Papa, Kevin hat gesagt... - Staffel 2



Erster Eindruck: Dialoge zwischen Vater und Tochter

Greta ist ein ziemlich aufgewecktes Kind und schnappt vieles auf – besonders von ihrem Klassenkameraden Kevin. Der erzählt immer wieder, was sein Vater so alles behauptet. Und wenn Greta dazu noch Fragen hat, geht sie zu ihrem Vater, der von Kevins Erziehung nicht allzu viel hält – schließlich muss Greta lernen, wie man ein vernünftiger und verständiger Mensch wird...

Bastian Pasetwka ist ein wahres Multitalent, nicht nur vor und hinter der Kamera, sondern auch vor und hinter dem Mikrofon. Das beweist er auch in der wundervollen Radioreihe „Papa, Kevin hat gesagt...“ deren zweite Staffel nun beim Audio Verlag erschienen ist. Das Konzept hat sich nicht geändert, wieder sind es jeweils kleine Gespräche von einigen Minuten um ein bestimmten Thema. Und stets wird mit dem gleichen Worten begonnen: „Papa?“ „Ja?“ „Kevin hat gesagt, sein Vater hat gesagt...“. Die meist ziemlich flachen oder populistischen Behauptungen werden von Bastian Pastewka empört aufgenommen und erst einmal pauschal widersprochen. Daraus entwickelt sich ein Dialog, in dem Greta immer weitere Fragen hat, mehr über das Thema wissen will. Toll ist immer wieder, wie sich der Vater in Widersprüche verstrickt, ausgetrickst wird oder am Ende eben doch der Aussage von Kevins Vater zustimmen muss. Das ist nicht nur sehr witzig, sondern greift auch viele aktuelle gesellschaftliche Themen auf, regt zum Überdenken seiner eigenen Position an. Besonders das Thema „Kopftuch“ wird sehr gekonnt behandelt und in den wenigen Momenten aus überraschend vielen Perspektiven behandelt. Doch auch das Sexualleben der Grundschullehrerin, das Mithelfen im Haushalt oder Anglizismen werden gekonnt angesprochen. Eine sehr hörenswerte Staffel, besonders wenn man die einzelnen Episoden nicht am Stück, sondern mit etwas Abstand immer mal wieder zwischendurch hört.

Bastian Pastewka versteht sein Handwerk bestens und schafft es, selbst in das anfängliche „Ja“ ganz unterschiedliche Abstufungen einzubauen. Und auch im weiteren Verlauf der Dialoge ist er mal genervt, mal aufgeregt, mal amüsiert, was er jedesmal sehr treffend und lebendig darstellt. Die Selbstironie, die dabei entsteht, muss ihm erst einmal jemand nachmachen. Toll, wie ihm Mia Carla Oehring als Greta zur Seite steht, mit ihrer vorlauten Art aus dem Konzept bringt und damit einen würdigen Gegenpart zu Pastwekas dominanter Art bildet.

An Musik ist lediglich vor jeder Episode ein kleines Intro zu hören, aber auch Geräusche sind nur sehr wenige im Einsatz. Da gibt es mal ein Tastenklappern, ein sich wiederholendes Geräusch des Computers oder das Klappern von Geschirr – mehr braucht es auch nicht, um die Szenerie zwischen den beiden Protagonisten zu untermalen, die so für sich allein stehen können.

Die CD ist in einem hübschen Digipack untergebracht, das dieses mal in einem kräftigen Grün gehalten ist. Darauf abgebildet ist eine Karikatur der beiden Protagonisten, wobei das verdutzte Gesicht von Pastewka besonders gut in Szene gesetzt wurde. Im Inneren gibt es noch ein Foto von den Sprachaufnahmen, auf dem die beiden Sprecher sehr sympathisch abgebildet sind.

Fazit: „Papa, Kevin hat gesagt...“ ist auch in der zweiten Staffel äußerst unterhaltsam. Zwar ist das schlichte Grundkonzept nicht verändert worden, doch die Dialoge machen nicht nur richtig viel Spaß, sondern regen auch zum Überdenken der eigenen Haltung an. Politisches, gesellschaftliches und privates lassen die Argumentation des Vaters gegenüber der naseweisen Greta immer wieder spaßig an seine Grenzen stoßen.

VÖ: 9. März 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0406-0