Gruselserie – 1. Polterabend – Nacht des Entsetzens



Für Gudrun und ihren Verlobten Gerhard wollen den letzten Abend vor ihrer Trauung mit einem ausgelassenen Polterabend mit ihren Freunden und Familie verbringen. Doch schon bei den Vorbereitungen stürzt die Partnerin seines besten Freundes die Kellertreppe hinunter – nur der erste Vorfall einer Nacht, die die Anwesenden wohl niemals vergessen werden...

Oftmals wurde das Konzept der legendären Gruselserie von Europa aus den 80er Jahren kopiert, doch nun kehrt das Original zurück. Die neuen Folgen sind natürlich in die Neuzeit transportiert worden, doch immer noch gibt es in sich abgeschlossene Folgen mit einem jeweils ganz neuen Setting, die nicht zusammenhängen und sich so sehr abwechslungsreich gestalten. Auch die Titel sind wieder ähnlich aussagekräftig – der Hörer kann sich unter „Polterabend – Nacht des Entsetzens“ gleich etwas vorstellen. Die Folge startet noch recht ruhig mit der aufgeregten Hektik der letzten Vorbereitung, wobei die Vorstellung der wichtigsten Charaktere geschieht, aber recht schnell auch die ersten übernatürlichen Ereignisse eingeführt werden. Diese Szenen zünden und verdichten sich während der gesamten Handlung immer weiter. Besonders gut gefällt mir aber, dass der Hörer die ganze Zeit einen Zusammenhang der Ereignisse erahnt, die Puzzleteile aber erst im späteren Verlauf zusammensetzen kann. Das ist vor allem sehr atmosphärisch dicht und packend geschehen, sodass es mich nicht sonderlich gestört hat, dass einige Charaktere kein wirklich scharfes Profil haben und die Beziehungen der Rollen in manchen Fällen untergeht. Den ganzen Charme der ersten Serie kann diese erste Folge der Neuauflage zwar nicht einfangen, mir hat diese aber dennoch sehr gut gefallen.

Bei der Sprecherliste dürfte vielen alteingesessenen Hörspielfans das Herz aufgehen, wenn man Namen wie Reinhilt Schneider, Regina Lemnitz und Katja Brügger in den Nebenrollen liest. Als Gerhard ist dann auch noch niemand anderes als Andreas Fröhlich zu hören, der seiner Stimme im Laufe der Zeit einen immer Schreck-erfüllteren Anklang gibt und ganz verschiedene Facetten seines Charakters zum Vorschein bringt. Sehr überzeugend ist auch die wunderbare Judy Winter als Apollonia, die mit ihrem tiefen, rauchigen Klang nicht nur wunderbar die unheimliche Atmosphäre der Folge unterstreicht, sondern auch viel Energie mit einbringt. Mit Heidi Schaffrath ist eine weitere langjährige Sprecherin zu hören, die ihre unverkennbare Stimme ebenfalls sehr gekonnt einsetzt und die Spannungskurve der Folge unterstützt.

Die Musik stammt von Jens-Peter Morgenstern und Betty George, kann aber nicht wirklich viel Charme entfalten und klingt etwas zu künstlich, zeichnet aber die spannenden Momente der Folge nach. Die Geräusche sind dann auch schon mal etwas lauter, was für einige Schockmomente sorgt. Es gibt auch Stimmverzerreffekte, die aber nicht so recht zünden wollen und anscheinend auch nicht der größte Kostenpunkt der Produktion dargestellt haben.

Die Machart des Covers erinnert auch wieder stark an die ursprüngliche Serie, die genau deswegen auch oft unter „Neon Grusel“ bekannt geworden ist. Hier ist es ein grelles Gelb, das mit viel Orange und Schwarz kombiniert ein stilisiertes Bild zeigt, auf dem ziemlich viele spitze Gegenstände auf ein erschrocken dreinblickendes Paar zufliegen. Das Innere enthält nur die nötigsten Angaben und einen Ausblick auf die kommenden beiden Episoden.

Fazit: Die Gruselserie von Europa kehrt mit einer starken Episode zurück, die eine unheimliche und atmosphärische Handlung in den Vordergrund stellt. Ein paar Stolpersteine wie einige etwas steife Dialoge und ein nicht ideales Klangkonzept verhindern zwar ein Top-Hörspiel, was aber durch hervorragende Sprecher, viel Dynamik und eine sich immer weiter steigernde Stimmung dennoch sehr hörenswert ist.

VÖ: 1. März 2019
Label: Europa
Bestellnummer: 190758995724

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