End of Time – 6. Liebe

End of Time - 5. Waffen der Apokalypse

End of Time – 4. Vergeltung

End of Time – 3. Am Abgrund

End of Time – 2. Happy End

End of Time – 1. Zwei Minuten


End of Time – 6. Liebe



Erster Eindruck: Viele Entscheidungen mit Kniff

Das Ende der Welt steht kurz bevor, Kira hat mit dem USB-Stick ein Virus freigesetzt, das die Menschheit vernichten könnte. Doch es scheint noch eine letzte Rettung zu geben, wie die Spezies überleben kann, was allerdings mit großen persönlichen Opfern verbunden wäre. Und so ist es an der Zeit für Entscheidungen, die das Antlitz der Welt in jedem Fall für immer verändern wird...

Von Anfang an war „End of Time“ auf genau sechs Folgen ausgelegt, sodass nun mit „Liebe“, einem durchaus ungewöhnlichen Folgentitel, die Endzeitvision von Oliver Döring abgeschlossen wird. Während sich die ersten Teile noch auf eine actiongeladene Geschichte konzentriert haben, tritt dies hier nun etwas in den Hintergrund, viele Erklärungen um die sehr ausgeklügelte Hintergrundkonstruktion machen hier den Hauptteil aus. Langsam wird hier der Kern der Serie herausgearbeitet, immer facettenreicher dargestellt, was mir sehr gut gefallen hat – auch wenn eine recht abgedrehte Auflösung angeboten wird, die einige Hörer sicherlich ratlos zurücklassen wird. Der Science Fiction-Anteil der Serie wird hier deutlich erhöht, zudem wird eine große Portion Mystery hinzugegeben. In diesem Umfeld gibt es einige sehr reizvolle Konflikte für liebgewonnene Charaktere, harte Entscheidungen und große Herausforderungen, was sehr unterhaltsame zwei Stunden Laufzeit ergibt. Zwar wird nicht alles lückenlos aufgeklärt, für die wichtigsten Protagonisten wird aber ein abgeschlossenes Ende zu Gehör gebracht. Dass dabei das hohe Niveau der Vorgängerfolgen gehalten wird, dürfte dabei kaum überraschen.

Hervorragend ist auch wieder die Besetzung der Rollen, wobei wirklich jeder mit Leidenschaft bei der Sache ist. Katrin Fröhlich ist als Liz Shepard wieder äußerst überzeugend und verleiht ihrer Stimme einen sehr intensiven Ausdruck, der der Figur sehr viel Kontinuität verleiht. Marion von Stengel ist als Kira ebenso gut besetzt, besonders da ihre Rolle der Kira einige spannende Entscheidungen zu treffen hat, die sehr stark und glaubhaft umgesetzt wurde. Auch Gerrit Schmidt-Foß punktet erneut als Steve Parker, seine einprägsame Stimme passt bestens in das anspruchsvolle Ambiente der Handlung. Weitere Sprecher sind Joachim Tennstedt, Hans Bayer und Michael Pan.

Viel Liebe zum Detail ist in der akustischen Umsetzung herauszuhören, neben den bekannten knalligen Effekten der Vorgänger gibt es aber hier auch einige leise Momente, die feinsinnig mit leiser Musik umgesetzt wurden. Auch die Science Fiction-Komponenten kommen durch den Einsatz von opulenten Soundeffekten wieder sehr gut zur Geltung und können gerade das Ende in einer entscheidenden Sequenz mit Stimmverzerrungen überzeugen.

Die Gestaltung der beiden CDs ist ja bereits aus den vorigen Folgen bekannt, in dem stabilen Pappschuber findet sich die Doppel CD-Hülle mit dem kleinen Booklet, in dem allerdings nur die üblichen Informationen zu finden sind. Das Titelbild ist allerdings sehr ungewöhnlich und sticht aus den übrigen Titelbildern heraus, wirkt aber mit dem dunklen Wolkenhimmel noch eine Spur düsterer.

Fazit: Mit Spannung erwartet konnte mich diese letzte Folge dank zahlreicher interessanter Wendungen und eindrucksvoller Momente voll überzeugen, wobei schon einige abgedrehte Ideen eingebaut sind. Alles wurde dabei jedoch stimmig und überzeugend umgesetzt. Die Dichte der Handlung ist sehr hoch, sodass man auch dem letzten Teil volle Aufmerksamkeit widmen sollte.

VÖ: 20.November 2015
Label: Imaga
Bestellnummer: 978-3-941082-90-8


End of Time - 5. Waffen der Apokalypse



Erster Eindruck: Jack in Gefahr

Gerade noch konnte Jack dem Tod entrinnen, muss aber weiterhin behandelt werden, als ein Profikiller auf ihn angesetzt wird, bald entsteht ein Katz- und Maus-Spiel. Dabei ist Kira mit Hilfe von Chantal kurz vor der Entschlüsselung des Datensticks, nicht ahnend, welches Inferno sie damit auf der Erde auslösen wird...

„End of Time“ nähert sich mit großen Schritten dem großen Serienfinale, „Waffen der Apokalypse“ ist bereits die vorletzte Folge des spannenden Hörspiel-Blockbusters. Sicherlich, die Handlung ist auch hier sehr komplex und erfordert nicht nur recht detaillierte Vorkenntnisse aus den vorangegangenen Teilen, sondern auch viel Aufmerksamkeit – zu schnell verpasst man ansonsten ein Detail in der Handlung, das sich später noch als wichtig erweist. Es ist jedoch beeindruckend und für den Hörer äußerst spannend, wie Oliver Döring hier langsam die bisher losen Fäden zusammenführt, die einzelnen Stränge miteinander verbindet und noch mehr vom großen Ganzen durchschimmern lässt. Dabei versäumt er es jedoch auch nicht, neue Fragen aufkommen zu lassen und die Geschichte so noch umfangreicher wirken zu lassen und neue Informationen hinzuzufügen. Besonders die Szenen um den Profikiller sind spannend umgesetzt und verströmen eine recht düstere und unheilvolle Stimmung, doch auch die vorerst rätselhafte, ruhige Introszene gibt Rätsel auf und erhält im Nachhinein noch mehr Bedeutung. Immer mehr Elemente aus dem Genre Science Fiction eingebaut werden, man verlässt den Boden der Glaubwürdigkeit etwas mehr, um noch facettenreicher und vielschichtiger zu wirken – mir gefällt das sehr gut.

Marion von Stengel ist als Kira zu hören, ihre feste und ausdrucksstarke Stimme passt sehr gut in die Aufsehen erregende Atmosphäre und kann sich in der Handlung gut behaupten. Bernd Vollbrecht kann seinen volltönenden und variablen Klang wieder sehr gekonnt einsetzen und lässt seine Szenen gekonnt wirken. Sehr gut gefallen hat mir mal wieder Gordon Piedesack als Profikiller Thorn, mit seinem dunklen und eingängigen Klang passt er wunderbar in die Atmosphäre des Hörspiels und bringt noch mehr Dynamik mit ein. Weitere Sprecher sind Gerrit Schmidt-Foss, Katrin Fröhlich und Thorsten Michaelis.

Wieder gelingt es Oliver Döring, atmosphärisch das Maximum aus der Handlung herauszuholen. Da sich diese Folge eher auf den Fortlauf der Handlung denn auf actionreiche Sequenzen setzt, ist die akustische Gestaltung insgesamt etwas ruhiger, kann aber dennoch mit passenden Melodien und zahlreichen Geräuschen punkten, die alles sehr lebendig und nahbar wirken lassen.

Düster und wie immer in kühlen Blautönen gehalten reiht sich das Cover gut in die bisherige Reihe ein. Als Motiv wurde ein militärisch wirkendes Schiff gewählt, dass durch eine Schleuse ins Innere einer riesigen Station fährt. Der sehr technische Ausdruck des Covers ist sehr gelungen umgesetzt, auch der stabile und hübsch gestaltete Pappschuber darf dabei natürlich nicht fehlen.

Fazit: „Waffen der Apokalypse“ treibt die Handlung der Serie noch einmal deutlich nach vorn und offenbart einige Geheimnisse, bringt aber auch viele neue Elemente mit ein. Das ist spannend und kurzweilig wie immer umgesetzt, verlangt dem Hörer aber auch viel Konzentration und Aufmerksamkeit ab, um alles richtig einordnen zu können. Eine sehr gelungene Produktion!

VÖ: 25.September 2015
Label: Imaga
Bestellnummer: 978-3-941082-89-2


End of Time – 4. Vergeltung



Erster Eindruck: Die Schleier lüften sich

Mitten in London kollidiert ein Passagierflugzeug mit einem noch unbekannten Flugobjekt und versetzt die Bevölkerung in Angst un Schrecken. Währenddessen ist die kleine Gruppe Widerständiger um Jack weiterhin auf der Flucht vor ihren Verfolgern und kommen vorerst bei Chantals Vater unter. Dort können sie die geheimnisvolle Datei weiter entschlüsseln – bleiben aber nicht lange unentdeckt...

Mit „End of Time“ hat Oliver Döring ein groß angelegtes Projekt gestartet, dass in seiner Machart an einen Actionfilm erinnern soll. Das Weltuntergangsszenario ist mittlerweile beim vierten Teil angekommen, der die Ereignisse sehr gekonnt fortführt und dem Hörer jede Menge neuer Informationen bietet. So klärt sich besonders der Handlungsstrang um Alan weiter auf, endlich lassen sich die Hintergründe besser verstehen, auch wenn der Zusammenhang zu den anderen Teilen des Hörspiels noch nicht ganz klar wird. Und auch diese dröseln sich langsam auf und lassen zumindest ein Gesamtbild erahnen, auch wenn bei jedem aufgelösten Detail neue Fragen aufkommen. Verpackt ist dies in einer Handlung, die wieder die typischen Elemente der Vorgänger aufweist: Schnelle, harte Szenenwechsel, temporeiche Entwicklungen, bombastisch inszenierte Actionsequenzen und der Verzicht auf einen Erzähler. So muss man auch hier der Geschichte aufmerksam folgen, um den Anschluss nicht zu verlieren, wird dafür aber mit einem sehr eigenwilligen und interessanten Experiment belohnt. Die Sprache ist dabei schnell, klar und hart, manchmal von ziemlich derben Humor durchzogen. Und auch zu den Charakteren baut man hier eine noch engere Bindung auf, besonders „Chantal“ kann mit einer überzeugenden, emotionalen Hintergrundgeschichte punkten, die ihr teilweise extremes Verhalten verständlich macht. Die große Stärke von „Vergeltung“ ist, dass vieles klarer wird, aber auch die packende Handlung, sehr gut gezeichnete Charaktere und schockierende Momente tragen zum Gelingen bei.

Dietmar Wunder schafft es, in der heftigen Inszenierung und der temporeichen Handlung seine Figur Chantal sehr gut zu positionieren und durch seine gefühlsbetonte Sprechweise auf die gut eingebaute Hintergrundgeschichte hinzuweisen, was seine teilweise überspitze Art in den letzten Folgen erklärt. Lutz Riedel lässt seine Stimme als Colonel Ryan sehr kalt und unnachgiebig klingen, was sehr gut in die Atmosphäre der Handlung passt. Und auch Joachim Tennstedt macht als Alan McClory eine sehr gute Figur und spricht sehr facettenreich und mit gekonnter Betonung. Weitere Sprecher sind Marion von Stengel, Katrin Fröhlich und Martin Kessler.

Die Produktion ist sehr hochwertig und aufwändig, was man dem Ergebnis auch deutlich anhört. Oliver Döring verspricht hier filmreife Sounds – und das kann er auch einhalten. Alles wirkt sehr stimmig zusammengefügt, die Geräusche sind laut, heftig und realistisch, können eine packende Szenerie erschaffen und eine sehr gelungene Klangkulisse für das Ensemble bilden.

Das Cover zeigt einen weiteren Aspekt des beschriebenen Endzeitszenarios und nutzt dafür mit dem Big Ben und dem Palace of Westminster zwei sehr populäre Wahrzeichen Londons, die hier in Flammen stehen und dicke Rauchsäulen erzeugen. Der Feuerwehrtrupp fällt dabei erst beim zweiten Hinsehen auf. Der schlichte Schriftzug ergänzt das Cover gelungen, das Innere ist dabei wieder unaufgeregt gestaltet und enthält keine zusätzlichen Informationen.

Fazit: Tatsächlich schafft es „Vergeltung“ sich gegenüber seinen Vorgängern noch weiter zu steigern und die actionbetonte Stimmung auf eine Handlung zu transportieren, die alles ein besser ordnet und zugänglicher macht. Die plötzlichen Schnitte, die harten Charaktere und zahlreiche Enthüllungen sorgen für einen sehr kurzweiligen und dynamischen Handlungsverlauf.

VÖ: 7.August 2015
Label: Imaga
Bestellnummer: 978-3-9410-8288-5


End of Time – 3. Am Abgrund



Erster Eindruck: Schnelle Szenenwechsel und ein wenig mehr Licht in der Handlung

Die Massenpanik in der Londoner Innenstadt ist noch nicht ganz verwunden, als sich Jack Foster mit neuen Schwierigkeiten auseinandersetzen muss. Denn seine eigenen Kollegen halten ihn für einen Verräter und machen gnadenlos Jagd auf ihn. So verschanzt er sich weit außerhalb mit der Computerexpertin Liz und versucht, den geheimnisvollen Datenstick zu entschlüsseln...

Lange mussten Fans warten, doch nun ist endlich „Am Abgrund“, die dritte Folge der Endzeit-Serie „End of Time“ da. Die ersten beiden Folgen sollte man allerdings aufmerksam gehört haben, denn ohne entsprechende Vorkenntnisse wird man kaum etwas verstehen. Und auch so erfordert „Am Abgrund“ vor allem eines: Konzentration. Zahlreiche Handlungsstränge mit ganz unterschiedlichen Charakteren, die die Ereignisse jeweils aus ihrer eigenen Sicht erzählen, ein offensichtlicher Zusammenhang ist erst mal nicht zu erkennen. Auch die schnellen Schnitte und der Verzicht auf einen Erzähler erschweren das Gehörte an einigen Stellen, doch genau das macht auch den Reiz dieser Folge aus - das Unmittelbare, das Schnelle, das Vielseitige. Wirkliche Antworten bekommt man auch in dieser Folge nicht, höchstens ein paar vage Vermutungen, was hinter dem großen Ganzen steht. Teile der entschlüsselten Datei sind dabei recht aufschlussreich, werfen aber gleich wieder neue Fragen auf und das Hörspiel spannend. Zudem werden unübersehbar die Charaktere in neue Situationen gebracht und auf ein noch größeren Spektakel vorbereitet als es sowieso schon ist, denn auch hier kracht es schon an allen Ecken und Enden. Es ist diese actionbetonte Agentengeschichte, die mit einem Hauch Mystik aufgepeppt ist und mit einer unkonventionellen Produktion versehen wurde, die auch diese Folge so spannend und hörenswert machen.

Oliver Döring hat auch hier wieder hervorragende Sprecher um sich versammelt und kann so die einzelnen Szenen mit viel Ausdruck versehen. Katrin Fröhlich ist als Liz Sheppard zu hören und legt viel Betonung und eine glaubwürdige und eingängige Sprechweise in ihre Stimme. Dietmar Wunder kann als „Chantal“ eine ungewöhnliche Figur darstellen und diese mit starken Charaktereigenschaften versehen, wirkt aber insgesamt doch eine Spur zu klischeebeladen. Till Hagens unverkennbarer Klang funktioniert auch hier als Isaac bestens, er setzt seine Szenen wieder sehr professionell um. Weitere Sprecher sind Gabriele Pietermann, Martin Kessler und Gerrit Schmidt-Foß.

Die hervorragende akustische Gestaltung setzt auch diese Produktion wieder bestens in Szene, wobei Oliver Döring auch hier nicht an heftigen Effekten gespart hat. Die Actionszenen sind mit lauten und prägnanten Geräuschen unterlegt und sorgen so immer wieder für Schreckmomente, während die Musik eher dezent aus dem Hintergrund wirkt. Die Schnitte zwischen den Szenen kommen auch hier wieder unvermittelt und schnell.

Die militärische Komponente des Hörspiels ist auf dem Cover dargestellt, ein riesiger Feuerball schwebt über der dunklen Silhouette der Großstadt, im Vordergrund sind sehr technisierte Maschinen zu sehen. Der düstere Ausdruck des Covers kommt dabei gut zur Geltung. Im Inneren wurde sich auf das Wesentliche konzentriert, wobei die Ankündigung „Niemand kann sich sicher sein“ auf schwarzem Hintergrund ein gelungener Effekt ist.

Fazit: Auch hier wird volle Konzentration gefordert, wenn kleine neue Erkenntnisse in die Handlung kommen und die Charaktere in Stellung gebracht werden. Temporeich in Szene gesetzt und mit viele Actionelementen versehen ist auch hier wieder eine packende und düstere Stimmung entstanden.

VÖ: 5.Dezember 2014
Label: Imaga
Bestellnummer: 978-3-941082-80-9


End of Time – 2. Happy End



Erster Eindruck: Auf der Suche nach einem Datenstick

London wird von der Ankündigung eines Terroranschlages in Angst und Schrecken versetzt, eine Massenpanik bricht aus, es gibt zahlreiche Verletzte. Doch den britischen Geheimdienst beschäftigt noch ein ganz anderes Problem: Einer ihrer Agenten scheint ein doppeltes Spiel zu spielen und die Organisation als Maulwurf zu unterwandern – die Jagd nach einem geheimnisvollen Datenstick hat begonnen. Währenddessen schmiedet die psychisch kranke Nancy ganz eigene Pläne…

Mit „Zwei Minuten“ hat Oliver Döring einen beeindruckenden Start für seine Actionserie „End of Time“ geschaffen, doch der zweite Teil ließ einige Zeit auf sich warten – Der Produzent setzt hier einmal mehr auf eine nachhaltige und qualitativ hochwertige Produktion als auf einen Schnellschuss. Und das hört man der Folge mit dem leicht zynischen Titel „Happy End“ auch an, denn selten habe ich in letzter Zeit die Schlagwörter „Kino für die Ohren“ so passend empfunden wie in diesem Hörspiel. Die Handlung wirkt tatsächlich wie aus einem temporeichen Hollywood-Action-Blockbuster. Die Handlungsstränge der Vorgängerfolge werden aufgegriffen und weiterhin sehr verschachtelt erzählt, dabei gibt es schnelle, harte Schnitte und mal auch nur Fetzen einer Szene, ein spontan eingespieltes Geräusch oder einige Worte einer Unterhaltung. Da auf einen Erzähler verzichtet wurde (was die absolut richtige Entscheidung für diese Produktion war) fordert die Geschichte schon einiges an Aufmerksamkeit und Konzentration, denn die ganzen feinen Zusammenhänge und die verschiedenen Perspektiven wollen miteinander verknüpft und verstanden werden. Doch es lohnt sich, denn die Spannung baut sich immer weiter auf und erreicht schon früh ein hohes Level, jeder der verschiedenen Teile ist sehr reizvoll erzählt. Besonders intensiv ist dabei wieder der Teil um Nancy gelungen, vielleicht weil er sehr greifbarer und dabei auch ziemlich beängstigend gelungen ist. Und ist man nach knapp einhundert Minuten am Ende des Hörspiel angelangt, hat man zumindest eine Ahnung, wohin Döring seine Zuhörer führen will, was das Ziel dieser spannenden Reise sein könnte – wahrlich ohne einen wirklichen Anhaltspunkt, aber die einzelnen Stränge sind dann etwas besser verknüpft als vorher.

Wenn Oliver Döring ruft, scheinen alle nur allzu gern vor das Mikrofon zu treten, auch diese Folge ist wieder mit sehr prominenten und hervorragenden Sprechern besetzt. Ein sehr großes Lob gebührt dabei wieder Liane Rudolph, die die Figur der Nancy McClory unglaublich intensiv, hartnäckig und mit Nachdruck umsetzt, sodass gerade ihr Erzählstrang seine volle Wirkung entfalten kann. Erich Räuker ist als Dr. Fitzgerald Hershley zu hören und kann seine markante, unverwechselbare Stimme geschickt und nuancenreich einsetzen, sodass seine Figur sehr greifbar und plastisch wirkt. Katrin Fröhlich spricht Elisabeth Sheppard, dabei wirkt sie ebenfalls sehr lebendig und glaubwürdig. Weitere Sprecher sind Joachim Tennstedt, Martin Kessler und Gerrit Schmidt-Foß.

In Sachen akustischer Gestaltung wird wieder großes Geschütz aufgefahren, die Szenen sind mit zahlreichen Elementen unterlegt worden und nehmen viel Raum ein, ohne die Sprecher zu überdecken. Dabei werden vor allem zahlreiche Geräusche eingesetzt, die auch schon mal ziemlich laut sein dürfen und die einzelnen Situationen eindrucksvoll inszenieren. Und auch die verwendete Musik kann man sich gut in einem Film vorstellen, sie ist eng auf die jeweilige Szene im Hörspiel zugeschnitten.

Ein hübsch gestalteter Pappschuber ist um die einfache CD-Hülle, wodurch die Optik der Produktion deutlich aufgewertet wird. Das Cover zeigt eine Schlucht aus Hochhäusern einer Großstadt, ein Streifen Himmel wird von der Sonne hell erleuchtet. Dennoch hat das Bild eine kühle und abweisende Ausstrahlung, was sehr gut zum Hörspiel passt. Das Innere enthält in einem kleinen Booklet die notwendigen Informationen, aber keine weiteren Extras.

Fazit: Folge zwei der Actionserie mit den zahlreichen Handlungssträngen inklusive Abstechern in die Vergangenheit präsentiert sich sogar noch stärker als sein direkter Vorgänger, ist sehr spannend geschildert und lässt dem Hörer bei den vielen und plötzlichen Szenenwechseln kaum Luft, fordert ihn aber auch mit einer komplexen und vielschichtigen Handlung. Ein Volltreffer!

VÖ: 21.Februar 2014
Label: Imaga
Bestellnummer: 978-3-941082-66-3

 

End of Time – 1. Zwei Minuten



Erster Eindruck: Neues von Oliver Döring

In einem russischen Labor werden Experimente an einer jungen Frau durchgeführt, die voller Angst vor ihren Peinigern ist. Während ein weiterer Abschnitt des Test außer Kontrolle zu geraten droht, greift ein Agent des SIS ein und will das Opfer befreien.Doch ihre Verwandlung ist schon weit fortgeschritten – und auch andere Menschen stehen vor rätselhaften Ereignissen...

Eine Warnung vor „extremen akustischen Schreck-Effekten“ im Booklet abgedruckt und dazu auch noch mal eingesprochen vor der Handlung – das macht schon mal neugierig auf den ersten Tel von „End of Time“. Auch, dass es sich dabei um das erste Projekt von Oliver Döring nach seiner Sinlcair-Ära handelt, ist da nicht von Nachteil, sodass „Zwei Minuten“ von der Hörspielwelt mit Ungeduld erwartet wurde. Hier wurde sich dann auch dementsprechend viel vorgenommen, der Mix aus unterschiedlichsten Genres ist gewagt und in dieser Vielfalt neu. Hinzu kommen auch gleich mehrere Handlungsstränge, die erst einmal keinen offensichtlichen Zusammenhang haben und auch bis zum Ende dieses knapp 100-minütigen Hörspiels auf zwei CDs keinen Abschluss finden. Wohin Döring hier steuert, wie er die weitere Entwicklung plant – alles bleibt ungewiss. Und das macht auch gleich einen Teil des Reizes aus, die Ungewissheit und die ständige, unterschwellige Bedrohung erhöhen die Spannung ungemein. Die einzelnen Handlungsstränge sind aber gut nachzuvollziehen und entwickeln sich nicht so schnell, dass sie zu verwirrend wären. Besonders gefällt die psychische Komponente, mit der der Verfall des Verstandes einer psychisch kranken Frau nachzeichnet, aber auch die oben beschriebenen Szenen mit dem menschlichen Versuchsobjekt halten einiges an Spannungspotenzial bereit, hier entwickelt sich die Geschichte auch gleich am deutlichsten. Das Zusammenspiel dieser zahlreichen Komponenten gepaart mit der intensiven Stimmung und einem sehr spannenden Finale schafft ein sehr interessantes und gelungenes Hörspiel, das sehr neugierig auf die weiteren Teile werden lässt.

Was Döring hier an Sprechern aufgefahren hat, ist schon sehr beeindruckend, die Auflistung liest sich wie ein Who-is-who der momentanen Hörspielszene mit knapp 60 (!) Namen. Torsten Michaelis ist beispielsweise als Jack Foster in einer ebenso eindringlichen wie wichtigen Rolle zu hören, die er mit seiner markanten Stimme komplett auszufüllen weiß. Berenice Weichert ist als Laura Walsh mal forsch, mal zerbrechlich, mal ängstlich und kann die Entwicklung ihres Charakters damit sehr gut nachvollziehbar machen. Liane Rudolph kann als psychisch kranke Nancy MacClory voll überzeugen, ihre Stimmungsschwankungen wirken ebenso glaubhaft wie intensiv. Weitere Sprecher sind Jörg Hengstler, Joachim Tennstedt und Erich Räuker – nur eine kleine Auswahl bei dieser beeindruckenden Auswahl.

Oliver Dörung steht für eine sehr runde und effektvolle Produktion – ein Image, das er hier sogar noch ausbauen kann. Die versprochenen Schockeffekte sind zahlreich und durchaus heftig vorhanden, aber dann doch nicht so extrem wie befürchtet. Die Musik reicht von einem beeindruckenden Posaunenintro bis hin zu modernen Arrangements und passt wirklich sehr gut zu der Handlung, ebenso wie die vielfältigen und passenden Geräuschen.

Zum Auftakt der Serie hat man sich sichtbar Gedanken zur Optik des Ganzes gemacht. Das Titelbild mit seinen kühlen Blau- und Stahltönen zeigt ein modernes wie klassisches London und wirkt durch Farbgebung und Blitze bedrohlich. Verpackt ist die normale CD-Hülle in einen hübschen Pappschuber, das Booklet ist allerdings klein und enthält keine zusätzlichen Informationen.

Fazit: Vielfältig, intensiv bedrückend, rätselhaft und ein weiterer Volltreffer von Oliver Döring, der wieder etwas Neuartiges erschaffen hat.

VÖ: 25.Mai 2012
Label: Imaga
Bestellnummer: 978-3-941082-48-9