Inspector Lestrade – 10. Der Atem des Drachen

Inspector Lestrade – 9. Kainsmal

Inspector Lestrade - 8. Der Geist von Old Hall

Inspector Lestrade - 7. Die Feuerspur

Inspector Lestrade – 6. Vier Schläge am Mittag

Inspector Lestrade – 5. Rot wie Blut

Inspector Lestrade – 4. Das Leichengemäuer

Inspector Lestrade – 3. Eine Kugel für den Liebsten

Inspector Lestrade – 2. Der Zorn des Anubis

Inspector Lestrade – 1. Der Augenblick des Todes


Inspector Lestrade – 10. Der Atem des Drachen



Gemeinsam mit seiner Gattin besucht Inspector Lestrade ein Fest seiner Gemeinde, auf der eine entsetzliche Tat geschieht: Rowland Blanche wird vor aller Augen von seiner eigenen Tochter Nian erschossen, die sich dann auch noch selbst richten will. Die Lestrades sind zudem persönlich betroffen, da Mrs. Lestrade eng mit Nians Mutter befreundet ist und von einigen seltsamen Verhaltensweisen von Nian weiß. Umso verbissener beginnt der Inspector mit seinen Ermittlungen…

Das erste kleine Jubiläum hat „Inspector Lestrade“, die Krimiserie von Regisseur Gerd Naumann, nun mit „Der Atem des Drachen“ hinter sich gebracht: Die zehnte Episode der Hörspielreihe ist in nicht einmal drei Jahren erschienen – und das, obwohl die Serie ursprünglich nur auf wenige Episoden angelegt war. Diese Episode zeigt aber einmal mehr, dass die Fortführung eine sehr gute Idee war und noch Potenzial in der Serie steckt. Wieder wurde ein komplett neuer Ansatz für die Handlung gefunden, wieder gibt es einige undurchsichtige Geheimnisse und wieder setzt sich am Ende alles anders zusammen als man es zunächst vermutet hätte. Doch auch der Beginn ist schon bemerkenswert: Die Szene um die öffentliche Hinrichtung ist sehr intensiv geraten und fängt vor allem den Schrecken und die Panik, die bei den Besuchern entsteht, gekonnt ein, aber auch die Beschreibung der fremden Stimmen in Nians Kopf sind sehr eindringlich geraten. Autor Andreas Masuth hat dabei zu einem gelungenen Kniff gegriffen und das Tagebuch der jungen Frau als Beweismittel eingebaut, sodass man Nians Gedanken und den Verfall ihrer Psyche hautnah miterleben kann. Der Verlauf ist aber auch abgesehen davon sehr spannend und mit vielen aufregenden Momenten versehen, obwohl der Verlauf wieder eher ruhig geraten ist – die Spannung zieht sich hier nicht aus aufgesetzten Actionszenen, sondern aus neuen Erkenntnissen und Wendungen. Schön, dass auch diese Episode wieder so überzeugend geraten ist.

Luisa Wietzorek ist wohl die ideale Besetzung von Nian Blanch, die psychischen Beeinträchtigungen des jungen Mädchens gibt sie mit ihrer hellen, zerbrechlichen Stimme sehr gekonnt wieder und sorgt so für einige sehr intensive Momente. Ihre Mutter Georgina wird von Marion Elskis gesprochen, die ebenfalls viel Energie in ihre Auftritte legt und diese gekonnt kanalisiert, um eine dynamische und überzeugende Sprechweise abzuliefern. Jörg Hengstler fügt dem Hörspiel als Dr. Thomas Lovell noch einige weitere Facetten hinzu und spricht mit ausdrucksstarker Stimme. Weitere Sprecher sind Peter Flechtner, Jürgen Thormann und Sabine Arnhold.

Wieder eher zurückhaltend ist die Umsetzung des Hörspiels geraten, dennoch sind die einzelnen akustischen Elemente sehr gekonnt aufeinander abgestimmt und fügen sich zu einer gelungenen Kulisse für das Hörspiel. Mal heult leise der Wind im Hintergrund, dann wird das lebendige Kirchenfest mit Stimmgewirr im Hintergrund hinterlegt, dann werden die Handlungen der Charaktere akustisch hervorgehoben. Die Musik ist individuell auf das Hörspiel zugeschnitten und sorgt für einige gelungene Stimmungen.

Chinesisches Flair wird auf dem Cover vermittelt. Neben dem farbprächtigen Hintergrund mit einer bemalten Stoffbahn sorgen dafür insbesondere die drei Männer in traditionell anmutender Kluft, markanter Bewaffnung und einem langen Schnurrbart. Neben den üblichen Angaben zur Produktion sind im Inneren ansonsten noch Hinweise auf andere Produktionen aus dem Serienuniversum von Inspector Lestrade zu finden.

Fazit: Bereits der Anfang ist packend, der Verlauf mit der langsamen Aufklärung des familiären Dramas lässt dabei nicht nach und führt zu einem überraschenden, überzeugenden Ende. Garniert wurde das mit chinesischem Flair und psychischer Krankheit, was sehr intensiv geraten ist. „Der Atem des Drachen“ überzeugt auch durch seinen unkonventionellen Verlauf, was mir sehr gefallen hat.

VÖ: 23. Oktober 2020
Label: Fritzi Records
Bestellnummer: 9783864735363


Inspector Lestrade – 9. Kainsmal



Durch unermüdliche Ermittlungen konnte Inspector Lestrade einen Maulwurf in den eigenen Reihen enttarnen: Sein Kollege Stanley Hopkins hat wertvolle Informationen an ein Verbrechersyndikat geliefert. Bei seiner Inhaftierung bittet er inständig um eine Sache: Seine Frau soll in Sicherheit gebracht werden. Doch diese ist im gemeinsamen Haus nicht anzutreffen – und kurz darauf ist auch Hopkins aus seiner Zelle verschwunden. Was haben seine merkwürdigen Andeutungen in den Verhören damit zu tun?

Längst hat sich die Krimi-Serie „Inspector Lestrade“ eine eigene Identität aufgebaut und sich von der Starthilfe der Sherlock-Holmes-Reihe gelöst – eine kleine Anspielung auf den bekannten Meisterdetektiv ist in der neunten Episode dennoch zu hören, hat aber keine entscheidenden Einfluss auf die Handlung. Diese startet direkt furios: Die Enttarnung eines Verräters in den eigenen Reihen erschüttert Scotland Yard, was aufregend und reizvoll geraten ist, was durch das Verschwinden des Maulwurfs und seiner Frau noch weiter unterstrichen wird. Schon dabei sind erste Andeutungen zu hören, dass mehr hinter dem Fall stecken muss als die bloße Weitergabe von Informationen, was sich bei den späteren Ermittlungen immer weiter erhärtet. Doch die Zusammenhänge bleiben lange unklar und werden nur Stück um Stück offenbart, wobei mit einem umfassenden Geständnis noch lange nicht das Ende bedeutet, denn daran schließt sich noch ein äußerst reizvolles und spannendes Finale an. Die Erzählweise ist ungewöhnlich, die Spannungskurve zu Beginn sehr hoch, woraufhin mit einigen wirklichen Wendungen immer neue Richtungen eingeschlagen werden. Das ist wirklich packend geraten und ist in meinen Augen die bislang beste Episode der Serie, die mich auf ganzer Linie überzeugt hat.

Klaus-Peter Grap ist in der Rolle des Stanley Hopkins zu hören, der seine Stimme eindringlich klingen lässt, aber ebenfalls eine geheimnisvolle Aura um den verräterischen Inspector schafft – eine sehr gelungene Leistung. Lutz Mackensy hat eine kleine, aber ausdrucksstarke Rolle gesprochen, die dank seiner eindringlichen Art und der unverkennbaren Stimme sehr gut in die Handlung passt. Als Mrs. Letrade ist natürlich wieder Margrit Strausberger zu hören, die der Episode durch ihre einfühlsame und doch robuste Art um eine weitere Ebene erweitert und mir sehr gut gefallen hat. Weitere Sprecher sind Heiko Akrap, Aline Staskowiak und Tobias Nath.

Akustisch ist eine stimmige Atmosphäre geschaffen worden, die sich oft auf die Sprecher und die Dialoge konzentriert und nebenbei keine anderen Klänge ertönen. Die dadurch entstehende ruhige Atmosphäre wird gekonnt nur einige atmosphärische Melodien ergänzt, die überraschend auch mal etwas emotional wirken und die Szenenübergänge treffend gestalten. Und auch die Geräuschkulisse ist wieder überzeugend und sehr treffsicher eingesetzt.

Das Covermotiv ist wieder im Stil eines alten Ölgemäldes gestaltet und versprüht dadurch ganz besonderen Flair. Zu sehen sind zwei Ermittler am Hafen von London vor dem Bug eines Schiffes mit der Figur eines Meeresgottes, das auch in der Handlung eine wichtige Rolle spielt. Besonders gefällt mir, wie im Hintergrund Nebel und verschiedene Hafengebäude angedeutet werden, wodurch das Bild mehr Tiefe erhält.

Fazit: Eine sehr starke Episode der Serie, die gleich zu Beginn einige Spannungspunkte setzt und dann während der Erzählung durch einen stetigen Informationsfluss nur selten nachlässt. Die langsame Aufklärung des Falles und ein packendes Finale, dazu Anleihen an organisiertes Verbrechen und geheime Verbände – sehr hörenswert!

VÖ: 24. Juli 2020
Label: Fritzi Records
Bestellnummer: 9783864735356


Inspector Lestrade - 8. Der Geist von Old Hall



Die Besserungsanstalt von jungen Damen in den Gemäuern von Old Hall wird von einem Geist heimgesucht. Dies ist jedoch kein Mythos, der von den Bewohnerinnen ersonnen wurde, vielmehr sind fast alle Angestellten dem geisterhaften Mädchen begegnet. Als dann auch noch eine der Insassinnen verschwindet, entschließt sich die Leiterin Madame Patricia doch, Hilfe bei Scotland Yard zu suchen, weswegen Inspector Lestrade und Seargent McKinstry dorthin geschickt werden...

Eine logische und schlüssige Erklärung für scheinbar übernatürliche Ereignisse zu finden ist ein gängiger Ansatz für Kriminalgeschichten, auch die achte Episode der Serie "Inspector Lestrade" spielt mit dieser Idee. Die daraus resultierende Atmosphäre ist sicherlich ungewöhnlich für den eher nüchternen und logisch denkenden Ermittler, bringt aber gelungene und sehr packende Momente mit ein. Abgesehen von der Stimmung, die dabei entsteht, gibt es aber noch andere gelungene Elemente von "Der Geist von Old Hall". So werden dem Hörer überraschend schnell kleine Teillösungen angeboten, die auf die richtige Fährte führen und den Verdacht gegen den Übeltäter immer weiter verdichten. Es ist also nicht die Überraschung, wer hinter der Geistererscheinung steckt, sondern eher, warum dies inszeniert wurde und auf welche Weise dies genau geschieht - und da gibt es eben doch einige dicke Überraschungen. Gepaart mit dem Spiel mit den Sinnen, denen auch bald Lestrade und sein Begleiter McKinstry erliegen, ergibt das eine sehr reizvolle Episode, die eine ganz neue Kolorierung in die Serie bringt. Sicherlich geht es etwas mysteriöser zu als gewohnt, auch die Hintergründe wirken stellenweise konstruierter als sonst. Doch das fällt nicht sonderlich negativ ins Gewicht, da die sehr dichte Stimmung und die sich immer weiter steigernde Spannung sehr gelungen sind, ebenso wie das dramatische Finale der Episode.

Madam Patricia, die Leiterin der Anstalt, wird von Aline Staskowiak sehr energisch gesprochen. Sie fügt ihrer Sprechweise einige sehr glaubhafte Facetten bei, was eine undurchsichtige und ausdrucksstarke Figur erschafft, die zudem einen sehr angenehmen Klang einbringt. Georg Tryphon ist als Dr. Phipps, der medizinische Leiter der Anstalt, zu hören. Auch er bringt eine sehr eigenständige Wirkung mit ein, überzeugt mit starker und glaubhafter Betonung und baut so eine gelungene Aura um seine Figur auf. Vera Bunk spricht die Rolle der Eileen ebenfalls gekonnt, mit ihrer leicht überdrehten Stimme und starken Momenten hinterlässt sie trotz des eher kurzen Auftritts einen guten Eindruck. Weitere Sprecher der Episode sind Cornelia Waibel, Katharina Palm und Bernd Vollbrecht.

Passend zum übernatürlichen Thema der Episode ist auch die Klangkulisse mystischer und unheimlicher geraten, die Musik wirkt melodischer und stimmungsvoller. Aber auch die eingesetzten Geräusche sind sehr treffend eingebaut, so ist beispielsweise das Ziehen des Windes durch die langen Gänge von Old Hall ein Begleiter der Dialoge und sorgt für eine passende Stimmung. Das gefällt mir alles sehr gut, besonders in den unheimlichen Momenten entsteht eine sehr dichte und ausdrucksstarke Atmosphäre.

Der titelgebende "Geist von Old Hall" ist auch auf dem Cover zu sehen - dünn, bleich und in weißem, halb durchscheinendem Kleid streift die Frau durch die Gänge und wird dabei von Inspector Lestrade und Sergeant McKinstry beobachtet. Der Zeichenstil wirkt etwas moderner als gewohnt, ist aber immer noch ansprechend umgesetzt. Der Raum hinter der CD wird für eine Übersicht der bisherigen (und der kommenden) Episoden genutzt, im Inneren ist ein Hinweis auf die Schwesterserie um "Die neuen Fälle" von "Sherlock Holmes", aus dessen Geschichtenwelt Inspector Lestrade stammt.

Fazit: Ungewohnt düster und unheimlich präsentiert sich die achte Episode, die neben der mysteriösen Geistererscheinung noch zahlreiche andere gelungene Elemente einbaut, die in einem aufregenden und bedrohlichen Finale enden. Dass bei der prägnanten Handlung die starken Charaktere nicht untergehen, sondern ihre Spuren deutlich hinterlassen, ist ebenso lobenswert zu erwähnen, sodass man die kleinen Übertreibungen ab und an sehr gut verkraften kann.

VÖ: 17. April 2020
Label: Fritzi Records
Bestellnummer: 9783864735349


Inspector Lestrade - 7. Die Feuerspur



In einer ruhigen Londoner Nacht ertönt plötzlich ein lauter Knall, eine Explosion erschüttert die Sloane Street. Zwar kommt niemand ums Leben, dennoch wird Inspector Lestrade zu dem Fall hinzugezogen und beginnt wie immer mit seinen unermüdlichen Recherchen. Doch er ahnt nicht, dass wesentlich mehr hinter dem scheinbaren Unfall steckt als er zunächst gedacht hätte...

Mittlerweile kommt die Krimiserie „Inspector Lestrade“ ohne die Starthilfe von Sherlock Holmes und Dr. Watson aus, aus deren Kosmos die Hauptfigur entstammt - eine kurze Erwähnung des bekannten Gespanns schadet aber auch nicht in der siebten Episode „Die Feuerspur“. Noch stärker als sonst werden hier die Vorteile der Serie eingebracht, sodass dem Ermittler neben seinem treuen Begleiter Dash noch zahlreiche Seargents und Helfer zur Seite stehen, die Dynamik der Episode wird durch den großen Polizeiapparat spürbar gefördert. Doch auch die (wenigen) Szenen, die die Gegenspieler von Lestrade und seinem Team darstellen, kleine Teile ihres Plans offenbaren und dem Hörer ein wenig Wissensvorsprung geben, sind ein gelungenes Element und verschärfen die Stimmung. Das funktioniert gut, ein paar etwas zu lang geratene Szenen haben sich dennoch eingeschlichen. Auch der feine Humor der Serie kommt wieder treffend zur Geltung, die charmanten Charaktere und die trockenen Sprüche funktionieren sehr gut und sorgen für viel Schmunzeln. Der Fall an sich ist recht rätselhaft, der Hörer wie auch die Hauptfigur bieten nur wenige Anhaltspunkte, was hinter der nächtlichen Explosion steckt. Die Handlung baut sich gelungen auf und führt zu einem unerwarteten Finale, sodass eine runde und hörenswerte Episode entstanden ist.

Mit harter, ausdrucksstarker Stimme setzt Peter Weis die Rolle des Mitch Clemens sehr gelungen um und lässt eine kühle Aura um den Gangsterboss entstehen, die seinen Szenen einen kraftvollen Ausdruck verleiht und die Stimmung der Episode verschärft. Auch Amadeus Strobl passt als Billy Hale sehr gut in die Atmosphäre der Handlung, er spricht mit treffendem Ausdruck und markant. In der Hauptrolle des Inspector Gordon Lestrade natürlich ist Lutz Harder zu hören, der seine Stimme wieder facettenreich klingen lässt und den Spannungsbogen der Episode ebenso gut umsetzt wie die lockeren Szenen mit dem feinen Humor der Hauptfigur. Weitere Sprecher sind Bodo Wolf, Douglas Welbat und Peter Kirchberger.

Die Dialoge stehen auch in dieser Episode der Serie immer im Mittelpunkt, werden aber durch zahlreiche Geräusche gelungen untermalt. So ist beispielsweise die geschäftige Londoner Einkaufsstraße ebenso glaubwürdig und abwechslungsreich umgesetzt wie die nächtliche Szenerie mit dem plötzlichen Knall oder die Szenen auf dem Polizeirevier. Die Musik ist während der Szenenübergänge mit deutlich swingendem Ausdruck lebendig ergänzt.

Der charmante Zeichenstil der Covergalerie der Serie kommt bei dieser Episode besonders gut zur Geltung. Das Feuer aus der Londoner Kanalisation lodert blau, die erschrockenen Menschen und die Kutsche mit dem scheuenden Pferd sind in kräftigen Farben ebenso ungewöhnlich wie ansehnlich geraten. Im Inneren des kleinen Booklets gibt es kaum weitere Informationen.

Fazit: Die Atmosphäre der Serie kommt auch hier wieder sehr gut zur Geltung und sorgt mit dem feinen Humor und den schnellen Entwicklungen aufgrund der vielen ermittelnden Polizisten für Kurzweil, auch wenn manche Dialoge im Mittelteil etwas lang geraten sind. Der Fall an sich nimmt einige verschlungene Pfade und lässt in seinem Druck auch nicht nach, als Identität der Täter und das Motiv klar sind. Das ist sehr gelungen konzipiert und überzeugt auch mit den geschliffenen Dialogen.

VÖ: 25. Oktober 2019
Label: Fritzi Records
Bestellnummer: 9783864735332


Inspector Lestrade – 6. Vier Schläge am Mittag



Als sich der Glockenschlag von Big Ben um einige Sekunden verzögert, ist Inspector Lestrade eher amüsiert denn besorgt. Was sich spätestens ändert, als er die Leiche des Mannes sieht, der diese Verzögerung hervorgerufen hat. Denn der Wissenschaftler Westbrook wurde von den Schlägel vollkommen zerquetscht. Sein Forschungsgebiet war ausgerechnet die Zeit...

Ganz ohne Anspielung auf Sherlock Holmes und Dr. Watson kommt auch die sechste Episode von Inspector Lestrade nicht aus, schließlich hat es die Hauptfigur wegen der aktuellen Popularität des Meisterdetektivs zu einer eigenen Serie geschafft. Wie auch schon die Vorgängerfolgen ist auch „Vier Schläge am Mittag“ von feinem Humor durchzogen, der immer wieder auch an unerwarteten Stellen hervorblitzt und die Szenerie dadurch auflockert. Der Fall um den umstrittenen Zeitforscher ist gradlinig erzählt und klassisch aufgebaut, wobei der Fluss an neuen Informationen stetig ist. So gibt es kaum langwierige Passagen, alles hat seinen festen Platz und bringt die Handlung weiter voran. Als Aufhänger dient dabei immer wieder das Forschungsfeld des Wissenschaftlers, der Beweise für Zeitreisen gefunden haben will und deswegen den Zorn seiner Kollegen sowie der Kirche auf sich zieht. Motive für den Mord gibt es also viele, der Fall ist aber deswegen auch nicht leicht zu durchschauen. So klären sich die wichtigsten Indizien erst ganz am Ende, was das Interesse durchgängig hochhält. Der symbolträchtige erste Mord bleibt zudem nicht der einzige, was für weitere Dramatik sorgt. Die Spannung ist dabei recht gleichmäßig und kommt ohne hochtrabende Szenen aus, was den bisherigen Stil der Serie unterstreicht. Hier passt alles gut zusammen und wurde mit einem ausdrucksstarken Finale versehen, sodass eine weitere starke Episode entstanden ist.

Die Besetzung der Folge kann mit der sehr guten Geschichte mithalten und präsentiert viele starke Stimmen. Jürgen Thormann ist beispielsweise als Bischof zu hören, seine kratzige Stimme nimmt hier einen machtvollen Klang an, der sehr gut zu der Rolle passt und viel zusätzliche Stimmung mit einbringt. Mr. Coleman wird von Douglas Welbat gesprochen, auch er setzt viel Energie ein und schafft so einen markanten Charakter, der die Aufmerksamkeit an den richtigen Stellen auf sich zieht. Auch Eckart Dux hinterlässt als Mr. Williams einen sehr positiven Eindruck, mit seiner gelungenen Betonung schafft er einen individuellen und markanten Charakter. Weitere Sprecher sind Heiko Akrap, Stefan Gossler und Achim Buch.

Auch die akustische Umsetzung der Folge ist eher ruhig geraten und passt sich so der Stimmung der Folge gut an. Einige Hintergrundgeräusche sorgen für passende Szenerien und lassen die Dialoge lebendiger wirken, während die Musik recht leise im Hintergrund gehalten wurde, die vorherrschende Atmosphäre aber gekonnt aufgreift und weiter verstärkt.

Der Glockenturm von Big Ben ragt nicht nur in der Realität über dem Westminster Palace auf, sondern auch auf dem Cover. Der Look im Stil eines alten Gemäldes wird hier etwas mehr aufgebrochen und zeigt großflächigere Farben als bei den vorigen Episoden und ist zudem auch einer ungewöhnlichen Perspektive gezeigt. Im Inneren wird die bereits bekannte Gestaltung gezeigt.

Fazit: „Vier Schläge am Mittag“ ist ein weiterer sehr gradlinig und stimmig erzählter Krimi der Reihe mit einem reizvollen Verbrechen und vielen Verknüpfungen, die es zu ermitteln gilt. Der Fluss an neuen Informationen ist stetig, die Figuren einprägsam, die Szenerie sehr stimmig umgesetzt. Und auch der feine Humor der Serie kommt hier mit kleinen Kommentaren sehr gut zur Geltung, was die gelungene Folge noch abrundet.

VÖ: 26. Juli 2019
Label: Fritzi Records
Bestellnummer: 9783864734021


Inspector Lestrade – 5. Rot wie Blut



Als die Gattin eines wohlhabenden Bankiers auf einer ausgelassenen Feier plötzlich tot zusammenbricht, wird sofort Inspector Lestrade zum Tatort gerufen. Ein Schuss hat die Dame getötet, der Täter konnte hingegen unentdeckt bleiben. Und so müssen alle Besucher des rauschenden Festes befragt werden – doch dann macht Lestrade bei der Untersuchung der Leiche eine äußerst merkwürdige Entdeckung...

Deutlich schillernder und vielschichtiger als in den Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle wird „Inspector Lestrade“ in der gleichnamigen Hörspielserie beschrieben. In Folge fünf wird dann auch der Bezug zu Meisterdetektiv Sherlock Holmes nicht weiter thematisiert wird. Aber sei es drum, solange die Geschichte so stimmig und ungewöhnlich ist wie „Rot wie Blut“. Da ist zum einen die „menschliche“ Seite in der Handlung, mit Szenen aus Lestrades Eheleben, seinem einfühlsamen und doch bestimmten Umgang mit seinen Kollegen oder geschickt eingestreuten Szenen um einige Nebenfiguren, die die Handlung zwar nicht voranbringen, aber äußerst unterhaltsam geraten sind. Auf der anderen Seite steht ein Fall, der einige neue Facetten in das Genre Krimihörspiel einbringt, denn Tatmotiv und -hergang bleiben lange Zeit im Dunkeln. Nur langsam erkennt man einige wenige Zusammenhänge, die dann auch gleich für zusätzliche Spannung sorgen. Wie sich Lestrade dem Täter nähert, ist mal nicht über Motiv oder Möglichkeit, sondern über die Tatwaffe gelöst, was gekonnt ausgekostet wird. Das Finale punktet dann auch mit einigen leidenschaftlichen und markanten Szenen, die alle ausgelegten Fäden zusammenführen und mir – genauso wie der Rest des Hörspiels – wirklich sehr gut gefallen haben.

Michael Pink darf natürlich auch in dieser Episode nicht als Inspector Dash fehlen, mit seiner klaren Stimme und dem glaubhaften Ausdruck überzeugt er vollkommen und gibt der Hauptfigur einen gelungenen Gegenpart. Jörg Hengstler ist als D. Thomas Lovell zu hören, der eine ganz eigene Facette in die Handlung einbringt und mit viel Energie bei der Sache ist. Margrit Strassburger hat mir als Gattin der Hauptfigur wieder sehr gut gefallen, mit spitzer Zunge und sehr präsentem Auftreten sorgt sie für viel Schwung und Erheiterung. Weitere Sprecher sind Arne Stephan, Marieke Oeffinger und Dagmar Dreke.

Die akustische Gestaltung der Serie gefällt mir auch bei dieser Episode wieder sehr gut, weil sie eher unaufdringlich ist und dennoch für zusätzlichen Charme sorgt. Die eingebundenen Melodien passen gut zu der vorherrschenden Stimmung, die Geräusche sind stimmig eingefügt und lassen die Szenen lebendiger wirken.

Die erste Szene auf der Party mit der ermordeten Frau wird auf dem Cover im Stil eines Ölgemäldes treffend dargestellt. Die verwendeten Farben sind kräftig und bringen das Rot am Hals der Dame sehr gut zur Geltung, während die im weißen Kleid auf dem Boden liegt. Ihr sich über sie beugende Mann und die anderen Gäste sind in gedeckten Farben gehalten. Ein sehr hübsches und passendes Titelbild, während die restliche Gestaltung wieder eher schlicht ist.

Fazit: Ein sehr unterhaltsamer Fall für Inspector Lestrade mit zahlreichen gelungenen Ideen, die sehr gut zusammen funktionieren und in einen flüssigen Verlauf eingebunden sind. Die Herangehensweise an diesen Fall ist ungewöhnlich, passt aber sehr gut zu der Serie und den Charakteren. Diesen wird auch immer wieder die Möglichkeit gegeben, sich weiter zu entfalten, sodass es immer wieder kräftig „menschelt“. Sehr hörenswert!

VÖ: 12. April 2019
Label: Fritzi Records
Bestellnummer: 9783864734014


Inspector Lestrade – 4. Das Leichengemäuer



Zunächst wundern sich die Bauarbeiter, die bei der Sanierung eines lange leerstehenden Gebäudes eine Treppe in einen Kellerraum entdecken, der auf keinem Plan eingezeichnet ist. Doch als sie Dutzende Skelette vorfinden, brechen sie in blanke Panik aus. Chiefinspector Lestrade widmet sich persönlich dem Fall und stößt auf einen Arzt mit zweifelhaftem Ruf, den er direkt überprüft...

Nach dem Erfolg der zunächst nur auf drei Episoden angelegten Krimi-Hörspielserie „Inspector Lestrade“ geht es nun erfreulicherweise doch weiter. Der aus den Sherlock Holmes-Geschichten bekannte Hauptcharakter gibt auch hier wieder einen kleinen, humorigen Hinweis auf den Meisterdetektiv, ermittelt aber ansonsten eigenständig – und das ist einem brisanten Fall, der wegen seines Umfanges direkt zu Anfang für Spannung sorgt. Eine solche große Leichengrube mag man sich kaum ausmalen, zumal diese mit einigen grausigen Details ausgeschmückt wurde. Die Ermittlungen gehen dabei zunächst langsam voran, zunächst werden einige Grundzüge abgesteckt und anfängliche Verdächtige überprüft, die in den Fall verwickelt sein könnten. Schon bald wird der Hörer dann aber mit vielen neuen Informationen versorgt, bekommt ergänzende Informationen und kleine Splitter vorgesetzt, was intensiv und packend geschehen ist. Garniert mit einem feinen Witz und charmanten Charakteren wird dies über mehrere Etappen fortgesetzt, bis vor dem großen Finale ein kleiner zeitlicher Sprung eingebaut ist. Die Ermittlung der wesentlichen Beweise wird so ausgelassen und erst später kompakt präsentiert – ein sehr gelungener erzählerischer Kniff, der noch einmal mehr Schwung mitbringt und für einige Überraschungen sorgt. Hinzu kommt, dass die zu vor aufgebauten Themen sehr gut erklärt werden und so alles stimmig aufgelöst wird, auch wenn das Einknicken des Täters doch etwas plötzlich kommt. Dennoch: „Das Leichengemäuer“ ist ein sehr hörenswertes Kriminalstück, welches die Qualität der Reihe weiter unterstreicht.

Lutz Harder spricht natürlich wieder den Inspector Lestrade und stellt ihn als fieberhaften und engagierten Ermittler dar, webt in diesen Eifer aber auch feinen Humor und den Sinn für Gemütlichkeit ein. Bodo Wolf ist als Commissioner Cedric Hawksley zu hören, den er mit viel Energie ausstattet und so seine Szenen gekonnt zur Geltung bringt. Sehr gut gefallen hat mir Dagmar Dreke als Marcia, die eine sehr komplexe Figur schafft und mit feinen Nuancen in ihrer Stimme eine große Wirkung erzielt. Weitere Sprecher sind Achim Buch, Jürgen Thormann und Tim Knauer.

Auch akustisch wird dem Hörer hier eine sehr runde Umsetzung geboten, die sich immer auf die Dialoge fokussiert, aber eben mit einigen gut eingebauten Musikstücken und recht vielen Geräuschen angereichert wurde. Diese gestaltet insbesondere die verschiedenen Hintergründe sehr detailliert und vielseitig, sodass die Szenen eine passende Ausstrahlung bekommen.

Das Cover zeigt nichts von den grausigen Details, sondern lässt in der Fantasie des Betrachters gemeinsam mit dem Folgentitel das meiste von selbst passieren – der Durchbruch in der Wand, einige Treppenstufen nach unten und die beiden Hauptfiguren im Vordergrund erledigen den Rest. Das Rot des Rahmens zieht sich wieder durch die restliche Gestaltung, die übersichtlich und schlicht gehalten ist.

Fazit: Gerade nach diesem sehr starken Fall für Inspector Lestrade ist es sehr erfreulich, dass die Serie doch fortgesetzt wird. Sofort wird der Hörer von der düsteren Stimmung mit den vielen grausigen Details eingefangen und immer weiter mit neuen Informationen versorgt, was die Spannung der Folge erhöht. Die clevere Erzählweise beweist sich insbesondere am Schluss, wenn alle rätselhaften Vorkommnisse gelungen aufgeklärt werden.

VÖ: 26. Oktober 2018
Label: Fritzi Records
Bestellnummer: 978-3-86473-400-7


Inspector Lestrade – 3. Eine Kugel für den Liebsten



Nach einer Theatervorstellungen fallen Schüsse, der Premierminister bricht getroffen in sich zusammen. Nur durch den beherzten Schutz durch Commissioner Hawksley kann sein Tod verhindert werden. Die Aufregung ist groß, denn nicht nur weitere Attentate müssen vereitelt werden, auch das Fassen des Täters hat hohe Priorität. Inspector Lestrade arbeitet unter Hochdruck und muss sein Team dabei vor allzu übereilten Handlungen zügeln...

In den ersten beiden Episoden von „Inspector Lestrade“ gab es noch Schützenhilfe durch Sherlock Holmes und Doctor Watson, aus dessen Geschichten der Charakter entnommen wurde. Im dritten (und eigentlich letzten) Teil muss er nun ohne das berühmte Gespann auskommen, was bei der erzählten Handlung aber nicht negativ auffällt. Denn schon in der ersten Szene wird das oben beschriebene Attentat inszeniert, was durch den entstehenden Trubel intensiv auf den Hörer wirkt. Nach diesem – Achtung Wortwitz – Startschuss geht es direkt spannend mit den Ermittlungen weiter, durch den stetigen Fluss an neuen Informationen kommen keine langwierigen Momente auf, im Gegenteil nähert man sich immer mehr der Auflösung und ahnt schnell, dass mehr hinter dem Attentat steckt als vermutet. Lestrade ist dabei im Gegensatz zu den Geschichten vom Arthur Conan Doyle als sehr kompetenter und besonnener Ermittler dargestellt, der stets die Kontrolle über die Situation behält, mit scharfem Verstand der Auflösung näher kommt. Das ist gut gelungen und bietet so einige überraschende Wendungen, die mit sehr gutem Timing eingebaut sind. Zwar kann man dann schon einige Momente vor dem großen Knall ahnen, wohin die Geschichte sich entwickelt, doch mit emotionalen und sehr spannenden Abschlussszenen wird auch hier noch der Pegel oben gehalten. Schön, dass die Serie doch nicht mit dieser starken Episode aufhört, sondern auch in Zukunft fortgesetzt wird.

Commissioner Hawkings wird von Bodo Wolf gesprochen, der mit viel Härte und Durchsetzungskraft spricht, aber auch Überraschung und bissigen Spott in die Handlung einbaut, was sehr rund und in sich stimmig wirkt. Peter Weis ist als Premierminister Catrell zu hören, auch er macht einen sehr guten Eindruck und bietet über die gesamte Laufzeit eine glaubhafte Leistung. Margit Strassburger ist als Mrs. Lestrade zu hören, die sie mit einer großen Portion Charme und Nachsicht ausstattet, aber auch die Dramatik der letzten Szenen gekonnt aufgreift. Weitere Sprecher sind Michael Pink, Nicole Hannak und Bernd Vollbrecht.

Akustisch ist die Episode größtenteils unauffällig gestaltet, meist sind nur wenige Geräusche zur Hintergrundgestaltung zu hören. Doch die erste Szene und einige weitere bieten eine aufregende Akustik, dann ist viel los, um die Dynamik des Momentes zu unterstützen. Auch die Musik hält sich dezent zurück, nur ab und an ist mal eine kleine Melodie eingestreut.

Der Moment des Attentats wird auch auf dem Cover dargestellt – allerdings aus der Sicht des Täters, was einen interessanten Kniff bietet. Das Gewehr sticht aus den dunklen Schatten nur leicht heraus, die hell erleuchtete Kulisse vor dem Theater ist aus einer gut gewählten Perspektive zu sehen. Die restliche Gestaltung in dem satten Rot ist übersichtlich gestaltet.

Fazit: Eine sehr starke Episode, die auch ohne die beiden bekannten Charaktere sehr spannend und reizvoll erzählt wurde. Die Hinweise verdichten sich immer mehr, wobei viele Überraschungen vorkommen, auch nach dem aufregenden Beginn wird also dynamisch und lebendig weitererzählt. Das packende Finale schließt die Folge dann sehr gelungen ab.

VÖ: 6. Juli 2018
Label: Fritzi Records
Bestellnummer: 978-3-86473-338-3


Inspector Lestrade – 2. Der Zorn des Anubis



Erster Eindruck: Inspector Dash, der Frauenschwarm...

Inspector Lestrade wird zu einem Tatort gerufen, der selbst den hartgesottenen Ermittler auf die Probe stellt. Denn dem Opfer wurde nicht nur das Herz aus dem Leib geschnitten, sondern dieses auch in seiner eigenen Hand plaziert. Bei seinen Ermittlungen stößt Lestrade trotz Unterstützung seines Commissioners jedoch auf Widerstand, denn Lord Mockridge war ein Mitglied des Oberhauses...

Wenn eine neue Serie erscheint, die einen engen Bezug zu einer bekannten Geschichte oder einem populären Thema aufweist, muss sie sich unweigerlich mit dem Original vergleichen lassen. Schön, dass die zweite Folge von „Inspector Lestrade“ bei dem Vergleich mit den Hörspielserien um Sherlock Holmes nicht scheuen muss, denn die Handlung von „Der Zorn des Anubis“ ist durchaus vielseitig und spannend. Dabei konzentriert sich die Folge ganz auf die Ermittlungen des Inspectors, ein Blick auf den Täter oder andere Szenen wird dem Hörer nicht gewährt. So ist man immer auf dem gleichen Wissensstand wie Lestrade und kann seine eigenen Schlüsse ziehen. Der Aufbau ist dabei clever und gut durchdacht, immer weitere Fakten werden dem Gesamtbild hizugefügt, wobei einige ausgelegte Fährten ins Leere laufen und die Spannung noch weiter erhöhen. Glücklicherweise kommt dabei auch der Humor nicht zu kurz, immer wieder lockern flotte Sprüche das Geschehen auf. Dass diese oft aus der speziellen Beziehung zwischen Lestrade und Inspector Dash entspringen, schärft zudem noch das Profil der Hauptcharaktere. Das ist richtig gut gelungen und wird durch ein sehr stimmiges und eindringliches Finale abgeschlossen, das zudem noch ein aktuelles Thema aufgreift. Toll, wie unterhaltsam hier die reinen Ermittlungen oder Actionsequenz oder hochtrabende Spannungsmomente aufbereitet werden, sodass ein Krimi alter Schule mit einigen gewitzten Elementen entstanden ist.

Das tolle Gespann aus Lutz Harder und Michael Pink in den Hauptrollen des Lestrade und des Dash funktioniert hier bestens, man merkt beiden die spezielle Chemie zwischen den beiden an, sodass sie sowohl in ernsten wie auch in humorvollen Momenten überzeugen können. Gerald Paradies ist als Commissioner Hawksley zu hören und setzt seine Szenen mit viel Ausdruck in der Stimme und einer sehr treffenden Betonung um, sodass schnell das Bild eines ebenso harten wie engagierten Mannes entsteht. Eckart Dux ist als Lordkanzler Giffard zu hören, auch er spricht prägnant, präsent und sehr eingängig. Weitere Sprecher sind Jörg Hengstler, Ilka Teichmüller und Margit Strassburger.

Auch in dieser Folge gefällt mir die akustische Gestaltung gut, die die Szenen stimmig und atmosphärisch wirken lässt, ohne von den Dialogen abzulenken. So gibt es einige Musikstücke, die in die Handlung eingebaut sind und deren Stimmung aufgreifen, ebenso wie die Geräusche im Hintergrund die Szenen greifbarer wirken lassen. Das wirkt wie aus einem Guss und unterstreicht besonders spannende Stellen.

Die Aufmachung der Serie erinnert stark an die Schwesterserie um Sherlock Holmes, sodass man sich hier schnell zurecht findet – die tiefrote Farbe setzt dennoch ein Alleinstellungsmerkmal. Das eigentliche Bild weist auf den brutalen Mord hin, das menschliche Herz, die blutverschmierten Hände und die vielen Elemente aus der Handlung sind passend zusammengestellt.

Fazit: Die zweite Folge der Serie ist stärker als ihr Vorgänger und überzeugt vor allem dadurch, dass bis auf die kurze Introszene nur die Ermittlungen von Lestrade zu hören sind. Doch diese bauen eine sehr dichte und unterhaltsame Spannung auf, punktet mit vielen gelungenen Gags und einer lebendigen Atmosphäre – sehr hörenswert!

VÖ: 6. April 2018
Label: Fritzi Records
Bestellnummer: 978-3-86473-337-6


Inspector Lestrade – 1. Der Augenblick des Todes



Erster Eindruck: Eine eigene Serie für die bekannte Nebenfigur

Zunächst scheint es ein Routinefall für Inspector Lestrade zu sein, als eine weibliche Leiche in einem Waschhaus gefunden wird. Doch zwei Dinge stören den Ermittler: Einerseits ist die Frau laut der Obduktion keineswegs in der Waschlauge ertrunken, andererseits sind ihre Augen komplett weiß. Bei seinen Recherchen stellt sich heraus, dass dies nicht der erste Todesfall mit diesem merkwürdigen Detail ist...

Fritzi Records bringt in dem aktuellen Hype um Sherlock Holmes eine weitere Serie auf den Markt, die eine Verbindung zu dem Meisterdetektiv aufweist. Denn als Titelfigur wurde Inspector Lestrade ausgewählt, der oftmals voreingenommene und leicht kurzsichtige Ermittler von Scotland Yard, der dem Holmes-Watson-Gespann mal hinderlich, mal hilfesuchend begegnet. Sein Charakter ist in der ersten Folge jedoch anders angelegt, hier ist er scharfsinnig, nachdenklich und offen für ungewöhnliche Gedankengänge. Sicherlich hätte die als etwas einfältige dargestellte Figur nicht im Rampenlicht getaugt, für Holmes-Puristen ist dies aber doch befremdlich. Aber natürlich bekommt er in einer kurzen Szene Schützehilfe von Holmes, der sich gemeinsam mit Watson die bisherigen Ereignisse anhört und seinen Rat beisteuert – eine witzige Szene mit gewohnt liebevoller Ausstrahlung. Die Handlung von „Der Augenblick des Todes“ ist in Krimi in klassischer Machart, Actionszenen oder ein aufgeblasener Spannungsbogen sind nicht zu finden. Vielmehr konzentriert sich die Folge auf die Polizeiarbeit in Scotland Yard, lässt den Figuren aber Luft zu Atmen und ihre eigene Note einzubringen. Der Täter ist – auch dank seiner markanten Stimme – schnell identifiziert, es geht als nur noch darum, ihn dingfest zu machen. Auch sein Motiv für die Morde wirft noch Fragen auf, und durch einen neuen Mord, der in einigen kleinen Szenen vorbereitet wird, kommt mehr Schwung in die Handlung. Das konnte mich durchaus unterhalten, ist aber stellenweise etwas statisch erzählt, weil die Mühlen der Polizei eben doch etwas langsamer mahlen als es bei der bekannten Romanfigur.

Lutz Harder ist in der Hauptrolle des Inspector Lestrade zu hören und bekommt eine gelungene Mischung aus nüchternem Ermittler und einer guten Prise Witz und Ausstrahlung hin. Zudem versteht er es, sich in den richtigen Momenten zurückzunehmen und den anderen Figuren den Vortritt zu überlassen. Ihm zur Seite steht Michael Pink als Sergeant Dash, der als Sidekick gut funktioniert und als etwas ungestümerer Charakter einen passenden Kontrast darstellt. Als Holmes und Watson ist natürlich das wunderbare Gespann aus Christian Rode und Peter Groeger zu hören, die in der kurzen Szene wieder ihren gesamten Charme entfalten können. Weitere Sprecher dieser Folge sind Gerald Paradies, Udo Schenk und Hartmut Neugebauer.

Akustisch wird hier mal ein anderer Weg beschritten. Zwar gibt es auch hier wieder viele passende Geräusche, die gut eingebaut sind, die Musik ist aber recht ungewöhnlich. Da gibt es mal eine schrammelnde Gitarrenmelodie, mal eine Hammond-Orgel und andere genreuntypische Instrumente. Das hat mir wirklich gut gefallen und verleiht der Serie ihre ganz eigene Stimmung.

Das Cover ist da schon wesentlich klassischer gehalten und erinnert wohl nicht umsonst an die erfolgreiche Holmes-Serie, nur dass statt einem dunklen Grün hier ein kräftiges Rot als Grundfarbe ausgewählt wurde. Auch die übrige Gestaltung orientiert sich hieran. Das eigentliche Motiv zeigt die Leiche der Frau mit den weißen Augen, während Lestrade sich halb über sie beugt. Der Zeichenstil erinnert an ein altes Ölgemälde und ist recht detailreich geraten.

Fazit: Der Auftakt der auf drei Folgen ausgelegten Miniserie ist schon einmal gelungen und erzählt trotz einiger langatmiger Szenen eine interessante und hörenswerte Geschichte. Zwar ist der Täter schnell bekannt, die Idee hinter dem Fall offenbart sich aber recht spät, zumal die Spannung durch einen weiteren geplanten Mord hoch gehalten wird.

VÖ: 2. Februar 2018
Label: Fritzi Records
Bestellnummer: 978-3-86473-336-9

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