Die schwarze Serie – 21. Der Schatten



Letitia Shiner ist trotz ihrer Zuneigung zu einem Freund des Hauses vollkommen zurückweisend, als dieser ihr einen Heiratsantrag macht. Nur langsam öffnet sie sich ihm und verrät den Grund, warum er nicht einmal von der Möglichkeit einer Hochzeit mit ihm sprechen sollte. Denn seit ihr Verlobter George Mason auf einem Marineschiff angeheuert hat, wird sie von schrecklichen Visionen geplagt – völlig zurecht, wie sie schon bald herausfindet…

Bis dato waren mir sowohl Autor als auch Vorlage der 21. Episode von „Die schwarze Serie“ mal wieder vollkommen unbekannt, sodass ich ohne spezifische Erwartungen an die Umsetzung von „Der Schatten“ gehen konnte. Die Atmosphäre zur Mitte des 19. Jahrhunderts kommt dabei direkt sehr gelungen zur Geltung, gesellschaftliche Konventionen und der Umgang zwischen Mann und Frau sorgen für einige reizvolle Momente. Gut gefällt mir, dass mit der heftigen Reaktion von Letitia auf den Heiratsantrag bereits erste düstere Wolken aufziehen und die Zuhörenden langsam eine erste Ahnung davon bekommen, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln würde. Mit der von da an verschachtelten Erzählweise auf verschiedenen Ebenen wird eine dynamische Wirkung erzeugt, die durch die Seefahrer-Thematik zusätzlichen Reiz entwickelt. Mir gefällt, dass die mystischen und übernatürlichen Elemente nicht mit dem Holzhammer erzählt werden, sondern sich langsam einschleichen und so für Gänsehautschauer sorgen. Wie sich die Handlung steigert und auf einen sehr ausdrucksstarken Höhepunkt zusteuert, ist zudem sehr gelungen und sorgt für eine sehr gelungene Episode der Gruselserie.

Sarah Alles ist in der Rolle der Letitia zu hören, wobei sie eine markante Sprechweise wählt. So kommt die rigoros ablehnende Haltung dem Heiratsantrag gegenüber ebenso gut zur Geltung wie der sich aufbauende Schrecken. Ihr Verlobter George Mason bekommt seine Stimme von Björn Schalla verliehen, der sich gelungen an die düstere Atmosphäre der Episode anpasst und dabei die unheimlichen Momente unterstreicht. Auch Tetje Mierendorf hat mir als Gordon Middleton gut gefallen, er spricht sehr solide und verleiht seinem Charakter einen glaubhaften Ausdruck. Weitere Sprecher sind Tammo Kaulbarsch, Markus Pfeiffer und Uschi Hugo.

Alexander Schiborr und Bernhard Gouscal zeichnen sich für die Musik verantwortlich, diese ist gut an die Stimmung der verschiedenen Szenen angepasst. Mir gefällt, wie diese die Intensität der Geschichte nachzeichnet und so Höhepunkte und gruselige Momente unterstreicht. Auch die Geräuschkulisse wirkt dabei überzeugend, sodass alles wie aus einem Guss wirkt.

Das Titelbild zu dieser Episode gefällt mir sehr gut: Das ernst wirkende Gesicht des jungen Mannes, dessen Unterseite langsam in einen Eisberg übergeht, wirkt mystisch und greift dabei die Stimmung der Episode auf. Durch die düsteren Farben entsteht zudem zusätzlich ein unheimlicher Eindruck. Insgesamt ist die Gestaltung sehr schlicht, wie man es von der Serie gewohnt ist.

Fazit: „Der Schatten“ nimmt sich die Zeit, um die Handlung aufzubauen und nimmt dabei auch kleinere, aber sehr interessante Umwege. Mir gefällt, wie die düstere Ausstrahlung mit einer Seefahrer-Thematik kombiniert wird und jede Wendung sitzt, aber auch wie gut die Charaktere zur Geltung kommen. Sehr überzeugend!

VÖ: 8. Juli 2022
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783960663577

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