Der magische Finger



Erster Eindruck: Ein tierisches Abenteuer

Wenn Trxixi ruhig und ausgeglichen ist, ist die ein ganz gewöhnliches Mädchen. Wenn sie jedoch wütend wird, bekommt sie magische Fähigkeiten, die sie jedoch nicht sonderlich gut kontrollieren kann. Als ihr Nachbar mit seinen Söhnen mal wieder auf die Jagd nach Enten gehen will, beginnt Trixis magischer Finger wieder zu glühen – und mit der Familie Bollei geschieht etwas Unglaubliches...

Für den WDR bearbeitet Ulla Illerhaus immer wieder Kinderliteratur, die dann als Hörspiel umgesetzt werden. So entstand auch „Der magische Finger“ nach einer Erzählung von Roald Dahl, das in flotten 39 Minuten eine witzige Geschichte erzählt. Zunächst wird Trixi vorgestellt, die mit ihrer ungewöhnlichen Gabe immer wieder für Chaos sorgt, im weiteren Verlauf kommt das Mädchen aber nicht mehr vor, im Mittelpunkt steht nämlich die Familie Bollei nach ihrer Verwandlung. Dem rücksichtslosen und egoistischen Vater und seinen nicht minder unsympathischen Söhnen wird dabei eindrucksvoll vor Augen geführt, wie sie auf andere Lebewesen wirken, die kleiner und schwächer sind. Das hat viele spannende und komische Momente, regt aber auch zum Nachdenken an – denn schließlich möchte niemand so negativ wirken wie Familie Bollei. Natürlich folgt am Ende die Einsicht, ganz im Sinne eines Kinderhörspiels sehen die Übeltäter ihre Fehler ein, sodass harmonisch abgeschlossen wird. Ohne erhobenen Zeigefinder, sondern witzig, magisch und kurzweilig wird hier Schulkindern eine hübsche Geschichte erzählt, von der man etwas lernen kann.

Peter Fricke ist als Erzähler zu hören, er ist dabei recht oft im Einsatz und erklärt den Zuhörern einige wesentliche Dinge. Dies gestaltet er recht flott und unterhaltsam, sodass diese Passagen gut zur Geltung kommen. Roxana Samandi ist als Trixi eine gute Wahl, die wirkt recht spontan und kann die heftigen Gefühlsregungen des magischen Mädchens recht glaubhaft darstellen. Jörg Schüttaus spricht Vater Bollei mit tiefer, poltender Stimme und ist dabei alles andere als sympathisch, kann aber später noch eine andere Seite von sich zeigen. Weitere Sprecher sind Cathlen Gawlich, Marlon Hell und Ben Falkenroth.

Typisch für ein Kinderhörspiel – noch dazu für ein Radiohörspiel – ist der Einsatz von Musik sehr gering, nur ab und an ist eine kleine, aber passende Melodie zu hören. Dafür sind recht viele Geräusche eingebaut, die die Szenen lebendiger wirken lassen oder zur Ausgestaltung der Szenerie eingesetzt wurden. Insgesamt ist dies alles recht dezent, aber passend gelungen.

Das Cover halte ich für etwas gewöhnungsbedürftig, die einfach Zeichnung und der weiße Hintergrund wirken etwas unruhig und nicht sonderlich absprechend. Trixi ist darauf mit wütendem Gesichtsausdruck und leuchtendem Finger zu sehen. Wie immer bei dem Label ist die restliche Gestaltung recht schlicht und sehr übersichtlich. Ein Teil der Einnahmen kommt einem guten Zweck zugute.

Fazit: Eine kurzweilige kleine Geschichte, die einen anderen Verlauf nimmt als anfangs gedacht. Dieser Wechsel der Hauptperson kann dabei durchaus überzeugen, das spannende Abenteuer der Familie Bollei ist zudem lehrreich, ohne übertrieben moralisch zu wirken.

VÖ: 23.Oktober 2015
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-549-9