Sherlock Holmes Chronicles – 92. Der Angestellte des Börsenmaklers / Ein Skandal in Böhmen



Hall Pycroft, der neue Mandant von Sherlock Holmes, wurde kürzlich aus seiner Einstellung entlassen, hat aber mit einiger Mühe eine lohnenswerte Alternative in einer renommierten Kanzlei angeboten bekommen. Doch seine Verwunderung ist groß, als er kurz darauf ein noch besseres Angebot erhält… („Der Angestellte des Börsenmaklers“)
Holmes‘ Einsatz für die niederländische Königsfamilie hat sich in mehr als einer Hinsicht bezahlt gemacht, erneut kommt ein hochrangiger Adeliger mit einer Bitte auf den Meisterdetektiv zu. Doch die Sache hat einen Haken: Bei einem ersten Zusammentreffen erscheint sein neuer Mandant maskiert… („Ein Skandal in Böhmen“)

Neben einigen längeren Geschichten hat Arthur Conan Doyle für seine „Sherlock Holmes“-Figur auch deutlich kürzere Fälle geschrieben. Und auch diese werden nach und nach von Markus Winter vertont und in den „Sherlock Holmes Chronicles“ veröffentlicht. In der 92. CD-Ausgabe sind gleich zwei davon vertreten: „Der Angestellte des Börsenmaklers“ und „Ein Skandal in Böhmen“. Wegen der relativen Kürze zu anderen Fällen sind diese natürlich deutlich weniger komplex geraten, beide haben jedoch einen gelungenen, individuellen Aufhänger. In der ersten Episode dieser CD ist es ziemlich offensichtlich, dass mit dem äußerst großzügigen Jobangebot etwas nicht stimmen kann, dafür sind zu viele Merkwürdigkeiten eingebunden. Doch es ist unterhaltsam zu hören, wie Holmes durch die Berichte seines Mandanten langsam die Hintergründe erkundet. In „Ein Skandal in Böhmen“ bringt die Identität des geheimnisvollen Auftraggebers eine gewisse Brisanz ein, die Handlung ist weniger aufregend oder spannend, aber unterhaltsam und rätselhaft geraten. Schön ist, wie die Spitzzüngigkeit des Detektivs und die gutmütige Art des Arztes sowie ihre besondere Beziehung zueinander sehr gut zur Geltung kommt. So kommt eine angenehme und lebhafte Stimmung auf. Schön, dass die Lücken der Originalgeschichten langsam gefüllt werden.

Hall Pycroft, Holmes‘ Mandant im ersten Fall, wird von Gerrit Schmidt-Foß gesprochen, der mit seiner lockeren und sympathischen Art auch hier schnell die Zuhörer auf seine Seite zieht, Schwung in die Handlung mit einbringt und sehr glaubhaft spricht. Auch Wolfgang Wagner hat mir als Pinner gut gefallen, er bringt mit seiner markanten Sprechweise einen gelungenen Kontrast ein und sorgt für stimmungsvolle Momente. Auch Erich Räuker sorgt für mehr Atmosphäre, indem er seiner Figur nicht nur einen Hauch Mysterium verleiht, sondern auch eine machtvolle Aura. Weitere Sprecher sind Magdalena Turba, Brigitte Carlsen und Jannik Endemann.

Die Stilistik dieser Folge unterscheidet sich natürlich nicht großartig von seinen Vorgängern, auch hier kommt durch die Musik eine angenehme und rätselhafte Grundstimmung auf. Da die beiden Episoden aber eher ruhig sind und keine hervorstechenden Höhepunkte haben, bleibt die akustische Gestaltung etwas ruhiger als sonst. Musik und Geräusche wurden dabei gekonnt auf die verschiedenen Szenen angepasst.

Ein einsamer Schreibtisch samt kleinem Aktenkoffer, ein leicht verwittert wirkender Raum – das Motiv auf dem Titelbild ist trotz der schlichten Idee mit vielen hübschen Elementen aufgewertet. Gut gefällt mir, dass im Inneren und auf der CD auch ein Bild zur zweiten Episode zu sehen ist. Warum das so ist, erklärt Markus Winter im Booklet in einem seiner Grußworte.

Fazit: Zwei eher unaufgeregte Geschichten, die aber dank ihrer markanten Ausgangspunkte lebendig und unterhaltsam geraten sind. Ich mag das Zusammenspiel der Charaktere, die durchaus verschlungenen Pfade der Handlung (auch wenn diese nicht sonderlich komplex sind) und die überzeugende Produktion, sodass zwei hörenswerte Geschichten entstanden sind.

VÖ: 15. Mai 2022
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662525

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