Oscar Wilde & Mycroft Holmes - 7. Ritual des Grauens

Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 6. Hexenwald

Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 5. Kalter Fels

Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 4. Tod der Königin

Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 3. Das Geheimnis des Alchemisten

Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 2. Finsteres Hochland

Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 1. Zeitenwechsel


Oscar Wilde & Mycroft Holmes - 7. Ritual des Grauens



Erster Eindruck: Ein unheimlicher Mörder...

Sherlock Holmes hat die polizeilichen Ermittler an seinen Bruder Mycroft verwiesen, da er den aktuellen Fall von Scotland Yard in seinem Bereich sieht. Dieser ist zunächst verwundert, denn der Mord an einigen Wissenschaftlern ist zwar durchaus mit einigen Fragen behaftet, bedroht aber eigentlich nicht die Sicherheit des Königreiches. Doch die Untersuchung der Lehmspuren an den Tatorten führt die Sonderermittler der Krone zu einem unglaublichen Verbrechen...

Sherlock Holmes ist vollkommen rationaler Natur, im Gegensatz dazu muss sich sein Bruder Mycroft in der Maritim-Serie „Oscar Wilde & Mycroft Holmes“ auch mit übernatürlichen Phänomenen beschäftigen. Die Krimiserie mit Mysteryelementen schlägt in der siebten Folge wieder einen direkten Bogen zwischen den beiden Geschwistern, auch wenn Sherlock selbst nicht in Erscheinung tritt. Doch das ist nur ein kleines Vorspiel um die Ermordung einiger Wissenschaftler, die von dem ungewöhnlichen Gespann auf Wilde und Holmes gelöst werden muss. Leser von Fantasyliteratur werden sich schon recht schnell zusammenreimen können, wie diese geschehen sind, und bereits im ersten Drittel wird auch die Identität des Mörders nebst seinem Motiv offenbart. Dann bleibt nur noch recht wenig Spannung übrig, auch wenn der weitere Verlauf mir der Verfolgung des Täters durchaus einige reizvolle Momente bietet – und wer die Hinweise nicht gleich entschlüsseln kann, wird sich dann noch mit einer gelungenen Auflösung überraschen lassen können. Der eingebaute Humor gefällt mir hier sehr gut, auh die kleinen Anspielungen auf die Hintergründe der beiden Hauptfiguren lockern die Handlung etwas auf. Zudem wird auch die Rahmenhandlung um den diabolischen Geheimbund weitererzählt, sodass trotz einiger zu langer Szenen und einer allzu offensichtlichen Auflösung eine runde Folge der Serie entstanden ist.

Reent Reins verleiht der Figur des Mycroft Holmes mit seiner kraftvollen Stimme wieder ein sehr präsentes Auftreten und ein harsches Auftreten, besonders in den späteren Szenen gewinnt er so viel Aufmerksamkeit. Tobias Lelle überzeugt in der Rolle des Andrew Wabbercott mit einer dynamischen Sprechweise, mit der er sich sehr gut an die unterschiedlichen Situationen anpasst und so den Spannungsbogen der Folge unterstreicht. Auch Arianne Borbach setzt den Fokus gelungen auf ihre Rolle der Agnes, ihre Stimme kommt in der düsteren Atmosphäre gut zur Geltung. Weitere Sprecher sind Wolfgang Condrus, Norman Matt und Kerstin Draeger

Die szenische Gestaltung des Hörspiels ist angemessen und verleiht den Dialogen mehr Stimmung. Insbesondere die Musik sticht dabei immer wieder heraus und sorgt für eindringliche Momente. Auch während der Dialoge ist diese teilweise im Einsatz und lenkt so die Aufmerksamkeit auf entscheidende Stellen, während der Einsatz von Geräuschen eher zur besseren Verdeutlichen der Dialoge dient.

Das Cover ist natürlich wieder im Stil der bisherigen Titelbilder gehalten und ist sehr ansprechend gestaltet. Zu sehen sind die Seiten aus einem alten Folianten, die mit mystischen Zeichnungen und Symbolen übersät sind. Die Farbgebung in Sepia mit vielen roten Elementen trägt noch mehr dazu bei, die Stimmung des Hörspiel auch optisch einzufangen.

Fazit: Kann man aus den gestreuten Hinweisen und entwas Wissen über mystische Figuren den Tathergang der Morde erschließen, entfällt leider etwas der Reiz der Folge, die ansonsten spannend und größtenteils flüssig erzählt wurde. Die Figuren kommen wieder sehr gut zur Geltung und sorgen gemeinsam mit der gelungenen Atmosphäre für viele düstere Momente mit einem dazu passenden Humor.

VÖ: 13. Januar 2017
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-7857-5326-2


Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 6. Hexenwald



Erster Eindruck: Auf den Spuren der Brüder Grimm

Der Schwarzwald verliert einiges von seinem idyllischen Anschein, als einige bestialisch zugerichtete Frauenleichen gefunden werden. Die alten Mythen der Gegend verbreiten sich wieder, die Menschen haben Angst. Auch Mycroft Holmes erfährt von den Morden und schickt Oscar Wilde allein nach Deutschland, um in dem Fall zu ermitteln. Doch ein alter Bekannter wartet dort schon ausf ihn...

Es ist schon eine beachtliche Themenvielfalt, die bisher bei der Mystery-Serie „Oscar Wilde & Mycroft Holmes“ präsentiert wurde, wobei sich reale Elemente mit Fiktion vermischen. Die sechste Folge der Serie bringt noch eine ganz neue Idee mit ein und verknüpft ein altes Märchen der Brüder Grimm mit dem äußerst grausamen Fall zweier Frauenmorde im Schwarzwald. Das ist sehr interessant aufbereitet und mein persönliches Highlight dieser Folge, seien es die kleinen Andeutungen während der Einführung, die vielen Anspielungen während der Ermittlungen oder die Konzentration in einer Schlüsselszene. Und auch der Fall selbst ist durchaus stimmig erzählt und hat eine klare Linie zu bieten, ist eher ein in sich abgeschlossenes Abenteuer als ein großer Wust an Geheimnissen wie in einigen vorigen Folgen. Doch leider finden sich auch hier einige Stolpersteine, was nicht nur an den erneut zu lang geratenen Dialogen liegt, sondern auch an einigen offensichtlichen Ungereimtheiten, die sich leider ziemlich offensichtlich präsentieren und so einige Fragezeichen beim Hörer entstehen lassen. Wieder wäre eine deutliche Straffung wünschenswert gewesen, auch wenn die „Hexenwald“ nach drei eher lagwierigen Folgen einen Sprung nach vorn und in die richtige Richtung gemacht hat.

Sascha Rotermund beweist, dass er als Oscar Wilde auch allein und ohne Mycroft Holmes sehr gut funktioniert, seine spitzzüngigen Kommentare und die immer hervorblitzende Scharfsinnigkeit machen ihn auch hier zu einem sehr interessanten Hauptcharakter. Jaron Löwenberg kehrt als Abel Hawthorne zum Cast zurück, auch hier liefert er eine sehr saubere und glaubhafte Leistung ab, allerdings wäre eine noch prägnantere Gestaltung der Rolle schön gewesen. Michael Pans unverkennbare Stimme ist als Konrad Wagner sehr gut in die Atmosphäre der Handlung integriert. Weitere Sprecher sind Bernd Stephan, Sven Dahlem und Anita Hopt.

Ein großer Pluspunkt der Serie ist nachwievor die sehr stimmige atmosphärische Gestaltung, die jede Szene in ein passendes Licht taucht. Immer eher düster, bedrückend und geheimnisvoll werden sehr hübsche Melodien eingebaut, die nicht nur die Szenenübergänge, sondern auch die Dialoge gelungen gestalten. Die Geräuschkulisse könnte hier manchmal noch etwas vielfältiger sein, doch auch diese ist insgesamt stimmig.

Ein einsames Holzhaus mitten im Wald, davor ein Mann mit Zylinder und Gehstock – das Cover der Folge fängt die Stimmung der Folge gut ein und ist mit seinem Detailreichtum und den erdigen Farben ansehnlich gestaltet. Die restliche Gestaltung bietet keine zusätzlichen Informationen, die Sprecherliste auf dem Backcover ist dabei aber wieder gesetzt.

Fazit: Ein interessanter Fall, eine sehr gelungene Verknüpfung zu dem Märchen, eine stimmige Einbettung in die bisherigen Erkenntnisse der Serie – viele gelungene Elemente, die jedoch durch ein zu lang geratenes Drehbuch und einige Seltsamheiten wieder abgeschwächt werden. Doch insgesamt ist eine Steigerung zu den Vorgängen festzustellen.

VÖ: 18. November 2016
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-7857-5325-5


Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 5. Kalter Fels



Erster Eindruck: Neue Verbündete, neue Feinde

Pasquale, der für den Zirkel der Sieben gearbeitet hat, will sich seine Gefangenschaft mit einigen Informationen über den geheimnisvollen Bund erträglicher kaufen. Und so haben Mycroft Holmes und Oscar Wilde endlich eine Spur, die sie verfolgen können. Sie begeben sich auf eine einsam gelegene, felsige Insel und erfahren dort Schreckliches...

Mit dem Zirkel der Sieben wird den Hörern der noch recht neuen Hörspielserie „Oscar Wilde & Mycroft Holmes“ ein sehr präsentes Feindbild mit klarem Ziel mit auf den Weg gegeben, doch vieles bleibt auch in der fünften Folge noch im Dunkeln. Vielleicht etwas zu viel, denn auch wenn hier der Ursprung der Bewegung ergründet wird, werden nicht sonderlich viele Fragen beantwortet, sondern eher Detailarbeit geleistet. Dabei hätte der Serie ein ordentlicher Schritt in diese Richtung gut getan, die sich scheinbar schon jetzt etwas verfangen hat und nicht so recht auf den Punkt kommt. Und so wird auch hier einiges an Potenzial verschenkt, denn nach dem stimmungsvollen Intro um Pasquales Aussage sind wieder viele zu lange Dialoge entstanden. Hinzu kommt, dass die wenigen eingebauten Highlights nicht so recht zur Geltung kommen und zu ruhig, zu unspektakulär inszeniert sind, um wirklich mitreißen zu können. Zwar gibt es auch hier wieder gerade am Ende einige stimmungsvolle Bilder, die faszinieren können, und auch Setting und Charaktere gefallen mir weiterhin, es fehlt aber immer eine kleine Schippe, um mich wirklich begeistern zu können. Die neu eingeführten Rollen – sowohl auf der Seite der beiden Sonderermittler als auch deren Gegenspieler – bringen sehr individuelle Noten mit ein und sind interessant gestaltet, leider sind aber zu viele auf einmal eingeführt worden, sie drohen etwas unterzugehen.

Reent Reins ist wie in den vorigen Folgen auch wieder als Mycroft Holmes zu hören. Seine markante und harte Stimme und sein recht kühles Auftreten ergänzen sich sehr gut und lassen einen spannenden Charakter entstehen, dessen geheimnisvollen Anspielungen Würze in die Handlung bringen. Jaron Löwenberg ist in der Rolle des Abel Hawthorne zu hören, auch er passt sehr gut in die geheimnisvolle Atmosphäre und sorgt für einige gelungene Momente. Mia Diekow zeigt sich als Vioet Ishiguro mal von ihrer harten und mysteriösen Seite, was zu einem spannenden Charakter führt. Weitere Sprecher sind Bernd Rumpf, Peter Lpntzek und Christian Stark.

Im Grunde kann die akustische Gestaltung der Serie überzeugen. Die Musik ist sehr eingängig gestaltet und sorgt für eine eingängige und dichte Atmosphäre, was auch durch viele passende Geräusche unterstützt wird. Doch sobald die Geschichte etwas dramatischer wird, zieht die Stimmung leider nicht recht mit und bremst so die Wirkung dieser Szenen aus.

Das Cover ist wieder äußerst ansehnlich geraten, die Kombination aus Schwarz, Beige und einigen roten Elementen wirkt düster und geheimnisvoll. Angedeutet ist darauf eine Insel, die von einem stilisierten Totenkopf überlagert wird. Die restliche Gestaltung ist bereits bekannt und wie immer übersichtlich gelungen.

Fazit: Zwar gibt es auch hier viele positive Aspekte, doch die Geschichte wird zu langsam erzählt, um wirklich packen zu können. Zudem werden viele neue Elemente hinzugefügt, die aber eher wie schmückendes Beiwerk wirken und die eigentliche Handlung nicht vorantreiben. Die geheimnisvolle Atmosphäre und die interessanten Charektere kommen auch hier wieder gut zur Geltung.

VÖ: 9. September 2016
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-7857-5324-8


Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 4. Tod der Königin



Erster Eindruck: Ein Schritt in Richtung Jules Verne...

Der Zirkel der Sieben, ein geheimnisvoller Bund, der es sich zum Ziel gemacht hat, hat einen diabolischen Plan ersonnen, um die Königin Englands zu beseitigen und die Bevölkerung vom Joch der Monarchie zu befreien. In Dr. Grell haben sie einen scharfsinnigen Verbündeten gefunden, und nur zwei Personen stehen noch zwischen ihm und dem Gelingen seines Planes: Mycroft Holmes und Oscar Wilde, der die Monarchin in einer ungewöhnlichen Verkleidung beschützen will...

Die Serie um das ungewöhnliche Gespann aus Oscar Wilde und Mycroft Holmes ist in der vierten Folge immer noch in der Startphase, und auch wenn die Richtung der Serie bereits abgesteckt ist, gibt es immer noch viele Elemente, die in die Serie eingebaut werden können. In „Tod der Königin“ hat man sich für eine sehr interessante Variante entschieden, die sogar einige Anleihen an Jules Verne hat – zu der mysteriösen Stimmung gesellt sich hier nun auch eine Fantasy-Variante um Maschinen und scheinbar übermenschliche Körperkräfte. Das wirkt tatsächlich neuartig und konnte mich noch einmal überraschen. Verpackt ist das in eine Geschichte, die im Grunde sehr interessant ist und einen spannenden Verlauf bietet, aber wie seine Vorgänger auch etwas zu langatmig gelungen ist. Gerade die ersten Szenen hätten deutlich gestrafft werden und so auch mehr Dynamik erzeugen können. Und auch die Actionszenen wirken etwas gebremst, die Kommentare der Protagonisten zum Geschehen wirken nicht sonderlich dramatisch oder auch nur aufgeregt. Gut gefällt mir, dass der geheimnisvolle Zirkel der Sieben in Dr. Grell ein neues Gesicht bekommt, das sicherlich noch im weiteren Folgen für Aufregung sorgen wird. So überwiegen die positiven Aspekte dieser Folge, auch wenn für zukünftige Produktionen eine deutliche Kürzung des Skriptes wünschenswert wäre.

Sascha Rotermund ist natürlich wieder als Oscar Wilde zu hören und verteilt mit seiner spitzen Art wieder einige bissige Kommentare, beweist aber auch sein Gespür für ernsthaftere Szenen und einen gelungenen Spannungsbogen. Luise Lunow ist in einer kurzen Szene als Königin von England zu hören, ihre prägnante und kratzige Stimme passt sehr gut zu der Figur und haucht ihr Leben ein. Wunderbar ist Klaus Dieter Klebsch als Dr. Grell, mit seiner teuflischen Art und seinem unverkennbaren Klang ist so ein eingängiger Widersacher entstanden. Weitere Sprecher sind Leonhard Mahlich, Rüdiger Schulski und Dietmar Wunder.

Atmosphärisch wurde hier wieder eine sehr positive Leistung abgeliefert – eine der größten Stärken der Serie! Nicht nur, dass das viktorianische Zeitalter gekonnt wiedergegeben wird, auch der starke Einschlag in das Genre Mystery wird mit zahlreichen stimmungsvollen Melodien unterstrichen. Die Geräuschkulisse ist vielfältig und gewinnt den eher langsam erzählten Actionszenen noch glaubhafte Seiten ab.

Sehr gut gefällt mir wieder das Cover der Folge, das die Atmosphäre des Hörspiel gekonnt einfängt – auch wenn der Anteil an Frauen doch deutlich geringer ist als suggeriert wird. Die Darstellung des schönen Frauengesichtes mit den geschickt eingewobenen Gruselelementen ist jedenfalls sehr ansehnlich und wird durch die erdige Farbgebung mit den roten Einschüssen stimmig in Szene gesetzt.

Fazit: Leider ist die Folge wieder deutlich zu lang geraten, eine deutliche Straffung hätte ihr gut getan. Ansonsten sind sehr viele positive Aspekte zu finden, von dem neuen bösartigen Gegenspieler über die interessanten Figuren und die spannende Handlung bis hin zum leichten Fantasy-EInschlag.

VÖ: 14. Juli 2016
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-7857-5323-1


Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 3. Das Geheimnis des Alchemisten



Erster Eindruck: Oscar Wilde undercover

Im Vatikan haben sich gleich zwei merkwürdige Todesfälle ereignet, sowohl ein Priester als auch der britische Botschafter wurden ermordet aufgefunden. Mycroft Holmes wird auf den Fall angesetzt und schickt seinen nicht ganz freiwilligen Ermittler Oscar Wilde nach Italien, wo er sich als Priester verkleider mitten in das Herz Roms einschleicht...

Bereits zum dritten mal ist das ungewöhnliche Duo aus Mycroft Holmes, dem fiktiven Brider von Sherlock, und dem real existierenden Schriftsteller Oscar Wilde in „Das Geheimnis des Alchemisten“ gemeinsam zu hören. Nachdem in den vorigen Folgen die Grundlagen der Serie abgesteckt wurde, kehrt hier langsam Normalität ein – und das ist leider nicht so stark erzählt wie erhofft. Das liegt nicht an dem interessanten Umfeld des Vatikan, welcher durchaus reizvoll umgesetzt wurde, und auch die Atmosphäre ist hier recht dicht. Nur leider ist die Folge recht langatmig erzählt, was schon gleich zu Beginn spürbar zu Tage tritt. Denn nachdem der Hörer einen Mord direkt erzählt bekommt, wird ihm direkt anschließend ein Bericht über diesen präsentiert, in dem nur wenige weitere Details zu dem bereits Bekannten hinzugefügt werden. Und als wenn dies noch nicht genug ist, wird danach noch eine weitere Szene angeschlossen, indem Holmes Wilde noch einmal von den Morden berichtet – eine dreifache Wiederholung, die deutlich gestrafft werden müsste. Auch anschließend schafft es die Handlung nicht, Spannung zu erzeugen oder flüssig zu wirken. Immerhin kommt der Humor der Serie wieder gut zur Geltung, die bissigen Kommentare von Wilde und auch die stimmige Szenerie der Rahmenhandlung sind positive Aspekte dieser Folge.

Reent Reins ist als Mycroft Holmes wieder eine sehr starke Wahl, mit seiner markanten und harten Stimme passt er bestens zu der unnachgiebigen Figur und bringt dabei eine facettenreiche Ausgestaltung seiner Rolle mit ein. Konrad Bösherz ist als Marcelo Calvi zu hören, auch er setzt gekonnt Akzente und trifft genau den richtigen Ton für seine Rolle. Uschi Hugos prägnanter Klang ist als Therea Crunetti zu hören, mit Nachdruck und ihrer variantenreichen Sprechweise passt auch sie sehr gut in diese Folge. Weitere Sprecher sind Lutz Schnell, Martin Sabel und Holger Löwenberg.

Auch hier gefällt mir die akustische Umsetzung sehr gut, alles ist stimmig zusammengestellt und unterstreicht die mysteriösen Aspekte der Serie. Die Musik gewinnt der recht gradlinigen Folge noch einige dramatische Punkte ab, und auch die Geräuschkulisse punktet mit einem vielfältigen und passenden Gesamteindruck.

Der unheimliche Alchemist, der der Folge seinen Titel gibt, ist auh auf dem over abgebildet. Recht klischeehaft mit langem braunen Umhang und tief ins Gesicht gezogener Kapuze ist er vor einer kleinen Dorfkirche zu sehen. Die erdigen Farbtöne mit den roten Applikationen kommen auch dabei gut zur Geltung, die restliche Gestaltung ist bereits von den Vorgängern bekannt.

Fazit: Im Grunde wird auch hier eine interessante Geschichte erzählt, die sowohl einen eigenständigen Fall erzählt als auch die Rahmenhandlung etwas voran treibt. Doch leider ist dies ziemlich langgezogen geraten, besonders am Anfang wird bereits einiges wiederholt. Schade, denn so kommt die spannende Grundsituation kaum richtig herüber.

VÖ: 13. Mai 2016
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-7857-5322-4


Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 2. Finsteres Hochland



Erster Eindruck: Zweites Abenteuer mit anderen Vorzeichen

Menschen verschwinden im schottischen Hochland, es gehen Gerüchte von einem schrecklichen Untier um. Oscar Wilde, der immer noch von Mycroft Holmes wegen seiner Freiheit erpresst wird, soll mit einer kleinen Gruppe von Ermittlern für Auflärung sorgen, doch Holmes selbst wird ihn nicht auf der Reise begleiten. Und so erfährt Wilde nicht nur bald, was in Schottland wirklich vor sich geht, sondern auch mehr aus der Vergangenheit seines Erpressers...

Bei Maritim erscheint mit „Oscar Wilde & Mycroft Holmes“ eine neue Krimiserie, die neben der fiktiven Romanfigur Mycroft Holmes, der Bruder des bekannten Meisterdetektivs, noch den real existierenden Autor Oscar Wilde als Hauptfigur hat. Schon in der zweiten Folge verschiebt sich das Gleichgewicht der beiden Hauptfiguren deutlich zugunsten von Wilde, denn Holmes kommt hier nur recht sporadisch vor, gibt seinem unfreiwilligen Mitarbeiter den Auftrag, ist in kleinen Rückblenden zu hören. Dennoch erfährt man hier einiges über den „Sonderermittler der Krone“, er scheint so einige Geheimnisse zu bergen und ist keineswegs der Saubermann, für den man ihn halten könnte. Schön, dass sich die Charaktere so schnell weiterentwickeln und mehr in ihnen steckt, als anfangs vermutet. Die Geschichte an sich ist durchaus interessant und wird atmosphärisch erzählt. Lange wird der Hörer im Dunkeln über die wirklichen Vorgänge gelassen, die Auflösung ist reizvoll und spannend in Szene gesetzt. Leider ist auch diese Folge schon wie ihr Vorgänger recht träge erzählt, zu lange Dialoge bremsen die Entwicklung immer wieder und lassen einen eher starren Eindruck entstehen. Dennoch kann auch diese Folge mit ihrer interessanten Szenerie überzeugen.

Sascha Rotermund ist als Oscar Wilde eine sehr gute Wahl, er spricht den Autoren sehr spitzzüngig und kann auch dessen durchsetzungsstarke, kraftvolle Art gut zur Geltung bringen. Douglas Welbat bringt seine ganze Erfahrung als langjähriger Hörspielsprecher in seine Rolle als Barnabas Moore ein, auch er hat dabei einen gelungenen Ausdruck. Volker Brandt ist als Gordon McKinnock zu hören, seine ungewöhnliche Stimme passt auch sehr gut in die Atmosphäre des Hörspiels. Weitere Sprecher sind Dietmar Wunder, Jaron Löwenberg und Marie Bierstedt.

Gut gefallen hat mir auch die Produktionsweise des Hörspiels, durch den Einsatz von zahlreichen Melodien entsteht eine leicht romantische Atmosphäre, die sehr gut zu der Handlung passt. Auch die Geräusche sind treffend eingebaut und fügen sich gut ein, sodass alles wie aus einem Guss wirkt. Durch die gute Aufnahmetechnik wirken die Stimmen zudem sehr klar und kommen ohne störende Nebengeräusche aus den Boxen.

Das Cover stammt aus der Feder von Mark Freier, der sich an erdigen Sepiatönen orientiert und eine sehr ansehnliche, bergige Landschaft darstellt, durch die zwei englische Gentleman wandern. Durch den Detailsreichtum gibt es viel zu entdecken, was durch die bereits aus der ersten Folge bekannten Ornamente noch unterstrichen wird. Die Sprecher sind hier direkt auf der Rückseite aufgedruckt, sodass der Käufer gleich weiß, worauf er sich einlässt.

Fazit: Schon die zweite Folge fühlt sich ganz anders an als die Vorgängerfolge, da Mycroft Holmes selbst nur wenig in Erscheinung tritt – und dennoch das Geschehen mit einigen Hintergrundinformationen beeinflusst. Die Erzählweise ist für meinen Geschmack wieder zu langsam, die Story kann aber mit vielen spannenden Elementen punkten.

VÖ: 11.März 2016
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-7857-5321-7


Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 1. Zeitenwechsel



Erster Eindruck: Ungewöhnliche Kombination

Als der bekannte Schriftsteller Oscar Wilde eines Tages wegen seiner sexuellen Ausschweifungen festgenommen wird, droht ihm eine harte Gefängnisstrafe. Doch ein Unbekannter tritt an ihn heran und macht ihm ein Angebot, dass er wegen seiner derzeitigen Situation kaum ablehnen kann: Er soll gemeinsam mit dem Fremden, der sich als Mycroft Holmes entpuppt, Ermittlungen für die englische Krone anstellen...

Sherlock Holmes ist momentan wieder in aller Munde. Doch was tun, wenn der Hörspielmarkt bereits von diversen Serien um den Detektiv überflutet wird? Die neue Serie von Maritim hat hierauf eine äußerst kretaive Antwort gefunden und ergänzt Sherlocks unbekannteren Bruder Mycroft mit dem real existierenden Schriftsteller Oscar Wilde, der wegen seiner Homosexualität zu Lebzeiten bekannt und teilweise verachtet wurde. Genau dies ist dann auch der Aufhänger für diese außergewöhnliche Zusammenarbeit, die eher unfreiwillig und heimlich geschieht. Das gut gelungene Szenario ist durchaus reizvoll, ebenso wie es diese erste Geschichte ist. Denn die beiden müssen gleich mehrere Fälle aufklären, in denen bisher unauffällige Menschen dem Wahnsinn anheim zu fallen scheinen. Die Aufklärung der Zusammenhänge und die Erkundung der Hintergründe sind der rote Faden dieser Folge und in einigen spannenden Szenen dargeboten. Allerdings ist diese Folge auch etwas in die Länge gezogen, manche Dialoge erstecken sich über eine Viertelstunde hin und sind schlicht zu lang geraten. Eine Straffung der Handlung wäre dementsprechend genauso hilfreich gewesen wie mehr Dynamik durch häufigere Szenenwechsel. Dennoch ist eine unterhaltsame und hörenswerte Folge enstanden, die mit ihrem gelungenen Ansatz und einer interessanten Ästhetik überzeugen kann.

Sascha Rotermund ist als Oscar Wilde zu hören, der dem Autoren eine exaltierte und immer leicht ironische Sprechweise zu eigen werden lässt und in den ganz unterschiedlichen Situationen glänzen lassen kann. Reent Reins steht ihm als Mycroft Holmes zur Seite, der eine ernste und trockene Art an sich hat und mit seiner tiefen Stimme immer wieder für Aufsehen sorgen kann. Leonhard Mahlich konnte mich als Dr. Benjamin Payton überzeugen, er passt sich sehr gut der Atmosphäre der Produktion an. Weitere Sprecher sind Holger Löwenberg, Konrad Börherz und Annina Braunmiller-Jest.

Die akustische Gestaltung ist sehr atmosphärisch gelungen, das viktorianische Zeitalter wird mit passenden musikalischen Klängen ausgemalt, sodass eine leicht romantische Stimmung entsteht. Und auch die Geräusche sind hier sehr treffsicher eingefügt, durch sie erhalten die Dialoge mehr Tiefe und wirken lebendiger und glaubwürdiger.

Dunkle Rot- und Orangetöne prägen das Cover zu dieser Folge, durch einige eingebaute Ornamente bekommt es einen sehr ansehnlichen Audruck verliehen, der sich gut mit dem schlichten Schriftzug verträgt. Als Motiv wurde ein Mann mit Zylinder und langem Mantel gewählt, dessen Gesichtszuüge wegen der Beleuchtung von hinten aber nicht zu erkennen sind.

Fazit: Das Zusammentreffen der beiden so unterschiedlichen Charaktere ist zwar streckenweise etwas dialoglastig und starr geraten, kann aber nicht nur mit der interessanten Kombination punkten. Auch die Handlung um die völlig verwirrten und agressiven Menschen kann mit einer gelungenen Auflösung und vielen spannenden Momenten punkten.

VÖ: 11.März 2016
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-7857-5320-0