Tom Shark – 1. Das Hotelgespenst



Erster Eindruck: Meisterdetektiv mal anders

Berlin in den goldenen Zwanzigern: Der Detektiv Tom Shark kehrt aus den USA zurück in seine alte Heimat, wie immer begleitet von Dr. Pitt Strong, einem Journalisten, der seine Abenteuer niederschreibt, sowie seinem Diener Bill. Empfangen wird er wie ein Staatsgast, dabei wollte er doch eigentlich Ruhe in seiner alten Heimat finden. Doch daraus wird vorerst nichts, denn ein Hotelmanager bittet ihn um seine Hilfe – bei ihm soll es spuken…

Mit „Tom Shark“ veröffentlicht das Label Marctropolis eine neue Krimi-Hörspielserie, die jedoch anders als andere Serien auch komödiantische Elemente enthält und im Berlin der zwanziger Jahre angesiedelt ist. Zum Einstieg gibt es gleich einen Radiobericht zum Anlass von Tom Sharks Rückkehr nach Berlin, hier werden in einer kleinen Hau-Ruck-Aktion die Charaktere vorgestellt. Die Grundlagen der Konstellationen werden hier im Prinzip einfach nur aufgezählt, im weiteren Verlauf bekommen die drei Hauptfiguren aber glücklicherweise deutlich mehr Facetten als man hier erahnen könnte. Schnell ist man mit Shark und Strong vertraut, kann sie einschätzen, während Bill hier noch etwas zurückhalten positioniert wird. Nach einigen Introszenen kann es dann auch mit der Handlung losgehen, und diese setzt auf zahlreiche Actionszenen und nicht so sehr auf akribische Ermittlerarbeit, lässt die Personen eher handeln als reden. So entsteht ein durchaus dynamischer Eindruck, ein wenig mehr Ruhe an der einen oder anderen Stelle hätte dem Hörspiel aber sicherlich gut getan. Die Idee hinter dem Fall kann durchweg überzeugen, hier stehen eher zahlreiche kleinere Auflösung im Mittelpunkt als ein Rundumschlag, was mir gut gefallen hat. Die komödiantischen Anteile der Serie sind vor allem Tom Sharks Sprüchen zu verdanken, die er immer wieder raushaut und für heitere Momente sorgt. Das Setting im alten Berlin kann überzeugen, zumal am Rande auch gesellschaftliche Entwicklungen erwähnt werden. Eine durchaus gelungene erste Folge der Serie, die mit ihren vielen Szenenwechseln und einem dynamischen Spannungsbogen für eine kurzweilige Zeit sorgt.

Die Sprecherauswahl ist gut getroffen, das Label hat durchaus namhafte Sprecher um das Mikrofon versammelt. Gordon Piedesack hat die Hauptrolle des Tom Shark übernommen. Er kann sowohl die harte und schroffe als auch die humorvolle Seite des Ermittlers gut vermitteln und wirkt als echter Haudegen, verstellt seine Stimme für meinen Geschmack aber etwas zu stark, seine „Reibeisenstimme“ wirkt manchmal etwas gekünstelt. Santiago Ziesmer spricht mit seinem unverkennbaren Klang, er übernimmt auch die Rolle des Erzählers aus der Ich-Perspektive. Er spielt gekonnt und gewitzt, ist eine gute Ergänzung zu Piedesack. Ingo Albrecht besetzt die dritte Hauptrolle des Dieners Bill und übt sich in vornehmer Zurückhaltung, was sehr gut zu seiner Rolle passt. Weitere Sprecher dieser Folge sind Marc Fehse, Uve Teschner und Beatrice Fargo.

Tom Shark wurde als sogenanntes „Headphone Surround 3D“-Hörspiel entworfen, was ein besonderes Hörerlebnis über Kopfhörer generieren soll. Tatsächlich funktioniert dies ganz gut, es entsteht ein lebendiger und bewegter Eindruck. Die Musikauswahl ist gut getroffen und gibt den Zeitgeist wieder, während auch die Geräuschkulisse größtenteils überzeugt – nur das Schreibmaschinentippen während der Erzählparts von Santiago Ziesmer ist auf die Dauer etwas anstrengend.

In warmen, erdigen Tönen ist das Titelbild zu der Folge gehalten. Im Gegensatz zu den meisten anderen Hörspielserien wird hier mit realen Fotos auch von der Hauptfigur gearbeitet, gut gekleidet, mit Zigarette im Mund, Hut und einem nicht gerade dezenten Gewahr ist dort Tom Shark zu sehen. Im Hintergrund zu sehen ist das Hotel im englischen London, der Stil passt bestens zur gewählten Zeit, in der das Hörspiel spielt.

Fazit: Das neue Konzept geht auf, die Kulisse ist sehr gut und außergewöhnlich gewählt, die Story ist actionreich und lebendig. Ein vielversprechender Start.

VÖ: 21.Juni 2013
Label: Marctropolis
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