Karl May – 4. Der Schut

Karl May – 3. In den Schluchten des Balkan

Karl May – 2. Durchs wilde Kurdistan

Karl May – 1. Durch die Wüste


Karl May – 4. Der Schut



Erster Eindruck: Der Fall eines Tyrannen

Auf ihrer Reise durch Europa kommen Kara Ben Nemsi und sein Begleiter Hadschi Halef Omar in ein Gebiet, das von dem geheimnisvollen Schut unter Kontrolle gehalten wird. Die Identität des Mannes ist nicht bekannt, doch die Bevölkerung lebt in Angst und Schrecken vor ihm. Doch als die beiden erfahren, dass auch Männer von ihm entführt wurden, greifen sie ein...

Im zweimonatigen Rhythmus werden momentan die Karl May-Hörspiele von Maritim auf CD wiederveröffentlicht, und das in chronologischischer Reihenfolge. Das führt dazu, dass bereits an vierter Stelle „Der Schut“ erscheint, was nicht gerade das Highlight der Serie darstellt. Das liegt weniger an der Handlung, diese ist im Prinzip spannend und kurzweilig, wie man es von dem Autoren gewohnt ist. Besonders die Figur des Schut, der eine sehr machtvolle und mysteriöse Aura ausstrahlt und als zentrale Figur gut platziert wurde, bringt eine interessante Stimmung mit ein. Auch der Verlauf wieder abenteuerlich erzählt und mit den beiden Hauptfiguren unterhaltsam erzählt. Allerdings gibt es doch einige Szenen, die merkwürdig wirken. So beispielsweise wird in einer Szene ein Kampf von Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar geplant und dann einfach als erledigt markiert – ohne, dass irgendein Anzeichen des Kampfes zu hören ist. Und auch das Ende wirkt, als sei der Dialog mittendrin abgeschnitten worden. Sicherlich ist diese Folge eine der schwächeren der Serie, dennoch kommt nostalgische Stimmung auf. Und auch die Klangqualität ist in Anbetracht des Alters der Aufnahmen wirklich gut, es gibt kaum störende Nebengeräusche, nur die Stimmen klingen an einigen Stellen etwas blechern.

Für diese Folge wurde Holger Latwesen als Kara Ben Nemsi engagiert, der die Figur mit weniger Esprit spricht als sein Vorgänger, aber insgesamt eine solide Leistung abliefert. Günter Langer spricht Hadschi Halef Omar durchaus mit Sinn für Humor und bringt des Charme der Figur recht gut zur Geltung. Siegfried Wald ist in der Rolle des Schut zu hören und macht seine Sache sehr ordentlich, er verleiht der Figur eine interessante Ausstrahlung. Weitere Sprecher sind Jan Maeder, Erich Mäding und Kurt Stephan.

Musik wird hier im Gegensatz zu den vorigen Folgen nicht eingesetzt, sodass die Umsetzung ein wenig dröge wirkt. Und auch der Einsatz von Geräuschen ist sehr begrenzt, besonders die Actionszenen wirken sehr heruntergefahren oder werden gleich ganz ausgespart. Nur am Ende wird es ein bisschen lebendiger umgesetzt, hier kommen ein paar mehr Sounds auf.

Natürlich wurde auch hier wieder das Cover der alten LP-Version übernommen und lediglich auf das Format einer CD angepasst. Zu sehen ist Kara Ben Nemsi neben seinem Schimmel in nostalgischem Zeichenstil, was auch im Hintergrund fortgeführt wird. Und natürlich darf auf der dunkelgrüne Rahmen mit dem hübschen Schriftzug nicht fehlen.

Fazit: Ein wenig dröge wirkt dieses Hörspiel schon, abgeschnittene Dialoge und immer wieder Szenen, in denen jede Handlung ausradiert und durch simple Dialoge ersetzt wurden, stören den Erzählfluss. Dabei ist die Handlung um den gefährlichen Schut eigentlich recht spannend, gerade das Ende enthält einige gelungene Elemente.

VÖ: 28. Juli 2017
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-960661-03-0


Karl May – 3. In den Schluchten des Balkan



Erster Eindruck: Die Reise geht weiter...

Erneut konnte Kara Ben Nemsi nur mit Mühe und Not das Leben von sich und seinen Gefährten retten, doch immer noch kehrt keine Ruhe ein. Denn nicht nur ein zwielichtiger Schmuggler, sondern auch der angebliche Wunderheiler Mübarek hält die Reisegruppe auf Trab. Wieder muss der Abenteurer all seinen Mut zusammennehmen, um den neuen Gefahren entgegenzutreten...

Die Wiederveröffentlichung der klassischen Karl May-Hörspielen von Karl May geht in die dritte Runde, und da dabei chronologisch vorgegangen wird, folgt nun „In den Schluchten des Balkan“. Auch die Vorlage zu diesem Hörspiel stammt aus dem Orient-Zyklus und begleitet Kara Ben Nemsi auf seinem Weg, die Figuren werden deswegen zu Anfang nicht noch einmal vorgestellt, sodass recht schnell mit der Handlung begonnen wird. Diese ist dann wieder geprägt von vielen markanten Persönlichkeiten der Geschichte, aber auch von zahlreichen Schießereien und Kämpfen. Dies ist es sicherlich auch, was das Genre ausmacht, kommt hier aber recht geballt vor – eine Straffung dieser Szenen hätte zu einem deutlicheren Fokus auf der Handlung führen können. Nichtsdestotrotz kommt der abenteuerlich Flair und die eindringlich dargebotene Stimmung gut herüber und lässt „In den Schluchten des Balkan“ zu einer starken Folge der Serie werden, die auch heute noch gut funktioniert – und das nicht nur bei Nostalgikern.

Tobias Pagel ist als Barud el Amasat zu hören, er hat hörbaren Spaß an der ereignisreichen Szenerie und setzt seine Rolle immer mit Nachdruck um. Axel Jago spricht Ali Manach Ben Barud el Amasat mit einer sehr betonten Sprechweise und neigt dazu, dies ein wenig zu überzeichnen, sorgt damit aber auch für einige prägende Momente. Rolf Marnitz' markante Stimme passt sehr gut zu der Rolle des Mübarek, er verleiht ihm eine düstere und einprägsame Aura. Weitere Sprecher sind Heinz Rabe, Hans Schwarz und Peter Larsen.

Wie in den vorigen Folgen auch gibt es hier eine kleine Melodie, die an den Anfang gesetzt wurde und auch einige Szenen voneinander trennt. Dabei wird die Stimmung des Balkans durchaus aufgegriffen. Ansonsten prägen zahlreiche Geräusche das Geschehen, die auch mal etwas lauter sein dürfen und gerade die Actionszenen sehr lebendig, fast schon hektisch wirken lassen.

Das Cover der LP wurde natürlich auch hier als Titelbild verwendet, wobei der prägende grüne Rahmen um das eigentliche Motiv natürlich nicht fehlen darf. Zu sehen sind einige Mitglieder der Reisegruppe in felsiger Umgebung, die Farbgebung hat dabei einen interessanten Verlauf und reicht vom orange-gelben Himmel bis zu bläulich und violett schimmernden Felsen, die schon im Schatten liegen.

Fazit: Da man sich in den vorigen Folgen bereits an Kara Ben Nemsi und seine Gefährten gewöhnen durfte, geht die Handlung hier recht schnell los und präsentiert sich in ganz unterschiedlichen Szenen sehr abenteuerlich. Die Charaktere bekommen dabei viel Aufmerksamkeit geschenkt, wobei auch die Actionsequenzen ziemlich ausgedehnt wirken.

VÖ: 19. Mai 2017
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-960660-72-9


Karl May – 2. Durchs wilde Kurdistan



Erster Eindruck: Der Krieg im Dorf...

Zwar konnten Kara Ben Nemsis und sein treuer Gefährte Hadschi Halef Omar sind zwar unbeschadet der Wüste entkommen, doch ihnen steht in der Türkei direkt das nächste Abenteuer bevor. So geraten sie in einem kleinen Dorf mitten hinein in den Konflikt zwischen Türken und Kurden, obwohl sie dort nur einen Unterschlupf für eine Nacht suchen – mit ungeahnten Folgen...

Maritim hat bereits in den 70er Jahren die Geschichten von Karl May als Hörspiel umgesetzt und nun, 30 Jahre später, vom gleichen Label auf CD veröffentlicht – die „Grüne Serie“ ist also zurück. Auch die zweite Folge begleitet Kara Ben Nemsis auf seinen abenteuerlichen Reisen, setzt aber andere Schwerpunkte als die erste Episode. Und auch das Setting ist ein ganz anderes, die Handlung versetzt den Hörer zunächst in ein kleines Dorf, bei dem es im Hintergrund ordentlich zu brodeln scheint. Die gefahrvolle Szenerie ist gut getroffen und wird gut ausgebaut, als des nachts eine wilde Actionszene aufkommt. Dabei ist die Erzählweise noch recht ruhig, sodass die Bedrohung der Reisegruppe gut zur Geltung kommt. Und auch die weitere Entwicklung ist spannend erzählt und präsentiert noch einige andere Stimmungen, sodass eine abwechslungsreiche Handlung entstanden ist. Der Humor kommt insbesondere durch den Engländer Sir David Lindsay herüber, der die Gefahr nicht wirklich wahrzunehmen scheint und hörbare Freude an allem zu haben scheint. „Durchs wilde Kurdistan“ ist gut erzählt und atmosphärisch noch dichter als sein Vorgänger.

Tobias Pagel ist als Sir David Lindsay zu hören und bringt mit seiner humorigen Sprechweise eine lockere Stimmung mit ein, neigt dabei aber auch dazu, zu überspitzen und ins Alberne abzudriften. Axel Jago ist in der Rolle des Amad el Ghandur zu hören, den er sehr intensiv spricht und viel Energie ist seine Stimme legt. Und auch Santiago Ziesmer ist hier zu hören, wobei schon leichte Anklänge seiner heute so unverwechselbaren Stimme zu hören sind, zumal er hier sehr intensiv und ernsthaft spricht. Weitere Sprecher sind Gerhard Zimbran, Klaus Jespen und Heinz Rabe.

Musik ist hier recht wenig im Einsatz, lediglich am Anfang und bei einigen Szenenwechseln ertönt eine orientalische Melodie, die sich öfter wiederholt. Viel Atmosphäre kommt dahingegen durch die eingesetzten Geräusche auf, die jede Szene gut untermalen und einen lebendigen Klang verleihen, auch wenn sie – ganz im Stil der damaligen Zeit – manchmal etwas dick aufgetragen werden.

„Die grüne Serie“ wurde diese Reihe von Karl May-Hörspielen genannt, und ein Blick auf das Cover zeigt auch, warum dies so ist: Die dunkelgrüne Farbgebung des Rahmens zieht sich auch durch die restliche Gestaltung. Zudem ist noch das nostalgisch anmutende Titelbild der LP zu sehen, die dank der Männer mit ihren Waffen bedrohlich wirkt.

Fazit: Die zweite Folge der wiederveröffentlichten Klassiker kann etwas mehr überzeugen als sein Vorgänger, da die einzelnen Elemente besser zur Geltung kommen. So kommen gerade die ersten Szenen in dem fremden Dorf sehr abenteuerlich und bedrohlich beim Hörer an, und auch der spätere Verlauf ist atmosphärisch und kurzweilig geraten.

VÖ: 24. März 2017
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-960660-71-2


Karl May – 1. Durch die Wüste



Erster Eindruck: Klassische Serie neu Veröffentlicht

Kara Ben Nemsi ist gemeinsam mit seinem Diener Hadschi Halef Omar unterwegs durch die Wüste Tunesiens. Doch die bisher eher ruhige Reise bekommt eine überraschende Wendung, als die beiden einen Toten finden. Schnell finden sie eine Spur, die zum Täter führt und verfolgen ihn – und erleben dabei so allerlei Abenteuer...

Karl Mays Geschichten erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Die abenteuerlichen Geschichten des Autors wurden in den 70er bereits von Maritim als Hörspiel umgesetzt. Genau diese Produktionen werden nun bei dem wieder auferstandenen Label auf CD veröffentlicht, wobei jede Menge nostalgischer Gefühle aufkommen. Die Geschichte hat viel abenteuerlichen Fair, und ist sehr abwechslungsreich erzählt, in immer neue packende Ereignisse werden die beiden Freunde verwickelt. Dabei ist allerdings anzumerken, dass die Vorlage deutlich gekürzt wurde – gerade einmal 38 Minuten Laufzeit sind von dem Roman hier übrig geblieben. Dabei geht doch einiges an Flair verloren, insbesondere die Charaktere entwickeln nicht wirklich Strahlkraft. Auch deren emotionale Entwicklung kommt trotz der guten Sprecher etwas zu kurz. Dies ist sicherlich auch der damaligen Machart von Hörspielen geschuldet, die sich von heutigen Produktionen deutlich unterscheiden, fällt hier aber noch etwas extremer aus. „Durch die Wüste“ ist sicherlich nicht die stärkste Produktion der „grünen Serie“, dennoch ist es natürlich lobenswert, die Hörspiele noch einmal chronologisch zu veröffentlichen.

Wolfgang Jürgen ist hier als Kara Ben Nemsi nicht nur für die Dialoge, sondern auch für einige Erzähltexte zuständig. Das macht er sehr intensiv und setzt immer wieder gelungene Akzente, zudem zeichnet er den Spannungsbogen der Geschichte gut mit seiner Stimme nach. Ulli Wiese steht ihm als Hadschi Halef Omar zur Seite und punktet mit seiner markanten Stimme, die er sehr professionell einsetzt. Ernst G. Seibt macht seine Sache ebenfalls gut, die Rolle des Sabel bekommt durch ihn einen nachhaltigen Ausdruck. Weitere Sprecher sind Ingo Conrad, Dirk Bender und Daisy Ludwig.

Musik ist hier während der Handlung nicht zu hören, dafür sind viele klassische Geräusche eingebaut und sorgen für einen lebendigen Eindruck der Dialoge. Die Klangqualität der Aufnahmen ist noch steigerungsfähig, die Dialoge klingen recht blechern und betonen die Zischlaute der Sprecher, woran auch die digitale Restauration der Aufnahmen leider nicht viel ändern konnte.

Bei der optischen Aufbereitung hat sich das Label ganz an die Idee gehalten, dass hier die LP wiederveröffentlicht wird. So ist das Cover der Platte auch hier verwendet worden, gezeigt wird eine nostalgische Zeichnung, in der die Protagonisten vor dem Hintergrund einer angedeuteten Wüstenstadt zu sehen sind. Das Innere zählt alle Mitwirkenden übersichtlich aufbereitet auf, während die CD im Look einer Schallplatte bedruckt ist.

Fazit: „Durch die Wüste“ ist ziemlich flott erzählt und führt die Charaktere über ganz unterschiedliche Stationen durch eine abenteuerliche Atmosphäre. Das wirkt aber manchmal schon etwas hektisch und bringt nicht alle Elemente richtig gut zur Geltung. Der Klang ist trotz vieler Geräusche und guter Sprecher etwas zu blechern geraten. Liebhaber klassischer Hörspiele werden aber dennoch ihren Spaß an dieser Veröffentlichung haben.

VÖ: 27. Januar 2017
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-960660-70-5