John Sinclair: Tonstudio Braun – 99. Voodoo-Land (1/2)



Mitten in der Nacht soll in einem Öllager im Süden von Texas eine neue Lieferung per Zug ankommen – ungewöhnlich genug, da niemand anwesend ist, der die Ladung löschen könnte. Gleichzeitig ertönen unheimliche Trommeln, die einer der Wachmänner als Voodoo-Klänge identifizieren. Doch mit dem Schrecken, der auf ihn lauert, hätte er nicht gerechnet. Als John Sinclair von Sir James Powell zu einem alten kleinen Kloster geschickt wird, hat er nicht damit gerechnet, dass er auch bald mit diesem Fall konfrontiert wird…

Erfreulich, wie konstant Lübbe Audio die Neuauflage der klassischen John Sinclair auf CD veröffentlicht, sodass Fans nicht allzu lange auf eine Fortsetzung warten müssen – zumal das Versprechen nun bereits beinahe erfüllt wurde, wirklich alle Folgen zu bringen, dass jetzt noch abgebrochen wird ist nicht mehr wahrscheinlich. Die 99. Episode ist dabei der Start des Zweiteilers „Voodoo-Land“, der sich sinnigerweise um Zombies dreht. Die gelungenen Introszene wird zunächst in Texas in den USA angesiedelt, sodass man bereits hier eine Ahnung davon bekommt, dass die Episode räumlich sehr weit gefasst ist und sich eben nicht nur auf Großbritannien beschränkt. Der eigentliche Start der Handlung um John Sinclair ist das zunächst recht geheimnisvoll geraten, da der Geisterjäger nur einige vage Andeutungen von James Powell bekommt, aber schon bald werden die Andeutungen konkreter. Die Idee, die hinter der weltumspannenden Intrige steckt, schimmert schon etwas durch und wird später in dynamisch aneinander geschnittenen Szenen vertieft, wobei ganz unterschiedliche Charaktere ihren großen Auftritt bekommen. Dabei wird es auch äußerst gefährlich für ein Mitglied aus Sinclairs Team, mit dessen Transformation ich so nicht gerechnet hätte. So wird die Handlung auf mehreren Ebenen und mit verschiedenen Ideen vorangetrieben, was kreativ und abwechslungsreich wirkt, allerdings auch manchmal in zu langen Dialogen phasenweise Langeweile aufkommen lässt. Ein interessanter Zufall ist es, dass die Folge gerade jetzt erscheint, auf dem Höhepunkt der Rassismus-Debatte, da einige abwertende Kommentare und Bezeichnungen gegenüber farbigen Menschen gebracht werden, die heute nicht mehr vorhanden wären. Das fällt auf und klingt ungewohnt, ist aber nun mal Bestandteil dieses Originals – gut, dass es nicht herausgeschnitten wurde, eine kurze Einordnung im Booklet wäre aber wünschenswert gewesen.

Die Sprecher der Serie wurden bedauerlicherweise nicht alle namentlich erfasst und können deswegen nicht im Booklet genannt werden. Insgesamt wechseln sich allerdings Licht und Schatten ab – und das bereits in der Introszene. Die beiden Wachmänner schaffen es beispielsweise, eine recht unheimliche und authentische Stimmung zu schaffen, während ihr Gegenspieler recht überambitioniert und recht unglaubwürdig wirkt. Sir James Powell ist mit seinem dunklen Klang und dem immer leicht sarkastischen Unterton gut besetzt und bringt eine sehr individuelle Stimmung in die Handlung mit ein. Der Sprecher des Barnabas hätte zwar insgesamt etwas aktiver sprechen können und wirkt an einigen Stellen hölzern, kann aber dennoch einige Male eine unheimliche Szenerie erzeugen und den mystischen Charakter dann gelungen intonieren.

Sicherlich wirkt die Umsetzung der Handlung nicht mehr allzu zeitgemäß und etwas platt. So sind die Geräusche nicht sonderlich subtil eingesetzt, sondern laut, im Vordergrund und nicht immer hundertprozentig passend. Selbiges gilt für die Musik, die natürlich wieder vorrangig mit einer Heimorgel eingespielt wurde und zwischen tatsächlichem Grusel und beschwingten Melodien hin- und herschwankt. Doch heutzutage liegt ein wunderbarer Hauch von Nostalgie über dieser Umsetzung, die immer noch gut funktioniert.

An der Covergestaltung hat sich für die Neuauflage nichts verändert und beinhaltet natürlich auch das originale Titelbild. Einige satanische Zeichen, eine einzelne brennende Kerze, der zur Seite geneigte Kopf eines Mannes – schlicht zusammengestellt und doch effektvoll. Schön, dass auch hier wieder die hübsche Goldfolie genutzt wurde, um einige Highlights zu setzen. Im Inneren gibt es wie immer eine sehr schlichte Umsetzung, da die Sprecher wie bereits erwähnt nicht mehr alle namentlich bekannt sind.

Fazit: Der Aufbau der Episode weiß zu gefallen, auch wenn einige Momente den Spannungsbogen eher nach unten knicken lassen. Doch das rätselhafte Intro, die internationale Verschwörung und das gut umgesetzte Voodoo-Thema sorgen für viele reizvolle Momente. Der dynamische Verlauf und die direkte Bedrohung des Sinclair-Teams machen gespannt auf den zweiten Teil der Handlung in der Jubiläumsepisode .

VÖ: 29. Mai 2020
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785758991

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