Dracula und der Zirkel der Sieben – 1. Erbe des Bösen



Viele Jahre nachdem Bram Stoker seine Geschichte aufgeschrieben (und frei interpretiert) hat, kehrt Dracula nach London zurück und will die Forschungsergebnisse des Dr. Ryan in seine Gewalt bringen, der sich mit der speziellen Beschaffenheit des Blutes beschäftigt. Dazu manipuliert er Jonathan Harker, den er immer noch leicht in seinen Bann ziehen kann und der sich gegen die dunkle Saat in ihm kaum noch wehren kann…

„Der Zirkel der Sieben“ ist bereits in verschiedenen Hörspielserien von Maritim aufgetaucht und so mehrere Ableger geschaffen, mit der Geschichte um „Dracula“ wird dieses Serienuniversum wieder erweitert und greift dabei gleich den Roman um den wohl berühmtesten Vampir aller Zeit auf und führt dieses weiter. In der Eröffnungsszene wird allerdings zunächst die Geburt und kurz die Kindheit und Jugend des berüchtigten Vlads thematisiert, was gemeinsam mit den einleitenden Worten der Hauptfigur als Erzähltext düster und atmosphärisch wirkt. Der Umschwung zur eigentlichen Szenerie um Jonathan Harker, seiner Gattin Mina und anderen bekannten wie neuen Figuren sorgt für einen deutlichen Bruch und hat einige interessante wissenschaftliche Ansätze, wird aber schon bald mit den ersten übernatürlichen Ereignissen und dem Auftauchen Draculas angereichert. Daraus entwickelt sich eine ungewöhnliche, kreative Handlung, die mit mehreren Hauptfiguren und deren Sichtweisen dynamisch und abwechslungsreich ist. Der Hörer springt mit ihnen zwischen verschiedenen Szenerien hin und her, was dank den klaren Zusammenhängen dennoch einfach nachverfolgt werden kann. Sehr interessant ist es gelungen, wie der starke Bezug zum Werk Bram Stokers mit der Geschichte um den Zirkel der Sieben verknüpft ist, was hervorragend zusammenpasst. Und so verträgt die 70-minütige Produktion auch kleinere Abfälle des Spannungsbogen und ist hörenswert, auch wenn man das bisherige Serienuniversum noch nicht kennt hat.

In der Rolle des Draculas überzeugt Felix Strüven, der die bekannte Rolle klassisch interpretiert und dennoch einige neue Elemente hinzufügt. So ist die mystische Aura des Vampirs immer zu spüren, er hat leise und hypnotische Klangfarben ebenso gekonnt eingebaut wie laute und bedrohliche Momente. Jonathan Harker bekommt seine Stimme von Martin Sabel geliehen, der den langsamen Verfall des jungen Mannes überzeugend darbietet und sich sehr gut in die Szenerie der Geschichte einfügt. Douglas Welbat ist in der Rolle des Abraham van Helsing ebenfalls gut besetzt und kann die polternde, aber auch verwirrte Art des Professors sehr eingängig darstellen. Weitere Sprecher sind Ulrike Möckel, Victoria Sturm und Ilona Otto.

Passend zu den unterschiedlichen Szenerien der Handlung wurde auch der akustische Hintergrund sehr variabel gestaltet. So ist das Intro düster, opulent und orchestral unterlegt, während später wissenschaftliche Kühle herrscht und nur wenige Geräusche unterlegt sind oder bei Minas Reise eine trubelige Stimmung geschaffen wird. Das ist klanglich sehr solide umgesetzt und betont die verschiedenen Stimmungen gekonnt.

Die Episode ist bislang nur digital erschienen und wurde nicht auf CD veröffentlicht, ein passendes Cover im üblichen quadratischen Format wurde dennoch dafür erschaffen – und ein ansehnliches noch dazu. Der berühmte Vampir ist dabei mit blutunterlaufenen Augen und verschmierten Lippen grausig anzusehen, während im Hintergrund eine Schlacht zu toben scheint. Die erdige Farbgebung, die von dem Label gerne mal genutzt wird, passt auch hier wieder sehr gut.

Fazit: Der Start in die neue Serie lässt sich auch gut hören, wenn man den „Zirkel der Sieben“ noch nicht kennt, entfaltet dann aber noch einmal einen eigenen Reiz und überzeugt mit den eingebauten Querverweisen zu den anderen Serien. „Erbe des Bösen“ ist abwechslungsreich und dynamisch gelungen, sodass viele spannende Momente und ein gelungener Spannungsbogen entstehen.

VÖ: 2. Oktober 2020
Label: Maritim
Bestellnummer: 4260507161468

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