Sinclair: Dead Zone – 1. Zeichen



John Sinclair ist Inspector bei Scotland Yard und soll gemeinsam mit seinem Partner Zuko im Murder Investigation Team rätselhafte Mordfälle lösen. Er ist allerdings davon überzeugt, dass es dabei auch mit übernatürlichen Dingen zugeht. Wie nahe diese Bedrohung schon bald für ihn ist, ahnt er aber noch nicht im geringsten...

Seit dem Jahr 2000 hat John Sinclair wegen der gleichnamigen Hörspielserie bei Lübbe Audio einen neuen Aufschwung erlebt – und damit sicherlich auch zum großen Hörspielboom dieser Zeit beigetragen. Immer noch läuft die Serie äußerst erfolgreich (sowohl zum Hören als auch die Heftromanserie). Doch der Geisterjäger hat nun zusätzlich noch einen Neuanstrich bekommen, der bereits an der eigentlichen Serie als Regisseur und Produzent mitwirkende Dennis Ehrhardt hat einen Roman verfasst, der ernster, düsterer und erwachsener wirkt. „Dead Zone“ heißt dieser und wird nun auch als sechsteilige Minihörspielserie umgesetzt. Den Anfang macht „Zeichen“, der so einige Parameter der Serie neu setzt. Viele Namen wurden übernommen, die Rollen in dem Gesamtgefüge haben sich aber immer leicht verschoben oder wurden ganz geändert. Es gibt hier keine magischen Waffen, mit denen sich scheinbar unbezwingbaren Gegner dann doch plötzlich besiegen lassen, alles wirkt weniger pathetisch und geerdeter. Auch wirkt die hier aufgebaute Szenerie oft eher wie ein düsterer Thriller, die übernatürlichen Elemente sind zwar vorhanden, stehen aber nicht immer im Mittelpunkt und machen Platz für sehr real wirkende Bedrohungen. Mir gefällt sehr, dass der Tod und Leid hier deutlicher zum Tragen kommen, den Opfern mit ihrem Schicksal viel Raum gegeben wird, diese Szenen wirken eindringlicher, ohne überdramatisiert zu wirken. Die Erzählweise ist dabei sehr gradlinig und rau geraten, die Sprache ist direkt und authentisch, das Tempo nicht zu übereilt, sodass man die einzelnen Elemente gut aufnehmen kann. Sogar die Actionszenen sind sehr anders umgesetzt, meist aus der Ich-Perspektive in abgehackten Wortfetzen, wodurch sie noch eindringlicher wirken. Beide Serien miteinander zu vergleichen wäre allerdings unfair, beide haben ihre Stärken und ihre Daseinsberechtigung, sind in ihrem Rahmen sehr gelungen. Ich schätze diesen ersten Teil von „Dead Zone“ sehr, er macht neugierig auf mehr, sorgt für einige Überraschungen gerade bei gestandenen Sinclair-Fans und wirkt insgesamt moderner und zeitgemäßer. Und: Er ist ziemlich spannend geraten!

Torben Liebrecht ist in dieser Serie als John Sinclair zu hören, er findet einen ganz eigenen Weg, die Figur zu interpretieren und klingt sehr ernst und gefasst, aber auch sehr rau und düster. Celine Fontanges hat mir als Rachel Briscoe ebenfalls sehr gut gefallen, sie prägt ihre Szenen mit ihrem starken Ausdruck und reizt damit einige Facetten aus ihrem Charakter heraus. Peter Kaempfe geht als James Powell ebenfalls neue Wege, klingt sehr gradlinig und direkt, nicht immer sympathisch und gerade deswegen so authentisch und interessant. Weitere Sprecher sind Erik Schäffler, Julian Greis und Patrick Bach.

Die akustische Umsetzung ist sehr aufwendig geraten und wirkt tatsächlich sehr modern und nahbar. Dabei wurde die Musik eher zurückgefahren, sondern auf eine harte und authentische Geräuschkulisse zurückgegriffen. So wird der Hörer tatsächlich mitten in ein Großstadt-Flair hineinversetzt, was manchmal etwas hektisch wirkt und auch einige Male eine Spur zu laut gedreht ist, in sich aber sehr stimmig ist.

Auch beim Cover hat man sich für eine ganz andere Gestaltung entschieden, statt einem dunklen Schwarz ist hier ein reines Weiß die Grundfarbe – ergänzt durch John Sinclair in Rückansicht, wobei seine Kleidung durch ein collagenhaft eingefügtes Großstadtmotiv ergänzt wurde. Die Farbgebung ist hier sehr düster, was einen gelungenen Kontrast zu den roten Lettern des Schriftzuges bildet. Das Booklet ist sehr dick geraten und enthält viele stimmungsvolle Fotos, aber neben den üblichen Produktionsinfos auch einige atmosphärische Textschnipsel.

Fazit: Der „neue“ Sinclair hat gänzlich andere Grundsätze, die in dieser ersten Episode aber nur angedeutet werden. Die Bedrohungen wirken trotz aller Mystik realer und greifbarer, die Stimmung ist rauer und härter. Die Charaktere kommen hier aber noch nicht allzu gut zur Geltung und bleiben ein wenig blass, die erzeugte Spannung und die Stimmung mit viel Großstadt-Ambiente weiß aber zu überzeugen.

VÖ: 29. April 2019
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785755716

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