Mindnapping – 28. Verbindungen

Mindnapping – 27. Giallo

Mindnapping – 26. Es ist Zeit

Mindnapping – 25. Todesspiel – Freelancer 3.0

Mindnapping – 24. Die Meute

Mindnapping – 23. Dibbuk

Mindnapping – 22. Alligatorfarm

Mindnapping – 21. Die schwarze Witwe

Mindnapping – 20. Und es ward tiefe Nacht

Mindnapping – 19. X-Tension

Mindnapping – 18. Janus

Mindnapping – 17. Mardi Gras

Mindnapping – 16. Vier Köpfe

Mindnapping – 15. Einsamer Anruf

Mindnapping – 14. Blutstern

Mindnapping – 13. Beyond the Chinese Theatre

Mindnapping – 12. Die letzte Wahrheit

Mindnapping – 11. Inselmenschen

Mindnapping – 10.Der Traumtänzer

Mindnapping – 9. Montana oder Eine seltsame Schleife

Mindnapping – 8. Der schwarze Vogel

Mindnapping – 7. Das Geschwür

Mindnapping – 6. Dopamin

Mindnapping – 5. Witchboard

Mindnapping – 4. Flutnacht

Mindnapping – 2. Die 9 mm-Erbschaft


Mindnapping – 28. Verbindungen



Erster Eindruck: Rapunzel ist ein schönes Kind

Das Leben von Alan Cormack, ein vielversprechender Jurastudent und von seinem Vater gefördert, ändert sich schlagartig, als er mit seiner Freundin im Auto einen Unfall baut. Zwar überlebt das Opfer, dennoch fürchtet sein Vater um Alans Karriere. Und so setzt er einen ganzen Apparat an Verbündeten und ehemaligen Studienkollegen in Gang, um einer Verurteilung zu entgehen...

Studentenverbindungen sind gerade in den USA ein großes Thema und üben eine große Faszination aus – zumindest für die, die nicht in einer solchen organisiert sind. In genau diese Welt begibt sich nun Mindnapping mit der 28. Folge, in der Alan die Hauptfigur sich zunächst auch dem Apparat bedient, dem sein Vater und die Verbindung ihm ermöglichen. Wirklich sympathisch kommt er dabei nicht herüber, was mir sehr gefallen hat – nicht immer müssen die Hauptfiguren schließlich die strahlenden Helden sein. Wie sich die Schlinge um ihn langsam zuzieht, ist sehr spannend erzählt, da sich vieles im Hintergrund abspielt und eben nicht bis ins Detail ausgeführt wird. Zudem ist seine spätere Wandlung gut eingebaut und wird authentisch in Szene gesetzt. Auch die Figur der hartnäckigen Journalistin Rachel Morgan fügt sich sehr gut ein, auch ihre Geschichte bringt Spannung in die Handlung mit ein. Jedoch wäre hier gerade zu Anfang ein externer Erzähler wünschenswert gewesen, denn die Einordnung der Ereignisse fällt in diesem Abschnitt nicht immer leicht. Und auch die zahlreichen Wiederholungen einiger Gesprächsfetzen, die Alan mehr und mehr plagen, sind stilistisch zwar sehr interessant, sind aber eine Spur zu häufig und zu lang im Einsatz und behindern dann eher das Voranschreiten der Handlung. Doch beides sind nur Kleinigkeiten, insgesamt ist eine starke Episode der Reihe entstanden.

Tobias Schmidt hat mich in der Hauptrolle des Alan Cormack überzeugt, mit seinem anfangs überheblichen Klang, der mit der Zeit immer gehetzter und verzweifelter, aber auch aufrichtiger wird, zeichnet er die Entwicklung seines Charakters sehr gut nach. Hart und unnachgiebig klingt Norbet Langer als Alans Vater Richard, er bringt viele sehr gelungene Facetten in seiner Sprechweise mit ein. Christine Pappert ist als Rachel Morgan richtig gut, mit viel Druck und Energie setzt sie die bohrenden Fragen der Jounalistin sehr glaubhaft in Szene. Weitere Sprecher sind Martin Kautz, Julia Fölster und Jürgen Thormann.

Akustisch wird eine sehr saubere Leistung geboten, wobei der Einsatz von Musik und Geräuschen eher zurückhaltend eingesetzt wird. Beides ist gut plaziert und wirkt stimmig, größere Aufmerksamkeit ziehen aber die bereits erwähnten Gesprächsfetzen auf sich, die Alan immer wieder durchlebt. Durch das Tempo, durch das sich diese immer wiederholen, wird eine dynamische Stimmung erzeugt.

Das Bild von Justitia, der römischen Göttin der Gerechtigkeit, passt auf den ersten Blick vielleicht nicht allzu gut zu der Geschichte, doch nach dem Hören hätte ich mir kaum ein besseres Motiv vorstellen können. Die sehr interessante Perspektive, aus der ihre Statue gezeigt wird, gepaart mit den erdigen Farben auf dem Cover, ergeben wieder ein stimmiges Ganzes.

Fazit: Auch wenn der Anfang etwas abgehackt wirkt und sich die Ereignisse nicht allzu gut zusammenbringen lassen, entsteht schnell eine dichte und spannende Atmosphäre, die mit vielen gelungenen Elementen angereichert wurde. Viele kleine Rätsel reichern die Geschichte an und machen „Verbindungen“ zu einer weiteren gut erzählten Folge der Serie.

VÖ: 1. September 2017
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-946076-27-8


Mindnapping – 27. Giallo



Erster Eindruck: Starthilfe für eine neue Serie

Eigentlich wollte Fernsehmoderatorin Graciella einige belastende Fotos der Affäre einer ungeliebten Konkurrentin und ihres Senderchefs schießen, beobachtet jedoch aus ihrem Versteck den Mord an der deutlich jüngeren Schönheit. Und das soll nicht die einzige Tote im Umfeld des kleinen Senders sein, der sich auf die Ausstrahlung von Giallos, der italienischen Version des Thrillers, spezialisiert hat...

Audionarchie erweitert sein Portfolio und will neben Mindnapping eine weitere Thrillerserie auf den Markt bringen, vertraut dabei allerdings auf die Starthilfe der bereits etablierten Serie. Hier wird in der 27. Folge unter dem Titel „Giallo“ eine Geschichte der Machart der neuen Serie erzählt, sodass der geneugte Hörer bereits einen Vorgeschmack auf das Kommende bekommt. Dabei wird auch sehr ausführlich erklärt, wobei es sich bei Giallo eigentlich handelt, zumal das Thema eine wichtige Rolle in der Handlung spielt. Diese startet erst einmal mit der Charakterisierung der Hauptfigur und ihrer Sicht auf die Medienlandschaft, und auch die Konkurrenz zu ihrer Kollegin wird ausführlich thematisiert, was für meinen Geschmack vielleicht etwas zu ausführlich geraten ist. Danach wird aber schnell zum ersten Mord geschwenkt, und auch die weiteren lassen nicht lange auf sich warten. Diese sind sehr präsent und atmosphärisch in Szene gesetzt, dazwischen gibt es immer weitere Hinweise auf den Thema, die Geschichte entwickelt sich organisch weiter. Trotz einiger sprachlicher Stolpersteine ist dies sehr flüssig und unterhaltsam geraten, dem Hörer werden zahlreiche Hinweise mitgegeben, sodass fleißig mitgerätselt werden kann. Zwar ist die Enthüllung des Täters dann keine ganz große Überraschung, dennoch bieten die letzten Szenen genügend Überraschungen und einen sehr gelungenen Kniff, der ganz in der Tradition von Mindnapping auch psychologische Aspekte aufgreift. Das ist sehr rund erzählt, passt gut in die Serie und macht dennoch Lust auf den kommenden Ableger.

Mica Mylo ist in der Hauptrolle der Gabriella Bolkan zu hören und schafft eine emotionale und ausdrucksstarke Figur, die nicht nur die anfängliche Stutenbissigkeit, sondern auch Verzweiflung, Panik und besonders ihre schlechten Erinnerungen sehr präsent umsetzt. Die wunderbare Gabriella Pietermann verleiht ihrer Rolle als Ramona Martino einen sehr harten und annachgiebigen Klang und verankert ihre Figur im Gedächtnis des Hörers. Jaron Löwenberg hat als Nino ebenfalls einen gelungenen Auftritt und wirkt durchgängig sehr authentisch. Weitere Sprecher sind Michael Prelle, Alexandra Lange und Robert Missler.

Gewohnt solide ist die Umsetzung der Serie, wobei hier besonders die musikalische Gestaltung positiv auffällt. Die Musikstücke sind sehr passend ausgewählt und unterstützen die Handlung in ihrer Wirkung, indem die Stimmung des Hörspiel aufgegriffen und vertieft wird. Doch auch die Geräusche sind passgenau eingefügt und lassen die Szenen lebendiger wirken.

Ein lederner Handschuh ist das schlichte Motiv des Covers, das in den bekannten Sepia-Tönen umgesetzt ist. Doch da es sich prinzipiell ja auch um ein Hörspiel der neuen Serie handelt, wurde gleich ein Wendecover gestaltet, welches in knalligem Gelb auffällig ist und mittig in einem Kreis ein Motiv zeigt, das an ein altes Filmmotiv erinnert. Im Inneren des Booklets gibt es einige Hintergrundinformationen nachzulesen.

Fazit: Sowohl als 27. Minnapping-Folge als auch als Start der neuen Serie ist „Giallo“ hörenswert, mit der dichten Atmosphäre des Filmgenres entwickelt es seinen ganz eigenen Reiz. Die packende Stimmung wird durch die engagierten Sprecher noch gesteigert, und bis zur Auflösung sorgen viele kleine Überraschungen für Kurzweil.

VÖ: 19. Mai 2017
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-94607624-7


Mindnapping – 26. Es ist Zeit



Erster Eindruck: Ausflug in die Einsamkeit

Noah Forsberg, ein engagierter Psychologe, hat drei Frauen in der Betreuung, deren Leben aus der Bahn geworfen wurde. Sei es ein gewaltbereiter Partner, die Totgeburt eines Babys oder ein Leben als Prostituierte – bei jeder der drei diagnostiziert er eine depressive Phase. Und so entschließt er sich, mit seinen Patientinnen einige Tage in einer weit abgelegenen Hütte in Skandinavien zu verbringen und ihre Seele wieder zu heilen. Doch bald beginnt ein Alptraum für alle Beteiligten...

Auch das Genre Thriller kann ganz unterschiedliche Ausprägungen haben, und auf eben dieser Klaviatur schlägt „Mindnapping“ immer wieder neue Töne an. So werden aus der 26. Folge sämtliche Actionelemente entfernt, das Tempo gedrosselt und der Fokus ganz auf die Charaktere gelegt – herausgekommen ist „Es ist Zeit“, welches eine sehr eigenständige Ausstrahlung hat und sehr interessante Ideen mit einbringt. In kleinen Einspielern werden zunächst die drei Patientinnen Elin, Alice und Alva in besonders dramatischen Szenen vorgestellt, auch eine Einschätzung der Diagnose durch Noah wird dem Zuhörer präsentiert. Auch wenn hier noch nicht ganz klar ist, wie sich alles entwickeln wird, findet man schnell in die Geschichte hinein, weil alles so realistisch und eindringlich erzählt wurde. Mit dem Aufbruch der abgelegenen Hütte entsteht dann auch eine „richtige“ Handlung, die jedoch nur sehr behutsam vorangetrieben ist – den Machern war es hier deutlich wichtiger, die einzelnen Momente auszukosten und die psychischen Erkrankungen und deren Entwicklung fundiert darzustellen. Zwar gibt es immer mal wieder eine Szene, die die Spannung steigert und die aufhorchen lässt, der ruhige Grunddton bleibt aber bis zum Schluss bestehen. Und dieser ist ganz im Stil der Serie gehalten und stellt alles sicher geglaubte in ein gänzlich anderes Licht, auch wenn der Bruch doch etwas zu drastisch wirkt und den einzigen Stolperstein dieser Folge bietet. Wer knallige Action sucht, ist hier definitiv falsch, dieser sehr subtile Thriller lebt nämlich von seiner intensiven Stimmung, kann dabei aber mit unkonventionellen Ideen überzeugen.

Es sind gerade einmal fünf Sprecher zu hören, wobei Norman Matt als Ole nur sehr kurze Auftritte hat. Bernd Rumpf ist als Noah den weitaus größten Teil im Einsatz, wobei er eine sehr intensive Sprechweise an den Tag legt, sich aber gleichsam zurücknehmen kann, um seinen Mitspielerinnen den Vortritt zu lassen. Maud Ackermann ist als Elin zu hören, sie spricht sehr authentisch und kann die psychische Erkrankung der jungen Frau damit begreifbar machen – sehr überzeugend. Auch Julia Stoepel trifft genau den richtigen Ton und bringt ihre Figur sehr gut zur Geltung, zudem kann sie die spätere Wandlung sehr glaubhaft darbieten. Anita Hopts Stimme ist in ihren Szenen sehr präsent, auch die kann ganz unterschiedliche Facetten von sich zeigen.

Passend zu der Handlung ist auch die akustische Gestaltung sehr reduziert – opulente Musikstücke hätten bei den leisen, zwischenmenschlichen Tönen auch eher gestört. Deswegen hat man sich hier ganz auf eine sachte Geräuschkulisse und die Stimmen konzentriert, was ein sehr stimmiges Gesamtpaket darstellt. Auch die Szenen am Ende sind sehr eindringlich umgesetzt worden.

Schlichtheit war ja auch seit jeher das Konzept der Titelbilder. Zu sehen ist hier eine einfache, hölzerne Schatulle, gut ausgepolstert, in der eine Tonbandaufnahme mit der Beschriftung „Noah“ zu sehen ist. Auf den ersten Blick nicht sonderlich aussagekräftig, im Laufe der Handlung erschließt sich der Sinn dahinter aber immer mehr. Im Inneren des kleinen Booklets gibt es ein paar Informationen über Autor Dennis Hendricks samt Foto.

Fazit: Ein ruhiger, sehr intensiver Psychothriller, der sich auf wenige Figuren und ihre psychischen Probleme konzentriert. Diese lernt man sehr genau kennen, wobei vorerst nur wenige offensichtliche Höhepunkte eingebaut werden – die Spannung ist sehr hintergründig und kaum greifbar, aber immer sehr präsent. Die Stimmung verdichtet sich immer weiter und endet in einem unerwarteten und sehr intensiven Finale.

VÖ: 3. März 2017
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-946076-23-0


Mindnapping – 25. Todesspiel – Freelancer 3.0



Erster Eindruck: Doppelfolge in zwei Serien

Auf der Spur des Menschenhändlerrings erhalten die drei Freelancer Roland Voss, Julia Naumann und Marc Sprenger einen Hinweis aus Machenschaften in Las Vegas. Ohne lang zu überlegen begeben sie sich in die Stadt der Glückspiele und nehmen zunächst einen dubiosen Casinobesitzer unter die Lupe – nur um noch tiefer in die düsteren Geheimnisse des Schleppernetzes vorzudringen...

25 Folgen Mindnapping – ein kleines Jubiläum, das zeitgleich auch die Contendo-Reihe „Mord in Serie“ feiert. Und da beide Serien ein ähnliches Konzept haben, in sich abgeschlossene Geschichten zu erzählen, haben die befreundeten Macher Christoph Piasecki und Patrick Holtheuer beschlossen, das Jubiläum gemeinsam zu begehen und eine Geschichte gemeinsam zu erzählen. Nach dem Auftalt bei „Todesjagd“ geht die Geschichte nahtlos in „Todesspiel“ weiter. Und obwohl hier keine Zeit für eine große Vorstellung der Situation oder der Charaktere verwendet wird, findet man sich auch als Neuling gut zurecht – auch wenn sich der volle Reiz natürlich nur in Kombination mit dem Vorgänger ergibt. Die drei Freelancer erforschern hier die Hintergründe der Menschenhändler, was ein lupenreiner Psychotrhiller geworden ist. Immer mehr grausame Details kommen zu Tage, durch die globale Vernetzung werden noch einmal andere Dimensionen des Falles verdeutlicht, auch der Hörer erlebt hautnah weitere der menschenverachtenden Taten. Es ist keine typische Folge von Mindnapping und sticht aus dem Rest etwas heraus, besonders der sonst immer so clever eingebaute Twist am Ende wird eingefleischten Hörern der Serie hier vielleicht fehlen. Doch die starke Handlung und die spannungsgeladene Atmosphäre lassen „Todesspiel“ dennoch zu einer hörenswerten Produktion werden.

Claudia Lösel ist in der Rolle der Freelancerin Julia Naumann zu hören. Ihre Stimme könnte wie in „Todesjagd“ auch manchmal etwas energiegeladener klingen, dennoch kann sie einen glaubhaften Auftritt hinlegen. Sascha Rotermund hat mit als Freelancer Marc Sprenger wieder sehr gut gefallen, sein markanter Klang und sein sehr präsentes Auftreten sorgen für einen interessanten Charakter. Klaus-Dieter Klebsch ist als Clifford Briggs mit seiner unverkennbaren Stimme wieder eine sehr gelungene Wahl, auch er kann mit authentischer Sprechweise punkten. Weitere Sprecher sind Anke Reitzenstein, Michael Grimm und Ulrike Stürzebecher.

Wieder ist es hier gelungen, eine stimmige und fesselnde Atmosphäre zu schaffen, was durch die Musik von Dominik Pobot gelingt. Er hat einige spannende und dramatische Melodien geschaffen, die sehr gut auf die Handlung und die dort vorherrschende Stimmung angepasst ist. Auch die Geräusche und Effekte sind gelungen und passend eingefügt.

Auf dem Cover wird die Szenerie eines Kartenspieles gezeigt, die aufgefächerten Karten und die Pokerchips werden jedoch von einigen anderen Details begleitet, die dem ganzen einen bedrohlichen Touch verleihen: Blutflecken und ein Schlagring. Das gelungene Artwork der Serie funktioniert auch hier, und im Booklet wird natürlich auf Mord in Serie und den Vorgänger dieser Folge hingewiesen.

Fazit: Auch hier wird wie im Vorgänger schon eine dichte Atmosphäre der ständigen Gefahr erzeugt, neue grausige Details und eine spannende Handlung trösten darüber hinweg, dass die Folge im Kontext der Serie etwas zu gradlinig erzählt wurde. Ein gelungenes Experiment der beiden Serien.

VÖ: 13. Januar 2017
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-946076-16-2


Mindnapping – 24. Die Meute



Erster Eindruck: Ein Brand und seine Folgen

Ein Feuer der Psychatrie von St. Serena sorgt für viel Aufregung in dem verschlafenen Nest, denn eine ganze Reihe von gefährlichen Verbechern treibt seitdem unter der Führung des verurteilten Vergewaltigers Milton Parrish sein Unwesen. Sheriff Wayne Holbrook und und sein Deputy arbeiten unter Hochdruck daran, die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen...

Der Hang zu amerikanischen Schauplätzen ist auch wieder bei der 24. Folge von Mindnapping durchgeschlagen, wobei dieses mal ein kleines, verschlafenes Nest für die Handlung gewählt wurde, in dem noch jeder jeden zu kennen scheint. Das kommt auch immer wieder gut zur Geltung und unterstützt die Stimmung der Handlung, die schon gleich zu Beginn ein hohes Tempo vorlegt und mit dem Ausbruch der Gefangenen aus der Psychatrie beginnt. Schnell formt sich Holbrook als Hauptchrakter heraus, doch immer wieder gibt es auch Szenen von den Insassen, die die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt. Hier gibt es dann auch einige sehr brutale Szenen, was für meinen Geschmack jedoch nicht allzu gut in die Handlung passt und diese nicht wirklich vorantreibt, auf diese hätte ich auch git verzichten können. Doch immer mehr kristallisiert sich ein zwischenmenschliches Drama heraus, von den ersten sanften Andeutungen bis zur Auflösung steigert sich die Stimmung immer weiter und überrascht mit einigen Wendungen. Holbrook und seine Familie rücken dabei noch weiter in den Mittelpunkt, werden immer weiter unter Druck gesetzt, bis die Auflösung die bisherigen Ereignisse in ein anderes Licht rückt. Das wirkt sehr rund und stimmig, sodass eine sehr gelungene Folge der Serie entstanden ist, die mich voll überzeugen konnte.

Auch die Sprecher punkten mit viel Ausdruck und einer glaubhaften Vorstellungen, allen voran Frank Glaubrecht als Wayne Holbrook, der mit seinem markanten Klang für viel Aufmerksamkeit für seinen Charakter sorgen kann und diesen sehr facettenreich umsetzt. Joachim Tennstedt ist als sein Gegenspieler Milton Parrish zu hören, der sehr eindringlich spricht und den abgehärteten und kalten Mann mit viel Energie umsetzt. Christine Pappert kann den aufkommenden Schrecken als Barbara Holbrook sehr treffend umsetzen und so sehr greifbar machen. Weitere Sprecher sind Gabrielle Pietermann, Tobias Schmidt und Thomas Karallus.

Akustisch wurde wieder eine sehr saubere Leistung dargeboten, die die Handlung gut zur Geltung kommen lässt und eine passende Kulisse bietet. So sind einige Melodien eingebaut, die die Stimmung in dem kleinen Nest gut zur Geltung bringen und greifbar werden lassen, während die Geräusche in den richtigen Momenten auch mal etwas lauter sein dürfen und sich gut den einzelnen Sequenzen anpassen.

Zwei blutige Hände, die sich um Gitterstäbe klammern – eine sehr schlichte und dennoch wirkungsvolle Darstellung auf dem Cover passt gut zur Serie, ohne zu viel von deren Inhalt zu verraten. Besonders gelungen ist dabei, dass eine ähnliche Szenerie auf der CD aufgedruckt ist. Im Inneren ist wieder alles übersichtlich gestaltet, ein einleitendes Wort wie in früheren Episoden ist aber wieder nicht zu finden.

Fazit: „Die Meute“ ist ein sehr gut inszenierter Thriller, der sich immer weiter steigert und häppchenweise neue Informationen zufügt, sodass alles am Ende anders ausgeht als erwartet. Viele kleine Wendungen und eine dramatische Auflösung sorgen für gute Unterhaltung und lassen den Daumen nach oben zeigen.

VÖ: 4. November 2016
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-946076-15-5


Mindnapping – 23. Dibbuk



Erster Eindruck: Wahrheit oder Illusion?

Cain Douglas ist eigentlich ein durch und durch rationaler Mensch, doch nach einer Kette von unglücklichen Umständen und den ständigen Kopfschmerzen, die ihn in letzter Zeit plagen, stößt er auch noch auf einige merkwürdige Symbole. Er sucht Hilfe bei seinem Kollegen Randy, der sic ein wenig im Okulten aufkennt, und stößt dabei auch die Legende eines Dibbuk, eines bösen Geistes, der die Gedanken eines Menschen beeinflussen kann...

Mindnapping steht seit den ersten Folgen für lupenreine Thriller, die zwar immer wieder andere Wege betreten, aber recht bodenständig erzählt sind. Mit Dibbuk ändert sich dies, denn hier sind reichlich mysteriöse und übernatürliche Elemente eingebaut, sodass sich die Story schon eher wie ein Mystery-Hörspiel anfühlt – und zwar wie ein sehr gutes! Denn schnell wird hier eine sehr dichte und unheimliche Stimmung aufgebaut, Cains geordnetes Leben völlig aus den Fugen gehoben, einiges in Frage gestellt. Immer wieder taucht in den eindrucksvoll umgesetzten Szenen ein kleiner Junge auf, zudem werden einige Spuren zur Auflösung gelegt, doch lange Zeit bleibt alles noch im Dunkeln. Es ist gerade dieses langsame Aufklären, das tröpfchenweise Hinzufügen von neuen Anhaltspunkten, was den Reiz dieser Folge zusätzlich zum Thema erhöht. Erst ganz am Ende gibt es nach einigen Wendungen die endgültige Auflösung – womit sich Mindnapping natürlich nicht zufrieden gibt, sondern handlungstechnisch noch einen draufsetzt und in einer schrecklichen und bedrückenden Szene endet, die doch noch so vieles offen lässt. „Dibbuk“ hat mich völlig gefesselt und ist die beste Folge der Serie der letzten Zeit.

Torsten Michaelis ist in der Rolle des Cain Douglas zu hören, der mit seinem gradlinigen und markanten Klang den standfesten Charakter des Mannes und damit seine Glaubwürdigkeit unterstreicht und den Hörer auch in seinen Erzähltexten mit einer eindringlichen Sprechweise erfreut. Julia Casper ist als seine Freundin Michelle zu hören, die ihre Szenen mit Nachdruck umsetzt und die geheimnisvolle Atmosphäre der Handlung betont. Luise Lunow hat zwar nur einen kurzen Auftritt, spricht diesen aber so betont und lebensnah, dass diese Szene lang im Gedächtnis haften bleibt. Weitere Sprecher sind Constantin von Westphalen, Detlef Bierstedt und Dagmar Dreke.

Eine saubere Leistung wird auch bei der akustischen Umsetzung geboten, die ohne zu dramatisch oder aufgesetzt spannend zu wirken, die Handlung sehr intensiv in Szene setzt. Dazu gehören viele Musikstücke, die sich dräuend und bedrohlich über die Szenen legen und ihnen mehr Ausdruck verleihen, aber auch eben viele Geräusche, die für lebendige und eindringliche Momente sorgen.

Das mystische Zeichen, das eine so wichtige Rolle in der Handung spielt, sticht auf dem Cover heraus, denn es ist der einzige hell beleuchtete Bereich. Erst beim näheren Hinsehen erkennt man, dass dieses auf einer Spieluhr aufgebracht ist, und auch der Puppenkopf ist nicht sofort erkennbar. Im Inneren gibt es neben den hübsch aufbereiteten Produktionsinformationen noch Infos über Autor Derek Meister.

Fazit: Der Ausflug mit den vielen Mystery-Elementen hat sich für Mindnapping sehr gelohnt, denn neben frischem Wind bringt „Dibbuk“ noch eine sehr eindringliche und unheimliche Stimmung mit sich, die sich immer weiter verdichtet und in einem hervorragend erzählten Knall entlädt. Eine sehr starke Folge, die sich auch Thriller-Puristen einmal anhören sollten.

VÖ: 7.Oktober 2016
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-946076-14-8


Mindnapping – 22. Alligatorfarm



Erster Eindruck: Familienausflug mit sehr düsterem Verlauf

Ein Camping-Ausflug in die Sümpfe der Everglades erfreut besonders die Kinder der Familie Ferguson nicht, da diese dann wieder den Launen ihres tyrannischen Vaters ausgesetzt sind. Aus diesem Grund fasst dann auch der Sohn Dale einen unglaublichen Plan, doch als er gemeinsam mit seinem Vater einen Mord beobachtet, wendet sich das Blatt, und Vater und Sohn müssen zum ersten mal in ihrem Leben gemeinsam arbeiten, um überleben zu können...

Düstere Thriller hat sich die Audionarchie-Reihe „Mindnapping“ auf die Fahnen geschrieben, wobei immer wieder aufs Neue andere Schauplätze und Charaktere in den Mittelpunkt gerückt werden. Besonders gut werden die Geschichten, wenn menschliche Konflikte den Takt vorgeben, wenn unterschwellige Gefühle hervorbrechen, und wenn dies alles in einer stimmigen Atmosphäre geschieht – und alles drei trifft auf die 22. Folge mit dem stimmungsvollen Titel „Alligatorfarm“ zu. Dabei wird der Konflikt zwischen Dale und seinem Vater anfangs sehr intensiv thematisiert, die Gefühle des Jungen werden wuchtig in Szene gesetzt und scheinen eine bestimmte Richtung für diese Folge vorzugeben. Die Entwicklungen sind dann jedoch ganz anders, dennoch bleibt immer dieser Konflikt vorhanden, sodass der Hörer sich immer fragt, wie die Geschichte der beiden wohl ausgehen mag. Doch auch der zweite wichtige Stützpfeiler dieser Folge, die namengebende Alligatorfarm, ist mit den finsteren Machenschaften eine Bereicherung, einige heftige Theorien über die Hintergründe, viele bedrohliche Momente und ein sehr flüssiger Verlauf sorgen dabei für Spannung. Typisch für die Serie, aber hier besondetrs gelungen ist ein kleiner Dreh ganz am Ende, ein Twist, der dem ganzen eine neue Färbung gibt und ein recht düsteres Zukunftsbild zeichnet.

Nils Rieke, der mir bisher kein Begriff als Hörspielsprecher war, hat hier die Hauptrolle des Dale übernommen und mich sehr positiv überrascht. Er spricht sehr eindringlich und mit Nachdruck, aber auch ebenso authentisch, besonders den mühsam unterdrückten Zorn des Jungen kann er sehr gut erfassen. Oliver Stritzel ist als sein Vater Don zu hören, der mit lauter und polternder Stimme den herrischen Unsympath gibt, der sich aber auch innerhalb der Folge weiterentwickelt und dabei sehr glaubwürdig ist. Lutz Mackensy lässt als Jesus wieder mal seine dunkle Seite zum Vorschein kommen und gibt seinen Szenen damit noch mehr Ausdruckskraft. Weitere Sprecher sind Arianne Borbach, Marion von Stengel und Wolfgang Condrus.

Akustisch ist wieder eine sehr stimmige Leistung abgeliefert worden, wobei die Düsternis der Folge gekonnt betont wird. Man fühlt sich schnell hineinversetzt in die dunklen Sümpfe, in die heruntergekommene Farm, was durch einige sehr passende Musikstücke, besonders aber durch die vielen passenden und lebendigen Geräusche geschieht.

Gleich mehrere der unheimlichen Reptilien sind auf dem Cover zu sehen, die Fotografie aus der Vogelperspektive ist wie immer in Sepiatönen gehalten und vermittelt so eine ganz besondere Stimmung. Ein anderes Foto eines kleinen Alligatoren ist auf die CD selbst gedruckt, und auch die Gestaltung im Inneren ist wieder gelungen, auch wenn die sonst so lesenswerte Einführung von Autor oder Produzent hier Werbung weichen musste.

Fazit: „Alligatorfarm“ erzählt im Prinzip zwei Geschichten auf einmal, beide für sich hörenswert, aber gerade in der Kombination so reizvoll. Der Konflikt innerhalb der Familie Ferguson und die kriminellen Machenschaften auf der Farm ergänzen sich gegenseitig, wobei von Anfang an auf die sehr dichte Atmosphäre gesetzt wird. Sehr gelungen!

VÖ: 2.September 2016
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-946076-13-1


Mindnapping – 21. Die schwarze Witwe



Erster Eindruck: Unheimliches aus kleiner Stadt

Jahrelang hat sich Alexander Watkins von seinem Elternhaus ferngehalten, zu viele schlechte Erlebnisse trüben die Erinnerungen an seine Kindheit. Doch nach dem Tod seines Vaters bleibt ihm nichts anderen übrig, als für die Beerdigung in die kleine Stadt Ortea Fort Good Hope zurückzukehren und sein Erbe anzutreten. Doch bei den Bewohnern des Ortes scheint schnell einiges im Argen zu liegen...

Mindnapping, die Thrillerserie von Audionarchie, wechselt in den in sich abgeschlossenen Folgen nicht nur immer wieder Charaktere, Stimmung und Schauplätze, sondern lässt die Geschichten auch von ganz verschiedenen Autoren verfassen. In der 21. Folge taucht nun erstmals der Name Dennis Hendricks auf, der einen knackigen Thriller rund um die merkwürdigen Vorgänge in einer kleinen Stadt verfasst hat. Zu Anfang wirkt die Handlung noch recht ruhig, zunächst wird dem Hörer die Stimmung des Ortes vermittelt, die Charakterzusammenstellung präsentiert, erste Einblicke in die Kindheit des Protagonisten gegeben. Die Stimmung ist schon hier recht dicht, und bald werden auch die ersten Verdachtsmomente offenbar, denn hinter der Fassade der friedlichen Küstenstadt lauert Unglaubliches. So dauert es zwar etwas, bis wirklich Spannung aufkommt, fasziniert von der düsteren Atmosphäre ist man dann aber schnell. Die Nachforschungen von Alexander sind dann auch sehr kurzweilig geraten, die Handlung verdichtet sich immer mehr und führt zu einem unerwarteten, aber sehr überzeugenden und stimmigen Ende – wie immer bei der Serie mit einigen überraschenden Wendepunkten. Schön, dass Geschichte und Stimmung hier so eng zusammenlaufen und ein sehr packendes Ergebnis dabei herauskommt.

Marius Claren ist in der Hauptrolle des Alexander Watkins zu hören und macht seine Sache richtig gut. Schnell findet er einen Draht zum Hörer und überzeugt mit seiner sehr glaubhaften Sprechweise, er betont den Spannungsbogen der Handung sehr gekonnt. Marie Bierstedt ist als Rose Woodhouse ebenso gut besetzt, wobei ihre helle und sanftmütige Stimme einen reizvollen Kontrast in die Düsternis der Folge bringt. Sehr gut gefallen hat mir mal wieder Luise Lunow als Susanne Hayworth, ihr markanter Klang und ihre kratzige Stimme betonen die Figur der liebenswerten alten Dame sehr gekonnt. Weitere Sprecher sidn Jürgen Thormann, Viktor Neumann und Hartmut Neugebauer.

Musikalisch hat sich das Produktionsteam hier eher zurückgehalten, was der Handlung sehr gut steht. Nur an einigen Stellen wird der Spannungsbogen durch düstere, unheilvolle Melodien unterstrichen, sodass die Dialoge an sich ihre Wirkung entfalten. Auch die Geräusche werden gelungen als schmückendes Beiwerk eingesetzt, was sehr treffsicher und effektvoll geschehen ist.

Eine Hand, mit einem weißen Einmalhandschuh bedeckt, hält eine Spritze bereit, im Hintergrund ist ein einfaches, hölzernes Tor mit einem dunklen Eingang dahinter zu sehen – lange Zeit lässt sich das Cover nicht so recht mit den Geschehnissen in Einklang bringen, erst später löst sich der Zusammenhang auf. Wieder passen die Sepiatöne des Titelbildes sehr gut zur restlichen Gestaltung.

Fazit: Schnell kann die düstere Stimmung der Geschichte ihre Wirkung entfalten und prägt deutlich das Bild dieser Folge, die gut erzählt ist und sich in Sachen Spannung immer weiter steigern kann. Besonders die Kombination aus unterschiedlichen Charakteren hat mir dabei gut gefallen, allesamt lassen sie die Geschichte lebendig wirken.

VÖ: 6.Mai 2016
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-946076-09-4


Mindnapping – 20. Und es ward tiefe Nacht



Erster Eindruck: Überraschender Besuch

Otis Langley will die verheiratete Pat, mit der er eine leidenschaftliche Affäre unterhält, an einem Freitagabend besuchen, doch stattdessen wartet deren wütender Ehemann Duke auf den Versicherungsvertreter. Es kommt zum Kampf zwischen den beiden aufgebrachten Männern, doch kurz nach der körperlichen Auseinandersetzung taucht Pat mit ihren Eltern auf, die ein Wochenende im Haus des Ehepaares verbringen wollen...

„Mindnapping“ ist fast wie eine große Spielwiese, in der ganz unterschiedliche Autoren ihre Thriller präsentieren und dabei immer ganz unterschiedliche Szenerien und Stimmungen schaffen. Folge 20 stammt dabei aus der Feder von Marc Freund und startet sehr schnell in die Handlung, indem die Begegnung zwischen Ehemann und Geliebtem ganz an den Anfang gesetzt wird und so mit Schwung und Spannung startet. Hier überstürzen sich die Ereignisse fast, während sich von diesem Grundstein aus eine etwas ruhigere, aber nicht minder spannende Handlung entwickelt. Dabei werden die Beziehungen zwischen den Charakteren besonders gut beleuchtet, denn genau auf diesem Gewirr baut die Geschichte auf, genau daraus zieht sie ihren Reiz, genau dadurch wird auch die ebenso überraschende wie überzeugende Auflösung erklärt. Während der Handlung bleibt es nicht bei einem Toten, die Handlung wird stetig mit neuen Entwicklungen vorangetrieben und bleibt sehr unterhaltsam. Von Anfang bis Ende kommt dabei auch die eindringliche Atmosphäre gut zur Geltung, in der man immer erwartet, dass bald ein neuen Geheimnis offenbart wird.

Duke Anson wird von Dietmar Wunder gesprochen, der viel Raubeinigkeit in den Charakter legt, der bestens zu dem sich immer windenden Mann passt. Dass er dies wie immer sehr glaubhaft umsetzt, muss wohl kaum dazu erwähnt werden. Seine Frau Pat wird von Uschi Hugo gesprochen, deren markante Stimme sehr gut in die Handlung passt, mit punktierter Betonung reagiert sie sehr flexibel auf die unterschiedlichen Szenen. Äußerst gut gefallen hat mir Klaus Dieter Klebschs als Pats Vater, grantig, abweisend, herrisch setzt er ihn mit seinem knarzenden Klang perfekt in Szene. Weitere Sprecher sind Rita Engelmann, Annina Braunmiller-Jest und Lutz Schnell.

Die Umsetzung dieser Geschichte ist eher zurückhalten und konzentriert sich auf die Sprecher und ihre Dialoge. Besonders Musik ist nur sehr punktiert eingesetzt, kommt aber recht stimmungsvoll daher. Geräusche sind zwar stetige Begleiter, aber nur an wenigen Stellen treten diese wirklich in den Vordergrund. Manche Szenen bleiben aber genau deswegen so sehr im Gedächtnis.

Wie immer ist das Motiv des Covers in schwarz-weiß gehalten, wobei hier die Stimmung des Hörspiels gut eingefangen wurde. Ein Mensch, die Arme nach oben gerissen, steht auf offener Straße, während ein Auto mit hellen Scheinwerfern auf ihn zurast. Im Inneren gibt es neben einer gelungenen Optik noch einige Informationen zum Autor dieser Folge.

Fazit: Wieder wird bei Mindnapping eine überraschende und spannende Geschichte erzählt, die sich in Sachen Stimmung deutlich von ihren Vorgängern unterscheidet. Die engen Verstrickungen der Charaktere und die konstante, eindringliche Entwicklung machen den Reiz dieser Folge aus, die ganz am Ende noch eine große Überraschung bietet.

VÖ: 5.Februar 2016
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 4260147777296


Mindnapping – 19. X-Tension



Erster Eindruck: Flucht aus New York

Amber Richarsdon führt ein erfülltes Leben – glücklich verheiratet, liebevolle Mutter der 10-jährigen Nelly, erfolgreich in einer Werbeagentur. Doch als sie eines abends in den New Yorker Straßen beinahe tot geprügelt wird, beschließen sie und ihr Mann Anthony, auf eine kleine Insel in Maine zu ziehen und ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Doch scheinbar ist ihnen etwas davon gefolgt...

Ascan von Bergen gibt sein Debut bei „Mindnapping“, und scheinbar wächst hier zusammen, was zusammen gehört. Der versierte Hörspielautor konzentriert sich auf die Stärken der Serie und stellt zunächst seine Hauptfigur vor, nur um sie kurz darauf völlig aus ihrem alten Leben zu reißen. Rätselhaft an dem Überfall auf Amber ist vieles, zumal sie sich selbst nur an wenige Details erinnern kann – eine typische Gedächtnislücke, wie sie tatsächlich häufig nach einem Schockzustand auftritt. Sicher, der Hörer kann sich denken, dass sie nicht das Opfer willkürlicher Gewalt geworden ist, doch er erhält nur sehr spärliche Hinweise auf den Täter und sein Motiv. So bleibt man sehr lange im Unklaren darüber, während man dem weiteren Verlauf folgt, der einige weitere unheimliche Momente bereithält und so eine sehr düstere Atmosphäre aufbaut, leise bedrohlich und ungewiss. Besonders ein merkwürdiger Mann, der immer wieder unerwünscht auftaucht, ist eine sehr gelungene Figur, die man lange Zeit nicht richtig einordnen kann. Auch dass sich alles in einem großen Knall auflöst konnte schon vermutet werden, doch die eingebaute Wendung ist tatsächlich sehr überraschend und unerwartet, enthält einige schockierende Details und stellt bisherige Ereignisse in ein anderes Licht – so wie man es schon von vorigen Folgen gewohnt sein dürfte. Das mag an einigen Stellen eine Spur überzogen zu sein, wenn man sich darauf einlässt passen die einzelnen Bausteine aber sehr gut zueinander und präsentieren einen heftigen Schluss, der einem den Atem stocken lässt.

Die Produzenten haben bei der Besetzung der Rollen wieder ein geschicktes Händchen bewiesen und ebenso engagierte wie passende Sprecher aufgetan. Voll-Profi Daniela Hoffmann ist in der Hauptrolle der Amber bestens aufgehoben, kann die sich immer weiter steigernde Panik bestens mit ihrer Stimme aufgreifen und eins zu eins an den Hörer weitergeben. Thomas Schmuckert, der ihren Mann Anthony spricht, kann sich über weite Teile seine Coolness bewahren, ist aber auch als besorgter Familienvater überzeugend und kann auch das Ende authentisch gestalten. Ich habe mich sehr über Volker Brandt gefreut, der seine unverwechselbare Stimme gekonnt einsetzt, um ganz unterschiedliche Ausdrücke zu erzeugen. Weitere Sprecher sind Nina Mölleken, Sascha Rothermund und Yvonne Greitzke.

Der Klang von kleinen Glocken nimmt einen wichtigen Part in diesem Hörspiel ein, es ist sehr interessant, wie sich ein ansonsten eher positiv besetztes Geräusch plötzlich Angst verursachen kann. Und auch ansonsten ist die Umsetzung wieder sehr gelungen, eindrucksvolle Musik und eine stimmige Geräuschkulisse sorgen immer für die passende Atmosphäre. Auch der Klang ist wieder klar und deutlich auf der CD abgemischt.

Ein einzelnes Auge ist als Motiv für das Cover gewählt, mit einer Art rundem Blitz um die Pupille – das ist schon einmal ein ansehnliches Titelbild geworden, dessen sich sich mit der Zeit erschließt. Die Optik mit dem karierten Hintergrund und den vielen Pfeilen wurde auch im Inneren wieder verwendet, wo auch ein kleiner Text zum Autor der Folge zu finden ist.

Fazit: Mindnapping präsentiert mal wieder eine Folge, in der fast nichts so ist wie es scheint, die gleich mehrere rätselhafte Vorkommnisse miteinander verknüpft und eine sehr düstere und beängstigende Stimmung aufbaut. Das Finale setzt ein dickes Ausrufezeichen hinter die Handlung und schließt mit schockierenden Offenbarungen gelungen ab.

VÖ: 6.November 2015
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 4260147776350


Mindnapping – 18. Janus



Erster Eindruck: Ein Attentäter auf freiem Fuß

Ein grauenvoller Akt der Gewalt schockiert New York: Ein Anlageberater tötet seine Kollegen und lässt sogar eine Bombe in dem Gebäude explodieren. Ungewöhnlich ist, dass er sich nach der Bluttat ohne Widerstand der Polizei stellt. Profilerin Sarah Black soll den Fall begutachten und die Motive des Täters für den anstehenden Gerichtsprozess ermitteln. Doch seine Verteidigerin agiert äußerst geschickt...

Mindnapping, die Thriller-Reihe aus dem Hause Audionarchie hat sich wendungsreiche und überraschende Geschichten auf die Fahne geschrieben, ansonsten sind die wechselnden Autoren in ihrer Themenwahl sehr variabel. Und so versetzt „Janus“ die Hörer nach New York und erzählt aus der Sicht von Profilerin Sarah Black und gibt dem Hörer anfangs überhaupt keinen Wissensvorsprung vor der engagierten Psychologin. Erst später schleichen sich einige Szenen um den Attentäter Jacob Anderson ein, die dann aber auch schon zur direkten Auflösung beitragen und die Vermutungen der Ermittler bestätigen – oder eben widerlegen. Denn was wirklich hinter der grausamen Tat steckt, ist lange Zeit völlig unklar, nur langsam kristallisiert sich die Wahrheit heraus – und das ist sehr gelungen und spannend aufbereitet. Die erste Szene, die heftig und erschütternd direkt von dem Attentat in Form eines Medienberichtes erzählt, stellt einen prägnanten Auftakt dar, danach wird mehr auf Dialoge gesetzt, die immer näher an das Ziel führen. Hier wird konsequent weitererzählt, der Verzicht auf Nebenhandlungen sorgt für eine knackige und sehr spannende Erzählweise. Einige gelungene Wendungen halten das Geschehen spannend, und immer wenn der Hörer denkt, dass alles aufgeklärt wurde, schlägt die Geschichte einen neuen Haken und setzt die Ereignisse in ein anderes Licht. Sehr gelungen.

Eva Michaelis ist als toughe Sarah Black zu hören, die sich mit viel Energie und einer glaubhaften Aussprache zu behaupten versteht, sich aber zugunsten der Handlung auch zurück nimmt und diese wirken lässt. Ihr zur Seite steht Lutz Riedel als Detective Cambell, der nicht immer sympathisch wirkt und ein gelungener Charakter mit Ecken und Kanten ist. Alex Turrek ist als Jacob Anderson eine sehr geheimnisvolle Figur, die er mit feinen Nuancen in der Stimme sehr gekonnt umsetzt. Weitere Sprecher sind Martin Sabel, Santiago Ziesmer und Ulrike Stürzbecher.

Neben den Sprechern trägt auch die stimmige akustische Gestaltung zum Gelingen des Hörspiels bei. Ist diese in der anfänglichen Szene sehr prägnant und setzt das Attentat aufsehenerregend und mit lauten Geräuschen effektvoll um, wird später eine ruhigere Atmosphäre geschaffen, die durch geschickt platzierte Melodien und glaubhafte Sounds sehr passend wirkt.

Eine dunkle Computertomographie, von zwei Händen gehalten, ist auf dem Cover zur Folge zu sehen, wobei einige Bereiche hell zu leuchten scheinen – ein passendes Motiv, dessen Sinn beim Hören recht schnell erschließt und dass auch nicht zu viel verrät. Im Inneren sind die Mitwirkenden wie immer in einer Art Mindmap aufgelistet, Kreise, Pfeile und ausgeschnittene Zeitungsbuchstaben sind hierfür kennzeichnende Stilmittel.

Fazit: Ein heftiger und packender Anfang, der überraschend ruhig fortgesetzt wird und gerade deswegen so viel Spannung aufbauen kann. Langsam nähert sich der Hörer dem Motiv des Attentäters, wobei er auf dem gleichen Wissensstand wie die Profilerin ist. Das gefällt und hat einige gelungene Wendungen, die das Geschehen sehr dynamisch halten.

VÖ: 4.September 2015
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 4260147774202


Mindnapping – 17. Mardi Gras



Erster Eindruck: Auf der Suche im bunten Treiben der Stadt

Nach dem Unfalltod ihrer Geliebten Camille will sich auch die Künstlerin Barbara Nox das Leben nehmen, kann jedoch gerettet werden. Im Krankenhaus erhält sie jedoch ein Foto, das Camille wie eine lebende Leiche in den Straßen New Orleans zeigt. Sofort bricht sie zusammen mit ihrem ungeliebten Agenten Gabe Ferrara in die Stadt auf, in der gerade Mardi Gras gefeiert wird...

Fast ein Jahr Pause hat Audionarchie seiner Psycho-Thriller-Serie Mindnapping gegönnt, doch nun liegt mit „Mardi Gras“ die mittlerweile 17. Folge vor, die wieder einmal ein völlig neues und reizvolles Grundszenario nutzt. So wird zu Anfang die raubeinige Malerin Barbara Nox recht ausführlich vorgestellt, der Hörer kann an ihrer Gedankenwelt teilhaben und schon zu Anfang ein wenig in den Abgrund ihrer Seele blicken. Dies wird im Laufe der Zeit noch weiter verfeinert, noch mehr Details hinzugefügt, sodass Barbara stark in den Mittelpunkt gerückt wird. Entstanden ist dabei eine sehr interessante und ungewöhnliche Figur, die mich faszinieren konnte. Und auch die Handlung ist sehr gelungen, das Flair von New Orleans mit seinen Sümpfen, dem Hang zum Voodoo und dem ausgelassenen Mardi Gras wurde sehr gelungen eingefangen. Und schon bald wurde erneut eine sehr dichte Stimmung geschaffen, die der Hörer nicht so leicht durchblicken kann, immer wieder auf falsche Fährten gelockt und mit überraschenden Wendungen konfrontiert wird. An blutigen Details wird hier nicht gespart, im Finale geht es dann aber noch einmal etwas heftiger zur Sache, einige Figuren werden hier nochmal in ein anderes Licht gerückt.

Katja Brügger scheint die Rolle der Barbara Nox wie auf den Laib geschneidert, ihre raue und tiefe Stimme passt perfekt zu dem Bild der kratzbürstigen Malerin, die sie such gern mal ziemlich unwirsch klingen lässt. Auch der wunderbare Udo Schenk ist mit seiner Rolle fest verwurzelt, der profitgierige Agent Gabe Ferrara bekommt durch ihn eine düstere und unfreundliche Aura. Katharina von Keller setzt dem gegenüber einen gelungenen Kontrast, klingt mit ihrer hellen und sanften Stimme sehr feminin. Weitere Sprecher sind Alexandra Doerk, Detlef Bierstedt und Gordon Piedesack.

Die Musik fügt sich sehr gelungen in die Handlung ein und kann die einzelnen Szenerien sehr atmosphärisch ausstatten. Dazu wurden abwechslungsreiche Melodien und Instrumentalisierungen ausgewählt, sodass die verschiedenen Schauplätze gut zur Geltung kommen. Die Geräusche sind ebenso gut eingefügt und werden auch sehr explizit eingesetzt, sodass eine recht brutale Szene ihre volle Wirkung entfalten kann.

Ein Markenzeichen der Serie sind auch die stimmungsvollen Titelbilder geworden, die mit schlichten Motiven viel Atmosphäre erzeugen können. Hier zu sehen ist die schwarz-weiße Aufnahme einer Voodoo-Puppe aus gebundenem Stroh, aus deren Herz lange Nägel herausragen. Im Inneren gibt es neben den üblichen Angaben wieder einen kleinen, einleitenden Text und ein Kurzportrait über den Autor der Serie.

Fazit: Mit der wunderbar ungewöhnlichen Anti-Heldin Barbara Nox im Mittelpunkt entwickelt sich eine spannende und dramatische Geschichte, die mit immer neuen Wendungen de Hörer auf Trab hält. Das ist sehr kurzweilig und mit vielen starken Charakteren und ebensolchen Sprechern gelungen, sodass wieder ein sehr rundes Hörspiel entstanden ist.

VÖ: 8.Mai 2015
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-943166-67-5


Mindnapping – 16. Vier Köpfe



Erster Eindruck: Markanter Schauplatz, unheimliche Stimmung

Seit Timothys Vater als Soldat im Ausland stationiert wurde, ist er mit seiner Mutter auf Reisen durch die USA. Diese pflegt alte Menschen und wird dabei als private Pflegekraft eingestellt. Ihre neuester Auftrag führt die beiden in das Anwesen von Miss Clawfield, die an multipler Sklerose leidet und zudem langsam eine Demenz entwickelt. Timothy ist nicht sehr begeistert von ihrem neuen zuhause, das direkt an Mount Rushmore grenzt...

Zum zweiten mal hat Simon X. Rost eine Folge für die Thriller-Reihe Mindnapping aus dem Hause Audionarchie geschrieben, dieses mal hat er mit Mount Rushmore, dem Berg mit den berühmten, in den Stein gemeißelten Köpfen vierer ehemaliger Präsidenten, einen ganz besonders markanten Schauplatz gewählt, der in der Geschichte eine durchaus nicht unerhebliche Rolle spielt. Im Mittelpunkt der Folge steht der zwölfjährige Timothy, er erzählt aus seiner Sicht die Handlung. Schnell wird klar, dass die Rahmenhandlung ein Verhör ist, dass irgendetwas Schreckliches, Tödliches vorgefallen ist – nur was das ist bleibt lange im Unklaren. Der Hörer ahnt, dass es etwas mit dem Umherreisen der kleinen Familie zusammenhängt, stellt Verdächtigungen auf, verwirft diese wieder, bekommt neue Puzzlestücke für das Gesamtbild, und genau das erzeugt hier die Spannung. Schon bei dem recht harmlosen Beginn mit der Ankunft bei Miss Clawfield breitet sich eine rätselhafte, bedrohliche Stimmung auf, die durch weitere gelungene Elemente ausgebaut ist. So stellt sich die Begrenzung auf nur wenige handelnde Charaktere als echter Zugewinn heraus, da so auch der Kreis der Verdächtigen eingegrenzt wird, bald scheint jeder (und wirklich jeder) als Übeltäter in Frage zu kommen. Auch die Einbindung eines bekannten Hitchcock- Filmes mit einer recht bekannten Szene und einem markanten Zitat können sehr gefallen. Und so bleibt es dem Hörer nur noch, sich in die Geschichte fallen und von der gelungenen Auflösung überraschen zu lassen. Eine weitere sehr gelungene Folge der Serie.

Große Beachtung verdient hier Philipp Drager in der Hauptrolle des Timothy, der sowohl in Dialogen spricht als auch als Erzähler fungiert. Trotz seines jungen Alters agiert er völlig glaubwürdig und kann sämtliche Gefühle des Jungen gekonnt wiedergeben. Seine Mutter wird von Kerstin Draeger gesprochen, die mit ihrer sehr präsenten Stimme und dem markanten Klang erneut eine sehr gute Vorstellung abliefert. Sehr gut gefallen hat mir hier die wunderbare Luise Lunow, die mit ihrer krächzenden Stimme für einige eindringliche und unheimliche Momente sorgt. Auch der Rest des Casts kann vollkommen überzeugen, darunter Uve Teschner, Holger Löwenberg und Gordon Piedesack.

Die akustische Umsetzung der Geschichte ist wieder gut in Szene gesetzt worden. Dabei wird glücklicherweise nicht übertrieben, sondern eher etwas zurückhaltend inszeniert. Zahlreiche passende Geräusche und stimmungsvolle, eingängige Musik sorgen für die passende Atmosphäre, sodass insbesondere die nächtlichen Szenen in dem alten Gemäuer sehr eingängig dargestellt werden.

Als Schauplatz wurde, wie oben erwähnt, das bekannte Monument von Mount Rushmore gewählt, und natürlich wurde dies auch auf dem Cover abgebildet. Halb im Schatten liegend bekommt die vier in Stein gehauene, riesige Gesichter eine mysteriöse Ausstrahlung, das schlichte schwarz-weiße Titelbild wirkt ansprechend. Im Inneren des kleinen Booklets gibt es Infos zum Autor sowie einige einleitende Worte zu dieser Folge.

Fazit: Von Beginn an wird hier eine unheimliche und rätselhafte Stimmung erzeugt, die sich immer weiter steigern kann und dem Hörer immer neue Spuren präsentiert. Geschickt werden die Hinweise gelegt, sodass erst ganz am Ende alles restlos aufgeklärt wird und bisherige Aussagen in ein anderes Licht gerückt werden. Dicht, atmosphärisch und hörenswert.

VÖ: 13.Juni 2014
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-943166-55-2


Mindnapping – 15. Einsamer Anruf



Erster Eindruck: Unheimliches von der Erotik-Hotline

Um ihr Studium zu finanzieren, bewirbt sich die junge Melanie bei einer Erotik-Hotline. Auch wenn die neue Chefin Viola ziemlich rigoros und fordern wirkt, macht Melanie einen positiven Eindruck und kann sofort mit der Arbeit beginnen. Doch schon ihr erster Kunde erschrickt den Neuling mit ziemlich heftigen Phantasien, mit denen Melanie nicht zurechtkommt. Schon bald entwickelt sich ein beängstigendes Spiel zwischen den beiden…

Mindnapping scheint für alle Beteiligten immer ein großes Experiment zu sein, keine Folge gleicht der anderen. Ob Crossover mit anderen Folgen, brisante Themen oder wie in der 15. Folge ein Autor, der bisher ausschließlich für den Jugendbereich tätig war: André Minninger hat mit „Einsamer Anruf“ eine Geschichte verfasst, die alles andere als jugendfrei ist. Der Start mit dem Bewerbungsgespräch zwischen Melanie und Viola ist schon mal kurzweilig und recht deftig, vor der Erwähnung spezieller Sexualpraktiken wird jedenfalls nicht zurückgeschreckt. Ganz nebenbei werden die Charaktere dabei vorgestellt, ihr Background und ihre ganz eigene Art dem Hörer näher gebracht. Nachdem die Grundlagen geklärt wurden, das Fundament gelegt wurde, geht es auch schnell los mit dem eigentlichen Knackpunkt der Serie: Ein geheimnisvoller Anrufer, der sich Friedhelm nennt, versetzt Melanie in Angst und Schrecken. Das weitet sich immer mehr aus, steigert sich in eine unheimliche, greifbar bedrohliche Stimmung und fasziniert den Hörer immer mehr. Der Anrufer äußerst seine heftigen Phantasien ohne Skrupel und übt psychischen Druck aus, die Bedrohung entlädt sich in einer packenden nächtlichen Szene. Dem Hörer ist zwar klar, dass etwas Bestimmtes hinter den Anrufen stecken muss (sonst wäre es ja nicht Mindnapping), tappt aber lange Zeit im Dunkeln. Kleine Hinweise in die eine oder andere Richtung sind geschickt gelegt, führen aber meist in die Irre. Wie das Ganze aufgelöst wurde, war dann für mich eine komplette Überraschung, erschloss sich aber durch eine logische Erklärung vollkommen. Eine extrem starke Folge der Serie, die mich völlig überzeugen und faszinieren konnte.

Es sind drei Sprecher, die diese Folge prägen und die Geschichte tragen. Doch auch die übrigen Stimmen wie die von Luise Lunow, Martin Sabel und Robert Missler können überzeugen. In der Hauptrolle der Melanie ist Anja Topf zu hören, aus ihrer Sicht wird die meiste Zeit erzählt. Sie kann sowohl die anfangs etwas unsichere Art der jungen Frau als auch der sich ausweitende Schrecken gegen Ende glaubwürdig und gekonnt darstellen. Gabi Libbach ist als Viola zu hören, die die toughe Geschäftsfrau mit einer harten und unnachgiebigen Art versieht, im späteren Verlauf aber auch andere Seiten von sich zeigen kann. Für die passende, unheimliche Stimmung sorgt aber insbesondere Michael von Rospatt als Friedhelm, seine Anrufe mit der leisen, leicht kratzigen Stimme, die er mit kleinen Modulationen versieht, sorgen für eine eindringliche Atmosphäre.

Die atmosphärische Gestaltung ist insgesamt zwar gut, an einigen Stellen jedoch nicht ganz passend gelöst. Zu fröhlich und schwungvoll wirken einige der Musikstücke, die eingebaut wurden. Sie störend die düstere Atmosphäre und wollen nicht so recht zu der Handlung passen – glücklicherweise ist dies nur an zwei Stellen zu verzeichnen. Ansonsten wurde mit passenderen Melodien und einigen gut ausgewählten Geräuschen eine stimmige Atmosphäre erzeigt.

Das Cover ist ziemlich gut durchdacht und enthält gleich mehrere Anspielungen auf die Handlung, als Beispiel sei die Abbildung eines Vogels auf der herrlich altmodischen Wählscheibe erwähnt. Diese findet sich auch direkt auf der CD wieder und komplettiert den positiven Eindruck der Gestaltung. Denn auch die Optik mit den Sprechblasenähnlichen Elementen, den Pfeilen und der Schreibmaschinenschrift funktioniert wieder sehr gut.

Fazit: Schon recht früh zu Beginn wird hier eine fesselnde und bedrohliche Stimmung geschaffen, die sich immer weiter zu steigern versteht und seinen Gipfel in einer hervorragenden nächtlichen Szene findet. Das interessante Thema verleiht hierbei zusätzlichen Reiz. Die Auflösung des Ganzen ist dann so überraschend und doch so passend, dass der Hörer verblüfft zurückbleibt. Eine extrem starke Folge der Serie und ein absoluter Hörtipp!

VÖ: 28.Februar 2014
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-943166-45-3


Mindnapping – 14. Blutstern



Erster Eindruck: Comeback für Leon Kramer

Eine blutige Mordserie erschüttert New York. Die Opfer, meist Anhänger der Metal-Szene, werden blutverschmiert aufgefunden, rituelle Zeichen auf den Körper gemalt. Das Einsatzteam um Matthew O’Brien kommt nicht weiter. Deswegen wird ein deutscher Spezialist für okkulte Handlungen zu Rate gezogen, der sich jedoch eigentlich schon im Ruhestand befindet: Leon Kramer…

Mindnapping, die Thriller-Hörspielserie vom Hamburger Label Audionarchie, hat sich nie gescheut, Geschichten aus anderen Serien zu erzählen und ist dabei auch vor Produktionen anderer Labels nicht zurückgeschreckt. Auch Folge 14 präsentiert wieder einen bekannten Hörspielermittler: Leon Kramer, dessen eigene Serie nach sechs Folgen eingestellt wurde. Dieser stößt – nach einer stimmungsvollen Introszene und kurzer Erläuterung der Grundsituation – schnell zum Ermittlerteam dazu, viel Zeit mit unnötigem Geplänkel wird hier nicht verschwendet. Diese Kürze zieht sich durch die gesamte Folge, weswegen alles in etwa 40 Minuten erzählt werden kann. Hier wird ein klassischer Thriller aufgebaut, zu hören bekommt man vorrangig die Ermittlerarbeit von Leon Kramer, aber auch einige brenzlige Situationen für den Deutschen werden geschildert und bringen zusätzliches Tempo in die Folge. Kurzweil und ein gut geschriebenes Dialogbuch bestimmen diese Folge, sodass es verzeihlich ist, wenn die Auflösung etwas konventionell daherkommt. Solide Thrillerkost, die mal nicht die volle Laufzeit ausreizt sondern kurz und knackig eine spannende Geschichte zu erzählen weiß.

Fabian Harloff spricht wie schon in der Ursprungsserie den Leon Kramer und legt viel Energie und eine gehörige Portion Abgeklärtheit in seine Stimme. Der Ermittler bekommt so einen recht rauen Ausdruck, der sehr gut zu dem Charakter passt. Als Bobby Miller ist Hans-Jürgen Dittberner zu hören, der die Emotionen des Agenten sehr treffend wiedergibt und dem Hörer so sehr verständlich nahe bringt. Auch Marie Bierstedt liefert mit ihrer klaren Stimme als Grace Robertson eine gekonnte Leistung ab. Weitere Sprecher sind Friedrich Georg Backhaus, Jürgen Holdorf Angela Quast.

Treffend ist die Auswahl an verschiedenen Musikstücken und -stilen. So sind über weite Teile des Hörspiels auch immer wieder sehr rockige Metal-Stücke zu hören, die passend zum Ambiente ausgewählt wurden. Aber es dominieren sanfte, atmosphärische Musikstücke, die eine düstere Atmosphäre schaffen. Auch die Geräusche sind passend eingefügt und unterstützen die Geschichte in ihrer Wirkung auf den Hörer.

Eine schwarze E-Gitarre liegt auf dem Boden, daneben ein Zettel mit einem Drudenstern als okkultes Symbol. Einige schwarze Klekse erinnern an verschüttete Tinte: Das Cover zu dieser Folge ist wieder ziemlich schlicht gehalten und deutet nur an – und das ist man je genauso wie die erdige Farbgebung schon von Mindnapping gewohnt. Im Inneren steht ein recht ausführlicher Text über den Werdegang von Autor Markus Topf.

Fazit: Auch die Verschmelzung von Mindnapping und Leon Kramer ist ohne störende Nahtstelle gelungen. Mir gefällt, wie knackig und gradlinig hier der Thriller über die rituelle Mordserie erzählt wird, wie viel Wert auf die Hauptfigur und deren Ermittlungen gelegt wird. Ein kurzweiliges Hörspiel für zwischendurch.

VÖ: 16.August 2013
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-943166-26-2


Mindnapping – 13. Beyond the Chinese Theatre



Erster Eindruck: George mal in Englisch

George Brand ist sofort begeistert, als in seinem IT-Studiengang eine interessante Aufgabe gestellt wird: Das Einbringen von Programmen in ein gut gesichertes Computersystem. Als sich die attraktive Linn anbietet, sein Projekt als Partnerin zu unterstützen, willigt er sofort ein – nichtsahnend, dass nicht nur sein paranoider Vermieter Probleme machen wird, sondern auch deutlich mächtigere Stellen auf ihn aufmerksam werden…

Geschrieben von Jan Gaspard, in der Hauptrolle Alexander Turrek, eine Handlung um Hacking und Verschwörungstheorien – Hörspielfans denken da sofort an Offenbarung 23, haben in diesem Fall aber nur bedingt recht, denn als dreizehnte Folge der Thriller-Reihe Mindnapping wurde eine Geschichte geschaffen, die den wesentlich jüngeren T-Rex zeigt, in seiner Studienzeit. Und das ist nicht nur für Fans der Serie interessant, sondern kann eben auch für sich allein gehört werden. Hier geht es ziemlich flott zu, die Entwicklung legt ein ordentliches Tempo vor und präsentiert immer neue, für die Handlung relevante Szenen, die spannend und kurzweilig sind, aber nicht diese Schwere besitzen, die mit den tief verzweigten und über mehrere Folgen andauernden Verschwörungen von Offenbarung behaftet sind. Das hier wirkt spontaner, lebendiger, echter und überzeugt mit mehreren Überraschungsmomenten – während der Handlung oft durch Chris, Georgs Vermieter, generiert, am Ende gibt es gleich mehrere, für Mindnapping typische Wendungen. Das gefällt und ist spannend umgesetzt, funktioniert bestens sowohl allein und als auch im Kontext der Serie – ein gelungenes Crossover!

Viele Sprecher von Offenbarung 23 sind dem Ruf der Macher gefolgt und haben sich auch hier vor dem Mikrofon versammelt. Alexander Turrek ist auch hier als Georg(e) Brand zu hören, der hier übrigens stets bei seiner englischen Aussprache des Namens genannt wird. Seine angenehme, ausdrucksstarke Stimme kann auch den jüngeren T-Rex mit Elan und Tiefgang formen. Martin Kessler kann als Chris mit hartem, unnachgiebigen Klang für ein paar kleinere Schockeffekte und psychische Spielchen sorgen. Nana Spier spricht Linn recht aufgekratzt und energiegeladen, was wunderbar zu der spontanen Studentin passt. Weitere Sprecher sind Engelbert von Nordhausen, Luise Lunow und Till Hagen.

Die Musik ist hier eher zurückhaltend, begleitet höchstens mal sanft die Dialoge oder gestaltet Szenenwechsel flüssiger, sorgt dabei aber eben hintergründig doch für zusätzliche Spannung. Auch Geräusche sind hier nicht omnipräsent, sondern gezielt gewähnte Stilmittel, um einige Szenen intensiver wirken zu lassen. So stehen die Dialoge voll im Vordergrund, wobei eine gute Grundstimmung zu finden ist.

Ein einfacher USB-Stick liegt einsam in einem Straßengraben – ein nicht gerade außergewöhnliches Motiv, das aber im Zusammenhang der Folge sehr sinnvoll gewählt ist und beim Betrachter durchaus Neugier wecken kann. Das Ganze ist in düsterem Sepia gehalten, sodass die komplette Gestaltung der Folge eine einheitliche Linie bekommt. Im Inneren ist neben den üblichen Produktionsangaben noch ein recht ausführlicher Text über Autor Jan Gaspard zu finden.

Fazit: Die Geschichte rund um den deutlichen jüngeren, aber genauso clevere Georg Brand, temporeich erzählt, mit überraschenden Wendungen, einer tollen Auflösung und einem spannenden Verlauf – sehr gelungen!

VÖ: 12.April 2013
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-943166-20-0


Mindnapping – 12. Die letzte Wahrheit



Erster Eindruck: Die Erforschung eines Bunkers

Mabou Dlanga, wird als Journalist zu einem lukrativen Auftrag gebeten, der ihm in kurzer Zeit eine Menge Geld einbringt. Er soll zusammen mit einer kleinen Gruppe einen unterirdischen Bunker untersuchen, in dem vor langer Zeit grausame Experimente der südafrikanischen Regierung durchgeführt wurden. Zuerst erstaunt ihn die Anwesenheit einer Seherin und eines Priesters, doch ereignen sich immer merkwürdigere Phänomene…

Mit einem sehr gelungenen Einstieg startet die zwölfte Folge Mindnapping, hier werden die Experimente an Menschen thematisiert, die in dem Bunker stattgefunden haben sollen. Dies hat zwar nicht viel mit der nachfolgenden Geschichte zu tun, weckt aber die Neugier auf das Kommende und zeigt, warum die Erforschung des unterirdischen Gewölbes so interessant für den Auftraggeber ist. Danach wird erst einmal Zeit dafür aufgebracht, die Konstellation der Gruppe zu erklären und deren Mission zu erklären. Das ist interessant aufbereitet und zeigt gleich erste Spannungen der Charaktere zueinander. Richtig los geht es dann schon mit dem Betreten des Bunkers, hier wird von Anfang an eine düstere, spannungsgeladene Atmosphäre erzeugt, die im weiteren Verlauf immer weitere Kreise zieht. Das Verschwinden einzelner Mitglieder, unerklärliche Phänomene wie Kältezonen und Stimmen aus dem Nichts sorgen immer wieder für eindringliche Momente. Die Stimmung intensiviert sich immer weiter, verdichtet sich, bis die typische unerwartete Wendung kommt, die mich hier wirklich überraschen konnte und die bisherigen Ereignisse in einen völlig neuen Kontext setzt. Doch danach ist es noch nicht vorbei, weitere Enthüllungen decken den Background der Geschichte weiter auf und sorgen für neue Wendungen. Dynamisch und spannend erzählt, mit einer packenden Atmosphäre und einer guten Produktion.

Wieder hat man sich hier nicht mit der Auswahl der Sprecher lumpen lassen, ein weiteres Merkmal der Serie ist wie immer die Besetzung mit bekannten Stimmen der deutschen Hörspiel- und Synchronisationsszene. Peter Flechtner ist in der Hauptrolle des Mabou Dlanga zu hören, er kann den anfangs standfesten Mann und den sich ausweitenden Schrecken bestens in Szene setzen. Helmut Krauss kann als Jacob von Wyk seine ganze Erfahrung ausspielen und die ernsthafte Rolle mit Spontanität und Glaubwürdigkeit ausstatten. Nana Spier kann mit ihrer außergewöhnlichen Stimme die Rolle der Melissa Taylor sehr gut auskleiden. Weitere Sprecher sind Stefan Friedrich, Katja Brügger und Jaron Löwenberg.

Diese Produktion ist ein wenig opulenter mit Musik und Geräuschen ausgestattet als die übrigen Folgen der Reihe, der Fokus liegt aber immer noch klar auf den Dialogen und nutzt die Effekte nur zur Verstärkung der jeweiligen Stimmung. Das meiste Potenzial liegt dabei auf den Geräuschen, die nicht nur in der ersten Szene, sondern auch m Bunker vielfältig eingesetzt werden, um die verschiedenen Erscheinungen einzukleiden.

Auch hier wird auf das bekannte Farbschema des Coverdesigns geachtet, der Look vermag auch hier zu gefallen und weist mit den vielen Pfeilen und dem angedeuteten karierten Papier einige einzigartige Merkmale auf. Dafür bleibt das Titelbild hier sehr kryptisch, die Luke des Bunkers ist darauf zu sehen. Im Inneren ist ein einleitender Text zur Folge sowie eine Kurzinfo zu Autor Raimon Weber zu finden.

Fazit: Eine bedrückende, beängstigende Wirkung, gleich mehrere Wendungen, ein ernster Hintergrund, der gut ausgenutzt wird – „Die letzte Wahrheit“ kann voll überzeugen.

VÖ: 18.Januar 2013
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-943166-15-6


Mindnapping – 11. Inselmenschen



Erster Eindruck: Von der Strömung angespült

An der Küste von Cove Island, einer kleinen Insel vor New England, wird eine Leiche angespült. Ihr fehlen einige Gliedmaße, dafür wurden ihr zahlreiche Geldbündel an den Körper geklebt. Die wenigen Bewohner beschließen, das Geld unter sich aufzuteilen. Während die vernünftige Helen legt ihren Anteil zur Seite, aber die Brüder Frank und Michael geben das Geld mit vollen Händen aus – und ziehen damit einige Aufmerksamkeit auf sich…

Quer durch die USA reist das kleine Label Audioarchie mit seiner Thriller-Reihe „Mindnapping“, und in Folge 11 ist ein recht außergewöhnlicher Ort Schauplatz des Geschehens: Die kleine Insel Cove Island vor New England, auf der gerade einmal drei Häuser stehen, fünf Bewohner leben dort. Und genau diese sind es, die das Hörspiel prägen und Würze hineinbringen. Die beiden im Leben gescheiterten Brüder Frank und Michael, die besonders im späteren Verlauf eine wichtige Rolle einnehmen und durchgehend für Aufregung sorgen. Als Gegenpol dazu die ruhige und vorsichtige Helen, die die Situationen rational betrachtet und somit auch für einen stimmigen Handlungsverlauf sorgt. Am interessantesten dürfte aber das Gespann aus Margret Lunderson und ihrem Sohn Pauly, deren Beziehung zueinander auch von den vergangenen Fehltritten Paulys bestimmt wird. Das beschauliche und ereignisarme Leben auf der kleinen Insel wird durch die Leiche ordentlich durcheinandergewirbelt, von den Auswirkungen wird etwa ein Drittel des Hörspiel berichtet, hier lernt man einiges über die Charaktere und deren Beziehungen zueinander kennen. Mit dem Ankommen zweier Ganoven kommt noch einiges an Brisanz in die Handlung, die Grundsituation ändert sich schlagartig, die einzelnen Menschen reagieren ganz unterschiedlich auf die Bedrohung. Die Heftigkeit nimmt immer weiter zu, allerdings bleibt die Folge insgesamt recht vorhersehbar und kommt ohne große Überraschungsmomente aus. Der kurzweilige Verlauf und viele spannende Momente können dies aber ausgleichen, zumal das Finale dann noch einmal richtig auffahren kann. Eine solide Folge der Serie, die mit interessanten Charakteren überzeugen kann.

Die Sprecher machen ihre Sache sehr gut und können allesamt sehr überzeugen. Der wunderbare Sven Plate kann als Pauly Landerson mit seinem außergewöhnlichen Klang den jungen Mann wunderbar darstellen, die vielfältige Gefühlswelt des Mannes wird durch ihn glaubhaft vermittelt. Arianne Borbach ist als Helen Wright zu hören, sie bringt mit ihrer angenehmen und ausdrucksstarken Stimme eine gewisse Ruhe in die Handlung, kann aber in den dramatischen Momenten auch aufdrehen. Wolfgang Bahro ist als Michael Pollack der dunkelste und geheimnisvollste der Inselbewohner, auch wenn sein Auftritt der kürzeste ist, kann er einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Weitere Sprecher sind Luise Lunow, Martin Kessler und Erzähler Jürgen Kluckert.

Mit Wellenrauschen und Möwengeschrei wird eine stimmungsvolle Geräuschkulisse geschaffen, die die entsprechenden Szenen ins rechte Licht rücken, doch auch einige kleinere Sounds, die eher unauffällig sind, passen gut ins Geschehen und gestalten dieses lebensnaher. Auch die Untermalung mit Musik ist hier recht gut gelungen, wobei sich der Einsatz zusammen mit der Dramatik der Handlung zu steigern weiß.

Einfache, schlichte Titelbilder, oftmals nur Ausschnitte von Fotographien, sind zum Markenzeichen der Covergalerie der Serie geworden. Bei dieser Folge wird der Aufhänger der Geschichte verwendet, sodass ein Hundertdollarschein in der Hand eines Mannes liegt, beides halb von Sand verdeckt. Auch immer wieder schön und interessant zu lesen ist der kleine Einführungstext im kleinen Booklet, der dieses mal von der Zusammenarbeit mir Autor John Beckmann berichtet.

Fazit: Wesentlich gradliniger als die übrigen Folgen der Serie, aber mit sich steigender Spannung und sehr ausdrucksstarken Figuren und überzeugendem Finale.

VÖ: 26.Oktober 2012
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-943166-13-2


Mindnapping – 10.Der Traumtänzer



Erster Eindruck: Psychotherapie mit ungewissem Ausgang

Es sollte eine normale Therapiesitzung werden, in der Mary Bellows die traumatischen Erlebnisse ihrer Kindheit beim Psychotherapeuten Dr. Frank Morgan aufarbeiten soll. Sie berichtet Morgan von ihren Kindheitsphantasien, dem Wunsch nach Stärke und Erwachsensein, dem schrecklichen Erlebnis mit ihrem Lehrer – und wie beiläufig auch vom Nachtling, der sie nachts in ihren Träumen verfolgt hat…

Die zehnte Folge ist der erste kleine Meilenstein in der Geschichte einer jungen Hörspielserie, und diese wurde bei Audionarchie zum ersten Jubiläum der Serie Mindnapping gleich mit einem ganz besonderen Leckerbissen begangen: Anstatt einer „normalen“ Folge (wobei hier ja eigentlich fast jeder Teil etwas Spezielles hat) wurde hier ein Crossover mit der Hörbuchserie „Darkside Park“ veröffentlich, das zwar viele Anspielungen auf das Werk von Autor Hendrik Buchna aufweist, aber eben auch für sich selbst stehen kann. Anfangs wird hier intensiv von der Therapiesitzung erzählt. Hier kommt die bedrückende Stimmung aus Marys Kindheit sehr intensiv zur Geltung, gerade weil oft nur angedeutet wird, was wirklich passiert ist. Ihre kindliche Phantasiewelt wird hier feinsinnig mit der harten Realität verbunden, sodass man wie gebannt zuhören muss. Und dann wieder eine der für die Serie typischen Wendungen, die hier jedoch deutlich krasser ausfällt, die komplette Handlung auf den Kopf stellt und sich in ungeahnte Höhen schraubt, die ein ganzes System im Hintergrund erahnen lässt. Dass dabei am Ende nicht alles aufgeklärt wird, hat seinen ganz eigenen Reiz und lässt dem Hörer viel Platz für seine eigene Phantasie, einiges wird nur angedeutet, anderes völlig offen gehalten. Vorkenntnisse aus dem Darkside Park sind zwar vorteilhaft, da man einige der kleinen, versteckten Anspielungen genießen kann und die Folge völlig in diesem eigenständigen Hörbuchuniversum aufgeht, neue Hinweise gibt. Aber auch ohne je eine Folge Darkside Park gehört zu haben, wird man hier mit einem Psychothriller mit eingestreuten Horrorelementen belohnt, die es in sich hat und eine Stunde dichte, atmosphärische Unterhaltung bietet.

Hauptsächlich sind hier zwei Sprecher zu hören, die das komplette Hörspiel dominieren und etwa zwei Drittel der Zeit fast allein bestreiten. Da wäre zum einen der grandiose Eckart Dux als Dr. Frank Morgan, der mit seiner ruhigen, eindringlichen Stimme feinste Nuancen zur Geltung bringt, kleine Gefühlsregungen intensiv auf den Hörer überträgt und auch die Wandlung des Mannes im Laufe der Folge darstellen kann. Zum anderen ist da die nicht minder großartige Ulrike Stürzbecher als Mary Bellows, die in beiden Teilen auf ganz unterschiedliche Weise brilliert, kühle Abgeklärtheit ebenso treffend mit ihrer Stimme erfasst wie nackte Angst und dem fast verträumten ersten Teil. Im letzten Drittel hat noch Helmut Krauss eine größere Rolle, die er gekonnt wie immer mit seiner großen Professionalität darstellt. In weiteren kleinen Parts sind Katja Brügger, Robert Missler und Mark Bremer zu hören.

Auch die akustische Untermalung der Folge kann überzeugen, die Geräusche sind passend auf die Handlung abgestimmt und verleihen mehr Lebendigkeit. Für noch mehr Stimmung sorgt allerdings die atmosphärische Musik, die sich anfangs dräuend im Hintergrund hält und später immer weiter nach vorne tritt. Am Ende ist ein klassisches Musikstück ein volltönendes und passendes Outro.

Der Ausschnitt einer einfachen Akte mit dem Namen von Mary Bellow ziert das Cover zu dieser Folge, natürlich im üblichen Look der Serie. Ein besonderes Highlight ist ein Wendecover, das ein alternatives Artwork mit dem bekannten Darkside Park zeigt – ein Mann mit Taschenlampe, insgesamt sehr dunkel ausgeleuchtet. Dazu noch ein etwas dickeres Cover, das neben etwas Produktinformation noch einen Infotext über Hendrik Buchna und eine Einführung zu der Folge enthält.

Fazit: Atmosphärisch sehr dicht, eindringliche Stimmungen, gekonnt Wendungen – eine sehr gelungene Folge der Serie, die sowohl für sich allein als auch im Kontext der Serie Darkside Park viel Reiz entfaltet.

VÖ: September 2012
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-943166-09-5


Mindnapping – 9. Montana oder Eine seltsame Schleife



Erster Eindruck: Film oder Realität?

Um den Tod von Drehbuchautor Claude Montana ranken sich einige Geheimnisse, bisher ist nicht geklärt, ob es sich um Mord oder Selbstmord handelt. Umso überraschender dann, dass er in seinem Testament verfügt, dass ein letztes Drehbuch verfilmt werden soll –mit seinem Freund Dave Pullman als Regisseur und seinem Sohn Tim Montana als Hauptdarsteller. Doch das Drehbuch ist anders als erwartet, und bald beginnen Realität und Fiktion miteinander zu verschmelzen…

Von Anfang an sind in der Hörspielserie Mindnapping, die eigenständige und in sich abgeschlossene Psychothriller erzählt, Experimente gewagt worden. Doch die bisher außergewöhnlichste Folge ist wohl „Montana oder Eine seltsame Schleife“, die als Nummer 9 der Serie erschienen ist. Verfasst wurde sie von Astrid Meirose und Volker Pruß, was den seltsam anmutenden Ausdruck dieser Folge hinlänglih erklären durfte – hier verschwimmen bald das Drehbuch und die realen Ereignisse, alles hängt eng zusammen und zieht den Hörer immer weiter in den Bann, verwirrt ihn und erfüllt somit den Namen der Serie in vollem Umfang. Am Anfang scheint noch alles recht klar und deutlich, und hier wird auch gekonnt der Folgentitel erklärt. Der Themenkomplex der einheimischen Indianer mit ihrer Mythologie scheint erst einmal parallel zur eigentlichen Handlung zu laufen, vermischt sich aber immer weiter mit dieser. Zahlreiche Wendungen, Überraschungen und unerwartete Ereignisse prägen den Verlauf, doch am Ende ist nicht eine typische Auflösung, die alle Ereignisse restlos aufklärt, sondern den Hörer mit seinen eigenen Interpretationen zurücklässt, das Unbekannte zulässt. Und sie lädt insbesondere dazu ein, sie noch einmal zu hören und weitere Hinweise, Spuren zu finden. Hervorragend, atmosphärisch dicht und absolut hörenswert – wenn sie auch viel Aufmerksamkeit verlangt und nicht zum Nebenbeihören geeignet ist.

Der Sprechercast ist hier recht üppig, ein Dutzend in der Hörspielszene bestens bekannter Stimmen ist hier zu hören, darunter so klanghafte Namen wie Peter Weis, Konrad Halver und Julia Fölster. Douglas Welbat spricht Regisseur Dave Pullman, seine volltönende Stimme mit dem starken Ausdruck ist auch hier wieder sehr präsent, er kann seinen Charakter bestens darstellen. Gordon Piedesack spricht Tim Montana ähnlich leidenschaftlich, auch er kann in dieses Verwirrspiel eintauchen und den Hörer dabei mitreißen. Sehr gut gefallen hat mir Anne Moll, die endlich mal wieder in einer Hauptrolle als Dr. Kate Manson zu hören ist, ihre Stimme nimmt hier je nach Situation eine warme oder mysteriöse Klangfarbe an.

Auch die akustische Umsetzung kann nur als gelungen bezeichnet werden. Während am Anfang eine Melodie ertönt, die jedem Western zur Ehre gereicht hätte, ist die restliche Stimmung sehr geheimnisvoll und undurchdringlich, unterstützt den verwirrenden Verlauf der Handlung sehr gut, bringt aber auch überraschende Elemente und immer wieder ein leichtes Westernmotiv mit ein. Die Geräusche halten sich dabei eher im Hintergrund, sind aber passen eingefügt.

Die seltsame Schleife, die es hier immerhin zum Folgentitel gebracht hat, wird auch auf dem Cover der Folge abgebildet und wird von einem alten Filmprojektor an einer Wand abgebildet – das war es dann auch schon, was auf dem Cover zu sehen ist, schlicht, macht aber neugierig und ist sehr passend. Im Booklet ist ein recht ausführlicher Text zur Entstehung der Folge, eine sehr kurze Info zu den Autoren sowie zwei passend Fotos zum Indianerthema abgedruckt.

Fazit: Ein Verwirrspiel für den Hörer, das einiges an Aufmerksamkeit verlangt, dann aber mit einer vielschichtigen und sehr gut produzierten Geschichte und Top-Sprechern belohnt.

VÖ: 22.Juni 2012
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-943166-08-8


Mindnapping – 8. Der schwarze Vogel



Erster Eindruck: Erfolglose Autorin auf Horrortrip

Chloe Watson Debütroman war ein voller Erfolg, ihr gerade erschienenes zweites Werk wird jedoch von Kritikern und Publikum gleichermaßen verrissen. Nun steht die junge Autorin unter großem Druck, denn ihr nächstes Buch muss ein Erfolg werden. Als die dann eines morgens die Leiche einer jungen Frau entdeckt, glaubt sie noch an einen hilfreichen Aufhänger für ihre nächste Veröffentlichung und beginnt zu recherchieren – nichtsahnend, wie sehr der Fall ihr Leben verändern wird…

Franjo Franjkovic ist bisher nur einige Male in Sachen Hörspiel in Erscheinung getreten, doch beim kleinen Label Audionarchie hat er scheinbar Eindruck hinterlassen – man verpflichtete ihn für das Drehbuch der achten Folge, die den Titel „Der schwarze Vogel“ trägt. Fast von Beginn an taucht dabei in den Träumen der Hauptfigur Chloe ein Rabe auf, der sie darin zu verfolgen scheint. Immer wieder kommt dieses Motiv vor und bildet einen roten Faden durch die Handlung. Diese geht schnell in Schwung und wird knackig und recht schnell erzählt, nach einer dreiviertel Stunde ist hier Schluss. So wirkt alles komprimiert, langwierige Szenen kommen so jedenfalls nicht vor. Auch wenn geübte Hörer des Genres bald einen Verdacht haben dürften, in welche Richtung die Auflösung des Ganzen gehen könnte, ist es spannend zu hören, wie viele Fäden, Hinweise schon im Laufe der Folge gelegt wurden und wie geschickt dies aufgelöst wird. Die Hauptfigur Chloe wird dabei insgesamt auch sehr gut charakterisiert, steht im Mittelpunkt, während die anderen Figuren die Geschichte immer weiter nach vorne treiben. Die Erzählform in Präsens aus der Sicht von Chloe ist ein bisschen ungewöhnlich, nach kurzer Zeit kann dies aber einen ganz eigenen Reiz entfalten. Eine kurzweilige und temporeiche Folge, die gut umgesetzt wurde.

Kerstin Draeger spricht hier die Chloe und übernimmt dabei den weitaus größten Teil, ist Erzählerin und handelnde Person in einem. Von der unter Druck stehenden Autorin steigert sie sich immer weiter, spricht eindringlicher und kann besonders am Ende ihr ganzes schauspielerisches Talent zeigen. Ihr Mann wird von Oliver Böttcher gesprochen, auch er kann eine gute Leistung zeigen und seine Rolle sauber und mit eingängiger Betonung umgesetzt. Gut gefallen hat mir mal wieder Mia Diekow als Mia, die ein wenig mysteriöse Stimmung mit einbringt, aber in einer Szene auch mit einer beruhigenden Stimme punktet. Weitere Sprecher sind Gernot Endemann, Sabine Schmidt-Kirchner und Klaus Dittmann.

Hier sind relativ wenige Geräusche eingesetzt, die akustische Umsetzung konzentriert sich neben den Dialogen insbesondere auf eine stimmige Musikkulisse. Die verschiedenen Stücke sind passend und schaffen eine düstere, geheimnisvolle Atmosphäre, die sich parallel zur Dramatik der Geschichte weiterentwickelt und immer weiter zu steigern weiß.

Natürlich ist auf dem Cover der geheimnisvolle Rabe zu sehen, der Chloe durch ihre Träume verfolgt. Er fliegt hier durch einen langen Korridor und ist nur als Silhouette zu sehen. Wie bei den anderen Folgen auch ist das Cover hier in gedeckten Beigetönen gehalten, während im Inneren neben den üblichen Produktionsangaben noch ein kurzer Text über die Folge sowie Informationen zum Autor zu finden sind.

Fazit: Hier wird erneut eine andere Seite des Genres Psychothriller gezeigt. Die Geschichte ist knackig erzählt und hat eine sehr interessante Auflösung.

VÖ: 4.Mai 2012
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-943166-07-1


Mindnapping – 7. Das Geschwür



Erster Eindruck: Amoklauf im kalten North Dakota

Der Winter legt sich schwer über die Kleinstadt Easthope in North Dakota, Schnee und Eis bestimmen das Landschaftsbild. Und in dieser kalten Kulisse scheinen die Bewohner langsam den Verstand zu verlieren. Das beginnt, als der Gouverneur in einem Radiointerview plötzlich ausflippt und den Moderator erschießt. Das Ehepaar Sandy und Pete Glover will zusammen mit Petes Bruder Ian aus der Stadt fliehen…

Mit „Das Geschwür“ hat Raimon Weber bereits seine zweite Geschichte für MIndnapping beigetragen. Der Vorgänger „Die 9mm-Erbschaft“ war aber komplett anders angesiedelt, sodass hier nicht nur die Serie, sondern auch der Autor seine Vielfältigkeit zeigt. Der Start ist mit seiner mysteriösen Stimmung bestens gelungen, schnell ist mal nach dem brutalen Übergriff des Gouverneurs mitten in der Handlung verankert, taucht völlig in diese Welt ein. Die merkwürdigen Vorfälle häufen sich, die gezeichneten Ereignisse und Charaktere erinnern an Werke von Stephen King. Immer weiter steigert sich die Handlung, wird zu einem bedrohlichen Weltuntergangsszenario, in denen Anarchie und das Recht des Stärkeren vorherrschen. Beeindruckend, wie dicht die Handlung ist, wie sich die Ereignisse zuspitzen und wie präzise hier neue Elemente und überraschende Begebenheiten eingebaut wurden. Besonders gefällt mir, dass hier nicht alles aufgedeckt wird, sondern ein Teil der Auflösung auch der Vorstellungskraft des Hörers überlassen bleibt. Ein sehr guter, eindrucksvoller Psycho-Horror-Thriller mit eindringlicher Handlung, dazu noch richtig gut produziert.

Auch hier wurden wieder zahlreiche bekannte Sprecher engagiert, die die verschiedenen Rollen gut herüberbringen können. In der Hauptrolle des Pete Glover ist Gordon Piedesack zu hören, der gleichzeitig auch einige Erzähltexte übernimmt. Er bringt den nötigen Ernst für diese Rolle auf, seine Stimme bekommt durch die düstere Atmosphäre einen gelungenen Hintergrund. Sandy Glover wird von Sylvie Nogler gesprochen, sie kann die verschiedenen Emotionen ihrer Rolle bis hin zur größten Panik glaubhaft und eingängig vertonen. Sehr gut gefallen hat mir Julia Fölster, die das verstörte Mädchen Avril Gunderson mit einer gewissen Düsternis ausstattet und beweist, dass sie auch anspruchsvollere Rollen draufhat. Weitere Sprecher sind Robert Missler, Wolf Frass und Konrad Halver.

Marcel Schweder ist hier für die Musik zuständig und hat eine feinsinnige Atmosphäre geschaffen, die oftmals an Filmscores erinnert und die Handlung in einen festen Rahmen einfasst, auf Veränderungen in der Stimmung eingeht und im Gegensatz zu anderen Folgen sehr präsent wirkt. Der Einsatz von vielfältigen Geräuschen unterstützt diese Wirkung und ist hörbar gut durchdacht.

Das Coverdesign ist sich auch hier treu geblieben und zeigt neben der gelungenen Rahmengestaltung ein Foto in gedeckten Sepiatönen, das Motiv ist hier jedoch etwas klarer und einfacher zu verstehen. Ein christliches Kreuz hängt auf Brusthöhe eines Menschen, der ein Gewehr schussbereit in den Händen hält, zu sehen ist davon nur ein kleiner Ausschnitt. Im Booklet gibt es wieder Infos zum Autor sowie einen kleinen Einführungstext zur Folge.

Fazit: Dunkel, mysteriös und sehr eindringlich umgesetzt – die bedrohliche Geschichte spielt wirklich mit dem Verstand des Hörers.

VÖ: 23.März 2012
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-943166-06-4


Mindnapping – 6. Dopamin



Erster Eindruck: Marco Göllner gibt sich die Ehre

Susan sucht einen ihr bekannten Pfarrer auf, um im Beichtstuhl ein dunkles Geheimnis loszuwerden: Seit sie vor einigen Monaten einen faszinierenden Mann kennengelernt hat, ist sie ihrem Gatten immer wieder untreu geworden. Längst ist sie ihrem Geliebten sexuell hörig geworden, sadomasochistische Praktiken bestimmen ihre Affäre. Doch ein Unfall verändert plötzlich alles…

Marco Göllner gehört zu den momentan gefragtesten kreativen Köpfen der Hörspielszene, seine Produktionen sind in aller Munde. Auch für Mindnapping hat er eine Geschichte beigesteuert – und die hat es wahrhaft in sich. Der Aufbau ist ungewöhnlich und sehr interessant, etwa zwei Drittel der Folge bestehen lediglich aus Dialogen zwischen Susan und einem Gesprächspartner – erst mit dem Pfarrer, später auch mit einem Arzt und einem befreundeten Anwalt - in denen sie von den vergangenen Ereignissen mit ihrem Geliebten berichtet. Dabei erfährt der Hörer nebenbei einiges über die Lebensumstände der Hauptfigur, doch im Mittelpunkt steht ihre Affäre mit dem unbekannten Mann. Hier werden recht detailliert sexuelle Praktiken beschrieben, Susans Lust an der Unterwerfung. Das übt eine ziemlich düstere Faszination auf den Hörer aus, da durchaus nicht mit Einzelheiten gegeizt wird. Und auch der Reiz des Unwägbaren ist deutlich zu spüren, man weiß, dass noch mehr in der Geschichte steckt, tappt aber lange Zeit im Dunkeln. Auch nach einer ersten Wendung bleibt noch vieles offen, erst kurz vorm Schluss offenbart sich alles, was der Hintergrund der Folge ist. Das ist wirklich sehr gut erzählt, hat enormes Spannungspotential und überzeugt auf ganzer Linie. Heftig, eindringlich, überraschend.

Simona Pahl ist zwar schon aus einigen anderen Produktionen bekannt, ihre Stimme ist aber noch nicht mit einer ganz prägnanten Rolle verbunden, sodass der Hörspielhörer hier unbefangen herangehen kann. Und sie macht es richtig gut und beweist, dass sie sich auch für ernsthafte Hauptrollen besten eignet. Ihre Stimme hat oft einen intensiven, fast schon warnenden Unterton, die spricht flüssig und absolut glaubhaft, schlüpft völlig in ihre Rolle hinein. Der wunderbare Konrad Halver spricht den Pater Harry Wella und lässt dabei gekonnt seine ganze Erfahrung einfließen, spricht langsam, bedacht und knarzt dabei ein wenig – sehr gelungen. Klaus Dittmann ist als Dr. Jonah Maverick ebenfalls eine Bank, kann die Zweifel, das Wundern über Susans Taten sehr gut widerspiegeln. Weitere Sprecher sind Sascha Rotermund, Oliver Böttcher und Peter Weis.

Dezente Zurückhaltung ist hier in Sachen Akustik geboten, manchmal sind nur die Dialoge zu hören, manchmal werden diese durch kleine, dräuende Klänge untermalt, die die jeweilige Stimmung deutlich verstärken und gerade während der Spannungshöhepunkte eingesetzt werden. Geräusche sind hier nur sehr wenige zu hören. Das ergibt eine sehr gradlinige Produktion, die keinen überflüssigen Schnickschnack enthält.

Ein Mensch, der sich leicht lasziv über die Lippen leckt, ein etwas dunklerer Streifen geht über seine Haut vom Mund bis zum Hals – das Covermotiv deutet hier nur vage an, um was es überhaupt gehen könnte. Der Warnhinweis, wie er von amerikanischen CD-Veröffentlichungen bekannt ist, ist da schon aufschlussreicher und ziemlich gerechtfertigt. Im Inneren des kleinen Bookelts ist noch eine Kurzinfo samt Foto von Marco Göllner sowie ein lesenswerter Text über die Entstehung der Folge zu finden.

Fazit: Nicht ohne, was Marco Göllner hier abgeliefert hat. Seine Erzählung ist dicht, spannend und bietet mit dem heftigen Erotik-Thema mit einem grandiosen Aufhänger. Die bisher beste Mindnapping-Folge!

VÖ: 16.Dezember 2011
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-86212-035-2


Mindnapping – 5. Witchboard



Erster Eindruck: Harmloser Wochenendtrip

Eine kleine Gruppe junger Studenten fährt in ihren Semesterferien zu einem Kurztrip in die Natur: Caroline und ihr neuer Freund Ron sowie das befreundete Pärchen Ashley und Eugene. Doch während eines Halts an einer Tankstelle entdecken die vier den Steckbrief von Ron, der polizeilich gesucht wird. Als dann ihr Auto eine Panne hat, können die vier sich nur noch in eine abgelegene Hütte flüchten und verbringen dort eine einsame Nacht…

Witchboard, hierzulande vielleicht besser bekannt als Gläserrücken, lässt gleich eine mysteriös angehauchte Geschichte hinter der fünften Folge von Mindnapping vermuten – dabei ist diese Idee nur ein kleiner Teil des Hörspiels, das wie immer eher in Richtung Psycho-Thriller geht. Der Anfang scheint recht beschaulich, in den ersten Szenen wird die Stimmung zwischen den vier Reisenden eingefangen, die Charaktere und deren Konstellation ausgelotet. Geschickt ist dabei, dass die vier sich nicht allzu gut kennen, sodass die Dialoge auch für den Hörer spontan und unverbraucht klingen. Mit Rons Steckbrief tauchen erste Verdachtsmomente auf, doch der eigentliche Kern der Handlung ist die Nacht in der einsamen Hütte, was hier an Spannung und Atmosphäre nur schwer zu toppen ist. Dabei ist die Szene mit dem Witchboard wie erwähnt nur ein kleiner Teil des Ganzen, kann aber mit einer düsteren und unheimlichen Stimmung punkten. Danach entwickelt sich ein Psychospiel, in dem der Hörer manchmal schon nicht mehr weiß, was er denken soll, wem er trauen kann. Jeden der vier hat man als Täter im Verdacht, die Auflösung ist dann schon recht heftig umgesetzt. Eine wirklich gelungene Folge der Serie, die durch die Story und Sprecher zu leben beginnt.

Den Hauptteil der Geschichte übernehmen die vier Hauptsprecher, in Nebenrollen sind Wolf Frass, Sylvie Nogler und Gordon Piedesack zu hören, ein Erzähler ist nicht vorhanden. Dafür kann die wunderbare Mia Diekow als Caroline eine sehr lebendige, intensive Darbietung abliefern, die wirklich überzeugt. Merete Brettschneider kann als Ashley dabei mithalten, sie wirkt spontan und glaubwürdig. Daniel Welbats tiefe Stimme passt sehr gut zum Charakter von Ron, er wirkt dabei undurchschaubar und ein wenig bedrohlich. Als Eugene ist Leonhard Mahlich zu hören, der eine sehr breite Palette an verschiedenen Stimmungen anbieten kann.

Auch hier stehen wieder die Dialoge klar im Vordergrund, der Hörer wird kaum von den verwendeten Musikstücken oder Geräuschen abgelenkt. Diese sind recht sanft in die Handlung eingebaut und fügen sich organisch in die Handlung ein, verstärken Stimmungen und überdecken dabei zu keinem Zeitpunkt die Sprecher. Die Auswahl ist gut getroffen und wirkt unverbraucht und modern.

Im mittlerweile typischen Design der Serie ist hier wieder ein schlichtes Covermotiv zu sehen, das eine Idee aus dem Hörspiel aufgreift: Ein einfaches Wasserglas, das bei dem Witchboard als Anzeiger dient und bei der Aufschrift „Goodbye“ zum Stehen gekommen ist. Im Inneren ist eine Kurzbeschreibung zu Autor von Carsten Steenbergen sowie ein kleines Zitat aus dem Hörspiel nebst weiterem Foto zu finden.

Fazit: Anfangs locker, dann mal packend, mal unheimlich, aber immer spannend – ein interessanter und gut erzählter Psychothriller, bei dem der Hörer immer weiter verwirrt wird.

VÖ: 7.Oktober 2011
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-86212-034-5


Mindnapping – 4. Flutnacht



Erster Eindruck: Geheimnisvolle Besucherin

Um den Erinnerungen an seine verstorbene Freundin zu entfliehen, nimmt Tim Felton einen Job als Vogelwärter auf einer einsamen Insel an. Die ersten Tage verlebt er friedvoll und zurückgezogen mit seinem Wellensittich, doch in einer stürmischen Nacht wird eine Frau an Land gespült, die bei einem Segelturn gekentert ist. Er verbringt eine leidenschaftliche Nacht mit ihr, doch als er am nächsten Morgen die Küstenwache anrufen will, erzählt sie ihm eine ganz andere Version ihrer Geschichte…

Mindnapping, die Psychothriller-Reihe mit verschiedenen Autoren, scheint offen für Experimente, und so sind in der vierten Folge mit dem Titel „Flutnacht“ gerade einmal vier Rollen zu hören, sogar auf einen externen Erzähler wird hier verzichtet. Im Mittelpunkt steht deswegen stets Tim, dessen anfängliche Idylle durch das Auftauchen der geheimnisvollen Frau gestört wird. Ein Verwirrspiel beginnt, in dem man bald nicht mehr weiß, was man glauben soll und was nicht. Anfangs wird dies durch die verschiedenen Versionen der Sturmnacht generiert, doch später stoßen immer neue Ungereimtheiten hinzu. Dass die Geschichte im Laufe der Zeit immer neue Wendungen nimmt, ist ein Markenzeichen von Mindnapping, und diese Handlung isst gespickt von ihnen. Die letzendliche Auflösung kann dann immer noch überraschen. Gelungen ist die enge Begrenzung der Handlung auf den Schauplatz der Insel, und auch große Zeitsprünge werden nicht gemacht, die Folge findet innerhalb einiger Stunden statt. Und dass der anfängliche Satz am Ende noch einmal in ein ganz anderes Licht gerückt wird, macht das Ganze nur noch runder. Interessante Ansätze, die hier gekonnt weitergeführt werden.

Die Hauptrolle des Tim Felton nimmt Christian Stark ist, der schon in einigen anderen Produktionen positiv aufgefallen ist. Auch hier kann er mit ausdrucksstarker Stimme und vielen Variationen überzeugen, auch seine Erzählparts wirken glaubwürdig und gekonnt. Grahan Penn, der Tim auf seinem Antritt auf der Insel begleitet, wird vom wunderbaren Udo Schenk gesprochen, der seinen intensiven Klang auch hier bestens zur Geltung bringen kann. Reent Reins ist als Frank Laughton ist einer etwas kleineren Rolle zu hören, die er aber professionell gestaltet. Das Quartett wird von Marion von Stengel komplettiert, die wunderbar mysteriös und undurchdringlich klingt.

Im Gegensatz zu den ersten Folgen wird hier etwas mehr mit akustischen Stilmitteln gearbeitet, die dem Ganzen mehr Stimmung und Atmosphäre verleihen. Schon anfangs wird mit dem ruhigen Klavierintro und dem Geräusch rauschenden Wassers für eine gelungene Begleitung des Monologs von Tim, aber auch des ersten Gesprächs gesorgt, und auch der restliche Verlauf ist geschickt untermalt.

Passend zur Folge ist ein gestrandetes Boot auf dem Cover zu sehen, das auf steinigem Untergrund aufgelaufen ist. Wie immer wird hier viel mit erdigen, warmen Tönen gearbeitet, die vom dem Logo und einigen wenigen Farbtupfern unterbrochen werden. Im Inneren gibt es neben den üblichen Produktionsangaben, optisch ansprechend aufbereitet, noch einen kleinen Einführungstext zur Folge sowie einen Infotext über den Autor.

Fazit: Viele spannende Momente, eine flüssige Erzählung und ein überraschendes Ende – „Flutnacht“ ist eine gelungene Erzählung aus einer Reihe, die immer wieder für Neuerungen sorgt.

VÖ: 7.Oktober 2012
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-86212-023-9


 


Mindnapping – 2. Die 9 mm-Erbschaft



Erster Eindruck: Zwei Brüder in Angst

Eine glückliche Kindheit ist den ungleichen Brüdern Richard und Brendan nicht beschert gewesen, was besonders an ihrem hartherzigen und fordernden Vater gelegen hat. Als dieser unerwartet Selbstmord begeht, müssen sie für ihr Erbe die Orte ihrer Kindheit besuchen. Doch langsam schleicht sich das Grauen in ihre Gemüter, denn sie werden von Erscheinungen begleitet, die sie langsam in den Wahnsinn treiben…

Mindnapping, die Psychothriller-Reihe vom neuen Label Audionarchie, hat es sich zum Ziel gesetzt, immer neue Geschichten zu erzählen, die die Sinne verwirren und nicht so sein zu lassen, wie es anfangs erscheint. Dazu gibt es in jeder Folge eine neue Konstellation an Charakteren – und einen anderen Autoren. Für die zweite Folge konnte Raimon Weber gewonnen werden, der schon für die Bücher zu zahlreichen erfolgreichen Hörspielen zuständig war. Hier wird anfangs viel Zeit darauf verwendet, die beiden Brüder und das Verhältnis zu ihrem Vater vorzustellen, was sehr gut gelungen ist und in verschiedenen Szenarien dargestellt wurde. Dieses ist essentiell, um den weiteren Verlauf und die Emotionen der Brüder nachvollziehen zu können, die sich in vielen unheimlichen Szenen in den Wäldern Maines immer weiter zuspitzen. Durch verschiedene Sinneseindrücke werden sie immer wieder an verschiedene Szenen aus ihrer Kindheit erinnert und verfallen langsam dem Wahnsinn. Gut erzählt, auch wenn eine überraschende Wendung nicht ganz so unerwartet kommt – doch dafür ist es damit noch nicht zu Ende, weitere Entwicklungen sorgen für einen spannenden Ausklang aus der Folge. „Die 9 mm-Erbschaft“ ist kurzweilige und gelungene Thriller-Unterhaltung, die mit ihren interessanten Charakteren eine spannende Geschichte entwickelt.

James Edward Monroe, der Vater der beiden Brüder, wird hier in der anfänglichen Szene, einer Audioaufnahme seines Testaments, von Rüdiger Schulzki gesprochen, der in der kurzen, ihm zur Verfügung stehenden Zeit einen harten und unnachgiebigen Mann mit viel Härte in der Stimme zeichnen kann. Patrick Bach ist als Brendan zu hören, der den aufkommenden Wahnsinn und die Demütigung durch den Vater mit viel Emotion und Intensität darstellt. Auch Martin May passt sehr gut in die Rolle des Richard passt. Weitere Sprecher sind Gordon Piedesack, Christine Pappert und Sylvie Nogler.

Musik wird hier nur sehr begrenzt eingesetzt, sodass eine eher nüchterne Stimmung aufkommt, die den Hauptaspekt auf die Dialoge und die Sprecher legt, die dafür sorgen, dass eine gute Atmosphäre aufkommt. Geräusche und Effekte gibt es da schon mehr, beispielsweise die verzerrte Tonbandstimme des Vaters am Anfang. Wenn sein schweres Atmen noch einige Zeit weiterläuft und das Gespräch der Brüder und des Notars begleitet, ist schon für eine unheimliche Stimmung gesorgt.

Die einsamen Wälder Maines, davor ein Gewässer, im Hintergrund hohe Berge – vorrangig ist das Titelbild zu dieser Folge eine Naturaufnahme. Nur auf den zweiten Blick sieht man die durchschimmernde Gestalt, die dort steht. Der Sepia-Ton wird bei jeder Folge verwendet und verleiht der Serie ein eigenes Gesicht, das durch die prägnante Optik des Rahmens noch weiter verstärkt wird.

Fazit: Hier wird viel mit den einprägsamen Charakteren gearbeitet, intensiv werden diese vorgestellt und durch diese bekommt das Hörspiel seine Wirkung. Das langsame Abdriften der Folge ist subtil eingebaut, sodass man den aufkommenden Wahnsinn hautnah mitverfolgen kann. Sehr gute Sprecher und eine flüssige Erzählweise lassen diese Folge gelungen wirken. Nicht nur Fans des Genres werden sich durch diese Produktion gut unterhalten fühlen, da die kurzweilige Produktionsweise einen leichten Einstieg garantiert.

VÖ: 15.April 2011
Label: Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-86212-021-5