Holy Horror – 2. Frankenstein



Mitten in einer unwirtlichen Eiswüste nimmt die Besatzung eines Schiffes einen einsam umherstreifenden Mann auf. Als sich Captain Robert Walton mit dem Mann unterhält und wissen will, was ihn in die Nähe des Nordpols verschlägt, erzählt dieser die Geschichte seines Lebens. Denn Victor Frankenstein, der sich als der moderne Prometheus bezeichnet, hat große Schuld auf sich geladen…

In sich abgeschlossene Grusel- und Horrorgeschichten werden bei Holysoft in der Hörspielreihe „Holy Horror“ umgesetzt, wobei sowohl neue Geschichten als auch bekannte Werke der Gruselliteratur umgesetzt werden. Direkt in der zweiten Episode ist dann einer der bekanntesten Klassiker zu hören: Mary Shellys Ausnahmeroman „Frankenstein“. Dabei hält sich die Umsetzung an die Handlung des Romans, sodass man Victor Frankenstein zunächst in den eisigen Weiten des gefrorenen Polarmeers kennenlernt, in dieser Rahmenhandlung erzählt er von der Erschaffung seiner ebenso bekannten Kreatur und den Ereignissen, die darauffolgten. Die dramatischen Wendungen, die persönlichen Schicksale, Victors Hochmut, aber auch das immer wieder überraschende Auftauchen des Monsters sind zurecht zu einem Klassiker geworden, wobei die Handlung hier auf knappe achtzig Minuten Laufzeit gekürzt wurde. Das ist jedoch stimmig geraten und setzt die wesentlichen Elemente gelungen um, während auch die Qualität der Sprache übernommen wurde und so eine authentische Szenerie aus der lange vergangenen Zeit heraufbeschwört. Dabei geht es nicht um actionreiche Momente oder temporeiche Entwicklungen, sondern eher um leisen Grusel und dramatische Momente, verbunden mit ethischen Fragen. Das wirkt in einigen Momenten vielleicht nicht vollkommen rund, herausgekommen ist insgesamt aber eine durchaus überzeugende Produktion.

Mit Ozan Ünal übernimmt ein Sprecher die Hauptrolle des Victor Frankenstein, der bislang noch nicht allzu häufig in Erscheinung getreten ist, die ernsthafte und markante Figur aber sehr überzeugend darbietet und sowohl in den Dialogen als auch in den Erzähltexten eine prägnante Aura ausstrahlt. Die Kreatur, die er erschaffen hat, wird von Bernd Rumpf gesprochen, der sowohl abgehacktes Krächzen als auch schwerfällig wirkende Worte mit viel Ausdruck umsetzt. Eckart Dux hat die Rolle von Victors Vater Alphonse übernommen und bringt mit seiner markanten, knarrenden Stimme eine sehr intensive Figur mit ein, die trotz des vergleichsweise kurzen Auftritts positiv im Gedächtnis bleibt. Weitere Sprecher sind Dina Kürten, Till Hagen und Bert Franzke.

Akustisch wird hier eine solide Leistung geschaffen, die überzeugende Szenerien schafft und dabei den Spannungsbogen der Handlung betonen. Dabei geht es in einigen Momenten etwas comichaft hinzu, doch dann gibt es auch einige dräuende Melodien im Hintergrund, die für eine unheimliche Stimmung sorgen. Auch die Geräuschkulisse ist zu großen Teilen treffend und lebendig umgesetzt, sodass insgesamt eine passende Atmosphäre entsteht.

Die Kreatur, die Victor Frankenstein erschaffen hat, wird auf dem Titelbild gezeigt, was durch die düsteren Lichtverhältnisse einen sehr unheimlichen Ausdruck erhält. Aber auch die unförmige Gestalt selbst und das unheimliche Schloss mit dem von Blitzen umgebenen Turm vor dem mächtigen Gebirge wirken gut zusammengestellt – auch zusammen mit dem schlichten Schriftzug und der gelungenen Rahmengestaltung.

Fazit: Der Klassiker wird hier in einer modern wirkenden und dennoch authentischen Umsetzung präsentiert, wobei zwar einige kleinere Stolpersteine in der Sprache oder der Kulisse auffallen, insgesamt ist aber ein unterhaltsames und stimmiges Hörspiel entstanden. Die Kürzung des Romans ist stimmig, sodass die ursprüngliche Handlung gekonnt nachgezeichnet wird.

VÖ: 15. Juni 2018
Label: Holysoft
Bestellnummer: 9783964470430

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