Die Original-Hörspiele – Hänsel und Gretel und weitere Märchen



Erster Eindruck: Märchenklassiker und nostalgischer Umsetzung

Zwei Geschwister verirren sich in einem großen Wald und stoßen in ihrer Not auf ein Haus, in dem eine Hexe wohnt. Zwei andere Geschwister pflegen während des Winters einen Bären und freunden sich mit ihm an. Ein Lehrling tauscht den Lohn seiner Arbeit immer wieder ein. Ein Wolf mit unstillbaren Hunger ist hinter kleinen Huftieren her. Und ein Müller nimmt den Mund etwas voll und verspricht dem König wahre Wundertaten seiner Tochter...

Märchen gehören seit jeder zu den Stoffen, die als Hörspiel umgesetzt wurden, gerade aus den Anfängen des Mediums gab es zahlreiche Produktionen dieses Genres. Der Audio Verlag hat nun tief in den Archiven einige dieser Hörspiele gefunden und in einer kleinen Serie auf CD veröffentlicht. Gleich fünf Märchen sind auf dieser CD vorhanden, allzu lang sind diese bei einer Laufzeit von insgesamt etwa einer Stunde natürlich nicht. So sind einige Szenen dann auch dem Rotstift anheim gefallen, so ist beispielsweise das Aussetzen von Hänsel und Gretel einem einfachen Verlaufen im Wald gewichen – also keine verstreuten Kieselsteine, keine aufgepickten Brotkrumen. Wer damit umgehen kann, findet stimmungsvolle und flott erzählte Märchen vor, bei denen die Erzähltexte für eine deutliche Beschleunigung sorgen und viele Erklärungen gut zusammenfassen. Die Machart hat mir wegen des großen Nostalgie-Faktors gut gefallen, wobei mit wenigen Mitteln und passender Musik viel erreicht wurde. Lediglich bei der Stimme des Rumpelstilzchen hat man es mit dem Verzerreffekt deutlich übertrieben, sodass diese Geschichte insgesamt recht nervig wirkt und zudem ziemlich plötzlich endet.

Die Sprecher gestalten ihre Figuren sehr lebendig und hinterlassen einen insgesamt sehr positiven Eindruck. So ist die Hexe bei „Hänsel und Gretel“ mit Eva Fiebigs sehr harter und markanter Stimme immer sehr präsent und hat für Kinder zudem genau den richtigen Gruselfaktor. Winfried STeinhoff ist bei „Hans im Glück“ in der Hauptrolle zu hören, die er mit der notwendigen Portion Unbedarftheit ausstattet und besonders die letzte Szene gekonnt umsetzt. Inge Meysel spricht die Mutter in „Der Wolf und die sieben Geißlein“ mit einer sehr warmhezigen Stimme, die sie eingängig einsetzt und so eine lebendige Figur schafft. Weitere Sprecher sind Karin Jesper, Dorit Fischer und in allen fünf Geschichten Eduard Marks als Erzähler.

Musik ist hier gerade im Vergleich zu anderen Produktionen aus den frühen 60er Jahren recht viel im Einsatz, sodass die Geschichten einen atmosphärischen Anklang bekommen. Geräusche sind dabei eher weniger im Einsatz, lassen in einigen Szenen das Geschehene aber lebendiger wirken. Während mir – wie oben schon erwähnt, die verzerrte Stimme des Rumpelstilzchen etwas zu viel ist, ist das beim Zwerg bei „Schneeweißchen und Rosenrot“ besser gelungen.

Das Cover zeigt eine sehr nostalgische Zeichnung von Hänsel und Gretel auf weißem Untergrund, die beiden wirken, gemeinsam mit dem großen, pastellblauen Balken mit dem Titel und dem schlichten Schriftzug der Serie wirkt das sehr stimmig. In dem stabilen Digipack sind im Inneren noch alle die meisten Sprecher mit ihren Rollen aufgelistet.

Fazit: Fünf Geschichten der Gebrüder Grimm, die viel nostalgischen Charme ausstrahlen und mit der Einfachheit ihrer Mittel überzeugen. Auch wenn mir „Rumpelstilzchen“ wegen der allzu nervigen Stimme und dem abrupten Ende nicht sonderlich gut gefallen hat, ist der Rest dieser kleinen Sammlung doch sehr hörenswert.

VÖ: 9. Februar 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0386-5