Inspector Lestrade – 14. Die Tode des Adrian Abernethy



Clara Abernathy sucht die Hilfe von Inspector Lestrade von Scotland Yard auf, um das Verschwinden ihres Vaters zu melden. Schon bei ihrer ersten Aussage berichtet sie von seiner tyrannischen Herrschaft: Adrian verbietet seiner Frau und seinen beiden Töchtern nicht nur das Betreten weiter Teile des Hauses, schränkt ihren Umgang deutlich ein und ist auch körperlich übergriffig. Als Lestrade in dem Anwesen auf Suche geht, entdeckt er Schreckliches…

„Inspector Lestrade“ hat sich als eigenständige Serie etabliert, nach der kurzen Starthilfe von der bekannten Figur Sherlock Holmes haben die Krimis mittlerweile einen eigenen Stil entwickelt. Auch die 14. Episode aus der Feder von Andreas Masuth hat einen interessanten Ansatz und setzt einige interessante und reizvolle Aspekte nebeneinander, stellt aber eben nicht klassisch die Suche nach einem Täter in einem Mordfall in den Mittelpunkt, sondern klärt eher die Umstände eines tragischen Selbstmords auf. Die Lebensumstände der Familie Abernethy vor dem Tod des tyrannischen Familienvaters, ein schrecklicher Unfall in der Vergangenheit, aber später beispielsweise auch wirtschaftliche und berufliche Verhältnisse – über allem liegt ein Hauch des Rätselhaften, Unbekannten, sodass man lange Zeit nicht recht greifen kann, was mit dem Fall nicht stimmt. Und so ist auch der Verlauf trotz der eher langsamen Erzählweise durchgängig sehr unterhaltsam geraten. Jede Szene ist gut platziert und trägt zum Gelingen der Geschichte bei, es ergeben sich unerwartete Zusammenhänge und einige überraschende Wendungen. Schön, dass der Charme der Charaktere wie nebenbei einfließt und in den Dialogen gut zur Geltung kommt. Eine starke Folge, die mal wieder einen sehr interessanten Ansatz hat, der gut ausgeführt wird.

Auch wenn die Stammbesetzung der Serie, unter anderem mit Lutz Harder, Michael Pink und Jörg Hengstler, auch hier wieder sehr überzeugend sind, stechen die drei Familienmitglieder der Familie Abernethy positiv hervor. Clara wird von Laurine Betz gesprochen, die sowohl sanft und verängstigt wie auch stark und markant klingen kann, sodass sie eine ausdrucksstarke Figur schafft. Ihre Schwester Georgina wird von Magdalena Helmig gesprochen, die die Verbitterung der jungen Frau überzeugend darbietet und ihre Szenen sehr glaubhaft und gefühlsbetont umsetzt. Auch Antje Thiele punktet in der Rolle der Sibyl Abernethy, sie setzt eine gekonnte Betonung ein und trifft immer den richtigen Ton, um die Gefühlslage der Witwe vielseitig darzubieten.

Ich schätze die ruhige Ausstrahlung der Serie, sodass auch hier die akustische Gestaltung unaufgeregt und entspannt wirkt. Die Untermalung mit Musik ist vor allem während der Szenenwechsel vorhanden und punktet dann mit passender Stimmung, während die Geräuschkulisse souverän und vielseitig im Einsatz ist, aber nie zu dick aufträgt. Das wirkt in sich sehr stimmig und ist gelungen auf die verschiedenen Szenerien angepasst.

Viktorianische Kleidung, schwere rote Teppiche, edle Vorhänge, eine gemäldeartige Optik – das Titelbild auch dieser Episode versetzt den Betrachter in eine andere Zeit. Lediglich der Schaum, der unter der Tür herausläuft, wirkt optisch dabei nicht ganz stimmig, passt aber gut zu der Handlung, ohne zu viel von der Handlung zu verraten. Die restliche Gestaltung ist wieder durch die weinrote Farbgebung gekennzeichnet und recht schlicht gestaltet.

Fazit: „Die Tode des Adrian Abernethy“ überzeugt nicht nur mit dem gelungenen Setting und dem Charme der Figuren, sondern auch mit einem sehr gelungenen Fall. Lange ist nicht ganz klar, was bei dem Selbstmord alles merkwürdig erscheint, nur langsam offenbaren sich die Zusammenhänge, was reizvoll und durchgängig sehr unterhaltsam geraten ist. Eine starke Episode, die mir sehr gut gefallen hat.

VÖ: 28. April 2022
Label: Fritzi Records
Bestellnummer: 9783864737534

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