Sherlock Holmes Chronicles – 30. Das gelbe Gesicht / Die beiden Sonderlinge

Sherlock Holmes Chronicles – 29. Der schwarze Peter / Das Glas mit dem Magenbitter

Sherlock Holmes Chronicles – 28. Der Orchideenzüchter

Sherlock Holmes Chronicles – 27. Die drei Studenten / Die drei Kameraden

Sherlock Holmes Chronicles – 26. Sein schrecklichster Fall

Sherlock Holmes Chronicles – X-Mas Special 4. Das Rätsel der grauen Katze
 


Sherlock Holmes Chronicles – 30. Das gelbe Gesicht / Die beiden Sonderlinge



Erster Eindruck: Untreue Gattin?

Lange sind Grant Munro und seine Gattin Effie noch nicht verheiratet, doch schon zweifelt der junge Mann an ihrer Treue. Denn nachdem Effie eine beträchtliche Geldsumme von ihren Mann erbeten hat, aber nicht den Grund der Zahlung angeben wollte, hat Grant sie verfolgt und in ein Haus gehen sehen, aus dessen oberen Fenster ein entstelltes, gelbes Gesicht herausschaut. Grant Munro bittet Sherlock Holmes um Mithilfe...

Beinahe schon alte Tradition setzt Winterzeit in der 30. Folge der Sherlock Holmes Chronicles-Serie gleich zwei Geschichten um, wobei der Hauptteil von „Das gelbe Gesicht“ bestritten wird. Leider ist dies nicht die stärkste Folge aus den Fundus von Sir Arthur Conan Doyle, sodass die Geschichte trotz der wie gewohnt stimmigen Umsetzung des Labels ein wenig blass bleibt. Bereits einen großen Teil der Handlung wird von dem Bericht von Grant Munro eingenommen, was immerhin recht unterhaltsam und rätselhaft ist. Doch die nachfolgenden Ermittlungen entfallen quasi komplett, nach einer (sich im Nachhinein als falsch herausstellenden) Vermutung von Holmes geht es nahtlos in die Auflösung über. Dass es sich dabei sogar genau genommen nicht einmal um einen wirklichen Krimi, sondern die Beschreibung persönlicher Schicksale handelt, trägt nicht zur Steigerung der Spannung bei. Die nachfolgende Geschichte „Die beiden Sonderlinge“ klingt mehr wie ein Teaser zu einer noch kommenden Geschichte, denn neben recht langen Monologen und einer ziemlich knappen, nicht gerade aufregenden Handlung ist diese Episode auch schon wieder vorbei. So bleibt ein eher durchwachsener Eindruck dieser Folge.

Manuel Straube ist in der Geschichte über das gelbe Gesicht als Grant Munro zu hören, er wählt eine passende Sprechweise und lässt die aufgewühlte Gefühlswelt des Mannes gut durchklingen, ohne die nüchterne Atmosphäre der Holmes-Geschichten zu sehr zu verändern. Seine Frau wird von Andrea Aust gesprochen, die mit viel Leidenschaft dabei ist und deren Flehen und Unsicherheit im Laufe der Handlung immer intensiver wird. Natürlich ist auch Tom Jacobs als Dr. Watson wieder mit dabei, der launig und charmant wirkt wie eh und je. Weitere Sprecher sind Magdalena Turba, Tanya Kahana und Dirk Hardegen.

Akustisch ist die Folge stimmungsvoll umgesetzt worden, wofür besonders die eingebauten Melodien sorgen, die harmonisch sind und die das viktorianische Zeitalter, in der die Geschichten spielen, gekonnt aufleben lassen. Dabei sind nur recht wenige im Einsatz, was ebenso für Geräusche gilt, sodass der Fokus immer auf den Sprechern und den Dialogen liegt.

Das gelbe Gesicht, das der ersten Geschichte den Titel gibt, ist auf dem Cover sehr unheimlich und düster umgesetzt worden. Es späht hinter einem Fensterbalken hervor und wird in eher grünlichen Tönen statt dem üblichen Sepia dargestellt. Durch die düstere Farbgebung und die recht detailreiche Darstellung passt dieses Motiv dennoch sehr gut in die bisherige Covergalerie.

Fazit: An der Umsetzung ist nichts auszusetzen, hier ist Winterzeit stark wie immer. Doch die Auswahl der Geschichten ist nicht allzu gut gelungen, da beide keinen wirklichen Spannungsbogen aufbauen können. Die Ausrichtung auf ein persönliches Schicksal statt auf einen Kriminalfall bringt zwar eine interessante neue Färbung, ist aber zu kurz abgehandelt.

VÖ: 24.Juni 2016
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9456-2439-5


Sherlock Holmes Chronicles – 29. Der schwarze Peter / Das Glas mit dem Magenbitter



Erster Eindruck: Ein Kapitän und ein Grundbesitzer

Dr. Watson versteht nicht so recht, warum Sherlock Holmes tatsächlich mit aller Macht versucht, Schweinehälften mit nur einem Schlag zu durchbohren. Doch als der Tod des Kapitäns Carey an das Duo herangetragen wird, der mit einer Harpune getötet wurde, wird dem Mediziner einiges klar. Doch der Fall ist verzwickter, als man es anfangs vermuten könnte...

Auch bei Winterzeit gibt es seit einiger Zeit eine eigene Sherlock Holmes-Reihe, wobei hier gleichsam bekannte und neue Geschichten über den Meisterdetektiv erzählt werden. Die 29. Folge kombiniert wieder beides und erzählt neben „Der schwarze Peter“ von Arthur Conan Doyle noch „Das Glas mit dem Magenbitter“, welches von Wolfgang Schüler für eine Anthologie verfasst wurde. Gerade hier ist bestens ersichtlich, wie nah sich einige Autoren an den Originalen halten, wie gut sie neue Fälle konstruieren un verzwickte Geschichten spannend erzählen, denn beide Episoden sind hier sehr gleichwertig und vom Aufbau her ähnlich. Einem längeren Bericht der Auftraggeber folgen einige Ermittlungen in dem Fall, die Überraschendes offenbaren und zu einem unerwarteten Ende führen. Auch die wunderbare Darstellung des Holmes als quasi allwissender und überlegene Detektiv, der sich nicht in die Karten schauen lässt, ist sehr gut getroffen. Und trotz dieser Gleichförmigkeit behalten beide Geschichten eine eigene Identität und können mit einem interessanten Hintergrund und prägnanten Szenen überzeugen. Für Holmes-Liebhaber gibt es sogar eine zeitliche Einordnung des Falles, ein kleines, gelungenes Bonbon für Fans.

In „Das Glas mit dem Magenbitter“ ist statt Till Hagen Karlo Hackenberger als Sherlock Holmes zu hören. Er findet eine einprägsame Sprechweise für diese Rolle und kann den Charakter des Detektivs gekonnt unterstreichen, setzt aber eher auf die ernsthafte Seite des Detektivs. Nora Jokhosha war mit bis dato kein Begriff als Sprecherin, in der zweiten Geschichte überzeugt sie aber als Miss Wolverham mit einem sehr prägnanten Ausdruck und einer glaubhaften Sprechweise. Auch Ricardo Richter ist als John Hopley Nelligan eine sehr gute Besetzung, mit sehr pointierter Sprache und energiegeladenem Ausdruck kann er vollkommen überzeugen. Weitere Sprecher sind Helmut Winkelmann, Bernd Vollbrecht und Konrad Bösherz.

Wieder wurde eine gekonnte akustische Umsetzung geschaffen, um die Handlungen gut zur Geltung zu bringen. Dafür sorgen insbesondere die eingebauten Melodien, die sehr stimmungsvoll geraten sind und mit klassischen Instrumenten eine eingängige Atmosphäre schaffen. Auch die Geräusche passen sehr gut in die Szenerie und lassen die Dialoge lebendiger wirken.

Ein bärtiger, ernst dreinblickender Mann ist in den Fokus auf dem Cover gerückt, das von Mark Freier stammt und sehr gut in die bisherige Covergalerie passt. Wie immer ist es in Brauntönen gehalten und spielt mit dem Verhältnis von Licht und Schatten. Im Inneren sind Kurzbeschreibungen von den drei Hauptsprechern vorhanden, auch Fotos der drei sind zu sehen.

Fazit: Die beiden Geschichten fangen den Geist der Figuren sehr gekonnt ein, und auch wenn beide Handlungen einem ähnlichen Muster folgen, sind beide eigenständig genug, um mit einigen Überraschungen zu punkten. Der unterhaltsame und kurzweilige Verlauf bietet gelungene Spannungsmomente, auch die Umsetzung mit den verschiedenen Hauptsprechern ist sehr passend gewählt.

VÖ: 3.Juni 2016
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9456-2438-8


Sherlock Holmes Chronicles – 28. Der Orchideenzüchter



Erster Eindruck: Das aufgeregte Dienstmädchen...

Patsy Payton, die bei Dr. Maltravers als Angestellte tätig war, berichtet Sherlock Holmes von einigen merkwürdigen Vorgängen in dessen Haus, die ihr Misstrauen erregt haben. Besonders, nachdem ein neuer Gebäudeteil nach einem Brand errichtet wird und sie dort seltsame Kettenvorrichtungen entdeckt, will sie mehr über die Vorgänge in dem Anwesen wissen. Auch das Interesse des Meisterdetektivs ist geweckt...

Die 28. Folge der „Sherlock Holmes Chronicles“ stammt aus der Feder von K.P. Walter, der diese für eine Sammlung von Kurzgeschichten um den bekannten Detektiv verfasst hat. Der Aufbau hingegen ist sehr klassisch und orientiert sich an den vielen Vorlagen von Arthur Conan Doyle, indem erst einmal ein neuer Mandant – hier in Form von Patsy – bei Holmes und Watson ankommt und von einigen recht geheimnisvollen Ereignissen berichtet. Schon hier ergründet das Gespann einiges im Gespräch und kommt so dem Geheimnis auf die Spur, erste Vermutungen werden geäußert. Nach diesem recht ruhigen, aber unterhaltsamen Teil geht es später deutlich lebendiger zu, indem der Meisterdetektiv ein ziemlich ungewöhnliches Kostüm auswählt und auch sonst noch einige überraschende Tricks anwendet, um der Geschichte direkt im Gebäude des Professors auf den Grund zu gehen. Das ist nicht nur ziemlich humorvoll gelöst und macht richtig Spaß, sondern endet fast nahtlos in einem spannenden Finale mit einem packenden und unerwarteten Ende. Das ist sehr gut konstruiert und kann die Spannung über die gesamte Länge halten.

Es sind gerade einmal sechs Sprecher, die für diese Handlung benötigt werden, und allesamt sind gut ausgewählt und können die Stimmung gekonnt einfangen. Im Mittelpunkt steht dabei natürlich wieder Till Hagen als Sherlock Holmes, der seine ganz eigene Weise findet, die bekannte Figur zu interpretieren und seine dunkle Stimme genau die richtige Portion an Humor verleiht. Corinna Dorenkamp sorgt mit ihrer aufgedrehten und sehr charmanten Art für einen gelungenen ersten Teil und bringt mit einigen niedlichen Versprechern viel Leben mit ein. Frank Röth ist als Dr. Maltravers mit seinem tiefen Klang eine sehr geheimnisvolle Figur und kann besonders in der Auflösung mit bewegtem Ausdruck überzeugen. Weitere Sprecher sind Tom Jacobs, Klaus Lochthöve und Louis Friedemann-Thiele.

Wie bereits bei den vorangegangenen Folgen ist die akustische Gestaltung recht zurückhaltend, sodass der Fokus immer auf den Sprechern und ihren Dialogen liegt – was sehr gut zu der Erzählweise der Geschichte passt. Zwar sind vielfältige Geräusche eingefügt, diese drängen sich aber nie in den Vordergrund. In der Auflösung sind diese noch etwas prägnanter und sorgen hier für den richtigen Ausdruck für diesen interessanten Part.

Schade, dass auf der Rückseite im Klappentext schon ein zu deutlicher Hinweis auf die Auflösung des Ganzen gegeben wird, dafür ist das Cover mit den beiden vermummten Kuttenträgern sehr stimmungsvoll geraten, was durch die Sepiafärbung noch verstärlt wird. Das kleine Booklet hält neben den üblichen Produktionsinformationen noch Kurzbiographien zu den beiden Hauptsprechern samt Foto bereit.

Fazit: „Der Orchideenzüchter“ führt einige sehr interessante Elemente zusammen und punktet mit einer unterhaltsamen und kurzweiligen Handlung, in der sich spannende und lustige Momente die Waage halten. Besonders die lange Zeit unklare und ungewöhnliche Auflösung hat mir sehr gut gefallen.

VÖ: 29.April 2016
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9456-2437-1


Sherlock Holmes Chronicles – 27. Die drei Studenten / Die drei Kameraden



Erster Eindruck: Bekanntes und Neues

Ein Universitätsprofessor wendet sich in höchster Eile an Meisterdetektiv Sherlock Holmes, denn am Vortag einer wichtigen Prüfung ist in seine privaten Räume eingebrochen worden, sodass die Aufgaben eingesehen werden konnte. Um die Prüfung nicht verschieben zu müssen sollen Holmes und Watson den Täter schnellstmöglich ausfindig machen, die bald die Zahl der verdächtigen Studenten auf drei reduzieren können...

Die „Sherlock Holmes Chronicles“-Reihe von Winterzeit bietet sowohl die Vertonungen der originalen Geschichten von Arthur Conan Doyle als auch neu erdachte Fälle von wechselnden Autoren – oder wie im Fall der 27. Folge gleich beides, denn hier sind zwei Kurzgeschichten zu hören. Den Anfang macht die bereits bekannte Geschichte „Die drei Studenten“, die sehr sauber und nah am Original umgesetzt wurde. Der Fall lässt sich wegen der Kürze der Zeit auch nur wenig Zeit für ein Intro, sodass schnell mit dem Fall gestartet werden kann. Zu Anfang ist es wieder Holmes' unglaubliche Beobachtungsgabe, die auch scheinbar unwichtige Details erfasst und in seine Auswertungen mit einbezieht. Auch die nachfolgende Ermittlung mit der Befragung verschiedener Zeugen bringt einiges ans Licht und gibt auch dem Hörer einige Rätsel auf. Die Auflösung des Ganzen gestaltet sich dann stimmig und hält kleine Überraschungen parat. Sicherlich ist dies nicht der aufregendste Fall von Holmes, aber ein gut erzählter zum Miträtseln ist es allemal. Die drei Kameraden aus der Feder von Barbara Büchner ist – wie Watson vorsorglich schon am Anfang betont – ebenfalls nicht sonderlich spektakulär, kann aber mit einer intensiven Eingangsszenerie und einer kurzweiligen Handlung punkten. Die Kombination aus beiden Geschichten ist interessant gewählt, sodass eine runde Folge der Chronicles entstanden ist.

Tom Jacobs ist hier wieder von Tom Jacobs gesprochen worden, der mit einem leicht humorigen Einschlag in den richtigen Momenten den Charme der Figur gut herauskitzeln kann, aber auch die Rolle des Erzähers mit fester und überzeugender Stimme vorträgt. Rainer Fritzsche ist als Soames zu hören, sein markanter Klang passt wunderbar zu der Figur, die durch ihn einen sehr autehntischen Anklang findet. Auch Klaus Lochthove hat einen positiven Eindruck hinterlassen, er passt sich sehr gut der Atmosphäre des Hörspiels an und bietet eine facettenreiche Sprechweise. Weitere Sprecher sind Manuel Straube, Brigitte Carlsen und Bernd Vollbrecht.

Das Team um Regisseur Markus Winter hat eine stimmige akustische Umsetzung geschaffen, die nicht zu dick aufträgt und sich eher schlicht um die einzelnen Episoden legt. Dafür sorgen insbesondere die Geräusche, die sorgsam eingefügt wurden und so die Dialoge lebendiger wirken lassen, aber auch einige Melodien unterstreichen gekonnt die Atmosphäre der Handlung.

Statt in einer gewöhnlichen Plastikhöhle stecken die CDs dieser Serie in einer etwas anders geformten Hülle, sodass aucg oben und unten der Folgentitel zu sehen ist. Das Cover zu dieser Folge zeigt passend zum Titel die Silhoetten dreier Studenten, die vor imposanten Universitätsgebäuden samt Blitzeinschlag prominent platziert sind, wobei die erdige Farbgebung auch hier wieder gut funktioniert.

Fazit: Die beiden Geschichten weisen trotz der ähnlichen Titel unterschiedliche Färbungen auf und können dabei mit einer kurzweiligen Erzählweise unterhalten. Beides sind keine Knaller-Folgen, aber unterhaltsam erzählt und mit dem typischen Charme, der von dem tollen Detektiv-Gespann ausgeht.

VÖ: 18.März 2016
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9456-2436-4


Sherlock Holmes Chronicles – 26. Sein schrecklichster Fall



Erster Eindruck: Ein unerwarteter Todesfall

Der Mord an einer Prostituierten ist nicht gerade das, was Meisterdetektiv Sherlock Holmes interessiert, erst auf Bitten von Dr. Watson hilfr er Inspector Lestrade auf die Sprünge. Doch als er mehr von den Hintergründen erfährt, ist er plötzlich in höchster Alarmbereitschaft, denn das Gesicht der jungen Frau wurde mit ätzendem Vitriol übergossen – ganz so wie in einem früheren Fall. Doch seine Ermittlungen reizen seinen Gegner, sodass Holmes bald einen schrecklichen Verlust hinnehmen muss...

Mit einer Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden ist „Sein schrecklichster Fall“ eine der längsten Hörspiele um Sherlock Holmes, erschienen als 26. Folge der „Chronicles“ aus dem Hause Winterzeit. Die Vorlage stammt dabei von Gary Lovisi, der sich in seiner Geschichte recht weit von den Vorlagen von Sir Arthur Conan Doyle entfernt und neue Elemente einbringt, so sind hier recht viele – in Ermangelung eines besseren Wortes – Actionszenen eingebracht, überstürzte Handlungen und gefühlsbetonte Entscheidungen von Holmes, der mehr als einmal seinen klaren Verstand verliert. Auch richtet sich diese Folge nicht an minutiösen Ermittlungen aus, sondern konzentriert sich auf den unerwarteten Tod von Dr. Watson, die einiges an Ungemach bereit hält und Holmes in einer gänzlich ungewohnte Situation bringt. Sehr gut gelungen ist die Verknüpfung mit einem der ursprünglichen Fälle, dessen Protagonist hier wieder sein Unwesen treibt, dies zu erkunden ist sehr spannend und bringt eine zusätzliche Brisanz in die Folge. Der Erzähleranteil ist hier recht hoch – auch, weil Holmes über weite Teile der Handlung auf sich selbst gestellt ist, dennoch wirkt auch hier trotz den verwendeten Begriffes „Inszenierte Lesung“ die Produktion eher wie ein Hörspiel. Leider zieht sich die Handlung im Mittelteil etwas in die Länge, hier passiert einfach zu wenig, um den Hörer bei Laune zu halten. Doch gepaart mit dem düsteren Ausdruck, dem diabolischen Gegenspieler und der spannenden Handlung ist eine hörenswerte Folge der Serie entstanden.

Till Hagen übernimmt hier nicht nur die Rolle des Sherlock Holmes, sondern übernimmt als dieser auch einen Großteil der Erzähleraufgaben. Beides meistert er mit der ihm eigenen Souveränität, er spricht sehr eingängig und kann die aufgewühlte Gefühlswelt des Ermittlers auf den Punkt bringen. Viola Sauer ist als Mrs. Hudson im Einsatz und hat eine etwas größere Rolle als sonst, die sie mit viel Energie und einer eingängigen Betonung spricht. Sehr gut gefallen hat mir auch Markus Pfeiffer, der mit unheilvollem und bedrohlichem Klang und leichtem, glaubhaften Akzent eine sehr überzeugende Vorstellung abliefert. Weitere Sprecher sind Louis-Friedemann Thiele, Michael-Che Koch und Jodie Blank.

Normalerweise hält sich die akustische Gestaltung in dieser Serie ja eher zurück, durch die dramatischere und actiongeladenere Handlung dreht sie aber auch hier etwas mehr auf. Das Finale ist sehr prägnant mit Geräuschen in Szene gesetzt worden, die eine sehr dichte Atmosphäre schaffen, während ansonsten stimmungsvolle Melodien im Einsatz sind die die Aura der Geschichte unterstreichen.

Der Gegenspieler von Holmes in dieser Folge ist auf dem Cover abgebildet, das Gesicht eine entstellte Fratze, das Gesicht halb im Dunkeln verborgen, der Blick bösartig und hinterhältig, doch sehr gut gekleidet ist er in einem alten Gemäuer zu sehen – sehr stimmig! Das Booklet enthält neben Produkthinweisen zu anderen Holmes-Produkten auch die bereits bekannten Informationen zu den beiden Hauptsprechern.

Fazit: Diese Folge ist recht zweispältig: Einerseits bringt sie viel frischen Wind in die Serie, ist spannend und actiongeladen, andererseits entfernt sie sich recht weit vom Original. Leider sind auch einige langwierige Szenen in die Produktion gelangt, dennoch hat mir „Sein schrecklichster Fall“ gut gefallen, die Fortführung einer bekannten Geschichte ist insgesamt gut erzählt und mit einiger Schärfe umgesetzt.

VÖ: 22.Januar 2016
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9437-3268-9


Sherlock Holmes Chronicles – X-Mas Special 4. Das Rätsel der grauen Katze



Erster Eindruck: Ein weihnachtliches Rätsel...

Charles McDermott sucht die Hilfe des Meisterdetektivs Sherlock Holmes, denn der Tod seines Vaters gibt ihm und der Polizei Rätsel auf. Holmes, der von dem Fall bereits aus der Presse erfahren hat, muss dabei aber direkt in drei Morden ermitteln – denn auch zwei andere Tote sind unter merkwürdigen Umständen gestorben. Nur die Spuren einer Katze sind am Tatort hinterlassen worden. Mitten im weihnachtlichen Trubel stehen Holmes und Watson unter Hochdruck...

Fast schon eine kleine Tradition bei den Sherlock Holmes Chronicles aus dem Hause Winterzeit ist die Veröffentlichung einer Weihnachtsfolge, „Das Rätsel der grauen Katze“ ist bereits die vierte derartige Folge. Die Geschichte wurde eigens für diese Episode von James A. Brett geschrieben, der es geschafft hat, punktuell weihnachtliches Flait durchscheinen zu lassen, die Konzentration dabei aber stets auf der Handlung zu haben. So muss sich Dr. Watson in ein von Holmes aufgezwungenes Kostüm zwängen, was sehr gut intergriert ist und zudem noch eine ordentliche Prise Witz einbringt. Der Fall an sich ist sehr clever durchdacht, wobei als wichtiger Beweis tatsächlich das Auftauchen der titelgebenden grauen Katze ist. Wie diese mit den Morden zusammenhängt und welches Motiv dahintersteckt ergibt sich recht langsam, aber durch immer neue Informationen ist das Geschehen sehr spannend gehalten. Gern rätselt man mit, verwirft Theorien und ist erstaunt über die kleinen Wendungen. Dass alles in einem stimmigen und packenden Finale endet, schließt die Handlung dann gekonnt ab und sorgt mit einigen cleveren Kniffs für einen gekonnten Abschluss dieser sehr starken Folge der Serie.

Auch wenn die Produktion eher wie ein Hörspiel denn wie eine inszenierte Lesung wirkt – die Anzahl von gerade einmal sieben Sprechern spricht ebenfalls für zweiteres. Hendrik Martz ist in der Rolle des Charles McDermott zu hören, den er mit überzeugender und lebhafter Sprechweise umsetzt und seine Szenen gut zur Geltung bringt. Sven Gerhardt hält sich als Inspektor Bradstreet eher zurück, liefert aber eine ebenso gelungene Leistung ab, die gut zur der Rolle passt. Frank Röth ist als James Nelligan mit seiner markanten Stimme und der passenden Attitüde auch eine sehr gute Besetzung. Neben den Hauptsprechern Tom Jacobs und Till Hagen sind auch Dirk Hardegen und Gerald Schaale zu hören.

Die eingesetzte Musik ist eingängig und vielseitig, wobei nur sehr wenige weihnachtliche Melodien eingesetzt wurden. Die Szenen wirken sehr eingängig, auch durch die Geräuschkulisse, die sehr gut an die jeweilige Situation angepasst wurde. Durch diese lebendige Herangehensweise wirken auch die langen Dialoge kurzweilig und prägnant.

Vor der Kulisse des verschneiten Londons mit ihren typischen Wahrzeichen sitzt eine graue Katze, den Blick konzentriert auf den Boden vor sich gerichtet, die Augen gelblich leuchtend – das Cover der Folge ist gelungen und weckt die Lust auf die kommende Geschichte. Ergänzt durch den Schriftzug mit dem stilisierten Konterfei des Detektivs ist ein stimmiges Titelbild entstanden.

Fazit: Wie die Geschichte von den Katzenspuren zu ihrem eigentlichen Thema kommt, eine spannende Handlung mit einem Hauch weihnachtlicher Stimmung kombiniert, ist sehr gelungen und eine sehr gelungene Neuinterpretation der bekannten Figuren. Die spannende und kurzweilige Geschichte ist zudem sehr gelungen umgesetzt.

VÖ: 28.Oktober 2016
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9456-2455-5