Edgar Wallace löst den Fall – 4. Die Glasaugenmenschen

Edgar Wallace löst den Fall – 3. Der schwarze Armbrustschütze

Edgar Wallace löst den Fall – 2. Das irische Halstuch

Edgar Wallace löst den Fall – 1. Der unheimliche Pfeifer von Blending Castle


Edgar Wallace löst den Fall – 4. Die Glasaugenmenschen



Erster Eindruck: Eine ungewöhnliche Begegnung...

Der Überfall auf einen Geldboten in London sorgt für Aufsehen – besonders, weil das Überfallopfer Lord Nelson als Übeltäter erkannt haben will. Inspector Bliss glaubt allerdings keineswegs, dass sich die granitene Statue am Trafalgar-Square erhoben hat, zumal immer weitere Überfälle gemeldet werden. Und immer wieder werden dabei historische Persönlichkeiten gesichtet...

In einer erfreulich regelmäßigen Taktung von ziemlich genau zwei Monaten bringt das engagierte Label WinterZeit neue Folgen der Krimiserie „Edgar Wallace löst den Fall“ auf den Markt, sodass auch die vierte Folge „Die Glasaugenmenschen“ nur einige Zeit nach dem Start der Serie erhältlich ist. Der sehr offensichtliche Bezug zu den Originalen des britischen Autors ist hier nicht mehr zu erkennen – weder Titel noch Inhalt lehnen sich allzu offensichtlich an sein Werk an. Dennoch bleibt viel von der dichten Stimmung in London erhalten, und natürlich zitiert Inspector Bliss an allen nur möglichen Stellen sein großes Idol. Die Handlung punktet dann mit dem sehr interessanten Ansatz, der zunächst nur wenige Anhaltspunkte auf Täter oder Motiv in sich birgt. Doch in einem cleveren Aufbau werden immer neue Hinweise hinzugefügt, die aber gleichzeitig auch neue Rätsel aufwerfen. So kommt man der Lösung gemeinsam mit Bliss und Sergeant Mender immer näher, verliert aber doch nie das Interesse an der Handlung. Die Auflösung kommt dann etwas überraschend, weil der Inspector dann einen plötzlichen Wissensvorsprung hat, fügt sich aber dennoch stimmig ein und klärt den Fall gekonnt auf – doch das war immer noch nicht das Ende, denn eine prägnante Begegnung von Bliss und eine kurzweilige Abschlussszene sind noch angehangen. Auch der leise Humor, der die komplette Handlung durchzieht, hat mir sehr gut gefallen.

Edwin Lippleshaw wird von Johannes Berenz gesprochen, der seine Sache sehr gut macht und mit viel Ausdruck in der Stimme und glaubhaftem Auftreten für eine passenden Charakter sorgt. Sven Gerhardt ist als Jacob Wipple zu hören, dem er eine gewisse Portion spröden Charme verleiht, der sehr gut in die Atmosphäre der Serie passt und in seinen Szenen gut plaziert ist. Auch Reinhard Kuhnert hat mir als Taylor Baines gut gefallen, mit seinem angenehmen Klang schafft er einen weiteren einprägsamen Charakter. Weitere Sprecher sind Jürgen Thormann, Herbert Schäfer und Dirk Petrik.

Die vorigen Folgen hatten sehr prägnante Schauplätze oder Szenerien, die in dieser Vorlage von Dietmar Kuegler nicht aufgetreten sind. So wirkt das Hörspiel insgesamt ein wenig ruhiger, auch wenn es natürlich immer wieder aufregende Szenen gibt, die dann auch passen inszeniert wurden. Musik und Geräusche sind dabei gut aufeinander abgestimmt, der Klang der Folge hat mir wieder gut gefallen.

Natürlich wurde das orange-rote Coverdesign der vorigen Folgen auch hier wieder verwendet. Der schlichte gelbe Schriftzug passt gut dazu, wobei sich diese Farben durch die komplette Gestaltung ziehen. Das Glasauge, welches schließlich den entscheidenden Hinweis auf den Täter liefert, ist als Titelbild ausgewählt worden und ist in seiner Schlichtheit sehr gut gewählt.

Fazit: Hier werden nur noch vereinzelt Motive aus den Wallace-Romanen verwendet, sodass die Geschichte freier und überraschender ist, ohne den Charme der bekannten Geschichten vermissen zu lassen. Der unterhaltsame und spannende Verlauf ist mit gelungenen Elementen gespickt und ist kurzweilig dargeboten, sodass mir auch diese Folge sehr gut gefallen hat.

VÖ: 25. August 2017
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-945624-92-0


Edgar Wallace löst den Fall – 3. Der schwarze Armbrustschütze



Erster Eindruck: Bedrohung durch zischende Pfeile...

Die Bewohner des traditionsreichen Landsitzes Caxton Manor sind in Angst und Schrecken, denn ein unheimlicher Bogenschütze attackiert immer wieder die Familienmitglieder. Chiefinspector Bliss wird zu Rate gezogen und verschafft sich erst einmal einen Überblick über die Situation, doch schon bald steht der nächste Angriff bevor. Dabei gibt es eine seltsame Forderung: Die Familie soll das Haus im Kürze verlassen...

Winterzeit hat eine neue Serie rund um die Geschichten von Edgar Wallace gestartet, die allerdings nicht die Originale umsetzt, sondern neue Handlungen nach Motiven des bekannten Krimiautors erzählt. Schon nach kurzer Zeit ist auch die dritte Folge entstanden, die sich dieses mal an der Geschichte „Der grüne Bogenschütze“ orientiert und viele bekannte Elemente aus den Wallace-Romanen enthält: Eine geheimnisvolle Gestalt, ein altes, herrschaftliches Gemäuer, ein sehr reduzierter Kreis an Verdächtigen – so kommt schnell das Flair der Vorlagen auf. Und auch die Geschichte ist gut strukturiert und kurzweilig erzählt, die Ermittlungen werden in angenehmen Tempo vorangetrieben, sodass es nicht langweilig wird und der Hörer dennoch Gelegenheit hat, das Ganze für sich selbst zu ordnen. Bliss gibt dabei immer wieder einen Schubs in die richtige Richtung und erzählt, wie ähnliche Vorgänge in den Wallace-Romanen aufgelöst werden. So ist das Finale dann auch keine ganz große Überraschung, aber sehr stimmig in Szene gesetzt. Die Charaktere sind dabei gut ausgearbeitet und ein wenig überspitzt dargestellt, sodass sie genügend interessante Eigenheiten haben, um die Handlung zu bereichern. Eine gelungene Folge der Serie, die allerdings etwas zu leicht zu durchschauen ist.

Erzähler Rainer Gerlach bringt wieder viel Stimmung in die Handlung mit ein und gestaltet seine Texte atmosphärisch und lebendig. Michael Pan ist in der Rolle des Ashwood Blair zu hören, er investiert viel Energie in die Rolle und verleiht ihr einen leicht skurrilen und passenden Ausdruck. Und wo ein alternder, unfreundlicher Schlossherr benötigt wird, darf Jürgen Thormann natürlich nicht fehlen, auch in dieser Erzählung fühlt er sich in der Rolle hörbar wohl und grantelt wunderbar abweisend vor sich hin. Weitere Sprecher sind Dirk Petrick, Alice Bauer und Johannes Berenz.

Die Macher konzentrieren sich hier insbesondere auf die Sprecher und ihre Dialoge, die akustische Umsetzung ist eher sacht angebracht. Durch die kleinen Melodien, die als Szenenübergang eingesetzt sind, und die passenden Geräusche entsteht dennoch eine stimmige Atmosphäre. Dabei kommt die Stimmung auf dem alten Landsitz besonders gut zur Geltung.

Natürlich ist auch hier wieder die Gestaltung in einem kräftigen Orange gehalten, die sich neben dem Cover auch im Inneren fortsetzt und so einen einheitlichen Look erhält. Eine Armbrust ist als Motiv für das Titelbild ausgewählt worden und hebt sich in dunklen Farben deutlich ab, während die gewählte Schrift hell und leicht gelblich ist, sodass sich alles gut lesen lässt.

Fazit: Viele stimmige Elemente aus den Wallace-Romanen wurden hier neu zusammengestellt und zu einem stimmigen Ganzen zusammengesetzt. Dabei sind die Charaktere sehr prägnant umgesetzt und sorgen für einige eindrucksvolle Momente. Die Auflösung deutet sich zwar im Laufe der Zeit an, ist aber mit genügend interessanten Wendungen versehen.

VÖ: 12. Mai 2017
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-945624-91-3


Edgar Wallace löst den Fall – 2. Das irische Halstuch



Erster Eindruck: Nebeliger Auftakt zu starker Folge

Der Bürgerkrieg zwischen England und Irland tobt auf Hochtouren, und immer wieder kommen Gerüchte über einen irischen Geheimbund auf. Mittendrin ermittelt Chiefinspector Bliss, um den Fall des britischen Empire zu verhindern. Die Spur führt den Ermittler und seinen Partner Sergant Mander über ein Halstuch bis hin zum Oberhaupt der Raben...

Wer sich bei den Titeln der neuen Krimiserie von Winterzeit fragt, ob er vielleicht bisher immer etwas falsch verstanden hat, ist wohl nicht allein. Tatsächlich wurde bei „Das irische Handtuch“ im Titel nur das Land ausgetauscht, mit dem Klassiker „Das indische Handtuch“ hat die Geschichte der zweiten Folge allerdings nichts zu tun. Die Szenerie erinnert vielmehr an „Das Gasthaus an der Themese“, woran auch die Eingangsszene offensichtlich angelehnt ist. Später löst sich die Handlung immer mehr von der Vorlage, geht eigene Wege, doch die Ideen von Wallace haben immer wieder Einfluss, auch die Konstellation der Charaktere ist deutlich hiervon inspiriert. Witzig sind die Kommentare des Ermittlers, der den Autor öfters direkt erwähnt und Bezug zu den Fällen nimmt. Richtig gut gefällt mir, dass die politische Situation, der Konflikt zwischen Irland und Großbritannien als Kernelement ausgewählt wurde, was viel geschichtliche Atmosphäre mit einbringt. Durch das Geheimbund-Thema kommt zudem noch eine mysteriöse Stimmung mit ein. Die Auflösung enthält dann auch wieder Teile aus den bekannten Geschichten, geht aber eine gelungene Symbiose mit den neuen Elementen ein und kann so stellenweise noch durchaus überraschen – zumal die Handlung nicht ganz abgeschlossen, der Geheimbund nicht vollständig zerschlagen wird. Diese Folge gefällt mir noch ein bisschen besser als der direkte Vorgänger.

Peter Flechtner ist als Sergeant Mander zu hören, den er sehr lebendig spricht. Er hat genügend Energie, um dem Inspector die Bälle zuzuspielen, kann sich aber auch in den richtigen Momenten zurücknehmen und die anderen Charaktere wirken lassen. Kaya Marie Möller ist als Jenny zu hören, die sie sehr energetisch und ausdrucksstark spricht. Erzähler Rainer Gerlach setzt seine Texte ruhig und bestimmt um, bringt aber auch viel Dynamik und Spannung mit ein. Weitere Sprecher sind Gerald Schöne, Reinhard Kuhnert und Andrea Aust.

Nach der flotten Titelmelodie kann mich die Geräuschkulisse wirklich überzeugen, schon die erste Szene auf dem nebelverhangenen Fluss ist sehr stimmig umgesetzt. Und auch die folgenden Momente sind atmosphärisch inszeniert. Die Musik geht dabei manchmal etwas unter und hält sich eher zurück, diese hätte für meinen Geschmack doch etwas frischer wirken können.

Natürlich ist das titelgebende Halstuch auch auf dem Cover zu sehen und zeichnet sich von dem orangefarbenen Hintergrund nur mit einigen schwarzen Details ab, während die sehr klare Schriftart zurückhaltend dazu ergänzt ist. Im Inneren des kleinen Booklets gibt es zahlreiche Informationen zu Mitwirkenden nachzulesen.

Fazit: Die Verknüpfung zwischen Elementen aus den Edgar Wallace-Geschichten und den geschichtlichen Entwicklungen im Konflikt zwischen Irland und Großbritannien ist sehr stimmig gelungen und spannend erzählt. Die Charaktere sind stark in Szene gesetzt und in interessanten Konstellationen dargestellt. Auch der leicht humorige Ansatz passt sehr gut dazu, sodass ein sehr gelungenes Hörspiel entstanden ist.

VÖ: 10. März 2017
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-945624-89-0


Edgar Wallace löst den Fall – 1. Der unheimliche Pfeifer von Blending Castle



Erster Eindruck: Hommage an den großen Krimiautor

Ein Dudelsackspieler versetzt die Bewohner von Blending Castle in Angst und Schrecken. Denn die Legende besagt, dass der Schlossherr sterben wird, sobald der geheimnisvolle Musiker seine Melodie dreimal bei Vollmond gespielt hat. Chiefinspector Bliss nimmt sich der Sache an und erhält so allerlei Anregungen zur Lösung des Falles aus den Geschichten von Edgar Wallace...

Auch heute noch erfreuen sich die Krimis von Edgar Wallace großer Beliebtheit, was nicht nur die zahlreichen Wiederholungen der Filme im TV beweisen. Winterzeit hat nun eine neue Hörspielreihe zu den bekannten Geschichten konzipiert, diese aber völlig auseinandergenommen und neu zusammengesetzt, wobei ganz neue Handlungen entstanden sind. Als Ermittler hat sich Autor Dietmar Kuegler Chiefinspector Bliss als Hauptfigur ausgedacht, einen zurückhaltenden und ebenso scharfsinnigen wie scharfzüngigen Mann, der sich viele Inspirationen aus den Romanen von Edgar Wallace holt. „Der unheimliche Pfeifer von Blending Castle“ enthält dann noch deutlich mehr abgewandelte Elemente aus dem Wallace-Fundus als den Titel, setzt dabei aber neue Akzente. So sind die Figuren durchaus eigenständig gestaltet, während die Stimmung auf dem alten Gemäuer sehr intensiv wiedergegeben wird. Doch die Auflösung ist keinesfalls so einfach, wie man es am Anfang vermuten könnte. Vielmehr gibt es neue Verstrickungen, der Blick auf das Gesamtbild offenbart sich erst ganz am Ende. Das hat durchaus einigen Charme und weckt so einige nostalgische Gefühle, schafft es aber nicht, dabei noch einen modernen Touch mit einzubringen, einen pfiffigen oder unerwarteten Dreh. Eine hörenswerte Produktion.

In der Hauptrolle des Inspector Bliss ist Jürgen Kluckert zu hören, der mich hier wirklich überzeugt hat. Er schafft eine sehr eigenständige Figur mit viel unterschwelligem Witz, der genau deswegen so viel Charme entwickelt. Jürgen Thormanns unverkennbarer Klang ist prädestiniert für die Rolle des Schlossherren Lord Blending, wobei er eine sehr intensive und ausdrucksstarke Sprechweise gewählt hat. Kaya Marie Möller hat mir als Lady Margaret ebenfalls gut gefallen, sie passt sich dynamisch an die Handlung und die düstere Atmosphäre des Schlosses an. Weitere Sprecher sind Michael Pan, Jeffrey Wipprecht und Sven Gerhardt.

Der Titelsong der Serie erinnert stark an das Intro zu den fast schon legendären Europa-Hörspielen und ist stilistisch sehr ähnlich. Auch danach wird viel klassische Kost geboten, die Musik ist nostalgisch und arbeitet die düstere Stimmung auf dem Schloss gut heraus. Auch die Geräusche fügen sich stimmig ein, sodass eine passende, aber nicht sonderlich auffällige Szenerie entsteht.

Ein kräftiges Orange ist die vorherrschende Farbe bei der Gestaltung. Auf dem Cover wird dies durch schlichte, gelbliche Schriftzüge, einen ebensolchen Rahmen und das schwarz aufgedruckte Motiv eines alten Schlosses durchbrochen. Im Inneren gibt es neben den üblichen Angaben noch einen einleitenden Text sowie weitergehende Informationen zu einigen Mitwirkenden.

Fazit: Die erste Folge von „Edgar Wallace löst den Fall“ bietet eine gelungene Stimmung, tolle Charaktere und einige intensive Momente. Der Einfluss der ursprünglichen Geschichten ist groß, was aber gekonnt variiert und in einen anderen Kontext gesetzt wurde. Wer auf der Suche nach einem nostalgischen Hörspiel ist, ist hier genau richtig, ein wenig mehr frischer Wind wäre aber durchaus passend gewesen.

VÖ: 6. Januar 2017
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-945624-88-3