Sherlock Holmes: Die neuen Fälle – 52. Familienbande



Selten hat Dr. John Watson seinen Freund Sherlock Holmes so aufgebracht erlebt: Der Brief seiner ehemaligen Vermieterin aus Studienzeiten lässt ihn umgehend nach Oxford aufbrechen. Die wohlhabende Ricarda Hurst, Jugendliebe des Meisterdetektivs, ist bei einem Schiffbruch ums Leben gekommen und hat eine Tochter hinterlassen, sie sich seit dem Tod der Mutter verfolgt und bedroht fühlt…

Über das Privatleben von Sherlock Holmes ist nur wenig bekannt, insbesondere der Schöpfer der bekannten Figur Sir Arthur Conan Doyle hat hier vieles im Schatten gelassen. „Die neuen Fälle“ des Meisterdetektivs, genauer die 52. Episode „Familienbande“ aus der Feder von Maureen Butcher, füllt nun diese Lücke ein wenig aus und erzählt am Rande vom früheren Liebesleben von Holmes und seiner Studienzeit in Oxford. Neben der engen Bindung zu Ricarda Hurst wird noch mit weiteren Details und Verstrickungen gearbeitet, was für Holmes-Puristen sicherlich deutlich über das Ziel hinausschießt, aber eben auch eine ungewöhnliche und sehr individuelle Note in die Episode einbringt. Der Fall an sich würde aber auch ohne diese privaten Aspekte gut funktionieren, die verfolgte Gloria Hurst und eine verzwickte Erbschaftsangelegenheit bringen eine spannende Geschichte hervor. Der Kreis der Verdächtigen ist im Grunde schnell eng begrenzt, dennoch gibt es einige Überraschungen und Tricks des Meisterdetektivs, bis schließlich der Bösewicht ausgemacht ist. Dabei steckt am Ende wieder etwas ganz anderes hinter den Taten als anfangs vermutet, sodass der Reiz der Episode durchgängig hoch bleibt. Und wie so oft bei dieser Serie sind die Charaktere auch hier wieder ausdrucksstark geraten und bringen ihre ganz eigene Note mit ein.

Christian Rode hat hier noch einmal eine ganz andere Seite des Meisterdetektivs gezeigt und neben der unumstößlichen Souveränität der bekannten Figur einige stille, fast unsichere Momente eingebaut, was noch mehr Tiefe verleiht. Marieke Oeffinger ist auch hier in einer tragenden Nebenrolle zu hören und bringt die Figur der Gloria Hurst gefühlsbetont und eingängig herüber, wobei sie eine sehr eingängige Sprechweise mitbringt. Auch Gabriele Libbach macht ihre Sache als Mildred Joyner sehr überzeugend, sie spricht ihre Passagen sehr authentisch und verleiht Holmes‘ früherer Vermieterin eine sehr warmherzige Seite. Weitere Sprecher sind Horst Naumann, Sandrine Mittelstädt und Liane Rudolph.

Das Team um Regisseur Gerd Naumann hat auch für diese Episode eine sehr stimmige Atmosphäre geschaffen. Das liegt einerseits an den vielen Geräuschen, die glaubhafte Kulissen für die verschiedenen Szenen erzeugen, andererseits aber auch an den eingebauten Melodien, die gekonnt an die vorherrschenden Stimmungen angepasst sind und dadurch einen gelungenen Rahmen für die verschiedenen Szenen bilden.

Die Episode spielt in der gehobenen Gesellschaftsschicht, was auch auf dem Titelbild angedeutet wird: Hohe Sessel mit Armlehnen, Gemälde in Goldrahmen, dazu die beiden Damen und der Herr in edler Kleidung beim Teegebäck. Gepaart mit der der Optik eines alten Ölgemäldes funktioniert das sehr gut und ergibt mit dem dunkelgrünen Rahmen ein ansprechendes Cover.

Fazit: „Familienbande“ offenbart deutlich mehr vom Privatleben des Meisterdetektivs als andere Geschichten – das muss man mögen. Der Fall selbst ist gelungen angelegt und überrascht immer wieder mit Wendungen, aber auch die Ermittlungen und die von Holmes angewendeten Methoden zur Wahrheitsfindung sind kreativ und überzeugend umgesetzt.

VÖ: 9. September 2022
Label: Romantruhe Audio
Bestellnummer: 9783864734533

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