Als Michel den Kopf in die Suppenschüssel steckte



Michel wohnt mit seinen Eltern, seiner Schwester Ida sowie dem Knecht Alfred und der Magd Lina auf einem Hof in Lönneberga, ist aber weit über die Grenzen bekannt, da er ein echter Lausejunge war und viele Streiche gespielt hat. Doch als Lina eine wunderbare Suppe in der geblümten Suppenschüssel serviert, will er eigentlich niemanden ärgern, sondern nur den letzten Rest ausschlürfen…

Astrid Lindgrens Geschichten faszinieren nach wie vor Kinder auf der ganzen Welt, auch ihre Klassiker um den Lausbub Michel erfreuen sich großer Beliebtheit. Bei Oetinger Audio ist nun eine neubearbeitete Hörspielversion erschienen, die die Geschichte ein wenig modernisiert und an heutige Ansprüche anpasst. So sind beispielsweise die Umstände im damaligen Schweden erklärt – warum ein Knecht und eine Magd auf dem Hof wohnen oder die Familie nicht einfach das Auto in die Stadt nehmen, dürfte sich ohne Erklärung Kindern von heute tatsächlich nicht erschließen. Auch die Sprache ist sanft an heutige Bedürfnisse angepasst, ohne ihren Charme und ihren Witz zu verlieren. Ich mag die Art, wie zu Beginn in die Szenerie eingeführt wird, indem die Charaktere vorgestellt werden und so gleich eine liebevolle Stimmung entsteht. Die Geschichten sind natürlich nicht sonderlich komplex, sondern erzählen und frische Weise Alltagssituationen, die durch die humorvolle Art und die frechen Ideen Michels aber viel Reiz erhalten. Dabei werden nicht nur die bestimmten Situationen erzählt, sondern auch was sich daraus entwickelt und wie es weiterging, was auch kleinere Zuhörer schon gut erfassen und nachverfolgen können. Eine liebevolle Neuerzählung mit sanfter Modernisierung, aber eben ohne an dem Klassiker zu rütteln.

Jonas Kirsch spricht die Rolle des Michel mit viel Energie und setzt die lausbübische Art des frechen Jungen gekonnt um, bringt Leben in die Handlung und trifft auch den Witz der Szenerie gekonnt. Michael Prelle ist als Michels Vater zu hören, seine brummige Stimme und der leicht raue Klang passen wunderbar zu der Szenerie und bilden dabei einen gelungenen, aber auch durchaus liebevollen Gegenspieler. Die wunderbare Katja Brügger ist als Erzählerin zu hören, sie bringt einen sehr warmen und harmonischen Klang mit ein, spricht ihre Texte lebendig und dynamisch. Weitere Sprecher sind Gabriele Libbach, Katja Danowski und Julian Greis.

Ein Update des bekannten Michel-Lieds aus der Feder von Astrid Lindgren ist hier zum Einstieg zu hören, auch als Trennung zwischen den Szenen sind Melodien zu hören, die sehr gut in die schwedische Szenerie passen, aber eben moderner und ein wenig chaotischer wirken. Ansonsten wird auf Geräusche gesetzt, die gut auf die Handlung abgestimmt wurden und diese sanft im Hintergrund unterstützen.

In einem liebevollen, kindlichen Zeichenstil ist das Thema der ersten Geschichte der CD auf dem Titelbild dargestellt: Michel mit der Suppenschüssel auf dem Kopf, dazu seine Familie, während im Hintergrund der schwedische Wald angedeutet wird. Die restliche Gestaltung ist eher schlicht, aber übersichtlich – auch wenn nicht alle Sprecher ihren Rollen zugeordnet wurden.

Fazit: Michel macht auch im Jahr 2022 noch viel Spaß – insbesondere auch für Kinder von heute, denen nebenbei die Umstände des damaligen Lebens erklärt werden. Die Szenerie ist liebevoll und fröhlich, das Timing überzeugend und die Sprecher mit Engagement bei der Sache, sodass der Charme der beiden Geschichten gut zur Geltung kommt.

VÖ: 10. Mai 2022
Label: Oetinger Audio
Bestellnummer: 9783837392029

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