Das schwarze Auge - 2. Freund oder Feind

Das schwarze Auge – 1. Im Kerker von Gareth


Das schwarze Auge - 2. Freund oder Feind



Erster Eindruck: Misstrauen und Verrat

Zwar konnte der Zwerg Gundar Gemmenschneider mit seinen unfreiwilligen Gefährten der Stadtwache von Gareth vorerst entkommen, doch in Sicherheit sind sie deswegen noch lange nicht. Und neben den Gefahren von außen müssen sie auch endlich als Gruppe zusammenfinden, um ihre gefahrvollen Auftrag gemeinsam lösen zu können. Keine leichte Aufgabe – zumal sie bald einer Räuberbande in die Hände fallen...

Nicht einmal ein Monat ist vergangen, seit „Im Kerker von Gareth“ erschienen ist, und schon wird bei „Das schwarze Auge“ nachgelegt. Wurden in der ersten Folge der Serie vorrangig die Charaktere vorgestellt und die Grundsituation erklärt, kommt die Handlung natürlicherweise hier viel schneller in Schwung, sodass schon kurz nach dem Beginn eine wunderbar abenteuerliche und gefahrvolle Szenerie geschaffen wird. Verfolgung, Bedrohung durch die Räuberbande, Kämpfe und eine äußerst knappe Flucht – das ist alles sehr flott erzählt und macht richtig Spaß. Doch das ist eben nicht alles, was die Serie zu bieten hat, vielmehr wird hier noch deutlicher, wie viel Wert auf die Charaktere, ihren Hintergrund und ihre Entwicklung gelegt wird. Dabei steht dieses mal die Streunerin Alinne etwas mehr im Mittelpunkt und offenbart einige erschreckende Details aus ihrer Vergangenheit. Und auch das Thema Loyalität wird sehr gekonnt eingebaut, denn die Mitglieder der Reisegruppe stammen aus ganz unterschiedlichen Völkern, es herrschen Streit und Misstrauen, was mit einigen spannenden Wendungen versehen ist. Gut gefällt mir auch, dass der Hörer hier nicht überfordert wird, alles wird gut erklärt, und auch den verschiedenen Charakteren kann man gut folgen. Das ist alles sehr gut zusammengestellt und ist nicht nur für Kenner des schwarzen Auges eine spannende Fantasy-Geschichte.

Marcus Off macht auch in dieser Folge Lust darauf, den Elfen Filoen näher kennenzulernen, denn mit seiner leicht hochnäsigen und sarkastischen Art schafft er einen interessanten Charakter, der sich gut in die Atmosphäre der Serie einfügt. Julius Jellinek ist als Lares vom weißen Turm zu hören, seine markante Stimme sorgt für einige eindrucksvolle Momente und sorgt für viel Aufmerksamkeit für diese Rolle. Axel Ludwig ist auch hier wieder als Erzähler im Einsatz, er gestaltet seine Passagen kurzweilig und sorgt dabei für eine Steigerung der vorherrschenden Stimmung. Weitere Sprecher sind Eckart Dux, Till Hagen und Natascha Geißler.

Das Sounddesign dieser Folge ist auch hier wieder äußerst stimmig, sodass eine intensive und lebendige Atmosphäre entsteht. Dafür sorgen in erster Linie die vielen Geräusche, die während der Dialoge ganz unterschiedliche Stimmungen heraufbeschwören und die jeweilige Szenerie unterstreichen. Unterstützt durch die atmosphärische und mittelalterlich angehauchte Musik passt das alles sehr gut zusammen.

Natürlich ist das Coverdesign im Stil von „Das schwarze Auge“ gehalten, wobei man sich ganz auf das detailreiche gezeichnete Titelbild konzentriert, nur wenige andere Elemente unterbrechen dessen Wirkung. Im Inneren gibt es einen guten Einblick, wie diese Grafik immer weiter entwickelt wurde, aber auch viele Informationen zu den mitwirkenden Sprechern und dem Illustrator hinterlassen einen sehr guten Eindruck.

Fazit: Auch „Freund oder Feind“ hat mich sehr überzeugt und versetzt den Hörer wieder in die fremdartige Welt von Aventurien. Neben vielen Actionsequenzen stehen aber auch die Charaktere immer wieder im Mittelpunkt, sodass man mitfiebert und durch die vielen Wendungen immer wieder mitgerissen wird. Sehr hörenswert und spannend!

VÖ: 21. Juli 2017
Label: Winterzeit / Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-960660-04-0


Das schwarze Auge – 1. Im Kerker von Gareth



Erster Eindruck: Spannende erste Folge der neuen Fantasy-Serie

Der Zwerg Gunder Gemmenschneider wollte in der großen Stadt Gareth eigentlich nur einige Geschäfte machen, wird aber von einem Kaufmann ausgetrickst und landet wegen des Verdachts des Diebstahls im Kerker. Die harte Arbeit und die schlechte Behandlung durch die Wachen machen ihm zu schaffen, sodass er nicht lange zögert, als er mit einem Elfen, einem Thorwalder und einer Streunerin die Flucht ergreifen kann...

Als Rollenspiel ist „Das schwarze Auge“ ein Dauerbrenner, wobei es auch zahlreiche Ableger in Buchform gibt. Winterzeit hat in Zusammenarbeit mit Audionarchie eine Hörspielreihe des erfolgreichen Merchandise gestartet und damit einen neuen Versuch unternommen, auch die Hörspielhörer von dem Stoff zu begeistern. Das könnte auch gut gelingen, denn Vorkenntnisse aus dem Rollenspiel sind nicht notwendig, es ist ein lupenreines Fantasy-Hörspiel geworden. Zunächst wird die Grundsituation recht ausführlich dargestellt, wobei die Welt Aventurien dabei sehr schön herausgearbeitet wird. Schon in den ersten Minuten werden beispielsweise die Vorurteile gegen Zwerge lebendig dargestellt, auch das Kennenlernen der Hauptfiguren im Kerker und die dortige und triste Stimmung kommt sehr gut zur Geltung. Richtig los geht die Handlung dann aber mit der Flucht von Gunder und seinen Gefährten, hier werden sowohl Spannung als auch Dynamik deutlich nach oben gedreht. Dabei entwickeln sich die ersten Handlungsfäden und interessante Beziehungen zwischen den Charakteren, sodass man gern erfahren möchte, wie es nach der Flucht weitergehen wird. Gut gefällt mir dabei, dass nicht alle Klischees der Fantasy-Literatur ausgebreitet werden, so ist der Zwerg Gunder zwar durchaus etwas grimmig, aber insbesondere mit viel sarkastischem Humor gesegnet – und der Elf Filoen verhält sich keineswegs immer so ehrenhaft, wie man es von seiner Art eigentlich erwartet. Ein rundes und gut erzähltes erstes Abenteuer der Serie, die zwar langsam, aber keineswegs uninteressant startet und die Welt und deren Bewohner sehr stimmungsvoll darstellt.

Claus-Peter Damitz spricht in der Serie die Hauptrolle des Zwergs Gunder Gemmenschneider und schafft dabei einen sehr interessanten Charakter, verleiht ihm einige sehr individuelle Züge. Da seine Stimme bisher nicht durch andere starke Rollen „vorbelastet“ ist, kann man sich auch dank seiner gekonnten Sprechweise völlig in die abenteuerliche Welt von Aventurien fallen lassen. Gabrielle Pietermann ist in der Rolle der Alinne zu hören, ihre helle Stimme nimmt hier einen festen und sehr harten Klang an, der wunderbar zu der Rolle passt und neugierig auf sie macht. Marco Kröger reagiert als Hothar sehr allergisch, wenn man den Thorwalder als Piraten bezeichnet, bringt sein rauhbeiniges Auftreten dabei sehr gut zur Geltung. Weitere Sprecher sind Markus Off, Axel Ludwig und Eckart Dux.

Bei Fantasy-Hörspielen laden ja eigentlich schon zu leichten Übertreibungen in der akustischen Umsetzungen ein, dem haben die Labels aber nicht nachgegeben, sondern eine runde und in den richtigen Momenten zurückhaltende Produktion geschaffen, die sich voll auf die Charaktere und deren Dialoge konzentriert und nur in den besonders spannenden Szenen etwas aufdreht. Musik und Geräusche lassen die düstere Szenerie lebendig wirken.

Das Cover ist sehr phantasievoll gestaltet, vor fast schon gelbem Himmel reckt sich die Festung von Gareth klobig in die Höhe, während die bunt zusammengewürfelte Reisetruppe mit etwas Abstand davon auf der Flucht ist. Der Zeichenstil ist sehr ansehnlich und passt gut zu der Stimmung des Hörspiels. Im Inneren des kleinen Booklets sind viele zusätzliche Informationen zu dem schwarzen Auge, den Machern und den Sprechern zu finden – sehr lesenswert und vielseitig.

Fazit: Da ich dem Genre Fantasy sowieso sehr zugetan bin, habe ich mich über diese Veröffentlichung sehr gefreut und wurde nicht enttäuscht. Denn hier stehen die Charaktere im Vordergrund statt immer neuer mystischer Elemente einzubauen. Die mittelalterlich wirkende Welt von Aventurien wird dabei sehr lebendig dargestellt, die ersten Handlungsstränge gelegt, was sehr kurzweilig geraten ist.

VÖ: 30. Juni 2017
Label: Winterzeit / Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-945624-98-2