Professor van Dusen – 30. und der grundlose Mord



Als Hutchinson Hatch auf der Rückfahrt von Schottland nach London die Zeitung aufschlägt, stockt ihm der Atem. Denn der Maler Frederick O’Connor steht wegen Mordes vor Gericht – und dieser hatte vor einiger Zeit ein Portrait von Professor van Dusen angefertigt. Und auch wenn die beiden sich nicht sonderlich gut verstanden haben, ist das Interesse der Denkmaschine geweckt, sodass er schon bald an der Gerichtsverhandlung teilnimmt…

Die erste Hörspielumsetzung der Figur des Professor van Dusen, der ursprünglich von Jacques Futurelle erdacht wurde, aber mit Geschichten von Michael Koser hierzulande größere Bekanntheit erlangt hat, ist nicht nur mit kniffligen und trickreichen Kriminalfällen versehen, sondern auch mit einer Portion großartigem Humor versehen, wie auch „Professor van Dusen und der grundlose Mord“ beweist. Dabei ist nicht nur die gelungene Chemie zwischen den Hauptfiguren anzumerken, sondern beispielsweise auch der tattrige Richter, der sich keine Namen merken kann, oder ein Zitat, welches Hörern deutscher Chansonmusik wohlbekannt vorkommen dürfte. Das steht nicht im Vordergrund, ist aber eine sehr gelungene Begleitung des eigentlichen Falles, der gekonnt auf mehreren Zeitebenen erzählt wird. So springt die Handlung des Öfteren zu der zentralen Gerichtsverhandlung, während von dort wieder Rückblenden zu früheren Szenen geschehen, bevor van Dusen wieder Ermittlungen aufnimmt. Dieses geschickt konstruierte Puzzle sorgt für ganz unterschiedliche Teile, die erst im Laufe der Zeit ein sinnvolles Ganzes ergeben. Das ist nicht einmal sonderlich komplex, durch die trickreiche Erzählweise aber spannend aufbereitet und vielschichtig erzählt. Ein sehr gelungener Fall, bei dem wieder viel Wert auf eine passende Stimmung und launige Dialoge gelegt wurde.

Otto Czarski ist in der Rolle des Chiefinspector Dogsbody zu hören, seine markante Stimme passt sich sehr schnell den verschiedenen Gegebenheiten ein, zumal er auch den Humor der Episode nicht vernachlässigt und mit seinen trocken präsentierten Sprüchen anreichert. Herbert Weißbach punktet in der Rolle des namenlosen Richters mit seiner krächzenden, aber sehr präsenten Stimme und der vergesslichen Art, was mich sehr zum Lachen gebracht hat. Dennoch verkörpert er auch den Respekt der Rolle auf überzeugende Weise. Wolfgang Condrus verleiht dem Maler Frederick O’Connor eine sehr präsente Art, wobei er die Betonung auf die arroganten und unsympathischen Züge des Mannes legt und so eine ambivalente Figur schafft. Weitere Sprecher sind Lothar Blumhagen, Harry Wüstenhagen und Eric Vaessen.

Teilweise ist die musikalische Umsetzung der Episoden der Serie präsent, hier hält sie sich jedoch etwas zurück und präsentiert sich gemäßigter, aber dennoch stimmungsvoll und durchaus ungewöhnlich für eine Hörspielreihe. Die Geräuschkulisse nimmt dafür mehr Raum ein und lässt die Szenen lebendiger klingen, und sei es nur durch leises Stimmgemurmel, Stühlerücken oder den Hall im Gerichtssaal.

Eine Staffelei mit einem halb fertigen Gemälde, davor ein kleiner Tisch samt Pinseln und anderer Utensilien – die im Schatten liegende Leiche des Malers sieht man erst auf den zweiten Blick. Das Titelbild zur Episode ist wieder nur in Brauntönen und mit klaren Linien gehalten, was aber für eine ganz besondere Stimmung sorgt. Und wie immer gehört zur Ausstattung ein farbenfroheres Wendecover, ein einleitender Text im Booklet und ein paar Audio-Erinnerungen im Anschluss an das Hörspiel.

Fazit: „Professor van Dusen und der grundlose Mord“ macht vor allem zwei Dinge richtig: Einerseits die große Portion Humor, die sehr gekonnt eingestreut und oft eher hintergründig ist. Andererseits eine geschickt erzählte Handlung auf mehreren Ebenen, die dennoch ein einheitliches Ganzes ergibt. So macht diese Episode richtig Freude, selbst wenn der Fall an sich nicht zu den komplexeren oder aufregenderen gehört.

VÖ: 29. Oktober 2021
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783960663294

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