Phantastische Geschichten – 1. Jori



Jori ist gerade einmal zehn Jahre alt, als die Welt, wie wir sie kennen, sich vollkommen ändert. Eine Art Zombie-Virus lässt die Zivilisation zusammenbrechen. Jori schlägt sich gemeinsam mit ihrer Mutter durch die Welt, lernt von ihr sich zu verstecken und für ausreichend zu Essen zu sorgen. Nie bleiben die beiden an einem Platz, bis sich ihr Schicksal plötzlich ändert...

„Phantastische Geschichten“ hat Oliver Döring seine neue Reihe getauft, die natürlich bei Imaga erscheint und seinen Namen sogar groß auf dem Cover prangen lässt. Erzählt werden in dieser Reihe auch Klassiker anderer Autoren, den Auftakt macht aber die von ihm selbst geschriebene Geschichte „Jori“. Hinter dem harmlos klingenden Titel verbirgt sich jedoch eine knallharte Dystopie, die in unserer Welt im französischen Raum spielt und einen Teil der Menschheit als kämpferische Untote mutiert hat. Die Handlung erstreckt sich über mehrere Jahre und unterschiedliche Abschnitte in Joris Leben, sodass man immer weiter in diese neu erschaffene Welt eintaucht. Wie sich die Menschen organisiert haben, welche Gefahren lauern, welche Schicksalsschläge Jori hinnehmen muss, ist sehr atmosphärisch und dicht erzählt, aber in Teilen auch schon einmal gehört – das Genre hat ja schon einige Vertreter in unterschiedlichen Medien erhalten. Doch irgendwann dreht sich das komplett, eine erstaunliche Entdeckung und die nachfolgenden Entwicklungen sorgen noch einmal für eine sehr innovative und packende Richtung. Dann nimmt die Handlung auch richtig Fahrt auf und überrascht immer wieder mit gelungenen Wendungen und einem sehr offenen, ungewöhnlichen Ende. Im Prinzip ist die Folge in sich abgeschlossen, es gibt aber für Döring immer noch die Möglichkeit, hier noch einmal anzusetzen und weiterzuerzählen. Diese Episode macht auf jeden Fall Lust darauf, die Serie weiter zu entdecken.

Luisa Wietzoreck ist die ideale Besetzung für die Rolle der Jori und schafft es sowohl die nachdenkliche als auch die kämpferische Seite der jungen Frau umzusetzen und die Dynamik der Folge mit ihrer Stimme nachzuzeichnen. Markus Pfeiffer ist als Jean zu hören, auch er passt sehr gut in die düstere Stimmung der Folge und setzt dabei immer wieder gekonnte Akzente, um die Betonung auf einzelne Szenen zu lenken. Auch die wundervolle und leider zu früh verstorbene Franziska Pigulla hat mir sehr gut gefallen, ihre dunkle und rauchige Stimme kommt sehr gut zur Geltung und wird von ihr sehr treffsicher eingesetzt. Weitere Sprecher sind Hans-Georg Panczak, Katrin Fröhlich und Tobias Kluckert.

Mit Hörspielen von Oliver Döring sind auch immer Erwartungen verbunden, die auch in „Jori“ wieder vollkommen erfüllt werden. Wieder gibt es eine sehr fein aufeinander abgestimmt Geräuschkulisse, in der auch mal laute Effekte eingesetzt wurden. Auch die Musik passt sehr gut zu der dystopischen Handlung, wirkt hart und rau, zumal sie in genau der richtigen Dosis eingesetzt wurde.

Das Cover stammt von Lars Vollbrecht und setzt eine ganz eigene, individuelle Optik ein, die die Aufmerksamkeit direkt auf sich zieht. Die schattenhaft dargestellte Gruppe an Menschen mit den rot glühenden Augen ist ein echter Blickfang und wird von dem lebendigen Hintergrund treffend unterstützt. Das Innere ist wie bei den meisten Produktionen von Imaga sehr schlicht und enthält nur die wichtigsten Informationen.

Fazit: „Jori“ ist ein hervorragender Auftakt zu der neuen Reihe und überzeugt mit seiner unheilvollen Ausstrahlung. Die dunkle Zukunftsvision wird mit einer starken Heldin ausgestattet, die sich über mehrere Jahre weiterentwickelt und so viel Dynamik durch verschiedene Szenerien entsteht. Die ständige Bedrohung und einige sehr packende Wendungen sorgen für viel Ausdruck und eine sehr kurzweilige und spannende Umsetzung.

VÖ: 10. Mai 2019
Label: Imaga
Bestellnummer: 9783946207474

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