Mitten in Remscheid liegt das Studio von WinterZeit, dass gleichzeitig auch als Lager für die vielen CDs dient. An der grünen Tür mit dem roten Briefkasten empfängt mich Markus Winter zu einem ausführlichen Interview. Wir sprechen über Sherlock Holmes, drüber wie Hörspiele von Schallplatte auf CD kommen, über die Hörspielszene und viele andere Dinge.

Auch mit dabei ist seine Frau Danny, die uns nicht nur mit Kaffee aus dem munter polternden Vollautomaten versorgt, sondern auch die kursiv gedruckten Kommentare zum Gespräch beigesteuert hat.

Schön, dass Ihr Euch die Zeit für das Interview genommen habt! Ich würde gerne wissen, wie Du zum Hörspielmachen gekommen bist? Was hast Du vorher gemacht?

Ich habe eine Ausbildung zum Bankkaufmann abgeschlossen, bin aber nach der Lehre direkt weg und habe dann erst noch studiert, Anglistik in Düsseldorf. Da bin ich auch fast fertig geworden (lacht). Zu der Zeit stellten sich erste, kleine Erfolge mit meiner Band ein, darum brach ich ab, um voll auf die Musik zu setzen. Parallel hab ich eine Tontechnikerausbildung abgeschlossen und mein erstes kleines Studio eingerichtet. Nebenbei habe ich schon immer geschrieben. Ich habe zum Beispiel Kurzgeschichten bei Bastei und Ullstein veröffentlicht, aber auch Fanstorys von den „drei ???“ geschrieben. Die hatte ich auch an Kosmos geschickt. Allerdings habe ich einen großen Fehler gemacht. Bei mir waren die schon über das College hinaus, erwachsen und hatten eine eigene Detektei. Die Geschichten fanden die toll, die hätten das auch gerne genommen, aber die Zielgruppe sind eben Kinder und Jugendliche. Ich sollte das also umschreiben und die drei wieder jung machen, dann würden sie die Geschichten nehmen. Aber da war ich dann einfach zu stolz, oder zu dumm, wie man es nimmt. (lacht) Jedenfalls hatte ich keinen Bock darauf. Die lagen dann im Schrank, und als der Streit um die Rechte ausbrach, habe ich aus einer Laune heraus Corinna Wodrich von Sony eine E-Mail geschrieben. Das war noch, bevor die ersten „DiE DR3i“-Hörspiele herauskamen, es aber schon klar war, dass die kommen würden. Da war es dann das gleiche Problem. Aber Corinna mochte eine Geschichte auch sehr, die hieß damals noch „Der einarmige Bogenschütze“. Sie wollte sich melden, doch dann hörte ich erst einmal zwei oder drei Monate nichts. Schließlich aber wollte sie die kaufen. Ich habe denselben Fehler dann nicht nochmal gemacht und mich diesmal bereiterklärt, sie auf „junge“ drei Fragezeichen umzuschreiben. Ich sollte sie außerdem direkt als Hörspielskript schreiben. Das hatte ich noch nie gemacht, deswegen hat sie mir eine Vorlage von einer anderen Folge geschickt. So fing das quasi an. Ich bin dann zu den Aufnahmen nach Hamburg zu Frau Körting eingeladen worden und war bei der Aufnahme meiner Folge die ganze Zeit dabei. Da habe ich gedacht: „Oh, das ist ja eine tolle Sache, das macht Spaß, das könntest du auch mal versuchen!“ Aber ich ahnte damals noch nicht, dass ich das einmal hauptberuflich machen würde. Ich habe natürlich erst einmal gedacht, dass es mit den Dreien so weitergeht, das war dann aber nicht der Fall. Ich hatte vorher schon den Mario Cuneo kennengelernt, witzigerweise über ein „drei ???“-Forum. Mario hatte sich zu dieser Zeit gerade von Thomas Tippner getrennt. Die hatten ja ein gemeinsames Label.

Die haben „Der Orden“ zusammen gemacht...

Genau. Mario suchte Leute, mit denen er was machen kann. Und ich hatte so vor mich hin eine Serie geschrieben, die „Traumwandler“ hieß. Die Skripte waren schon fertig, die habe ich Mario gezeigt, und wir haben dann gesagt: „Das machen wir jetzt!“ Kurze Zeit später habe ich Thomas Tippner auf der allerersten Hörspielmesse in Hamburg kennengelernt. Da hatte Mario einen Stand, wo wir „Traumwandler“ präsentiert haben. Thomas Tippner schrieb damals schon für die Romantruhe, und so bin ich über Thomas Tippner an die Romantruhe gekommen. Joachim Otto suchte just zu der Zeit jemanden, der die Sachen für ihn nicht nur schreibt, sondern auch mischt. Und da ich ja eh schon ein Studio hatte, in dem ich Musik produzierte, konnte ich mir vorstellen, das auch zu machen. Wir haben mit den „Geister-Schockern“ angefangen. Das hat gut geklappt, und da habe ich dann drei Jahre lang alles für die Romantruhe gemacht.

Ich bin Joachim sehr dankbar. Wenn er mir nicht diese Chance gegeben hätte, wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin. Aber irgendwann hat es dann nicht mehr so hundert Prozent geklappt mit unserer Zusammenarbeit, und dann habe ich mir überlegt: „Jetzt machst du das schon so lange, mit Skript, mit Regie, mit Sprecher aufnehmen, mit mischen, jetzt kannst du eigentlich auch mal probieren, das alleine zu versuchen.“ Das war dann 2011. Wie man sieht: Es war auch viel Glück dabei.

Vielleicht ist es auch seiner großen Liebe zum Hörspiel geschuldet. Wenn man grundsätzlich als Kind schon mit Hörspielen aufgewachsen ist...

Ich habe immer gedacht: „Der hört keine Hörspiele.“ Einige von denen, die Hörspiele machen, hören selbst keine Hörspiele. Ist es so, dass man jetzt professioneller da ran geht und denkt: „Das hätte ich anders gemacht?“

Ja, ganz genau. Deshalb höre ich ja gern die alten Sachen, das ist nostalgisch, da ist man mit groß geworden. Ich liebe die ganzen alten Europa-Sachen, aber auch „Paul Temple“. Wir hören ganz viel diese Radiohörspiele. „John Sinclair“ vom Tonstudio Braun mag ich sehr. Titanias „Gruselkabinett“ hören wir zum Beispiel auch gerne. Wir sind allerdings erst bei Folge 50 oder so. Wir brauchen etwas länger, weil wir nicht so viel Zeit haben.

Wir können halt immer nur hören, wenn wir zusammen sind. Wenn wir in den Urlaub fahren, sind Hörspiele immer dabei, das ist immer das Wichtigste, das vorne die Hörspiele liegen. Und auch sonst, wenn wir gemeinsam irgendwohin unterwegs sind, weil wir das in der Regel zusammen hören. Was wir zum Beispiel angefangen haben, war die „John Sinclair Academy“, die alle ganz furchtbar finden...

Wir finden die gut!

Ich finde die auch so gut, weil ich den Thomas Balou Martin super finde. Wie der das hinkriegt, dass man sich die Leute alle anders vorstellen kann.

Manchmal hört man Sachen auch einfach, weil man die Sprecher kennt, aus Sympathie. Wir kennen z.B. Sascha Rotermund mittlerweile sehr gut, wir verstehen uns auch privat. Und deswegen hören wir jetzt gerne diese „Oscar Wilde & Mycroft Holmes“-Serie. Wird ja auch viel kritisiert, aber wir finden die einfach klasse.

Ich finde ja, den schlimmsten Schnitzer, den man im Hörspiel bringen kann, ist wenn man hört, dass die Sprecher einzeln aufgenommen wurden. Ich finde, in manchen Hörspielen hört man das wirklich extrem.

Ja, das stimmt. Man hört es meist an der Betonung. Da passt ein Satz nicht zum anderen, es klingt nicht wie ein richtiger Dialog.

Ja, das ist es. Oder wenn man den Namen anders ausspricht...

Das passiert mir aber auch. Das liegt bei mir einerseits daran, dass ich so wahnsinnige Zeitspannen zwischen den diversen Aufnahmen habe. Till Hagen hat für Sherlock Holmes zum Beispiel schon über 70 Folgen gesprochen. Er hat also Folgen gesprochen, die kommen in drei Jahren raus. Die Nebensprecher habe ich aber noch nicht. Und wenn ich die dann aufnehme, weiß ich nicht mehr, wie der Till damals irgendeinen merkwürdigen Namen ausgesprochen hat. Und oft habe ich leider, so komisch das klingt, nicht die Zeit mir das nochmal rauszusuchen und anzuhören, wenn ich weiß, jetzt nehme ich die Nebenrolle für Folge xy auf. Andererseits schaffe ich es aus Zeitgründen auch nicht mehr, bei allen Aufnahmen selbst Regie zu führen. Wenn ich einen Termin nicht wahrnehmen kann, springen Johannes Wronka oder David Riedel ein. Und trotz voriger Absprache kommt es vor, dass ich dann nachher drei völlig neue Varianten eines Namens habe, aber die eine, auf die es ankommt, ist nicht dabei. Es ärgert mich selbst, aber es passiert. Das hat aber ja auch Tradition, das war ja früher bei den „drei ???“ auch so, da hießen die in einer Folge viermal anders. Das hat einen früher nicht gestört. Ich finde, die Leute sind heute manchmal zu pingelig, da wird auf Sachen rumgeritten, die früher auch so waren. Fehler passieren überall. Das ist halt so.

Erklär uns doch mal bitte den Unterschied zwischen einem Audiobook, einem klassischen Hörspiel und einer inszenierten Lesung. Das steht ja bei Euch ganz gerne mal drauf...

(lacht) Das ist ja fließend. Eine wirklich bindende Definition gibt es nicht. Also, ein Audiobook ist für mich: Nur ein Sprecher liest, und bis auf vielleicht eine kleine Titelmelodie hast du keine Musik und keine Geräusche. Also wirklich das klassische Hörbuch. Bei der inszenierten Lesung, wie wir sie machen, wird alles mit verteilten Rollen gelesen, es kommen Geräusche dazu, und es kommt Musik dazu, aber – und das ist der springende Punkt – am Text wird nichts geändert. So war das bei „Larry Brent“, da wird der Buch- oder Romantext von den Sprechern einfach nur abgelesen. Bisschen gespielt natürlich, sonst ist es ja total trocken, aber ich ändere nichts. Die teils verschwurbelten Buchtexte werden hier also nicht mundgerechter gemacht.

Und ich habe bei den ersten „Larry Brent“-Folgen immer gedacht: Warum labert der so viel? Das gehört doch alles gestrichen.

(lacht) Ja, hätte ich auch. Aber das ging rechtlich nicht anders, wir durften es nicht. Also wurde es eins zu eins, wie es im Buch ist, einfach nur abgelesen. Dadurch hast du natürlich seitenlange Monologe und solche Sachen. Die Sprecher waren auch immer begeistert von diesen Texten.

Vor allem der Erzähler...

(lacht) Ja, der Wolfgang Rüter war schwerst begeistert. Das ist ein lieber Kerl, und ich mag den auch unheimlich gern. Das ist aber ein typischer Schauspieler, er ist ja auch seit 20 Jahren am Schauspielhaus Bonn beschäftigt. Er kann einfach nicht so lang am Stück lesen. Der flippt dann völlig aus, wenn der sich verhaspelt. Dann schmeißt der die Skripte durch den Raum und meint: „Ich muss jetzt erstmal an die frische Luft“ Bei jedem Buch kam der: „Ich mach das nicht mehr, das ist das absolut letzte Buch...“ (lacht) Deshalb habe ich dann letztlich auch Erbarmen gehabt und gesagt: „Wolfgang, ich habe eine Erzählerin, die macht das gern, und wir machen nur noch Rollen.“

Wie viele Arbeitsstunden investierst Du in ein Hörspiel, bis es wirklich fertig ist, bis Du es auf CD hier liegen hast?

Das kann man so gar nicht sagen, das ist immer unterschiedlich. Und es ist ja nicht so, dass man sagt: „Ich mache jetzt Sherlock Holmes Folge 43, da schreibe ich das Skript, dann nehme ich das auf, dann mische ich das, dann wird es gemastert und dann kommt die CD. Man produziert ja nicht an einer Strecke ein Hörspiel, das verteilt sich über Jahre. Da mache ich mal dafür etwas, dann hier etwas... Generell dauert ein Skript schreiben zwei Wochen. Die Sprecher aufnehmen, wenn man das auf eine Folge runterbricht, vielleicht drei, vier Tage. Und das mischen dann im Durchschnitt zwei Wochen. Aber das ist auch unterschiedlich. Wenn du einen Holmes mischst, wo die Leute hauptsächlich vorm Kamin sitzen und vielleicht mal durch die Straße laufen, das hast du schnell erledigt. Das hat man dann auch schon mal in einer Woche fertig. Aber ein „Macabros“, der jetzt rauskommt, da habe ich vier Wochen gebraucht. Weil da wahnsinnig viele Geräusche drin sind, Monster, fünfte Dimension, Kampf, Action – das dauert natürlich wesentlich länger. Grob kann man sagen, ein Hörspiel dauert insgesamt ungefähr zwei Monate.

Ich habe gestern noch einmal geschaut: Bei Amazon ist Euer Programm bis Oktober 2018 im Vorlauf. Wie weit bist Du da jetzt? Es kommt ja doch einfach häufiger zu Verschiebungen bei Euch...

Ja, das stimmt. Es ist aber keine böse Absicht. Der Vertrieb will die Sachen ein halbes, noch lieber für das ganze Kalenderjahr im Voraus wissen. Warum die das wollen, weiß ich nicht, es wird mit deren Planung zusammenhängen. Und deswegen muss ich immer so Pi mal Daumen überlegen, wie das in etwa klappen wird.

Aber das nützt denen ja auch nichts, wenn sie das Programm angekündigt haben...

Das macht denen aber nichts aus, wenn wir das für zwei Wochen verschieben, ist das überhaupt kein Problem. Oder auch mal ein Monat, das ist egal. Es erscheint ja trotzdem im avisierten Kalenderjahr und meistens (lacht) im richtigen Quartal.

Dark Mysteries 15“ sollte ja jetzt irgendwann erscheinen und kommt jetzt glaube ich im Oktober oder im November.

Stimmt, ja. Die ist aber zumindest jetzt fertig, da wird jetzt nichts mehr verschoben. (lacht)

Aber ich finde das schon enorm, warum verschiebt sich das so weit nach hinten?

Das hat ganz unterschiedliche Gründe. Manchmal versaut uns das Presswerk die Veröffentlichung, wie jetzt gerade Sherlock Holmes 42.

Da haben die es geschafft, zwar das richtige Hörspiel auf die CD brennen, aber die Druckdaten von Folge 41 zu verwenden. Beim zweiten „Eifel-Krimi“ hatten sie plötzlich statt dem durchsichtigen Tray ein schwarzes drin. In beiden Fällen musste die ganze Pressung zurück.

Und die anderen Sachen. Nun, im Grunde habe ich nichts fertig, was später als in zwei Monaten erscheint. Also, die Sprachaufnahmen sind da, die mache ich so ein halbes Jahr, ein Jahr vorher komplett. Aber ich habe es nicht gemischt. Und es wird ja auch für uns immer Musik drauf komponiert. Das ist also immer ein Zeitding. Kommt etwas nicht, wie geplant, dann habe ich mich verschätzt. Der Misch dauert länger, der Musiker sagt: „Ich bin mal eben drei Wochen im Urlaub.“ Und wenn du dann eine Verschiebung drin hast, bedingt das meist auch immer gleich die nächste.

Schickt Ihr die Sachen komplett zurück, wenn die falsch aus dem Presswerk kommen?

Ja, muss ja, die sind ja alle eingeschweißt. Je nachdem was da passiert ist, muss die komplett aufgerissen werden. Wir hatten schon die dollsten Dinger, ist ja nicht das erste Mal, dass das passiert ist. Wir hatten hinten bei Holmes 27 die Inlays von Folge 28 drin – und umgekehrt.

Und dann muss das Presswerk das ja neu machen. Und selbst, wenn es nur ein oder zwei Tage bei denen im Haus dauert, der Vertrieb muss alles zwei Wochen vor VÖ im Lager haben. Und wenn das nur ein oder zwei Tage nach Lieferdatum ist: Zack, musst du es um ein oder zwei Wochen verschieben. Und er macht das meiste ja auch allein.

Ja, ich mache zum Beispiel auch die Druckunterlagen selbst, und dann wird es teilweise schon recht knapp. Das kostet auch viel Zeit, da wir ja meist auch recht umfangreiche Booklets machen. Tja, und dann hast Du ja auch, wenn du ein Skript schreibst, einen Richtwert. Bei 100.000 Zeichen weiß ich, das sind normalerweise 70 Minuten Hörspiel. Nur beim „Eifel-Krimi“ hatte ich mich total verschätzt. Plötzlich hatte ich zwei CDs á 100 Minuten. Das dauert natürlich dann beim Mischen viel länger, als ich gedacht habe. Hinzu kommen finanzielle Geschichten. Das war zum Beispiel bei „Raumschiff Promet“ so, dass diese Serie überhaupt nicht gelaufen ist. Oder damals „Die schwarze Fledermaus“. Da hatten wir schon nach den ersten beiden Folgen pro Folge 4.000 Euro Verlust. Und da wir ja davon auch irgendwie leben müssen, sage ich dann auch: Ich kann nicht alle zwei Monate eine Folge produzieren, wo ich jedes Mal 4.000 Euro verliere. Ich will aber nicht alles sofort einstellen, weil man dran hängt, und man hat schon Aufnahmen gemacht, also schiebe ich erstmal.

Ihr habt im Programm sowohl Reihen mit abgeschlossenen Folgen als auch Serien mit einer fortlaufenden Handlung. Wie ist die Herangehensweise da unterschiedlich und was machst Du persönlich lieber? Das stelle ich mir ja auch schwierig vor, den Handlungsbogen dann immer im Auge zu haben.

Bei Stories von mir wie den „Rosen“ z.B., geht es, da habe ich den kompletten Handlungsbogen ja im Kopf. Bei anderen, wie „Macabros“ mache ich das ja in Staffeln, da muss ich dann schon nochmal reinlesen, bevor ich die nächste anfange. Übrigens stimmen die Anschlüsse in den Heftromanen manchmal auch nicht, weil die damals wohl nicht so genau waren mit dem Lektorat. (schmunzelt). Eigentlich mag ich die abgeschlossenen lieber. Auch als Hörer. Man wird nicht mit einem offenen Ende hängengelassen. Ich hasse warten. (lacht)

Ich bin auch eher für in sich geschlossene Geschichten.

Aber ein Unterschied in der Arbeitsweise ist da nicht, nein.

Ihr seid mit Sherlock Holmes aktuell bei Folge 42. Ist Holmes so eine sichere Bank, um Hörspiele zu verkaufen?

Wir haben das Glück, mehrere erfolgreiche Serien zu haben. Da ist jetzt nicht nur der Holmes und alles andere funktioniert nicht. Zum Beispiel unsere „Edgar Wallace“-Serie, die dieses Jahr angefangen hat, die läuft hervorragend. Aber auch „Larry Brent“ oder „Macabros“, „Jules Verne“ läuft gut, „Das schwarze Auge“ hat super angefangen, die „Dark Mysteries“ laufen.

Aber ist das die Intention dahinter, eine Holmes-Serie zu machen, mit dem Gedanken: Das verkauft sich? Ich finde es seltsam, dann immer auf dasselbe Pferd zu setzen.

Die Liste der gefloppten Holmes-Serien ist doch mittlerweile länger als die der erfolgreichen.

Wir selbst haben ja mit der Hörbuchreihe mit Werner Wilkening oder den Phantastik-Hörspielen zwei dabei gehabt, die nicht gezündet haben. Die von Hermann Audio, dürfte, so wie wir das mitbekommen haben, nicht funktioniert haben. Selbst die Serie vom Audio Verlag, die wird wohl auch nicht weitergehen, oder?

Aber das fand ich einen ganz anderen Ansatz, weil das ja sehr an die Holmes-Serie der BBC angegliedert war, und die Fernsehserie läuft ja wie geschnitten Brot, aber das Hörspiel floppt dann...

Ja, das ist dann aber nicht die Zielgruppe. Die Leute, die sich die TV-Serie angucken, kaufen keine Hörspiele. So wie bei uns wahrscheinlich die Eifel-Krimi-Leser keine Hörspiele hören.

Der „Holmes“ gehört aber bei uns zu den erfolgreichsten Serien, das stimmt schon. Wir hatten halt das Glück, dass unsere Serie zu einem Zeitpunkt gestartet ist, da gab es noch nicht so viel. Da hat das noch funktioniert, ich würde heute nie mehr eine neue Holmes-Serie anfangen. Wenn du jetzt eine neue Holmes-Serie bringst, die muss schon eine überragende Qualität haben.

Wir haben ja zum Beispiel mit den „Rosen“ und den „Dark Mysteries“ angefangen, die auch gleich Erfolg hatten. Aber Markus ist schon immer ein riesiger Holmes-Fan gewesen. Da war nicht die Intention: Mit Holmes machen wir Geld, sondern: Ich mag den Holmes gerne, deswegen möchte ich da eine Hörspiel-Serie von machen.

Ich habe damals als Zwölfjähriger die Bücher von Kosmos gelesen, die habe ich geliebt. Die waren von der Aufmachung wie die „drei???“ Bücher mit Aiga Rasch-Covern. Ich wollte immer eine Holmes-Hörspielserie machen. Das war ja schon vorab die Intention, für die Romantruhe. Da habe ich ja auch schon den Joachim Otto lange belabert, dass wir doch eine starten. Wir haben dann „Sherlock Holmes & Co“ gemacht. Die Idee dazu war ja von mir.

Der Sherlock Holmes wird ja von Till Hagen gesprochen, aber in einigen Folgen von Karlo Hackenberger. Das kommt jetzt anscheinend nicht bei jedem so gut an. Gibt es da einen Grund für?

Also, ursprünglich gab es einen Grund. Es gab damals vier Bücher vom Blitz-Verlag, mit denen die Serie gestartet wurde. „Die Moriaty-Lüge“, „Die Zeitmaschine“, „Der Werwolf“ und „Die unsichtbare Wand“. „Die unsichtbare Wand“ ist eine ganz frühe Geschichte, da kannte er Watson noch nicht, da ist Holmes noch Student, spielt in einer Theater-Gruppe und ist in der Welt von H.P. Lovecraft unterwegs. Ich hatte damals gedacht: „Das kann Till Hagen nicht sprechen.“ Ich kannte den Karlo schon und hatte mir überlegt: „Lass uns für die Folgen, die ganz früher spielen, immer ihn als jungen Holmes nehmen.“ Dann war Till krank und ist lange ausgefallen. Da habe ich mit Karlo nochmal vier Folgen produziert. Nur irgendwann war es dann tatsächlich so, dass wir immer mehr Rückmeldungen bekommen haben, als dann die Karlo Folgen raus waren: „Ach, der Till ist viel besser, warum spricht das Till Hagen nicht?“ Also habe ich gesagt, okay, ab jetzt spricht Till alles, egal wie alt Holmes ist. Sollte aber irgendwann Till Hagen aufhören, weil er keine Lust mehr hat oder - Gott bewahre – nicht mehr kann, dann machen wir mit Karlo weiter.

Warum macht Ihr nicht nur eigene Geschichten, sondern setzt die von Doyle auch noch einmal um?

Weil ich die Geschichten auch sehr, sehr gerne mag und die einfach unbedingt machen möchte. Es war ein bisschen Eigennutz mit dabei. Ich wollte Till und Tom jetzt auch in den Doyle-Geschichten hören. Es haben aber auch einige Leute gefragt, ob wir nicht noch einmal die oder die Geschichte vertonen können. Und dann habe ich gesagt, wenn, dann alle, nicht nur ausgesuchte. Mir gefallen die meisten aber auch sehr gut. „Spuren im Moor“, „Die Abteischule“ fand ich richtig toll, „Das gefleckte Band“, oder jetzt kommt die 43, das ist eine meiner absoluten Lieblinge. Die ist eigentlich nicht spektakulär und auch schon ein bisschen totgenudelt, aber „Das Familienritual“ – ich liebe diese Geschichte einfach, und da hatte ich mich sehr darauf gefreut.

Wonach suchst du bei denn die anderen Geschichten aus?

Wir haben anfangs gar nicht ausgesucht, sondern mit drei Verlagen Verträge gemacht, weil wir einfach Stoffe brauchten. Und es war halt so, dass wir eigentlich jedes Buch nehmen mussten. Man muss leider zugeben, dass da auch ein paar Geschichten dabei waren, die nicht ganz so gut waren, die 23 zum Beispiel oder die Italienfolgen. Viele haben sich dann auch beschwert: „Die Umsetzung war ja ganz gut, aber die Geschichte war totaler Quark, warum nehmt ihr die?“ Jetzt machen wir das nicht mehr, jetzt lese ich die vorher und suche aus. Und ich schreibe eigene Geschichten nur für unsere Serie.

Die Karl May-Hörspiele von Maritim übernehmt ihr auch wie bei „Edgar Wallace“ von einer Schallplatte. Ich stelle mir das ziemlich aufwändig vor, das ganze Geknirsche wegzukriegen. Bei einer „Wallace“ hat es ja nicht so gut geklappt, da stand dann auch im Booklet, dass die Qualität nicht so dolle wäre.

Das kommt immer auf die Platte an. Ich hatte das Glück, dass mich bei der Wallace-Serie jemand vorab angeschrieben hat, der gelesen hatte, dass wir das machen wollen. Er hat gesagt, dass er noch vier eingeschweißte, fabrikneue LPs besitzt. Die hat er mir netterweise geschickt. Da war natürlich ein bisschen Knirschen, aber kein fetter Kratzer oder so drauf. Die Folgen, die davon digitalisiert wurden, klingen natürlich mit am Besten. Ich habe manche Platten fünf oder sechsmal gekauft, bis ich mal eine dabei hatte, die so einigermaßen okay war. Erstmal werden die eingeladen und die Kratzer im Studio mit einer Software weggemacht, da bist du so einen Tag dran. Der Nachteil ist, dass dadurch der Gesamtklang etwas dumpfer wird, weil du die höheren Frequenzen abschneidest, wo die Kratzer liegen. Deswegen wird es nachträglich noch einmal ins Masterstudio gegeben. Da wird der Sound wieder aufgepeppt, dass es wieder gut, voll, laut und schön klingt. Du hast Recht. Das ist insgesamt schon sehr aufwändig.

Lohnt sich das denn, so etwas zu machen?

Das kam ja, als Sebastian Pobot auf der Leipziger Buchmesse die Download-Versionen angekündigt hat. Da habe ich ihn angesprochen und gesagt: „Die will ich auf CD, und wenn ich die selber rausbringe.“ Anschließend habe ich ihn jahrelang damit genervt, bis er mir endlich das Okay gegeben hat. Aber das hat sich tatsächlich gelohnt, die sind super gelaufen. Wir haben uns da auch mit den Booklets immer viel Mühe gegeben, so dass eine – wie wir finden – insgesamt schöne Sammleredition entstanden ist.

Der „Karl May“ läuft bis jetzt noch nicht so gut, aber schauen wir mal.

Es gibt ja 30, wird es die denn alle auf CD geben?

Keine Ahnung. Die Folgen eins und vier finde ich übrigens grausam, das sind ganz schlimme Produktionen. Kaum Geräusche drin, schlechte Sprecher, aber sie gehören nun mal dazu. Ich habe jedenfalls noch Hoffnung. Die richtig guten von Kurt Vethake, die kommen ja jetzt erst. Und dann auch die bekannten Titel, wie „Der Schatz im Silbersee“, „Der Ölprinz“, „Winnetou“...

Macht es bei so etwas nicht mehr Sinn, es in einer Box zu veröffentlichen?

Das Problem mit Boxen ist, dass du die nicht so teuer verkaufen kannst. Das hatten wir schon mit diversen anderen Sachen ausprobiert. Es rechnet sich nicht. 3er-Boxen verkaufst du für 13 oder 14 Euro. Das heißt, du hast eine ganz minimale Gewinnspanne, hast aber dieselben Kosten, weil du ja trotzdem drei CDs remastern und pressen musst.

Möchtest du sagen, was so etwas kostet?

Zuerst einmal kostet mich das Zeit (lacht). Aber das kannst du ja so nicht sagen, mich bezahle ich ja nicht. Es sind aber mehrere Tage Arbeit, im Remastering-Studio kostet es dann so 400 oder 500 Euro für eine Folge, je nach Aufwand. Die Pressung kostet – je nachdem, wie viele du pressen lässt – zwischen 800 und 2.000 Euro.

Wie hoch ist denn die Auflage bei dem Karl May?

1.000 Stück. Bei „Edgar Wallace“ ist es aber deutlich mehr, da sind wir schon teilweise bei der dritten Auflage. Beim „Holmes“ und bei den Serien, die erfolgreich sind, pressen wir direkt schon mehr. Aber wenn ich was Neues mache, fange ich immer erst mit 1.000 an.

Wie viele lässt du vom Holmes pressen?

3.000.

Und wie lange dauert es, bis die abverkauft sind? 3.000 ist ja schon eine ganze Menge und bei Amazon erhält man nicht mehr alle.

Bis auf die erste und Folge 25 ist noch keine komplett weg. Die 25 gibt es auch definitiv nicht mehr, alle anderen pressen wir nach. Nur Amazon nimmt die nicht mehr, mittlerweile geht das ja relativ schnell, in den 30er-Folgen sind manche schon nicht mehr da. Keine Ahnung, warum Amazon das macht – Lager zu klein, zu wenig Mitarbeiter, ich weiß es nicht.

Ich kann das erklären, warum ich das bei Amazon kaufe. Wir haben einen Media Markt in der Stadt, da gehe ich hin, will Hörspiel XY kaufen aber - haben sie nicht. Wenn sie mir das in den Laden bestellen, dauert das vier, fünf Tage. Dann musst du auch wiederkommen und das abholen, da habe ich schon keine Lust drauf....

Das ist genau das Problem. Wir haben ja auch Anfang des Jahres den Vertrieb gewechselt, weil wir dachten, der andere macht es besser, aber es ist das gleiche. Die Vertriebe schaffen es einfach nicht, die Dinger in die Läden zu kriegen. Das liegt aber an den Märkten, da sitzt ja ein Mensch, der die Abteilung leitet, und der muss die Sachen bestellen. Und den kannst Du nicht zwingen, sich irgendwas dahinzustellen. Wenn der sagt: „Die Serie möchte ich mir nicht ins Regal stellen“, dann ist die halt nicht da. Da kannst du machen, was du willst.

Ja, das sieht man ja beim „Sinclair“ sehr deutlich. Da stehen ja auch beim Saturn in Dortmund …

Wobei der Saturn in Dortmund wirklich vorbildlich ist.

Die großen sind das sowieso, ob das Hamburg ist, Köln oder Dortmund, Düsseldorf, die haben eigentlich auch von uns alles. Aber so ein kleiner, bei dem die Hörspielabteilung, wenn überhaupt vorhanden, gerade eine Regalreihe lang ist, die haben nix. Und da hast du auch keine Chance. Der Vertrieb sagt ja: „Stellt Euch die hin“, aber nein. Die sagen, das wird einfach nicht gekauft – wobei, woher sollen die das wissen, wenn man sich nie eine dahinstellt? Ein Grundproblem ist, dass du im Hörspielbereich keine großartige Werbung machen kannst. Das Geld ist einfach nicht da. Und selbst, wenn du sie machst, verpufft die. Am Anfang haben wir ganz viel mit Printwerbung in Magazinen oder Online-Werbung gemacht. Da verkaufst du vielleicht 50 Stück mehr, hast aber 3000 Euro für Werbung rausgehauen. Die Relationen stimmen überhaupt nicht. Deshalb sind wir auch darauf angewiesen, dass die CDs gut sichtbar im Laden stehen, dass jemand, der hingeht und die im Regal sieht, sagt: „Oh, was das ist, nimmst du mal mit.“ Nur wenn da nichts steht, dann verkaufst du auch nichts.

Nach Folge zwölf von „Larry Brent“ ist ja jetzt Schluss. Woran liegt es denn, dass die Parteien da nicht zueinander finden? Liegt das am Blitz-Verlag oder an den Erben?

Keine Ahnung. An beiden wahrscheinlich.

Aber es ist ja eine Lizenz. Ihr müsstet sie wahrscheinlich kaufen, um die umzusetzen. Das heißt, die bekommen da Geld von Euch.

So ist es, ja. Aber es ist kompliziert, weil wir die Rechte als Unterlizenznehmer vom Blitz-Verlag bekommen haben. Es fing damals noch bei der Romantruhe an. Der Blitz-Verlag hat ja eigene Bücher schreiben lassen. Und wir sollten diese für die Romantruhe vertonen. Später haben wir dann – ohne die Romantruhe – die „Larry Brent Classics“ in Lizenz für den Blitz-Verlag dazu genommen. Dann gab es einen Rechtsstreit, da der Blitz-Verlag wohl gar keine Lizenzen für die Original-Grasmück-Stoffe hätte vergeben dürfen. Zu dem Zeitpunkt wurde uns noch gesagt, dass wir die eigenen Geschichten - so hätte es das Urteil bestätigt - hundertprozentig machen dürfen, jetzt auch als Hörspiel. Also haben wir die Folgen 10 und 11 auf Hörspiellänge gekürzt, für die 12 und 13 Hörspielskripte verfasst und die Aufnahmen gestartet. Doch auch das durften wir dann plötzlich nicht mehr. Wir haben versucht, die Serie zu retten. Ich habe selber mehrfach die Familie Grasmück angeschrieben, die haben mir noch nicht einmal geantwortet. Dann habe ich es über Simeon Hrissomallis probiert, der hat aber nein gesagt, weil er als einziger Larry Brent Hörspiele herausgeben möchte. Aber das muss man auch verstehen, die Lizenzen sind nicht billig und es ist sein gutes Recht als deren Inhaber, andere Vertonungen zu untersagen. Wir haben uns dann zumindest für „Macabros“ mit Simeon geeinigt, dank der Vermittlung und Unterstützung von Sebastian Pobot, dass wir da jetzt weitermachen können. Da hatte er die Hörspielrechte auch, aber da er sowieso nichts machen wollte, lagen die mehr oder weniger brach.

Bei „Edgar Wallace löst den Fall“ ist ja das Kernelement, dass Inspector Bliss mit Zuhilfenahme der Edgar Wallace-Romane seine Fälle löst. Jetzt hast Du für die zweite Staffel angekündigt, dass genau das wegfallen wird. Könntest Du Dir nicht vorstellen, dass es genau das ist, was den Leuten daran so gut gefällt und es dann nicht läuft?

Das will ich nicht hoffen. Der Stil wird ja bleiben. Gut, die Besetzung bleibt nicht, der gute Herr Bliss scheidet aus und geht in Rente. Das Konzept der Hintergrundgeschichte ist aber ja nicht von mir, das ist von Dietmar Kuegler, der in den 80ern die den ersten sechs Folgen zugrundeliegenden Bücher geschrieben hat. Ich bin dabei, den Herrn Kuegler zu beknien, dass er neue Geschichten schreibt. Seine Leidenschaft ist aber der Wilde Westen und Amerika. Wenn er weiterschreiben möchte, greifen wir dieses Konzept wieder auf, aber ich mache jetzt erstmal ohne ihn weiter.

Warum macht ihr keine Wallace-Serie mit den Vorlagen von Edgar Wallace?

Wer sagt das? (lacht) Im Grunde soll es so wie bei den „Chronicles“ laufen, dass wir eigene, neue Geschichten machen, und dann aber auch Originale einbauen.

Den „Eifel-Krimi“ von Jacques Berndorf setzt ihr jetzt als Hörspiel um. In eurem Blog habe ich schon gelesen, dass es nicht läuft und dass ihr die ursprünglich geplanten Folgen von Carola Clasen ausgliedert, damit es nicht mit diesem Eifel-Thema belastet ist. Wie weit werdet ihr den „Eifel-Krimi“ denn noch bringen, acht Folgen sind ja noch angekündigt.

Vier sind aufgenommen, die kommen auch auf jeden Fall. Danach müssen wir mal weitergucken. Ich wollte eigentlich schon mit den Aufnahmen weitermachen, aber das habe ich erstmal unterbrochen. Es läuft wirklich ganz schlecht. Wir haben für die erste Folge für 5.000 Euro Werbung gemacht, das war Saturn-Hörtipp des Monats, wir hatten viele Rezensionen in verschiedenen Blättern, das war im Müller-Drogeriemarkt Tipp des Monats, wir haben mit dem Buchgroßhandel KNV und in diversen Buchhandlungen Werbung geschaltet, also wirklich richtig viel Geld reingesteckt. Und dann werden da keine 300 Stück von verkauft – das steht in keinem Verhältnis. Das ist desaströs – das muss man sagen.

Aber Krimi ist doch so ein beliebtes Genre.

Möglich, ja. Aber der „Eifel-Krimi“ vielleicht nicht, oder nicht mehr.

Zwei Tage vorher kam von Audible eine Statistik zu den beliebtesten Regionalkirmis. Und da steht die Eifel mit 1,3 % auf dem allerletzten Platz. Und wenn Audible das schon als Trend herausgibt, wird da wohl was dran sein.

Es ist wirklich schade, weil die Bücher sehr schön sind. Ich habe ja auch bis Buch sieben gelesen, und es kommen ja noch deutlich bessere als die bisher erschienenen. Gestern meinte ein Facebook-User noch, dass diese TV-Serie „Mord mit Aussicht“ einiges versaut habe, weil alle denken, in der Eifel sind nur dumme Bauern unterwegs.

Wobei die Serie natürlich schon sehr witzig ist. Wir schauen die auch gern.

Es gibt ja jetzt eine Kooperation mit Audionarchie. Ihr macht jetzt „Das schwarze Auge“. Wie kam es denn zu der Zusammenarbeit?

Ist die Vorgeschichte denn bekannt? Patrick Holtheuer und ich waren ja eigentlich total verfeindet. Das war noch aus der Romantruhe-Zeit, da sind wir ein paarmal aneinandergeraten. Dann habe ich mit Sebastian Pobot sehr viel zusammen gemacht, irgendwann war die „Jules Verne“-Serie am Start. Da war es halt klar, dass ich die Serie mische und Patrick die Sprachaufnahmen und den Schnitt macht. Sebastian hat uns also verkuppelt. Am Anfang dachte ich, dass ich mit ihm ja nicht reden muss, dass er mir die Sachen schickt und dann ist gut. So fing es dann auch an. Aber mit der Zeit wurde dann doch mehr daraus. Wir schreiben inzwischen jeden Tag im Messenger und verstehen uns blendend. Wir haben über die Vergangenheit auch gar nicht mehr großartig gesprochen. Das hat irgendwann einfach funktioniert und dann ist gut. Man muss es auch mal sein lassen können, das ist der entscheidende Punkt. Viele können das leider nicht. Im Laufe der Zeit hat Patrick dann gesagt, dass wir auch mal was Eigenes zusammen machen müssen. Er hatte wohl schon einmal bei Ulisses angefragt, das „schwarze Auge“ zu lizensieren und mich gefragt, ob ich Lust hätte. Ich hatte. (lacht) Und wir werden bestimmt noch andere Sachen zusammen machen.

Aber Fantasy ist ja nicht gerade das Lieblingskind des Hörspielers...

Ich suche immer neue Stoffe und Genres für unser Label. Da gucke ich nicht, was andere machen oder ob das da funktioniert hat. Ich bin jetzt, ehrlich gesagt, auch nicht so der Fanstasy-Fan. Ich mag vielleicht noch den „Herrn der Ringe“, und ich fand das ein bisschen ähnlich – wobei Fantasy ist immer wie bei „Herr der Ringe“. (lacht). Mir haben jedenfalls die Bücher von Markus Topf und seinem Team direkt gefallen, das hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Es ist auch deutlich anders inszeniert als es damals bei Europa war, die damals ja schon der Günter Merlau gemacht hat.

Ich weiß, dass Ulisses nicht so glücklich damit war. Deswegen haben wir das Konzept und alles mit ihnen abgestimmt – abstimmen müssen. Aber das ist ja auch in Ordnung, weil ich auch keine Ahnung vom „schwarzen Auge“ habe, ich habe das nie gespielt.

Ihr habt ja auch am Anfang angefangen, Europa hat ja mittendrin angesetzt.

Genau. Das war uns auch ganz wichtig, dass jemand, der noch nie vom „schwarzen Auge“ gehört hat, das trotzdem sofort versteht. Aber genauso sollte sich jemand wiederfinden, der sich in Aventurien auskennt. Deswegen haben die von Ulisses da auch draufgeschaut. In ein paar Nebensätzen haben sie dann anklingen lassen, dass es bei Europa nicht so war, wie sie es wollten und wohl auch Fehler drin waren, die dem Kosmos widersprochen haben.

Nicht alle eure Produktionen erzielen ja den gewünschten Erfolg. „Raumschiff Promet“ hattest Du angesprochen. Du hast auch gesagt, dass du es Dir nicht leicht machst, etwas einzustellen. Wie gehst Du denn persönlich damit um, wenn Du dann doch irgendwann die Entscheidung treffen musst. Du hast ja auch viel Arbeit und Herzblut investiert, anscheinend hast Du ja von einigen Serien auch Folgen auf Halde liegen.

Du kennst ja jetzt meine Arbeitsweise. Sascha Rotermund hat beispielsweise bis Folge zwölf eingesprochen, die Kerncrew wäre fertig gewesen. Aber wenn es eben gar nicht mehr läuft, hilft es ja nichts. Das Problem ist, dass ziemliche Kosten dahinter sind. Bei der „schwarzen Fledermaus“ und auch bei „Raumschiff Promet“ haben wir pro Folge gut 4.000 Euro minus gemacht. Eigentlich hätte ich nach der ersten oder zweiten Folge sagen müssen: Weg damit! Aber dann hofft man ja, dann hat man schon Kosten reingesteckt. Bei „Promet“ haben wir immerhin sieben Folgen durchgehalten, und wenn du dann rechnest, sieben mal 4.000 Euro Miese, also 28.000 Euro Verlust, das geht dann irgendwann nicht mehr. Das tut mir ja auch immer leid, es sind ja nicht viele, aber für die hundert oder zweihundert, die es gekauft haben, tut es mir leid. Wir haben für „Raumschiff Promet“ schon zehn, fünfzehn E-Mail bekommen: Macht doch bitte weiter, das war so toll. Aber das ist eben einfach zu wenig, für vielleicht 100 Leute kann man kein Hörspiel produzieren. Dennoch versuchen wir immer, solche angefangenen Sachen irgendwie zu retten. Nimm unsere „Pater Brown“ Reihe. Dort haben wir das zweite Buch von J.J.Preyer „Das Lied vom Tod“ mittlerweile fertiggestellt und exklusiv über unseren Shop als Download veröffentlicht. Und auch die als Folgen 11 und 12 geplanten Folgen der Reihe mit Chesterton-Originalen werden wir bald veröffentlichen, einzeln als Download und als Teil einer MP3-CD-Gesamtkollektion.

Ich lese ja in den Foren auch ab und zu mal quer. Wenn ich dann lese, dass etwas eingestellt wird und die Leute dann aus ihren Löchern gekrochen kommen, dass es so traurig ist, dass es eingestellt wird. Aber vorher schreibt keiner was. Würde es helfen, wenn mehr Leute „Werbung“ dafür machen, damit es sich mehr ins Gedächtnis der Leute schiebt?

Ich bin der festen Überzeugung, dass es in den Foren nicht wirklich viel bringt. Man sieht es ja, wir werden seit Jahren entweder nicht beachtet oder auch oft von bestimmten Personen bewusst plattgemacht, und trotzdem haben wir Erfolg. Andere Lieblingskinder aus den Foren, die da regelmäßig besprochen und hochgelobt wurden, sind dafür schon weg vom Markt. Wir sind also so etwas wie das „lebende Beispiel“, dass die Forenmeinung nicht der Meinung des breiten Hörspielpublikums entspricht. Das ist aber generell so ein Phänomen, ich weiß nicht, ob das typisch deutsch ist. Wenn einem eine Folge gefällt, dann sagt man nichts. Ich sehe das sehr oft bei Amazon, da schreibt jemand seine allererste Kritik zu irgendeiner Holmes Chronicles-Folge, bei einer Folge, die er scheiße findet. Da gibt er einen Stern mit dem Kommentar: „Ich liebe die Serie, finde ich großartig, aber diese Folge war Mist.“ Ja, warum schreibt er denn bei den 20 Folgen davor nicht mal was Positives?

Ich frage mich immer, wenn einer die letzten 20 Folgen Mist fand: Warum hört er es dann noch, warum steigt er nicht aus? Das habe ich irgendwann in einem Kommentar gefragt, und dann ging eine riesige Diskussion los. Ich glaube, unter dem Kommentar sind mittlerweile 35 Beiträge, wie ich denn überhaupt fordern könnte, dass er aus der Serie aussteigt. Er könne doch hören, was er wollte – natürlich, aber dann soll er es mir doch erklären. Ja, man hätte ja Hoffnung auf Besserung – aber doch nicht nach 20 Folgen. Wenn ich 20 Folgen Grütze fand, muss ich doch nicht noch die 21. auch noch hören. Und dann sagen, ist ja immer noch Grütze. Das finde ich nicht gut.

Das sehe ich genauso. Entweder sind das alles Masochisten, die miese Sachen gern hören, oder die hören es in Wirklichkeit gar nicht, aber schreiben eben was negatives, weil sie das Label XY nicht mögen. Ich kann mir das nicht anders erklären. Ich schmeiß doch nicht mein Geld 20 Folgen lang zum Fenster raus und kann die Serie eigentlich nicht leiden.

Ja, und dann wird geschrieben, die ersten 50, 70 oder 100 fand ich ganz super, aber jetzt haben die so abgenommen. Und ich denke dann: Nein, sie klingen nicht anders, sie produzieren immer noch genauso. Es mag sein, dass ich dann die Serie an sich nicht mehr mag oder mir die Vorlagen nicht mehr gefallen. Und wenn ich dann lese, einen Stern – das Hörspiel hat nicht nur einen Stern verdient. Da kommen Sprecher, Geräusche, Musik, Story, Umsetzung, das kommt ja alles zusammen. Da kann ich doch am Ende nicht sagen, nur weil mir persönlich ein Teil davon nicht gefallen hat, ist das ganze Hörspiel Grütze. Das ist nicht richtig.

Ja, das ist dann immer so: Super produziert, Sprecher finde ich toll, super Musik, aber die Geschichte ist Grütze – ein Stern. Sound kann ja jeder. Aber ich sehe das wie Du. Ich kann oft nichts für die Geschichte, ich nehme ein Buch, was es schon gibt. Ich habe Achtung vor jedem Autor, der hat sich ja auch was dabei gedacht, und mache es so gut, wie es geht. Dann erwarte ich, dass das einer auch bei einer Kritik honoriert und sagt: Die Geschichte war zwar nicht so doll, ziehe ich mal zwei Sterne ab, ist auch absolut in Ordnung, aber der Rest ist gut. Ich muss doch, wenn ich ein Hörspiel bewerte, das ganze Hörspiel bewerten und nicht nur das Buch.

Nutzt einem Label denn die Teilnahme an einem Hörspielforum?

Ich würde ja, wie schon gesagt, behaupten nein.

Ist es kontraproduktiv?

Es ist allein deshalb kontraproduktiv, weil man da ja auch Lebenszeit verliert. Du brauchst da ja auch Zeit, du beschäftigst dich damit, und dann hast du da auch bestimmte Leute, die dich nicht mögen aus ganz verschiedenen Gründen, und dann ärgert man sich...

Ich habe immer das Gefühl, es geht nicht mehr um Inhalte. Es geht nur noch darum, welches Hörspiel wann erscheint. Wenn man dann fragt: Wie fandet ihr es denn, dann kommt nüscht. Und dann kann ich verstehen, dass sich da alle zurückgezogen haben.

Das stimmt. Sind ja kaum noch Label dort aktiv. Selbst viele Label, die da vorbildlich unterwegs waren, selbst die haben sie ja alle mittlerweile verprellt.

Und du glaubst auch nicht, dass das mehr Verkäufe generieren würde. Wenn jetzt also jemand vorbeikommen würde und schreibt, der „Eifel-Krimi“ war ganz toll, du glaubst nicht, dass sich das anschiebt.

Nein, leider. Wenn du mal da reinschaust, hast du in allen Foren dieselben 50 Leute, die da wirklich aktiv schreiben. Davon gehören 20 zu anderen Labels, entweder der Labelboss selber, oder seine Mitarbeiter, Autoren, Sprecher. Und die nächsten 20 sind Leute, die eine Reziseite haben. Die kaufen auch nicht. Die möchten Rezensionsexemplare geschickt bekommen. Bleiben vielleicht noch zehn, die tatsächlich Hörspiele kaufen. An die immer wieder propagierten anonymen Mitleser glaube ich nicht. Ich habe ja schon gesagt, dass wir im Grunde der Beweis dafür sind, dass es vollkommen ohne Foren funktioniert.

Du hast innerhalb der Szene nicht unbedingt den Ruf sehr Kritik freundlich zu sein. Kannst du das nachvollziehen?

Nein. Das ist doch ein Märchen. Jeder kann und soll seine Meinung zu unseren Produktionen sagen. Über Geschmack kann man nicht streiten. Ich akzeptiere jede Meinung, egal ob gut oder schlecht. Vernünftig vorgebrachte Kritik höre und lese ich sogar gern. Wir nehmen uns das auch zu Herzen. Es hilft uns ja bei unserer Arbeit. Nobody is perfect. Aber wie immer macht der Ton die Musik. Hier mal ein Beispiel. Wir sprachen ja eben schon über die „Wallace“- Remaster. Die haben wir 1:1 von LP überspielt, ohne da jetzt irgendwie auf die Laufgeschwindigkeit zu achten. Nun war es so, dass man wohl damals, weil der Speicherplatz auf Vinyl begrenzt ist, die Master teilweise etwas schneller hat ablaufen lassen. So dass – ich meine die Folgen 2 und 4 – auf Vinyl und damit auch unser Remaster im Vergleich zur MC etwas gepitcht klingen. Das ist absolut richtig – ist uns aber damals nicht aufgefallen. Wir haben gedacht: „Das wird schon so passen, was man da auf Vinyl gepresst hat.“ Es fällt auch meiner Meinung nach gar nicht schlimm auf, wenn man jetzt nur die LP oder unsere CD hört. Es ist echt minimal. Aber, hört man die MC im Vergleich daneben, dann merkt man es, keine Frage. Nun haben uns daraufhin drei, vier Leute privat angeschrieben und ganz vernünftig gesagt, dass das doch schade wäre und ob uns da ein Fehler unterlaufen wäre. Daraufhin haben wir das geprüft und bei allen weiteren Folgen (ab der 5) die Geschwindigkeit gecheckt und zur MC angeglichen beim Mastering. Gleichzeitig hat aber einer unsere Facebookseite und diverse Foren zugemüllt mit Postings a la „Hey, ich habe der Frosch mit der Maske gekauft, nicht der Schlumpf mit der Maske. Das kann man sich nicht anhören. Alle Sprecher auf Helium! Finger weg von dem Scheiß!“ und so weiter. Ist das jetzt eine ernsthafte Kritik? Dazu braucht man nichts mehr zu sagen, oder? So etwas lösche ich dann auf unserer Facebook-Präsenz selbstverständlich. Und zack, heißt es, ich kann keine Kritik ab. Noch ein anderes Beispiel: Da hatte ich auch vor kurzem noch eine Diskussion mit einem Rezensenten, der hat eigentlich eine gute Bewertung geschrieben. Auf seiner Startseite sieht man aber nur das Bild und die Durchschnittsnote. Da hat er die erste Folge vom „Eifel-Krimi“ besprochen, die Durchschnittsnote war 8,3 - also absolut gut. Aber auf der Seite waren noch andere Hörspiele, die hatten halt 9,1 oder 9,2. Als Konsument gehst du also auf die Seite und siehst, von den dort getesteten Hörspielen ist der „Eifel-Krimi“ das schlechteste, da kaufe ich mir mal die anderen. Okay, wenn dem so ist, dann ist dem so. Dann las ich die Rezension. Darin war alles spitze. Nur ganz unten hat er dann fünf Einzelbewertungskriterien, nach der sich die Gesamtnote errechnet. Sprecher, Story, Musik, Atmosphäre, Aufmachung – und dann hat er bei Aufmachung sechs von zehn Punkten. Ich fand das direkt etwas wenig, aber gut. Dann gehe ich zu einer anderen, besser bewerteten, Produktion. Diese hat dann bei Aufmachung eine sieben. Eine wieder andere sogar eine acht. Mal ganz im Ernst: Der „Eifel-Krimi“ hat ein achtseitiges Booklet, da ist eine Biographie von Jacques Berndorf drin, da ist was über den Sprecher drin, ein einleitender Text, da ist noch so Glanzlack vorne auf dem Cover, der schweineteuer war. Und die andere Produktion hatte so einen Vierseiter mit einer Doppelseite Werbung in der Mitte und fertig. Und die bekommt dann einen oder gar zwei Punkte mehr für die Aufmachung? Da habe ich zu dem Rezensenten gesagt, dass das komplett unfair ist. Du reißt mir damit die Durchschnittnote runter. Das passt einfach nicht. Viele Leute lesen die ausführliche Kritik nicht, die sehen die schwächere Durchschnittsnote und kaufen das deswegen dann nicht. Und da schreibe ich schon mal einen Rezensenten an und frage nett und vernünftig, ob er da nicht nochmal drüber nachdenken kann. Und dann kommen die alle: „Nein, ich ändere aus Prinzip keine Rezensionen mehr nachträglich. Was fällt dir eigentlich ein, meine Bewertung zu kritisieren?“ - Was soll sowas? Also, ich habe noch nie jemandem gesagt: Nimm deine Rezension zurück, weil die einen Stern hat, das ist völliger Blödsinn. Aber bei solchen auffälligen Ungerechtigkeiten, frage ich halt mal nach. Mehr nicht. Nur, die meisten sind dann eben sofort total eingeschnappt, denn ein Diskurs, eine Diskussion ist gar nicht gewünscht. Die knallen Noten und Urteile raus, und wehe, einer hinterfragt irgendwas, der ist dann dünnhäutig und kann keine Kritik ab. Das sind jetzt nur zwei Beispiele von vielen. Jetzt alles zu erzählen, was in den letzten Jahren hier oder da vorgefallen ist, würde den Rahmen sprengen. Natürlich habe ich in dem Zusammenhang auch schon Fehler gemacht und bin übers Ziel hinausgeschossen mit dummen Aktionen, aber wir sind alle nur Menschen. Aber vieles ist sehr lange her. Und ich habe mich entschuldigt und nie nachgetreten. Was andere, mit denen ich mal aneinandergeraten bin, leider seit Jahren nicht lassen können. Das finde ich sehr schade.

Ich finde ja man kann es irgendwann mit diesen alten Geschichten auch einfach mal gut sein lassen.

Richtig. Und nochmal: Wer in vernünftigem Ton schreibt, uns persönlich kontaktiert usw. der bekommt immer vernünftige Antworten und wir nehmen Kritik sehr ernst und versuchen, daraus zu lernen.

Warum nimmt WinterZeit nicht an der Hörmich oder ähnlichen Veranstaltungen teil?

Ach, schwierig. Es lohnt einfach nicht. Standmiete. Einpacken, hinfahren, auspacken, aufbauen, einpacken, nach Hause fahren. Und dann hat man 20 CDs verkauft. Das macht keinen Sinn. Werbung ist es auch nicht, denn auch da trifft man nur wieder auf die immer gleichen Leute aus der Community, von denen uns bestimmt die Hälfte auch gar nicht sehen wollen. (lacht) Ne, das ist nichts für uns.

Ihr habt vor etwa einem Jahr den CD Vertrieb einer ganze Reihe von Maritim Serien übernommen, vor kurzem habt ihr dann aber bekannt geben müssen, dass etliche Reihen davon (Pater Brown, Danger, Die größten Fälle von Scotland Yard, Schubiduh, Insignium, Twilight Mysteries) nun nicht mehr auf CD weitergehen? Bei den Hörern stieß das nicht auf Gegenliebe, wie schwer ist so eine Entscheidung? Könnt Ihr die enttäuschten Käufer verstehen?

Ja, klar. Aber hier gilt in etwa dasselbe, was ich vorhin schon gesagt habe. Nur noch einmal zum Verständnis. Wir leben vom Hörspiel. Also, ich denke, wir sind so ziemlich das einzige Label, dass in den letzten zehn Jahren gegründet wurde, das ausschließlich vom Hörspiel lebt. Das es geschafft hat und noch am Markt ist. Viele sind weg und die anderen, die noch da sind, entstammen entweder noch der Boom-Zeit Anfang des neuen Jahrtausends und/oder verdienen ihre Brötchen eigentlich mit anderen Sparten. Darum müssen wir zusehen, dass das, was wir veröffentlichen auch Geld bringt und nicht Geld verschlingt. Wir müssen da vielleicht knapper rechnen und schneller durchgreifen als andere. Und das gilt eben leider auch hier. Ich kann jetzt nicht den Deal mit Highscore / MARITIM ausbreiten, das ist klar. Nur so viel: Wir haben natürlich auch hier Kosten. So erstellen wir die Druckdaten der CDs, tragen die Presskosten komplett alleine und anderes mehr. Natürlich erhalten wir selbst aber nur einen geringen Teil der Einnahmen, da das ja nicht unsere Produktionen sind. Und wenn dann die Verkäufe nicht ausreichen, um wenigstens unsere Kosten zu decken, dann kann man das einfach nicht weitermachen. Das hat aber auch Sebastian sofort verstanden. Somit war es für uns Beide in diesen Fällen klar, dass es leider Gottes nicht mehr weitergehen kann. Es ist schade, denn da waren ja wirklich einige sehr schöne Produktionen dabei, ich denke nur an „Insignium“ z.B. Aber es ist eben leider, wie es ist.

Wie siehst du denn das Hörspiel für die Zukunft aufgestellt. Liegt es in den letzten Zuckungen oder geht es noch lustig weiter? Hören wir auch in 25 Jahren noch Hörspiele?

Ja, tun wir. Das Hörspiel gibt es seit über 100 Jahren. Früher wurde es live aus dem Rundfunkstudio übertragen, dann auf Schellack, dann Vinyl, dann auf CD. Das Medium wird sich vielleicht ändern. Ich hoffe nicht, dass ich das noch erlebe, und dann werden wir vielleicht wirklich bald keine CD mehr haben. Doch das Hörspiel an sich, als Kunstform, besteht weiter.

Gibt es etwas, was Du gerne mal produzieren würdest? Wo Du sagst, dieses Thema oder diese Vorlage?

Da ich ja ein Riesen-Krimifan bin, würde ich sehr gerne Agatha Christie produzieren. Aber das scheitert an den Rechten. Die sind so wahnsinnig teuer, dass sich das nicht mehr rechnet.

Wo ist denn das Maß erreicht?

Das ist ganz unterschiedlich, aber diese Großen sind ja total weltfremd. Die sind ja glaube ich zur BBC gewechselt, und die geben unter 50.000 gar nichts raus. Und das ist utopisch. Das holst du ja nie wieder rein. Du verkaufst von so einer bekannten Lizenz ja nicht wesentlich mehr.

Was gibt es denn in Zukunft von WinterZeit?

Also, wir haben ein Projekt, wo wir gerade aktuell die Bücher lesen. Das ist ein Hörbuch, und das machen wir nicht, weil wir uns davon viel Geld oder Gewinn erhoffen, das ist so ein Herzensding. Er ist ein Kolumnist zum Sport, und das sehr, sehr witzig. Wir haben ihn jetzt letztens kennengelernt und wir haben ihn gefragt, ob er nicht Interesse daran hätte, da ein Hörbuch draus zu machen. Da arbeiten wir gerade an den Büchern. Wir wollen aber noch nicht zu viel verraten.

Ansonsten etwas Neues direkt nicht. Im Grunde fängt aber „Macabros“ ja jetzt erst richtig an, da müssen wir auch mal gucken, wie es läuft. Da wollen wir auf jeden Fall relativ fix vorankommen. Es gibt ja 125 Vorlagen, da habe ich gut zu tun. (lacht)

Bei der Sonja Senger-Serie mit Viola Sauer heißt es jetzt ausprobieren. Die Produktion war sehr aufwändig und mal etwas Anderes. Sie war jemand, der gern im Ensemble aufnehmen wollte.

Ja, da haben wir teilweise Rollen zusammen aufgenommen, das war ganz spaßig.

Da haben wir gesagt, wir probieren die drei Folgen aus und schauen mal, wo es hinläuft.

Aber ich bin ja auch zeitlich mehr oder weniger ausgelastet. „Holmes, Wallace, Das schwarze Auge, Macabros, Jules Verne, Dark Mysteries“, das reicht schon. Ich will ja auch nicht nur alle zwei Jahre eine Folge bringen, da habe ich schon genug mit zu tun. Unbedingt etwas Neues dazwischen brauche ich nicht. Ich bin ehrlich gesagt auch froh, dass manches weg ist. Es war schon sehr stressig teilweise.

Möchtest du deinen geneigten Hörern noch etwas sagen?

Also, es steckt in jedem Hörspiel Herzblut drin. Während man als Büroangestellter Dienst nach Vorschrift macht, hat er sein Hobby zum Beruf gemacht. Er versucht immer, das Beste herauszuholen. Und dann ist es schade, wenn es nicht honoriert wird. Es ist wichtig, dass die Hörer wissen, dass er nicht jemand ist, der die Skripte einfach nur vertont. Er macht es, weil er es gerne macht, weil er seine Geschichten auch anderen geben möchte. Er gibt nur heraus, was er auch gut findet, und dann wird auch schon mal bis in die Nacht gearbeitet. Das ist für den Hörer.

Kann man da noch etwas hinzufügen? (lacht) Nun, das Wichtige sind in der Tat die Hörer, die ihr sauer verdientes Geld hinlegen und die Sachen kaufen. Ich bin sehr dankbar, dass es so viele davon gibt, und dass wir diesen Erfolg haben. Ich habe viel Glück gehabt und hoffe, dass es den Leuten noch viele Jahre gefällt. Ich gebe alles und mache weiter.

Danke für das Gespräch.

Sehr gerne!