Die schwarze Serie – 10. Die Verschwundenen

Die schwarze Serie – 9. Der Kupferstich

Die schwarze Serie – 8. Der Käfersammler


Die schwarze Serie – 10. Die Verschwundenen



Erster Eindruck: Eine verloren geglaubte Suche...

Andrew Gwinnet ist eigentlich Journalist, doch er fängt als einfacher Hilfsarbeiter auf der Farm des Ehepaars Ashmore in Illinois an. Dabei ist die Familie im Dorf verschrien, nachdem der Sohn vor einiger Zeit spurlos verschwunden ist. Gerüchte von einem Zerwürfnis machen die Runde, doch Andrew hat eine ganz andere Ahnung, was mit Charles passiert sein könnte...

Auch „Die schwarze Serie“ hat nach der Wiederauferstehung des Labels Maritim unter neuer Führung ein Revival erlebt, sodass fast 13 Jahre nach dem Erscheinen der erste Folge nun die zehnte Episode der Reihe gehört werden kann. Für „Die Verschwundenen“ wurden Motive des amerikanischen Autors Ambroise Bierce verwendet, aber in die heutige Zeit übertragen. Zu Anfang wirkt die Geschichte recht sperrig, da sich die einzelnen Szenen zunächst nicht zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügen wollen. Die Marschrichtung ist zunächst unklar, und das ist erst einmal recht anstrengend. Erst später ist das Konstrukt hinter der Handlung erkennbar, und ab etwa der Hälfte der Handlung ist diese sehr stark gestaltet. Da wird es einerseits unheimlich und mysteriös, aber an einigen Stellen auch sehr emotional. Die Beziehungen der Familie Ashmore, die Wirkung ihres Schicksals auf das Dorf, die Befangenheit ihrer Gefühle, all das ist sehr gut in die Handlung um „Die Verschwundenen“ integriert. Und schließlich machen auch die Verknüpfungen zu den anfänglichen Szenen Sinn, auch das Motiv von Andrew wird klar, woran sich noch einige sehr spannende Szenen mit überraschendem Ende anschließen. „Die Verschwundenen“ ist solide Gruselkost, bleibt eher ruhig und lässt dem Hörer beim zweiten Durchgang noch weitere Feinheiten entdecken.

Sascha Drager ist in der Hauptrolle des Andrew Gwinnet zu hören und lässt seine Stimme in ganz unterschiedlichen Facetten erklingen. Er passt sich sehr gut der jeweiligen Stimmungslage an und ist durchgängig sehr überzeugend. Kaspar Eichel hat mir als Christian Ashmore ebenfalls sehr gut gefallen, er lässt den grantelnden und zurückgezogenen Charakter sehr gut zur Geltung kommen und kann auch die aufkommenden Emotionen des Mannes gekonnt inszenieren. Auch Dagmar Dempe macht ihre Sache als Glenda Ashmore sehr gut, wobei sie ihre ganze Erfahrung einfließen lässt, um eine lebendige Sprechweise zu erzeugen. Weitere Sprecher sind Wolfgang Condrus, Karin Lieneweg und Boris Tessmann.

Insgesamt ist die Geschichte sehr ruhig, was sich natürlich auch in der Umsetzung niederschlägt. So sind die Geräusche meist leise im Hintergrund, die Musik unauffällig während der Übergänge oder einiger besonderer Szenen im Einsatz. Doch an den richtigen Stellen dreht beides auch mal auf und lenkt die Aufmerksamkeit auch akustisch auf dramatische Momente.

Die altertümliche Schrift des Folgentitels wurde auch auf diesem Cover verwendet und ist unter dem eigentlichen Motiv zu sehen, das die verschwommene Silhouette eines Menschen zeigt, der von hinten beleuchtet wurde. Das gibt die Stimmung des Themas gut wieder und ist in seiner Schlichtheit überzeugend.

Fazit: „Die Verschwundenen“ punktet mit einem sehr gelungenen Thema, das im Hauptteil ebenso emotional wie mysteriös umgesetzt ist und in einem bedrückenden Finale endet, das alles stimmig zusammenfügt und mit einer erschreckenden Szene endet. Doch der Weg dorthin ist etwas anstrengend, da sich die Handlung zu viel Zeit lässt, um auf den Punkt zu kommen und viele Details verloren gehen.

VÖ: 9. Februar 2018
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-960660-98-9


Die schwarze Serie – 9. Der Kupferstich



Erster Eindruck: Sinnestäuschung oder mystischer Vorgang?

Edward Williams erhält einen alten Kupferstich, der eigentlich ein recht einfaches Motiv zeigt, dennoch geht eine geheimnisvolle Aura von dem Gegenstand aus. Am nächsten Morgen ist er jedoch völlig verunsichert, denn scheinbar hat sich die Szenerie verändert. Als er noch andere Menschen nach ihren Beobachtungen fragt, macht er einige erstaunliche Entdeckungen...

Lange Zeit war es ruhig um die schwarze Serie von Maritim, doch nach der Wiederauferstehung wurde auch diese Serie erneut gestartet, als insgesamt neunte Folge ist nun „Der Kupferstich“ nach einer Geschichte von M. A. James erschienen. Schon gleich zu Anfang wird auf den sich scheinbar veränderten Kupferstich eingegangen, sodass auch beim Hörer direkt das Interesse geweckt wird. Zunächst beschränkt sich die Handlung auf die Beobachtungen, die Edward und seine Freunde machen. Dabei sind immer wieder Kleinigkeiten anders, die Atmosphäre ist rätselhaft und gespannt, aber nicht wirklich bedrohlich. Das ändert sich schlagartig mit dem Auftauchen einer merkwürdigen Gestalt, und ab da nimmt die Geschichte dann auch eine Wendung. Edward forscht nun mehr nach den Hintergründen, will wissen, was da alles zu bedeuten hat und entdeckt schließlich, dass ein dramatisches Geheimnis hinter dem Kupferstich steckt. Das ist dann auch sehr mystisch und unheimlich erzählt, sodass sich ein sehr rundes und gelungenes Ganzes ergibt. „Der Kupferstich“ hat mich zudem mit seiner Dynamik überzeugt, immer wieder gibt es kleine Überraschungen, die das Geschehen unterhaltsam halten.

Viele hochkarätige Sprecher sind in dieser Folge zu hören, unter anderem sind dies Rainer Fritzsche, Lutz Riedel und Lutz Mackensy. Torsten Sense ist in der Hauptrolle des Edward Williams zu hören, er setzt seine markante und ausdrucksstarke Stimme gekonnt ein. So zeichnet er die Intensität der Handlung mit seiner Stimme nach und trägt den steigenden Schrecken so näher an den Hörer heran. Till Hagens Klang zieht die Aufmerksamkeit nicht weniger auf sich, sodass auch Albert Denninstoun nachhaltigen Endruck hinterlässt. Arianne Borbach spricht die Jane mit viel Leidenschaft und sorgt für einige sehr gelungene Momente.

Die Umsetzung der Geschichte ist vom Produzententeam geschickt umgesetzt worden, die Handlung wird dabei subtil beeinflusst. Dafür sorgen zahlreiche Melodien mit orchestralen Klängen, die insbesondere die Szenenübergänge, aber auch einige entscheidende Dialoge untermalen. Die Geräuschkulisse ist hier eher zurückhaltend, fügt sich aber durchaus stimmig in das Gesamtkonzept ein.

Natürlich ist auf dem Cover das Haus zu sehen, das auch vom Kupferstich gezeigt wird. Das strahlt eine recht ruhige Atmosphäre aus, ist mit der leicht grisselig wirkenden Zeichenart zudem besonders geraten. Auf den Titel der Serie wird nicht nur mit dem Rahmen eingegangen, sondern auch im Inneren – natürlich ist die vorherrschende Farbe hier schwarz.

Fazit: „Der Kupferstich“ startet direkt mit der Handlung, ist im ersten Teil aber sehr ruhig erzählt, sodass die einzelnen Elemente sehr gut zur Geltung kommen. Die späteren Nachforschungen heizen dann das Tempo an und führen zu einem sehr intensiv erzählten und dramatischen Ende. Eine Folge, die mir sehr gut gefallen hat!

VÖ: 30. Juni 2017
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-960660-26-2


Die schwarze Serie – 8. Der Käfersammler



Erster Eindruck: Grauen in der Nacht

Auf der Suche nach einer neuen Anstellung stößt der junge Mediziner Greg Hamilton auf eine merkwürdige Anzeige, in der explizit ein Arzt mit Kenntnissen über Käfer gesucht wird. Von Neugier getrieben meldet er sich bei Lord Linchmere, der ihn gleich zu traumhaften Bedingungen anstellt. Doch der Einsatz auf einem einsam gelegenen Landhaus gerät schon in der ersten Nacht außer Kontrolle...

Wie viele andere Serien auch hat Winterzeit beim wiederauferstandenen Label maritim nun „Die schwarze Serie“ fortgesetzt, welche jeweils eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählt und sich dabei aus dem Fundus bekannter Schauergeschichten bedient. „Der Käfersammler“ stammt beispielsweise aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle, der eben nicht nur seine Geschichten um Sherlock Holmes verfasst hat. Der Aufbau von „Der Käfersammler“ ist insgesamt recht langsam, die Handlung entwickelt sich nur schrittweise weiter. Nachdem die Grundsituation geklärt und Greg auf dem Landsitz angekommen ist, stellen sich dann aber auch schnell der ersten merkwürdigen Begebenheiten ein, insbesondere in der ersten Nacht wird eine sehr erschreckende Szene geliefert, hier wird das Kernproblem der Handlung mit Nachdruck geschildert. Nach diesem Paukenschlag wird die Geschichte mit immer weiteren Details ausgeschmückt und gewinnt dabei an tiefe, auch die Charaktere entwickeln sich dabei immer weiter. Die Szenerie verdichtet sich ab diesem Moment immer weiter, die Stimmung wird düsterer, die Handlung interessanter. Packender Grusel oder eine fesselnde Atmosphäre entstehen dabei zwar nicht, aber ein solides und zum Finale hin sehr gut erzähltes Hörspiel, dass durchaus neben anderen, ähnlich gelagerten Produktionen bestehen kann.

Peter Lontzek ist in der Hauptrolle des Dr. Greg Hamilton zu hören, mit seiner markanten Stimme unterstützt er den Handlungsfluss und setzt insbesondere das Finale der Handlung mit einigen sehr gelungenen Momenten stark um. Frank Glaubrecht ist als Lord Linchmere, der Auftraggeber Hamiltons, zu hören, auch er ist sehr passend besetzt und sorgt mit seinem ausdrucksstarken Klang für eine lebendige Umsetzung. Der wunderbare Jürgen Thormann spricht den knarrigen Jennings mit der ihm eigenen Intensität, wobei sein rauer Klang bestens in die Atmosphäre der Folge passt. Weitere Sprecher sind Luisa Wietzorek, Christine Pappert und Markus Pfeiffer.

Sehr gut gefallen hat mir die akustische Umsetzung der Geschichte, die genau die richtige Dosis an Musik und Geräuschen einsetzt, sodass alle Elemente gut wirken können. So sind es manchmal auch die Momente der Stille, die eine besondere Atmosphäre haben, die besonders dramatischen Szenen sind aber auch mit passender und stimmiger Musik untermalt worden.

Das dunkle Cover gefällt mir ebenfalls sehr gut, die detailreiche Abbildung des großen Käfers ist sehr ansehnlich und wirkt durch die schlichte restliche Gestaltung umso mehr. Der Serientitel verschwindet fast vor dem schwarzen Hintergrund, während der Folgentitel in verschnörkelter Schrift sehr gut dazu ausgewählt ist. Im Inneren werde die Mitwirkenden ausführlich und übersichtlich aufgeführt.

Fazit: Die einzelnen Elemente der Geschichte sind gut miteinander verknüpft und werden stimmungsvoll und unterhaltsam erzählt, wobei das Tempo erst spät anzieht. Der Weg bis dahin ist aber gelungen erzählt, wobei das Finale den unumstrittenen Höhepunkt darstellt und das Hörspiel sehr gelungen abschließt.

VÖ: 24. März 2017
Label: maritim
Bestellnummer: 978-3-960660-25-5

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