Seven – Das Ende aller Tage – 1. Unheimliche Vorzeichen



Esther Frühauf und Eric Johnsson stranden in der Wüste von Mauretanien und müssen sich dabei nicht nur mit dem aggressiven Militär des Gebietes anlegen, sondern bekommen es auch mit einem ganz anderen Kaliber zu tun. Währenddessen ärgert sich der Student Frank Beck am Hauptbahnhof mit seinem eigentlich in einem Schließfach untergebrachten Koffer herum – jedenfalls bis er eine unerwartete Begegnung macht...

Mit „Seven – Das Ende aller Tage“ startet Fritzi Records eine neue Hörspielreihe, die passenderweise auf sieben Folgen ausgelegt ist und dabei eine vielschichtige Geschichte erzählen will. Die Ankündigung hierzu ist vollmundig, da werden Vergleiche zu „komplexen HBO- und Netflix-Serien“ gezogen und „Quentin-Tarantino-Style“ angekündigt. Gewaltige Fußspuren, die zumindest der erste Teil „Unheimliche Vorzeichen“ nicht erfüllen kann – Vergleiche drängen sich eher zu anderen, ähnlich gelagerten Hörspielen auf. Dabei werden in mehreren Szenen ganz unterschiedliche Charaktere vorgestellt, denen ein gewisser Unterhaltungswert nicht abgesprochen werden kann. Ein Hauch Skurrilität umgibt diese (mal mehr, mal weniger), wobei anscheinend in Kauf genommen wird, dass sich einige Widersprüche auftun. Nicht immer passen dabei die Beschreibungen zu dem Verhalten – von Schusseligkeit ist bei Frank trotz anderslautender Ankündigung nicht viel zu spüren. Und auch sprachlich kann hier noch an einigen Stellen gearbeitet werden, die Dialoge wirken manchmal flüssig, manchmal aber eben auch etwas hölzern und steif. Als Beispiel sei ein anschwellender Konflikt in einem Café genannt, der dann plötzlich abbricht und einfach nicht weitergeführt wird. Auch die vielen sexuellen Anspielungen wirken eher unfreiwillig komisch als prickelnd. Die Erzählweise ist hier recht langsam, es wird mehr Fokus auf die Charaktere und die Grundsituationen gelegt – was auch völlig okay ist, doch bei den genannten Referenzen geht es eben schon gleich zu Beginn richtig los und fesselt den Zuschauer schneller, als es „Unheimliche Vorzeichen“ bei mir geschafft hat. Die Zusammenhänge sind hier lange noch nicht klar, lediglich ein paar unheimliche Szenen werden eingebaut. Wie gut diese noch zusammengefügt werden, zeigen erst die kommenden Episoden.

Die Sprecher sind gut ausgewählt und haben hörbaren Spaß an den Rollen, nicht alle können aus den manchmal etwas unglücklichen Dialogen etwas wirklich Lebendiges machen. Julien Haggege ist als Frank Beck wunderbar mit widerstrebenden Gefühlen geplagt, kann sowohl sein Begehren gegenüber Esther als auch das ambivalente Verhältnis zu seiner Mutter darbieten. Diese wird von Philine Peters-Arnolds sehr prägnant gesprochen, ihre verwirrten und religiösen Kommentare bekommen dadurch eine gelungene Ausstrahlung. Ursula Hugo ist als Esther Frühauf mit ihrer prägnanten Stimme natürlich sehr auffällig, kann aber auch viel Dynamik mit ihrer Sprechweise transportieren. Weitere Sprecher sind Engelbert von Nordhausen, Uli Krohm und Sandrine Mittelstädt.

Die akustische Gestaltung ist insgesamt gut gelungen, besonders einige Musikstücke sorgen dabei mit ihrer düsteren Ausstrahlung für die passende Stimmung. Der Mix ist dabei gerade im Gespräch zwischen Frank und einer Polizistin zu sehr zugunsten seiner Mutter abgemischt, die den eigentlichen Dialog zu überdecken droht. An der einen oder anderen Stellen kann man also noch feilen, insgesamt ist das aber schon eine gute Richtung.

Wer sich mit aufwendigen TV-Serien vergleicht, dann aber mit einem extrem schlichten und einfachen Cover daher kommt, sorgt leider auch dafür, dass man sich den Klappentext vielleicht gar nicht durchliest. Ein Pentagramm auf braunem Hintergrund nun nicht gerade die einfallsreichste Idee, die man zu einem Hörspiel mit so vielen Themen haben kann. Auch das Innere ist sehr schlicht aufgebaut und bietet noch einen kleinen Text, der die unheilvolle Stimmung verstärken soll, dazu noch Werbung für die Metalband, die den Titelsong beigesteuert hat.

Fazit: Der Vergleich zu den geradezu ikonischen Filmen und Serien ist hier deutlich zu hoch gegriffen. „Unheimliche Vorzeichen“ baut zwar eine handvoll interessanter Szenerien auf, bleibt aber im Ausdruck insgesamt noch zu blass, ich hätte eine schnellere Entwicklung erwartet. Die Sprache hätte noch Feinschliff benötigt, manche Szenen weisen kleinere bis mittlere Lücken auf, nicht alle Beschreibungen der Charaktere werden dann auch durchgezogen. Ein interessanter Ansatz, der aber noch deutlich Luft nach oben bietet.

VÖ: 8. Februar 2019
Label: Fritzi Records
Bestellnummer: 978-3-86473-516-5

Datenschutzerklärung