Irene Adler – 1. Tod im Oberhaus



Nur mit knapper Not konnte der Mörder des Londoner Tenors aus der überfüllten Oper entkommen. Irene Adler, die ebenfalls anwesend war, wird als Sonderermittlerin der Krone darauf angesetzt, den Flüchtigen zu schnappen und muss noch tiefer in das Leben von Mörder und Opfer eintauchen, die verfolgte Spur bleibt aber nicht ohne gefährliche Folgen...

Auch wenn die Schauspielerin Irene Adler nur einen einzigen Auftritt in den Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle hat, ist sie zu einer der populärsten Figuren aus dem Umfeld von Sherlock Holmes geworden - was wohl auch dem aktuellen Hype um den Meisterdetektiv geschuldet ist. So hat es die gerissene Schauspielerin nun auch zu einer eigenständigen Serie gebracht, die in der 45. Episode von Sherlock Holmes und Co eingeläutet wurde. Die dortige Handlung wird hier kurz zusammengefasst und dann nahtlos fortgesetzt, sodass die eigentliche Handlung schnell vorangetrieben wird. Der Bezug zu Holmes und Watson, aber auch zu Oscar Wilde und Mycroft Holmes, einer weiteten Serie aus dem Hause Maritim, ist hier sehr eng, die Figuren haben allesamt einen großen Einfluss auf den Verlauf der Handlung. Doch auch bei den Erzählparts wechseln sich Irene und Watson samt einiger gelungener Wortgefechte ab. Dabei geht von der Hauptfigur durchaus viel Reiz aus, ihre Fähigkeiten der Täuschung, die selbstbewusste Art und ihre scharfe Zunge sorgen für einen gelungenen Eindruck, der aber auch noch Potenzial zur Weiterentwicklung bietet. Der Verlauf der Handlung ist insgesamt recht langsam geraten und kommt nicht so recht in Schwung. Dafür sind die Dialoge eine Spur zu lang geraten und halten sich etwas zu lang mit Nebensächlichkeiten auf, der Laufzeit hätte eine Kürzung um zehn Minuten gutgetan. Die Stimmung ist mal locker und heiter, dann spannend oder geheimnisvoll, was abwechslungsreich wirkt und eine dynamische Stimmung präsentiert, zumal sich die Spannung am Ende noch einmal in die Höhe schraubt und einige Überraschungen bietet.

Yvonne Greitzke ist für die Hauptfigur der Irene Adler ausgewählt worden und hat hörbaren Spaß daran, in die facettenreiche Figur zu schlüpfen. Durch sie wirkt die Rolle sehr präsent, zumal sie eine gute Unterscheidung ihrer verschiedenen Identitäten durch eine verstellte Stimme anbietet. Dr. John Watson wird auch hier von Florian Halm gesprochen und punktet mit der gelungenen Kombination aus Geradlinigkeit und einer Spur gutmütigen Spotts, was hier besonders gut zur Geltung kommt. Sebastian Conroy wird von Timo Kinzel gesprochen, seine lebendige und spontan wirkende Sprechweise passt gut in die Szenerie der Folge, zumal er einige ausdrucksstarke Momente bietet. Weitere Sprecher sind Andrea Aust, Florentine Draeger und Rüdiger Schulski.

Die akustische Umsetzung der Serie ist vielfältig geraten und bietet zahlreiche Melodien an, die sich während der Szenenwechsel, aber auch während einiger Dialoge im Hintergrund stimmungsvoll präsentieren und durch einige gut platzierte Geräusche ergänzt wird. Das Zusammenspiel der einzelnen Elemente ist indes nicht immer ganz gelungen, besonders die Unterhaltung der beiden Erzähler John Watson und Irene Adler klingt eher künstlich als lebendig.

Der Style des Covers erinnert nicht zufällig an das Coverdesign von „Oscar Wilde & Mycroft Holmes“, entstammen beide doch dem gleichen Universum und teilen sich einen ähnlichen Untertitel. Die düstere Farbgebung passt auch hier wunderbar, mit dem dunklen Grün als einziges farbiges Element setzt es sich dann aber deutlich genug von der Schwesterserie ab. Das Motiv dieser Folge, dem Londoner Oberhaus, ist mit dem angedeuteten Totenkopf sehr ansehnlich geraten.

Fazit: Der Start in die neue Serie um Irene Adler präsentiert vorerst noch viele bekannte Figuren, die die Ausstrahlung der Folge gekonnt verstärken, den Fokus aber auch etwas von der Hauptfigur ablenkt. Die Geschichte ist gut erdacht und spannend, aber auch eine Spur zu langsam erzählt. Die Szenerie um die Sonderermittler der Krone wird geheimnisvoll und mit viel Witz fortgesetzt, wobei Irene Adler als Hauptfigur mit ihren vielen Rollen gut in Szene gesetzt ist.

VÖ: 28. Juni 2019
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783962823269

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