H.G. Wells - Die Zeitmaschine – Teil 1



Erster Eindruck: Wells' Klassiker in moderner Umsetzung

Bei seinen Studenten ist der Professor Jack wegen seiner unkonventionellen Lehrmethode sehr beliebt, doch die Leistung der Universität ist wegen seiner hohen Geldausgaben für sein neues Forschungsprojekt irritiert und vermutet, dass er sich heimlich bereichert. Sein guter Freund Cabbs redet eindringlich auf ihn ein, wenigstens einige Ergebnisse zu veröffentlichen, doch er ahnt nicht, was hinter seinem Projekt steckt...

Nachdem in diesem Jahr die Lizenzen für die Geschichten von H.G. Wells frei geworden sind, sprießen die Hörspiele nach dem Science Fiction-Autor nur so aus dem Boden. Eine äußerst interessante dürfte dabei eine ganze Reihe sein, die Hörspiel-Großmeister Oliver Döring umsetzt. Zum Start hat er den Klassiker „Die Zeitmaschine“ als Zweiteiler umgesetzt. Und so viel sei zu Anfang verraten: Es ist kein typischer Döring geworden, die Geschichte ist nicht so komplex wie seine eigenen Geschichten, und auch die akustische Umsetzung ist etwas zurückhaltender und enthält nicht die von ihm bekannten Schockeffekte. Und genau das stellt sich als äußerst guter Weg für diese Geschichte heraus. Der Anfang ist recht ruhig und wird zudem ausführlich beschrieben, hier wird viel Stimmung aufgegriffen – auch wenn es zunächst gar nicht um das Phänomen der Zeitreisen geht. Nur langsam wird der Hörer gemeinsam mit Cabbs an dieses Thema herangeführt, was mit einer physikalischen Erklärung spannend aufbereitet wurde. Richtig los geht es erst nach etwa zwei Dritteln dieser ersten Episode, wenn Jack seine Zeitreise wagt. Und auch hier wird sehr ausführlich erzählt, sodass Wells' schreckliche Vision von der Entwicklung der Menschheit sehr intensiv zur Geltung kommt. Und erst am Ende kommt Jack bei der eigentlichen Kernhandlung von „Die Zeitmaschine“ an, die hier nur angerissen wird. Das ist alles sehr packend erzählt und mit vielen reizvollen Elementen gespickt, die Handlung kommt sehr gelungen zur Geltung und hat mich – obwohl ich die Geschichte bereits kannte – komplett gefesselt.

Der großartige Hans-Georg Panczak ist in der Hauptrolle des Jack bestens aufgehoben, er wählt eine sehr dynamische Sprechweise, die alle Szenen lebendig umsetzt und den Charakter sehr intensiv wirken lässt. Bernd Rumpf ist als Cabbs ebenso gut ausgewählt, das Drängen in seiner Stimme ist ebenso authentisch wie die Verblüffung und alle anderen Emotionen von Jacks Freund. In einem kurzen, aber prägnanten Auftritt ist Susanna Bonasewicz als Haushälterin Mrs. Watchett zu hören, den sie mit viel Energie und Nachdruck umsetzt. Weitere Sprecher sind Udo Schenk, Olive Stritzel und Reinhard Kuhnert.

Wie bereist oben erwähnt zeigt Oliver Döring hier, dass er auch die etwas leiseren Töne beherrscht und legt den Fokus hier voll auf die Sprecher und die Entwicklung der Handlung, als knallige Effekte einzubauen. Nichtsdestotrotz ist eine sehr dichte atmosphärische Gestaltung entstanden, die auf vielen stimmungsvollen Melodien beruht und durch zahlreiche passende Geräusche ergänzt wird, die besonders bei den Zeitreisen ihre volle Wirkung entfalten.

Das Cover wirkt ziemlich futuristisch und ist mit seinen kühlen Grautönen modern gestaltet. Zu sehen ist ein Mann mit dem Rücken zum Betrachter, der vor einer riesigen Uhr mit verschiedenen, technischen Symbolen steht. Das Innere ist ansprechend, wenn auch schlicht gestaltet, leider sind hier nur die sechs Hauptsprecher ihren Rollen zugeordnet.

Fazit: Die Geschichte von H.G. Wells wird hier sehr ausführlich dargestellt, was aber sehr stimmungsvoll und unterhaltsam geraten ist. Die Atmosphäre verdichtet sich mit den ersten Zeitreisen noch einmal deutlich, der Schnelldurchlauf durch die Entwicklung der Menschheit kommt dabei als zentrales Element dieser Episode besonders gut zur Geltung. Sehr hörenswert!

VÖ: 29. September 2017
Label: Folgenreich
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