Phantastische Geschichten - 9. Ein Traum von Armageddon

Phantastische Geschichten – 8. From Beyond

Phantastische Geschichten – 7. Der todbringende Stern

Phantastische Geschichten – Unter dem Messer

Phantastische Geschichten - 6. Berge des Wahnsinns 2/2

Phantastische Geschichten - 5. Berge des Wahnsinns 1/2

Phantastische Geschichten - 4. Die Farbe aus dem All

Phantastische Geschichten – 3. Der Unsichtbare -2-

Phantastische Geschichten – 2. Der Unsichtbare -1-

Phantastische Geschichten – 1. Jori


Phantastische Geschichten - 9. Ein Traum von Armageddon



Der Psychologe Dr. Wizmoore bekommt unerwarteten Besuch von seinem Patienten Jonathan Cooper, ein erfolgreicher Star-Anwalt, der ihn dringend um ein Gespräch bittet – auch wenn er eigentlich am nächsten Morgen einen Termin hat. Doch er vermutet, dass er bis dahin nicht mehr leben könnte. Er wird von einer Serie von Träumen geplagt, die sich immer intensiver, aber auch unheimlicher gestalten…

Mit „Ein Traum von Armageddon“ hat Oliver Döring für seine „Phantastischen Geschichten“ eine recht unbekannte Geschichte von H.G. Wells umgesetzt, diese aber auch wieder in unsere heutige Zeit transportiert und deswegen einige gelungene Anpassungen vorgenommen – was ja bereits in den vorigen Episoden der Fall war. Die Besonderheit ist jedoch, dass die Träume von Jonathan Cooper noch weiter in die Zukunft reichen und dort ein erschreckendes Bild der weltpolitischen Situation zeichnet. Die anfangs ruhige Szenerie um die Begegnung von Jonathan Cooper und dem Psychologen Dr. Wizmoore wird zunächst ruhig aufgebaut, das Interesse an der Handlung wird durch düstere Andeutungen aber schnell spannend gehalten – und diese schweben fortan über der Geschichte, was eine markante Szenerie aufbaut. Die Handlung verläuft dabei anders, als ich es erwartet hätte und wird immer intensiver und bedrückender, wobei der Hörer die Szenen aus der Zukunft in gespielten Szenen miterlebt und die Gespräche zwischen Jonathan und seinem Psychiater als Rahmenhandlung mit ergänzenden Kommentaren und einer geschickten Einordnung dienen. Das ist lebhaft, gut strukturiert und sehr eingängig umgesetzt, die sich immer weiter steigernde Spannung und der mysteriöse Hintergrund haben mir ebenfalls sehr gut gefallen, sodass eine weitere sehr hörenswerte Episode der Reihe entstanden ist.

Hans Georg-Panzcak ist in der Rolle des Jonathan Cooper gesprochen und holt sehr viel aus der Figur heraus, indem er gekonnte Betonungen und glaubhafte Emotionen offenbart. Dabei zeichnet er den Spannungsbogen der Handlung gekonnt nach und setzt feine Akzente, was sehr überzeugend geraten ist. Dr. Wizmoore wird von Frank Roth gesprochen, der mit einer gekonnten Betonung sowohl die Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann, aber auch seinen Gesprächspartnern das Rampenlicht überlassen kann, was die Wirkung der Geschichte unterstreicht. Auch Thomas Nero Wolff überzeugt in der Rolle des Hedon, sein markanter Ausdruck passt sehr gut in die eindringliche Szenerie und zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Weitere Sprecher sind Yvonne Greitzke, Norman Matt und Marie Bierstedt.

Oliver Döring versteht es auch hier wieder, eine sehr dichte und markante Atmosphäre zu schaffen und baut vor allem mit Geräuschen eine sehr lebendige Kulisse auf. Dabei werden ganz unterschiedliche Szenerien aufgebaut, vom ruhigen Gespräch zwischen Jonathan und Dr. Wizmoore bis hin zu markanten, dramatischen Szenen mit opulenter Unterlegung. Auch Musik ist dabei im Hintergrund eingespielt und trägt seinen Teil zur gelungenen Stimmung bei.

Das Titelbild zur Episode ist sehr futuristisch geraten und erschließt sich erst auf den zweiten Blick, zunächst ist nur das rote, technisch wirkende Licht zu sehen. Erst danach offenbart sich in düsteren Farben das Roboterwesen, das eine entscheidende Rolle in der Handlung annimmt – sehr gelungen. Das Innere ist wieder sehr schlicht geraten, auch hier wurde nur ein kleiner Teil der Sprecher ihren Rollen zugeteilt.

Fazit: Seltsame Träume, die Gegenwart und Zukunft verbinden, ein erschreckendes Szenario mit dystopischen Aussichten, darin eingebettete persönliche Schicksale – „Ein Traum vom Armageddon“ ist hochwertige Science Fiction im typischen Stil von Oliver Döring, die eine Stunde lang begeistern und fesseln kann – sehr hörenswert!

VÖ: 28. Mai 2021
Label: Imaga
Bestellnummer: 9783946207702


Phantastische Geschichten – 8. From Beyond



Der Universitätsprofessor Crawford ist davon überzeugt, dass die Natur dem Menschen gegenüber feindlich gesinnt wird und diese unterliegen wird, wenn nicht künstlich der nächste Evolutionsschritt herbeigeführt wird. Dafür hat er bereits eine Idee entwickelt und erfolgreich an Ratten ausprobiert: Durch Beschallung mit einer bestimmten Frequenz wurde ihre Sinneswahrnehmung deutlich verschärft. Doch sein Freund und ehemaliger Schüler John ist skeptisch und erkennt, wie hart an der Grenze der Ethik er forscht…

Nachdem sich Oliver Döring in der ersten Staffel seiner nach ihm benannten „Phantastischen Geschichten“ vorrangig die Vorlagen von H.G. Wells gewidmet und zahlreiche seiner Werke in die Gegenwart transportiert hat, widmet er sich in der zweiten Staffel dem Horror-Autor H.P. Lovecraft und bringt auch die Kurzgeschichte „From Beyond“ in die heutige schnelllebige Zeit. Dadurch wirken die wissenschaftlichen Ansätze sehr authentisch, aber auch ansonsten ist die Bearbeitung durch Döring der gut geraten. So wird in der Introszene eine katastrophale Szenerie nach einem schrecklichen Unfall beschrieben, die zunächst recht verwirrend wirkt – einfach, weil man noch nicht zuordnen kann, wer die Figuren sind und was passiert sein könnte. Das klärt sich später besser auf, wobei auch hier wieder von einem Erzähler abgesehen wird. Schnelle Schnitte, kleine Zeitsprünge und andere erzählerische Tricks erfordern deswegen auch viel Aufmerksamkeit, gerade das sorgt aber auch für ein hohes Tempo und eine abwechslungsreiche Entwicklung. Mir gefällt sehr gut, dass schon bald unheimliche Elemente eingebunden werden, wobei zunächst schreckliche Visionen, später reale Ereignisse für einen gelungenen Spannungsbogen sorgen. Das spitzt sich alles ziemlich gelungen zu und führt über verschiedene Stufen zu einem spektakulären Finale, welches die vorher getätigten Versprechungen der Handlung vollkommen zu erfüllen versteht und mit viel Nachdruck erzählt wird.

Kaum ein anderer Sprecher hätte die Rolle des Professor Crawford so markant umsetzen können wie Klaus Dieter Klebsch, der mit seiner kratzig-markanten Stimme und feinen Modulationen seines Klangs für einen sehr intensiven Eindruck sorgt und dabei den Spannungsbogen der Szenen betont. Frank Schaff ist als John ebenfalls sehr überzeugend und spricht die Rolle mit viel Energie und einer passenden Attitüde, bringt Erregung, Sorge und Ärger gekonnt herüber und bringt die Figur so bestens zur Geltung. Ila Panke hat als Alice zwar keine sonderlich große Rolle gestaltet diese aber mit viel Energie und einem sich stetig steigernden Ausdruck, was die Szene perfekt zur Geltung bringt. Weitere Sprecher sind Hans Bayer, Bernd Vollbrecht und Marieke Oeffinger.

Produzent und Regisseur Oliver Döring hat für die Geschichte wieder eine sehr eindrucksvolle Szenerie geschaffen, die sich gemeinsam mit der Handlung steigert und an dem alles an der richtigen Stelle ist. Dafür sorgen wieder viele passende Musikstücke, die nicht nur für Stimmung sorgen, sondern auch bei der Orientierung der verschiedenen Szenen sorgen. Und die Sounds sind mal zurückhaltend, dann aber auch wieder markant und ausdrucksstark in Szene gesetzt, um die Steigerung der Stimmung umzusetzen.

Das Cover, dessen Motiv von Tithi Luadthong erstellt wurde, zeigt einen einsamen Mann vor einer halb zerstörten Treppe, ein Gewehr griffbereit an seiner Seite, der auf einen dunkel beleuchteten Torbogen zugeht – samt einiger Tentakel, die in den Geschichten von H.P. Lovecraft allgegenwärtig scheinen. Durchaus ansehnlich, schade nur, dass im Inneren nicht alle Rollen ihren Sprechern zugeordnet sind.

Fazit: Von der ersten Introszene an wird mit viel Druck erzählt, auch nach einigen ruhigeren Momenten danach wird wieder auf einen sehr hohen Spannungsbogen gesetzt. Die Kombination aus einem wissenschaftlich gehaltenen Beginn und dem mysteriösen Thema gefällt mir sehr gut, wobei auch Sprecher und Inszenierung herausragend sind. Ein sehr gelungenes Hörspiel!

VÖ: 16. April 2021
Label: Imaga
Bestellnummer: 9783946207696


Oliver Dörings Phantastische Geschichten – 7. Der todbringende Stern



Ausgerechnet in der Neujahrsnacht 2025 entdeckt der Astronom Michael Hofer riesige Asteroidenschauer, der nach einer Kollision des Zwergplaneten Ceres auf die Erde zusteuert. Die Bedrohung ist so groß, dass das Leben auf der Erde komplett ausgelöscht werden könnte. Doch die Astronomen werden von der Politik zu Geheimhaltung verpflichtet, um eine Panik unter den Menschen zu verhindern. Doch dann entdeckt auch ein dänisches Mädchen zufällig den bedrohlichen Himmelskörper…

Staffel 2 von „Oliver Dörings Phantastische Geschichten“ startet, wie die letzte geendet hat – mit einer Geschichte von H.G. Wells, die allerdings in die heutige Zeit versetzt wurde und auch ansonsten einige weitere Elemente verändert wurden. Die Idee eines todbringenden Himmelsobjekts, welches erst spät entdeckt wird, ist der Ausgangspunkt der Handlung und wird auf ganz verschiedenen Ebenen erzählt. Da gibt es einen wissenschaftlichen Ansatz, der sich mit den Folgen des kosmischen Ereignisses auseinandersetzt. Dabei werden die Folgen für die Erde und seine Bewohner beschrieben, wobei immer neue Erkenntnisse für eine immer bedrohlichere Szenarien sorgen und sich der Schrecken so immer weiter steigert. Es gibt aber auch eine politische und eine mediale Ebene, in der auf realistische Weise in verschiedenen Szenarien auf die Handlungen von Führungsebene und in der Bevölkerung eingegangen wird. Aber auch eine sehr persönliche Ebene mit dem Schicksal eines der Astronomen sorgt für zusätzlichen Reiz und einige emotional berührende Momente. Die verschiedenen Szenen sind eng aneinandergeschnitten und oft nur ein paar Sekunden lang, sodass ein sehr dynamischer Eindruck entsteht. Dennoch kann man allen Entwicklungen gut folgen, wahrscheinlich auch weil keine Handlung im eigentlichen Sinn erzählt wird, sondern eher interessante Momentaufnahmen rund um das faszinierende Thema. Und so ist dann auch das Finale anders, als man es wahrscheinlich erwartet hat, sodass eine weitere starke Episode der Reihe entstanden ist.

In der Rolle des Michael Hofer ist Asad Schwarz zu hören, der wieder mit der ihm eigenen Intensität spricht und die Dramatik der Szenerie betont, den Druck auf die Charaktere gekonnt wiedergibt und den Spannungsbogen der Handlung gelungen nachzeichnet. Auch Bernd Vollbrecht gehört zum Sprecherensemble der Episode, die Rolle des Freddy McNeal wird durch ihn mit viel Energie gesprochen, der mit seiner Ernsthaftigkeit die Kraft der Handlung noch weiter verstärkt. Helmut Gauß spricht die Rolle des (namenlosen) Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika mit einem selbstverständlichen Auftreten und strahlt dabei die Macht seines Amtes überzeugend aus. Weitere Sprecher sind Hans Bayer, Daniel Welbat und Marie Bierstedt.

Auch in dieser Episode präsentiert Oliver Döring wieder eine perfekte ausbalancierte Umsetzung mit einer reichhaltigen und markanten Geräuschkulisse und vielen imposanten Musikstücken. Dazu kommen noch passend eingebundene Stimmverzerrer, beispielsweise bei Radiointerviews oder Telefongesprächen und viele weitere sehr eindrucksvolle Momente. Und einen positiven Flashback, denn die Szenentrenner mit einer kurzen Zeit- und Ortsangabe kommen dem Hörer von Dörings Produktionen sehr bekannt vor.

Passend zu dem Weltraumthema der Handlung ist ein beeindruckender Sonnenaufgang über der Erde zu sehen, über dem ein weißlich eingefärbtes Sternenmeer zu sehen ist, das in einem Strudel auf unseren Planeten zu zuströmen scheint – sehr ansehnlich. Das Innere ist wie bereits in der ersten Staffel sehr schlich geraten, insbesondere weil nur die wichtigsten Rollen ihren Sprechern zugeordnet sind, die anderen sind schlicht mit Kommata getrennt aufgelistet.

Fazit: „Der todbringende Stern“ ist mit seinen vielen kleinen Szenen und einer schnellen Aneinanderreihung sehr dynamisch geraten und dennoch atmosphärisch sehr dicht. Alle eingebauten Ebenen sind interessant und spannend aufbereitet, die Bedrohung durch die Himmelskörper wird immer markanter und dichter erzählt, sodass bis hin zum packenden Finale eine sehr hörenswerte Produktion entstanden ist.

VÖ: 5. März 2021
Label: Imaga
Bestellnummer: 9783946207689


Phantastische Geschichten – Unter dem Messer



Eine anstehende Operation macht Hoyt eine Menge Sorgen, und das obwohl es sich eigentlich um einen Routineeingriff handelt. Dennoch ist er davon überzeugt, die Behandlung nicht zu überleben. Dies raubt ihm den letzten Lebensmut, statt seine noch zur Verfügung stehende Zeit zu genießen, wird ihm die Vergänglichkeit des Lebens allzu bewusst, sodass er kaum noch den Tag der Operation – seinen letzten Tag abwarten kann…

Auch wenn die Reihe „Phantastische Geschichten“ keine fortlaufende Handlung erzählt, sondern einzelne, in sich abgeschlossene Episoden erzählt werden, wurde diese von Imaga in Staffeln unterteilt. Und da nun der Beginn der zweiten Staffel ansteht, wurde ein 20-minütiges Mini-Hörspiel als Appetitanreger veröffentlicht, das es vorerst nur als Download auf der Imaga-Homepage veröffentlicht wurde. Fairerweise wurde aber auch gleich betont, dass „Unter dem Messer“ auch als Bonushörspiel am Ende der Staffel auf CD in einer regulären Folge erscheinen wird. Die Vorlage stammt von H.G. Wells, anders als sonst steht aber keine dynamische Handlung mit immer neuen Voraussetzungen an, sondern ist sehr monologisch und dreht sich in der ersten Hälfte um die Gewissheit zu sterben und damit verbundene Hoffnungslosigkeit, mit einigen philosophischen Gedanken: Was machst du mit dem Rest deiner Zeit, wenn der Sinn fehlt und sich nichts mehr lohnt? Das ist packend und dicht geraten, wobei auch dem Hörer klar ist, dass der Tod Hoyts unausweichlich ist, die Introszene lässt da keine Vermutung offen. Nach seinem Tod geht es mit einer sehr interessanten Episode mit seinem Nachtoderlebnis weiter, die sehr ungewöhnliche Gedankengänge zulässt, versucht den Tod begreiflich zu machen und lässt die Erde und das Leben aus einer ganz anderen Perspektive erleben. Beide Teile der kurzen Handlung gefallen mir gut, sind aber auch sehr still erzählt und bieten kein Hörspiel nach klassischer Idee – besonders im Vergleich zu anderen Produktionen von Döring. Und am Ende gibt es dann noch einen kleinen Dreh, eine sinnstiftende Idee, die so typisch für die Geschichten von Wells ist.

Norman Matt trägt den absolut größten Teil des Hörspiels übernimmt die langen, monologisch aufgebauten Erzähltexte mit viel Ausdruck in der Stimme, die von bitterer Enttäuschung, sanftem Erstaunen bis hin zu überwältigender Erkenntnis reicht. Sehr fein fügt er Facetten hinzu und baut somit einen gelungenen Bogen durch das Hörspiel auf, an dem der Hörer sich orientieren kann – ganz davon abgesehen, dass er auch in den Dialogszenen sehr überzeugend ist. In kleineren Rollen stehen ihm Jaron Löwenberg, Gordon Piedesack und Daniel Montoya zur Seite.

Auch wenn die Geschichte eher eine Momentaufnahme ist, Oliver Döring verlieht ihr dennoch einen kinoreifen Soundtrack und eine sehr intensive Gestaltung mit Geräuschen, die die Wirkung der Szenen sehr gekonnt unterstreichen. Pompöse Melodien und futuristische Klänge sind dabei gekonnt auf die Erzählung abgestimmt und verleihen ihr düstere Farben und einen sehr gelungenen Ausdruck.

Für das Cover des Download-Hörspiels ist ein eigenständiges Cover entstanden, das inmitten einer hellen Sternengalaxie, wirbelnden Lichtbögen und strahlenden Sternen die Silhouette einer durchscheinenden Gestalt andeutet. Gemeinsam mit dem futuristischen Schriftzug der Serie und den schlichten Lettern ist auch hier wieder ein hübsches Titelbild entstanden.

Fazit: Der Vorgeschmack auf die zweite Staffel von „Phantastische Geschichten“ ist beeindruckend geraten und zeigt die Vielfalt, zu der Reihe und Produzent fähig sind. Die kurze Handlung von gerade einmal 20 Minuten Laufzeit präsentiert in fast monologischer Form viele philosophische Gedanken und einen gelungenen Twist am Ende. Mit dieser Momentaufnahme einer Todeserfahrung ist ein ungewöhnliches und hörenswertes Hörspiel gelungen.

VÖ: 2. Dezember 2020
Label: Imaga
Bestellnummer:

Phantastische Geschichten - Berge des Wahnsinns 2/2



Mitten in den Weiten der Arktis haben William Dyer und Charlie Denforth die Überreste einer hochentwickelten Zivilisation entdeckt, halten ihr Wissen aber von den übrigen Mitgliedern der Forschungseinrichtung geheim - aus gutem Grund. Den der Schrecken, der innerhalb der hohen Türme lauert, kostet die beiden beinahe den Verstand...

Nachdem die Grundlagen der Geschichten im ersten Teil gelegt wurden und dieser mit einem Knall endete, geht es in der Fortsetzung von "Berge des Wahnsinns" aus "Oliver Dörings Phantastische Geschichten" zunächst etwas beschaulicher weiter - allerdings kaum weniger intensiv. Denn die Entdeckungen, die Dyer und Denforth gemacht haben, werden sehr eindringlich geschildert. Dabei geht es erst einmal gar nicht um den Fortlauf der Handlung, sondern eben um die Entdeckungen der beiden und den Schlussfolgerungen, die daraus gezogen werden. Und dabei zeigt sich einmal mehr, dass der Transport in die heutige Zeit ein cleverer Schachzug bei der Bearbeitung der Vorlage von H.P. Lovecraft war: Viele Vergleiche und Erkenntnisse zu unserer modernen Technologie steigen den Reiz dieser Ideen deutlich. Durch die Zweiteilung der Handlung - einerseits William Dyers Verhör, andererseits seine Erlebnisse im ewigen Eis - kommt nicht nur mehr Dynamik auf, sondern erlaubt es auch, notwendige Erklärungen lebendig und in Dialogform zu präsentieren. Später kommt dann auch dir Handlung weiter in Schwung, die Erkenntisse neben dabei immer mehr an Schrecken zu und lassen die gelungene Grundidee mit vielen Details lebendig werden. Einige Szenen sind dabei sehr prägsam, aber durch die Konzentration auf die Grundlagen der Handlung werden auch in unscheinbareren Momenten Elemente präsentiert, die zu dem markanten Gesamteindruck beitragen. Sehr hörenswert!

Hans-Georg Panczak ist als Dyer wieder hervorragend, indem er der Handlung mit seiner Stimme viel zusätzliche Atmosphäre verleiht und ehrfurchtsvolle Ankündigungen ebenso gekonnt vertont wie actionreiche oder unheimliche Momente. Eine sehr überzeugende Leistung! Als Denforth ist Rene Dawn-Claude zu hören, der ebenfalls eine überzeugende Sprechweise anbietet und den Spannungsbogen seiner Szenen nachzeichnet. Als Mondi verleiht auch Bernd Vollbrecht der Geschichte durch seine ganz eigene, ausdrucksstarke Art eine markante Stimmung, wobei er viel Energie einbringt. Weitere Sprecher sind Hans Bayer, Antje von der Ahe und Joachim Kerzel.

Oliver Döring hat für die Geschichte mal wieder eine hervorragende Kulisse für seine Handlung erschaffen, die sehr dicht um die Dialoge gelegt wurde. Die dräuende Musik im Hintergrund ist oft präsent und sorgt für viel Atmosphäre, sie wird nur ab und an für eine passende Geräuschkulisse abgelöst. Beides ist gelungen aufeinander abgestimmt und sorgt für das typische düstere Flair einer Döring-Produktion.

Zwei Menschen vor einer riesigen Wand voller seltsamer Linien, getaucht in dunkles, violettes Licht - das Covermotiv zu dieser Folge gefällt mir gut, wobei auch der Rahmen mit dem großen, aber schlichten Schriftzug und dem futuristischen blauen Wirbel gut dazu passt. Wie immer ist das Innere eher schlicht gestaltet und enthält keine weiteren Informationen.

Fazit: Die im ersten Teil sorgsam aufgebaute Handlung wird hier gekonnt weitergeführt. Die Szenerie konzentriert sich dabei zunächst auf die Entdeckungen der beiden Hauptfiguren, erst später kommen durch neue Erkenntisse auch spannende Szenen hinzu. Die Atmosphäre ist aber durchgehend sehr packend und intensiv geraten, sodass die Szenerie sehr markant wirkt und die Ideen von Lovecraft gekonnt aufbereiten.

VÖ: 10. April 2020
Label: Imaga
Bestellnummer: 9783946207610


Phantastische Geschichten - 5. Berge des Wahnsinns 1/2



William Dyer plant einen Bombenanschlag auf eine arktische Forschungsstation, der knapp misslingt. Doch was ihn dazu bewogen hat, liegt schon einige Jahre zurück, als er zum ersten Mal zu einer Expedition in die Weiten der Gletscher aufgebrochen ist und dort nach einer Sprengung einen Schrecken erlebt hat, der ihn nicht mehr losgelassen hat...

Für seine "Phantastischen Geschichten" hat sich Oliver Döring einen gelungenen Kniff erdacht, um bekannte Geschichten auf neue Art zu präsentieren: Er transportiert diese in die heutige Zeit. So bekommt auch "Berge des Wahnsinns" von H.P. Lovecraft nun einen neuen Dreh, wird wegen seiner Länge auf zwei CDs aufgeteilt. Der erste Teil stellt zunächst die beiden Stränge der Handlung vor, beides Mal spielt William Dyer die Hauptfigur: Zunächst wird sein geplanter Anschlag und die nachfolgenden Befragungen der Beteiligten thematisiert. Die Szenen der ersten Expedition sind immer wieder dort hineingeschnitten, was oft recht sprunghaft geschieht und so nicht nur das Tempo steigert, sondern auch die Spannung auf beiden Ebenen erhöht. Waren bei Lovecraft die Erkenntnisse der Forschungen im Vordergrund, sind hier auch die Auswirkungen auf die moderne Welt mit ihren technischen Möglichkeiten beschrieben. Dieser erste Teil des Zweiteilers geht aber auch schon in die vollen, bringt einige entscheidende Erkenntnisse und packende Szenen, eine Szenerie voller Schrecken. Man hat nicht das Gefühl, dass Döring allzu viel für den zweiten Teil aufspart, auch diese Episode ist sehr packend - mal wegen dramatischer und actionreicher Szenen, mal aber auch durch ihre stillen, ruhigen Momente, die intensiv und unheimlich wirken. Und natürlich gibt es auch hier einen Höhepunkt zum Schluss, bei dem man nicht nur nähere Zusammenhänge über die Hintergründe erfährt, sondern auch mit einigen packenden Szenen entlassen wird – der Effekt, dass man deswegen neugierig auf den zweiten Teil ist, ist wahrscheinlich nicht ungewollt. Erneut ist so ein hervorragendes Hörspiel entstanden, das Lust auf den weiteren Verlauf der Handlung macht.

Als William Dyer ist Hans-Georg Panczak zu hören, der sowohl den Forschungs- und Wissensdrang des Mannes, aber auch die düsteren Ankündigungen und seine beängstigende Entschlossenheit sehr gekonnt umsetzt. Sowohl seine Dialoge als auch die Erzähltexte wirken sehr lebendig und eingängig. Dr. Pabody bekommt seine Stimme von Bernd Vollbrecht geliehen, der wie immer eine sehr intensive Aura von seinem Charakter ausgehen lässt, vielschichtig und sehr präsent spricht, was die Stimmung der Episode verstärkt. Dr. Mary Gatney wird von Antje von der Ahe gesprochen, die mir ebenfalls sehr gut gefallen hat und die junge Forscherin sehr markant und energiegeladen spricht, besonders die unheimlichen Szenen weiß sie dabei gekonnt umzusetzen. Weitere Sprecher sind Rene Dawn-Claude, Martin Keßler und Hans Bayer.

Wie immer hat Oliver Döring mit seinem Team eine sehr moderne akustische Umsetzung geschaffen, bei dem vor allem die Geräusche sehr fein aufeinander abgestimmt sind. Neben der modernen Szenerie sind aber auch die mysteriösen Elemente gekonnt umgesetzt, was auch durch die stimmungsvolle Musik geschieht, die vor allem mit klassischen Instrumenten umgesetzt wurde.

Das Cover zu der Episode zeigt die eisige Berglandschaft, die der Schauplatz der Handlung ist. Aus einer Höhle, die mysteriös grünlich schimmert, scheint man auf einen riesigen Gletscher zu sehen, vor dem zwei einsame Menschen stehen. Die moderne Optik passt dabei gut zu der Idee, die bekannte Geschichte in die heutige Zeit zu transportieren. Das kleine beiliegende Booklet ist sehr schlicht geraten und enthält nur die notwendigsten Informationen.

Fazit: Dörings Neuinterpretation von "Berge des Wahnsinns" überzeugt einmal mehr durch den sehr geschickten und authentischen Transport in die heutige Zeit. Der Kern der Handlung wird beibehalten, aber eben auf eine Ebene gehoben. Durch die gelungene Erzählweise kommt viel Spannung und Dynamik auf, was mehr Schwung in die Handlung bringt. Markante Figuren und die sehr dichte Stimmung sorgen ebenso für einen sehr gelungenen Gesamteindruck.

VÖ:6. März 2020
Label: Imaga
Bestellnummer: 9783946207603


Phantastische Geschichten - 4. Die Farbe aus dem All



In dem abgelegenen Ort Arkham stürzt ein kleiner Meteorit ab, was von Anwohnern, Wissenschaftlern und der Presse zunächst nur wenig beachtet wird. Doch das Material aus dem All nimmt an Gewicht ab, hat einige erstaunliche Eigenschaften und sorgt auch bei den Menschen der Umgebung für einige Wandlungen. Die junge Wissenschaftlerin Eve wird einige Jahre später in die Gegend geschickt, um einige Nachforschungen anzustellen...

Oliver Döring präsentiert in der nach ihm benannte Gruselserie „Phantastische Geschichten“ sowohl selbst geschriebene Geschichten als auch Klassiker der Gruselliteratur. Nach dem Freiwerden der Lizenzen für die Geschichten von H.P. Lovecraft ist nun auch „Die Farbe aus dem All„ in die Reihe aufgenommen worden, und wieder hat Döring seine ganz eigene Handschrift hinterlassen und die bekannte Geschichte um eine zweite Ebene ergänze. So verbindet er die Ereignisse aus der Vergangenheit, die recht nahe am Original durch einen Zeitzeugen erzählt werden, durch Ereignisse aus Gegenwart. Darin wirken die neuen Elemente, interessante und facettenreiche neue Charaktere sorgen für Spannung und einige Überraschungsmomente, schließlich kennen auch passionierte Lovecraft-Fans diese Rahmenhandlung noch nicht. Mir gefällt, wie sich die beiden Ebenen gekonnt abwechseln und mit vielen prägnanten Momenten umgesetzt sind, wobei besonders die Originalgeschichte mit ihrer sehr düsteren und unheimlichen Ästhetik für die richtige Stimmung sorgt. Mysteriöse Vorgänge, unerklärliche Ereignisse, ein sich immer weiter ausbreitender Schrecken - das ist packend umgesetzt und bekommt durch die neue Ebene zusätzlichen Reiz mit vielen Überraschungen und einem anderen Ende, das den Hörer sprachlos zurücklässt. Das ist sehr gelungen, wird aber durch eine weitete Kurzgeschichte des Autors als Bonus ergänzt.

Marieke Offinger ist in „Die Farbe aus dem All“ als Eve zu hören, spricht kraftvoll und facettenreich, ist in aufregenden ebenso wie in persönlichen und emotionalen Momenten authentisch, nimmt sich an den richtigen Stellen aber auch zurück und lässt der Handlung oder anderen Charakteren den Vortritt. Die Rolle des Ammi wird von Douglas Welbat gesprochen, dessen sonore Stimme für einige sehr eindringliche Momente sorgt. Gerade durch seine ruhige Art kommen seine Passagen sehr präsent zur Geltung und unterstreichen die unheimlichen Aspekte der Episode, seine Erzählpassagen sind besonders gelungen. Daniel Welbat übernimmt ebenfalls diese Rolle in der jüngeren Version, spricht eingängig und lebendig, arbeitet die düstere Atmosphäre der Handlung heraus und überzeugt mit seinem großen Engagement. In „Der schreckliche alte Mann“ sind Martin Max, Gerrit Schmidt-Foß und Till Hagen zu hören.

Bei der akustischen Gestaltung der Geschichte gibt es zwar die typischen lauten und überraschenden Elemente, die typisch für die Produktionen von Oliver Döring sind. Doch der Grundtenor ist ein anderer, deutlich ruhiger und dezenter, aber eben auch sehr düster und dräuend, wie es auch in der Vorlage vermittelt wird. Geräusche und Musik greifen dabei eng ineinander und sorgen für einen sehr dichten Klangteppich.

Das Cover der Folge ist mit seiner dunkelvioletten Farbgebung ausdrucksstark geraten, zumal man erst auf den zweiten Blick die gut eingebauten Details entdeckt. Lobenswert ist, dass für die Bonusgeschichte ein Wendecover mit individuellem Bild und sogar einem eigenen Backcover geschaffen wurde, wobei die Mitwirkenden beider Geschichten übersichtlich aufgelistet sind.

Fazit: Oliver Döring verbindet hier die bekannte Geschichte von Lovecraft mit einer weiteren Erzählebene, was nicht nur für jede Menge Dynamik sorgt, sondern auch Kennern der ursprünglichen Geschichte einige Überraschungen bietet und dem Hörspiel einen modernen Anstrich verleiht. Die starken Charaktere und die wie immer sehr überzeugende Umsetzung sorgen für ein sehr hörenswertes Hörspiel, welches mich mitgerissen hat.

VÖ: 13. Dezember 2019
Label: Imaga
Bestellnummer: 9783946207580


Phantastische Geschichten – 3. Der Unsichtbare -2-



Griffins hat erkannt, dass er allein seine Ziele nicht erreichen kann, zu auffällig ist es, wenn er sich durch die Gegend bewegt. Und so sucht er sich einen Verbündeten, den er schon bald mit Versprechen nach Macht völlig beeinflusst. Die Polizei ist ihm jedoch immer enger auf der Spur, sodass ein erbarmungsloses Katz-und-Maus-Spiel entsteht...

Der zweite Teil der modernen Neuauflage von „Der Unsichtbare“ von Oliver Döring in der nach ihm benannten Reihe mit „Phantastischen Geschichten“ lässt nicht lange auf sich warten, die Handlung geht dann auch ohne einen Bruch direkt weiter und führt die zuvor gelegten Handlungsstränge gekonnt weiter. Der Hörer begleitet dabei Griffins bei seinem Racheplan und dem Griff nach der Macht, wobei er auch einige kleine Erzähltexte mit seiner Weltsicht präsentiert. Das lässt den Charakter noch intensiver wirken, der aufsteigende Irrsinn und sein kühler, rationaler Ausdruck ergeben eine beängstigende Atmosphäre, die von ihm ausgeht. Die Handlung entwickelt sich dabei konsequent weiter, die Dichte an wichtigen Ereignissen ist sehr hoch und sorgt auch mit seinen schnellen Schnitten für viel Dynamik. Neben dem Handlungsstrang um Griffin und seinen Machtfantasien werden auch seine Gegenspieler weiter verfolgt, wie sie ihm auf der Spur sind. Ein Dorf, das in Panik vor dem Unsichtbaren verbarrikadiert, ein engagierter Inspector und eine militärische Aktion - und alles weiß Griffin zu seinen Gunsten zu nutzen. Das gibt zahlreiche packende Momente, die eine intensive Stimmung ergeben, was durch den Transport in die moderne Zeit noch verstärkt wird. So ist auch der Reiz für Hörer sehr hoch, die die Geschichte bereits kennen, denn einige wesentliche Details sind dadurch verändert worden. Der Abschluss des Zweiteilers ist noch temporeicher und spannender geraten und präsentiert ein sehr gekonntes Ende für die Handlung.

Hannes Maurer hat mir in der Rolle des Marvel sehr gut gefallen, seine ausdrucksstarke Stimme und die sehr gelungene Betonung lassen den Charakter sehr gekonnt zur Geltung kommen. Auch Bodo Wolf gefällt mir als Professor Kemp sehr gut, seine markante Sprechweise unterstreicht die vorherrschende Stimmung und sorgt für einen treffenden Ausdruck des Ermittlers. Natürlich ist auch Asad Schwarz wieder als Griffins zu hören, der den aufsteigenden Irrsinn des Unsichtbaren intensiv umsetzt und von leisen, schmeichlerischen Untertönen bis zum wütenden Aufschrei eine sehr glaubhafte Platte an Facetten bietet. Weitere Sprecher sind Florian Clyde, Bernd Vollbrecht und Dennis Schmidt-Foß.

Wer Hörspiele von Oliver Döring kennt, wird sich im Stil des Hörspiels schnell wiederfinden. So ist es die sehr gut aufeinander abgestimmte Mischung verschiedener Geräusche, die dem Hörspiel so viel Leben verleiht und ihr viel Dynamik verleiht. Die Musik ergänzt die sehr gelungene Szenerie mit markanten, atmosphärischen Momenten. Toll auch die räumlichen Effekte, die Griffins Stimme aus unterschiedlichen Richtungen erklingen lassen.

Natürlich prangt auch hier wieder der schlichte Schriftzug der Serie über dem eigentlichen Motiv. Darauf zu sehen ist Griffin mit seinem bandagierten Gesicht und der dunklen Sonnenbrille, die düstere Gestaltung lässt dabei viele Details im Verborgenen. Im Inneren sind die wichtigsten Produktionsinfos übersichtlich aufgelistet.

Fazit: Auch der zweite Teil von „Der Unsichtbare“ überzeugt mit der intensiven Ausstrahlung, die besonders durch dem sich immer weiter steigenden Irrsinn der Hauptfigur beeinflusst wird. Aber auch die Sehnen seiner Gegenspieler sind lebendig umgesetzt und transportieren die Geschichte gekonnt in die heutige Zeit. Die sanften Änderungen zum Original von H.G. Wells gefallen mir äußerst gut und bewahren immer den Kern der Geschichte. Wieder eine hervorragende Produktion!

VÖ: 13. September 2019
Label: Imaga
Bestellnummer: 9783946207542


Phantastische Geschichten – 2. Der Unsichtbare -1-



Theodor Griffin, ein Forscher an einer Universität, hat eine Formel entdeckt, sich selbst unsichtbar zu machen. Eine verheerende Explosion gibt ihm dabei die Gelegenheit, zu entfliehen und sich fortan zu verstecken und sich seine eigene Welt im Untergrund einzurichten. Doch schon bald verhärten sich die Indizien, dass er überlebt hat...

Dass Oliver Döring ein großer Fan von H.G. Wells ist, hat er bereits in einigen seiner früheren Hörspiele bewiesen. Nun hat er auch Der Unsichtbare als Zweiteiler umgesetzt und in seiner Reihe „Phantastische Geschichten“ veröffentlicht, nicht ohne der Geschichte seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken. So hat er die Handlung einerseits in die heutige Zeit versetzt und so einen modernen Anstrich verliehen. Es ist erstaunlich, was dieser kleine Kniff für eine deutliche Änderung der Stimmung bewirkt, viele wissenschaftliche Ansätze sind eingebunden. Auch die Handlung wurde von Döring deutlich angepasst, wobei das Grundkonstrukt durchaus erhalten geblieben sind. Die veränderten Details liegen aber besonders in den dunklen Absichten der Hauptfigur, seine Machtansprüche sorgen für eine noch düsterere Atmosphäre als es im Original der Fall ist. Neben dem Hauptcharakter wird die Handlung auch auf anderen Ebenen weitererzählt, sowohl die Ermittlungen der Polizei als auch die Dialoge der Pensionsbetreiber sorgen für eine abwechslungsreiche Dynamik und zusätzliche Spannung. So ist eine sehr unterhaltsame und eindringliche Folge entstanden, die der Vorlage reichlich Respekt zollt und durch die vielen kleinen Anpassungen und ein eigenständiges Dialogbuch dennoch eine sehr eigene Art erhält. Da es sich hier um nur den ersten Teil handelt, ist das Ende der Folge natürlich sehr offen, macht aber auch sehr neugierig auf den zweiten Teil der Geschichte.

In der Hauptrolle des Theodor Griffin ist Asad Schwarz zu hören, der eine sehr lebendige und harte Sprechweise wählt - mal ruhig und bedrohlich, mal ausdrucksstark und extrovertiert, sodass er die Dramatik der Geschichte sehr treffsicher und intensiv umsetzt. Susanna Bonasewicz ist in der Rolle der Pensionsbetreiberin zu hören und verleiht ihr mit ihrer sehr präzisen Aussprache eine gutmütige und naive Aura, wobei sie auch für einigen sanften Witz in der ansonsten leise bedrohlichen Szenerie einbringt. Torsten Michaelis ist als Adye zu hören, die in ihren Szenen eine sehr glaubhafte Sprechweise abliefert und die Stimmung der Handlung so sehr gekonnt beeinflusst. Weitere Sprecher sind Florian Clyde, Bodo Wolf und Bernd Vollbrecht.

Die Umsetzung der Geschichte betont den modernen Ansatz, den die Bearbeitung verfolgt. Besonders bei den Geräuschen wird beispielsweise auf moderne Technologien angespielt. Besonders in der Hintergrundgestaltung ist die Folge sehr stark und präsentiert viele Sounds oder Stimmgewirr, was alles am richtigen Platz ist und so gemeinsam mit der Musik für eine eindrucksvolle Szenerie sorgt.

Der ausladende, schlichte Schriftzug der Reihe prangt natürlich auch hier wieder in weißen Lettern über dem eigentlichen Motiv, das in ziemlich kühler Optik das verbundene Gesicht von Theodor Griffin samt großem Hut und dunkler Sonnenbrille. Der computeranimierte Look mag modern wirken, sagt mir hier aber nicht sonderlich zu.

Fazit: Die Neuinterpretation von „Der Unsichtbare“ ist in diesem ersten Teil gelungen. Ziemlich schnell wird auf den Kern der Handlung – die Jagd auf Theodor und seine Machtfantasien – eingegangen, was wegen der vielen Szenenwechsel für einen dynamischen und spannenden Eindruck sorgt. Der Transport in die heutige Zeit und die Anpassungen der Handlung sind sehr gelungen und lassen dieses Hörspiel sehr hörenswert wirken.

VÖ: 23. August 2019
Label: Imaga
Bestellnummer: 9783946207535


Phantastische Geschichten – 1. Jori



Jori ist gerade einmal zehn Jahre alt, als die Welt, wie wir sie kennen, sich vollkommen ändert. Eine Art Zombie-Virus lässt die Zivilisation zusammenbrechen. Jori schlägt sich gemeinsam mit ihrer Mutter durch die Welt, lernt von ihr sich zu verstecken und für ausreichend zu Essen zu sorgen. Nie bleiben die beiden an einem Platz, bis sich ihr Schicksal plötzlich ändert...

„Phantastische Geschichten“ hat Oliver Döring seine neue Reihe getauft, die natürlich bei Imaga erscheint und seinen Namen sogar groß auf dem Cover prangen lässt. Erzählt werden in dieser Reihe auch Klassiker anderer Autoren, den Auftakt macht aber die von ihm selbst geschriebene Geschichte „Jori“. Hinter dem harmlos klingenden Titel verbirgt sich jedoch eine knallharte Dystopie, die in unserer Welt im französischen Raum spielt und einen Teil der Menschheit als kämpferische Untote mutiert hat. Die Handlung erstreckt sich über mehrere Jahre und unterschiedliche Abschnitte in Joris Leben, sodass man immer weiter in diese neu erschaffene Welt eintaucht. Wie sich die Menschen organisiert haben, welche Gefahren lauern, welche Schicksalsschläge Jori hinnehmen muss, ist sehr atmosphärisch und dicht erzählt, aber in Teilen auch schon einmal gehört – das Genre hat ja schon einige Vertreter in unterschiedlichen Medien erhalten. Doch irgendwann dreht sich das komplett, eine erstaunliche Entdeckung und die nachfolgenden Entwicklungen sorgen noch einmal für eine sehr innovative und packende Richtung. Dann nimmt die Handlung auch richtig Fahrt auf und überrascht immer wieder mit gelungenen Wendungen und einem sehr offenen, ungewöhnlichen Ende. Im Prinzip ist die Folge in sich abgeschlossen, es gibt aber für Döring immer noch die Möglichkeit, hier noch einmal anzusetzen und weiterzuerzählen. Diese Episode macht auf jeden Fall Lust darauf, die Serie weiter zu entdecken.

Luisa Wietzoreck ist die ideale Besetzung für die Rolle der Jori und schafft es sowohl die nachdenkliche als auch die kämpferische Seite der jungen Frau umzusetzen und die Dynamik der Folge mit ihrer Stimme nachzuzeichnen. Markus Pfeiffer ist als Jean zu hören, auch er passt sehr gut in die düstere Stimmung der Folge und setzt dabei immer wieder gekonnte Akzente, um die Betonung auf einzelne Szenen zu lenken. Auch die wundervolle und leider zu früh verstorbene Franziska Pigulla hat mir sehr gut gefallen, ihre dunkle und rauchige Stimme kommt sehr gut zur Geltung und wird von ihr sehr treffsicher eingesetzt. Weitere Sprecher sind Hans-Georg Panczak, Katrin Fröhlich und Tobias Kluckert.

Mit Hörspielen von Oliver Döring sind auch immer Erwartungen verbunden, die auch in „Jori“ wieder vollkommen erfüllt werden. Wieder gibt es eine sehr fein aufeinander abgestimmt Geräuschkulisse, in der auch mal laute Effekte eingesetzt wurden. Auch die Musik passt sehr gut zu der dystopischen Handlung, wirkt hart und rau, zumal sie in genau der richtigen Dosis eingesetzt wurde.

Das Cover stammt von Lars Vollbrecht und setzt eine ganz eigene, individuelle Optik ein, die die Aufmerksamkeit direkt auf sich zieht. Die schattenhaft dargestellte Gruppe an Menschen mit den rot glühenden Augen ist ein echter Blickfang und wird von dem lebendigen Hintergrund treffend unterstützt. Das Innere ist wie bei den meisten Produktionen von Imaga sehr schlicht und enthält nur die wichtigsten Informationen.

Fazit: „Jori“ ist ein hervorragender Auftakt zu der neuen Reihe und überzeugt mit seiner unheilvollen Ausstrahlung. Die dunkle Zukunftsvision wird mit einer starken Heldin ausgestattet, die sich über mehrere Jahre weiterentwickelt und so viel Dynamik durch verschiedene Szenerien entsteht. Die ständige Bedrohung und einige sehr packende Wendungen sorgen für viel Ausdruck und eine sehr kurzweilige und spannende Umsetzung.

VÖ: 10. Mai 2019
Label: Imaga
Bestellnummer: 9783946207474

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