Der junge Sherlock Holmes – 1. Der Maskierte vom East End



Sherrinford Holmes hat es satt, dass sein Sohn Sherlock seine Nase ständig in seine Bücher steckt und nimmt sie ihm kurzerhand weg. Doch Ablenkung kommt schon bald, als sein Bruder Mycroft um Hilfe bittet. Er hat unlängst Arbeit in einer Detektei angenommen und bittet Sherlock, einige verdeckte Beobachtungen anzustellen. Doch er ahnt dort noch nicht, was sein jüngerer Bruder dabei alles herausfinden würde…

Sherlock Holmes ist noch immer in aller Munde, der wohl berühmteste Detektiv der Welt ist in letzter Zeit zu einem wahren Phänomen in der modernen Popkultur geworden, hierzulade insbesondere in verschiedenen Hörspielserien. Nun ist eine neue hinzugekommen, Florian Fickel von floff hat jedoch einen anderen Ansatz gefunden und setzt sich in den eigens geschriebenen Folgen mit Sherlock Holmes im jugendlichen Alter auseinander. Dazu gehört dann auch, dass gerade zu Beginn die Konflikte mit seinem Vater thematisiert werden, wobei dann auch bereits die Ansätze des Charakters des älteren Holmes verfolgt werden. Dazu passt auch die gelungene Idee, den erwachsenen Holmes als Erzähler einzusetzen, der in einem Brief an Watson von den vergangenen Ereignissen berichtet – eine gelungene Referenz, die mit kleinen Kommentaren auf die typische Stimmung zwischen den beiden Charakteren anspielt. Der Fall wirkt kindgerechter als die originalen Fälle, was zu dem jüngeren Ermittler passt. Die Erzählstruktur ist allerdings recht komplex und an einigen Stellen gar etwas langatmig, jedoch kommt auch viel Flair auf – vom alten London, von den Charakteren, von der Stimmung der Zeit und natürlich auch vom Fall selbst. Gegen Ende gibt es dann noch einige spannende Szenen und kleine Wendungen, sodass ein hörenswerter Abschluss der Episode gelungen ist – nicht übertrieben, weil Mycroft weiterhin wichtiger Teil der Auflösung ist, aber eben doch auf die großen Talente der Titelfigur hindeutend. Der interessante Ansatz, die jungen Jahre von Sherlock Holmes darzustellen, funktioniert dabei bestens.

Die Sprecher der Episode gefallen mir insgesamt sehr gut, besonders die Hauptfiguren sind gelungen besetzt – allen voran Dirk Petrick als Sherlock Holms. Er lässt die pfiffige Ausstrahlung des jungen Mannes ebenso wie die Wirtgewandtheit und die Selbstsicherheit sehr glaubhaft und präsent erscheinen, sodass ein interessanter Mittelpunkt der Serie entstanden ist. Auch Roman Knizka hat mir als Mycroft Holmes sehr gut gefallen, mit ruhiger und markanter Sprechweise bildet er einen gelungenen Kontrast zu seinem Bruder und bringt die Ernsthaftigkeit der Figur gut zur Geltung. Norbert Langer ist als erwachsener Sherlock Holmes und Erzähler der Handlung gut besetzt, auch er bringt die Eigenheiten der bekannten Figur gekonnt herüber und lässt seine Texte lebendig wirken. Weitere Sprecher sind Sebastian Fitzner, Charles Rettinghaus und Johanna Hanke.

Insgesamt ist die akustische Gestaltung dieser Episode stimmig geraten, insbesondere die kleinen Melodien zur Trennung der einzelnen Szene passen gut in die damalige Zeit und verbreiten eine angenehme Stimmung. Die Geräuschkulisse ist vielfältig und ansprechend, allerdings wirken einige Sounds etwas künstlich oder nicht vollkommen treffend eingefügt, was den Gesamteindruck aber kaum trübt.

Optisch dominieren die Farben Schwarz und Blau, sowohl die Rahmengestaltung des Covers als auch die Rückseite und das Innere ergeben so eine einheitliche Optik. Das eigentliche Titelbild stammt von Johanna Seipelt, die eine nächtliche Szenerie in London zeigt, in der der junge Sherlock Holmes im schummrigen Licht einer Straßenlaterne einen Mann in einer dunklen Gasse beobachtet. Neben einem Ausblick auf die kommenden Cover ist im kleinen Einleger lediglich Platz für eine Auflistung der Mitwirkenden.

Fazit: Nicht nur der interessante Ansatz der Serie, die Abenteuer des jungen Sherlock Holmes umzusetzen, sondern auch die Geschichte dieser ersten Folge ist stimmig umgesetzt und spielt mit verschiedenen Motiven der bekannten Geschichten, präsentiert sich aber kindgerechter. Die eher langsam erzählte Handlung ist mit vielen starken Szenen angefüllt und hat mir wirklich gut gefallen.

VÖ: 18.09.2020
Label: floff
Bestellnummer: 4260229664179

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