Sherlock Holmes Chronicles – 97. Die Thor Brücke



Neil Gibson sucht die Hilfe von Sherlock Holmes, um den Mord aus seiner Frau aufzuklären. Nicht etwa, um Gerechtigkeit für die ungeliebte Gattin zu erlagen, sondern um seine Gouvernante zu entlasten. Dieser ist er sehr zugetan, was den Verdacht zusätzlich auf sie lenkt. Doch wollte sie tatsächlich ihre Konkurrentin aus dem Weg räumen…?

Mit „Die Thor-Brücke“ ist in den „Sherlock Holmes Chronicles“ ein weiterer Klassiker aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle umgesetzt worden, der allerdings nicht die gleiche Bekanntheit hat wie andere Geschichten. In meinen Augen völlig zu Unrecht, denn die trickreiche Handlung weiß mit einigen Winkelzügen und einer geschickten Auflösung zu überzeugen. Der Aufbau der Episode ist sehr klassisch: Holmes‘ neuer Mandant schildert nach einem launigen Intro seinen Fall am Kaminfeuer der Baker Street 221b, bei der der Meisterdetektiv direkt scharfsinnig nachfragt und in dem bereits zahlreiche Hinweise gestreut werden. Auch die nachfolgenden Befragungen und Ermittlungen vor Ort sind kurzweilig geraten und zeichnen ein immer klareres Bild der Situation. Und auch wenn irgendwann eine starke Ahnung vorliegt, was hinter allem steckt (wahrscheinlich vor allem, wenn man schon andere Geschichten Doyles kennt oder viele Krimis kennt), gibt es immer noch einige Überraschungen und Hintergründe zu entdecken. Mir gefällt auch, wie das persönliche Drama gelungen integriert ist und man einen intensiven Eindruck der unheilvollen Dreiecksbeziehung bekommt, in der jeder andere Hintergedanken und Absichten hegt. Gemeinsam mit den cleveren und verstrickten Umständen und Hinweisen ist eine sehr starke Episode der Reihe entstanden.

Stefan Gossler ist in der Rolle des Neil Gibson zu hören und legt eine sehr souveräne Darbietung ab. Er bringt eine starke Aura mit ein und kann die Kraft des Goldmagnaten sehr gut zur Geltung bringen. Anna Gamburg spricht mit ihrer klaren Stimme Miss Dunbar und verleiht ihr trotz des vergleichsweise kurzen Auftritts einige gelungene Facetten, was mit der durchaus zwiespältigen Beschreibung gekonnt zusammenspielt. Jannik Endemann ist als Sergeant Coventry ebenfalls eine Bereicherung für die Geschichte und punktet mit einer betonten und eingängigen Sprechweise. Weitere Sprecher sind Marco Esser, Rainer Gerlach und Tom Jacobs.

Die typische Atmosphäre der Serie wird auch hier wieder gelungen eingesetzt, sodass wieder einige stimmungsvolle Musikstücke im Einsatz sind. Diese verströmen eine leicht mystische Aura und sorgen in dem sonst rein logisch aufgebauten Stück für eine interessante Nuance. Die Geräuschkulisse mit leisen, aber passenden Sounds ist gekonnt auf die Dialoge abgestimmt.

Die titelgebende Thor Brücke ist auf dem sehr hübschen Cover ansehnlich umgesetzt. Zwei Männer in typischer Kleidung des ausgehenden 19. Jahrhunderts samt Zylinder stehen auf dem geschwungenen Bauwerk, während die Landschaft samt einigen Gebäuden gelungen umgesetzt ist. Im Inneren des Booklets ist einmal mehr ein Vorwort von Markus Winter zu lesen, der die aktuelle Marktsituation von CDs anspricht.

Fazit: „Die Thor Brücke“ ist ein cleverer Fall mit einigen gelungenen Kniffen und Wendungen, was sich im Laufe der Zeit immer mehr zeigt. Doch auch das persönliche Drama, das sich dabei abspielt, sowie die eingängige Darstellung der Charaktere sind sehr gelungene Elemente. Schön, dass der Klassiker von Arthur Conan Doyle in einer so hörenswerten Umsetzung vorliegt.

VÖ: 16. September 2022
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662570

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