Sherlock Holmes Chronicles – 40. Der Detektiv auf dem Sterbebett

Sherlock Holmes Chronicles – 39. Die Rache des Pharao

Sherlock Holmes Chronicles – 38. Das gefleckte Band

Sherlock Holmes Chronicles – 37. Der verschwundene Diplomat / Der Rheingauer Prinzenraub

Sherlock Holmes Chronicles – 36. Die Entführung aus der Klosterschule

Sherlock Holmes Chronicles – 35. Holmes soll sterben

Sherlock Holmes Chronicles – 30. Das gelbe Gesicht / Die beiden Sonderlinge

Sherlock Holmes Chronicles – 29. Der schwarze Peter / Das Glas mit dem Magenbitter

Sherlock Holmes Chronicles – 28. Der Orchideenzüchter

Sherlock Holmes Chronicles – 27. Die drei Studenten / Die drei Kameraden

Sherlock Holmes Chronicles – 26. Sein schrecklichster Fall

Sherlock Holmes Chronicles – X-Mas Special 4. Das Rätsel der grauen Katze
 


Sherlock Holmes Chronicles – 40. Der Detektiv auf dem Sterbebett



Erster Eindruck: Letzter Vorhang für Holmes?

Als Dr. Watson von dem Zustand von Sherlock Holmes' schlechtem Zustand erfährt, macht er sich sofort auf in der Baker Street, denn der Meisterdetektiv liegt seit Tagen krank im Bett, es steht äußerst schlecht um ihn. Wie im Delirium berichtet er Watson von einer seltenen Krankheit, mit der er sich im Hafen angesteckt hat. Scheinbar kann nur ein einziger Mann jetzt noch helfen...

Sir Arthur Conan Doyle hat für seinen Detektiv Sherlock Holmes zahlreiche Geschichten geschrieben, die sich teilweise sehr voneinander unterscheiden. Dabei gibt es auch Erzählungen, die eine ganz andere Erzählweise haben, und dazu gehört auch „Der Detektiv auf dem Sterbebett“. Winterzeit hat diese Geschichte als 40. Folge der Chronicles aufgenommen und eine sehr stimmige Umsetzung der Handlung abgeliefert, die sich eng an die Vorlage hält. Das bedeutet gleichzeitig, dass hier keine wirkliche Hochspannung aufkommt, dass keine ausgeklügelten Ermittlungstechniken zum Einsatz kommen. Weite Teile konzentrieren sich dann auf das Gespräch zwischen Holmes und Watson, der voller Sorge um seinen Freund und Kollegen ist. Immer wieder werden wirre Gedanken von Holmes eingebaut, und wie Holmes weiß auch der Hörer nicht so recht, was einem Fiebertraum entsprungen und was von Bedeutung ist. Erst im zweiten Teil nähert sich die Geschichte dann der eigentlichen Auflösung, und diese ist dann durchaus trickreich und wendungsreich erzählt. Doch es dauert einfach zu lange, bis die Handlung auf den Punkt kommt, die Geschichte franst zunächst etwas aus. Das ist durchaus unterhaltsam, kann aber mit den stärkeren Folgen der Reihe einfach nicht mithalten.

Als Gastsprecher ist in dieser Folge Manfred Lehmann zu hören, dessen markante Stimme sehr gut in die Serie passt und dem tollen Duo aus Tom Jacobs und Till Hagen einen starken Klang entgegensetzen kann – zumal er die Rolle mit viel Energie und düsterem Charme ausstattet. Bernd Vollbrecht ist mal wieder als Inspector Lestrade zu hören, er wirkt darin sehr authentisch und setzt die bekannte Figur mit viel Ernsthaftigkeit um. Bert Franzke ist zudem noch in einer kleinen Rolle als Butler zu hören und hinterlässt dabei einen soliden Eindruck.

Winterzeit hat der Folge wieder mal ein passendes Kleid geschneidert und gerade die Szene mit dem verwirrten und im Delirium liegenden Holmes sehr sorgsam inszeniert. Da gibt es viele Melodien, die sich um die Szenen legen und ihnen so viel Stimmung verleihen. Auch die Geräusche fügen sich stimmig in das Gesamtkonzept ein und lassen das ganze authentischer wirken.

Wieder ist ein schlichtes Motiv sehr aufwändig und spannend für das Cover umgesetzt worden. Zu sehen ist das ausgezehrte Gesicht des Meisterdetektivs zu sehen, der sich einer alten Öllampe zugedeht hat. Die düstere, orangefarbene Einfärbung sorgt für eine ganz besondere Stimmung. Im Inneren erklärt Markus Winter, warum ihm gerade diese Geschichte so gut gefällt.

Fazit: Eine einfache und reduzierte Geschichte, die sich gut zweiteilen lässt. Während zunächst der Dialog zwischen Holmes und Watson zwar einige Informationen enthält und durchaus unterhaltsam geraten ist, kommt hier keine wirkliche Spannung auf. Das ändert sich erst später und präsentiert eine sehr trickreiche Auflösung.

VÖ: 23. Juni 2017
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6042-2


Sherlock Holmes Chronicles – 39. Die Rache des Pharao



Erster Eindruck: Aufregung im British Museum

Von übernatürlichen Phänomenen hält Sherlock ja bekanntlich ziemlich wenig. Und so schenkt er auch Sir Edward Thompson, dem Direktor des British Museum, wenig Glauben, als dieser von der Mumie berichtet, die scheinbar im den weiten Räumen umherwandert – und einen jungen Archäologen umgebracht haben soll. Und so macht er sich selbst einen Eindruck vom Tatort...

Bereits in den Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle hatte Sherlock Holmes einen Hang zum Sarkasmus, James A. Brett hat dies in seiner Erzählung „Die Rache des Pharao“ noch weiter ausgebaut und stattet den Meisterdetektiv mit äußerst schlechter Laune aus. So bringt er immer wieder ziemlich bitterböse Spitzen gegen seine Gesprächspartner und muss sogar von Watson zurechtgewiesen werden, was den humorigen Faktor der Serie deutlich steigert. Doch auch der Fall an sich ist unterhaltsam und gut auf die bekannten Figuren zugeschnitten. Denn wieder ist es die genaue Beobachtungsgabe und die Fähigkeit, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, die unterhaltsam dargeboten ist und die bekannte Figur gelungen ausformt. Es werden in recht langen Dialogen viele Details offenbart, sodass auch der Hörer einige Rückschlüsse ziehen kann. Ein Verdacht verdichtet sich dann immer weiter, in einer typischen Auflösungsszene wird der Täter dann überführt – allerdings mit einem recht merkwürdig anmutenden Trick, der nicht so recht zum Rest der Handlung passen will. Dennoch ist hier eine gute und klug durchdachte Folge entstanden, die mit einem Hauch des Mysteriösen spielt und einen Holmes in Hochform präsentiert.

Dieser wird hier wieder vom wundervollen Till Hagen gesprochen, der den Meisterdetektiv hier mit einem immer leicht ironischen Unterton ausstattet und die sarkastischen Kommentare sehr treffsicher spricht. Dietmar Wunder hat mir als Sir Edmund ebenfalls sehr gut gefallen, seine intensive und variable Stimme verleiht jeder Szene eine ganz besondere Aura. Eine sehr gute Leistung hat auch Ulrike Stürzbecher abgeliefert, denn auch wenn ihr Charakter nur wenige Minuten vorkommt, hat sie ihn mit ihrer lebendigen Sprechweise ins rechte Licht gerückt. Weitere Sprecher sind Hans-Eckart Eckardt, Jürgen Thormann und Reinhard Kuhnert.

Akustisch ist diese Folge wieder sehr stimmig umgesetzt, wirkt aber etwas reduzierter als andere Episoden der Serie. So liegt die Konzentration klar auf den vielen Dialogen, während die Geräuschkulisse stimmige Szenarien schafft und einige Handlungen untermalt. Die dezente Musik fügt sich sehr gut in dieses Bild ein und verstärkt den Ausdruck der Folge.

Auf dem Cover ist in erdigen Tönen ein an die Wand gelehnter, geöffneter Sarkophag zu sehen, während die Mumie nur von der Seite zu sehen ist und so vielem der Fantasie des Betrachters überlassen ist. Ein stimmiges Motiv mit vielen Details, welches auch im Inneren noch einmal wiederholt wird. Ziemlich kreativ ist der Hinweis auf die eigene Homepage, auf der man sich ein alternatives Ende für diese Handlung anhören kann.

Fazit: Ein Hauch Mystik, ein spöttelnder Detektiv und eine gut durchdachte Story - „Die Rache des Pharao“ ist eine weitere gute Folge der Serie und bringt frischen Wind in die Erzählungen. So gibt es neben dem typischen Flair der Figuren auch einige neue Elemente, die sich stimmig einfügen.

VÖ: 19. Mai 2017
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6041-5


Sherlock Holmes Chronicles – 38. Das gefleckte Band



Erster Eindruck: Die Frage Wie

Helen Dorner ist entsetzt über den Tod ihrer Zwillingsschwester, die trotz abgeschlossenen Zimmers und bester Gesundheit in einer Nacht verstorben ist. Vor ihrem Tod hat ihre Schwester noch von einem seltsamen Pfeifton berichtet, der scheinbar nur in ihrem Zimmer zu hören ist. Doch als auch Helen das Pfeifen hört, bekommt sie es mit der Angst zu tun und sucht Meisterdetektiv Sherlock Holmes auf...

Dass die Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle auch heute noch so beliebt sind, ist sicherlich kein Zufall, denn neben seinen so charakteristischen Figuren hat er seinen Geschichten auch immer wieder einen besonderen Kniff verliehen. So auch der Kurzgeschichte „Das getupfte Band“, die als 38. Folge der Sherlock Holmes Chronicles vertont wurde. Denn hier recht von Anfang an ein Motiv klar, und auch die Identität des Täters ist keine Überraschung. Hier stellt sich eher die Frage, wie der Mord verübt wurde, und hierfür wurden zahlreiche Hinweise eingebaut, mal wie nebenbei, mal als offensichtliches Indiz. Dabei entwickelt sich eine ganz besondere Art der Spannung, die gemeinsam mit der dichten Atmosphäre zu einer kurzweiligen Geschichte führt. Toll ist auch, dass gerade die Reduziertheit dieser Produktion die Stimmung so sehr verdichtet, nur wenige lange Dialoge konzentrieren sich voll auf den Fall, der bis zur cleveren Auflösung sehr unterhaltsam gestaltet ist. Dass sich die Macher dabei sehr nah ans Original halten, ist auch hier wieder lobenswert zu erwähnen.

Tatsächlich sind es gerade einmal sechs Sprecher, um diese Handlung zu erzählen, darunter auch die drei bereits bekannten Sprecher Tom Jacobs, Viola Sauer und Till Hagen als Sherlock Holmes. Viola Sauer ist als Helen Stoner gerade in den ersten Szenen sehr präsent und setzt ihre klare Stimme sehr gekonnt ein, um einen zarten und sympathischen Charakter zu schaffen und gleichzeitig ihre tiefe Trauer auszudrücken. Ihre Schwester taucht nur kurz auf, Luisa Wietzorek kann aber auch dabei in Erinnerung bleiben und gestaltet die paar Worte sehr eingängig. Gut gefallen hat mir auch Oliver Stritzel, der den grantigen Unssympath sehr energiegeladen umsetzt.

Zur Steigerung der Atmosphäre wurde für jede Szene ein passender klanglicher Hintergrund geschaffen, so sorgt in der ersten Szene mit dem Bericht von Helen ein prassendes Kaminfeuer für eine behagliche Stimmung. Musik ist in dieser Folge recht wenig im Einsatz, lenkt aber immer wieder die Aufmerksamkeit auf besonders wichtige Szenen oder sorgt für fließende Übergänge.

Das Spiel von Licht und Schatten ist auf dem Cover von Mark Freier richtig gut umgesetzt worden. Zu sehen ist eine junge Frau, die mit fragendem, fast ängstlichen Gesichtsausdruck eine Lampe in die Höhe hält und suchend in die Gegend schaut. Gepaart mit dem dunklen, ein wenig verschwommenen Hintergrund kommt das sehr gut zur Geltung. Im Inneren gibt es wieder einen einleitenden Text zur Folge.

Fazit: „Das getupfte Band“ gehört zu meinen Lieblingsgeschichten von Sherlock Holmes, weil eben nicht die Frage nach dem Täter, sondern nach der Art des Mordes gestellt wird. Das wirft ganz andere Fragen auf und ist mit seiner ruhigen Erzählweise sehr detailliert geschildert. Die gelungene Umsetzung von Winterzeit macht die 38. Folge der Serie zusätzlich hörenswert.

VÖ: 21. April 2017
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6016-3


Sherlock Holmes Chronicles – 37. Der verschwundene Diplomat / Der Rheingauer Prinzenraub



Erster Eindruck: Auf Spurensuche in einem Koffer

Eigentlich sollte der britische Diplomat nach Frankreich reisen, doch dort kommt er nie an. Da es sich um einen Fall von politischer Brisanz handelt, bittet Mycroft Holmes seinen Bruder Sherlock um Mithilfe, denn nur ein leerer Koffer kann Hinweise auf seinen Verbleib geben. Natürlich entdeckt der Meisterdetektiv sofort einige Hinweise, die seinem treuen Begleiter Dr. Watson verborgen bleiben...

Auf der 37. CD der Sherlock Holmes Chronicles von Winterzeit versammeln sich mal wieder zwei in sich abgeschlossene Geschichten, beide stammen dieses mal nicht von Sir Arthur Conan Doyle. Den Anfang macht „Der verschwundene Diplomat“, dessen Inhalt oben kurz angerissen ist. Die ersten Szenen widmen sich dabei ganz den Dialogen zwischen Holmes und Watson und sind sehr treffend geraten, der Meisterdetektiv registriert dabei jeden noch so kleinen Hinweis und deduziert daraus den Hergang des Verschwindens. Trotz der Reduzierung dieses Intros stehen diese den nachfolgenden Szenen keineswegs nach. Hier ermittelt das Duo vor Ort und stellt ihren Feinden eine Falle, wobei mir sehr gut gefallen hat, dass der Hörer genauso wie Watson keine Ahnung hat, wohin dies alles führen soll. Und auch das Auftauchen einer bekannten Figur verleiht der trickreichen Handlung einige passende Stimmung. Die zweite Geschichte mit dem etwas sperrigen Titel „Der Rheingauer Prinzenraub“ hat mich leider nicht so sehr gepackt, der Aufbau ist etwas zu schlicht, es kommt keine wirkliche Spannung auf. Im Gegensatz zur ersten Geschichte kommen auch die Figuren nicht wirklich gut zur Geltung, sodass hier eher eine schwächere Episode vorliegt – was durch den sehr gelungenen ersten Teil aber wieder ausgeglichen werden kann.

Karlo Hackenberger hat hier den Part von Sherlock Holmes übernommen, entwickelt dabei aber nicht die gleiche Strahlkraft wie sein Kollege Till Hagen in dieser Serie. Zwar bringt er den leicht überheblichen Charakterzug der Figur gut zur Geltung, spart aber mit dem humoristischen Element, welches daraus entstehen kann. Konrad Börherz ist in der kleinen Rolle des Kippler gut aufgehoben, seine Sprechweise passt sich an die verschiedenen Situationen gut an. Thomas Krause ist in der zweiten Geschichte in der Rolle des Inspektor Cornelius zu hören, den er konsequent und sehr solide umsetzt. Weitere Sprecher sind Bernd Vollbrecht, Werner Wilkening und Ben Steinhoff.

Die Sherlock Holmes Chronicles sind als inszenierte Lesung umgesetzt, weswegen auch der akustischen Umsetzung viel Aufmerksamkeit zuteil wird. So sind die kleinen Melodien nicht nur während der Szenenübergänge eingebaut, sondern untermalen auch einige besonders wichtige oder spannende Dialoge. Der Geräuschanteil ist zudem recht hoch, wodurch eine lebendige Atmosphäre entsteht.

Der verschwundene Gentleman ist auf dem Cover abgebildet, aristokratisch gekleidet blickt er dem Betrachter ernst entgegen, während im Hintergrund eine alte Dampflokomotive zu sehen ist, der Hintergrund ist dabei wie ein handgeschriebener Brief gestaltet. Das passt alles sehr gut zusammen und schafft ein reizvolles und ansehnliches Cover für diese Folge.

Fazit: Zwei Folgen auf einer CD, und während die zweite etwas schwächelt und keine wirkliche Spannung erzeugen kann, ist „Der verschwundene Gentleman“ eine sehr gelungene Erzählung, die die beiden Hauptfiguren gut wirken lässt und die Deduktion von Holmes in den ersten Szenen in den Mittelpunkt stellt. Das ist undurchsichtig, überraschend aufgelöst und sehr gut komponiert.

VÖ: 17. März 2017
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6015-6


Sherlock Holmes Chronicles – 36. Die Entführung aus der Klosterschule



Erster Eindruck: Ein Fahrad als Hinweis?

Ein Skandal ausgerechnet in den Mauern eines Eliteinternats ruft einmal mehr Sherlock Holmes auf den Plan. Denn ein adeliger Schüler ist verschwunden, mit ihm sein Deutschlehrer und ein Fahrrad. Zunächst hat der Meisterdetektiv nur wenige Anhaltspunkte, beginnt aber wie immer gewissenhaft mit seinen Ermittlungen. Doch obwohl der Vater des Jungen ein hohes Lösegeld ausgesetzt hat, kommt er der Sache nur langsam auf die Spur...

„Original Klassiker“ prangt auf dem Cover der 36. Folge der Sherlock Holmes Chronicles von Winterzeit, was nichts anderes bedeutet, als dass hier eine Originalgeschichte von Sir Arthur Conan Doyle umgesetzt wurde. Die Wahl ist auf „Die Entführung aus der Klosterschule“ gefallen, einer eher unbekannten Erzählung, die jedoch deutlich mehr Beachtung verdient hat – wie auch diese Umsetzung zeigt. Denn von Anfang an präsentiert sich die Geschichte sehr geheimnisvoll, die nach und nach aufgedeckten Hinweise feuern die Spannung dabei immer weiter an, geben aber nicht zu viel vom Gesamtbild preis. Dieses eröffnet sich erst ganz zum Schluss mit einer ebenso überraschenden wie ungewöhnlichen Auflösung, wobei besonders die unkonventionelle Reaktion des Meisterdetektivs zu überzeugen weiß. Dabei hat Winterzeit für eine sehr eingängige Umsetzung des Stoffes gesorgt und die Kernelemente der Handlung besonders betont. Die Umsetzung wirkt ernster und nicht so verspielt wie manch andere Variante, entwickelt so ihren eigenen Charme und lässt nur ab und an den Humor der Figuren aufblitzen. Eine stimmige und hörenswerte Umsetzung des Klassikers.

Till Hagen ist einmal mehr in der Rolle des Sherlock Holmes zu hören und sorgt mit seiner volltönenden, angenehmen Stimme, die er sehr gut an die jeweilige Szenerie anpasst, für eine gelungene Hauptfigur. Thomas Nero Wolff spricht die Rolle des Huxtable sehr ausdrucksstark und treffend, wobei er der Rolle seinen ganz eigenen Stempel aufdrückt. Auch Axel Lutter punktet als Lord Holderness mit einer überzeugenden und glaubwürdigen Leistung, die mich gerade im Finale sehr gepackt hat. Weitere Sprecher sind Louis-Friedemann Thiele, Klaus Lochthive und Wolfgang Wagner.

Die Inszenierung punktet nicht nur mit dem gut geschriebenen Skript und den passenden Sprechern, sondern auch mit der gut angepassten akustischen Gestaltung. Hier greifen Musik und Geräusche gut ineinander, sodass jeder Szene ein passendes Kleid geschneidert wurde. So wird auch die Dynamik der Folge nachgezeichnet, indem die entscheidenden Szenen mit besonders auffälliger Musik untermalt wurde.

Ein einsames, umgestürztes Fahrrad, sanft von der Sonne beschienen, liegt in einem angedeuteten Wald – ein sehr gelungenes Cover, das mit seiner orangefarbenen Farbgebung die Stimmung der Geschichte gut einfangen kann. Ein kleiner einleitender Text zu dieser Folge und die bereits bekannten Kurzinformationen zu den beiden Hauptsprecher runden den positiven Eindruck der Gestaltung ab.

Fazit: Auf das Wesentliche heruntergebrochen, undurchschaubar und knifflig – diese Hörspielfassung des Klassikers ist Winterzeit gut gelungen und lässt die Stimmung im Moor gut zur Geltung kommen. Die Sprecher sind toll ausgewählt, die Geschichte ist dynamisch und rätselhaft und wird durch ein starkes Finale gekrönt – eine tolle Umsetzung!

VÖ: 10. Februar 2017
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6014-9


Sherlock Holmes Chronicles – 35. Holmes soll sterben



Erster Eindruck: Morddrohung mit Folgen

Dass nicht alle Menschen Sherlock Holmes freundlich gesinnt sind, musste der Meisterdetektiv ja schon einige male erfahren. Und so kann ihn auch die unverhohlene Morddrohung in einem Brief nicht aus der Bahn werfen, sofort analysiert er die wenigen Worte, die auf dem Papier sehen – jedenfalls, bis seine Hände plötzlich taub werden und zu zittern beginnen...

Die Sherlock Holmes Chronicles sind zwar als inszenierte Lesung deklariert, erinnern aber dennoch oft an ein Hörspiel. Auf „Holmes soll sterben“ nach einer Geschichte von Heiko Grießbach ist dies aber tatsächlich sehr zurückgefahren, weite Teile der Handlung besteht aus Dialogen zwischen Holmes und Watson oder Erzählanteil des Meisterdetektivs. Wer nun fürchtet, das sei langwierig oder belanglos, irrt gewaltig, denn die Geschichte ist sehr gehaltvoll erzählt und sehr kurzweilig geraten. Gerade aus dieser sehr reduzierten Szenerie zieht die Handlung viel Kraft und reduziert sie auf das Wesentliche: Die Deduktionskraft und Kombinationsgabe der Hauptfigur. Hier werden verschiedene Möglichkeiten ausgelotet und wieder verworfen, bevor im letzten Drittel die Geschichte an Fahrt aufnimmt und nach einigen Wendungen eine wirklich spannende und trickreiche Handlung erzählt, bei der nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. So kommt dann auch eine gewisse Dramatik auf, die der Folge noch einmal einen ganz anderen Anstrich verpasst. Die sehr starke Vorlage wurde intensiv und lebendig umgesetzt, sodass eine richtig gute Folge der Serie entstanden ist.

Bernd Vollbrecht ist in dieser Folge mal wieder als Inspector Lestrade zu hören und verleiht der bekannten Figur seine ganz eigene Note, sodass seine Szenen auch hier gut zur Geltung kommen. Wolfgang Wagner ist in einer kleinen, aber effektiven Nebenrolle zu hören, die er mit viel Energie und einer sehr eingängigen Sprechweise umsetzt. Toll ist auch wieder Till Hagen als Sherlock Holmes, der den Humor der Figur nur sehr leise anklingen lässt und mit seiner tiefen, volltönenden Stimme für sehr intensive Momente sorgt. Weitere Sprecher sind Viola Sauer, Tim Moeseritz und Arne Stephan.

Mir gefällt, wie dynamisch sich die 56 Minuten Laufzeit hier entwickeln und die Akustik mit der Spannungskurve der Geschichte mitgeht. So sind die besonders spannungsgeladenen Momente mit passender Musik unterlegt, während sich ruhigere Momente nur auf die Dialoge konzentrieren oder nur mit einigen Geräuschen unterlegt sind.

Die triste Szenerie auf dem Cover passt dazu sehr gut, der Grabstein mit dem Namen der bekannten Romanfigur beschriftet ist. Einige kahle Äste, eine Krähe und zahlreiche weitere Kreuze im Hintergrund ergänzen dieses kühl wirkende Titelbild. Dieses ist auch auf der CD abgedruckt, während im Inneren des kleinen Booklets ein kleiner einleitender Text von Markus Winter zu finden ist.

Fazit: Die Folge ist sehr dynamisch erzählt, da sie sowohl sehr reduzierte Dialoge als auch aufregende und spannende Momente enthält. Dass dabei Holmes selbst das Opfer ist, macht die Folge natürlich noch interessanter, wobei einige sehr gelungene Kniffe angewendet wurden, um die Geschichte am Laufen zu halten. Sehr gut aufeinander abgestimmt und lebendig erzählt.

VÖ: 13. Januar 2017
Label: WInterzeit
Bestellnummer: 978-3-9456-2452-4


Sherlock Holmes Chronicles – 30. Das gelbe Gesicht / Die beiden Sonderlinge



Erster Eindruck: Untreue Gattin?

Lange sind Grant Munro und seine Gattin Effie noch nicht verheiratet, doch schon zweifelt der junge Mann an ihrer Treue. Denn nachdem Effie eine beträchtliche Geldsumme von ihren Mann erbeten hat, aber nicht den Grund der Zahlung angeben wollte, hat Grant sie verfolgt und in ein Haus gehen sehen, aus dessen oberen Fenster ein entstelltes, gelbes Gesicht herausschaut. Grant Munro bittet Sherlock Holmes um Mithilfe...

Beinahe schon alte Tradition setzt Winterzeit in der 30. Folge der Sherlock Holmes Chronicles-Serie gleich zwei Geschichten um, wobei der Hauptteil von „Das gelbe Gesicht“ bestritten wird. Leider ist dies nicht die stärkste Folge aus den Fundus von Sir Arthur Conan Doyle, sodass die Geschichte trotz der wie gewohnt stimmigen Umsetzung des Labels ein wenig blass bleibt. Bereits einen großen Teil der Handlung wird von dem Bericht von Grant Munro eingenommen, was immerhin recht unterhaltsam und rätselhaft ist. Doch die nachfolgenden Ermittlungen entfallen quasi komplett, nach einer (sich im Nachhinein als falsch herausstellenden) Vermutung von Holmes geht es nahtlos in die Auflösung über. Dass es sich dabei sogar genau genommen nicht einmal um einen wirklichen Krimi, sondern die Beschreibung persönlicher Schicksale handelt, trägt nicht zur Steigerung der Spannung bei. Die nachfolgende Geschichte „Die beiden Sonderlinge“ klingt mehr wie ein Teaser zu einer noch kommenden Geschichte, denn neben recht langen Monologen und einer ziemlich knappen, nicht gerade aufregenden Handlung ist diese Episode auch schon wieder vorbei. So bleibt ein eher durchwachsener Eindruck dieser Folge.

Manuel Straube ist in der Geschichte über das gelbe Gesicht als Grant Munro zu hören, er wählt eine passende Sprechweise und lässt die aufgewühlte Gefühlswelt des Mannes gut durchklingen, ohne die nüchterne Atmosphäre der Holmes-Geschichten zu sehr zu verändern. Seine Frau wird von Andrea Aust gesprochen, die mit viel Leidenschaft dabei ist und deren Flehen und Unsicherheit im Laufe der Handlung immer intensiver wird. Natürlich ist auch Tom Jacobs als Dr. Watson wieder mit dabei, der launig und charmant wirkt wie eh und je. Weitere Sprecher sind Magdalena Turba, Tanya Kahana und Dirk Hardegen.

Akustisch ist die Folge stimmungsvoll umgesetzt worden, wofür besonders die eingebauten Melodien sorgen, die harmonisch sind und die das viktorianische Zeitalter, in der die Geschichten spielen, gekonnt aufleben lassen. Dabei sind nur recht wenige im Einsatz, was ebenso für Geräusche gilt, sodass der Fokus immer auf den Sprechern und den Dialogen liegt.

Das gelbe Gesicht, das der ersten Geschichte den Titel gibt, ist auf dem Cover sehr unheimlich und düster umgesetzt worden. Es späht hinter einem Fensterbalken hervor und wird in eher grünlichen Tönen statt dem üblichen Sepia dargestellt. Durch die düstere Farbgebung und die recht detailreiche Darstellung passt dieses Motiv dennoch sehr gut in die bisherige Covergalerie.

Fazit: An der Umsetzung ist nichts auszusetzen, hier ist Winterzeit stark wie immer. Doch die Auswahl der Geschichten ist nicht allzu gut gelungen, da beide keinen wirklichen Spannungsbogen aufbauen können. Die Ausrichtung auf ein persönliches Schicksal statt auf einen Kriminalfall bringt zwar eine interessante neue Färbung, ist aber zu kurz abgehandelt.

VÖ: 24.Juni 2016
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9456-2439-5


Sherlock Holmes Chronicles – 29. Der schwarze Peter / Das Glas mit dem Magenbitter



Erster Eindruck: Ein Kapitän und ein Grundbesitzer

Dr. Watson versteht nicht so recht, warum Sherlock Holmes tatsächlich mit aller Macht versucht, Schweinehälften mit nur einem Schlag zu durchbohren. Doch als der Tod des Kapitäns Carey an das Duo herangetragen wird, der mit einer Harpune getötet wurde, wird dem Mediziner einiges klar. Doch der Fall ist verzwickter, als man es anfangs vermuten könnte...

Auch bei Winterzeit gibt es seit einiger Zeit eine eigene Sherlock Holmes-Reihe, wobei hier gleichsam bekannte und neue Geschichten über den Meisterdetektiv erzählt werden. Die 29. Folge kombiniert wieder beides und erzählt neben „Der schwarze Peter“ von Arthur Conan Doyle noch „Das Glas mit dem Magenbitter“, welches von Wolfgang Schüler für eine Anthologie verfasst wurde. Gerade hier ist bestens ersichtlich, wie nah sich einige Autoren an den Originalen halten, wie gut sie neue Fälle konstruieren un verzwickte Geschichten spannend erzählen, denn beide Episoden sind hier sehr gleichwertig und vom Aufbau her ähnlich. Einem längeren Bericht der Auftraggeber folgen einige Ermittlungen in dem Fall, die Überraschendes offenbaren und zu einem unerwarteten Ende führen. Auch die wunderbare Darstellung des Holmes als quasi allwissender und überlegene Detektiv, der sich nicht in die Karten schauen lässt, ist sehr gut getroffen. Und trotz dieser Gleichförmigkeit behalten beide Geschichten eine eigene Identität und können mit einem interessanten Hintergrund und prägnanten Szenen überzeugen. Für Holmes-Liebhaber gibt es sogar eine zeitliche Einordnung des Falles, ein kleines, gelungenes Bonbon für Fans.

In „Das Glas mit dem Magenbitter“ ist statt Till Hagen Karlo Hackenberger als Sherlock Holmes zu hören. Er findet eine einprägsame Sprechweise für diese Rolle und kann den Charakter des Detektivs gekonnt unterstreichen, setzt aber eher auf die ernsthafte Seite des Detektivs. Nora Jokhosha war mit bis dato kein Begriff als Sprecherin, in der zweiten Geschichte überzeugt sie aber als Miss Wolverham mit einem sehr prägnanten Ausdruck und einer glaubhaften Sprechweise. Auch Ricardo Richter ist als John Hopley Nelligan eine sehr gute Besetzung, mit sehr pointierter Sprache und energiegeladenem Ausdruck kann er vollkommen überzeugen. Weitere Sprecher sind Helmut Winkelmann, Bernd Vollbrecht und Konrad Bösherz.

Wieder wurde eine gekonnte akustische Umsetzung geschaffen, um die Handlungen gut zur Geltung zu bringen. Dafür sorgen insbesondere die eingebauten Melodien, die sehr stimmungsvoll geraten sind und mit klassischen Instrumenten eine eingängige Atmosphäre schaffen. Auch die Geräusche passen sehr gut in die Szenerie und lassen die Dialoge lebendiger wirken.

Ein bärtiger, ernst dreinblickender Mann ist in den Fokus auf dem Cover gerückt, das von Mark Freier stammt und sehr gut in die bisherige Covergalerie passt. Wie immer ist es in Brauntönen gehalten und spielt mit dem Verhältnis von Licht und Schatten. Im Inneren sind Kurzbeschreibungen von den drei Hauptsprechern vorhanden, auch Fotos der drei sind zu sehen.

Fazit: Die beiden Geschichten fangen den Geist der Figuren sehr gekonnt ein, und auch wenn beide Handlungen einem ähnlichen Muster folgen, sind beide eigenständig genug, um mit einigen Überraschungen zu punkten. Der unterhaltsame und kurzweilige Verlauf bietet gelungene Spannungsmomente, auch die Umsetzung mit den verschiedenen Hauptsprechern ist sehr passend gewählt.

VÖ: 3.Juni 2016
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9456-2438-8


Sherlock Holmes Chronicles – 28. Der Orchideenzüchter



Erster Eindruck: Das aufgeregte Dienstmädchen...

Patsy Payton, die bei Dr. Maltravers als Angestellte tätig war, berichtet Sherlock Holmes von einigen merkwürdigen Vorgängen in dessen Haus, die ihr Misstrauen erregt haben. Besonders, nachdem ein neuer Gebäudeteil nach einem Brand errichtet wird und sie dort seltsame Kettenvorrichtungen entdeckt, will sie mehr über die Vorgänge in dem Anwesen wissen. Auch das Interesse des Meisterdetektivs ist geweckt...

Die 28. Folge der „Sherlock Holmes Chronicles“ stammt aus der Feder von K.P. Walter, der diese für eine Sammlung von Kurzgeschichten um den bekannten Detektiv verfasst hat. Der Aufbau hingegen ist sehr klassisch und orientiert sich an den vielen Vorlagen von Arthur Conan Doyle, indem erst einmal ein neuer Mandant – hier in Form von Patsy – bei Holmes und Watson ankommt und von einigen recht geheimnisvollen Ereignissen berichtet. Schon hier ergründet das Gespann einiges im Gespräch und kommt so dem Geheimnis auf die Spur, erste Vermutungen werden geäußert. Nach diesem recht ruhigen, aber unterhaltsamen Teil geht es später deutlich lebendiger zu, indem der Meisterdetektiv ein ziemlich ungewöhnliches Kostüm auswählt und auch sonst noch einige überraschende Tricks anwendet, um der Geschichte direkt im Gebäude des Professors auf den Grund zu gehen. Das ist nicht nur ziemlich humorvoll gelöst und macht richtig Spaß, sondern endet fast nahtlos in einem spannenden Finale mit einem packenden und unerwarteten Ende. Das ist sehr gut konstruiert und kann die Spannung über die gesamte Länge halten.

Es sind gerade einmal sechs Sprecher, die für diese Handlung benötigt werden, und allesamt sind gut ausgewählt und können die Stimmung gekonnt einfangen. Im Mittelpunkt steht dabei natürlich wieder Till Hagen als Sherlock Holmes, der seine ganz eigene Weise findet, die bekannte Figur zu interpretieren und seine dunkle Stimme genau die richtige Portion an Humor verleiht. Corinna Dorenkamp sorgt mit ihrer aufgedrehten und sehr charmanten Art für einen gelungenen ersten Teil und bringt mit einigen niedlichen Versprechern viel Leben mit ein. Frank Röth ist als Dr. Maltravers mit seinem tiefen Klang eine sehr geheimnisvolle Figur und kann besonders in der Auflösung mit bewegtem Ausdruck überzeugen. Weitere Sprecher sind Tom Jacobs, Klaus Lochthöve und Louis Friedemann-Thiele.

Wie bereits bei den vorangegangenen Folgen ist die akustische Gestaltung recht zurückhaltend, sodass der Fokus immer auf den Sprechern und ihren Dialogen liegt – was sehr gut zu der Erzählweise der Geschichte passt. Zwar sind vielfältige Geräusche eingefügt, diese drängen sich aber nie in den Vordergrund. In der Auflösung sind diese noch etwas prägnanter und sorgen hier für den richtigen Ausdruck für diesen interessanten Part.

Schade, dass auf der Rückseite im Klappentext schon ein zu deutlicher Hinweis auf die Auflösung des Ganzen gegeben wird, dafür ist das Cover mit den beiden vermummten Kuttenträgern sehr stimmungsvoll geraten, was durch die Sepiafärbung noch verstärlt wird. Das kleine Booklet hält neben den üblichen Produktionsinformationen noch Kurzbiographien zu den beiden Hauptsprechern samt Foto bereit.

Fazit: „Der Orchideenzüchter“ führt einige sehr interessante Elemente zusammen und punktet mit einer unterhaltsamen und kurzweiligen Handlung, in der sich spannende und lustige Momente die Waage halten. Besonders die lange Zeit unklare und ungewöhnliche Auflösung hat mir sehr gut gefallen.

VÖ: 29.April 2016
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9456-2437-1


Sherlock Holmes Chronicles – 27. Die drei Studenten / Die drei Kameraden



Erster Eindruck: Bekanntes und Neues

Ein Universitätsprofessor wendet sich in höchster Eile an Meisterdetektiv Sherlock Holmes, denn am Vortag einer wichtigen Prüfung ist in seine privaten Räume eingebrochen worden, sodass die Aufgaben eingesehen werden konnte. Um die Prüfung nicht verschieben zu müssen sollen Holmes und Watson den Täter schnellstmöglich ausfindig machen, die bald die Zahl der verdächtigen Studenten auf drei reduzieren können...

Die „Sherlock Holmes Chronicles“-Reihe von Winterzeit bietet sowohl die Vertonungen der originalen Geschichten von Arthur Conan Doyle als auch neu erdachte Fälle von wechselnden Autoren – oder wie im Fall der 27. Folge gleich beides, denn hier sind zwei Kurzgeschichten zu hören. Den Anfang macht die bereits bekannte Geschichte „Die drei Studenten“, die sehr sauber und nah am Original umgesetzt wurde. Der Fall lässt sich wegen der Kürze der Zeit auch nur wenig Zeit für ein Intro, sodass schnell mit dem Fall gestartet werden kann. Zu Anfang ist es wieder Holmes' unglaubliche Beobachtungsgabe, die auch scheinbar unwichtige Details erfasst und in seine Auswertungen mit einbezieht. Auch die nachfolgende Ermittlung mit der Befragung verschiedener Zeugen bringt einiges ans Licht und gibt auch dem Hörer einige Rätsel auf. Die Auflösung des Ganzen gestaltet sich dann stimmig und hält kleine Überraschungen parat. Sicherlich ist dies nicht der aufregendste Fall von Holmes, aber ein gut erzählter zum Miträtseln ist es allemal. Die drei Kameraden aus der Feder von Barbara Büchner ist – wie Watson vorsorglich schon am Anfang betont – ebenfalls nicht sonderlich spektakulär, kann aber mit einer intensiven Eingangsszenerie und einer kurzweiligen Handlung punkten. Die Kombination aus beiden Geschichten ist interessant gewählt, sodass eine runde Folge der Chronicles entstanden ist.

Tom Jacobs ist hier wieder von Tom Jacobs gesprochen worden, der mit einem leicht humorigen Einschlag in den richtigen Momenten den Charme der Figur gut herauskitzeln kann, aber auch die Rolle des Erzähers mit fester und überzeugender Stimme vorträgt. Rainer Fritzsche ist als Soames zu hören, sein markanter Klang passt wunderbar zu der Figur, die durch ihn einen sehr autehntischen Anklang findet. Auch Klaus Lochthove hat einen positiven Eindruck hinterlassen, er passt sich sehr gut der Atmosphäre des Hörspiels an und bietet eine facettenreiche Sprechweise. Weitere Sprecher sind Manuel Straube, Brigitte Carlsen und Bernd Vollbrecht.

Das Team um Regisseur Markus Winter hat eine stimmige akustische Umsetzung geschaffen, die nicht zu dick aufträgt und sich eher schlicht um die einzelnen Episoden legt. Dafür sorgen insbesondere die Geräusche, die sorgsam eingefügt wurden und so die Dialoge lebendiger wirken lassen, aber auch einige Melodien unterstreichen gekonnt die Atmosphäre der Handlung.

Statt in einer gewöhnlichen Plastikhöhle stecken die CDs dieser Serie in einer etwas anders geformten Hülle, sodass aucg oben und unten der Folgentitel zu sehen ist. Das Cover zu dieser Folge zeigt passend zum Titel die Silhoetten dreier Studenten, die vor imposanten Universitätsgebäuden samt Blitzeinschlag prominent platziert sind, wobei die erdige Farbgebung auch hier wieder gut funktioniert.

Fazit: Die beiden Geschichten weisen trotz der ähnlichen Titel unterschiedliche Färbungen auf und können dabei mit einer kurzweiligen Erzählweise unterhalten. Beides sind keine Knaller-Folgen, aber unterhaltsam erzählt und mit dem typischen Charme, der von dem tollen Detektiv-Gespann ausgeht.

VÖ: 18.März 2016
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9456-2436-4


Sherlock Holmes Chronicles – 26. Sein schrecklichster Fall



Erster Eindruck: Ein unerwarteter Todesfall

Der Mord an einer Prostituierten ist nicht gerade das, was Meisterdetektiv Sherlock Holmes interessiert, erst auf Bitten von Dr. Watson hilfr er Inspector Lestrade auf die Sprünge. Doch als er mehr von den Hintergründen erfährt, ist er plötzlich in höchster Alarmbereitschaft, denn das Gesicht der jungen Frau wurde mit ätzendem Vitriol übergossen – ganz so wie in einem früheren Fall. Doch seine Ermittlungen reizen seinen Gegner, sodass Holmes bald einen schrecklichen Verlust hinnehmen muss...

Mit einer Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden ist „Sein schrecklichster Fall“ eine der längsten Hörspiele um Sherlock Holmes, erschienen als 26. Folge der „Chronicles“ aus dem Hause Winterzeit. Die Vorlage stammt dabei von Gary Lovisi, der sich in seiner Geschichte recht weit von den Vorlagen von Sir Arthur Conan Doyle entfernt und neue Elemente einbringt, so sind hier recht viele – in Ermangelung eines besseren Wortes – Actionszenen eingebracht, überstürzte Handlungen und gefühlsbetonte Entscheidungen von Holmes, der mehr als einmal seinen klaren Verstand verliert. Auch richtet sich diese Folge nicht an minutiösen Ermittlungen aus, sondern konzentriert sich auf den unerwarteten Tod von Dr. Watson, die einiges an Ungemach bereit hält und Holmes in einer gänzlich ungewohnte Situation bringt. Sehr gut gelungen ist die Verknüpfung mit einem der ursprünglichen Fälle, dessen Protagonist hier wieder sein Unwesen treibt, dies zu erkunden ist sehr spannend und bringt eine zusätzliche Brisanz in die Folge. Der Erzähleranteil ist hier recht hoch – auch, weil Holmes über weite Teile der Handlung auf sich selbst gestellt ist, dennoch wirkt auch hier trotz den verwendeten Begriffes „Inszenierte Lesung“ die Produktion eher wie ein Hörspiel. Leider zieht sich die Handlung im Mittelteil etwas in die Länge, hier passiert einfach zu wenig, um den Hörer bei Laune zu halten. Doch gepaart mit dem düsteren Ausdruck, dem diabolischen Gegenspieler und der spannenden Handlung ist eine hörenswerte Folge der Serie entstanden.

Till Hagen übernimmt hier nicht nur die Rolle des Sherlock Holmes, sondern übernimmt als dieser auch einen Großteil der Erzähleraufgaben. Beides meistert er mit der ihm eigenen Souveränität, er spricht sehr eingängig und kann die aufgewühlte Gefühlswelt des Ermittlers auf den Punkt bringen. Viola Sauer ist als Mrs. Hudson im Einsatz und hat eine etwas größere Rolle als sonst, die sie mit viel Energie und einer eingängigen Betonung spricht. Sehr gut gefallen hat mir auch Markus Pfeiffer, der mit unheilvollem und bedrohlichem Klang und leichtem, glaubhaften Akzent eine sehr überzeugende Vorstellung abliefert. Weitere Sprecher sind Louis-Friedemann Thiele, Michael-Che Koch und Jodie Blank.

Normalerweise hält sich die akustische Gestaltung in dieser Serie ja eher zurück, durch die dramatischere und actiongeladenere Handlung dreht sie aber auch hier etwas mehr auf. Das Finale ist sehr prägnant mit Geräuschen in Szene gesetzt worden, die eine sehr dichte Atmosphäre schaffen, während ansonsten stimmungsvolle Melodien im Einsatz sind die die Aura der Geschichte unterstreichen.

Der Gegenspieler von Holmes in dieser Folge ist auf dem Cover abgebildet, das Gesicht eine entstellte Fratze, das Gesicht halb im Dunkeln verborgen, der Blick bösartig und hinterhältig, doch sehr gut gekleidet ist er in einem alten Gemäuer zu sehen – sehr stimmig! Das Booklet enthält neben Produkthinweisen zu anderen Holmes-Produkten auch die bereits bekannten Informationen zu den beiden Hauptsprechern.

Fazit: Diese Folge ist recht zweispältig: Einerseits bringt sie viel frischen Wind in die Serie, ist spannend und actiongeladen, andererseits entfernt sie sich recht weit vom Original. Leider sind auch einige langwierige Szenen in die Produktion gelangt, dennoch hat mir „Sein schrecklichster Fall“ gut gefallen, die Fortführung einer bekannten Geschichte ist insgesamt gut erzählt und mit einiger Schärfe umgesetzt.

VÖ: 22.Januar 2016
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9437-3268-9


Sherlock Holmes Chronicles – X-Mas Special 4. Das Rätsel der grauen Katze



Erster Eindruck: Ein weihnachtliches Rätsel...

Charles McDermott sucht die Hilfe des Meisterdetektivs Sherlock Holmes, denn der Tod seines Vaters gibt ihm und der Polizei Rätsel auf. Holmes, der von dem Fall bereits aus der Presse erfahren hat, muss dabei aber direkt in drei Morden ermitteln – denn auch zwei andere Tote sind unter merkwürdigen Umständen gestorben. Nur die Spuren einer Katze sind am Tatort hinterlassen worden. Mitten im weihnachtlichen Trubel stehen Holmes und Watson unter Hochdruck...

Fast schon eine kleine Tradition bei den Sherlock Holmes Chronicles aus dem Hause Winterzeit ist die Veröffentlichung einer Weihnachtsfolge, „Das Rätsel der grauen Katze“ ist bereits die vierte derartige Folge. Die Geschichte wurde eigens für diese Episode von James A. Brett geschrieben, der es geschafft hat, punktuell weihnachtliches Flait durchscheinen zu lassen, die Konzentration dabei aber stets auf der Handlung zu haben. So muss sich Dr. Watson in ein von Holmes aufgezwungenes Kostüm zwängen, was sehr gut intergriert ist und zudem noch eine ordentliche Prise Witz einbringt. Der Fall an sich ist sehr clever durchdacht, wobei als wichtiger Beweis tatsächlich das Auftauchen der titelgebenden grauen Katze ist. Wie diese mit den Morden zusammenhängt und welches Motiv dahintersteckt ergibt sich recht langsam, aber durch immer neue Informationen ist das Geschehen sehr spannend gehalten. Gern rätselt man mit, verwirft Theorien und ist erstaunt über die kleinen Wendungen. Dass alles in einem stimmigen und packenden Finale endet, schließt die Handlung dann gekonnt ab und sorgt mit einigen cleveren Kniffs für einen gekonnten Abschluss dieser sehr starken Folge der Serie.

Auch wenn die Produktion eher wie ein Hörspiel denn wie eine inszenierte Lesung wirkt – die Anzahl von gerade einmal sieben Sprechern spricht ebenfalls für zweiteres. Hendrik Martz ist in der Rolle des Charles McDermott zu hören, den er mit überzeugender und lebhafter Sprechweise umsetzt und seine Szenen gut zur Geltung bringt. Sven Gerhardt hält sich als Inspektor Bradstreet eher zurück, liefert aber eine ebenso gelungene Leistung ab, die gut zur der Rolle passt. Frank Röth ist als James Nelligan mit seiner markanten Stimme und der passenden Attitüde auch eine sehr gute Besetzung. Neben den Hauptsprechern Tom Jacobs und Till Hagen sind auch Dirk Hardegen und Gerald Schaale zu hören.

Die eingesetzte Musik ist eingängig und vielseitig, wobei nur sehr wenige weihnachtliche Melodien eingesetzt wurden. Die Szenen wirken sehr eingängig, auch durch die Geräuschkulisse, die sehr gut an die jeweilige Situation angepasst wurde. Durch diese lebendige Herangehensweise wirken auch die langen Dialoge kurzweilig und prägnant.

Vor der Kulisse des verschneiten Londons mit ihren typischen Wahrzeichen sitzt eine graue Katze, den Blick konzentriert auf den Boden vor sich gerichtet, die Augen gelblich leuchtend – das Cover der Folge ist gelungen und weckt die Lust auf die kommende Geschichte. Ergänzt durch den Schriftzug mit dem stilisierten Konterfei des Detektivs ist ein stimmiges Titelbild entstanden.

Fazit: Wie die Geschichte von den Katzenspuren zu ihrem eigentlichen Thema kommt, eine spannende Handlung mit einem Hauch weihnachtlicher Stimmung kombiniert, ist sehr gelungen und eine sehr gelungene Neuinterpretation der bekannten Figuren. Die spannende und kurzweilige Geschichte ist zudem sehr gelungen umgesetzt.

VÖ: 28.Oktober 2016
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9456-2455-5