Die jungen Detektive – 1. und die Teufelsgestalt



Erster Eindruck: Zwei Juniordetektive in Eschwege

In einer unruhigen Nacht beobachtet der junge Robert ein merkwürdiges rotes Licht auf der Straße. Zuerst glaubt er noch an einen Zufall, doch als die mit seiner Mutter befreundete Turmwächterin Henriette von einer schrecklichen Teufelsgestalt zu Tode geängstigt wurde, ist sein Spürsinn geweckt. Gemeinsam mit seiner Schwester Emma ermittelt er in dem Fall, beide müssen sich bald tief in die Sagenwelt ihrer Heimatstadt Eschwege hineinlesen...

Auch Nocturna Audio hat mit „Die jungen Detektive“ eine Serie aus dem Genre der Juniordetektive auf den Markt gebracht, richtet sich dabei aber an das etwas jüngere Publikum. Die erste Folge rund um die erschreckende Teufelsgestalt trägt dabei viel Lokalkolorit, Autor Thomas Tippner hat sich tief in die Sagenwelt der kleinen hessischen Stadt eingelesen und gut mit eingebracht. Dabei geht es für die anvisierte Zielgruppe ab etwa 8 Jahre durchaus gruselig zu, die kurzen eingebauten Geschichten entfalten dabei eine hübsch unheimliche Wirkung. Anfangs werden jedoch erst einmal Robert und Emma samt Hund Figo vorgestellt, was kurzweilig und unterhaltsam geschieht. Doch im weiteren Verlauf lässt sich die Handlung einfach zu viel Zeit, einige Szenen ziehen sich dabei in die Länge und strapazieren das Aufmerksamkeitsvermögen der jungen Zuhörer. Eine deutliche Straffung der fast 75 Minuten hätte der Dynamik gut getan. Zudem ist lange Zeit nicht wirklich klar, was wirklich hinter der Attacke auf Henriette steckt, man tappt ohne Anhaltspunkt im Dunkeln. Erst am Ende wird alles aufgedeckt, wobei jedoch kein Dialog, sondern ein Bericht verwendet wurde, auch hier wird noch einmal Stimmung vertan. Gut gefällt mir, dass hier keine unrealistischen Verfolgungsjagden oder aufmerksamkeitsheischenden Szenen verwendet wurden, das Ende wirkt so deutlich runder und realistischer. Insgesamt verspricht die erste Folge der Serie einige positive Elemente, hat aber auch noch Potenzial nach oben.

Bei den Sprechern wurde auf eine sehr gelungene Mischung gewählt, die aus bekannten Stimmen und Schauspielern besteht, die noch nicht allzu oft in Hörspielen vorgekommen sind. Die jahrelange Erfahrung zahlt sich bei Jannik Endemann und Theresa Underberg als Ermittlerduo deutlich aus, beide wirken immer noch frisch und können trotzdem eine große Professionalität an den Tag legen. Rita Russel wurde als Erzählerin ausgesucht, in dieser ersten Folge hat sie auch gleich viel zu tun – für meinen Geschmack nimmt ihr häufiger Einsatz aber auch Lebendigkeit aus der Handlung. Sie wählt eine eher ruhige Erzählweise und schafft so eine intensive Stimmung, an einigen Stellen hätte sie aber noch mehr aus sich herauskommen können. Kornelia Boje gefällt mir als Henriette sehr gut, sie spricht lebendig und schafft eine einprägsame Figur.

Durch den häufigen Einsatz von Musik wird eine recht prägende Stimmung geschaffen, die sich gelungen an die Handlung anpasst. Dabei werden viele harmonische Melodien eingesetzt, etwas kürzer hätten diese aber auch ihren Dienst getan. Die sehr saubere Produktion schlägt sich auch in der klaren Klangqualität wieder, sodass auch die eingesetzten Geräusche glaubhaft aus den Lautsprechern kommen.

Der ungewöhnliche Zeichenstil des Covers gefällt mit persönlich sehr gut, er hebt sich positiv vom häufigen Einerlei ab. Zusehen sind – natürlich – Robert, Emma und Hund Figo vor dem Nikolaiturm. Im Inneren des Booklets gibt es einige weitere Zeichnungen, eine Trackübersicht und eine gezeichnete Stadtkarte von Eschwege, die die Orientierung während des Hörens durchaus erleichtern kann.

Fazit: Der starke Lokalbezug und die wunderbar schaurigen Sagen rund um die Stadt Eschwege können überzeugen, ebenso wie die gelungene Stimmung und das angenehme Setting. Allerdings hätte die Handlung insgesamt noch etwas gestrafft werden können. Insgesamt ein vielversprechender Start, der auf die weitere Entwicklung der Serie gespannt macht.

VÖ: 9.Januar 2015
Label: Nocturna Entertaiment
Bestellnummer: 603877115022