Grimms Märchen – 1. Der Froschkönig / Frau Holle / Schneeweißchen und Rosenrot



Die Prinzessin auf einem königlichen Schloss spielt voller Lebensfreunde im Garten, als ihr das liebste Spielzeug, eine goldene Kugel, in einen tiefen Brunnen. Voller Verzweiflung bricht sie weinend zusammen. Doch ein Frosch taucht aus dem Wasser auf und bietet ihr an, die Kugel wieder an die Oberfläche zu holen – doch dafür erwartet er auch eine Gegenleistung, die jedoch nichts mit Perlen, schönen Kleidern oder Edelsteinen zu tun hat…

Es war ein lang gehegter Wunsch von Marc Gruppe und Stephan Bosenius, auch einmal die klassischen Märchen umzusetzen. Während bereits einige Vorlagen von Hans Christian Andersen in der „Titania Special“-Reihe umgesetzt wurden, waren die Märchen der Brüder Grimm bisher von ihnen unberührt – bis jetzt. Wegen der Kürze der Vorlagen – und um die Aufmerksamkeit der eigentlichen jungen Zielgruppe nicht überzustrapazieren - sind immer drei Geschichten pro Episode umgesetzt, zum Start sind es drei der bekanntesten Märchen geworden. Die Umsetzung ist klassisch und mit dem typisch romantischen, immer leicht nostalgischen Ausdruck des Labels versehen, was dennoch sehr lebendig und eben zeitlos wirkt. Und trotz der bekannten Vorlagen, an die sich Titania Medien eng gehalten haben, wurden kleine Feinheiten eingebaut, die diesen Umsetzungen etwas Einzigartiges verleihen. In „Der Froschkönig“ ist dies beispielsweise der durchaus zwiespältige Charakter der Königstochter, aber auch die aufgebrachte Hofdame mit leicht humorvollem Einschlag. In „Frau Holle“ gefällt mir die Darstellung der „Frau Holle“ mit ihrem freundlichen, aber auch resoluten Ausdruck sehr gut, während in „Schneeweißchen und Rosenrot“ die besondere Beziehung der beiden Schwestern und der aufgebrachte Zwerg für gelungene Kontraste sorgen. Das ist einfach richtig schön, sehr liebevoll und mit einer ausdrucksstarken Wirkung umgesetzt worden, sodass diese Umsetzungen nicht bloß eine einfache Kopie der bekannten Werke sind, sondern ihre ganz eigene Ausstrahlung haben.

Reinhilt Schneider ist in dieser Folge gleich in allen drei Märchen zu hören, wobei sie sich besonders als Prinzessin im „Froschkönig“ viel jugendliche Frische bewahrt hat und auch die raueren Aspekte der Figur überzeugend darstellt, während sie in „Frau Holle“ wunderbar derb und abweisend wirkt. Gudo Hoegel spricht in „Schneeweißchen und Rosenrot“ die Rolle des Zwerges sehr ausdrucksstark und verleiht der Figur so eine recht unheimliche Wirkung, was wohldosiert ist und mit der krächzenden Stimme auch eine Spur Humor mit einbringt. Melancholisch wird es bei dem letzten Auftritt der unvergesslichen Dagmar von Kurmin als „Frau Holle“, die ihre warme Stimme wieder meisterhaft einsetzt und so eine ganz besondere Stimmung schafft. Weitere Sprecher sind Regina Lemnitz, Ursula Sieg und Peter Weis als Erzähler.

Typisch für die Hörspiele von Titania Medien sind die stimmungsvollen, klassischen Melodien, die natürlich auch hier im Einsatz sind und für eine romantische Stimmung sorgen. Diese sind jedoch nicht dauerhaft zu hören und machen so auch Platz für eine lebendige und vielseitige Geräuschkulisse, die ganz verschiedene Szenerien schafft – sehr gelungen!

Eine edel wirkende, dunkelgrüne Rahmengestaltung wurde für das Titelbild gewählt, welche mit goldenen Verzierungen und hübschen Ornamenten und Kindergesichtern im Stil eines alten Gemäldes verziert wurde. Das Titelmotiv wurde – wie so oft bei dem Label - von Ertugrul Edirne geschaffen und zeigt im romantischen Stil eine Szene, in der der Froschkönig mit der Prinzessin am Brunnen sitzt, wobei viel Wert auf hübsche Details gelegt wurde.

Fazit: Auch wenn die Vorlagen bekannt sind, bringen diese Umsetzungen noch einmal andere Aspekte hervor. Viele liebevolle Feinheiten und engagierte, liebevolle Sprecher sorgen für eine dichte Stimmung, die sehr zeitlos wirkt. Eine sehr runde und hörenswerte Produktion, der man die Liebe für das Projekt durchgängig anmerkt.

VÖ: 26. Februar 2021
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 9783862123025

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