H. P. Lovecraft: Chroniken des Grauens – 5. Der Ruf des Cthulhu

H.P. Lovecraft: Chroniken des Grauens – 4. Die Musik des Erich Zann

H.P. Lovecraft: Chroniken des Grauens – 3. Die namenlose Stadt

H.P. Lovecraft: Chroniken des Grauens – 2. Die Gruft

H.P. Lovecraft: Chroniken des Grauens - 1. Dagon



H. P. Lovecraft: Chroniken des Grauens – 5. Der Ruf des Cthulhu



Randolph Carter wird unerwartet mit dem Erbe eines entfernten Verwandten bedacht, doch viel wurde ihm nicht hinterlassen. Lediglich die Hoffnung, dass der Professor für Archäologie in seinem Haus wertvolle Dokumente oder bisher unveröffentlichte wissenschaftliche Abhandlungen aufbewahrt hat, könnte finanzielle Einkünfte bringen. Doch stattdessen findet Carter Aufzeichnungen zu einem gefährlichen Kult. In Husum im Jahr 2020 hält derweil ein chinesisches Schiff an, dessen Besatzung bis auf das letzte Mitglied verstorben ist…

Mit der fünften Episode der „Chroniken des Grauens“, bei der sich Hörspielproduzent Markus Winter von den Geschichten von Horror-Autor H.P. Lovecraft inspirieren lässt, wird ein neuer Abschnitt der Serie eingeläutet, nachdem der erste Handlungsbogen beendet wurde. Der Start ist etwas sanfter als zuvor, einfach weil die Szenerie bereits bekannt ist. So konnte sich der Hörer schon an die verschiedenen Zeitebenen und deren Zusammenhang gewöhnen, auch ist der Grundsatz der Wächter bereits bekannt. Und dennoch wird auch diese Geschichte schnell mit vielen Geheimnissen aufgeladen: Die düsteren Aufzeichnungen zu einem alten Kult bei Randolph Carter, merkwürdige Todesfälle und monströse Begegnungen in der Gegenwart – da kommt eins zum anderen und ist packen und atmosphärisch dicht erzählt. Man merkt, dass hier wieder etwas Großes aufgebaut wird, dass immer mehr Fäden aufgenommen werden. Dennoch kann man der Handlung gut folgen und ist nicht von einer Informationsflut überfordert. Dass „Der Ruf des Cthulhu“ als wohl bekanntestes Werk von Lovecraft als Titelgeschichte gewählt wurde und auch intensiv in die Handlung eingebunden ist, sorgt ebenfalls für einen großen Reiz. Dass nebenbei aktuelles Weltgeschehen erwähnt wird, die Handlung aber nur am Rande streift, und sich Markus Winter von seinem neuen Arbeitsumfeld inspirieren lässt, sind aber gelungene kleine Elemente, die die Handlung abrunden.

Hans Beyer übernimmt ab dieser Staffel die Rolle des Frantisek, wobei er die großen Fußspuren, die hinterlassen wurden, gekonnt ausfüllt. Seine ernste und markante Darstellungsweise passt sehr gut in die düstere Szenerie, wobei er seine Szenen sehr eindringlich gestaltet. Greta Galisch de Palma kehrt als Angie zurück und überzeugt erneut mit ihrer kraftvollen Stimme, die sie gekonnt an die verschiedenen Szenen anpasst und eine sehr dynamische Sprechweise präsentiert. Auch Tommy Morgenstern ist als Randolph Carter wieder positiv hervorzuheben, sein düsterer Ausdruck und die gestochene Ausdrucksweise lassen den Charakter wieder sehr eingängig erscheinen. Weitere Sprecher sind Klaus-Peter Grap, Daniela Molina und Lothar Hinze.

Natürlich hat Markus Winter längst einen eigenen Stil der Produktion seiner Hörspiele entwickelt, den man auch hier deutlich heraushört. Die Spielszenen sind mit vielen passenden und glaubwürdigen Geräuschen unterlegt, während die Erzähltexte, aber auch einige besonders stimmungsvolle Dialoge mit eingängiger Musik unterlegt sind. Mir gefällt, dass diese hier unterschiedliche Atmosphären erzeugen und so für einen intensiven Ausdruck sorgen.

Die riesigen Tentakel von Cthulhu sind auf dem Titelbild zu sehen, aus der stürmischen See recken sie sich einem alten Gemäuer auf einer Klippe entgegen, was stimmungsvoll beleuchtet wurde und eine düstere Faszination ausstrahlt. Im Inneren des Booklets auf hochwertigem, dickem Papier gibt es neben einer Übersicht der Mitwirkenden auch wieder ein einleitendes Grußwort mit einigen Hintergründen zur Produktion.

Fazit: „Der Ruf des Cthulhu“ läutet einen weiteren Abschnitt der Reihe ein und baut schnell neue Geheimnisse auf, ist aber wegen des mittlerweile bekannten Szenarios besser verständlich. Sehr gelungen ist wieder, wie die Geschichte aus der Vergangenheit aktuelle Ereignisse beeinflusst und sich beide Stränge parallel zueinander steigern. Der Ablauf ist spannend und packend, sodass ein gelungener Auftakt der neuen Staffel gelungen ist.

VÖ: 31. Dezember 2021
Label: Full Cast Audio
Bestellnummer: 9783960663096

H.P. Lovecraft: Chroniken des Grauens – 4. Die Musik des Erich Zann



Als Rudolph Carter im Jahr 1928 nach Paris zurückgekehrt ist, wird er belächelt, als er nach der Straße sucht, die ihm durch die Musik des Erich Zann so sehr in Erinnerung geblieben ist. Denn niemand scheint sich an die enge Gasse zu erinnern. Doch Rudolph Carter weiß noch genau, wie er in dem heruntergekommenen Haus das erste Mal eine seltsame Geigenmusik hört, kurz nachdem der deutsche Erich Zann dort eingezogen ist…

Von Anfang an war klar, dass die neue Mystery-Serie nach Motiven von H.P. Lovecraft von WinterZeit in Staffeln zu je vier Folgen zu veröffentlicht, die gemeinsam eine zusammenhängende Geschichte mit einem eigenen Abschluss erzählen. Folglich schließt die vierte Episode mit dem Titel „Die Musik des Erich Zann“ den ersten Abschnitt ab, wodurch tatsächlich Licht in die Zusammenhänge der bisherigen Episoden bringt. Doch auch hier gibt es wieder eine eigenständige Handlung, die sich um die Begegnung von Hauptfigur Randolph Carter mit dem deutschen Musiker Erich Zann drehen. Schnell kommen dabei erste mysteriöse Elemente auf, ist die neue Figur in der Serie ausdrucksstark und exzentrisch geraten, doch schon im ersten Drittel des 70-minüters erklärt sich, warum er so merkwürdig agiert, was sich in einem ersten, frühen Höhepunkt hochschaukelt. Dabei treten die anderen Handlungsstränge der Serie etwas in den Hintergrund, die Sprünge in das Jahr 2019 oder 1928 werden später aber wieder in den Fokus gerückt. Die Erklärungen, die sich dabei ergeben, werden mal von den Protagonisten selbst erzählt, andere muss sich der Hörer aus dem Zusammenhängen erschließen, was wieder die volle Aufmerksamkeit fordert und Vorkenntnisse aus den ersten drei Teilen unabdingbar macht. Das ist jedoch wieder so unheimlich, überraschend und markant geraten, dass es eine wahre Freude ist und die Qualität dieser Serie unterstreicht. Toll, wie sich hier die Kreise schließen und dennoch viele Rätsel für künftige Episoden bleiben, wie neue Handlungsstränge angedeutet werden und dennoch ein rundes Ende geschaffen wird. Bleibt zu hoffen, dass es mit der Serie noch weitergehen wird.

Wolfgang Ziffers Stimme dürfte vielen zwar aus Synchronisationen oder alten Hörspielen bekannt vorkommen, wie sich seine kratzige Stimme aber ändern kann, wie manisch und düster er hier klingt, ist beeindruckend und bringt besonders die Gefühlsausbrüche des deutschen Musikers sehr gut zur Geltung. Auch Joachim Pukaß hat mir in der Rolle des Frantisek ausnehmend gut gefallen, er passt sich wunderbar der Szenerie der Episode an und sorgt dabei für einen sehr markanten Ausdruck der Figur. Auch Elke Appelt hat mich als Margaret überzeugt und bringt trotz ihres eher geringen Anteils an der Handlung eine eigene Note mit ein. Weitere Sprecher sind Marko Esser, Christian Zeiger und Rainer Gerlach.

Wie aufwendig die Abmischung der Serie ist, wird in dieser Episode besonders deutlich, da in die sowieso schon komplexe und vielseitige Szenerie noch die unheimlichen Geigenmelodien von Erich Zann eingebaut wurden, die dabei sehr gut zur Geltung kommen. Und natürlich gibt es auch hier wieder jede Menge düstere Stimmung mit klassischen Melodien, eine auf den Punkt gebrachte Geräuschkulisse und ein treffender Wechsel zwischen den unterschiedlichen Erzählebenen – sehr gelungen!

Wahrlich meisterhaft hat Grafiker Mark Freier das Titelbild zu der Episode geschaffen und fängt den Wahn und die Manie des Musikers sehr intensiv ein, was natürlich wieder in düsteren Farben geschaffen wurde. Doch gerade deshalb sticht das Gesicht von Erich Zann so markant hervor. Der CD-Käufer bekommt gegenüber dem digitalen Hörer noch mit einem dicken Booklet einen Bonus, in dem neben weiteren Informationen zu den Mitwirkenden auch ein einleitender Text zu der ersten Staffel und der potenziellen Fortsetzung zu finden.

Fazit: Die vierte Folge der Serie bildet nicht nur den Abschluss der ersten Staffel, sondern macht auch die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Handlungssträngen klarer. Einiges war zu erahnen, vieles ist aber auf kreative Weise miteinander verkettet und wird in einer spannenden, mystischen und bedrohlichen Szenerie miteinander verknüpft. Eine sehr hörenswerte Episode, die noch einmal andere Richtungen einschlägt als erwartet.

VÖ: 8. Oktober 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662877


H.P. Lovecraft: Chroniken des Grauens – 3. Die namenlose Stadt



Vor Gericht muss sich Randolph Carter verantworten, da er mit dem Verschwinden seines Freundes Harley Warren in Verbindung zu stehen scheint. Während seiner Haft kann er in einem Bericht lesen, in dem eine archäologische Expedition eine scheinbar vergessene Stadt voller Gräber und Mausoleen entdeckt. Kaum kann er sich von der Erzählung lösen, fühlt er sich doch mit dem Verfasser des Berichtes auf merkwürdige Weise verbunden…

Für „Die Chroniken des Grauens“, die WinterZeit nach Geschichten und Motiven von Howard Phillips Lovecraft umsetzt, sind Staffeln zu je vier Episoden geplant, sodass sich mit „Die namenlose Stadt“ der erste Handlungsstrang langsam dem Ende zuneigt. Das merkt man der Handlung von „Die namenlose Stadt“ auch an, die sich in geordneteren Bahnen bewegt als noch seine beiden Vorgänger – was dem Hörer aber auch nur so vorkommen mag, da man die Grundhandlung mit den verschiedenen Zeitebenen schon etwas verinnerlichen und die Ereignisse somit besser zuordnen kann. Aber es gibt eben auch viele Zusammenhänge, die klarer werden und einen Blick auf das Gesamtbild werden lassen – zwar immer noch bruchstückhaft, eine gewisse Marschrichtung ist aber definitiv auszumachen. Neben den Entwicklungen im Randolph Carter und in der Gegenwart, die exklusiv für die Serie geschrieben wurden, gibt es aber auch Geschichten direkt von Lovecraft selbst, dieses Mal aus verschiedenen Gründen sogar gleich zwei Kurzgeschichten. Wieder sind diese so mit der Rahmenhandlung verbunden, dass dynamische Wechsel entstehen und sich die verschiedenen Stimmungen gekonnt ergänzen, sich aber eben auch alles gemeinsam weiterentwickelt. Insgesamt ist in diesem Teil aber der Erzähleranteil höher als gewohnt, was allerdings nicht minder für Spannung sorgt, weil gerade dadurch einige Zusammenhänge klarer werden. Toll ist besonders, wie sich die Geschichte immer weiter zuspitzt und am Ende zu einem furiosen Finale verschmilzt, das die Stimmung von Lovecraft um Irrsinn und unvorstellbarem Schrecken beeindruckend wiedergibt.

Erneut entpuppt sich Wolfgang Pampel als Erzähler der Serie als absoluter Glückgriff und fügt der düsteren Atmosphäre auch hier eine markante Wirkung hinzu, die auch bei längeren Passagen die Spannung nicht verliert und so einen gelungenen Rahmen für die Handlung bietet. Daniela Reidis ist in der Rolle von Hope zu hören, die als Archäologin an der Expedition teilnimmt. Sie setzt ihre Szenen sehr lebendig um und fügt dem Charakter gelungene Facetten hinzu, sorgt aber auch für effektvolle Momente, die den Gruselfaktor erhöhen. Stefan Krause spricht Harley mit einer gehörigen Portion Pathos und setzt die Rolle sehr markant und eindringlich um, auch er passt hervorragend in die düstere Szenerie der Serie. Weitere Sprecher sind Markus Pfeiffer, Marco Esser und Johannes Raspe.

Wie bereits die ersten beiden Teile der Serie setzt auch hier die Inszenierung neue Standards und verbindet die aufwendig produzierte, eindrucksvolle Musik sehr eng mit den Dialogen und Erzähltexten. Das sorgt für eine sehr dichte und eindringliche Atmosphäre, die durch eine lebendige Geräuschkulisse perfekt ergänzt wird. Die verschiedenen Szenerien werden so zum Leben erweckt und verleihen der Handlung mehr Tiefe und eine soghafte Wirkung.

Beeindruckend ist auch die Gestaltung des Covers geraten, das die titelgebende „namenlose Stadt“ von einem Vollmond beschienen mysteriös und geisterhaft wirken lässt. Die verwinkelten Häuser kommen in dem grünlichen Schimmer sehr gut zur Geltung und durch die ansehnliche restliche Gestaltung ergänzt. Das Booklet ist wieder sehr dick und gespickt mit zusätzlichen Informationen und zahlreichen Erklärungen von Markus Winter. Auch ein Blick auf die Cover der zweiten Staffel wird im Inneren gewährt.

Fazit: „Die namenlose Stadt“ nimmt nicht nur die bisherigen Fäden der Handlung auf und führt diese gekonnt weiter, sondern sorgt auch für mehr Klarheit in den Zusammenhängen, was die Spannung noch weiter steigert. Eingebunden ist dies in mehrere Handlungen, die jede für sich schon packend umgesetzt sind, in ihrer Andersartigkeit aber auch für viel Abwechslung und gelungene Wechselwirkungen sorgen. Weiterhin eine sehr hörenswerte Serie!

VÖ: 29.05.2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662860


H.P. Lovecraft: Chroniken des Grauens – 2. Die Gruft



Randolph Carter erinnert sich in der Genesungsanstalt, in der er untergebracht ist, an seine Suche nach der Familiengruft der Hydes und den Schrecken, der dabei heraufbeschworen wurde. Viele Jahre später, im Jahr 2019 kehren Angie und ihre beiden Begleiter dorthin zurück, doch ihre gemurmelte Beschwörung hat nicht den Effekt, den sie sich vorgestellt hat...

Von den "Chroniken des Grauens", die von den Werken von H. L. Lovecraft inspiriert wurden, wurde mit "Die Gruft" nun das zweite Kapitel aufgeschlagen. WinterZeit hat nach dem Start mit der ersten Episode nicht viel Zeit vergehen lassen, sodass dem geneigten Hörer die wichtigsten Grundpfeiler noch geläufig sind – und das ist auch nötig, um der Handlung folgen zu können, die Szenerie wird eher noch komplexer, auch wenn sich einige Zusammenhänge bereits klarer ergeben. Auch hier wurde die Originalgeschichte des Autors recht originalgetreu in das Hörspiel eingebaut. Randolph Carter, eine der Hauptfiguren der Reihe, erinnert sich an seine Erlebnisse um die alte Familienruhestätte, doch auch die anderen Handlungsstränge drehen sich allesamt um die Gruft, manche später, die meisten sind aber direkt mit dem Ort verbunden - und das auf unterschiedliche Weise. Die vielen Handlungsstränge der Serie ticken im Spannungsaufbau recht ähnlich und sind hervorragend aufeinander abgestimmt, die vielen Cliffhanger mit den schnellen Schnitten sind faszinierend, wobei die Spannung immer weiter ansteigt. Die Entwicklung wird dabei auf allen Ebenen vorangetrieben, und da es überall viel zu erzählen gibt, ist das Tempo sehr hoch. Jede Szene hat somit Relevanz für die Handlung, der Anspruch, alles halbwegs zu sortieren, ist hoch. Bei vielen Themen gelingt dies auch gut, ein Teil des Reizes der Serie macht aber auch aus, dass eben nicht alles ganz klar ist. Man merkt der Folge sehr deutlich an, dass unter der Oberfläche noch viel mehr auf den Hörer wartet, besonders da die Handlungsstränge enger miteinander verwoben scheinen. Eine hervorragende Fortsetzung des ersten Teils, sich stetig weiterentwickelnd und neue Schwerpunkte setzend, aber eben doch auf der bedrückenden und mysteriösen Grundstimmung aufbauend.

Angie wird mit ihrer forschen Art sehr gut von Greta Galisch de Palma gesprochen. Ihre Stimme passt sehr gut in die Atmosphäre der Handlung, zumal sie die Gefühlsregungen der Frau sehr detailreich darstellt. Als Frank hat mir Pierre Peter Arnolds sehr gut gefallen, er zeichnet den Spannungsbogen seines Handlungsstranges sehr gekonnt nach und verstärkt so die Wirkung der Episode. Auch Dirk Stollberg ist vollkommen überzeugend, die Düsternis, die von seiner Stimme ausgeht, ist beeindrucken umgesetzt, er wirkt völlig mit seiner Rolle verbunden. Auch die zahlreichen anderen Sprecher haben mich fast durchgängig überzeugt, unter ihnen Magdalena Turba, Tommy Morgenstern und Jodie Blank.

Die Geräuschkulisse der Episode ist wieder sehr vielfältig geraten, sodass jede Szene einen sehr lebendigen Eindruck bekommt. In den passenden Momenten schwillt die Lautstärke deutlich an und unterstreicht damit die unheimliche Wirkung. Perfekt darauf abgestimmt ist die Musik, die die Szenenübergänge sehr wuchtig gestaltet und die Düsternis der Geschichte noch weiter herausstellt.

Das Titelbild dieser Episode ist ähnlich düster und unheilvoll geraten wie das zur ersten Episode, verbreitet aber noch einmal eine ganz andere Stimmung. Das Gesicht eines Mannes, die Kapuze tief heruntergezogen, den Zeigefinger vor den Mund gelegt, doppelt gespiegelt und einmal mit der Andeutung eines Totenschädels variiert - ein sehr detailreiches, atmosphärisches Bild, das die Faszination des Hörspiels gekonnt aufgreift.

Fazit: Die Handlungsstränge, die in der ersten Episode begonnen wurden, werden hier sehr eindringlich fortgesetzt. Der Bezug zu Lovecrafts Geschichte "Die Gruft" wird auf mehreren Ebenen deutlich, was die einzelnen Teile etwas näher zusammenrücken lässt. Dennoch bleiben viele Rätsel offen, was die Episode weiter steigert. Alles ist sehr gekonnt aufeinander abgestimmt und hat mich vollkommen überzeugt.

VÖ: 13.März 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer:9783960662853


H.P. Lovecraft: Chroniken des Grauens - 1. Dagon



In einer stürmischen Nacht wird von einem Militärschiff ein Mann aus den Wellen geborgen, der sich an kaum etwas erinnern kann. Neben seinem eigenen Namen Carter weiß er nur noch von einer anderen Kreatur berichten. Der Besatzung will er nicht viel verraten, um sie vor dem Schrecken zu bewahren, der sich hinter dem Namen verbirgt: Dagon...

Mit den „Chroniken des Grauens“ nach Motiven von H.P. Lovecraft wurde von WinterZeit eine viel beachtete Serienankündigung geteasert, nun endlich ist die erste Episode „Dagon“ veröffentlicht. Es ist jedoch keine werkgetreue Umsetzung der Geschichten des Horror-Autors geworden, sondern eine Serie mit einer eigenen Rahmenhandlung, die die verschiedenen Ideen Lovecrafts vereint und zu etwas Neuem werden lässt. Das Intro nimmt den Hörer dann gleich gefangen, bereitet ihn mit seiner düsteren Ausstrahlung und der wuchtigen Musik sehr gut auf das Kommende vor - denn in dem gleichen Stil geht es weiter. Dem Hörer werden dabei ganz verschiedene Szenerien präsentiert, aus ganz unterschiedlichen Zeiten und mit ebenso unterschiedlichem Ausdruck, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, unweigerlich früher oder später einen Bezug zu Lovecraft erhalten - mal zu seinen Geschichten, mal zum Autor und seinem Schaffen selbst. Ein großer Bestandteil ist dabei die titelgebende Kurzgeschichte „Dagon“, die den ruhigen Stil des Autors aufgreift, den Monolog der Hauptfigur aber mit einigen Gesprächen auflockert, aber auch dynamisch in die Serienhandlung zurückkehrt. Das alles ist ziemlich komplex geraten und fordert durchaus viel Aufmerksamkeit des Hörers, um die vielen Facetten des Hörspiels zu erfassen und den sich nach und nach ergebenden roten Faden fassen zu können. Das wird aber durch eine klare Erzählweise erleichtert, der die einzelnen Szenerien sehr klar und prägnant darstellt, was das Verständnis deutlich erleichtert. Die Charaktere und Szenarien sind lebendig und eindringlich geschildert, viele Fäden bleiben aber auch offen, die Zusammenhänge werden nicht ganz klar und hinterlassen einen geheimnisvollen Ausdruck. Es hat mir aber sehr gefallen, mich auf diese düstere Handlung einzulassen, moderne wie fantastische und historische Momente zu erleben und tiefer in das Werk des Autors einzutauchen. Sehr hörenswert!

Lobenswert ist auch die Besetzung der Sprecher, die viele sehr starke Stimmen vereint. Wolfgang Pampel überzeugt beispielsweise mit seiner sonoren, ausdrucksstarken Stimme und verleiht seinen Texten eine intensive Betonung und erweckt die unheimliche Stimmung der Folge damit zum Leben. Auch Tommy Mogenstern hat mich als Randolph Carter vollkommen überzeugt und geht sehr intensiv auf seine Figur ein, passt seinen Klang sehr fein der vorherrschenden Szenerie an und verstärkt so deren Wirkung gekonnt. Mit Engelbert von Nordhausen unterstützt ein weiterer erfahrener Sprecher die Folge mit seiner viel Engagement und einem sehr gelungenen Ausdruck. Weitere Sprecher sind Tim Sander, Dirk Stollberg und Thomas Nero Wolff.

Der Soundtrack der Folge ist beeindruckend, orchestrale Klänge mit der Betonung auf Blechbläser sorgen für eine sehr intensive Atmosphäre, während auch die Monologe und die vielen Gespräche von passender Musik oder zahlreichen Geräuschen untermalt. Das klingt sehr vielfältig und lässt die düstere Szenerie sehr gut zur Geltung kommen. Auch die eingebauten Schockmomente kommen ebenso gut zur Geltung wie die leisen, gruseligen Momente.

Das Cover der Folge wurde von Marc Freier sehr düster und detailreich umgesetzt, sodass man in der düsteren Szenerie erst bei genauer Betrachtung ein schreckliches Wesen erkennen kann - sehr ansehnlich und perfekt auf die Episode zugeschnitten. Der Druck des dicken Booklets mit vielen weiteren Informationen zu den Mitwirkenden und einem Interview mit Markus Winter ist auf stabilem, matten Papier geschehen, was einen sehr hochwertigen und ansehnlichen Eindruck hinterlässt.

Fazit: Eine mysteriöse, unheimliche und markante Stimmung, eine gekonnt aufgeteilte Handlung auf mehreren Zeitebenen, markante Momente und ausdrucksstarke Charaktere, die die komplexe Struktur der Serie zum Leben erwecken. Die sehr gradlinige Erzählweise vereinfacht dabei dennoch das Verständnis, sodass sich die düstere Stimmung sehr markant ausbreiten kann – äußerst hörenswert und ein gelungener Start in die neue Serie.

VÖ: 31. Januar 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978360662846

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