Sherlock Holmes – The Classic Collection Vol. 1

Sherlock Holmes Chronicles – 105. Das Mörderspiel

Sherlock Holmes Chronicles – 104. Der Mann mit der Narbe

Sherlock Holmes Chronicles – 103. Der ägyptische Schatz

Sherlock Holmes Chronicles – 102. Das Haus bei den Blutbuchen

Sherlock Holmes Chronicles – 101. Graf Negretto Sylvius / Der Mazarin-Stein

Sherlock Holmes Chronicles – 100. Sein letzter Fall / Das leere Haus

Sherlock Holmes Chronicles – 99. Der erbleichte Soldat

Sherlock Holmes Chronicles – 98. Der Erpresser von Edinburgh

Sherlock Holmes Chronicles – 97. Die Thor Brücke

Sherlock Holmes Chronicles – 96. Mord im Tower

Sherlock Holmes Chronicles – 95. Das Geheimnis der indianischen Maske

Sherlock Holmes Chronicles – 94. Die tanzenden Männchen

Sherlock Holmes Chronicles – 93. Der Tempel der Kali

Sherlock Holmes Chronicles – 92. Der Angestellte des Börsenmaklers / Ein Skandal in Böhmen

Sherlock Holmes Chronicles – 91. Das Mörder-Moor

Sherlock Holmes Chronicles – 90. Das seltsame Verschwinden der Lady Frances Carfax

Sherlock Holmes Chronicles – 89. Das Rätsel der heiligen Familie

Sherlock Holmes Chronicles – 88. Wisteria Lodge

Sherlock Holmes Chronicles – 87. Insel der Schatten

Sherlock Holmes Chronicles - 86. Das Rätsel der schwarzen Abtei

Sherlock Holmes Chronicles – 85. Das schwarze Phantom

Sherlock Holmes Chronicles – 84. Der rote Kreis

Sherlock Holmes Chronicles – 83. Ein fast perfekter Mord

Sherlock Holmes Chronicles: Der Blutsauger von London - 1. Der Vampir vom East End

Sherlock Holmes Chronicles – 82. Die Geheimwaffe

Sherlock Holmes Chronicles – 81. Die Pappschachtel

Sherlock Holmes Chronicles – 80. Der grüne Dunst

Sherlock Holmes Chronicles – 79. Die verschleierte Mieterin / Die Löwenmähne

Sherlock Holmes Chronicles – Weihnachts-Spezial 6. Blutiger Weihnachtsabend

Sherlock Holmes Chronicles – Sonderedition: Das Todesvirus

Sherlock Holmes Chronicles – 78. Das Todeskarussell

Sherlock Holmes Chronicles – 77. Das Rätsel des Rad fahrenden Affen

Sherlock Holmes Chronicles - 76. Der Daumen des Ingenieurs

Sherlock Holmes Chronicles - 75. Mord im Mädcheninternat

Sherlock Holmes Chronicles - 74. Abbey Grange

Sherlock Holmes Chronicles – Oster-Special 2. Immer Ostern für Sherlock Holmes

Sherlock Holmes Chronicles – 73. Die Kombinationsmaschine

Sherlock Holmes Chronicles - 72. Betrifft: Vampire

Sherlock Holmes Chronicles - Weihnachts-Special 5. Der blaue Karfunkel

Sherlock Holmes Chronicles - 71. Die Spur des Falken

Sherlock Holmes Chronicles - 70. Der einsame Radfahrer

Sherlock Holmes Chronicles – 69. Der gelbe Tropfen

Sherlock Holmes Chronicles – 68. Der niedergelassene Patient

Sherlock Holmes Chronicles – 67. Die Selbstmörder von Harrogate

Sherlock Holmes Chronicles – 66. Holmes gegen Holmes

Sherlock Holmes Chronicles - 65. Die verschwundene Braut

Sherlock Holmes Chronicles – 64. Der Mörder von Dresden

Sherlock Holmes Chronicles – 63. Der blutrote Edelstein

Sherlock Holmes Chronicles – 62. Der Artillerist im Ruhestand

Sherlock Holmes Chronicles – 61. Sechsmal Napoleon

Sherlock Holmes Chronicles – Das goldene Osterei (Oster-Special)

Sherlock Holmes Chronicles – 60. Der Albtraum-Express

Sherlock Holmes Chronicles – 59. Der goldene Kneifer

Sherlock Holmes Chronicles - 58. Das Vier-Pfeifen-Problem

Sherlock Holmes Chronicles – 57. Die Katakomben von Paris

Sherlock Holmes Chronicles – 56. Die Akte Ludwig II.

Sherlock Holmes Chronicles – Der kopflose Reiter (Halloween-Special)

Sherlock Holmes Chronicles – 55. Der Club der Rothaarigen

Sherlock Holmes Chronicles – 54. Die Kaiserattentate

Sherlock Holmes Chronicles – 53. Spuk im Strandhaus

Sherlock Holmes Chronicles – 52. Die Geisterschlange / Fünf Apfelsinenkerne

Sherlock Holmes Chronicles – 51. 28 Stufen

Sherlock Holmes Chronicles – 50. Der verbrauchte Talisman

Sherlock Holmes Chronicles – 49. Silver Blaze

Sherlock Holmes Chronicles – 48. Die verschwundene Witwe

Sherlock Holmes Chronicles – 47. Verrat um Mitternacht

Sherlock Holmes Chronicles – 46. Der Baumeister von Norwood

Sherlock Holmes Chronicles – 45. Im Auftrag der Krone

Sherlock Holmes Chronicles – 44. Der todkranke Patient

Sherlock Holmes Chronicles – 43. Das Familienritual / Belladonna

Sherlock Holmes Chronicles – 42. Das verwunschene Haus

Sherlock Holmes Chronicles – 41. Der Fluch von Blackwood Castle

Sherlock Holmes Chronicles – 40. Der Detektiv auf dem Sterbebett

Sherlock Holmes Chronicles – 39. Die Rache des Pharao

Sherlock Holmes Chronicles – 38. Das gefleckte Band

Sherlock Holmes Chronicles – 37. Der verschwundene Diplomat / Der Rheingauer Prinzenraub

Sherlock Holmes Chronicles – 36. Die Entführung aus der Klosterschule

Sherlock Holmes Chronicles – 35. Holmes soll sterben

Sherlock Holmes Chronicles – 30. Das gelbe Gesicht / Die beiden Sonderlinge

Sherlock Holmes Chronicles – 29. Der schwarze Peter / Das Glas mit dem Magenbitter

Sherlock Holmes Chronicles – 28. Der Orchideenzüchter

Sherlock Holmes Chronicles – 27. Die drei Studenten / Die drei Kameraden

Sherlock Holmes Chronicles – 26. Sein schrecklichster Fall

Sherlock Holmes Chronicles – X-Mas Special 4. Das Rätsel der grauen Katze
 

Sherlock Holmes – The Classic Collection Vol. 1



Jabez Wilson sucht die Hilfe von Sherlock Holmes in einer ganz und gar merkwürdigen Geschichte: Der Betreiber eines Pfandhauses benötigt dringend einen Nebenverdienst, um den Unterhalt von sich und seinem einzigen Angestellten zu sichern. Zufällig stößt er auf ein lukratives Angebot, bei dem er nur wenig Zeit und Arbeitskraft einsetzen muss. Einzige Voraussetzung: Der Bewerber muss rote Haare haben... („Der Club der Rothaarigen“)

Kaum eine Figur ist in der Hörspielwelt so populär wie Meisterdetektiv Sherlock Holmes, auch schon bevor der von Sir Arthur Conan Doyle Charakter auch in anderen Medien wie Filmen oder Serien einen deutlichen Schub mit vielen neuen Umsetzungen erfahren hat. Auch Full Cast Audio blickt mit seinen „Sherlock Holmes Chronicles“ auf eine äußerst erfolgreiche Serie zurück, die sowohl eigens geschriebene oder von anderen Autoren adaptierte Fälle beinhaltet, aber auch die originalen Klassiker umsetzt. Zehn von diesen sind nun in der „The Classic Collection Vol. 1“ in einer Neuveröffentlichung in einer Box enthalten, was besonders Holmes-Puristen freuen dürfte. Dabei erlebt man die clever erdachten und immer mit einem kleinen Twist versehenen Geschichten noch einmal auf eine andere Weise, da die Umsetzungen sehr atmosphärisch geraten sind. Schön ist auch die Bandbreite, die hier präsentiert wird: Von skurrilen Fällen wie dem oben beschriebenen „Der Club der Rothaarigen“ über kleine Rätsel mit kürzerer Laufzeit wie „Das gelbe Gesicht“ oder das deutlich umfassendere „Der Hund der Baskervilles“, das auf drei CDs untergebracht wurde. Gerade dabei ist die unheimliche, bedrohliche und rätselhafte Stimmung besonders gut gelungen, auch die verzwickte Auflösung am Ende und viele markante Charaktere sorgen für einen spannenden Verlauf. Schön ist, wie sprachlich geschliffen die Geschichten geraten sind, dabei wird man nicht nur in das viktorianische Zeitalter versetzt, sondern kann auch die liebenswerten Frotzeleien der beiden Hauptcharaktere miterleben. Gemeinsam mit den meist kniffeligen, immer unterhaltsam erzählten und teilweise sehr spannenden Handlungen ist eine hörenswerte Serie entstanden – und davon können sich auch Neueinsteiger hier überzeugen.

In der Box enthalten sind folgende Hörspiele:

Der Hund der Baskervilles
Der Club der Rothaarigen
Die fünf Orangenkerne
Der blaue Karfunkel
Das getupfte Band
Der Daumen des Ingenieurs
Das Beryll-Diadem, Silver Blaze
Das gelbe Gesicht
Die drei Studenten

Till Hagen ist in der Rolle des Sherlock Holmes zu hören und darin bestens aufgehoben. Er schafft es, die Figur sympathisch und launig darzustellen, ihr aber auch immer einen Hauch Arroganz oder Unmut zu verleihen. Das wirkt sehr lebendig und vielschichtig, was für viele starke Momente sorgt. Auch sein Spielpartner Tom Jacobs ist als Dr. Watson hervorragend besetzt und setzt sowohl seine Erzähltexte als auch die Dialoge sehr charmant um. Seine Betonung ist deutlich, aber nicht überzogen, die leicht verdatterte Art der Figur liebenswert und der Spannungsaufbau in den richtigen Momenten sehr überzeugend. Auch die vielen Nebenrollen der Produktionen gefallen mir sehr gut und bringen ihre Figuren lebendig herüber, beispielsweise Thomas Nero Wolff, Manfred Lehmann, Bernd Vollbrecht oder Luisa Wietzorek.

Zu Sherlock Holmes und Dr. Watson gehört einfach ein knisterndes Kaminfeuer, welches dem Hörer natürlich auch hier immer wieder geboten wird. Auch ansonsten ist die akustische Gestaltung eher ruhig gehalten, mit sanfter Musik unterlegt, an den richtigen Stellen ist die Szenerie aber auch deutlicher und kräftiger umgesetzt. Die Geräuschkulisse ist treffend und vielseitig, sowohl ruhige Momente als auch lebendigere Szenen sind mit passenden Klängen unterlegt. Das ist sehr gut auf die Handlung abgestimmt und wurde überzeugend abgemischt.

Die Pappbox, in der der zehn CDs in einfachen, dünnen Plastikhüllen untergebracht sind, lässt sich aufklappen und ist mit ansehnlicher Glanzfolie überzogen. Vor schwarzem Untergrund ist das Konterfei des bekannten Detektivs mit seinen typischen Merkmalen – Hut und Pfeife – zu sehen. Das Gesicht ist halb im Schatten vorborgen, im Hintergrund wird eine kleine Bibliothek angedeutet, alles ist in hübschen, erdigen Tönen gehalten. Ein Booklet liegt nicht bei, sodass auch keine Auflistung der Sprecher oder ähnliche Basics zu finden sind.

Fazit: Zehn Hörspiele auf zehn CDs, für Abwechslung ist trotz der Originale von Sir Arthur Conan Doyle dennoch gesorgt. Die Stimmungen unterscheiden sich mitunter deutlich, von fröhlichen, rätselhaften oder unheimlichen Momenten gibt es hier reichlich, sogar einige festliche Szenen sind enthalten. Ich mag Sprecher und Umsetzung sehr gerne, da diese einen ganz eigenen Charakter der Geschichten erzeugen. Eine sehr hörenswerte Box, auch für Neueinsteiger in die Serie.

VÖ: 3. Februar 2022
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960663584


Sherlock Holmes Chronicles – 105. Das Mörderspiel



Ein Autorentreffen in Schottland – Dr. Watson fühlt sich geehrt, an der illustren Runde teilnehmen zu dürfen, bei der er auch Oscar Wilde kennenlernen wird. Und da jeder Teilnehmer auch eine Begleitperson mitbringen darf, fährt er gemeinsam mit Sherlock Holmes in das abgelegene Herrenhaus. Doch das Treffen verläuft nicht so friedlich wie erhofft und schon bald ist ein Toter zu beklagen. Holmes setzt natürlich alles daran, den Mord aufzuklären…

Wie Holmes zu neuen Fällen kommt, wird in den neu geschriebenen Geschichten um den Meisterdetektiv deutlich variabler gelöst als in den Originalen von Sir Arthur Conan Doyle. So ist der Ansatz der 105. Episode eher auf Watson und seine Tätigkeit als Chronisten seines engen Freundes fokussiert. Die Vorstellung der Szenerie erfolgt stimmig und kurzweilig, die Charaktere werden zu Beginn nur kurz angerissen und nur mit wenigen Eckpunkten eingeführt. Mit der Zeit lernt man diese zwar etwas besser kennen. Anfangs ist es aber dadurch etwas erschwert, der Geschichte richtig zu folgen und Ereignisse oder Hinweise zu den Figuren auch richtig zuzuordnen. Mir gefällt, wie unmittelbar Holmes und Watson die Ereignisse miterleben, sodass auch die Zuhörenden alles aus erster Hand erfahren. Der Fall ist gelungen erdacht und mit reizvollen Hintergründen versehen, die Erzählweise ist kurzweilig und spannend. Und natürlich schimmert auch hier immer wieder die besondere Beziehung zwischen Holmes und Watson durch, die mit launigen Kommentaren oder witzigen Momenten ausgestaltet wird. Kleine Hinweise auf andere Fälle von Holmes runden den positiven Eindruck der Episode ab und sorgen ebenfalls für Schmunzeln.

Jürgen Thormann bereichert die Episode mit seiner schneidenden, markanten Stimme als Ernest Hornung. Wie er eine markante Aura um seine Figur aufbaut und dabei die Atmosphäre verdichtet, ist sehr überzeugend geraten. Romina Langenhan spricht die Rolle der Jessy Fletcher lebendig und authentisch, wobei sie viele Facetten einbaut und in den verschiedenen Situationen immer sehr passend reagiert. Frank Felicetti ist in der Rolle des Oscar Wilde zu hören und lässt ihn ausdrucksstark klingen, sodass der bekannte Autor eine eindringliche Wirkung bekommt. Weiterhin zu hören sind Marco Esser, Anna Gamburg und Johannes Raspe.

Ganz im Stil der vorigen „Sherlock Holmes Chronicles“-Episoden wirkt die Musik hier auch immer ein wenig mystisch, neben einigen bereits bekannten Melodien sind auch neue Stücke zu hören – und alles ist gut auf die jeweiligen Szenen angepasst. Die Geräuschkulisse ist dabei reichhaltig und lässt die unterschiedlichen Spielorte und Handlungen lebendig wirken.

Eine Reihe von alten Fotos in Sepia-Tönen, die Menschen darauf in typischer Kleidung für das viktorianische Zeitalter – alles scheint nach einem Muster angeordnet zu sein. Manche Bilder zerrissen, andere verdeckt, während ein blutiger Dolch in deren Mitte gesteckt wurde: Das Titelbild zur Episode ist ansprechend geraten. Im Inneren verrät Markus Winter mehr über die Inspirationsquellen zu der Geschichte.

Fazit: „Das Mörderspiel“ ist eine klassisch konstruierte Episode mit intensivem Setting. Das Verständnis wird anfangs durch die nur kurz vorgestellten Charaktere ein wenig erschwert, die Szenerie ist aber dicht und lebendig. Die Auflösung und die Einbindung realer Figuren sind ebenfalls sehr gelungen, sodass eine solide Episode entstanden ist. Auch die besondere Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren sorgt wieder für einige charmante Momente.

VÖ: 31. März 2023
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960663980


Sherlock Holmes Chronicles – 104. Der Mann mit der Narbe



Dr. Watson begibt sich aufgrund einer Bitte einer Freundin in eine Londoner Opiumhöhle, um deren verschwundenen Ehemann zu finden. Doch nicht nur ihm begegnet er in dem düsteren Etablissement, sondern auch Sherlock Holmes. Dieser ist jedoch glücklicherweise nicht zur Befriedigung seiner Sucht anwesend, sondern um den jungen Familienvater Neville St. Clair zu finden…

Auch als 104. Episode der „Sherlock Holmes Chronicles“ ist eine Originalgeschichte von Sir Arthur Conan Doyle erschienen, wobei auch „Der Mann mit der Narbe“ neu übersetzt wurde – viele werden die Geschichte wohl eher unter dem Namen „Der Mann mit der entstellten Lippe“ kennen. Der Beginn ist bereits sehr markant geraten: Die Beschreibung der düsteren Opiumhöhle und des Irrsinns, der dort herrscht, ist durch die Augen von Doktor Watson lebendig umgesetzt und hat mir äußerst gut gefallen – gerade weil die Szene so ungewöhnlich ist. Dies ist aber nur das Vorspiel für den eigentlichen Fall, der sich schon deutlich bekannter anfühlt. Dennoch ist die Suche nach dem seit einiger Zeit vermissten Neville St. Clair rätselhaft geraten, die Kurze Sichtung durch seine Frau in einem heruntergekommenen Viertel Londons und die geheimnisvolle Rolle eines Bettlers sind gelungene Reizpunkte. Zugegeben: Dies ist ein eher schlichter Fall des Meisterdetektivs, der auch nur wenig Spannung aufkommen lässt. Die Umsetzung und die emotionale Auflösung sorgen dennoch für einen hörenswerten Fall in der Hörspielserie.

Tom Jacobs ist natürlich als John Watson zu hören, wobei er die Abscheu vor der Opiumhöhle und die düstere Beschreibung der ihr innewohnenden Kreaturen extrem nahbar und atmosphärisch umsetzt, später aber auch die gewohnt lockere und leicht verdutzte Art des Chronisten einbringt. Marie-Christin Morgenstern spricht die Auftraggeberin von Sherlock Holmes, sie bringt die Zartheit und die Aufgeregtheit der jungen Frau sehr gut zur Geltung und setzt ihre Szenen mit einer glaubhaften Sprechweise um. Als Neville St. Clair punktet Kim Hasper mit seinem eingängigen Klang, aber auch markanter Umsetzung der aufgewühlten Gefühlswelt. Auch Marianne Groß, Matti Klemm und Jan Kurbjuweit sind zu hören.

Der Stil, in dem die bisherigen Episoden der Serie umgesetzt wurde, ist natürlich auch hier wieder im Einsatz, sodass sich die Zuhörenden auf zahlreiche atmosphärische und lebendige Melodien freuen können. Geräusche sind ebenfalls vielseitig und zahlreich im Einsatz. Besonders die düsteren Momente in der Opiumhöhle oder den gefährlichen Stadtvierteln ist dabei atmosphärisch gelungen, sodass man sich gut in die verschiedenen Szenen hineinversetzen kann.

Der viktorianische Kleidungsstil der damaligen Zeit wurde auf dem Titelbild aufgegriffen, der titelgebende „Mann mit der Narbe“ ist mit Zylinder und Wollschal abgebildet. Durch die Scharte an seiner Oberlippe und den grimmigen Gesichtsausdruck bekommt das Bild eine sehr ernste Ausstrahlung, was durch die dunkelgrüne Farbgebung noch weiter unterstrichen wird. Im Inneren des Booklets gibt es neben den üblichen Angaben wieder einen einleitenden Text von Markus Winter.

Fazit: „Der Mann mit der Narbe“ ist ein kleiner Fall, der aber gekonnt erzählt wurde und lebendig umgesetzt wurde. Dabei ist besonders das atmosphärische Intro in der Opiumhöhle sehr gelungen und prägt schon einmal den düsteren Grundton der Geschichte. Auch wenn die Handlung eher simpel ist, gibt es einige gelungene Kniffe, zumal die Umsetzung wieder kurzweilig geraten ist.

VÖ: 24. Februar 2023
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960663973


Sherlock Holmes Chronicles – 103. Der ägyptische Schatz



Lady Sydenham hat ein Medium beauftragt, Kontakt zu ihrem kürzlich verstorbenen Mann aufzunehmen. Doch während der Seance scheint der Geist ihres Gatten einen ebenfalls anwesenden Bettler ermordet zu haben. Sherlock Holmes weiß zunächst nicht, was er mit dieser abstrusen Geschichte anfangen soll. Doch als Inspector Gregson von dem Tod eines ehemaligen Militärs berichtet, ahnt Holmes, dass mehr hinter den Ereignissen stecken könnte als gedacht…

Die Aufklärung von scheinbar übernatürlichen Vorkommnissen ist ein wiederkehrendes Motiv bei Sherlock Holmes, sowohl in den Originalen als auch in den diversen Neuinterpretationen des bekannten Detektivs. Auch in den „Chronicles“ von WinterZeit ist diese Idee schon einige Male umgesetzt worden, in „Der ägyptische Schatz“ werden allerdings viele gelungene Elemente eingebaut, sodass die Episode dennoch abwechslungsreich wirkt und nicht einfach nur ein anderer Fall als Vorlage genommen wurde. Mir gefällt beispielsweise die aufgeregte und leicht skurrile Lady Sydenham und die leicht ägyptische Einfärbung (auch wenn der Fall selbst ausschließlich in London spielt). Gelungen ist auch, dass die Zuhörenden sowohl einen ausführlichen Bericht der Seance bekommen, als auch die Vorbereitungen zu einer zweiten Sitzung hautnah mitbekommen. So sind die Hinweise auf die Hintergründe des Mordes vielfältig und nahbar. Und auch wenn natürlich schnell klar ist, dass der Mord an dem Bettler und dem Militär zusammenhängen, gibt es dennoch viele Überraschungen und unerwartete Wendungen. Mir gefällt die langsame, aber intensive Erzählweise sehr gut, zumal die Figuren sehr prägnant geraten sind und viel Unterhaltungswert mitbringen. Eine sehr runde und gut erzählte Episode.

Mit Marianne Groß ist eine wunderbare Stimme für die Rolle der Lady Sydenham gewonnen worden, die direkt positive Assoziationen weckt. Sie spricht sehr lebendig, aufgeweckt und spontan, passt aber auch wunderbar in das viktorianische Ambiente der Serie. Torsten Münchow verleiht der Figur des Inspector Gregson eine präsente Aura und an den richtigen Stellen viel Nachdruck, er lässt aber auch die leise humorvollen Momente im Dialog mit Holmes gut zur Geltung kommen. Sven Fecher hat mir als Lovell besonders gut gefallen, er schafft eine geheimnisvolle Stimmung um seine Figur und lässt sich voll auf die Geschichte ein. Auch Helmut Gauss, Oliver Stritzl und Till Hagen sind zu hören.

Das ägyptische Thema ist in der Episode nur sparsam eingesetzt, und so ist es auch in der musikalischen Begleitung nicht sonderlich präsent. Ganz am Anfang gibt es aber eine Melodie, die offensichtlich davon inspiriert wurde und für einen lebendigen Start sorgt. Auch die restliche Handlung ist wieder vielseitig und sehr passend umgesetzt, sodass eine weitere atmosphärische Episode der Serie entstanden ist.

Eine opulente Grabkammer, die golden leuchtet und sich somit von dem schwarzen Untergrund abhebt, ist auf dem Titelbild der Episode zu sehen. Die detailreich verzierten Decken und Wände sowie die große Statuen hinterlassen dabei einem imposanten Ausdruck und sorgen für das passende Flair. Im Inneren gibt Markus Winter einen Ausblick auf das Jahr 2023 und die geplanten Veröffentlichungen der Reihe.

Fazit: „Der ägyptische Schatz“ bietet zwar nur einen Hauch antikes Flair, dafür aber einen spannenden Krimi mit übernatürlichem Einschlag – eine gelungene Kombination. Die Suche nach dem Erklärbaren im Übersinnlichen ist mit markanten Figuren, scharfen Beobachtungen und unterhaltsamen Dialogen gespickt. Schön, dass dabei einige Wendungen für zusätzliche Spannung sorgen.

VÖ: 27. Januar 2023
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960663966


Sherlock Holmes Chronicles – 102. Das Haus bei den Blutbuchen



Sherlock Holmes ist gelangweilt davon, nur noch mit Bagatelldelikten beschäftigt zu sein, worunter Doktor Watson dank seines Zynismus zu leiden hat. Doch auch als sich ein neuer Fall anbahnt, lehnt Holmes zunächst das Mandat ab – zu unspektakulär wirkt die Frage der jungen Gouvernante Violet Hunter, die sich für eine lukrative Anstellung die Haare kurz schneiden lassen soll. Erst, als etwas später ein Telegramm von Hunter eintrifft, wird Holmes hellhörig…

„Das Haus bei den Blutbuchen“ ist ein wahrer Klassiker von Sir Arthur Conan Doyle, der britische Autor hat seiner Figur Sherlock Holmes damit einen Fall geschrieben, der deutlich komplexer und vielschichtiger ist, als es zunächst den Anschein hat. WinterZeit hat die Geschichte als 102. Episode der „Sherlock Holmes Chronicles“ umgesetzt und stellt deren Verlauf sehr gekonnt dar. Mir gefällt beispielsweise, dass der Beziehung zwischen Holmes und Watson zu Beginn viel Aufmerksamkeit gewidmet wird. Das kurzweilige Gespräch zwischen den beiden ist eine gelungene Einleitung des eigentlichen Falls, der mit einer kleinen Skurrilität beginnt und dann immer weiter aufgebaut wird Mir gefällt die Tragik hinter den Ereignissen, die durch die markant geschilderten Figuren noch mehr an Tiefe gewinnt. Die vielen feinen Beobachtungen und eine überraschende Auflösung der Ereignisse sind für Fans klassischer Krimis eine Freude, sodass mir auch diese Episode sehr gefallen hat.

Johanna Dost hat in dieser Episode die Rolle der Violet Hunter übernommen und wählt eine sehr feine und facettenreiche Sprechweise. Wie sie Erstaunen, Verwirrung und leise Angst umsetzt, ist überzeugend gelungen. Douglas Weltbat setzt die Episodenfigur des Mr. Rucastle ebenfalls markant um, seine volltönende Stimme und sein Gespür für das richtige Timing sorgen für einen dynamischen und vielseitigen Eindruck. Daniela Hoffmanns Stimme fällt auch in dieser Produktion auf, ihr lebendiger Klang verleiht der Figur der Mrs. Troller eine starke Ausstrahlung. Auch Anne Due, Patrick Winczewski und Ulrike Stürzbecher sind zu hören.

Die mysteriöse Atmosphäre der Serie wurde auch hier wieder mit vielen Melodien erzeugt, die gekonnt eingebunden wurde. Einige Passagen werden den Zuhörenden dabei bekannt vorkommen, es gibt aber auch viele neue Musikstücke, die die Stimmung der Folge gekonnt unterstreichen. Auch die Geräusche sind sehr lebendig und glaubhaft eingebunden, was für einen runden Gesamteindruck sorgt.

Die Illustration auf dem Titelbild stammt wieder von Mark Freier, der sich ganz auf das Anwesen mit den titelgebenden Bäumen konzentriert hat. Ich mag die leicht düstere Stimmung, die dadurch erzeugt wird, aber auch die warme Farbgebung. Natürlich gibt es im Inneren wieder einen einleitenden Text, in dem Markus Winter seine Liebe zu dem Original und einer für ihn sehr prägenden Verfilmung zum Ausdruck bringt.

Fazit: „Das Haus bei den Blutbuchen“ ist nicht umsonst ein Klassiker der Sherlock Holmes-Reihe, wie auch diese sehr gelungene und atmosphärische Umsetzung beweist. Der gelungene Einstieg, der skurrile Startpunkt des Falls und die immer komplexer werdende Handlung ist unterhaltsam, während die tragische Hintergrundgeschichte den Fall gelungen abrundet.

VÖ: 6. Januar 2023
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960663850


Sherlock Holmes Chronicles – 101. Graf Negretto Sylvius / Der Mazarin-Stein



Sherlock Holmes will den Diebstahl eines der wertvollsten Steine der Krondiamanten aufklären: Der unbezahlbare Mazarin-Stein. Doch die Suche nach dem Täter ist nur ein Teil seiner Aufgabe – schließlich gilt es auch, diesen zu überführen und den Stein wiederzubeschaffen. Und dazu muss er tief in seine Trickkiste greifen…

„Der Mazarin-Stein“ von Sir Arthur Conan Doyle ist zwar eine der bekannteren Geschichten um seinen Meisterdetektiv Sherlock Holmes, aber wahrscheinlich nicht eine seiner beliebtesten – oft wird die Handlung als zu simpel empfunden, zumal die Erzählweise keine wirkliche Spannung aufkommen lässt. Für die Hörspielumsetzung dieser Geschichte hat sich Markus Winter für seine „Sherlock Holmes Chronicles“ deswegen einen cleveren Trick überlegt und das Original mit einer von Francis London geschriebenen Kurzgeschichte kombiniert, die die Vorgeschichte zum Mazarin-Stein erzählt. Die Zusammenstellung wirkt tatsächlich deutlich runder und vollständiger, zumal ein ganz neuer Spannungsbogen entsteht. Gut gefällt mir, dass dadurch auch die Tricks und Kniffe, die Holmes zur Überführung des Täters anstellt, noch einmal besser zur Geltung kommen – eben weil sie mit mehr Stoff unterfüttert wurden. Und natürlich kommt auch dabei die Liebe zum Original zu Geltung, da Änderungen nur sehr behutsam durchgeführt wurden. Die neu eingebauten Elemente sind gut durchdacht und fügen sich gut in die Erzählung ein – eine starke Episode, dessen interessantes Konzept gut aufgeht.

Pierre Peters Arnolds ist in der Rolle des Grafen Negretto Sylvius zu hören und holt mit seiner markanten Sprechweise viel aus der Figur heraus. Ich mag sein präsentes Auftreten, das ihm eine starke Aura verleiht. Marco Esser ist als Holmes‘ Gehilfe Billy zurückhaltender, wirkt aber nicht weniger glaubwürdig. Er spricht die Rolle lebendig und reagiert glaubwürdig in den verschiedenen Szenen. Felix Würgler ist als Lord Cantlemere ebenfalls gut besetzt, er trifft den richtigen Ton und passt sich der viktorianischen Atmosphäre gut an. Auch Torben Liebrecht, Tim Moeseritz und Oliver Stritzel sind zu hören.

Akustisch ist die Episode erneut sehr sauber umgesetzt worden, erneut kommt das Sounddesign der Serie gut zur Geltung. Die eingebaute Musik ist immer stimmig an die vorherrschende Stimmung angepasst und unterstreicht diese, während die vielfältigen und glaubhaft wirkenden Geräusche schöne Kulissen schaffen oder der Dialoge lebendiger wirken lassen.

Der gelb funkelnde Mazarin-Stein ist auch auf dem Titelbild in Szene gesetzt, die strahlenden Facetten sorgen dabei für hübsche Lichteffekte. Im Inneren gibt es wieder ein Grußwort von Markus Winter zur Entstehung der Folge und seiner ganz persönlichen Liebe zum Original, aber auch einen Folgenindex und Infos zu den beiden Hauptsprechern.

Fazit: Die Kombination aus Sir Arthur Conan Doyles „Der Mazarin-Stein“ und der neuen Kurzgeschichte „Graf Negretto Sylvius“ ist sehr gut gelungen, da die Übergänge kaum zu merken sind und sich alles gelungen ineinander fügt. Die Handlung wirkt durch die neuen Ergänzungen sehr rund, während die trickreiche Überführung des Täters weiterhin ein wesentlicher Bestandteil ist. Gelungen!

VÖ: 25. November 2023
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960663843


Sherlock Holmes Chronicles – 100. Sein letzter Fall / Das leere Haus



Auch nach seinem Auszug aus der Baker Street ist Dr. Watson noch eng mit Sherlock Holmes befreundet, doch der plötzliche Eifer des Meisterdetektivs, die an Besessenheit grenzt, wundert selbst ihn. Doch Holmes scheint endlich eine Spur von Professor Moriarty gefunden, der in der britischen Unterwelt die Zügel in der Hand zu haben scheint. Und so fordert Holmes seinen Erzfeind heraus – und macht sich mit Watson auf den Weg…

100 Episoden – auf diese magische Zahl kommen nur sehr wenige Hörspielreihen. Die „Sherlock Holmes Chronicles“ haben diesen Meilenstein nun auch geschafft und mit einer Doppelfolge die Dreistelligkeit erreicht (natürlich nebst diversen Sonderfolgen). Und dabei hat Markus Winter gleich eine der ikonischsten Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle umgesetzt: „Sein letzter Fall“. Der Kampf gegen Professor Moriarty steht dabei im Mittelpunkt und wird schnell eingebracht, wobei die düstere Ausstrahlung des Verbrechergenies sehr gut zur Geltung kommt und für eine dichte Atmosphäre sorgt. Auch der fieberhafte Wahn von Holmes, seinen Kontrahenten endlich besiegen zu können, ist ein zentrales Thema der Geschichte, deren Ablauf sehr flüssig und spannend umgesetzt ist. Die besondere Dramatik (und spezielle Bedeutung für das Leben von Holmes und Watson) bringen natürlich zusätzlichen Reiz mit ein und sorgen für ein packendes Finale. Schön, dass die Umsetzung als Hörspiel das so gekonnt herüberbringt. Mit „Das leere Haus“ ist zudem noch eine zweite Geschichte umgesetzt worden, die sich inhaltlich direkt anschließt, aber einige Jahre später angesiedelt ist. Hier herrscht lange Zeit eine rätselhafte Stimmung vor, die auch dann noch funktioniert, wenn man schon weiß, worin die große Überraschung liegt. Mir gefällt die persönliche Ebene sehr gut, die die Beziehung von Holmes und Watson treffend beschreibt, aber auch den clever erdachten eigentlichen Fall. Zwei sehr starke Hörspiele zum großen Jubiläum der Serie, die beide bestens gelungen sind und alles aus den Vorlagen rausholen.

Das Duo aus Till Hagen aus Sherlock Holmes und Tom Jacobs als Dr. Watson begeistert seit Anfang der Serie und lässt natürlich auch hier nicht nach: Beide verleihen ihren Figuren einen so charmanten Esprit und schaffen es, sowohl die ernsten als auch die heiteren Momente überzeugend zu sprechen. Bert Stevens ist als Professor Moriarty zu hören, er verleiht dem Verbrechergenie eine scharfe, düster-faszinierende Note und bringt seine Szenen damit umso besser zur Geltung. Auch Enno Kalisch ist als Colonal Moran überzeugend, mit präziser Sprechweise und lebendiger Betonung bringt er eine weitere ausdrucksstarke Figur mit ein. Auch Tim Moeseritz, Tobias Lelle und Lutz Mackensy sind zu hören.

Akustisch wird der schon lange etablierte Stil der Serie auch hier fortgeführt. Die Musik ist sehr atmosphärisch und reicht von leicht verspielt und mystisch wirkenden Melodien zu düsteren, wabernden Stücken. So bekommt jede Szene einen individuellen Klang und eine lebendige Ausdrucksweise, die durch zahlreiche, stimmig eingebaute Geräusche noch verstärkt werden.

Zur Feier des Jubiläums ist diese Episode in einem schicken Pappschuber untergebracht, auch ein kleines Poster liegt hier bei. Im Booklet blickt Markus Winter in einem kleinen Interview auf die letzten zehn Jahre und die Entwicklung der Serie zurück. Das Titelbild ist ebenfalls sehr gelungen: Holmes und Watson sind vor den Reichenbachfällen zu sehen, dessen herabstürzendes Wasser mit den zerklüfteten Felsen sehr gut zur Geltung kommt.

Fazit: Die einhundertste Episode der „Sherlock Holmes Chronicles“ setzt zwei der bekanntesten Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle sehr atmosphärisch um. Dabei steht der eifrige Wahn von Holmes und der unerbittliche Kampf gegen Moriarty zunächst im Vordergrund und sorgt für einen packenden Verlauf, während später eine rätselhafte Stimmung mit einem cleveren Fall kombiniert wird. Eine gelungene Auswahl für die Jubiläumsfolge und zudem eine sehr hörenswerte Umsetzung.

VÖ: 18. November 2022
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662600


Sherlock Holmes Chronicles – 99. Der erbleichte Soldat



Aus Sorge um seinen Kriegskameraden sucht James M. Dodd die Hilfe von Sherlock Holmes auf. Denn er will nicht so recht glauben, dass Godfrey Emsworth tatsächlich auf einer Weltreise ist, wie seine Familie ihm Glauben machen will. Doch ist ihm tatsächlich etwas zugestoßen oder versteckt er sich vor James? Als Sherlock Holmes mit seinen Ermittlungen beginnt, ahnt er noch nicht, welches Geheimnis sich tatsächlich hinter allem verbirgt…

Kurz vor dem großen Jubiläum bei den „Sherlock Holmes Chronicles“, der langlebigen Umsetzung von neuen wie alten Geschichten des bekannten Meisterdetektivs, ist wieder einer der Klassiker aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle erschienen. „Der erbleichte Soldat“ ist eine dieser Geschichten, die sicherlich nicht die ganz große Aufregung bietet, es gilt weder große Verschwörung aufzudecken oder einem mysteriösen Vorkommnis auf den Grund zu gehen noch ei politisch brisantes Thema zu beschwichtigen. Es ist ein kleines Rätsel um normale Bürger – und mehr braucht es auch gar nicht zu sein, um dennoch interessant zu wirken. Das gelingt einerseits mit dem Fall selbst: Das merkwürdige Verschwinden des Kameraden, dazu ein bleiches, gespenstisch wirkendes Gesicht und einige interessante Hintergründe sorgen anfangs für Aufsehen in dem Bericht des neuen Mandanten. Die Ermittlungen sind danach eher knackig und kurz, sodass alles sehr dicht beieinander wirkt. Andererseits ist hier aber ein simpler, aber effektiver Kniff angewendet worden, um für Abwechslung zu sorgen: Dieses Mal erzählt Holmes selbst, statt diese Aufgabe Dr. Watson zukommen zu lassen. Die geänderte Perspektive erlaubt gelungene Spielereien, wie das Zugeständnis von Holmes, dass durch seine sehr klare Sicht auf die Dinge weniger Überraschungen auftreten, die Zuhörenden (sofern diesen die Vorlage noch nicht bekannt sind) dies aber als die übliche hochmütige Art des Detektivs wahrnehmen. Wieder eine sehr runde Produktion der Serie.

Till Hagen macht auch in diesem Fall eine sehr gute Figur, indem er eben auch für die Erzähltexte verantwortlich ist und diese mit der ihm typischen hochnäsigen Art sehr markant und unterhaltsam umsetzt. Durch Stephen Schwarz ist auch der Bericht des neuen Mandanten James M. Dott sehr lebendig geraten, er bringt den Bericht wie auch die Spielszenen glaubhaft und eingängig zur Geltung. Johann Berenz spricht Oberst Emsworth, die harte und kühle Wirkung des Militärs sorgt für eine präsente Ausstrahlung dieser Thematik. Auch Florian Clyde, Kaspar Eichel und Oliver Baumann sind zu hören.

Für die „Sherlock Holmes Chronicles“ gibt es einige typische Elemente, die auch hier wieder für eine passende Stimmung sorgen. Neben der einprägsamen, leicht mystisch wirkenden Titelmelodie sind das vor allem zahlreiche Geräusche, die auch hier für eine lebendige Kulisse für die Szenen sorgen. Gepaart mit vielen weiteren Melodien wirkt das alles stimmig und rund.

Das entstellte und erbleichte Gesicht des Soldaten ist natürlich auch auf dem Titelbild zu sehen, fast geisterhaft wirkt es wegen der bläulich-kühlen Beleuchtung und der sich im Fenster spiegelnden Beleuchtung. Im Inneren des Booklets sind nicht nur die Mitwirkenden aufgelistet, es gibt im Grußwort noch eine kleine Betrachtung von Sir Arthur Conan Doyles Werk.

Fazit: „Der erbleichte Soldat“ ist ein eher einfacher Fall für Holmes mit sehr klassischen Aufbau, aber dennoch einigen interessanten Einfällen. Das Ganze wird zügig gelöst und gekonnt aufbereitet, sodass eine kurzweilige Episode entstanden ist – auch weil der Detektiv selbst hier die Erzählung übernimmt und einige ganz eigene Schwerpunkte setzt.

VÖ: 28. Oktober 2022
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662594


Sherlock Holmes Chronicles – 98. Der Erpresser von Edinburgh



In einer kleinen Kneipe in Edinburgh treffen Sherlock Holmes und Dr. Watson Sir McIntyre kennen. Als dieser von dem kriminalistischen Spürsinn von Holmes erfährt, bittet er ihn spontan um Hilfe: Vor einigen Tagen ist ein Erpresserbrief bei ihm eingegangen, in dem damit gedroht wird, die Affäre McIntyres mit seiner Nichte öffentlich zu machen. Doch nur sehr wenige Menschen hatten überhaupt Kenntnis von der Liebelei…

Obwohl sie in Sir Arthur Conan Doyles Geschichten um Sherlock Holmes nur einen kleinen Part eingenommen hat, hat Irene Adler bleibenden Eindruck bei den Lesenden hinterlassen und gehört heute wie selbstverständlich zu den wichtigsten Nebenfiguren des Kanons. In der 98. Episode der „Sherlock Holmes Chronicles“ taucht sie zwar nicht selbst auf, wird aber erwähnt und zu einem Vergleich mit der aktuellen Situation hinzugezogen. Da dies direkt am Anfang geschieht, ist beim Hören schon recht lange klar, wer hinter dem Fall steckt und den kompromittierenden Erpresserbrief geschrieben hat. Dass der Fall dennoch gelungen ist, liegt an den fein verwobenen Hintergründen und den Charakteren, die zwar durchaus wieder ausdrucksstark, aber eben nicht platt geschildert sind. Mir gefällt, dass vieles dabei nur angedeutet wird, in kleinen Nebensätzen erwähnt, mit den Beschreibungen von Watson ein gewisses Bild entsteht. Es ist gut, dass nie laut ausgesprochen wird, um was es eigentlich geht – das hätte nicht in die damalige Zeit gepasst und hätte zu Statements gezwungen, die wahrscheinlich aufgesetzt gewirkt hätten. Der Fall wird sehr ruhig erzählt, handelt nur an wenigen Schauplätzen, kann das Interesse aber dennoch durchgängig aufrechterhalten. Gepaart mit der gelungenen Atmosphäre und dem gelungenen (aber vorhersehbaren) Twist am Ende ist eine hörenswerte Episode entstanden.

Helmut Gauss gibt die etwas steife Art von Sir McIntyre sehr gekonnt wieder, wirkt aber auch aufgeschlossen und interessiert. Wirklich überzeugend ist insbesondere, wenn er am Ende einen sehr intensiven Gefühlsausbruch präsentiert, der sehr authentisch wirkt. Seine Nichte Lady Maitland wird von Sarah Alles gesprochen, die ebenfalls sehr eingängig spricht und in den verschiedenen Stimmungen eine sehr glaubwürdige Sprechweise abliefert. Alexander Turrek spricht McIntyres Neffen Asquith eingängig und präsent, wobei auch er seiner Figur eine leicht undurchsichtige Art verleiht. Marko Bräutigam, Tom Jacobs und Till Hagen sind ebenfalls zu hören.

Auch hier wirkt die Musik wieder leicht mystisch, sodass schon gleich zu Beginn die unverkennbare Atmosphäre der Serie aufkommt. In diesem Stil geht es auch während der Handlung und Erzähltexten weiter, natürlich wieder ergänzt um eine passende Geräuschkulisse. Dabei kann wegen der begrenzten Auswahl an Schauplätzen zwar auch nicht sonderlich viel Varianz eingebaut werden, dafür wirkt alles greifbar und authentisch.

Eine Gruppe von vier Männern, die in einem herbstlichen Ambiente vor einem See steht und sich dort umsieht, ausladende Bäume im Hintergrund, nebenverhangene Luft – das alles findet in dem Hörspiel zwar überhaupt nicht statt, ist aber dennoch als Covermotiv ausgewählt worden. Die Stimmung der Episode wird dabei dennoch getroffen. Im Inneren gibt es wieder einen kleinen einleitenden Text von Markus Winter.

Fazit: „Der Erpresser von Edinburgh“ zieht seine sanfte Spannung nicht aus der Frage, wer hinter allem steckt – das kann man sich nach dem Intro bereits schnell selbst erschließen. Aber die vielen feinen Andeutungen, auf die man sich selbst einen Reim machen muss, die verzwickte Situation bei der adeligen Familie, das gefühlsintensive Finale sorgen für eine gelungene Episode, die noch einmal ganz andere Nuancen in die Serie einbringt.

VÖ: 7. Oktober 2022
Label: FullCastAudio
Bestellnummer: 9783960662587


Sherlock Holmes Chronicles – 97. Die Thor Brücke



Neil Gibson sucht die Hilfe von Sherlock Holmes, um den Mord aus seiner Frau aufzuklären. Nicht etwa, um Gerechtigkeit für die ungeliebte Gattin zu erlagen, sondern um seine Gouvernante zu entlasten. Dieser ist er sehr zugetan, was den Verdacht zusätzlich auf sie lenkt. Doch wollte sie tatsächlich ihre Konkurrentin aus dem Weg räumen…?

Mit „Die Thor-Brücke“ ist in den „Sherlock Holmes Chronicles“ ein weiterer Klassiker aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle umgesetzt worden, der allerdings nicht die gleiche Bekanntheit hat wie andere Geschichten. In meinen Augen völlig zu Unrecht, denn die trickreiche Handlung weiß mit einigen Winkelzügen und einer geschickten Auflösung zu überzeugen. Der Aufbau der Episode ist sehr klassisch: Holmes‘ neuer Mandant schildert nach einem launigen Intro seinen Fall am Kaminfeuer der Baker Street 221b, bei der der Meisterdetektiv direkt scharfsinnig nachfragt und in dem bereits zahlreiche Hinweise gestreut werden. Auch die nachfolgenden Befragungen und Ermittlungen vor Ort sind kurzweilig geraten und zeichnen ein immer klareres Bild der Situation. Und auch wenn irgendwann eine starke Ahnung vorliegt, was hinter allem steckt (wahrscheinlich vor allem, wenn man schon andere Geschichten Doyles kennt oder viele Krimis kennt), gibt es immer noch einige Überraschungen und Hintergründe zu entdecken. Mir gefällt auch, wie das persönliche Drama gelungen integriert ist und man einen intensiven Eindruck der unheilvollen Dreiecksbeziehung bekommt, in der jeder andere Hintergedanken und Absichten hegt. Gemeinsam mit den cleveren und verstrickten Umständen und Hinweisen ist eine sehr starke Episode der Reihe entstanden.

Stefan Gossler ist in der Rolle des Neil Gibson zu hören und legt eine sehr souveräne Darbietung ab. Er bringt eine starke Aura mit ein und kann die Kraft des Goldmagnaten sehr gut zur Geltung bringen. Anna Gamburg spricht mit ihrer klaren Stimme Miss Dunbar und verleiht ihr trotz des vergleichsweise kurzen Auftritts einige gelungene Facetten, was mit der durchaus zwiespältigen Beschreibung gekonnt zusammenspielt. Jannik Endemann ist als Sergeant Coventry ebenfalls eine Bereicherung für die Geschichte und punktet mit einer betonten und eingängigen Sprechweise. Weitere Sprecher sind Marco Esser, Rainer Gerlach und Tom Jacobs.

Die typische Atmosphäre der Serie wird auch hier wieder gelungen eingesetzt, sodass wieder einige stimmungsvolle Musikstücke im Einsatz sind. Diese verströmen eine leicht mystische Aura und sorgen in dem sonst rein logisch aufgebauten Stück für eine interessante Nuance. Die Geräuschkulisse mit leisen, aber passenden Sounds ist gekonnt auf die Dialoge abgestimmt.

Die titelgebende Thor Brücke ist auf dem sehr hübschen Cover ansehnlich umgesetzt. Zwei Männer in typischer Kleidung des ausgehenden 19. Jahrhunderts samt Zylinder stehen auf dem geschwungenen Bauwerk, während die Landschaft samt einigen Gebäuden gelungen umgesetzt ist. Im Inneren des Booklets ist einmal mehr ein Vorwort von Markus Winter zu lesen, der die aktuelle Marktsituation von CDs anspricht.

Fazit: „Die Thor Brücke“ ist ein cleverer Fall mit einigen gelungenen Kniffen und Wendungen, was sich im Laufe der Zeit immer mehr zeigt. Doch auch das persönliche Drama, das sich dabei abspielt, sowie die eingängige Darstellung der Charaktere sind sehr gelungene Elemente. Schön, dass der Klassiker von Arthur Conan Doyle in einer so hörenswerten Umsetzung vorliegt.

VÖ: 16. September 2022
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662570


Sherlock Holmes Chronicles – 96. Mord im Tower



Tag und Nacht wird der Tower von London von zahlreichen Wachmännern durchgängig bewacht. Dennoch wird eines morgens ein toter Architekt in den Räumlichkeiten gefunden, der Bauarbeiten überwachen sollte. Mycroft Holmes steht vor einem Rätsel und zieht seinen Bruder Sherlock Holmes zurate, der schneller als die anderen entdeckt, woran der Mann gestorben ist…

Mit 42 Minuten gehört „Mord im Tower“ zu den kürzeren Episoden der „Sherlock Holmes Chronicles“, was von Markus Winter aber so konzipiert wurde. Dabei fällt direkt auf, dass das Intro weggefallen ist, in dem sonst so oft kleine Frotzeleien und eine heitere Stimmung zwischen Holmes und Watson zu hören sind. Hier kommen die beiden direkt im Tower ein, werden von Mycroft und Inspektor Gergson an den Tatort geführt, während ihnen die ersten Details des Mords offenbart werden. Danach geht es Schlag auf Schlag: Besichtigung des Tatorts mit ersten Erkenntnissen, die Befragung von Zeugen, gezogene Rückschlüsse, eine immer weitergehende Eingrenzung der verdächtigten Personen, schließlich die Auflösung. Das wirkt sehr komprimiert, wobei der Fall an sich auch nicht sonderlich komplex ist, aber eben einige gelungene Rätsel bietet. Hinzu kommt eine überzeugende Einbettung in den historischen Kontext, der an verschiedenen Stellen einfließt. Und auch der trickreiche Kniff, wie der Mord geschehen ist und der Mord dadurch aufgeklärt wird, bringt einen gelungenen Aspekt mit in die Handlung ein. Kurz, knackig und so eine hörenswerte Produktion für zwischendurch.

Oliver Baumann ist neu in der Rolle des Mycroft Holmes zu hören – vertretungsweise, da Oliver Feld zu den Aufnahmen nicht verfügbar war. Er bringt noch einmal eine andere Facette des einflussreichen Bruders von Sherlock mit ein, setzt seine Stimme kraftvoll ein und gefällt mir insgesamt gut. Bodo Wolf ist in der Rolle des Baker zu hören, der sich gut in die Atmosphäre der Episode einfügt und eine präsente Aura mit einbringt. Auch Roland Wolf kann als Baker punkten, er verleiht seiner Figur eine markante Ausstrahlung und klingt sehr authentisch. Auch Torsten Münchow, Florian Clyde und Tino Kießling sind zu hören.

Da hier vieles am Stück, ohne Zeitsprung oder Ortswechsel stattfindet, sind entsprechend wenige Szenenwechsel und damit auch gefühlt weniger Raum für Melodien vorhanden. An einer Stelle fällt jedoch auf, dass die Melodie hier sehr langgezogen wirkt und deutlich länger ist als gewohnt. Das nimmt dort merklich Tempo aus der Handlung, die Stimmung des Stücks ist aber passend ausgewählt. Die Geräuschkulisse wirkt ebenfalls authentisch.

Natürlich ist auf dem Titelbild ein Teil des berühmten Bauwerks zu sehen, in dem der Großteil der Handlung spielt. Majestätisch streckt sich der Tower dem wolkenverhangenen Himmel entgegen und vermittelt den Eindruck einer imposanten Festung. Im Inneren des Booklets ist neben den üblichen Angaben und der Vorstellung der beiden Hauptsprecher auch wieder ein einleitender Text zur Produktion der Episode zu finden.

Fazit: „Mord im Tower“ ist eine sehr eng zusammenhängende Episode, ohne Rückblicke, Zeitsprünge oder großartige Szenenwechsel. Die Handlung konzentriert sich sehr auf die Auflösung des Mordfalls, wirkt dadurch sehr kompakt, aber auch nicht so brenzlig oder komplex, wie man es von der Serie sonst gewohnt ist. Der faszinierende Schauplatz sorgt für viel zusätzliche Atmosphäre.

VÖ: 26. August 2022
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662563


Sherlock Holmes Chronicles – 95. Das Geheimnis der indianischen Maske



Nach einer Forschungsreise nach Südamerika kehren zwei Wissenschaftler nach London zurück und sind schwer erkrankt. Die Symptome lassen sich nicht eindeutig zuordnen. Als kurz darauf ins British Museum eingebrochen wird, scheint ein Zusammenhang nahe zu liegen. Sherlock Holmes bekommt vom Museumsdirektor den Auftrag für Nachforschungen und ahnt nicht, in welche Gefahr er sich damit begibt…

Mit „Das Geheimnis der indianischen Maske“ wurde in den Sherlock Holmes Chronicles eine weitere Geschichte um den bekannten Detektiv umgesetzt, der ursprünglich im Blitz-Verlag erschienen ist. Und dabei ist auch wieder ein stilistischer Unterschied zu vielen anderen Umsetzungen des Labels erkennbar, die Geschichtsführung ist merklich langsamer – und hat einen deutlich höheren Erzähleranteil. Das ist erst einmal nichts Negatives, da Tom Jacobs dies wieder mit einer großen Portion Charme umsetzt und es versteht, die Stimmung hochzuhalten. Doch das nimmt in dieser Episode leider die Dynamik, sodass die Entwicklung manchmal etwas starr wirkt. In anderen Momenten werden dann viele Informationen auf einen Haufen, insbesondere das Finale wirkt so etwas überhastet. Das Rätsel und die Mystik, die von dem unheimlichen südamerikanischen Artefakt ausgehen, bringen eine gelungene Stimmung mit ein, auch die Charaktere kommen gut zur Geltung. Doch so richtig konnte mich die Handlung nicht packen, manche Entwicklungen wirken etwas konstruiert, nicht alle Details wirken in der Rückbetrachtung logisch. Die sehr gute Produktionsweise kann zwar noch einiges aus der Geschichte herausholen, in meinen Augen ist dies aber nicht die beste Vorlage, die für die Serie vertont wurde.

Erstmals ist in dieser Episode Erst Meincke als Inspector Lestrade als Kurzzeitvertretung zu hören, er findet einen eigenen Weg, die bekannte Figur zu interpretieren und ihr eine eigene Note zu verleihen. Peter Groegers unverkennbare Stimme in einer Holmes-Vertonung, aber nicht als Watson zu hören, ist eine interessante Erfahrung und hat mich immer wieder kurz überrascht. Er spricht die Figur des Dr. Mitchell aber sehr gekonnt und ausdrucksstark, was sehr überzeugend wirkt. Auch Uli Krohm hat als Sir Greystone einen überzeugenden Auftritt, er schafft gelungene Nuancen für die Figur und verleiht ihr viel Kraft. Weitere Stimmen der rein männlichen Besetzung stammen von Lutz Mackensy, Tobias Lelle und Jeffrey Wipprecht.

Das südamerikanische Flair der Geschichte findet auch in der akustischen Umsetzung Einzug, immer wieder bauen sich kleine Melodien in die Handlung ein und verleihen ihr eine überzeugende Stimmung. Dazu kommt aber natürlich auch wieder die gewohnte, leicht mystische Umsetzung der Serie, die auch hier wieder gut zur Geltung kommt. Die Geräuschkulisse ist wieder überzeugend und setzt die verschiedenen Szenerien gekonnt um.

Die titelgebende Maske ist auch auf dem Titelbild zu sehen, detailreich verziert und mit vielen südamerikanisch wirkenden Elementen kommt diese in rot-orangefarbenem Licht unheimlich und gekonnt zur Geltung. Im Inneren des kleinen Booklets erklärt Markus Winter, warum die Folge nun einen anderen Namen als zunächst angekündigt hat und gewährt auch bei der Sprecherbesetzung einen kleinen Blick hinter die Kulissen.

Fazit: „Das Geheimnis der indianischen Maske“ gefällt mir wegen der dichten Stimmung und einigen packenden und bedrohlichen Momenten zwar grundsätzlich gut. Allerdings wirkt die Folge etwas zu sehr in die Länge gezogen, zumal auch einige Details aufkommen, die nicht gänzlich zusammenpassen wollen. So ist eher eine solide denn eine wirklich überzeugende Episode gelungen, selbst wenn mir die Umsetzung wieder sehr gefallen hat.

VÖ: 5. August 2022
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662556


Sherlock Holmes Chronicles – 94. Die tanzenden Männchen



Hilton Cubitt musste seiner Frau vor der Hochzeit versprechen, nie nach ihrer Vergangenheit zu fragen. Auch als immer wieder Zeichnungen von tanzenden Männchen auftauchen und seine Frau zunehmend panisch reagiert, hält er sich daran. Doch er findet keine Ruhe und sucht Sherlock Holmes in der Baker Street auf, um hinter das Geheimnis der kindlichen Strichmännchen zu kommen…

Sir Arthur Conan Doyle hat seine bekannteste Figur Sherlock Holmes zu konzipiert, dass er seinen Mitmenschen immer einen Schritt voraus ist und hat die Lesenden dabei immer wieder überrascht – oft auch, weil diesen wesentliche Informationen vorenthalten werden. In der Umsetzung der Kurzgeschichte „Die tanzenden Männchen“ für die „Sherlock Holmes Chronicles“ geschieht dies aufgrund des anderen Mediums, da die ungewöhnlichen Zeichen eben nicht für den Hörer sichtbar sind. Die Beschreibung ist allerdings gut gelungen – und da deren Geheimnis wohl kaum während des Hörens entschlüsselt werden können, fällt dies für mich nicht negativ ins Gewicht. Deswegen funktioniert die Steigerung der Geschichte so gut: Hat man anfangs noch das Gefühl, eine eher spielerische Idee vor sich zu haben, wird die Handlung mit der Zeit dramatischer, gefährlicher, bedrohlicher. Mir gefällt zudem, dass es nicht allein bei der Entschlüsselung der tanzenden Männchen bleibt, sondern auch noch andere Rätsel auf den Meisterdetektiv warten. Das macht die Geschichte durchgängig sehr unterhaltsam, aufregend und unerwartet. Die Umsetzung und der Übertrag als dialogisches Hörspiel ist zudem einmal mehr sehr gelungen, sodass eine starke Episode der Krimireihe entstanden ist.

Felix Spieß übernimmt die Rolle des Hilton Cubitt, den er mit ernster, getragener Stimme vorträgt und eine glaubhafte Betonung mitbringt. Besonders sein anfänglicher Bericht in der Baker Street wirkt dadurch sehr intensiv. Elsie Cubitt wird von Wicki Kaleitzi gesprochen, die die aufgewühlten Emotionen der Frau von Hilton sehr authentisch einbaut und dabei für einige eindrucksvolle Momente sorgt. Für einige witzige Momente sorgen Luisa Wietzorek und Cathleen Gawlich, die gemeinsam als Dienstmädchen des Hauses Cubitt auftreten, sich die Bälle gelungen gegenseitig zuspielen und dabei viel Energie einbringen. Weitere Sprecher sind Patrick Baehr, Helmut Gauß und Peter Lontzek.

Auch in dieser Episode spielen weite Teile der Handlung in der Baker Street, was in der akustischen Umsetzung natürlich von einem knisternden Kaminfeuer unterlegt wurde, was aber durch einige passende Melodien im Hintergrund aufgelockert wurde. Auch ansonsten werden viele passende Hintergrundgeräusche und atmosphärische, rätselhaft wirkende Musikstücke kombiniert, was für die typische Wirkung der Serie sorgt.

Auf dem Titelbild kann der Hörer dann doch noch einen Blick auf die titelgebenden tanzenden Männchen werfen, die auf eine spaltbreit geöffnete Tür gemalt sind. Der grünliche Schimmer, der sie umgibt, aber auch die mit verschnörkelten Ornamenten verzierte Tapete lassen das Titelbild sehr mystisch wirken, was durch den Schatten zweier Männer mit Zylinder noch verstärkt wird. Im Inneren hat Markus Winter ein Grußwort zur Umsetzung dieser Geschichte hinterlassen.

Fazit: Die Stolpersteine bei der Umsetzung dieser Geschichte wurden gelungen umschifft und mit überzeugenden Beschreibungen statt gezeigter Bilder ersetzt. Auch die Wendepunkte und Überraschungen sind effektvoll umgesetzt, aber auch die heiteren Momente und die Neckereien kommen sehr gut zur Geltung. Eine starke Episode, die mit ihrer dichten Stimmung punktet.

VÖ: 15. Juli 2022
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662549


Sherlock Holmes Chronicles – 93. Der Tempel der Kali



James Harrison und seine Frau Diana werden von ihrer Vergangenheit eingeholt, als immer wieder unheimliche Gestalten an ihrem Wohnhaus auftauchen. Auch die unheimlichen Statuen der indischen Göttin Kali sorgen für Schrecken. Und so suchen sie Sherlock Holmes auf, der von dem Fall fasziniert ist und sich sofort an die Ermittlungen macht – und erschreckende Details über eine Reise nach Indien herausfindet…

Mit „Der Tempel der Kali“ ist eine Episode in den „Sherlock Holmes Chronicles“ erschienen, die Elemente aus der indischen Mythologie um die Todesgöttin einbaut. Das drängt sich zwar nicht in den Vordergrund, bringt aber immer wieder eine interessante Würze in die Handlung ein und sorgt für einen mystischen Anstrich. Eine gelungene Verzierung, wobei der Fall an sich auch schon sehr stark ist. Wieder steckt deutlich mehr hinter dem anfänglichen Bericht, in dem schon viele reizvolle Hinweise stecken, beispielsweise die schlichte Erkenntnis, dass Arme von den Statuen abgebrochen sind. Es sind diese kleinen Details, die die Geschichte immer komplexer und vielschichtiger werden lassen. Trotz der vielen Elemente bleibt die Handlung übersichtlich und gut verständlich, da immer wieder kleine Auflösungen eingebunden sind. Ein Highlight ist sicherlich der eingebundene Blick in die Vergangenheit, der sehr atmosphärisch geraten ist und die aktuellen Ereignisse schlüssig erklärt. Der Aufbau ist zudem gelungen und abwechslungsreich, da immer neue Wendungen eingebunden sind. Eine starke Episode, die mit ihrem markanten Hintergrund direkt von Anfang an Spannung aufbaut und diese bis zum Ende halten kann.

Engelbert von Nordhausen sorgt mit seiner markanten Stimme als James Harrison für eine sehr ausdrucksstarke Wirkung, wobei er sehr realistisch und nachdrücklich spricht. Gerade die leisen, unheimlichen Momente kommen dabei sehr gut zur Geltung. Heidrun Bartholomäus ist als seine Frau Diana zu hören und versteht es sehr gut, die Geheimnisse der Figur einzubinden, ohne diesen Aspekt zu sehr in den Vordergrund zu stellen – eine sehr ausgewogene Sprechleistung. Als Professor Challanger ist Rainer Gerlach zu hören, er gestaltet seine Szenen ausdrucksstark und passt sehr gut in das Ambiente der Serie. Weitere Sprecher sind Viktor Neumann, Jannik Endemann und Felix Spieß.

Bei der akustischen Gestaltung wurde ein gelungener Weg gefunden, um leichte indische Elemente einzubauen und dennoch der unverkennbaren Atmosphäre der Serie treu zu bleiben. So sind ab und an passende Geräusche eingebaut oder ein typisches Instrument schleicht sich in die mysteriösen Melodien ein, was sehr rund und gut aufeinander abgestimmt wirkt.

Das Cover, das Mark Freier geschaffen hat, ist sehr beeindruckend geraten. Die vielarmige Kali sticht mit einem Dreizack auf einen Mann ein, der abwehrend die Arme erhoben hat. Die Figuren wirken durch ihren metallischen Schimmer fast schon wie eine Statue, während die glimmernd-grünliche Umgebung für einen zusätzlichen mystischen Aspekt sorgt. Im Booklet verrät Markus Winter zudem noch, woher die ungewöhnliche Inspiration für diese Episode kam.

Fazit: Das indische Ambiente und die geheimnisvolle Götterwelt geben „Der Tempel der Kali“ eine reizvolle Einfärbung mit geheimnisvollen Elementen, der die streng logische Denkweise der bekannten Figur jedoch nicht durchbricht. Der Aufbau ist durch viele kleine Wendungen sehr gelungen und sorgt schnell für Spannung, die bis zum Ende anhält – sehr stark!

VÖ: 24. Juni 2022
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662532


Sherlock Holmes Chronicles – 92. Der Angestellte des Börsenmaklers / Ein Skandal in Böhmen



Hall Pycroft, der neue Mandant von Sherlock Holmes, wurde kürzlich aus seiner Einstellung entlassen, hat aber mit einiger Mühe eine lohnenswerte Alternative in einer renommierten Kanzlei angeboten bekommen. Doch seine Verwunderung ist groß, als er kurz darauf ein noch besseres Angebot erhält… („Der Angestellte des Börsenmaklers“)
Holmes‘ Einsatz für die niederländische Königsfamilie hat sich in mehr als einer Hinsicht bezahlt gemacht, erneut kommt ein hochrangiger Adeliger mit einer Bitte auf den Meisterdetektiv zu. Doch die Sache hat einen Haken: Bei einem ersten Zusammentreffen erscheint sein neuer Mandant maskiert… („Ein Skandal in Böhmen“)

Neben einigen längeren Geschichten hat Arthur Conan Doyle für seine „Sherlock Holmes“-Figur auch deutlich kürzere Fälle geschrieben. Und auch diese werden nach und nach von Markus Winter vertont und in den „Sherlock Holmes Chronicles“ veröffentlicht. In der 92. CD-Ausgabe sind gleich zwei davon vertreten: „Der Angestellte des Börsenmaklers“ und „Ein Skandal in Böhmen“. Wegen der relativen Kürze zu anderen Fällen sind diese natürlich deutlich weniger komplex geraten, beide haben jedoch einen gelungenen, individuellen Aufhänger. In der ersten Episode dieser CD ist es ziemlich offensichtlich, dass mit dem äußerst großzügigen Jobangebot etwas nicht stimmen kann, dafür sind zu viele Merkwürdigkeiten eingebunden. Doch es ist unterhaltsam zu hören, wie Holmes durch die Berichte seines Mandanten langsam die Hintergründe erkundet. In „Ein Skandal in Böhmen“ bringt die Identität des geheimnisvollen Auftraggebers eine gewisse Brisanz ein, die Handlung ist weniger aufregend oder spannend, aber unterhaltsam und rätselhaft geraten. Schön ist, wie die Spitzzüngigkeit des Detektivs und die gutmütige Art des Arztes sowie ihre besondere Beziehung zueinander sehr gut zur Geltung kommt. So kommt eine angenehme und lebhafte Stimmung auf. Schön, dass die Lücken der Originalgeschichten langsam gefüllt werden.

Hall Pycroft, Holmes‘ Mandant im ersten Fall, wird von Gerrit Schmidt-Foß gesprochen, der mit seiner lockeren und sympathischen Art auch hier schnell die Zuhörer auf seine Seite zieht, Schwung in die Handlung mit einbringt und sehr glaubhaft spricht. Auch Wolfgang Wagner hat mir als Pinner gut gefallen, er bringt mit seiner markanten Sprechweise einen gelungenen Kontrast ein und sorgt für stimmungsvolle Momente. Auch Erich Räuker sorgt für mehr Atmosphäre, indem er seiner Figur nicht nur einen Hauch Mysterium verleiht, sondern auch eine machtvolle Aura. Weitere Sprecher sind Magdalena Turba, Brigitte Carlsen und Jannik Endemann.

Die Stilistik dieser Folge unterscheidet sich natürlich nicht großartig von seinen Vorgängern, auch hier kommt durch die Musik eine angenehme und rätselhafte Grundstimmung auf. Da die beiden Episoden aber eher ruhig sind und keine hervorstechenden Höhepunkte haben, bleibt die akustische Gestaltung etwas ruhiger als sonst. Musik und Geräusche wurden dabei gekonnt auf die verschiedenen Szenen angepasst.

Ein einsamer Schreibtisch samt kleinem Aktenkoffer, ein leicht verwittert wirkender Raum – das Motiv auf dem Titelbild ist trotz der schlichten Idee mit vielen hübschen Elementen aufgewertet. Gut gefällt mir, dass im Inneren und auf der CD auch ein Bild zur zweiten Episode zu sehen ist. Warum das so ist, erklärt Markus Winter im Booklet in einem seiner Grußworte.

Fazit: Zwei eher unaufgeregte Geschichten, die aber dank ihrer markanten Ausgangspunkte lebendig und unterhaltsam geraten sind. Ich mag das Zusammenspiel der Charaktere, die durchaus verschlungenen Pfade der Handlung (auch wenn diese nicht sonderlich komplex sind) und die überzeugende Produktion, sodass zwei hörenswerte Geschichten entstanden sind.

VÖ: 15. Mai 2022
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662525


Sherlock Holmes Chronicles – 91. Das Mörder-Moor



Im unheimlichen Dartmoor verschwinden der Legende nach Menschen, wenn Muriel Drake auf ihrer Knochenflöte spielt. Zuletzt ist ein amerikanischer Industrieller bei einer Führung durch das Moor verschwunden. Sir Henry Baskerville erfährt von dem Vorfall und denkt direkt an Sherlock Holmes, der wegen seiner nüchternen Betrachtungsweise der Dinge als Ermittler ideal scheint. Und so reist er gemeinsam mit dem Augenzeugen Colin Finch nach London und weckt direkt die Neugier des Meisterdetektivs..

„Der Hund der Baskervilles“ ist ohne Zweifel eine der ikonischsten Geschichten von Sherlock Holmes, die auch wegen der unheimlichen Stimmung in Dartmoor so beliebt ist. Doch es hat bis zur 91. Episode der „Sherlock Holmes Chronicles“ gedauert, bis der Meisterdetektiv sein Heim in der Baker Street verlässt und an diesen Schauplatz zurückkehrt. Toll, wie die trostlose Landschaft auch hier wieder melancholisch zur Geltung kommt und mit eingängigen Beschreibungen und passender akustischer Untermalung markant umgesetzt wird. Aber auch das Wiedersehen mit einigen bekannten Figuren erfreut vor allem Holmes-Fans, die in die bekannten Strukturen der Baskervilles eintauchen können. Anspielungen auf die Original-Geschichte gibt es zuhauf, man sollte der Handlung aber auch ohne Vorkenntnisse folgen können. Besonders gelungen ist aber, dass die Szenerie mit einer neuen, unheimlichen Erscheinung und ebenso rätselhaften Begebenheiten aufgeladen wird. Weit entfernt von dem Geisterhund, aber doch mit einer mystischen Komponente, auch im Verlauf werden eigenständige Elemente präsentiert. Die Spannung nimmt dabei besonders im letzten Drittel zu, vorher sind die Recherchen aber wieder unterhaltsam und kurzweilig gelungen – auch weil auf persönlicher Ebene überzeugend geschrieben wird und viel Atmosphäre eingebunden wurde.

Alexander Döring spricht – wie bereits in der Umsetzung von „Der Hund der Baskervilles“ in den Sherlock Holmes Chronicles – die Rolle des Sir Henry Baskerville und klingt dabei sehr engagiert, energiegeladen und überzeugt mit gelungener Betonung, auch in den mysteriösen Stellen. Colin Finch wird von Tobias Müller gesprochen, der zwar viel Schwung mit in die Handlung einbringt, aber stellenweise auch zur Übertreibung neigt und insbesondere bei Aufregung den Bogen für meinen Geschmack etwas überspannt. Anita Hopt ist in der Rolle der Maureen zu hören, ihre markante Stimme passt nicht nur gut in das Ambiente der Episode, sie verleiht ihrer Figur auch eine glaubhafte und eingängige Sprechweise. In weiteren Rollen sind Hans-Eckart Eckhardt, Kaspar Eichel und Erich Räuker zu hören.

Die Serie hatte ja schon immer einen Hang zu mysteriös klingenden Melodien, die hier wieder wunderbar passen und die Stimmung der Episode unterstreichen. Doch es ist eben nicht nur die vielfältig eingesetzte Musik, sondern auch die zahlreichen Geräusche, die hier wieder für Atmosphäre sorgen – das klassische Kaminknistern in der Baker Street, Halleffekte im Anwesen der Baskervilles, aber eben auch ansonsten eine vielfältige Kulisse.

Das trostlose Moor mit kahlen Ästen, die den Mann mit Zylinder und Umgang im schummrigen Zwielicht stehen lassen, dahinter ein düsteres Anwesen mit einigen Raben, die darüber kreisen – das Titelbild der Folge ist sehr stimmungsvoll geraten. Warum der Hund darauf einen Platz gefunden hat, wird übrigens in dem kleinen Vorwort im Inneren von Markus Winter erklärt.

Fazit: „Das Mörder-Moor“ überzeugt mit seiner dichten, düsteren Stimmung und einem clever konstruierten Fall, besonders aber mit der Rückkehr zu den Baskervilles und einigen bekannten Figuren. Das macht Spaß, erzeugt aber auch Spannung und viele mysteriöse Szenen, was für eine überzeugende Episode der Serie sorgt, der die Leidenschaft für das Original anzumerken ist.

VÖ: 15. April 2022
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662518


Sherlock Holmes Chronicles – 90. Das seltsame Verschwinden der Lady Frances Carfax



Sherlock Holmes ist gerade örtlich an London gebunden und kann deswegen seine geplanten Ermittlungen im Ausland nicht nachgehen, weswegen Dr. Watson die Spur der Lady Frances Carfax. Ihre Zofe hatte den Meisterdetektiv um Hilfe gebeten, da diese auf ihrer Europareise spurlos verschwunden ist und der Kontakt zu ihr abgebrochen ist. Der letzte Halt soll das französische Lausanne gewesen sein, sodass Watson den Hoteldirektor befragt…

Bei Folge 90 der „Sherlock Holmes Chronicles“ handelt es sich mal wieder um eine Umsetzung einer Originalgeschichte von Sir Arthur Conan Doyle, sodass sich der Anteil der bereits vom Ostenfelder Label vertonten Geschichten noch weiter erhöht. Und auch hier zeigt sich, dass der Autor selbst schon zahlreiche Winkelzüge vorgenommen hat, um immer wieder neue Stimmungen zu schaffen. Bei „Das seltsame Verschwinden der Lady Frances Carfax“ ist dies auf zweierlei Art geschehen: Einerseits ist der Handlungsort deutlich weniger begrenzt und ist in mehreren europäischen Städten angesiedelt, andererseits ist zu Beginn Dr. Watson der handhabende Ermittler. Ich mag seine Überzeugung, alles im Sinne des Meisterdetektivs zu handhaben ebenso wie die Enttäuschung, wenn ihm von diesem seine Unzulänglichkeiten süffisant präsentiert werden. Dass dabei auch noch eine rätselhafte Stimmung entsteht, die mit vielen kaum zusammenpassenden Hinweisen gespickt ist. Gegen Ende der Handlung wird in einer klassischen Szene alles zusammengeführt und von Holmes mit seiner unvergleichlichen Weise aufgedeckt. Das ist sicherlich nicht die spannendste Geschichte um den Meisterdetektiv, die überzeugende Stimmung und die gelungene Umsetzung sorgen aber dennoch für eine hörenswerte Produktion.

Wicki Kaletzki ist in der Rolle der Mrs. Peters zu hören und passt dabei sehr gut in die Atmosphäre der Serie, greift die geschliffenen Dialoge gekonnt auf und lässt diese organisch und authentisch klingen. Auch die Rolle des Peters wird von Hans Hohlbeim überzeugend dargeboten, er spricht mit Nachdruck und einer eingängigen Betonung, was seinen Szenen einen glaubhaften Anstrich verleiht. Und natürlich ist das wunderbare Duo aus Till Hagen und Tom Jacobs wieder in den beiden Hauptrollen zu hören, die die süffisante Stimmung zwischen dem Duo gekonnt zur Geltung bringt. Weitere Sprecher sind Marion Musiol, Oliver Baumann und Klaus Peter Grap.

Markus Winter hat für diese Geschichte wieder eine überzeugende und dichte Stimmung geschaffen, die gut an den Handlungsbogen angepasst ist. So sind die leicht mystisch wirkenden Melodien wieder ein stetiger Begleiter der Dialoge, aber auch passende und geschickt eingesetzte Geräusche sorgen für einen lebendigen Eindruck der verschiedenen Szenen.

Das Konterfei der geheimnisvollen Lady Carfax ist auf dem Titel zu sehen, doch die aufwendige Frisur und der ebenmäßige Teint werden durch Andeutungen eines Totenschädels gelungen konterkariert. Die düstere Farbgebung des Titelbilds sorgt dabei für die besondere Stimmung der Serie. Das Booklet ist – wie bereits angekündigt – etwas zusammengeschrumpft, da das Grußwort zu Beginn entfallen ist.

Fazit: „Das rätselhafte Verschwinden der Lady Carfax“ ist vielleicht nicht die spannendste Geschichte um Sherlock Holmes, überzeugt aber mit der internationalen Reise von Watson und Holmes, einen ermittelnden Chronisten und zahlreichen interessanten Charakteren. Durch die dichte Stimmung, die dabei aufkommt, ist ein durchgängig unterhaltsames Hörspiel entstanden.

VÖ: 4. März 2022
Label: Full Cast Audio
Bestellnummer: 9783960662501


Sherlock Holmes Chronicles – 89. Das Rätsel der heiligen Familie



Bis ins ferne London ist der Name von Antoni Gaudi bereits gedrungen, sodass auch Sherlock Holmes und Dr. Watson von dem Baumeister von Barcelona gehört haben. Doch das ausgerechnet dieser den Meisterdetektiv um Hilfe bittet, hat dieser nicht erwartet. Auf der Baustelle der Sagrada Familia gehen allerdings merkwürdige Dinge vor sich, und Gaudi fürchtet um das Fortschreiten der Arbeiten. Und dann geschieht tatsächlich ein Mord…

Neben rein fiktiven Charakteren ohne Bezug zur Wirklichkeit sind in den „Sherlock Holmes Chronicles“ von WinterZeit auch immer wieder historische Fakten oder reale Figuren der Geschichte eingebaut. Folge 89 ist einer dieser Fälle und nimmt zunächst noch einen kleinen Bezug zu einer anderen Geschichte mit ähnlichem Hintergrund, doch dann wird bereits schnell auf die Szenerie um den berühmten Baumeister Antoni Gaudi eingegangen. Das ist natürlich besonders reizvoll, wenn man bereits die imposante Sagrada Familie besucht hat, aber auch ansonsten bekommt man durch gelungene Beschreibungen einen Eindruck von dem geschichtsträchtigen Ort. Der Fall ist recht klassisch, der Mord wirkt zunächst ziemlich rätselhaft – einerseits, weil nur wenige Spuren auf Täter und Motiv hindeuten, andererseits aber auch, weil die Umstände des Mords einige interessante Besonderheiten aufweisen, sodass die Spannungskurve direkt ansteigt. Das Tempo ist wieder gewohnt langsam und detailliert, aber durch einen steten Fluss von neuen Informationen entsteht ein durchgängig flüssiger Eindruck. Ich mag, wie man dem Fall immer weiter auf die Spur kommt, wie kleine Teilauflösungen ebenso wie neue Fragestellungen eingebunden sind. Der geschichtliche Hintergrund bringt dazu den passenden Reiz mit ein, sodass eine hörenswerte Episode der Serie entstanden ist.

Reiner Gerlach ist in der Rolle des Antoni Gaudi zu hören und spricht sehr authentisch und glaubhaft, mit seinem ernsten Wesen passt er gut in die Szenerie der Handlung, aber auch die Leidenschaft für den Bau der Sagrada Familia kommt sehr gut zur Geltung. Der wundervolle Jürgen Thormann ist in einer Szene als Joan Martorell zu hören, sein unverkennbarer Klang und die nuancierte Sprechweise bereichern auch dieses Hörspiel mit einem markanten Dialog. Auch Greta Galisch de Palma überzeugt als Flora del Villar bringt eine eigene Note in die Handlung mit ein und setzt die Figur authentisch in Szene. Weitere Sprecher sind Jannik Endemann, Felix Spieß und Christian Zeiger.

Sehr gut gelungen ist die akustische Gestaltung der Episode, die nicht nur mit der typischen Musik der Serie punktet und wie immer sehr passende Geräusche dazu kombiniert. Auch die Halleffekte der Stimmen sorgen an den passenden Stellen für eine glaubhafte Atmosphäre, sodass der Klang in der riesigen Kathedrale gut zur Geltung kommt. Das ist alles sehr rund abgemischt und unterstreicht die Stimmung der Episode.

Die Sagrada Familie ist auch auf dem Cover zu sehen, imposant reckt sie sich in die Höhe und verbreitet in der rötlich-braunen Einfärbung der Titelbilder der Serie eine geheimnisvolle Stimmung, das darüber gelegte Portrait von Gaudi ergänzt das Motiv sehr gut. Im Inneren gibt es nicht nur wieder ein Grußwort von Markus Winter, in dem er mehr von der Inspiration zu dieser Episode erzählt, sondern auch ein selbstgeschossenes Foto der berühmten Kathedrale.

Fazit: Der Bau der Sagrada Familia und ein damit in Verbindung stehender Mord unter sehr mysteriösen Umständen – der Einstieg in die Handlung ist sehr reizvoll geraten. Dieser Grundgedanke trägt dann auch das ganze Hörspiel über, das eher langsam, aber durchgängig unterhaltsam geraten ist – und nebenbei kann man noch einiges über die berühmte Kathedrale lernen.

VÖ:
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662495


Sherlock Holmes Chronicles – 88. Wisteria Lodge



Sherlock Holmes ist erleichtert, als er ein Telegramm mit der Bitte um Hilfe in einem sonderbaren Fall erhält, sind doch in letzter Zeit keine interessanten Ermittlungen an ihn herangetragen worden. Doch der Bericht von Scott Eccles klingt reizvoll: Nachdem er eine Nacht in dem Haus eines flüchtigen Bekannten Garcia verbracht hat, ist dieses menschenleer. Und noch während seines Berichts trifft auch ein Inspector von Scotland Yard ein, um ihn wegen Mordes festzunehmen…

„Wisteria Lodge“ ist ein Fall für Sherlock Holmes, der von Sir Arthur Conan Doyle zunächst in einer Zeitung veröffentlicht wurde und später in den Sammelband „Seine Abschiedsvorstellung“ aufgenommen wurde – ein echtes Original also, das nun für die „Sherlock Holmes Chronicles“ als 88. Episode umgesetzt wurde. Der Fall an sich ist sehr klassisch aufgebaut und bietet mal wieder ein kniffeliges Rätsel für Sherlock Holmes: Eigentlich unmögliche oder zumindest unwahrscheinliche Begebenheiten, kleine Anhaltspunkte, an denen er die Geschehnisse rekonstruiert, einige stimmungsvolle Nachforschungen vor Ort. Gerade diese gefallen mir sehr gut, da dabei einige unheimliche Momente aufkommen, düstere Figuren und Überreste toter Tiere inklusive. Hier liegt dann auch der Fokus mit einigen ausführlichen Beschreibungen, was mir gut gefallen hat. Doch das drückt das Tempo stellenweise, welches bei den Geschichten des Autors ja sowieso nicht immer sonderlich hoch ist. Mich hat das nicht sonderlich gestört, da die Atmosphäre eben doch dicht ist und durchaus einige sehr interessante Aspekte eingebunden sind, sodass eine sehr solide Episode der Serie entstanden ist.

Mit Rainer Fritzsche ist eine erfahrene Stimme als Scott Eccles zu hören, er liefert eine sehr glaubwürdige und abwechslungsreiche Performance ab, sodass die Emotionen des Mannes gut zur Geltung kommen. Gut gefallen hat mir auch Leonhard Mahlich als recht einfältiger Inspector Baynes, der eine leichte Arroganz in seine Stimme einbaut und seine Szenen sehr treffend umsetzt. Auch Jannik Endemann macht seine Sache als Garcia überzeugend, trotz vergleichsweise kurzem Auftritt gestaltet er eine lebendig wirkende Figur. Weitere Sprecher sind Luisa Wietzorek, Helmut Krauss und Patrik Bähr.

Nicht nur die Bearbeitung des Originaltextes, auch die Umsetzung als Hörspiel ist Markus Winter gut gelungen. Er betont die düstere Szenerie mit passender Musik, die dann auch während der Dialoge im Hintergrund für viel Atmosphäre sorgt, baut an vielen Stellen passende Geräusche ein und erschafft so eine lebendige Szenerie. Schön, dass das Flair der Serie dabei flexibel genug ist und dennoch gut zur Geltung kommt.

Die Düsternis der Geschichte wird auch auf dem Titelbild von Mark Freier zum Ausdruck gebracht, der unheimlich geschminkte Mann mit dem angedeuteten Totenschädel, dazu eine nur schummerig durch eine Straßenlaterne erhellte Szenerie – sehr ansprechend. Die restliche Gestaltung ist wie immer ansprechend und enthält einen kleinen Einleitungstext von Markus Winter, aber auch Infos und Fotos zu den beiden Hauptsprechern.

Fazit: „Wisteria Lodge“ ist kein absoluter Top-Fall, bietet aber eine dichte, leicht unheimliche Stimmung und einen verzwickten Fall mit vielen Rätseln. Die ruhige Stimmung gefällt mir gut, ebenso wie der Fokus auf den düsteren Elementen der Geschichte, die geschickt betont wurden. Eine sehr solide Umsetzung, die überzeugend produziert wurde.

VÖ: 3. Dezember 2021
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662488


Sherlock Holmes Chronicles – 87. Insel der Schatten



An der malerischen Küste Cornwalls wird eine Leiche angespült, die schon einige Tage im Meer getrieben haben muss. Nachdem die örtliche Polizei bei den Ermittlungen nicht vorankommt, schreibt der Arzt der kleinen Gemeinde Saint Ilses, Edward Judd, seinem alten Studienkollegen einen Brief mit der Bitte um Hilfe – nicht wegen medizinischer Konsultation, sondern weil dieser mit einem bekannten Detektiv befreundet ist. Doch dann verschwindet Edward Judd spurlos…

Mit 74 Minuten ist „Insel der Schatten“, die 87. Episode der „Sherlock Holmes Chronicles“, nicht gerade kurz geraten. Umso überraschender ist es dann, dass gerade einmal sieben Sprecher zu hören sind – inklusive der beiden Sprecher der Hauptrollen. Wer nun eine langgezogene Episode mit ausufernden Dialogen erwartet, liegt allerdings falsch: Trotz der begrenzten Szenerie und einem klaren Fokus auf der Leiche und dem Verschwinden von Watsons altem Freund sind viele unterschiedliche Momente zu hören, die sich abwechslungsreich und unterhaltsam präsentieren. Dabei kommt die Stimmung Cornwalls sehr gut zur Geltung und punktet mit einem klaren Bild von der Landschaft, aber auch von den eigenbrötlerischen Bewohnern. Die Handlung wird immer weiter vorangetrieben und mit immer neuen Hinweisen angereichert, ist aber insgesamt nicht sonderlich komplex geraten. Und auch wenn Holmes zunächst aus den Hinweisen aus dem Brief einige Rückschlüsse zieht: Die Ermittlungen sind deutlich lebendiger umgesetzt als gewohnt und ist mit vielen markanten Szenen umgesetzt. Die Auflösung zieht dann einige unerwartete Details ans Licht, was für einen gelungenen und intensiven Abschluss der gelungenen Episode sorgt.

Tobias Lelle ist in der Rolle des Edward Judd sehr überzeugend und verleiht dem Arzt der kleinen Gemeinde eine sehr standfeste, glaubwürdige Sprechweise mit überzeugenden Emotionen, was auch in seinen Erzählszenen gut zur Geltung kommt. Engelbert von Nordhausen ist als Morstan sehr präsent und verleiht seiner markanten Stimme einige neue Facetten, klingt kühl und abweisend, was in vielen überzeugenden Momenten gut zur Geltung kommt. Auch Uli Krohm macht seine Sache als Denholm Lacy sehr gekonnt und bringt eine sehr solide und authentisch wirkende Sprechweise mit ein. Weitere Sprecher sind Patrick Baehr, Nicole Hannak und natürlich Till Hagen.

Akustisch ist diese Folge besonders atmosphärisch geraten. Die Musik ist dabei wie immer gut an die Handlung angepasst und sorgt dafür, dass man sich gleich wieder wohlfühlt, es sind aber mehr Geräusche als sonst zu hören. So wird die malerische Landschaft greifbar und lebendig, das Rauschen des Wassers, das Stimmgemurmel in einem Pub, der tosende Wind an der Küste oder – natürlich – knisterndes Kaminfeuer sind sehr dicht und atmosphärisch geraten.

Mark Freier hat für das Titelbild eine sehr stimmungsvolle Illustration geschaffen, die die rauen Klippen Cornwalls mit den vielen kleinen Höhlen und den starken Wellen. Im Gegenlicht der untergehenden Sonne erkunden zwei Männer die Gegend, was mit seinen dunklen Farben sehr atmosphärisch wirkt. Im Inneren des kleinen Booklets sind nicht nur Kurzinformationen zu den beiden Hauptsprechern, sondern auch eine Übersicht der bisherigen Folgen und ein einleitender Text vorhanden…

Fazit: Stimmungsvoll, dicht, abwechslungsreich: Dass „Insel der Schrecken“ trotz sehr reduziertem Cast so gelungen ist, liegt einerseits an der gekonnten Umsetzung, andererseits aber auch an dem überzeugenden Handlungsverlauf, der nie riesige Schritte macht, aber kontinuierlich neue Elemente hinzufügt. Ich mag die geschickte Auflösung, auch wenn der Fall nicht sonderlich komplex ist, gibt es dabei einige Überraschungen.

VÖ: 17. September 2021
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662471


Sherlock Holmes Chronicles - 86. Das Rätsel der schwarzen Abtei



Jonathan Temborn sucht die Hilfe von Sherlock Holmes auf, der jedoch wenig Interesse an der Geschichte einer verfallenden Abtei hat – selbst wenn der ehemalige Abt Christopher angeblich große Reichtümer angehäuft haben soll, die nun seit einiger Zeit verschwunden sind. Und wird der Bewohner des angrenzenden Dorfs erst einmal fortgeschickt. Erst, als Holmes ein Paket mit einer kürzlich verschwundenen Figur erhält und weitere Details erfährt, nimmt er sich den Ermittlungen an…

„Das Rätsel der schwarzen Abtei“ ist bereits die vierte Geschichte aus der Sammlung neuer Geschichten „Die Diamanten der Prinzessin“ um den berühmten Meisterdetektiv, den WinterZeit als 86. Episode der „Sherlock Holmes Chronicles“ umgesetzt hat. Der Start wirkt bereits sehr klassisch: Das Motiv des neuen Klienten für Sherlock Holmes, der ihn in der Baker Street aufsucht und von seinen Erlebnissen berichtet – und auch die ablehnende Haltung des Meisterdetektivs dem Fall gegenüber, was hier mit Nachdruck umgesetzt wurde. Es schließt sich ein Rätsel an, welches mit einem bestimmten Code entschlüsselt werden kann. Zwar ist dies gelungen umgesetzt, da der triebhafte Wahn von Holmes sehr gut zur Geltung kommt, die Lösung des Rätsels ist ohne schriftliche Informationen aber nur schwer nachzuvollziehen und dadurch etwas zu lang geraten. Danach wird der Fall aber wieder recht klassisch fortgeführt, ausgestattet mit einigen Lösungswörtern und gesammeltem Hintergrundwissen durch die Hauptfigur sind die Ermittlungen vor Ort unterhaltsam und spannend geraten. Dabei ist dieser Fall nicht sonderlich komplex, sondern ab einem gewissen Zeitpunkt auch noch gut vorauszuahnen. Und auch die Reduktion auf nur wenige Figuren und lange Dialoge zwischen dem bekannten Gespann sorgt nicht unbedingt für Dynamik. Doch die eingebauten, leicht mysteriösen Komponenten, die dichte Stimmung und der unterhaltsame Verlauf sorgen für ein solides Hörspiel, welches zudem sicher und stimmungsvoll wie immer umgesetzt wurde.

Die Zahl der Sprecher ist hier auf gerade einmal sechs reduziert, wobei drei von ihnen – Viola Sauer als Mrs. Hudson, Frank Otto Schenk als Wirt und Adam Nümm als Gast in der Kneipe – auch nur kleine Rollen einnehmen. Bert Franzke ist in der Rolle des Jonathan Temborn zu hören und setzt seine markante Stimme gekonnt ein, um eine sehr präsente Figur mit glaubhafter, lebendiger Betonung zu erschaffen. Till Hagen ist als Sherlock Holmes natürlich wieder eine Wucht, er spricht die bekannte Rolle wieder auf seine ganz eigene Art und überzeugt auch mit der Arroganz, trotz derer die Figur sehr zugänglich wirkt. Tom Jacob ist natürlich wieder als Dr. Watson zu hören, der sowohl in den Dialogszenen als auch in den Erzähltexten einen sehr präsenten Eindruck hinterlässt und dabei den sanften Witz der Rolle sehr gut einbringt.

Gelungene Variation einiger bekannten Melodien, die gelungen in die Handlung eingebaut sind, dazu stimmungsvolle neue Stücke – die Musik der Episode ist überzeugend geraten und sorgt für eine dichte Atmosphäre. Auch die Geräusche sind wie immer sehr genau eingefügt und lassen die Dialoge lebendiger werden, was zusammen mit der Musik effektvoll geraten ist.

„Der schwarze Abt“ ist der eigentliche Titel dieser Kurzgeschichte, wie Markus Winter in dem Vorwort verrät. Und auch wenn die Umbenennung erfolgt ist, ist der Abt mit der tief ins Gesicht gezogenen Kapuze auf dem Titelbild sehr markant in Szene gesetzt, wozu auch die düsteren Farben und der detailreiche Hintergrund mit der alten Abtei und dem hell scheinenden Vollmond zum Gelungen des Covers beiträgt.

Fazit: „Das Rätsel der schwarzen Abtei“ mag nicht der spannendste Fall der Reihe sein und ist zudem mit einem kleinen Rätsel ausgestattet, welches in Hörform nur schwer nachzuvollziehen ist. Doch interessant und stimmungsvoll ist auch dieses Hörspiel geraten, zumal die dichte Stimmung und die markanten Figuren überzeugend umgesetzt wurden.

VÖ: 16. Juli 2021
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662464


Sherlock Holmes Chronicles – 85. Das schwarze Phantom



Immer wieder wurde in letzter Zeit in die Häuser wohlhabender Familien eingebrochen. Durch einen Zufall treffen Sherlock Holmes und Doktor Watson fast zeitgleich mit Inspector Lestrade von Scotland Yard an dem nächsten Tatort ein. Der Makler Kolb und seine Frau sind äußerst aufgebracht, dass der Einbrecher, der als „Das schwarze Phantom“ bekannt ist, auch bei ihnen wertvolle Gegenstände gestohlen wurden. Doch wie sollen sie den Mann fassen, der zu blitzschneller Flucht über die Dächer der Stadt fähig ist…?

Neben den Originalen von Sir Arthur Conan Doyle und selbstgeschriebenen Fällen für Sherliock Holmes setzt Markus Winter von WinterZeit auch immer wieder Geschichten von anderen Autoren um. So wurden bereits in vorigen Folgen zwei Episoden aus der Anthologie „Die Diamanten der Prinzessin“ von E.C. Watson umgesetzt, mit „Das schwarze Phantom“ ist nun eine dritte Geschichte als Nummer 85 der „Sherlock Holmes Chronicles“ erschienen. Der Fall mutet recht klassisch an, ist aber lebendig und abwechslungsreich erzählt. Statt des klassischen Intros in der Baker Street mit dem Bericht eines neuen Klienten eilt der Detektiv direkt zu einem Tatort und ist so viel näher am Geschehen dran, auch die Ermittlungen sind unmittelbarer und dynamisch aufgebaut. So ist der Fluss an neuen Informationen stetig und abwechslungsreich, immer neue Details der Einbruchsserie kommen ans Licht, immer wieder sind auch kleine Teilauflösungen zu hören, sodass man in den 54 Minuten immer näher an die Auflösung heranrückt. Diese ist dann aber dennoch überraschend geraten und fügt einige sehr gelungene Elemente hinzu, die den Fall noch einmal in einem anderen Licht erscheinen lassen. Sehr gut gefällt mir, wie die Figuren umgesetzt sind. Beispielsweise ist Holmes‘ Reaktion auf einige Artikel der Presse humorvoll umgesetzt, auch Watsons Gutmütigkeit kommt sehr gut zur Geltung. Garniert mit einigen spannenden Momenten und geschickt eingebauten Wendungen ist so eine hörenswerte Episode entstanden, die sehr unterhaltsam ist.

Der wunderbare Gerrit Schmidt-Foß ist in der Rolle des Harper zu hören, er verleiht der Figur gekonnt verschiedene Facetten und formt damit einen interessanten Charakter, der glaubhaft zur Geltung kommt und mir sehr gut gefallen hat. Sebastian Fitzner ist als Schriftsteller und Journalist Kane zu hören und bringt die nervöse und aufgeregte Ader des Schreibers gekonnt zu Geltung, was einen lebendigen Eindruck hinterlässt – auch wenn seine Stimme einen ganz anderen Sound besitzt und offenbar in einem anderen Studio aufgenommen wurde als der Rest. Klaus-Peter Graps schneidende Stimme passt sehr gut zu seiner Rolle als aufgebrachter Kolb, sodass besonders das Intro sehr lebendig wirkt. Weitere Sprecher sind Jeffrey Wipprecht, Uwe Büschken und Viola Sauer.

Musikalisch ist auch diese Episode wieder gelungen umgesetzt, wobei sich natürlich wieder einige der bekannten Melodien wiederholen und für die typische Atmosphäre sorgen, aber auch eigens auf diese Geschichte angepasste Musikstücke sind gekonnt eingebaut und unterstreichen so die vorherrschende Stimmung der Episode. Auch die Geräusche sind wieder sehr passgenau eingebaut und sorgen für einen lebendigen Eindruck der Dialoge.

Eine schwarz behandschuhte Hand greift nach wertvoll funkelnden Diamanten, die helles Licht reflektieren, wobei der Rest des Covers wie auch der angedeutete Hintergrund recht dunkel gehalten ist – ansehnlich und durchaus passend. Das Innere des Booklets enthält nicht nur eine Übersicht der bisherigen Folgen, sondern auch wieder einen einleitenden Text, der unter anderem auf ein nicht ganz stimmiges Detail auf dem Titelbild eingeht.

Fazit: „Das schwarze Phantom“ ist mit abwechslungsreichen Ermittlungen, spannenden Momenten und einem interessanten Fall hörenswert geraten. Die Spur des Einbrechers wird gelungen nachgezeichnet, wobei auch die bekannten wie die neuen Figuren gut zur Geltung kommen. Eine starke Episode, die mir gut gefallen hat.

VÖ: 18. Juni 2021
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662457


Sherlock Holmes Chronicles – 84. Der rote Kreis



Voller Angst wendet sich die Vermieterin Mrs. Warren an den Meisterdetektiv Sherlock Holmes, der sich nur durch Schmeicheleien und eindringliches Bitten zu Ermittlungen in dem Fall ermittelt, denn eine spannende Herausforderung sieht er zunächst nicht. Dass sich ein Mieter vollständig zurückzieht und in seinen Zimmern nicht gestört werden will, hält er für nicht allzu ungewöhnlich. Doch schon bald weckt die Erzählung der Dame sein Interesse…

Klassiker-Zeit bei den Sherlock Holmes Chronicles! Bereits die vorige Folge bestand zumindest zur Hälfte aus einer Geschichte von Sir Arthur Conan Doyle, für die 84. Episode wurde nun „Der rote Kreis“ vom Husumer Label WinterZeit umgesetzt. Und sehr klassisch ist auch die Erzählweise der Geschichte, die durch einen recht langen Dialog zu Beginn in Gang gebracht wird, in der die neue Klientin Mrs. Warren von den ungewöhnlichen Vorfällen berichtet – und da diese vorrangig eben auf Nicht-Kommunikation dienen, konnten dieses mal nur wenige Spielszenen eingebaut werden. Auch die anschließenden Schlussfolgerungen des Meisterdetektivs werden vorrangig zwischen Holmes und Watson geklärt, die Ermittlungen können größtenteils vor dem Kamin in der Baker Street erledigt werden. So hält sich die Umsetzung sehr nahe an das Original und nimmt so kaum Änderungen vor, was dann für eine etwas gemächliche, aber dennoch spannende Geschichte sorgt – auch wegen der wie immer sorgsamen Umsetzung. Die ganz großen Überraschungen bleiben aus, auch wenn man das Original noch nicht kennt, da immer wieder Schlussfolgerungen in die richtige Richtung angedeutet werden, hörenswert ist diese Geschichte dennoch – auch wegen der Gesellschaftskritik, die in der Auflösung mitschwingt und den Kontrast einiger Ansichten zu unserer heutigen Zeit gekonnt einbringt.

Die wunderbare Dagmar Dempe ist in der Rolle der Mrs. Warren zu hören, ihre Stimme setzt sie dabei sehr ausdrucksstark ein und bringt die aufgebrachte Stimmung der Vermieterin sehr gelungen zur Geltung. Das Duo aus Till Hagen und Tom Jacobs sorgt in den Hauptrollen wieder für sehr markante Momente und eine lebendige Sprechweise, die beiden ergänzen sich sehr gekonnt, zumal jeder in seiner Rolle völlig aufblüht. Rainer Fritzsche spricht die Rolle des Leverton ebenfalls gekonnt und lebendig, sodass trotz des eher kurzen Auftritts ein überzeugender Eindruck entsteht. Weitere Sprecher sind Oliver Baumann, Luisa Wietzorek und Bernd Vollbrecht.

Das Kaminfeuer knistert fröhlich und lebendig vor sich hin und vermittelt eine gemütliche, warme Atmosphäre – und da nur wenig andere Schauplätze als die Wohnung von Holmes und Watson in der Handlung vorkommen, ist dieses über weite Teile der Handlung zu hören. Doch auch die eingebauten Melodien, teils bereits bekannt, teils in dieser Seire noch nicht gehört, sind treffend eingefügt und sorgen für die typische Atmosphäre der Serie.

Die Leiche einer bleichen Frau, die auf einem steingepflasterten Boden liegt, den Arm in einem roten Keis liegend, dazu schummeriges, diffuses Licht – das Titelbild zur Episode stammt wieder von Mark Freier, der wieder eine ausdrucksstarke Illustration geschaffen hat. Natürlich wird hier wieder auf die CD-Hüllen mit den abgerundeten Ecken zurückgegriffen, auch das Vorwort von Markus Winter in Booklet darf nicht fehlen.

Fazit: „Der rote Kreis“ wirkt gerade zu Beginn etwas statisch, was an der klassischen Vorlage von Sir Arthur Conan Doyle liegt – denn diese gibt eben nicht viel mehr Dynamik her. Später wird es dann aber durchaus spannender, auch wenn keine sonderlich große Überraschungen eingebaut sind. Die gut erdachte Geschichte und die sehr saubere und gelungene Umsetzungen machen diese Episode zu einer guten Ergänzung der Serie.

VÖ: 7. Mai 2021
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662440


Sherlock Holmes Chronicles – 83. Ein fast perfekter Mord



Dr. John Watson ruft seinen Freund, den Meisterdetektiv Sherlock Holmes, in einer dunklen Nacht an und gesteht ihm seine eigene Tat: Den Mord an seinem alten Freund Mike Robson. Dieser hatte Watson zuvor um Hilfe gebeten, hinter das merkwürdige Verhalten seiner Verlobten Charlene zu kommen. Doch Holmes ist von seiner Unschuld überzeugt und nimmt die Ermittlungen auf…

Zwar ist „Ein perfekter Mord“ als prominenter und einziger Titel auf der 83. Episode der „Sherlock Holmes Chronicles“ angegeben, doch neben der Kurzgeschichte von James A. Brett, einem Pseudonym von Produzent Markus Winter, ist auch „Seine Abschiedsvorstellung“ zu hören, einem Original von Sir Arthur Conan Doyle. Der Fall um den scheinbaren Mörder Dr. Watson ist kurz und knackig erzählt, nach der düsteren Introszene und einem längeren Dialog mit eingebauten Spielszenen, in dem der ehemalige Militärarzt seinem Freund von den bisherigen Ereignissen berichtet, geht es mit den klassisch anmutenden Ermittlungen von Sherlock Holmes weiter. Er spricht dabei mit einer Handvoll unterschiedlicher Zeugen, die auf die eine oder andere Art in den Fall verstrickt sind. So setzt sich langsam und puzzleartig ein komplettes Bild zusammen, die eigentliche Auflösung lässt sich aber erst vollständig erschließen, wenn der Detektiv in einem längeren Monolog alle Zusammenhänge aufklärt und dabei einige Überraschungen parat hält. Eine gelungene, knackige Geschichte, die nach einer guten halben Stunde vorbei ist und dabei genau die richtige Länge für den Inhalt hat. Der anschließende Klassiker „Seine Abschiedsvorstellung“ ist sicherlich nicht die stärkste Vorlage von Doyle und funktioniert zudem im Medium Hörspiel nicht allzu gut, da man durch die auftauchenden Stimmen bereits die Auflösung erahnen kann. Zudem sind viele Erzähltexte notwendig, was nur wenig Dynamik aufkommen lässt und etwas statisch wirkt. Dennoch: Das Umfeld der Spione und die kurzweilige Erzählweise sind gelungen umgesetzt.

Michael „Mike“ Robson wird von Uwe Büschken gesprochen, der seine jahrelange Erfahrung einsetzt und einen lebendigen und vielseitigen Charakter erschafft, der mit seiner rauen Stimme einen überzeugenden Eindruck hinterlässt. Daniela Reidies ist als Ärztin Mrs. Harmon in einer kurzen, aber nachdrücklichen Szene zu hören, die sie mit ihrer unverkennbaren Stimme gekonnt vertont und mit einer lebendigen Sprechweise versieht. Auch Felix Spieß hat mir als von Bork gut gefallen und bringt seine Figur auf den Punkt, indem er betont und ausdrucksstark spricht. Weitere Sprecher sind Sarah Alles, Stefan Gossler und Margot Rothweiler.

Das Label hat eine ganz eigene akustische Ästhetik für diese Serie geschaffen, die auch hier wieder gut zur Geltung kommt. So sorgen wieder einige rätselhaft wirkende Melodien für eine passende Atmosphäre, während die Dialoge durch zahlreiche Geräusche lebendig wirken. Beides in Kombination funktioniert sehr gut und lässt auch die Erzähltexte in der zweiten Geschichte abwechslungsreicher wirken.

Ein klassischer, altertümlicher Revolver ist auf dem Cover zu sehen, auch einige Patronen sind im Hintergrund abgebildet, wobei diese Szenerie durch die kleinen, weißen Lichtblitze und die grünlich-wabernde Einfärbung eine ansehnliche Optik verliehen bekommt – schlicht, und doch sehr passend. Das Booklet enthält neben einem Ausblick auf die kommende Episode und Infos zu den beiden Hauptdarstellern auch wieder einen einleitenden Text von Markus Winter, in der er mehr über die Detailverliebtheit seiner Hörer und die Entstehung der Doppelfolge verrät.

Fazit: Eine Doppelfolge mit einer neuen Geschichte und einem Original, wobei „Ein fast perfekter Mord“ mit seinem gelungenen Aufbau und seiner knackig erzählten Handlung im Vordergrund steht. Besonders gelungen ist der Verdacht auf Dr. Watson, der trickreich aufgelöst wird. „Seine Abschiedsvorstellung“ funktioniert als Hörspiel leider nicht ganz so gut und wirkt ein wenig statisch, dennoch ist es schön, ein weiteres Original von Doyle zu Ohren zu bekommen.

VÖ: 7. Mai 2021
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662433


Sherlock Holmes Chronicles: Der Blutsauger von London - 1. Der Vampir vom East End



Es sind mittlerweile drei Leichen, die vollkommen blutleer im Londoner Eastend aufgefunden wurden. Sherlock Holmes ist empört, dass wieder einmal Gerüchte über einen lebenden Untoten aufkommen und entschließt sich, den Fall auf seine rein logische Vorgehensweise aufzuklären. Doch Scotland Yard hat bereits externe Hilfe angefordert: Ein gewisser Professor van Dusen aus New York stellt ebenfalls Ermittlungen an…

Neben „Sherlock Holmes“ hat sich in Hörspielkreisen auch „Professor van Dusen“ als ermittelnder Detektiv einen Namen gemacht. Um seiner neuen Serie „Die Denkmaschine“ um eben jenen New Yorker Wissenschaftler ein wenig Starthilfe zu geben, hat Markus Winter von WinterZeit ein Crossover der beiden Reihen in den „Sherlock Holmes Chronicles“ eingebaut. Der erste Teil des „Der Blutsauger von London“ genannten Falles ist als Sonderfolge erschienen, sodass jeder entscheiden kann, ob er sich darauf einlassen möchte – eine Lücke in der Seriennummerierung muss so niemand hinnehmen. Nach einem kurzen Intro, in dem man den vermeintlichen Vampir in Aktion hört, geht es hier zunächst recht klassisch am Kaminfeuer in der Baker Street mit einer Unterhaltung von Holmes und Watson los, doch der Schwenk zum anderen Handlungsstrang um Holly Hatch und Professor van Dusen bringt schnell etwas Abwechslung ein. Auch später sorgt dies immer wieder für Dynamik, auch wenn in diesem Teil die Ermittlungen von Holmes die deutliche Mehrheit einnehmen. Es werden einige Rätsel um die blutleeren Leichen aufgebaut, aber auch einige frühere Fälle des Meisterdetektivs thematisiert, was besonders für Fans dieser Reihe ein gelungenes Gimmick ist. Mir gefällt, wie die beiden Handlungsstränge gemeinsam gut funktionieren und sich die Hinweise ergänzen, aber auch wie die verschiedenen Charaktere gut zur Geltung kommen. Die Erzählweise ist recht ruhig und bedacht, auch Zeitdruck wie in vielen anderen Episoden der Serie ist nicht sonderlich prägnant, sodass ein gediegener Krimi entstanden ist. Das Ende ist dann ziemlich offen, endet aber mit einem gelungenen Cliffhanger, sodass die Neugier auf den zweiten Teil auf jeden Fall geweckt wird.

Das Duo aus Thomas Nero Wolff und Anne Helm als Professor van Dusen und Holly Henrietta Hatch funktioniert auch hier wunderbar, der recht mürrische Detektiv und die kesse Journalistin bekommen durch die beiden ein scharfes Profil, wobei die Dynamik zwischen den beiden sehr gut zur Geltung kommt. Rieke Werner ist in der Rolle der Mary Stickland ebenfalls gut aufgehoben, sie spricht sehr präsent und ausdrucksstark, was der Figur einige gelungene Facetten verleiht. Auch die wundervolle Marianne Groß ist in ihrer kurzen Szene als Mrs. Boogle sehr überzeugen und bringt ihren warmen und unverkennbaren Klang sehr gekonnt ein. Weitere Sprecher sind Cathleen Gawlich, Torsten Münchow und Torsten Münchow.

Rockmusik mit E-Gitarre und elektronischen Geigen? Dass dies auch in der Sherlock Holmes Chronicles-Reihe funktioniert, beweist diese Episode der Serie direkt zu Beginn mit dieser ungewohnten Kombination. Natürlich gibt es auch wieder knisterndes Kaminfeuer, den Trubel im London der frühen Industrialisierung und so einige gediegene Melodien, sodass das typische Flair der Serie gut zur Geltung kommt.

Das Gesicht des gut gekleideten Mannes mit dem Zylinder und dem blitzenden Gehstock liegt fast vollkommen im Dunkeln, man sieht aber noch den rot verschmierten Mund. Fledermäuse und ein altes Herrenhaus im Hintergrund machen den Eindruck eines Vampirs komplett. Der Einleitungstext im Booklet ist hier etwas ausführlicher geraten, Markus Winter erzählt hier von der Entstehung dieser Sonderfolge, natürlich sind wie immer auch die Mitwirkenden aufgelistet.

Fazit: Das Crossover der beiden bekannten Detektive startet hier mit einer ruhig erzählten Handlung, in der di Sammlung von Beweisen auf verschiedenen Ebenen im Vordergrund steht. Der Humor der beiden Ermittlerpaare kommt dabei ebenso gut zur Geltung wie die Stimmung der Serie, auch das Setting mit dem scheinbaren Vampir ist reizvoll.

VÖ: 25. Juni 2021
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960665120


Sherlock Holmes Chronicles – 82. Die Geheimwaffe



Fortschrittlichkeit und technische Weiterentwicklung oder pompöse und aufgeblasene Selbstdarstellung? Die Londoner Weltausstellung im Jahr 1851 gerät nicht nur wegen des umstrittenen Kristallpalastes in die Kritik. Und gerade dort ereignen sich mysteriöse Ereignisse, die vierzig Jahre später auch dem Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu Ohr kommen, als Olivia Panowski nach ihrem Ehemann sucht. Doch gibt es noch genügend verwertbare Hinweise, um das Rätsel nach so vielen Jahren noch zu lösen..?

Viele der „Sherlock Holmes Chronicles“ von WinterZeit lassen sich in einer guten Stunde Laufzeit erzählen, doch es gibt auch Episoden, die mit dieser Zeit bei weitem nicht auskommen – „Die Geheimwaffe“ gehört als 82. Folge der Serie dazu. Satte 142 Minuten werden benötigt, um die Geschichte zu erzählen, und keine Minute davon ist verschwendet, jede Szene ist an ihrem Platz, Leerlauf oder langwierige Momente gibt es nicht. Das deutet bereits darauf hin, dass die Geschichte recht umfangreich ist, was sich dann auch schnell bestätigt – eben weil nicht nur Ereignisse aus der Gegenwart von Sherlock Holmes erzählt werden, sondern eben auch ein ausführlicher Blick in die Vergangenheit rund um die Londoner Weltausstellung getätigt wird. Hier wird ausnahmsweise ein externer Erzähler eingesetzt, aber auch viele Spielszenen sorgen für eine ganz eigenständige Szenerie, die mit vielen markanten Momenten und einem unterhaltsamen Verlauf punktet. Die Szenen in der Gegenwart werden gekonnt dazu ergänzt, nehmen immer mehr Raum ein und gestalten sich ebenfalls kurzweilig und spannend, da immer weitere interessante Details aufgedeckt werden. Streckenweise kommt dabei eine recht abenteuerliche Stimmung auf, die ungewöhnlich für die sonst so gradlinige Figur ist. Das wird sicherlich nicht jedem gefallen, insbesondere Puristen des Werks von Sir Arthur Conan Doyle werden mit „Die Geheimwaffe“ wohl nicht viel anfangen können. Wer sich jedoch auch anderen Aspekten öffnen kann, wird mit einer lebendigen Handlung belohnt, die mit einer geschickt erzähltem Plot punktet.

Der Sprechercast der Episode weiß wieder zu überzeugen, wobei mir Marina Krogull besonders gut gefallen hat. Ihre warme Stimme klingt sehr selbstbewusst und bringt der Figur viel Selbstbewusstsein – eine sehr überzeugende und scharfsinnige Sprechweise. Auch Wolfgang Ziffer ist als Adrian sehr gut besetzt, sein unverkennbarer Klang zieht die Aufmerksamkeit auf sich, zumal er eine sehr eingängige Betonung mit einbringt. Als externer Erzähler ist Frank Arnold zu hören, der mit seiner ruhigen, eingängigen Stimme eine angenehme und lebendige Ausstrahlung verbreitet. Weitere Sprecher sind Patrick Giese, Daniela Reidis und Jürgen Thormann.

Es gibt einige Melodien, die sich in vielen Episoden wiederholen und auch hier wieder Anwendung finden – und immer noch sehr gut in das Ambiente der Serie passen. So werden beispielsweise die Monologe von Dr. Watson atmosphärisch untermalt, während die meisten Dialoge vor allem mit wohldosierten Geräuschen untermalt werden – wieder eine sehr stimmige und rund wirkende akustische Umsetzung.

Mit der klassischen Architektur und den technischen Elementen versprüht das Titelbild der Episode eine leichte Steampunk-Ästhetik, besonders wegen des exzentrischen und leuchtenden Sichtschutzes, den der Mann darauf trägt. Das ist ansprechend geraten, aber auch nicht vollkommen passend zu der Geschichte, wie Markus Winter im wie immer lesenswerten Grußwort im Booklet zur CD erwähnt. Darin ist auch wieder eine vollständige Übersicht der bisher erschienenen Episoden enthalten – inklusive aller Sonderfolgen-

Fazit: „Die Geheimwaffe“ ist sicherlich eine ungewöhnliche Episode, die ihre 142 Minuten Laufzeit aber gekonnt ausfüllt. Die abenteuerlichen Elemente aus der Vergangenheit werden aber mit einer klassischen Szenerie um Sherlock Holmes verbunden, weswegen die Geschichte in der Serie gut aufgehoben ist. Markante Figuren und eine flüssige Erzählweise sorgen für ein gelungene Atmosphäre und beleuchtet mal andere Facetten der bekannten Figur.

VÖ: 12. März 2021
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662426


Sherlock Holmes Chronicles – 81. Die Pappschachtel



Bereits aus der Zeitung hat Sherlock Holmes von dem grausigen Inhalt eines Paketes erfahren, welches Miss Cushing erhalten hat: In eine Schicht aus Salz sind ihr zwei menschliche Ohren geliefert worden. Da Inspektor Lestrade in dem Fall nicht weiterkommt, bittet er den Meisterdetektiv um Hilfe, der direkt in das kleine Heimatdorf fährt und die Geschichte noch einmal aus erster Hand hören möchte – und gleich einige wichtige Details entdeckt…

Mit „Die Pappschachtel“ hat WinterZeit als 81. Episode der „Sherlock Holmes Chronicles“ mal wieder eine Originalgeschichte von Sir Arthur Conan Doyle vertont – allerdings eine, die nicht allzu große Bekanntheit genießt und damit auch viele Hörer der Reihe noch überraschen dürfte. Der Fall hat einen sehr klassischen Aufbau und ist recht ruhig erzählt, vorrangig besteht die Handlung aus verschiedenen Ermittlungen und Befragungen von Sherlock Holmes. Die so gesammelten Hinweise sind zunächst kryptisch, denn auch wenn der Meisterdetektiv immer wieder betont, welche Informationen entscheidend sind, kann der Hörer noch lange kein stimmiges Bild daraus zusammensetzen – übrigens auch wegen einiger fehlender Informationen. Dennoch ist das sehr unterhaltsam umgesetzt und gibt einige interessante Rätsel auf. Die Figuren – auch abseits der wie immer wundervoll dargestellten Hauptcharaktere – bringen ihren eigenen Charme in die Handlung mit ein und sorgen für eine dichte Atmosphäre. Die Auflösung kommt (für Nicht-Kenner der Geschichte) überraschend, wird aber stimmig und logisch aufgeklärt, auch hier kommt noch eine lebendige und spannende Stimmung auf. Auch wenn die Erklärungen nach der Enttarnung des Täters noch einige Zeit laufen, ist dies sehr unterhaltsam geraten. Die sorgsame und ausführliche Umsetzung der Geschichte ist sehr hörenswert geraten und betont einmal mehr die Qualität der Serie.

Liane Rudolph ist in der Rolle der Miss Cushing zu hören, wobei sie ihre angenehm warme Stimme einerseits gebrechlich und verwirrt klingen lässt, aber auch durchaus Schwung und Erschrecken vor dem Inhalt des Pakets mitschwingen lässt. Bastian Sierich spricht die Rolle des Browner ebenfalls sehr intensiv und fügt der Figur viele interessante Facetten hinzu, was sehr stimmig wirkt und gut in das Ambiente der Episode passt. Auch das wunderbare Sprecherduo aus Till Hagen als Sherlock Holmes und Tom Jacobs als Dr. John Watson spricht seine Rollen authentisch, ausdrucksstark und spontan wirkend, nach der langen Zeit der Produktion scheinen sie immer noch sehr viel Spaß an den Aufnahmen zu haben. Weitere Sprecher sind Nicole Hannak, Rainer Gerlach und Bernd Vollbrecht als Inspektor Lestrade.

Wieder kommt die sehr stimmige akustische Gestaltung der Serie gut zur Geltung und gestaltet Dialoge, Erzähltexte und Szenenübergänge sehr atmosphärisch. Dabei werden wieder einige Melodien verwendet, die bereits aus früheren Episoden bekannt sind, aber auch viele neue Musikstücke sorgen für einen lebendigen Ausdruck. Die Geräuschkulisse ist dezent, aber vielseitig und sehr treffend umgesetzt, sodass der Fokus immer auf den Sprechern und ihren Texten liegt.

Auch für diese Episode hat Mark Freier wieder ein sehr passendes Cover geschaffen, welches sich vollkommen auf die makabre Lieferung in der Pappbox konzentriert und dem abgeschnittenen Ohr noch eine blutige Lache hinzufügt. Gehalten in grünlichen Tönen und mit dezenten Ornamenten versehen ist dies ansehnlich geraten. Und im Inneren des Booklets gibt es nicht nur die üblichen Angaben zu den Mitwirkenden und Kurzbiographien zu den beiden Hauptsprechern, sondern auch einen einleitenden Text von Markus Winter.

Fazit: „Die Pappschachtel“ ist ein origineller Klassiker von Sir Arthur Conan Doyle – nicht, weil er sonderlich viele Variationen in die Handlung eingebaut hat, sondern weil er wieder eine rätselhafte Stimmung mit vielen kleinen Details aufgebaut hat, die sehr gut zusammen funktionieren. Die Umsetzung ist stimmungsvoll und eingängig geraten, die Charaktere kommen sehr gut zur Geltung, der Verlauf ist gradlinig und kurzweilig – sehr hörenswert!

VÖ: 15. Januar 2021
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662419


Sherlock Holmes Chronicles – 80. Der grüne Dunst



Kurz vor der Schließung des Grünen Gewölbes in Dresden beobachtet der Kunststudent Friedrich Metz den aufsteigenden Rauch, als er auf einen fremden Mann trifft, der ihn zum Ausgang begleitet. Gemeinsam beobachten sie kurz darauf ein Polizeiaufgebot, das auf sie zustürmt und sie eines Diebstahls bezichtigt, bei dem ein Wachtmann getötet wurde. Überraschenderweise will der fremde Mann, ein skandinavischer Musiker, den Fall selbst aufklären und baut dabei auf die Unterstützung von Metz…

Vier Kurzgeschichten wurden in der Sherlock-Holmes-Anthologie „Die Farben des Verbrechens“ veröffentlicht, zwei davon wurden bereits zuvor für die „Sherlock Holmes Chronicles“ adaptiert und als eigenständige Episoden veröffentlicht. Die 80. Folge der regulären Serie enthält nun gleich beide noch fehlenden Geschichten, wobei „Der grüne Dunst“ zwar die kürzere ist, der Folge dennoch ihren Namen gibt – das beiliegende Booklet gibt trotz einiger Tippfehler Aufschluss darüber, warum das so ist. Die Handlung spielt während der Zeit nach dem legendären Sturz von den Reichenbachfällen und dem Wiederauftauchen des Detektivs in London, also während er undercover in Europa unterwegs waren. Das bedeutet auch, dass Watson nicht mit von der Partie ist, der junge Kunststudent Friedrich Melz lernt Holmes‘ Alias in einer für beide prekären Situation kennen, was beide auf ungewöhnliche Weise zusammenschweißt und für eine reizvolle Chemie zwischen beiden sorgt. Schön, dass der Fall dabei mithalten kann und einen scheinbar gewöhnlichen Diebstahl mit einigen überraschenden Elementen erweitert. Der Verlauf ist flüssig und das Thema aufgrund aktueller Ereignisse natürlich besonders reizvoll. „Das blaue Licht“ ist als Bonus-Hörspiel gekennzeichnet und explizit mit dem Label „Sherlock Holmes Phantastik“ versehen, enthält also übernatürliche Elemente, die sich ja in den Augen einiger per se nicht mit der logischen Herangehensweise von Holmes und seinem Autor vertragen. Umso fairer also, dass der Hinweis so deutlich gegeben wurde. Dennoch gefällt mir auch diese Geschichte gut, da die Stimmung sehr dicht ist und einige sehr unheimliche Szenen vorhanden sind.

Tim Knauer ist in der Rolle des Metz nicht nur in vielen Dialogen zu hören, sondern übernimmt auch die Erzähltexte – beides wirkt nicht nur authentisch und sehr passend, er verleiht ihm auch einige interessante Facetten und einen markanten Klang. Santiago Ziesmers Stimme ist natürlich auch hier unverkennbar, sie nimmt aber eine ernstere und geerdetere Ausstrahlung an und passt mit seinem sehr treffenden Ausdruck sehr gut in das Ambiente des Hörspiels. Als Addleton überzeugt Detlef Bierstedt, indem er sehr agil spricht, eine starke Aura besitzt und viele Feinheiten aus dem Charakter herauskitzelt. Weitere Sprecher sind Boris Tessmann, Torsten Sense und Werner Wilkening.

Viele der eingebauten Melodien sind bereits aus den vorigen Episoden bekannt und verleihen der Serie Wiederkennungswert, sind aber auch dezent genug, um sich stimmig einzufügen. Natürlich gibt es aber auch einige neue Melodien, die gut auf die jeweilige Stimmung angepasst sind und die Szenerie lebendig wirken lassen. Die Geräuschkulisse ist zurückhaltend, aber vielfältig und sehr gut auf die Dialoge angepasst, die dadurch eine glaubhafte Ausstrahlung bekommen.

Auf dem Cover werden die unheimlichen Aspekte der Handlung betont, denn der titelgebende grüne Dunst bildet hier die Konturen eines Totenschädels. Das diffuse Licht und die vielfältigen Formen unterstreichen dabei die besondere Ausstrahlung des Titelbilds. Der Aufdruck, dass das Bonushörspiel aus der Phantastik-Reihe ebenfalls auf der CD vorhanden ist, überdeckt zwar keine wesentlichen Teile der Darstellung, im Inneren ist dennoch wie immer das Motiv in seiner ganzen Pracht zu sehen.

Fazit: Zwei Episoden mit satten 87 Minuten Laufzeit – und obwohl beide aus der gleichen Buchvorlage stammen, unterscheiden sie sich deutlich. Nicht nur, dass in der zweiten Geschichte übernatürliche Elemente vorhanden sind, auch Rhythmik und Grundsätze sind variabel. Beiden gemein ist jedoch eine flüssige und spannende Erzählweise mit einigen gelungenen Wendungen und dem Fokus auf einer dichten Stimmung.

VÖ: 6. November 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662402


Sherlock Holmes Chronicles – 79. Die verschleierte Mieterin / Die Löwenmähne



Eine junge Frau achtet akribisch darauf, dass niemand ihr Gesicht sieht, nur ein einziges Mal hat ihre Zimmerwirtin sie unverschleiert gesehen – und ihr schrecklich vernarbtes Antlitz ist so erschreckend, dass die Wirtin Hilfe bei Sherlock Holmes sucht… („Die verschleierte Mieterin“)
Bei einem Ausflug zum Baden wird ein grausam zugerichteter Mann entdeckt, der tot am Strand liegt. Doch es deuten keinerlei Spuren auf das Verbrechen hin, auch die Tatwaffe wird nicht gefunden. Natürlich ist Sherlock Holmes Spürsinn sofort geweckt… („Die Löwenmähne“)

Zeit für Klassiker ist mal wieder in der 79. Episode der „Sherlock Holmes Chronicles“ bei WinterZeit, denn neben vielen neuen Fällen für den Meisterdetektiv werden auch immer wieder dir Originale von Sir Arthur Conan Doyle umgesetzt. Und da das selbst erklärte Ziel ist, irgendwann auch alle dieser Geschichten umzusetzen, sind hier gleich zwei kürzere Geschichten vorhanden, die dann gemeinsam die Laufzeit einer regulären Episode ergeben. Und obwohl der Band, in dem die Geschichten erschienen sind, nicht zu den Favoriten der Fans gehören, wie im Booklet eigens betont wird, sind hier einige interessante Eigenheiten vorhanden. So ist es in der ersten Geschichte „Die verschleierte Mieterin“ mal kein Verbrechen, das aufgeklärt werden muss, sondern es soll das Rätsel einer geheimnisvollen Frau gelüftet werden. Das stellt eher eine Fingerübung für Holmes dar, sodass der Verlauf der Handlung etwas gleichförmig ist. Die Auflösung ist jedoch überraschend emotional geraten und mit einem gelungenen Kniff versehen, was das Hörspiel durchaus hörenswert macht. Auch nicht sonderlich komplex ist „Die Löwenmähne“ geraten, die im Intro aber die spätere Lebensphase von Holmes beschreibt, in der der Kontakt zu Dr. Watson nicht mehr allzu eng ist. Und so tritt Till Hagen als Sherlock auch als Erzähler in Erscheinung, die Handlung konzentriert sich so völlig auf den Meisterdetektiv. Dieser braucht nach der Sammlung aller Hinweise vor allem seine eigene Kombinationsgabe, der Rest wirkt in der Geschichte etwas aufgeblasen. Die trickreiche Auflösung gefällt mir aber nach wie vor gut. Insgesamt also wegen der Vorlagen tatsächlich nicht die beste aller Episoden, aber grundsolide und wie immer stimmig umgesetzt.

Dascha Lehmann hat als geheimnisvolle Mieterin einen sehr gelungenen Auftritt und verleiht ihrer weichen, aber markanten Stimme einen verbitterten Klang und sorgt so für eine sehr intensive Abschlussszene des ersten Falles dieser CD. Die wunderbare Margot Rothweiler spricht ihre Zimmerwirtin Miss Merrilow mit ihrer charmanten Art und der ausdrucksstarken Stimme, was ihren Bericht sehr lebendig wirken lässt. Bastian Sierich spricht die Rolle des Ian Murdock markant und ausdrucksstark, sodass eine interessante Figur entstanden ist. Weitere Sprecher sind Stephan Schwarz, Wicki Kalaitzi und Hans-Jürgen Dittberner.

Die akustische Gestaltung des Hörspiels wirkt wie immer bei der Serie routiniert und sehr stimmig, sodass die insgesamt ruhige Atmosphäre der Vorlagen gut zur Geltung kommt. Dabei wird auf einige stimmungsvolle Melodien gesetzt, die die Szenenübergänge oder einige besonders markante Dialoge sanft betonen. Aber auch die Geräuschkulisse ist – wenn zur Szene passend – lebendig und authentisch geraten, was eine sehr passende Begleitung für die Dialoge ist.

Eine Melange aus den beiden Fällen ist auf dem Cover zu sehen, sowohl eine melancholische Dame mit einem schwarzen Schleier als auch ein Löwe mit aufgerissenem Maul sind miteinander kombiniert, gefärbt in düstere Rottöne. Im Inneren gibt es nicht nur die übliche Übersicht der Mitwirkenden und eine Vorstellung der beiden Hauptsprecher, während sich der einleitende Text von Drehbuchautor und Produzent Markus Winter um die vielen Abschlüsse der Holmes-Reihe von Sir Arthur Conan Doyle dreht.

Fazit: Schön, dass mal wieder Klassiker von Sherlock Holmes umgesetzt werden, selbst wenn die beiden kurzen Geschichten eher wie kleine Spielereien des Autors wirken. Die knappen Szenarien sind aber stimmig umgesetzt, und auch der Charme der Figuren kommt gut zur Geltung – zumal ein Ausblick auf Holmes im Alter geworfen wird.

VÖ: 25. September 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662396


Sherlock Holmes Chronicles – Weihnachts-Spezial 6. Blutiger Weihnachtsabend



Bei der Heimfahrt von einem Fall bricht im winterlichen Schnee der Schlitten, der Sherlock Holmes und John Watson zurück nach London bringen sollte. Sie finden zwar Unterschlupf bei Mrs. Wellesley und ihren Kindern, merken aber schnell, dass dort etwas nicht stimmt. Bald erfahren sie auch mehr von dem Dorfschmied: Ihr Mann soll eine junge Frau ermordet haben. Dass auch ansonsten nicht alles geheuer ist, merken die beiden spätestens, als die Kirchenorgel in der Nacht eine düstere Melodie spielt…

Fast ist es schon eine kleine Tradition, selbst wenn es nicht jedes Jahr soweit ist: Von „Sherlock Holmes Chronicles“ aus dem mittlerweile nach Husum umgezogenen Label WinterZeit ist mit „Blutiger Weihnachtsabend“ eine neue Sonderfolge zum Weihnachtsfest erschienen. Das Ambiente ist dementsprechend winterlich, kalt und schneereich, was immer wieder gut zur Geltung kommt und der Folge einen passenden Anstrich verleiht. Zunächst etwas irritierend ist, dass der Anfang zu großen Teilen aus den Erzähltexten von Dr. Watson und einigen Sätzen von Sherlock Holmes besteht – fast erinnert das wieder mehr an die Anfangszeit der Serie. Doch schon bald schlägt die Erzählweise wieder in ein klassisches Hörspiel mit vielen interessanten Charakteren um. Und auch die Szenerie ist eine gelungene: Ein Mord auf dem Friedhof des Dorfes, bei dem der Mörder für die Bewohner schnell feststehen würde, bei dem viele Spuren und Umstände tatsächlich auf den Verdächtigen als Täter hinweisen, der aber mit seiner Gattin eine deutliche Fürsprecherin hat. Der Umstand, dass er selbst verschwunden ist und sich deswegen nicht selbst verteidigen kann, bringt dann noch einmal eine zusätzliche Würze mit ein, was einige interessante Parameter, für die immerhin über zweieinhalb Stunden Laufzeit setzt. Viele kleine Beobachtungen von Holmes sorgen schon früh für wichtige Erkenntnisse, was das typische Flair der Serie betont und die Geschichte voranbringt. Diese ist dann doch deutlich komplexer als es zu Beginn den Anschein hat, viele spannende Wendungen und geschickt erzählte Entwicklungen sorgen für eine durchgängig reizvolle und unterhaltsame Geschichte. Wirklich weihnachtliche Stimmung kommt zwar nicht auf – das war aber auch in den vorigen Spezial-Folgen nicht so und wäre für die eher nüchterne Figur des Holmes auch gar nicht passend. Die winterliche Szenerie passt dennoch sehr gut in die dunkle Jahreszeit und sorgt für ein stimmungsvolles Hörspiel.

Sehr gefreut habe ich mich über die wundervolle Cathleen Gawlich in der Rolle der Mrs. Wellesley, die auch dieser Rolle eine sehr besondere Note verleiht. Sie spricht dabei dunkler als sonst und verleiht ihrem Charakter eine zerbrochene Aura, was sehr glaubwürdig geraten ist. Ihr Gatte wird von Felix Spieß gesprochen, der seine Energie sehr gekonnt bündelt und seiner Figur eine sehr präsente, greifbare Aura verleiht. Auch Helmut Gauß überzeugt als Pratchett und bringt eine sehr individuelle Stimmung mit ein, die gut auf die Szenerie der Folge angepasst ist. Weitere Sprecher sind unter anderem Esra Vural, Torben Liebrecht und Kim Hasper.

Sicher und gekonnt wie immer ist die akustische Gestaltung der Serie geraten, wobei die Stimmen immer klar im Vordergrund stehen und eine eher ruhige Szenerie geschaffen wird. Die Musik legt sich sanft in den Hintergrund, meist unter die Erzähltexte von Watson, während die Dialoge meist von gut abgestimmten Geräuschen begleitet werden. Alles wirkt dabei durchgängig authentisch und wurde stimmig aufeinander angepasst.

Mir gefällt sehr gut, wie auf dem Cover eine gleichzeitig winterliche wie auch leicht unheimliche Stimmung vermittelt wird. Das dunkel beleuchtete Kirchengebäude mit dem davor liegenden Friedhof und den kahlen, verschneiten Bäumen ist detailreich dargestellt und sehr ansehnlich geraten. Im Inneren des kleinen Booklets gibt es natürlich wieder ein Grußwort von Markus Winter, verbunden mit einem kleinen Rückblick auf das Jahr 2020.

Fazit: Eine extralange Sonderfolge mit klar beschriebenem Ausgangspunkt, der sich aber schnell deutlich komplexer entwickelt als anfangs gedacht. Die winterliche Szenerie, markante Charaktere und eine ganz besondere Stimmung sind gut kombiniert, die Erzählweise ist abwechslungsreich und voller gelungener Wendungen. Sehr hörenswert!

VÖ: 13. November 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960663072


Sherlock Holmes Chronicles – Sonderedition: Das Todesvirus



Um eine aggressive Form der Tuberkulos zu untersuchen, ist der deutsche Medizinprofessor Droste nach London gereist und die Theorie aufgestellt, dass Viren für den Ausbruch verantwortlich seien. Und obwohl Dr. John Watson nicht an die Existenz der Krankheitserreger glaubt und von bakteriellen Erkrankungen ausgeht, unterstützt er Sherlock Holmes bei seinen Ermittlungen. Denn auf den unsympathischen Wissenschaftler wurde ein Anschlag verübt, den der Meisterdetektiv aufklären soll…

Kaum ein Lebensbereich ist im Jahr 2020 nicht von dem Corona-Virus betroffen – kein Wunder, dass dieses Thema auch von Kunstschaffenden immer öfter aufgegriffen wird. Im Hörspielbereich hat WinterZeit noch im gleichen Jahr eine Sonderedition zu den „Sherlock Holmes Chronicles“ veröffentlicht, die sich zwar aus nachvollziehbaren Gründen nicht mit dem aktuell grassierenden Virus beschäftigt, aber eben mit einer anderen todbringenden Krankheit – und der Frage, die zu den fiktiven Lebzeiten des Meisterdetektivs noch ungeklärt war: Existieren Viren wirklich oder sind sie Spinnerei einiger Wissenschaftler? Kombiniert damit wurde ein Anschlag auf einen führenden Forscher zu diesem Thema – der ironischerweise Droste mit Nachnamen heißt und aus Berlin kommt. Die Erzählweise des Hörspiels ist sehr ruhig und basiert vor allem auf langen Gesprächen zwischen Holmes und Watson, die die Hinweise rekapitulieren und ihre Rückschlüsse ziehen, immer wieder unterbrochen von Dialogen mit Zeugen und Verdächtigen, sodass sich langsam ein komplettes Bild zusammensetzt – vom Tathergang, aber auch von der seltsamen Krankheit, die in London aufgetaucht ist. Die Auflösung geschieht dann auf die klassischste aller möglichen Arten für einen Kriminalfall: Alle bislang Beteiligten versammeln sich auf Holmes‘ Einladung hin, was dem Detektiv die Möglichkeit gibt, alle Einzelheiten zusammenzuführen und den Täter zu entlarven – mit einigen Überraschungen und Wendungen. Ein wenig mehr Schwung hätte ich mir insgesamt schon gewünscht, auch ist der Fall überraschend ernsthaft und bietet nur wenige humorvolle Stellen. Die historische Einordnung mit einigen realen Fakten, das interessante Konstrukt und der klassische Verlauf machen dennoch Spaß und sorgen für ein unterhaltsames Hörspiel mit aktuellem Bezug – und das, obwohl die Idee zur Folge schon lange existiert hat und betont wird, dass es sich hier um reine Fiktion ohne politische oder medizinische Aussage handelt.

Kim Hasper ist in der Rolle des arroganten und überheblichen Professor Droste zu hören, den er energisch spricht und mit vielen passenden Facetten versieht, sodass eine komplexe und vielschichtige Figur entstanden ist, die der Episode viel Würze verleiht. Als Brewster ist Oliver Stritzel zu hören, auch verleiht seinem Charakter einige Eigenheiten, die für Aufmerksamkeit sorgen und einen überzeugenden Eindruck hinterlassen. Sehr gut harmonieren wieder die beiden Hauptfiguren dank der hervorragenden Leistung von Till Hagen und Tom Jacobs, die erneut sehr authentisch und spontan wirken, beide Figuren kommen durch sie gut zur Geltung. Weitere Sprecher sind Jannick Endemann, Cathleen Gawlich und Esra Vural.

Einige der eingebauten Melodien sind schon aus vorigen Teilen der Serie bekannt, werden hier aber passend eingesetzt und durch viele neue Musikstücke ergänzt, die der Episode eine starke Ausstrahlung verleihen und die Szenenübergänge und Erzähltexte lebendiger wirken lassen. Natürlich sind auch wieder einige Geräusche eingebaut, die den Szenen mehr Tiefe verleihen, insgesamt ist aber eine eher ruhige Umsetzung entstanden, die gut zu der Handlung passen und diese gekonnt unterstreichen.

Eine stark abstrahierte und künstlerische Darstellung einer Viruszelle ist auf dem Titelbild des Hörspiels dargestellt, dass wie immer in einer der hübschen Plastikhüllen mit den abgerundeten Ecken untergebracht ist. Die gelb-rötliche Darstellung wirkt tatsächlich bedrohlich und passt so sehr gut zu der Aussage des Hörspiels. Das Grußwort im Inneren des Booklets von Markus Winter ist dieses Mal besonders groß geraten, indem er die Auswirkungen der Covid 19-Pandemie auf das Label WinterZeit beschreibt, aber auch die Identität von Autor James A. Brett enthüllt (und dabei ein wenig wie ein Superschurke wirkt, der seinem Gegenspieler seinen teuflischen Plan offenbart).

Fazit: Das aktuelle Thema eines Virusausbruch im viktorianischen London wurde mit einem interessanten Fall versehen, in dem nach und nach einige Geheimnisse gelüftet werden – größtenteils in Dialogen zwischen Holmes und Watson nebst einigen Zeugenbefragungen. Ein wenig mehr Schwung hätte ich mir schon gewünscht, das Tempo ist insgesamt recht gering. Dafür gibt es viel klassischen Charme und eine vielschichtige Auflösung.

VÖ: 11. Dezember 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960665113


Sherlock Holmes Chronicles – 78. Das Todeskarussell



In der Baker Street 221b taucht unversehens Jacob Tripp auf, der Besitzer eines Vergnügungsparks auf dem Gelände eines alten Lagerhauses in London. Er berichtet von dem Verschwinden mehrerer seiner Mitarbeiter, die ihm zuvor von einer unheimlichen weißen Frau berichtet haben, die das Pferdekarussell verflucht zu haben scheint. Auch wenn der Meisterdetektiv nicht an Übersinnliches glaubt, ist er schnell von dem Fall fasziniert und beginnt mit seinen Ermittlungen…

Übernatürliche Ereignisse, die am Ende auf sehr realistische Weise aufgeklärt werden – ein klassisches Motiv für die „Sherlock Holmes Chronicles“, das auch in der 78. Episode „Das Todeskarussell“ wieder aufgreift. So richtig zur Geltung kommt das zwar nicht, da in dem anfänglichen Bericht die Beobachtungen nur von einer dritten Person wiedergegeben werden – so erfährt man weder den Schrecken der Beobachter noch ist man selbst bei dieser unheimlichen Erscheinung anwesend. Der Aufbau der Episode ist sehr klassisch und hält sich auch nicht mit einer Introszene zum Aufwärmen auf, sondern lässt direkt den neuen Mandanten von Holmes in der Baker Street auftauchen. Seinem Bericht folgen die obligatorischen Ermittlungen der beiden Hauptfiguren, die eher die bereits vorhandenen Vermutungen von Holmes bestätigen wollen und dabei noch einige weitere Hinweise aufgreifen. Diese zu kombinieren ist dann aber doch trickreicher als gedacht, was dann für die notwendige Spannung sorgt. Durch recht geringe Laufzeit der Folge von knapp über 40 Minuten wirkt das alles sehr kompakt und verdichtet, sodass keine Langeweile aufkommt – alles ist an seinem Platz und trägt zum Unterhaltungswert der Geschichte bei. Die Auflösung führt dann die ausgelegten Fäden gekonnt zusammen und präsentiert ein sehr stimmiges und trickreiches Finale. Die Episode bringt mal wieder eine klassische Note in die Serie mit ein, ist aber dann insgesamt doch vielleicht etwas zu schlicht, um inmitten all der starken Titeln der Serie glänzen zu können, auch wenn sie mir insgesamt durchaus gefallen hat.

Jacob Tripp, der Holmes um seine Hilfe bittet, wird von Lutz Mackensy gesprochen, der seiner Stimme einen affektierten Klang verleiht und den Besitzer des Freizeitparkes so ausdrucksstark und markant umsetzt – toll, dass er dabei eine andere Facette seines Schaffens zeigen kann. Sven Gerhardt ist in der Rolle des Inspector Bradstreet zu hören, der eine solide Leistung abliefert und einige gelungene Untertöne einbaut, sodass seine Szenen an Lebendigkeit hinzugewinnen. Grandios wie immer ist das Duo aus Tom Jacobs und Till Hagen, die mit den Hauptrollen völlig verwachsen zu sein scheinen und ihnen viel Charme verleihen. Weitere Sprecher sind Tino Kießling, Nina Reithmeier und Sarah Riedel.

Ich mag es sehr, wie die Musik der Serie wie aus einem Guss wirkt und einen typischen Klang hat, aber auch hier wieder gekonnt an die vorherrschende Stimmung der Episode angepasst wird. Das unheimliche Element des verfluchten Karussells wird dabei gekonnt aufgegriffen. Auch die vielen eingebauten Geräusche funktionieren sehr gut und fangen die Stimmung auf dem Vergnügungspark ein, ohne sich jedoch zu sehr in den Vordergrund zu rücken.

Einen ersten optischen Eindruck des titelgebenden „Todeskarussells“ bekommt man auf dem Cover, das ein altertümliches Pferdekarussell samt einer durchscheinenden weißen Gestalt auf ihr in düsteren, gräulichen Farben zeigt – sehr atmosphärisch und unheimlich! Wie immer gibt es im Inneren einen Ausblick auf die kommende Episode, kurze Infos zu den beiden Hauptsprechern sowie ein Grußwort – hier das erste aus Husum, der neuen Heimat des Labels.

Fazit: Eine unheimliche Geistererscheinung will aufgeklärt werden, was Holmes auf klassische Weise aufgetragen wird. Auch wenn der Verlauf sehr klassisch ist und nur wenige Überraschungen geboten werden, ist durch eine trickreiche Auflösung und viele eingestreute Hinweise gute Unterhaltung geboten. Die Figuren kommen in den Zwischentönen wieder sehr gut zur Geltung und bringen Charme in die Geschichte ein.

VÖ: 14. August 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662389


Sherlock Holmes Chronicles – 77. Das Rätsel des Rad fahrenden Affen



Bereits einige Zeit vor Dr. Watson hat Sherlock Holmes den Zeitungsbericht über einen Diamantenraub entdeckt und sogleich in dem selbst angelegten Archiv nach ähnlichen Fällen gesucht. Deswegen wundert es ihn im Gegensatz zu seinem Freund kaum, als nur kurze Zeit später Miss Montague auftaucht, die als Zofe des Hauses Zugang zu dem wertvollen Stein hatte und sogleich des Diebstahls bezichtigt wird…

Ein großer Teil des Charmes der „Sherlock Holmes Chronicles“-Reihe (wie auch der meisten anderen Umsetzung der Geschichten des bekannten Detektivs) geht von der besonderen Beziehung zwischen Homes und Watson aus, was in der 77. Episode auf sehr interessante Weise genutzt wird. Denn statt die Folge wie (fast) immer allein aus der Sicht von Watson zu erzählen, hat Holmes hier ebenfalls Erzähltexte, im Vergleich zu seinem Kumpanen sogar deutlich mehr. Die darin eingebauten Seitenhiebe sorgen auf sehr angenehme Weise für wunderbaren Humor, nicht nur während der Introszene, in der die besondere Erzählsituation begründet wird. Auch der Fall selbst wird von dieser Idee maßgeblich beeinflusst, der auch ansonsten einen sehr guten Eindruck hinterlässt. Denn von dem schlichten Diamantenraub und den ersten Hinweisen auf einen Rad fahrenden Affen geht eine vielschichtige, aber dennoch klar und gradlinige erzählte Geschichte aus, die viel unterschiedlichen Flair verbreitet. Da gibt es einen dubiosen Dompteur, einen Ausflug nach Paris mit seiner besonderen Stimmung und einen Zusammenhang zu einigen anderen Fällen. Und auch wenn die Erzählweise eher ruhig wirkt, weil es eben keine überbordenden Actionszenen gibt, ist immer etwas los. Die dynamischen Wechsel von Perspektive und Szenerie fügt dieser Episode etwas sehr Besonderes hinzu, sodass „Das Rätsel des Rad fahrenden Affen“ eine sehr starke und sehenswerte Geschichte geworden ist.

Gabrielle Pietermann ist als Miss Montague zu hören, die des Diamantenraubs verdächtigt wurde, und macht mit ihrer kraftvollen und hellen Stimme einen sehr guten Eindruck, wobei sie dem Bericht der jungen Dame einige gekonnte Facetten hinzufügt. Als Valloton ist Uwe Büschken zu hören, der diese besondere Rolle sehr gekonnt ausführt und die Ausstrahlung des Mannes unterstreicht, wobei er sehr gut in die Atmosphäre der Episode passt. Auch die unverkennbare Stimme von Engelbert von Nordhausen funktioniert in der Rolle des Jerry sehr gut, wobei er eine düstere Ausstrahlung entstehen lässt und den Spott des Mannes lebendig umsetzt. Weitere Sprecher sind Jannik Endemann, Bern Vollbrecht und Jan Spitzer.

Wie immer sehr überzeugend ist die akustische Umsetzung der Episode geraten, die mit der lebendigen Musikuntermalung überzeugt. Einige Melodien sind bereits aus vorigen Folgen bekannt, viele sind jedoch neu eingebaut und greifen die Stimmung des Hörspiels gekonnt auf – von den sich anbietenden Zirkusanleihen wurde jedoch glücklicherweise Abstand genommen. Die Geräuschkulisse ist authentisch und gut an die Szenen angepasst, insgesamt aber wieder eher dezent und zurückhaltend eingesetzt, was die Stimmung der Serie unterstreicht.

Auch wenn der Affe auf dem Titelbild nicht auf einem Fahrrad zu sehen ist, ist dieses sehr effektvoll geraten. Denn das Gesicht, das den Hörer direkt anzublicken scheint, ist mit der düsteren, roten Einfärbung und dem Detailreichtum faszinierend geraten. Das Grußwort von Markus Winter im Booklet ist dieses Mal etwas länger ausgefallen und handelt nicht nur von den Sprechern der Folge, sondern auch von rechtlichen Problemen mit der Umsetzung einiger Geschichten.

Fazit: Durch die Teilung der Geschichte in zwei Sichtweisen – von Holmes und Watson – entsteht eine gelungene Dynamik, zumal der Charme der Charaktere sehr gut zur Geltung kommt. Doch auch die Handlung überzeugt, da ein eigentlich recht simpler Fall verschachtelt und prätentiös erzählt wird, ganz so wie es auch Arthur Conan Doyle gekonnt hat. So ist mal wieder eine sehr hörenswerte Episode der Serie entstanden.

VÖ: 17. Juli 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662372


Sherlock Holmes Chronicles - 76. Der Daumen des Ingenieurs



Eines frühen Morgens taucht ein Patient in Dr. Watsons Praxis auf, der nahe an einem Zusammenbruch steht. Er entpuppt sich als Ingenieur Victor Heatherly, dessen Daumen sauber abgetrennt wurde. Medizinisch kann er zwar nicht mehr gerettet werden, doch ein Rätsel umgibt den Verlust des Fingers. Und so sitzt Heatherly bald im Zimmer von Sherlock Holmes und berichtet ihm von den merkwürdigen Umständen...

Mal wieder wurde in den "Sherlock Holmes Chronicles" eine Geschichte um den Meisterdetektiv umgesetzt, die direkt aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle stammt und gleichzeitig zu den Lieblingen von Produzent Markus Winter zählt: "Der Daumen des Ingenieurs". Mit einer knappen Dreiviertelstunde ist es keine sonderlich komplexe oder vielschichtige Geschichte, auch kommen die beiden Hauptfiguren vergleichsweise wenig vor. Der Hauptteil der Handlung wird von dem Bericht von Victor Heatherly bestritten, der mal als Monolog berichtet, mal aber auch kleine Sequenzen als Hörspiel umgesetzt wurden. Dabei weiß der Hörer durch die sehr stimmungsvolle Introszene schon, worauf dies hinausläuft und auch, dass der Ingenieur keinesfalls stirbt, dennoch sind die Umstände sehr spannend erzählt und verströmen zunächst eine rätselhafte, später kommt dann eine bedrohliche Stimmung mit einigen sehr gefährlichen Szenen auf, was sehr präsent umgesetzt wurde. Bei der direkt anschließenden Auflösung hat es sich der Autor etwas leicht gemacht- es gibt keine weiteren Recherchen oder Ermittlungen, recht unvermittelt präsentiert er die Auflösung, die allerdings gut durchdacht ist und stimmig dargeboten wurde. Mir hat diese Folge sehr gefallen, auch wenn der Überraschungseffekt bei mir ausgeblieben ist - die Umsetzung ist dennoch sehr stimmungsvoll und hörenswert.

Torben Liebrecht ist als Victor Heatherly hervorragend besetzt und überzeugt mit seiner sehr wandelbaren Stimme. So kann er den schockierten Zustand des jungen Ingenieurs ebenso glaubhaft und eindringlich umsetzen wie seine ernste und nachdenkliche Seite. Auch Frank Felicitti macht als Colonel Lysander Stark einen sehr guten Eindruck, mit viel Nachdruck und seinem sehr präsenten und markanten Klang setzt er die Rolle gekonnt um. Der wundervolle Till Hagen ist als Sherlock Holmes selbstredend wieder bestechend, sein immer leicht hochnäsiges und kühles, aber nie unsympathisches Auftreten trifft den Kern der Figur auf den Kopf, was ihn zu einer sehr reizvollen Figur werden lässt. Weitere Sprecher sind Matthias Klie, Stefan Goßler und Oliver Baumann.

Viele der Dialoge werden allein durch die Sprecher bestritten - und das ist auch gut so. Doch auch die vielen eingebauten Geräusche sorgen für die passende Stimmung und lassen die Gespräche und Handlungen lebendiger wirken, und sei es auch nur das leise Knarren eines Stuhles, aber eben auch ein paar lautere oder prägnantere Sounds. Die Musik dient meist als Szenentrenner oder begleitet Tom Jacobs bei seinen Erzähltexte, sie sind sehr melodisch und atmosphärisch geraten.

Der titelgebende Daumen des Ingenieurs ist zwar nicht auf dem Titelbild zu sehen, sondern die Axt, die diesen abgetrennt hat. Die rote Einfärbung und das angedeutete Feuer verleihen diesem Motiv eine ganz besondere Stimmung. Und natürlich gibt es neben den üblichen Angaben und einem Ausblick auf die kommende Episode auch hier wieder einen Einleitungstext, der sich darum dreht, warum ausgerechnet diese Geschichte zu den Lieblingen von Markus Winter gehört, was eine gehörige Portion Nostalgie versprüht.

Fazit: Ein klassischer Fall für den Meisterdetektiv, der sich fast ausschließlich auf den Bericht von Holmes' Klienten stützt, diesen aber sehr stimmungsvoll und präsent umsetzt. Die wie immer geschickt dosierte akustische Umsetzung sorgt für eine passende Atmosphäre, während sämtliche Sprecher in sehr guter Form sind. Eine gelungene Episode, die auch mit ihrer trickreichen Auflösung überzeugt.

VÖ: 26. Juni 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662365


Sherlock Holmes Chronicles - 75. Mord im Mädcheninternat



Auch wenn Sherlock Holmes zunächst skeptisch war, ob die grammatikalisch zweifelhaften Drohbriefe an Dr. Watsons "Auntie Janes" Mann Herbert zu einem interessanten Fall führen könnte: Spätestens bei seiner Beerdigung wird er eines besseren belehrt. Denn dort sind auf einmal zwei Leichen im Sarg, auch eine junge Lehrerin sollte mit Herbert beerdigt werden. Doch wie ist die Leiche so kurz vor der Beisetzung in den Sarg gekommen...?

Ein kleines Jubiläum ist mit der 75. Episode der "Sherlock Holmes Chronicles" erschienen, die Vorlage dazu stammt mal wieder von James A. Brett, der sich in diesem Fall aber deutlich kürzer gefasst hat als sonst - in 47 Minuten wird die Geschichte um die ermordete Lehrerin Melody erzählt. Dennoch ist die Geschichte recht komplex geraten, denn der Figuren und insbesondere Verdächtigen gibt es zahlreiche. Der Start in die Handlung bietet dabei erst einmal noch eine andere Facette und ist mit dem feinen Witz Watsons versehen, der in den eigentlichen Ermittlungen etwas in den Hintergrund gerät. Danach lernen Holmes und Watson nacheinander verschiedene Bewohner des titelhebenden Mädcheninternats kennen und untersuchen mögliche Zusammenhänge zu der getöteten Lehrerin. Dabei sind einige starke Charaktere untergebracht, auch wird die Zeit vor dem Todesfall in seinen unterschiedlichen Aspekten näher beleuchtet. Nach und nach kommen so einige erstaunliche Details ans Licht, die die Handlung kurzweilig wirken lassen. Die ganz große Spannung kommt dabei zwar nicht auf, das Rätsel um Täter und Motiv ist aber gelungen aufbereitet und wie immer gekonnt in Szene gesetzt. So ist eine solide Episode entstanden, die zwar nicht in der ganz oberen Liga mitspielt, aber dennoch eine hörenswerte Ergänzung für Holmes-Fans ist.

Anita Hopt ist in der Rolle der Cynthia zu hören und überzeugt mit fester, facettenreicher Stimme um. Die junge Lehrerin bekommt so einen gekonnten und präsenten Ausdruck, der einen stimmigen Charakter formt. Hans-Eckart Eckardt hat mir in der Rolle des Hausmeisters Pennyworth sehr gut gefallen, sein abweisender und harscher Tonfall passen sehr gut zu der Figur und sorgen für einige Akzente in der Handlung. Auch Roland Wolf macht seine Sache als Constable Cox sehr gut, er wirkt mit seiner präsenten Stimme gekonnt platziert und spricht die Rolle trotz ihrer Kürze ausdrucksstark. Weitere Sprecher sind Margot Rothweiler, Sarah Riedel und Erich Räuker.

Wie immer ist die akustische Umsetzung der Episode sehr gediegen geraten. Leise Hintergrundklänge sorgen für verschiedene Stimmungen, ebenso wie leichte Stimmeffekte wie leichter Hall die Szenerie ebenso passend untermalen. Auch die ruhige, melodische Musik, die während der Szenenwechsel oder während der Erzähltexte von Dr. Watson eingespielt wurde, passt sehr gut zu der Stimmung der Episode und sorgt so für einen Schub an zusätzlicher Atmosphäre. Das wirkt alles sehr stimmig und eingängig.

Ein herrschaftliches Haus, umgeben von einem spärlichen Wald und düster beleuchtet - ein recht klassisches Motiv für ein Hörspielcover, das auch hier wieder gekonnt inszeniert wurde. Im Inneren des Booklets wird auch im kleinen Einleitungstext von Markus Winter auf die Entstehung der Titelbilder eingegangen, der ebenso einen kleinen Kommentar zur Jubiläumsepisode 75 beinhaltet. Auch die bekannten Informationen zu den beiden Hauptsprechern sowie der Ausblick auf die kommende Episode fehlen nicht.

Fazit: Für diese Episode wurde ein klassischer Holmes-Fall mit zunächst spärlichen Hinweisen und genauen Recherchen und Befragungen mit einem dramatischen Einzelschicksal kombiniert. Das ist stimmig in Szene gesetzt und mit wie immer sehr guten Sprechern besetzt, kommt aber nicht ganz an andere Vorgänger innerhalb der Serie heran – dazu ist die Spannung einfach nicht prägnant genug. Dennoch eine hörenswerte Episode.

VÖ: 22. Mai 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662358


Sherlock Holmes Chronicles - 74. Abbey Grange



Auf der Zugfahrt nach Kent offenbart Sherlock Holmes seinem Freund Doktor Watson einmal mehr, dass er von dem recht reißerischen Schreibstil über seine gelösten Fälle nicht viel hält. Doch eigentlich sind sie auf dem Weg zu einem Tatort, an dem der wohlhabende Lord Brackenstall ermordet wurde. Inspector Lestrade geht von der Tat einer bekannten Verbrecherbande aus. Doch schon nach kurzer Zeit ist Holmes vom Gegenteil überzeugt...

In der 74. Episode der "Sherlock Holmes Chronicles" ist mal wieder einer der originalen Fälle von Sir Arthur Conan Doyle zu hören, der bei weitem nicht so komplex gestaltet ist wie viele der neu hinzugekommenen Geschichten aktueller Autoren, dafür aber eben auf die wesentliche Essenz des Meisterdetektivs konzentriert wurde: Seine scharfe Beobachtungsgabe und die Fähigkeit, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, ebenso wie er sich mal wieder gegen den äußerem Anschein stellt und seinen eigenen Weg verfolgt. Die Folge startet mit einer kleinen, aber sehr vergnüglichen Szene um Holmes und Watson auf ihrer Reise, die aber schnell auf das eigentliche Thema der Folge umschwenkt und die Eckpfeiler des Mordes an Lord Brackenstall absteckt. Und dann sind es eben diese kleinen Details, winzige Beobachtungen oder feine Widersprüche, die Holmes entdeckt, der Hörer aber nur bedingt erahnen kann, da ihm einige wesentliche optische Informationen fehlen. So ist der Meisterdetektiv dem Hörer (aber auch seinen Mitmenschen gegenüber) immer einen Schritt voraus, was einen großen Teil der Spannung aufbaut. Mir gefällt auch die Dynamik der Handlung, in der atmosphärische Dialoge genau nachvollzogen werden, dann aber lange Handlungen der Charaktere in wenigen knappen Sätzen zusammengefasst werden. Auch die Auflösung der stimmungsvollen Episode ist trickreich und gut durchdacht, da sie noch einmal eine leicht andere Einfärbung mitbringt.

Die Sprecherauswahl gefällt mir auch dieses Mal äußerst gut, natürlich auch weil Till Hagen und Tom Jacobs in den Hauptrollen ebenso wie Bernd Vollbrecht als Inspector Lestrade zu hören sind. Uschi Hugo ist als Lady Brackenstall zu hören, die Witwe des Ermordeten. Ihre ausdrucksstarke und emotional geladene Sprechweise setzt sie sehr zielgerichtet und kontrolliert ein, um die verschiedenen Facetten der angeheirateten Adeligen auszudrücken. Auch Thomas Nero Wolff passt gut zu der Rolle des Kapitän Crooker, sein dunkler Klang und ein eingängiger Sprechrhythmus schafft eine weitere bemerkenswerte Rolle, zumal er wunderbar in die Szenerie der Episode passt. Magdalena Turba ist in der Rolle der Teresa Wright zu hören, die zwar keinen sonderlich großen Auftritt hat, diesen aber überzeugend und resolut absolviert.

Wie man es von der Reihe nicht anders erwarten darf, ist auch die akustische Umsetzung der Episode gut gelungen, wobei alle Elemente gut ineinandergreifen. So gibt es viele Hintergrundgeräusche, die die Dialoge lebendiger wirken lassen, aber immer wieder wurden auch Melodien eingebaut, die die Stimmung der Geschichte aufgreifen und die geheimnisvolle Aura betont - sowohl während der Szenenübergänge als auch während der Erzähltexte oder einiger Dialoge. Die Spannung wird dadurch dezent gesteigert.

Das Konterfei des ermordeten Adeligen ist inmitten seines opulent eingerichteten Zimmers zu sehen, halb durchscheinend und wie der Rest auch in rostroten Tönen eingefärbt - ein weiteres ansehnliches Titelbild der Reihe. Und natürliche darf das kleine Grußwort im Inneren nicht fehlen (die sich dieses Mal um die Besetzung und Anpassung der Geschichte dreht), ebenso wie bereits bekannten Fotos und Informationen über die Hauptsprecher ebenfalls zu finden sind.

Fazit: Einer der klassischen Fälle von Sherlock Holmes - und ein sehr starker dazu. Die feine Beobachtungsgabe des Meisterdetektivs, die dynamische und kurzweilige Erzählweise, das ungewöhnliche Ende sind sehr gelungen. Aber auch die treffsichere Umsetzung mit hervorragenden Sprechern und dem gelungen erzählten Ende haben mir gut gefallen.

VÖ: 24. April 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662341


Sherlock Holmes Chronicles – Oster-Special 2. Immer Ostern für Sherlock Holmes



Es ist ein ungewöhnlich hoch dotierter Auftrag, den Sherlock Holmes für den jüdischen Schriftsteller Israel Zangwill übernehmen, ein alter Freund von Dr. Watson. In Kiew soll er in einem Gerichtsprozess aussagen und so den letzten Beweis für die Irrtümer der Justiz erbringen. Wirklich interessiert an dem Fall ist er nicht, reist aber doch wegen des reichhaltigen kulturellen Angebots dennoch dorthin - unterschätzend, wie brisant sein Einsatz werden würde...

Der weitaus größte Teil der "Sherlock Holmes Chronicles" des Labels WinterZeit sind lupenreine Krimis oder halten zumindest ein verzwicktes Rätsel für den Meisterdetektiv bereit. Doch gerade in dem zweiten Oster-Special der Reihe, das eher zufällig denn geplant entstanden ist, wird von diesem Schema abgelassen. Vielmehr ist Holmes in Russland unterwegs und erkundet die Gesellschaft zu Zeiten der Industrialisierung, findet dabei zahlreiche Missstände und Ungerechtigkeiten, die Unterdrückung von Minderheiten, kaum vorhandene Menschenrechte. Sicherlich gibt es dabei auch etwas zu tun, ein Gerichtsprozess soll zum Guten gewendet werden, die Entwicklung der Handlung ist dennoch sehr langsam geraten. Da Holmes allein in Kiew unterwegs ist und Watson im heimischen London geblieben ist, übernimmt die Hauptfigur auch zahlreiche Erzähltexte. Dass Till Hagen auch diese lebendig und hervorragend umsetzt, steht außer Frage, dennoch sind diese reichlich lang geraten und lassen die Handlung recht statisch wirken. Zwar gibt es auch hier einige spannende Szenen, dies aber eher im letzten Drittel der Handlung. Die Auflösung des Ganzen ist dann sehr pointiert erzählt und gefällt mir gut, auch wenn diese doch sehr spezielle Episode nicht vollkommen bei mir eingeschlagen hat. Gut gefällt mir jedoch der ungewöhnliche Bezug zum christlichen Osterfest, vor allem wie dies von einem deutlich gealterten Dr. Watson aufgegriffen wird. Und auch der Bezug zu zahlreichen realen Figuren und einem historischen Bezug steigert durchaus den Reiz der Handlung.

Auch wenn Tom Jacobs als Dr. Watson bisher in jeder Episode überzeugen konnte, bietet er hier eine neue Facette seines Könnens an und klingt in der Rahmenhandlung gealterter, kraftloser, melancholischer, kann aber in den Dialogen schnell auf die übliche, äußerst charmante Sprechweise zurückgreifen. Das markante Auftreten von Klaus Lochthove als Israel Zangwill passt ebenfalls sehr gut, sein leicht aufgeblasener Ausdruck und die forsche Art passen sehr gut in die Handlung. Einen glaubhaften Akzent bietet Klaus-Peter Grap als Leonid Andrejew an, doch auch sein facettenreicher Ausdruck und sein Spaß am Spielen wirken sehr ansprechend. Weitere Sprecher sind Oliver Baumann, Helmut Gauss und Torben Liebrecht.

Wie fast immer in dieser Serie ist die akustische Umsetzung eher dezent geraten, die Dialoge und die langen Erzähltexte sind aber fast durchgängig mit leisen Melodien oder einer passenden Geräuschkulisse versehen. So entsteht eine eingängige, aber eben nicht aufdringliche Atmosphäre, die den Spannungsbogen der Geschichte gekonnt unterstreicht.

Der Blick über Kiew wird auf dem Titelbild der Folge sehr ansehnlich umgesetzt, von der untergehenden Sonne sanft beschienen und mit vielen Details versehen, gefällt mir das sehr gut - vor allem in Kombination mit dem im Schatten liegenden Konterfei des bekannten Detektivs. Natürlich gibt es auch für diese Sonderfolge ein paar einleitende Worte von Markus Winter zu den Besonderheiten dieser Episode.

Fazit: Das zweite Oster-Special der Reihe streift das christliche Fest eher am Rande, bringt aber einige interessante Aspekte zu dem Thema ein. Holmes Besuch in Kiew und die gefährlichen Situationen, die daraus entstehen, sind zwar durchaus stimmig, oft aber mit etwas langsamen Tempo umgesetzt. Die sehr gute Produktion und das sprachlich hohe Niveau ergänzen natürlich auch diese Episode.

VÖ: 27. März 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662907


Sherlock Holmes Chronicles – 73. Die Kombinationsmaschine



Als ein erfahrener Lokomotivführer an einem einsam gelegenen Bahnübergang eine junge Frau in einem Auto beobachtet, ist er alarmiert. Denn flankiert von zwei grimmig aussehenden Männern formt sie mit den Lippen das Wort „Hilfe“. Er sieht nur einen Weg und wendet sich zurück in London direkt an Sherlock Holmes, der noch nicht ahnt, wohin in die Recherchen mit diesen spärlichen Hinweisen führen würde...

Gleich doppelte Laufzeit bietet die 73. Episode der „Sherlock Holmes Chronicles“, die mal wieder aus der Feder von K.P. Walter stammt und – wie Markus Winter im Booklet verrät – eigentlich als einfache Episode gedacht war. Dass nun satte 127 Minuten gefüllt wurden, liegt vor allem an der Komplexität des Falles. Von der recht einfachen Ausgangssituation entwickelt sich ein komplexer und vielschichtiger Fall, der immer wieder in andere Richtungen führt, als man denkt. Es gibt immer wieder neue Elemente und Wendungen, unerwartete Hinweise und eine Vielzahl von Bausteinen, die sich jedoch nahtlos ineinander fügen. So ist das der Aufklärung des eigentlichen Falles über die Entführung der jungen Frau noch ein weiterer Teil vorhanden, der schwierige Ermittlung in einem weiteren Mordfall thematisiert und auch einige moralische Fragen stellt – und immer noch war es das nicht. Diese Folge ist wirklich prall gefüllt und kann genau deswegen so sehr überzeugen. Doch auch die starken Charaktere, die dabei ihren Einfluss auf die Handlung haben, sind sehr gelungen dargestellt und bringen verschiedenste Noten mit ein, was die Atmosphäre zudem sehr dicht wirken lässt. Die geheimnisvolle „Kombinationsmaschine“, die dem Fall seinen Namen gegeben hat, taucht übrigens nicht wirklich auf, ist aber ein reizvolles Gedankenspiel, dem sich die Folge immer mal wieder hingibt und eine gelungene Facette des Zusammenspiels der Charaktere gibt. Dass dabei Watson in größte Gefahr gerät, die damalige Zeit mit ihren gesellschaftlichen Ansichten lebendig dargestellt ist, wieder eine Vielzahl höchst englischer Namen samt der entsprechend hochgestochenen Betonung vorkommen oder der Humor der Figuren immer wieder hervorblitzt: „Die Kombinationsmaschine“ ist ein sehr starker Fall der Serie und ist sehr unkonventionell erzählt. Äußerst hörenswert und erfrischend!

Die Sprecherliste ist lang, die engagierten Schauspieler nicht nur gut gewählt, sondern auch mit der entsprechenden Leidenschaft dabei – allen voran Marius Clarén, der den Richter Vandemeere wunderbar arrogant, bösartig und eigensinnig vertont. Sein sehr markantes und betontes Auftreten schafft eine sehr präsente Figur, die an den richtigen Stellen in den Mittelpunkt rückt. Frank Otto Schenk sorgt als Murless ebenfalls für einige starke Momente und verstärkt die Stimmung der Handlung mit seiner nuancierten Sprechweise, wobei er die Emotionen der interessanten Figur gekonnt umsetzt. Auch Antje von der Ahe ist als Bettina Morrison sehr überzeugend und liefert eine stimmungsvolle und präsente Art, die mir sehr gefallen hat. Weitere Sprecher sind Manja Doering, Oliver Siebeck und Christin Marquitan.

Wie man es von dem Label nicht anders gewohnt ist, ist die Produktion des Falles sehr gut gelungen und überzeugt besonders mit seiner musikalischen Untermalung, die sich dynamisch an die verschiedenen Szenerien anpasst. So kommen die unterschiedlichen Stimmungen sehr gut zur Geltung, zeichnen große und kleine Spannungsbögen nach, verstummen aber auch einmal, um den Charakteren den Vortritt zu lassen. Ergänzt wird dies mit einer glaubhaften und lebendigen Geräuschkulisse, die die Szenen ausdrucksstark umsetzt und besonders gegen Ende noch einmal an Energie hinzugewinnt.

Dass Markus Winter mit dem Titel der Folge hadert und welche Probleme er mit der Umsetzung der Geschichte als Doppel-CD hat, ist (unter anderem) in dem lesenswerten Einleitungstext des Booklets nachzulesen, ebenso wie wieder eine Übersicht der bereits erschienenen Folgen zu sehen ist. Mit dem Titelbild selbst hat der Produzent hoffentlich nicht allzu große Schwierigkeiten – der mysteriöse und von elektrischen Blitzen umzuckte Maschine mag zwar nicht optimal zur eigentlichen Handlung passen, ist aber sehr markant und ungewöhnlich gewählt.

Fazit: Nur einige wenige Hinweise, aber ein sehr komplexer Fall – die 73. Episode der Reihe ist äußerst gelungen. Und das liegt nicht nur an dem kleinen erzählerischen Kniff am Anfang, der die Spannung direkt hochtreibt und über den sich Watson sehr charmant lustig macht. Denn der Fall ist äußerst komplex und vielschichtig geraten, spielt mit mehreren ineinander verschachtelten Fällen und bieten sehr viele Reizpunkte und spannende Szenen, sodass ein rundum gelungenes Hörspiel entstanden ist. Von den über zwei Stunden Laufzeit ist jedenfalls keine einzige verschwendete Zeit.

VÖ: 6. März 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662334


Sherlock Holmes Chronicles - 72. Betrifft: Vampire



Sherlock Holmes erfährt durch einen Brief von Robert Ferguson, der seine Gattin dabei ertappt hat, ihrem neugeborenen Baby das Blut ausgesaugt zu haben. Sherlock Holmes glaubt natürlich nicht an Vampirismus und untersucht den Fall... (Der Vampir von Sussex)
Jeremy Smith sucht die Hilfe vom Sherlock Holmes, da ein Vampir in seinem Heimatort sein Unwesen treiben soll. Doch nicht nur er allein, sondern auch andere Dorfbewohner wollen den Wiedergänger bei seinen Taten beobachemtet haben... (Der Vampir von Lymington)

Der ungewöhnliche Folgentitel "Betrifft: Vampire" für die 72. Episode der "Sherlock Holmes Chronicles" ist eine kleine Variation eines Zitates aus "Der Vampir von Sussex" aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle - ein Teil dieser Folge, die aus zwei Geschichten besteht. Die andere lautet "Der Vampir von Lymington" und ist neueren Datums, T. Bern hat diese für eine Anthologie mit neuen Fällen für die bekannte Figur geschrieben. Klassiker und Neuinterpretation sind hier also vereint auf einer CD, und beide Episoden sind wieder gut gelungen.
"Der Vampir von Sussex" zeichnet sich durch einen recht klassischen Aufbau aus, nach dem Bericht seines Klienten reist er vor Ort, hat den Fall aber eigentlich bereits gelöst und wartet auf den richtigen Zeitpunkt für seine Erläuterungen. Die Geschichte lässt sich Zeit, die Gespräche sind recht ruhig aufgebaut, sodass man sich langsam ein Bild von den Lebensumständen der Figuren sind natürlich von der unglaublich erscheinenden Tat selbst machen kann. Die Auflösung des Ganzen wird zwar zuvor durch Holmes Reaktionen bereits angedeutet, bietet aber dennoch gekonnt kleine Überraschungen. Die Umsetzung sehr nahe am Original ist gelungen, zumal die Stimmung der Folge sehr gut zur Geltung kommt.
"Der Vampir von Lymington" verzichtet auf Dr. Watson als Erzähler, sondern lässt einen externen Erzähler durch die Handlung führen. Interessant, wie sehr dieser kleine Kniff die Stimmung der Geschichte beeinflusst. Diese setzt dann auch noch deutlicher auf einen Gruseleffekt, ist brutaler und blutiger in der Erzählweise. Es spielt aber auch mehr ein Hauch des Übernatürlichen über diese Episode, mehr noch als im Original von Doyle. Die Spannung, die sich dadurch aufbaut, ist gekonnt umgesetzt und bringt noch einmal ganz andere Facetten mit ein. Eine überraschende Episode, die vielleicht etwas sperrig wirkt, aber dennoch hörenswert ist und ein ungewöhnliches Finale präsentiert.

In der ersten Episode wird Robert Ferguson von Olaf Reichmann gesprochen, der eine sehr gradlinige und solide Sprechweise darbietet, sich aber angenehm zurücknimmt und den markanteren Figuren der Episode die Bühne überlässt. Beispielsweise Elke Appelt als seine Gattin, die die aufwallenden Gefühle wie Wut und Angst, aber auch Resignation sehr lebendig spricht und so eine vielschichtige Figur schafft. Sie wirkt in ihren Szenen sehr präsent und prägt dabei die Wirkung der Episode. In der zweiten Geschichte überzeugt Leonard Mahlich in der Rolle des Jeremy Smith, indem er sehr lebendig spricht und viel Energie mit einbringt, er spricht ausdrucksstark und markant. Weitere Sprecher sind Frank Felicetti, Margot Rothweiler und Christian Zeiger.

Auch die akustische Gestaltung der Episode überzeugt und bringt auch etwas Abwechslung in die Serie, beispielsweise wenn zu Beginn ein Spinnett erklingt. Doch auch die ruhige Musikuntermalung der Dialoge oder Erzähltexte sowie die stimmige Geräuschkulisse sind sehr passend umgesetzt und unterstützen das Thema der beiden Episoden mit einem leichten Gruselfaktor.

Das Titelbild der Episode ist von Marc Freier wieder sehr ansehnlich umgesetzt worden. Die Frau mit dem halb erschrockenen, halb verführerischen Gesichtsausdruck und mit der roten Farbgebung passt zudem wunderbar zu der ersten Episode dieser Folge. Im Inneren gibt es natürlich wieder einen lesenswerten Einleitungstext von Markus Winter sowie erfreulicherweise nun auch einen Folgenindex mit allen bisher erschienenen Titeln der Reihe.

Fazit: Zwei Episoden, die sich zunächst auf gleiche Weise dem Thema Vampirismus wirken, die aber dennoch ganz andere Ansätze finden und auf unterschiedliche Weise enden. Und so hat man einen klassischen Fall von Doyle ebenso wie eine neue Geschichte, die etwas sperrig wirkt, aber auch gekonnt neue Akzente setzt. Schön, wie das Krimigenre hier immer wieder neu abgesteckt wird.

VÖ: 7. Februar 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662327


Sherlock Holmes Chronicles - Weihnachts-Special 5. Der blaue Karfunkel



Zum Weihnachtsfest bekommt Sherlock Holmes einen besonderen Auftrag: Ein Nachbar, Peterson, beobachtet den Angriff auf einen Mann, dem dabei Hut und Gans gestohlen werden. Das Diebesgut kann er sicherstellen, den Besitzer der Gegenstände aber nicht mehr antreffen und übergibt sie Holmes, damit dieser ihn ausfindig macht. Doch dort ahnt selbst Holmes noch nicht, welches Geheimnis die Gans in sich birgt...

Bereits zum fünften Mal ist neben der normalen Hörspielserie „Sherlock Holmes Chronicles“ ein Weihnachts-Special erschienen. Nach vier neuen Geschichten verschiedener Autoren ist dieses Mal mit „Der blaue Karfunkel“ eine Originalgeschichte von Sir Arthur Conan Doyle umgesetzt, die zur Weihnachtszeit spielt und eine Handlung um das traditionelle Weihnachtsessen zu der Zeit spielt. Zunächst beweist Holmes aber erst einmal wieder seine beeindruckenden Deduktionsfähigkeiten und seine leicht arrogante Art beweist, die Introszene ist ruhig aufgebaut und konzentriert sich ganz auf den Dialog zwischen Holmes und Watson. Wohin sich die Geschichte entwickelt, ist erst einmal vollkommen unklar und baut sich erst später trickreich auf. Holmes muss währenddessen einige Tricks anwenden und auf ganz unterschiedliche Arten ermitteln, um der Spur der Gans zu folgen. Da es dank Erzeugernachweisen auf Supermarktverpackungen heute deutlich einfacher ist, den Ursprung seines Essens zu verfolgen, überzeugt die Folge auch mit ihrem nostalgischen Charme und eine hektische Reise durch London, was den zunächst etwas langsamen Start mit einer lebendigeren Entwicklung ausgleicht. Der Abschluss ist überraschend und ungewöhnlich, überzeugt aber auch mit einigen weihnachtlichen Gedanken.

Der wunderbare Till Hagen ist natürlich auch hier wieder als Sherlock Holmes zu hören, seine ebenso ausdrucksstarke wie angenehme Stimme setzt er wie immer mit großer Freude an der Geschichte um und lässt der bekannten Figur sehr lebendige Facetten angedeihen. Peterson, der Finder der Gans, wird von Olaf Reichmann gesprochen, der ebenfalls sehr solide spricht und eine glaubhafte Leistung abliefert. Als Mr. Ryder ist Thomas Nero Wolff zu hören, der seine Stimme gekonnt der Szenerie anpasst und mit viel Ausdruck und gekonnter Betonung die Feinheiten der Geschichte betont. Seine leicht raue Stimme passt dabei gut zu der Figur und wurde treffend besetzt. Weitere Sprecher sind Elke Appelt, Viktor Neumann und Thorsten Sense.

Zu Sherlock Holmes und Dr. Watson gehört einfach ein knisterndes Kaminfeuer, welches dem Hörer natürlich auch hier geboten wird. Auch ansonsten ist die akustische Gestaltung eher ruhig gehalten, mit sanfter Musik unterlegt, an den richtigen Stellen ist die Szenerie aber auch deutlicher und kräftiger umgesetzt. Das ist sehr gut auf die Handlung abgestimmt und wurde überzeugend abgemischt.

Als Covermotiv wurde eine weiße Gans gewählt, auch wenn das Corpus Delicti aus der Geschichte sein Leben bereits gelassen hat. Ein wenig weihnachtlicher Glanz liegt durch den dezenten Hintergrund über die Szenerie, was hübsch anzusehen ist. Im Inneren des Booklets gibt es wieder einige einleitende Worte zu der Episode und die Vorstellung einiger Mitwirkender.

Fazit: Die klassische Geschichte von Doyle wird in dieser Umsetzung sehr nahe am Original erzählt, was die Steigerungen den zunächst langsamen Tempos und ein paar ungewöhnliche Ideen mit sich trägt. Und da auch die Figuren wieder bestens zur Geltung kommen und mit viel Charme eingebracht wurden, kommt auch dieses weihnachtliche Special hörenswert daher.

VÖ: 13. Dezember 2019
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662204


Sherlock Holmes Chronicles - 71. Die Spur des Falken



Eine Serie an Diebstählen von wertvollen Kunstgegenständen beschäftigt nicht nur die Londoner Devision von Scotland Yard, sondern auch die Presse der Hauptstadt. Denn wie um die Polizei zu verhöhnen, hinterlässt der Dieb als Signatur immer einen Hinweis auf seinen Namen: Der Falke. Als Dr. Watson seinen Freund Sherlock Holmes auf den Fall anspricht, beginnt auch dieser mit seinen Ermittlungen...

Viele der neu geschriebenen Geschichten für die Sherlock Holmes Chronicles haben einen etwas reißerischen Charakter als die Originalgeschichten von Sir Arthur Conan Doyle. Folge 71 mit dem Titel „Die Spur des Falken“ präsentiert zwar auch ein Verbrechen, das in London für viel Aufsehen sorgt, ist in der Ermittlungsarbeit aber klassisch angelegt und verbreitet eine Stimmung, die dichter an den Originalen gehalten ist - auch wenn die Introszene nicht mit einem neuen Mandanten startet, sondern ein Zwiegespräch von Holmes und Watson über den Fall des Falken beinhaltet - wie auch in der restlichen Geschichte wird auch hier schon der feine Humor der Figuren eingebunden. Danach zeigt sich, dass der Titel der Geschichte äußerst passend gewählt wurde, da Holmes verschiedene Spuren verfolgt und dabei immer weitere Details erfährt. Die Ausgangspunkte sind dabei erst einmal unscheinbar, ein bestimmter Farbton spielt eine ebenso große Rolle wie der Hersteller eines Tresors. Dabei werden ganz unterschiedliche Figuren eingebunden, wobei jeder seine ganz eigene Aura mit einbringt und viele potenzielle Verdächtige in den Kreis der Ermittlungen rücken. Auch die feinsinnige Ermittlungsweise von Holmes mit einigen Finten und Tricks tragen zum Reiz der Folge bei, wobei das Verständnis durch einige ruhige Gespräche zwischen Holmes und Watson erleichtert wird - und Holmes immer nur einen Teil der Lösung präsentiert. Das ist geschickt aufbereitet und führt zu einem sehr stimmigen Ende, was die ruhige Folge gelungen abschließt.

Mr. Falconer, ein diensthabender Wachmann, wird von Patrick Winczewski gesprochen, der sich gekonnt an die Stimmung der Serie anpasst und die geschliffenen Dialoge gekonnt präsentiert und einige gekonnte Feinheiten einbaut. Inspector Gregson bekommt seine Stimme von Torsten Münchow geliehen, der zu dem feinsinnigen Holmes einen deutlich lauteren, tumperen Eindruck hinterlässt und so die Rolle sehr lebendig zu sprechen versteht. Lord Ashley wird von Tino Kießling gesprochen, der seiner Figur eine wunderbar affektierte Note verleiht und dabei sehr nuanciert spricht, was den Adeligen eine markante Aura verleiht. Weitere Sprecher sind Hans-Jürgen Dittberger, Uschi Hugo und Helmut Krauss.

Ein paar der Melodien, die in der akustischen Gestaltung eingesetzt wurden, sind bereits aus vorigen Episoden bekannt. Da diese leise im Hintergrund eingesetzt sind, sorgt das für einen Wiedererkennungswert, ohne dass es störend wirken würde. Einige neue Musikstücke und eine passende Geräuschkulisse sorgen wie immer bei der Serie für einen sehr stimmigen Eindruck.

Das Cover der Folge ist wieder außerordentlich gut gelungen, die erdige Farbgebung der Serie passt wunderbar zu der Collage aus dem Gebäude, dem halb im Dunkeln liegenden menschlichen Gesicht und im Zentrum der detaillierten Illustration des Falken. Und wie immer gibt es auch in diesem Cover die Informationen zu den beiden Hauptsprechern und ein Grußwort von Markus Winter.

Fazit: Ein Krimi klassischer Machart, in der Sherlock Holmes durch hartnäckige Ermittlungen, einige geschickte Finten und seinen typischen Scharfsinn eine Diebstahlserie aufklärt. Mir gefällt, wie die Bekanntheit von Holmes immer wieder thematisiert wird und die Folge beeinflusst. Die vielseitigen Charaktere und der gradlinige Aufbau sorgen für einen gelungenen Gesamteindruck.

VÖ: 10. Januar 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662310


Sherlock Holmes Chronicles - 70. Der einsame Radfahrer



Violet Smith, eine junge Musiklehrerin, wird seit einigen Tagen bei ihrer täglichen Heimfahrt von einem vermummten Fahrradfahrer verfolgt. Als sie diesem eine Falle stellt und nach einer scharfen Kurve plötzlich abbremst, ist dieser spurlos verschwunden. Mit diesem Problem geht sie auf Sherlock Holmes zu, der Interesse an diesem Rätsel zeigt…

Für die 70. Episode der „Sherlock Holmes Chronicles“ hat sich Markus Winter mal wieder einen Originalfall von Sir Arthur Conan Doyle ausgesucht. „Der einsame Radfahrer“ ist dabei mit der typischen Erzählstruktur des englischen Autors versehen, sodass zunächst ein langes Gespräch mit Holmes' neuer Klientin am knisternden Kaminfeuer zu hören ist, das bei der Überarbeitung der Geschichte zum Drehbuch - wenn möglich - durch gespielte Dialogszenen aufgelockert wurde. Doch gleich danach gibt es einen kleinen Dreh, der der Handlung noch einmal eine andere Perspektive verleiht. Die Ermittlungen werden nämlich nicht vom Meisterdetektiv selbst vorgenommen, da dieser in einen anderen Fall eingebunden ist. Vielmehr reist Watson direkt zum Ort des Geschehens, wobei seine Beobachtungen nicht den Ansprüchen von Holmes genügen - was natürlich für einige heitere Dialoge sorgt, in denen das spezielle Verhältnis der beiden Hauptcharaktere stimmig vermittelt wird. Weitere Hinweise bekommt der Hörer durch Berichte von Holmes' über eigene Ermittlungen oder Briefe von Violet Smith, sodass sich langsam ein stimmigeres Bild des Falles zusammensetzt. Die genauen Zusammenhänge ergeben sich aber erst in einer überraschend dramatischen und aufregenden Szene, in der Holmes wie immer auftrumpft und die Situation mit seinem Scharfsinn auflöst. Eine kurzweilige Geschichte, die wie immer sorgsam und nahe am Original umgesetzt wurde.

Antje von der Ahe ist in der Rolle der Violet Smith sehr gut aufgehoben und setzt die junge Frau gekonnt in Szene, insbesondere weil sie sich nicht in die Rolle des unsicheren Opfers begibt, sondern passend zu ihrem Charakter an den passenden Stellen deutlich energischer klingt. Als Woodley ist Asad Schwarz zu hören, dessen markante Stimme auch hier sehr passend eingesetzt ist, zumal sie einen eingängigen und betonten Ausdruck annimmt. Tom Jacobs ist natürlich wieder als Dr. Watson zu hören, er passt seiner Stimme gekonnt den verschiedenen Situationen an und klingt mal heiter, mal verdattert, mal ernst und zeichnet so den Spannungsbogen der Handlung nach. Weitere Sprecher sind Kaspar Eichel, Roland Hemmo und natürlich Till Hagen.

Die akustische Gestaltung der Folge überzeugt ebenfalls, die sorgsam eingebauten Geräusche setzen die Dialoge in einen sehr stimmigen Kontext, die Musik sorgt für einen stärkeren Ausdruck und betont besonders dramatische Momente. Das fügt sich alles sehr gut zusammen und wirkt wie aus einem Guss, wie man es von der Serie gewohnt sein darf.

Der titelgebende „einsame Radfahrer“ ist auch auf dem Cover abgebildet, die verschwommene Silhouette inmitten des kahlen Waldes und der schummrigen Beleuchtung ist gemeinsam mit dem hübschen Schriftzug ein gelungenes Titelbild – auch wenn man nicht unbedingt erkennen kann, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, wovon das Grußwort von Markus Winter im Inneren des Booklets unter anderem handelt.

Fazit: Von dem recht unspektakulär wirkenden Ausgangspunkt entwickelt sich eine spannende Handlung, die mit gut platzierten Feinheiten und einem dramatischen Finale überzeugt. Die lebendige und abwechslungsreiche Erzählweise und die gekonnte Grundstimmung werden durch ein eher langsames Tempo ergänzt, wobei kaum zähe Momente auftreten. Eine weitere gelungene Episode der Reihe, wobei die Rückkehr der Originalgeschichten für Abwechslung sorgt.

VÖ: 29. November 2019
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662303


Sherlock Holmes Chronicles – 69. Der gelbe Tropfen



In Salzburg wird die bekannte Operndiva Aurelia Silverstrom nach einem Anschlag auf ihr Leben von dem Wachtmeister Hofegger bewacht. Trotz großer Sicherheitsmaßnahmen lauert vor ihrer Pension ein norwegischer Journalist Hendrik Sigerson auf, der sogleich das Misstrauen von Hofegger weckt. Doch er scheint der exzentrischen Schauspielerin bekannt zu sein und stellt gleich einige ungewöhnliche Fragen...

Wie auch schon die anderen Episoden der „Sherlock Holmes Chronicles“ ist auch die 69. Episode mit dem Titel „Der gelbe Tropfen“ in sich abgeschlossen und kann völlig unabhängig von den anderen Folgen gehört werden, selbst die berühmte Hauptfigur muss dem Hörer nicht bekannt sein. Gleichwohl steigert es den Reiz ungemein, wenn man sich gut in den Holmes-Kosmos auskennt, da man einige Dinge direkt einsortieren kann, was dann zu einem echten Leckerbissen für Fans der Serie wird - selbst wenn man auf Dr. Watson verzichten muss und stattdessen aus der Sicht des österreichischen Wachtmeisters Hofegger erzählt wird. Die Erzählweise erinnert durch seine Erzählweise stark an die Originale von Sir Arthur Conan Doyle, die Reduzierung auf nur wenige wichtige Personen und gerade zu Beginn die langen Dialoge, in denen wichtige Details eingebracht oder analysiert werden, sind typische Stilmittel, die aber durch ganz andere Voraussetzungen und Handlungsorte gelungen variiert werden. Im weiteren Verlauf wird die Erzählweise dichter, die Bedrohung greifbarer, sodass sich ein sehr gelungener Spannungsbogen durch die Folge zieht. Besonders das letzte Drittel ist sehr druckvoll geraten, sodass sich der Hörer kaum von den neuen Ereignissen lösen kann. Mir gefällt, wie sich neue Informationen nur langsam zu einem Gesamtbild zusammensetzen und lange Zeit wesentliche Teile der Lösung in Dunkeln bleiben, zumal die Zusammenstellung der Charaktere äußerst gelungen ist und der feine Humor der Serie auch ohne Watson bestens funktioniert.

Wachtmeister Hofegger wird von Lutz Riedel gesprochen, der seiner Stimme einen ebenso ausdrucksstarken wie vielseitigen Klang verleiht. Dabei kann er sowohl in den Dialogen als auch in dem ihm anvertrauten Erzähltexten überzeugen und stellt so eine sehr gelungene Hauptfigur der Episode dar. Aurelia Silverstrom bekommt ihre Stimme von Anke Reitzenstein, die die markante Figur mit treffender Betonung und sehr individuellem Auftreten lebendig und unterhaltsam gestaltet. Auch Till Hagen weiß einmal mehr zu überzeugen, seine ernsthafte Art wird auch hier ab und an von leise humorigen Momenten durchbrochen, wobei er auch den Eifer und die Energie des bekannten Detektivs sehr gelungen umzusetzen weiß. Weitere Sprecher sind Guiliana Jakobeit, Tim Knauer und Torsten Sense.

Auch diese Episode ist sehr stilvoll umgesetzt und unterstreicht den Spannungsbogen der Handlung, ohne sich zu übertriebener Dramatik hinreißen zu lassen. Die Musikstücke sind dezent eingesetzt, passen aber hervorragend zu den verschiedenen Szenerien, während die Geräusche ebenfalls sehr gut auf die Handlung abgestimmt sind und gerade gegen Ende noch einmal an Kraft gewinnen.

Wunderbar ist das Cover der Episode geraten, hier wird die Operndiva Aurelia Silverstrom mit ernster Miene und einem netzartigen Schleier vor dem Gesicht in den Fokus gerückt, während der Hintergrund Theatervorhänge andeutet. Im Inneren des Booklets sind natürlich auch hier einige einleitende Worte zu der Episode zu finden.

Fazit: Der zunächst ruhige, später dann deutlich bedrohlichere Verlauf der Handlung weiß mit einigen sehr gelungenen Elementen zu punkten und kann besonders Fans der Serie mit der Zusammenstellung der Charaktere überzeugen. Die Hintergründe werden lange im Dunkeln gelassen, was für so manche gelungene Wendung sorgt. Auch sprachlich ist wieder eine sehr runde Episode in anderem Ambiente als gewohnt gelungen.

VÖ: 15. November 2019
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662297


Sherlock Holmes Chronicles – 68. Der niedergelassene Patient



Percy Trevelyan hat es als Arzt vor allem seinem Gönner Blessington zu verdanken, dass er sich bei seinen Patienten etablieren und dennoch seinen Studien weiter nach kommen kann. Doch nun muss er sich an den Meisterdetektiv Sherlock Holmes wenden, da Blessington nach den Besuchen eines merkwürdigen Patienten völlig aufgelöst scheint...

Die 68. Episode der Sherlock Holmes Chronicles von Winterzeit ist mal wieder nach einem Original von Sir Arthur Conan Doyle umgesetzt, wobei es sich bei „Der niedergelassene Patient“ um eine recht knackige Kurzgeschichte handelt. Das sorgt dann dafür, dass die Folge in 42 Minuten gut erzählt wird, ohne dass Szenen in die Länge gezogen werden. Doch gerade diese kurze Erzählweise sorgt auch dafür, dass man diese Folge locker zwischendurch mal einschieben kann, ohne sich gleich über eine Stunde Zeit nehmen zu müssen. Der Aufbau der Handlung ist sehr klassisch, der Bearbeitung durch Markus Winter ist es zu verdanken, dass der Beginn der Folge dennoch nicht zu einem langen Monolog von Percy Trevelyan ausartet. Denn immer wieder wurden die Erinnerungen des jungen Arztes in Spielszenen umgesetzt, was einen lebendigen Eindruck hinterlässt. Auch die nachfolgenden Recherchen von Holmes sind kurzweilig aufbereitet, zumal die Eitelkeit der Hauptfigur gut zur Geltung kommen und für eine entscheidende Wendung in dem Fall gesorgt. Während Holmes deswegen viel Aufmerksamkeit bekommt, tritt Doktor Watson in dieser Folge etwas mehr zurück, auch die besondere Beziehung zwischen dem Militärarzt und dem Detektiv wird hier nicht weiter ausgeführt, sodass sich die Episode voll auf die eigentliche Handlung konzentriert. Die sorgt besonders gegen Ende noch einmal für einen dramatischen Anstieg der Spannungskurve, zumal Holmes die Folge gekonnt auflöst und die gelegten Spuren zusammenführt, das weitere Schicksal der Täter aber nicht aufgeklärt wird. Ein Abschluss mit einer sehr interessanten Note dieser Folge, die insgesamt einen sehr soliden Eindruck hinterlässt.

Die Geschichte kommt mit gerade einmal sieben Sprechern aus, die deswegen einen umso größeren Einfluss auf das Gelingen des Hörspiels haben. Der wunderbare Dennis Schmidt-Foß überzeugt dabei in der Rolle des Percy Trevelyan, den er mit markantem Auftreten und einem recht spröden Charme versieht. Thomas Kästner ist als sein Gönner Blessington zu hören, dem er eine leicht unsympathische Aura verleiht, ohne dies zu sehr auszuführen und damit ins Unglaubwürdige zu ziehen. Till Hagen ist in der Hauptrolle des Sherlock Holmes sowieso eine Bank und setzt den Meisterdetektiv in seinen Facetten treffsicher wie immer um. Weitere Sprecher sind Tom Jacobs, Bernd Vollbrecht, Ricardo Richter und Axel Lutter.

Die Folge ist auf sehr wenige Handlungsorte begrenzt, sodass bei der akustischen Umsetzung nicht allzu große Abwechslung geboten werden konnte. Dennoch sind die einzelnen Szenen natürlich sehr sauber umgesetzt und bringen die Stimmung Londons zu der damaligen Zeit gekonnt zur Geltung. Gut gefällt mir die Idee, die Ungeduld von Holmes auch beim Hörer zu wecken, indem das Holen von Getränken mit vielen Geräuschen unterlegt ist.

Das Cover verrät zwar schon einen wichtigen Teil der Folge, könnte dafür aber markanter nicht gewählt worden sein. Ein Mann hängt an einer Schlinge unter der Zimmerdecke, die spärliche Beleuchtung und der sehr detailreiche Hintergrund sorgen für einen markanten Ausdruck der Szenerie - ein Titelbild, welches mir ausnehmend gut gefällt. Im kleinen Booklet sind neben den bereits bekannten Fotos und Kurzbiografien der beiden Hauptsprecher auch wieder die einleitenden Worte des Produzenten zu lesen.

Fazit: Der niedergelassene Patient ist kein sonderlich komplexer oder verzwickter Fall, überzeugt aber mit der geradlinigen Erzählweise, einer markanten Szenerie und einem geschliffenen Ende. Der Aufbau der Folge ist klassisch, Monologe werden aber immer wieder durch Spielszenen unterbrochen, sodass der noch eine dynamische Stimmung entstehen kann. Eine gelungene Umsetzung des Klassikers, der sich auf das Wesentliche konzentriert.

VÖ:
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662280


Sherlock Holmes Chronicles – 67. Die Selbstmörder von Harrogate



Als Sherlock Holmes die Einladung eines Kurhotels erhält, ist sein Interesse geweckt, was durch den Besuch von Inspector Lestrade noch verschärft wird. Denn eine ganze Reihe Urlauber hat sich in ein und demselben Zimmer selbst getötet - und alle haben eine ähnliche Einladung wie der Meisterdetektiv erhalten...

Sherlock Holmes ohne Dr. Watson? Das ist ungewöhnlich, aber auch schon Sir Arthur Conan Doyle hat Geschichten verfasst, in denen der Militärarzt nur eine kleine Rolle spielt. Das greift auch „Die Selbstmörder von Harrogate“ auf, die 67. Episode der Sherlock Holmes Chronicles. Und so ist auch - zumindest zum Teil - ein anderer, externer Erzähler zu hören, der durch die Ermittlungen im Kurhotel führt. Diese sind erst einmal klassisch aufgebaut und konzentrieren sich auf typische Befragungen des Meisterdetektivs, der bei seinem Undercover-Einsatz im Hotel zunächst auf allerlei Bedienstete und wenige Gäste trifft. Ein paar der gewählten Themen, die dabei aufkommen, sind recht ungewöhnlich für die Serie und bringen so eine ganz neue Note mit ein. Gewalt gegen Frauen, eine düstere Sexualität und eine fanatische Gottgläubigkeit - im Laufe der Zeit vermischt sich zu einer flüssig erzählten Handlung, in der sich später die beiden Protagonisten wieder vereinen. Watsons Emotionalität und sein Hang zu Fettnäpfchen sowie Holmes' kühle Logik und seine nüchterne Betrachtungsweise funktionieren wieder sehr gut zusammen. Mehr Tempo wird durch die anfangs, aber auch im Laufe der Handlung eingestreuten Szenen um den Täter erzeugt, der mit verzerrter Stimme ziemlich unheilvoll und bedrohlich wirkt. Der Verlauf spitzt sich zum Ende hin noch einmal deutlich zu, die ausgelegten Fäden und Hinweise werden gekonnt zusammengeführt und präsentieren einen sehr gelungenen Abschluss mit einem Täter, den man vielleicht vorausahnen konnte, dessen Motiv aber aufregend und gelungen in Szene gesetzt wurde.

Die Masseurin Fay wird von Marieke Oeffinger gesprochen, die die zarte Seite der jungen Frau betont und ihre schüchterne und verletzliche Art sehr gekonnt zur Geltung bringen. Dr. Howard McDermott wird von Hans Hohlbein gesprochen, der dazu einen gekonnten Kontrast bilden. Hart, unfreundlich und abweisend verleiht er seiner Stimme einen markanten Klang, was eine markante Aura des Leiters des Kurbades erzeugt. Als zusätzlicher Erzähler ist Rainer Gerlach im Einsatz, der mit ruhiger Art und gekonnt betonter Stimme durch die Handlung führt und hörbaren Spaß an der Atmosphäre der Geschichte hat. Weitere Sprecher sind Nicole Hannak, Sanam Afrashteh und Marion Musiol.

Die gediegene Atmosphäre der Handlung funktioniert auch hier wieder sehr gut, was durch die gekonnte Mischung aus Musik und Geräuschen erzeugt wird. Beides ist sehr gut an die Handlung angepasst und schafft atmosphärische Kulissen, wobei die Dialoge stets im Vordergrund stehen und so unterstrichen statt überdeckt werden.

Das Grußwort von Markus Winter ist zu dieser Folge deutlich länger ausgefallen als sonst und nimmt in dem Booklet eine Doppelseite ein, dennoch hat im Inneren auch noch ein erster Coverentwurf Platz gefunden, welches ein ähnliches Motiv wie das jetzige Titelbild hat, jetzt aber mit der durchdringend dreinblickenden Krankenschwester noch mal intensiver wirkt.

Fazit: Die Themenwahl von „Die Selbstmörder von Harrogate“ ist ungewöhnlich und sorgt für eine sehr individuelle Ausstrahlung der Episode. Der Verlauf ist kurzweilig und spannend aufbereitet, die erste Trennung der beiden Hauptfiguren und die merkwürdigen Vorgänge im Kurbad sorgen ebenso wie die zarte Liaison von Holmes für eine intensive Folge mit sehr gekonnt erzähltem Finale.

VÖ: 20.September 2019
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662273


Sherlock Holmes Chronicles – 66. Holmes gegen Holmes



Wenn Mycroft Holmes seinen Bruder Sherlock um Hilfe bittet, ist das englische Königreich meist in Gefahr. Sherlock soll die seltsamen Todesfälle gleich mehrerer englischer Agenten aufklären, die Friedensverhandlungen in Antwerpen mit dem deutschen Kaiserreich beobachten sollten. Allesamt sind vom selben Hotelbalkon gestürzt, und in dieses Zimmer soll nun auch Sherlock Holmes ziehen...

Mycroft Holmes ist zwar kein übermäßiger, aber dennoch ein fester Bestandteil der Sherlock Holmes Chronicles, die 66. Episode der Serie stellt Sherlocks Bruder aber schon allein wegen des Titels „Holmes gegen Holmes“ in den Vordergrund. Und auch wenn seine Rolle nicht allzu umfangreich ist, ist der Titel sehr treffend gewählt. Durch die Beauftragung seines Bruders wartet dieses Mal ein Agententhriller auf den Hörer, was das Portfolio der Serie um ein weiteres Genre erweitert und dennoch ganz im Stil der Reihe gehalten ist - den charmanten Witz inklusive, beispielsweise um den Tarnnamen, den Watson sich hier zulegt. Ein sehr gelungener Kniff sorgt zudem für viel Dynamik: Da Watson der Tarnung wegen einen Tag später nach Antwerpen fährt, ermittelt er getrennt von Holmes, der bei seiner Ankunft bereits verschwunden ist. Dadurch kommt neben der räumlichen auch eine zeitliche Trennung der beiden Handlungsstränge zustande, was durchaus komplex geraten ist und den Reiz der Handlung deutlich steigert. Das geschieht ebenso durch die geheimnisvolle Aura der Geschichte, die mit den vielen unbekannten und geheimnisvollen Figuren und der Agentenszenerie aufregend geraten ist. Langsam setzt sich ein Blick auf die bisherigen Ereignisse zusammen, was teils in Dialogen, teils in aufregenden Ermittlungen geschieht. Überraschend tritt auch Mycroft wieder auf den Plan und verleiht der Folge einen ebenso unerwarteten wie gelungenen Dreh, der das große Finale einläutet. Hier wird es noch einmal eine Spur komplexer, zahlreiche geheime Identitäten werden durchaus überraschend aufgeklärt und sorgen gerade bei Fans klassischer Kriminalgeschichten noch einmal für Aufhorchen. Erzählerisch ist das hervorragend gelöst und mit sehr viel Spannung versehen, sodass Holmes gegen Holmes einen sehr starken Eindruck macht.

Wieder sind die Sprecher der Episode hervorragend und sorgen dafür, dass die Handlung lebendig wirkt. Oliver Feld ist wieder als Mycroft Holmes zu hören, der mit sehr präsenter Stimme und feinen Facetten in der Stimme einen prägenden Eindruck hinterlässt, selbst wenn seine Rolle hier nicht die umfangreichste ist. Als Franz Huber ist Rene Dawn-Claude zu hören, der der Folge eine zusätzliche geheimnisvolle Aura verleiht und dabei gekonnt Feinheiten in den Chatakter der Figur zeichnet. James Warringham bekommt seine Stimme von Frank Schaff geliehen, der durch sein markantes Auftreten sehr präsent wirkt und so viel Aufmerksamkeit auf die undurchsichtige Rolle zieht. Weitere Sprecher sind Uschi Hugo, Lutz Mackensy und Nicole Hannak.

Die vielfältige Ausstattung der Dialoge mit melodischer, orchestraler Musik ist ein Markenzeichen der Serie und kommt hier besonders gut zur Geltung und erhöht den dramatischen Eindruck der Handlung. Auch die vielfältigen Kulissen, die durch zahlreiche Geräusche oder leise Gespräche im Hintergrund gestaltet wurden, sind sehr lebendig und glaubhaft umgesetzt und lassen den Hörer völlig in die Welt des Hörspiels eintauchen.

Sehr gut gefällt mir das Titelbild der Episode, welches die beiden Brüder erstmals in dieser Reihe gemeinsam und gemäß dem Folgentitel mit kämpferischem Gesichtsausdruck zeigt. Die dunklen Farben fangen dabei gut die Stimmung der Episode auf. Im Inneren des Booklets ist wieder das Grußwort von Markus Winter mit einigen weiteren Informationen zur Produktion zu finden.

Fazit: Die Agentenszenerie, die Trennung der beiden Protagonisten und der Konflikt der Gebrüder Holmes sorgen für einen sehr intensiven Ausdruck dieser Episode, die von Anfang bis Ende aufregend geraten ist und in ihrer Spannungskurve zu keiner Zeit nachlässt. Das ist sehr prägnant geraten und bindet dennoch den großen Charme der Figuren sanft mit ein. Eine sehr gelungene Episode, die mich vollkommen überzeugt hat.

VÖ: 23. August 2019
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662266


Sherlock Holmes Chronicles - 65. Die verschwundene Braut



Lord Simon kündigt sich per Brief bei Sherlock Holmes an, der sich direkt über den Adeligen informiert - unterstützt von Dr. Watson, der bereits von der skandalösen Hochzeit des neuen Klienten gehört hat. Denn noch während der Hochzeitsfeier verschwindet die Braut spurlos, obwohl sie noch wenige Stunden zuvor glücklicher denn je gewirkt hat...

In der 65. Episode der Sherlock Holmes Chronicles hat sich WinterZeit mal wieder einem Klassiker aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle gewidmet und die Geschichte als Hörspiel adaptiert. Und wie bei dem Autor der Originalgeschichten üblich gibt es hier vor allem lange Gespräche, aktive Handlungen oder hoch spannende Szenen sind hier nicht vorhanden. Vielmehr ist die Folge komplett auf das Wohnzimmer von Holmes und Watson beschränkt, in dem sich eine Handvoll verschiedene Besucher einfinden und ihre Sicht der Dinge berichten. Diese sind dann auch nicht in eingebauten Spielszenen erzählt, sondern als klassische Dialoge und auch einige Monologe wurden eingebaut. Das Rätsel um die verschwundene Braut ist dann auch nicht so komplex, wie man es von den neuen Geschichten der Reihe oft kennt. Da man die (wenigen) Ermittlungen des Detektivs nicht lauscht und nur wenige Anhaltspunkte bekommt, kann man das Rätsel als Hörer auch kaum allein lösen. Und dennoch hat mir „Die verschwundene Braut“ sehr gut gefallen. Die Stimmung ist sehr dicht, die Charaktere ausdrucksstark, die Dialoge sind kurzweilig und ohne unnötige Schlenker aufbereitet. Auch das gefühlige Ende passt gut zu der Handlung und verleiht ihr einen geschliffenen Abschluss, vor allem die abschließenden Erläuterungen von Holmes auf seine Sicht der Dinge tun sich dabei positiv hervor. Gepaart mit der knappen Länge der Produktion eignet sich diese Folge bestens für zwischendurch.

Die Sprecher erwecken die Handlung zum Leben und machen ihre Sache richtig gut. Thomas Nero Wolff ist als Lord Simon zu hören und betont die hochnäsige und arrogante Seite des Adeligen, mit seiner steifen Sprechweise bemüht er sich nicht mal um die Sympathien der Hörer, was einen interessanten Charakter schafft. Als Inspector Lestrade ist natürlich wieder Bernd Vollbrecht zu hören, der den Humor der Figur und seine eingeschränkte Sichtweise auf die Dinge mit seiner Sprechweise herausarbeitet. Luisa Wietzorek spricht die Rolle der Hatty Doran und lässt die aufgewühlten Emotionen der jungen Frau gekonnt aus ihrer zarten Stimme herausklingen. Weitere Sprecher sind Thomas Kästner, Viola Sauer und natürlich Tom Jacobs und Till Hagen in den Hauptrollen.

Da die Handlung hier so deutlich auf einen einzigen Ort beschränkt, sodass auch bei der akustischen Gestaltung nicht allzu viel Abwechslung geboten werden muss. Festzustellen ist allerdings, dass das Kaminfeuer in der Baker Street recht langanhaltend prasselt. Die eingebauten Melodien, die teilweise auch die Monologe der Charaktere unterstreichen, sorgen aber dennoch für eine sehr stimmige Atmosphäre.

Das Grußwort in dem Booklet ist nach dem kleinen Aussetzer in der letzten Episode wieder zurückgekehrt – samt Erklärung, warum das so ist und mit einigen Gedanken zu eben diesen einleitenden Worten (womit eine von Markus Winter gestellte Frage bereits beantwortet wurde). Das Cover ist davon ab wieder besonders gut gelungen und zeigt die imposante Hochzeitskirche nebst einem Mann in der Rückansicht, was die Covergalerie sehr gelungen ergänzt.

Fazit: Auch die Klassiker von Sir Arthur Conan Doyle haben es in sich, wie „Die verschwundene Braut“ beweist. Die reduzierte Atmosphäre und die wenigen Hinweise, die dann aber schlüssig und unterhaltsam aufbereitet wurden, sorgen für ein stimmiges und sehr gelungenes Gesamtpaket – zumal der feine Humor der Figuren wieder hervorsticht und für breites Schmunzeln sorgt.

VÖ: 12. Juli 2019
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662259


Sherlock Holmes Chronicles – 64. Der Mörder von Dresden



Der Aufenthalt am Leipziger Hauptbahnhof endet nur durch viel Glück und Holmes kühlen Kopf nicht tödlich für den Meisterdetektiv und seinen Chronisten Dr. Watson. Die aus einem Hinterhalt abgegebenen Schüsse kamen von Colonel Sebastian Morel, der Professor Moriaty immer noch die Treue hält. Doch obwohl die beiden ihren alten Widersacher stellen können, ist die Bedrohung deswegen noch lange nicht abgewendet...

Wenn eine Geschichte bei den „Sherlock Holmes Chronicles“ auf zwei CDs verteilt ist, kann der geneigte Hörer schon von einer recht komplexen Handlung ausgehen – umso mehr, wenn diese wie bei der 64. Episode mit 164 Minuten Laufzeit ziemlich vollgepackt sind. Dieser Eindruck wird mit der Zeit immer mehr verstärkt, da sich die Handlung keineswegs langsam entwickelt, sondern schon zu Beginn ein ziemlich hohes Tempo vorlegt. Dieses lässt auch im Verlauf der Handlung nur selten nach, die sich deswegen drängend und sehr dicht zeigt. Die Entwicklungen sind dicht aneinander gereiht, dennoch wird wichtigen Dialogen der Raum gelassen, um sich zu entfalten und so markante Akzente zu setzen. Das ist sehr geschickt erzählt und sorgt für einen dynamischen Handlungsbogen, der sich über die gesamte Laufzeit erstreckt. Doch auch die Spannung ist hier sehr dicht, sie zieht ihre dramatische Wirkung aus der persönlichen Bedrohung von Holmes – und natürlich aus der Konstellation mit Moriaty. Dadurch werden viele packende Momente erzeugt, die den Hörer immer wieder aufhorchen lassen. Gegen Ende wird die Folge noch einmal ausdrucksstärker, intensiver und ergänzt ein packendes Thriller-Element. Diese Folge ist deutlich ernster als die meisten vorigen und unterscheidet sich in ihrem Ausdruck vor allem auch von den Originalen von Sir Arthur Conan Doyle, dürfte aber Fans der Serie gerade deswegen so sehr gefallen – mich hat sie auch wegen der weitreichenden Änderungen innerhalb des Seriengefüges vollkommen überzeugt.

Das liegt wie immer natürlich auch an den hervorragenden Sprechern, die sich auch in diesem deutlich ernsteren Stoff bestens zurechtfinden. Tom Jacobs verleiht seiner Stimme dafür einen Klang, der düsterer und eindringlicher klingt, gerade durch seine Erzähltexte wird die Spannung und die Atmosphäre der Folge verdichtet. Jörg Hengstler sorgt als Colonel Moran für einen packenden, geradezu unheimlichen Einstieg, der leicht schnarrende Ton seiner Stimme passt sehr gut zu dem hasserfüllten Mann. Reinhard Kuhnert gibt eine sehr gelungene Vorstellung als Professor Moriaty, er schärft das Profil des genialen Verbrechers mit einigen feinen Nuancen. Weitere Sprecher sind Wolfang Rüter, Santiago Ziesmer und Anna Luise Kiss.

Passend zu der sehr spannenden Geschichte ist auch die akustische Umsetzung sehr eindringlich geraten. Die Melodien fügen sich sehr stimmig zu den Dialogen ein und sorgen für eine Steigerung der Dramatik, sind aber nicht omnipräsent und unterstützen statt sich in den Vordergrund zu drängen. Gleiches gilt für die vielfältige Geräuschkulisse, die sich sehr lebendig und eindringlich einfühlt.

Ein Lob gebührt auch Mark Freier, der für diese besondere Geschichte auch ein besonderes Cover gestaltet hat. Vor der Kulisse einiger bekannter Dresdner Gebäude mit historischem Anklang ist das ernste Gesicht eines Mannes zu sehen, der durch seine Sonnenbrille finster den Betrachter anzuschauen scheint. Gepaart mit der grünlichen Einfärbung ist das sehr passend geraten, auch wenn im Inneren dieses Mal keine einleitenden Worte von WinterZeit zu lesen sind.

Fazit: „Der Mörder von Dresden“ präsentiert sich düster, packend und dramatisch, reiht zahlreiche markante Szenen aneinander und erzeugt dabei einen spannenden Sog. Schon das packende Intro ist sehr hörenswert, die Geschichte wird aber auch danach sehr intensiv weitergeführt. Eine sehr starke Episode, die über die gesamte Laufzeit hindurch die Spannung halten kann.

VÖ: 28. Juni 2019
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662242


Sherlock Holmes Chronicles – 63. Der blutrote Edelstein



Das Hotel Kronprinz in Halle an der Saale gehört zwar wegen der ungünstigen Lage zum Eisenbahnverkehr nicht mehr zu den ersten Adressen der Gegend, zieht aber immer noch gut betuchte Klientel an. Und so ist der Diebstahl eines wertvollen Edelsteins aus dem Privatbesitz eines Gastes eine Katastrophe für den Hoteldirektor, doch die örtliche Polizei scheint schnell den Täter ausfindig gemacht zu haben. Nur ein norwegischer Gast hat hierzu eine andere Meinung...

Die „Sherlock Holmes Chronicles“ orientieren sich keineswegs an einem stringenten Handlungsablauf, sodass die Folgen zwischen verschiedenen Zeiten hin- und herspringen. Folge 63 setzt dabei an einem Punkt an, der für Fans des Meisterdetektivs viel Raum für Spekulationen bietet: In der Zeit seines Verschwindens nach dem legendären Fall von den Reichenbach-Fällen. Das hat zur Folge, dass er hier nicht von Dr. Watson begleitet wird, sondern ein junger Kriminalassistent aus Halle namens Wolter dessen Rolle einnimmt. Dabei dauert es etwas, bis Holmes auftaucht, zunächst wird recht ausführlich die Szenerie um das Hotel und den verschwundenen Edelstein aufgebaut. Wolter zeigt sich dabei als scharfsinniger und zugänglicher als sein Vorgesetzter und lässt sich dann auch schneller auf eine andere Sichtweise auf das scheinbar Offensichtliche ein. Holmes zeigt dabei sehr detailliert auf, welche Fallen der Polizei dabei gestellt wurden, welche Ungereimtheiten es gibt, was in typischer Manier für die bekannte Figur geraten ist – genauso wie seine süffisante Art, seinen engstirnigen Mitmenschen vor den Kopf zu stoßen. Der Fall ist gut konstruiert, in der Ausführung kurzweilig, aber nicht sonderlich aufregend geraten. Es gibt keine unerwarteten Wendungen, der Hörer kann sich aufgrund des Verlaufs der Handlung schon einige Dinge zusammenreimen. Der ganz große Wow-Effekt bleibt also aus, es bleibt aber eine sehr solide und hörenswerte Episode mit dem Flair der Figur, die hier auch gut ohne Watson funktioniert.

Martin Bross ist in dieser Episode als Kriminalassistent Wolter zu hören und macht seine Sache sehr gut, gibt den engagierten Gesetzeswächter einen gradlinigen und loyalen Ausdruck, kann aber auch den eher lockeren Unterton der Folge gut aufgreifen. Frank Schaff spricht seinen Vorgesetzten Inspektor Kirsch mit Nachdruck und einer polternden Art, was zu dem kurzsichtigen Mann sehr gut passt, auch seine konsternierte Art bei der Auflösung fügt sich stimmig ein. Santiago Ziesmer gibt sich als bestohlener Adeliger hochnäsig und mit blasiertem Auftreten, was einen interessanten Kontrast zu seiner sehr speziellen Klangfarbe steht. Weitere Sprecher sind Oliver Stritzel, Tobias Schmidt und Tobias Nath.

Dezent, aber durchaus immer präsent, so präsentiert sich die akustische Umsetzung der Serie und auch dieser Episode. Die Betonung liegt dabei auf vielen Hintergrundgeräuschen, die das Leben im Hotel stimmig zusammensetzen – andere Schauplätze kommen auch gar nicht in die Handlung vor. Und auch musikalisch wird wieder ruhige, aber passend eingebundene Kost geboten.

Dass auf dem Cover dieser Episode ein leuchtend roter Edelstein prangt, mag bei diesem Titel kaum überraschen. Diese eher schlichte Idee kommt mit dem Funkeln des Steines und dem daraus resultierenden Kontrast zum schwarzen Hintergrund sehr gut zur Geltung. Im Inneren ist neben den einleitenden Worten von Markus Winter auch ein kleines Porträt von Martin Bross zu finden.

Fazit: Nach der sehr eindringlichen letzten Folge wird hier eine kleine, lockere Geschichte ohne große Dramatik erzählt, die dennoch eine dichte Atmosphäre mit dem typischen Flair der Serie vermittelt. Holmes ist dabei sehr gut getroffen, die Idee hinter der Folge unterhaltsam geraten, die Dialoge kurzweilig und stimmig.

VÖ: 31. Mai 2019
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662235


Sherlock Holmes Chronicles – 62. Der Artillerist im Ruhestand



In einem Wald wird ein menschlicher Schädel aufgefunden, in den zahlreiche Nägel eingeschlagen wurden. Sherlock Holmes ist natürlich sofort alarmiert ob der Grausamkeit der Tat und versucht gemeinsam mit dem medizinischen Wissen von Dr. Watson, mehr über den Fall herauszufinden. Erste Hinweise bekommt er bereits durch die Umgebung, in der der Schädel gefunden wurde und wo früher Kohle abgetragen wurde...

Klaus-Peter Walter ist seit Beginn der „Sherlock Holmes Chronicles“ und steuert höchst unterschiedliche Geschichten um den bekannten Meisterdetektiv bei. Die 62. Episode mit dem Titel „Der Artillerist im Ruhestand“ startet beispielsweise gleich mit einer eindrucksvollen Szene, die die Brutalität der Folge gleich andeutet. Natürlich sind hier keine heftigen Splatterszenen zu erwarten – das würde auch kaum zu der gediegenen Szenerie der Holmes-Geschichten passen – doch der grausame Tod des Opfers wird recht explizit beschrieben, die Leiden vor dem Tod sorgen schon für ein mulmiges Gefühl. Das ist eine recht neue Zutat für die Serie, die bestens funktioniert und ihr eben eine prickelnde Note verleiht. Der Aufbau ist ansonsten eher klassisch und kommt ohne um Aufmerksamkeit heischende Szenen aus, die Ermittlungen verlaufen ruhig und sind so spannend, weil die Hintergründe der Tat häppchenweise ausgeführt werden. Hier spielen weitere sehr gelungene Elemente mit ein, beispielsweise wird mit dem psychischen Zustand eines der Charaktere gespielt. Wie sich die verschiedenen Hinweise zusammensetzen bleibt bis zum Schluss in einer großen Überführungsszene offen, was sehr aufregend inszeniert wurde und die bisherigen Hinweise gekonnt kombiniert. Eine sehr starke Episode der Serie, die mich von Anfang an gefesselt hat.

Marios Gavrillis ist in dieser Episode als Finley Lampard zu hören, der seine Szene mit einer sehr präsenten Sprechweise bereichert. Er passt sich sehr gut den vorherrschenden Atmosphären an und bringt die Gefühlslage des Mannes gekonnt herüber. Freimut Götsch spricht die Rolle des Colonello Gaviale ebenfalls sehr intensiv und zeichnet die Dynamik der Geschichte nach, wobei er die jeweilige Situation immer sehr treffend erfasst. Torsten Münchow ist in einem kurzen Gastspiel als Mycroft Holmes zu hören, sein Auftreten ist präsent und markant, wobei er die bekannte Figur auf seine eigene Art interpretiert. Weitere Sprecher sind Markus Pfeiffer, Herbert Schäfer und Bernd Vollbrecht.

Auch in der akustischen Umsetzung merkt man die etwas härtere Gangart der Folge an, besonders die musikalische Untermalung wirkt dabei etwas präsenter als sonst. Während der spannenderen Szenen werden immer wieder kleine Melodien eingebaut, die gekonnt Akzente setzen. Dennoch wird von dem Grundkonzept auch hier nicht zu sehr abgewichen, sodass es auch ruhigere Momente am prasselnden Kamin gibt.

Der Schädel mit den vielen Metallnägeln ist als zentrales Motiv der Episode auch auf dem Cover gelandet, in erdigen Tönen gehalten und wirkt etwas verwaschen, um der grausigen Darstellung etwas Schärfe zu nehmen. Das gefällt mir sehr gut und passt auch wunderbar zu dem ausladenden Schriftzug und dem wie immer rein schwarzen Hintergrund.

Fazit: Sherlock Holmes wird hier mit einigen Facetten angereichert, die eher ungewöhnlich sind und fast schon Anleihen an Psychothriller haben, was aber sehr gut zu der Serie passt und für eine aufregende Episode sorgt. Starke Charaktere, eine packende Auflösung und dennoch der eher ruhige Grundtenor der Chronicles – eine sehr hörenswerte Episode, die mich schnell gepackt hat.

VÖ: 26. April 2019
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662228


Sherlock Holmes Chronicles – 61. Sechsmal Napoleon



Bei einem seiner regelmäßigen Besuche bei Sherlock Holmes berichtet Insector Lestrade von einem eher lästigen Fall, der jedoch unversehens die Aufmerksamkeit des Meisterdetektivs erweckt. Denn die Serie an Diebstählen von Statuen des Napoleon, die anschließend zerstört werden, ist skurril genug, um interessante Ermittlungen zu versprechen. Doch Holmes ahnt nicht, was seine Recherchen alles nach sich ziehen würden...

Viele neu erdachte Fälle sind in den „Sherlock Holmes Chronicles“ von WinterZeit zu hören, doch immer wieder freue ich mich auch, eine der originalen Fälle aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle zu hören – so auch wieder in der 61. Episode, die „Sechsmal Napoleon“ umsetzt. Den Klassikern merkt man auch an, dass es Klassiker sind, sie entfernen sich doch recht weit von den heutigen Hörgewohnheiten und sind weniger komplex und vielschichtig. Dass diese Folge dennoch einen so hohen Unterhaltungswert besitzt, liegt an zwei Dingen: Einerseits harmonieren die Figuren einfach gut miteinander. Neben dem Gespann aus Holmes und Watson ist das hier vor allem Inspector Lestrade, der mit seiner leicht grobschlächtigen Art einen gelungenen Kontrast zum scharf- und feinsinnigen Holmes bietet. Andererseits ist die Geschichte einfach stark durchdacht und bietet einen Hintergrund, bei dem es Spaß macht, diesen langsam zu erkunden. Immer näher kommt Holmes bei seinen Ermittlungen dem Täter, immer neue Spuren halten den Fall lebendig. Dabei ist die Umsetzung auch sehr gelungen: Statt neue Informationen in Dialogform zu präsentieren, werden diese von verschiedenen Sprechern in Kurzform erzählt, wie man vielleicht die Mitschrift ihrer Aussage bei der Polizei erwarten würde. Das ist ein ganz neuer Stil in der Serie, die dem so klassischen Fall noch einen modernen Anstrich verleiht und „Sechsmal Napoleon“ zu einer hörenswerten Produktion machen – nicht nur für Holmes-Puristen.

Die Sprecher überzeugen in dieser Episode einmal mehr, wobei mir Bernd Vollbrecht als Inspector Lestrade wieder sehr gut gefallen hat. Seine markante Stimme nimmt hier wieder einen eher kühlen Ausdruck an, was der Figur Kontur und der Folge Lebendigkeit verleiht. Gerrit Schmidt-Foß punktet als Parker mit einer weiteren Facette seines Klanges und schafft – trotz der eher kurzen Zeit seines Auftrittes – eine Figur, die positiv im Gedächtnis haften bleibt. Oliver Baumann ist als Hudson zu hören, auch er steuert einen überzeugenden Beitrag zum Gelingen des Hörspiels bei. Weitere Sprecher sind Wolfgang Wagner, Uwe Büschken und Thomas Petrou.

Die Umsetzung der Folge ist sehr sicher geraten – was man nach über 60 Episoden ja auch erwarten kann. Kleine Melodien lockern einige Dialoge auf, größere sind während der Erzähltexte oder Szenenübergänge zu hören, die Geräusche mischen sich sehr stimmig in die Handlung hinein. Klassischer Stil für die Serie ohne große Überraschungen, die es hier aber auch nicht braucht.

Eine der Büsten des bekannten und titelgebenden Feldherren ist auf dem Cover zu sehen, mit markantem Gesichtsausdruck und gräulich eingefärbt passt das gut zur Episode und ist sehr ansehnlich gelungen. Im Inneren gibt es wie immer einen einleitenden Text zur Entstehung der Episode und einen kleinen Ausblick auf das Kommende.

Fazit: Ein Original von Sir Arthur Conan Doyle, welches hier sehr gelungenen und mit kleinen neuen Elementen an das Medium Hörspiel und aktuelle Hörgewohnheiten angepasst wurde. Die Stimmung ist dabei dicht, die Charaktere markant und der Unterhaltungswert hoch, sodass mir „Sechsmal Napoleon“ sehr gut gefallen hat.

VÖ: 22. März 2019
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662211


Sherlock Holmes Chronicles – Das goldene Osterei (Oster-Special)



Kurz nachdem Sherlock Holmes zum Osterfest sowohl sein erstaunliches medizinisches Wissen bewiesen hat als auch bei Watson für eine ganz besondere Überraschung gesorgt hat, kommt ein Mitglied des britischen Hochadels auf ihn zu, um ein ganz besonderes Ei zu finden. Denn der Prototyp der bekannten Faberge-Eier ist aus seinem Besitz verschwunden...

Nach mehreren Weihnachts- und einem Halloween-Special überrascht WinterZeit seine Hörer mit einer weiteren Sonderfolge der „Sherlock Holmes Chronicles“, das dieses Mal ein österliches Thema hat. Das wird aus drei unterschiedlichen Perspektiven angegangen, was gleich zwei sehr unterhaltsame Introszenen mit sich bringt. Eine ungewöhnliche Auferstehung, die erst gegen Ende aufgelöst wird, sowie eine sehr heitere Episode mit zwei Ostereiern sind ein sanfter und sehr unterhaltsamer Einstieg in die eigentliche Handlung, die sich um die berühmten Faberge-Eier dreht. Die Szenerie um den adeligen Mann wird dabei gekonnt aufgebaut, wobei besonders bei Watson ein Hang zum Klatsch und Tratsch der damaligen Zeit nicht zu leugnen ist, was immer wieder charmant und humorvoll aufgegriffen wird. Auch ansonsten präsentiert sich diese Folge eher locker, kein Mord, keine Bedrohung, kein Zeitdruck. Aber es gibt dafür viele sehr charmante Einschübe, beispielsweise die bissigen Bemerkungen von Holmes oder das Kräftemessen zwischen ihm und das Andeuten einiger bekannter Persönlichkeiten im historischen Kontext. Und auch die Herangehensweise an die ganz besondere Eiersuche hat mir äußerst gut gefallen und sorgt für einen kurzweiligen Verlauf der Handlung, die dann auch endet, wie sie startet: Mit sehr unterhaltsamen, nur lose mit dem eigentlichen Fall verbundenen Szenen, die den Charme der Figuren mit sehr gelungenen Dialogen kombinieren.

Es sind gerade einmal vier Sprecher, die für dieses Hörspiel notwendig sind, wobei Margot Rothweiler aus terminlichen Gründen Viola Sauer als Mrs. Hudson vertreten hat und nur wenige Sätze spricht – das aber sehr überzeugend. Hervorragend ist Lutz Mackensy als adeliger Hilfesuchender, er spricht sehr markant, präsent und mit einer wunderbar hochnäsigen Art, gemeinsam mit dem wachsenden Respekt seiner Figur Holmes gegenüber wird seine Stimme aber auch weicher und zugänglicher. Dieser wird natürlich wieder von Till Hagen gesprochen, der wieder den feinen Witz der Figur unterstreicht und ebenso seinen Scharfsinn und seinen vielseitigen Wissensdurst zur Geltung bringt. Tom Jacobs überzeugt einmal mehr in der Rolle des John Watson, er hat hörbaren Spaß an der eher lockeren Ausstrahlung der Folge und lässt sich vollkommen auf seine Rolle ein.

Die akustische Umsetzung ist wieder sehr dezent geraten, was sehr gut zur Stimmung der Folge passt. Dafür wurden während einiger Dialoge sanfte Melodien eingespielt, die sich aber nicht in den Vordergrund drängen und die Stimmung nur sanft beeinflussen. Auch die Geräusche sind hier nur ab und an leise eingesetzt, lassen die Szenen aber durchaus lebendig wirken.

Natürlich ist eines der aufwendig verzierten Faberge-Eier auf dem Cover abgebildet, inmitten eines bläulich schimmernden Glanzes kommen die goldenen Linien mit den Edelsteinen sehr gut zur Geltung. Die drei wichtigsten Sprecher der Folge sind zudem – ähnlich wie bei einem Kinoplakat – direkt vorn genannt. Diese werden im Inneren des Booklets noch mit einer kurzen Biografie vorgestellt und durch einen einleitenden Text von Markus Winter ergänzt.

Fazit: Das Oster-Special der Serie präsentiert sich sehr charmant und mit viel Wortwitz und bissigen Kommentaren, zudem mit einigen sehr liebevoll gestalteten Szenen, die mit dem eigentlichen Fall nur lose zusammenhängen. Aber ich mag gerade diese Entspanntheit der Folge sehr gern, die sich als sehr unterhaltsam und bestens zu der Serie passend entpuppt.

VÖ: 22. März 2019
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960661870


Sherlock Holmes Chronicles – 60. Der Albtraum-Express



Es ist immer die gleiche Strecke, auf der Passagiere der Eisenbahn spurlos verschwinden – von einem Moment auf den anderen. Das erregt so langsam das Interesse der Öffentlichkeit, sodass die Regierung eingreifen muss. Und so beauftragt niemand anderes als Mycroft Holmes seinen Bruder Sherlock mit den Ermittlungen, der erste Spuren tief in der Vergangenheit der Verschwundenen findet...

Natürlich sind Sherlock Holmes und Doktor Watson die mit Abstand bekanntesten Figuren aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle. Doch auch andere seiner Charaktere haben durch die ungebrochene Faszination für den Meisterdetektiv Kultstatus erlangt, beispielsweise sein Bruder Mycroft, der im geheimen Auftrag der Regierung arbeitet. In der 60 Episode der „Sherlock Holmes Chronicles“ von WinterZeit hat dieser wieder einen Auftritt und bringt Sherlock auf den aktuellen Fall, hat aber auch am Ende noch einmal einen großen Auftritt – nicht die einzige Figur, die der Episode ihren Stempel aufdrückt, den ein geheimnisvoller neuer Gegenspieler hat hier seinen ersten Auftritt und sorgt gleich für eine eingängige Atmosphäre, die über ihn herum aufgebaut wird. Das allein ist schon hörenswert, wird aber auch durch eine gelungene Handlung unterstützt. Die Introszene lässt den Hörer hautnah beim Verschwinden eines Passagiers dabei sein, anschließend geht es ruhiger zu, wenn der Detektiv sich in gewohnter Marnier einen Überblick über die bisherigen Ereignisse verschafft. Angereichert wird dies mit einer Verletzung von Holmes, die er eigentlich auskurieren sollte, bis es zu den eigentlichen Ermittlungen geht, die natürlich auch an den Ort des Verschwindens führen. Das ist sehr gelungen und baut immer mehr Spannung auf, präsentiert wenige, dafür umso prägnantere Wendungen und eine Handlung auf mehreren Ebenen, die bis in die Vergangenheit zurückreicht und so eine Vielzahl an Ereignissen miteinander verknüpft. Das ist gut gelungen, kann die Spannung aber nicht über die gesamte Laufzeit von 70 Minuten halten und hat manchmal etwas Leerlauf. Insgesamt ist aber eine sehr stimmige und unterhaltsame Folge gelungen.

Die Besetzung der Folge ist wieder sehr überzeugend, wobei Oliver Feld erstmals als Mycroft Holmes zu hören ist. Seine markante Stimme nimmt einen sehr präsenten und nüchternen Klang an, was sehr gut zu der Rolle passt und gelungene Akzente setzt. Cathlen Gawlich ist in dieser Episode als Sophie Chandler zu hören, ihre klare Stimme setzt sie wie gewohnt sehr professionell ein und überzeugt damit auf ganzer Linie. Frank Felicitti ist ebenfalls in einer Gastrolle mit dabei, die er mit viel Energie und einer eingängigen Betonung vorträgt. Weitere Sprecher sind Hans Hohlbein, Jannick Endemann und Lutz Mackensy.

Die musikalische Gestaltung der Folge hat mir dieses Mal ausnehmend gut gefallen, immer wieder sorgen die Melodien, gespielt auf klassischen Instrumenten, für eine sehr getragene Atmosphäre. Dabei wird die vorherrschende Stimmung gekonnt aufgegriffen und verfeinert. Die Geräusche fügen sich ebenso stimmig in das Gesamtbild ein, neben dem unvermeidlichen Knistern des Kamins im Haus von Mrs. Hudson bis zum Rattern des Zuges ist der Hintergrund gekonnt gestaltet.

Das Cover zeigt den fahrenden Albtraum-Express, der durch die Landschaft fährt und eine schwarze Rauchwolke ausstößt. Das Motiv wird durch zahlreiche ansehnliche Details ergänzt und durch die rötliche Farbgebung stimmungsvoll eingekleidet. Das Innere enthält neben der lesenswerten Einleitung von Markus Winter noch die bekannten Fotos und Texte zu den beiden Hauptsprechern.

Fazit: Das Rätsel um dem Albtraum-Express wird gekonnt aufgebaut und erfährt in vielen stimmig umgesetzten Szenen ein gut zusammen gesetztes Bild. Zwar kann die Spannung dabei nicht durchgängig gesteigert werden, insgesamt ist die Erzählweise aber clever und trickreich. Die Charaktere kommen hier besonders gut zur Geltung – selbst wenn die selbst gar nicht in Erscheinung treten.

VÖ: 8. Februar 2019
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-96066-129-0


Sherlock Holmes Chronicles – Der kopflose Reiter (Halloween-Special)



Durch Zufall wird in einer Londoner Seitenstraße eine Leiche gefunden, der sämtliche Extremitäten abgetrennt wurden. Bei ihren Ermittlungen stoßen Sherlock Holmes und Dr. Watson auf Itchabold Crane, dessen Name Watson direkt an die Geschichte um Sleepy Hollow erinnert. Doch wie eng die Legende und der aktuelle Fall verbunden sind, mag selbst der Meisterdetektiv zu Anfang nicht ahnen...

Bisher haben sich die Special-Folgen der „Sherlock Holmes Chronicles“ auf Geschichten passend zu Weihnachten beschränkt, 2018 ist nun eine Folge rund um Halloween entstanden. Ausdrücklich zum Gruseln gedacht taucht hier nicht nur der unheimliche kopflose Reiter aus der „Sleepy-Hollow“-Geschichte auf und sorgt für einige sehr gruselige Momente, auch der Mordfall in dieser Episode ist deutlich brutaler als von der Serie gewohnt. Dennoch ist ein lupenreiner Kriminalfall entstanden, der am Ende ohne übernatürliche Elemente auskommt und streng logische Erklärungen für die Ereignisse findet, die mit deutlichem psychologischen Einschlag faszinierend geraten ist. Die Ermittlungen des bekannten Duos werden nicht nur durch immer neue Ereignisse verschärft und lebendig gehalten, sondern auch mit dem typischen Humor der Serie gespickt. Die kleine Kabbeleien zwischen Holmes und Watson sorgen für einige amüsante Momente und Auflockerung. Mir gefällt, wie auch der Meisterdetektiv selbst lange im Dunkeln tappt und auch der Hörer lange Zeit nicht ahnt, in welche Richtung sich die Handlung entwickeln wird. Das lässt Platz für einige unerwartete Wendungen und eine spannende Handlung, sodass mit „Der kopflose Reiter“ äußerst gut gefallen hat.

Timmo Niesner ist in dieser besonderen Episode als Itchabold Crane zu hören, den er sehr intensiv spricht und feine Facetten herausarbeitet. So bekommt diese wichtige Figur einen sehr lebendigen Ausdruck, wobei er auch die rätselhafte Stimmung gekonnt aufgreift. Engelbert von Nordhausen setzt seine prägnante Stimme hier als Sullivan wieder sehr geschickt ein und hat nichts von seiner Spielfreude verloren, was für eine weitere interessante Figur sorgt. Frank Felicetti bringt als Dr. Adler eine sehr passende Sprechweise mit und sorgt für einen wissenschaftlichen Anklang, der sehr authentisch wirkt. Weitere Sprecher sind Hans Hohlbein, Jan Spitzer und Luisa Wietzorek.

Passend zum Halloween-Thema geht es auch musikalisch hier etwas düsterer zu, die eingesetzten Melodien sind düster und schaffen eine unheimliche Grundstimmung. Jedoch ohne die Atmosphäre der Serie zu überlagern, es werden eher neue Facetten herausgearbeitet. Die Geräusche haben ihren festen Platz und sind sehr stimmig in die Handlung eingefügt.

Das Cover zu dieser Folge könnte auch zu einem Gruselhörspiel gehören, die bedrohliche Stimmung mit dem riesigen Vollmond im Hintergrund und den kahlen Ästen ist sehr ansprechend. Im Mittelpunkt steht jedoch der Schatten des hoch aufragenden kopflosen Reiters, der eine Doppelaxt schwingt – sehr ansprechend. Im Inneren blickt Produzent Markus Winter noch einmal auf die besonderen Episoden der Chronicles zurück.

Fazit: Der deutlich gruselige Einschlag dieser Folge wird sehr gelungen mit der streng logischen Hauptfigur verbunden, beides funktioniert bestens miteinander. Der psychologische Anklang, viele starke Figuren und ein Ermittlerduo in Hochform machen aus „Der kopflose Reiter“ ein sehr hörenswertes Hörspiel, Autor James A. Brett hat wieder ordentlich abgeliefert.

VÖ: 14. September 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6114-6


Sherlock Holmes Chronicles – 59. Der goldene Kneifer



Inspector Lestrade hat scheinbar alle Regeln befolgt, die Sherlock Holmes bei seinen Tatortsbesichtigungen berücksichtigt. Dennoch muss er die Hilfe des Meisterdetektivs in Anspruch nehmen, denn für den Mord an einem jungen Mann scheint es keinen triftigen Grund zu geben. Neben dem fehlenden Motiv gibt aber auch der Tathergang Rätsel auf...

Nach vielen Folgen mit neuen Geschichten für Sherlock Holmes geht es in den „Chronicles“ in der 59. Episode wieder mit einem Klassiker aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle weiter: „Der goldene Kneifer“. Dabei handelt es sich um eine jener Geschichten, die an sich nicht sonderlich komplex sind, aber mit der feinen Beobachtungsgabe des Detektivs spielt. Auftraggeber ist dieses Mal Inspektor Lestrade, sodass der anfängliche Bericht sich erst einmal um die groben Umrisse der Tat dreht. Die genaueren Details werden erst mit den Ermittlungen von Holmes und dessen Befragungen berichtet, sodass sich der Hörer langsam ein komplettes Bild machen kann. Die Beobachtungen von Holmes werden dabei erst im Nachhinein aufgedröselt, sodass er dem Hörer immer einen Schritt voraus ist, was dann schlussendlich für die Spannung sorgt. Die Charaktere und deren Beziehungen kommen gut zur Geltung, die Fragestellungen sind vielseitig, die Tricks der Hauptfigur clever durchdacht, sodass die Episode trotz der vertrauten Szenerie abwechslungsreich wirkt. Die Auflösung des Ganzen kommt zwar etwas plötzlich, da in schneller Zeit viele neue Informationen fließen, ist aber auch sehr unterhaltsam geraten. Gute 50 Minuten Laufzeit sind das richtige Maß für diese Geschichte, die gelungen umgesetzt wurde.

Das liegt natürlich auch am wundervollen Till Hagen, der die Rolle des Sherlock Holmes mit sprödem Charme und bissiger Zunge umsetzt und dabei wieder schnell die Sympathien der Zuhörer auf seiner Seite hat. Bernd Vollbrecht hat als Inspector Lestrade wieder mal eine größere Rolle und gibt den etwas tollpatschigen und einfältigen Polizisten mit prägnanter Stimme und robustem Auftreten. Andrea Aust spricht in dieser Episode die Rolle der Mrs. Marker und fügt der Handlung dabei einige neue und gelungene Facetten hinzu. Weitere Sprecher sind Yvonne Greitzke, Oliver Stritzel und Kaya-Marie Möller.

Der Verlauf dieser Folge ist eher ruhig, Actionszenen oder allzu dramatische Wendungen kommen nicht vor, was sich dann auch in der akustischen Gestaltung niederschlägt. Die Ausstattung mit Geräuschen ist vielseitig und passend, wobei vor allem die Handlungen der Protagonisten gut untermalt werden. Der Einsatz von Musik ist etwas zurückgefahren, die eingebauten Melodien halten sich eher im Hintergrund, unterstützen die Handlung aber gut in ihrer Wirkung.

Das Cover zeigt zwar keine explizite Szene aus der Handlung, ist mit so einigen Elementen gespickt, die eine wichtige Rolle spielen. Das Konterfei des berühmten Detektivs mit recht kühlem Gesichtsausdruck lenkt dabei dennoch die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Im einleitenden Text widmet sich Markus Winter dieses Mal einem Rückblick und einem Ausblick auf das noch Kommende.

Fazit: Ein weiteres Original aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle in einer treffenden und gut gemachten Umsetzung. Die Charaktere kommen gut zur Geltung, ebenso wie der Verlauf flüssig und unterhaltsam geraten ist. Mir gefällt, wie der Fokus langsam auf die entscheidenden Details gelenkt wird und so langsam ein komplettes Bild entsteht.

VÖ: 14. Dezember 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-96066-060-6


Sherlock Holmes Chronicles - 58. Das Vier-Pfeifen-Problem



Professor van Dusen, gemeinhin nur „Die Denkmaschine“ genannt, sendet Sherlock Holmes eine Einladung zu einem Dinner, wo er seinen neuesten Fall aufklären möchte. Die illustre Gesellschaft kommt jedoch nicht in den Genuss, der Entlarvung eines Mörders beizuwohnen, da van Dusen zuvor tot zusammenbricht. Natürlich ist der Ehrgeiz von Holmes angefacht, nicht nur den Mord an dem amerikanischen Amateurkriminologen aufzuklären, sondern auch dessen Fall zu lösen...

Autor Michael Koser hat für die Originalserie seines „Professor van Dusen“ bereits ein Zusammentreffen mit Sherlock Holmes arrangiert, damals noch mit ziemlich parodistischem Hintergrund. In der 58. Folge der „Sherlock Holmes Chronicles“, die nach einer Vorlage von James A. Brett umgesetzt wurde, wird dieser Spieß nun umgedreht und der amerikanische Kollege von Holmes gleich umgebracht. Genau diese Szene ist dann auch direkt an den Anfang gestellt, sodass die Handlung schnell an ihrem Kern ankommt und das Interesse des Zuhörers schnell geweckt wird. Die dargebotene Szenerie ist in der Tat interessant arrangiert, auch einige durchaus humorvolle Kommentare in Bezug auf die Ähnlichkeit der beiden Detektive wissen immer wieder zu gefallen. Die Ermittlungen sind hier gerade zu Anfang ziemlich temporeich erzählt, da Hutchinson Hatch (der natürlich auch auftaucht) schon recht viele Hinweise geben kann – nur eben keine entscheidenden. Auch das zweite Zusammentreffen der anfänglichen Gesellschaft liefert viele weitere Erkenntnisse, die gekonnt aufbereitet sind und von einigen sehr spannenden und unheimlichen Szenen fortgeführt werden. Wie Holmes die Hinweise kombiniert und so langsam der Tat auf die Spur kommt, wird später kleinteilig und unterhaltsam aufbereitet, da warten so einige Überraschungen auf den Hörer. Mit zunehmender Laufzeit steigt die Dynamik der Folge immer weiter, die mir insgesamt wieder sehr gut gefallen hat.

Engelbert von Nordhausen spricht in dieser Geschichte die Rolle des Professor van Dusen und versieht ihn mit der notwendigen Portion Arroganz und Scharfsinn, sodass er die wesentlichen Wesenszüge der bekannten Figur sehr lebendig inszeniert. Jannik Endemann hat mich als Hutchinson Hatch ebenfalls vollkommen überzeugt, seine treffende und lebendige Sprechweise und die charmante Schusseligkeit des Reporters sorgen für einige sehr unterhaltsame Momente. Nicole Hannak ist als Madame Maigret zu hören, die ihre Szenen präzise und mit sehr passendem Ausdruck spricht. Weitere Sprecher sind Sven Gerhardt, Bastian Sierich und Marion Musiol.

Auch in dieser Episode funktioniert das Sounddesign der Serie sehr gut, das mit stimmungsvoller Musik auch hier für eine passende Atmosphäre sorgt. Die Szenenübergänge und manche Dialoge sind damit ausgestattet und lassen den Hörer völlig in die Handlung eintauchen. Auch die Geräusche sind immer sehr passend und mit dem richtigen Timimg eingebaut.

Das Motiv des Cover ist bei dieser Folge recht schlicht gewählt, Sherlock Holmes ist mit seiner typischen Kappe in der Rückansicht in einer Gasse Londons zu sehen. Die Erdtöne passen wieder sehr gut dazu, gemeinsam mit dem geschwungenen Schriftzug ist ein ansehnlich, aber wenig individuelles Cover entstanden. Im Inneren schreibt Markus Winter wieder einige Gedanken zu der Folge und insbesondere zu Professor van Dusen nieder.

Fazit: Das Zusammentreffen der beiden bekannten Figuren ist überraschend – und das auf gleich mehreren Ebenen. Denn den Hörer erwarten immer wieder Wendungen, die das Geschehen am Laufen halten. Die Szenerie ist sofort packend, der Verlauf kurzweilig, die Charaktere treffend umgesetzt. Besonders das mehrmalige Zusammentreffen der anfänglichen Runde ist sehr gelungen.

VÖ: 30. November 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6059-0


Sherlock Holmes Chronicles – 57. Die Katakomben von Paris



Nachdem Sherlock Holmes die Reichenbach-Fälle heruntergestürzt ist, findet er unter falschen Namen Zuflucht in einem Landhaus nahe Paris Unterschlupf – und in David Tristram einen neuen Gefährten. Als ihm ein altes Tagebuch angeboten wird, wittert er seine Chance, einem alten Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen, da es von seiner Großmutter verfasst wurde. Doch bevor es zur Übergabe kommt, ist der Besitzer des wertvollen Buches tot...

Die zeitliche Einordnung der vielen neu geschriebenen Fälle für Sherlock Holmes orientiert sich meist an Kleinigkeit, beispielsweise indem Bezug zu einem früheren Fall genommen wird. Etwas anders tickt da „Die Katakomben von Paris“ aus der Feder von Franziska Franke, die ihre Geschichte bewusst in der Zeit ansiedelt, die bei Arthur Conan Doyle ein schwarzes Loch ist: Von seinem angenommenen Tod bis zu seiner Rückkehr nach London. Aus diesem Grund wird er hier auch nicht von Watson begleitet, sondern von David Tristram, der vielleicht nicht ganz so charmant ist wie der ehemalige Militärarzt, sich aber durchaus in einem ebenso wohlgesonnenen wie zwiespältigen Verhältnis zu dem bekannten Detektiv befindet und sich einige liebevolle Wortgefechte mit ihm liefert. Die Chemie zwischen den beiden funktioniert, ebenso wie die neuen Lebensumstände von Holmes interessant und ausführlich aufbereitet werden. „Ausführlich“ gilt auch für die gesamte Folge, mit satten 171 Minuten ist sie deutlich länger als die meisten anderen Episoden. Langeweile kommt dabei dennoch nicht auf, denn neben den bereits beschriebenen, lockeren Szenen zwischen den beiden Hauptfiguren kann auch die Handlung sehr überzeugen. Einerseits natürlich, weil der Fall um das Tagebuch seiner Großmutter sehr nahe an die immer etwas distanziert wirkende Figur des Sherlock Holmes heranrückt. Aber auch, weil Aufbau und Spannung sehr gelungen vorangetrieben werden. Die Handlung ist komplex, vielschichtig und orientiert sich wie so oft an den genauen Beobachtungen von Holmes. Der Verlauf ist abwechslungsreich und führt über ganz verschiedene Stationen eben bis in die „Katakomben von Paris“, wo es weitere entscheidende Hinweise gibt. Eine sehr lohnenswerte Episode der Serie, die sich nicht mal eben nebenbei konsumieren lässt, sondern Aufmerksamkeit und Zeit braucht.

Olaf Reitz übernimmt folgerichtig nicht nur die Rolle des David Tristram, sondern auch die Erzählparts. Beides macht er mit einer präzisen Ausdrucksweise und lebendigem Klang, wobei auch das besondere Verhältnis zu Holmes gut zur Geltung kommt. Marius Claren ist in dieser Episode als Commissaire Legrand zu hören, der wunderbar in die geheimnisvolle und düstere Szenerie passt und ihn in den verschiedenen Szenen sehr treffend darstellt. Natascha Geisler spricht die Rolle der Madame Carriere mit einer großen Präsenz, sodass diese Rolle ihren festen Platz im Gefüge der Handlung hat. Weitere Sprecher sind Kaspar Eichel, Gerald Schaale und Uschi Hugo.

Wie immer ist diese Folge von WinterZeit sehr sorgsam inszeniert und überzeugt in dieser Episode besonders mit der sehr gut eingebauten Musik. Diese geht auf den französischen Spielort gelungen ein, beispielsweise durch ein einsam spielendes Akkordeon. Das ist nicht aufdringlich oder flach, bringt aber in genau dem richtigen Maße eine eigenständige Einfärbung. Die Geräusche sind sehr gut platziert und verleihen den Szenen mehr Lebendigkeit.

Eine dunkle Gasse in der Pariser Innenstadt mit Blick auf den Eiffelturm ist auf dem Cover zu sehen, die den Mord eines finster dreinblickenden Mannes in schauriger Stimmung zeigt. Das Innere enthält nicht nur weitere Informationen zu Olaf Reitz, sondern auch zu Autorin Franziska Franke. Dafür fehlt der sonst immer so kurzweilige Einleitungstext zu der Folge.

Fazit: Diese Folge ist besonders – nicht nur wegen der recht langen Laufzeit, sondern auch das Eintauchen in diese bisher eher unbekannte Episode aus Holmes Leben ist sehr interessant geraten. Der Fall, an dem Holmes hier ermittelt, punktet mit dem engen Bezug zum Detektiv selbst und durch die komplexe, spannend erzählte Handlung. Holmes kommt dabei mit Charme und Gewitztheit gut zur Geltung.

VÖ: 23. November 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-9437-3286-3


Sherlock Holmes Chronicles – 56. Die Akte Ludwig II.



Die Bekanntheit von Sherlock Holmes als Meisterdetektiv ist längst über die englischen Landesgrenzen getreten, sodass sogar ein waschechter Bayer seine Hilfe sucht. Xaver Wanninger weckt sein Interesse mit einer sehr ungewöhnlichen Geschichte: Er hat sein Gedächtnis verloren und kann sich nicht erklären, woher seine frischen Operationsnarben stammen. Doch mehr noch: Im Gegensatz zu alten Fotos hat er nun eine unverkennbare Ähnlichkeit mit dem verstorbenen König Ludwig II....

Viele Geschichten der „Sherlock Holmes Chronicles“ sind nicht exklusiv für diese Reihe entstanden, sondern wurden von bereits veröffentlichten Handlungen adaptiert. In der 56. Episode ist dies anders, hier handelt es sich um eine Auftragsarbeit, die nach einer Idee von Markus Winter von James A. Brett verfasst wurde. Und dabei steht mit dem Märchenkönig Ludwig II. nicht nur eine real existierende, sondern auch sehr faszinierende Persönlichkeit im Mittelpunkt, ohne jedoch selbst aufzutauchen. Die Ereignisse spielen nach dem rätselumwitterten Tod des bayrischen Herrschers und stellen eine merkwürdige, fast schon bizarre Szenerie an den Anfang. Dass es für einen Mann ohne Gedächtnis und einer kürzlich vorgenommenen Schönheitsoperation auch eine außergewöhnliche Auflösung geben muss ist klar, was aber anfangs seltsam klingen mag, entpuppt sich als durchaus gut durchdacht und spannend erzählt. Die Ermittlungen führen über weitere gelungenen Ideen mit Bezug zu einem nicht minder bekannten Komponisten und mehrere unterschiedliche Stationen und markanten Szenerien zu einem überraschenden, aber stimmigen Schluss. Diese Folge entfernt sich schon deutlich von den streng logischen und bodenständigen Ideen Sir Arthur Conan Doyles und ist für Puristen vielleicht nicht die beste Wahl – allein schon, weil nicht alle Geheimnisse restlos aufgeklärt werden, sondern einiges offen bleibt und in einer mysteriösen Schlussszene noch eine große Überraschung auf den Hörer wartet. Sie bringt aber auch viele frische und ungewohnte Ideen ein, die für einen interessanten und kurzweiligen Verlauf sorgen.

Christian Jungwirth steht in der Rolle des Franz Xaver Wanninger oft im Mittelpunkt und bringt dafür einen glaubhaften, aber nicht übertriebenen bayrischen Akzent mit. Er gestaltet seine Rolle lebhaft und in den verschiedenen Szenerien glaubhaft, was einen sehr guten Gesamteindruck hinterlässt. Jill T. Böttcher spricht als Elsa sehr treffend und vielseitig, sie setzt ihre Stimme dabei sehr zielgerichtet ein, um die Emotionen der Frau glaubhaft zu machen. Corinna Doerenkamp setzt die Rolle der Isolde mit einer prägnanten Sprechweise und viel Authentizität um, sodass ein sehr interessanter Charakter entsteht. Weitere Sprecher sind Kirstin Hesse, Leon Boden und Frank Röth.

Die schillernde Ausstrahlung des Märchenkönigs kommt auch ein wenig in der akustischen Gestaltung zur Geltung, die in Sachen Musik einige sehr dazu passende Melodien präsentiert. Dabei werden nicht nur die Szenenübergänge harmonischer gestaltet, sondern auch einige Dialoge atmosphärischer gestaltet. Die Geräusche sind wieder passgenau und lebendig eingefügt, alles passt sehr gut zueinander.

Ludwig der II. Ist auch auf dem Cover zu sehen, sein Kopf schimmert groß und mit intensivem Gesichtsausdruck über einem seiner prächtigen Schlösser. Ein sehr ansehnliches Cover, welches in seiner typischen Farbgebung gut gestaltet ist. Im einleitenden Text verrät Markus Winter, dass die Idee zur dieser Folge bereits in einem anderen seiner Hörspiele umgesetzt wurde, hier aber noch einmal gründlich überarbeitet wurde.

Fazit: Durch die Einbindung der realen Figur des Ludwig II. ist der Reiz der Handlung von Anfang an sehr hoch, die Szenerie ist durch einige skurrile Ideen aber nicht allzu typisch für die Figur des Sherlock Holmes. Die Geschichte wird flüssig und unterhaltsam erzählt, zumal sich die einzelnen Hinweise interessant gestalten und am Ende überraschend zusammengefügt werden.

VÖ: 5. Oktober 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6058-3


Sherlock Holmes Chronicles – Der kopflose Reiter (Halloween-Special)



Durch Zufall wird in einer Londoner Seitenstraße eine Leiche gefunden, der sämtliche Extremitäten abgetrennt wurden. Bei ihren Ermittlungen stoßen Sherlock Holmes und Dr. Watson auf Itchabold Crane, dessen Name Watson direkt an die Geschichte um Sleepy Hollow erinnert. Doch wie eng die Legende und der aktuelle Fall verbunden sind, mag selbst der Meisterdetektiv zu Anfang nicht ahnen...

Bisher haben sich die Special-Folgen der „Sherlock Holmes Chronicles“ auf Geschichten passend zu Weihnachten beschränkt, 2018 ist nun eine Folge rund um Halloween entstanden. Ausdrücklich zum Gruseln gedacht taucht hier nicht nur der unheimliche kopflose Reiter aus der „Sleepy-Hollow“-Geschichte auf und sorgt für einige sehr gruselige Momente, auch der Mordfall in dieser Episode ist deutlich brutaler als von der Serie gewohnt. Dennoch ist ein lupenreiner Kriminalfall entstanden, der am Ende ohne übernatürliche Elemente auskommt und streng logische Erklärungen für die Ereignisse findet, die mit deutlichem psychologischen Einschlag faszinierend geraten ist. Die Ermittlungen des bekannten Duos werden nicht nur durch immer neue Ereignisse verschärft und lebendig gehalten, sondern auch mit dem typischen Humor der Serie gespickt. Die kleine Kabbeleien zwischen Holmes und Watson sorgen für einige amüsante Momente und Auflockerung. Mir gefällt, wie auch der Meisterdetektiv selbst lange im Dunkeln tappt und auch der Hörer lange Zeit nicht ahnt, in welche Richtung sich die Handlung entwickeln wird. Das lässt Platz für einige unerwartete Wendungen und eine spannende Handlung, sodass mit „Der kopflose Reiter“ äußerst gut gefallen hat.

Timmo Niesner ist in dieser besonderen Episode als Itchabold Crane zu hören, den er sehr intensiv spricht und feine Facetten herausarbeitet. So bekommt diese wichtige Figur einen sehr lebendigen Ausdruck, wobei er auch die rätselhafte Stimmung gekonnt aufgreift. Engelbert von Nordhausen setzt seine prägnante Stimme hier als Sullivan wieder sehr geschickt ein und hat nichts von seiner Spielfreude verloren, was für eine weitere interessante Figur sorgt. Frank Felicetti bringt als Dr. Adler eine sehr passende Sprechweise mit und sorgt für einen wissenschaftlichen Anklang, der sehr authentisch wirkt. Weitere Sprecher sind Hans Hohlbein, Jan Spitzer und Luisa Wietzorek.

Passend zum Halloween-Thema geht es auch musikalisch hier etwas düsterer zu, die eingesetzten Melodien sind düster und schaffen eine unheimliche Grundstimmung. Jedoch ohne die Atmosphäre der Serie zu überlagern, es werden eher neue Facetten herausgearbeitet. Die Geräusche haben ihren festen Platz und sind sehr stimmig in die Handlung eingefügt.

Das Cover zu dieser Folge könnte auch zu einem Gruselhörspiel gehören, die bedrohliche Stimmung mit dem riesigen Vollmond im Hintergrund und den kahlen Ästen ist sehr ansprechend. Im Mittelpunkt steht jedoch der Schatten des hoch aufragenden kopflosen Reiters, der eine Doppelaxt schwingt – sehr ansprechend. Im Inneren blickt Produzent Markus Winter noch einmal auf die besonderen Episoden der Chronicles zurück.

Fazit: Der deutlich gruselige Einschlag dieser Folge wird sehr gelungen mit der streng logischen Hauptfigur verbunden, beides funktioniert bestens miteinander. Der psychologische Anklang, viele starke Figuren und ein Ermittlerduo in Hochform machen aus „Der kopflose Reiter“ ein sehr hörenswertes Hörspiel, Autor James A. Brett hat wieder ordentlich abgeliefert.

VÖ: 14. September 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6114-6


Sherlock Holmes Chronicles – 55. Der Club der Rothaarigen



Jabez Wilson sucht die Hilfe von Sherlock Holmes in einer ganz und gar merkwürdigen Geschichte: Der Betreiber eines Pfandhauses benötigt dringend einen Nebenverdienst, um den Unterhalt von sich und seinem einzigen Angestellten zu sichern. Zufällig stößt er auf ein lukratives Angebot, bei dem er nur wenig Zeit und Arbeitskraft einsetzen muss. Einzige Voraussetzung: Der Bewerber muss rote Haare haben...

Neben zahlreichen neuen Geschichten um den Meisterdetektiv werden innerhalb der „Sherlock Holmes Chronicles“ auch die Klassiker aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle vertont. Immer mal wieder eingestreut wird der Hörer so auch an die Ursprünge der populären Figur hingeführt, während alte Holmes-Kenner noch einmal die lieb gewonnenen Geschichten erleben und die eine oder andere Feinheit entdecken können. So auch in „Der Club der Rothaarigen“, einem klassisch zu nennenden Fall für Holmes und Watson, der mit vielen Details gespickt ist. Der Bericht des neuen Mandanten des Detektivgespanns ist dabei recht lang und ausführlich geraten, sie bietet dem geneigten Hörer bereits zahlreiche Ansatzpunkte, in welche Richtung sich der Fall entwickeln wird. Auch Ersthörer werden schnell ahnen, bei welcher der Figuren etwas im Argen liegt, zu sehr wird die Aufmerksamkeit auf ihn gelenkt. Aber was hinter allem steckt und wie Holmes dieses Rätsel auflöst, ist unterhaltsam und kurzweilig geraten. Der Szenerie wohnt durchgängig einen Hauch Skurrilität inne, die Figuren wirken dabei immer sehr präsent und sind wohlplatziert, die Bearbeitung durch den Verlag ist sehr stimmig. „Der Club der Rothaarigen“ bietet nicht die ganz großen Überraschungen, aber viele prägnante Momente und die eine oder andere Szenen, die auch geübte Holmes-Hörer aufhorchen lassen und die Freude den wunderbaren Ideen von Doyle in den Vordergrund rücken.

Manfred Lehmann fällt mit seiner tiefen, markanten Stimme auch in diesem Hörspiel positiv auf und überzeugt als Jabez Wilson mit einer facettenreichen Sprechweise, die den anfänglichen Bericht sehr lebendig gestaltet. Julien Haggege ist als Vincent ebenso gut besetzt, auch er kitzelt viele Feinheiten aus seiner Figur heraus und setzt sie lebendig um. Auch Jörg Hengstler überzeugt als Duncan Ross, die Handlung gewinnt durch ihn eine weitere starke Stimme in dem sowieso schon sehr gut besetzten Ensemble. Weitere Sprecher sind Bern Vollbrecht, Bert Franzke und Oliver Baumann.

Die musikalische Untermalung der Folge ist wieder im typischen Stil der Serie gehalten und punktet mit seinen atmosphärischen Klängen, die die Szenenübergänge oder Erzähltexte werden gekonnt untermalt. Doch auch die Geräuschkulisse ist wieder gelungen eingesetzt, auch wenn das knisternde Feuer in Holmes' Zimmer etwas zu prägnant wirkt.

Das viktorianische Zeitalter, in der die Geschichte spielt, wird auf dem Cover sehr ansehnlich dargestellt. Ein hohes Gebäude, eine alte Uhr, ein bisschen Neben, zwei dunkle Gestalten, die darauf zugehen – viele weitere Details sorgen für ein stimmiges Gesamtkonzept. Doch es gibt hier noch einen weiteren Bonus, dieses mal der akustischen Art: Nach der Handlung gibt es etwa eine halbe Stunde lang Musik aus vorigen Folgen zu hören, was nicht nur die Vielfalt der Serie zeigt, sondern auch viele stimmungsvolle Melodien zu Gehör bringt, die sonst vielleicht untergegangen wären.

Fazit: „Der Club der Rothaarigen“ überzeugt mit seinem leicht skurrilen Ansatz, gut eingesetzten Charakteren und einer stimmigen Szenerie. Die Bearbeitung durch WinterZeit konzentriert sich auf die richtigen Schwerpunkte und ist unterhaltsam geraten, sodass eine sehr stimmige Episode geboten wird – ergänzt durch einen kleinen, angehängten Soundtrack.

VÖ: 24. August 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6057-6


Sherlock Holmes Chronicles – 54. Die Kaiserattentate



Der russische Zar Nikolai II ist zu Besuch im Berliner Luxushotel Adlon, wo ein Attentat auf ihn verübt wird. Niemand anderes als der Meisterdetektiv Sherlock Holmes scheint diesen Fall aufklären zu können und wird von dem Zaren selbst beauftragt. Doch schon kurze Zeit später wird ein zweiter Anschlag verübt, und Holmes gerät unter Zeitdruck...

Bei der 54. Episode der „Sherlock Holmes Chronicles“ von WinterZeit ist wieder mal eine Langfolge auf zwei CDs erschienen, was per se auf eine eher komplexe Handlung hindeutet. Doch das ist nicht die einzige Besonderheit von „Die Kaiserattentate“, denn hier sind viele historische Aspekte eingebunden, die Handlung basiert auf vielen realen Fakten und wurde mit einer spannenden Handlung angereichert. Da sind natürlich viele Erklärungen notwendig, die dann gerade am Anfang auch reichlich geliefert werden. Dr. Watson ist hierfür zuständig und hat dementsprechend einige recht lang geratene Monologe, was dann etwas starr wirkt und den Einstieg etwas holprig gestaltet. Später gleicht sich dieser Eindruck aber wieder sehr aus, dann wird die Handlung deutlich dialoglastiger und auch temporeicher, wobei einige geschickt platzierte Wendungen für Abwechslung sorgen. Gut gefällt mir dabei, dass sich viele Rätsel aneinanderreihen und gelöst werden müssen, damit aber immer nur Teilbereiche aufgedeckt werden. Holmes und Watson arbeiten sich durch mehrere Schichten und kommen dem Kern immer näher, wobei die geschichtlichen Aspekte sehr präsent eingebunden sind. Die Atmosphäre kommt dabei gut zur Geltung und wirkt immer sehr ernsthaft und präsent, verzichtet zugunsten der erwachsenen Stimmung auf die lockeren Sprüche und lockeren Momente. Das ist sehr stimmig konzipiert und spannend erzählt, sodass eine weitere empfehlenswerte Episode entstanden ist.

Die Besetzung der Folge ist sehr gut und punktet mit vielen starken Stimmen. Peter Lontzek ist beispielsweise als Zar Nikolai zu hören und klingt sehr markant und gestaltet seine Szenen facettenreich, sodass ein sehr präsenter Charakter entsteht. Rainer Fritzsche ist als Bobrinski zu hören, auch er bereichert die Handlung mit seiner kräftigen und lebendigen Sprechweise, indem er in seine Szenen viel Energie einfließen lässt. Engelbert von Nordhausens unverkennbare Klangfarbe sticht auch hier hervor, durch seine sehr treffsichere Betonung wirkt auch der Charakter des Pollmann sehr eingängig. Weitere Sprecher sind Frank Felicetti, Cathlen Gawlich und Jannick Endemann.

Die Folge konzentriert sich sehr auf die Handlung und die Dialoge, die akustischen Stilmittel sind dabei eher zurückgefahren. Sicherlich gibt es auch hier wieder einige Melodien, die die Szenenübergänge auflockern, auch Geräusche sind wieder an den richtigen Stellen eingebaut. Doch dies wirkt hier eben noch ein wenig reduzierter und lenkt den Fokus auf die richtigen Dinge.

Das Cover ist dieses mal besonders gelungen und zeigt das Portrait von der Familie Romanov, das in das Konterfei von Sherlock Holmes eingebunden ist – gemeinsam mit dem alten Schriftstück im Hintergrund sehr ansehnlich. Im Inneren gibt es noch zwei Gemälde zu sehen, die eine wichtige Rolle in der Handlung spielen, in dem kleinen Einleitungstext ist noch die Erklärung zu finden, warum der Name Rasputin hier nicht immer gleich ausgesprochen wird.

Fazit: „Die Kaiserattentate“ ist eine außergewöhnliche Episode, die stark in einen geschichtlichen Kontext eingebettet ist und diesen gekonnt auskostet. Die Anschläge müssen dabei auf verschiedenen Ebenen aufgeklärt werden, jede Teillösung bringt weitere Fragen mit sich. Die Atmosphäre ist dabei immer sehr präsent, sodass eine überzeugende Langfolge entstanden ist.

VÖ: 27. Juli 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6056-9


Sherlock Holmes Chronicles – 53. Spuk im Strandhaus



Nach einem tragischen Vorfall in London hat sich die hochgelobte Schauspielerin Catherine Sherwoord in ein einsam gelegenes Haus zurückgezogen, welches sich seit Generationen im Familienbesitz findet. Nur in Gesellschaft ihrer Haushälterin Martha hat sie sich bereits gut erholt, doch dann häufen sich die unerklärlichen Ereignisse, die die beiden Frauen an den Rande des Irrsinns treiben...

Das Aufklären von scheinbar übernatürlichen und unglaublichen Aktivitäten ist ein Kernelement der Sherlock Holmes-Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle und wird auch immer wieder gern in den zahlreichen Neuinterpretationen unterschiedlicher Autoren aufgegriffen. Auch Peter Neal hat dies in sein „Spuk im Strandhaus“ in den Mittelpunkt gerückt und damit den Einzug in die „Sherlock Holmes Chronicles“ von WinterZeit gehalten. Zunächst wird die Szenerie im Strandhaus sehr ausführlich aufgebaut – bis Watson und Holmes auftauchen, vergeht etwa die Hälfte der Laufzeit von einer Stunde. Das ist zwar sehr atmosphärisch geraten und zeigt auch den psychischen Verfall von Catherine sehr detailliert, allerdings wird das Ganze insgesamt etwas beliebig, zumal bei den späteren Ermittlungen nur recht wenige Details aufgegriffen werden. Zudem ist man anfangs versucht, die Geschichte als allzu durchschaubar abzutun – hier wird man aber bald eines Besseren belehrt. Denn immer wieder werden neue Theorien zu den Vorfällen präsentiert, und eine klingt schlüssiger als die andere. Dabei kommt auch die trockene Sichtweise des Meisterdetektivs und seine völlige Überzeugung von seiner eigenen Überlegenheit sehr gut zur Geltung, was wieder für zahlreiche sehr unterhaltsame Momente sorgt. Das Zusammenspiel der Charaktere ist sehr gelungen, der Aufbau der Handlung ist es ebenso. Die Spannung steigert sich immer weiter, eine leichte psychologische Komponente wird eingebaut, bis man kaum noch weiß, wem man glauben und vertrauen kann. Das ist wirklich sehr gut erzählt und gleich die wenigen langgezogenen Szenen zu Beginn wieder aus.

Sehr lobenswert ist der Sprechercast dieser Episode, bei der natürlich auch Tom Jacobs und Till Hagen in den Hauptrollen einen sehr guten Job abliefern. Wieder mal vollkommen begeistert hat mich Cathleen Gawlich in der Rolle der Catherine Sherwood, die von der selbstbewussten Schauspielerin zu einem psychischen Wrack mutiert und dabei die einzelnen Stationen sehr treffsicher und emotional vermittelt. Auch Dagmar Dempe hat mir als gutmütige Haushälterin Martha sehr gut gefallen, ihre resolute Art passt wunderbar in die Szenerie, sie hinterlässt in ihren Szenen einen sehr positiven Eindruck. Stefan Friedrich ist als Jonathan Stryker mit viel Ausdruck und einer herrlich schmierigen Art zu hören, was einen weiteren starken Charakter schafft. Ergänzt wird der Cast durch den ebenso lobenswerten Hand Hohlbein.

Es gibt Folgen der Chronicles, in denen die Atmosphäre mit dezenter Zurückhaltung überzeugt – hier darf es dann aber auch mal etwas lauter zugehen, was wunderbar zu der Handlung passt. So gibt es immer mal wieder stimmungsvolle, unheimlich angehauchte Melodien, die die unerklärlichen Vorgänge untermalen, und auch die Geräusche sind recht präsent eingebaut, ohne den Sprechern und ihren Dialogen die Show zu stehlen.

Das Haus auf dem Cover erinnert eher an ein herrschaftliches Anwesen mitten im Wald anstatt an ein Strandhaus, wird aber mit dem gewitterumtosten Himmel und der gelungenen Perspektive gekonnt in Szene gesetzt. Im Inneren gibt es neben den üblichen Angaben und den Kurzbiographien der beiden Hauptsprecher wie immer einen kleinen Einleitungstext zur Folge.

Fazit: Autor Peter Neal verwendet viel Zeit darauf, eine dichte Atmosphäre aufzubauen und lässt die eigentlichen Ermittlungen recht spät beginnen, spickt die Zeit dahin aber mit einigen Hinweisen. Mir gefällt, wie sich erst ganz am Ende offenbart, was nun wirklich hinter den Vorkommnissen steckt, sodass die Spannung durchgängig sehr hoch gehalten wird. Sehr hörenswert!

VÖ: 8. Juni 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6055-2


Sherlock Holmes Chronicles – 52. Die Geisterschlange / Fünf Apfelsinenkerne



Der Geburtstag eines alten Freundes von Dr. Watson, Sir Roderick, gestaltet sich anders als gewünscht, denn ein weiterer Gast stirbt auf seinem Anwesen unter merkwürdigen Umständen. Sherlock Holmes ist ebenfalls anwesend und muss seine ganze Cleverness aufbieten... (Die Geisterschlange)
Sein neuer Mandant John Openshaw berichtet nicht nur von dem Tod seines Vaters und seines Onkels, sondern auch von den Briefen, in denen neben einem kurzen Text auch stets fünf Orangenkerne zu finden waren. Neben den beiden Toten hat nun auch John solche Briefe erhalten... (Die fünf Orangenkerne)

Die „Sherlock Holmes Chronicles“ setzen seit Beginn nicht nur die Originalgeschichten von Sir Arthur Conan Doyle um, sondern auch Interpretationen der bekannten Figur von anderen Autoren, die sich in verschiedenen Anthologien versammeln. Die 52. Folge der Reihe enthält beides, wobei „Die Geisterschlange“ aus der Feder von Guido Krain den Anfang macht. Es ist eine kleine, aber trickreiche Geschichte in klassischem Ambiente: Ein altes Anwesen inmitten eines Unwetters, von der Außenwelt fast abgeschnitten, dazu ein begrenzter Personenkreis und ein rätselhafter Mord. Dennoch ist der Fall keineswegs vorhersehbar, und auch wenn man den Täter schon recht bald erahnen kann. Denn der Weg, den Tathergang zu entschlüsseln, nimmt mehr Platz ein. Und auch die Überführung ist nicht geradeheraus, sondern trickreich geschehen. Ein kleiner, aber feiner Fall, bei dem die Charaktere gut zur Geltung kommen.
Als zweite Geschichte ist „Fünf Apfensinenkerne“ von Sir Arthur Conan Doyle zu hören, die hier auf den Punkt gebracht wurde. Denn viel zu ermitteln gibt es für Holmes nicht, nach dem Bericht seines Mandanten zieht dieser bereits seine ersten Schlussfolgerungen. Bei seinen Ermittlungen ist der Hörer nicht dabei, hier wird nur kurz Bericht erstattet, bis eine wahrlich unerwartete Wendung die Handlung erschüttert. Das alles geschieht fast nur in einer Szenerie in der Behausung von Holmes umgesetzt und entfaltet dennoch eine große Faszination, gerade weil das Tempo so hoch und das Thema so rätselhaft ist. Angereichert mit viel Charme der beiden Charakteren und einem sehr gut erzählten Intro ist auch diese zweite Episode gut gelungen.

Sir Roderick wird von Bodo Wolf gesprochen, der viel Energie in seiner Stimme legt und einige markante Szenen abliefert. Luisa Wietzorek ist als seine Tochter Grace zu hören und macht diesem Namen auch stimmlich alle Ehre, ihre vornehme Art und ihr gefühlsbetonten Auftreten passen bestens in das Ambiente dieser Episode. Tobias Kluckert überzeugt in der zweiten Episode um die Apfelsinenkerne mit einer sehr eingängigen Sprechweise und seiner wie immer gekonnt eingesetzten Stimme. Weitere Sprecher sind der wundervolle Peter Groeger, Adam Nümm und Bert Franzke.

Das Intro überrascht mit exotischen Klängen und einer Frauenstimme, die eine sehnsuchtvolle Melodie singt – die Aufmerksamkeit wird so direkt geweckt und auf die folgende Geschichte gelenkt. Doch auch danach fügen sich Musik und Geräusche sehr stimmig zusammen, sodass die Szenerie immer sehr präsent wirkt – selbst wenn diese aufgrund der beiden Geschichten nur selten wechselt.

Der Titel „Die Geisterschlange“ verführt ja geradezu zu einem um Aufmerksamkeit heischenden Titelbild. Dieser Versuchung wurde allerdings nicht nachgegeben, sondern es wird ein recht schlichtes Motiv von Holmes mit seiner stilistischen Kappe und seiner Pfeife präsentiert. Mit der düsteren Beleuchtung wirkt das sehr ansprechend, könnte aber auch zu vielen anderen Folgen der Reihe passen.

Fazit: „Die Geisterschlange“ geht gar nicht so sehr darum, den Täter zu ermitteln, das ist schnell geschehen. Vielmehr ist es sehr interessant, seine Vorgehensweise und Motive zu ermitteln und ihn zu überführen, was sehr eingängig geraten ist. Die sehr auf den Punkt gebrachte zweite Geschichte ist durch das hohe Tempo ebenfalls sehr hörenswert.

VÖ: 18. Mai 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-96066-054-5


Sherlock Holmes Chronicles – 51. 28 Stufen



Erster Eindruck: Folge eins nach dem Jubiläum

Sherlock Holmes hatte zwar schon seit einiger Zeit keinen neuen Fall mehr, doch auch der Auftrag einer völlig aufgelösten jungen Frau, die ihren Verlobten vermisst, reizt ihn nicht. So übernimmt Dr. Watson die ersten Ermittlungen, doch als sie nur kurz darauf tot aufgefunden wird, muss Holmes sich eingestehen, die Situation falsch eingeschätzt zu haben...

Nach dem fulminanten Jubiläum in der 50. Folge geht es in 28 Stufen der WinterZeit-Serie „Sherlock Holmes Chronicles“ wieder in etwas gewohnteren, aber immer noch sehr spannenden Bahnen weiter. Auch diese Episode stammt nicht aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle, enthält aber gerade in der Rahmenhandlung um Holmes und Watson einige typische Elemente und eine starke Darstellung der Charaktere. Auch die kleine Anspielung auf eine andere Folge der Serie zu Beginn ist gekonnt eingebaut. Der Fall wirkt dank des unheimlichen und intensiven Intros um die geheimnisvollen 28 Stufen schon zu Beginn der reizvoll und erhält mit dem frühen Tod von Holmes' – beziehungsweise Watsons – Auftraggeberin schnell viel Tempo. Die Ermittlungen des Detektivgespanns gestalten sich sehr kurzweilig und fügen dem Gesamtkonstrukt nicht nur laufend neue Informationen hinzu, sondern sind auch recht abwechslungsreich erzählt. Die Auflösung des Ganzes kann dann auch sehr überzeugen – ganz überraschend kommt diese zwar nicht, gerade wenn man schon andere Werke des Detektivs kennt und die Erzählweise langsam kennt, spannend dargestellt und mit vielen interessanten Details versehen ist sie dennoch.

Sonja Deutsch ist in dieser Folge als Vera Stanfort zu hören, was sie wirklich großartig macht. Ihre Stimme zeichnet scharfe Facetten ihrer Figur. Sie passt zudem sehr gut in die Atmosphäre der Serie und macht so einen sehr guten Eindruck. Auch über den Auftritt von Giuliana Jakobeit habe ich mich sehr gefreut, sie verbannt aus ihrer unverkennbaren Stimme alle fröhlichen Schwingungen und konzentriert sich ganz auf ihre Verzweiflung. Martin Kautz ist als Franklin zu hören, auch durch ihn wird der Charakter sehr rund und präsent dargestellt. Weitere Sprecher sind Bernd Vollbrecht, Antje von der Ahe und Marios Gavrillis.

Auch akustisch ist eine sehr stimmige Folge entstanden, die die verschiedenen Szenen in eine passende Kulisse setzt. Dabei sind viele Geräusche für eine stimmige Hintergundgestaltung im Einsatz, insgesamt halten sich diese aber eher zurück und sind dezent eingesetzt. Gleiches gilt auch für die kleinen Musikstücke, die die Szenerie immer wieder auflockern.

Das Cover der Folge gefällt mit ausnehmend gut, die düstere Atmosphäre kommt dabei sehr gut zur Geltung. Die Treppe mit den 28 Stufen wird darauf durch einen Mann bestiegen, der in hellem Gegenlicht steht, während die Felsen in Form eines Totenschädels geformt sind. Im Inneren des kleinen Booklets gibt es neben den bereits bekannten Sprecherinformationen wieder einen einleitenden Text von Regisseur und Produzent Markus Winter.

Fazit: Auch diese Folge bietet eine gute Kombination aus einer starken Geschichte und einer runden Produktion. Die Sprecher sind in die spannenden Handlung gut plaziert und lassen die Charaktere gut zur Geltung kommen. Der Verlauf ist sehr kurzweilig, die Auflösung gut erzählt, auch wenn der Hörer schon einige Momente vorher auf den richtigen Hintergrund tippen kann.

VÖ: 27. April 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6053-8


Sherlock Holmes Chronicles – 50. Der verbrauchte Talisman



Erster Eindruck: Die doppelte Entführung

Von einem alten Freund wird Sherlock Holmes nach Hamburg gebeten, um das Verschwinden seiner Tochter aufzuklären. Denn trotz erfüllter Geldforderungen wird diese nicht freigelassen, immer weitere Beträge soll Henry Jasper bezahlen. Bei seinen Nachforschungen konzentriert sich der Meisterdetektiv auf die Hafengegend, in dem mehr als nur eine Gefahr droht...

Herzlichen Glückwunsch an WinterZeit zur 50. Folge der „Sherlock Holmes Chronicles“! Für das wichtige Jubiläum und die damit verbundene, durchaus gesteigerte Erwartungshaltung der Fans hat sich das Label sehr viel Mühe gegeben – und das hat sich auch gelohnt. War die erste Jubiläum (Folge 25) noch einem Original von Sir Arthur Conan Doyle gewidmet, ist hier ein Roman von Michael Buttler vertont worden. „Der verbrauchte Talisman“ entpuppt sich als ideale Geschichte für ein Jubiläum, nicht nur, weil sie deutlich umfangreicher ist. Mit fast drei Stunden Laufzeit übertrifft die Folge eine „normale“ Episode um ein Vielfaches, und jede Minute davon ist angefüllt mit gut erzählter und unterhaltsamer Kost. So ist die Handlung dieses mal auch deutlich komplexer und vielschichtiger als gewohnt, noch mehr Hinweise wollen aufgenommen, doch mehr Informationen verknüpft werden, was sich als durchaus fordernd, aber auch der lohnenswert für den Hörer darstellt. Und dabei wurden viele interessante Elemente verbaut, so gilt es im Grunde gleich zwei Entführungen und noch eine wahre Verschwörung aufzudecken. Auch die vielen kleinen, aber nie überzogenen Actionszenen sind sehr gut eingefügt, die erhöhen an den richtigen Stellen den Druck in der Handlung. Charmant ist auch die Darstellung Hamburg zu Zeiten kurz vor der Industrialisierung, wobei der typische Dialekt zwar erwähnt wird, aber nie selbst zu hören ist. Dafür kommt noch eine große Portion geschichtliches Hintergrundwissen hinzu. Eingerahmt wird das Ganze von einem Blick in die Vergangenheit: Das sehr atmosphärische Intro gibt zunächst Rätsel auf, wie sich der Zusammenhang zur eigentlichen Handlung darstellt, was erst ganz am Ende clever aufgelöst wird. Auch die Zusammenstellung der Charaktere ist äußerst gelungen, ein Querschnitt durch die Gesellschaft, Sympathieträger ebenso wie unangenehme Zeitgenossen – das alles führt in der Summe zu einem sehr hörenswerten 50. Teil dieser wunderbaren Serie.

Zum Jubiläum hat sich WinterZeit etwas ganz besonderes ausgedacht das es bisher selten gab bei Hörspielproduktionen. Neben der gewöhnlichen Abmischung hat Markus Winter auch eine Tonspur in Dolby Surround produziert. Mit einer entsprechenden Abspielanlage ist man also mittendrin, hört Stimmen Geräusche und Musik aus verschiedenen Richtungen. Das ist ziemlich bombastisch geraten und schafft dem Hörer ein neues Erlebnis, sich einem klassischen Krimi zu nähern. Und besonders die Introszene wirkt damit sehr beeindruckend. Technisch ist das sehr gut gelöst, der große Aufwand zu dieser Abmischung hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Bernd Rumpf hat in dieser Jubiläumsfolge die wichtige Rolle des Henry Jasper inne, wobei er immer einen sehr präsenten Eindruck hinterlässt und dem Mann so einige unterschiedliche Facetten abgewinnen kann. Alice Bauer spricht seine Tochter Alice Jasper, auch sie kann man sanft, dann wieder fordernd oder kühl wirken und so die Gefühlswelt der jungen Frau treffend darstellen, besonders gegen Ende hat sie mich vollkommen überzeugt. Als Kommissar Kreyer ist der wunderbare Santiago Ziesmer u hören, der seiner Stimme mal wieder einen ganz anderen Klang verleiht und den Kommissar nervend und überheblich klingen lässt. Das Duo aus Till Hagen und Tom Jacobs harmoniert auch hier wieder bestens, die beiden Hauptsprecher haben auch weiterhin hörbaren Spaß an den Figuren. Weitere Sprecher dieser Folge sind Daniela Molina. Anita Hopt und Kim Hasper.

Dass Musik und Geräusche wie immer bei WinterZeit sehr stimmig eingebaut sind, ist bereits aus den vielen vorigen Folgen bekannt. Durch die Surround-Abmischung erhält das noch einmal eine neue Dimension, das sehr präzise Einfügen von Geräuschen sorgt für einen lebendigen Eindruck, wobei besonders die handlungsreicheren Szenen eindrucksvoll gelungen sind. Die Musik fügt sich dabei sehr stimmig ein und ist bestens auf die unterschiedlichen Szenerien angepasst.

Diese Jubiläumsbox hat dann auch eine ganz besondere Aufmachung erhalten. Allein das Titelbild mit der verschleierten orientalischen Schönheit hat ein großes Lob verdient, wenn das aber auch noch mit Goldfolie und Glanzlack aufgehübscht wurde, kommt ein ganz besonderes Cover dabei heraus. Zudem sind die drei Discs (2 CDs, eine DVD), in einem sehr stabilen Digibook untergebracht, das wegen der gleichen Größe perfekt ins heimische CD-Regal passt. Im Inneren gibt es gleich mehrere schwarz-weiß Aufnahmen, die die damalige Zeit aufleben lassen, aber auch tolle Illustrationen, ein Überblick über die bisherigen Folge und mehrere sehr lesenswerte Infotexte sind dort zu finden. Auch die Biographien von einigen Sprechern sind hier abgedruckt. Auf der DVD befindet sich noch umfangreiches Bonusmaterial in Form von unterhaltsamen Interviews mit einigen Mitwirkenden.

Fazit: Zum Jubiläum hat es WinterZeit ordentlich krachen lassen und ein wahres Schmuckstück geschaffen – nicht nur wegen der sehr hübschen Aufmachung, sondern auch wegen der tollen Folge. Die extra-lange Laufzeit ist angefüllt mit spannenden Szenen, rätselhaften Vorgängen und einer sehr komplexen und dichten Handlung, die den Geist des Meisterdetektivs genau trifft und neben privaten Schicksalen auch geschichtliche Themen in den Vordergrund rückt. Alles ist sehr gut verknüpft und toll aufeinander abgestimmt, sodass „Der verbrauchte Talisman“ zu einem sehr starken Hörspiel wird.

VÖ: 29. März 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6124-5


Sherlock Holmes Chronicles – 49. Silver Blaze



Erster Eindruck: Das verschwundene Rennpferd

Das Verschwinden von Silver Blaze, einem erfolgreichen Rennpferd, schlägt in der Presse hohe Wellen. Als das wertvolle Tier auch nach einigen Tagen nicht auftaucht und der damit verbundene Mordfall nicht aufgeklärt werden konnte, sieht sich Sherlock Holmes in der Pflicht, selbst einzugreifen und reist gemeinsam mit Dr. Watson nach Wessex...

Die 49. Folge der „Sherlock Holmes Chronicles“ ist mal wieder ein Original aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle, mit „Silver Blaze“ ist ein ziemlicher Klassiker vertont worden. Das ist nahe am Original gehalten und clever aufgebaut. So ist nach einer kurzweiligen Introszene zunächst die Zugfahrt von Holmes und Watson ins ländlichere Wessex zu hören, auf der der Meisterdetektiv den bisherigen Verlauf des Falles nacherzählt, wie von ihm in der Presse berichtet wurde. Es folgen eine Unterhaltung mit dem allseits beliebten Inspector Lestrade, eigene Ermittlungen des Meisterdetektivs, ein Ausflug in die nahe gelegenen Moore und viele weitere Szenen, in denen langsam immer mehr Hinweise aufkommen. Das erhöht nicht nur die Spannung, sondern sorgt auch dafür, dass der Hörer seine eigenen Schlüsse ziehen kann. Und dann gibt es einen gelungenen Kniff, wenn das Detektivgespann scheinbar unverrichteter Dinge wieder abreist und die anderen Beteiligten im Unklaren lässt. Zum großen Finale kehren sie natürlich wieder zurück, wobei es mehr als nur einen gelungenen Kniff gibt. Ein sehr solider und interessanter Fall für Sherlock Holmes, der zu Recht zu einem Klassiker geworden ist.

Till Hagen ist als Sherlock Holmes natürlich wieder eine Bank, seine leicht süffisante Sprechweise unterstreicht den sarkastischen Charakter der Figur, dennoch bleibt er sehr bodenständig und verleiht der Figur zudem viel Charme. Reinhard Kuhnert ist als Colonel Ross zu hören, sein recht rauer Ton und der markante Ausdruck schaffen eine intensiv wirkende Figur, die gut in die Handlung passt. Auch Tim Moeseritz hat mich als John Straker überzeugt, seine sehr variable Stimme kann in den unterschiedlichen Szenen gut zur Geltung kommen. Weitere Sprecher sind Anke Reitzenstein, Oliver Baumann und Rosario Bona.

Die Szenen sind in diesem Hörspiel sehr passend untermalt. So sorgen viele Geräusche für eine jeweils passende Hintergrundgestaltung, beispielsweise wirken die Szenen in der Bahn oder auf dem Rennplatz lebendig, während die Wanderung durch das Moor deutlich reduzierter wirkt. Die Musik sorgt für eine gelungene Trennung der einzelnen Szenen.

Wie auch schon die vorigen Cover ist das Titelbild dieser Folge ziemlich düster und entfaltet so eine geheimnisvolle Atmosphäre. Zu sehen ist selbstverständlich Silver Blaze, der gerade durch den Wald zu galoppieren scheint. Im Inneren des Booklets ist wieder ein einleitender Text zu lesen, der sich nicht nur um die Geschichte selbst dreht, sondern auch um die Schäden, die durch illegale Downloads entstehen.

Fazit: Der Aufbau der Geschichte ist sehr interessant und weicht von vielen anderen Episoden ab. Der Fall ist abwechslungsreich erzählt und bietet viele Hinweise, die sich am Ende zu einem sehr interessanten Ganzen zusammenfügen. Die Umsetzung sehr nahe am Original ist zudem eingängig gelungen.

VÖ: 26. Januar 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-96066-051-4


Sherlock Holmes Chronicles – 48. Die verschwundene Witwe



Erster Eindruck: Vier Fälle für den Meisterdetektiv

Die junge Beth kommt auf Dr. Watson zu, da ihre Mutter spurlos aus einem Hotelzimmer verschwunden ist. Doch sie zweifelt an ihrem Verstand, denn auch die Eintragung aus dem Gästebuch ist nicht mehr zu erkennen. Doch auch ein Fall in einem Zug mit einer eher unangenehmen Begleitung mit einem Autor will aufgeklärt werden, denn ein Mord erschüttert die Fahrgäste...

Till Hagen hat sich als Hauptsprecher der „Sherlock Holmes Chronicles“ von WinterZeit etabliert, doch ab und an ist auch Karlo Hackenberger in dieser Rolle zu hören. Wer sich nicht entscheiden kann, wen von beiden er lieber hören mag, kann getrost zu der 48. Folge der Serie greifen. Hier sind gleich vier kurze Geschichten um die bekannte Romanfigur zu hören, und jeweils zwei der kleinen Episoden werden von den beiden Sprechern vertont. Der titelgebende Fall um „Die verschwundene Witwe“ wartet mit einem verzwickten Rätsel auf, auch die Not der jungen Mandantin bringt Reiz in diese Erzählung. Sehr gradlinig erzählt und auf das Wesentliche reduziert ist dabei eine kurzweilige Geschichte entstanden, die dann auch gleich das Highlight der CD darstellt – was auch durch die interessante Umgebung der Weltausstellung unterstützt wird. „Das indische Kraut“ ist eine pfiffige kleine Geschichte mit gelungener Auflösung, während „Sherlock Holmes trifft Old Shatterhand“ meinen Geschmack leider nicht so recht getroffen hat. Die Geschichte konzentriert sich zu sehr auf den unangenehmen Charakter der Gastfigur, während die Auflösung des Mordes ziemlich einfach gehalten ist. „Der ägyptische Gnom“ macht den Abschluss der vier Episoden und ist da wieder etwas umfangreicher und bietet eine interessante Wendung, sodass die Folge gelungen abgeschlossen wird. Durch die Einfachheit der Geschichten ist der Reiz beim zweiten mal Hören jedoch erst einmal verloren, nach einiger Zeit macht die Folge aber sicherlich wieder Spaß.

Anna Gamburg ist in der ersten Episode als Beth zu hören, sie kann die Verzweiflung der jungen Frau, aber auch ihren natürlichen Charme sehr gut wiedergeben und schafft so in wenigen Momenten eine sehr präsente Figur. Dirk Hardegen ist als Karl May zu hören, sein Akzent wirkt aber ebenso wie die recht dümmliche Verhaltensweise reichlich überzogen, was selbst innerhalb des satirischen Kontextes nicht so recht passt. Bernd Vollbrecht gibt sich mal wieder als Inspector Lestrade mal wieder die Ehre, seine markante Stimme bereichert auch diese Produktion. Weitere Sprecher sind Johannes Berenz, Bert Stevens und David Riedel.

Bei gleich vier verschiedenen Geschichte und unterschiedlichen Ansätzen sind natürlich auch viele Szenerien zu hören, die allesamt sehr stimmig umgesetzt wurden. Sei es die hektische Zeit der Weltausstellung oder das gleichmäßige Rattern des Zuges, alles ist mit passenden Hintergründen ausgestattet. Musik ist auch im Einsatz, aber eher im Hintergrund und nicht sehr hervorstechend.

Das Cover wirkt sehr mystisch und fast wie das Plakat zu einem Gruselfilm. Nebst dem alten Hotel und einer verschleierten Frau im Rollstuhl wird das Titelbild durch die Augen einer jungen Dame beherrscht, die über allem zu schweben scheinen. Im Inneren gibt es wie immer ein kleines Booklet mit einigen einleitenden Worten zu dieser besonderen Folge.

Fazit: In dieser Folge wird mit gleich vier Episoden viel Abwechslung geboten, sowohl was Stimmungen als auch Themen angeht. Die Fälle sind natürlich bei weitem nicht so komplex und bleiben wohl auch nicht so lang in Erinnerung, sind aber dennoch sehr kurzweilig und dienen auch als kleine Hörspielhappen für zwischendurch.

VÖ: 5. Januar 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-96066-050-7

Sherlock Holmes Chronicles – 47. Verrat um Mitternacht



Erster Eindruck: Der Detektiv außer Gefecht...

Ein geheimnisvolles Treffen in einer dunklen Nacht, eine Übergabe in einer dunklen Ecke in London, und plötzlich fallen Schüsse. Auch Sherlock Holmes wurde dabei schwer verletzt und liegt im Koma. Dr. John Watson sieht es als seine Pflicht an, die Hintergründe aufzudecken und forscht nach, an welchem Fall der Meisterdetektiv gearbeitet hat. Doch er ahnt nicht, in welches Wespennest er dabei sticht...

Auch wenn Dr. Watson ein fester Bestandteil der Sherlock Holmes-Geschichten ist und fast ebenso wichtig für deren Flair ist wie der Meisterdetektiv, ist er meist nur wenig an der Lösung eines Falles beteiligt. Anders sieht dies in der 47. Folge der „Sherlock Holmes Chronicles“ aus, denn hier ist die eigentliche Hauptfigur außer Gefecht gesetzt und der Mediziner muss übernehmen. Dabei sorgt die erste Szene, in der der verhängnisvolle Schuss zentrales Element ist, für eine beklemmende Grundstimmung und einen intensiven Start in die Handlung. Gut auch, dass der Hörer hier lange Zeit im Dunkeln tappt – kein Auftraggeber lenkt den Fall in eine bestimmte Richtung, nur wenige Hinweise können zunächst kombiniert werden. Während Watsons Ermittlungen lichtet sich dieser Schleier nur langsam, und auch Holmes ' Gesundheitszustand sorgt in dieser Geschichte für zusätzliche Reizpunkte. Es slässt sich hingegen deutlich erahnen, wie sehr sich dieser Fall auf die Geschicke des ganzen europäischen Kontinents auswirkt, die politische Brisanz steigert sich im Laufe der Zeit und wird gut in die Geschichte eingebaut. Toll auch die Erzählweise des Finales – erst hier offenbaren sich alle Zusammenhänge, es wird ziemlich brenzlich für Watson und es gibt noch eine dicke Überraschung. In einer Dreiviertelstunde knackig erzählt ist „Verrat um Mitternacht“ eine sehr starke Folge der Serie.

Tom Jacobs fällt als Dr. John Watson hier eine noch wichtigere Rolle zu als sonst, schließlich fungiert er nicht nur als Erzähler, sondern auch als Ermittler und Triebfeder der Handlung. Wie immer setzt er die Rolle mit viel Charme um und wirkt hier noch etwas ernster als sonst. Hendrik Martz ist als geheimnisvoller Lord Kitchener zu hören, die er sehr eindrucksvoll umsetzt und mit einer eingängigen Sprechweise überzeugt. Gerald Schaale ist als Professor Sprout zu hören, behandelnder Arzt von Holmes und alter Bekannter von Watson, der hier mit seiner treffenden Intonierung punkten kann. Weitere Sprecher sind Frank Röth, Sven Gerhardt und Edda Fischer.

Akustisch ist die Folge sehr treffend umgesetzt, wobei sich die dadurch erzeugte Dramatik gemeinsam mit dem Spannungsbogen entwickelt. So gibt es immer wieder eingebaute Musikstücke, die die vorherrschende Stimmung aufgreifen, aber auch die Geräusche sind sehr stimmig, sodass die verschiedenen Szenen mit einer passenden Kulisse unterlegt sind.

Das Cover wirkt sehr mysteriös und hat mit der spärlichen Beleuchtung eine düstere Ausstrahlung. Zu sehen ist eine Londoner Szenerie inklusive Gaslaternen und dem Glockenturm von Big Ben, dazu Westminster Abbey und im Vordergrund ein Gentleman mit Zylinder, Pfeife und Spazierstock. Im Inneren gibt Markus Winter in dem Vorwort zur Folge Hinweise darauf, dass einige Elemente dieser Folge durchaus der Wahrheit entsprechen.

Fazit: Die Folge startet mit einem packenden Höhepunkt und endet auch mit einem solchen. Und auch dazwischen ist eine starke und gelungene Episode entstanden, in der Watson ermittelt und ein Krieg bei dem kleinsten Fehler auszubrechen droht. Das ist sehr temporeich erzählt und bringt viele reizvolle Elemente mit ein, die die Folge individuell und spannend machen.

VÖ: 1. Dezember 2017
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-96066-049-1


Sherlock Holmes Chronicles – 46. Der Baumeister von Norwood



Erster Eindruck: Der Beweis der Unschuld...

Der junge Anwalt John Hector McFarlane sucht die Hilfe von Sherlock Holmes, da er in einem Mordfall als Hauptverdächtiger gilt. Um an das Erbe des Baumeisters Jonas Oldacre zu kommen, soll er diesen getötet haben. Doch das Motiv scheint unklar, denn McFarlane plagen keine finanziellen Nöte, auf das Erbe hätte er wegen des hohen Alters von Oldrace auch nicht mehr lange warten müssen. Zunächst sind die Ermittlungen des Meisterdetektivs jedoch von wenig Erfolg gekrönt...

In Folge 46 der „Sherlock Holmes Chronicles“ ist es wieder Zeit für ein Original aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle, wobei „Der Baumeister von Norwood“ zu den Geschichten zählt, die recht spät in die Sammlung eingefügt wurden. Und doch wurde hier ein neuer Ansatz gefunden und einige tatsächlich überraschende Details eingefügt, sodass auch dieses Hörspiel sowohl für Holmes-Kenner als auch für Neueinsteiger in die Materie sehr lohnenswert ist. Der Einstieg ist noch recht klassisch, wenn John Hector als neuer Mandant von Holmes zunächst einmal von den bisherigen Gegebenheiten berichtet. Doch schon hier ist ein interessanter Kniff eingebracht, denn der Verdacht, der auf Hector lastet, bringt einen neuen Reiz in die Handlung mit ein. Und tatsächlich scheinen sich auch während der Ermittlungen nur belastende Beweise zu sammeln, so tief Holmes auch in den Umständen stochern mag. Diese sind sehr eingängig und atmosphärisch geschildert, die Charaktere werden gut herausgearbeitet, die Dramatik steigert sich im Laufe der Folge. Und auch wenn es klar ist, dass der Fall am Ende gelöst wird – allein schon weil es sich um Holmes handelt – kann auch die Auflösung mit so einigen kleinen und großen Überraschungen überzeugen und die Geschichte sehr clever abschließen. WinterZeit hat sich dabei eng an die Vorlage gehalten und nur hier und da ein wenig „geschliffen“, sodass die Geschichte im Medium Hörspiel besser funktioniert, sodass auch Kenner der Geschichte mit der Umsetzung zufrieden sein werden.

Marius Claren ist in der Rolle des Hector McFarlane zu hören und macht seine Sache sehr gut, indem er einen sehr lebendigen Ausdruck in seiner Stimme wählt und seine Szenen mit viel Energie auflädt, sodass eine sehr präsente Figur entsteht, mit der man mitfiebert. Beate Gerlach ist in der Rolle der Mrs McFarlane zu hören, auch ihr habe ich wegen ihrer markanten Stimme und dem präzisen Einsatz verschiedener Facetten sehr gern zugehört. Bernd Vollbrecht taucht mal wieder in der Rolle des Inspector Lestrade auf, wobei er eine eingängige Sprechweise anschlägt. Weitere Sprecher sind Frank Otto Schenk, Patrick Bach und Oliver Baumann.

Das Sounddesign der Serie funktioniert auch bei dieser Geschichte sehr gut, wobei sie eher ruhig und bedächtig umgesetzt wurde. Dabei wird insbesondere auf eine vielseitige Gestaltung des Hintergrundes gelegt, die mit den immer passenden Geräuschen ausgestaltet ist. Auch Musik ist ab und an im Einsatz und steigert dann die Stimmung der Handlung.

Das Cover ist durch ein sehr gelungenes Spiel von Licht und Schatten geprägt, wobei der titelgebende und deutlich gealterte Baumeister von Norwood als Motiv gewählt wurde. Angestrahlt von einer Lampe sitzt er an seinem Arbeitsplatz und führt seine Bücher, wobei sein langer Bart, die weißen Augenbrauen und seine Glatze ein markantes Gesicht schaffen.

Fazit: Mit „Der Baumeister von Norwood“ wurde eine sehr starke Geschichte von Arthur Conan Doyle von WinterZeit vertont, was dann auch mit starkem Ausdruck, tollen Sprechern und einem gelungenen Klang geschehen ist. Dabei wird sich eng an die Vorlage gehalten, worin einige sehr gut eingebaute Überraschungen enthalten sind.

VÖ: 24. November 2017
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-96066-048-4


Sherlock Holmes Chronicles – 45. Im Auftrag der Krone



Erster Eindruck: Fesselnde Langfolge

Dass sich Sherlock Holmes bereits mehrfach in äußerst verzwickten Kriminalfällen bewiesen hat, hat sich bis in die höchsten Kreise der Regierung herumgesprochen. Und so kommt der neue Auftrag direkt vom König des Landes, denn die Mordserie an französischen Prostituierten erinnert frappierend an die Taten von Jack the Ripper. Um weitere Panik zu vermeiden, ist eine schnelle Aufklärung der Taten unausweichlich...

Die letzten Folgen der „Sherlock Holmes Chronicles“ von WinterZeit passten allesamt auf eine CD, manchmal waren sogar zwei besonders kurze Episoden auf einer Scheibe vorhanden. Und so ist der Bruch in der mittlerweile 45. Folge mit dem Titel „Im Auftrag der Krone“ recht stark, denn in einer Laufzeit von deutlich über zwei Stunden lässt sich natürlich deutlich mehr und komplexer erzählen, was Autor G.G. Grandt auch sehr punktiert und spannungsgeladen gelungen ist – und das, obwohl es seine erste Geschichte um den legendären Detektiv ist. Dabei hat er gleich mehrere positiv Aspekte mit eingebracht, die den Reiz deutlich erhöhen: Das Anheben des Falles auf eine politische Ebene, die Parallelen zu den Ripper-Morden und sehr gradlinige Dialoge sind dafür unter anderem zu nennen. Besonders gefallen hat mir das Zusammenspiel zwischen Holmes und Watson, das eben nicht von perfekter Zusammenarbeit und Harmonie geprägt ist, sondern hier deutlich ins Holpern gerät. Und auch die Reduktion auf wenige, dafür umso wichtigere Charaktere zeigt, dass der Autor sein Handwerk hier verstanden hat. Die Handlung ist sehr spannend und unterhaltsam geschildert, da der stete, aber nie vollständige Informationsfluss zu einigen falschen Fährten führt, die clever aufgelöst werden, da sie dennoch einen Teil zur Lösung beitragen. In einem typischen Monolog werden von Holmes dann zum Finale hin alle Informationen und Hinweise zusammengetragen und der Fall dann überraschend, aber sehr stimmig aufgelöst. Eine sehr gute Folge der Serie, die weitgehend auf lockeres Geplänkel verzichtet und die ernsthafte Seite der Figuren betont.

Hervorragend ist dabei auch wieder die Sprecherleistung von Till Hagen in der Hauptrolle des Sherlock Holmes, die er sehr präzise und scharf umrissen vertont und den Charakter des Meisterdetektivs in allen Situationen sehr gekonnt zum Vorschein bringt. Auch die Nebenrollen sind sehr gut besetzt, unter anderem ist Jürgen Kluckert als Vincent Richard in einer überzeugenden Darbietung zu hören, wobei seine markante und volltönende Stimme immer wieder hervorsticht. Matti Klemm hinterlässt einen sehr engagierten Eindruck als Peter Kronwald und lässt seine Figur realistisch und lebendig wirken. Neben Tom Jacobs als Watson sind auch Mario Hassert und Santiago Ziesmer zu hören.

Akustisch wird von WinterZeit wieder eine sehr saubere und hörenswerte Umsetzung geboten. Die Auswahl der Musik ist gelungen, diese steigert die Atmosphäre noch weiter und greift die in den Dialogen vorherrschende Stimmung gut auf. Geräusche sind vielfältig und mit sicherer Hand eingefügt, sodass alles wie aus einem Guss wirkt und gut zusammen passt.

Das Konterfei von Sherock Holmes höchstpersönlich ist auf dem Cover zu sehen, doch da das Licht hier von hinten kommt, sind seine Gesichtszüge nur zu erahnen – mit seinen typischen Symbolen Pfeife und Hut kommt er vor dem Buckingham Palace aber sehr gut zur Geltung. Die erdigen Töne des Cover und der schlichte, aber ansehnliche Schriftzug sind hierzu eine passende Ergänzung. Wie immer gibt es im Inneren einige einleitende Worte von Markus Winter zu lesen.

Fazit: Eine richtig tolle Folge der Serie, die trotz der langen Laufzeit keine Sekunde verschwendet und immer unterhaltsam und spannend bleibt. Die Geschichte ist gelungen konstruiert und wird flüssig erzählt, die Charaktere kommen gut zur Geltung, der Fall ist dramatisch und reizvoll geschildert. Auch die angespannte, ernste Atmosphäre der Folge gefällt mir hier sehr gut.

VÖ: 3. November 2017
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-96066-047-7


Sherlock Holmes Chronicles – 44. Der todkranke Patient



Erster Eindruck: Ein paar Jahre in der Zukunft

Im Jahr 1909 scheint der Ruhm von Sherlock Holmes etwas verblasst, er und Dr. Watson müssen ihre Miete immer wieder zusammenkratzen. So muss der Meisterdetektiv sogar den schlichten Diebstahl einer Handtasche aufklären, während sich Dr. Watson mit dem rätselhaften Fall eines Patienten auseinander setzen muss, der immer schwächer und schwächer wird...

Die zeitliche Kontinuität ist bei Sherlock Holmes weder sonderlich wichtig, noch gibt es in vielen Geschichten einen Hinweis, wann die Handlung stattfindet. Von diesem Muster ist die 44. Folge der „Sherlock Holmes Chronicles“ aber abgewichen und versetzt die Figuren einige Jahre weiter in die Zukunft der sonstigen Erzählungen, was sie in einem ganz neuen Kontext erscheinen lässt. So erfährt man etwas über den Verbleib von Mrs. Hudson und lernt die beiden Charaktere in einem anderen Licht kennen, nachdem der ganz große Ruhm verblasst scheint. Für meinen Geschmack hält sich die Geschichte etwas zu lang an diesem Part auf und schwenkt zu langsam auf den eigentlichen Fall um. Dieser wird dann aber intensiv beschrieben, das Leiden des sympathischen Mr. Jones ist gut inszeniert, zumal der Hörer schon nach einigen Kommentaren eine Ahnung davon bekommt, wie die Handlung ausgehen könnte. Viele Hinweise deuten auf diese Auflösung hin, doch natürlich gibt es noch einige Wendungen und eine überraschende Auflösung, die in der Szenerie der Serie äußerst stimmig wirkt. Das ist ein ganz neuer Dreh und erinnert an einige kleine, leise Folgen von Doyle, die eben nicht mit einem perfekt konstruierten Verbrechen ausgestattet sind, sondern ein trickreiches Finale bieten.

Es sind gerade einmal drei Gastsprecher in dieser Folge zu hören, und von ihnen fällt wohl Arne Stephan als Mr. Jones die größte Bedeutung zu. Das meistert er mit Bravour, zeichnet er doch sehr genau den Krankheitsverlauf des Mannes nach, klingt mal schwach und gebrechlich, mal vor Kraft strotzend. Seine Frau wird von Christine Morgenstern gesprochen, die ihrer Figur eine gutmütige, aber auch leicht geheimnisvolle Aura verleiht und man die Folge so nicht allzu leicht durchschauen kann. Bernd Vollbrecht hat mal wieder einen unterhaltsamen Auftritt als Inspector Lestrade und gestaltet diese sehr unterhaltsam und locker. Natürlich sind auch Tom Jacobs und Till Hagen mit dabei.

Ganz getreu dem Stil der Serie ist die akustische Gestaltung der Folge recht zurückhaltend und setzt nur wenige Akzente. Im Hintergrund sind zwar immer wieder leise Geräusche zu hören, um die jeweilige Umgebung mit einzubauen, doch die Sprecher und ihre Dialoge stehen immer im Vordergrund. Das wirkt in sich sehr stimmig und sorgt dafür, dass man sich sehr gut auf die Handlung konzentrieren kann.

„Der todkranke Patient“ heißt diese Folge, sodass es nicht verwundert, dass ebendieser auch auf dem Cover zu sehen ist. Bleich und ausdruckslos liegt er aufrecht in einem Bett, während seine Frau im Hintergrund die Vorhänge öffnet – nur hat deren Gestalt nichts mit der Beschreibung im Hörspiel zu tun. Im Inneren gibt es wieder einen kleinen einleitenden Text von Markus Winter.

Fazit: Die etwas gealterte Version des Detektiven wird dem Hörer reizvoll näher gebracht, auch wenn das anfangs etwas in die Länge gezogen wurde. Der Fall an sich ist rätselhaft und enthält sehr gelungene Elemente, zumal die Auflösung am Ende mit einer großen Überraschung aufwartet. Eine solide und hörenswerte Folge der Serie.

VÖ: 8. September 2017
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6046-0


Sherlock Holmes Chronicles – 43. Das Familienritual / Belladonna



Erster Eindruck: Ein lange gehütetes Geheimnis...

Auch wenn Dr. Watson ziemlich gut über das aktuelle Leben von Sherlock Holmes Bescheid weiß – zu seinem Leidwesen insbesondere über seine Unordnung – ist der Meisterdetektiv über seine Vergangenheit oft sehr verschwiegen. Das ändert sich, als er seinem Kumpanen von einem seiner alten Fälle berichtet, bei dem er seinem alten Freund Reginald bei einem alten Rätsel über seine Familie behilflich ist...

Mit „Das Familienritual“ ist in den Sherlock Holmes Chronicles ein weiterer Klassiker aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle umgesetzt worden, der auch unter dem Titel „Das Musgrave-Ritual“ bekannt ist. Dabei wird wie in der Originalgeschichte auch ein unterhaltsames Intro geboten, das auf die ganz besondere Beziehung zwischen Holmes und Watson eingeht. Danach berichtet Holmes von dem zurückliegenden Fall, was durch einige Rückfragen von Watson aufgelockert wird – was sehr geschickt ist, weil die Erzähltexte so mehr in einen Dialog umgewandelt wurden. Der Fall an sich ist eher schlicht und konzentriert sich ganz auf das gestellte Rätsel der Familie, zeigt dabei sehr gut die durch und durch logische Herangehensweise der bekannten Romanfigur. Vielleicht nicht die stärkste Vorlage, diese wurde aber gut und auf den Kern beschränkt umgesetzt. Daran schießt sich noch eine weitere, neue Kurzgeschichte an: „Belladonna“, das sich um eine äußerst seltene und wertvolle Geige dreht, eine schwarze Stradivari. Die Geschichte um eine geheimnisvolle Dame in Schwarz spielt mit so einigen Motiven, die ein stimmiges Ganzes ergeben. Die ganz große Spannung kommt auch hier nicht auf, durch die mysteriöse Stimmung ist aber eine starke Episode der Serie entstanden.

Olaf Reichmann ist als Reginald Musgrave zu hören, seine ausdrucksstarke Stimme passt sehr gut zu der Figur, zumal er hörbaren Spaß an der Umsetzung hatte. Dennis Schmidt-Foß schafft es, seiner Stimme eine weitere Facette zu entlocken und passt sich sehr gut der vorherrschenden Atmosphäre an. Antje von der Ahe hat mit sehr gut gefallen, durch sie bekommt die Figur der Dame in Schwarz eine sehr präsente Aura. Weitere Sprecher sind Magdalena Turba, Tommi Piper und Assad Schwarz.

Die erste Episode ist noch recht ruhig umgesetzt, schafft aber passende Stimmungen für die unterschiedlichen Szenerien. Deutlich mehr passiert da in der zweiten Episode „Belladonna“, da hier natürlich auch auf der Geige gespielt wird. Die klassischen Klänge sind eine echte Bereicherung für die Folge, die viel an Atmosphäre dazugewinnt.

Ein glitzernder und funkelnder Goldschatz, der von einer juwelenbesetzten Krone getoppt wird, ist auf dem Cover abgebildet, was durch die dunkle Gestaltung des Covers eine sehr gelungene Aura verströmt. Im Inneren gibt es natürlich wieder einen einleitenden Text zu dieser Folge, während eine recht lange Hörprobe zum ebenfalls sehr lohnenden „Eifel-Krimi“ auf der CD vorhanden ist.

Fazit: Zwei sehr unterschiedliche Geschichten, die verschiedene Aspekte des Detektiv beleuchten. Während „Das Familienritual“ sehr reduziert auf ein interessantes Rätsel ist, schafft „Belladonna“ eine sehr düstere Atmosphäre und punktet mit einer sehr gelungenen Auflösung. Beide Episoden haben mir gut gefallen.

VÖ: 18. August 2017
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6045-3


Sherlock Holmes Chronicles – 42. Das verwunschene Haus



Erster Eindruck: Junge Erbin in Nöten

Sherlock Holmes ist ein durch und durch logisch denkender Mensch, sodass ihm der Bericht seiner neuen Klientin zunächst nicht sonderlich überzeugt. Denn in der kleinen Waldhütte, die sie vor kurzem geerbt hat, erklingen unheimliche Stimmen und verändern sich Gemälde. Dennoch nimmt der Meisterdetektiv den Fall an und reist in die abgelegene Kate...

Es ist immer wieder spannend, wie andere Autoren mit der bekannten Figur des Sherlock Holmes umgehen. Manche fügen sehr kreativ eigene Elemente ein und lassen die Figuren in einem anderen Licht erscheinen, andere besinnen sich auf die Ursprünge und finden sich sehr gut in die bereits vorhandenen Stimmungen ein. Mit „Das verwunschene Haus“, welches als 42. Folge der Sherlock Holmes Chronicles vertont wurde, beweist Autor James A. Brett, dass er eindeutig in die zweite Kategorie gehört. Schon der Beginn der Handlung erinnert stark an die Vorlagen von Arthur Conan Doyle, in der die neue Klientin Myra in ruhiger Atmosphäre von den merkwürdigen Ereignissen berichtet. Das ist so konzentriert, dass ein plötzlicher Ausspruch von Watson überraschend kommt und fast wie ein Fremdkörper wirkt. Die Ermittlungen des Detektivgespanns in dem abgelegenen Waldstück lassen die zunächst übernatürlich wirkenden Momente sehr gut zur Geltung kommen und nähern sich in gewohnter Manier langsam an den Kern der Handlung an. Das ist unterhaltsam gelungen, zumal die Auflösung dann sehr gut erzählt ist. Eine sehr runde Folge der Reihe, die sehr unterhaltsam geraten ist.

Kaya Marie Möller gibt sich hier wieder die Ehre und spricht die Rolle der Myra O'Neill mit einer gelungenen Attitüde, wobei sie mit ihren Berichten um die übernatürlichen Ereignisse eine hübsch unheimliche Note mit einbringt. Thomas Petrou hat mir ebenfalls sehr gut gefallen, seine markante Stimme sorgt als Wilbert Weilberforce für einige sehr eindrucksvolle Momente, in die er viel Energie investiert. Mit Torsten Sense hat sich eine weitere starke Stimme vor das Mikrofon von WinterZeit gesellt, er wirkt in seiner Rolle sehr authentisch. Weitere Sprecher sind Gerald Schaale, Sven Gerhardt und Till Hagen.

Knisternde Kaminfeuer sind ja ein bewährtes Stilmittel in Geschichten von Sherlock Holmes und ist auch hier im Einsatz, wirkt aber schon fast ein wenig zu laut. Die Umsetzung ist insgesamt sehr stilsicher und stellt die Dialoge immer in den Mittelpunkt, wobei diese durch passende Geräusche und stimmungsvolle Musikstücke ergänzt werden.

Das kleine Haus im Wald, das Hauptschauplatz der Handlung ist, ist auch auf dem Cover abgebildet, sodass man sich gleich einen Eindruck hiervon machen kann. Nur spärlich durch die dichten Äste beleuchtet kommt es fast ein wenig verwunschen herüber. Auch die restliche Gestaltung ist wieder sehr stimmig und enthält einen kleinen einleitenden Text von Markus Winter.

Fazit: Viele Elemente und die Stimmung erinnern hier tatsächlich stark an die originalen Geschichten, wobei sich die geheimnisvollen Elemente sehr stimmig einführen. Die unterhaltsamen Ermittlungen schließen mit einer spannenden und überraschenden Auflösung ab. Eine runde Folge mit vielen starken Momenten.

VÖ: 4. August 2017
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6044-6


Sherlock Holmes Chronicles – 41. Der Fluch von Blackwood Castle



Erster Eindruck: Düstere Gestalten in altem Gemäuer

Ein ganzer Landstrich in Schottland glaubt daran, dass Werwölfe die Gegend terrorisieren. Und so wird auch bald Sherlock Holmes auf den Fall aufmerksam und reist mit Dr. Watson auf das alte Gemäuer Blackwood Castle. Holmes zweifelt keine Sekunde, dass es sich um kein übernatürliches Phänomen handelt. Doch als er selbst einem der Wesen gegenübersteht, macht er einige wichtige Entdeckungen...

Die Verbindung von der durch und durch rationalen Figur des Sherlock Holmes und scheinbar übernatürlichen Phänomenen stand bei Sir Arthur Conan Doyle, dem Erfinder der berühmten Figur, nur ab und an im Vordergrund, ist aber durchaus reizvoll. Dies beweist auch die 41. Folge der Sherlock Holmes Chronicles, in der sich der Meisterdetektiv mit dem Werwolfmythos auseinandersetzen muss. Dafür wurde eine hübsch düstere und unheimliche Atmosphäre geschaffen, die sich schnell auf den Hörer überträgt. Besondere Highligts sind dabei immer wieder das Auftauchen der Bestien, die die Spannungskurve nach oben schnellen lassen, aber eben auch neue Hinweise für die Lösung des Falles bieten. Auch hier gelingt es Holmes in seiner typischen Art, kleinste Details zu logischen Schlussfolgerungen zusammenzuführen und so die Tat zu entschlüsseln, was sehr gut erzählt wurde. Auch das Konstrukt hinter dieser Folge hat mir sehr gut gefallen, da es verschiedenen Komponenten vereint und gar nicht so leicht zu durchschauen ist, obwohl genügend Hinweise gestreut wurden. So gefällt mir diese Reihe richtig gut!

Tom Jacobs ist natürlich als Dr. Watson mit dabei und stellt die bekannte Figur wieder sehr charmant dar, passt sich aber auch der düsteren Atmosphäre an. Besonders in den Erzähltexten fährt er den humoristischen Anteil zurück und sorgt für eine intensive Stimmung. Roland Hemmo ist als Lord Arthur ebenfalls sehr stark, mit seiner markanten Stimme sorgt auch er dafür, dass sich die Geschichte noch mehr verdichtet. Uschi Hugos unverwechselbarer Klang passt sich ebenfalls sehr gut an die düstere Handlung an und ist wunderbar undurchsichtiger. Weitere Sprecher sind Kaspar Eichel, Boris Tessmann und Michael Iwannek.

Ein altes Schloss, nächtliche Szenen, Werwölfe, die jagend durch die Gänge streifen – genau das hat Winterzeit auch akustisch sehr gut umgesetzt, aber dabei nicht zu dick aufgetragen. Die Stimmung wird insbesondere durch die vielen eingebauten Musikstücke erzeugt, aber auch die Geräusche und Klangeffekte sorgen für eine lebendige und düstere Atmosphäre.

Herrlich atmosphärisch ist auch das Cover gelungen, das herrschaftliche Schloss ragt düster empor, von Nebelschwaden umgeben, davor ein kleiner Friedhof mit schlichten Kreuzen, einer düsteren Gestalt und einem Hirschen, darüber ein Schwarm Raben – sehr unheimlich und stimmig! Schön, dass es im Inneren wieder einen kleinen, unterhaltsamen Text von Markus Winter gibt.

Fazit: Die Handlung ist spannend, kurzweilig erzählt und gut konstruiert. Das spricht an sich schon einmal für ein gelungenes Hörspiel, wird aber auch noch durch eine intensive Atmosphäre unterstützt. Die Kombination aus logischen und deduktiven Elementen und dem mystischen Einschlag sorgen für sehr gute Unterhaltung.

VÖ: 7. Juli 2017
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6043-9


Sherlock Holmes Chronicles – 40. Der Detektiv auf dem Sterbebett



Erster Eindruck: Letzter Vorhang für Holmes?

Als Dr. Watson von dem Zustand von Sherlock Holmes' schlechtem Zustand erfährt, macht er sich sofort auf in der Baker Street, denn der Meisterdetektiv liegt seit Tagen krank im Bett, es steht äußerst schlecht um ihn. Wie im Delirium berichtet er Watson von einer seltenen Krankheit, mit der er sich im Hafen angesteckt hat. Scheinbar kann nur ein einziger Mann jetzt noch helfen...

Sir Arthur Conan Doyle hat für seinen Detektiv Sherlock Holmes zahlreiche Geschichten geschrieben, die sich teilweise sehr voneinander unterscheiden. Dabei gibt es auch Erzählungen, die eine ganz andere Erzählweise haben, und dazu gehört auch „Der Detektiv auf dem Sterbebett“. Winterzeit hat diese Geschichte als 40. Folge der Chronicles aufgenommen und eine sehr stimmige Umsetzung der Handlung abgeliefert, die sich eng an die Vorlage hält. Das bedeutet gleichzeitig, dass hier keine wirkliche Hochspannung aufkommt, dass keine ausgeklügelten Ermittlungstechniken zum Einsatz kommen. Weite Teile konzentrieren sich dann auf das Gespräch zwischen Holmes und Watson, der voller Sorge um seinen Freund und Kollegen ist. Immer wieder werden wirre Gedanken von Holmes eingebaut, und wie Holmes weiß auch der Hörer nicht so recht, was einem Fiebertraum entsprungen und was von Bedeutung ist. Erst im zweiten Teil nähert sich die Geschichte dann der eigentlichen Auflösung, und diese ist dann durchaus trickreich und wendungsreich erzählt. Doch es dauert einfach zu lange, bis die Handlung auf den Punkt kommt, die Geschichte franst zunächst etwas aus. Das ist durchaus unterhaltsam, kann aber mit den stärkeren Folgen der Reihe einfach nicht mithalten.

Als Gastsprecher ist in dieser Folge Manfred Lehmann zu hören, dessen markante Stimme sehr gut in die Serie passt und dem tollen Duo aus Tom Jacobs und Till Hagen einen starken Klang entgegensetzen kann – zumal er die Rolle mit viel Energie und düsterem Charme ausstattet. Bernd Vollbrecht ist mal wieder als Inspector Lestrade zu hören, er wirkt darin sehr authentisch und setzt die bekannte Figur mit viel Ernsthaftigkeit um. Bert Franzke ist zudem noch in einer kleinen Rolle als Butler zu hören und hinterlässt dabei einen soliden Eindruck.

Winterzeit hat der Folge wieder mal ein passendes Kleid geschneidert und gerade die Szene mit dem verwirrten und im Delirium liegenden Holmes sehr sorgsam inszeniert. Da gibt es viele Melodien, die sich um die Szenen legen und ihnen so viel Stimmung verleihen. Auch die Geräusche fügen sich stimmig in das Gesamtkonzept ein und lassen das ganze authentischer wirken.

Wieder ist ein schlichtes Motiv sehr aufwändig und spannend für das Cover umgesetzt worden. Zu sehen ist das ausgezehrte Gesicht des Meisterdetektivs zu sehen, der sich einer alten Öllampe zugedeht hat. Die düstere, orangefarbene Einfärbung sorgt für eine ganz besondere Stimmung. Im Inneren erklärt Markus Winter, warum ihm gerade diese Geschichte so gut gefällt.

Fazit: Eine einfache und reduzierte Geschichte, die sich gut zweiteilen lässt. Während zunächst der Dialog zwischen Holmes und Watson zwar einige Informationen enthält und durchaus unterhaltsam geraten ist, kommt hier keine wirkliche Spannung auf. Das ändert sich erst später und präsentiert eine sehr trickreiche Auflösung.

VÖ: 23. Juni 2017
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6042-2


Sherlock Holmes Chronicles – 39. Die Rache des Pharao



Erster Eindruck: Aufregung im British Museum

Von übernatürlichen Phänomenen hält Sherlock ja bekanntlich ziemlich wenig. Und so schenkt er auch Sir Edward Thompson, dem Direktor des British Museum, wenig Glauben, als dieser von der Mumie berichtet, die scheinbar im den weiten Räumen umherwandert – und einen jungen Archäologen umgebracht haben soll. Und so macht er sich selbst einen Eindruck vom Tatort...

Bereits in den Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle hatte Sherlock Holmes einen Hang zum Sarkasmus, James A. Brett hat dies in seiner Erzählung „Die Rache des Pharao“ noch weiter ausgebaut und stattet den Meisterdetektiv mit äußerst schlechter Laune aus. So bringt er immer wieder ziemlich bitterböse Spitzen gegen seine Gesprächspartner und muss sogar von Watson zurechtgewiesen werden, was den humorigen Faktor der Serie deutlich steigert. Doch auch der Fall an sich ist unterhaltsam und gut auf die bekannten Figuren zugeschnitten. Denn wieder ist es die genaue Beobachtungsgabe und die Fähigkeit, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, die unterhaltsam dargeboten ist und die bekannte Figur gelungen ausformt. Es werden in recht langen Dialogen viele Details offenbart, sodass auch der Hörer einige Rückschlüsse ziehen kann. Ein Verdacht verdichtet sich dann immer weiter, in einer typischen Auflösungsszene wird der Täter dann überführt – allerdings mit einem recht merkwürdig anmutenden Trick, der nicht so recht zum Rest der Handlung passen will. Dennoch ist hier eine gute und klug durchdachte Folge entstanden, die mit einem Hauch des Mysteriösen spielt und einen Holmes in Hochform präsentiert.

Dieser wird hier wieder vom wundervollen Till Hagen gesprochen, der den Meisterdetektiv hier mit einem immer leicht ironischen Unterton ausstattet und die sarkastischen Kommentare sehr treffsicher spricht. Dietmar Wunder hat mir als Sir Edmund ebenfalls sehr gut gefallen, seine intensive und variable Stimme verleiht jeder Szene eine ganz besondere Aura. Eine sehr gute Leistung hat auch Ulrike Stürzbecher abgeliefert, denn auch wenn ihr Charakter nur wenige Minuten vorkommt, hat sie ihn mit ihrer lebendigen Sprechweise ins rechte Licht gerückt. Weitere Sprecher sind Hans-Eckart Eckardt, Jürgen Thormann und Reinhard Kuhnert.

Akustisch ist diese Folge wieder sehr stimmig umgesetzt, wirkt aber etwas reduzierter als andere Episoden der Serie. So liegt die Konzentration klar auf den vielen Dialogen, während die Geräuschkulisse stimmige Szenarien schafft und einige Handlungen untermalt. Die dezente Musik fügt sich sehr gut in dieses Bild ein und verstärkt den Ausdruck der Folge.

Auf dem Cover ist in erdigen Tönen ein an die Wand gelehnter, geöffneter Sarkophag zu sehen, während die Mumie nur von der Seite zu sehen ist und so vielem der Fantasie des Betrachters überlassen ist. Ein stimmiges Motiv mit vielen Details, welches auch im Inneren noch einmal wiederholt wird. Ziemlich kreativ ist der Hinweis auf die eigene Homepage, auf der man sich ein alternatives Ende für diese Handlung anhören kann.

Fazit: Ein Hauch Mystik, ein spöttelnder Detektiv und eine gut durchdachte Story - „Die Rache des Pharao“ ist eine weitere gute Folge der Serie und bringt frischen Wind in die Erzählungen. So gibt es neben dem typischen Flair der Figuren auch einige neue Elemente, die sich stimmig einfügen.

VÖ: 19. Mai 2017
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6041-5


Sherlock Holmes Chronicles – 38. Das gefleckte Band



Erster Eindruck: Die Frage Wie

Helen Dorner ist entsetzt über den Tod ihrer Zwillingsschwester, die trotz abgeschlossenen Zimmers und bester Gesundheit in einer Nacht verstorben ist. Vor ihrem Tod hat ihre Schwester noch von einem seltsamen Pfeifton berichtet, der scheinbar nur in ihrem Zimmer zu hören ist. Doch als auch Helen das Pfeifen hört, bekommt sie es mit der Angst zu tun und sucht Meisterdetektiv Sherlock Holmes auf...

Dass die Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle auch heute noch so beliebt sind, ist sicherlich kein Zufall, denn neben seinen so charakteristischen Figuren hat er seinen Geschichten auch immer wieder einen besonderen Kniff verliehen. So auch der Kurzgeschichte „Das getupfte Band“, die als 38. Folge der Sherlock Holmes Chronicles vertont wurde. Denn hier recht von Anfang an ein Motiv klar, und auch die Identität des Täters ist keine Überraschung. Hier stellt sich eher die Frage, wie der Mord verübt wurde, und hierfür wurden zahlreiche Hinweise eingebaut, mal wie nebenbei, mal als offensichtliches Indiz. Dabei entwickelt sich eine ganz besondere Art der Spannung, die gemeinsam mit der dichten Atmosphäre zu einer kurzweiligen Geschichte führt. Toll ist auch, dass gerade die Reduziertheit dieser Produktion die Stimmung so sehr verdichtet, nur wenige lange Dialoge konzentrieren sich voll auf den Fall, der bis zur cleveren Auflösung sehr unterhaltsam gestaltet ist. Dass sich die Macher dabei sehr nah ans Original halten, ist auch hier wieder lobenswert zu erwähnen.

Tatsächlich sind es gerade einmal sechs Sprecher, um diese Handlung zu erzählen, darunter auch die drei bereits bekannten Sprecher Tom Jacobs, Viola Sauer und Till Hagen als Sherlock Holmes. Viola Sauer ist als Helen Stoner gerade in den ersten Szenen sehr präsent und setzt ihre klare Stimme sehr gekonnt ein, um einen zarten und sympathischen Charakter zu schaffen und gleichzeitig ihre tiefe Trauer auszudrücken. Ihre Schwester taucht nur kurz auf, Luisa Wietzorek kann aber auch dabei in Erinnerung bleiben und gestaltet die paar Worte sehr eingängig. Gut gefallen hat mir auch Oliver Stritzel, der den grantigen Unssympath sehr energiegeladen umsetzt.

Zur Steigerung der Atmosphäre wurde für jede Szene ein passender klanglicher Hintergrund geschaffen, so sorgt in der ersten Szene mit dem Bericht von Helen ein prassendes Kaminfeuer für eine behagliche Stimmung. Musik ist in dieser Folge recht wenig im Einsatz, lenkt aber immer wieder die Aufmerksamkeit auf besonders wichtige Szenen oder sorgt für fließende Übergänge.

Das Spiel von Licht und Schatten ist auf dem Cover von Mark Freier richtig gut umgesetzt worden. Zu sehen ist eine junge Frau, die mit fragendem, fast ängstlichen Gesichtsausdruck eine Lampe in die Höhe hält und suchend in die Gegend schaut. Gepaart mit dem dunklen, ein wenig verschwommenen Hintergrund kommt das sehr gut zur Geltung. Im Inneren gibt es wieder einen einleitenden Text zur Folge.

Fazit: „Das getupfte Band“ gehört zu meinen Lieblingsgeschichten von Sherlock Holmes, weil eben nicht die Frage nach dem Täter, sondern nach der Art des Mordes gestellt wird. Das wirft ganz andere Fragen auf und ist mit seiner ruhigen Erzählweise sehr detailliert geschildert. Die gelungene Umsetzung von Winterzeit macht die 38. Folge der Serie zusätzlich hörenswert.

VÖ: 21. April 2017
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6016-3


Sherlock Holmes Chronicles – 37. Der verschwundene Diplomat / Der Rheingauer Prinzenraub



Erster Eindruck: Auf Spurensuche in einem Koffer

Eigentlich sollte der britische Diplomat nach Frankreich reisen, doch dort kommt er nie an. Da es sich um einen Fall von politischer Brisanz handelt, bittet Mycroft Holmes seinen Bruder Sherlock um Mithilfe, denn nur ein leerer Koffer kann Hinweise auf seinen Verbleib geben. Natürlich entdeckt der Meisterdetektiv sofort einige Hinweise, die seinem treuen Begleiter Dr. Watson verborgen bleiben...

Auf der 37. CD der Sherlock Holmes Chronicles von Winterzeit versammeln sich mal wieder zwei in sich abgeschlossene Geschichten, beide stammen dieses mal nicht von Sir Arthur Conan Doyle. Den Anfang macht „Der verschwundene Diplomat“, dessen Inhalt oben kurz angerissen ist. Die ersten Szenen widmen sich dabei ganz den Dialogen zwischen Holmes und Watson und sind sehr treffend geraten, der Meisterdetektiv registriert dabei jeden noch so kleinen Hinweis und deduziert daraus den Hergang des Verschwindens. Trotz der Reduzierung dieses Intros stehen diese den nachfolgenden Szenen keineswegs nach. Hier ermittelt das Duo vor Ort und stellt ihren Feinden eine Falle, wobei mir sehr gut gefallen hat, dass der Hörer genauso wie Watson keine Ahnung hat, wohin dies alles führen soll. Und auch das Auftauchen einer bekannten Figur verleiht der trickreichen Handlung einige passende Stimmung. Die zweite Geschichte mit dem etwas sperrigen Titel „Der Rheingauer Prinzenraub“ hat mich leider nicht so sehr gepackt, der Aufbau ist etwas zu schlicht, es kommt keine wirkliche Spannung auf. Im Gegensatz zur ersten Geschichte kommen auch die Figuren nicht wirklich gut zur Geltung, sodass hier eher eine schwächere Episode vorliegt – was durch den sehr gelungenen ersten Teil aber wieder ausgeglichen werden kann.

Karlo Hackenberger hat hier den Part von Sherlock Holmes übernommen, entwickelt dabei aber nicht die gleiche Strahlkraft wie sein Kollege Till Hagen in dieser Serie. Zwar bringt er den leicht überheblichen Charakterzug der Figur gut zur Geltung, spart aber mit dem humoristischen Element, welches daraus entstehen kann. Konrad Börherz ist in der kleinen Rolle des Kippler gut aufgehoben, seine Sprechweise passt sich an die verschiedenen Situationen gut an. Thomas Krause ist in der zweiten Geschichte in der Rolle des Inspektor Cornelius zu hören, den er konsequent und sehr solide umsetzt. Weitere Sprecher sind Bernd Vollbrecht, Werner Wilkening und Ben Steinhoff.

Die Sherlock Holmes Chronicles sind als inszenierte Lesung umgesetzt, weswegen auch der akustischen Umsetzung viel Aufmerksamkeit zuteil wird. So sind die kleinen Melodien nicht nur während der Szenenübergänge eingebaut, sondern untermalen auch einige besonders wichtige oder spannende Dialoge. Der Geräuschanteil ist zudem recht hoch, wodurch eine lebendige Atmosphäre entsteht.

Der verschwundene Gentleman ist auf dem Cover abgebildet, aristokratisch gekleidet blickt er dem Betrachter ernst entgegen, während im Hintergrund eine alte Dampflokomotive zu sehen ist, der Hintergrund ist dabei wie ein handgeschriebener Brief gestaltet. Das passt alles sehr gut zusammen und schafft ein reizvolles und ansehnliches Cover für diese Folge.

Fazit: Zwei Folgen auf einer CD, und während die zweite etwas schwächelt und keine wirkliche Spannung erzeugen kann, ist „Der verschwundene Gentleman“ eine sehr gelungene Erzählung, die die beiden Hauptfiguren gut wirken lässt und die Deduktion von Holmes in den ersten Szenen in den Mittelpunkt stellt. Das ist undurchsichtig, überraschend aufgelöst und sehr gut komponiert.

VÖ: 17. März 2017
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6015-6


Sherlock Holmes Chronicles – 36. Die Entführung aus der Klosterschule



Erster Eindruck: Ein Fahrad als Hinweis?

Ein Skandal ausgerechnet in den Mauern eines Eliteinternats ruft einmal mehr Sherlock Holmes auf den Plan. Denn ein adeliger Schüler ist verschwunden, mit ihm sein Deutschlehrer und ein Fahrrad. Zunächst hat der Meisterdetektiv nur wenige Anhaltspunkte, beginnt aber wie immer gewissenhaft mit seinen Ermittlungen. Doch obwohl der Vater des Jungen ein hohes Lösegeld ausgesetzt hat, kommt er der Sache nur langsam auf die Spur...

„Original Klassiker“ prangt auf dem Cover der 36. Folge der Sherlock Holmes Chronicles von Winterzeit, was nichts anderes bedeutet, als dass hier eine Originalgeschichte von Sir Arthur Conan Doyle umgesetzt wurde. Die Wahl ist auf „Die Entführung aus der Klosterschule“ gefallen, einer eher unbekannten Erzählung, die jedoch deutlich mehr Beachtung verdient hat – wie auch diese Umsetzung zeigt. Denn von Anfang an präsentiert sich die Geschichte sehr geheimnisvoll, die nach und nach aufgedeckten Hinweise feuern die Spannung dabei immer weiter an, geben aber nicht zu viel vom Gesamtbild preis. Dieses eröffnet sich erst ganz zum Schluss mit einer ebenso überraschenden wie ungewöhnlichen Auflösung, wobei besonders die unkonventionelle Reaktion des Meisterdetektivs zu überzeugen weiß. Dabei hat Winterzeit für eine sehr eingängige Umsetzung des Stoffes gesorgt und die Kernelemente der Handlung besonders betont. Die Umsetzung wirkt ernster und nicht so verspielt wie manch andere Variante, entwickelt so ihren eigenen Charme und lässt nur ab und an den Humor der Figuren aufblitzen. Eine stimmige und hörenswerte Umsetzung des Klassikers.

Till Hagen ist einmal mehr in der Rolle des Sherlock Holmes zu hören und sorgt mit seiner volltönenden, angenehmen Stimme, die er sehr gut an die jeweilige Szenerie anpasst, für eine gelungene Hauptfigur. Thomas Nero Wolff spricht die Rolle des Huxtable sehr ausdrucksstark und treffend, wobei er der Rolle seinen ganz eigenen Stempel aufdrückt. Auch Axel Lutter punktet als Lord Holderness mit einer überzeugenden und glaubwürdigen Leistung, die mich gerade im Finale sehr gepackt hat. Weitere Sprecher sind Louis-Friedemann Thiele, Klaus Lochthive und Wolfgang Wagner.

Die Inszenierung punktet nicht nur mit dem gut geschriebenen Skript und den passenden Sprechern, sondern auch mit der gut angepassten akustischen Gestaltung. Hier greifen Musik und Geräusche gut ineinander, sodass jeder Szene ein passendes Kleid geschneidert wurde. So wird auch die Dynamik der Folge nachgezeichnet, indem die entscheidenden Szenen mit besonders auffälliger Musik untermalt wurde.

Ein einsames, umgestürztes Fahrrad, sanft von der Sonne beschienen, liegt in einem angedeuteten Wald – ein sehr gelungenes Cover, das mit seiner orangefarbenen Farbgebung die Stimmung der Geschichte gut einfangen kann. Ein kleiner einleitender Text zu dieser Folge und die bereits bekannten Kurzinformationen zu den beiden Hauptsprecher runden den positiven Eindruck der Gestaltung ab.

Fazit: Auf das Wesentliche heruntergebrochen, undurchschaubar und knifflig – diese Hörspielfassung des Klassikers ist Winterzeit gut gelungen und lässt die Stimmung im Moor gut zur Geltung kommen. Die Sprecher sind toll ausgewählt, die Geschichte ist dynamisch und rätselhaft und wird durch ein starkes Finale gekrönt – eine tolle Umsetzung!

VÖ: 10. Februar 2017
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6014-9


Sherlock Holmes Chronicles – 35. Holmes soll sterben



Erster Eindruck: Morddrohung mit Folgen

Dass nicht alle Menschen Sherlock Holmes freundlich gesinnt sind, musste der Meisterdetektiv ja schon einige male erfahren. Und so kann ihn auch die unverhohlene Morddrohung in einem Brief nicht aus der Bahn werfen, sofort analysiert er die wenigen Worte, die auf dem Papier sehen – jedenfalls, bis seine Hände plötzlich taub werden und zu zittern beginnen...

Die Sherlock Holmes Chronicles sind zwar als inszenierte Lesung deklariert, erinnern aber dennoch oft an ein Hörspiel. Auf „Holmes soll sterben“ nach einer Geschichte von Heiko Grießbach ist dies aber tatsächlich sehr zurückgefahren, weite Teile der Handlung besteht aus Dialogen zwischen Holmes und Watson oder Erzählanteil des Meisterdetektivs. Wer nun fürchtet, das sei langwierig oder belanglos, irrt gewaltig, denn die Geschichte ist sehr gehaltvoll erzählt und sehr kurzweilig geraten. Gerade aus dieser sehr reduzierten Szenerie zieht die Handlung viel Kraft und reduziert sie auf das Wesentliche: Die Deduktionskraft und Kombinationsgabe der Hauptfigur. Hier werden verschiedene Möglichkeiten ausgelotet und wieder verworfen, bevor im letzten Drittel die Geschichte an Fahrt aufnimmt und nach einigen Wendungen eine wirklich spannende und trickreiche Handlung erzählt, bei der nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. So kommt dann auch eine gewisse Dramatik auf, die der Folge noch einmal einen ganz anderen Anstrich verpasst. Die sehr starke Vorlage wurde intensiv und lebendig umgesetzt, sodass eine richtig gute Folge der Serie entstanden ist.

Bernd Vollbrecht ist in dieser Folge mal wieder als Inspector Lestrade zu hören und verleiht der bekannten Figur seine ganz eigene Note, sodass seine Szenen auch hier gut zur Geltung kommen. Wolfgang Wagner ist in einer kleinen, aber effektiven Nebenrolle zu hören, die er mit viel Energie und einer sehr eingängigen Sprechweise umsetzt. Toll ist auch wieder Till Hagen als Sherlock Holmes, der den Humor der Figur nur sehr leise anklingen lässt und mit seiner tiefen, volltönenden Stimme für sehr intensive Momente sorgt. Weitere Sprecher sind Viola Sauer, Tim Moeseritz und Arne Stephan.

Mir gefällt, wie dynamisch sich die 56 Minuten Laufzeit hier entwickeln und die Akustik mit der Spannungskurve der Geschichte mitgeht. So sind die besonders spannungsgeladenen Momente mit passender Musik unterlegt, während sich ruhigere Momente nur auf die Dialoge konzentrieren oder nur mit einigen Geräuschen unterlegt sind.

Die triste Szenerie auf dem Cover passt dazu sehr gut, der Grabstein mit dem Namen der bekannten Romanfigur beschriftet ist. Einige kahle Äste, eine Krähe und zahlreiche weitere Kreuze im Hintergrund ergänzen dieses kühl wirkende Titelbild. Dieses ist auch auf der CD abgedruckt, während im Inneren des kleinen Booklets ein kleiner einleitender Text von Markus Winter zu finden ist.

Fazit: Die Folge ist sehr dynamisch erzählt, da sie sowohl sehr reduzierte Dialoge als auch aufregende und spannende Momente enthält. Dass dabei Holmes selbst das Opfer ist, macht die Folge natürlich noch interessanter, wobei einige sehr gelungene Kniffe angewendet wurden, um die Geschichte am Laufen zu halten. Sehr gut aufeinander abgestimmt und lebendig erzählt.

VÖ: 13. Januar 2017
Label: WInterzeit
Bestellnummer: 978-3-9456-2452-4


Sherlock Holmes Chronicles – 30. Das gelbe Gesicht / Die beiden Sonderlinge



Erster Eindruck: Untreue Gattin?

Lange sind Grant Munro und seine Gattin Effie noch nicht verheiratet, doch schon zweifelt der junge Mann an ihrer Treue. Denn nachdem Effie eine beträchtliche Geldsumme von ihren Mann erbeten hat, aber nicht den Grund der Zahlung angeben wollte, hat Grant sie verfolgt und in ein Haus gehen sehen, aus dessen oberen Fenster ein entstelltes, gelbes Gesicht herausschaut. Grant Munro bittet Sherlock Holmes um Mithilfe...

Beinahe schon alte Tradition setzt Winterzeit in der 30. Folge der Sherlock Holmes Chronicles-Serie gleich zwei Geschichten um, wobei der Hauptteil von „Das gelbe Gesicht“ bestritten wird. Leider ist dies nicht die stärkste Folge aus den Fundus von Sir Arthur Conan Doyle, sodass die Geschichte trotz der wie gewohnt stimmigen Umsetzung des Labels ein wenig blass bleibt. Bereits einen großen Teil der Handlung wird von dem Bericht von Grant Munro eingenommen, was immerhin recht unterhaltsam und rätselhaft ist. Doch die nachfolgenden Ermittlungen entfallen quasi komplett, nach einer (sich im Nachhinein als falsch herausstellenden) Vermutung von Holmes geht es nahtlos in die Auflösung über. Dass es sich dabei sogar genau genommen nicht einmal um einen wirklichen Krimi, sondern die Beschreibung persönlicher Schicksale handelt, trägt nicht zur Steigerung der Spannung bei. Die nachfolgende Geschichte „Die beiden Sonderlinge“ klingt mehr wie ein Teaser zu einer noch kommenden Geschichte, denn neben recht langen Monologen und einer ziemlich knappen, nicht gerade aufregenden Handlung ist diese Episode auch schon wieder vorbei. So bleibt ein eher durchwachsener Eindruck dieser Folge.

Manuel Straube ist in der Geschichte über das gelbe Gesicht als Grant Munro zu hören, er wählt eine passende Sprechweise und lässt die aufgewühlte Gefühlswelt des Mannes gut durchklingen, ohne die nüchterne Atmosphäre der Holmes-Geschichten zu sehr zu verändern. Seine Frau wird von Andrea Aust gesprochen, die mit viel Leidenschaft dabei ist und deren Flehen und Unsicherheit im Laufe der Handlung immer intensiver wird. Natürlich ist auch Tom Jacobs als Dr. Watson wieder mit dabei, der launig und charmant wirkt wie eh und je. Weitere Sprecher sind Magdalena Turba, Tanya Kahana und Dirk Hardegen.

Akustisch ist die Folge stimmungsvoll umgesetzt worden, wofür besonders die eingebauten Melodien sorgen, die harmonisch sind und die das viktorianische Zeitalter, in der die Geschichten spielen, gekonnt aufleben lassen. Dabei sind nur recht wenige im Einsatz, was ebenso für Geräusche gilt, sodass der Fokus immer auf den Sprechern und den Dialogen liegt.

Das gelbe Gesicht, das der ersten Geschichte den Titel gibt, ist auf dem Cover sehr unheimlich und düster umgesetzt worden. Es späht hinter einem Fensterbalken hervor und wird in eher grünlichen Tönen statt dem üblichen Sepia dargestellt. Durch die düstere Farbgebung und die recht detailreiche Darstellung passt dieses Motiv dennoch sehr gut in die bisherige Covergalerie.

Fazit: An der Umsetzung ist nichts auszusetzen, hier ist Winterzeit stark wie immer. Doch die Auswahl der Geschichten ist nicht allzu gut gelungen, da beide keinen wirklichen Spannungsbogen aufbauen können. Die Ausrichtung auf ein persönliches Schicksal statt auf einen Kriminalfall bringt zwar eine interessante neue Färbung, ist aber zu kurz abgehandelt.

VÖ: 24.Juni 2016
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9456-2439-5


Sherlock Holmes Chronicles – 29. Der schwarze Peter / Das Glas mit dem Magenbitter



Erster Eindruck: Ein Kapitän und ein Grundbesitzer

Dr. Watson versteht nicht so recht, warum Sherlock Holmes tatsächlich mit aller Macht versucht, Schweinehälften mit nur einem Schlag zu durchbohren. Doch als der Tod des Kapitäns Carey an das Duo herangetragen wird, der mit einer Harpune getötet wurde, wird dem Mediziner einiges klar. Doch der Fall ist verzwickter, als man es anfangs vermuten könnte...

Auch bei Winterzeit gibt es seit einiger Zeit eine eigene Sherlock Holmes-Reihe, wobei hier gleichsam bekannte und neue Geschichten über den Meisterdetektiv erzählt werden. Die 29. Folge kombiniert wieder beides und erzählt neben „Der schwarze Peter“ von Arthur Conan Doyle noch „Das Glas mit dem Magenbitter“, welches von Wolfgang Schüler für eine Anthologie verfasst wurde. Gerade hier ist bestens ersichtlich, wie nah sich einige Autoren an den Originalen halten, wie gut sie neue Fälle konstruieren un verzwickte Geschichten spannend erzählen, denn beide Episoden sind hier sehr gleichwertig und vom Aufbau her ähnlich. Einem längeren Bericht der Auftraggeber folgen einige Ermittlungen in dem Fall, die Überraschendes offenbaren und zu einem unerwarteten Ende führen. Auch die wunderbare Darstellung des Holmes als quasi allwissender und überlegene Detektiv, der sich nicht in die Karten schauen lässt, ist sehr gut getroffen. Und trotz dieser Gleichförmigkeit behalten beide Geschichten eine eigene Identität und können mit einem interessanten Hintergrund und prägnanten Szenen überzeugen. Für Holmes-Liebhaber gibt es sogar eine zeitliche Einordnung des Falles, ein kleines, gelungenes Bonbon für Fans.

In „Das Glas mit dem Magenbitter“ ist statt Till Hagen Karlo Hackenberger als Sherlock Holmes zu hören. Er findet eine einprägsame Sprechweise für diese Rolle und kann den Charakter des Detektivs gekonnt unterstreichen, setzt aber eher auf die ernsthafte Seite des Detektivs. Nora Jokhosha war mit bis dato kein Begriff als Sprecherin, in der zweiten Geschichte überzeugt sie aber als Miss Wolverham mit einem sehr prägnanten Ausdruck und einer glaubhaften Sprechweise. Auch Ricardo Richter ist als John Hopley Nelligan eine sehr gute Besetzung, mit sehr pointierter Sprache und energiegeladenem Ausdruck kann er vollkommen überzeugen. Weitere Sprecher sind Helmut Winkelmann, Bernd Vollbrecht und Konrad Bösherz.

Wieder wurde eine gekonnte akustische Umsetzung geschaffen, um die Handlungen gut zur Geltung zu bringen. Dafür sorgen insbesondere die eingebauten Melodien, die sehr stimmungsvoll geraten sind und mit klassischen Instrumenten eine eingängige Atmosphäre schaffen. Auch die Geräusche passen sehr gut in die Szenerie und lassen die Dialoge lebendiger wirken.

Ein bärtiger, ernst dreinblickender Mann ist in den Fokus auf dem Cover gerückt, das von Mark Freier stammt und sehr gut in die bisherige Covergalerie passt. Wie immer ist es in Brauntönen gehalten und spielt mit dem Verhältnis von Licht und Schatten. Im Inneren sind Kurzbeschreibungen von den drei Hauptsprechern vorhanden, auch Fotos der drei sind zu sehen.

Fazit: Die beiden Geschichten fangen den Geist der Figuren sehr gekonnt ein, und auch wenn beide Handlungen einem ähnlichen Muster folgen, sind beide eigenständig genug, um mit einigen Überraschungen zu punkten. Der unterhaltsame und kurzweilige Verlauf bietet gelungene Spannungsmomente, auch die Umsetzung mit den verschiedenen Hauptsprechern ist sehr passend gewählt.

VÖ: 3.Juni 2016
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9456-2438-8


Sherlock Holmes Chronicles – 28. Der Orchideenzüchter



Erster Eindruck: Das aufgeregte Dienstmädchen...

Patsy Payton, die bei Dr. Maltravers als Angestellte tätig war, berichtet Sherlock Holmes von einigen merkwürdigen Vorgängen in dessen Haus, die ihr Misstrauen erregt haben. Besonders, nachdem ein neuer Gebäudeteil nach einem Brand errichtet wird und sie dort seltsame Kettenvorrichtungen entdeckt, will sie mehr über die Vorgänge in dem Anwesen wissen. Auch das Interesse des Meisterdetektivs ist geweckt...

Die 28. Folge der „Sherlock Holmes Chronicles“ stammt aus der Feder von K.P. Walter, der diese für eine Sammlung von Kurzgeschichten um den bekannten Detektiv verfasst hat. Der Aufbau hingegen ist sehr klassisch und orientiert sich an den vielen Vorlagen von Arthur Conan Doyle, indem erst einmal ein neuer Mandant – hier in Form von Patsy – bei Holmes und Watson ankommt und von einigen recht geheimnisvollen Ereignissen berichtet. Schon hier ergründet das Gespann einiges im Gespräch und kommt so dem Geheimnis auf die Spur, erste Vermutungen werden geäußert. Nach diesem recht ruhigen, aber unterhaltsamen Teil geht es später deutlich lebendiger zu, indem der Meisterdetektiv ein ziemlich ungewöhnliches Kostüm auswählt und auch sonst noch einige überraschende Tricks anwendet, um der Geschichte direkt im Gebäude des Professors auf den Grund zu gehen. Das ist nicht nur ziemlich humorvoll gelöst und macht richtig Spaß, sondern endet fast nahtlos in einem spannenden Finale mit einem packenden und unerwarteten Ende. Das ist sehr gut konstruiert und kann die Spannung über die gesamte Länge halten.

Es sind gerade einmal sechs Sprecher, die für diese Handlung benötigt werden, und allesamt sind gut ausgewählt und können die Stimmung gekonnt einfangen. Im Mittelpunkt steht dabei natürlich wieder Till Hagen als Sherlock Holmes, der seine ganz eigene Weise findet, die bekannte Figur zu interpretieren und seine dunkle Stimme genau die richtige Portion an Humor verleiht. Corinna Dorenkamp sorgt mit ihrer aufgedrehten und sehr charmanten Art für einen gelungenen ersten Teil und bringt mit einigen niedlichen Versprechern viel Leben mit ein. Frank Röth ist als Dr. Maltravers mit seinem tiefen Klang eine sehr geheimnisvolle Figur und kann besonders in der Auflösung mit bewegtem Ausdruck überzeugen. Weitere Sprecher sind Tom Jacobs, Klaus Lochthöve und Louis Friedemann-Thiele.

Wie bereits bei den vorangegangenen Folgen ist die akustische Gestaltung recht zurückhaltend, sodass der Fokus immer auf den Sprechern und ihren Dialogen liegt – was sehr gut zu der Erzählweise der Geschichte passt. Zwar sind vielfältige Geräusche eingefügt, diese drängen sich aber nie in den Vordergrund. In der Auflösung sind diese noch etwas prägnanter und sorgen hier für den richtigen Ausdruck für diesen interessanten Part.

Schade, dass auf der Rückseite im Klappentext schon ein zu deutlicher Hinweis auf die Auflösung des Ganzen gegeben wird, dafür ist das Cover mit den beiden vermummten Kuttenträgern sehr stimmungsvoll geraten, was durch die Sepiafärbung noch verstärlt wird. Das kleine Booklet hält neben den üblichen Produktionsinformationen noch Kurzbiographien zu den beiden Hauptsprechern samt Foto bereit.

Fazit: „Der Orchideenzüchter“ führt einige sehr interessante Elemente zusammen und punktet mit einer unterhaltsamen und kurzweiligen Handlung, in der sich spannende und lustige Momente die Waage halten. Besonders die lange Zeit unklare und ungewöhnliche Auflösung hat mir sehr gut gefallen.

VÖ: 29.April 2016
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9456-2437-1


Sherlock Holmes Chronicles – 27. Die drei Studenten / Die drei Kameraden



Erster Eindruck: Bekanntes und Neues

Ein Universitätsprofessor wendet sich in höchster Eile an Meisterdetektiv Sherlock Holmes, denn am Vortag einer wichtigen Prüfung ist in seine privaten Räume eingebrochen worden, sodass die Aufgaben eingesehen werden konnte. Um die Prüfung nicht verschieben zu müssen sollen Holmes und Watson den Täter schnellstmöglich ausfindig machen, die bald die Zahl der verdächtigen Studenten auf drei reduzieren können...

Die „Sherlock Holmes Chronicles“-Reihe von Winterzeit bietet sowohl die Vertonungen der originalen Geschichten von Arthur Conan Doyle als auch neu erdachte Fälle von wechselnden Autoren – oder wie im Fall der 27. Folge gleich beides, denn hier sind zwei Kurzgeschichten zu hören. Den Anfang macht die bereits bekannte Geschichte „Die drei Studenten“, die sehr sauber und nah am Original umgesetzt wurde. Der Fall lässt sich wegen der Kürze der Zeit auch nur wenig Zeit für ein Intro, sodass schnell mit dem Fall gestartet werden kann. Zu Anfang ist es wieder Holmes' unglaubliche Beobachtungsgabe, die auch scheinbar unwichtige Details erfasst und in seine Auswertungen mit einbezieht. Auch die nachfolgende Ermittlung mit der Befragung verschiedener Zeugen bringt einiges ans Licht und gibt auch dem Hörer einige Rätsel auf. Die Auflösung des Ganzen gestaltet sich dann stimmig und hält kleine Überraschungen parat. Sicherlich ist dies nicht der aufregendste Fall von Holmes, aber ein gut erzählter zum Miträtseln ist es allemal. Die drei Kameraden aus der Feder von Barbara Büchner ist – wie Watson vorsorglich schon am Anfang betont – ebenfalls nicht sonderlich spektakulär, kann aber mit einer intensiven Eingangsszenerie und einer kurzweiligen Handlung punkten. Die Kombination aus beiden Geschichten ist interessant gewählt, sodass eine runde Folge der Chronicles entstanden ist.

Tom Jacobs ist hier wieder von Tom Jacobs gesprochen worden, der mit einem leicht humorigen Einschlag in den richtigen Momenten den Charme der Figur gut herauskitzeln kann, aber auch die Rolle des Erzähers mit fester und überzeugender Stimme vorträgt. Rainer Fritzsche ist als Soames zu hören, sein markanter Klang passt wunderbar zu der Figur, die durch ihn einen sehr autehntischen Anklang findet. Auch Klaus Lochthove hat einen positiven Eindruck hinterlassen, er passt sich sehr gut der Atmosphäre des Hörspiels an und bietet eine facettenreiche Sprechweise. Weitere Sprecher sind Manuel Straube, Brigitte Carlsen und Bernd Vollbrecht.

Das Team um Regisseur Markus Winter hat eine stimmige akustische Umsetzung geschaffen, die nicht zu dick aufträgt und sich eher schlicht um die einzelnen Episoden legt. Dafür sorgen insbesondere die Geräusche, die sorgsam eingefügt wurden und so die Dialoge lebendiger wirken lassen, aber auch einige Melodien unterstreichen gekonnt die Atmosphäre der Handlung.

Statt in einer gewöhnlichen Plastikhöhle stecken die CDs dieser Serie in einer etwas anders geformten Hülle, sodass aucg oben und unten der Folgentitel zu sehen ist. Das Cover zu dieser Folge zeigt passend zum Titel die Silhoetten dreier Studenten, die vor imposanten Universitätsgebäuden samt Blitzeinschlag prominent platziert sind, wobei die erdige Farbgebung auch hier wieder gut funktioniert.

Fazit: Die beiden Geschichten weisen trotz der ähnlichen Titel unterschiedliche Färbungen auf und können dabei mit einer kurzweiligen Erzählweise unterhalten. Beides sind keine Knaller-Folgen, aber unterhaltsam erzählt und mit dem typischen Charme, der von dem tollen Detektiv-Gespann ausgeht.

VÖ: 18.März 2016
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9456-2436-4


Sherlock Holmes Chronicles – 26. Sein schrecklichster Fall



Erster Eindruck: Ein unerwarteter Todesfall

Der Mord an einer Prostituierten ist nicht gerade das, was Meisterdetektiv Sherlock Holmes interessiert, erst auf Bitten von Dr. Watson hilfr er Inspector Lestrade auf die Sprünge. Doch als er mehr von den Hintergründen erfährt, ist er plötzlich in höchster Alarmbereitschaft, denn das Gesicht der jungen Frau wurde mit ätzendem Vitriol übergossen – ganz so wie in einem früheren Fall. Doch seine Ermittlungen reizen seinen Gegner, sodass Holmes bald einen schrecklichen Verlust hinnehmen muss...

Mit einer Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden ist „Sein schrecklichster Fall“ eine der längsten Hörspiele um Sherlock Holmes, erschienen als 26. Folge der „Chronicles“ aus dem Hause Winterzeit. Die Vorlage stammt dabei von Gary Lovisi, der sich in seiner Geschichte recht weit von den Vorlagen von Sir Arthur Conan Doyle entfernt und neue Elemente einbringt, so sind hier recht viele – in Ermangelung eines besseren Wortes – Actionszenen eingebracht, überstürzte Handlungen und gefühlsbetonte Entscheidungen von Holmes, der mehr als einmal seinen klaren Verstand verliert. Auch richtet sich diese Folge nicht an minutiösen Ermittlungen aus, sondern konzentriert sich auf den unerwarteten Tod von Dr. Watson, die einiges an Ungemach bereit hält und Holmes in einer gänzlich ungewohnte Situation bringt. Sehr gut gelungen ist die Verknüpfung mit einem der ursprünglichen Fälle, dessen Protagonist hier wieder sein Unwesen treibt, dies zu erkunden ist sehr spannend und bringt eine zusätzliche Brisanz in die Folge. Der Erzähleranteil ist hier recht hoch – auch, weil Holmes über weite Teile der Handlung auf sich selbst gestellt ist, dennoch wirkt auch hier trotz den verwendeten Begriffes „Inszenierte Lesung“ die Produktion eher wie ein Hörspiel. Leider zieht sich die Handlung im Mittelteil etwas in die Länge, hier passiert einfach zu wenig, um den Hörer bei Laune zu halten. Doch gepaart mit dem düsteren Ausdruck, dem diabolischen Gegenspieler und der spannenden Handlung ist eine hörenswerte Folge der Serie entstanden.

Till Hagen übernimmt hier nicht nur die Rolle des Sherlock Holmes, sondern übernimmt als dieser auch einen Großteil der Erzähleraufgaben. Beides meistert er mit der ihm eigenen Souveränität, er spricht sehr eingängig und kann die aufgewühlte Gefühlswelt des Ermittlers auf den Punkt bringen. Viola Sauer ist als Mrs. Hudson im Einsatz und hat eine etwas größere Rolle als sonst, die sie mit viel Energie und einer eingängigen Betonung spricht. Sehr gut gefallen hat mir auch Markus Pfeiffer, der mit unheilvollem und bedrohlichem Klang und leichtem, glaubhaften Akzent eine sehr überzeugende Vorstellung abliefert. Weitere Sprecher sind Louis-Friedemann Thiele, Michael-Che Koch und Jodie Blank.

Normalerweise hält sich die akustische Gestaltung in dieser Serie ja eher zurück, durch die dramatischere und actiongeladenere Handlung dreht sie aber auch hier etwas mehr auf. Das Finale ist sehr prägnant mit Geräuschen in Szene gesetzt worden, die eine sehr dichte Atmosphäre schaffen, während ansonsten stimmungsvolle Melodien im Einsatz sind die die Aura der Geschichte unterstreichen.

Der Gegenspieler von Holmes in dieser Folge ist auf dem Cover abgebildet, das Gesicht eine entstellte Fratze, das Gesicht halb im Dunkeln verborgen, der Blick bösartig und hinterhältig, doch sehr gut gekleidet ist er in einem alten Gemäuer zu sehen – sehr stimmig! Das Booklet enthält neben Produkthinweisen zu anderen Holmes-Produkten auch die bereits bekannten Informationen zu den beiden Hauptsprechern.

Fazit: Diese Folge ist recht zweispältig: Einerseits bringt sie viel frischen Wind in die Serie, ist spannend und actiongeladen, andererseits entfernt sie sich recht weit vom Original. Leider sind auch einige langwierige Szenen in die Produktion gelangt, dennoch hat mir „Sein schrecklichster Fall“ gut gefallen, die Fortführung einer bekannten Geschichte ist insgesamt gut erzählt und mit einiger Schärfe umgesetzt.

VÖ: 22.Januar 2016
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9437-3268-9


Sherlock Holmes Chronicles – X-Mas Special 4. Das Rätsel der grauen Katze



Erster Eindruck: Ein weihnachtliches Rätsel...

Charles McDermott sucht die Hilfe des Meisterdetektivs Sherlock Holmes, denn der Tod seines Vaters gibt ihm und der Polizei Rätsel auf. Holmes, der von dem Fall bereits aus der Presse erfahren hat, muss dabei aber direkt in drei Morden ermitteln – denn auch zwei andere Tote sind unter merkwürdigen Umständen gestorben. Nur die Spuren einer Katze sind am Tatort hinterlassen worden. Mitten im weihnachtlichen Trubel stehen Holmes und Watson unter Hochdruck...

Fast schon eine kleine Tradition bei den Sherlock Holmes Chronicles aus dem Hause Winterzeit ist die Veröffentlichung einer Weihnachtsfolge, „Das Rätsel der grauen Katze“ ist bereits die vierte derartige Folge. Die Geschichte wurde eigens für diese Episode von James A. Brett geschrieben, der es geschafft hat, punktuell weihnachtliches Flait durchscheinen zu lassen, die Konzentration dabei aber stets auf der Handlung zu haben. So muss sich Dr. Watson in ein von Holmes aufgezwungenes Kostüm zwängen, was sehr gut intergriert ist und zudem noch eine ordentliche Prise Witz einbringt. Der Fall an sich ist sehr clever durchdacht, wobei als wichtiger Beweis tatsächlich das Auftauchen der titelgebenden grauen Katze ist. Wie diese mit den Morden zusammenhängt und welches Motiv dahintersteckt ergibt sich recht langsam, aber durch immer neue Informationen ist das Geschehen sehr spannend gehalten. Gern rätselt man mit, verwirft Theorien und ist erstaunt über die kleinen Wendungen. Dass alles in einem stimmigen und packenden Finale endet, schließt die Handlung dann gekonnt ab und sorgt mit einigen cleveren Kniffs für einen gekonnten Abschluss dieser sehr starken Folge der Serie.

Auch wenn die Produktion eher wie ein Hörspiel denn wie eine inszenierte Lesung wirkt – die Anzahl von gerade einmal sieben Sprechern spricht ebenfalls für zweiteres. Hendrik Martz ist in der Rolle des Charles McDermott zu hören, den er mit überzeugender und lebhafter Sprechweise umsetzt und seine Szenen gut zur Geltung bringt. Sven Gerhardt hält sich als Inspektor Bradstreet eher zurück, liefert aber eine ebenso gelungene Leistung ab, die gut zur der Rolle passt. Frank Röth ist als James Nelligan mit seiner markanten Stimme und der passenden Attitüde auch eine sehr gute Besetzung. Neben den Hauptsprechern Tom Jacobs und Till Hagen sind auch Dirk Hardegen und Gerald Schaale zu hören.

Die eingesetzte Musik ist eingängig und vielseitig, wobei nur sehr wenige weihnachtliche Melodien eingesetzt wurden. Die Szenen wirken sehr eingängig, auch durch die Geräuschkulisse, die sehr gut an die jeweilige Situation angepasst wurde. Durch diese lebendige Herangehensweise wirken auch die langen Dialoge kurzweilig und prägnant.

Vor der Kulisse des verschneiten Londons mit ihren typischen Wahrzeichen sitzt eine graue Katze, den Blick konzentriert auf den Boden vor sich gerichtet, die Augen gelblich leuchtend – das Cover der Folge ist gelungen und weckt die Lust auf die kommende Geschichte. Ergänzt durch den Schriftzug mit dem stilisierten Konterfei des Detektivs ist ein stimmiges Titelbild entstanden.

Fazit: Wie die Geschichte von den Katzenspuren zu ihrem eigentlichen Thema kommt, eine spannende Handlung mit einem Hauch weihnachtlicher Stimmung kombiniert, ist sehr gelungen und eine sehr gelungene Neuinterpretation der bekannten Figuren. Die spannende und kurzweilige Geschichte ist zudem sehr gelungen umgesetzt.

VÖ: 28.Oktober 2016
Label: Winterzeit
Bestellnummer: 978-3-9456-2455-5

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