Königsallee



Erster Eindruck: Thomas Mann und sein ehemaliger Geliebter

Der bekannte Thomas Mann soll im Düsseldorf der Nachkriegszeit eine Lesung halten. Im dem Hotel, in dem er untergebracht wird, herrscht helle Aufregung, denn auch Manns ehemaliger Geliebter Felix Heuser gastiert im gleichen Hotel. Ein Zusammentreffen der beiden soll um jeden Preis verhindert werden, was auch Manns Gattin Katia unterstützt...

Es gibt zahlreiche Romane von Thomas Mann, aber nur wenige über Thomas Mann. Dazu gehört „Königsallee“ aus dem Jahr 2013, das vom WDR auch als Hörspiel umgesetzt wurde. Die Kaufversion ist nun beim Audio Verlag erschienen und enthält die 106-minütige Produktion auf 2 CDs. Die Grundsituation ist interessant dargestellt und kann die lebendige Gefühlswelt einiger Charaktere sehr gelungen darstellen, wobei insbesondere Katia, die Ehefrau von Thomas Mann, mit ihrer resoluten und sehr bestimmenden Art in den Vordergrund tritt. Doch auch in der erheiternden Introszene um die Hotelbediensteten und das gelungene Ende, das einige Wendungen parat hält, sind sehr gelungen dargestellt. Das Zusammentreffen der beiden ehemaligen Geliebten läuft dann wunderbar reibungslos, sodass die vorige Aufregung wunderbar karikiert wird. Und auch ansonsten blitzt immer wieder leiser Humor durch, da sich die Charaktere oft anders verhalten als von ihnen erwartet wird. Wunderbar wird die Stimmung des Düsseldorf der 50er Jahre dargestellt, die Wortwahl sorgt für einen eher lockeren Gesamteindruck, der jedoch alles andere als simpel ist. So erfordert „Königsallee“ schon einiges an Aufmerksamkeit, lehnt sich auch immer wieder an die Werke von Thomas Mann an. Autor Hans Pleschinski hat ein sehr gelungenes Werk erdacht, das hörenswert an das Medium des Hörspiels angepasst wurde.

Wolf-Dietrich Sprenger ist in der anspruchsvollen Rolle des Thomas Mann zu hören, der mit seiner deutlich gealterten und rauen Stimme eine sehr gelungene Darbietung und mit feinsinnigen Facetten eine sehr umfassenden Charakterdarstellung abliefert. Barnaby Metschurat spricht die Rolle des Klaus Heuser, prägnant, ausdrucksstark und mit Sinn für das richtige Timing. Susanne Barth ist als Katia Mann eine ebenso gute Besetzung, ihre Stimme passt sehr gut zu ihrem Charakter. Weitere Sprecher sind Lena Stolze, Matthias Bundschuh und Berndt Hahn.

Der WDR hat einen sehr interessanten Weg gefunden, um das Hörspiel umzusetzen. Einerseits klingt es ein wenig nach einem alten Radiohörspiel, andererseits sorgt die hochwertige Produktion für einen sehr klaren Klang. Stimmungsvolle Musikstücke und zahlreiche treffende Geräusche sorgen für eine dichte Atmosphäre, die die Szenerie gut in ihrer Wirkung unterstützt.

Die beiden CDs sind in einer stabilen Papphülle untergebracht, die sehr hübsch gestaltet ist. Natürlich wurde das Titelbild der Romanvorlage – die Fotografie einer Statue, um das einige Menschen in der Kleidung nach der Mode der 50er Jahre gruppiert sind – auch für die Hörversion übernommen, während sich im Inneren neben den üblichen Produktionsinformationen auch Kurzbiographien zu einigen Mitwirkenden befinden.

Fazit: „Königsallee“ ist ein ebenso anspruchsvolles wie lockeres und humorvolles Werk. Das Auftreten von Thomas Mann ist dabei ebenso gelungen wie die Anlehnung an einige seiner Werke. Die sehr interessante Ausgangssituation und das starke Ende trösten über einige Längen im Mittelteil hin. Der Transport in das Medium Hörspiel ist dem WDR sehr gut gelungen.

VÖ: 1.Juni 2015
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-527-7