Märchen-Klassik – Nussknacker und Mausekönig / Peer Gynt

Märchen-Klassik – Die kleine Meerjungfrau / Des Kaisers neue Kleider

Märchen-Klassik – Hänsel und Gretel / Rotkäppchen

Märchen-Klassik – Die Prinzessin auf der Erbse / Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern

Märchen-Klassik – Ali Baba und die 40 Räuber / Das Zauberpferd

Märchen-Klassik – Der kleine Muck / Das kalte Herz

Märchen-Klassik – Das Wirtshaus im Spessart / Das Märchen vom falschen Prinzen

Märchen-Klassik - Aschenputtel / Schneewittchen

Märchen-Klassik – Dornröschen / Der gestiefelte Kater


Märchen-Klassiker – Nussknacker und Mausekönig / Peer Gynt



Erster Eindruck: Märchen für verträumte Stunden...

Von ihrem Onkel bekommt Marie zu Weihnachten einen Nussknacker geschenkt, der jedoch schon kurz darauf von ihrem Bruder eine Macke bekommt. Marie ist todtraurig und möchte auch in der Nacht noch einige Zeit mit ihrem Spielzeug verbringen – und merkt, dass dieser zum Leben erwacht... (Nussknacker und Mausekönig)
In den Augen von Peer Gynt ist der Hof seines Vaters, der durch Alkoholeskapaden und Misswirtschaft ziemlich heruntergekommen ist, immer noch wie ein edler Palast. Dank seiner lebendigen Phantasie flüchtet er sich immer wieder in fremde Welten... (Peer Gynt)

Der Amor Verlag hat schon einige klassische Werke für Kinder umgesetzt, von der großen Oper bis zum Märchen reicht das Programm. Letztere sind in der Reihe „Märchen-Klassik“ erschienen, die in dieser Folge eher ungewöhnliche Geschichten vertont hat. Den Anfang mach „Nussknacker und Mausekönig“, die natürlich mit der berühmten Musik von Peter Tschaikovski aus dem Ballett unterlegt ist. Die Geschichte beginnt mit dem sehr heimelig inszenierten Weihnachtsfest, wobei die besinnliche Stimmung bald durch eine leicht surreale Szenerie um den Kampf zwischen dem Nussknacker und dem siebenköpfigen Mausekönig abgelöst wird. Das ist hier lebendig und in angenehmen Erzähltempo dargeboten, sodass eine atmosphärische Umsetzung des bekannten Märchens von E.T.A. Hoffmann gelungen ist.
„Peer Gynt“ gehört zu den unbekannteren Geschichten dieser Reihe und bietet deswegen noch einige Überraschungen. Dabei gefällt mir sehr gut, dass realistische und märchenhafte Elemente miteinander verwoben werden. Da gibt es – selbstverständlich bei einem norwegischen Autoren – Trolle und Dämonen, aber auch weite Reisen und exotische Schauplätze. Auch interessant ist, dass ein Zeitraum von mehreren Jahrzehnten abgedeckt wird, der Hörer also einen großen Teil von Peers Leben mitbekommt. Dieses läuft alles andere als gut für den träumerischen Menschen, immer wieder gerät er in gefährliche Situationen, kommt von großem Reichtum in bittere Armut, findet zu Gott und wird enttäuscht. Bei dieser großen Vielfalt wird es einigen Kindern schwer fallen, dem durchaus komplexen Verlauf zu folgen, Erwachsene werden aber an so manch versteckter Weisheit ihre Freude haben.

Michael Seeboth ist in der Geschichte um „Nussknacker und Mausekönig“ als Erzähler zu hören, wobei er streckenweise recht lange Texte hat. Diese gestaltet er jedoch sehr lebendig und geht gut auf die verschiedenen Stimmungen ein, wobei seine Einleitung mit dem Weihnachtsfest besonders gelungen ist. Diesen Part übernimmt bei Peer Grynt Gerhard Fehn, mit seiner angenehmen Stimme führt er die zuhörenden Kinder (und natürlich auch die Erwachsenen) durch die Handlung und schlägt dabei ein passendes Tempo an. Vivian Reufels ist im ersten Märchen als Marie zu hören, sie spricht die Rolle sehr lebendig, wenn auch manchmal etwas übereifrig. Weitere Sprecher sind Thomas Hof, Hildegard Meier und Luca Zamperoni.

Ein besonderes Element bei dieser Serie ist natürlich immer die klassische Musik, wobei hier jeweils auf extra für die Geschichten komponierte Stücke zurückgegriffen werden konnte. Das sorgt für ein passgenaues Aufgreifen der jeweiligen Stimmung und einen sehr intensiven Ausdruck, was den Reiz der Geschichten hier noch deutlich zu steigern weiß.

Der Kampf zwischen Nussknacker und Mausekönig ist nicht nur Titel und wesentliches Element der Handlung, sondern ist auch auf dem Cover dieser Produktion abgebildet. Beide wirken recht niedlich, wobei der rote Hintergrund durchaus etwas von dem weihnachtlichen Charme versprüht. Wer sich noch etwas mehr mit dem Thema Klassik beschäftigen möchte, hat dank des Infotextes im Booklet hier die Möglichkeit dazu, auch wenn dieser schon aus den vorigen Folgen bekannt ist.

Fazit: Zwei Geschichten, die eben keine klassischen Märchen sind, aber wegen der phantasievollen Grundstimmung für diese Reihe sehr passend. Die Umsetzungen sind sehr gelungen und erhalten durch die klassische Musik eine ganz besondere Note, die Handlungen sind in angenehmen Tempo erzählt und sind für die ganze Familie umgesetzt.

VÖ: 27. Oktober 2017
Label: Amor Verlag
Bestellnummer: 978-3-947161-10-2


Märchen-Klassik – Die kleine Meerjungfrau / Des Kaisers neue Kleider



Erster Eindruck: Anderson hoch zwei...

Die jüngste Tochter des Meereskönigs ist neidisch auf ihre älteren Schwestern, da diese vor ihr an die Meeresoberfläche schwimmen und die Welt der Menschen betrachten dürfen. Als es für sie soweit ist, rettet sie einen Prinzen vor dem Ertrinken und verliebt sich unsterblich in ihn... (Die kleine Meerjugfrau)
Immer neue Kleider will der König besitzen und kümmert sich mehr um sein Äußeres als um sein Volk. Als neue Schneider in die Stadt kommen und ihm ganz besondere Kleider anbieten, ist er sofort begierig darauf. Doch die Stoffe können angeblich nur von klugen und weisen Menschen gesehen werden... (Des Kaisers neue Kleider)

In der Reihe „Märchen-Klassik“ widmet sich eine ganze Folge den Geschichten von Hans Christian Andersen, wobei zwei seiner bekanntesten Märchen vertont wurde. Den Anfang macht „Die kleine Meerjungfrau“, die man hier in ihrer ursprünglichen Version zu hören bekommt. Das Leben unter dem Wasser und die Sehnlich der Prinzessin werden dabei sehr gut dargestellt, bevor mit der Rettungsaktion des Prinzen die eigentliche Handlung beginnt. Ein unheimlicher Anteil wird hier durch das Auftreten der Meereshexe eingebracht, wobei hier gut auf die Bedürfnisse von Kindern eingegangen wird – der Gruselfaktor ist hier gut erträglich. Die nachfolgenden Ereignisse sind schon recht dramatisch, insbesondere das Ende ist traurig und melancholisch, wobei hier die Betonung auf den leise versöhnlichen Ausklang gelegt wird. Eine Umsetzung sehr nahe am Original.
„Des Kaisers neue Kleider“ ist kein Märchen im klassischen Sinne, magische oder zauberhafte Elemente sind hier nicht zu finden. Die Lehren, die sich hieraus ziehen lassen, sind umso wichtiger und werden humorig und phantasievoll umgesetzt. Doch der Weg bis dahin ist recht lang und von einigen Wiederholungen geprägt, sodass mich diese Umsetzung nicht so recht mitreißen konnte – wobei ich anmerken muss, dass ich auch die Vorlage auch schon einfach nicht so sehr mag wie das hervorragende erste Märchen auf dieser CD.

Antje Hamer ist im Märchen um die kleine Meerjungfrau als Erzählerin im Einsatz und verleiht dem Ganzen eine sehr nachdenkliche und melancholische Note, kann aber auch an den spannenden Stellen eine entsprechende Stimmung erzeugen. Ihre Rolle übernimmt in der zweiten Geschichte Michael Seeboth, der die Süffisanz der Vorlage gut erfasst und für eine angenehme und heitere Grundstimmung sorgt. Leider sind die restlichen Rollen im Booklet nicht ihren Sprechern zugeordnet, die Stimme der kleinen Meerjungfrau hat mir jedenfalls wegen des ebenso fröhlichen wie nachdenklichen Klanges gut gefallen. Weitere Sprecher sind Valentin Stroh, Almut Rau und Luca Zamperoni.

Wie der Titel der Serie schon vermuten lässt, werden die beiden Geschichten mit klassischer Musik untermalt, wobei bei der „kleinen Meerjungfrau“ Camille Saint-Saens Werke eingebaut sind, während bei „Des Kaisers neue Kleider“ Stücke von Claude Debussy verwendet werden. Die zunächst vielleicht ungewöhnlich anmutende Kombination stellt sich schnell als echter Volltreffer heraus, weil so die märchenhafte Stimmung noch weiter verstärkt wird.

Das Covermotiv zeigt eine Szene mit der jungen Meerjungfrau, die inmitten von Fischen, Muscheln und einem Oktopus sehnsüchtig nach oben an die schillernde Meeresoberfläche schaut. Die nostalgische Zeichnung wird von vielen Details ausgeschmückt, wobei auf den klassischen Aspekt eine Reihe von Klaviertasten hindeuten, die erst auf den zweiten Blick zu erkennen sind.

Fazit: „Die kleine Meerjungfrau“ hat mich in dieser Umsetzung vollkommen überzeugt, da nicht nur die Atmosphäre wegen der klassischen Musik eine ganz bezaubernde ist, sondern auch weil der Kern des Märchens so gut herausgearbeitet wird und dabei auch nicht vor Melancholie zurückgeschreckt wird. „Des Kaisers neue Kleider“ ist ebenfalls stimmig und nahe am Original umgesetzt, die Erzählweise ist aber vielleicht eine Spur zu langsam.

VÖ: 27. Oktober 2017
Label: Amor Verlag
Bestellnummer: 978-3-947161-04-1


Märchen-Klassik – Hänsel und Gretel / Rotkäppchen



Erster Eindruck: Geschichten aus dem tiefen Wald...

Die Not ist groß bei einer kleinen Holzfällerfamilie, Vater und Stiefmutter wissen nicht mehr, wie sie ihre Kinder ernähren sollen. Und so entschließen sie sich, Hänsel und Gretel im Wald auszusetzen, die den Weg nach Hause nicht mehr finden... (Hänsel und Gretel)
Um der kranken Großmutter eine Freude zu machen, wird Rotkäppchen mit Kuchen und Wein in ihr einsam gelegenes Haus im Wald geschickt. Doch dabei begegnet sie dem Wolf, der sie vom rechten Weg abbringt... (Rotkäppchen)

In der Reihe „Märchen-Klassik“ werden in einer Folge zwei der wohl bekanntesten Märchen der Gebrüder Grimm erzählt, die zur Kindheit von zahlreichen Generationen gehören: „Rotkäppchen“ und „Hänsel und Gretel“. Und natürlich wird auch hier wieder die Geschichte mit klassischer Musik untermalt, wobei zwischen den hier verwendeten Komponisten Engelbert Humperdinck und Richard Wagner auch persönlich eine enge Bindung bestand. Ersterer hat eine ganze Oper zu „Hänsel und Gretel“ komponiert, die hier dann auch Verwendung gefunden hat. Die bekannte Geschichte wird hier solide und bei den Szenen im Hexenhaus auch durchaus spannend erzählt, manche Dialoge wirken aber doch etwas hölzern, was leider auch an den noch recht jungen Sprechern liegt. Die Darstellung der Hexe hat mir jedoch sehr gut gefallen, düster, bedrohlich und dennoch kindgerecht. „Rotkäppchen“ ist zwar teilweise etwas in die Länge gezogen, um auf eine Laufzeit von 27 Minuten zu kommen, doch insgesamt ist eine stimmige Version des Märchen entstanden. Zudem wurden kleine Änderungen vorgenommen, so kommt der Jäger hier nicht zufällig des Weges, und auch das Pflücken der Blumen hat hier noch einmal eine stimmige Note bekommen.

Jana Rahma ist als Rotkäppchen zu hören und kann die Unbeschwertheit und Neugier des Mädchens gekonnt darstellen, ihre helle Stimme passt dabei gut zu der Rolle. Gerhard Fehn ist in dieser Geschichte als Erzähler zu hören, die er mit seiner angenehmen Stimme und der passenden Aussprache gekonnt gestaltet. Die Sprecherin der Gretel hat mir leider nicht so sehr gefallen, zu hölzern und emotionslos vertont sie ihre Dialoge und nimmt so viel Spannung aus der Folge. Weitere Sprecher sind Frank Logemann, Christian Bergmann und Aischa-Lina Löbbert.

Die Musik ist wesentliches Element dieser Hörspielreihe und nimmt auch hier wieder eine wichtige Rolle ein. Dabei sind die Opernmelodien aus „Hänsel und Gretel“ teilweise auch mit klassischen Volksliedern oder Gesangsstellen zu hören, was mich immer wieder abgelenkt hat und einen eher unrunden Eindruck hinterlässt. „Rotkäppchen“ überzeugt mit der dramatischen Musik von Richard Wagner, die sich sehr gut um die Handlung und ihre Stimmung legt.

Die Gestaltung des Covers gefällt mir sehr gut, da nicht nur der niedliche und kindgerechte Zeichenstil gut zur Geltung kommt, sondern auch das Motiv aus „Hänsel und Gretel“ sehr kreativ erdacht ist. Denn statt der bekannten weißen Kieselsteine wirft Hänsel hier kleine blaue Noten auf den Weg, sodass das Motiv der Klassik aufgegriffen wird. Im Inneren des Booklets werden zwar nicht die Sprecher ihren Rollen zugeordnet, dafür gibt es eine ausführliche Trackliste und einen interessanten Text über die Entstehung der Musik.

Fazit: „Hänsel und Gretel“ hat mich insgesamt nicht allzu sehr überzeugt. Zwar sind die Szenen bei der Hexe kindgerecht unheimlich geraten, die teils mit Gesang unterlegte Musik und die etwas hölzernen wirkenden Dialoge stören aber den Hörfluss. „Rotkäppchen“ hat mir da schon deutlich besser gefallen, die Verknüpfung von Wagners Musik mit der Handlung ist hier gut gelungen.

VÖ: 11. Oktober 2017
Label: Amor Verlag
Bestellnummer: 978-3-947161-03-4


Märchen-Klassik – Die Prinzessin auf der Erbse / Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern



Erster Eindruck: Zwei Märchen von Andersen

Schon lange sucht der Prinz eines wohlhabenden Königreichs nach einer echten Prinzessin, sanftmütig und zart, doch bisher konnte keine Kandidatin seine Ansprüche erfüllen. Als eine vom Regen durchnässte Dame ankommt und behautet, tatsächlich eine Prinzessin zu sein, ersinnt die Königin eine List... (Die Prinzessin auf der Erbse)
Um die harte Armut ein wenig zu lindern, schickt ein Vater seine Tochter in einer bitterkalten Silvesternacht auf die Straße, um Passanten Schwefelhölzer zu verkaufen. Doch die Leute haben weder Geld noch Mitleid mit ihr... (Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern)

Auch der dänische Autor Hans Christian Andersen hat eine sehr bekannte Sammlung an Märchen zusammengetragen, viele der Klassiker sind auch heute noch bekannt und beliebt. In der wundervollen Reihe „Märchen-Klassik“ sind zwei Geschichten von ihm auf einer CD umgesetzt und mit klassischer Musik unterlegt worden. Den Anfang macht „Die Prinzessin auf der Erbse“, der bei vielem wohl wegen des oben erwähnten Tricks der Königin bekannt ist. Ganz abgesehen davon, dass das vermittelte Frauenbild in der heutigen Zeit zumindest fragwürdig ist, ist der erste Teil des Märchens mit der Suche nach der passenden Braut recht langwierig und kommt nicht so recht in Schwung. Die Umsetzung ist dabei durchaus stimmig, kann die langsame Entwicklung der Vorlage aber nicht ganz auffangen. „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ ist wohl eines der traurigsten und dramatischsten Märchen des Autors und wurde hier sehr gefühlvoll umgesetzt. Auf die Hauptfigur, ihre Ängste und Nöte wurde sehr intensiv eingegangen, und auch die tragende Stimmung der Silvesternacht kommt sehr gut zur Geltung. Obwohl ich die Geschichte seit langem kenne, hatte ich einige male einen Kloß im Hals, besonders die Sehnsucht nach der liebevollen Großmutter ist hier bestens inszeniert. Und so wertet die äußerst gelungene zweite Geschichte das schwächere erste Märchen wieder auf.

Leider wurde auch hier im Booklet keine Zuteilung der Sprecher zu ihren Rollen vorgenommen, sodass ich nur vermuten kann, dass Katrin Wolter das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern spricht, was sie wirklich auf hervorragende Weise bewältigt. Sehr gefühlsbetont, geradezu zerbrechlich und immer schwächer werdend trifft sie den Kern des Märchens sehr genau. Als Erzählerin ist dabei Antje Hamer im Einsatz, die sich zwar etwas mehr zurückhält, aber die Atmosphäre ebenso gekonnt unterstützt. Diesen Part übernimmt in dem ersten Teil Gerhard Fehn, der eine sehr solide Leistung abliefert. Weitere Sprecher sind Frank Logemann, Luca Zamperoni und Emil Schwarz.

Die Untermalung mit klassischer Musik nimmt hier eine zentrale Rolle ein und verleiht den beiden Märchen eine ganz besondere Stimmung. Hier sind zwar nicht die ganz großen Komponisten zu hören, aber gerade die tolle Musik von Erik Satie sorgt beim „kleinen Mädchen mit den Schwefelhölzern“ eine ganz besondere Stimmung und unterstützt die traurige, tragische Stimmung auf hervorragende Weise.

Die Schlüsselszene aus „Die Prinzessin auf der Erbse“ ist auf dem Cover abgebildet, die junge Dame liegt auf einem dicken Matratzenstapel, auch die kleine Erbse ist zu sehen. Mit dem roten Hintergrund und den vielen Monden, die als Dekoration angebracht sind, ist ein ansprechendes und passendes Cover entstanden. Das dicke Booklet enthält den lesenswerten Text über die Entstehung klassischer Musik.

Fazit: „Die Prinzessin auf der Erbse“ ist für meinen Geschmack etwas zu lang geraten, wobei der letzte Teil durchaus gelungen ist. „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ ist dafür eine sehr stärkste Umsetzungen der Serie, was nicht nur an der wundervollen Musik liegt, die hier besonders gut die Wirkung unterstützt, sondern auch an der gefühlvollen und traurigen Handlung sowie den tollen Sprechern.

VÖ: 27. Oktober 2017
Label: Amor Verlag
Bestellnummer: 978-3-947161-05-8


Märchen-Klassik – Ali Baba und die 40 Räuber / Das Zauberpferd



Erster Eindruck: Wertvolle Schätze und weite Reisen

Durch Zufall beobachtet Ali Baba eine Räuberbande, die ihr magisches Versteck durch den kleinen Spruch „Sesam öffne dich“ erreichen können. Zwar nutzt er dieses Wissen zu seinem Vorteil, geht dabei aber ganz im Gegensatz zu seinem Bruder sehr vorsichtig vor... (Ali Baba und die 40 Räuber)
Ein Magier ist zu Besuch am Hofe des Sultans und zeigt ihm ein magisches Pferd, das blitzschnell durch die Lüfte fliegen kann. Der Sultan will das Zauberpferd unbedingt haben, doch der Magier will nichts weniger als dessen Tochter zur Frau haben... (Das Zauberpferd)

Die Märchen aus 1.001 Nacht sind hierzulande vielleicht nicht ganz so bekannt wie beispielsweise die Märchen der Gebrüder Grimm, bieten jedoch auch einen schier unerschöpflichen Vorrat an spannenden und unterhaltsamen Geschichten. So sind auch bei der Reihe Märchen-Klassik einige Hörspiele aus dieser Sammlung zu finden. Den Anfang macht hier „Ali Baba und die 40 Räuber“, welches hier in voller Länge zu hören ist und eine recht komplexe Handlung bietet. Dabei entsteht schnell eine ganz besondere Stimmung, die märchenhafte Elemente mit einigen sehr spannenden Momenten verbindet. So wird es einige Male recht knapp für Ali Baba, sodass die Handlung sehr kurzweilig wirkt. „Das Zauberpferd“ lässt die Stimmung dieser orientalischen Märchenwelt sehr gut wirken und spielt an verschiedenen Herrscherhöfen, was die magische Stimmung noch weiter verstärkt. Das Zauberpferd steht im Mittelpunkt, doch darum entwickelt sich eine vielseitige Geschichte um Liebe, Leidenschaft und zahlreiche Geheimnisse. Mir war „Das Zauberpferd“ vorher nicht bekannt, sodass es so einige überraschende Momente gab. Die beiden Hörspiele haben mir sehr gut gefallen, die Geschichten sind gut erzählt und atmosphärisch erzählt.

Aischa-Lina Löbbert ist in der Geschichte um Ali Baba als Erzählerin zu hören, auch hier hinterlässt sie mit ihrer angenehmen und sanften Stimme einen positiven Eindruck und setzt die Akzente an den richtigen Stellen. „Das Zauberpferd“ wird von Michael Seeboth erzählt, der seine Texte kurzweilig und unterhaltsam erzählt, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Frank Logemann ist als Ali Baba zu hören, er zeichnet mit seiner Stimme die Spannungskurve der Handlung nach. Weitere Sprecher sidn Katrin Wolter, Sebastian Kolb und Emil Schwarz.

Die Geschichten aus 1.001 Nacht mit klassischer Musik deutscher Komponisten zu kombinieren, wirkt zu Beginn etwas ungewohnt, passt aber besser zusammen als anfangs gedacht. Bei „Ali Baba“ sind Stücke von Johann Strauss zu hören, bei „Das Zauberpferd“ ist es Franz Schubert. Die Melodien sind immer gut eingebunden und passend zur Dynamik der Geschichten ausgewählt. Ergänzt von einigen Geräuschen entsteht eine stimmige und passende Atmosphäre.

Die Höhle der Räuberbande ist als zentrales Element der ersten Episode auch auf dem Cover zu sehen, wobei auch hier einige stilisierte Klaviertasten an die Kombination mit der klassischen Musik anspielt. Das ist alles recht detailreich dargestellt, wobei sich der bräunliche Grundton durch die gesamte Aufmachung zieht. Neben dem Infotext, der bereits in den anderen Folgen zu lesen ist, gibt es auch hier wieder eine ausführliche Trackliste, aber leider keine Auflistung, welcher Charakter durch welchen Sprecher übernommen wird.

Fazit: Die Stimmung der Geschichten aus 1.001 Nacht passt sehr gut zu der ausgewählten klassischen Musik, beides ergänzt sich sehr gut. Die Erzählung der Geschichten ist recht komplex, ist spannend gelungen und überzeugt mit gut eingebundenen magischen Elementen. Eine sehr starke Folge der liebevollen Reihe.

VÖ: 11. Oktober 2017
Label: Amor Verlag
Bestellnummer: 978-3-947161-09-6


Märchen-Klassik – Der kleine Muck / Das kalte Herz



Erster Eindruck: Ein kleiner und ein dummer Mann...

Als sich der kleine Muck nach vielen Reisen endlich niedergelassen hat, macht es ihm wenig aus, von den Kindern wegen seiner Größe verspottet zu werden. Denn er denkt an die vielen bestandenen Abenteuer, die ihn zu Bettlern und Königen gebracht haben... (Der kleine Muck)
Peter blickt voller Neid auf die anderen Männer im Wirtshaus, denn er wird nicht nur wegen seines Berufes als Kohlebrenner wenig geschätzt, sondern hat auch bei weitem nicht so viel Geld ausgeben wie die anderen. Doch dann erfährt er von einer Legende, die ein Ausweg aus seiner Misere sein könnte... (Das kalte Herz)

Für die meisten dürften die Märchen der Gebrüder Grimm das Genre geprägt haben, doch auch andere Autoren haben wunderbare Geschichten erdacht oder zusammengetragen. Wilhelm Hauff ist einer von ihnen, dem eine CD der Hörspielreihe Märchen-Klassik gewidmet ist. Zu hören gibt es „Der kleine Muck“ und „Das kalte Herz“, die mit zwei der bekanntesten Komponisten unterlegt sind: Mozart und Beethoven. Das hat zur Folge, dass gerade „Der kleine Muck“ recht verspielt klingt. Der kleinwüchsige, aber pfiffige junge Mann erlebt dabei viele Abenteuer, die in dieser Umsetzung aber gut sortiert und spannend aufbereitet werden. Dabei kommen die magischen Elemente der Geschichte sehr gut zur Geltung, wobei auch der Bogen vom Anfang bis zum Ende gut geschlagen wurde. „Das kalte Herz“ ist thematisch sehr düster, böse Geister und ein neidvoller Hauptcharakter, der sich völlig seiner dunklen Seite hingibt – mir gefällt die Stimmung hier sehr gut. Durch die tragende Musik Beethovens kommt diese zudem sehr gut zur Geltung. Eine weitere hörenswerte Folge der Reihe, die mit eher unbekannten Märchen für Abwechslung sorgt.

Auch hier sind die Sprecher eher unbekannt, wobei mir Florian Seigerschmidt als kleiner Muck sehr gut gefallen hat. Er spricht die Rolle mit viel Energie und gewitztem Ausdruck, sodass er die Folge gut tragen kann. Friedrich Bochröders tiefe, volltönende Stimme passt zwar sehr gut zu der Rolle des Peter in „Das kalte Herz“, doch er wirkt manchmal etwas zu hölzern und bringt gerade im späteren Verlauf die Wandlung nicht stark genug zur Geltung. Jana Rahma hat mir in dieser Folge sehr gut gefallen, mit ihrer warmen Stimme bildet sie einen gelungenen Kontrast zur düsteren Grundstimmung. Weitere Sprecher sind Aischa-Lina Löbbert, Valentin Stroh und Katrin Wolter.

Die Musik dieser Reihe ist wirklich ein Alleinstellungsmerkmal, das auch hier bestens funktioniert. Es sind viele Melodien mit hohem Bekanntheitsgrad enthalten, die so auch Kinder an die wunderschönen Kompositionen heranführen. Und toll auch, wie gut die Stimmung der Geschichten aufgegriffen und verstärkt wird. Das wirkt alles sehr stimmig und dicht.

Der kleine Muck ist auf dem Cover abgebildet, mit seinen spitzen Schuhen, dem goldenen Stab und dem Turban wirkt er fast wie aus 1001 Nacht entsprungen, was auch durch die Zwiebeltürme im Hintergrund unterstützt wird. Die bräunliche Farbgebung ist dabei sehr ansehnlich. Im Inneren ist der aus den anderen Folgen bekannte Text zu lesen, auch eine ausführliche Trackliste ist zu sehen. Nur leider sind die Sprecher nicht den verschiedenen Rollen zugeordnet.

Fazit: „Der kleine Muck“ hat mir wegen der lebendigen Musik und dem kurzweiligen Verlauf sehr gut gefallen, eine sehr gelungene Umsetzung des Hörspiels. Auch „Das kalte Herz“ kann wegen seiner düsteren und bedrückenden Stimmung überzeugen, nur der Sprecher des Peter hätte mit etwas mehr Nachdruck sprechen können.

VÖ: 11. Oktober 2017
Label: Amor Verlag
Bestellnummer: 978-3-947161-06-5


Märchen-Klassik – Das Wirtshaus im Spessart / Das Märchen vom falschen Prinzen



Erster Eindruck: Zwei Erzählungen von Wilhelm Hauff

Der Weg durch einen dunklen Wald wird vom Goldschmied Felix in einem Wirtshaus unterbrochen, in dem er aus Angst vor einer Räuberbande Halt macht. Und tatsächlich überfallen diese bald die Herberge im Spessart, wollen aber nur die dort übernachtende Gräfin entführen... (Das Wirtshaus im Spessart)
Labakan ist mit seinem Leben als einfacher Schneider alles andere als glücklich, viel lieber möchte er als reicher Prinz dem Adel angehören. Bei einem Ausritt trifft er auf einen echten Prinzen, der von seinem Onkel erzogen wurde und nun nach Hause zurückkehrt... (Der falsche Prinz)

Gemeinsam mit der Zeitung „Die Zeit“ hat der kleine, aber engagierte Amor-Verlag eine Reihe von Märchen-Hörspielen vertont und diese mit klassischer Musik bekannter Komponisten unterlegt. Natürlich gibt es dabei die bekannten Geschichten der Brüder Grimm, aber eine CD widmet sich auch dem Autor Wilhelm Hauff. Den Anfang macht dabei „Das Wirtshaus im Spessart“, das zunächst mit der düsteren Stimmung im Wald und der Furcht vor der Räuberbande spielt. Schon bald schlägt diese Stimmung aber um, denn Felix gerät in die Gewalt der Räuber und ein unterhaltsames Verwirrspiel beginnt. Mit fast einer halben Stunde Laufzeit ist dieses Märchen eines der längsten der Reihe, dennoch wurde die Handlung durch den häufigen Einsatz eines Erzählers recht schnell vorangetrieben. Da dieser viele Dinge erzählt, statt dies in Dialogen zu tun, wirkt alles recht komprimiert. „Das Märchen vom falschen Prinzen“ ist bedient sich ebenfalls dem Motiv, dass sich jemand als andere Person ausgibt, hat aber einen ganz anderen Ausgangspunkt und eine ganz andere Szenerie. Interessant ist dabei, dass der Hörer hier eher einem Anti-Helden als Hauptfigur folgt, und auch ansonsten kann diese Produktion mit einer sehr eigenständigen Ästhetik überzeugen. Eine sehr gelungene Ausgabe der liebevollen Reihe.

Gerhard Fehn ist beim „Wirtshaus im Spessart“ als Erzähler im Einsatz und gestaltet seine Passagen recht kurzweilig. Er steigert dabei mit seiner akzentuiert eingesetzten Stimme noch die Spannung der Handlung und lässt immer viel von der vorherrschenden Stimmung mitschwingen. Diese Rolle übernimmt im „Märchen vom falschen Prinzen“ Antje Hamer, die eine etwas zurückhaltendere Sprechweise wählt, dabei aber eine sehr märchenhafte Atmosphäre schafft. Leider sind die weiteren Sprecher nicht ihren jeweiligen Rollen zugeordnet, gut gefallen hat mir aber zum Beispiel die Königin mit ihrer sanften und doch bestimmten Art. Luca Zamperoni, Marvon Thiede und Christian Bergmann sind ebenfalls zu hören.

Die Musik von Antonio Vivaldi wurde als Begleitung zum „Wirtshaus im Spessart“ ausgewählt, wobei unter anderem Stücke aus seinen bekannten „Die vier Jahreszeiten“ zu hören sind. Toll, wie sich diese Melodien mit der Geschichte verbinden und in ihrer Wirkung unterstützen. Johann Sebastian Bachs Werke untermalen „Das Märchen vom falschen Prinzen“ ebenfalls sehr lebendig und fügen sich harmonisch in die Handlung ein.

Die Räuberbande zieht auf dem Cover fröhlich musizierend und die Pistole schwingend in Richtung Wirtshaus, wobei das düstere Cover die nächtliche Szenerie im dichten Wald sehr gut trifft. Wie in den anderen Folgen auch ist ein ausführlicher Text zur Entstehung der klassischen Musik im dicken Booklet zu finden, nur leider war für die Zuteilung von Sprecher zu ihren Rollen kein Platz mehr.

Fazit: Die beiden Märchen von Wilhelm Hauff sind nicht nur spannend und kurzweilig erzählt, sondern brechen das Genre an einigen Stellen auf und binden ungewöhnliche Elemente mit ein. Gepaart mit der sehr gut eingebundenen klassischen Musik entstehen so tolle, sehr hörenswerte Hörspiele, die sicherlich nicht nur Kinder erfreuen werden.

VÖ: 11. Oktober 2017
Label: Amor Verlag
Bestellnummer: 978-3-947161-07-2


Märchen-Klassik - Aschenputtel / Schneewittchen



Erster Eindruck: Zwei Klassiker mit viel Klassik

Ihre Stiefmutter und die beiden Stiefschwestern machen Aschenputtel das Leben ziemlich schwierig. Als ihr dann auch noch verwehrt wird, mit zum großen Ball des Prinzen zu gehen, muss sie sich aber etwas einfallen lassen... (Aschenputtel)
Mit beißendem Neid verfolgt die Königin, wie ihre Stieftochter Schneewittchen zu einer wunderschönen jungen Dame heranwächst. Eines Tages will sie die ungeliebte Konkurrentin loswerden und ruft nach ihrem treuen Jäger... (Schneewittchen)

Unter dem Titel „Märchen-Klassiker“ wurden einige bekannte Märchen mit klassischer Musik kombiniert, sodass schon Kindern einige bekannte Melodien mit spannenden Geschichte näher gebracht werden. Auf dieser CD sind zwei absolute Klassiker der Gebrüder Grimm vereint. Den Anfang macht „Aschenputtel“, wobei die Handlung etwas entschärft wurde. So wirken sowohl Stiefmutter als auch Steifschwestern zwar gemein und selbstsüchtig, aber eben nicht wirklich bösartig. Auch die ziemlich blutige Szene am Ende ist vom Original entfernt worden, dafür legt der Wert eher auf Aschenputtels Entwicklung zu einer selbstbewussten jungen Frau gelegt. Auch aus „Schneewittchen“ wurden die heftigsten Szenen abgemildert, die zauberhaften Elemente mehr in den Mittelpunkt gerückt. Das ist sehr stimmig umgesetzt und eine lohnenswerte Umsetzung der bekannten Geschichten, die durch den Einsatz der klassischen Musik tatsächlich einen neuen Kniff verpasst bekommen.

Die Sprecher sind eher unbekannte Schauspieler und bisher nicht in typischen kommerziellen Hörspielen aufgetreten. Michael Seeboth ist beim Aschenputtel als Erzähler zu hören und gestaltet seine Texte kurzweilig und bringt dabei die zauberhafte Stimmung gut zur Geltung. Anna-Maria Böhm ist in der Rolle des Aschenputtel zu hören und liefert eine solide Leistung ab, hätte aber ab und an mehr Energie einbringen können. Anna-Christina Reske ist als Schneewittchen zu hören und setzt die Rolle mit naiven Charme um. Weitere Sprecher sind Frank Logemann, Antje Hamer und Janis Ratteni.

Wie bereits erwähnt ist die Musik der Clou dieser Umsetzungen. Beim Aschenputtel sind Melodien von Gioachino Rossini zu hören, beim Schneewittchen sind viele bekannte Stücke von Guiseppe Verdi zu hören. Das ergänzt die Geschichten auf sehr interessante Weise, zumal die eigens eingespielten Kompositionen sehr gut zu den jeweiligen Szenen ausgewählt wurden.

Das Cover ist sehr gelungen umgesetzt, da nicht nur die Schlüsselszene um das Anprobieren des Schuhs zu sehen ist, sondern Aschenputtel auch noch auf einem stilisierten Kontrabass zu sehen ist – so werden auch optisch Märchen mit klassischer Musik kombiniert. Wie in den anderen Folgen auch ist ein Text über das Entstehen der klassischen Musik zu lesen, und auch eine ausführliche Trackliste mit Benennung der jeweiligen Musik ist zu finden. Schade allerdings, dass die Sprecher nicht ihren Rollen zugeordnet wurden.

Fazit: Die Idee, klassische Musik mit Märchen zu verbinden, funktioniert hier äußerst gut. Denn das sorgt für eine ganz besondere Stimmung und erzeugt eine spannende Dynamik. Die Geschichten sind spannend und kindgerecht erzählt, die größten Grausamkeiten wurden dabei herausgestrichen, sodass stimmige Hörspiele (nicht nur) für Kinder entstanden sind.

VÖ: 11. Oktober 2017
Label: Amor Verlag
Bestellnummer: 978-3-947161-02-7


Märchen-Klassik – Dornröschen / Der gestiefelte Kater



Erster Eindruck: Spitze Dornen und scharfe Krallen...

Nach langer Zeit des Hoffens wird der Königin endlich ein Kind geboren. Doch zur Taufe können sie nur zwölf der Feen des Königreiches einladen. Doch die 13. Fee lässt es sich nicht nehmen, das Fest dennoch zu besuchen, und belegt das Neugeborene mit einem schrecklichen Fluch... (Dornröschen)
Als jüngster bekommt ein Müllerssohn lediglich einen Kater vererbt. Doch dieser ist ziemlich gewitzt und hat so einige Ideen, wie er seinem Herren auf seine ganz eigene Weise dienen kann... (Der gestiefelte Kater)

„Märchen-Klassik“ setzt in dieser Folge zwei weitere absolute Klassiker der Brüder Grimm als Neuinterpretation mit klassischer Musik um: „Dornröschen“ und „Der gestiefelte Kater“. Beides sehr bekannte Geschichten, die schon mehrfach umgesetzt wurden, sodass es naturgemäß etwas schwierig, ist, neue Facetten oder Aspekte zu betonen. Doch mit dem Einbinden der Melodien ist dies tatsächlich gelungen. „Dornröschen“ wirkt allerdings stellenweise etwas gebremst, was insbesondere an der bösen Fee liegt. Diese wirkt eher verstimmt und etwas zickig als wirklich hartherzig, sodass der grausame Fluch nicht so recht zu ihrem Auftreten passen mag. Auch ihr zweiter Auftritt schlägt in diese Richtung. Ansonsten ist eine wirklich stimmige Umsetzung der Geschichte gelungen, die nicht romantisch-verkitscht, sondern eher abenteuerlich und zauberhaft wirkt. „Der gestiefelte Kater“ ist recht temporeich umgesetzt und zeigt alle paar Minuten einen neuen Einfall des Katers, um aus dem einfachen Müllerssohn einen gemachten Mann werden zu lassen. Das macht richtig Spaß und wird für Kinder zum Ende noch einmal richtig gruselig. Zwei weitere gelungene Märchen aus der tollen Serie.

Gerhard Fehn ist als Erzähler in „Dornröschen“ zu hören, seine angenehme und markante Stimme führt den Zuhörer gut durch die Handlung, wobei seine Betonung sehr stimmig wirkt. Diesen Part übernimmt Aischa-Lina Löbbert in „Der gestiefelte Kater“, wobei sie gleichermaßen die Bedürfnisse von Kindern erfüllt als auch Erwachsene gut unterhalten kann. Die Sprecherin der bösen Fee in „Dornröschen“ wirkt wie oben bereits erwähnt eher zickig und kühl als diabolisch, schafft aber auch eine ganz eigene Interpretation der bekannten Figur. Leider wird ihr Name nur aufgezählt und nicht der Rolle zugeordnet, was auch für Thomas Hof, Florian Seigerschmidt und Marvin Thiede gilt.

Peter Tschaikowski hat ein Ballett zu der Märchenvorlage komponiert, und genau dieses wird auch als Hintergrundmusik in dem Hörspiel eingesetzt. Genau wie die Melodien von Modest Mussorgski ist diese während aller Dialoge im Einsatz und ergänzt diese sehr gut, webt einen dichten Rahmen um die Handlung und verstärkt die vorherrschende Atmosphäre.

Das Titelbild der CD ist hübsch aufgemacht. In einer romantisch wirkenden Zeichnung mit blattgrünem Hintergrund ist natürlich Dornröschen zu sehen, schlafend auf dem Boden und von einigen stilisierten Dornenranken umgeben, während der Prinz sich zum Kuss über sie beugt. Im Inneren des dicken Booklets ist – wie bei den anderen Veröffentlichungen der Reihe auch – ein lesenswerter Text zur Entstehung klassischer Musik zu lesen.

Fazit: Man merkt diesem Hörspiel das Herzblut an, welches investiert wurde, sodass trotz kleineren Stolpersteinen eine sehr hörenswerte Produktion entstanden ist. Durch die Kombination der beiden klassischen Märchen mit ebensolcher Musik ist eine sehr dichte Atmosphäre entstanden, die mal verspielt, mal romantisch, mal zauberhaft wirkt, und so die wichtigsten Aspekte der Geschichten betont.

VÖ: 11. Oktober 2017
Label: Amor Verlag
Bestellnummer: 978-3-947161-01-0