Die Denkmaschine – 1. Der unterbrochene Funktelegraph



Holly Henrietta Hatch, Reporterin beim Boston Globe, ist alles andere begeistert, als begeistert, als sie über eine örtliche Schachpartie berichten soll. Doch obwohl sie von einem ziemlich langweiligen Event ausgeht, ist sie beeindruckt von Professor van Dusen, der bislang noch nie gespielt hat und dennoch gegen den Weltmeister antritt. Doch der Professor ist auch passionierter Kriminalist und interessiert sich für einen Fall um einen erstochenen Funker auf einem Ozeandampfer – und wird bei seinen Ermittlungen von Hatch begleitet…

Immer noch ist der klassische Krimi ein großes Erfolgsversprechen für die Hörspiellabel, besonders bereits bekannte Figuren haben es den Hörern anscheinend angetan. Neben dem allgegenwärtigen Sherlock Holmes hat auch Professor van Dusen in letzter Zeit deutlich an Popularität hinzugewonnen, auch WinterZeit hat nun eine Serie über den kriminalistischen Akademiker gestartet und diese „Die Denkmaschine“ genannt. Dabei orientiert sich Markus Winter nicht an der bekannten Hörspielumsetzung von Michael Koser und seiner ganz eigenen Interpretation des Charakters, sondern hält sich enger an die Originalgeschichten des ursprünglichen Autors Jacques Futurelle. Gleichwohl erlaubt sich das Label aus Husum auch einige Freiheiten und macht aus Reporter Hutchinson Hatch kurzerhand eine Frau – und zwar eine vorlaute, energiegeladene mit einer flotten Zunge. Das bringt ziemlich viel frischen Wind in die Serie, sorgt für einige Lacher und heitere Momente. Auch van Dusen schlägt eine ganz eigene Richtung ein. Zwar ist seine charakteristische Arroganz geblieben, dennoch wirkt er keinesfalls unsympathisch und hat auch viele charmante Momente. Der Start der Serie ist mit „Der unterbrochene Funktelegraph“ mit 100 Minuten Laufzeit recht lang geraten, ist aber durch und durch unterhaltsam und kurzweilig. Zu Anfang laufen zwei Geschichten parallel: Einerseits erfährt der Hörer schon einiges über den Mord in der Funkkabine eines imposanten Ozeandampfers, andererseits ist man beim Kennenlernen von Holly Henrietta Hatch und Professor van Dusen dabei, wobei auch das Schachspiel und ein weiterer daraus resultierender Fall erzählt werden. Diese Zweiteilung bringt viel Dynamik mit ein und sorgt für Abwechslung in der Handlung, zumal auch zwei Spannungsbögen entwickelt werden. Die Handlung sorgt für einige Überraschungen, sodass keine Langeweile aufkommt, besonders am Ende ist noch ein sehr gelungener Drehpunkt eingebaut. Ein sehr starker Einstand in die Serie, die die Freude auf die kommenden Teile weckt.

Das Sprecherduo der Hauptrollen ist hervorragend ausgewählt und harmoniert auch wunderbar miteinander. Thomas Nero Wolff ist in der Rolle des Professor Augustus van Dusen zu hören und punktet mit einer sehr präzisen Sprechweise, die den Scharfsinn des Hobbykriminologen sehr gekonnt trifft. Zudem schafft er eine gelungene Balance aus der Arroganz und einem gewissen rauen Charme, sodass ich ihm sehr gerne zugehört habe. Holly Henrietta Hatch wird von Anne Helm gesprochen, die ihre ganz eigene Energie in die Handlung einbringt, eine vorlaute und eigensinnige Attitüde präsentiert, aber auch in den richtigen Momenten zurücktreten und den anderen Rollen den Vortritt lassen kann. Margot Rottweilers gereifte und markante Stimme bringt als Martha noch eine andere Note mit ein und sorgt für einige sehr gelungene Momente. Weitere Sprecher sind Viktor Neumann, Torsten Liebrecht und Jannick Endemann,

Die akustische Gestaltung der Episode ist vielseitig geraten und konzentriert sich zwar immer auf die Dialoge und die Sprecher, erzeugt aber auch ansonsten eine lebendige Stimmung ein. Viele Geräusche sorgen dabei für vielseitige Kulissen, sodass die Aufregung im Rahmen des Schachspiels, die Stimmung auf dem Dampfer, aber auch weniger markante Szenen ausdrucksstark geraten sind. Sehr gelungen ist dabei besonders die Musik, die hübsche Schnörkel setzt und recht aufwendig eingebaut wurde.

Die Gestaltung bringt ein wenig Steam-Punk-Stimmung mit ein, wofür nicht nur die Zahnräder im Hintergrund sorgen, sondern auch das mit Lichtblitzen verzierte Bullauge des Schiffs und der Schriftzug mit dem Konterfei von Jacques Futurelle sorgen. Im Inneren des umfangreichen Booklets gibt es viele zusätzliche Informationen zur Entstehung der Serie, der Besetzung, aber auch zum Label und zum Originalautor.

Fazit: Der Start der neuen Hörspielreihe ist sehr hörenswert geraten, die Charaktere haben eine ganz eigene Dynamik und überzeugen mit vielen interessanten Zügen. Die Neuinterpretationen der Figuren funktioniert aber auch wegen der abwechslungsreichen Handlung und vielen gelungenen Wendungen so gut, zumal auch die hochwertige Produktion und die gut ausgewählten Sprecher sehr gut aufeinander abgestimmt sind.

VÖ: 11. Dezember 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960663300

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