Inspector Lestrade – 16. Der Kobold von Bath



Eine aufgeregte Frau berichtet Inspector Lestrade von einer sehr bedrohlichen Situation: Ein blutgieriger Kobold soll ihr das eigene Kind vor der Geburt aus dem Leib geschnitten zu haben. Zwar wirkt die Geschichte vollkommen verrückt, doch Lestrade schöpft dennoch Verdacht und geht der Sache vor Ort auf den Grund. Doch Commissioner Hawksley ist alles andere begeistert, dass er dafür gleich mehrere Tage an einem Urlaubsort verbringt…

Übernatürliche Elemente kommen im Kosmos von Sherlock Holmes nicht vor, für jede scheinbar mystische Erscheinung findet der Detektiv eine logische Erklärung. Dieser Grundsatz wurde auch in dem Ableger „Inspector Lestrade“ befolgt, was in der 16. Episode wieder besonders deutlich wird. Denn natürlich glaubt weder der Hörer selbst noch der Ermittler, dass tatsächlich eine blutrünstige Sagengestalt hinter der Schreckensvision von Amber Halbrook steckt. Zunächst ist aber nicht klar, ob es sich nun um die Einbildung einer geisteskranken Frau oder um eine tatsächliche Attacke handelt, was reizvoll und unterhaltsam dargestellt wurde. Die Umstände ihres Lebens, der Zustand ihres Geistes, die mysteriösen Andeutungen: Als Zuhörer hatte ich zwar irgendwann eine Ahnung, wer der Antagonist der Episode ist und hatte dann auch recht. Doch die Umstände haben mich dann dennoch überrascht und schockiert – einige brutale und erschreckende Details inbegriffen. Sehr gut gefällt mir auch die Einbindung in die damalige Zeit – dass es erwähnenswert ist, dass ein Haus mit elektrischem Licht ausgestattet ist oder der damalige Fortschritt der Wissenschaft. Und auch der Streit mit Commissioner Hawksley bringt eine reizvolle Stimmung und einige heitere Momente mit ein. Das sind kleine Details, die diese spannende Episode abrunden.

Jessica Walther-Gabory spricht die Rolle der Amber Halbrook sehr intensiv. Mal zart und zerbrechlich, mal aufgebracht und verwirrt, aber immer sehr glaubhaft und mit vielen feinen Facetten. So wirken ihre Szenen sehr markant und atmosphärisch. Ihr Mann Kenneth wird von Achim Buch gesprochen, der den engagierten Arzt authentisch umsetzt und sich gelungen an die verschiedenen Szenen anpasst. Jörg Hengstler hat als Commissioner Hawksley hier mal einen größeren Auftritt und kombiniert eine cholerische Ader mit einem gelungenen Gespür für feinen Humor. Weitere Sprecher sind Elisabeth Günther, Thomas Kästner und Jörg Hengstler.

Auch wenn sich die akustische Begleitung der Handlung während der Dialoge wie immer eher zurückhält und den Fokus auf die Sprecher legt, ist die Musik an einigen Zeitpunkten recht kraftvoll und markant eingesetzt. Auch die Geräuschkulisse ist lebendig und an die verschiedenen Situationen angepasst, sodass eine lebendige Stimmung entstanden ist.

Die leidende Mrs. Amber Halbrook wurde als Covermotiv für die Episode ausgewählt, wieder im Stil eines alten Ölgemäldes. Ein Baldachin, kleine Beistellmöbel, eine Waschschüssel – die Einrichtung strahlt nicht nur Gemütlichkeit aus, sondern ist auch gut an die Zeit angepasst, in der die Handlung spielt. Der Schatten den eine geheimnisvolle Gestalt aus der Türöffnung auf den Boden wirft, fällt erst auf den zweiten Blick auf und ergänzt das Motiv auf gelungene Weise.

Fazit: „Der Kobold von Bath“ überzeugt durch einen sehr gelungenen Aufbau, der merkwürdige Anruf zu Beginn, die Erkundung der weiteren Umstände, ein packendes, grauenerregendes Finale. Dabei wechseln sich spannende Momente, überraschende Höhepunkte und witzige Kommentare gelungen ab, was für einen sehr runden und hörenswerten Eindruck sorgt.

VÖ: 21. Oktober 2022
Label: Fritzi Records
Bestellnummer: 9783864737527

 

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