geschichte ganz anders aufgebaut ist, eigentlich noch mehr einem wissenschaftlichen Bericht gleicht, ist „Der Ruf des Cthulhu“ sehr eindringlich umgesetzt. Der Schauer, den die mystische Figur des Cthulhu“ verbreitet, ohne selbst in Erscheinung zu treten, ist intensiv umgesetzt. Dennoch ist es der Vorlage geschuldet, dass die Handlung anfangs nicht so recht in Schwung kommt, dass auch der Gruselfaktor erst langsam aufgebaut wird. Dieser Eindruck ändert sich aber später, und hier wird dann eine ruhige und anspruchsvolle, aber sehr hörenswerte Umsetzung der Handlung geboten.

Die Sprecher sind wieder absolut fantastisch, sie tragen unglaublich viel zur Wirkung der Handlung bei. Francis Wayland Thurston wird von Christian Stark gesprochen, der stets einen düsteren Unterton seine Stimme legt und so die kommende Düsternis gekonnt begleitet. Joachim Tennstedts markanter Klang kommt als Algernon Blackwood wieder bestens zur Geltung, mit Nachdruck setzt er diese Rolle sehr dramatisch um. Detlef Bierstedt ist als Chronist zu hören, seine dunklen Ankündigungen verleihen dem Hörspiel seine ganz eigene Note. Weitere Sprecher sind Uwe Büschken, Jochen Schröder und Kristine Walther.

Und auch akustisch wird hier einiges geboten, wobei sich die Musik eng an die Handlung anschmiegt. Denn statt hierdurch künstlich Spannung zu erzeugen, ist diese sehr gut an die einzelnen Szenen angepasst und überzeugt mit sphärischen Melodien. Die Geräusche unterstützen dabei die Dialoge und bringen mehr Lebendigkeit in die Handlung.

Wie seit einiger Zeit bei allen Mehrteilern der Serie sind die beiden CDs zusammen in einer Box erhältich, wobei zwei einzelne Hüllen von einem Pappschuber gehalten werden. Beide Cover sind dabei eigenständig und um gewohnt detailreichen Stil von Edirne gestaltet worden, mal ist Cthulhu als Schatten im Studierzimmer, mal riesenhaft über dem Meer aufragend dargestellt.

Fazit: Der Mythos aus der Feder von Lovecraft ist sehr nah an der Vorlage, aber deutlich lebendiger und dialoglastiger umgesetzt worden. Die sehr eindringliche Stimmung wird durch die hervorragenden Sprecher und die phantastische Musik erzeugt, sodass auch die langsam startende erste CD unterhaltsam und atmosphärisch wirkt.

VÖ: 9.September 2016
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5377-4


Gruselkabinett – 113. War es eine Illusion?



Erster Eindruck: Nebel hängt über dem Moor...

Der Schulinspektor Frazer bereist für seine Tätigkeit eine abgelegene Schule in Nordengland, die nur durch ein unwirtliches Sumpfgebiet erreicht werden kann, sodass er die letzten Meilen sogar zu Fuß zurücklegen muss. Dabei begegnet ihm ein Junge mit einer Angel und ein alter Mann, die jedoch nicht mit Fazer in Kontakt treten. An der Schule wird er jedoch freundlich empfangen...

Die 1831 geborene englische Schriftstellerin Amelia B. Edwards hat trotz ihrer hochgelobten Romane kaum Bekanntheit im deutschen Sprachraum erlangt, kaum welche ihrer Reiseberichte oder anderer Schriften wurden übersetzt. Genau das Richtige für Titania Medien, denn Edwards hat auch einige Geistergeschichten verfasst, die perfekt in die Gruselkabinett-Reihe passen. „War es eine Illusion?“ wurde als 112. Folge vertont und behält wie viele Episoden der Reihe über weite Teile eine ruhige Ausstrahlung. Doch der leise Grusel, dieses stetig Ungewisse, das Düster-Bedrohliche kommt hier schon recht früh auf und äußerst sich immer wieder in kleinen Momenten, die Frazer aus den Fugen zu werfen scheinen. Die Frage, die der Titel stellt, wird hier des öfteren aufgeworfen, und lange Zeit ist unklar, welches Übel sich hinter dem Ganzen versteckt, auch wenn man sich diesem langsam nähert. Das ist trotz seiner Ruhe sehr spannend und ohne langwierige Passagen umgesetzt, kann mit seiner ungewöhnlichen und düsteren Stimmung überzeugen und setzt die so starke Reihe weiterhin gekonnt fort. Denn auch das Finale konnte mich voll überzeugen, das menschliche Drama, das hinter den Ereignissen steckt, ist sehr intensiv in Szene gesetzt und schließt die Episode sehr gelungen ab.

Die Folge ist auch so stark, weil die Sprecher mal wieder in Hochform sind und ihre Rollen gekonnt zur Geltung bringen. Patrick Bach ist in der Rolle des Schulinspektors Fazer zu hören und kann dessen Verwunderung, seine steigende Unsicherheit und die spätere Wandlung sehr intensiv zur Geltung bringen. Bernd Rumpf ist als Ebenezer Skelton mit seiner deutlich gealterten, markanten Stimme bestens besetzt, zumal seine Darstellung des Mannes sehr glaubwürdig gelungen ist. Jannik Endemann zeigt, dass er sich bestens der düsteren Szenerie anpassen kann und legt ebenfalls eine gewisse Dunkelheit in seinen Klang. Weitere Sprecher sind Jochen Schröder, Regina Lemnitz und Roman Wolko.

Akustisch wird hier wieder eine sehr saubere Leistung geboten, die hochwertige Produktion und die stimmige Abmischung sorgen für ein gelungenes Klangerlebnis, das Dialoge, Musik und Geräusche in ein ausgewogenes Verhältnis setzt. Das auch hier wieder fast permanent Melodien im Hintergrund erklingen, sorgt für die typisch intensive Ausdrucksweise der Serie und ist wieder sehr gut zusammengestellt.

Ein nebeliger Tag im Moor, das von kahlen Bäumen bevölkert wird, ist auf dem wie immer sehr ansehnlich gezeichneten Cover zu sehen. Fazer ist in Reisekleidung von hinten zu sehen, während der alte Mann samt Stock aus dem Nebel auf ihn zukommt. Das ist sehr stimmungsvoll und passt bestens zu der Säulen-Optik der Covergestaltung.

Fazit: Die Stimmung der Folge ist leise bedrohlich und schägt nie ganz große Wellen, mit den immer öfter auftauchenden potenziellen Illusionen werden aber immer wieder kleine Highlights gesetzt, die zu einer düster-bedrohliche Stimmung werden und auch den Hörer lange Zeit im Unklaren lassen. Die perfekte Produktion trägt ihr Übriges zum Gelungen der Folge bei.

VÖ: 12.August 2016
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5257-9


Gruselkabinett – 112. Der Ebenholzrahmen



Erster Eindruck: Ein falsches Bild...

Philipp Devigne erhält die Nachricht des Todes einer entfernten Verwandten gemeinsam mit deren Nachlass, bei dem es sich neben einer beträchtlichen Geldsumme auch um ein großes Anwesen handelt. Und so verlässt er schweren Herzens wegen seinem Interesse an der liebreizenden Tochter seiner Vermieterin seine Wohnung und zieht in das herrschaftliche Haus. Sofort fällt ihm ein riesiger Ebenholzrahmen auf, der jedoch mit einem billigen Gemälde gefüllt ist...

Dunkle Gemäuer, hohe Räume, weitläufige Flure, zahlreiche Zimmer – große, alte Anwesen haben eine lange Tradition in Gruselgeschichten, sodass auch viele Folgen des Gruselkabinetts von Titania Medien deren düsteren Charme ausstrahlen. „Der Ebenholzrahmen“ macht da keine Ausnahme und versetzt den Protagonisten Philipp schon bald in ein eben solches. Doch die nachfolgende Handlung konzentriert sich nicht allzu sehr auf das Gemäuer, sondern auf eine tragische Liebesgeschichte, die sich über mehrere Jahre hinwegzieht und mit allerlei übernatürlichen Elementen angereichert ist. Dabei ist die Geschichte einer geheimnisvollen Schönheit integriert, die von ihrem Leiden berichtet und die auf höchst interessante Weise mit den aktuellen Ereignissen verknüpft wurde. Ein kurzer, aber einprägsamer dämonischer Auftritt, eine harte Entscheidung, die Philipp zu treffen hat und wegen der er sich immer mehr von der Außenwelt distanziert, ein eindringliches Finale, bei dem lange ausbleibt, ob es ein Happy End geben wird – das ist alles sehr gut komponiert, kann aber nicht mit den Top-Folgen der Serie mithalten, hierfür fehlt ein Quäntchen mehr Spannung.

Philipp wird von Herbert Schäfer gesprochen, der eine sehr glaubhafte und lebendige Vorstellung abliefert. Er charaterisiert den jungen Mann dabei sehr genau, spricht mit fein ausbalancierten Nuancen und kann auch die Wandlungen sehr treffend erfassen. Daniela Bette ist als geheimnisvolle Fremde zu hören, deren Sehnsucht und Leidenschaft sehr eingängig aufgegriffen wird und die ihre Geschichte sehr lebendig schildert. Einen kurzen, aber unglaublich intensiven Auftritt hat Matthias Lühn, der eindringlich, hintergründig und sehr präsent spricht und so eine Szene schafft, die nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Weitere Sprecher sind Eva-Maria Werth, Janina Sachau und Beate Gerlach.

Auch die akustische Gestaltung ist mal wieder vortrefflich gelungen, wobei hier besonders die lebhafte Geräuschkulisse überzeugt. Die einzelnen Szenen sind mit passenden Hintergrundgeräuschen untermalt, gerade gegen Ende verleiht dies zusätzliche Dramatik. Doch auch die Musik ist natürlich auch hier sehr stimmig eingeführt und begleitet die Dialoge auf sehr prägnante Weise.

Der Ebenholzrahmen ist natürlich auch auf dem Cover abgebildet, wobei die Szenerie durch hochschlagende Flammen eine rötliche Einfärbung bekommt. Im Mittelpunkt steht jedoch die in schwarzem Samt gekleidete Frau, die sich aus dem Rahmen mit panischem Gesichtsausdruck herausstreckt – ein großartiges Cover, das der bisherigen Galerie vollkommen gerecht wird.

Fazit: Erzählt wird hier eine dramatische Liebesgeschichte mit einigen unheimlichen Elementen, die sehr flüssig und kurzweilig erzählt wurde. Die Verknüpfung der vergangenen und gegenwärtigen Ereignisse ist dabei bestens gelungen, sodass wieder eine hörenswerte Folge der Serie entstanden ist.

VÖ: 12.August 2016
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5256-2


Gruselkabinett – 111. Die Grube und das Pendel



Erster Eindruck: Zwei in eins...

Montresor, ein italienischer Edelmann, wird im Jahr 1796 aufgrund von politischen Querelen gefangen genommen, der Inquisition vorgeführt und schließlich zum Tode verurteilt. Doch statt einer gewöhnlichen Hinrichtung findet er sich in einem finsteren Kellerverlies wieder – eine perfide Todesfalle, die ihm fast den Verstand raubt. Doch dies sollte noch nicht das Ende seiner Geschichte sein...

In der 111. Folge des Gruselkabinetts widmet sich Titania Medien wieder einmal einem der unangefochtenen Meister seines Faches: Edgar Allan Poe. Und wie bei „Die Maske des roten Todes“ wurden auch hier gleich zwei Geschichten miteinander verknüpft, wobei gleich mehrere Jahrzehnte zwischen den beiden Ereignissen liegen. Den Anfang macht die titelgebende Erzählung „Die Grube und das Pendel“, das Montresor einen Großteil sich selbst überlässt. Zwar gibt es einige anfängliche Introszenen, doch danach ist die Hauptfigur dieser Folge erst einmal auf sich gestellt. Dementsprechend wirkt dieser Teil etwas starr, kann aber auch mit seinen diabolischen Tötungsmaschinen, der immer wieder aufkommenden Panik und der intensiven Stimmung für eindringliche Unterhaltung laufen. Auch die Überbrückung zur zweiten Geschichte „Das Fass Amontillado“ ist sehr auf Montresor fixiert und wird im Zeitraffer erzählt, die dabei schweldenden und später aufflammenden Rachegelüste sind dabei nicht nur Triebfeder, sondern auch gelungen dargestellt. Die nachfolgende Handlung entfaltet ihren Schrecken nur langsam, ist aber wegen eines entscheidenden Kniffes dennoch packend: Die Geschichte wird hier aus der Sicht des Täters erzählt, man erfährt von seinen Gedanken und finsteren Plänen. Doch hier wäre eine Straffung der Handlung durchaus dienlich gewesen, wobei immer noch eine hörenswerte Folge der Serie entstanden ist.

Montresor wird hier gleich von zwei verschiedenen Sprechern vertont. Johannes Raspe ist als seine junge Version zu hören, er bringt den Schrecken, die Pein, die Panik in den finsteren Verliesen sehr intensiv zur Geltung und kann so – obwohl er auf sich allein gestellt ist – eine sehr packende Stimmung erzeugen. Sein älteres Ich spricht Eckart Dux, der wesentlich härter und erbarmungsloser spricht, aber auch die schmeichlerischen und kühl kalkulierten Momente bestens zur Geltung bringt. Ihm zur Seite steht eine weitere Hörspiellegende: Jürgen Thormanns eindringlicher Klang, seine krächzende Stimme, seine gierige Art sind eindrucksvoll umgesetzt. Weitere Sprecher sind Matthias Lühn, Herbert Schäfer und Florian Jahr.

Dass gerade die erste Geschichte mit Grube und Pendel so intensiv wirken kann, obwohl keine Dynamik durch Dialoge entsteht, liegt an der sehr gut umgesetzten Kulisse: mal die typischen, wabernden Klänge klassischer Musikinstrumente, mal vollkommende Stille, mal das unheilvolle Schwingen des Pendels. Auch der zentrale Gang durch die alten Gemäuer im zweiten Teil gewinnt durch ähnliche Stilmittel an Atmosphäre.

Das riesige, messerscharfe Pendel ist auf dem Cover sehr gelungen dargestellt, wofür Ertugrul Edirne wieder mit seinen klassischem Malwerkzeug gesorgt hat. Das Speil mit reflektierendem Licht lässt die Klinge gefährlich aufblitzen, und auch Montresor ist passend umgesetzt – besonders, weil sein Gesicht nur von hinten angedeutet wird. Der grünlich schimmernde, dunkle Hintergrund ergänzt sich bestens mit dem wie immer verwendeten Säulen-Look der Reihe.

Fazit: Die Verknüpfung der beiden Poe-Geschichten ist auf ebenso interessante wie stimmige Weise gelungen, wobei die Wahl dieser beiden eher starren Handlungen nicht gerade für Dynamik sorgt. Aber gerade in dieser Konzentration auf eine Situation, auf einen Schrecken, der sich immer weiter steigern kann, ist reizvoll.

VÖ: 15.Juli 2016
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5254-8


Gruselkabinett – 110. Der Drachenspiegel



Erster Eindruck: Eine fremdartige Welt...

James Hemdon, ein abenteuerlustiger Millionär, ist spurlos aus seinem Anwesen verschwunden. Sein alter Freund Ward eilt herbei, um seinen Kameraden zu suchen. Doch der taucht plötzlich mitten in der Nach blutüberströmt in seinem Schlafgemach wieder auf, direkt vor dem alten Spiegel, den er einst aus einem Palast in Peking geraubt hat...

Abraham Merritt ist hierzulande recht unbekannt, bis zur Umsetzung des Gruselkabinett-Zweiteilers „Madame Mandilips Puppen“ war auch mir der Autir kein Begriff. Mit „Der Drachenspiegel“ haben Stephan Bosenius und Marc Gruppe nun bereits die zweite Geschichte aus seinem Nachlass vertont. Zu Beginn wird langsam an die Handlung herangeführt, der rätselhafte Einstieg bekommt durch das Auftauchen des verletzten James eine schockierende Wendung. Mir gefällt besonders, wie darauf das Geheimnis des Drachenspiegels gelüftet wird, wie eine dystopische Welt gezeigt wird, wie intensiv und stimmungsvoll erzählt wird – eine sehr prägnante Szene, die gut das weitere Geschehen mit der Erzählung von James einläutet. Die hier eingebauten fernöstlichen Mythen setzen noch einmal einen besonderen Reiz in der Handlung, die das Genre der Schauerromantik perfekt abbildet und beide Elemente gleichwertig miteinander verknüpft. Speziell die Figur des geheimnisvollen Rak ist sehr interessant in der Darstellung gelungen. Eine recht ungewöhnliche Folge für das Gruselkabinett, mir hat sie aber sehr gut gefallen!

Claus Tull-Emden spricht die Rolle des Ward, der den Hörer durch die Handlung führt und die Rahmenhandlung vorantreibt, sich aber auch vor der eigentlichen Hauptfigur James zurüknehmen und ihm die Bühne überlassen kann. Dieser wird von Peter Lontzek gesprochen, der eine angenehme und ausdrucksstarke Stimme hat und die ganz unterschiedlichen Szenen von völliger Harmonie bis zum erbitterten Todeskampf glaubhaft umsetzt. Jürgen Thormann hat einige sehr prägnante Auftritte als Rak und verleiht der zwiespältigen Figur etwas sehr Erhabenes und Mysteriöses. Weitere Sprecher sind Stephanie Keller, Louis Friedemann Thiele und Benedikt Weber.

Titania Medien ist ja bereits für atmosphärische Hörspiele bekannt, hier haben sie aber wieder tief in die Trickkiste gegriffen und die stimmungsvolle Hintergundmusik mit einigen traditionellen chinesischen Klängen kombiniert, da aber sehr sanft eingewebt wurden und nie aufgesetzt oder kitschig klingen. Die Geräuschkulisse tritt dabei manchmal eher in den Hintergrund, doch auch diese trägt viel zum Gelingen der Produktion bei.

Natürlich ist auf dem Cover der Drachenspiegel zu sehen, grünlich schimmernd und mit leuchtend roten Augen verschmilzt er fast mit dem dunklen Hintergrund. In ihm zu sehen ist die Schönheit, die eine wichtige Rolle in der Handlung spielt, ihr rosafarbene Kimono passt sehr gut zu dem gleichfarbigen Himmel, während sich die schwarzen Haare hiervon absetzen und den melancholischen Gesichtsausdruck betonen.

Fazit: Die Führung der Geschichte ist sher vielfältig gelungen und schlägt immer wieder wellenfömig aus, was für spannende Momente sorgt. Das ungewöhnliche Setting mit der fremdartigen Welt und der darum aufgebauten Figur des Rak, die dramatische Liebesszenen, die kreativ erdachte Welt: Alles Elemente, die die Geschichte sehr hörenswert machen.

VÖ: 14.Juli 2016
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5253-1


Gruselkabinett – 109. Heimweh



Erster Eindruck: Dritte Folge um die Hargreaves

Es wartet ein neuer Fall auf die übersinnlichen Detektive, das Ehepaar Alwyne und Colin Hargreaves. Dieses mal werden sie in ein altes Hotel gerufen, in dem wieder ein Geist sein Unwesen treiben soll. Und so geht besonders die feinfühlige Alwyne auf Spurensuche und kommt bald hinter das Geheimnis der traurigen Spukgestalt...

Allen Upward hat nur eine einzige Geschichte um das Ehepaar Hargreaves geschrieben, diese wurde als 83. Folge des Gruselkabinetts umgesetzt. Da die Macher aber Gefallen an der düster-melancholischen Stimmungen und den wunderbaren Hauptfiguren gefunden haben, hat sich ein gewisser Per McGraup alias Marc Gruppe nun schon zum zweiten mal selbst an den Tisch gesetzt und eine nach „Heimgekehrt“ eine weitere Geschichte mit dem Titel „Heimweh“ verfasst. Dabei wird zunächst auf das Familienleben mit Tochter Pamela eingegangen, die selbst bald übersinnliche Talente an sich entdeckt, während Colins enervierende Tante Marilyn zu Beginn für eine heitere Szene sorgt. Doch schon bald geht es mit der Reise an ihren neuen Einsatzort los, und da greift dann wieder die wunderbare, ganz spezielle Stimmung der ersten beiden Episoden. Wieder gibt es einen Geist, der nicht wirklich boshaft erscheint und den ein schlimmes Schicksal zu plagen scheint, wieder ist dies recht eng mit dem Gebäude zu tun, wieder werden auch die Nebencharaktere sehr intensiv eingebracht. All das wird hier jedoch mit einer eigenen Note versehen, alles wirkt hübsch geheimnisvoll und hat einige Überraschungen parat. Im Vergleich zu den beiden Vorgängern fällt „Heimweh“ etwas ab, dennoch ist wieder ein sehr unterhaltsames und feinsinniges Gruselhörspiel voller Atmosphäre entstanden.

Die wunderbare Janina Sachau schlüpft hier in die Rolle der Kate Morgan und schafft mit ihrer variablen Stimme einen sehr starken Ausdruck, dabei kann sie facettenreich viele Gemütsstimmungen glaubhaft präsentieren. Jürgen Thormanns kratziger, leicht mürrischer Klang passt sehr gut zu der Figur des Mr. Gomer, den er wie immer mit Leidenschaft und Professionalität umsetzt. Ursula Sieg sorgt als Tante Marilyn für einige heitere Momente, sie trifft dabei genau den richtigen Ton, um die aufdringliche Dame bestens herüberzubringen. Weitere Sprecher sind Clara Fischer, Peter Lontzek und Daniela Bette.

Um die melancholische Aura der Geschichte und der Figuren noch zu unterstreichen, hat das Produzententeam wieder sehr passende und melodiöse Musikstücke ausgewählt, die sich eng um die Szenen legen und so einen dichten Hintergrund schaffen. Geräusche nehmen dabei einen eher kleinen Teil der akustischen Gestaltung ein, sind aber treffsicher und sinnvoll eingefügt.

Zum Gesamtkonzept der Serie gehört auch wieder ein eingängiges Titelbild, dabei wurde die Optik der vorigen Folgen um das Ehepaar Hargreaves übernommen. Kalte Blau- und Türkisfarben wurden verwendet, um das schwermütige Geschichte einer jungen Frau über dem riesigen Hotel sowie die aufwändig gekleidete Dame einen starken Ausdruck zu verleihen.

Fazit: Die beiden Hauptcharaktere funktionieren hier erneut bestens miteinander, ihr Leben wird durch Tante und Tochter sogar noch lebendiger dargestellt. Der Fall, den die beiden zu lösen haben, ist gut erdacht, gekonnt erzählt und komplexer als anfangs gedacht. Erneut ist so eine hörenswerte und lebendig wirkende Folge entstanden, die bestens in die Serie passt.

VÖ: 10.Juni 2016
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5251-7


Gruselkabinett – 108. Der Kapitän der Polestar



Erster Eindruck: Eisiges Abenteuer auf offener See

John McAllister, ein engagierter Medizinstudent, hat sich auf der Polestar als Schiffarzt anheuern lassen. Der Walfänger macht sich auf ins eisige Polarmeer, doch Geschichten von unheimlichen Wesen und einer mystischen Frauengestalt bringen Unruhe unter die Besatzung. McAllister, der sich langsam mit dem mürrischen Kapitän des Schiffs anfreundet, ist scheinbar der einzige, der nicht an einen übernatürlichen Hintergrund glaubt...

Arthur Conan Doyle ist zwar vorrangig mit seinen Geschichten um Sherlock Holmes bekannt geworden, doch auch seine Geschichten aus dem Genre der Schauerromantik sind eine Entdeckung wert, wie die Hörspielumsetzungen des Gruselkabinetts bereits mehrfach bewiesen haben. Auch „Der Kapitän der Polestar“ stammt aus seiner Feder, wieder hat er sich hier einem ganz anderen Thema gewidmet. Die Reise auf dem arktischen Meer auf der Suche nach Walen, winterlich, eisig, düster und mystisch. Denn von Anfang an sind des nachts die kläglichen Schreie einer Frau zu hören – oder ist es doch nur eine lose Schiffsschraube oder der Ruf eines Seehundes? John Mc Allister tritt hier als großer Skeptiker auf, und obwohl aus seiner Sicht erzählt wird, seine Sichtweise im Mittelpunkt steht, trifft den Hörer die dunkle Stimmung mit voller Wucht. Doch neben der nicht wirklich greifbaren Bedrohung in der Nacht gibt es auch ganz weltliche Probleme, die sehr gut in die Handlung eingefochten sind und ihr einen roten Faden verleihen. Hinzu kommt die sehr interessante Beziehung zwischen McAllister und dem Kapitän, der immer mehr Depressionen und düsteren Gedanken zu versinken scheint. Das alles steigert sich immer weiter und führt zu einem beeindruckenden Finale, das mit einer sehr intensiven Erscheinung wieder für einen beeindruckend inszenierten Abschluss sorgt.

Für diese Folge hat das Produzententeam der Serie vorrangig neue und unverbrauchte Stimmen vor dem Mikrofon versammelt, nichtsdestotrotz agieren auch diese hoch professionell und auf gewohnt hohem Niveau. Louis Friedemann Thiele überzeugt dabei mit seiner großen Palette an Emotionen und Ausdrücken, vom anfänglichen spöttischen Skeptiker ist später nicht mehr viel zu merken, er kann aber ebenso einfühlsam und besorgt klingen. Matthias Lühn ist als Kapitän Nicholas Craigie sehr beeindruckend, seine mürrische und unergründliche Art schafft einen sehr vielschichtigen Charakter, der schnell die Hörer in seinen Bann ziehen kann. Claus Thull-Emden ist als Steuermann zu hören, mit seiner raubeinigen Art passt er wunderbar in die Handlung. Weitere Sprecher sind Herbert Schäfer, Florian Jahr und Benedikt Weber.

Es ist Marc Gruppe und Stephan Bosenius hoch anzurechnen, dass sie sich bei der akustischen Gestaltung hier eher zurückgenommen haben, sodass die leise-mystische Stimmung besonders gut zur Geltung kommt und nicht von hochtrabenden Melodien oder lauten Sounds überdeckt wird. Alles ist hier sehr gut aufeinander abgestimmt und entwickelt so schnell eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann.

Ebenso beeindruckend ist das Cover von Ertugrul Edirne, der das riesige Segelschiff, der einzige Handlungsort der Folge, in Szene setzt. Dick vereist und mit einer einsamen Gestalt auf dem Bug wird es ebenso majestätisch wie bedrückend und voller Details umgesetzt. Das passt sowohl zur bisherigen Covergalerie als auch zu der hübschen Rahmengestaltung.

Fazit: Wieder einmal wurde eine bisher eher unbekannte Geschichte sehr intensiv und eindringlich umgesetzt, die den Hörer schnell in die düstere und unheimliche Stimmung hineinzieht, neben den übersinnlichen auch sehr natürliche Probleme thematisiert und so eine sehr tiefgreifende Handlung erzählt. Grandios!

VÖ: 10.Juni 2016
Label: Gruselkabinett
Bestellnummer: 978-3-7857-5250-0


Gruselkabinett – Die H.P. Lovecraft-Box II



Erster Eindruck: Zwei Klassiker des bekannten Autors

Auf dem Weg nach Arkham macht der angehende Student Robert Olmstead Halt in dem kleinen Küstenort Innsmouth. Doch die Bewohner sind hier sehr zurückhaltend und schotten sich von der Außenwelt ab. Trotz einiger Warnungen will Robert dem Geheimnis auf die Spur kommen... (Der Schatten über Innsmouth)
Dr. Marinus Willet will Charles Dexter Ward, den Sprössling einer wohlhabenden Familie, in der Nervenheilanstalt besuchen, in der er untergebracht ist. Doch der junge Mann ist entflohen, und Willet erinnert sich an dessen Jugend, die von okkulten Praktiken geprägt war... (Der Fall Charles Dexter Ward)

Das Gruselkabinett von Titania Medien erfreut sich seit vielen Jahren großer Beliebtheit in Hörspielkreisen. Aus diesem Grund veröffentlicht das Label auch immer wieder Boxen, in denen mehrere Episoden der Reihe zu finden sind, und das zu einem günstigeren Preis. Nun wurde bereits die zweite Box dem Horror-Autor H.P. Lovecraft gewidmet, wobei zwei Geschichten auf vier CDs erzählt werden – was deutlich über 4 Stunden Laufzeit entspricht!
Schatten über Innsmouth hat ein sehr langsames Tempo, sodass die Entwicklung der Handlung einige male ins Stocken gerät. Die Geschichte baut eher auf Erzählungen auf, sodass Robert erst einmal aus zweiter Hand von der kleinen Stadt und ihren Bewohnern erfährt. So baut sich schrittweise eine immer dichtere Atmosphäre auf, die erst auf der zweiten CD ihren vollen Schrecken entfalten kann – dann aber mit einem Knall, der das bis dato gehörte in ein völlig anderen Licht rückt.
Die zweite hier vorhandene Geschichte verfolgt einen ganz anderen Ansatz, ist aber nicht weniger geheimnisvoll und mysteriös. Hier steht die titelgebende Figur Charles Dexter Ward im Mittelpunkt, und der Hörer wird langsam an das Leben des jungen Mannes herangeführt. Dabei verschwimmen immer wieder die Grenzen zwischen Wahrheit und Wahn, lange Zeit ist nicht klar, ob sich Charles die unheimlichen Begebenheiten einbildet oder sie wirklich stattgefunden haben. Das ist atmosphärisch sehr dicht erzählt, hat viele kleine Höhepunkte und zögert entscheidende Momente spannungserzeugend hinaus.

Wie immer bei Titania Medien sind die Sprecher hier äußerst sorgsam ausgewählt worden, sie passen wunderbar zu ihren Rollen und unterstützen die Geschichten in ihrer Wirkung. Louis Friedemann Thiele, ein eher unbeschriebenes Blatt als Hörspielsprecher, macht als Robert Olmstead einen sehr guten Eindruck, er wirkt energiegeladen und kann die Neugier des Studenten sehr glaubhaft darstellen. Peter Weis gefällt in „Schatten über Innsmouth“ als vom Leben gezeichneter Mann, spricht seine Passage mit voller Inbrunst und sorgt dabei für ein Highlight in dieser Erzählung. Auch der Sprecher von Charles Dexter Ward, Frank Schaff, kann eine sehr düstere und unheilvolle Aura um sich herum aufbauen, sodass er die Atmosphäre des gesamten Hörspiels deutlich prägt. Weitere Sprecher sind Reinhilt Schneider, Ernst Meincke und Cornelia Meinhardt.

Als wahre Meister des atmosphärischen Hörspiels beeindrucken Stephan Bosenius und Marc Gruppe auch hier mit zwei sehr stimmungsvollen Umsetzungen, die besonders durch die düstere und klangvolle Musik generiert wird. Sehr genau an die jeweilige Stimmung angepasst schafft sie einen Klangteppich für die Dialoge, sodass alles wie aus einem Guss wirkt und den Hörer völlig in seinen Bann zieht.

Eine dicke Plastikhülle dienst als Aufbewahrung für die vier CDs, alles ist sehr schlicht in der Aufmachung. Das Cover war bereits für den ersten Teil von Schatten über Innsmouth gewählt, zu sehen ist ein fischartiges Wesen, das mit kalten Augen und stark verhüllt aus einer Bodenluke empor zu klettern scheint. Der Raum hinter den CDs wurde dazu genutzt, die wichtigsten Produktionsinformationen aufzulisten.

Fazit: Zwei düstere Geschichten aus der Feder von H.P. Lovecraft, intensiv und düster in Szene gesetzt. Beide Handlungen entwickeln sich eher langsam, können aber mit einer packenden Atmosphäre überzeugen. Dabei kann der Hörer den aufkommenden Schrecken immer weiter erkunden und sich so völlig in die Produktionen fallen lassen.

VÖ: 11.September 2015
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5200-5


Gruselkabinett – 107. Der weiße Wolf von Kostopchin



Erster Eindruck: Slawische Schauergeschichte

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wird Michail Wassiljewitsch aus Russland verbannt und siedelt sich in den Karpaten an. In einem besonders harten und harten Winter scheint jedoch ein unheimliches Wesen die Gegend unsicher zu machen: Ein weißer Wolf schleicht umher, doch es steckt noch mehr hinter dem wilden Tier...

Durch die in sich abgeschlossenen Geschichten ist es im Gruselkabinett möglich, immer neue Stimmungen zu erschaffen und die Handlungen in unterschiedliche Teile der Welt zu verlegen. Und so wird in Folge 107 ein Abstecher in die Karpaten gemacht, was durch eine düstere und mysteriöse Stimmung und der sehr gelungenen Produktion noch unterstrichen wird. Die Handlung ist dabei auf wenige Stationen begrenzt, entwickelt sich nur langsam weiter und setzt dabei ganz auf die leise bedrohliche Stimmung. Das gefällt mir sehr gut, da hier alles gut ineinander greift und nur langsam übernatürliche Elemente eingefügt werden – diese sind dann aber sehr präsent und drängen sich immer weiter in den Vordergrund. Der starke lokale Bezug wird dabei nicht nur durch den eisigen Winter, sondern auch den Bezug zu den Mythen der Gegend erzeugt und schlägt sich in der Atmosphäre wieder. Die sehr ruhige Ausstrahlung kann fesseln und begeistern, sodass wieder eine gelungene Folge der Reihe entstanden ist.

Gerade einmal fünf Charaktere sind hier zu hören, auch auf einen externen Erzähler wurde verzichtet. Hans Bayer ist als Michail Wassiljewitsch zu hören und bestreitet damit den größten Teil des Hörspiels mit seiner tiefen und angenehmen Stimme. Von ihm geht eine recht ruhige Stimmung aus, in den dramatischeren Szenen legt er aber mehr Energie in seine Stimme. Anja Kruse ist als Ravina zu hören, auch die passt sich bestens an die düstere Atmosphäre der Karpaten an und strahlt eine geheimnisvolle Aura aus. Lando Auhage hat mich trotz seines jungen Alters sehr überzeugt und kann mit einer glaubhaften Aussprache überzeugen. Auch Pascal Breuer und Clara Fischer können mit ihren sehr guten Leistungen punkten.

Die dichte Stimmung der Handlung wird durch die sehr gelungene akustische Gestaltung unterstützt. Dafür wurde wieder eine Vielzahl an unterschiedlichen Melodien ausgewählt, die in das slawische Ambiente bestens passen und die immer unheimlichere Geschichte nachzeichnen. Auch die eingebauten Geräusche bereichern das Hörspiel wieder und sorgen für eine lebendige Ausstrahlung.

Das Cover von Ertugrul Edirne kann die Atmosphäre der Produktion wieder sehr gut einfangen und rückt den namengebenden weißen Wolf in den Mittelpunkt. Mit gefletschten Zählen steht er auf einem kleinen Felsen und bedroht die beiden flüchtenden Männer, deren Fackel das dunkle Bild erleuchtet. Durch die schneebedeckte Landschaft bekommt das Bild eine sehr eingängige Ausstrahlung.

Fazit: Bei „Der weiße Wolf von Kostopchin“ kommt es mehr auf die düstere und unheimliche Stimmung an, die Handlung entwickelt sich dabei eher langsam weiter. Die schaurigen Elemente treten aber schon bald in den Vordergrund und nehmen den Hörer schnell in ihren Bann. Die lokale Einfärbung der Karpaten ist dabei sehr gut gelungen.

VÖ: 12.November 2015
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5171-8


Gruselkabinett – 106. Das Traktat Middoth



Erster Eindruck: Die Suche nach einem Buch

Nach langer Suche scheint John Eldred in einer alten Bibliothek endlich seinem Ziel nahe gekommen zu sein, hier soll das Buch vorhanden sein, das er schon so lange sucht. Der junge Bibliothekar William Garret will es ihm aus einem der oberen Stockwerke des Gebäudes holen, beobachtet aber eine merkwürdige Gestalt, die das Werk aus dem Regal zieht und verschwindet. Doch schon kurze Zeit später ist das Buch wieder an Ort und Stelle...

M.R. James, ein englischer Altertumsforscher, hat es mit seinen Geistergeschichten in Deutschland nicht gerade zur Berühmtheit gebracht, doch Titania Medien hat sich nun an dem Werk des Autors bedient und „Das Traktat Middoth“ für das Gruselkabinett adaptiert. Besonders interessant ist dabei der Wechsel der Perspektive: Wird anfangs noch aus der Sicht von John Eldred erzählt, schwenkt die Handlung später auf William Garret um, gegen Ende stehen dann Mutter und Tochter Simpson im Mittelpunkt, die Garret auf einer Reise kennenlernt. Dabei dreht sich alles um das geheimnisvolle Buch, das eine dichte Atmosphäre um sich herum aufbaut, der Hörer fragt sich schnell, was so besonderes daran ist. Mir gefällt, wie dabei alles miteinander verknüpft ist, wie sich leise Geisterelemente einschleichen und so für eher hintergründige Schauer sorgen. Auch die Rückblende auf frühere Ereignisse hat mir sehr gut gefallen, sie ist sehr stimmungsvoll umgesetzt worden. Die finale Auflösung verdichtet die Handlung dann noch einmal deutlich und führt alle losen Enden geschickt zusammen. Insgesamt kommt diese Geschichte mit sehr wenigen übernatürlichen oder unheimlichen Elementen aus, ist aber sehr stimmig und atmosphärisch erzählt worden.

Die Besetzung des Hörspiels gefällt mir äußerst gut, für jede Rolle wurde wieder ein sehr passender und engagierter Sprecher ausgewählt. Als William Garret ist Constantin von Jascheroff zu hören, der mit seiner sehr angenehmen Stimme eine gelungene Hauptfigur abgibt und auf die verschiedenen Situationen sehr glaubhaft reagiert. Bernd Rumpf spricht John Eldred, er kann eine mysteriöse Aura um sich schaffen und mit seinem sonoren Klang die ersten Szenen sehr gekonnt gestalten. Herma Koehn hat mir als Mrs. Mary Simpson äußerst gut gefallen, sie übernimmt später eine der Hauptrollen und gestaltet diese mit viel Energie. Weitere Sprecher sind Cathlen Gawlich, Reinhard Scheunemann und Lutz Mackensy.

Akustisch bieten Marc Gruppe und Stephan Bosenius wieder eine sehr dichte und stimmungsvolle Atmosphäre, die insbesondere durch den Einsatz von mystischen Melodien erzeugt wird. Diese wabern auch während der Dialoge im Hintergrund, sodass man sich schnell in diese Stimmung versinken lassen kann. Geräusche sind dabei eher wenig eingesetzt, können die Dialoge aber dennoch gelungen ausstatten.

Der unheimliche Fremde, der William Garret einen so großen Schrecken einjagt, ist auf dem Cover abgebildet, die pergamentartige Haut und die rötlichen Augen sind gelungen umgesetzt, die Bibliothek im Hintergrund kommt aber ebenso gut zur Geltung. Ergänzt mit dem Säulen-Layout der Serie entsteht wieder ein ansehnliches und stimmungsvolles Coverdesign.

Fazit: Eine rätselhafte und stimmungsvolle Geschichte, die sehr gut miteinander verknüpft ist und gleich mehrere Figuren in den Mittelpunkt stellt. Ein stimmiger Rückblick gibt dann die Richtung der Handlung, die sich stetig weiterentwickelt und in einem sehr gut umgesetzten Finale endet. Die hervorragenden Sprecher lassen das Hörspiel wieder zu einem Genuss werden.

VÖ: 12.November 2015
Label: Titania
Bestellnummer: 978-3-7857-5170-1


Gruselkabinett – 105. Mitternachtsweg



Erster Eindruck: Femme Fatal und ein Seemannsfriedhof

Peter Maydell erhält ein weiteres Manuskript von dem jungen Autor Johannes Kieland, dem er schon zu einigen Veröffentlichungen verholfen hat. Doch der neue Text ist laut eigenen Aussagen autobiographisch und berichtet von der Begegnung mit der wunderschönen Herma Marie Brandt, die unter tragischen Umständen ihren Geliebten verloren hat...

Normalerweise vertont Titania Medien für seine Gruselkabinett-Reihe lediglich ältere Geschichten – mal ausgenommen die bisher zwei von „Per McGraup“ selbstverfassten Titel. Eine große Ausnahme hiervon gibt es jetzt mit „Mitternachtsweg“ des deutschen Autors Benjamin Lebert – es ist eine sehr lohnenswerte Ausnahme. Denn um kurz vorweg zu greifen: Mitternachtsweg gehört zu den besten Folgen des Gruselkabinetts der letzten Zeit. Erzählt wird eine recht verschlungene Handlung, die in der heutigen Zeit spielt und schon früh Spannung aufbauen kann. Dabei konzentriert sich die Folge auf die Beziehung zwischen Johannes und Herma, die zur zentralen Figur wird. Geheimnisvoll, fast schon mystisch und undurchdringlich fasziniert sie schnell und zieht den Hörer – ebenso wie Johannes – in ihren Bann. Immer weiter dringt Johannes in das Mysterium um die bildhübsche Frau ein, das eng mit einem Seefahrerfriedhof auf Sylt zusammenzuhängen scheint. All das verbindet sich zu einer sehr dichten Atmosphäre voller Faszination, Abgründe und Misstrauen, die den Hörer 80 Minuten völlig in seinen Bann ziehen kann. Besonders gelungen ist dabei das Ende, das erschreckende Zusammenhänge deutlich macht und tiefer gehende Bedeutungen offenbart. Eine hervorragende Geschichte, ebenso hervorragend inszeniert.

Marius Claren ist als Johannes Kielland eine sehr gute Wahl, sehr professionell und gefühlsbetont gibt er die ganz unterschiedlichen Stimmungen des Protagonisten wieder und kann so einen sehr greifbaren und authentischen Eindruck hinterlassen. Die wunderbare Melanie Hinze zeigt als Herma mal eine ganz andere Seite von sich, spielt sehr facettenreich und erschafft so eine wunderbare, undurchschaubare Figur, die die Handlung tragen kann. Auch Eckart Dux überzeugt als Peter Maydell auf ganzer Linie, mit seinem knarzigen Klang kann er seine Passagen sehr dynamisch gestalten. Weitere Sprecher sind Lutz Reichert, Herma Koehn und Constantin von Jascheroff.

Passend zu dem aktuellen Roman wurde hier auch eine etwas modernere Variante des typischen Gruselkabinett-Feelings erschaffen, wobei sich dies in einigen Nuancen zeigt. Da wird mal mit stampfenden Beats eine Club-Atmosphäre geschaffen, da sind die Geräusche moderner und an die heutige Zeit angepasst. Doch auch hier wurde wieder sehr akkurat gearbeitet, sodass eine dichte und fesselnde Atmosphäre entstanden ist.

Auch das Cover nimmt hier eine Ausnahmerolle an, wirkt aber immer noch wie aus einem vorigen Jahrhundert entsprungen. Doch die romantische Sonnenuntergangsszene mit den händchenhaltenden Spaziergängern und dem weit entfernten Leuchtturm hat nichts düsteres an sich und wirkt fast schon ein wenig kitschig. Auch hier gibt es kein Bonusmaterial mit Ausnahme des kleinen Fotos von Benjamin Lebert auf der Rückseite.

Fazit: Das Experiment, einen modernen Roman für das Gruselkabinett zu vertonen, ist äußerst gut gelungen, woran sicherlich auch an die stimmungsvolle und mystische Vorlage einen großen Anteil hat. Die passend besetzten Sprecher und die sanft-moderne Vertonung machen Mitternachtsweg zusätzlich zu einer der besten Episoden der letzten Zeit.

VÖ: 8.Oktober 2015
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5168-8


Gruselkabinett – 104. Allerseelen



Erster Eindruck: Unheimliche Begegnung an einem Herbstabend

Als Mrs. Sara Clayvburn an einem dunklen Herbstabend einen Spaziergang macht, trifft sie auf eine ihr fremde Frau, dabei kennt sie sämtliche Bewohner des nahe gelegenen Dorfes. Doch auf Saras freundliche Frage reagiert die Unbekannte äußerst ruppig, fast schon hämisch. Als sich Sara kurz darauf am Fuß verletzt und für einige Tage das Bett hüten muss, ist der Vorfall schon fast vergessen...

Dunkle alte Gemäuer, weite Gänge, ein Gewirr aus verschiedenen Zimmern – zahlreiche bisherige Folgen des Gruselkabinetts von Titania Medien spielen mit diesem Thema und haben damit eine dichte Atmosphäre erzeugt. Auch die 104. Folge der Reihe spielt mit diesem Motiv, baut aber nicht hauptsächlich darauf auf. Es dauert hier ein wenig, bis in der Handlung erste mysteriöse Momente aufkommen, doch bis dahin ist die Geschichte stimmig erzählt, sodass schnell die typische Stimmung der Serie aufkommt. Und auch später bleibt die Folge insgesamt sehr ruhig, kein großer Knall, kein packendes Finale, kein um Aufsehen heischender Höhepunkt. Vielmehr steht wieder leiser Grusel im Vordergrund, dessen Quelle man nicht genau ausmachen kann, der sich aber immer weiter ausbreitet und einen mit der resoluten alten Dame mitleiden lässt. Die Auflösung des Ganzen deckt dabei nicht einmal alle Hintergründe auf, lässt bewusst Fragen offen und behält sich so seinen mysteriösen Ausdruck. Das wird nicht jedem gefallen, funktioniert an einem trüben Herbsttag aber hervorragend, so man sich auf eine so ruhige Geschichte einlassen kann. Mir persönlich hat „Allerseelen“ gut gefallen.

Die wunderbare Judy Winter ist hier in der Hauptrolle der Sara Clayburn zu hören. Ihre tiefe und angenehm kratzige Stimme nimmt auch hier wieder einen resoluten Ton an, doch auch die aufkommende Angst der Frau wird durch einen sehr glaubhaften Ausdruck für den Hörer erlebbar gemacht. Cathlen Gawlich ist nur kurz zu hören, dennoch hinterlässt sie mit dem boshaften Unterton in ihrer klaren Stimme als oben beschriebene Fremde einen nachhaltigen Eindruck. Auch Sabina Trooger überzeugt, als Saras Cousine Kate wurden ihr die Ereignisse geschildert, die sie nun als Erzählerin an den Hörer weitergibt und dabei eine eingängige und dynamische Sprechweise wählt. Weitere Sprecher sind unter anderem Lutz Mackensy, Herma Koehn und Rainer Gerlach.

Marc Gruppe und Stephan Bosenius haben der Geschichte wie immer eine dichte und angenehme Atmosphäre verpasst, die sich gut an die Handlung anpasst und im Laufe der Zeit immer düsterer wird. Das ist gut gelungen und unterstützt die Sprecher in ihrer Wirkung, sodass alles sehr gut zusammenpasst. Geräusche sind hier recht zurückhaltend eingebracht, verfehlen aber ihre Wirkung nicht.

Auch das Cover zu dieser Folge ist wieder sehr ansehnlich gelungen. Es zeigt Sara, die auf das herrschaftliche Haus im Hintergrund zugeht und einen zaghaften Blick zurück über die Schulter zu der geheimnisvollen Fremden wirft, die mit bösartigem und hasserfüllten Gesichtsausdruck im Vordergrund ist und das Bild dominiert. Die restliche Aufmachung ist wie immer schlicht und zweckmäßig angeordnet.

Fazit: Mit „Allerseelen“ hat Titania Medien eine weitere recht unbekannte Geschichte vertont, die sich sehr ruhig entwickelt, aber einen stillen, leisen Grusel vermittelt. Das ist flüssig erzählt und atmet die Atmosphäre des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Schön, dass nicht alles restlos aufgeklärt wird, sondern einiges im Unklaren bleibt.

VÖ: 8.Oktober 2015
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5167-1


Gruselkabinett – 103. Das ägyptische Parfüm



Erster Eindruck: Erneuter Ausflug ins alte Ägypten

Der Anwalt Thomas Keston hat nach einigen Reisen in London einen festen Platz gefunden, doch als er eines Tages einen sehr intensiven Duft wahrnimmt, ist sein Entdeckergeist wieder geweckt. Es ist ein altes, ägyptisches Parfüm, dem große Kräfte innewohnen sollen. Deswegen weigert sich der Besitzer, Keston auch nur einen Tropfen des duftenden Wassers zu verkaufen. Doch Keston ist völlig fasziniert und wie besessen von dem Duft...

Das alte Ägypten hat sich mit seinen zahlreichen Mythen und Geheimnissen auch heute noch eine große Faszination bewahrt und diente als Inspiration für etliche Gruselgeschichten. Auch im Gruselkabinett hat das Thema schon Einzug gehalten, auch die 103. Folge „Das ägyptische Parfüm“ bezieht sich auf das untergegangene Weltreich. Dabei bleibt die Geschichte um Thomas Keston eher ruhig, übt aber mit seinem interessanten Hintergrund und der intensiven Atmosphäre dennoch einen großen Reiz aus. Besonders eine kleine Erzählung innerhalb der Handlung ist dabei sehr atmosphärisch gelungen und wirkt auch lange in der Erinnerung nach. Ansonsten entwickelt sich die Handlung manchmal bedächtig, aber immer konsequent weiter und bringt den Hörer so nach und nach auf die Spur eines mysteriösen und gut erzählten Geheimnisses. Dabei wird vor allem auf lange Dialoge gesetzt, die stimmig wirken und durch die starken Charaktere geprägt werden. Insbesondere Thomas Keston sticht dabei immer wieder hervor und kann mit einigen gelungen angedichteten Eigenschaften einen runden Hauptcharakter formen, der die Handlung u tragen vermag. Wie schon der direkte Vorgänger strahlt auch „Das ägyptische Parfüm“ eine ruhige, aber intensive Atmosphäre aus, die durch die passende Umsetzung noch unterstrichen wird.

Jonas Baeck ist eine sehr gute Neuentdeckung in Sachen Hörspiele und wird hier von Titania als Hauptfigur Thomas Keston eingesetzt. Mit seinem angenehmen Klang und der Präsenz, die er ausstrahlt, kann er sowohl in den Dialogen als auch in den Erzähltexten überzeugen. Matthias Lühn ist als Jack Fernleigh zu hören, er kann seine Passagen authentisch wiedergeben und punktet mit einer eingängigen Sprechweise. Der wunderbare Eckart Dux setzt seine unverkennbare Stimme wieder sehr gekonnt ein, sodass auch der Scheich in der Folge eine eindringliche Aura verliehen bekommt. Das Sprechersextett wird durch Marius Claren, Jochen Schröder und Sven Dahlem komplettiert.

Wie kaum anders zu erwarten hat Titania Medien auch dieses Hörspiel sehr opulent in Szene gesetzt, dabei aber gleichzeitig auch nicht zu dick aufgetragen. Die Melodien schmiegen sich dabei eng an die Handlung und begleiten die Dialoge zu weiten Teilen, sodass die jeweilige Stimmung noch intensiver auf den Hörer übertragen wird. Ägyptische Klänge sind dabei wohltuend sparsam eingesetzt und wirken so immer passend und nicht befremdlich oder aufgesetzt.

Wunderbar ist das Cover zu dieser Folge gelungen, das mit seinen Grüntönen und der Leuchtkraft sehr geheimnisvoll wirkt. Auch die dargestellte Szene mit dem Priester, der seine Arme erhoben hat, den Statuen und Sockeln als Zierde sowie der altägyptischen, schakalköpfigen Gottheit ist sehr stimmig und unterstreicht die Atmosphäre dieser Folge.

Fazit: Sicherlich liegt hier nicht die Folge mit der dichtesten Handlung vor, etwas mehr Tempo hätte die Folge schon vertragen können. Doch die intensive Stimmung und das interessante Ambiente sorgen für schauerliche Stimmung, die sehr gut wirkt und sich im Laufe der Folge immer weiter steigern kann. Eine solide Folge der Reihe.

VÖ: 10.September 2015
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5163-3


Gruselkabinett – 102. Mrs. Amworth



Erster Eindruck: Geheimnisvolle Vorkommnisse in einer beschaulichen Kleinstadt

Die beiden Pensionäre Emmet Forster und Professor Francis Urbridge haben sich für ihren Lebensabend im beschaulichen Dorf Maxley niedergelassen, lediglich die zahlreichen Touristen in ihren modernen Automobilen stören ihre Ruhe. Als Mrs. Amworth mit ihrer frischen und unkonventionellen Art hinzuzieht, ist zumindest Urbridge zunächst etwas misstrauisch...

Mit „Mrs. Amworth“, einer Kurzgeschichte von E.F. Benson, hat sich Titania Medien eine sehr ruhige Erzählung als 102. Folge seines Gruselkabinetts ausgesucht, in dem einmal mehr die Atmosphäre im Vordergrund steht. Zunächst wird das kleine Örtchen Maxley thematisiert, ebenso wie die Freundschaft der beiden älteren Herrschaften Forster und Urbridge durch die Ankunft von der geheimnisvollen Mrs. Amworth durcheinandergebracht wird. Erste mystische oder auch nur merkwürdige Elemente lassen dabei sehr lang auf sich warten, sodass anfangs ein harmonisches und von zwischenmenschlichen Beziehungen geprägtes Bild gezeichnet wird. Nur langsam kommt dann die Handlung in Fahrt, von einer seltsamen Mückenplage ausgehend wird hier über ein übernatürliches Geschöpf mit ganz speziellen Eigenschaften berichtet. Das ist zwar etwas konventionell und nur an wenigen Stellen überraschend, wird aber von einer sehr dichten und eingängigen Stimmung bestimmt. So enthält diese Folge einen ganz eigenen Reiz, kann aber aus der sehr guten Serie kaum heraus stechen und bleibt eher im soliden Mittelfeld.

Gerade einmal fünf Sprecher sind in dem 70-minüter zu hören, und allesamt können sie die Handlung mit einer starken Stimme prägen. Hauptfigur und auch Erzähler der Folge ist Sven Dahlem als Emmet Forster, der sehr sympathisch und engagiert klingt, immer einen freundlichen Ausdruck in der Stimme, die später auch von Grauen erfüllt klingen kann. Eckart Dux passt bestens in die Rolle des mürrischen und manchmal abweisenden Professor Urbridge, mit seinem rauen Klang kann er eine sehr standfeste und überzeugende Figur schaffen. Anita Lochner steht als Mrs. Amworth oft im Mittelpunkt, kann eine geheimnisvolle Aura um sich aufbauen und präsentiert eine sehr variable, stellenweise fast ätherische Stimmvarianz. Auch Marius Claren und Jochen Schröder sind zu hören.

Die Handlung der Folge ist wie oben beschrieben eher ruhig, passend dazu ist auch die akustische Gestaltung dezent und tritt nur selten deutlich in den Vordergrund. Die eingesetzten Melodien fügen sich harmonisch zusammen und tragen eine große Portion Mystik in sich, die wenigen Geräusche sind geschickt und passend eingebaut. So entsteht schnell das typische Flair der Serie, das auch hier wieder überzeugen kann.

Eine nächtliche Szene oben auf den Dächern des Dörfchens Maxley ist als Titelbild gewählt worden, das wieder aus der Feder von Ertugrul Edirne stammt. Der volle, wolkenverhangene Mond scheint dabei auf Mrs. Amworth nieder, die mit einem weißen Kleid und undeutbarem Gesichtsausdruck als Blickfang dient. Die restliche Gestaltung ist wieder schlicht und übersichtlich gestaltet, zusätzliche Informationen sind dabei nicht zu finden.

Fazit: „Mrs. Amworth“ kommt recht unaufgeregt daher, die Geschichte bleibt über weite Teile sehr ruhig. Viele unheimliche Momente sorgen dabei für ein sehr dichtes Flair, und auch die Figuren bringen ihre eigene Würze mit ein. Eine leise Folge, die jedoch sehr solide daherkommt.

VÖ: 10.September 2015
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5162-6


Gruselkabinett – 101. Verlorene Herzen



Erster Eindruck: Auch nach Folge 100 geht es weiter...

Nach dem Tod seiner Eltern kommt der kleine Stephen zu einem entfernten Verwandten unter, dem alleinstehenden, aber wohlhabenden Mr. Abney. Viel Kontakt hat er zwar zu seinem neuen Vormund nicht, dafür kümmert sich die Haushälterin Mrs. Bunch umso fürsorglicher um den Jungen. Sie erzählt ihm, dass vor einiger Zeit bereits ein anderer Junge von Mr. Abney aufgenommen wurde...

Von Fans mit Spannung erwartet wurde die 100. Folge des Gruselkabinetts von Titania, doch auch danach geht es natürlich wie üblich mit atmosphärischen Gruselgeschichten weiter. Folge 101 ist „Verlorene Herzen“ des britischen Autors M. R. James, der bereits einige Male Vorlagen für die Reihe geliefert hat. Die Geschichte ist recht vorhersehbar, schon nach wenigen Minuten ist dem Hörer klar, worum es hier geht und wie die Geschichte weiter verlaufen wird – vielleicht mit Ausnahme des endgültigen Showdowns. Dennoch schätze ich diese Folge sehr, denn die Atmosphäre ist hier unglaublich dicht und intensiv, sodass einem wirklich einige Gänsehautschauer über den Rücken laufen. Stephen bekommt es mit einigen Geistererscheinungen zu tun, die sehr inbrünstig inszeniert wurden und das typische Feeling der Serie aufkommen lassen. Zudem steigert sich dies immer mehr und findet schließlich in einem sehr eindrucksvoll erzählten Finale seinen Höhepunkt - nur um kurz darauf mit den Aufzeichnungen von Mr. Abney noch einen sehr gekonnten Abschluss zu finden, der dieses Gefühl noch einmal steigert. „Verlorene Herzen“ mag diejenigen enttäuschen, die miträtseln und sich überraschen lassen wollen, für Fans des gepflegten Gruselhörspiels ist es aber eine weitere Perle.

Alexander Mager ist in der Hauptrolle des Stephen Elliot zu hören. Er ist noch ein sehr junger und unerfahrener Sprecher und wird sicherlich noch lernen, lebendiger und spontaner zu klingen, zeigt aber einige gute Ansätze für glaubhaften Gefühlsausdruck. Der grandiose Uli Krohm setzt die Figur des Mr. Abney sehr gekonnt und eindringlich in Szene, sodass von dem düsteren Mann eine sehr geungene Aura ausgeht. Auch Dorothea Walda hat mir als Mrs. Bunch äußerst gut gefallen, ihre warmherzige und gutmütige Art kommt hier bestens zur Geltung. Weitere Sprecher sind Kaspar Eichel, Timmo Niesner und Liv Auhage.

Vom Gruselkabinett darf man glücklicherweise immer eine sehr runde und gelungene Produktion erwarten, und dabei wird man auch hier nicht enttäuscht werden. Die Musik wirkt wie eigens auf die Handlung zugeschnitten und verleiht ihr viel von der fast schon beschwörenden Stimmung, während die Geräusche gerade in den unheimlichen Szenen für den notwendigen Schwung sorgen. Sehr gelungen!

Meiner Ansicht nach wurde für diese Folge eines der besten Cover der ganzen Serie geschaffen, und das will bei den grandiosen Vorgängern schon etwas heißen! Ein einsames Mädchen sitzt nackt in der Badewanne eines ziemlich heruntergekommenen Badezimmers, die Fingernägel zu langen Klauen verformt, der Blick geht leidend über die Schulter zum Betrachter. Die düstere Stimmung, die hier vorherrscht, passt bestens zum Hörspiel selbst.

Fazit: Auch wenn diese Folge nur wenige Überraschungen bietet, die sehr dichte und intensive Stimmung sorgt für viel Gänsehautgefühl und einen flüssigen Verlauf. Die sehr gruseligen Szenen sind großartig umgesetzt worden, besonders das Ende ist prägnant erzählt worden. Wieder eine sehr gelungene und bestens inszenierte Folge des Gruselkabinetts.

VÖ: 15. Mai 2015
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5188-3


Gruselkabinett – 100. Träume im Hexenhaus



Erster Eindruck: Großes Jubiläum mit weiterer Lovecraft-Umsetzung

Walter Gilman, ein Student der Mathematik und Physik, stößt in alten Aufzeichnungen auf die Geschichte der Hexe Keziah Mason, die angeblich in die vierte Dimension eindringen konnte. Er steigert sich immer weiter in seine Recherchen herein und findet schließlich heraus, wo die alte Vettel bis zu ihrem qualvollen Tod während der Inquisition gewohnt hat – und mietet sich kurzerhand in das kleine Dachzimmer des alten Hauses ein...

Die magische 100. Folge hat Titania Medien nun mit dem Gruselkabinett erreicht, mittlerweile gehört die Serie zu den erfolgreichsten und am meisten beachteten der Hörspiellandschaft. Die Spannung war natürlich groß, welche Adaption sich Stephan Bosenius und Marc Gruppe für dieses Jubiläum aussuchen würden, die Wahl ist auf eine Geschichte aus dem Arkham-Zyklus von H. P. Lovecraft gefallen: „Träume im Hexenhaus“. Zwar kann es hilfreich sein, wenn man sich etwas in der Welt des bekannten Horror-Autoren auskennt, um alle Querverweise zu verstehen, notwendig ist dies aber nicht, die Geschichte kann auch vollkommen für sich allein stehen. In den ersten Szenen wird von Keziah Masons Tod berichtet, was schon sehr stimmungsvoll und eindringlich geraten ist. Mit der Schwenk auf Walter Gilman viele Jahre später baut sich die Handlung langsam auf, setzt aber immer wieder mit sehr unheimlichen und gruseligen Szenen Akzente. Die Stimmung ist durchgehend sehr dicht, kann sich aber natürlich im Laufe der Handlung noch weiter steigern, entführt den Hörer zusammen mit Walter in eine Parallelwelt, bald kann man kaum Traum und Realität auseinander halten. Die packende und dramatische Schlussszene setzt dann einen schrecklichen Höhepunkt. „Träume im Hexenhaus“ mag das Genre nicht neu erfinden, ist aber eine extrem gelungene Folge, die mit ihrer sehr intensiven und beeindruckenden Stimmung überzeugen kann.

Hannes Maurer ist in der Hauptrolle des Walter Gilman zu hören und übernimmt damit einen großen Teil der Handlung, er kann den aufkommenden Horror sehr eingängig darstellen, auch wenn er an einigen Stellen die Spannung nicht ganz aufrecht erhalten kann. Grandios ist Dagmar von Kurmin als Keziah Mason, ihre tiefe und kehlige Stimme passt wunderbar zu der Rolle, die sie mit viel Leidenschaft und packender Präsenz umsetzt. Roland Hemmo ist als schwarzer Mann ebenso gut besetzt und lässt seine Szenen ebenfalls sehr unheimlich und düster wirken. Weitere Sprecher sind Wilfried Herbst, Hans-Geord Panczak und Horst Naumann.

In Sachen Atmosphäre und Dramatik darf man vom Gruselkabinett natürlich auch in der 100. Folge eine absolut perfekte Inszenierung erwarten, wobei mit die eingesetzte Musik dieses mal besonders gut gefallen hat. Die wirkt noch einen Tick düsterer und kann dabei die Stimmung der Handlung bestens einfangen. Und auch die Geräusche und Effekte tragen ihren Teil zum Gelingen der Produktion bei.

Eine sehr unheimliche Szenerie wurde hier für das Cover umgesetzt, die Keziah Mason, einen dunklen Mann und eine riesige Ratte vor einem steinernen, reich verzierten Altar zeigt, der Raum ist im Hintergrund mit riesigen Säulen angedeutet. Die violette Farbgebung ist der Geschichte geschuldet, passt aber auch wunderbar zu dem Artwork der Folge. Als Zugabe zur Jubiläumsfolge gibt es eine DVD mit einer über 50-minütigen Dokumentation, in der Interviews, Studioaufnahmen aber auch Szenen der Arbeit der Macher zu sehen sind. Das ist ein kurzweiliger und unterhaltsamer Einblick hinter die Kulissen.

Fazit: Die Jubiläumsfolge vom Gruselkabinett ist sehr atmosphärisch dicht und eindringlich gelungen, wobei die Szenen mit Keziah Mason besonders unheimlich gelungen sind. Die sich immer weiter aufbauende Dramatik ist beeindruckend und lässt die über einstündige Produktion sehr flüssig erscheinen. Besonders das intensiv umgesetzte Finale kann dabei punkten.

VÖ: 15.Mai 2015
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5117-6


Gruselkabinett – 99. Die Toten sind unersättlich



Erster Eindruck: Faszination und Begierde

Der junge Adelige Bartek ist des öfteren zu Gast bei der Familie Bardoßka, allabendlich sitzen die mit dem Verlobten der Tochter des Hauses, Manwed Weroski, sowie dem ebenfalls um Aniela werbenden Maurizi Konopka beisammen. Doch das enge Band zwischen Manwed und Aniela wird bald auf eine harte Probe gestellt, als der junge Mann ein abgelegenes Schloss in den Karpaten aufsucht und dort völlig von einer weißen Statue einer bildschönen Frau fasziniert wird...

Kurz vor dem großen Jubiläum, der 100. Folge des Gruselkabinetts aus dem Hause Titania Medien, wird eine für die Reihe schon fast klassische Geschichte um Begierde und Faszination, von Liebe und einer geheimnisvollen Frauengestalt erzählt, wie es schon einige Folgen zuvor getan haben. „Die Toten sind unersättlich“ beginnt wie so oft eher ruhig, aber sehr atmosphärisch, die Stimmung des späten 19. Jahrhunderts sehr gekonnt aufgreift und die Charaktere vorstellt. Hier steht noch Bartek im Mittelpunkt und fungiert auch als Erzähler, später übernimmt auch Manwed diese Rolle. Dieser Schwenk ist sehr gelungen, beleuchtet das Geschehen aus mehreren Perspektiven und ist erzählerisch sehr elegant umgesetzt. Immer weiter steigert sich dabei die Faszination von Manwed, immer tiefer gerät er in die Fänge der mysteriösen Statue, immer mehr verfällt er ihr. Auch sein sich sträubender Wille gegen diesen Bann wird dabei sehr geschickt dargestellt. Die sehr stimmungsvoll erzählte Geschichte kratzt an einigen Stellen an diversen Klischees, kann aber auch zahlreiche eigenständige Elemente mit einbringen, sodass man schnell von der Handlung gefangen genommen wird.

Simon Jäger ist in der Rolle des Bartek zu hören und agiert dabei sowohl in den Dialogen als auch in Erzählparts. Wie immer kann er dies sehr sehr professionell umsetzen und bringt mit seiner markanten Stimme eine ansprechende Ausstrahlung dieser Figur mit sich. David Nathan ist ebenso hervorragend als Manwed besetzt, sein kräftiger Klang und die streckenweise inbrünstige Leidenschaft, die darin mitschwingt, aber auch die verzweifelten, schauderhaften Momente lassen eine sehr runde und stimmige Sprechweise entstehen. Antje von der Ahe kann als Fürstin Tartakowska mit einer betörenden, fast hypnotischen Stimme und ihrer eindringlichen Art zu Sprechen punkten. Auch Maria Koschny, Bodo Wolf, Ulrike Möckel und die anderen Beteiligten fügen sich hier bestens ein.

Musikalisch wird wieder für eine sehr dichte, intensive und auch sehr schaurige Atmosphäre gesorgt, wobei diese auch durchaus mal forscher in den Vordergrund drängt und sich beispielsweise mit Blechbläsern die Dialogen kräftig untermalt. So werden die entsprechenden Szenen noch weiter betont, wobei die stimmungsvolle Gestaltung mit Geräuschen auch hier wieder gut gelungen ist.

Wie immer ist die Zeichnung des Covers auch hier wieder im viktorianischen Zeichenstil gehalten und verbreitet dabei eine faszinierende Atmosphäre. Natürlich ist die Marmorstatue, die eine so wichtige Rolle in dem Hörspiel einnimmt, auch hier zu sehen, während Manwed diese mit leidendem Gesichtsausdruck berührt. Die Szenerie wird durch den hellen Mond, der durch das Fenster strahlt, sehr gelungen ergänzt.

Fazit: Auch wenn das Thema der faszinierenden und magischen Frau schon einige Male aufgegriffen wurde, kann dieses Hörspiel viele eigene Elemente einbringen und so eine sehr runde und atmosphärische Geschichte präsentieren, deren Erzählweise sehr gelungen ist. Die hervorragenden Sprecher und die sehr intensive akustische Umsetzung überzeugen dabei ebenso sehr.

VÖ: 17.April 2015
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5116-9


Gruselkabinett – 98. Der Schimmelreiter



Erster Eindruck: Literaturklassiker im Gruselkabinett

In einer stürmischen Nacht verirrt sich ein Reisender mit seinem Pferd, meint allerdings den Schatten eines Schimmelreiters wahrzunehmen. Er erreicht mit knapper Not ein Gasthaus, in dem er von der merkwürdigen Begegnung berichtet. Von dem alten Schulmeister erfährt er bald von der Geschichte des Schimmelreiters, der einst als Hauke Haien, Sohn eines Landvermessers, aufgewachsen ist...

Ein breites Spektrum aus Geschichten der Schauerromantik ist bereits im „Gruselkabinett“ vertreten, Überraschungen gibt es dabei immer wieder. Und so ist es zumindest ungewöhnlich, dass bei einer kommerziell angelegten Hörspielserie auch klassische Literatur wie „Der Schimmelreiter“ von Theodor Storm umgesetzt wird. Die Umsetzung der Novelle ist Stephan Boseinius und Marc Gruppe in 100 Minuten sehr gut gelungen, sehr intensiv kann die Geschichte von Hauke Haien darin wirken, wobei sich die Gruselelemente sehr zurückhalten und nur punktiert an die Oberfläche kommen – wie beispielsweise in der sehr gelungenen und atmosphärisch dichten Rahmenhandlung, in denen stets ein leichter Schauer zu spüren ist. Im Mittelpunkt steht jedoch die Lebensgeschichte von Hauke Haien, der schon als Kind mit Feuereifer an der Instandhaltung und Verbesserung der Deiche mitarbeitet und der bald das Ziel hat, als neuer Deichgraf seine Ideen umsetzen zu können. Es ist eben diese Leidenschaft, die immer wieder zum Vorschein kommt, wobei die Handlung komplexer wird und das Erwachsenwerden des jungen Mannes schildert. Wirklich unheimlich wird es dann wieder im letzten Drittel des Hörspiels, als der namengebende Schimmel in der Handlung vorkommt. Alles ist sehr dicht, sehr verwoben erzählt und kann so trotz der eher ruhigen Ausstrahlung sehr gut unterhalten.

Wunderbar sind auch die Sprecher, die mit hörbar viel Spielfreude bei der Sache sind. Johannes Raspe ist als Hauke Haien ganz wunderbar, mit seiner volltönenden und wandlungsfähigen Stimme kann er von der frühen Jugend bis zum Erwachsenenalter eine sehr überzeugende und glaubhafte Vorstellung abliefern. Kristine Walters gefällt mir als Elke Volkerts, der Ehefrau von Hauke, ebenso gut, mit sanftem, gefühlvollem Klang kann sie einen sehr intensiven und eindringlichen Eindruck hinterlassen. Peter Weis ist in der Rahmenhandlung als Schulmeister zu hören und übernimmt dabei die teilweise recht langen Erzählpassagen, die er abwechslungsreich und mit kurzweiliger Betonung umsetzt. Weitere Sprecher sind Hans Bayer, Dagmar von Kurmin und die sehr vielversprechende, sehr junge Clara Fischer.

Grandios auch wieder die akustische Umsetzung, die mehr als sonst von dieser Reihe gewohnt auch Geräusche für die atmosphärische Gestaltung nutzen und diese eng mit den eingesetzten Melodien verweben. Doch das tosende Meer oder die heftigen Regenschauer sorgen für jede Menge Stimmung, sodass man sich sehr gut in die Handlung hinein versetzen kann. Sehr gelungen und stimmig umgesetzt!

Die Illustration für das Cover stammt noch von dem verstorbenen Firuz Askin und trägt dessen typischen, romantisch angehauchten Zeichenstil, der sich insbesondere in der wunderbaren Hintergrundlandschaft mit den weitläufigen Deichen widerspiegelt. Vor dem dunklen, wolkenverhangenen Himmel zeichnet sich der riesige Schimmel mit Hauke samt finsterem Gesichtsausdruck deutlich ab.

Fazit: Sicherlich eine ungewöhnliche für das Gruselkabinett, aber eben auch eine sehr gelungene. Die intensive Stimmung, die eher auf eine ruhige Erzählweise denn auf Schockmomente setzt, wird durch die hervorragenden Sprecher und die atmosphärische Umsetzung generiert, sodass man sich mitten in die Deiche versetzt fühlt.

VÖ: 17.April 2015
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5115-2


Gruselkabinett – 96. / 97. Madame Mandilips Puppen



Erster Eindruck: Ein Mediziner, ein Gangsterboss und eine Puppenmacherin

Dr. Lowell ist auf Geisteskrankheiten spezialisiert und glaubt nicht an übernatürliche Mächte. Selbst ein ungewöhnlicher Fall kann den Mediziner vorerst nicht vom Gegenteil überzeugen: Ein Gangsterboss bringt einer seiner Kumpanen zu ihm, der in eine Schockstarre gefallen ist. Dr. Lowell beginnt zu ermitteln und findet so weitere geheimnisvolle Fälle dieser Art. Und alle Fäden scheinen bei der Puppenmacherin Madame Mandilip zusammen zu laufen...

Nach zahlreichen Einzelfolgen schickt Titania Medien in seinem grandiosen Gruselkabinett mit „Madame Mandilips Puppen“ mal wieder einen Zweiteiler ins Rennen. Schon durch den Titel weiß der Hörer, worum es geht und bekommt einen Hinweis auf die Hintergründe der gruseligen Geschichte, doch dies schmälert die sich langsam aufbauende Spannung keineswegs. Zu Anfang gibt es einige vage Hinweise, denen Lowell nachgeht, hier mutet die Handlung fast schon wie ein Thriller an. Zwar ist stetig eine übernatürliche Komponente zu spüren und es gibt einige spukige Szenen, dennoch bleibt der erste Teil eher ruhig. Erst gegen Ende der ersten CD taucht die namengebende Figur in einem sehr düsteren Rückblick auf und bringt die Folge richtig in Schwung. Die zweite CD ist dann auch merklich temporeicher, dichter erzählt und steigert die Dramatik und die Gefahr, die von Madame Mandilip ausgeht. So entsteht eine sehr dichte Atmosphäre, und obwohl die Handlung nicht wirklich wendungsreich ist, wird „Madame Mandilips Puppen“ zu einer sehr starken Folge. Das ungewöhnliche Thema der teuflischen Puppen, die diabolische Hauptfigur und der sehr gut erzählte Plot sorgen für typische Gruselkabinett-Stimmung.

Hans-Georg Panczak ist als Dr. Lowell zu hören und zeigt einmal mehr sein Können. Mit seiner markanten Stimme und der eingängigen Sprechweise kann er dem Mediziner viel Ausdruck verleihen. Doris Gallert ist in der Rolle der Madame Mandilip hervorragend besetzt, mit tiefer, rauer Stimme und diabolischem Auftreten sorgt sie für intensive Momente. Auch Uschi Hugo kann mit ihrem außergewöhnlichen Klang als Laschna überzeugen und spricht ihre Parts sehr eindringlich. Weitere Sprecher sind Jan Makino, Antje von der Ahe und Helmut Krauss.

Stephan Bosenius und Marc Gruppe haben wieder eine sehr dichte und intensive Stimmung erzeugt, sodass die Geschichte eine gelungene Klangkulisse bekommt. Atmosphärische Musikstücke, die meist dräuend im Hintergrund erklingen, sorgen für die passende Stimmung, zahlreiche Geräusche machen die Handlung lebendiger und vereinzelt verzerrte Stimmen machen die mysteriösen Elemente noch eindringlicher.

Die beiden einzelnen Hüllen stecken auch hier wieder zusammen in einem Pappchuber, die beiden Cover zu den CDs sind sich sehr ähnlich. Beide zeigen in düsterer Kulisse vier von Madame Mandilips Puppen mit gespenstischen Gesichtern in einer Reihe. Beim ersten Cover noch vom Betrachter weggedreht blicken sie einem auf dem zweiten Cover direkt an.

Fazit: „Madame Mandilips Puppen“ eröffnet die Handlung eher im Stil eines Krimis und stellt ruhige Ermittlungen in den Mittelpunkt, wobei auch hier ein schauriger Unterton zu hören ist. Zum Ende der ersten CD geht es dann richtig zur Sache, wird sehr unheimlich und präsentiert zahlreiche sehr starke Szenen. Die zweistündige Produktion ist sehr unterhaltsam aufgebaut und steigert sich immer weiter.

VÖ: 12.März 2015
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-37857-5114-5


Gruselkabinett – 95. Die Falle



Erster Eindruck: Übernatürliche Vorgänge im Internat

Nach einem längeren Aufenthalt auf den Jungferninsel unterrichtet Ben Canevin in der Privatschule des befreundeten Direktors Mayer. Als im ersten Winter seiner Tätigkeit im gesamten Internat die Heizungsanlage ausfällt, lädt er drei seiner Schüler zum Literaturunterricht in seine Privaträume ein, die von einem Kamin eingeheizt werden. Der feinfühlige Robert zeigt dabei besonderes Interesse an einem alten Spiegel seines Lehrers...

Henry S. Whiteheads Geschichten sind in Deutschland bisher nicht zu größerer Popularität gelangt, was sich jetzt durch die 95. Folge von Gruselkabinett zumindest in Hörspielkreisen ändern dürfte. Denn „Die Falle“ des Erzdiakons und Horror-Autors ist wieder zu einer sehr soliden und kurzweiligen Produktion geworden. Ein stimmungsvolles Intro eröffnet die Handlung und wirft das Mysterium um einen mächtigen Spiegel in den Raum, der Start in die Handlung ist dann wie immer recht harmlos, nur langsam schleichen sich hier übernatürliche Momente ein. Das ist stimmungsvoll komponiert und unterhaltsam erzählt, bis langsam Klarheit in die Geschichte kommt. Im Hauptteil gibt es einige packende Szenen, die sich jedoch nicht mit Schockmomenten arbeiten, sondern das Grauen zelebrieren und auskosten. Besonders ein recht langen Gespräch mit dem Antagonisten der Folge ist sehr atmosphärisch gelungen und bildet den Höhepunkt der Serie. Danach ebbt die Spannung und Dramatik ebenso langsam wieder ab, nach der Auflösung folgen noch einige weitere Szenen, die die Handlung Schritt für Schritt abklingen lassen. Dieser Teil ist mir persönlich etwas zu lang geraten, hier habe ich noch auf eine Wendung oder einen kleinen Knall gewartet. Dennoch ist wieder eine runde und gelungene Folge erzählt worden, die dem Genre der Schauerromantik eine weitere Facette hinzufügen kann.

Frank Schaff steht als Ben Canevin hier im Mittelpunkt und übernimmt neben den Dialogen auch die kurzen Erzähltexte. Dies löst er mit fester und ausdrucksstarker Stimme, mit der er in jeder Szene absolut glaubwürdig agiert. Robert Grandison wird von Daniel Schlauch gesprochen, der besonders im zweiten Teil der Handlung überzeugt und das Grauen des Schülers lebendig darstellt. Lutz Riedel spricht den machtvollen Antagonisten der Folge und verleiht seiner Stimme dabei einen sehr boshaften Unterton, der gut zur Geltung kommt. Weitere Sprecher sind Sascha Wussow, Andreas Mannkopff und Cornelia Meinhardt.

Stephan Bosenius und Marc Gruppe von Titania Medien haben es wieder geschafft, eine ebenso lebendige wie bedrückende Atmosphäre zu schaffen und die einzelnen Szenen mit ausdrucksstarker Musik zu unterlegen. Diese fügt sich zusammen mit den Sprechern und den wohl platzierten Geräuschen zu einer Einheit zusammen, die sehr gut aufeinander abgestimmt wurde und in der alle Komponenten bestens zur Geltung kommen.

Natürlich ist der geheimnisvolle Spiegel auch auf dem Cover zu sehen, reich verziert und mit einigen Details ausgestattet sind die Figuren in ihm jedoch das, was die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Während Ben sowohl im Spiegel als auch außerhalb zu sehen ist, sind die bläulich schimmernden Figuren von Robert und dem mächtigen Magier lediglich in ihren Reflexionen im Spiegelglas zu sehen.

Fazit: Titania Medien präsentiert mit „Die Falle“ eine solide Folge, die sich sehr gut in das Gruselkabinett einfügt und sowohl in Sachen Aufbau als auch mit der dahinterstehenden Mythologie neue Seiten der Serie zeigen kann. Besonders der Höhepunkt in der Mitte des Hörspiels kann überzeugen und mit einem interessanten Dialog unterhalten.

VÖ: 14.November 2014
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5027-8


Gruselkabinett – 94. Tobias Guarnerius



Erster Eindruck: Not und Ehrgeiz eines Geigenbauers

Tobias Guarnerius, ein verarmter Instrumentenbauer aus Bremen, kann sich und seine Mutter mit seiner Werkstatt und kleineren Reparaturen gerade so am Leben erhalten. Dabei hegt er den Traum von einer perfekten Geige, die einer Stradivari in nichts nachsteht. Lange Zeit stellt er Forschungen an und fertigt eine Kopie nach der anderen an. Doch um sein Werk zu vollenden, greift er zu unheilvollen Mitteln...

Wieder einmal hat Titania Medien für sein Gruselkabinett eine gänzlich unbekannte Geschichte gefunden und vertont, das Leben des verarmten Geigenbauers wird in der 94. Folge gewohnt düster und atmosphärisch erzählt. Die Handlung wurde in etwa einer dreiviertel Stunde erzählt und wirkt somit sehr flüssig und gradlinig, gibt den einzelnen Szenen aber dennoch genügend Raum, um sich zu entfalten. Hierzu trägt auch der Einsatz eines externen Erzählers, der die Ereignisse kommentiert, er steigert das Tempo, aber auch die Atmosphäre deutlich. So gelingt schon der Start in die Handlug sehr stimmungsvoll, was sich im Laufe der Handlung immer weiter steigert. Dabei bleibt diese insgesamt doch sehr ruhig ab und setzt auf leisen, hintergründigen Grusel, sodass bald diese ganz besondere Stimmung der Serie aufkommt. Die Besessenheit von Tobias Guarnerius kommt dabei sehr gut zur Geltung, und eine eindringliche Szene mit seiner Mutter kann dies besonders hervorkehren. So viel sei verraten, sein Leben endet tragisch, und ist ebenso galant wie atmosphärisch erzählt worden. Die verwendete Sprache ist dabei sehr poetisch und bildhaft, in ihr weht ein wenig von dem altertümlichen Ambiente des beginnenden 19. Jahrhunderts mit. Eine gelungene und hörenswerte Folge der Serie.

Hauptfigur Tobias Guarnerius wird von Tobias Nath gesprochen, dessen Stimme sehr eindringlich und präsent klingt, den sich immer weiter steigernden Eifer des Mannes wird durch ihn famos in Szene gesetzt. Seine Mutter wird von Kerstin Sanders Dornseif gesprochen, die mal bestimmend und ein wenig kratzbürstig, dann aber auch verletzlich und verzweifelt klingen kann. Als Erzähler hat mir Hasso Zorn äußerst gut gefallen, seine eindringliche Stimme setzt die kurzen Passagen in ein sehr gelungenes Licht rückt. Weitere Sprecher sind Timmo Niesner, Peter Weis und Max Schautzer.

In dieser Folge geht es oft um die unterschiedlichsten Geigenklänge, von misstönend und schief bis hin zu volltönend und fast magisch – und all dies konnte Titania Medien auch in der brillanten akustischen Umsetzung vermitteln. Besonders gelungen ist die Szene, in denen ein Geigenkonzert thematisiert ist und dies im Hintergrund zu hören ist, während der Erzähler die eindrucksvolle Wirkung des Spieles beschreibt.

Ein grünlich schimmernder Hintergrund und zahlreiche, opulent gekleidete Menschen umringen auf dem Cover die Titelfigur Tobias Guarnerius, der völlig vertieft auf seiner Geige spielt. Das allein ist aufgrund der Vielfalt an Details ein ansprechendes Motiv, was aber durch die geisterhafte Gestalt, die hinter dem Geiger aufsteigt, noch unterstützt durch den melancholischen, nach oben gerichteten Blick.

Fazit: Leisen Schauer hat sich das Gruselkabinett auf die Fahne geschrieben, und genau das wird hier auch geboten. Langsam steigert sich die gradlinig erzählte Handlung und nimmt dabei immer mehr an Intensität zu, während die Obsession des Geigenbauers ebenso eindringlich thematisiert wird. Ein Hörspiel für dunkle Herbstnachmittage.

VÖ: 14.November 2014
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5026-1


Gruselkabinett – 93. Das Haus der sieben Giebel



Erster Eindruck: Dunkle Familiengeschichte über mehrere Generationen

Der junge Mr. Holgrave ist fasziniert von dem alten Haus mit den sieben Giebeln, in dem die alte Hepzibah Pyncheon allein und zurückgezogen wohnt. Er bittet sie, ihr Untermieter sein zu dürfen und zieht bald darauf in einem der Giebelzimmer ein. Doch schon bald erlebt er die unheimliche Stimmung, die von dem Ort ausgeht, und so kommt er langsam hinter das Geheimnis, das das Gemäuer umgibt...

Unheimliche alte Häuser haben seit jeher eine große Tradition im Gruselkabinett von Titania Medien, für die Autoren der Schauerromantik scheinen diese eine große Faszination auszuüben. Auch Folge 93 „Das Haus der sieben Giebel“ dreht sich um ein solches Haus, doch vielmehr steckt ein dunkles Familiengeheimnis, ein schrecklicher Fluch dahinter, das hier langsam zelebriert und aufgedeckt wird. Erzählt wird aus der Sicht von Mr. Holgrave, der allerdings über weite Teile nur Beobachter ist, im Mittelpunkt stehen die alte Hepzibah Pyncheon sowie später ihre Nichte Phoebe. Immer wieder gibt es dabei Rückblicke auf vergangene Zeiten, auf verschiedene Generationen der Familie Pyncheon, in denen es um Streitigkeiten mit einem anderen Clan, wertvollen Grundbesitz und immer wieder auch übernatürliche Ereignisse und schwarze Magie. So entwickelt sich eine durchaus komplexe Handlung, da auch die Verhältnisse in der Gegenwart verschlungen sind. Das alles ist spannend aufbereitet, es gelingen immer wieder überraschende Wendungen und düstere Momente, sodass die knapp 80minütige Geschichte sehr abwechslungsreich wirkt und eine gelungene Ausstrahlung bekommt. Gelungen!

Die grandiose Dagmar von Kurmin bekommt hier mit Hepzibah Pyncheon eine sehr dankbare Rolle für ihre dunkle, raue Stimme und kann die alte Frau mit großer Intensität umsetzen, sodass jede ihrer Szenen sehr ausdrucksstark wirkt. Janina Sachau hat mir als Phoebe Pyncheon ebenfalls sehr gut gefallen, ihr heller und aufgeweckter Klang kann auch den aufkommenden Grauen sehr gut umsetzen. Louis Friedemann Thiele übernimmt die Rolle des Mr. Holgrave, der mit seiner ruhigen und angenehmen Stimme gut durch die Handlung führt und dabei sehr natürlich agiert. Weitere Sprecher sind Maximiliane Häckle, Helmut Winkelmann und Horst Naumann.

Auch akustisch ist die Handlung präzise und stimmungsvoll umgesetzt worden. Die traurige Melodie, die eine wichtige Rolle in der Geschichte spielt, ist sehr passend eingebaut und erzeugt zusammen mit den anderen Musikstücken eine sehr dichte Atmosphäre, die von passenden Geräuschen noch unterstützt wird, so kann beispielsweise eine lange zurückliegende Gewitternacht für Nachdruck sorgen.

Natürlich wurde das titelgebende Haus auch auf dem Cover abgebildet, hinter kahlen Bäumen recken sich die sieben Giebel in den nächtlichen Himmel, der in verschiedenen Farben erstrahlt und – natürlich – den vollen Mond am Himmel zeigt. Nur stellenweise beleuchtet und ziemlich verwinkelt bekommt man einen guten ersten Eindruck vo n dem schaurigen Haus.

Fazit: Durch die verschachtelte Erzählweise mit gleich mehreren Zeitebenen zeichnet eine bedrückende und beängstigende Familiengeschichte, die immer neues Grauen offenbart und dabei nicht nur düster wirkt, sondern auch abwechslungsreiche Stimmungen erzeugt. Geschickt aufgelöst und mit zahlreichen Überraschungen versehen entstehen so unterhaltsame 80 Minuten.

VÖ: 8.Oktober 2014
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5025-4


Gruselkabinett – 92. Zimmer 13



Erster Eindruck: Unheimliches aus dem Hotel

Victor Anderson will in der kleinen dänischen Stadt Viborg einige Nachforschungen in der umfangreichen Bibliothek anstellen und mietet sich für einige Wochen in das Hotel „Goldener Löwe“ ein. Aufgrund der Größe sucht er sich das Zimmer 12 ein und fühlt sich schnell wohl, doch schon in der ersten Nacht hört er einige seltsame Geräusche aus dem Nebenzimmer. Doch diese wollen so gar nicht zu dem zurückhaltenden Anwalt passen, der dort wohnt...

Mit „Zimmer 13“ haben Stephan Bosenius und Marc Gruppe von Titania Medien bereits die zweite Geschichte von dem englischen Gruselautor „M.R. James“ vertont, diese ist als 92. Folge des Gruselkabinetts veröffentlicht worden. Die Geschichte enthält eine kleine Rahmenhandlung, in der Hauptperson Victor seinem Cousin von den Ereignissen im Hotel berichtet. So werden schon gleich zu Beginn einige unheimliche Anmerkungen eingestreut, die sich stark auf die Stimmung des Hörspiels auswirken. Und auch kurz nach der Ankunft im Hotel wird eine düstere, rätselhafte Aura geschaffen. Das besondere dabei ist, das der eigentliche Horror, das Grauen nur angedeutet, aber niemals zur Gänze aufgeklärt wird. Und genau das ist schauriger, als man es sich vorgestellt hätte, vieles liegt im Argen und beflügelt die eigene Phantasie. Auch wenn die Erzählung atmosphärisch dicht ist, fallen die langen Erzählpassagen manchmal auf und hätten dynamischer erzählt werden können – was bei dieser Geschichte zugegebenermaßen äußerst schwierig sein dürfte. Das macht aber auch gar nichts, denn die Geschichte an sich ist so reizvoll, unheimlich und packend, wird in knackigen 50 Minuten erzählt und ist eine sehr, sehr starke Folge.

Den größten Teil der Handlung übernimmt Christian Stark als Victor Anderson, seine sehr wandlungsreiche Stimme nimmt einen warmen Klang an, kann aber auch feine Nuancen wie sanften Spott oder aufkommendes Grauen sehr umfassend einfangen. Herr Kristensen, der Wirt des Goldenen Löwen, wird von Tom Deininger gesprochen, der seine Figur präzise, eindringlich und sehr stimmungsvoll umsetzt. Auch Patrick Bach gefällt mit als Herr Jensen, dem etwas kühl wirkenden Anwalt aus dem Nebenzimmer, sehr gut, kann er doch in einer späten Szene des Hörspiel neuen Schwung hereinbringen und die Atmosphäre weiter unterstützen. Weitere Sprecher sind Andreas Mannkopff, Jannik Endemann und Lutz Mackensy.

Unheimliche Geräusche und seltsame Klänge spielen in dieser Geschichte eine entscheidende Rolle – eine Steilvorlage, die Titania Medien natürlich genutzt hat. So wurden gerade die nächtlichen Szenen aufwändig mit außergewöhnlichen Klängen und schaurigen Sounds umgesetzt, die zusätzlich von atmosphärischer Musik unterstützt werden. So entsteht eine wunderbare, dichte und sehr schaurige Stimmung, die den Hörer vollkommen gefangen nimmt.
Genau wie in der Geschichte selbst wird auf dem Cover nur angedeutet, aber nicht ganz klar gezeigt, sodass eine geheimnisvolle Stimmung erzeugt wird. Auf die Zimmertür zu Nummer 13 werden unheimliche Schatten geworfen, Klauen mit langen Krallen in triefendem Schwarz, aber auch eine menschliche Hand, die die Tür gerade öffnen will. Auch die optische Einbindung in den ansehnlichen Rahmen ist gelungen.

Fazit: Eine gänzlich wunderbare Folge, die mit eine sehr dichten und düsteren Stimmung aufwarten kann, Grauen und Schauer werden aber nur angedeutet und erhalten sich so einen sehr unheimlichen Kern. So entsteht eine sehr fesselnde Stimmung, die mich wirklich mitreißen konnte.

VÖ: 8.Oktober 2014
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5024-7


Gruselkabinett – 91. Mary Rose



Erster Eindruck: Der Zauber einer kleinen Insel

Harry, ein junger Mann, der einige Jahre im Ausland verbracht hat, kehrt in das Haus seiner Kindheit zurück. Dort lebt die abweisend wirkende Miss Otery, die als Haushälterin eingezogen ist. Doch schnell merkt Harry, dass die alte Dame ihm etwas verschweigt, und so drängt er sie, bis sie die Geschichte einer Familie erzählt, die vor etlichen Jahren dort gewohnt hat – und die ein schreckliches Schicksal getroffen hat...

Mit „Mary Rose“ hat das Gruselkabinett eine weitere, fast schon klassisch zu nennende Gruselgeschichte um ein altes Haus ins Programm genommen, doch „Mary Rose“ von James Matthew Barrie hat einen entscheidenden Kniff, der alles in ein ganz anderes Licht rückt. Die aufgebaute Stimmung in dem Gemäuer, dass gleich eine mysteriöse und unheimliche Ausstrahlung hat, zieht sich von der oben genannten Introszene durch die gesamte Erzählung, in der immer wieder Rückblenden und Zeitsprünge langsam ein komplettes Bild zusammensetzen. Im Mittelpunkt steht dabei Mary Rose, die ein düsteres Geheimnis umweht, und das gleich zu verschiedenen Stationen ihres Lebens. Dazwischen immer einige Jahre, von denen der Hörer nichts erfährt, und auch das eigentliche Mysterium der Geschichte wird vollkommen offen gelassen, kaum ein Hinweis deutet auf dessen Auflösung hin. Das gefällt mir sehr gut, da die wunderbare, tragische Stimmung der winzigen schottischen Insel noch weiter verstärkt wird. Am Ende der Folge schließt sich der Kreis, und auch wenn die Auflösung nicht ganz so überraschend kommt, ist diese sehr eindringlich, emotional und schmerzvoll erzählt – ganz wunderbar!

Die Sprecher sind beim Gruselkabinett fast schon standardmäßig hervorragend, doch hier haben sie mit besonders gut gefallen, da sie alle diese unheimlich-tragische Stimmung unterstützen - allen voran die grandiose Luisa Wietzorek, die als Mary Rose mit ihrer sanften, melancholischen Stimme sehr ausdrucksstark spricht in insbesondere die letzte Szene absolut phantastisch umsetzt. Timmo Niesners ungewöhnlicher Klang passt sehr gut zu der Rolle des Harry, den er gekonnt und mit der notwendigen Ernsthaftigkeit in Szene setzt und dabei immer den richtigen Ton trifft. Als Simon, Mary Rose' Verlobter und späterer Ehemann, wird von Axel Malzacher gesprochen, auch er passt sich hervorragend der vorherrschenden Stimmung an. Weitere Sprecher sind Kerstin Sanders-Dornseif, Frank-Otto Schenk und Monica Bielenstein.

Auch in Sachen Akustik ist diese Folge ganz vorne mit dabei und schafft eine sehr eindringliche, dichte Atmosphäre. Dafür sorgen die zahlreichen eingeflochtenen Musikstücke, die meist auch während der Dialoge zu hören sind und die sich melodiös um die Handlung schlängeln, unterstützt von zahlreichen Geräuschen und einigen geflüsterten Worten. Alles zusammen ergibt ein äußerst stimmiges Gesamtbild, in das man sich völlig fallen lassen kann.

Die schottische Insel, die eine so wichtige Rolle in dem Hörspiel einnimmt, ist auch auf dem Cover thematisiert, mit den dunklen Wassern, Bergen und Bäumen kommt sie sehr gut zur Geltung. Im Mittelpunkt steht jedoch das feengleiche Gesicht, das im Himmel zu schweben scheint und dessen tiefblaue Farbe angenommen hat und melancholisch auf das Eiland blickt. Das einsame Mädchen, das am Strand steht, geht dabei schon fast unter.

Fazit: Eine hervorragende Folge, die mir ausnehmend gut gefallen hat. Stets ist eine düstere, melancholische Stimmung vorhanden, die die verschiedenen Zeitebenen miteinander verbindet und sehr gelungen und wendungsreich erzählt wurde. Besonders die Auflösung ist sehr gelungen und emotional erzählt.

VÖ: 16.September 2014
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5023-0


Gruselkabinett – 90. Die Farbe aus dem All



Erster Eindruck: Meteorit in verfluchter Heide

Jeff Burger und Rose Kenny fahren in einen etwas abgelegenen Landstrich, um dort Messungen für einen geplanten Stausee vorzunehmen. Das Land ist fast gänzlich verlassen, nur der alte Farmer Ammi Pierce wohnt noch dort. Und er erzählt den beiden von den seltsamen Vorgängen in der „verfluchten Heide“, wie die Gegend genannt wird, seit dort vor einigen Jahren ein Meteorit eingeschlagen ist...

Marc Gruppe und Stephan Bosenius haben es sich zwar nicht zur Aufgabe gemacht, alle Geschichten von H.P. Lovecraft zu vertonen (was auch eine nicht zu bewältigende Aufgabe wäre), doch immer wieder werden einzelne Episoden aus seinem umfangreichen Werk für das Gruselkabinett adaptiert. Neu hinzu gekommen ist „Die Farbe aus dem All“, die wieder in unmittelbarer Nähe zu der mit Schrecken behafteten Stadt Arkham spielt, doch wieder eine etwas andere Richtung einschlägt als einige seiner Vorgänger und den Hörer lange über den eigentlichen Schreckend er Geschichte um Unklaren lässt. Nach dem stimmungsvollen Intro erfahren Jeff und Rose – genauso wie der Hörer – immer mehr über die schrecklichen Vorgänge, die mit dem Meteoriteneinschlag seinen Anfang gefunden hat und in ein gradlinig erzähltes, doch durchaus komplexes Konstrukt führt, das sehr spannend, sehr atmosphärisch erzählt wurde. Zahlreiche Rückblenden und immer wieder Ausschnitte der Rahmenhandlung fügen sich ineinander und erzeugen eine gewisse Ruhe, in der sich der aufkeimende Horror bestens entfalten kann. Viele starke Szenen und ein furioses Finale später konnte der Hörer nach 72 Minuten auch völlig ohne Vorkenntnisse aus dem Arkham-Horror-Zyklus tief in diese fremdartige und bedrohliche Geschichte eintauchen.

Jochen Schröder nimmt als alter Farmer Ammi Pierce die Rolle des Erzählers ein, der seinen beiden Besuchern von den Vorkommnissen berichtet. Mit seiner tiefen, eindringlichen Stimme und einer sehr betonten Sprechweise kann er viel Stimmung schaffen und Spannung erzeugen. Die wunderbare Melanie Pukaß hat mir sehr gut als Rose Kenny gefallen, ihre außergewöhnliche, leicht gebrochene Stimme passt sehr gut in die vorherrschende Atmosphäre, sie kann sehr natürlich agieren und dennoch eine breite Gefühlspalette zeigen. Beeindruckend fand ich das Spiel von Cornelia Meinhardt, die als geistig gestörte Nabby voller Überzeugungskraft und Präzision auftritt und dies bestens umsetzen kann. Weitere Sprecher sind Johannes Berenz, Peter Reinhardt und Julian Tennstedt.

Neben den Sprechern ist die eingesetzte Musik beim Gruselkabinett auch hier wieder mindestens genauso wichtig für die aufkommende Stimmung. Sie ist immer präsent, mal eher im Hintergrund, mal drängt sich sich in den Fokus des Hörer und betont so die besonders dramatischen Stellen oder gestaltet die Szenenübergänge. Auch die Geräusche fügen sich stimmig in die Handlung ein.

Sehr düster und dramatisch ist das Cover zu dieser Folge gelungen, der unheilvolle Meteorit, der eine zentrale Rolle in dem Hörspiel einnimmt, ist auch auf dem Cover zu sehen. Es herrscht finstere Nacht, er liegt in einem Krater und sendet helle Blitze von sich, während im Hintergrund ein beeindruckendes Haus sowie ein Brunnen zu sehen ist – ebenfalls wichtige Elemente aus dem Hörspiel. Sehr gelungen, düster und ansehnlich.

Fazit: Sehr feinsinnig erzählt, voller düsterer und packender Stimmung, wirklich beängstigend und mit hervorragenden Sprechern umgesetzt. „Die Farbe aus dem All“ entwickelt dabei eine ganz eigene Dynamik und führt den Hörer tief in diese bedrückende Szenerie ein. Eine gänzlich gelungene Folge.

VÖ: 16.September 2014
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5022-3

 

Gruselkabinett – 89. Heimgekehrt



Erster Eindruck: Zweiter Einsatz für Alwyne und Colin

Das Ehepaar Carmichael hat ein altes Hotel erstanden und es aufwändig renoviert. Doch schon bald ahnen sie, warum das Haus so günstig war: Es scheint zu spuken, und auch wenn Sean dies anfangs nicht glauben will, wird er durch den Einsatz eines Ouija-Boards vom Gegenteil überzeugt. Über eine Bekannte bittet Sean und Julia das Ehepaar Hargreaves zu Hilfe, die die unheimlichen Ereignisse schon bald unter die Lupe nehmen...

Gleich zwei Comebacks werden in der 89. Folge des Gruselkabinetts gefeiert. Zum einen ist es die zweite Geschichte, die Marc Gruppe, einer der Köpfe von Titania Medien, unter seinem Pseudonym Per McGraup verfasst hat. Zum zweiten kommt erneut das übersinnliche Ermittlerduo Alwyne und Colin Hargreaves zum Einsatz, die schon in „Heimgesucht“ für eine angenehme und charmante Stimmung gesorgt haben. Doch bis die beiden auftauchen, wird erst einmal recht ausführlich die Situation im alten Hotel vorgestellt, spätestens beim Einsatz des Ouija-Boards kommt eine unheimliche Stimmung auf. Der Schwenk zu den Hargreaves ist dann wieder eher locker gehalten, ein sehr unterhaltsames und humorvolles Gespräch sorgt für einen gelungenen Übergang. Der weitere Verlauf ist kurzweilig und spannend erzählt, immer tiefer tauchen Colin und insbesondere Alwyne in das düstere Geheimnis des Hauses ein. Das ist nicht nur gruselig, sondern auch anrührend und beklemmend erzählt. Die ganz großen Überraschungen bleiben zwar aus, aber alles ist so stimmig und in sich geschlossen erzählt, dass diese Geschichte seinem Vorgänger in nichts nachsteht und besonders wegen des charmanten Duos überzeugen kann.

Auch die Sprecher sind wie immer hervorragend ausgesucht und erwecken ihre Figuren zum Leben. Sehr gut gefallen hat mir das Wiederhören mit Reinhilt Schneider als Julia Charmichael, die mit ihrer außergewöhnlichen Stimme die extrovertierte und gefühlsbetonte Hotelbesitzerin sehr gelungen umsetzen kann. Ihr Mann Sean wird nicht minder gekonnt von Christoph Jablonka gesprochen, dessen eingängiger Klang sehr gut in die Atmosphäre der Geschichte passt. Maximiliane Häcke ist als Pamela zu hören, die trotz ihres jungen Alters ihre Figur sehr gezielt und effektvoll in Szene setzt. Neben dem bereits bekannten Ermittlerduo Stephanie Kirchberger und Benedikt Weber sticht auch Ursula Sieg in einem kleinen Auftritt hervor.

Titania Medien steht für qualitativ hochwertig produzierte Hörspiele, und auch „Heimgekehrt“ lässt in diesem Punkt nicht nach. Atmosphärische Musikstücke untermalen die Geschichte und setzen jede Szene ins rechte Licht. Auch die Musikbegleitung während der Dialoge ist sehr stimmig gelungen und wird durch zahlreiche passende Sounds ergänzt. Besonders die letzten Szenen sind sehr eindringlich umgesetzt.

Das Cover orientiert sich an der ersten Geschichte um das Ehepaar Hargreaves, sodass der Zusammenhang gleich offensichtlich ist. Wieder ist Alwyne mit einem tief ins Gesicht gezogenen Hut auf einer düsteren Straße unterwegs, das alte Fachwerkhotel im Hintergrund. Im blau-grünen Himmel ist das Gesicht eines jungen Mädchens schemenhaft abgebildet, dem Tränen aus den Augen laufen.

Fazit: Die zweite Geschichte um das ungewöhnliche Ermittlerpaar kann mit einer stimmigen und sehr unheimlichen Geschichte überzeugen. Dabei kommt der Charme der beiden ebenso gut zur Geltung wie die düstere Stimmung im Hotel. Hier spitzt sich der Blick in die Vergangenheit immer weiter zu, sodass am Ende ein grandioses Finale steht.

VÖ: 16.Mai 2014
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4968-5


Gruselkabinett – 88. Die Affenpfote



Erster Eindruck: Besuch in gewittriger Nacht

In einer sturmumtosten Nacht sitzt die Familie White bei Kaminfeuer in ihrem eigenen Haus zusammen. Sergeant Major Morris, ein alter Freund des Familienvaters, hat sich zu Besuch angekündigt, doch anstatt in Erinnerungen zu schwelgen berichtet dieser von einer geheimnisvollen Affenpfote, die ihrem Besitzer drei Wünsche erfüllt – jedoch zu einem schrecklichen Preis. Trotz aller Warnungen beschließt James, die Pfote zu benutzen...

„Die Affenpfote“ ist mit 47 Minuten Laufzeit die kürzeste Geschichte, die für das Gruselkabinett von Titania Medien vertont wurde, dennoch wird sich hier in der anfänglichen Szene recht viel Zeit gelassen. Die behagliche Szene am Kaminfeuer verbreitet eine wohlige Stimmung und stellt zudem die Charaktere und ihre Beziehung zueinander ausführlich vor. Erst mit dem Besuch von Morris kommen erste, gruselige Momente in die Handlung, die Legende der Affenpfote wird eingeführt und fasziniert nicht nur die Familie White, sondern auch schnell den Hörer. Düstere Ankündigungen und ein drohendes Unheil schweben fortan über der Handlung, die ansonsten traute Szenerie wird empfindlich gestört. Besonders die Bedenken von Mutter Maggie verstärken diesen Eindruck noch deutlich. Natürlich – das war nicht anders zu erwarten – wird der Affenpfote aber ein Wunsch mitgeteilt, und die daraus resultierenden Ereignisse sind sehr gut erzählt und verbreiten eine wunderbar düstere und tragische Atmosphäre. Auch das Ende ist geschickt ausgeführt und lässt vollkommen offen, wie die Familie mit den tragischen Ereignissen fertig wird, wie sich ihre Zukunft durch die Vorfälle verändert. Anfangs hätte man zwar etwas schneller die Handlung vorantreiben können, dennoch ist hier eine starke Folge des Gruselkabinetts entstanden, die gerade wegen ihrer Kürze überzeugen kann.

Gerade einmal sechs Sprecher sind in diesem Hörspiel zu hören, das auch in der Wahl des Schauplatzes auf das Wesentliche reduziert wurde. Harald Dietl spricht den Familienvater James mit einer sehr ausgeprägten Stimme, die die Gefühlsregungen des Mannes sehr gekonnt darstellen kann. Sein Sohn Herbert wird von Max Felder gesprochen, dessen unbekümmerte und neugierige Art sehr gut zu dem Charakter passt und diesen unterstreichen kann. Regina Lemnitz ist als Mutter Maggie von ihrer sanfteren Seite zu hören, wirkt dabei aber manchmal etwas zu blass für ihre tönende und kraftvolle Stimme. Weitere Sprecher sind Hasso Zorn, Erich Ludwig und Johannes Steck.

Die Handlung wird wieder auf sehr stimmungsvolle Weise von der eingebauten Musik unterstützt. Sei es die heimelige Atmosphäre, die in den anfänglichen Szenen geschaffen wird, oder die dramatische Wirkung der späteren Ereignisse, alles wird eng ummantelt und in ein passendes Klangkleid eingefasst. Auch die Einbindung verschiedener Geräusche und insbesondere des lauten Donners kann überzeugen.

Natürlich hat die unheimliche Affenpfote auf dem Cover ihren Platz gefunden, die vertrocknete, fast schon schwarze Hand liegt auf einem kleinen Tisch, auf dem auch ein Bilderrahmen mit einer Fotografie der Familie und eine Lampe Platz gefunden hat, die sanftes Licht verbreitet. Die angenehme Atmosphäre wird durch die Pfote deutlich gestört und vermittelt somit viel von der Stimmung des Hörspiels.

Fazit: Das bisher kürzeste Hörspiel der Serie kann mit einer anfangs gemütlichen, später unheimlichen und gruseligen Stimmung überzeugen. Dass Unheil droht ist schnell klar, doch wie sich alles weiterentwickelt birgt einige Wendungen. Knapp erzählt und gerade deshalb so packend.

VÖ: 16.Mai 2014
Label: Titania
Bestellnummer: 978-3-7857-4967-8


Gruselkabinett – 87. Alraune



Erster Eindruck: Femme Fatal im Mädchenkörper

Die Mythen, die sich um die Alraunenwurzel ranken, faszinieren eine kleine Gruppe um den Geheimrat Jakob den Brinken. Sie beschließen, selbst eine Alraune zu züchten und befruchten eine Prostituierte mit dem Samen eines gehängten Mörders. Frank Braun, ein junger Mann, wendet sich kurz nach diesem Ereignis von der Gruppe ab und bereut sein Handeln. Jahre später sollte er aus einem Buch erfahren, wie das Leben der Alraune verlaufen ist…

Oft suchen Stephan Bosenius und Marc Gruppe für ihr Gruselkabinett in der Ferne nach passenden Geschichten, mit „Alraune“ ist aber nun die Vorlage eines deutschen Autoren vertont worden: Hanns Heinz Ewers. In dieser geht es um das merkwürdige titelgebende Geschöpf, von der ersten Idee der unnatürlichen Zeugung bis zu deren Ende wird ihr Lebensweg verfolgt – und dabei eine sehr dichte, fast schon greifbare Stimmung erzeugt. Schon die oben beschriebene Szene sorgt dabei für wohlige Schauer und offenbart die Skrupellosigkeit der kleinen Gruppe, rein aus Profitgier und Neugierde schrecken sie vor kaum etwas zurück. Richtig interessant wird es dann natürlich mit der Geburt von Alraune, ihre unheilvolle Macht, die sie auf Menschen ausübt, steht ab dort im Mittelpunkt. Einige Todesfälle werden beschrieben, bei anderen darf man Zeuge sein, wie Alraune die Schicksale herbeigeführt hat. Machtvoll und kühl, aber körperlich eher zerbrechlich wird die dargestellt und erhält dabei eine sehr mystische Aura. Und trotz ihrer erschreckenden Taten kann sich auch der Hörer ihrem Bann kaum entziehen und ist ebenso fasziniert von der heranwachsenden jungen Frau. Umrankt wird dieser sehr konsequente Erzählstrang von einigen sehr interessanten Charakteren. So wird einer wichtigen Rolle der Hang zu sexuellen Kontakten mit Kindern zugesprochen, was allein in seiner Andeutung schrecklich genug ist und hier nicht zu sehr ausgeschlachtet wird, sondern im genau richtigen Maß Anklang findet. Auch Leidenschaft, Depressionen und tiefe Verzweiflung werden thematisiert, und alles läuft auf Alraunes Wirken hinaus. Beeindruckend, wie diese Figur dargestellt wird, wie innig sich alles miteinander verbindet und wie tief man in die Handlung eintauchen kann. Eine herausragende Produktion, und auch in der sehr guten Serie eines der Highlights!

Nach der sehr geringen Sprecheranzahl im direkten Vorgänger sind hier 18 Sprecher zu hören, die allesamt die Geschichte zum Leben erwecken können, jede noch so kleine Nebenrolle wurde mit einem passenden Sprecher besetzt. Im Mittelpunkt steht dabei natürlich Alraune, die von Sabine Bohlmann gesprochen wird. Ihre zarte, sehr besondere Stimmung nimmt hier einen sehr kühlen Ausdruck an, nachdrücklich und doch sanft. So kann sie das faszinierende Geschöpf sehr lebendig gestaltet und mit ausdrucksstarken Attributen versehen. Frank Braun, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, wird von Johannes Raspe gesprochen, der auch in längeren Erzählpassagen die Spannung aufrecht hält und im späteren Verlauf sehr aktiv in die Handlung eingreift, auch hier hinterlässt er einen sehr positiven Eindruck. Hans Bayer kann mit seiner dunklen Stimme die Rolle des Jakob ten Brinken sehr eindringlich schildern und lässt auch deren seelische Abgründe nicht aus. Weitere Sprecher sind Liane Rudolph, Gabrielle Pietermann und Bene Gutjan.

Wieder wurde vom Produzententeam eine einzigartige, dichte Atmosphäre geschaffen, die typisch für das Gruselkabinett ist. Der leise Grusel wird hier durch sanfte Melodien unterstützt, die die Stimmung eher aus dem Hintergrund beeinflussen und nur an einigen besonders dramatischen Szenen forsch in den Vordergrund treten. Auch die Geräusche sind wieder passgenau eingefügt und können die Wirkung einiger Handlungen unterstützen.

Natürlich ist Alraune auf dem Cover dargestellt, sie ist eine blasse junge Frau in weißem Kleid und mit pechschwarzem Pagenschnitt, die elegant auf einem Sofa sitzt und den Betrachter ernst und eindringlich anzusehen scheint. Sie sticht aus dem dunkelvioletten Hintergrund hervor, während noch zwei kleine Szenen aus dem Hörspiel eingebaut sind, die die Schicksale der beiden leiblichen Eltern Alraunes thematisieren. Ein sehr ansprechendes Cover.

Fazit: Trotz seiner insgesamt eher ruhigeren Ausstrahlung ist der Hörer von dieser beeindruckenden Geschichte sofort gefesselt. Begierde und Macht, Abhängigkeit und menschliche Kälte, all das wird thematisiert und an die geheimnisvolle Gestalt der Alraune geknüpft. Diese steht schillernd im Mittelpunkt und übt eine große Faszination aus. Ein exzellentes Hörspiel, das zu den Besten de Reihe gehört.

VÖ: 15.April 2014
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4966-1


Gruselkabinett – 86. Die Kreatur



Erster Eindruck: Unheimliche Vorkommnisse in einer kleinen Stadt

Michael Strang kann nicht mit Ansehen, wie seine Freundin Maryjoy unter dem Verlust ihren entlaufenden Katers Bozo leidet. Da in letzter Zeit schon mehrere Tiere in der Kleinstadt entflohen sind, macht Michael sich auf die Suche und fragt in der Nachbarschaft herum. Dabei trifft er auf den zurückgezogen lebenden älteren John Stark. Dieser kann ihm zwar nicht weiterhelfen, wird mit der Zeit aber ein enger Freund Michaels. Doch immer mehr Tiere verschwinden…

Der texanische Autor Robert E. Howard, der gerade einmal 30 Jahre alt geworden ist, hat zu Lebzeiten zahlreiche Gruselgeschichten verfasst. Auch das Gruselkabinett hat schon einige Vorlagen von ihm vertont, mit „Die Kreatur“ ist die mittlerweile sechste Folge aus seiner Feder erschienen. Die Handlung startet hier recht ruhig, auch mysteriöse Elemente tauchen erst später auf. Dennoch kann hier gleich eine intensive, leise unheimliche Stimmung erschafft werden, die sich durch die gesamte Folge zieht. Das Verschwinden der Tiere bleibt etwas im Hintergrund, wird dem Hörer aber immer wieder in Erinnerung gerufen und bleibt so präsent. Im Mittelpunkt steht jedoch die Beziehung zwischen Michael und John, die sich anfreunden. Der ältere, behinderte Mann bleibt dabei jedoch lange das große Rätsel in der Geschichte, man erfährt nur wenig über ihn. Und so kann sich der Hörer schnell denken, dass etwas mit ihm nicht stimmt, dass er in das Verschwinden der Tiere auf die eine oder andere Weise eingebunden ist. Große Überraschungen kommen auch später nicht auf, wenn sich die Handlung zuspitzt und verschärft, aber spannend erzählt und mit einem gewissen Schwung ist es allemal. Besonders die letzten Szenen mit der Auflösung des Ganzen legen noch einmal an Dramatik zu und schließen das Hörspiel gekonnt ab. Insgesamt eine etwas ruhigere Folge der Serie, aber gerade wegen dieser leise bedrohlichen Stimmung durchaus hörenswert.

Gerade einmal fünf Stimmen benötigt dieses Hörspiel, wobei Traudel Haas als Mrs. Ash und Hasso Zorn als Sheriff recht kleine Rollen haben und nur wenig zu hören sind. Auch Maximiliane Häckel kommt als Marjory Ash nur ab und an vor, kann aber gerade während der letzten Szenen noch einmal aufdrehen und sich gekonnt präsentieren. Jannik Endemann setzt die Rolle des Michael Strang ins rechte Licht, mit seiner eingängigen Stimme begleitet er den Hörer durch das Hörspiel und übernimmt den größten Anteil, da er auch als Erzähler fungiert. Er kann die Emotionen des jungen Mannes gut darstellen und kann die Atmosphäre in ihrer Wirkung unterstützen. Richtig gut gefallen hat mir Manfred Lehmann als John Stark, der die richtige Portion Würze in die Handlung bringt. Seine Stimme kann in vielen Facetten leuchten und ist sehr eindringlich.

Über weite Teile des Handlung bleibt die Geschichte eher ruhig, nur wenige Höhepunkte sind hier eingebaut. Und das spiegelt sich auch in der akustischen Gestaltung wieder, die aber dennoch alles andere als langweilig ist. Mit zahlreichen eingebauten Melodien, die auch leise während der Dialoge mitschwingen, wird eine dichte und leicht unheimliche Stimmung geschaffen, die den Reiz der Handlung noch weiter steigern kann.

Das Haus des alten Mannes wird auf dem Cover sehr imposant und eindrucksvoll dargestellt. Die Szenerie fängt die Stimmung eines Sonnenunterganges ein, sodass das Gebäude ist dunkles Violett getaucht ist und eine unheimliche Atmosphäre verströmt. Aus der leicht erhellten Tür tritt gerade ein Mann heraus, das einzige Element in diesem stimmungsvollen und von knorrigen Bäumen umgebenen Bild.

Fazit: Zwar ist die Handlung hier nicht immer überraschend und kann in einigen Teilen vorhergesehen werden, doch durch die sehr eindringliche und leise unheimliche Atmosphäre ist ein sehr hörenswertes und gut erzähltes Hörspiel gelungen. Die knappe Stunde Laufzeit bietet genügend Raum zur Entwicklung, ohne Längen in sich zu tragen. Besonders der Charakter des John Stark bringt Farbe in die Handlung.

VÖ: 15.April 2014
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4965-4


Gruselkabinett – 84./85. Die Katze und der Kanarienvogel



Erster Eindruck: Unheimliche Nacht im alten Gemäuer

Der exzentrische Hausherr eines einsam gelegenen Hauses ist vor genau 20 Jahren gestorben und hat seinen Notar beauftragt, genau zu Mitternacht seinen potenziellen Erben das Testament zu verlesen. Währenddessen der vergangenen Jahre hat die übersinnlich begabte Haushälterin Mammy Pleasant über das Haus gewacht und einige merkwürdige Dinge bemerkt. Bei der Verlesung dann die große Überraschung: Der Erbe muss die erste Nacht in der Bibliothek verbringen und darf dabei nicht den Verstand verlieren…

Zweiteiler haben eine lange Tradition beim Gruselkabinett von Titania Medien, schon früh wurde mit „Spuk in Hill House“ eine Geschichte über zwei Folgen erzählt. „Die Katze und der Kanarienvogel“ kehrt damit gleich doppelt zu diesen Wurzeln zurück – erstens weil es ebenfalls ein Zweiteiler ist, zweitens weil die Grundzüge der Geschichte ähnlich erscheinen: Eine Gruppe ganz unterschiedlicher Charaktere verbringt eine Nacht in einem unheimlichen Haus. Doch „Die Katze und der Kanarienvogel“ setzt dabei andere Akzente und stellt die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander in den Vordergrund. Die anfängliche Szene mit Notar und Haushälterin setzt den Grundstock für die unheimliche Stimmung und bringt gleich ein Geisterthema mit ein. Wirklich offensichtlich wird dies im weiteren Verlauf nicht aufgegriffen, bleibt jedoch immer dräuend im Hintergrund und findet im späteren Verlauf einige packende Höhepunkte. Auch der psychisch gestörte Mörder, der in der dunklen Nacht herumschleichen soll und dessen ganz spezielle Eigenschaften gut beschrieben werden. Diese unheimlichen Elemente sind hübsch eingebaut und schmücken die Beziehungen der Charaktere gelungen aus. Sei es die charmante Künstlerin Annabelle West, der großspurige Harry Blythe, der feinfühlige Charlie Wilder, der etwas unbeholfene Paul Jones, die dramatische Susan Sillsby oder die schüchterne Cicily Young, jeder bringt seine eigene Note mit ein und sorgt für ganz besondere Momente. Dabei entwickelt sich auch eine verhängnisvolle Dreiecksbeziehung zwischen den Charakteren, zudem geraten sie auch in Verdacht, dem Erben nichts Gutes zu wollen, um selbst das wertvolle Haus und einen geheimen Schatz zu bekommen. Jede Menge Stoff also, der auch gut und stimmungsvoll umgesetzt wurde. Es ist gerade diese Vielfalt, die das Hörspiel reizvoll macht, dennoch schleichen sich einige kleinere Längen ein. Den ganz großen Grusel sollte man hier nicht erwarten, sondern zahlreiche Verwicklungen zwischen den Charakteren sowie eine dezent unheimliche Stimmung, die ab und an zuschlägt und dann das Tempo steigert.

Einmal mehr hat Titania Medien es geschafft, wunderbare Sprecher vor dem Mikrofon zu versammeln, die ihre Rollen sehr gut verkörpern und für die nötige Stimmung sorgen. Dagmar von Kurmin ist hierbei besonders hervorzuheben, als Haushälterin Mammy Pleasant. Sie schafft mit ihren unheilvollen Ankündigungen und der rauen, dunklen Stimme immer wieder kleine, gruselige Momente. Nana Spier ist als Annabelle West zu hören und zeigt einmal mehr, wie vielfältig ihre Stimme ist. Von zarten Liebesbekundungen über Wut und grenzenlose Panik kann sie hier alle Emotionen ihres Charakters sehr treffend vermitteln. Und noch eine Dame hat mit hier sehr gut gefallen: Joseline Gassen als Susan Sillsby mit ihrer dramatischen Art und den bissigen Kommentaren sorgt für eine lockere und erheiternde Stimmung. Weitere Sprecher sind Eckart Dux, Sascha Wussow und Patrick Bach.

Akustisch wird wieder die gewohnte Kost geboten, die auch die anderen Folgen des Gruselkabinetts schon so atmosphärisch gestaltet hat. Doch dieses mal hält sich die Musik, die sonst schon mal zu einem lauten Getöse anschwoll, eher zurück und bleibt ruhig und düster – vielleicht weil die ganz großen Höhepunkte in der Handlung hier eher rar gesät sind. Die gebotene Geräuschkulisse ist wieder passend und stimmungsvoll.

Ein kleiner Vergleich in der Geschichte hat für deren Titel gesorgt – und dieser wird auch auf dem Cover aufgegriffen. Dabei sind diese beide zusammen zu betrachten, während auf dem Bild zum ersten Teil eine fauchende Katze und ein wild flatternder gelber Kanarienvogel im Käfig zu sehen sind, ist die erschrocken wirkende Katze auf dem zweiten Cover wieder zu sehen, während vom Vogel nur noch ein paar Federn zu sehen sind und der Käfig im Hintergrund offen steht.

Fazit: Eine Geschichte, die sich langsam aufbaut und neben der dezent gruseligen Stimmung besonderen Wert auf die Beziehungen zwischen den Charakteren legt. Liebesgefühle, Intrigen und offene Abneigung ergänzen sich mit der unheimlichen Nacht im Haus sehr gut und ergeben eine facettenreiche Handlung.

VÖ: 14.März 2014
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4964-7


Gruselkabinett – 83. Heimgesucht



Erster Eindruck: Unheimlicher Einsatz für ein übersinnliches Ermittlerduo

Lady Maria Throgmorton wird Nacht für Nacht von schrecklichen Visionen geplagt. Doch die will ihren Stiefsohn, der gemeinsam mit ihr in der Abtei Abbotsbury wohnt, nicht in das Geheimnis einweihen und ruft deswegen das übersinnlich begabte Paar Colin Hargreaves und Alwyne Sargent zur Hilfe. Beide besuchen unter einem Vorwand das alte Anwesen, doch erst als Alwyne eine Nacht im gleichen Zimmer wie die Lady verbringt, offenbart sich der ganze Schrecken…

Schon mit dem Vierteiler um Aylmer Vance hat das Gruselkabinett bewiesen, dass auch übersinnliche Ermittler für eine sehr unheimliche Stimmung sorgen können. In der 83. Folge der Reihe taucht nun ein neues Duo auf, das in einem stimmigen und spannenden Fall ermittelt. Colin und Alwyne spielen sich gegenseitig die Bälle zu, gehen sehr charmant miteinander um und sind zwei interessante Persönlichkeiten. Auch die teilweise unterschiedlichen Ansichten der beiden können gut unterhalten, beispielsweise der kleine anfängliche Streit, ob sie den Fall annehmen sollen. Auf der anderen Seite stehen die drei Bewohner der Abtei, die hysterisch-dramatische Lady Maria, ihre kühle und unfreundliche Zofe Madeleine sowie der Hausherr Arthur, die ebenfalls jeder eine eigene Art und ihren Reiz mitbringen. Während der Handlung kommt eine sehr eindringliche Stimmung herüber, man fühlt sich schnell in das alte Gemäuer hineinversetzt. Besonders die oben beschriebene Nacht in Marias Schlafzimmer mit der schaurigen Erscheinung ist hervorragend inszeniert und der expulsive Höhepunkt des ganzen Hörspiels. Die Ermittlungen decken immer weitere Fakten auf und sind abwechslungsreich erzählt. Besonders das Ende überzeugt mit seiner unkonventionellen Art: Anstatt alles minutiös aufzudecken, stehen Colin und Alwyne eher im Hintergrund, bekommen einige wichtige Dinge gar nur berichtet. Überraschend dann auch die Auflösung des Ganzen, hier wird noch weiter in das komplexe Beziehungsgeflecht der Abteibewohner eingedrungen. Ein rundum gelungenes Hörspiel, das sowohl ganz eigene Elemente enthält als es sich auch gut in die Reihe einfügt.

Benedikt Weber spricht Colin Hargreave, er kann den smarten übersinnlichen Ermittler mit jeder Menge Charme und Ausdruck ausstatten. Auch Stephanie Kellner kann als Alwyne Sargant mit ihrer sympathischen Art überzeugen. Richtig gut werden die beiden jedoch im Zusammenspiel, sie ergänzen sich sehr gut, gehen aufeinander ein und laufen zur Hochform auf, wenn sie sich gegenseitig necken. Christina Hoeltel ist als Lady Maria Throgmorton mit ihrer extrovertierten und dramatischen eine wahre Bereicherung für diese Produktion. Brigitte Kollecker-Frank konnte mich sehr überzeugen, ihre abweisende und unterkühlte Art kann die Zofe der Lady sehr gut ausformen. Weitere Sprecher sind Horst Naumann, Steffen Günther und Mogens von Gaow.

Die schaurig-romantische Musik, die der Dramaturgie den letzten Schliff verleiht, ist typisch für die Serie. Orchestrale Klänge, mal leiser, mal fordernder und präsenter, ziehen sich durch die ganze Handlung. Besonders gelungen ist die szenische Gestaltung in der nächtlichen Szene in Lady Marias Schlafzimmer, hier ist auch die Lautstärke deutlich höher und betont die Wichtigkeit dieser Situation.

Ertugrul Edirne hat auch hier wieder ein hervorragendes Cover gestaltet, das die unheimliche Stimmung auf Abbotsbury gut in Szene setzt. Die Abtei dunkel und nebelverhangen im Hintergrund, davor einige kahle Bäume und Lady Maria, die verhüllt durch das Anwesen eilt. Als Highlight ist über allem ein melancholisches und durchscheinendes Frauengesicht zu sehen, die kühlen Blautöne vermitteln einen unheimlichen Eindruck.

Fazit: Sowohl ein großes Anwesen als auch eine unheimliche Geistererscheinung, die aufgedeckt werden will, sind nicht neu im Gruselkabinett. Doch durch die beiden sehr unterhaltsamen Ermittler, ansprechende und charakterstarke Nebenfiguren und einen spannenden Verlauf können viele eigenständige Elemente eingebaut werden, sodass auch diese Folge sehr gut unterhalten kann. Lobenswert ist auch die interessante Erzählweise, die sich von gängigen Konventionen zu lösen weiß.

VÖ: 22.November 2013
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4908-1


Gruselkabinett – 82. Der Zombie



Erster Eindruck: Untotes auf den Karibischen Inseln

Seit er von seinen Ärzten ins milde Klima der Karibik geschickt wurde, lebt der Amerikaner Granville Lee auf einem hübschen Anwesen samt einiger Dienstboten. Doch seit sein Bursche Brutus Hellmann von ungewöhnlichen Dingen berichtet, will er dem Voodoo-Zauber und den Zombies, an den die einheimischen Farbigen so sehr glauben, auf den Grund gehen. In einer lauen Nacht sitzt er mit einem Nachbarn Jeffrey da Silva auf der Veranda und lässt sich von ihm berichten…

Das Gruselkabinett von Titania Medien, das aus Geschichten verschiedenster Autoren besteht, hat sich schon bei unterschiedlichsten Kulturkreisen und Mythologien bedient, doch mit der 82. Folge wurde hier wieder in Novum gefunden: Zombies und die Voodoo-Kultur. Dabei ist die Episode mit dem schlichten Titel „Der Zombie“ eine Symbiose aus gleich zwei Geschichten von Henry S. Whitehead, das oben genannte Gespräch zwischen Lee und Jeffrey da Silva ist die Rahmenhandlung, in der Jeffrey da Silva zuerst von einer unheimlichen Begegnung mit einem übernatürlichen Wesen berichtet. Dieser wird vorrangig von ihm selbst als Erzähler geschildert, ist aber gut inszeniert und hübsch unheimlich. Dieser Teil ist aber vor allem die Einstimmung auf die eigentliche Handlung, die deutlich komplexer und vielschichtiger ist. Langsam wird die Bedrohung von Brutus Hellmann eingeführt, die anfänglich scheinbare Idylle ist typisch für die Serie und wird langsam, aber gradlinig zerstört. Langsam macht sich Grauen und Horror breit und schraubt sich immer weiter nach oben, nimmt heftigere Züge an und präsentiert eine Auflösung, die wie einst bei „Die Herrenlose“ so unglaublich und phantastisch scheint, aber sich dennoch perfekt in die Handlung einfügt und es versteht, dem Hörer nicht nur einen Schauer über den Rücken zu jagen. Von der ersten Minute an kann die intensive Stimmung in den Bann ziehen, doch was später kommt, ist noch gewaltiger und eindrucksvoller – eine perfekte Folge des Gruselkabinetts und eine echte Überraschung!

Es sind hier insbesondere zwei Sprecher, die das Hörspiel prägen und mit ihren Stimmen für die nötige Atmosphäre sorgen. Zum einen ist dies Gerd Holtenau als Granville Lee, der mit seiner rauen, tiefen Stimme auch als Erzähler fungiert und seine Passagen sehr intensiv umsetzen kann. Zum anderen ist dies Mogens von Gadow als Jaffray da Silva, der eine ebenso faszinierende Stimme hat und den Hörer sofort für sich einnehmen kann. Fabian Oscar Wien liefert als Brutus Hellmann ebenfalls eine überzeugende Leistung ab, das sich immer weiter steigernde Grauen kann er sehr gut vermitteln. Weitere Stimmen stammen von Peter Lontzek, Axel Lutter und Jürgen Thormann.

Dass Stephan Bosenius und Marc Gruppe es verstehen, ihre Geschichten mit intensiven und eindringlichen Klangbildern auszustatten, haben sie schon in den vorangegangenen Produktionen bewiesen. Doch auch hier bringen sie neue Nuancen ein, indem sie beispielsweise sanfte Urwaldklänge im Hintergrund einspielen. Auch der Einsatz von weit entfernten Schreien kommt sehr gut an.

Eine sehr düster beleuchtete Szenerie ist auf dem Titelbild zu sehen, das wie immer von dem gelungenen Design mit den alten Säulenmustern eingerahmt wird. Zu sehen ist eine der typischen Veranden, der mondbeschienene Hintergrund zeigt einige Palmen. Sanft von einer Lampe wird ein Mann beschienen, der sich voller Furcht von der grauenhaften Kreatur im Vordergrund wegbewegt, die nur schemenhaft zu erkennen ist.

Fazit: Mal wieder ein ganz neues Thema für das Gruselkabinett, und auch die Szenerie um Zombies und Voodoo-Kultur passt bestens. Die erste Geschichte ist kurzweilig und schön unheimlich, während sich die Hauptgeschichte um einen unglaublichen Fall dreht. Der sich immer weiter steigernde Schrecken entlädt sich in einem packenden Finale, das sehr stark erzählt wurde. Hervorragend!

VÖ: 22.November 2013
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4907-4


Gruselkabinett – 80. / 81. Der Mönch



Erster Eindruck: Von Begierde in der Kirche

Seit einigen Wochen predigt Ambrosio, der Abt eines Mönchsklosters, in der angeschlossenen Kirche zu seiner Gemeinde. Dabei zieht er alle mit seiner ausdruckstarken und charismatischen Art auf seine Seite. Auch Leonella und Antonia Dalfa dürfen in der überfüllten Kirche der Rede für sexuelle Enthaltsamkeit und gegen die Verführungen des Teufels lauschen. Dabei lernen sie zwei Edelmänner kennen, die sich für Tante und Nichte zu interessieren scheinen. Doch Leonella hegt noch andere Pläne mit ihnen…

Mit „Der Mönch“ hat sich Titania Medien ein Werk von Matthew Gregory Lewis ein Werk vorgenommen, das unglaublich komplex ist, verschiedene Handlungsstränge und zahlreiche verschiedene Charaktere in sich vereint. Herausgekommen ist dabei ein Zweiteiler, der mit einer Länge von knapp über zweieinhalb Stunden locker der Dauer der meisten Spielfilme mithalten kann. Die Einführung der verschiedenen Charaktere und deren Verhältnis untereinander werden behutsam, aber konsequent weitergeführt. In der ersten Szene lernt der Hörer insbesondere Leonella und Antonia Dalfa kennen, aber auch Lorenzo de Medina und Christoval Conde d’Ossorio werden hier eingeführt – und dann auch Ambrosio, den man vorerst aus einer neutralen Perspektive kennen lernt, erst später darf man auch ihn näher betrachten. Immer weitere, für die Handlung wichtige Personen werden vorgestellt, ein wahres Geflecht aus menschlichen Beziehungen dargestellt. Doch trotz aller Komplexität lässt sich alles mit der nötigen Aufmerksamkeit erfassen und nachverfolgen. Angesiedelt ist die Handlung im Umfeld der spanischen Kirche, einem Mönchs- und Nonnenkloster, die Themenwahl ist dabei umso brisanter. Es geht um das körperliche Verlangen, Begierde Wollust, dem einige der Charaktere nach und nach verfallen. Wie hart die Kirche gegen diese vorgeht, aber auch wie ihre Anhänger selbst nicht vor ihr gefeit sind, wird in eindrucksvollen Szenen dargestellt. Die Sprache ist dabei der Zeit des auslaufenden 18. Jahrhundert angepasst und dementsprechend altertümlich, aber doch gut verständlich und in ihrer Bildhaftigkeit beeindruckend. Der Verlauf bietet vorerst nur wenige übernatürliche Elemente, und auch der Grusel will sich erst im späteren Verlauf der zweiten CD einstellen. Dafür bekommt man ein sehr vielfältiges und spannendes Hörspiel präsentiert, das in seiner Intensität beeindruckend ist. Und im späteren Verlauf kommt dann auch eine sehr dunkle, bösartige Macht ins Spiel, die ihre Fäden geschickt gesponnen hat. Einige Vorgänge in der Handlung erschließen sich erst dann vollends, während die Geschichte noch einmal auf eine andere Ebene gebracht wird. Dabei sind einige sehr heftige Szenen enthalten, die nicht nur auf die körperliche Lust abzielen, sondern gerade auch am Ende schockierende Erkenntnisse heraufbeschwören. Ein sehr beeindruckendes und intensives Hörspiel, das wunderbar in diese hervorragende Reihe passt.

Für die große Anzahl an verschiedenen Charakteren ist auch eine beeindruckende Schar an sehr professionellen und bekannten Sprechern engagiert worden. Den ebenso charismatischen wie eindringlichen Mönch Ambrosio spricht der wunderbare David Nathan mit seiner sehr prägnanten Stimme, kann die Intensität seiner Begierde und seiner Verlangens, aber auch die schwindende Kraft seines Glaubens bestens darstellen. Marie Bierstedts sanfte und helle Stimme passt wunderbar zu der unschuldigen, aber begehrlichen Antonia Dalfa, sie kann besonders am Ende noch einmal aufdrehen und mit ihrem glaubhaften Spiel den Hörer erschüttern. Julia Stoepel ist als junge Novizin Agnes de Medina ebenso gut besetzt, die Verzweiflung scheint ihr aus allen Poren zu steigen, ihre verzweifelte Lage wird durch sie sehr präsent dargestellt. Dagmar von Kurmin begeistert als hartherzige Äbtissin Agatha, die ihren Glauben und die in ihrem Denken gottgegebene Ordnung um jeden Preis durchsetzen will. Ihre harte, ausdrucksstarke Stimme kann dies sehr gut vermitteln. Axel Lutter sorgt am Ende noch für einige sehr intensive Momente. Weitere Sprecher sind Margot Rottweiler, Arianne Borbach, Rubina Nath und Hasso Zorn als Erzähler.

Wie immer ist auch dieser Zweiteiler von Stephan Bosenius und Marc Gruppe sehr intensiv und eindringlich in Szene gesetzt worden. Man scheint förmlich selbst in der großen Kirche zu sitzen, hört ihren leichten Hall. Und auch die Lokalitäten auf den Straßen der Stadt oder den engen Räumen des Klosters klingen sehr glaubwürdig. Dabei sind einige der intensiveren Szenen deutlich lauter umgesetzt worden, sodass sie sich noch einmal vom Rest absetzen.

Zum ersten mal erscheinen die beiden Folgen eines Gruselkabinett-Zweiteilers nicht mehr zusätzlich zur zusammenfassenden Box auch allein, sondern lediglich zusammen. Trotzdem wurde für beide Folgen ein eigenes Cover gezeichnet. Während die erste Folge eine dunkel beleuchtete Nonne mit Gesichtsschleier und blutigem Messer zeigt, die durch die nächtlichen Flure ihres Klosters eilt, ist auf dem zweiten Bild, das gleichzeitig auch die Box ziert, Ambrosio mit seinem neuen Novizen zu sehen. Die rötliche Beleuchtung verleiht dem Ganzen eine dämonische und unheilvolle Wirkung.

Fazit: Die Geschichte um Begierde, Leidenschaft und den Zwang der katholischen Kirche wird hier sehr eindrucksvoll in Szene gesetzt. Die zahlreichen verschiedenen Charaktere und ihre Beziehungen zueinander werden sehr gut dargestellt, sodass trotz aller Komplexität alles gut nachvollziehbar bleibt. Die gruseligen Elemente kommen erst gegen Ende richtig zur Geltung, trotzdem ist der gesamte Verlauf sehr stimmungsvoll. Eine hervorragende Produktion, die mich wirklich mitgerissen hat.

VÖ: 11.Oktober 2013
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4895-4


Gruselkabinett – 79. Lodoiska



Erster Eindruck: Unheimliche Geschichte um eine geheimnisvolle Frau

Das erste Jahr, das das Ehepaar Alfred und Helene Lobenthal nach Beendigung seines Dienstes in der Armee in einem abgelegenen Schloss im Wald verbringt, ist friedvoll. Doch als Alfred für einige Zeit zu seiner Schwester reisen muss, zieht gleichzeitig eine geheimnisvolle Frau in ein nahegelegenes Haus ein. Während die Kinder von der stets in schwarz gekleideten Dame fasziniert sind, genießt diese im Dorf nicht den besten Ruf…

Neben einigen bekannten Werken vertonen Marc Gruppe und Stephan Bosenius vom Hörspiellabel Titania Medien auch immer wieder Geschichten, die bisher in Deutschland kaum Beachtung gefunden haben. Dazu gehört wohl auch „Lodoiska“ von Theodor Hildebrand, das als 79. Folge im Gruselkabinett veröffentlicht wurde. Und gerade hierdurch, dass so wenig über die Geschichte bekannt ist, erhält sie einen großen Reiz, denn der Hörer weiß nicht, worauf er sich hier einlässt – auch der Klappentext verrät erfreulich wenig. Klar ist nur, dass die schwarz gekleidete Frau mit Namen Lodoiska ein dunkles Geheimnis birgt. Ihr Einzug in den idyllischen Wald kann man schon früh in der Folge hören, und ab hier breitet sich dann auch die bekannte, wohlig schaurige Atmosphäre über der Geschichte aus. Stets wird der Hörer im Unklaren gelassen, nur langsam mit Informationen gefüttert, bei jeder Antwort werden neue Fragen aufgeworfen. Grob lässt sich die Handlung in zwei Teile splitten: Zuerst wird aus der Sicht des treuen Dieners Werner erzählt, später berichtet Hausherr Alfred von den Ereignissen. Obwohl beide mit der Vergangenheit Lodoiskas vertraut scheinen, wird nicht zu schnell offenbart, sodass die Handlung immer wieder unerwartete Wendungen nehmen kann. Selbst am Ende, als alles klar scheint, führen einige Ungereimtheiten zu neuem Ärger. Das alles ist eng mit der mysteriösen Gestalt der Lodoiska verbunden, die das Hörspiel mit ihrer finsteren Aura zu tragen weiß. Eine Folge, die typisch ist für das Gruselkabinett und doch überraschen kann.

Die Sprecherriege ist größtenteils sehr gut ausgewählt und verleiht der Erzählung Leben und Düsternis. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei Jana Nagyova, die mit (echtem) polnischen Akzent, einer dunklen, getragenen Stimme und portionsweise viel Emotionen in der Stimme eine sehr gute Leistung vollbringt. Dieter Brandecker übernimmt als Werner im ersten Teil die größte Rolle, sein markanter Klang und seine glaubwürdige, eindringliche Sprechweise sorgen für ein interessantes Hörvergnügen. Sascha Wussow, der auch aus zahlreichen Fernsehproduktionen ist, spricht den Alfred Lobenthal und beweist große Präsenz und gutes Gespür für dramatische Augenblicke. Weitere Sprecher sind unter anderem Hasso Zorn, Susanne Uhlen und Axel Lutter.

Zahlreiche atmosphärische und stimmige Melodien bilden die Kulisse für die Handlung und fügen sich zu einem sehr dichten und eindringlichen Ganzen zusammen, sodass stets die richtige Stimmung geschaffen wird. Auch der Geräusche sind sehr gut eingefügt und machen die Szenen lebendiger. Gut gelungen auch, dass die Dialoge dabei stets im Vordergrund stehen und zu keiner Zeit überdeckt werden.

Ein weiteres Glanzstück in der hervorragenden Serie an verschiedenen Cover ist hier zu betrachten – und das vielleicht gerade wegen der Schlichtheit des Motivs. Vor einem dunkelvioletten Hintergrund ist die geheimnisvolle Lodoiska zu sehen, ganz in schwarz gekleidet, mit einem vornehmen Schleier vor dem Gesicht. Die Augen sind halb geschlossen, der Gesichtsausdruck ist ernst, aber nur schwer zu deuten – sehr gelungen.

Fazit: Eine dramatische Geschichte, die auf der Figur der unheimlichen Lodoiska basiert und den Hörer nur langsam mit Informationen versorgt. So entsteht neben der düsteren Stimmung auch viel Spannung, der weitere Verlauf der Handlung ist nie abzusehen. Dabei wird sich nicht nur auf klassische Motive gesetzt, sondern diese auch abgewandelt. Eine gelungene und eindringliche Folge, typisch für das Gruselkabinett.

VÖ: 23.September 2013
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4894-7


Gruselkabinett – 78. Das Ding auf der Schwelle



Erster Eindruck: Ein weiterer Lovecraft für das Gruselkabinett

Daniel Upton besucht in einer finsteren Nacht seinen Jugendfreund Edward Derby, kurz bevor dieser am nächsten Tag entlassen werden soll – und erschießt ihn mit sechs Kopfschüssen. Daniels Sohn, der nach dem verstorbenen Mann benannt worden ist, soll vor Gericht die Verteidigung übernehmen, und so erzählt Daniel ihm, wie es zu der grauenvollen Tat gekommen ist und beginnt mit dem ersten Aufeinandertreffen mit dem damals sehr zurückgezogenen und kränklichen Jungen…

Howard Phillips Lovecraft hat in seinem Schaffen eine Unzahl an verschiedenen Gruselgeschichten hinterlassen, von denen sich einige bestens für das Gruselkabinett von Titania Medien eignen. Und so ist auch die 78. Folge der Serie ein Stück des bekannten Autors geworden, und es lassen sich durchaus einige Parallelen zur Erzählung „Schatten über Innsmouth“ ziehen, die als Doppelfolge als Nummer 66 und 67 in der gleichen Serie veröffentlicht wurden. Vorkenntnisse sind zwar nicht nötig, helfen aber beim Verständnis, einige Dinge richtig einzuordnen. Der Start der Folge ist eigentlich das Ende der Geschichte, mit der Ermordung Edward Derbys endet eine Geschichte voller Schrecken und Angst – und erlaubt so einen interessanten Ausblick für den noch unwissenden Hörer. Und so schwebt über der gesamten Folge ein Schleier des Grauens, des Unheilvollen. Im weiteren Verlauf berichtet Daniel seinem Sohn von der Vorgeschichte, und hier kommen schnell erste mysteriöse Elemente vor. Die ersten Begegnungen der beiden Jungen, das Heranwachsen zu jungen Männern, das Beschreiten des eigenen Lebensweges sind kurzweilig und interessant aufbereitet, richtig los geht es aber, als Edward seine spätere Ehefrau kennenlernt, die eine Aura des Finsteren zu umgeben scheint. Die weiteren Ereignisse nehmen immer weiter an Schrecken zu und steigern sich einer Geschichte voller ständiger Bedrohung und mysteriösen Zwischenfällen, die in einem spannungsgeladenen Finale ihr grauenvolles Ende finden. Der Wahnsinn, der sich in Edward ausbreitet, ist zudem sehr intensiv dargestellt und sorgt für einige Gänsehautschauer.

Die Mischung aus unbekannten Stimmen und alten Hörspielhasen ist hier sehr gelungen, doch allesamt lassen sich in die Geschichte fallen und setzen ihre Figuren sehr gekonnt um. Helmut Winkelmann spricht die Hauptfigur des Daniel Upton, übernimmt dabei auch Erzähltexte, als er seinem Sohn berichtet und ist fast durchgängig zu hören. Er ist stets sehr präsent und kann mit intensiver Betonung und gekonntem Sprechrhythmus von sich überzeugen. Stimmakrobat Stefan Krause ist wie geschaffen für die Rolle des Edward Derby, sein vielfältiger Ausdruck kann die verschiedensten Situationen aufgreifen, besonders der jungenhafte Grundton, der er hier wählt, sowie die aufkommende Panik kann er intensiv umsetzen. Peter Lontzek spricht Daniels Sohn und kann in der Rahmenhandlung mit seiner wohlklingenden Stimme gut mit Winkelmann als seinem Vater arbeiten, ihn ergänzen. Weitere Sprecher sind Jürgen Thormann, Marius Claren und Axel Lutter.

Eines der Markenzeichen des Gruselkabinetts ist die aufwendige und atmosphärische Produktionsweise, die auch diese Folge auszeichnet. Die Musik wurde sehr genau auf die einzelnen Szenen abgestimmt und verleiht immer eine düstere, drückende Stimmung, in der sich die Handlung richtig gut entfalten kann. Dass dies von der ersten bis zur letzten Minute durchgezogen wird, muss kaum noch dazu erwähnt werden.

Das herrschaftliche Anwesen, in dem im Hörspiel die Irrenanstalt untergebracht ist, ist auf dem Cover zu sehen und gibt gleich einen ersten Eindruck von dem ummauerten Garten mit dem düsteren, großen Haus. Schwach beleuchtete Fenster, vorn einige Laternen und der Schriftzug „Arkham Sanatorium“ über dem Eingangstor, im Vordergrund ein Mann mit Mantel und Hut, der einen Revolver in der Hand hält, das alles in einer nächtlichen und verregneten Szenerie – sehr stimmungsvoll.

Fazit: Eine weitere Geschichte von Lovecraft im Gruselkabinett, und diese kann mit einem interessanten Start, einem intensiven Verlauf und der bedrohlichen, eindringlichen Atmosphäre überzeugen. Der aufkommende Wahnsinn von Edward, die mysteriöse Einkleidung des Themas und die dichte Atmosphäre lassen „Das Ding auf der Schwelle“ zu einer hervorragenden Folge der Reihe werden.

VÖ: 20.September 2013
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4893-0


Gruselkabinett – 77. Das Feuer von Asshurbanipal



Erster Eindruck: In den Fängen der Wüste…

Seit vielen Jahren gehen r Steve Clarney und Yar Ali zusammen auf Schatzsuche rund um den Erdball. Nun haben sie einen Hinweis auf einen Schatz von unermesslichem Reichtum, einem großen und wertvollen Rubin. Von einem Straßenhändler erhalten sie eine ungefähre Wegbeschreibung in die aus schwarzem Stein erbaute Stadt, in der ein alter König immer noch über den Rubin wacht…

Der Vorteil an dem Gruselkabinett von Titania Medien ist, dass die Auswahl der Geschichten immer wieder neue Stimmungen und Schauplätze zulässt. Und so wurde auch in der 77. Folge ein Novum eingeführt, denn hier handelt es sich über weite Teile um ein Abenteuerhörspiel, in dem die beiden Hauptfiguren auf Schatzsuche sind. Gleich am Anfang gibt es eine recht actionlastige Szene, in der sich Steve und Yar eine Übermacht aus kampfeslustigen Beduinen erwehren müssen, der Einstieg gelingt so dynamisch und spannend, macht Lust auf das Kommende. Allerdings sind sowohl dieser Teil als auch die nachfolgenden Rückblenden etwas erzählerlastig geraten, einige Szenen hätten durchaus mit mehr Dialogen umgesetzt werden können. Richtig los geht es dann etwa nach der Hälfte der Laufzeit mit der Entdeckung der geheimnisvollen Stadt, hier kommen dann auch die Gruselelemente besser zur Geltung, die im vorangegangen Teil meist nur angedeutet waren. Hier wird dann ein Finale erzählt, das der Serie absolut würdig ist und mit seinen bedrohlichen Elementen sehr gut gelungen ist. Mir gefällt die Stimmung des Hörspiels, die sehr gut Abenteuer- und Gruselelemente verbindet und mal wieder neue Nuancen in die Reihe einstreut.

Die fünf verschiedenen Rollen wurden sehr gut besetzt, die Sprecher können ihr Potenzial hier gut entfalten. Große Teile des Hörspiels übernimmt Wolfgang Pampel, der in jeder Szene präsent ist und zudem auch die Rolle des Erzählers einnimmt. Mit seiner festen und ausdrucksstarken Stimme kann er den Abenteurer dynamisch wirken lassen. Passenderweise ist er ebenfalls der Synchronsprecher von Harrison Ford, sodass Assoziationen zu anderen Abenteuerfilmen aufkommen. Tayfun Bademsoy spricht seinen Freund Yar Ali, der besonders die aufkommende Angst des Wüstensohns gut darstellen kann. In einer etwas kleineren Rolle ist David Nathan zu hören, dessen prägnanter Klang sofort die Aufmerksamkeit auf sich zieht. In weiteren Rollen sind Friedrich Georg Beckhaus und Kaspar Eichel zu hören.

Wieder sind Musik und Geräusche hier auf sehr geschickte Weise in die Dialoge eingebunden, sodass sie eine sehr starke Wirkung auf den Hörer erzielen und ihn völlig in die Geschichte hineinziehen. Während den Szenen sind im Hintergrund stets dräuende, leise Musikstücke zu hören, die die Dramatik erhöhen, sich aber auch in den besonders gruseligen Szenen noch einmal deutlich steigern können und so die dynamische Entwicklung gut unterstützen.

Sehr stimmungsvoll ist auch das Cover zur Folge gelungen, das in einem stimmungsvollen Rot zu erstrahlen scheint. Diese geht von dem glühenden Rubin aus und beleuchtet neben dem eindrucksvollen Hintergrund mit Säulen und einem Torbogen auch den alten König, der den Stein in seiner Hand hält. Die restliche Aufmachung ist bereits bekannt und enthält auf der Rückseite ein kleines Foto von Wolfgang Pampel.

Fazit: Wieder mal eine Geschichte mit einer ganz anderen Stimmung, die sich so deutlich von den anderen Geschichten unterscheidet. Besonders das letzte Drittel ist eindringlich umgesetzt worden.

VÖ: 17.Mai 2013
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4816-9


Gruselkabinett – 76. Das Teufelsloch



Erster Eindruck: Eine junge Frau zwischen zwei Männern

Seit ihrer Kindheit ist die fast volljährige Sarah mit Abel und Eric befreundet, die einander wie Brüder nahestehen. Oft besuchen sie zu dritt die nahegelegenen Höhlen an der Küste, die zahlreiche Durchgänge zum Meer haben und wegen ihrer Gefährlichkeit als Teufelsloch bezeichnet werden. Doch auf Druck ihrer Mutter, die Gerede im Dorf fürchtet, soll sie nun einen der beiden als ihren Gemahl auswählen. ..

Von Bram Stoker wurden ja schon einige Geschichten im Gruselkabinett erzählt, schon die zweite Folge stammte von ihm. Und immer wieder konnten diese trotzdem mit neuen Elementen überzeugen, so auch Nummer 76 der Reihe, die eine tragische Liebesgeschichte zum Thema hat und damit doch aus dem Rahmen der üblichen Gruselgeschichten fällt. Die enge Freundschaft zwischen Sarah, Abel und Eric wird anfangs stark thematisiert, und auch die düstere und unheimliche Stimmung in der Teufelsloch genannten Höhle wird hier eingebracht, sodass auch schon hier erste unheilvolle Momente aufkommen. Nachfolgend nimmt die Dreiecksbeziehung ihren Lauf, auch hier gibt es eine sehr eindringliche Szene, in der der verschmähte Liebhaber in seiner Wut zergeht und fluchend für einen intensiven Ausdruck sorgt. Gut gemacht ist, wie immer eine unheilvoller Drohung über den Personen hängt, man weiß, dass die Geschichte nicht gut ausgehen wird, auch wenn danach erst einmal keine gruseligen Momente vorkommen. Das ändert sich völlig zum Abschluss der Geschichte, hier wird ein dramatisches Finale offenbart, das gut vorbereitet wurde und so mit seiner ganzen Wucht zuschlagen kann. Auch das offene Ende trägt seinen Teil zum Gelingen des Hörspiels bei, ebenso wie die gelungene Erzählweise, die zwischendrin einen Wechsel der Hauptfigur vollzieht. Eine ganz eigene Stimmung, die wegen der emotionsbetonten Geschichte wieder überraschen kann.

Jacqueline Belle spricht die Rolle der Sarah Trefusis, die ein wenig naiv mit beiden jungen Männern umgeht und dieses mit ihrer Stimme sehr gut ausdrücken kann, sie spricht glaubhaft und wirkt spontan. Abel Behenna wird von Benedikt Weber gesprochen, der sich im Laufe des Hörspiels immer weiter steigert und so die Dramatik der Folge bestens nachbilden kann, besonders in der Schlussszene ist er eindringlich und ausdrucksstark. Stephan Günther ist als Eric Sanson zu hören, der für einige gruselige Momente sorgen kann. Weitere Sprecher sind Horst Neumann, Marion Hartmann und Mogens von Gadow.

Wie immer nehmen auch hier Musik und Geräusche einen großen Teil des Hörspiels ein. Die Dialoge werden allesamt von atmosphärischer Musik begleitet, die die jeweilige Stimmung deutlich unterstützen. Doch auch die Geräusche sorgen hier für die richtige Atmosphäre, insbesondere die Szenen im Teufelsloch werden von laut donnernden Wassermassen bestens in den Mittelpunkt der Handlugn gerückt.

Natürlich ist das Titelgebende Teufelsloch auch auf dem Cover zu sehen, die dunkle Höhle, die zackige Decke und natürlich auch die abfließenden Wassermassen der Flut sind sehr gut gezeichnet worden. Auch Sarah, Abel und Erich sind abgebildet und stehen mit dem Rücken zum Betrachter in der Höhle, ihre Konturen werden durch das einfallende Licht gekonnt beleuchtet.

Fazit: Vor dem Hintergrund einer tragischen Geschichte, die von enttäuschter Liebe und Verrat handelt, kommen die sorgsam eingestreuten Gruselelemente sehr gut zur Geltung. Hörenswert!

VÖ: 17.Mai 2013
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4815-2


Gruselkabinett – 75. Weiß



Erster Eindruck: Verwirrspiel im Herrenhaus

Der junge Arzt Charles Elverton beobachtet zwei seltsame Männer, die komplett in weiß gekleidet sind, sich aber vor dem Besuch der Stadt in ihrer Kutsche umziehen. Bei seinen nachfolgenden Beobachtungen stellt er fest, dass das gesamte Herrenhaus, in dem die beiden leben, komplett in Weiß gehalten ist. Als er von dem Besitzer kurz darauf angesprochen wird, einen Hausbesuch zu machen, erfährt er ein schreckliches Geheimnis…

„Weiß“ – wesentlich schlichter kann der Titel einer Folge Gruselkabinett kaum sein. Vor dem Hören der Nummer 75 der hervorragenden Reihe hat man also kaum Hinweise, worum es sich bei der Geschichte von Mary Fortune handeln könnte, man wird quasi ins kalte Wasser gestoßen. Vieles in der Handlung dreht sich um die titelgebende Farbe, durch die genauen Beschreibungen der Männer und auch des Hauses wird man tief in diese kühle, unheimliche Umgebung hereingezogen, hat die Zimmer geradezu vor Augen. Erzählt wird, wie Charles Elverton immer weiter in das Geheimnis um das weiße Herrenhaus gezogen wird, in eine unglückliche Liebesgeschichte gerät und zwischen Wahrheit und Lüge kaum noch zu unterscheiden weiß. Wie immer ist das atmosphärisch dicht erzählt und mit zahlreichen mysteriösen Momenten gespickt. Besonders gelungen ist der Höhepunkt der Folge, in der Charles Elverton endlich Gewissheit haben möchte und dazu ein gewagtes Experiment wählt – sehr gut inszeniert und mit tollem Schockeffekt! Eine ganz hervorragende Folge des Gruselkabinetts, in der sich der leise Grusel immer weiter zu steigern weiß.

Wie so oft in der Serie gibt es keinen außenstehenden Erzähler, sondern die Hauptfigur selbst übernimmt diesen Part zusätzlich, sodass die Folge viel von Johannes Raspe als Dr. Charles Elverton geprägt ist. Dieser durchlebt hier verschiedene Emotionen, die Raspe allesamt glaubwürdig und gekonnt zu vertonen versteht. Niels Clausnitzer spricht den Duke de Rohan mit fester Stimme und kann in den letzten Szenen des Hörspiels noch einmal richtig auffahren. Sehr gut gefallen hat mir Stephanie Kellner als geheimnisvolle Blanche d’Alberville, die die leidende junge Frau sehr intensiv und eindringlich spricht. Ebenfalls zu hören sind Mogens von Gadow, Wolfgang Welter und Hans Bayer.

Dass das Gruselkabinett zu den momentan besten Hörspielen auf dem Markt gehören, beweist Titania Medien mit jeder Folge aufs Neue. Auch hier wird besonders mit atmosphärischer Musik gearbeitet, die die Handlung in einen engen Mantel kleidet, alles geht eine enge Symbiose ein und wird durch den eindringlichen Einsatz von Geräuschen noch verstärkt.

Das Cover stammt aus der Feder von Ertugrul Edirne und reiht sich in die beeindruckende Covergalerie der Serie sehr gut ein. Zu sehen in die erschrocken dreinblickende Blanche d’Alberville, natürlich in dem ganz in weiß eingerichteten Zimmer. So bekommt das Bild einen sehr kühlen Ausdruck und der Hörer kann sich später noch besser in die Beschreibungen hineindenken.

Fazit: Mal wieder wurde es geschafft, eine ganz neue, einzigartige und sehr intensive Stimmung zu schaffen, die mysteriös ist und sich immer weiter steigern kann. Hervorragend!

VÖ: 19.April 2013
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4814-5


Gruselkabinett – 74. Die Macht der Dunkelheit



Erster Eindruck: Geschichte in der Geschichte

Das Künstlerehepaar Laura und Jack verbringt einige Tage im ländlichen Dorf Brenzett. Dort gefällt es ihnen so gut, dass sie beschließen, dem städtischen Leben in London zu entfliehen und ganz dorthin zu ziehen. Bei der Erkundigung der Umgebung entdecken sie eine alte Kapelle, in der zwei lebensgroße Marmorstatuen stehen. Doch bald erfahren sie, dass sich unheimliche Geschichten um das Gebäude ranken…

Gleich zwei Geschichten von Autorin Edith Nesbit werden in der 74. Folge vom Gruselkabinett aus dem Hause Titania Medien umgesetzt – voneinander unabhängig, aber geschickt miteinander verknüpft: Hauptfigur Laura ist Autorin von Gruselgeschichten und liest ihr neuestes Werk ihrem Ehegatten Jack vor, die somit von der eigentlichen Handlung umschlossen wird. In ihr geht es um zwei junge Studenten, die wetten, in einem Museum eine Nacht verbringen zu können – das wird sehr spannend, sehr unheimlich umgesetzt und findet in einem dramatischen Ende den Höhepunkt. Schon allein dieser Einschub kann begeistern, doch auch die eigentliche Handlung um Laura und Jack gehört zu den besseren Folgen der fantastischen Reihe. Zuerst wirkt wieder alles ganz idyllisch, friedfertig, erst im Laufe der Zeit kommen die ersten unheimlichen Elemente unter, die sich im Laufe der Zeit immer weiter steigern und in einem bedrohlichen, beeindruckenden Finale enden, dass sehr intensiv Vergangenheit und Gegenwart verknüpft. Dabei sind es auch die beiden Protagonisten, die mit ihrer frischen Art überzeugen können. Wieder wunderbar, was hier geleistet wurde, eine Folge, die sicherlich noch häufiger in meinem Player landen wird.

Brigitte Kollecker-Frank ist hier als Laura zu hören, die etwas unkonventionell spricht, lockerer und spontaner als die meisten ihrer Kollegen und durch ihre ausgefallene Sprechweise sehr positiv auffällt. Als Erzählerin der Geschichte in der Geschichte sorgt sie zudem für unheimliche Spannung und beweist, dass sie sich auch durchaus zurücknehmen kann. Wolfgang Rüter lässt sich auf ihre entkrampfte Art ein, gemeinsam bilden sie ein wirklich starkes Team, das in der Schlussszene den Horror sehr gut wiedergeben kann. Bene Gutjan und Tim Schwarzmeier wirken in der zweiten Geschichte ebenfalls sehr eingespielt und verstärken die Grundstimmung mit ihren intensiven Stimmen. Weitere Sprecher sind Beatrice Richter, Rolf Berg und Julia Stoepel.

Eine ganz eigene Stimmung haftet auch dieser Folge an, wobei das Grundgerüst der Serie mit den atmosphärischen musikalischen Klängen und realistischen Geräuschen natürlich beibehalten wird. Kleine, neue Akzente werden insbesondere bei den Höhepunkten der beiden Geschichten gesetzt, in denen die intensive Stimmung noch besser zur Geltung kommt und den Hörer völlig gefangen nimmt.

Die beiden Grabmale aus Marmor stehen im Mittelpunkt der Geschichte, und selbstverständlich zieren sie auch das Cover zu der Folge, eingerahmt von dem immer noch wunderbaren Säulendesign am Rand. In der alten Kirche, beschienen von Sonnenlicht, aber immer noch diffus düster – ein sehr erhabenes und etwas pathetisches Cover, das seine Wirkung auf den Betrachter nicht verfehlt.

Fazit: Gleich zwei Geschichten, die eine kurz und knackig, die andere mit zwei sehr gelungenen Hauptfiguren (was auch den Sprechern zu verdanken ist) und einer sehr düsteren Stimmung – wunderbar!

VÖ: 19.April 2013
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4813-8


Gruselkabinett – 73. Das Grauen im Blue-John-Stollen



Erster Eindruck: Erholungsurlaub mal anders

Dr. James Hardcastle verbringt auf Raten seines Arztes einige Zeit im ländlichen Derbyshire auf der Farm von Miss Allerton. Der unternehmungslustige Mann macht sich oft zu langen Spaziergängen auf und stößt auf Raten seiner Gastgeberin bald auf einen verlassenen Stollen, wird von dem Schäferjungen Armitage aber davor gewarnt. Und tatsächlich begegnet ihm bald ein Wesen, das aus der Urzeit zu stammen scheint…

Arthur Conan Doyle ist vorrangig für seine berühmteste Figur Sherlock Holmes bekannt geworden, doch wie das Gruselkabinett bereits einmal bewiesen hat, kann er auch anders. Auch die 73. Folge der Serie stammt von ihm, „Das Grauen im Blue-John-Stollen“ passt mit seinen übernatürlichen Elementen bestens zu den restlichen Folgen. Der Anfang ist wie so oft recht harmonisch und zeigt eine ruhige, fast schon beschaulich zu nennende Szenerie, in der neben der Hauptfigur Dr. James Hardcastle auch die liebenswerte Miss Allerton vorgestellt wird. Erste unheimliche Begebenheiten lassen aber nicht lang auf sich warten, durch den Bericht von Armitage wird man gut auf das Folgende eingestimmt. Immer weiter erkundet James Hardcastle das Geheimnis des merkwürdigen Wesens, und eine dunkle Nacht in dem Stollen bildet den spannenden Höhepunkt des Hörspiels, ist bestens umgesetzt und vermittelt dem Hörer das starke Gefühl von Angst und ständiger Bedrohung. Doch danach knickt der Spannungsbogen etwas ein, die restlichen Ereignisse sind zwar kurzweilig erzählt und unterhaltsam, plätschern aber ein wenig vor sich hin, man erwartet noch einen großen Knall – doch der mag sich nicht einstellen. Insgesamt eine durchaus gelungene Folge der Serie, die im letzten Drittel aber nicht alles Mögliche aus sich herausholt.

Gerade einmal fünf Sprecher sind hier zu hören, Helmut Zierl als Dr. Johnson und Wolfgang Welter als Inspektor haben dabei eher kleinere Nebenrollen. Matthias Kofler ist als Armitage zwar auch nicht allzu häufig zu hören, kann den Bericht über die Gerüchte um den Stollen aber sehr atmosphärisch und lebendig wirken lassen. Als Miss Allerton ist die wunderbare Ingrid Steeger zu hören, deren deutlich gealterte Stimme sehr warmherzig und liebenswert klingt, sie kann die alte Dame zu einer sehr sympathischen Figur machen. Die Hauptrolle des Dr. James Hardcastle ist mit Marc Oliver Schulze ähnlich gut besetzt, kann er doch während der gesamten Laufzeit eine gute Figur machen und die Spannung auch während ruhigerer Szenen hochhalten.

Ein Steckenpferd des Verlages ist die umsichtige Inszenierung ihrer Hörspiele, und auch „Das Grauen im Blue-John-Stollen steht dem in nichts nach. Die Musik ist sehr atmosphärisch und eindringlich, kann die verschiedenen Stimmungen der Handlung aufgreifen und verstärken, während die vielfältigen Geräusche passgenau eingefügt wurden und die Szenen lebendiger und glaubwürdiger gestalten können.

Auf dem Cover, das von Ertugrul Edirne stammt, ist Dr. John Hardcastle in dem unterirdischen Stollen zu sehen, ein Streichholz beleuchtet die Stalaktiten und wirft gespenstiges Licht auf die Szenerie. Das Ungeheuer bleibt aber – wie über größere Teile des Hörspiels – auch hier verborgen und ermöglicht dem Betrachter so, sich sein eigenes Bild von dem Unwesen zu bilden. Die restliche Gestaltung ist wie immer schlicht gestaltet, auf der Rückseite ist noch ein Foto von Ingrid Steeger bei den Aufnahmen zu sehen.

Fazit: Keine Knaller-Folge des Gruselkabinetts, dazu ist die Geschichte gerade im letzten Drittel zu überraschungsarm. Dafür gibt es aber einige starke, unheimliche Szenen und wunderbare Sprecher.

VÖ: 15.März 2013
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4812-1


Gruselkabinett – 72. Markheim



Erster Eindruck: Dialog mit einem Fremden

London zur Weihnachtszeit 1888: Markheim betritt das Antiquitätengeschäft des zwielichtigen Mr. Miller, dem er schon einige gestohlene Gegenstände verkauft hat. Doch dieses mal betritt er mit einem ganz anderen Hintergrund den Laden, doch der Blick in einen Spiegel, der ihm einen Blick auf seine Seele gewährt, setzt eine Spirale von Angst und Wahnsinn in Gang, an deren Ende er auf einen geheimnisvollen Fremden trifft…

Das Gruselkabinett von Titania Medien ist für seine Vielfältigkeit bekannt, neben zahlreichen wuchtigen und von Spannung berstenden Folgen gibt es auch kleine, eher unscheinbare Geschichten zu erzählen, die es aber nicht minder wert sind, entdeckt zu werden. Zu dieser zweiten Kategorie gehört Nummer 72. der Reihe mit dem Titel „Markheim“ das in einer kurzen Eröffnungsszene den Ausgang des Hörspiel präsentiert: Den Tod Markheims. Wie es dazu gekommen ist und wie sich die Hauptfigur in der knappen Stunde Erzählzeit verändert hat, schließt sich daran an. Als einziger Handlungsort dient der Antiquitätenladen, Orts- oder Zeitwechsel finden nicht statt. Dafür hält Markheim anfangs recht lang Zwiesprache mit Mr. Miller, um ihn nach etwa einem Drittel der Folge hinterrücks zu ermorden, nachfolgend werden seine Motive aufgedeckt, aber auch, dass er langsam dem Wahnsinn verfällt, sich verschiedenste Schreckensszenarien ausmalt und sich von Geistern verfolgt wähnt – hier gleicht das Hörspiel eher einem Monolog, und gerade dadurch zieht es seine ganz andere Atmosphäre. Das letzte Drittel ist geprägt von einem Gespräch zwischen Markheim und einem unheimlichen Fremden, das fast schon philosophische Züge hat und wichtige Fragen des Lebens in Bezug auf Markheims Tat stellt – eine feine, unscheinbare mysteriöse Komponente zieht sich hierdurch wie durch den Rest der Folge. Wenn man das moderne Hörspiel gemeinhin als „Kino für die Ohren“ betitelt, wäre hier eher „Theater für die Ohren“ der richtige Begriff, die Handlung ist eher zurückgenommen und macht Platz für ein ungewöhnliches, aber durchaus empfehlenswertes Stück des Gruselkabinettes, das sich wieder einmal in einem ganz anderen Farbton präsentiert.

Es sind drei Sprecher, die das Gesicht dieser Folge prägen, Julia Stoepel, Rolf Berg oder Marc Oliver Schulze sind wirklich nur als kleine Nebenrollen zu hören. Zuerst wäre da natürlich Helmut Zierl zu hören, der während der gesamten Laufzeit zu hören ist und auch den mittleren Teil allein bestreitet. Spielend schafft er es, beim Hörer hierbei das Interesse hochzuhalten, zwischen Dialog und Erzähler zu wechseln und die intensiv drängenden Fragen zu stellen. Wolfgang Welter spricht den brummigen Mr. Miller mit einer markanten Stimme und kann den zwielichtigen Händler damit glaubhaft darstellen. Sehr überzeugend auch Hans Bayer als Fremder, der mit dröhnendem Klang und unverhohlenem Spott in der Stimme eine sehr interessante Figur zu formen weiß.

Wie immer beim Gruselkabinett ist die Handlung opulent mit Musik und Geräuschen ausgestattet, die sich eng an die Handlung schmiegt und umschmeichelt. Die Musik ist intensiv und eingängig, wechselt von den anfänglich, eher typisch für die Serie Stücken zu später sogar Chorälen, die an Kirchenmusik erinnern, während besonders die letzten Szenen mit Regengeräuschen im Hintergrund die richtige Stimmung verpasst bekommen.

Das Cover ist mit vielen Details ausgestattet und wieder im nostalgischen Look der Serie gehalten. Zu sehen ist die anfängliche Szene, in der Markheim mit gezücktem Messer im Antiquitätenladen steht und Mr. Miller den besagten Handspiegel ins Regal zurücklegt. Der Laden mit den vielen Büchern und Uhren, die eine Rolle in dem Hörspiel spielen, bildet dazu eine grandiose Umgebung.

Fazit: Ein eher ruhiger Vertreter der Serie, die fast ausschließlich auf Monologe setzt und so eine außergewöhnliche, aber intensive Atmosphäre erzeugt.

VÖ: 15.März 2013
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4811-4


Gruselkabinett – 71. Der Eschenbaum



Erster Eindruck: Stetige Ungewissheit

Gegen Ende des 17.Jahrhunderts residiert Sir Matthew Fell in seinem Anwesen und schätzt die Ruhe seiner Abgeschiedenheit, besonders des Nachts. Doch zum wiederholten Male beobachtet er eine Frau, die sich an dem alten Eschenbaum vor seinem Fenster zu schaffen macht. Der Ruf einer Hexe eilt ihr voraus, und so klagt er sie an. Die Folgen dieser Tat soll jedoch auch sein Enkel viele Jahre später zu spüren bekommen…

M.R. James dürfte wohl nur eingeweihten Literaturkennern ein Begriff sein, der Autor von Geistergeschichten hat es nicht gerade zu Weltruhm gebracht. Titania Medien hat eine seiner Werke nun für das Gruselkabinett ausgesucht, dabei handelt es sich um „Der Eschenbaum“. Zu Beginn gibt es zwar eine unheimliche Szene, doch so recht wird nicht herausgearbeitet, ob die Frau, die dem Eschenbaum nächtliche Besuche abstattet, tatsächlich eine Hexe ist oder zu Unrecht angeklagt wurde. Das ist durchaus reizvoll für den Hörer, die ersten Szenen sind von der Hexenverfolgung und einem anschließenden, übernatürlichen Ereignis geprägt. Nach etwa einem Drittel der Laufzeit macht die Handlung dann einen Zeitsprung und setzt Matthew Fells Enkel in den Mittelpunkt, der dessen Anwesen geerbt hat und nun in seinem alten Schlafzimmer übernachten will. Es folgt eine Kette von gruseligen und spannenden Szenen, und über allem liegt stets der Schleier des Ungewissen. Hier wird nicht alles bis ins kleinste Detail aufgefächert, sondern auch mal etwas offen gelassen, sodass die Fantasie des Hörers gefragt ist. Und ungefragt ist die Hexenszene dieses zweiten Abschnittes richtig gut gelungen und sehr dramatisch umgesetzt worden. Eine gute Folge des Gruselkabinetts, die sehr gut in die Reihe passt.

Frank-Otto Schenk mimt im ersten Teil des Hörspiels den kaltherzigen und berechnenden Sir Matthew Fell und kann mit seiner harten Stimme dessen Antrieb klar herausarbeiten. Sei Enkel Richard wird von Sebastian Schulz gesprochen, der um einigen weicher, aber auch sympathischer klingt und mit dem der Hörer deswegen leichter warm wird und mit ihm mitfiebert. Als Mrs. Mothersole ist Katharina Tomaschewsky eine wunderbare Wahl, kann sie doch stets den richtigen Ton treffen und so trotz kurzen Auftritten einen starken Charakter formen. Weitere Sprecher sind Hans-Jürgen Dittbeiner, Peter Weis und Sonja Deutsch.

Die Auswahl der Musikstücke ist etwas „traditioneller“ als im direkten Vorgänger „Schwarze Krallen“ und ist somit im typischen Stil des Labels gehalten. Atmosphärische Klänge, die die Sprecher über weite Teile des Hörspiels begleiten, prägen das Bild und lassen eine dichte Stimmung entstehen, die durch den geschickten Einsatz verschiedener Geräusche noch verstärkt wird.

Auf dem Cover ist natürlich der berüchtigte Eschenbaum zu sehen, der mit einer hübschen Frau verschmolzen zu sein scheint. Die Äste, die wie ausgestreckte Hände aussehen, sind dabei gut in das Motiv eingebunden. Allerdings steht der Baum im Hörspiel direkt neben dem Haus, während der das Anwesen nur im Hintergrund zu sehen ist - nebst einigen Grabsteinen, die stimmungsvoll und unheimlich wirken, mit der Handlung aber nur am Rande zu tun haben.

Fazit: Das stetig Ungewisse, das viele Fragen offen läst, ist die Stärke dieses Hörspiels und wird durch eine spannende Geschichte unterstützt.

VÖ: 16. November 2012
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4720-9


Gruselkabinett – 70. Schwarze Krallen



Erster Eindruck: Gelungene Mixtur verschiedener Genres

Bei seinen Recherchen über afrikanische Stämme stößt der junge Wissenschaftler Joel Brill an seine Grenzen und will seinen väterlichen Freund Jim Reynolds um Rat fragen. Doch sein chinesischer Diener Yut Wuen behauptet, Joel habe schon vorher angerufen und um ein Treffen in einem abgelegenen Ferienhaus gebeten. Gemeinsam mit seinem Bekannten, Detective Buckley, nimmt er die lange Fahrt auf sich…

Obwohl sich die Macher des Gruselkabinetts auf das Genre der Schauerromantik spezialisiert haben, schaffen sie es immer wieder, ganz unterschiedliche Geschichten herauszusuchen und bieten ihren Hörern immer wieder Überraschungen. So auch bei der 70. Folge der Serie, „Schwarze Krallen“, die uns – ebenfalls ungewöhnlich für die Serie – ins Jahr 1933 in Amerika entführt. Schon gleich zu Beginn beschleicht den Hörer ein ungutes Gefühl, schnell ist man mitten im Fall verwurzelt und harrt der Dinge, die da kommen mögen. Und diese lassen nicht lange auf sich warten, immer weiter steigert sich die Handlung und gipfelt in einem Finale, das die Bezeichnung „Horror“ wahrlich verdient hat. Und auch die manchmal festgefahrenen Strukturen der Reihe werden hier aufgebrochen, ganz andere Elemente und Handlungsverläufe genutzt. Die Verknüpfung mit der afrikanischen Struktur und eine überraschende Wendung machen die Geschichte noch reizvoller. Mir hat diese Folge so richtig gut gefallen, hier ist alles bestens aufeinander abgestimmt, Grusel, Spannung und Horror halten sich die Waage, man klebt förmlich an den Lautsprechern. Hervorragend!

In der Hauptrolle als Joel Brill ist Konrad Bösherz zu hören, der mit seiner sehr klaren Stimme die Emotionen des jungen Mannes gut darstellen kann und besonders in den späteren Szenen auffahren kann. Ronald Nitschke spricht Detective Buckley mit einer etwas grantigen und mürrischen Art, die den Charakter interessant macht und trotzdem noch viel Sympathie zulässt. Dirk Petrick spricht den Diener Yut Wuen mit passendem und glaubhaften chinesischen Akzent, bei seinem zweiten Auftritt schlägt er dabei einer ganz andere Richtung ein. Weitere Sprecher sind Sebastian Schulz, Martin Kautz und Hans-Jürgen Wolf.

Genauso wie die Geschichte an sich überraschend ist, schlägt auch die Musik hier etwas andere Richtungen ein. So sind am Anfang und am Ende Melodien zu hören, die das Amerika der frühen 30er Jahre einfängt. Ansonsten wird wieder viel auf atmosphärische und stimmungsvolle Musik gesetzt, die die Spannung zu steigern weiß und zum Markenzeichen der Reihe geworden ist.

Passend zum Titel sind auf der rechten Seite des Covers schwarze Krallen zu sehen, die von hinten dämonisch rot beleuchtet werden. Die linke Seite zeigt das ernste und sorgenvolle Gesicht von Joel Brill zu sehen, und das mit dunklem Hintergrund. Am unteren Rand hat noch das Anwesen Jim Reynolds‘ Platz gefunden, das düster und majestätisch wirkt. Ein gelungenes Cover mit passenden Motiven aus dem Hörspiel.

Fazit: Ein schneller Einstieg in die Handlung, sich stetig steigernde Spannung und ein furioses Finale, das den Hörer zu überraschend weiß – wieder eine sehr gelungene Folge des Gruselkabinetts.

VÖ: 16.November 2012
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4719-3


Gruselkabinett – 69. Stimme in der Nacht



Erster Eindruck: Schauergeschichte auf hoher See

Wegen einer Flaute sitzt ein Segelschiff auf offener See fest. In einer dunklen Nacht halten George und Will Wache, als plötzlich dichter Nebel aufzieht. Ein Ruderboot fährt herbei, doch der Insasse fürchtet sich vor dem Licht der Lampen und bittet um Nahrung. Und die Geschichte, die er zu erzählen hat, ist für die beiden Seemänner unglaublich…

Seemanngeschichten sind mittlerweile zu einer schönen Tradition im Gruselkabinett von Titania Medien geworden, schon einige der Folgen dieser Kategorie gehören zu den besten der Reihe. Mit Nummer 69 ist nun „Stimme in der Nacht“ ein Nachfolger erschienen, der den anderen in nichts nach steht. Schon der Beginn ist stimmungsvoll inszeniert, die dunkle Nacht gut beschrieben, Nebel und Ruderboot tauchen schon bald auf. Richtig los geht es hier zwar noch nicht, doch die Atmosphäre ist hier schon sehr dicht. Erst später, beim zweiten Auftauchen von John, kommt das Kernstück der Folge zum Vorschein, wenn er beginnt, seine Geschichte zu erzählen. Zusammen mit seiner Frau strandete er auf einer verlassenen Insel, und neben dem bohrenden Hunger kommt immer mehr Horror auf, der Schrecken steigert sich immer weiter und entlädt sich in einer sehr intensiv erzählten Szene. Der Verlauf der Folge ist kurzweilig und spannend, die Geschichte fesselnd und stets mit einem leisen Grusel versehen, das Ende für John und seine Frau offen, sodass jeder in seiner eigenen Vorstellung ausmachen kann, welche Qualen sie noch zu durchleiden haben. Eine gelungene Folge der Serie, die sicherlich noch das ein oder andere mal gehört werden wird.

Gerade einmal vier Sprecher sind hier zu hören, umso wichtiger ist die Leistung jedes einzelnen. Lutz Mackensy nimmt als John im späteren Verlauf auch die Rolle eines Erzählers ein, seine eigentlich sehr freundliche Stimme nimmt hier einen düsteren, unheilvollen Klang ein, die einzelnen Szenen kann er nachhaltig sprechen. Seine Frau Vivian wird von Reinhilt Schneider gesprochen, deren einzigartiger Farbton hier immer wieder für intensive Momente sorgt, besonders das leichte Überschlagen ihrer Stimme in aufgeregten Situationen ist treffend. George und Will, die beiden Seemänner, werden von Benjamin Kieswetter und Peter Reinhardt gesprochen und geben der Rahmengeschichte eine angenehme Atmosphäre.

Ein wenig Seefahreratmosphäre kommt hier auf, wenn die passenden Geräusche die ersten Szenen untermalen. Ansonsten wird die Stimmung insbesondere durch die Musik geprägt, die wie immer die gesamte Laufzeit begleitet und mit klassischen Instrumenten eingespielt wurden. So entsteht wieder der typische dicke Mantel, der sich um die Geschichte legt und sie noch intensiver wirken lässt.

Die anfängliche Szene auf dem Schiff wird auch auf dem Cover dargestellt. Zwei Männer starren besorgt in die neblige Nacht, eine Laterne in der Hand des einen spendet schummeriges Licht. Der Hintergrund greift das Seefahrerflair auf. Der Zeichenstil ist wieder romantisch und detailreich, besonders das Spiel von Licht, Schatten und Nebel ist hier sehr gut gelungen.

Fazit: Eine stimmungsvolle Rahmenhandlung, dazu eine intensive Kerngeschichte, die wieder einiges an Gänsehaut produziert – eine sehr hörenswerte Folge.

VÖ: 12.Oktober 2012
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4718-6


Gruselkabinett – 68. Die Legende von Sleepy Hollow



Erster Eindruck: Die wirklich wahre Geschichte von Sleepy Hollow

Ichabold Crane kommt als Dorfschullehrer in eine kleine Stadt in Sleepy Hollow, doch weder von seinen Schülern noch den restlichen Bewohnern sonderlich gemocht. Besonders seine enge Beziehung zu der hübschen Hoferbin Juliana van Tassel wird ihm krumm genommen. Brom van Brunt, der sich selbst Chancen auf eine Hochzeit ausrechnet, ersinnt deswegen einige Streiche…

Sleepy Hollow ist hierzulande vor allem durch die Tim Burton-Verfilmung bekannt – die jedoch nicht viel mit der Vorlage von Washington Irving zu tun hat. Diese wurde nun von Titania Medien umgesetzt und in der Reihe Gruselkabinett veröffentlicht, die sich ja „Schauerromantik“ auf die Fahne geschrieben haben. Schauer ist hier jedoch weniger vorhanden, bis zum letzten Viertel wird dieses Element völlig in den Hintergrund gestellt. Dafür ist die Ankunft von dem verschrobenen Ichabold Crane unterhaltsam dargestellt, die versteckte Abneigung der Dorfbewohner wird durch die beiden witzigen Jungen Rob und Bob gezeigt. Dieses erste Gespräch nimmt einen großen Teil der Folge ein, danach folgt in einigen Szenen das Leben des neuen Dorfschullehrers und die immer offenere Abneigung von Brom van Brunt zeigen – alles unterhaltsam und kurzweilig, aber eben nicht gruselig. Erst bei einem Ballabend bei Julianas Vater kommt ein wenig dieser speziellen Stimmung auf, wird für den Fortlauf der Geschichte verwendet und nicht als zentrales Element. Eine Folge, die sehr ungewöhnlich ist und eher untypisch für die Serie ist, aber durchaus einen großen Unterhaltungswert hat.

Der großartige Jens Wawrczeck hat die Hauptrolle des Ichabold Crane übernommen, seine immer etwas brüchige Stimme passt perfekt zu der schrägen Figur, er kostet den außergewöhnlichen Charme des Lehrers gut aus. Katarina Tomaschewsky spricht die bezaubernde Juliana van Tassel und setzt ihren hellen, klaren Klang gekonnt ein. Als hochmütigen Brom van Brunt ist Martin Kautz zu hören, der ihn zu einer interessanten Figur machen kann. Weitere Sprecher sind Hasso Zorn, Konrad Bösherz und Hans-Jürgen Dittberner.

Wie man es von Titania Medien glücklicherweise schon seit über 60 Folgen gewohnt sein darf, ist die Atmosphäre sehr dicht und stimmig. Zu den Szenen wurde jeweils passende Musik eingewählt, die die Dialoge fest umwickelt und eine untrennbare Symbiose eingeht – beides scheint wie füreinander geschaffen. Hinzu kommen treffende Geräusche, was zusätzliche Dramatik verleiht.

Im typischen detailreichen Stil der Serie ist schon der Hintergrund des Covers sehenswert: Zahlreiche kahle Bäume säumen den Weg, auf dem der unheimliche Reiter auf den Betrachter zustürmt. Mit dem leuchtenden Kürbiskopf wirkt er düster und unheimlich, der wehende Mantel und das erhobene Schwert erzeugen eine gewisse Dynamik. Zusammen mit dem Säulendesign der Serie ein sehr gelungenes Titelbild.

Fazit: Das Hörspiel ist wie immer gekonnt in Szene gesetzt aber ist nicht wirklich gruselig und kommt größtenteils auch ohne übernatürliche Elemente aus, aber die Geschichte ist dennoch unterhaltsam.

VÖ: 12.Oktober 2012
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4717-9


Gruselkabinett – 67. Der Schatten über Innsmouth -2-



Erster Eindruck: Nur Schrecken für Robert Olmsteadt

Endlich hat Robert Olmstead in Innsmouth einen Bewohner gefunden, der sich über das Geheimnis der kleinen Stadt Innsmouth äußerst. Von dem Alkoholiker Zadok Allen erfährt er, wie es zu dem merkwürdigen Aussehen der Einwohner gekommen ist, und der ganze Schrecken wird ihm offenbart. Doch überraschend muss Robert doch noch eine Nacht in dem einzigen Hotel der Stadt verbringen…

In Teil 1 von „Der Schatten über Innsmouth“ hat man größtenteils Andeutungen und Gerüchte über die kleine Stadt erfahren, Teil 2 schließt nun unmittelbar daran an, die Szene ist immer noch die gleiche – und das bedeutet, dass man nun endlich von Zadok Allen die ganze Geschichte erfährt. Auch wenn dies größtenteils im Monolog geschieht und Robert nur einige Zwischenfragen stellt, ist dieses Kernstück der Folge sehr gut gelungen und entführt den Hörer in eine düstere Welt voller Geheimnisse und unfassbarer Ereignisse. Hier ist wieder das typische Flair der Serie versprüht, der Hörer kann wieder völlig abtauchen. Danach folgt die oben beschriebene, äußerst unheimliche Nacht in Innsmouth, die das gruselige Highlight der Erzählung ist. Die Stimmung ist intensiv düster, gerade weil hier nicht sonderlich viel passiert. Danach hätte es eigentlich auch vorbei sein können, aus der ersten Folge weiß der Hörer ja, wie es mit der kleinen Stadt weiter gegangen ist. Und dann folgt doch noch ein Stück, das der Hörer erst einmal nicht genau einordnen kann – bis in einem großen Knall alles auf den Kopf gestellt wird, alles noch einmal anders beleuchtet wird. Frühere Anspielungen ergeben plötzlich einen Sinn. Ein grandioses Finale, das mir äußerst gut gefallen hat. Gerade deswegen ist dieser zweite Teil so empfehlenswert, der deutlich stärker als sein Vorgänger ist.

Peter Weis spricht den Alkoholiker Zadok Allen mit Inbrunst und Leidenschaft, prägt die Stimmung dieses Gesprächs auf seine ganze eigene Weise und bringt auch seinen plötzlichen Gefühlsausbruch gekonnt herüber. Joe Sargant, der unfreundliche Busfahrer von Innsmouth, wird von Ronald Nitschke gesprochen, der mit seiner harten Stimme den richtigen Ton für diese Rolle trifft. Einen wunderbar gruseligen Auftritt hat gegen Ende Sonja Deutsch, die ihre Stimme gekonnt nutzt, um diese besonders intensiv wirken zu lassen. Weitere Sprecher sind Hans-Jürgen Dittberner, Wilfried Herbst und Frank-Otto Schenk.

Atmosphärisch dicht wie immer präsentiert sich diese 67. Folge der Reihe, was an dem gelungenen Zusammenspiel von Musik und Geräuschen liegt. Während die Musik sich sowohl im Hintergrund halten kann als auch nach vorn treten, sind die Geräusche vielfältig und treffend, sind auch immer wieder Stilmittel zur Steigerung des Gruselfaktors und können auch einmal ziemlich laut aus den Boxen schallen.

Hat Ertugrul Edirne auf dem Cover zur ersten Folge des Zweiteilers nur eines der unheimlichen Wesen gezeigt, schauen sie hier an allen Ecken und Enden aus den Häusern von Innsmouth – sinnbildlich für die steigende Gefahr, die sich auch in diesem zweiten Teil ausweitet. Vor diesem schaurigen und dunklen Hintergrund ist Robert Olmsteadt in helleren Farben im Mittelpunkt zu sehen. Ein gelungenes und ansprechendes Cover.

Fazit: Die Story legt hier noch einmal richtig zu, offenbart das ganze Geheimnis, setzt einen unheimlichen Höhepunkt in der Stadt um und überrascht am Ende mit einer gekonnten Wendung – das alles kombiniert mit dem hohen Produktionsstandart von Titania Medien.

VÖ: 22.September 2012
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4724-7

 

Gruselkabinett – 66. Der Schatten über Innsmouth -1-



Erster Eindruck: Eine unheimliche Stadt…

Vor seinem Studium macht Robert Olmstead eine Reise durch Neuengland und ist auf der Durchfahrt nach Arkham, als er von dem geheimnisvollen Dorf Innsmouth zu hören bekommt. Die Bewohner schotten sich größtenteils von der Außenwelt ab und haben auch sonst einige merkwürdige Auffälligkeiten. Trotz aller Warnungen beschließt Robert, Innsmouth einen Besuch abzustatten…

Es ist nicht die erste Geschichte von Howard Lovecraft, die ins Gruselkabinett von Titania Medien aufgenommen wurde, trotzdem durfte man auf „Schatten über Innsmouth“ gespannt sein, da es wieder ein Zweiteiler sein würde. Folge 1 startet mit der Invasion von Innsmouth durch die Regierung, doch noch hat der Hörer keine Ahnung, was sich dahinter verbergen würde. Dies kommt erst sehr langsam nach und nach heraus, zuerst wird Roberts Reise thematisiert. Dieser erfährt erst nach einiger Zeit überhaupt von der kleinen Stadt, und das ist für den Hörer – vollkommen untypisch für die Serie – eine recht langsame Entwicklung. Vieles basiert hier auf Erzählungen von verschiedenen Personen, beispielsweise einem freundlichen Fahrkarten-Verkäufer. Dialoge sind hier nur sporadisch vorhanden, wirkliche entscheidende Handlungen finden nicht statt. Doch durch die düsteren, unheimlichen Erzählungen baut sich eine hörenswerte Stimmung auf, doch es ist klar, dass es in Teil zwei noch ein wenig weiter gehen muss. Ein etwas langsamer Start in den neuen Zweiteiler, der eher von der Stimmung getragen wird.

Louis Friedemann Thiele ist in der Hauptrolle des Robert Olmsteadt zu hören. Seine Stimme wirkt unverbraucht und frisch, die Neugier und die Abenteuerlust des jungen Mannes kann er glaubhaft darstellen. Hans-Jürgen Wolf hat als redseliger Fahrtkarten-Verkäufer eine wichtige Rolle und verrät in einem langen Gespräch viel über die geheimnisvolle Stadt, schafft dabei eine eindringliche Stimmung und spielt gut mit der Dramatik der Szene. Reinhilt Schneider ist als Anna Tilton zu hören, ihre unverwechselbare Stimme sorgt auch hier für einen Akzent. Weitere Sprecher sind Hasso Zorn, Jessy Rameik und Ronald Nitschke.

Auch hier beweisen Marc Gruppe und Stephan Bosenius wieder, dass sie die Meister des atmosphärischen Gruselhörspiels sind und haben eine dichte und bedrückende Atmosphäre für die Geschichte geschaffen. Dabei nimmt die Musik einen hohen Stellenwert ein und sorgt mit den melodiösen Arrangements für eine dichte und eindringliche Stimmung.

Als neuer Illustrator für das Gruselkabinett konnte Ertugrul Edrine gewonnen werden, der einen ähnlichen Zeichenstil wie sein Vorgänger gewählt hat. Zu sehen ist eines der Wesen aus Innsmouth, das aus einer Bodenluke in einem alten Gemäuer kriecht. Obwohl auch hier ein romantischer Einschlag zu sehen ist, wirkt die Gestalt furchteinflößend und düster – hier wurde genau die richtige Balance zwischen den beiden Stilen gefunden.

Fazit: Die erste Folge des Zweiteilers entwickelt sich langsam und baut vorrangig auf lange Monologe, ist aber durch seine unheimliche Stimmung durchaus hörenswert.

VÖ: 21.September 2012
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4723-0


Gruselkabinett – 65. Gesellschafterin gesucht!



Erster Eindruck: Düstere Dame mit Geheimnis

Die achtzehnjährige Bella Rolleston sucht händeringend eine Anstellung als Gesellschafterin, da ihr aufgrund mangelnder Erfahrung andere Tätigkeiten verwehrt bleiben. Erst mit ein wenig Glück wird Lady Ducayne auf sie aufmerksam und stellt sie zu einem guten Lohn ein. Doch nach einiger Zeit beginnen schreckliche Alpträume Bella heimzusuchen...

Frühjahr und Herbst stehen hoch oben in der Gunst der Titania-Fans, erscheinen hier doch alle Produktionen des beliebten Labels. Im Mai gibt es fast schon traditionell einen weiteren Schwung des Gruselkabinett, deren 65. Folge den Titel „Gesellschafterin gesucht!“ trägt. Diese Geschichte betont wieder einmal die eher ruhige Seite der Reihe und ist eher atmosphärisch, hat aber durchaus auch ihre gruseligen Stellen. Zu Anfang wird recht ausführlich die Grundsituation von Bella erklärt, erst nach einiger Zeit geht es mit dem Auftauchen von Lady Ducayne mit der eigentlichen Handlung los. Diese Figur ist großartig, wirkt bedrohlich und ein wenig düster. Man kann sie einige Zeit kaum abschätzen, was durchaus reizvoll für den Hörer ist. Im späteren Teil ist dann schon eher klar, was ihr Vorhaben ist, was aber die Sorge um Bella nur noch anheizt. Düstere Aspekte werden hinzugegeben, ein wenig Mystik schleicht sich ein. Der Verlauf ist dabei durchaus flüssig und unterhaltsam, wenn auch die ganz große Spannung ausbleibt und eher auf leise, stimmungsvolle Momente gesetzt wird. Eine durchaus positive Folge, auch wenn das Ende ein wenig holperig ist und die aufgestaute Spannung abflauen lässt anstatt sie effektvoll zu entladen. Zudem handelt die geheimnisvolle Lady ein wenig zu lasch, was ihrem Charakter nicht zu entsprechen scheint. Keine Knaller-Folge, aber immer noch guter Stoff für Fans der Serie.

Die bisher eher unbekannte Julia Stoepel hat mit Bella hier gleich eine Hauptrolle bekommen, die sie sehr gut meistert. Ihre helle Stimme setzt sie gekonnt ein, um die anfängliche Aufgeregtheit oder die spätere Besorgnis glaubhaft auszudrücken. Ganz wunderbar ist Ingrid van Bergen als Lady Ducayne. Ihr rauer und dunkler Klang passt perfekt zu der geheimnisvollen Dame, ihr Ausdruck stark und vielseitig. Erzähler Christian Wolff hat zwar eine sehr angenehme und warme Stimme, diese ist für diese Art von Geschichte aber etwas zu spannungsarm. Weitere Sprecher sind Susanne Tremper, Patrick Wolff und Janina Sachau.

Wie immer wurde es hier geschafft, eine düstere und spannungsgeladene Atmosphäre zu erzeugen. Dazu wurden sorgfältig die eingesetzten Musikstücke auf die Geschichte zugeschnitten und passende Geräusche ausgesucht, sodass alles gut zusammenpasst. Alles wirkt mysteriös, die Stimmung unterstreicht die Wirkung der Handlung.

Sehr treffend und ansehnlich ist das Covermotiv geworden, auf dem die herrschaftliche Lady Ducayne abgebildet ist. Ihr aristokratischer Ausdruck, das alternde Gesicht, das aufwändige Kleid, dazu der düstere Hintergrund mit einem von Kerzen beleuchteten Treppenhaus und dem angesprochenen Gemälde, alles passt wunderbar zusammen.

Fazit: Eine Geschichte mit einigen Reizpunkten und einem flüssigen Verlauf, allerdings mit abflauendem Finale. Durchaus passend für das Gruselkabinett.

VÖ: 18.Mai 2012
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4642-4


Gruselkabinett – 64. Der schreiende Schädel



Erster Eindruck: Von wegen Wecker...

Der ehemalige Kapitän Charles Braddock hat ein Anwesen von seinem Cousin geerbt, der dort mit seiner schon früher verstorbenen Frau gelebt hat. Doch ein Totenschädel ist untrennbar mit dem Haus verbunden und kehrt und merkwürdigen Umständen immer wieder zurück. Und immer wieder stößt er schreckliche Schreie aus. Braddock hat einen Verdacht, von wem der Schädel stammt...

Mit „Der schreiende Schädel“ ist nun die mittlerweile 64. Folge des Gruselkabinetts erschienen und präsentiert damit mal wieder eine Geschichte, die ebenso wie ihr Autor in Deutschland eher unbekannt ist. Hier kann man sich also wieder voll von der Handlung überraschen lassen. Das Grundkonzept ist mit wenigen Worten erklärt und wird aus der Sicht von Charles Braddock erzählt, der seinem alten Freund James von den unheimlichen Vorgängen berichtet. In einer Rückblende erfährt man von einem folgenschweren Besuch Braddocks, im weiteren Verlauf werden unheimliche Geschehnisse erklärt – und zwar ohne dass wirklich viel passieren würde. Die Spannung ergibt sich hier aus den lebendigen Schilderungen und der Steigerung des Spuks, neue Informationen werden hier kaum hinzugefügt. Trotzdem weiß die Geschichte zu fesseln und den Hörer mit ihrem stets gruseligen Unterton zu fesseln. Und immer wieder durchbrechen die gequälten Schreie des Schädels die vermeintliche Ruhe und sorgen gekonnt für Akzente. Auch gegen Ende ist keine deutliche Anhebung des Tempos oder der Dramatik zu erkennen, doch auch hier weiß das Hörspiel zu fesseln und die gesamte Mystik, die aufgebaut wurde, in sich zu vereinen. Eine richtig gute Folge der Reihe, die mit wenigen Mitteln viel erreichen kann.

Horst Naumann übernimmt hier mit Captain Charles Braddock die Hauptrolle und gleichzeitig viele Erzähltexte. Durch seine eindringliche Stimme kann er der Spannung die ganze Zeit über halten, gekonnt setzt er Pausen oder variierende Lautstärken ein. Als James ist Rolf Berg mit dabei, auch er kann hier ausdrucksstark wirken, nimmt sich zu den richtigen Zeitpunkten aber auch zurück und überlässt Naumann das Feld. Der durchdringende Schrei stammt von Susanne Uhlen, die auch in ihren gesprochenen Passagen eine sehr gute Figur macht. Weitere Sprecher sind Matthias Keller, Patrick Wolff und Janina Sachau.

Mit einem düsteren Geigenintro startet das Hörspiel und setzt so gleich zu Beginn die bedrückende Stimmung fest, die sich die gesamte Laufzeit von einer guten Stunde halten kann. Immer neue Melodien untermalen das Geschehen, und dann – mal erwartet, meist plötzlich – dieser Schrei des Schädels, der immer wieder für Aufmerksamkeit und einen gekonnten Akzent sorgt.

Wie nicht anders zu erwarten ist der schreiende Schädel auch auf dem Cover zu sehen. Er wirkt eher schlicht und ist in gediegenem Ambiente zu sehen, Rotwein, Kerzenständer und eine Tischdecke drapieren sich um ihn herum. Sehr schlicht und nicht ganz so gruselig, wie es die Folge ist, aber durchaus ein ansehnliches Cover.

Fazit: Gerade die ruhige Ausstrahlung dieser Geschichte gefällt, die wie immer sehr gelungene Atmosphäre passt ebenso. Eine sehr gute Folge der Serie.

VÖ: 18.Mai 2012
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4641-7


Gruselkabinett – 63. Besessen



Erster Eindruck: Vollmondnächte in Afrika

In einem Schloss an der afrikanischen Westküste hat sich eine kleine Gesellschaft eingefunden, um aus deren Leben kurzzeitig zu entfliehen und sich gegenseitig die Zeit zu vertreiben. Doch merkwürdige Dinge gehen in den mondbeschienenen Nächten vor sich, und schließlich muss der junge Pierre eine schockierende Entdeckung um seinen besten Freund machen...

Werwolfmythen haben gerade Hochkonjunktur, nicht nur aufgrund des großen Erfolges der Twilight-Saga. Und auch im Gruselkabinett von Titania Medien gibt es immer wieder Geschichten um die pelzigen Nachttiere, mit „Besessen“ kommt als 63. Folge eine weitere hinzu. Schade nur, dass dies auf dem Cover gleich klar wird, denn ansonsten hätte man einiges mehr an Überraschungseffekt herausholen können. Die Handlung beginnt – wie so oft bei dieser Serie – eher ruhig und beschaulich, bis sich erste Anzeichen übernatürlicher Aktivitäten ankündigen. Immer neue Informationen und Ereignisse lassen diese Geschichte recht lebendig und dynamisch wirken, Spannung wird immer weiter aufgebaut. Der Mittelteil ist so sehr gelungen und qualitativ so hochwertig, wie man es von dem Label getrost erwarten darf. Der eigentliche Höhepunkt ist dann aber etwas vorgelagert, sodass es danach einen kleinen Spannungsabfall gibt, danach folgen noch einige Minuten, in denen der Fortlauf der Lykanthropie beschrieben wird. Auch das ist interessant und gut in Szene gesetzt. Gut gefällt mir, dass wieder auf einen externen Erzähler verzichtet wird, was einen wesentlich lebendigeren und dynamischeren Eindruck hinterlässt. Eine solide und unterhaltsame Folge des Gruselkabinetts.

Roman Wolko hat als Pierre die Hauptrolle ergattert und überzeugt mit seiner weichen und angenehmen Stimme, die immer wieder andere Färbungen annimmt und die Gefühlswelt des jungen Mannes so sehr genau widerspiegeln kann. Tobias Lelle spricht de Montour mit glaubwürdiger Intensität und sehr präziser Aussprache. Kai Taschner ist als Dom Vincente da Lusto Initiator der illustren Runde und passt mit seinem Ausdruck sehr gut in die Stimmung dieser Folge. Weiterhin zu hören sind Tim Schwarzmaier, Patrick Roche und Gabrielle Pietermann.

Atmosphärisch haben Marc Gruppe und Stephan Bosenius hier wieder die Nase vorn und präsentieren ein sehr rundes und intensives Hörspiel. Die ausgewählte Musik passt perfekt zu der Handlung und kann die Stimmung weiter herausstellen, obwohl sie nicht eigens für das Label produziert wurde. Auch die Geräusche sind stimmig wie immer.

Wie bereits erwähnt verrät das Cover dem Hörer zu viel von der Handlung. Zwar ist der Werwolf hier in etwas romantisierter Weise, wie es die Art der Serie ist, lebendig und ansehnlich dargestellt. Doch ohne diese Information wäre den Hörer lange Zeit nicht klar gewesen, dass es sich um eine Werwolfgeschichte handelt, was einen Überraschungseffekt verhindert.

Fazit: Lebendig, spannend, unterhaltsam. Der vorgelagerte Höhepunkt mit der anschließenden Entwicklung erlaubt eine ganz andere Betrachtungsweise der Werwolfmythen.

VÖ: 6.April 2012
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4640-0


Gruselkabinett – 62. Rappaccinis Tochter



Erster Eindruck: Ein verwunschener Garten

Giovanni Guasconti zieht des Studiums wegen nach Padua und mietet ein Zimmer bei der freundlichen Hauswirtin Lisabetta. Nach einigen Tagen entdeckt er in dem Ziergarten seines Nachbarn Dr. Rappaccini eine hübsche junge Frau, die sich als seine Tochter herausstellt und eine enge Bindung zu den Pflanzen zu haben scheint. Nur warum vermeidet der Doktor jede Berührung mit den Blumen?

Für das Gruselkabinett suchen sich Marc Gruppe und Stephan Bosenius auch immer wieder Geschichten der Schauerromantik aus, die in Deutschland nur wenig populär sind. „Rappaccinis Tochter“ des amerikanischen Autors Nathaniel Hawthorne gehört dazu, was sich mit der 62. Folge der Serie für die Kurzgeschichte aus dem Jahr 1844 zumindest in Hörspielkreisen ändern dürfte. In der Erzählung steht die entbrennende Liebe des jungen Studenten Giovanni zu der geheimnisvollen Schönheit im benachbarten Garten im Vordergrund, die allerdings durch einen düsteren Hintergrund überschattet wird. So ist es kaum ein Wunder, dass oft romantische und manchmal etwas kitschige Anklänge zu finden sind – was jedoch keinesfalls stört, sondern dem ganzen eine andere Würze gibt. Schon frühere Folgen spielten erfolgreich mit diesem Thema. Es geht um Faszination und die Entfremdung von der Gesellschaft, am Ende auch um den Wahnsinn, der aus dem Verlust eines Menschen entstehen kann. Neben den Szenen, in denen Giovanni seine Beatrice anhimmelt, gibt es auch immer wieder Einschübe, in denen Dr. Rappaccini in unerfreulichen Gesprächen charakterisiert wird. Beides ist umso wichtiger, um das faszinierende Ende verstehen zu können, das alles zusammen in einen ebenso sinnvollen wie dramatischen Kontext setzt. Allerdings wirkt es am Ende doch etwas abgehackt, der Hörer wird sehr unsanft aus der Geschichte entlassen – was aber auch ein interessantes Stilmittel ist. Eine sehr gelungene Folge der Serie mit romantischem Grundton und einem leisem Schauer, der einem immer wieder über den Rücken jagt.

Im Gegensatz zu den beiden vorigen Folgen ist hier kein Erzähler eingesetzt worden, sodass lediglich fünf Sprecher zu hören sind. Den Hauptteil übernimmt Max Felder als Giovanni Guasconti, der die tiefe Liebe, aber auch die Verunsicherung des jungen Mannes sehr genau thematisiert. Manfred Erdmann spricht Dr. Rappaccini mit kalter, abweisender Stimme, kann sich gegen Ende in seinen Fanatismus herein steigern und einen gebrochenen Mann präsentieren, was beim Hörer vielfältige Gefühle hervorrufen kann. Sehr gut hat mir Jacqueline Bellle als Beatrice gefallen, deren sanfte Stimme sehr gut zu der Stimmung der Folge passt. Auch Reinhard Glemnitz und Angelika Bender machen ihre Sache sehr gut.

Titania Medien bleibt hier auch seinem Ruf treu, immer die geeignete Atmosphäre durch den Einsatz stimmungsvoller Musik zu schaffen. Und gerade mit dieser romantischen Geschichte harmonieren die orchestralen Klänge mit klassischen Instrumenten hervorragend. Die Geräusche sind nicht übermäßig, sondern passend und zielgerichtet eingesetzt.

Firuz Aksin hat wieder genau die Stimmung der Geschichte in seiner Illustration eingefangen. Beatrcie streift hier durch den wundervollen Garten und wirkt dabei nicht nur sehr anmutig, sondern auch wehmutsvoll und leidend. Im Hintergrund ist Giovanni auf seinem Balkon zu sehen, italienisches Flair entsteht aufgrund der detailgetreuen Darstellung des Hintergrundes.

Fazit: Eine außergewöhnliche und sehr gelungene Folge der Reihe mit romantischer Stimmung und einem wunderbaren Geheimnis.

VÖ: 6.April 2012
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4639-4


Gruselkabinett – 61. Der Ring des Thot



Erster Eindruck: Ein kostbares Elexier

John Vansittart Smith ist völlig in seine Forschungen über das alte Ägypten vertieft. So kommt er auch mit dem Museumswächter Sosra ins Gespräch, der ihm seine Lebensgeschichte offenbart. Und die begann damit, dass Sosra ebenfalls diverse Forschungen angestellt hat und eine unglaubliche Entdeckung in aus der Bahn geworfen hat...

Definitiv gehört das Gruselkabinett zu den momentan beliebtesten und erfolgreichsten Serien im Hörspielsektor, und darauf hat auch immer die geschickte Auswahl der Stücke seinen Teil zu beigetragen. Hier werden ganz unterschiedliche Geschichten präsentiert, die die ganze Bandbreite des Genres zeigen. Die 61. Folge stammt wieder aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle und ist anfangs sehr erzählerlastig. Teilweise hat man schon fast das Gefühl, einer inszenierten Lesung zu lauschen. Und auch wenn Thomas Pieper seine Sache recht gut macht und versucht, den Hörer bei Laune zu halten, sind seine Passagen einfach zu lang geraten. Da wird in großer Ausführlichkeit über John Smith berichtet – der in der eigentlichen Kerngeschichte keine Rolle spielt. Nicht, dass diese Teile unbedeutend oder langweilig wären, aber ein wenig mehr Schwung hätte dem Ganzen hier doch gut getan. In der eingebauten Erzählung von Sosra geht es dann aber richtig zur Sache, mythische Elemente paaren sich hier mit einer spannenden und dramatischen Handlung. Diese Kernerzählung ist es, was die Folge ausmacht und was ihr auch zu Spannung verleiht, sie ist perfekt gelungen und bleibt lange im Gedächtnis. Hätte man die Rahmenhandlung etwas knapper gefasst, hätte eine weitere Knaller-Folge entstehen können, so bleibt aber immer noch eine sehr gute und atmosphärische Erzählung.

Bei der Besetzung der Sprecher ist wie immer Großartiges geleistet worden, jede Rolle hat einen passenden Sprecher bekommen. Patrick Roche spricht den John Vansittart Smith mit einer glaubwürdigen Intensität, den etwas kauzigen Mann nimmt man ihm sofort ab. Sosra wird von Christian Weygand gesprochen, der seine Passagen sehr lebendig und vielfältig erscheinen lässt. Annina Braunmiller gefällt mit in der Rolle der Atma äußerst gut, hier kann sie die ganze Melancholie in ihrer Stime präsentieren. Weitere Sprecher sind Tim Schwarzmaier, Thomas Pieper und Max Felder.

Die atmosphärische Musik tritt hier an einigen Stellen zugunsten einer etwas nüchterneren Darstellungsweise in den Hintergrund, ist aber immer noch das prägende Stilelement der Serie. Wieder werden genau Stimmungen herausgearbeitet, die der Geschichte Leben verleihen. Einige Szenen wirken so besonders intensiv und werden in ihrer Wichtigkeit betont.

Das altägyptische Hintergrundthema wird natürlich auf dem Cover aufgegriffen, Sosra steht dabei vor einem Sarkophag und beschwört mit gewichtigem Blick. Wieder wirkt die verspielte Romantik passend und anziehend, viele Details lassen die Zeichnung alles andere als langweilig wirken. Die restliche Aufmachung ist schon von den vorigen Folgen bekannt.

Fazit: Hier hätte alles etwas gestaucht werden können, die eigentliche Geschichte gehört aber zu den Highlights der Serie.

VÖ: 16.März 2012
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4638-7


Gruselkabinett – 60. Der Grabhügel



Erster Eindruck: Unerwartete Entdeckung

Der Grabhügel auf dem Grundstück von Steve Brill ist seit langer ungeöffnet, und zahlreiche Mythen rankten sich um den Erdhaufen. Doch entgegen aller Warnungen beschließt Brill, gemeinsam mit seinem Sohn dort nach Schätzen zu suchen. Nie hätten sie sich träumen lassen, welches Unheil sie damit heraufbeschwören...

Das Frühjahr steht in den Startlöchern, und das ist auch immer die Zeit, in der Titania Medien ins Jahr startet und in erfreulicher Kontinuität seine ersten Hörspiele veröffentlicht. Den Anfang macht dieses mal die 60. Folge der Gruselkabinett-Reihe mit dem Titel „Der Grabhügel“. Zu hören ist eine recht klassische Geschichte mit ebenso klassischem Aufbau – und das bedeutet für den Hörer leider anfangs etwas Leerlauf, indem der Hörer die Grundsituation kennen lernt, aber nicht wirklich an die Geschichte gebunden wird. Das ändert sich jedoch nach etwa einem Drittel der Laufzeit, danach geht es mit wahrlich unheilvoller Stimmung los, die mit stets drohendem Unterton erzeugt wird. Und schließlich erreicht die Story hier auch einen heftigen Höhepunkt, die vor Energie nur so sprudelt und einen völlig in seinen Bann zieht. Hier wird wieder alles richtig gemacht, alles fließt ineiander und ermöglicht dem Hörer, völlig in der Geschichte zu versinken. All die Andeutungen geben nun einen Sinn, der Spannungsbogen geht voll auf und verzeiht die ein oder andere anfängliche Schwäche. Mal wieder ein sehr gelungenes Hörspiel der Reihe, die Fans überzeugen wird.

Thomas Piper, den meisten wohl als Sprecher von Alf bekannt, übernimmt hier die Rolle des Erzählers. Seine markante Stimme ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, man kann sich aber schnell damit anfreunden. Patrick Schröder spricht die Hauptrolle des Steve Brill und kann von seiner anfänglichen Coolness immer weitere Seiten entwickeln und sorgt immer wieder für zusätzliche Spannung. Sein Sohn Tommy wird von Maximilian Belle, dessen jugendliche Stimme gut in die Atmosphäre passt. Weitere Sprecher sind Alexander Turrek, Patrick Roche und Kai Taschner.

Musikalisch wird wieder eine tadellose Leistung abgeliefert, wie man es glücklicherweise immer von Titania erwarten kann. Die Musik wirkt – obwohl sie nicht eigens hierfür produziert wurde – nicht nur sehr passend zur Handlung, sondern auch wie aus einem Guss. Die Geräusche passen sich sehr gut an und verleihen mehr Lebendigkeit und Dramatik.

Das Cover spiegelt gut das Gefühl der Folge wieder, der erschrockene Steve Brill hält hier eine altmodische Laterne in die Höhe und einen Spaten in der Hand. Dieses Motiv ist mit zahlreichen Totenköpfen umrankt, die sehr gut mit der Umrahmung mit Säulenmotiv passen. Im Inneren sind wie immer nur die notwendigen Angaben zur Produktion zu finden.

Fazit: Ein sich immer weiter steigerndes Hörspiel, das zu einem packenden und grandiosen Finale führt, das sehr intensiv wirken kann.

VÖ: 13.März 2012
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4637-0


Gruselkabinett – 59. Das violette Automobil



Erster Eindruck: Ein Geheimnis aus der Vergangenheit

Georgia Kane wird von einem älteren Ehepaar gerufen, um bei der Betreuung eines erkrankten Menschen zu helfen. Doch obwohl sie von den Eldriges warmherzig aufgenommen wird, kommen schnell Zweifel an ihrem Daseinszweck auf. Denn beide Ehepartner behaupten, der jeweils andere benötige ihre Hilfe. Was ist das Geheimnis, das die beiden miteinander teilen?

Nach der ungewöhnlichen und etwas experimentellen 58. Folge ist mit „Das violette Automobil“ eine etwas klassischere Gruselgeschichte in der wunderbaren Reihe „Gruselkabinett“ erschienen. Der – wie so oft harmlose – Beginn sät erste Ungereimtheiten und Verdachtsmomente in einem lockeren und atmosphärisch gestalteten Gespräch, ohne jedoch zu viel vorneweg zu nehmen. Und das ist es auch, das einen die nächsten Minuten begleitet: Die Gewissheit, dass etwas nicht stimmt, aber die völlige Ahnungslosigkeit, in welche Richtung die Geschichte steuern wird. Die ersten Tage von Georgia, die eine recht typische und ein wenig naive Hauptfigur für diese Art von Geschichte ist, in der neuen Umgebung beschäftigen sich vorrangig mit der Frage, welches Geheimnis die beiden verbergen, und nur ganz langsam kommt dieses ans Licht. Bis zu diesem Zeitpunkt sind keine offensichtlich übernatürlichen Elemente erkennbar, diese offenbaren sich erst im letzten Drittel der Folge. Sie hinterlassen – genauso wie die gesamte Folge – kein verblüfftes Gefühl, das einen völlig in seinen Bann zieht. Hier wird eher auf stimmungsvolle Unterhaltung gesetzt, die das langsame Aufdecken einer nicht ganz reinen Lebensgeschichte in den Vordergrund stellt, aber immer dieses unheimliche Gefühl mit sich zieht.

Wie immer ist die Sprecherliste hervorragend besetzt, jeder einzelne trägt hier zum Gelingen des Gesamtpaketes bei. Den Hauptteil mit Georgia Kane trägt hierbei allerdings Solveig Duda, deren sentimentale Stimme genau zu der gefühlvollen jungen Frau passt. Sowohl die Dialoge als auch die erzählten Texte kann sie mit Leben füllen. Sehr gut gefallen hat mir Doris Gallart als Marian Eldridge, deren warmer und etwas rauer Klang die ältere Dame sehr gut zur Geltung bringt. Ihr Gatte Robert wird von Eckart Dux mit der ihm eigenen Präsenz gesprochen, die er wirkungsvoll platziert. In kleineren Rollen zu hören sind Roland Hemmo, Monika Barth und Sophia Abtahi.

Auch in Sachen Atmosphäre geht diese Folge zwar keine neuen, aber bewährten und immer wieder wirkungsvolle Wege. So kann die Musik die Aura der jeweiligen Szene sehr genau abbilden und so ihre Wirkung unterstützen, während die passgenau eingesetzten Geräusche für zusätzliche Stimmung sorgen können – und das in bewährter Titania-Qualität.

Ein wenig kitschig durfte es auf den Titelbildern zu der Serie ja schon immer sein, und das ist auch bei dieser Folge der Fall. Natürlich ist das namensgebende violette Automobil zu sehen, dass nicht nur in Sachen Zeichenstil recht altmodisch anmutet. Schade nur, dass durch die Abbildung des Fahrers schon einiges von der Auflösung des Ganzen verraten wird.

Fazit: Eine sehr solide Folge der Serie, die zwar keine sonderlich überraschenden Elemente birgt und trotzdem eine gute Stunde lang gut unterhalten kann.

VÖ: 11.November 2011
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4530-4


Gruselkabinett – 58. Pickmans Modell



Erster Eindruck: Dämonische Bilder

Henry Thurber, Mitglied in einem Kunstverein, ist fasziniert von den Gemälden von Richard Upton Pickman, die wahre Schreckensbegebenheiten darstellen und aus den eher konservativen Werken der anderen Teilnehmer herausstechen. Eines Tages lädt der Künstler ihn in sein Atelier ein, um ihm weitere Skizzen und Arbeiten zu zeigen. Immer tiefer dringen die beiden ins Kellergewölbe vor...

Die vielen Geschichten, die das Gruselkabinett bisher erzählt hat, sind ganz unterschiedlich und zeigen zahlreiche Facetten des Genres. Eine weitere steuert auch die 58. Folge der Erfolgsreihe von Titania Medien bei, die den Titel „Pickmans Modell“ trägt und der erneut eine Vorlage von H.P. Lovecraft zugrunde liegt. Hier steht keine Handlung im eigentlichen Sinne im Vordergrund, langsam wird hier auf die Schlüsselszene am Ende hingearbeitet. Unheimliche Andeutungen, stimmungsvolle Dialoge, alles nicht wirklich tempogeladen, sondern auf den jeweiligen Moment bedacht, der seine Wirkung auf den Hörer nicht verfehlt und ihn in eine durchaus gruselige Stimmung versetzt. Erst ganz am Ende, als Henry Thurber durch Pickmans Atelier geführt wird, nimmt die Handlung an Dramatik zu, diese Szene ist von intensiven Beschreibungen und vielen Eindrücken geprägt, die den Schrecken voll offenbaren. Vom leisen Grusel im Hauptteil bis zum schreckensgeladenen Finale, diese Folge hat eine ganz eigene Stimmung und bereichert die Serie mit einer weiteren Variation.

Dietmar Wunders ausdrucksstarke Stimme steht im Mittelpunkt des Hörspiels, mit Henry Thurber hat er die Rolle ergattert, die neben Dialogen auch einiges an Erzähltext beinhaltet. Er ist im Wesentlichen dafür verantwortlich, die unheimlichen Beschreibungen auf den Hörer zu übertragen, was ihm vorzüglich gelingt. Aber auch Sascha Rotermund sorgt als Richard Pickman für viel Grusel und lässt die düstere Seite des Künstlers immer weiter durchscheinen, steigert sich bis zum Finale immer weiter. Stefan Kaminski ist ein guter Gesprächspartner von Dietmar Wunder und hält sich seiner Rolle angemessen eher im Hintergrund. Ansonsten sind noch Matti Klemm, Hans Teuscher und Friedrich Georg Beckhaus zu hören.

Atmosphärisch spielt diese Produktion wieder auf höchstem Niveau mit. An diesem Beispiel wird besonders deutlich, wie eng das Produzententeam den Sound an die Geschichte anpasst: Ist die Musik im Hauptteil noch eher dezent, aber stimmungsvoll, schallt nach dem großen Finale eine donnernde Melodie aus den Boxen, die die Offenbarung der Szene eindrucksvoll zu unterstreichen weiß.

Wie füreinander geschaffen ergänzen sich hier die übliche Covergestaltung mit dem Säulenrahmen und das eigentliche Motiv, das einen der spärlich beleuchteten Kellergänge zeigt, den Thruber hier herab schreitet. Viele kleine Gemälde hängen an den kahlen Steinmauern und geben einen kleinen Eindruck von den vielfältigen Werken Pickmans und zeigen die Detailverliebtheit von Illustrator Firuz Askin.

Fazit: Ein sehr langsamer, aber stimmungsvoller Aufbau, der zu einem eindrucksvollen Finale führt – wieder eine hervorragende Folge aus dieser Reihe.

VÖ: 11.November 2011
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4529-8


Gruselkabinett – 57. Aylmer Vance – Neue Abenteuer eines Geistersehers -2-



Erster Eindruck: Ohnmachtsanfälle und ein altes Schloss

Colonel Verriker ist ratlos. Seine Tochter Beryl fällt immer wieder unerwartet in eine Art Trance, an die sie sich später nicht mehr erinnern kann. Er zieht Aylmer Vance und einen Freund Dexter zu Rate, die einige Zeit mit der jungen Dame verbringen und bald tatsächlich einen der seltsamen Anfälle beobachten. Ein zweiter Fall führt die beiden in ein altes Schloss, in dem so allerlei ungewöhnliche Dinge vor sich gehen...

Mit der 57. Folge der Reihe „Gruselkabinett“ von Titania Medien ist gleichzeitig auch der vierte und somit letzte angekündigte Teil um Aylmer Vance erschienen, der in übernatürlichen Fällen ermittelt und mit seinem treuen Begleiter Dexter ein unschlagbares Duo bildet. Auch hier sind wieder gleich zwei voneinander getrennte Fälle geschildert, die nur die beiden Hauptfiguren gemeinsam haben. Erzählt wird auch hier wieder aus der Sicht von Dexter, der die bereits vergangenen Fälle schildert, aber immer in die Entscheidungsprozesse von Aylmer Vance eingebunden wird und so tiefe Einblicke in den Verlauf der Geschichte gewährt. Schön ist, dass hier anfangs vieles im Unklaren gehalten, die einzelnen Modalitäten der Fälle nur langsam aufgedeckt werden. So entsteht eine sehr unheimliche Stimmung, die sich immer weiter zu steigern weiß. Auch dass im ersten Fall rund um Beryl Verriker vorerst gar nicht klar ist, ob es sich um ein übersinnliche Phänomen handelt, ist der Wirkung der Geschichte sehr zuträglich. Diese Episode ist recht außergewöhnlich und rundum gut gelungen. Der zweite Teil dieser CD um das unheimliche Schloss ist da schon etwas klassischer und kombiniert bereits bekannte Motive, ist aber ebenso unterhaltsam und kurzweilig umgesetzt worden. Die Mini-Serie um Vance und Dexter hat insgesamt frischen Wind in das Gruselkabinett gebracht und mal eine andere Seite des Genres gezeigt, nun freue ich mich aber auch wieder auf den weiteren Verlauf mit ganz neuen Geschichten.

Ekkehardt Belle kann wie in den vergangenen drei Folgen die Figur des Dexter sehr lebendig gestalten und den medial begabten Mann sowie die interessante Beziehung zu Aylmer Vance genau ausloten. Maria Koschny ist als Gastsprecherin in der Rolle der Beryl Verriker zu hören, deren warme und einprägsame Stimme sehr gut zu der zerbrechlich wirkenden Frau passt. In der zweiten Episode fällt die grandiose Regina Lemnitz wie immer positiv auf, vielleicht auch, weil sie die Figur der Mrs. Smith trotz ihrer Kürze sehr lebendig gestaltet. Weitere Sprecher sind Lutz Riedel, Hannes Maurer und Michael Pan.

Stephan Bosenius und Marc Gruppe, die beiden Köpfe hinter Titania Medien, schaffen es immer wieder, die richtige stimmungsvolle Musik für die Geschichten zu finden und sie sanft darin einzubetten, sodass sie eine enge Symbiose eingehen. So wirken die beiden Episoden noch intensiver und haben eigene Nuancen, die sie voneinander unterscheiden. Wie immer eine hervorragende Leistung auf diesem Gebiet.

Die Gestaltung der Serie hat sich seit Beginn stark gefestigt und überzeugt neben der Übersichtlichkeit und dem hübschen Rahmen auf dem Cover auch mit den romantischen Zeichnungen von Firuz Askin. Hier sind die geisterhaften Erscheinungen einer Mutter mit ihrem Kind dargestellt, die das alte Anwesen der zweiten Geschichte heimsuchen. Schön ist, wie immer wieder die längst vergangene Zeit lebendig wird.

Fazit: Die letzte Folge des Detektivduos hat zwei sehr unterschiedliche Geschichten parat, die beide ihren ganz eigenen Reiz entfalten können.

VÖ: 16.September 2011
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4563-2


Gruselkabinett – 56. Aylmer Vance – Neue Abenteuer eines Geistersehers -1-



Erster Eindruck: Rückkehr des übersinnlichen Detektivgespanns

Aylmer Vance und sein medial begabter Freund Dexter werden zu einem mysteriösen Fall nach Schottland gerufen. Paul Devenant klagt über Blutarmut, doch die Ärzte sind ratlos. Seine Frau, eine ätherische Schönheit, scheint der Schlüssel zu sein. Auch ein lärmender Poltergeist macht dem übersinnlichen Detektivduo zu schaffen und fordert ihre ganzen Fähigkeiten...

Doppelfolgen haben seit geraumer Zeit Tradition im titanschen Gruselkabinett. Dass sich vier Folgen um die gleichen Protagonisten drehen, ist aber seit der grandiosen Umsetzung von Dracula aber noch nicht passiert. „Aylmer Vance“, eine Art Sherlock Holmes des Übernatürlichen, hat schon in zwei Folgen überzeugt und ist nun als Nummer 56 und 57 der Serie zurück. Jeweils zwei kürzere Episoden finden Platz auf einer CD, sodass die Themenwahl immer recht abwechslungsreich ist und viele Gebiete der Geisterwelt abdecken können. Vampirismus und Geistererscheinungen werden in der 56. Folge behandelt, und wieder kann diese einzigartige Atmosphäre der Serie heraufbeschworen werden, die sie so unvergleichlich macht. Schnell kann man sich in der Geschichte versinken lassen und wird völlig in sie hineingezogen. Doch leider ist die erste Episode zu sehr großen Teilen nur auf Erzählungen verschiedener Personen aufgebaut, sodass alles ein wenig gemächlich wirkt und kaum Gefühle transportieren kann. Sie wirkt statisch und ist kaum von dem Leben erfüllt, das man von der Serie erwarten kann. Das ist in der zweiten Episode mit dem unheimlichen Poltergeist schon viel besser gelöst, hier gefällt der langsame Aufbau, der sich zu einem ansehnlichen Finale steigert. Aylmer Vance ist nicht gerade typisch für die Serie und kombiniert atmosphärischen Grusel mit Detektivarbeit, ist ein gelungenes Experiment, kann aber hier nicht seine volle Stärke ausspielen.

Lobenswert ist wieder der Einsatz der Sprecher, die allesamt ihre Rollen mit Leben erfüllen können. Simon Jäger ist als Paul Devenant zu hören, seine markante Stimme kann die Gefühlslage des Mannes gut widerspiegeln, auch in den längeren Erzählpassagen kann er überzeugen. Sehr gut gefällt mir Eva Michaelis als Jessica Devenant, die mit ihrer weichen, klaren Stimme die geheimnisvolle Frau sehr überzeugend darstellt. Hans-Georg Panczak ist natürlich wieder als Aylmer Vance zu hören und der interessanten Figur neue Seiten abgewinnen. Weitere Sprecher dieser Folge sind Axel Lutter, Schaukje Könning und Henri Färber.

Wie oben bereits gesagt kann die akustische Umsetzung der Geschichte wieder voll überzeugen. Sanfte Melodien legen sich um die Handlung wie eine weiche Decke und malen die einzelnen Szenen weiter aus. Dabei greifen sie immer die Stimmung der jeweiligen Passage auf und verbinden sich gekonnt mit den eingesetzten Geräuschen zu einem homogenen Gemisch.

Sehr ansehnlich ist auch die Covergestaltung gelungen, mit diesem Motiv wird wieder die Aufmerksamkeit der Käufer erweckt. Jessica Devenant beugt sich über ihren Geliebten, der schlaff in ihren Armen liegt. Die weißen und roten Farbtöne bilden einen reizvollen Kontrast, und ergänzt sich sehr gut mit dem hübschen Rahmen mit der Säulengestaltung.

Fazit: Nicht unbedingt die stärkste Folge der Serie, da die erste Geschichte zu statisch wirkt. Die Atmosphäre kann aber wieder überzeugen.

VÖ: 16.September 2011
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4562-5


Gruselkabinett – 55. Aylmer Vance – Abenteuer eines Geistersehers -2-



Erster Eindruck: Ein übersinnliches Detektivduo

Aylmer Vance wird von seinem Freund Mike auf einen Maskenball mitgenommen – eher gegen seinen Willen. Doch kurz nach ihrer Ankunft erblickt er eine wunderschöne Frau in einem altertümlichen grünen Gewand, doch schnell verliert er sie aus den Augen. Er begibt sich auf die Suche nach der unbekannten Schönen, die ihm immer wieder entwischt...

Weiter geht es mit den „Abenteuern eines Geistersehers“ Aylmer Vance, die einige Folgen des Gruselkabinetts von Titania Medien füllen werden. Diese zweite Geschichte beginnt erneut mit einem Gespräch zwischen Aylmer und seinem treuen Freund Dexter, was den Rahmen für die eigentliche Handlung bildet – der Geisterseher berichtet von den vergangenen Ereignissen. Die sind von Beginn an schon sehr atmosphärisch, was an der besonderen Stimmung des Maskenballes liegt. Mit dem Auftauchen der fremden Frau, die das Mysteriöse in die Geschichte bringt, ist man dann auch als Hörer schon völlig in die Geschichte versunken und lauscht den stimmungsvollen und unheimlichen Begegnungen. Wieder wurde es geschafft, in eine andere Welt zu entführen und dort mit mysteriösen Ereignissen zu spielen. In einer zweiten Episode auf dieser CD wird das Genre Detektivhörspiel stärker betont. Hier kommt tatsächlich so etwas wie „Holmes und Watson“-Stimmung auf, die auf der Hülle angepriesen wird. Mir persönlich gefallen beide Teile – die melancholische erste Erzählung und das Detektiv-Abenteuer, beide haben ihren Reiz und bieten kurzweilige Unterhaltung. Und das wie immer auf dem besten Standard, den das Label seit mittlerweile 55 Folgen halten kann.

Auch in dieser Folge des Gruselkabinetts sind die Sprecher wieder wunderbar, sämtliche Rollen sind mit professionellen und engagierten Schauspielern besetzt. So kann beispielsweise Ekkehardt Belle als Dexter überzeugen, versprüht er doch einen etwas spröden Charme und eine gekonnte Mischung aus Neugierde und vornehmer Zurückhaltung. Marie Bierstedt spricht die unbekannte Schöne und kann die Melancholie der Figur vortrefflich einfangen, ihre angenehm sanfte Stimme passt auch hier ganz hervorragend. Uschi Hugos unverwechselbarer Klang im zweiten Teil der Folge ist ebenfalls ein kleines Highlight. Weitere Sprecher sind Johannes Berenz, Almut Egert und Michael Deffert.

Die musikalische Umsetzung der beiden Episoden ist gut gelungen, hat doch jede neben der unheimlichen Grundstimmung ihre eigenen Nuancen passend zum jeweiligen Verlauf zu bieten. Einige ausgewählte Geräusche lassen hingegen alles noch eindringlicher und glaubwürdiger wirken – wieder einmal eine nahezu perfekte Umsetzung des gegebenen Stoffes.

Eine einsame Dame schreibt an einem Pult in ein Buch, während vor ihrem Fenster eine geisterhafte Erscheinung zu sehen ist – das Besondere erhält das Titelbild allerdings durch den ganz eigenen Look, der stets in vergangenen Zeiten angesiedelt ist. Auch hier funktioniert das Coverkonzept mit den Säulen gepaart mit der romantischen Darstellung sehr gut.

Fazit: Auch die zweite Folge rund um Aylmer Vance kann mit ihrer besonderen Stimmung überzeugen und vereint das klassische Genre mit neuen, ungewöhnlichen Elementen.

VÖ: 20.Mai 2011
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4504-5


 

Gruselkabinett – 54. Aylmer Vance – Abenteuer eines Geistersehers -1-



Erster Eindruck: Seancen mit Folgen

Das junge Ehepaar Annie und George Sinclair entdeckt ein altes Schmuckstück. Bei einem Medium, das sie nach der ursprünglichen Besitzerin fragen, bekommen sie lediglich eine Warnung vor weiteren Nachforschungen. Und tatsächlich – nach einigen Seance mit Annie brauchen die beiden dringend die Hilfe von Aylmer Vance, der in übernatürlichen Dingen sehr bewandert ist...

Das Gruselkabinett von Titania Medien ist immer wieder dafür bekannt, auch unbekannte Geschichten zu vertonen und so einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dazu gehören nun auch die Geschichten von Alice & Claude Askew, die von dem Geisterseher Aylmer Vance erzählen. Vier Folgen sind mit ihm geplant, die ersten beiden sind nun in einer Box erschienen. Im Mittelpunkt der ersten Folge steht ein Drama um ein junges Ehepaar, welches in ihrem Interesse für das Übernatürliche große Schrecken zu erdulden haben. Durch die Figur des Aylmer Vance kommt ein wenig Detektiv-Flair hinzu, der auf seine ganz spezielle Art ermittelt und eine sympathische Hauptfigur abgibt. Den eigentlichen Reiz zieht die Geschichte aber aus ihrer schaurigen Stimmung, ein leichter Hauch von Grusel umgibt die Handlung. Stets ist einem bewusst, dass sich die Protagonisten nicht in Sicherheit wiegen können, stets ist das Übernatürliche spürbar, mal vordergründiger, mal weniger. Diese Kombination aus Schauerromantik und deutlichen Spuren von Detektiv-Geschichten ist neuartig und spannend, zumal diese erste Geschichte eine gute Grundlage bietet. Und schon hat man Lust, sich auch die anderen Abenteuer von Aylmer Vance anzuhören.

Wie immer ist die Besetzung der einzelnen Personen hervorragend, sodass alles sehr organisch und glaubhaft wirkt. Hans-Georg Panczak ist in der Rolle des Aylmer Vance zu hören und es macht richtig Spaß, der gekonnten Mischung aus Coolness, dem Sinn für das Übernatürliche und seiner markanten Stimme zu lauschen. Sabine Arnhold spricht Annie Sinclair, die beide Seiten der jungen Frau mit Hingabe und treffender Betonung spricht. Ihr Gatte George wird von Matti Klemm gesprochen, der besonders gut seinen Eifer und das leicht Fanatische für das Übersinnliche darstellen kann. Weiterhin zu hören sind auch Antje von der Ahe, Eva-Maria Werth und Monika Barth.

Die große Stärke der Serie liegt neben der Auswahl der passenden Geschichten und den wunderbaren Sprechern insbesondere auch in der atmosphärischen Gestaltung liegt. Eine dustere, aber nicht dunkle Klangwelt wird hier geschaffen, die die geheimnisvollen Elemente, das Hintergründige betont und völlig ohne heftige Effekte oder allzu laute Musik auskommt, sondern die Geschichte sachte begleitet.

Das Titelbild dieser ersten Folgen ziert zugleich auch die Box, die die ersten beiden Folgen von Aylmer Vance' Abtenteuern umfasst. Zu sehen ist – natürlich im typischen Stil der Serie – eine Seance, bei der in kühlen Blautönen im Hintergrund der Geist einer verstorbenen Frau zu sehen ist. Nur die Titelbeschreibung auf den Rückseiten hätte etwas variabler ausfallen können.

Fazit: Wieder überrascht die Serie mit einer ungewöhnlichen Geschichte, schön schaurig, abwechslungsreich, aber mit einigen klassischen Elementen. Schön, dass es hier weitergehen wird!

VÖ: 20.Mai 2011
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4503-8


Gruselkabinett – 53. Die Herrenlose



Erster Eindruck: Unheimliches auf hoher See

Nach einem schweren Sturm entdeckt die Besatzung der Bheopte ein herrenloses Schiff. Die Neugierde der beiden Passagiere Cantance und Eleanor Main ist geweckt, und so überreden sie Captain Gannington und einige Mitglieder der Mannschaft, das Wrack zu erkunden – und erleben eine schreckliche Nacht, die sie so schnell nicht mehr vergessen werden...

Mit „Die Herrenlose“ reiht sich die mittlerweile 53. Folge in das Gruselkabinett von Titania Medien ein, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Meisterwerke der Schauerromantik als aufwändig produzierte Hörspiele umzusetzen. Dabei werden durchgängig sehr starke Folgen produziert – doch was hier geboten wird, gehört eindeutig zu den besten Folgen der Serie. Der Anfang startet noch recht gemächlich, nach der stimmungsvollen Einleitung des Erzählers werden vorerst die Charaktere vorgestellt. Diese Szenen sind kurzweilig und interessant erzählt, doch spätestens mit der Entdeckung des herrenlosen Schiffs wird auch der letzte Hörer gebannt zuhören, eindeutig gibt es hier einige Geheimnisse aufzudecken. Und schon die ersten Schritte auf dem Schiff verstärken dieses Gefühl, alles wird noch mystischer, ohne verworren zu wirken. Immer neue Ereignisse fügen schließlich ein beeindruckendes Gesamtbild zusammen, welches auch für Geübte Mystery-Hörer überraschend anders sein dürfte. Diese Folge lebt von dem stets Ungewissen, den Vermutungen der Besatzung und den neuen Schrecken, die sich immer wieder auftun – so atmosphärisch dicht war die Reihe schon lang nicht mehr, trotz hervorragender Vorgängerfolgen. Eine ganz klare Empfehlung auch für Leute, die diese Serie bisher nicht kannten.

Die Besetzung der Rollen ist erneut mehr als nur gelungen, viele altbekannten Stimmen sorgen für die richtige Stimmung. Almut Eggert beispielsweise, die Eleanor Main mit der ihr eigenen Stimmfarbe etwas Einzigartiges verleiht und in jeder Situation konsequent ihren Charakter formt. Constance, Eleanors Tochter, wird von Antje von der Ahe gesprochen, auch die kann mit fein nuancierter Stimme Feinheiten der Geschichte erkunden. Johannes Berenz spricht Dr. Dark, aus dessen Sicht die Handlung erzählt wird, seine einprägsame Stimme und intensive Sprechweise macht jede Szene zu einem Erlebnis. Weitere Sprecher sind Hans Teuscher, Stefan Kaminski und Friedrich Georg Beckhaus.

Die richtige Atmosphäre zieht „Die Herrenlose“ neben den stimmungsvollen Dialogen und der gewählten Ausdrucksweise insbesondere aus passend ausgewählter Musik. Mal verschwindet sie leise im Hintergrund, mal tritt sie laut nach vorne und gestaltet die Szenen offensiver, was einen sehr dynamischen Eindruck verleiht. Dazu trägt auch die vielfältige Geräuschkulisse bei.

Auf dem Cover ist die Szene zu sehen, in der die Gruppe Erkundungswilliger mit einem kleinen Ruderboot richtig herrenlosem Segelschiff fährt – wieder einmal in stimmungsvollen Farben umgesetzt. Der Sonnenuntergang verleiht in Tönen von intensivem Gelb bis zu Violett einen ganz eigenen Look und stellt „Die Herrenlose“ auch optisch in den Mittelpunkt.

Fazit: Eine extrem stimmungsvolle Folge, die einen sofort in ihren Bann zieht und bis zum Ende nicht mehr loslässt. Ein Highlight, nicht nur innerhalb der Serie!

VÖ: 15. April 2011
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4477-2


Gruselkabinett – 52. Tauben aus der Hölle



Erster Eindruck: Merkwürdiger Titel, tolle Folge

Auf einer Reise durch die USA entdecken die beiden Freunde Griswell und John ein verlassenes Anwesen, in dem sie die folgende Nacht verbringen wollen. Doch schon bald schlägt die Freude in Schrecken um, denn unheimliche Erscheinungen plagen Griswell. Und schon bald wird er vom Sheriff eines schrecklichen Mordes bezichtigt...

Die Veröffentlichungen von Titania Medien konzentrieren sich immer auf zwei Zeiträume im Jahr, weswegen nun schon, kurz nach den beiden letzten Folgen, wieder neue Geschichten aus dem Gruselkabinett erzählt werden. Den Anfang macht dieses mal „Tauben aus der Hölle“ - hier wird glücklicherweise weit mehr gehalten als der beim ersten mal hören seltsame Titel verspricht. Denn hier treiben keineswegs blutgierige Vögel ihr Unwesen, es ist eine lupenreine Geistergeschichte, die mit ihrer unheimlichen Atmosphäre zu überzeugen weiß. Schon kurz nach dem Beginn findet eine sehr düstere Szene statt, auf die die gesamte Geschichte basiert und die im typisch dichten Titania-Stil umgesetzt wurde, vielleicht mit ein wenig mehr Schock-Effekten als üblich. Auch danach geht es ziemlich schaurig zu, eine Geistererscheinung sucht das Haus heim, wovon auch der Zuhörer nicht verschont wird. Das bietet Potenzial für viele wunderbare Szenen, die für ein sehr intensives Hörerlebnis sorgen. Diese Folge bietet eine wirkliche Auflösung, was hinter diesem rachsüchtigen Geist steckt, die Ereignisse der Vergangenheit werden aufgeklärt. Im Gegensatz zu anderen Folgen nimmt es der Geschichte etwas die Mystik, trotzdem vermag auch dieser Ansatz zu gefallen und bringt Abwechslung in die Serie. Eine Folge, die sich sehr gut in diese wunderbare Reihe einfügt und solide fortführt.

Die Besetzung der Rollen mit fähigen und zu den Charakteren passenden Sprecher hat Titania immer sehr wichtig genommen, diese Folge bildet da keine Ausnahme. Tim Schwarzmaier spricht Griswell und kann den jungen Mann in allen Facetten beleuchten, vom unternehmungslustigen Abenteurer bis zum psychisch Labilen, nachdem er einige Schrecken erdulden musste, trifft er jede Situation auf den Kopf. Sein Vater, Micael Schwarzmaier, spricht hier den Sheriff Buckner, der etwas nüchterner an sie Sache heran geht und dieses auch mit seiner Stimme ausdrückt – ein guter Gegenpart. Patrick Roche sorgt anfangs als John Branner für die oben erwähnte, unheimliche Anfangsszene. Weitere Sprecher sind Friedrich Georg Beckhaus sowie Katharina und Caroline Schwarzmaier.

Die Atmosphäre der Serie ist unverwechselbar, und auch hier wurde trotz aller Kontinuität wieder etwas ganz eigenes geschaffen, welches die Geschichte zum Wirken bringt. Dazu wurden Musikstücke ausgesucht, die sich eng um die Szenen legen und ihnen die düstere Stimmung verleihen und die Sprecher unterstützen. Auch Geräusche sind zahlreich und wohl platziert eingefügt.

Das große, verfallene Herrenhaus, in dem sich der Großteil der Handlung abspielt, ist auf dem Cover in dem romantischen Look der Serie zu sehen, auch die Tauben aus dem Titel haben ihren Platz darauf gefunden – obwohl sie in der Handlung kaum eine Rolle spielen. Die Atmosphäre der Geschichte ist wieder einmal ziemlich gut eingefangen worden.

Fazit: Eine wunderbare Grundstimmung, viele schaurige Szenen und ein Ende, welches kaum eine Frage offen lässt – die Zutaten wurden hier fein aufeinander abgestimmt.

VÖ: 15. April 2011
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4476-5


Gruselkabinett – 51. Die Mumie



Erster Eindruck: Die andere Seite des Arthur Conan Doyle

Seit einiger Zeit lebt der junge Student Abercrombie Smith in einem Wohnheim, doch mit seinen Nachbarn hatte er bisher kaum etwas zu tun. Das ändert sich, als er sich mit Edward Bellingham und William Monkhouse Lee anfreundet und bald deren dunkles Geheimnis kennenlernt: Eine alte ägyptische Mumie, die mehr Geheimnisse birgt, als es auf den ersten Blick scheint...

Sir Arthur Conan Doyle – wer kennt ihn nicht? Der britische Autor ist durch seine Geschichten über den genialen Privatdetektiv Sherlock Holmes weltberühmt geworden. Doch abseits dieser Figur hat er sich auch anderer Werke gewidmet – und eine davon ist als 51. Folge des Gruselkabinetts von Titania Medien umgesetzt worden: Die Mumie. Wie immer beginnt das Hörspiel – nach einer unheilvollen Ankündigung von Abercrombie Smith – eher ruhig und beschaulich, indem die Grundzüge der Charaktere vorgestellt werden. Erst langsam vermag sich die Geschichte zu steigern, spätestens ab der Beschreibung der Mumie schwingt aber viel unheilvolle Stimmung mit. Der Mittelteil zieht seine Spannung aus der Tatsache, dass vieles ungewiss ist, man aber das drohende Unheil förmlich greifen kann. Im letzten Drittel zieht die Handlung dann noch einmal richtig an, und dann wird es richtig spannend und gruselig – ein wunderbarer Abschluss, der den Hörer etwas erstaunt zurücklässt und ihn in seinen Bann ziehen kann. Eine wunderbare Folge der Serie, die mal wieder so wichtig unheimlich und düster ist.

Wie eigentlich immer setzt Titania Medien nicht zwingend auf berühmte Namen, sondern auf professionelle und äußerst fähige Sprecher. Bene Gutjan ist in der Hauptrolle des Abercrombie Smith wunderbar aufgehoben, schafft mit seiner intensiven Sprechweise zusätzliche dramatische Stimmung und kommt auch mit der Doppelrolle als Erzähler und handelnde Person gut zurecht. Hannes Maurer spricht Edward Bellingham und glänzt besonders am Ende mit einer sehr glaubwürdigen und flüssigen Sprechweise. Max Felder macht das Herrentrio komplett, auch er geht auf die Eigenheiten seines Charakters besonders gut ein und rückt so das Geschehen näher an den Hörer heran. In weiteren Rollen sind unter anderem Alexander Turrek, Frank Schaff und Dagmar von Kurmin zu hören.

In Sachen Atmosphäre geht man beim Gruselkabinett seit jeher sehr genau auf die jeweilige Folge ein, und so ist es nicht verwunderlich, hier teilweise Klänge zu hören, die Einflüsse des alten Ägyptens haben und orientalische Stimmung verbreiten. So entsteht mal wieder eine sehr dichte und eingängige Atmosphäre, die durch den geschickten Einsatz von Geräuschen unterstützt und verstärkt wird.

Die Titel gebende Mumie ist auf dem Cover abgebildet und verleiht gleich einen ersten Eindruck von seinem Aussehen. Auch Teile des Sarkophages sind zu sehen – eine typische Illustration für die Serie, die mal wieder sehr stimmungsvoll geraten ist. Die übrige Gestaltung orientiert sich wieder an dem Coverdesign mit den imposanten Säulen.

Fazit: Die unheilvolle Stimmung des Mittelteils und die sich stetig steigernde Spannung, die sich in einem grandiosen Finale entlädt, machen „Die Mumie“ zu einer hervorragenden Folge des Gruselkabinetts.

VÖ: 18. März 2011
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4471-0


Gruselkabinett – 50. Das Gespenst von Canterville



Erster Eindruck: Spuk in alten Gemäuern

Um in England einen angemessenen Wohnsitz beziehen zu können, kauft Familie Otis ein altes Schloss, trotz der Warnungen des Besitzers. Anfangs können die Amerikaner bis auf einen störenden Blutfleck nichts Schlechtes erkennen, doch dann offenbart sich ein Gespenst, dass seit langer Zeit das Schloss bewohnt – aber Familie Otis wird sich doch von so einer Kleinigkeit nicht unterkriegen lassen...

Atmosphärische Dichte, unheimliche Szenen, unerklärliche Ereignisse, die Konfrontation mit dem Übernatürlichen – das ist es, was man vom Gruselkabinett von Titania Medien meist erwarten darf. Ganze 50 Folgen wurden bisher veröffentlicht, und zum Jubiläum gibt es eine besondere Geschichte, die sich viele Hörer gewünscht haben: Das Gespenst von Canterville des britischen Autors Oscar Wilde. Zugegeben, es ist keine wirkliche Gruselgeschichte, die da zum Jubiläum präsentiert wird, dazu ist das Gespenst einfach nicht unheimlich genug. Im Gegenteil, schnell schließt man den etwas tollpatschigen Geist in sein Herz, genau wie es die Familie Otis schon nach kurzer Zeit tut. Es gibt viele recht beschwingte Momente – wobei hier alles daran gesetzt wurde, alles zumindest ein bisschen gruselig wirken zu lassen. So ist beispielsweise der erste Auftritt des Geistes effektvoll und recht laut in Szene gesetzt worden, die typische, warme Atmosphäre und die gediegene Sprache der Serie sind auch hier wieder vorhanden und machen das Ganze zu guten und unterhaltsamen Hörspiel. Und mal ganz ehrlich: Interessiert es da wirklich, ob die Geschichte wirklich in die Serie passt? Mir jedenfalls hat es mal wieder äußerst gut gefallen.

Natürlich darf man sich auch in der Jubiläumsfolge auf einige wunderbare Sprecher freuen, die der Geschichte Leben einhauchen. Stolz auf der Rückseite der CD wird Gudrun Landgrebe präsentiert, die auch im Medium Hörspiel zeigt, was sie kann – ein glanzvoller Auftritt in der Rolle der Lucretia Otis, den sie mit viel Präsenz darbietet. Boris Tessmann spricht ihren Gatten Hiriam und ergänzt sie sehr gut, auch er kann seine Rolle glaubwürdig gestalten. Im Mittelpunkt steht aber Fiedroch Georg Beckhaus als Sir Simon de Canterville, seine vielfältige Interpretation umfasst viele Facetten und gibt der Handlung die die richtige Würze. Wunderbar auch die vier Kinder der Familie Otis, gesprochen von Jan Panczak, Annina Braunmiller, Mathis Färber und Alexander Mager.

Das wohl größte Steckenpferd des Gruselkabinetts ist wohl immer noch die bestechende Atmosphäre, die auch in der 50. Folge außerordentlich einnehmend ist. Wie ein dichter Mantel legt sich die anmutige Musik um die Geschichte und entführt den Hörer in eine vergangene Zeit, fängt die Stimmung in dem alten Schloss ein und kann sowohl erheiternde wie dramatische Szenen entstehen lassen – hervorragend!

Natürlich ist auch hier wieder Firuz Askin für die Coverillustration verantwortlich, seine Werke geben seit 50 Folgen der Serie ein Gesicht. Blau schimmernd und durchscheinend sitzt das Gespenst auf einer Treppe und zeigt gleich, dass hier nicht mit allzu viel Grusel gerechnet werden darf. Und auch hier bewährt sich das Design mit den alten Säulen ganz hervorragend.

Fazit: Nicht gerade typisch für die Serie, kaum wirklich gruselige Stimmung, aber eine wunderbare Geschichte mit hervorragenden Stimmen und der typischen Atmosphäre – eine gelungene Jubiläumsfolge!

VÖ: 18. März 2011
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4470-3


Gruselkabinett - 49. Der weiße Wolf

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Erster Eindruck: Wind- und Wolfsgeheul

Im verschneiten Harzgebirge lebt der gestrenge Vater Krantz mit seinen Kindern, insbesondere seine Tochter Kristina hat unter seinen Launen zu leiden. Doch das Leben der kleinen Familie ändert sich schlagartig, als Ludmilla und Wilfired ankommen, die dringend Unterkunft und Schutz vor den umherziehenden Wölfen suchen. Die Kinder bemerken eines nachts etwas sehr Merkwürdiges...

Viele Geschichten des Gruselkabinetts sind schon bekannt, vielleicht hat man auch nur den Titel schon einmal gehört, bei anderen ist zu mindestens der Autor ein Begriff. Doch immer wieder werden hier auch Überraschungen präsentiert, bei denen beides ganz und gar unbekannt ist. Die 49. Folge trägt beispielsweise den Titel "Der weiße Wolf" und stammt von Frederick Marryat. Der Aufbau ist eigentlich typisch für diese Serie, doch die anfängliche Szene erklärt vorerst die Hintergründe der Familie und deren Struktur, was immer wieder Einfluss auf den weiteren Verlauf haben wird. Danach geht es etwas gemächlicher - aber keinesfalls langwierig - zu, die Spannung auf das Kommende stiegt dabei trotzdem. Und man wird nicht enttäuscht, die merkwürdigen Ereignisse häufen sich und führen den Hörer in eine mysteriöse Welt mit interessanten und undurchsichtigen Charakteren. Dies steigert sich immer weiter und führt vielleicht nicht zu einem Herzschlag-Finale, aber zu einem dramatischen Höhepunkt und einem wirklich gelungenen Schlusspunkt. Im Gegensatz zum direkten Vorgänger stehen hier mehr die Entwicklung der Ereignisse im Vordergrund, wodurch die Geschichte ihre Wirkung durch gänzlich andere Mittel erzielt. "Der weiße Wolf" ist wohl nicht die stärkste Folge, die es je im Gruselkabinett gab, ist aber immer noch auf höchstem Niveau und mit einer packenden Geschichte ausgestattet.

Der noch recht junge Nicolas Artajo, der schon in vielen anderen Produktionen positiv auffiel, kann auch hier wieder begeistern und mit einer anderen Facette seines Könnens überraschen. Sowohl in der Rolle des Armin als auch in den Passagen, in denen er als Ich-Erzähler fungiert, macht er eine sehr gute Figur und verleiht der Geschichte durch seine intensive Sprechweise zusätzliche Dramatik. Als Ludmilla ist die wunderbare Bettina Weiß zu hören, die mysteriös und geheimnisvoll klingt, ohne zu sehr abzuheben oder zu übertreiben - sehr gute Leistung! Auch Peter Reinhardt verdient als herrischer Krantz großes Lob, stellt er dies doch gekonnt und überzeugend dar. Weitere Sprecher sind unter anderem Max Felder, Petra Barthel und Gabrielle Pietermann.

Die einsame Stimmung des verschneiten Harzgebirges wird wieder von einer intensiven und stimmungsvollen Atmosphäre eingefangen. Leise Musik schallt aus den Boxen, meist klassischer Natur, und sorgt für schaurige Stimmung, während die passenden Geräusche das Geschehen greifbarer machen, so ist zum Beispiel viel Windgeheul zu hören.

Beim Cover hat Firuz Askin sich mal wieder selbst übertroffen. Die geheimnisvolle Frau mit dem weißen Pelz, den langen, krallenartigen Fingernägeln und den gelb leuchtenden Pupillen hat beim Betrachten eine starke Wirkung auf den geneigten Hörspielkäufer und scheint diesen direkt anzusehen - sehr ansprechend gestaltet.

Fazit: Diese Geschichte versprüht eine geheimnisvolle Aura und stellt die Geschehen in den Bergen in den Vordergrund - Spannung und Unterhaltung ist so garantiert.

VÖ: 12. November 2010
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4392-8


Gruselkabinett - 48. Die Squaw

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Erster Eindruck: Schwarze Katzen und eiserne Jungfrauen

In den Flitterwochen bereisen George und Amelia Price Deutschland und sind gerade im malerischen Ort Frankfurt angekommen. Dort lernen sie Elias Hutcheson kennen, der das junge Paar zu einer Besichtigung einer alten Burg inklusive Folterkammer überredet. Besonders Amelias Unmut wächst, als sie die Grausamkeit des Mannes entdeckt...

Bram Stoker ist zweifellos einer der berühmtesten Autoren von Schauerromanen, doch Dracula ist und bleibt sein berühmtestes Werk. Das er durchaus noch andere, wunderbare Geschichten geschrieben hat beweist "Die Squaw", die als 48. Folge Einzug in das Gruselkabinett von Titania Medien gefunden hat. Diese Geschichte lebt von ihren starken, emotionsgeladenen Bildern, die geradezu zelebriert werden - Momente, die in der Wirklichkeit vielleicht einige Sekunden dauern, werden hier minutenlang und in kleinsten Einzelheiten beschrieben. So überträgt sich die schaurige Stimmung sehr intensiv auf den Hörer, der sich ganz in den genauen Beschreibungen verlieren kann. Es werden starke emotionale Reaktionen, insbesondere von Amelia Price, benutzt, um den Hörer das Geschehen näher zu bringen. Die Geschichte ließe sich dabei in wenigen Sätzen zusammenfassen, sie lebt absolut vom Moment und gewinnt gerade dadurch ihre Stärke. Die vielen unterschiedlichen mystischen Motive fügen sich am Ende überraschend sinnvoll zusammen, woraus die Folge weitere Stärke zieht. Eine wirklich gruselige Geschichte, gepaar mit der wunderbaren Atmosphäre - das ergibt wieder einen Volltreffer für Titania Medien.

Gerade einmal sechs Sprecher sind für dieses Hörstück notwendig, wobei man auf altbekannte wie unverbrauchte Stimmen gleichfalls trifft. Besonders beeindruckend ist Reinhilt Schneider, die trotz des nicht mehr ganz jugendlichen Alters perfekt die Rolle der frisch verheirateten Amelia Price vertont und gerade die intensive Gefühlswelt der jungen Frau hörbar macht. Ihr Mann George wird von Viktor Neumann gesprochen, er stellt den etwas ruhigeren Gegenpol zur aufgebrachten Amelia dar und kann dies mit sehr überzeugender Leistung tun. Sehr stimmungsvoll ist der Einsatz von Axel Lutter als Museumsführer, er sorgt für die gruselige Atmosphäre bei den genauen Beschreibungen der Folterinstrumente. Die anderen drei Sprecher sind Frank Gustavus, Bettina Weiß und Boris Tessmann.

Zu der absolut hohen Qualität der akustischen Gestaltung von Stephan Bosenius und Marc Gruppe muss kaum noch ein Wort verloren werden, längst haben sie ihren Ruf als hervorragende Produzenten erlangt. Einmal mehr beweisen sie hier, dass Gruselhörspiele besonders gut mit den leisen Tönen harmonieren und keine lauten, knalligen Effekte von Nöten sind.

Die eiserne Jungfrau, die eine entscheidende Rolle in dem Hörspiel spielt, ist auf dem fantastischen Cover ebenso zu entdecken wie die ebenfalls wichtige schwarze Katze. Die Stimmung des Museums wird hier sehr gut deutlich, es gibt viele Details zu entdecken. Die restliche Aufmachung besticht dann durch gekonnte Zurückhaltung.

Fazit: Sehr intensive Stimmungen und genaueste Beschreibungen lassen das ein oder andere mal Gänsehautschauer entstehen - ein sehr guter Teil des Gruselkabinetts.

VÖ: 12. November 2010
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4391-1


Gruselkabinett - 47. Verhext

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Erster Eindruck: Rückkehr aus dem Totenreich

Die Rutledges leben zurückgezogen in einer kleinen Gemeinde und schätzen nicht den Umgang mit ihren Nachbarn. Umso erstaunter sind die drei Männer, als sie an einem verschneiten Winterabend von Prudence Rutledge in das Anwesen gebeten werden. Und was sie ihnen offenbart, hat seinen Ursprung in der Vergangenheit ihres Mannes...

Die Geschichte der mir bis dato völlig unbekannten Autorin Edith Wharton mit dem verheißungsvollen Titel "Verhext" ist die Grundlage für die 47.Folge der fantastischen Reihe "Gruselkabinett" aus dem Hause Titania Medien. Das Hörspiel ist eigentlich typisch für die Serie, was Aufbau und Stimmung betrifft. Zuerst geht es recht ruhig zu, das Eintreffen der drei Männer auf dem Anwesen der Rutledges gestaltet sich eher rätselhaft, da niemand den Grund der Einladung kennt. Auch das nachfolgende Gespräch mit der abweisenden Prudence bringt erst nach und nach einige Fakten ans Licht, die die Stimmung immer weiter anheizen und den Gruselfaktor ab einem gewissen Punkt ansteigen lassen. Doch spätestens ab dem Bericht von ihrem Gatten Saul ist man voll in der Handlung, das lange Gespräch ist dabei sehr kurzweilig und unterhaltsam. Der weitere Verlauf bietet wieder die gewohnt düstere Atmosphäre voller gruseliger Momente, die Spannung steigt immer weiter, ist aber eher hintergründig anglelegt. Kein großes Geknalle, keine um Aufmerksamkeit heischende Effekte, dafür jede Menge Grusel. Ein Highlight ist auch die kleine Erzählung aus den Kindertagen von Orrin Bosworth, der auch die aktuellen Ereignisse aus seiner Sicht schldert. Die umheimliche Stimmung macht auch diese Folge zu einem äußerst hörenswerten Hörspiel.

Die Sprecher sind zahlreich und allesamt perfekt zu den jeweiligen Rollen ausgewählt. Sehr gut gefallen hat mir Susanne Uhlen als Prudence Rutledge, die unnahbar und kühl klingt, nur ab und an die Emotionen der Frau durchscheinen lässt. Als Sylvester Brand ist Uli Krohm zu hören, der mit präziser Betonung und dynamischen Wechsel die aufbrausende Gefühlswelt des Mannes sehr glaubhaft wirken lässt. Frank Schaff spricht Orrin Bosworth mitsehr intensiv und kann in jeder Szene überzeugen. Weiterhin zu hören sind Ernst Meincke, Annina Braunmiller und Reinhilt Schneider.

Wieder ist es gelungen, das Geschehen feinsinnig zu untermalen. Meist zarte, kleine Melodien setzten leise Akzente und lassen den Gruselfaktor in die Höhe schnellen, perfekt sich sie an die einzelnen Szenen und Stimmungen angepasst. So sorgen sie für perfekten Hörgenuss, in den man sich leicht versinken lassen kann.

Das Cover ist wieder ein kleines Highlight in der wunderbaren Galerie der Serie. Die weiß gekleidete Frau wirkt ätherisch, während die verschneite Winterlandschaft im Hintergrund wunderschön anzusehen ist. Durch den eingebauten Windzug wirkt alles lebendig und echt. Eine großartige Arbeit!

Fazit: Eine eher leise Folge mit viel Hintergründigem und langen Gesprächen, sehr stimmungsgeladen und atmosphärisch.

VÖ: 15. Oktober 2010
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4390-4


 Gruselkabinett - 46. Die Maske des roten Todes

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Erster Eindruck: Zwei Geschichten, ein wunderbares Hörspiel

Eine schreckliche Seuche, genannt "Der rote Tod", lässt im ganzen Land die Leute einem schmerzvollen Tod sterben. Doch Prinz Prospero ist nicht etwa gewillt, etwas für seine leidenden Untertanen zu tun, sondern schließt sich mit einer Schar genusssüchtiger Menschen ein. Zur Belustigung hat er den kleinwüchsigen "Hopp-Frosch" und seine hübsche Freundin Tripetta mitgebracht...

Viele Schriftsteller haben mit Gruselgeschichten Ruhm und Bekanntheit erlangt, so auch Edgar Allan Poe, der oft als Meister des Schreckens bezeichnet wird. Grund genug, ihm im Gruselkabinett eine zweite Folge zu widmen, und so ist der 46. Teil der Reihe ein Gemisch aus zwei seiner Werke geworden - die Geschichte um den roten Tod wird mit der Erzählung über den kleinwüchsigen Hopp-Frosch verschmolzen. Hiermit beginnt auch die Geschichte, in den ersten Szenen wird das Zusammentreffen von Hopp-Frosch und Prinz Prospero behandelt, die Grundlagen geklärt und der schreckliche rote Tod beschrieben. Die Demütigungen, die Hopp-Frosch und Tripetta erleiden müssen, steigern sich immer weiter, die Grausamkeit und der Egoismus von Prospero und seinen Anhängern überträgt sich intensiv auf den Hörer. Stets ist ein subtiler Horror, ein leiser, gruseliger Unterton vorhanden, der den Hörer packt und nicht merh loslässt. Immer weiter steigern sich Genusssucht des Prinzen, Qualen von Hopp-Frosch und Tripetta und natürlich auch die Spannung, die sich in einem grandios inszenierten Finale entlädt und der Geschichte die Krone aufsetzt. Eine wahrhaft grandiose Folge des Gruselkabinetts, für mich eine der besten der ganzen Serie.

Sven Plate spricht Hopp-Frosch, seine außergewöhnliche Stimme passt gut zu der Vorstellung eines Kleinwüchsigen. Er stellt ihn sehr intensiv und mit vollkommenen Ernst dar und kann somit jede Situation perfekt herüberbringen. Ernst Meincke spricht Prinz Prospero, den arroganten und selbstsüchtigen Mann kann er ebenfalls gut vortragen. Richtig gruselig wird es mit Axel Lutter als Roter Tod, seine anfangs dahingehauchten Worte und die intensive Betonung bringen ein herrliches Schauerelement mit ein. Weitere Sprecher sind Daniela Reidies, Reinhilt Schneider und Hasso Zorn.

Schon immer haben es Stephan Bosenius und Marc Gruppe verstanden, den Geschichten mit einer passenden akustischen Untermalung den Feinschliff zu geben. Hier ist dies noch besser gelungen als sonst, besonders das Fest mit den dröhnenden Uhrschlägen ist wunderbar eindringlich umgesetzt worden. Die stets passende Musik steigert die unheimliche Spannung noch weiter.

Der unheimliche Mann mit der Maske des roten Todes ist mit der gerade angesprochenen Uhr auf dem Cover zu sehen - zwei starke Symbole, die zusammen ein ungewöhnliches Cover ergeben. Das Motiv fügt sich wieder prächtig in den Säulenrahmen ein, während im Inneren etwas weniger Werbung genügen würde.

Fazit: Die bekannte Geschichte wurde intensiv und stimmungsvoll umgesetzt, entstanden ist eine der besten Folgen der ganzen Serie.

VÖ: 15. Oktober 2010
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4389-8

 

Gruselkabinett - 45. Berge des Wahnsinns -2-

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Erster Eindruck: Grauen tief verborgen

Nachdem die ersten Hürden auf dem Weg in die Antarktis genommen wurden steht das Expeditionsteam rund um Professor William Dyer vor immer neuen Schwierigkeiten. Verschwundene Hunde sind da noch ihre geringstes Problem, denn auf einmal fehlen sogar Mitglieder der kleinen Truppe. Schnell befinden sich alle am Rande des Wahnsinns...

Eine Forschungsreise in die Weiten der Antarktis ist der Hintergrund für den neuesten Zweiteiler aus dem Gruselkabinett aus dem Hause Titania Medien, die wieder einen äußerst atmosphärischen ersten Teil geschaffen haben, in dem die interessanten Charaktere wunderbar dargestellt werden. Dieser erste Teil war eher ruhig, was sich im Laufe dieser Fortsetzung völlig ändert. Nahtlos knüpft die Handlung am Vorgänger an, die zu bewältigenden Probleme sind vorerst noch natürlichen Ursprungs. Trotzdem befällt den Hörer immer wieder ein leichter Grusel, und sei es nur aufgrund des Erahnens nahender Gefahr. Sehr kurzweilig vergehen die guten 60 Minuten Laufzeit, doch ab circa der Hälfte nimmt die Geschichte noch einmal ordentlich an Fahrt auf und präsentiert dem Hörer, warum diese Folge ins Gruselkabinett gehört: Übernatürliche Gefahren lauern in der Eiswüste, und die Expeditionsteilnehmer mittendrin. Ein schauriges und bedrückendes Ende runden diesen wunderbaren Zweiteiler in höchster Titania-Qualität ab. Man kann sich von der Geschichte völlig fangen lassen und den sich steigernden Schrecken mitfühlen - und gerade das ist es, was diese Folge so besonders und gelungen macht.

Die komplette Geschichte kommt mit gerade einmal sechs Sprechern aus, und allesamt leisten einen hervorragenden Job. Rainer Schöne ist als Professor William Dyer auch für einige Erzählpassagen zuständig, seine ruhige, feste Stimme passt hier sehr gut, während er in den eigentlichen Szenen mit einer sehr intensiven Darstellungsweise hervortut. Annina Braunmillers klangvolle Stimme verleiht der Rolle der Leslie Carroll eine melancholische Note, auch sie kann mit glaubhafter Darstellungsweise überzeugen. Alexander Turrek hat als Professor Atwood eine etwas kleinere Rolle, die er jedoch mit Leidenschaft gestaltet. Jan Panczak, Bettina Weiß und Eckart Dux komplettieren das Sextett.

Hier kann das Team hinter der Serie mal wieder zeigen, zu welch toller Atmosphäre sie doch im Stande sind. Nicht nur die drückende Stimmung in der Antarktis können sie perfekt einfangen, auch die machtvolle Bedrohung ist mit stimmungsvoller Musik und glaubhaften Geräuschen eindrucksvoll in Szene gesetzt.

Eben jene Bedrohung ist auch auf dem Cover wunderbar eingefangen - allerdings nur als Schatten angedeutet und in den Gesichtern der fliehenden Menschen zu sehen. Das Farbenspiel ist wunderschön umgesetzt und verleiht dem Bild einen zusätzlichen Reiz. Da beide Folgen auch gemeinsam erhältlich sind, wurde zudem noch ein ansprechender Pappschuber gestaltet.

Fazit: Welch ein Genuss für die Ohren! Der zweite Teil ist packend und sehr spannungsgeladen, die Atmosphäre einmal mehr hervorragend!

VÖ: 24. September 2010
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4415-4


 Gruselkabinett - 44. Berge des Wahnsinns -1-

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Erster Eindruck: Aufbruch ins ewige Eis

William Dyer plant mit seinem Team aus Physikern und Geologen eine Expedition in die Antarktis, wovon er sich Erkenntnisse über die Erdgeschichte verspricht. Gezwungenermaßen nimmt er auch die Biologin Dr. Leni Lake und ihre Assistentin mit. Doch bei einem eher harmlosen Ausflug im Eis verschwinden die beiden auf merkwürdige Weise...

Die Reihe "Gruselkabinett" gilt bei vielen Hörspielfans als Standart in Sachen schauriger Unterhaltung und definiert diese immer wieder über die unterschiedlichsten Vorlagen neu. Erneut hat Titania Medien sich nun an ein Werk von H.P. Lovecraft gemacht, der als Meister des Grauens gilt und aus "Berge des Wahnsinns" gleich einen Zweiteiler gemacht. Und der erste Teil beginnt sehr vielversprechend, indem die anfängliche Szene einen Ausblick auf das Kommende gibt. Jahre nach den eigentlichen Ereignissen wird der Expeditionsteilnehmer Larry Danforth von Albträumen geplagt - ein wunderbarer Einstieg in die Geschichte, die den Gruselfaktor nach oben schnellen lässt. Danach folgen die eher ruhigeren Charaktervorstellungen, die während der Vorbereitungen für die beschwerliche Reise geschehen. Hier kommt mehr Ruhe in die Handlung, doch aufgrund der Anfangsszene hängt immer ein Hauch von Gefahr in der Luft. Dieser verstärkt sich wieder zu dem Zeitpunkt, an dem die ersten merkwürdigen Ereignisse in der Antarktis beginnen, unterstützt von der wie immer großartigen Atmosphäre, die die unwirtliche Gegend vor dem Auge des Hörer hinaufbeschört. Ein kleiner Höhepunkt der Handlung ist gegen Ende des ersten Teils platziert, sodass man diesen ruhigeren der beiden Teile mit viel Spannung und Vorfreude auf Teil 2 beendet. Ein sehr stimmungsvolles Hörspiel, das sich mit der nachfolgenden Folge noch steigern kann.

Der großartige Eröffnungsszene wird besonders durch die großartige Leistung von Jan Panczak unterstützt, dessen außergewöhnliche Stimme hier sehr ernst und ängstlich klingt, der aber auch in den anderen Szenen mit perfekter Betonung zu glänzen vermag. Die durchsetzungsfähige Dr. Leni Lake wird von Bettina Weiß mit Feingefühl und einer wunderbaren Mischung aus Ernsthaftigkeit und Lockerheit gesprochen. Eckart Dux ist als Professor Padobie zu hören und kann mit seiner intensiven Betonung überzeugen. Die restlichen drei Sprecher bestehen aus Reiner Schöne, Annina Braunmiller und Alexander Turrek.

Zu großen Teilen lebt diese Serie von ihrer stimmungsvollen Umsetzung, und so ist auch "Berge des Wahnsinns" zu einer fantastischen Atmosphäre gekommen. Immer auf die jeweilige Situation zugeschnittene Stimmungen versetzen den Hörer in die lang vergangene Zeit versetzen und auch der fremden Welt der Antarktis greifbar werden lässt.

Eine riesige Eishöhle ziert das Cover, wie immer eingefasst von dem Rahmen mit der Säulengestaltung. In kalten Blau- und Weißtönen wird das Reiseziel treffend dargestellt, während auch die beiden Figuren gut gelungen sind. Wie bei den 43 anderen Folgen stammt das Cover auch diesmal wieder aus der künstlerischen Feder von Firuz Askin und bildet einmal mehr einen gelungenen Hingucker

Fazit: Ein ruhiger, sehr stimmungsvoller Auftakt zu dem Zweiteiler, der mit seiner punktgenauen Charakterdarstellung und einer genialen Introszene begeistert.

VÖ: 24. September 2010
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4414-7

 

Gruselkabinett - 43. Das Haus des Richters



Erster Eindruck: Geistererscheinung in altem Haus

Um sich in Ruhe auf seine Abschlussarbeit vorzubereiten, sucht der Student Malcolm Malcolmson die Abgeschiedenheit eines lange verlassenen Hauses. Doch er wird gewarnt, der Geist eines grausamen Richters soll dort sein Unwesen treiben. In der ersten Nacht stören ihn allerdings nur die Ratten...

Bram Stoker, einer der bekanntesten und erfolgreichsten Autoren von Schauerromantik, findet einmal mehr Einzug in das "Gruselkabinett", auch die Geschichte zur 43. Folge stammt von ihm. "Das Haus des Richters" ist eine klassische Geschichte für die Reihe, ein altes Haus, angeblich voller Spuk, und ein mutiger junger Mann, der das Geheimnis dahinter ergründen will. Dem gruseligen Höhepunkt vorangestellt ist jedoch eine recht lange Introszene, in der sämtliche Charaktere recht ausführlich dargestellt werden, so gering ihr Einfluss auf die Handlung auch sein mag. Hier hätte man ruhig etwas kürzen können, auch wenn dieser Abschnitt kurzweilig ist, spannend ist er nicht. Das erste kleine Highlight und der Auftakt der gruseligen Ereignisse ist dann die erste Nacht im Haus des Richters, die folgenden nehmen dann immer mehr an Spannung und Grusel zu, während am Tage weitere Informationen hinzugefügt werden. Die Schlussszene ist dann in bester Tradition der Reihe hervorragend umgesetzt und lässt dem Hörer wohlige Gänsehautschauer über den Rücken laufen. Die übermächtige Figur des Richters steuert den größten Teil des Reizes dazu bei. Der Schluss ist also mal wieder grandios gemacht, der vorige Teil ist aber leider zu lang geraten.

Timmo Niesner ist in der Rolle des Malcolm Malcolmson zu hören und hat dabei den größten Sprachanteil. Mit seiner festen Stimme und der intensiven Betonungsarbeit kann er sowohl in den Dialogen als auch in seinen Erzählpassagen die Spannung aufrecht erhalten. Hasso Zorn gelingt als Erzähler ähnliches, sein einprägsamer Klang ist auch hier eine Bereicherung. In der Schlussszene ist ein hervorragender Otto Mellies zu hören, dessen einzigartige Interpretation seiner Rolle für viel gruselige Stimmung sorgt. Weitere Rollen sprechen Ursula Sieg, Christel Merian und Norbert Langer.

Die Musik tut ihr bestes, um dem langsamen Verlauf des Anfangs mehr Stimmung und Schwung zu verleihen. Tatsächlich kann man sich schnell in die wunderbare Atmosphäre versinken lassen. Am Ende wird wieder die einzigartige Symbiose aus Sprechern, Musik und einer gruseligen Story zu einem wunderbaren Höhepunkt vereint.

Das Cover ist auch dieses mal sehr gelungen. Der Stuhl, der in einem der Räume steht, dazu die fette Ratte und das Seil - alles Motive aus dem Hörspiel. Der Schatten im Hintergrund ist dazu ein weiterer Blickfang, und zusammen mit dem roten Hintergrund wirkt alles recht diabolisch und sehr stimmungsvoll.

Fazit: Vor dem packenden und hochspannnenden Finale ist eine nicht uninteressante, aber recht langsame Einführung zu hören. Etwas mehr Tempo wäre schön gewesen.

VÖ: 28. Mai 2010
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4269-3


Gruselkabinett - 42. Der Sandmann



Erster Eindruck: Das Schreckgespenst der Kindheit

Seit einem schrecklichen Ereignis in seiner Kindheit fürchtet sich der junge Student Nathanael vor der Sagengestalt des Sandmannes, die in einem Bekannten seines Vaters Gestalt angenommen zu haben scheint. Als er kurz vor seiner Verlobung steht, wird dies für ihn aktueller denn je...

Etwa einen Monat nach dem eher unbekannten Zweiteiler "Northanger Abbey" führt Titania Medien in seinem hochgelobten "Gruselkabinett" mit einer recht gängigen Gruselgeschichte fort, dem Klassiker "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann. Wie so oft in den Werken der Schauerromantik steht auch hier ein junger Student im Mittelpunkt, in Briefen an seinen Freund Siegmunderfährt man von seiner Kindheit. Schon allein dieser Teil vereint gekonnt Mystik und Spannung, wie sie so typisch für die Reihe ist. Das Schreckgespenst des Sandmannes, das Gestalt in dem widerwärtigen Copellius annimmt, wird Furcht einflößend geschildert, sodass sich der Grusel von Nathanael leicht auf den Hörer überträgt. Nach diesem Abschnitt folgt ein relativ harter Schnitt, der zu einem anderen Teil der Geschichte führt. Dort wendet sich Nathanael von seiner Verlobten Clara ab, um mit der merkwürdigen Olimpia ein enges Verhältnis einzugehen. Der dadurch bei Nathanael beginnende Wahnsinn, Copelius' erneutes Auftauchen und viele weitere Elemente lassen auch diesen Teil sehr kurzweilig erscheinen. Und siehe da: Das Gruselkabinett ist wieder richtig gruselig. Und zwar (fast) ganz ohne Schauergestalten, sondern wieder durch menschliche Abgründe und aufkeimenden Wahnsinn. Ein Hörspiel, dass wieder richtig fesseln kann!

Hervorragend ist auch wieder die Sprecherauswahl, die mit hervorragenden Stimmen aufwarten kann. Marius Clarén ist in der Hauptrolle des Nathanael zu hören und kann mit anfangs fester, später immer labilerer Stimme den aufkeimenden Wahnsinn des jungen Mannes sehr überzeugend darstellen und glänzt in jeder einzelnen Szene. Roland Hemmo kann als Coppellius wieder eine finstere Rolle in Anspruch nehmen und beweist einmal mehr, dass er ein eindrucksvolles Talent hierfür hat. Sehr überzeugend ist auch Polonca Olszak - mir bis dato völlig unbekannt - in der anspruchsvollen Rolle der Olimpia, die sie hervorragend meistert. Weitere Sprecher sind Wilfried Herbst, Tanya Kahana und Henri Färber - sehr glaubhaft als junger Nathanael.

Über die hohe Qualität von Musik und Geräuschen konnte man sich in den vorigen 41 Folgen schon überzeugen, auch kann die Geschichte stimmungsvoll untermalt werden. Eine der Schlüsselszenen ist Olimpias Operngesang, der dem Hörspiel eine ganz besondere Atmosphäre verleiht und mit dem eingeschobenen Dialogen sehr gut inszeniert wurde.

Auf der Cover Illustration sind gleich die wichtigsten Themen der Geschichte zusammengefasst, eine menschliche Puppe und herausfallende Augen. Beim Betrachten hat es eine außergewöhnliche Wirkung, die sich deutlich von den oft romantisch verklärten Zeichnungen der Serie unterscheidet. Das Innere ist wieder recht schlicht. Schade, dass die Trackauflistung hinter der CD für Werbung weichen musste.

Fazit: Verschiedene Themen spielen hier ineinander, der im Wahnsinn der Hauptfigur endet. Eine sehr spannende und atmosphärische Umsetzung des Klassikers.

VÖ: 28. Mai 2010
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4269-3


Gruselkabinett - 41. Northanger Abbey -2-



Erster Eindruck: In der alten Abtei

Weil Catherine Morland mit seinen Kindern Henry und Eleanor befreundet ist, lädt General Tilney sie zu sich nach Hause nach Northanger Abbey ein, einer alten Abtei. In dem düsteren Haus fühlt sich Catherine schnell wohl, und auch die Gesellschaft der Geschwister ist ihr äußerst angenehm. Doch bald fallen Schatten auf das Geschehen...

Jane Austen ist nicht gerade bekannt für ihre Schauerromane. Trotzdem hat ihr Roman "Northanger Abbey" Einzug in das Gruselkabinett von Titania Medien gefunden, dessen zweiter Teil die Nummer 41 der Serie bildet und schon eher zu der Reihe passt als sein direkter Vorgänger. Catherines vorübergehender Einzug in das titelgebende Gebäude bildet den Startpunkt der erzählten Geschichte, und zumindestens hier ist ein Anflug von Schauer zu spüren. Im Vordergrund steht aber die Liebesgeschichte zwischen Catherine und Henry - und das ist schließlich eher das Gefilde der Autorin. Die romantische Annäherung der beiden zieht sich durch die gesamte Erzählung, hat ihre Höhen und Tiefen und wird damit interessant und abwechslungreich gehalten. Höhepunkt ist sicherlich das letzte Drittel, das mit einem einschneidenden und rührseligen Einschnitt startet und zu einem wunderbaren Finale wird. Ein wunderbares gefühlsbetontes und romantisches Hörspiel - das nur leider in diese Reihe nur bedingt passt, denn hier sind leiglich einige wenige gruselige Elemente zu finden. Trotzdem ein schönes, ein sehr schönes Hörspiel mit der gewohnt hohen Qualität von Titania Medien, das über beide CDs hinweg gut unterhalten kann.

Eleanor Tilney, Schwester von Henry und Freundin von Catherine, wird von Cathlen Gawlich gesprochen, die ihren Charakter mit ihrer gefühlvollen Stimme und gekonnter Betonung zum Leben erweckt. Norbert Langner spricht ihren Vater, der jede Gefühlsregung gut und glaubwürdig darstellt und so ein Bild vor den Augen des Hörers heraufbeschwört. Tanya Kahana ist als Isabella Thorpe mit dabei und fügt sich nahtlos in die hervorragende Sprecherriege ein. Weiterhin zu hören sind Hasso Zorn, Timmo Niesner und Luisa Wietzorek.

Kaum ein Label kann so überzeugend Stimmungen erzeugen wie Titania Medien. Mit leisen, teilweise fast schon spielerischen Hintergrundmelodien kommt der romantische Charme der Geschichte gut zur Geltung, der längst vergangenen Zeit wird zumindestens akkustisch neues Leben eingehaucht. Auch die Stimmung in der alten Abtei ist einzigartig gut umgesetzt.

Auf dem Cover ist Catherine auf einem ihrer Streifzüge durch Northanger Abbey zu sehen, die Szenerie wird atmosphärisch von ihrer Kerze erleichtet. Besonders gut gelungen ist der Hintergrund mit den vielen Bogen und Säulen, der wunderschön ist und wieder prächtig mit dem üblichen Design und dem Rahmen harmoniert.

Fazit: Ein sehr schönes und gefühlsbetontes Hörspiel, welches aus der Reihe etwas herausfällt. Auch dieses Titania Hörspiel glänzt durch schöne Stimmungen!

VÖ: 23. April 2010
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4344-7


Gruselkabinett - 40. Northanger Abbey -1-



Erster Eindruck: Idyll im Badeort

Catherine Morland träumt im Idyll ihres Lebens als Pfarrerstochter von einer aufregenderen Zeit, wie sie in ihren geliebten Romanen stattfindet. Die Gelegenheit dazu bietet sich, als das befreundete Ehepaar Allen sie zu einem Urlaub einlädt. Dort macht sie die Bekanntschaft von Henry Tilney und verfällt ihm und seinem Charme langsam aber sicher...

Anspruchsvoller Grusel, leiser, oft hintergründiger Horror, leichte Gänsehaut auf den Armen... die wunderbare Reihe "Gruselkabinett" von Titania Medien bietet all dies, indem sie Klassiker der Schauerromantik als Hörspiele enthält und mit Stil und Liebe zum Detail umsetzt. Auch Zweiteiler sind in regelmäßigen Abständen ins Programm aufgenommen worden, sodass die Nummer 40 der Serie die erste Hälfte von Jane Austens "Northanger Abbey" erzählt. Und zumindestens hier treffen die oben beschriebenen Attribute leider nicht ganz zu. Vielmehr erzählt wird die Geschichte eines liebenswerten Mädchens aus der Zeit um 1800, die voller Träume und Leben ist. Nur gruselig oder schaurig ist die Geschichte nicht. Ständig wartet man als Hörer der Serie, dass etwas ansatzweise Übernatürliches passiert, dass auf eine Spannungssteigerung hindeuten könnte. Was überhaupt nicht heißt, dass das Hörspiel öde wäre, im Gegenteil. Die bezaubernde Atmosphäre, die interessanten Charaktere, der angenehme Verlauf der Serie, das Hineinversetzen in eine andere Zeit - all das hat seinen unabsprechbaren Reiz, zumal die Handlung recht kurzweilig erzählt wird. Kleine Andeutungen, dass Henry und seine Schwester Eleanor gehen dann doch noch in die erwartete Richtung. Ich habe gern zugehört und war gespannt, wie sich die Dinge weiter entwickeln.

In der Hauptrolle der Catherine Morland ist Marie-Luise Schramm zu hören, die stets eine gewisse Melancholie mit ihrer Stimme verbreitet. So kann sie die Sehnsüchte ihrer Rolle gut verkörpern und überzeugt in sämtlichen Teilen des Hörspiels. Ihre Mutter wird von der wunderbaren Regina Lemnitz gesprochen, die ihre Stimme hier sehr warm und rauchig klingen lässt. Henry Tilney, der junge Gentleman, wird von Robin Kahnmeyer gesprochen, der sehr sicher ist und einen Hauch der alten Zeit zu vermitteln weiß. Weitere Sprecher sind unter anderem Ursula Sieg, Wilfried Herbst und Norbert Langner.

Ein großes Plus wissen sich Stephan Bosenius und Marc Gruppe immer wieder mit der akkustischen Untermalung ihrer Hörspiele einzufangen. Auch hier wird die Stimmung mit passenden Musikstücken erzeugt, die uns in die längst vergangenen Zeiten entführen und diese lebendig und greifbar machen.

Auch die Covergestaltung kann die Zeit der Jahrhundertwende einfangen. Die Kleidung von Catherine und das Schloss im Hintergrund, dazu Mondschein und Nebel - eine runde Angelegenheit. Schade ist es allerdings, dass die sonst übliche übersichtliche Trackauflistung hinter der CD schnöder Werbung weichen musste.

Fazit: Ein angenehm zu hörender erster Teil der Geschichte, der reges Interesse für die nachfolgenden Ereignisse weckt aber wenig schauerlich ist

VÖ: 23. April 2010
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4343-


Gruselkabinett - 39. Der Tempel



Erster Eindruck: Unterseeische Schrecken

Mitten im ersten Weltkrieg wird an ein deutsches U-Boot ein fremländisch aussehender Mann angespült. Um eine wertvolle Statue erleichtert wird er auf Befehl des Kapitäns wieder in die See geworfen. Doch immer mehr Mitglieder der Mannschaft glauben, von ihm verfolgt zu werden. Die Stimmung scheint schnell gegen den Kapitän umzuschlagen...

Nach "Der Fall Charles Dexter Ward" wurde erneut eine Geschichte von H.P. Lovecraft von Titania Medien vertont, "Der Tempel" ist die 39. Folge des Gruselkabinetts und unterscheidet sich stark von dem oben genannten Zweiteiler. Grundlage für die Erzählung ist das Tagebuch des Kapitänleutnants Graf von Altenberg-Ehrenstein, das die Reise des U-Boots über mehrere Monate erzählt. Dabei ist die Beschränkung auf einen derart engen Raum zusätzliches Element für die bedrückende Stimmung, die sich durch das gesamte Hörspiel zieht. Das Auftauchen des fremden Seemannes löst eine Kette von schrecklichen Ereignissen aus, die bei dem Irrsinn einiger Besatzungsmitglieder beginnt und schon früh die gruselige Komponente mit einbringt. Diese wird sehr variabel erweitert, viele schreckliche Geschehnisse bestimmen das Hörspiel und halten es so sehr dynamisch und abwechslungsreich. Besonders beeindruckend sind die letzten Szenen, in denen nur noch der Kapitän und sein erster Leutnant übrig geblieben sind. Die bedrückende Szenerie wird hier noch einmal gesteigert, der zuletzt in einer beängstigenden Kulisse am Meeresgrund ihren faszinierenden Höhepunkt findet. Wieder hat Titania Medien es geschafft, eine tolle Vorlage werkgetreu und atmosphärisch umzusetzen und ein grandioses Hörspiel geschaffen.

Gerade einmal sieben Sprecher, die allesamt Besatzungsmitglieder sind, werden für das Hörspiel gebraucht, und bei jedem wurde viel Wert auf eine entsprechend hohe Qualität gelegt. Erich Räuker ist als Hauptperson zusätzlich für einige Erzähltexte zuständig. Er sorgt mit seiner markanten Stimme für zusätzliche Atmosphäre und liefert eine erstklassige Vorstellung ab. Sein Leutnant wird von Dennis Schmidt-Foß gesprochen, der einmal mehr sein Talent für derart ernste Rollen beweist. Andreas Mannkopf, Tommy Morgenstern, Bodo Wolf, Tom Vogt und David Turba sind als Mannschaft zu hören und sorgen ale auf ihre Art für sich steigernden Schrecken.

Natürlich ist auch wieder die akkustische Untermalung wunderbar gelungen. Die Darstellung der beklemmenden Stimmung in dem U-Boot ist vorzüglich gelungen, besonders in den späteren Szenen, in denen der Strom abgeschaltet ist. Auf dem Meeresgrund wird dies noch einmal durch das laute Pochen gesteigert, das einen intensiven Ausklang beschert.

Der titelgebende Tempel auf dem Meeresgrund ist das Motiv der Coverillustration. Auch hiervon geht eine finstere und bedrückende Stimmung aus, der Hintergrund mit weiteren Häusern und der Weite des Meeres ist besonders gut gelungen. Die restliche Aufmachung ist aus den anderen Folgen schon bekannt und bietet eine kleine Kapitelübersicht.

Fazit: Sehr atmosphärisch und abwechslungsreich. Wieder einmal wurde bewiesen, dass die Macher des Gruselkabinetts ihr Handwerk verstehen.

VÖ: 13. November 2009
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4144-3


Gruselkabinett - 38. Die Spinne



Erster Eindruck: Spinnende Femme Fatale

In dem kleinen Hotel von Madame Dubonnet haben sich drei Menschen erhängt - an drei aufeinanderfolgenden Freitagen jeweils zur selben Stunde. Gelangweilt vom Leben und interessiert an dem merkwürdigen Fall mietet sich der Student Richard Bracquemont in das Zimmer ein. Zunächst entdeckt er nichts ungewöhnliches, ist aber schnell von der geheimnisvollen Frau fasziniert, die im gegenüberliegenden Haus wohnt...

"Die Spinne" von Hanns Heinz Ewers gehört zu den Geschichten des Gruselkabinetts, die vorher wahrscheinlich nur wenige Hörer gekannt haben. Dass ihre Aufnahme in die Reihe trotzdem berechtigt ist, wird durch die grandiose Umsetzung bewiesen. Die Geschichte dreht sich vordergründig um die drei Selbstmorde und deren Aufklärung, bei der in den Anfangsszenen die Charaktere kurz vorgestellt werden. Hauptperson ist Richard Bracquemont, der während seiner Zeit im Hotel ein Tagebuch geführt hat, welches die Grundlage für die Erzählung ist. Zunächst scheint er nichts merkwürdiges zu entdecken, doch in der geheimnisvollen Clarimonde - wie er sie selbst getauft hat - findet er eine faszinierende Femme Fatale vor, der er immer mehr verfällt und sich von Tag zu Tag mehr nach ihr sehnt. Diese Besessenheit ist der Kernpunkt der Geschichte und enthält in ihrer unendlichen Steigerung auch die Gruselkomponente der Folge. Der Vergleich mit einer Spinne wird immer wieder gezogen und findet in der Beobachtung Richards zweier Spinnen ihren eindeutigen Bezug. Auch wenn große Teile in Monologform vorgetragen werden, wirkt dies durch die intensive Vortragsweise niemals langgezogen, vielmehr wird der Hörer immer weiter in die Begierde von Ricard hereingezogen. Die angedeuteten Sado-Masochistischen Elemente verdeutlichen dies noch einmal auf reizvolle Weise. Das unvermeidliche Ende ist zwar nicht überraschend, überzeugt aber mit einem kleinen Winkelzug und schließt die Geschichte sinnvoll ab. Hier steht nicht der grausame Horror im Vordergrund, sondern eher hintergründiger Schrecken mit einer faszinierenden Idee, was "Die Spinne" zu einer außergewöhnlichen, aber umso interessanteren und unterhaltsameren Folge macht.

Den mit Abstand größten Anteil am Gelingen des Hörspiels hat Simon Jäger als Richard, der weite Teile der Handlung alleine trägt. Die sich steigernde Faszination, das Abgrenzen von allem außer Clarimonde und gegen Ende der grausame Schrecken, als er die Wahrheit erkennt: All dies stellt er feinfühlig und äußerst intensiv dar. Eine hervorragende Leistung! Madame Dubonnet wird von Marianne Lutz gesprochen, die die Warmherzigkeit und Liebe ihrer Figur ebenso gekonnt in Szene setzt. Bodo Wolf ist als Kommisar zu hören, der sowohl dienstlichen Eifer als auch menschliche Gefühle transportiert. Weitere Sprecher sind Tommy Morgenstern, Engelbert von Nordhausen und Cathlen Gawlich.

Wieder können Marc Gruppe und Stephan Bosenius ihre große Stärke ausspielen: Eine dichte und geschlossene Atmosphäre. Schnell kann sich der Hörer in den eingesetzten Musikstücken verlieren, die vollkommen auf die Geschichte abgestimmt sind une ein die Sprecher in ihrem Wirken unterstützen. Die Stimmung ist dabei natürlich düster und unheimlich, was sich immer weiter zu steigern weiß.

Zu der außergewöhnlichen Geschichte hat Firuz Askin ein ebenso außergewöhnliches Cover gezeichnet, das in den beiden Farben von Clarimondes Kleid gehalten ist: Schwarz und Violett. In einem menschlichen Auge spiegelt sich die faszinierende Frau und hinterlässt beim Betrachter einen edlen und hochmütigen Eindruck. Ein sehr gelungenes Cover!

Fazit: Eine eher stille Gruselkabinett-Folge, die ihren Schrecken aus der unheimlichen Figur der Clarimonde zieht. Außergewöhnlich und gerade deshalb so gut.

VÖ: 13. November 2009
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-4143-6


Gruselkabinett - 37. Das Bildnis des Dorian Gray -2-



Erster Eindruck: Wenn ein Bild die Jugend erhält...

Dorian Grays Liason mit den jungen Schauspielerin Sibyl Vane nimmt ein tragisches Ende. Danach gibt er sich ganz den Lehren seines Vorbildes Lord Henry Wotton hin, der ihn zu einer zügellosen und leidenschaftlichen Lebensweise verführt. Doch beim Blick auf sein Portrait erschrickt der junge Mann...

Dr zweite Teil von "Das Bildnis des Dorian Gray" aus dem Gruselkabinett tendiert wieder stärker zu einer schaurigen Stimmung. Das sich verändernde Portrait, das die gemeinen Züge und die Spuren seines zügellosen Lebens an seiner statt aufnimmt, wird zum zentralen Aspekt der Folge gemacht. Immer weiter rutscht Dorian in menschliche Abgründe ab, was ihn an den Rande des Wahnsinns treibt. Nach dem Auslöser, dem unglücklichen Ende der Verlobung, wird ein völlig neues Bild von Gray gezeichnet, die Entwicklung nimmt immer schrecklichere Züge an, was sehr gut zu unterhalten weiß. Interessant ist der erstmalige Einsatz eines externen Erzählers, der nicht nur einige Szenen einleitet, sondern romangetreu mehrere Jahre im Zeitraffer erzählt. Besonders bemerkenswert ist das letzte Drittel, in dem sich die Handlung fast überschlägt und der zwiegespaltene Dorian vollends dem Wahnsinn verfällt, was sehr intensiv und schaurig dargestellt wird. Auch dieser zweite Teil ist trotz der klassischen Elemente des Gruselkabinetts eine eher ungewöhnliche Folge der Serie, da sie eher auf den psychischen Verfall der Hauptperson eingeht. Es ist aber auch eine extrem starke Folge, die mich von Anfang bis Ende komplett gefesselt hat.

Der bereits erwähnte Erzähler ist Hasso Zorn, der sich auch in der Stimme mit Verurteilungen zurück hält und dem Hörer so die Gelegenheit gibt, ein eigenes Urteil über die handelnden Figuren zu fällen. Kristine Walther ist wie im vorigen Teil als Sibyl Vane zu hören und liefert eine sehr dramatische und passende Darstellung der jungen, leidenschaftlichen Schauspielerin. Am eindrucksvollsten agiert jedoch David Turba als Dorian Gray. Seit der ersten Minute stellt er den schleichenden Niedergang seines Charakters facettenreich und punktiert dar, steigert sich bis zu den beiden Höhepunkten am Schluss immer mehr, um sich dann schließlich explosionsartig zu entladen und damit Gänsehautschauer zu erzeugen. Großartig! Weitere Sprecher sind Dennis Schmidt-Foss, Uschi Hugo und Tobias Nath.

Die musikalische Untermalung ist einmal mehr ein Hochgenuss. Still im Hintergrund oder dramatisch bei den bedeutenden Szenen, immer wird der richtig Ton angeschlagen, um die Geschichte vornzutreiben und passende Stimmungen zu erzeugen. Kaum ein anderes Label schafft es derzeit, jedes Hörspiel so gut auszuleuchten.

Eine interessante Idee ist bei der Auswahl des Covers realisiert worden: Statt eines völlig neuen Bildes sehen wir das Portrait von Dorian Gray, das auf dem ersten Cover entstanden ist. Gerahmt und vor dem schlichten Hintergrund wirkt es jedoch zu unauffällig. Vielleicht hätte der grausam verzerrte Zug, den das Bild mit der Zeit bekommt, eingebracht werden können.

Fazit: Eine grandiose Weiterführung der Geschichte, spannend und auch wieder gruselig. Besonders gelobt sei noch einmal David Turba als Dorian, der das Hörspiel zum Erlebnis macht.


Gruselkabinett - 36. Das Bildnis des Dorian Gray -1-



Erster Eindruck: Skandalroman des 19. Jahrhunderts

Fasziniert von und verliebt in den jungen, bildhübschen Dorian Gray fertigt der erfolgreiche Maler Basil Hallward ein Portrait von ihm an. Dorian ist so begeisterst von dem Bildnis, dass er sich wünscht, für immer seine jugendhafte Schönheit zu bewahren. Auch ein Freund von Basil, Lord Henry Wotton, ist fasziniert von dem jungen Adonis und versucht, ihm seine verdorbene Lebensphilosophie näher zu bringen...

"Das Bildnis des Dorian Gray" ist der einzige Roman des irischen Schriftstellers Oscar Wilde und wurde als Zweiteiler in das Gruselkabinett von Titania Medien aufgenommen. In diesem ersten Teil lassen sich nur wenige Elemente der Schauerromantik wiederfinden, die ja das Bild der Serie dominieren. Vielmehr ist sie ein Ausblick in die Abgründe des Menschen, die die vorherrschende Moral im späten 19. Jahrhundert in Frage stellt und bereitet natürlich auch auf den zweiten Teil vor. Eine etwas andere Folge der Serie also, die oftmals eher dramatische Züge hat. Trotzdem (oder gerade deshalb?) kann der Roman in der Reihe bestehen, denn das ungezügelte Verlangen von Henry Wotton und Basil Hallward nach Dorian Gray scheint unweigerlich auf eine große Katastrophe zuzusteuern. Zudem wird ersichtlich, warum die Vorlage zur Zeit der Veröffentlichung als Skandal-Roman galt, denn die unverhohlene Kritik an der englischen Oberschicht und die vielen angedeuteten Hinweise auf die Homosexualität der drei Hauptpersonen waren damals nicht gern gehörte Themen. Atmosphärisch wie immer und mit ungewöhnlichem Ausgangsstoff geht diese Folge andere Wege als ihre Vorgänger und hat mich dabei sehr überzeugt.

Kaum muss noch bei Titania Medien erwähnt werden, wie treffend die Sprecherauswahl geglückt ist. Als Basil Hallward ist Axel Malzacher zu hören, der den passionierten Maler mit unüberhörbarer Leidenschaft in der Stimme darstellt. Auch Tom Vogt ist als Lord Henry Wotton hervorragend besetzt und stellt den kompromisslosen Dandy mit dynamischer Sprechweise dar. Als Lady Agatha ist in dieser Folge die phantastishe Regina Lemnitz zu hören, die die Dekadenz der Oberschicht mit Humor zu nehmen weiß. Weitere Sprecher sind Dagmar von Kurmin, Lutz Mackensy und Cathlen Gawlich.

Die ausgewählte Musik ist wieder pefekt auf die Romanhandlung zugeschnitten und schmückt diese mit der unvergleichlichen Atmosphäre der Serie aus. Das ist besonders bemerkenswert, da hier nicht eigens Musik komponiert wurde, sondern aus bereits existierenden Werken die schaurige, romantische Stimmung entsteht.

Das Erschaffen des Portaits ist nicht nur der zentrale Ausgangspunkt für die Handlung, sondern ebenfalls das ausgewählte Covermotiv. In detailreichem Stil bekommen wir so einen optischen Eindruck des Schönlings, welches wieder sehr gut zu der restlichen Gestaltung passt.

Fazit: Dieser erste Teil wird nicht von Schauerelementen, sondern von einem beginnenden menschlichen Abgrund bestimmt. Eine außergewöhnliche, aber sehr überzeugende Folge.


Gruselkabinett - 35. Das Schloss des weißen Lindwurms



Erster Eindruck: Eine dunkle Lady in dunklem Schloss...

Adam Salton beschließt, von Australien nach England zu ziehen, um enger bei seinem Onkel Richard zu sein. Zusammen mit seinem engen Freund Nathaniel de Salis empfängt dieser seinen Neffen herzlich und macht ihn mit den örtlichen Begebenheiten bekommt. Besonders die attraktive, aber düstere Witwe Arabella March macht durch merkwürdiges Verhalten auf sich aufmerksam. Auch ihr Wohnsitz hat keinen guten Ruf und wird "Schloss des weißen Lindwurms" genannt...

Es ist bereits die dritte Geschichte von Bram Stoker, die ins Gruselkabinett aufgenommen wird, und nach "Das Amulett der Mumie" und natürlich "Dracula" schlägt die Nummer 35 wieder eine komplett andere Richtung ein und beweist die Vielfalt des Autors. Schon kurz nach der Ankunft von Adam wird auf die Mhyten der Gegend angespielt, die immer wieder auftauchen und einen zusätzlichen Reiz zur eigentlichen Geschichte bieten. Diese ist sehr vielschichtig und bietet mit Arabella March eine interessante und spannende Figur, die vielleicht leicht zu durchschauen ist, was ihr aber nichts von ihrer Bedrohlichkeit und Durchtriebenheit nimmt. Auch hier bildet sich eine ansteigende Spannungskurve, die mit Edgar Caswall und seinem afrikanischen Diener Oolanga geschickte Einspielungen bietet. Gegen Ende werden gleich zwei Höhepunkte angebracht, die ein Gegenpol zur ruhigen Erzählweise sind, womit ein sehr dynamisches und abwechslungsreiches Hörspiel entsteht. Aus dieser Geschichte ist bei Lausch mit "Die schwarze Sonne" eine ganze Serie gestartet, als alleinstehendes Hörspiel mit abgeschlossener Handlung bietet es in dieser Variante aber seinen ganz eigenen Reiz und ist ein sehr spannender und mysteriöser Abschnitt des Gruselkabinetts

Auch hier beweist Titania Medien ein Händchen für eine tolle Sprecherauswahl, in der sich bekannte mit neuen Stimmen mischen. Markus Pfeiffer ist als Adam Salton zu hören, wie oft bei der Serie erzählt er einige Gegebenheiten aus seiner Sicht. Er schafft es, die Rolle komplett auszufüllen und viele ihrer Aspekte umzusetzen. Als Lady Arabella March wurde Katja Nottke engagiert, die sehr düster und bedrohlich wirkt, dabei aber nie zu offensichtlich böse ist. Besonders gefallen hat mir Melanie Hinze als charmante Mimi Watford, die mit ihrer warmen Stimme das Bild einer jungen und attraktiven Frau heraufbeschwört und ein Lichtblick in der dunklen Geschichte ist. Weitere Sprecher sind David Nathan, Hasso Zorn und Joachim Pukaß.

Für die atmosphärische Gestaltunghabe ich wieder nur Lob übrig, denn mit abwechslungsreichen Melodien und passenden, realistischen Geräuschen entsteht ein stimmungsvoller Klang, der die Geschichte trägt und sie vielschichtig am Leben hält, dabei nie die Wirkung auf den Hörer verfehlt. Lediglich am Ende hätte es meiner Meinung nach etwas mehr knallen dürfen.

Auf den Punkt gebracht ist die Gestaltung des Covers. Schaurig und bedrohlich thront das alte Schloss auf seinem Felsen, der violett gefärbte Himmel unterstützt genauso wie die Schar Fledermäuse den unheimlichen und stimmungsvollen Ausdruck der Illustration von Firuz Askin. Auch hier wirkt sich der Rahmen mit den Säulen wieder äußerst positiv auf das Gesamtbild aus und scheint eine Symbiose mit der Zeichnung einzugehen.

Fazit: "Das Schloss des weißen Lindwurms" ist wieder ein absoluter Volltreffer und könnte mit einer spannenden und vielseitigen Geschichte, Sprechern in Hochform und der typisch brillanten Akkustik zu einer meiner Lieblingsfolgen avancieren.


Gruselkabinett - 34. Die obere Koje



Erster Eindruck: Unheimliche Nächte auf einem Schiff

Aldous Brisbane hat zwar schon einige Reisen mit dem Schiff hinter sich, das merkwürdige Benehmen des Stewarts Robert, als dieser von seiner Zimmernummer erfährt, verunsichert ihn aber doch. In der ersten Nacht verhält sich sein Mitbewohner der Kajüte aber sehr merkwürdig und öffnet mitten in der Nacht das Bullauge. Doch am nächsten Morgen erfährt Aldous vom Schiffsarzt, warum der Stewart so komisch reagiert hat...

Nach dem eher neueren Roman der letzten beiden Folgen widmen sich die Macher von Titania Medien in der 34. Folge des Gruselkabinetts wieder einer klassischen Geistergeschichte namens "Die obere Koje" von Francis Marion Crawford. Der Beginn ist wieder recht ruhig, erste Zweifel an der Sicherheit auf dem Schiff kommen jedoch schnell auf. Schon in der ersten Nacht steigert sich die Spannung, denn im Gegensatz zu den Akteuren ist man als Hörer der Serie ja durchaus von der Existenz übersinnlicher Phänomene überzeugt. Immer wieder wechseln sich die Nächte voller Geistererscheinungen mit ruhigen Tagen ab, in denen man den Geheimnissen stärker auf den Grund gehen kann. Das Ende ist recht ungewöhnlich, denn es bleibt offen und ein richtiges Herzschlagfinale, wie wir es aus anderen Folgen gewohnt sind, bleibt aus. Dennoch hat "Die obere Koje" seine gruseligen Momente, übrig bleibt eine solide Folge der Serie, die vielleicht nicht an die Top-Folgen heranreichen kann, aber immer noch atmosphärische Unterhaltung bietet.

Wieder sind es recht wenige Sprecher, um die Geschichte erzählen zu können, wobei wieder einige neue Stimmen auftauchen. Diese Abwechslung der oft ähnlichen Sprecherriegen halte ich für sehr sinnvoll und birgt neues Potenzial für den Hörer. Axel Malzacher ist bisher in noch keinem Hörspiel aufgetaucht, meistert aber gekonnt die Doppelbelastung als handelnde Figur und Erzähler. Er spricht den Aldous Brisbane sehr gediegen und betont, was hervorragend zu der Rolle passt. Jürgen Thormann ist dagegen langjähriger Sprecherprofi und ist hier mal wieder als Schiffsarzt Morton Hollows sehr überzeugend. Captain Grady wird von Peter Reinhardt ebenso überzeugend und eindringlich gesprochen. Außerdem sind noch Tobias Nath, Uwe Büschken, Markus Pfeiffer und Uli Krohm zu hören.

Neben der wie immer atmosphärischen Musik können in Sachen Akkustik die Geräusche sehr überzeugen. So wird über weite Teile des Hörspiel mit Möwengeschrei und Wasserplätschern eine maritime Stimmung erzeugt, während sich das übergangsweise Fehlen von Geräuschen während der Geisterszenen mit darauf folgenden Effekten abwechselt und somit ein dynamisches Gesamtbild erzeugt wird. Wieder sehr gut gelöst!

Ein Gegenpol zu den anderen Covern ist die Titelillustration. Recht schlicht prangt ein Totenkopf in dem für das Hörspiel wichtigen Bullauge und zieht schnell alle Blicke auf sich. Überzeugen kann wieder die übersichtliche Aufmachung mit den Säulenmotiven und die typische Auflistung der Tracks hinter der CD.

Fazit: Eine solide Folge aus dem Gruselkabinett mit einer gelungenen Atmosphäre. Eine klare Kaufempfehlung.´


Gruselkabinett - 33. Jagd der Vampire -2-



Erster Eindruck: Eine Vampirgeschichte einmal anders...

Zusammen mit dem Vampir Simon Ysidro ist Professor James Asher nach Paris unterwegs, um einen angeblich uralten Vampir, der dort hausen soll, zu treffen. Die ansässige Meisterin Elysée de Montadour gewährt ihnen nur widerwillig ihre Zustimmung, und so gelangen die beiden in die unterirdischen Katakomben einer alten Kirche. Doch die Begegnung mit Bruder Antonius verläuft anders, als sie es sich gewünscht haben...

Gerade einmal gute 20 Jahre ist das Werk "Jagd der Vampire" von Barbara Hambly alt, und somit gehört es zu den neueren Geschichten, die für das Gruselkabinett umgesetzt werden. Durch seine Andersartigkeit zeigt diese Folge, was alles im Gruselkabinett steckt und stellt selbst geübte Hörer der Serie vor neue Eindrücke und Situationen, denn im Prinzip ist es ein Kriminalfall im Vampirmilieu. Im Vergleich zum ersten Teil nehmen die schaurigen Momente jedoch zu, einige Schockmomente sind ebenso zu finden wie eine sich immer weiter steigernde Spannung, die ganz im Stile der Serie in einem überraschenden Finale enden. Auch wissenschaftliche Aspekte werden mit eingebracht und führen zu neuen Erkenntnissen in dem Fall. Der größte Reiz dieser Folge sind jedoch die vielen Hinweise, die vielen kleinen Elemente des Kriminalfalls, die von Hörer in Einklang gebracht werden wollen und alles andere als leicht zu durchschauen sind. Ein neuer Weg, der hier eingeschlagen wird, doch auch der führt zu einem spannenden, stimmungsvollen und gruseligen Hörspiel, das in keiner Sammlung fehlen sollte.

Wie auch schon im ersten Teil ist die Besetzung der Rollen erstklassig. Claudia Urbschat-Mingues beweist als Lydia Asher einmal mehr, warum sie zu den absoluten Top-Sprechern Deutschlands gehört und ist unglaublich vielschichtig und intensiv, was sie in beiden Teilen zeigen kann. Auch Katja Nottke, die schon seit den 80er Jahren immer mal wieder auftaucht, ist als Elysée de Montadour fabelhaft und spricht sehr punktiert und glaubwürdig. Schön, dass sie mal wieder zu hören ist! Als Lional Grippen hört man wie im ersten Teil Uli Krohm, der den Vampir bedrohlich und mächtig erscheinen lässt. Weitere Rollen übernehmen Anja Stadlober, Jürgen Thormann und David Nathan.

Im Vergleich zum ersten Teil ist die Musik wieder präsenter und vordergründiger, was sich besonders im großen Finale widerspiegelt. Dabei beweisen Stephan Bosenius und Marc Gruppe einmal mehr, dass sie die Meister des atmosphärischen Hörspiels sind und weben einen dichten Klangteppich, der den Hörer in seinen Bann zieht und somit die optimale Ergänzung der tollen Sprecher ist. So wird das Hörspiel zum Erlebnis.

Auch das Cover ist wieder sehr stimmungsvoll und dieses mal wirklich gruselig. Die vielen Totenschädel und der alte Vampir mitten unter ihnen in den alten Katakomben verfehlt seine Wirkung nicht und ist ein hoher Anreiz, die Folge zu hören. Beide Teile sind ebenfalls zusammen in einem Pappschuber im Buchhandel zu beziehen, der das gleiche Titelbild trägt und in jedem Regal eine Zierde ist.

Fazit: Ein furioser zweiter Teil, eine ganz besondere Doppelfolge des Gruselkabinetts, dass mich völlig in seinen Bann gezogen hat.


Gruselkabinett - 32. Jagd der Vampire -1-



Erster Eindruck: Schaurige Kriminalgeschichte

Professor James Asher, früher Privatdetektiv, bekommt eines nachts unheimlichen Besuch, der seine Frau und sein Personal in tiefen Schlaf versetzt hat. Simon Ysidro ist ein Vampir - und bittet Asher eine Reihe von Morden an Londoner Vampiren aufzudecken. Um seine junge Frau Lydia nicht zu gefährden nimmt Asher den Auftrag an, doch die Ermittlungen gestalten sich schwierig...

Mit "Jagd der Vampire" erscheint eine weitere Doppelfolge des "Gruselkabinetts", und zwar ein recht außergewöhnlicher. Denn erstens werden hier Grusel- und Krimalelemente miteinander verknüpft, und zweitens sehen wir die Welt erstmals aus der Sicht der Vampire, es gilt sie zu retten anstatt sie zu töten. Der erste Teil beschäftigt sich logischerweise erst einmal mit der ersten Begegnung zwischen James Asher und Simon Ysidro, was allerdings keineswegs belanglos ist. Vielmehr gestaltet sich diese Einführung in die Thematik als sehr reizvoll, schon jetzt beginnt man mitzurätseln. Und das zieht sich weiter durch das gesamte Hörspiel, ständig bekommt der Hörer neue Hinweise oder Hintergründe, die er ins Gesamtbild einzufügen versucht. Wirklicher Grusel kommt dabei nur stellenweise auf und zieht seine Kraft besonders aus der ständig drohenden Gefahr, die von den Vampiren ausgeht, er ist hier noch subtiler eingesetzt als in anderen Folgen der Serie. Der Kriminalaspekt ist dafür umso ausgeprägter, sodass diese äußerst dynamische Mischung zu einem hochspannenden Hörspiel wird, zwar für die Serie ungewohnt, aber umso gelungener.

Hervorragend ist wieder die Sprecherauswahl, die nicht nur auf bekannte Namen setzt, sondern auch Neulingen im Hörspielbereich ihre Qualitäten beweisen lässt. Wolfgang Pampel gibt sein Debut im Gruselkabinett gleich mit der Hauptrolle des Professor James Asher und stellt diesen mit einer Ernsthaftigkeit und einer ruhigen, warmen Stimme dar. Großartig! Nicola Devico Mamone ist mir bisher auch nur aus Hörspielen von Titania Medien bekannt, ist aber als Simon Ysidro mit überzeugendem spanischen Akzent und treffsicherer Stimme unschlagbar. Besonders hat mir die Leidenschaft gefallen, die er bei seiner Beschreibung der Vampire hervorbringt. Als adlige Vampirin ist Astrid Bless zu hören, die bei ihrem Gastauftritt für schaurige Momente sorgt. Weitere Sprecher sind unter anderem Uwe Büschken, Monica Bielenstein und Markus Pfeiffer.

Die Musik ist in diesem ersten Teil etwas zurückhaltender als man es von der Serie gewohnt ist. Das liegt daran, dass nur wenige Schockmomente aufkommen und der Höhepunkt erst in Teil 2 auf uns wartet. Trotzdem ist wieder ein kleines Meisterwerk gelungen, das zu jeder Szene, jeder Stimmung die passende und atmosphärische Musik bietet und den Hörer in eine andere Welt versetzt. Die Geräusche tun ihr übriges, um alles plastisch und lebendig wirken zu lassen.

Auch wenn ich spontan keine Szene dem Cover zuordnen kann, ist das alte Gemäuer im Hintergrund schon ungemein stimmungsvoll, was durch die beiden Gestalten, besonders die hübsche Frau im Vordergrund noch ausgebaut wird. Die bereits bekannte restliche Aufmachung mit den Säulenmotiven passt wieder sehr gut zur Folge und rundet das Erscheinungbild gut ab.

Fazit: Eine ungewöhnliche Folge aus dem Gruselkabinett, die jedoch äußerst hörenswert ist und viel Lust auf den zweiten Teil macht. Grandios!


Gruselkabinett - 31. Die Gespenster-Rikscha



Erster Eindruck: Geistererscheinungen in Indien

Theobald Jack Pansay, ein Mitarbeiter der englischen Armee, wandert nach Indien aus. Auf der Überfahrt lernt er die verheiratete Agnes Keith-Wessington kennen und beginnt mit ihr eine Affäre - aus Abenteuerlust, nicht aus Liebe. Deswegen trennt er sich kurz darauf von der verzweifelten Frau. Diese kämpft weiter um Jack, wie ihn alle nur nennen, doch vergebens. Und dann nimmt das Unheil seinen Lauf...

Auch die 31. Folge des Gruselkabinetts bietet mit "Die Gespenster-Rikscha" wieder eine Geschichte der Schauer-Romantik, diesmal aus der Feder von Dschungelbuch-Autor Rudyars Kipling. Langsam baut sich die Geschichte um die verheimlichte Affäre von Jack und Agnes auf, deren Ende in aller Heftigkeit dargestellt wird. Auch die darauf folgenden Annäherungsversuche von Agnes werden deutlich zurückgewiesen, sodass man am Ende nicht mehr weiß, wem seine Symphatien gelten: Der armen, verlassenen Frau, deren Herz so grausam gebrochen wurde, oder dem von Geistern verfolgten Mann. Spannung kommt dabei lediglich in einigen Szenen auf, doch diese braucht die Geschichte auch gar nicht, um den schleichenden Grusel, die Seelenkrise von Jack darzustellen und für den Hörer unterhaltsam zu gestalten. Im Endeffekt liegt wieder eine hervorragend produzierte Folge des Labels aus Leverkusen vor, die sich die zahlreichen Fans der Serie sowieso nicht entgehen lassen, die aber auch Neulinge absolut überzeugen dürfte.

Theobald Jack Pansay wird von Matti Klemm gesprochen, der es meisterhaft versteht, den Hörer zwischen Unsymphatie und Mitleid schwanken zu lassen. Keinesfalls gibt er seinem Charakter ein glattgebügeltes Profil, was die Figur nur umso reizvoller werden lässt. Arianne Borbach ist als Agnes Keith-Wessington zu hören, die besonders die verzweifelten Ausrufe intensiv und glaubwürdig herüberbringt. Als Jacks spätere Freundin Kitty ist Uschi Hugo zu hören, die die junge Frau mit ihrer hellen Stimme zum Inbegriff der Lebensfreude werden lässt. Weitere Rollen werden von Bodo Wolf, Wilfried Herbst und Tommy Morgenstern übernommen.

Keinerlei Kritik gibt es an der musikalischen Umsetzung dieser Folge. Im Gegenteil: Die immer eng an der Story gehaltenen Sounds verleihen Substanz und eine wohlige Atmosphäre. Von Anfang bis zum dramatischen Ende wird so die jeweilige Stimmung perfekt auf den Zuhörer übertragen. Besonders Intro und Outro sind mit den rhythmischen Klängen im indischen Stil richtig gut gelungen.

Das Cover ist dieses mal - ganz untypisch für die Serie - in recht hellen Farbtönen gehalten. Das abgebildete Motiv passt landschaftstechnisch wunderbar ins alte Indien, und auch die Titel gebende Gespenster-Rikscha mit der traurigen Agnes Keith-Wessington ist sehr gelungen. Praktisch wie immer ist die Auflistung der Tracks mit Namen hinter der CD.

Fazit: Wenn auch kein absolutes Highlight der Serie, ist "Die Gespenster-Rikscha" immer noch herausragende Grusel-Unterhaltung auf höchstem produktionstechnischen Niveau.


Gruselkabinett - 30. Der Vampir



Erster Eindruck: Schändliches Treiben in ganz Europa

Auf einem Ball zu seiner Einführung in die Gesellschaft macht der junge Adelige Percy Aubrey Bekanntschaft mit Lord Ruthven, einem Mann, der ihn sofort mit seiner düsteren Aura fasziniert. Schnell entschließen sich die beiden, zusammen auf eine ausgedehnte Reise durch ganz Europa zu gehen. Doch schnell wird die Freundschaft der beiden ungleichen Kameraden auf die Probe gestellt, denn ein Brief aus London erreicht Percy...

Auf sage und schreibe 30 Folgen hat es das ausgezeichnete Gruselkabinett von Titania Medien bereits gemacht - dazu erst einmal herzliche Glückwünsche. Nach dem eher außergewöhnlichen "Glöckner von Notre Dame" wird mit John William Polidoris "Der Vampir" wieder klassische Schauerromantik geboten. Gänsehaut ist den Hörern gerantiert, denn immer bedrohlicher und rätselhafter wird das Autauchen von Lord Ruthven. Doch auch die Psyche Percys, die durch immer neue Leiden weiter und weiter geschwächt wird, spielt in dieser Erzählung eine entscheidende Rolle. Diese beiden Komponenten lassen ein interessantes und unterhaltsames Werk entstehen, das in einem spannenden und dramatischen Ende gipfelt. Besonders der letzte Satz, ein düsterer Ausblick, lässt einen erschauern. Außergewöhnlich ist die Erzählweise, die sich teilweise aus Briefen von Percy zusammensetzt und teilweise ganz ohne Erzähler auskommt und dabei zwischen verschiedenen Perspektiven wechselt. Wieder beweisen Marc Gruppe und Stephan Bosenius, dass sie die beiden Männer für feinsinnigen Grusel sind.

Auch die Sprecher tragen einen großen Teil zum Gelingen der Produktion bei. Patrick Bach fällt als Percy Aubrey der größte Teil zu, und diesen gestaltet er mit getragener Stimme mit viel Betonung, ohne festgefahren zu wirken. Sein Gegenpart, Lord Ruthven, wird von Christian Stark gesprochen, der eine intensive und schauerliche Leistung abliefert. Auch Kristine Walther passt als Jane Aubrey, Percys Schwester, wunderbar in das hervorragende Ensemble, zu dem auch noch Sarah Riedel, Kaspar Eichel und Anita Lochner gehören.

Die Musik ist an die Zeit des frühen 19. Jahrhunderts angelehnt und überzeugt mit Orchesterarrangements, die die Story tragen und einen roten Faden bilden. Besonders in den dramatischeren Szenen ist sie auch schon mal etwas lauter und bildet so mit den Sprechern ein intensives Klangerlebnis.

Ziemlich düster ist das Cover, auf dem wir die zwei Hauptpersonen betrachten dürfen. Besonders die Vollmondszene mit der Toten auf den Armen des Mannes, dessen Gesicht im Halbschatten liegt, ist sehr gelungen. Auch die Gestaltung mit den umrahmenden Säulen und dem schönen "Gruselkabinett" Schriftzug muss an dieser Stelle noch einmal gelobt werden.

Fazit: Das Gruselkabinett mit einer bestechenden Folge, die wunderbar in die Reihe passt und feinen Grusel bietet. Für einen grusligen Winterabend genau das richtige.


Gruselkabinett - 29. Der Glöckner von Notre Dame - Teil 2



Erster Eindruck: Das Drama nimmt seinen Lauf...

La Esmeralda ist mehr durch Zufall die Ehefrau vom Dichter Pierre Gringore geworden, der ihr tiefe Ehrerbietung entgegenbringt. Quasimodo, der missgestaltete Glöckner der Pariser Kathedrale Notre Dame, ist seit seiner Bestrafung am Pranger merklich verändert und hegt tiefe Gefühle für die junge Zigeunerin. Auch sein Ziehvater und Mentor, Claude Frollo, ist fasziniert von der anmutigen Schönheit und schmiedet finstere Pläne...

Was für ein faszinierendes Hörspiel! Schon die erste Folge von "Der Glöckner von Notre Dame" bestach durch Andersartigkeit und geradezu schockierenden Ereignissen. All dieses kann auch der zweite Teil aufgreifen, fügt dem ganzen aber noch etwas Ungewöhnliches für das "Gruselkabinett" von Titania Medien hinzu: Dramatische, tiefgreifende und berührende Gefühle. In den verschiedensten Szenen werden die Verwicklungen in der mittelalterlichen Metropole derart dramatisch dargestellt, dass der Hörer regelrecht gefesselt ist und tief in die Geschichte hereingezogen wird. So entsteht ein für das Gruselkabinett ganz und gar ungewöhnliches, intensives Hörspiel, dass seinen vollen Reiz entwickelt, wenn man sich auf die beschriebenen Gefühle einlassen kann.

Neben den schon in der vorigen Kritik erwähnten Hauptakteuren, die auch im zweiten Teil ihre Charaktere zum Leben erwecken, sind es auch die vielen kleineren Rollen, die zum vollen Hörgenuss beitragen. Schon allein Gisela Fritsch, Eva-Maria Erth und Wilfried Herbst sorgen als aufgebrachte Meute für Gänsehautschauer. Anita Lochner spricht die Büßernonne, eine Frau die sich ganz dem einsamen und entbehrungsreichen Leben und dem Hass auf die Zigeuner ergeben hat, und legt damit eine der intensivsten Darstellungen überhaupt vor. Als Erzähler ist Roland Hemmo zu hören, dessen Stimme wunderbar dazu passt. Weitere Rollen übernehmen Julien Haggège, Ilona Otto und Matti Klemm.

Die Soundgestaltung ist wieder vollkommen gelungen. Atmosphärische Musik und passende, realistische Geräusche lassen das Geschehen aufleben und rücken es näher an den Zuhörer heran. Besonders das dramatische und gefühlsbetonte Ende ist absolut gelungen umgesetzt.

Das Cover zeigt Notre Dame vor dem Hintergrund der untergehenden Sonne, was stimmungsvoll und detailliert geworden ist. Auch die Gestaltung des Pappschubers ist gelungen, denn neben den einzelnen CDs sind auch beide zusammen erhältlich.

Fazit: Hier übertrifft sich das Produzententeam von Titania Medien mal wieder selbst! Unglaublich intensiv und mein neuer Höhepunkt der Serie!


Gruselkabinett - 28. Der Glöckner von Notre Dame - Teil 1



Erster Eindruck: Weltliteratur im Gruselkabinett

Das mittelalterliche Paris wird von der Pest bedroht, und Claude Frollo, ein junger Ordensbruder, kümmert sich nach dem Tod seiner Eltern um seinen Bruder Jean. Doch noch ein anderes Kind braucht Fürsorge: Völlig missgestaltet und geistig zurückgeblieben wird es von dem Bewohnern verspottet und fast getötet, bis Frollo einschreitet und das Kind in Notre Dame großzieht und später Glöckner werden lässt. Und dann kommt die junge Zigeunerin La Esmeralda in die Stadt...

Mit "Der Glöckner von Notre Dame" hat sich Titania Medien an die Umsetzung des berühmtes Werks von Victor Hugo aus dem Jahr 1831 gewagt. Fernab von Vampiren oder Werwölfen entwickelt die Geschichte ihre ganz eigene Art von Grusel: Die Abgründe der menschlichen Seele. Die Grausamkeiten, die Quasimodo, dem Glöckern, angetan werden, werden von den phantastischen Sprechern sehr intensiv vertont und übertragen sich so mit voller Wucht auf den Zuhörer. Diesem begegnet mit Claude Frollo eine sehr zwiespältige Figur: Als Geistlicher kümmert er sich aufopfernd um seinen Bruder und auch um Quasimodo, ist jedoch als Alchemist mit den dunklen Künsten verbunden und auch sonst nicht der Gutmensch, für den man ihn anfangs halten mag. Die Story besticht eher durch interessante Figuren und erschreckende Ereignisse als durch Spannung, ist aber gerade deshalb ein abwechslungsreiches und intensives Hörspiel geworden, dass - soviel sei verraten - nur noch vom zweiten Teil übertroffen werden kann.

Als Claude Frollo ist Udo Schenk zu hören, der mit Härte in der Stimme diesen Charakter mit Inbrunst und Leidenschaft charakterisiert. Die anspruchsvolle Rolle des Quasimodo hat Tommy Morgenstern übernommen. Da der Glöckner taub ist, musste für ihn eine spezielle Intonierung gefunden werden, die glaubhaft und Mitleid erregend geworden ist. Als junge Zigeunerin La Esmeralda hören wir Kristine Walter, die bisher noch nicht wirklich in Hörspielen zu hören war. Völlig unverständlich, denn auch sie agiert völlig glaubhaft und intensiv. Weitere Sprecher sind unter anderem Patrick Bach, Roland Hemmo und Inken Sommer.

Feinsinnig und atmosphärisch wie immer ist die akkustische Gestaltung von Stephan Bosenius und Marc Gruppe geworden. Orchesterarrangements, mal wuchtig, mal ganz still und verhalten, untermalen jede einzelne Szene und verpassen ihnen eine ganz eigene Stimmung, die mittlerweile typisch für das Gruselkabinett geworden ist.

Das Cover ist wieder von Firuz Askin und zeigt uns einen Quasimodo, wie er wirklich beschrieben worden ist: Abstoßend und doch Mitleid erweckend. Auch die Steinfiguren des Notre Dame sind stimmungsvoll in Szene gesetzt.

Fazit: Ein großes Stück Literatur, das mit Sinn fürs Detail wunderbar umgesetzt wurde. Mal wieder ein Highlight aus dem Gruselkabinett


Gruselkabinett - 27.Der Leichendieb



Erster Eindruck: Gruselig bis in die Nackenhaare!

Der junge Medizinstudent Fettes bekommt nach langen Bemühen eine sehr begehrte Stelle: Er darf Professor Knox, einem angesehenen Mediziner an der Universität, assistieren. Doch schon anfangs kommen ihm erste Zweifel als er erfährt, dass viele Leichen auf nicht gerade legalem Weg auf den Seziertischen der Universität landen. Immer mehr wird die Loyalität seinem Arbeitgeber gegenüber auf die Probe gestellt, besonders als die junge Prostituierte Jane Galbraith, deren Dienste Fettes ab und an in Anspruch genommen hat, vom zwielichtigen Skinner geliefert wird. Doch Dr. Macfarlane, ebenfalls Mitarbeiter Professor Knox, bringt ihn zur Einsicht, dass er schon viel zu weit mit drinsteckt. Und dann taucht auch noch ein alter Bekannter von Macfarlane auf, der diesen völlig aus der Fassung bringt…

Das Gruselkabinett macht sich daran, uns zum mittlerweile 27. Mal wohlige Gänsehautschauer über den Rücken laufen zu lassen. Die Geschichte um den Studenten Fettes wird wieder aus seiner eigenen Sicht erzählt, und wieder ist die Hauptperson um Jahre gealtert und erzählt in einer Kneipe nach der Begegnung mit Macfarlane seinen Freunden von den längst vergangenen Ereignissen. Durch diesen Trick ist kein vom Geschehen abgesonderter Erzähler nötig, ohne dass die nötige Distanz zum Geschehen fehlt. Das Hörspiel entwickelt seinen ganz eigenen Reiz, vom anfänglichen Schauern über den Handeln mit Leichen über Fassungslosigkeit über die Skrupellosigkeit einiger Charaktere bis hin zum Gruseln über ein soviel sei verraten übernatürliches Phänomen. Dass man sich durch die verwendete Sprache und die tolle Produktion in frühere Zeiten versetzt fühlt, ist ja mittlerweile schon Markenzeichen der Serie. Wieder eine extrem starke Folge einer hörens- und lobenswerten Serie.

Diese Folge ist definitiv die Folge der markanten Männerstimmen: Michael Pan ist als Fettes zu hören, der zwischen verschüchtert und beängstigend spielend wechseln kann und alle Facetten seines Charakters gut beleuchtet. Torsten Michaelis und Hans-Werner Bussinger sind in ihren Rollen des Dr. Macfarlane und des Professor Knox genauso überzeugend, besonders die Zwielichtigkeit zwischen seriöser Forschung und schrecklicher Gleichgültigkeit ist fast schon beängstigend. Als Leichenlieferant Skinner ist Andreas Mannkopf zu hören, eine ideale Wahl für den heruntergekommenen Charakter. Die beeindruckenste Leistung hat für mich allerdings Wilfried Herbst abgeliefert, vielen aus diversen Kinderhörspielen als Sekretär des Bürgermeisters bekannt: Er schreit, lallt und droht in intensiver Art und Weise, fast schon irr, aber dabei schrecklich ausdrucksstark.

In gewohnter Qualität ist auch dieses mal die musikalische Gestaltung. Eine dichte Atmosphäre, beeindruckende Hintergrundmelodien und eine Begleitung nahe an den Charakteren lässt diese Folge zum Hörerlebnis der Extraklasse werden. Auch die Geräusche wirken stimmig und sind vornehmlich zur Unterstützung der Handlung gedacht, anstatt diese zu gestalten.

Das in Grautönen gehaltene Cover von Titania- Stammzeichner Firuz Askin ist der düsteren Stimmung der Story gut angepasst und lässt die Geschehnisse vorm Auge des Betrachters greifbar werden. Absolut gelungen!

Fazit: Tolle Folge mit hintergründigem Grusel und besonders starken Sprechern. Ein Muss für jede Hörspielsammlung ist diese Serie allemal, hier kommt ein weiterer guter Grund dafür hinzu.


Gruselkabinett - 26. Die liebende Tote



Erster Eindruck: Ein Priester zwischen einer Frau und seinem Gott

Während seiner Priesterweihe erblickt der fromme Mönch Romuald eine Frau, die ihn vom ersten Moment an fasziniert und in ihren Bann zieht. Fast bricht er die Zeremonie ab, weil er glaubt, ihre Stimme zu hören, die ihn von seinem Zölibatsgelübte abhalten will. Seit diesem Moment geht sie ihm nicht mehr aus dem Kopf. Kurze Zeit später wird er als neuer Priester in einer kleinen Gemeinde eingesetzt und versucht dort, den Gedanken an die Frau zu entkommmen. Doch mitten in der Nacht kommt plötzlich ihr Diener zum Priester, weil seine Herrin Clarimonde im Sterben liege und die letzte Ölung brauche. Doch ist die Schönheit wirklich tot?

Die mittlerweile 26. Folge "Gruselkabinett" des Labels Titania Medien setzt die Reihe mit einem weiteren Meisterwerk der Schauer-Romantik fort. Und wieder einmal werden sämtliche Zutaten, die die Serie so hörenswert machen, zu einem stimmigen Ganzen zusammengemischt: Glänzende Sprecher, eine intensive Geräuschkulisse und natürlich eine ansprechende Geschichte. Besonders gelungen ist die Rolle des Erzählers: Der gealterte Romuald erzählt einem jüngeren Mönch von den weit zurückliegenden Ereignissen. So ist die Abtrennung zum Hörspielgeschehen deutlich, ohne dass der Erzähler völlig unbeteidigt wäre. Die Geschichte an sich ist dieses mal nicht das Highlight der ganzen Serie, aber unterhaltsam ist sie allemal!

Großen Wert wurde auch dieses mal auf die Auswahl der Sprecher gelegt, die ideal auf ihre Rollen besetzt wurden und ihren Charakteren Leibhaftigkeit verleihen. Als alten Romuald, also den Erzähler, hören wir Kaspar Eichel, dessen warme Stimme einen durch das Hörspiel begleitet und dabei immer präsent und intensiv ist. Als sein jüngeres Ich ist Julien Haggège im Einsatz, der die Zerissenheit seines Charakters zwischen seiner Berufung als Priester und der Liebe zu der Frau gut herausarbeitet. Als Clarimonde hören wir Sabine Arnhold, eine ausgezeichnete Wahl für die Rolle der sündigen Verführerin. In weiteren Rollen sind Christian Rode, Torsten Michaelis und Cornelia Meinhardt zu hören.

Wie immer beim Leverkusener Label kann man die musikalische Untermalung nur als äußerst gelungen bezeichnen. Auffällig waren dieses mal die choralen Gesänge, die die Zeiten des frühen 19. Jahrhunderts näher an den Zuhörer rücken. Ein dichter Klangteppich, der einen in den Bann zieht und so schnell nicht mehr loslässt. Die Geräusche sind eher spärlich, aber immer terffsicher und glaubwürdig eingesetzt.

Einen gewissen Hauch von Kitsch kann man dem Cover wohl nicht absprechen, aber es fängt die Atmosphäre des Hörspiels gut ein. Die Illustration von Firuz Askin zeigt Clarimonde auf ihrem Bett mit dem betenden Romuald, ein in angenehmen Farben gehaltenes Cover.

Fazit: Eine grundsolide Folge des Gruselkabinetts, die Fans begeistern dürfte und allen Neuzugängen ebenso ans Herz gelegt sein sollte!


Gruselkabinett - 25.Der Fall Charles Dexter Ward -2-

Erster Eindruck: Besessen oder nicht?

Charles Dexter Ward nimmt ein immer merkwürdigeres Verhalten an. Sein Umfeld ist von seinem Benehmen so fassungslos, dass besonders seine Mutter sehr darunter leidet. Dexter Ward kauft sich einen Bungalow in der Nähe seines Vorfahren Joseph Curwe. Dort setzt er seine Experimente in dem weit verzweigten System unter dem Haus fort. Aber ist es wirklich noch Charles der hier hantiert, oder ist er von seinem Ahnen besessen der sein grausiges Werk vollenden will?

Der zweite Teil der Umsetzung der H.P Lovecraft Geschichte "Charles Dexter Ward" lässt einem streckenweise das Blut in den Adern gefrieren, insbesondere die Stelle als Joseph Curwen offenbart, dass er von Charles Besitz ergriffen hat. Nach und nach werden die Geheimnisse aufgedeckt, was sich einem grandiosen Finale gipfelt. Den Machern ist es gelungen ein Hörspiel zu schaffen, dass dem Stoff würdig ist, gruselig, mysteriös und die Action kommt auch nicht zu kurz.

Wie auch schon im ersten Teil sind die Sprecher, die Marc Gruppe und Stephan Bosenius für diese Produktion gewinnen konnten, exzellent. Den größten Teil des 63 Minuten Hörspiels bestreitet Ernst Meincke, da er hier auch als Erzähler fungiert, seine Stimme passt vortrefflich zu der Figur, die er verkörpert. Cornelia Meinhard, die die Mutter von Charles Dexter Ward spricht, kommt im zweiten Teil nur sehr kurz vor, da sie auf Reisen geht, weil sie die seltsame Verwandlung von Charles nicht erträgt. Wiederum besonders hervorragend ist der vielseitige Frank Schaff, der seine Stimme virtuos zum Einsatz bringt und die Rolle des Charles Dexter Ward auf verschiedenste Weise umsetzt. Klingt die Musik im ersten Teil noch sehr vordergründig, rückt sie hier etwas in den Hintergrund, was der gruseligen Atmosphäre sehr zuträglich ist. Wenn Musik zum Einsatz kommt, ist diese sehr klassisch gehalten. Die Geräusche sind wie immer in den Titania Medien Produktion einwandfrei.

Das Cover zeigt diesmal das Elternhaus von Charles Dexter Ward. Auch hier ist das gespenstische, das von der Geschichte ausgeht, gut umgesetzt worden. Firus Askin schafft es immer wieder ein Cover zu zeichnen, das einem direkt ins Auge fällt.

Fazit: Den Fall Charles Dexter Ward möchte ich als ein Meisterwerk aus der Gruselkabinettreihe nennen. Grandios!



Gruselkabinett - 24.Der Fall Charles Dexter Ward -1-



Erster Eindruck: Zwischen Realität und Wahnsinn...

USA in den 20er Jahren: Dr. Marinus B. Willet, Hausarzt der Familie Ward, besucht deren Sprössling Charles Dexter in einer Nervenheilanstalt. Und obwohl er am nächsten Tag ohne definitve Diagnose entlassen worden wäre, ist er anscheinend am selben Abend entflohen. Das Telefongespräch mit Charles' Vater Theodore nimmt Dr. Willert zum Anlass, sich das Leben des psychisch gestörten Charles in Erinnerung zu rufen, der sich nach der Schule mit Okkultismus beschäftigt hat und mit 21 Jahren zu einer Reise quer durch Europa begonnen hat. Danach setzte er seine merkwürdigen Experimente, die er vor seinen Eltern geheim hält, fort. Was erforschte er mit dem vielen Lärm und den unangenehmen Gerüchen in seinen Zimmern? Und was hat sein Vorfahr Joseph Curwen, von dem er seit Jugendtagen fasziniert ist, damit zu tun?

Titania Medien legt mit Teil 24 und 25 der Reihe Gruselkabinett wieder einmal ein zweiteiliges Meisterwerk vor: Der Fall Charles Dexter Ward des Kultautoren H. P. Lovecraft. Und schon der erste Teil weiß zu überzeugen. In gewohnter Qualität bauen die Regiesseure Stephan Bosenius und Marc Gruppe eine unglaublich spannende Story auf, die dieses mal durch einen nicht stringenten Handlungsablauf unterstüzt wird. So hören wir zu Beginn einen äußerst vielversprechenden Prolog aus dem Jahr 1771 um die Geschehnisse des Joseph Curwen, springen dann ins Jahr 1928 zum Besuch Dr. Willets in der Heilanstalt, um kurz darauf die Jugend von Charles Dexter Ward erzählt zu bekommen. Dabei fällt es glücklicherweise trotzdem nicht schwer, dem Handlungsverlauf zu folgen. Vom verheißungsvollen Anfang bis zum spannungsgeladenen Ende ist man gefesselt von der verstörenden Story und der intensiven Produktion.

Als Sprecher des Dr. Marinus Willet konnte man Ernst Meincke gewinnen, der damit auch teilweise als Erzähler fungiert. Seine tiefe Stimme passt hervorragend zu dieser Rolle. Hans-Werner Bussinger und Cornelia Meinhardt als besorgtes Ehepaar Ward spielen ihre Rollen intensiv und glaubhaft. Doch in dieser Folge fällt besonders Frank Schaff positiv auf, der in seiner Doppelrolle als Charles Dexter Ward und Joseph Curwen brilliert. Seine überzeugende Interpretation des bemerkenswerten jungen Mannes lässt einem das ein oder andere mal wahre Gänsehautschauer über den Rücken laufen.

Auch in dieser Folge kann sich die Musik absolut hören lassen. Die orchestrale Begleitung lässt eine beklemmende Atmosphäre entstehen, die einen nicht loslässt und einen an die Lautsprecher fesselt. Sämtliche Geräusche, vom kleinen Laut bis zum größten Krachen, sind glaubhaft eingesetzt und unterstützen die Sprecher in ihrer Glaubwürdigkeit.

Das gezeichnete Cover des ersten Teil, welches die Titelfigur vor einem Portrait seines Vorfahrens Joseph Curwen zeigt, ist wieder äußerst gelungen. Ohne den Charakter der Folge zu verfremden fügt es sich in das Gesamtkonzept der Serie ein.

Fazit: Ein vielversprechender erster Teil, der an sich gesehen schon ein echter Höhepunkt der Serie ist. Höchtwertung für diese intensive und spannende Umsetzung.


Gruselkabinett - 23.Die Bilder der Ahnen

Erster Eindruck: Geisterhaftes im Gruselkabinett

Ferdinand von Panner ist auf Einladung zu Besuch auf dem Schloss eines Freundes aus der Schule. Auf dem Weg dorthin müssen sie halten und so kommt es, dass Ferdinand in eine Runde von Frauen gerät, die sich bei Tee Geistergeschichten erzählen, auch der Graf steuert eine zu der Runde bei. Auf dem Schloss seines Freundes geht eine Geistererscheinung um, vor der sich grad die männlichen Nachkommen fürchten. Was steckt hinter dem düsteren Geheimnis des Schlosses und den Bildern der Ahnen?

Anders als bei der Vorgängerfolge wird es hier wieder schön schaurig. Nach dem Freischütz sind nun die Bilder der Ahnen die zweite Geschichte aus der Feder von Johann August Apel, die das Team von Titania umsetzt. Die Story ist eine typische Geistererzählung, sie bietet nichts neues und bedient alle Klischees des Themas, aber sie wurde zu Recht in die Reihe aufgenommen.

Auch in der 23. Folge glänzen die Protagonisten wieder durch eine wunderbare Darstellung ihrer Rollen. Neben Gerrit Schmidt Foss, der hier die Hauptrollen des Ferdinand von Panner bestreitet, sind noch weitere Hörspielgröße wie Marianne Groß, Klaus Dieter Klebsch, Lutz Riedel und Heinz Ostermann zu hören. Eine hochkarätige Besetzung, wie man sie selten erlebt.

Sei es ein imposantes Orgelspiel oder das kleine leise Flötenstück, die Musik die Marc Gruppe und Stephan Bosenius in ihre Produktionen einfließen lassen, ist immer stimmungsvoll und beieindruckt durch atmosphärische Dichte.

Die bildliche Darstellung auf dem Cover ist diesmal wieder auch sehr gut getroffen. Das Cover fügt sich einwandfrei in anspruchsvolle Covergestaltung von Titania Medien ein.

Fazit: Ein Hörgenuss der Extraklasse.


Gruselkabinett - 22.Der fliegende Holländer

Erster Eindruck: Titania sticht in See

Prinz Albert Victor lädt seinen ehemaligen Leher in die Oper ein, dargeboten wird die Geschichte einen Seemannes, mit dem die beiden Herren selber eine Begegnung gehabt haben. Der Holländer und seine Mannschaft sind bis in alle Ewigkeit verflucht, da der Käptain in einer stürmischen Nacht einen unheilvollen Satz ausgesprochen hat.Unheil droht jedem der dem verfluchten Schiff zu nahe kommt. Nur alle sieben Jahre kann der Holländer an Land gehen, um sich eine Frau zu suchen die ihn bedingungslos liebt. Findet er sie kann er erlöst werden. Unheil trifft aber alle die sich mit dem verfluchten Käptain einlassen.

Vom Namen her kannte ich die Geschichte vom fliegenden Holländer, gelesen oder gehört hatte ich sie bis dato noch nicht. Mir hat die Story an sich auch wunderbar gefallen, auch wenn man vielleicht erwähnen sollte, dass die Story sicherlich gut in das Gruselkabinett passt, aber dennoch nichts wirklich Gruseliges an sich hat. Die Umsetzung ist natürlich wieder Titania Medien like: Eindrucksvoll pompös.

Simon Jäger, Nicolas Artajo und David Nathan als unheilvoller Kaptain bilden hier die Hauptcharaktere, die drei harmonieren so gut miteinander wie ich es selten erlebt habe. Die Rollen scheinen ihnen auf dein Leib geschrieben worden zu sein. In der Rolle der auserwählten Braut ist Dascha Lehmann zu hören, die auf beeindruckende Weise die Geschichte um das holländische Schiff von ihrer Großmutter, die von Barbara Adolph verkörpert wird, erzählt bekommt.

Was soll ich hier zu der Musik noch schreiben, keine andere Serie versteht es, impostane Orchestermusik mit einer schaurigen Story zu verbinden. Grad hier passt die Musik wie die Faust aufs Auge, da die Handlung in der Oper spielt. Geräusche und Eeffekt sind auch diesmal wieder perfekt eingesetzt.

Das Cover ist nett und sicherlich auch gelungen, aber hier hätte man noch etwas mehr raus holen können. Vielleicht wäre es gut gewesen, noch die Opferung Katharinas darzustellen. Die Handlung ist ja schon sehr darauf ausgerichtet, dass die beiden heiraten wollen und Katharina sich schon lange eine Begegnung mit dem Kaptiän wünscht.

Fazit: Sicherlich gehört auch diese wahre Begebenheit nach Heinrich Heine in das Gruselkabinett und sie bietet auch zweifelsohne gute Unterhaltung, aber es ist nicht die Überfolge.


Gruselkabinett - 21.Der Hexenfluch

Erster Eindruck: Mein Highlight für Halloween

Im Jahr 1662 wurde die Hexe Katrina van Kampen auf dem Scheiterhaufen verbrannt, sie schwor ihren Peinigern schreckliche Rache. Immer in der letzten Nacht des Oktobers will sie sich an der Familie des Junker Harper rächen! 300 Jahre später ist es wieder Halloween: Die beiden letzten Nachfahren der Familie Harper sind die Schwestern Abigail und Emily! Die skeptische Abigail glaubt nicht an die Rache von Katrina, anders Emily die schreckliche Ängste in der letzten Oktobernacht durchstehen muss! Wird die beiden Schwestern der Fluch ereilen und steckt wirklich nur die Hexe dahinter?

Dies ist die 21 Folge der preisgekrönten Serie Gruselkabinett und auch hier lässt sich das Label Titania Medien nicht lumpen. Die Geschichte nach Per McGraup ist gruselig, spannend und überraschend zugleich. Mir hat besonders die Szene der Verbrennung Katrinas gefallen und dann die doch ziemlich überraschende Wendung ins Jahr 1962, damit hätte ich in der Form nicht gerechnet! Eine wunderbare und innovative Idee! Die weitere Story weiß aber auch genauso zu überzeugen.

Als Hauptakture hören wir Marianne Wischmann und Edith Schneider als Schwestern Harper, die beiden passen von der Tonlage als auch vom Sprechstil gut zusammen. In einer kleinen Nebenrolle wurden Lutz Riedel und Gerrit Schmidt Foss engagiert. Auch hier passen die Sprecher zu den Rollen! Die Schauspieler die für das Gruselkabinett zum Einsatz kommen sprechen ihre Charaktere immer mit Leib und Seele, sie hauchen jeder Figur auf ganze besondere Art und Weise Leben ein.

Auch bei dieser Folge stellt das Titania Medien Team ihr ganzes Können unter Beweis und bietet hier auch wieder eine wunderbare Geräuschkulisse die unter die Haut geht.

Das Cover zu dieser Folge ist ein ganz besonderer Leckerbissen, es schaut ganz hervorrangend aus und steht auch den anderen Cover optisch in nichts nach. Was ich hier hervorheben möchte ist, dass die einzelnen Trackpunkte immer noch mit einem eigenen Titel versehen werden der zu dem Abschnitt gewählt wurde.

Fazit: Ein Halloween Hörspiel wie es passender nicht sein kann. Oft wirklich gänsehautverursachend. Ich freue mich auf die nächsten Folgen die bereits im November erscheinen werden.


Gruselkabinett - 20.Der Werwolf

Erster Eindruck: Aaaaaauuuuuhhhhh

Thibaut ist ein junger Holzschuhmacher in einem Ort in Frankreich, er wäre aber lieber ein reicher Edelmann, der sich alles leisten kann! In einer Winternacht rettet er den großen Wolf vor den Jägern des Barons de Vez! Kaum gerettet verwandelt sich der Werwolf in einen Menschen und macht dem Holzschuhmacher ein Angebot, welches Thibaut in große Versuchung lockt! Wird er der Macht des Wolfes verfallen?

Endlich gibt es wieder Neues vom Gruselkabinett. Mit dem Werwolf veröffentlicht Titania-Medien die nunmehr 20 Folge aus ihrer Erfolgsreihe, die auch hier wieder nahtlos an die hohe Qualität der Vörgängerfolgen anschließt und ihnen in nichts nachsteht. Die Story ist sicherlich nicht so stark wie einige andere Folgen der Reihe aber dennoch recht kurzweilig!

In der Hauptrolle können wir Thomas Nero Wolff (Nomen est Omen?) als Thibaut und Uschi Hugo als Angnelette erleben! Die beiden Stimmen harmonieren ganz hervorragend miteinander. Als Baron ist Marco Kröger im Einsatz und als Nepomuk Magloire ist Wilfried "Sekretär Pichler" Herbst zu hören. Die Protagonisten sind wie üblich beim Gruselkabinett aller erste Wahl und passend gewählt.

Die musikalische Untermalung ist das Aushängeschild der gesamten Serie und schafft auch hier wieder die bekannt düstere Atmosphäre. Die Geräusche, sei es das leise Windsäuseln oder das Rauschen der Bäume im Wald, sind so perfekt in die Handlung eingebettet dass man meint man stünde selber im dichten Dickicht.

Das Cover ist beim Gruselkabinett immer eine Augenweide, die Zeichnungen sind so detailliert dass sie in ganz besonderer Art hervorstechen. Auf dem Cover sieht man einen heulenden Werwolf im verschneiten Wald.

Fazit: Wenn auch nicht die stärkste Folge aus dem Gruselkabinett dennoch eine hörenswerte Folge, die qualitativ den Standart halten kann.


Gruselkabinett - 19. Dracula -3-



Erster Eindruck: Showdown in den Karpaten

Unter der Leitung des Vampirjägers Dr. Abraham Van Helsing soll Graf Dracula, der so viel Unheil vollbracht hat, endgültig vernichtet werden. Dazu werden die Särge unbrauchbar gemacht, die von Dracula nach England gebracht wurden, um ihm den Aufenthalt unmöglich zu machen. Doch der teuflische Vampir hat einen weiteren Plan...

Mit großen Schritten eilt die phänomenale "Dracula"-Umsetzung von Titania Medien ihren Ende entgegen. Der dritte Teil des Romangeschehens ist an Tempo kaum zu überbieten, ein Ereignis folgt auf das nächste, und einige Passagen wurden hörbar gekürzt. Trotzdem sind immer noch 70 Minuten herausgekommen, die an Spannung kaum zu überbieten sind. Dabei werden auch hier völlig neue Elemente eingebracht, denn erstmals wird Dracula gejagt und in die Enge getrieben. während dieser ein Mitglied der Gruppe auf seine Seite ziehen will. Das sorgt für weitere Abwechslung und hält die Story dynamisch und vielfältig. Die Verfolgungsjagd durch halb Europa ist vielleicht etwas verknappt dargestellt und hätte für weitere, hochspannende Momente sorgen können, dafür bekommen wir ein furioses Finale zu Ohr, das mit der Handlung würdig abschließt und in weiteres Highlight in dem Vierteiler bietet. Auch diese Folge ist auf höchsten Niveau produziert, die Geschichte interessant, dramatisch und spannend bis zum Schluss, doch nimmt man alle Teile zusammen, hat man ein Meisterwerk der Hörspielkunst, über vier Stunden beste Unterhaltung, die in wirklich keinem Hörspielregal fehlen sollte.

Auch hier sind die Sprecher eine Wucht: Kaspar Eichel ist als Abraham van Helsing extrem überzeugend und beschwört das Bild eines harten und kompromisslosen Mannes, das er mit intensiver Stimme erzeugt. Auch Petra Barthel, die schon im vorigen Teil als Lucy Westenra zu hören war, führt ihre Rolle konsequent und glaubhaft weiter. Wenn auch alle anderen Sprecher zu loben wären, wie beispielsweise Simon Jäger, Arianne Borbach oder Marius Clarén, die Darstellung des Dracula von Joachim Höppner ist und bleibt für mich die Top-Leistung des Hörspiels, so facettenreich, so hintergründig, so intensiv ist seine Sprechweise, die schon allein genommen für Gänsehautschauer sorgt.

Neben der Spannung befindet sich auch die akustische Gestaltung auf ihrem Zenit. In jede einzelne Szene wurde so hörbar viel Liebe und Arbeit gesteckt, dass sich ein dichtes, verwobenes Ganzes ergibt, dass die Geschichte so intensiv ausstattet und für Spannung und wohligen Grusel sorgt. Diese perfekte Inszenierung ist Markenzeichen von Titania Medien und zieht sich durch die gesamte Umsetzung des Dracula.

Auch das Cover ist wieder eine reine Augenweise geworden. Draculas Schloss in den Karpaten thront gebieterisch in der Landschaft, die Kutsche ist auf verschlungenen Wegen zu ihm unterwegs, alles in einer phantastischen Berglandschaft im Sonnenuntergang. Stimmungsvoll wie nie überzeugt es in voller Länge und ist auch auf dem Pappschuber zu finden, der alle vier Teile enthält und im Buchhandel erhältlich ist.

Fazit: Ein packendes, hoch spannendes und vielseitiges Hörspiel, dass die Handlung gekonnt abschließt und zu den besten Hörspiel überhaupt gehört. Unbedingt hören und mitreißen lassen!


Gruselkabinett - 18. Dracula -2-



Erster Eindruck: Unheilvolle Begegnungen in England

Mina Murray verbringt ein paar Tage bei ihrer Freundin Lucy Westenra, da ihr Verlobter Jonathan Harker auf einer Geschäftsreise ist. Doch nachdem ein scheinbar leeres Schiff angespült wurde, beginnt Lucy sich zu verändern und immer abweisender zu werden. Hängt Lucys Zustand tatsächlich mit Jonathans Reise zusammen? Wer treibt während der Nächte in der kleinen Stadt sein Unwesen?

Nachdem sich der erste Teil der "Dracula"-Umsetzung von Titania Medien mit der Reise von Jonathan Harker beschäftigt hat, kehren wir nun nun zu seiner Verlobten Mina Murray zurück und erleben die weiteren Geschehnisse aus einer völlig anderen Perspektive. Auch hier reiht sich ein Höhepunkt an den nächsten, besonders die Szene auf dem Schiff lässt einem das Blut in den Adern gefrieren und gehört zu den besten Hörspielszenen, die ich je gehört habe. Auch die Szenen mit "Renfield", einem Bewohner der Irrenanstalt, sind unglaublich atmosphärisch, was besonders an der genialen Sprecherleistung liegt. Doch auch die ruhigeren Passagen, wie die drei Heiratsanträge, haben ihren Reiz und sind sehr unterhaltsam. Im Mittelpunkt steht aber natürlich weiterhin die übermächtige Figur des Grafen Dracula, die Menschen zu seinen Gunsten beeinflusst, im Hintergrund die Fäden zieht und kaum zu besiegen zu sein scheint. Wieder fängt die Geschichte quasi bei Null an (nur dass der Hörer schon einige Vorkenntnisse hat) und dramaturgisch perfekt aufgebaut steigert sich die Spannung bis zu ihrem Siedepunkt - um dann recht unvermittelt aufzuhören und damit das Verlagen nach dem dritten Teil zu wecken. Die 75 Minuten vergingen wie im Fluge und waren voller Spannung, diese Umsetzung ist einfach perfekt!

Wie immer gehören zu Umsetzungen von Titania perfekte Sprecherleistungen, so auch hier. Als Mina Murray bestreitet Tanja Geke den Hauptteil der Geschichte und überrascht dabei mit einer sehr femininen und trotzdem eindringlichen Stimme, die ich gerne öfter hören würde. Sehr eindringlich und glaubhaft wahnsinnig spricht Andreas Mannkopff den Renfield und überzeugt dabei auf voller Linie. Hörspiellegende Lutz Mackensy ist als John Seward zu hören, der eine absolut geniale Umsetzung seines Charakters liefert. Weitere Sprecher sind unter anderem Tobias Kluckert, Inken Sommer und Norman Matt.

Wer schon einmal einen Teil aus dem Gruselkabinett gehört hat, weiß was ihn erwartet: Eine perfekte, atmosphärisch sehr dichte Umsetzung, der den Roman feinsinnig interpretiert. Auch hier wurde erkannt, dass sich die Musik nicht immer sonderlich vordergründig abspielen muss, die Geräusche keine lauten Knaller sein müssen, um der Geschichte optimale Stimmungen zu verleihen, im Gegenteil: Durch diese fast hintergründige Umsetzung wirkt alles viel intensiver und viel gruseliger. o soll es sein!

Sehr schaurig und atmosphärisch wie das Hörspiel ist das Cover: Die Illustration kommt meiner Vorstellung des Dracula extrem nahe. In einem alten Schloss hüllt er eine schöne junge Dame in seinen Mantel und ist voller Begierde kurz vorm berühmten Biss in den Hals. Ach hier scheint der Rahmen mit den Säulen wie geschaffen für dieses Bild.

Fazit: Der zweite Teil des Dracula ist ebenso spannend und perfekt inszeniert ist wie sein Vorgänger! Wer Gruselhörspiele mag, wird diese Umsetzung lieben!


Gruselkabinett - 17. Dracula -1-



Erster Eindruck: Im Banne des Vampirs...

Die Reise zum Schloss des Grafen Dracula ist beschwerlich für den jungen Anwalt Jonathan Harker, zumal er immer von Ortsansässigen gewarnt wird, die ihm Unheil prophezeien. Als er ankommt empfängt ihn ein sehr höflicher, zuvorkommender und angenehmer Mann. Doch schon bald zeigt sich, wie sehr der Schein trügen kann...

"Dracula" ist die bekannteste Vampirgeschichte aller Zeiten, unzählige Umsetzungen verschiedener Medien gibt es bereits. Trotzdem haben es sich Titania Medien nicht nehmen lassen, den Roman in ihr Gruselkabinett aufzunehmen, das sich mit den besten Schauergeschichten beschäftigt. Und herausgekommen ist ein sehr feinsinniger, umfassender und selbstverständlich perfekt inszenierter Dreiteiler (plus der Vorgeschichte in Folge 16), der selbst noch packen kann, wenn man die Geschichte schon kennt. Durch die Erzählweise, die an Tagebucheinträge und Briefe angelehnt sind, bekommt man einen genauen Einblick in die handelnden Personen und fühlt sich ihnen sehr nah. Das hat den weiteren Vorteil, dass der Hörer mitten in die Geschichte versetzt wird und das Gefühl bekommt, alles aus erster Hand miterleben. Auch die Story dieser ersten Folge ist genial, die übermächtige Figur des Grafen wird so Angst einflößend , seine drei Bräute so blutrünstig und trotzdem stilvoll, der psychische Verfall und die aufkommende Hoffnungslosigkeit Jonathan Harkers so mitreißend geschildert, dass die 70 Minuten wie im Fluge vergehen und in einem packenden Finale enden, dass man kaum warten kann, den nächsten Teil zu hören. Ein perfekter Start in die Geschichte, die völlig zu Recht zu den besten Umsetzungen zählt.

Joachim Höppner ist wohl die Idealbesetzung für den Grafen Dracula. Erhaben, intelligent und mächtig wird er der Figur in seinem nuancenreichen Spiel völlig gerecht und sorgt für Gänsehautschauer und wohligen Grusel. Als seine Bräute sind Rita Engelmann, Monica Bielenstein und Arianne Borbach zu hören, die ein perfektes Zusammenspiel und betonte Aussprache geradezu zelebrieren und die kurze Szene zum Erlebnis machen. Kurz als Wirt in einem abgelegenen Gasthaus ist Klaus-Dieter Klebsch zu hören, der damit beweist, dass er sich auch gekonnt im Hintergrund halten kann. Weitere Sprecher sind Evelyn Maron, Jürg Löw und Dagmar von Kurmin.

Die Musik setzt wesentliche Akzente im Hörspiel, mal auflockernd bei den Szenenübergängen, mal hintergründig den Hörer beeinflussend und drohende Gefahren verkündend, mal als lautes Stilmittel, um die Dramatik des Momentes zu heben. So sieht eine atmosphärische Gestaltung aus, die von den Geräuschen zur Vollendung gebracht wird.

Das Coverbild zeigt uns die Szene mit den drei Vampirdamen an Jonathans Bett, die leider etwas zu kitschig wirkt. Dafür scheint der Rahmen mit den Säulen und Schnörkeln extra auf dieses Hörspiel gewartet zu haben und gibt dem Hörer eine Vorstellung des Schlosses mit auf den Weg. Wie immer sind hinter der CD die 13 Tracks aufgelistet, um den Wiedereinstieg zu erleichtern.

Fazit: Ein intensives und fesselndes Hörerlebnis, das selbst bei Kennern der Geschichte für wohlig-gruslige Momente sorgt. Absolut empfehlenswert!


Gruselkabinett - 16. Draculas Gast



Erster Eindruck: Ein Mythos beginnt...

Jonathan Harker, der als Rechtsanwalt in London arbeitet, bekommt den Auftrag, mit einem Grafen aus Rumänien ein Geschäft über ein Anwesen in seiner Heimatstadt zu regeln. Doch schon auf der Reise mit der Kutsche warnen ihn die Dorfbewohner vor den Mann. Dennoch setzt der junge Anwalt seine Reise fort und wird bald darauf von unheimlichen Wesen verfolgt...

Es ist das erste mal, dass ein Hörspiellabel diese Vorgeschichte zu Bram Stokers berühmten Roman "Dracula" umsetzt, aber bekannterweise legen Stephan Bosenius und Marc Gruppe Wert auf eine Umsetzung möglichst nah um Original, was diesen Schritt erklärt. Doch im Vergleich zum eigentlichen Romangeschehen fällt diese Kurzgeschichte etwas ab und enthält nicht die packende Spannung der nächsten drei Folgen. Es ist eher ein kleiner Prolog, der geboten wird und in dem wir einige Hintergrundinformationen bekommen, mit den Personen bekannt gemacht und über die allgemeine Situation in Kenntnis gesetzt werden. Das alles wird aber wieder so perfekt inszeniert, mit der so unglaublich dichten Atmosphäre versehen, die ich so an den Produktionen von Titania Medien schätze, dass ich trotz der inhaltlichen Schwächen dieses Hörspiel sehr genossen habe. Zumal es mit einer Länge von ca. 45 Minuten angenehm kurz gehalten wird und die Szenen im Mausoleum wirklich sehr gelungen sind. Ich sehe es als eine sinnvolle Ergänzung zur Haupthandlung, die jeder Fan der Produktion hören sollte.

Wie sollte es anders sein - die Sprecher liefern eine brilliante Vorstellung ab und machen das Hörspiel zum Erlebnis. Simon Jäger bestreitet als Jonathan Harker den Hauptteil der Handlung und bringt die getragene, altertümlich anmutende Sprache hervorragend zur Geltung. Peter Hawkins wird von Jürgen Thormann gesprochen, der hier eine eher ruhige Seite seiner Stimme präsentiert, die sehr eindringlich ist. Hörspiellegende Christian Rode ist als Kutscher zu hören und rundet damit das Ensemble ab. Weitere Sprecher sind Uwe Büschken, Nicola Devico Mamone und Melanie Pukaß.

Und wieder ist bei der atmosphärischen Umsetzung ein Hochgenuss gelungen. Fernab von bombastischen Spektakel wird alles sehr ruhig und gediegen, woraus der eigentliche haarsträubende Grusel erst entstehen kann, der die Seele des Menschen berührt statt nur an der Oberfläche zu kratzen. Schon allein die Umsetzung von "Draculas Gast" ist jede einzelne Minute wert.

Auf dem Cover sehen wir das Mausoleum, das eine so wichtige Rolle in der Handlung hat. Schneebedeckt und mit Jonathan Harker, der darauf zu läuft ergibt sich ein stimmiges Gesamtwerk. Auch die restliche Aufmachung in den Grün- und Grautönen harmoniert sehr gut damit.

Fazit: Auch wenn es etwas an Schwung fehlt, lohnt sich die Vorgeschichte zu Dracula allemal. Die Atmosphäre macht viel wett.


Gruselkabinett - 15. Der Freischütz



Erster Eindruck: Eine große Liebe und eine große Tücke…

Wilhelm, ein junger Amtsschreiber, will die Jägerstochter Kätchen heiraten. Um die Erbfolge der Försterei einzuhalten, muss er sein Geschick jedoch mit einem Meisterschuss beweisen. Gut, dass früher bei einem Jäger gelernt hat. Doch trotzdem wollen ihm plötzlich keine Schüsse mehr gelingen. Doch dann erfährt er von einem verdorbenen Ritual…

Der Freischütz ist ein Titel, den viele wahrscheinlich nicht in der Reihe Gruselkabinett erwartet hätten. Dass er jedoch ganz hervorragend passt, wird hier konsequent bewiesen. Anfangs scheint alles in der kleinen, aber bedeutenden Försterei gut zu laufen, besonders nachdem der Förster Bertram begeistert der Hochzeit zugestimmt hat, aber wie üblich bei dieser Serie wird diese anfängliche Harmonie schnell ins Gegenteil verkehrt und schleichendes Grauen macht sich breit. Die höchst spannende und gruselige Szene, in der Wilhelm die Kugeln nach Anweisung des mysteriösen Stelzfuß fertigt, gehört sicherlich zu den besten der Serie und wird mit vielen gelungenen Beschreibungen und Effekten zelebriert. Der weitere Handlungsverlauf wird ständig begleitet von dem Wissen, dass ein großes Unheil geschehen wird, bis im Finale wieder einmal mit einem geschickten Kniff alles in Frage gestellt wird und den Hörer aufzuwühlen weiß. Keine Frage, es ist eine ungewöhnliche Folge, die uns Titania Medien da vorlegen, aber eben eine unglaublich gelungene.

Auch die Sprecher sind wieder in Hochform und machen das Zuhören zum Genuss für die Ohren. Wilhelm wird von dem eher unbekannten Marius Clarén gesprochen, der eine absolut tadellose Leistung abliefert und mit präzisem Ausdruck überzeugt. Ebenso bis dato fast eine Newcomerin in Sachen Hörspiel war Luise Helm, die ebenso intensiv und leidenschaftlich spielt wie die großen Namen. Absoluter Höhepunkt der Folge ist aber der geniale Jürgen Thormann als Stelzfuß, der mit irrem Lachen und seiner einzigartig krächzigen Stimme wunderbar böse ist. Weitere Sprecher sind unter anderem Tobias Kluckert, Dagmar von Kurmin und Inken Sommer.

Beinahe schon müßig ist es, die fantastische Produktionsweise des Labels und dieser Serie im Speziellen zu loben. Auch hier bestimmen passende, stimmungsvolle Musik und eine dichte Atmosphäre das Hörspiel, wie es kaum ein zweiter kann und was wirklich jede Folge zu einem Genuss macht. Insbesondere das Auftreten von Stelzfuß ist sehr gut inszeniert.

Ungewöhnlich farbenfroh ist dieses mal das Cover, und trotzdem kann man einen Hauch von Düsternis nicht bestreiten. Die Darstellung des Rituals und natürlich Stelzfuß im Hintergrund ist sehr stimmig, will sich aber nicht so gut mit dem Rahmen vereinen wie andere Cover der Serie. Lobenswert ist wieder die Auflistung der Tracks im Bereich hinter der CD.

Fazit: Eine ungewöhnliche, aber sehr spannende und atmosphärische Folge, die mit keinem bisher gehörten zu vergleichen ist. Toll!


Gruselkabinett - 14. Die Blutbaronin



Erster Eindruck: Liebe bis in den Tod... und darüber hinaus.

Baron Ferenc Nádasdy ist immer noch voller Liebe zu seiner längst verstorbenen Frau - sehr zum Leidwesen seiner neuen Frau Katharina. Auch ein vertrauter Geistlicher ist besorgt und rät Ferenc von Elisabeth endgültig Abschied zu nehmen. Doch der entscheidet sich für einen anderen Weg - und lässt gegen allen Rat einen Zauber wirken, der seine Frau wieder lebendig macht...

Auch die 14. Folge des "Gruselkabinetts" reiht sich in die Riege der wunderbar atmosphärischen und grusligen Hörspiele ein - mehr noch: Die Blutbaronin ist ein weiteres Highlight der Serie! Sie erzählt von Begierde, von unendlicher Sehnsucht, die man über alles stellt und sein momentanes Leben vollkommen vernachlässigt. Und welches Unheil das mit sich bringen kann, denn die durch ein mystisches Ritual wiedererwachte Elisabeth (das im übrigen eine fantastische Umsetzung hat) bringt nur zunächst den ersehnten Seelenfrieden Ferencs wieder. Der Schrecken entfaltet sich immer weiter, bis zu einem Gänsehaut-Finale, in dem Elisabeth die versprochene Liebe einfordert - eine Gänsehaut ist da garantiert! Eine Folge des geniales Gruselkabinetts, die sich kein Gruselfan entgehen lassen sollte.

Es sind nur wenige Sprecher, die für dieses Stück gebraucht wurden, die sind dafür umso besser ausgewählt. Als Elisabeth Báthory ist die unvergleichliche Viola Sauer zu hören, die ihre Stimme mal hart und fordernd, mal sanft und geheimnisvoll klingen lässt und somit eine sehr intensive Darbietung vollbringt. Uwe Büschken steht dem als Ferenc Nádadsy in nicht nach und steigert seine Stimme mit dem fortschreitenden Schrecken. Erzähler der Folge ist Hartmut Neugebauer, der als Janos ruhig, aber eindringlich ist. Weitere Sprecher sind Jörg Löw, Inken Sommer und Heinz Ostermann.

Die Musik tut ihr übriges, um das Hörspiel zu einem Erlebnis zu machen. Auch hier schreitet sie mit der Spannung mit und reicht von leise und sanft bis wuchtig und bedrohlich. Dabei wird die Stimmung der Szenerien perfekt eingefangen und ausgebaut.

Ein Lob gebührt an dieser Stelle auch Alice Kaiser, die für das Layout zuständig ist. Das sorgt nämlich dafür, dass alles äußerst stilvoll wirkt und die Illustrationen (die wieder sehr mysteriös ist und mit einem kräftigen Rot für farbliche Abwechslung sorgt) gut zur Geltung kommen. Sogar die CD an sich ist mit einem schönen Design ausgestattet.

Fazit: "Die Blutbaronin" gehört zu den besten Folgen des Gruselkabinetts und ist äußerst intensiv und atmosphärisch. Wunderbar!


Gruselkabinett - 13. Frankenstein -2-



Erster Eindruck: Die erste Begegnung und eine Forderung...

Nach dem Tod seines Bruders William schwört Victor Frankenstein Rache an seinem Mörder zu nehmen - und das ist das Geschöpf, das er selbst aus Leichenteilen erschaffen und zum Leben erweckt hat. Der Weg führt ihn in eine verschneite, unwirtliche Gegend, wo er schließlich sein Werk zutiefst verstört und einsam vorfindet. Und es stellt eine grausame Forderung...

Nachdem sich der erste Teil des "Frankenstein"-Romans vor allem mit Victor und seinem Wahn beschäftigt hat, beleuchtet die 13. Folge des "Gruselkabinetts" insbesondere das Geschöpf Frankensteins. Und dieses wird hier vollkommen anders dargestellt als in vielen Horrorfilmen: Nicht bösartig und blutgierig, sondern hochintelligent, aber von aller Welt verstoßen. Hier wird eine sehr dramatische Seite des Wesens gezeigt, welches bezeichnenderweise nicht Monster, sondern Geschöpf genannt wird. Leider ist auch dieser zweite Teil nicht gewohnt flüssig, sondern etwas spröde. So sind die Erzählungen des Geschöpfes zwar aufschlussreich und interessant, aber nicht wirklich gruselig und außerdem zu lang geraten. Auch die vorangegangene Suche Victor Frankensteins kann zwar vielleicht produktions- und sprechertechnisch überzeugen, aber nicht wirklich packen oder fesseln. Insgesamt ist es eher ein Drama als eine Gruselgeschichte, die mit der tollen Produktion noch einiges retten kann.

Auch hier gibt es in Sachen Sprecher nichts zu meckern. Absolut überzeugend, intensiv und emotional ist Klaus-Dieter Klebsch als das Geschöpf, der sich bei seinen langen Parts nicht aus der Ruhe bringen lässt und die ganze Gefühlswelt des Wesens widerspiegeln kann. Lucas Mertens, der schon in anderen Gruselkbinett-Folgen überzeugen konnte, ist auch hier als William Frankenstein sehr glaubhaft und eindrucksvoll. Mit Christian Rode ist ein weiterer bekannter Sprecher als Alphonse zu hören, der auch hier einen perfekten Leistung glänzt. Außerdem hören wir noch Nicola Devico Mamone, Jürgen Thormann und Heinz Ostermann.

In Sachen Atmosphäre ist Titania fast schon unschlagbar, und auch hier werden wieder angenehme Musikstücke in vernünftiger Lautstärke eingesetzt, die alles sehr dicht, sehr verwoben und passend wirken lassen. Somit werden auch die langen Passagen des Geschöpfes abwechslungreich unterlegt und werden zusammen mit der tollen Leistung von Klaus-Dieter Klebsch zum Hochgenuss.

Die erste Begegnung von Schöpfer und Meisterwerk im ewigen Eis wird auf dem Cover dargestellt, wobei lobenswerterweise das Geschöpf nur von hinten gezeigt wird, um jedem Hörer die Chance auf eine eigene Vorstellung zu ermöglichen. Besonders der Hintergrund mit dem verwaschenen Himmel und den zackigen, vereisten Felsen sagt mir sehr zu.

Fazit: Auch der zweite Teil ist etwas trocken, was allerdings eindeutig der Vorlage und nicht der genialen Produktion zuzuschreiben ist.


Gruselkabinett - 12. Frankenstein -1-



Erster Eindruck: Weltliteratur in stimmiger Umsetzung

Victor Frankenstein, der in Ingolstadt Medizin studiert, will die Grenzen der Wissenschaft sprengen und erntet für seine Versuche, Leben zu erwecken, harte Kritik. Als er ein totes Schwein wiederbelebt, wendet sich auch sein letzter Unterstützer von ihm ab. Doch Victor steigert sich immer mehr in seinen Wahn herein und baut aus Leichenteilen einen kompletten Menschen zusammen...

"Frankenstein" ist einer der berühmtesten Schauerromane überhaupt und für viele ein Inbegriff der Gruselunterhaltung. Klar, dass es sich Titania Medien nicht hat nehmen lassen, diesen Roman von Mary Shelley als Doppelfolge für sein Gruselkabinett umzusetzen. Sogar die einleitenden Worte der Autorin wurden ins Hörspiel übernommen, sodass wir einen gelungenen Start haben. Die Geschichte ist mir persönlich eine Spur zu trocken, obwohl Stephan Bosenius und Marc Gruppe ihr bestes getan haben, sie abwechslungsreich zu gestalten. Hervorstechend ist natürlich die Figur des Victor Frankenstein, dessen Bessenheit und Gewissenlosigkeit in sich steigernde Weise dargestellt werden. Der wirklich packende, besitzergreifende Grusel, der die anderen Folgen so sehr beherrschte, kommt hier erst gegen Ende auf. Vorher wird sich vielmehr mit der Psyche des Victor Frankenstein beschäftigt, um seine Sicht der Dinge auszuleuchten. Auch wenn es sehr lobenswert ist, sich dicht an die Originalvorlage zu halten, ist dieses Hörspiel leider etwas trocken und zu sachlich, aber immer noch perfekt produziert.

Keinerlei Kritik habe ich an den Sprechern, die allesamt sehr engagiert und professionell sind. Die Introszene als Mary Shelley spricht Monica Bielenstein, die in diesem kurzen Stück viel Atmosphäre aufkommen lässt. Als Victor Frankenstein ist Peter Flechtner zu hören, der sichtlich Gefallen an der anspruchsvollen Rolle findet und keinerlei Zweifel an der genialen Umsetzung offen lässt. Auch Rita Engelmann als seine Mutter spricht wie immer mit intensiver und einprägsamer Stimme. Weitere Rollen übernehmen Peetra Barthel, Melanie Pukaß und Hartmut Neugebauer.

Viele Worte müssen ob der genialen musikalischen Gestaltung wohl nicht mehr verloren werden. Die eingesetzten Stücke sorgen dafür, der Geschichte Spannung zu verleihen und sie etwas geschmeidiger wirken zu lassen. So werden die etwas langwierigen Stellen des Romans etwas ausgebessert und unterhaltsamer gestaltet.

Wunderbar ist wieder das Cover geworden, das uns die Erweckung des berühmten Geschöpfes zeigt, sogar das notwendige Gewitter ist im Hintergrund zu sehen. Fast organisch fügt sich die Illustration dieses mal in den typischen Rahmen ein, der an eine altertümliche Burg erinnert, da ähnliche Farben verwendet werden. Toll!

Fazit: Aus der trockenen Vorlage wurde alles herausgeholt, was es an Spannung und Grusel hergibt, insgesamt aber ein eher schwaches Hörspiel der Reihe.


Gruselkabinett - 11. Der Untergang des Hauses Usher



Erster Eindruck: Ein Meisterwerk des Schreckens

Auf die Bitte eines alten Schulfreundes kehrt Philipp Belfield zurück in den Wohnsitz der Familie. Doch bei seiner Ankunft ist der Butler Briggs überrascht und behauptet, Roderick Usher habe ihn nicht eingeladen. Auch seine Schwester Madeline erkennt ihn vorerst nicht, macht aber merkwürdige Anmerkungen über die gesamte Familie. Als Philipp seinen Jugendfreund dann wieder trifft, lässt sich der Untergang des Hauses Usher scheinbar nicht mehr aufhalten…

Als Meister des Schreckens gilt der Schriftsteller Edgar Allan Poe bei vielen, da überrascht es wenig, dass eine seiner Geschichten Einlass in das Gruselkabinett von Titania Medien gefunden hat. Als elfte Folge erschien Der Untergang des Hauses Usher und hat viele der vorangegangenen Folgen in den Schatten gestellt, und auch andere Produktionen der Geschichte können nicht wirklich mithalten. Die Erzählweise ist sehr stringent und hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf, sodass mit etwa 60 Minuten eine kürzere Folge der Serie erschienen ist, die dafür sehr dicht ist, keinerlei Lücken in der Spannung zulässt und dem Hörer kaum Zeit zum Atmen gibt. Ständig ist er genau wie Philipp Belfield im Zwiespalt darüber, wem er glauben schenken soll. Diese Ungewissheit ist dermaßen aufreibend, dass man alles andere um sich vergisst und sich völlig auf die Handlung einlassen kann. Hinzu kommen einige unglaublich gruselige Szenen, die wahrlich Gänsehauterreger sind. Wie viele Geschichten von Poe kommt auch diese völlig ohne übernatürliche Ereignisse aus, der Horror bezieht sich einzig auf den Menschen an sich, mit dessen Gefühlen meisterlich gespielt wird. Diese einzigartige und packende Umsetzung sollte definitiv jedem Hörspielfan bekannt sein.

Ebenfalls typisch für Edgar Allan Poe ist die Reduktion der handelnden Personen, sodass hier gerade einmal vier Sprecher benötigt werden. Der unverständlicherweise weitgehend unbekannte Oliver Feld hat dabei den größten Part als Philipp Belfield und füllt diesen nicht nur komplett aus, sondern meistert auch die eingestreuten Erzähltexte mühelos und mit eindringlicher Stimme. Als Roderick Usher ist Tobias Kluckert zu hören, der seine große Palette an Emotionen präsentieren darf und eine sehr intensive und beeindruckende Darbietung abliefert. Ebenso hoch zu loben ist Claudia Urbschat-Mingues als Madeline Usher. Sie ist liefert jede Menge gruseliger Momente und sorgt für eine spannende Grundstimmung. Das Quartett komplettiert Kaspar Eichel, der als Butler Briggs zwar nur wenig Text hat, diesen aber umso geschliffener und betonter spricht.

Auch wenn man es kaum glauben mag, auch bei der atmosphärischen Gestaltung ist dieses Hörspiel seinen genialen Vorgängern eine Naselang voraus. Besonders am Ende trumpft es noch einmal aus, und Titania Medien setzt viele Stilmittel ein, um den bestmöglichen Effekt zu erzielen. Besonders die Symbiose aus geflüstertem Text und schauriger Musik hinterlässt bei mir einen bleibenden Eindruck.

Sehr zurückhaltend ist dieses mal die Covergestaltung, was mir sehr zusagt. Keine Menschen, nur das Nebel verhangene alte Herrenhaus mit dem unheilvollen Raben im Vordergrund. Das passt nicht nur optimal zum Hörspiel und transportiert viel von dessen Grundstimmung, sondern lässt auch viel Spielraum für die Gedanken des Einzelnen.

Fazit: Ein ganz großes Meisterwerk der Hörspielkunst, feinsinnig arrangiert und voller widerstrebender Gefühle. Eine der besten wenn nicht sogar DIE beste Folge der Serie. Unbedingt anhören!


Grusekabinett - 10. Dr.Jekyll und Mr. Hyde



Erster Eindruck: Klassiker in genialer Hörspielumsetzung

Gabriel J. Utterson, ein angesehener Anwalt, ist in großer Sorge um seinen engen Freund Dr. Henry Jekyll, der einem gewissen Mr. Hyde nach seinem Tod als Alleinerbe einsetzen will. Als sich dieser Mr. Hyde dann als grausam und rüpelhaft erweist, will Gabriel seinen Freund zur Besinnung bringen. Doch da ahnt er noch nicht, wie eng die Schicksale von Jekyll und Hyde verbunden sind...

Zugegeben - wirklich überraschend dürfte die Auflösung der berühmten Novelle "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" für viele nicht sein, dazu ist die Geschichte zu bekannt. Daher überzeugt der 75-minüter eher mit seiner schaurig-schönen Umsetzung und natürlich auch mit der ganzen Geschichte, die es sich in jedem Fall zu kennen lohnt. Und sie ist fast schon psychologisch zu verstehen: Der angesehene Dr. Jekyll unterdrückt seine dunkelsten Bedürfnisse, seine tiefsten Verlangen soweit, dass sie irgendwann hervorbrechen und ihn ganz unter Kontrolle haben. Verpackt ist das aber in eine spannende und unterhaltsame Geschichte, die den Hörer in ihren Bann zieht und in das düstere Seelenleben von Jekyll/Hyde entführt. Eine sehr hörenswerte Umsetzung der berühmten Vorlage.

Claus Wilcke fungiert als Utterson nicht nur als Figur, sondern auch als Erzähler und schafft dabei die klare Abtrennung gekonnt, ohne die Emotion zu verlieren. Die schwierige (Doppel-)Rolle von Dr. Jekyll und Mr. Hyde meistert Joachim Tennstedt ganz hervorragend, indem er den beiden Charakteren einen ganz eigenen Klang verleiht. Richard Enfield, Jekylls Cousin, der das erste mal von Hyde berichtet, wird von Torsten Michaelis ebenso intensiv gesprocheen. Weitere Rollen übernehmen Hans-Werner Bussinger, Gisela Fritsch und Evelyn Maron.

"Atmosphärische Hörspiele" haben sich Stefan Bosenius und Marc Gruppe von Titania Medien auf die Fahnen geschrieben - ein Versprechen, welches auch hier eingehalten wird. Es ist immer wieder unglaublich, was für eine schaurige, gruselige Stimmung sie erzeugen können, die den Hörer in eine andere Welt zu versetzen vermag.

Das Cover zeigt uns den Zweispalt zwischen dem edlen, gutherzigen Jekyll und dem hinterhältigen, fast schon tierischen Hyde. Auch der Hintergrund mit der flackernden Laterne passt wunderbar ins London des späten19. Jahrhunderts. Wie immer vorbildlich ist die Trackauflistung hinter der CD.

Fazit: Robert Louis Stevensons Werk ist hier stilvoll, schaurig und einfühlsam umgesetzt wurden und kann den ganzen Schrecken der Vorlage transportieren.


Gruselkabinett - 9. Spuk in Hill House -2-



Erster Eindruck: Das Grauen geht weiter…

Nach der ersten Horrornacht im verfluchten Hill House, indem sich eine Gruppe Menschen um Dr. Montague übersinnlichen Phänomenen widmet. Die Nerven liegen bei vielen blank, besonders die feinfühlige Eleanor ist gereizt, weil sich der Spuk auf sie zu konzentrieren scheint. Und dann taucht unerwartet Montagues Frau mit einem Freund auf, um dem Experiment beizuwohnen…

Teil 2 des ersten Gruselkabinett-Mehrteilers Spuk in Hill House schöpft noch einmal aus dem Vollen. Die Charaktere sind gut bekannt, zeigen aber immer neue Seiten und Verwicklungen untereinander, sodass auch hier für Überraschungen gesorgt ist. Insbesondere die kesse Theodora ist unerwartet hart, während sich Eleanor immer weiter in ihrem Wunschtraum einer neuen Familie in Hill House verstrickt. Für Spannungen in der Gruppe sorgen die beiden Neuankömmlinge, die ein geschickter Zug sind, um der Geschichte einen kleinen Wendepunkt zu geben. Doch auch das Haus an sich gibt keine Ruhe und sorgt für viele gruselige Momente, die bis zu einer lebensgefährlichen Situation führen. Das Tempo scheint wesentlich höher als beim ersten Teil, und auch die Dichte an gruseligen Momenten ist höher. Gefallen hat mir wieder die Erzählweise, die aus verschiedenen Blickwinkeln die Geschichte sehr effektiv beleuchtet. Weiterhin faszinierend ist besonders die Gruppendynamik, die diese Folge sehr hörenswert macht.

Theodora, die gradlinige junge Frau, wird von Arianne Borbach gesprochen, die eine große Palette an Klängen bietet und somit sehr eng mit dem Charakter verwachsen scheint. David Nathan ist als Frauenschwarm Luke Sanderson dabei und meistert auch diese Rolle mit seinem ganz eigenen Charme. Als hochnäsige Gladys Montague ist Rita Engelmann mit einer ebenfalls hervorragenden Leistung zu hören. Weitere Rollen sprechen Matthias Deutelmoser, Janina Sachau und Dagmar von Kurmin.

Auch hier ist die atmosphärische Gestaltung ganz wunderbar gelungen. Mit einer vielseitigen Songauswahl und passenden, realistischen Geräuschen fällt es nicht schwer, in die Geschichte abzutauchen und sich von ihr fesseln zu lassen. Besonders auffällig ist, dass hier mit vielen leisen Geräuschen oder Flüstern eine sehr unheimliche Stimmung erzeugt wurde.

Fast identisch sind die beiden Cover zu der Folge, nur der Himmel über Hill House ist zu einem nächtlichen blau-violett geworden. Diese Idee ist natürlich gut, um die Zusammengehörigkeit der beiden Folgen darzustellen, trotzdem finde ich es wie bei den neuen Folgen schöner wenn jeder Teil seine eigene Illustration hätte.

Fazit: Noch besser und unheimlicher als der erste Teil überzeugt auch Spuk in Hill House vollkommen.


Gruselkabinett - 8. Spuk in Hill House -1-



Erster Eindruck: Das Haus des Schreckens…

Der Anthropologe Dr. Montague will das von Geistern heimgesucht Hill House untersuchen. Dazu hat er zwei übersinnlich begabte junge Frauen und ein Mitglied der Familie, der das Haus gehört, eingeladen, einige Tage dort zu verbringen und ihre Eindrücke mit den Heimsuchungen zu schildern. Was anfangs wie ein lustiger Ausflug anmutet, wird schon bald zu einem schrecklichen Abenteuer…

Mit Spuk in Hill House erschien mit Folge acht und neun der erste Zweiteiler der Gruselkabinett-Serie. Cineasten dürfte die Handlung aus den Filmen "Bis das Blut gefriert" und "Das Geisterschloß" bekannt sein, Titania Medien hat sich jedoch weitestgehend von den Verfilmungen gelöst und konzentriert sich stärker auf die Buchvorlage von Shirley Jackson. Hier steht wieder einmal nicht knallige, laute Effekthascherei im Vordergrund, sondern hintersinniger, leiser Grusel, der sich immer weiter steigert und sich auch mit der Psyche der Menschen befasst. So lernen wir besonders die empfindliche Eleanor Vance kennen, die in ihrer Jugend übersinnliche Fähigkeiten bewiesen hat. Interessant ist besonders die Entwicklung dieser jungen Dame, die über das gesamte Hörspiel immer deutlicher wird und ein weiterer Pluspunkt für das Hörspiel ist. Auch die Spannung steigert sich für den Hörer immer weiter, bis sie in einer unheimlichen Nacht ihren Höhepunkt findet. Hier wird vieles auf die kommende Folge vorbereitet, das das alles sehr unterhaltsam und spannend, sodass auch hier keine Sekunde Langeweile aufkommt.

Evelyn Maron hat als Eleanor Vance den wohl anspruchsvollsten Part, da sie voller widerstrebender Gefühle steckt. Sie meistert aber alles gekonnt und erstellt so ein genaues Charakterprofil der jungen Frau. Als Dr. Montague ist Christian Rode zu hören, der sowohl das wissenschaftliche Interesse als auch die Warmherzigkeit seiner Rolle überzeugend darstellt. In einer kleineren Nebenrolle, bei der man nicht so recht weiß ob man schmunzeln oder sich gruseln soll, ist Gisela Fritsch als merkwürdige Haushälterin Mrs. Dudley zu hören. Weitere Sprecher sind Heinz Ostermann, Charles Rettinghaus und Dagmar Altrichter.

Wieder haben es Stephan Bosenius und Marc Gruppe geschafft, mit einer feinsinnigen musikalischen Untermalung und geschickt platzierten, nicht zu übertriebenen Geräuschen eine wohlig-gruselige Atmosphäre zu schaffen, die so typisch für die Serie ist und für sich allein schon ein kleines Meisterwerk bildet.

Auf dem Cover sehen wir die vier abenteuerlichen Bewohner des Hauses, wobei jeder in seinem ganz eigenen Charakter gut dargestellt wird. Im Hintergrund ist das verfluchte Hill House zu sehen, das sich vor dem abendlichen Himmel abhebt. Wieder eine tolle Arbeit von Firuz Askin.

Fazit: Der erste Teil von Spuk in Hill House besticht durch die genaue Charakterisierung der Hauptfiguren und natürlich durch die wunderbare schaurige Stimmung. Ein Hochgenuss!


Gruselkabinett - 7. Die Totenbraut



Erster Eindruck: Verratene Liebe und schreckliche Rache

Aufregung auf Burg Globoda: Die Ankunft von Frederico di Marino ist ein großes Ereignis für die Bewohner. Er wirbt um die Tochter des Hauses, Comtesse Libussa. Doch warum behauptet er, die junge Dame auf einem Ball kennen gelernt zu haben, obwohl sie die Burg wegen einiger Schicksalsschläge lange nicht verlassen hat. Und warum kennt er Details, die er nur durch eine Begegnung wissen kann. Langsam breitet sich Schrecken aus, als die Hintergründe bekannt werden...

Die dritte Geistergeschichte in Folge präsentiert und das Titansche Gruselkabinett in Folge sieben. Doch für reichlich Abwechslung ist gesorgt, denn die drei Geschichten sind voneinander völlig unterschiedlich. "Die Totenbraut" ist ein Paradebeispiel für eine stetig steigende Spannungskurve, die nach einem kurzen Intro immer weiter nach oben zeigt. Doch nie haben sich Stephan Bosenius und Marc Gruppe dazu verleiten lassen, auf platte Action oder großes Getöse zurückzugreifen, alles bleibt eher subtil und äußerst stilvoll. Doch auch weitere Elemente machen dieses Hörspiel besonders: In die Handlung eingebettet ist eine weitere, kleine Geschichte, die jedoch in engen Zusammenhang mit den beschriebenen Ereignissen steht und diese stark beeinflusst. die Erzählweise ist hier sehr gekonnt und abwechslungsreich. Auch werden nicht alle Fragen endgültig geklärt, sodass für den Hörer viel Raum für die eigene Phantasie gelassen wird. Heraus kommt eine weitere sehr gute Folge des Gruselkabinetts voller gruseliger Szenen.

Selbstverständlich wurde auch auf die Sprecher wieder ein äußerst hoher Wert gelegt. Als Frederico di Marino hören wir Matthias Deutelmoser, der in Hörspielkreisen eher unbekannt ist und hier so unverbraucht klingt, zumal seine Leistung wirklich sehr gut ist. Friedhelm Ptok ist als Marchese di Mantua auch für kleinere Erzähltexte verantwortlich und ist mit seiner warmen Stimme und der intensiven Weise eine grandiose Wahl. Und auch Janina Sachau könnte nach dieser hervorragenden Leistung gerne öfter zu hören sein. Weiterhin wurden Dagmar von Kurmin, Rita Engelmann und Christian Rode eingesetzt.

Auch wenn man es von den übrigen Folgen schon gewohnt ist, bin ich immer wieder überrascht von der extrem dichten und intensiven Atmosphäre, die für das Hörspiel geschaffen wird. Auch hier kommt es nicht so sehr auf die bombastischen Effekte an, sondern auf leise Hintergrundmelodien und geschickt platzierte Geräusche, die alles sehr lebendig wirken lassen.

In drei Ebenen ist das Cover aufgeteilt: Die Burg im Hintergrund, dann die alles dominierende Totenbraut und das verliebte Paar im Vordergrund. Alles an sich ist wieder sehr gelungen, in Einklang gebracht werden sie aber erst beim Genuss des Hörspiels. Wieder gefällt mir die Gestaltung mit den Säulen und Bögen ausgesprochen gut.

Fazit: Wie nicht anders gewohnt ist auch die siebte Folge des Gruselkabinetts anspruchsvoll und schaurig, sodass sie bedenkenlos gehört werden kann - starke Nerven vorausgesetzt.


Gruselkabinett - 6. Das verfluchte Haus



Erster Eindruck: Schreckensnächte in alten Gemäuern

Daniel Douglas hat einen ungewöhnlichen Traum: Einmal möchte er in einem Spukhaus schlafen, um den angeblichen Schrecken selbst mitzuerleben. Tatsächlich findet er gemeinsam mit seinem Freund William Jacob ein passendes Objekt und zieht gleich zusammen mit seinem Butler Edward ein. Doch in der Nacht kommt er einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur...

Viele Lorbeeren werden Titania Medien für die erfolgreiche Reihe "Gruselkabinett" zugeworfen, was auch für die sechste Folge "Das verfluchte Haus" absolut gerechtfertigt ist. Zwar ist die Grundidee der Geschichte schon gut bekannt: Die Nacht in einem Spukhaus zu verbringen und dort viel Schrecken zu erleben wurde bereits des Öfteren aufgegriffen und variiert. Dennoch wurde hier mit einigen neuen Elementen und natürlich der genialen, sehr atmosphärischen Produktionsweise etwas sehr Ansprechendes geschaffen. Denn hinter den Spukereien steckt ein schreckliches Schicksal aus der Vergangenheit, welches hier von unserem Helden Daniel Douglas aufgedeckt wird, woraus eine spannende Gruselgeschichte mit Ermittlerelementen ergibt. Auch die Darstellung der Charaktere ist recht plastisch und anschaulich, zusammen mit den vielen kleinen und großen Schockmomenten ergibt das eine gelungene Mischung, die zwar nicht zu den Highlight der Serie gehören, dafür aber Gruselfans einen weiteren perfekt produzierten Leckerbissen offeriert.

Keinerlei Zweifel gibt es an der Qualität der Sprecher, die wieder in Hochform scheinen. Patrick Winczewski ist endlich einmal in einer Hauptrolle zu hören, und dass er dieses vollkommen beherrscht zeigt sich in seiner feinsinnigen und intensiven Sprechweise des Daniel Douglas. Ebenfalls eher unbekannt ist Lothar Didjurgis als Butler Edward, der jedoch ebenso überzeugend ist und die Rolle gekonnt meistert. Und auch Claus Wilcke ist fraglos als William Jacob eine hervorragende Wahl und beweist einmal mehr sein schauspielerisches Talent. Weitere Sprecher sind Dagmar Altrichter, Regina Lemnitz und der junge Lucas Metens, der seine tolle Leistung aus dem letzten Teil fortführen kann.

Wahrlich gruselig und schaurig wird diese Folge durch den gekonnten Einsatz von stimmungsvoller Musik und realistischen Effekten. Dadurch werden besonders die Geistermomente gekonnt inszeniert und mit vielen kleinen akkustischen Details ausgeschmückt, wie es kaum ein anderer versteht. Eine tadellose Leistung!

Genial ist auch das Cover, welches und das alte Gemäuer zeigt, dass von dem Geist heimgesucht wird und schon auf den ersten Blick viel von der Atmosphäre zeigt. Die restliche Aufmachung ist zwar recht schlicht, ein paar Akzente machen aber auch diese zu einem Augenschmaus. Hinter der CD befindet sich dankenswerterweise wieder eine Kapitalauflistung.

Fazit: Eine tolles Hörspiel voller schaurig-schöner Momente. Zwar nicht sonderlich innovativ ,aber perfekt umgesetzt und ein hoher Genuss.


Gruselkabinett - 5. Die Unschuldsengel



Erster Eindruck: Zwei Engelchen und zwei Störenfriede

Nach dem Tod der früheren Gouvernante sucht ein erfolgreicher Geschäftsmann nach einer neuen Erzieherin für seinen Neffen und seine Nichte. Das Angebot ist verlockend und die Kinder entzückend, doch die junge Dame merkt schnell, dass etwas im Argen liegt. Dann erfährt sie von dem verstorbenen Hausverwalter, der schlechten Einfluss auf die beiden Kinder hatte. Doch übt er diesen auch noch nach seinem Tod aus?

Auch Nummer fünf der "Gruselkabinett"-Reihe kann mich vollkommen überzeugen. Denn wie in den vorigen vier Folgen wird hier nicht auf knallige Effekte oder eine actiongeladene Sory gesetzt, vielmehr steht ein leiser, fast schon subtiler Grusel im Vordergrund, der einen in Sicherheit wiegt, um im richtigen Moment ins Gegenteil zu schlagen und den Hörer in Schrecken zu versetzen weiß. Einen besonderen Reiz üben hier Miles und Flora aus, bei denen man nie weiß, was sie denken und wie sehr sie von den Geistern der beiden früheren Hausangestellten beeinflusst werden. Doch auch die junge Gouvernante ist eine interessante Figur, da sie scheinbar nur ein Spielball ihrer beiden Zöglinge ist und man sich fragt, ob sie überhaupt anders handeln könnte und dem Treiben der Geister entgegenwirken kann. Es steckt also viel in diesem Hörspiel, dass vom geneigten Hörer erkundet werden kann, lässt er sich darauf ein, nicht allzu sehr auf eine Story fixiert zu sein, sondern den Moment auf sich wirken zu lassen und den steigenden Schrecken der namenlosen Miss mitzuempfinden. Dann steht einem ungetrübten Hörgenuss wirklich gar nichts mehr im Wege

Mit gerade einmal sieben Sprecher kommt dieses Hörspiel aus, die allesamt eine sehr gute Wahl sind. Im Vordergrund steht natürlich Rira Engelmann als Gouvernante, die auch immer wieder Erzähltexte hat. Heraus kommt dabei eine sehr differenzierte und gefühlsbetonte Leistung, die dem Hörspiel Glaubwürdigkeit verleiht. Auch die beiden Kinder Miles und Flora werden von Lucas und Charlotte Mertens sehr facettenreich und dynamisch gesprochen. Ein kleines Highlight ist die phänomenale Regina Lemnitz als Haushälterin Mrs. Grose, die mit ihrer außergewöhnlichen Stimme heraussticht und natürlich auch wieder eine tadellose Arbeit macht. Arianne Borbach, David Nathan und Patrick Winczewski kommen tendenziell zwar seltener vor, sind aber genauso überzeugend wie alle anderen.

In Sachen lautmalerischer Gestaltung hat Titania Medien die Nase einfach ganz weit vorn, was sich auch bei dieser Produktion nicht leugnen lässt. Die Arrangements sind fein mit der Geschichte verzahnt, können sich im Hintergrund halten oder auch mal vordergründig spielen, wobei sie immer das Ziel verfolgen, zusätzliche Spannung aufzubauen und alles rund wirken zu lassen. Besonders das dramatische Ende hat mich musikalisch vollkommen überzeugt.

Viele Elemente wurden auf dem Cover untergebracht. Das alte Herrenhaus im Hintergrund, der wunderschöne dazugehörige Park, die beiden Kinder und die Gouvernante geben auch insgesamt ein stimmiges und harmonisches Bild ab. Doch der dämonische Peter Quint stört diese Idylle nicht nur im Hörspiel, sondern wirkt auch auf dem Cver etwas deplatziert.

Fazit: "Die Unschuldsengel" ist eine meiner Lieblingsfolgen aus dem Gruselkabinett und landet immer wieder gern im CD-Player, was besonders auf die dichte Atmosphäre und die genialen Sprecher zurückzuführen ist.


Gruselkabinett - 4. Das Phantom der Oper



Erster Eindruck: Die Pariser Oper in Aufruhr

Ein Phantom treibt in der Pariser Oper sein Unwesen, ist jedoch friedlich wenn man ihm seine Wünsche erfüllt. Doch die beiden neuen Direktoren widersetzen sich ihm und merken schnell, dass dies ein Fehler ist. Auch die junge Sängerin Christine lernt das Phantom unter dem Namen "Engel der Musik" kennen und wird von ihm gefördert, doch als sie sich einem anderen Mann zuwendet, erzürnt der Unbekannte...

Mit "Das Phantom der Oper" hat sich Titania Medien als vierte Folge seiner Serie Gruselkabinett das weltbekannte Werk von Gaston Leroux vorgenommen und beweist damit, dass der Roman auch ohne Musicalelemente überzeugen kann. Dem Namen der Serie wird alle Ehre gemacht, denn die Figur des Phantoms wird sehr schaurig dargestellt, die Gefahr die von ihm ausgeht immer greifbarer. Diese Atmosphäre am Anfang des Hörspiels ist typisch für die Serie, bemerkenswert ist, dass das Phantom hier nie wirklich in Erscheinung tritt, was es noch einmal mysteriöser macht. Dann schlägt die Geschichte um, und die junge Sängerin Christine wird von dem Phantom in sein unterirdisches Reich entführt. Hier entwickelt sich ein Drama voller Eifersucht und Begierde, das ebenfalls seinen Reiz hat, mit der dräuenden Spannung vom ersten Teil des Hörspiels aber nicht ganz mithalten kann. Trotzdem ist auch die vierte Gruselkabinett-Folge gut gelungen und überzeugt wie immer mit seine Gänsehaut-Atmosphäre.

Nicht anders gewohnt vom Leverkusener Label sind wir eine hervorragende Sprecherauswahl. Als Christine Daaé ist Marie Bierstedt zu hören, die wie immer bezaubernd ist und eine sehr intensive Darbietung abliefert. Fast wirkt es, als wäre das unheilvolle Phanom nicht von dieser Welt wäre, was vor allem an Torsten Michaelis mit seiner unnachahmlichen Art liegt. Sehr gut gefallen hat mir auch Ursula Heyer als divenhafte La Carlotta, die die aufbrausende Frau sehr abwechslungsreich darstellt. Weitere der vielen Sprecher sind Herbert Schäfe, Enelyn Maron und Charles Rettinghaus.

Wie immer gelungen ist die musikalische Umsetzung der Story, die atmosphärisch sehr dicht ist und die Szenen optimal stützt. Insbesondere das Phantom wird sehr intensiv und gruselig unterlegt, was mit Torsten Michaelis eine wunderbar Symbiose eingeht. Ich hätte mir lediglich gewünscht, etwas mehr Opernmusik zu hören, um die Stimmung in dem traditionsreichen Pariser Haus noch besser dargestellt zu bekommen.

Auch diese CD gibt es noch in einer früheren Auflage, bei der das Cover nicht wirklich überzeugen konnte. Nun ist das anders, denn neben dem Phantom und Christine bekommen wir direkt noch einen Eindruck des Opernhauses mit seinen unterirdischen Gängen und der prachtvollen Bühne. Für die stimmungsvolle Zeichnung ist wie immer Firuz Askin zuständig.

Fazit: Folge vier ist nicht ganz so stark wie der geniale Vorgänger, dennoch können die 78 Minuten aufgrund der tollen Atmosphäre überzeugen.


Gruselkabinett - 3. Die Familie des Vampirs



Erster Eindruck: Unheilvolle Horrornächte

Serge d'Urfé, ein Reisender durch das winterliche Serbien, findet Unterschlupf bei einer Familie, die in einer einsamen Hütte wohnt. Ihr Vater ist aufgebrochen, um einen grausamen und besonders hinterhältigen Vampir, zu töten. Doch erst nach einer Frist, die er der Familie für seine Rückkehr gesetzt hat, kehrt er zum Haus zurück. Ist er tatsächlich zu einem Vampir geworden?

Um es vorweg zu nehmen: Mit "Die Familie des Vampirs" ist Titania Medien ein absolutes Glanzstück gelungen! Neben der fantastischen Umsetzung und den ebenso fantastischen Sprechern kann hier die Story vollkommen überzeugen. Schon zu Anfang, als Serge bei der Familie ankommt, ist einiges im Argen, und dieses Gefühl, dass jeden Moment etwas Schreckliches passieren kann, hält den Zuhörer die ganze Laufzeit von über einer Stunde in seinem Bann. Früher Höhepunkt ist die Ankunft des Vaters nach seiner gefährlichen Reise und die Frage, ob er mittlerweile zu einem Vampir geworden ist oder nicht. Doch auch hier wird im Laufe der Folge immer noch etwas zugelegt, indem er sich nach und nach an den Familienmitgliedern zu schaffen macht. Auch der zweite Teil des Hörspiels, nachdem Serge von einer Reise zu der Familie zurückkehrt, ist an vortrefflicher Spannung kaum zu überbieten. Ein frühes Highlight des Gruselkabinetts, das auch heute noch zu den absoluten Höhepunkten der Serie gehört und keinem Grusel-Fan unbekannt sein sollte.

Einfach fantastisch ist die Sprecherauswahl, die sich mit Namen wie Peer Augustinski, Dagmar von Kurmin und Daniela Hoffmann schmücken darf. Als Serge d'Urfé hören wir David Nathan, der sich hier vollends in die Geschichte hineinversetzt und so eine hochgradig überzeugende Darstellung abliefert. Als Vampirvater Gortscha ist Jörg Löw besetzt, der mit seiner eindringlichen Stimme viel zur gruseligen Stimmung beiträgt und die absolut erste Wahl für diese Rolle darstellt. Arianne Borbach spricht Zdenka, in die Serge sich verliebt, mit ebensolchen Enthusiasmus und Professionalität.

Zum Gelingen trägt auch die phänomenale akkustische Umsetzung bei, die fest an die Geschichte gebunden ist und sie so optimal zur Geltung bringt. Das gilt sowohl für die Geräusche, die alles viel intensiver und glaubhafter wirken lässt, als auch für die Musik, die fest an die Story gebunden ist und so Nuancen herausarbeitet, die sonst verborgen geblieben wären.

Schon das Cover vermittelt einen ersten Eindruck von der Geschichte. Ein einsamer Reiter auf dem Weg in ein Dorf, darüber thronen die beiden unheilvollen Vampire. Mit der bläulichen Farbwahl absolut gelungen. Auch die restliche Gestaltung ist wunderschön, und hinter der CD findet sich noch eine Auflistung der Tracks.

Fazit: "Die Familie des Vampirs" gehört zu den besten Folgen der Serie und ist auch in der restlichen Hörspiellandschaft ein absolutes Highlight, das keinem fehlen sollte.


Gruselkabinett - 2. Das Amulett der Mumie



Erster Eindruck: Eine alte Mumie und ihre Macht...

In London des frühen 20. Jahrhunderts forscht der Archäologe Abel Trelawny an der Mumie einer ägyptischen Göttin. Doch eines nachts fällt er in ein Koma, aus dem er nicht erwacht. Seine Tochter Margaret macht sich die größten Sorgen und holt einen Arzt ins Haus. Was bedeuten die Kratzspuren an Abel Trelewnys Körper?

Nach einer gelungenen Vorstellung der Serie "Gruselkabinett" mit einer Vampirgeschichte, legten Stephan Bosenius und Marc Gruppe "Das Amulett der Mumie" des Grusel-Altmeisters Bram Stoker nach. Die mysteriöse Mumie der Pharaonin Tera wird von Abel Trelawny, dem Entdecker ihres Grabes, untersucht und hat dabei weit mehr Einfluss als es zunächst den Anschein hat. Immer weiter werden die Protagonisten in einen Strudel aus schrecklichen und geheimnisvollen Ereignissen gesogen, der auch den Hörer erfasst und in die mysteriöse Geschichte hereinzieht. Wieder sind es nicht Actionreiche Szenen, die begeistern, sondern der ruhige Grusel, die leise Spannung, die sich im Laufe der Geschichte immer mehr steigert und in einem Atemberaubenden Finale endet, das größere Zusammenhänge offenbart, als man vermutet hätte. Das macht "Das Amulett der Mumie" zu einem phänomenalen Hörspiel, das begeistern kann und immer wieder gerne gehört wird.

Margaret wird von Janina Sachau gesprochen, die bis dato recht unbekannt war. Völlig zu Unrecht, wie sie hier mit ihrer glänzenden Leistung beweist. Christian Rode hingegen spricht ihren Vater Abel und stellt dabei besonders seine Besessenheit für Tera gut dar. Äußerst gelungenen ist auch der Bericht von Teras Grabentdeckung, die von Jörg Löw sehr dynamisch als Dr. Corbeck berichtet wird. Weitere Rollen sind Herbert Schäfer, Dagmar von Kurmin und Regina Lemnitz.

Die Musik ist auf einem qualitativ hochwertigen Niveau und überzeugt mit dem typischen Titania Medien-Sound. Die dichte atmosphärische Gestaltung, die hier vor dem Hörer genüsslich ausgebreitet wird, ist nahezu perfekt in ihrer Anpassung an die Geschichte und kann so den Hörer in ihrem wirken stark beeinflussen. Hervorragend!

Das Cover stammt - wie alle der Serie - von Firuz Askin, der wieder eine Detailreiche und vielseitige Collage aus verschiedenen Motiven geschaffen hat. Viele ägyptische Themen werden aufgegriffen, was wirklich wunderschön anzusehen ist, aber nicht 100%ig zu der Folge passt. Auch hier ist wieder die Einrahmung in steinerne Säulen gelungen.

Fazit: "Das Amulett" der Mumie ist ebenso stark wie sein Vorgänger, allerdings sollte man Interesse an ägyptischen Themen haben, um sich vollends überzeugen lassen zu können.


Gruselkabinett - 1. Carmilla, der Vampir



Erster Eindruck: Toller Auftakt einer tollen Serie

Die Bewohner eines alten Schlosses bekommen unerwarteten Besuch: Nach einem Unfall mit der Kutsche nehmen sie die junge Carmilla für einige Zeit bei sich auf. Auch wenn einige Sachen an der blassen Schönheit merkwürdig erscheinen, fühlt sich besonders die gleichaltrige Laura sehr zu Carmilla hingezogen. Kurz darauf scheint sich im nah gelegenen Dorf eine Epidemie auszubreiten...

Im Jahr 2004 erblickte eine Hörspielserie die Welt, die noch heute neue Maßstäbe in Sachen Qualität legt. "Gruselkabinett" des Labels Titania Medien besticht durch seine wunderbar atmosphärische Gestaltung und die absoluten Highlights der Schauerromantik. Den Anfang macht "Carmilla, der Vampir" von J.S. LeFanu, eine Geschichte über ein junges Mädchen, das in Faszination zu einem Vampir verfällt. Hier wird der Richtungsweisende Grundstein für die gesamte Serie gelegt, indem viel wert auf eine gruselige Atmosphäre und stimmungsvolle Momente gelegt wird. Statt den Hörer mit Actionszenen zu bombardieren geht hier alles ruhiger zu, die Schrecken steigert sich immer mehr, bis die Protagonisten in einer scheinbar hoffnungslosen Situation verfangen sind. Ein grandioser Auftakt ist jedenfalls absolut gelungen, und wenn ich nicht schon wüsste, welch spektakuläre Folgen noch erscheinen sollten, hätte ich dies schon als Top-Highlight ausgepriesen.

Als unheilvoller Vampir Carmilla ist Daniela Hoffmann zu hören, die bereits vielen als Synchronsprecherin bekannt war. Auch hier macht sie ihre Sache hervorragend und bleibt trotz ihrer bekannten Stimme als Carmilla präsent. Laura wird von Manja Doering gesprochen, die ihre Rolle ebenso eindrucksvoll intoniert. Als ihr Vater ist Christian Rode zu hören, der einen tollen Gegenpart zu den beiden Damen bildet. Weitere Rollen werden unter anderem mit Regina Lemitz, David Nathan und Heinz Ostermann besetzt.

Die musikalische Untermalung ist auf absolut hohem Niveau. Die Musik schmiegt sich eng an die Geschichte, hebt die Sprecher vor statt sich über sie zu legen und erschafft wunderbar vielfältige Klangwelten, die dem Hörer in wohligen Gruseln versetzen. Hier zeigt sich, dass Titania von Anfang an ein Gespür für tolle Inszenierungen hatte.

Die CD gibt es mittlerweile in zwei Auflagen, die Cover wurden gründlich überarbeitet und erstrahlen nach dem zweifelhaften Schwarz in neuem Glanz und mit aufwändigen Illustrationen. Auch die restliche Aufmachung wurde an die grauen Steinsäulen angepasst und mit Grün als Kontrast abgesetzt. So passt nun auch das äußere Erscheinungsbild.

Fazit: Schon die erste Folge der Gruselkabinett-Reihe ist eine lohnenswerte Anschaffung für alle Freunde des gepflegten Gruselns